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Professor Dr. Arndt Vogel: intrahepatische Cholangiokarzinom (ICC) - Leberkrebs - aggressive Gallengangtumor

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neuer Therapieansatz bei Gallengangkrebs

MHH-Forschungsteam untersucht molekulare Biomarker für individualisierte Tumortherapie 

Dr. Anna Saborowski, Gajanan Kendre und Professor Dr. Arndt Vogel in einem Labor der MHH-Klinik für Gastroenterologie mit violett angefärbten Gallengang-Tumorzellen.
Dr. Anna Saborowski, Gajanan Kendre und Professor Dr. Arndt Vogel in einem Labor der MHH-Klinik für Gastroenterologie mit violett angefärbten Gallengang-Tumorzellen. Copyright: Karin Kaiser / MHH. 

  • Das intrahepatische Cholangiokarzinom (ICC) entsteht innerhalb der Leber. 

Mit ein bis zwei Fällen pro 100.000 Einwohnern in Deutschland zählt das ICC zwar insgesamt zu den seltenen Erkrankungen, ist aber der zweithäufigste Leberkrebs. 

  • Der aggressive Gallengangtumor bleibt lange klinisch unauffällig, so dass er oft erst spät erkannt wird. 
  • Weil der Tumor zudem nur eingeschränkt auf Chemotherapie anspricht, haben Betroffene oft eine schlechte Prognose. 

Für einige Patientinnen und Patienten gibt es jedoch neben der „herkömmlichen“ Chemotherapie einen weiteren therapeutischen Ansatz. 

Bei ihnen liegen bestimmte genetische Veränderungen vor, die als „Krebstreiber“ die Tumorentwicklung fördern, die jedoch gleichzeitig auch Zielstrukturen für personalisierte Therapien darstellen. 

Aber auch bei diesen Betroffenen hat die maßgeschneiderte Präzisionsonkologie nicht in jedem Fall Erfolg. Warum das so ist und durch welche Strategien sich die Resistenz gegen die molekulare Behandlung überwinden lässt, hat eine Forschungsgruppe um Professor Dr. Arndt Vogel, leitender Oberarzt an der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und seine Kollegin Dr. Anna Saborowski untersucht. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Hepatology“ veröffentlicht worden. Erstautor ist der PhD-Student Gajanan Kendre.

Genetische Veränderung fördert Tumorwachstum

  • Das therapeutische Ziel für die zielgerichtete Behandlung des Gallengangtumors trägt den komplizierten Namen Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (fibroblast growth factor 2, FGFR2). 

Bei etwa 15 Prozent der Patientinnen und Patienten mit ICC ist FGFR2 aufgrund einer genetischen Fehlbildung mit anderen Genen sozusagen verschmolzen. 

Diese Fusionsumlagerungen führen zu einer dauerhaften Aktivierung von Signalwegen, die signifikant zum Tumorwachstum beitragen. 

„Wir können solche fusionspositiven ICC-Patienten durch genetische Tests am Tumormaterial zuverlässig identifizieren und mit Medikamenten behandeln, die FGFR2 blockieren“, erklärt Dr. Saborowski. 

Solche FGFR2-Inhibitoren sind beispielsweise in den USA bereits bei ICC-Patienten mit FGFR2-Fusion zugelassen, auch von der europäischen Zulassungsbehörde gibt es ein positives Votum, und es ist mit einer zeitnahen Zulassung zu rechnen.

  • Ein durchgreifendes Therapieansprechen erreichen diese Medikamente jedoch nur bei 35 Prozent der Behandelten. 

„Um besser zu verstehen, welcher Tumor auf den Inhibitor anspricht oder resistent dagegen ist, haben wir uns weitere genetische Veränderungen bei den Patienten angeschaut“, erklärt die Medizinerin. 

Im Mausmodell haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hinweise gefunden, dass weitere Gen-Mutationen das Ansprechen auf gezielte FGFR-Inhibitoren durchgreifend verändern können und so zu einem Versagen der Therapie führen.

Neue Kombinationstherapie

„Indem wir die genetischen Grundlagen der Tumorentwicklung aufklären, können wir mit Hilfe von Biomarkern die Patienten herausfinden, bei denen solche Begleitmutationen den Behandlungserfolg mit FGFR2-Inhibitoren verhindern, bzw. die Patienten identifizieren, für die die Therapie eine vielversprechende Option darstellt“, erklärt Professor Dr. Vogel. 

Eine Kombinationstherapie gegen diese Genveränderungen könnte die Krebszellen wieder anfällig für den FGFR2-Blocker machen und den Gallengangtumor stoppen. 

Die von der Forschungsgruppe entwickelten Konzepte müssen nun zunächst in weiteren präklinischen Tests bestätigt werden. Dann wollen die Forschenden in einer klinischen Studie die Wirksamkeit an ICC-Patientinnen und -Patienten in Deutschland überprüfen.

Die Originalarbeit „The co‐mutational spectrum determines the therapeutic response in murine FGFR2 fusion‐driven cholangiocarcinoma“ finden Sie unter:
https://aasldpubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/hep.31799

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Prof. Dr. Pazl Wilmes: Die Rate der Kaiserschnittentbindungen (CSD): chronische Krankheiten, Stoffwechselstörungen, Allergien,

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die Geburtsart beeinflusst nachhaltig das Mikrobiom und Immunsystem

In einer kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Publikation schließen Forscher der Universität Luxemburg die Wissenslücken bezüglich der Auswirkungen der Geburtsart auf Säuglinge. 

Dank einer langjährigen Studie zeigen sie Unterschiede in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms auf, die während des ersten Lebensjahres bestehen bleiben. 

Diese von der Geburtsart abhängigen Veränderungen beeinflussen wahrscheinlich langfristig den Zustand des Immunsystems und die antimikrobielle Resistenz.

In einer kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Publikation schließen Forscher des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) und des Fachbereichs Lebenswissenschaften und Medizin der Universität Luxemburg die Wissenslücken bezüglich der Auswirkungen der Geburtsart auf Säuglinge. Dank einer langjährigen Studie - genannt COSMIC - zeigen sie Unterschiede in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms auf, die während des ersten Lebensjahres bestehen bleiben. 

Diese von der Geburtsart abhängigen Veränderungen beeinflussen wahrscheinlich langfristig den Zustand des Immunsystems und die antimikrobielle Resistenz. Die Ergebnisse der Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Paul Wilmes sind in der Open-Access-Zeitschrift ISME Communications veröffentlicht.

  • Die Rate der Kaiserschnittentbindungen (CSD) nimmt weltweit stetig zu – insbesondere in Europa, wo sie 25% der Geburten ausmacht. 

Obwohl mehrere Studien und frühere Arbeiten des Forscherteams gezeigt haben, dass CSD sowohl das Darmmikrobiom als auch die Entwicklung des Immunsystems bei Neugeborenen beeinflusst, sind die dauerhaften Auswirkungen der Geburtsart nicht vollständig bekannt. 

"Aktuelle Hypothesen besagen, dass der Kaiserschnitt mit verschiedenen chronischen Krankheiten im späteren Leben wie etwa Stoffwechselstörungen und Allergien in Verbindung steht oder die Entwicklung von antimikrobiellen Resistenzen begünstigt", erläutert Prof. Paul Wilmes, Leiter der Gruppe Systems Ecology am LCSB. 

Es sind jedoch Studien über längere Zeiträume erforderlich, um die andauernde Auswirkung während des ersten Lebensjahres zu bestimmen, welches ein kritisches Fenster der Entwicklung darstellt.

Die Gruppe Systems Ecology untersucht seit mehreren Jahren gemeinsam mit Prof. Carine de Beaufort von der Kinderklinik des Centre Hospitalier de Luxembourg die Auswirkungen von vaginaler Entbindung (VD) und Kaiserschnitt auf die Neugeborenen.  

Sie haben bereits zuvor Unterschiede in der Struktur und Funktion des Mikrobioms der Säuglinge identifiziert. 

Aufbauend auf diesem langjährigen Interesse untersuchten sie den wichtigen Effekt der Geburtsart durch eine longitudinale Analyse: Von dem Zeitpunkt unmittelbar nach der Geburt bis hin in die frühe Kindheit. 

"Wir folgten VD- und CSD-Neugeborenen, sammelten Stuhlproben in entscheidenden Intervallen - von 5 Tagen bis zu einem Jahr - und führten hochauflösende, meta-genomische Analysen des Darmmikrobioms dieser Säuglinge durch", erklärt Dr. Susheel Bhanu Busi, Co-Erstautor der Studie. Die Ergebnisse zeigen dauerhafte, von der Geburtsart abhängige Unterschiede und deren Zusammenhang mit der Immunfunktion.

  • Während die Langzeitstudie zeigt, dass sich die Darmmikrobiome von CSD- und VD-Babys im Laufe der Zeit immer mehr angleichen, weist sie bei einjährigen vaginal entbundenen Säuglingen auch auf Unterschiede in Bezug auf Zusammensetzung und Funktion hin. 
  • Zum Beispiel ist ein Bakterium, genannt Faecalibacterium prausnitzii, in der VD-Gruppe häufiger vorhanden. 

Es ist normalerweise mit gesunden menschlichen Mikrobiomen assoziiert und könnte entzündungshemmende Eigenschaften mit sich bringen. 

Eine funktionelle Analyse der Mikrobiome zeigt für dieselbe Gruppe auch eine Zunahme der Biosynthese von natürlichen Antibiotika. 

"Beide Ergebnisse deuten darauf hin, dass die kolonisierenden Mikroorganismen im Darm eine entscheidende Rolle spielen und dass Kinder die vaginal entbunden wurden von frühzeitigen Resistenzmechanismen gegen opportunistische Krankheitserreger profitieren könnten", betont Co-Erstautorin Laura de Nies. 

Durch die Kombination der neuen Ergebnisse mit ihren früheren Studien zu diesem Thema bestätigten die LCSB-Forscher auch, dass eine Schwächung des frühen Immunsystems bei Neugeborenen, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, zu anhaltenden Effekten im ersten Lebensjahr führen könnte. 

  • Dies könnte wiederum die höhere Rate an immunsystembedingten Krankheiten erklären, die bei CSD-Kindern im späteren Leben beobachtet werden, einschließlich Stoffwechselstörungen und Allergien.


Als nächstes untersuchte das Team von Prof. Wilmes, wie die Geburtsart die antimikrobielle Resistenz (AMR) moduliert und fand heraus, dass ein Kaiserschnitt mit Genen assoziiert ist, die bereits fünf Tagenach der Geburt eine Resistenz gegen synthetische und halbsynthetische Antibiotika verleihen. 
 
Er erklärt: 
  • "Da Müttern, die sich dem chirurgischen Eingriff unterziehen, Antibiotika verabreicht werden, ist es plausibel, dass diese Anreicherung an AMR-Genen mit der Krankenhausumgebung und dem Kaiserschnitt zusammenhängt." 
Die Studie lieferte auch einige Einblicke in die Rolle mobiler genetischer Elemente - wie Plasmide und Bakteriophagen - bei der Verleihung antimikrobieller Resistenzen und zeigte, dass sie unabhängig vom Geburtsmodus einen wichtigen Beitrag zur Etablierung und Persistenz von AMR im ersten Lebensjahr leisten.


Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass von der Geburtsart abhängige Effekte auch nach einem Jahr noch bestehen. 

  • Der frühe Einfluss der Kaiserschnittentbindung auf die Etablierung des Darmmikrobioms von Neugeborenen führt zu dauerhaften strukturellen und funktionellen Unterschieden. 

Sie beeinflussen das Immunsystem, die Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger und die antimikrobielle Resistenz. 

"Diese Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, diese Effekte über längere Zeiträume zu verfolgen und ebnet den Weg für zukünftige Interventionen, die darauf abzielen, wichtige funktionelle Merkmale des Mikrobioms bei Kaiserschnitt-Kindern wiederherzustellen", schließt Dr. Busi.
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Referenz: Busi, S.B., de Nies, L., Habier, J. et al. Persistence of birth mode-dependent effects on gut microbiome composition, immune system stimulation and antimicrobial resistance during the first year of life. ISME COMMUN. 1, 8 (2021). https://doi.org/10.1038/s43705-021-00003-5

 

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Dr. Sofia Forslund: Blutdruck senken - vorher Fastenkur - metabolisches Syndrom - Prof. Dr. Andreas Michalsen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Fasten wirkt als Diät-Katalysator

Wer den Ernährungsstil ändern muss, um den Blutdruck zu normalisieren, sollte mit einer Fastenkur starten. 

Warum Patient*innen damit ihren Gesundheitszustand langfristig verbessern können, schildern Wissenschaftler*innen von MDC und ECRC im Fachblatt „Nature Communications“.

Jede*r vierte Deutsche leidet am metabolischen Syndrom. 

Bei diesem „tödlichen Quartett“ treten von vier Wohlstandkrankheiten mehrere gleichzeitig auf: 

Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus. 

Jede davon gilt als Risikofaktor für schwerwiegende Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, beispielsweise Herzinfarkte oder Schlaganfälle.  

  • Die Behandlung zielt darauf ab, Gewicht zu reduzieren und den Fett- und Kohlehydratstoffwechsel sowie den Blutdruck zu normalisieren. 

Neben Sport verordnen Ärztinnen und Ärzte eine kalorienarme und gesunde Ernährung. 

Daneben ist häufig auch eine medikamentöse Behandlung notwendig. Welche Effekte die Ernährung dabei auf das Mikrobiom, das Immunsystem und damit auf den Gesundheitszustand hat, ist allerdings nicht vollständig geklärt.

Eine Forschungsgruppe um Dr. Sofia Forslund und Professor Dominik N. Müller vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) hat nun untersucht, was eine Ernährungsumstellung bei Menschen mit metabolischem Syndrom bewirkt. Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung vom MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Eine Umstellung auf gesundes Essen wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus“, fasst Andras Maifeld die Ergebnisse zusammen. „Geht der Diät eine Fastenkur voraus, verstärkt sich dieser Effekt sogar noch.“ Maifeld ist Erstautor der Arbeit, die gerade im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist.

Broccoli statt Rinderbraten

Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Professor Gustav J. Dobos, Inhaber des Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen, rekrutierten dafür 71 Proband*innen mit metabolischem Syndrom und erhöhtem systolischen Blutdruck. Die Forschenden teilten sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein.

Beide Gruppen ernährten sich drei Monate lang nach der DASH-Diät, dem Dietary Approach to Stop Hypertension – einem Ernährungsansatz gegen Bluthochdruck. 

Bei dieser „Mittelmeerdiät“ kommen viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, Fisch und mageres weißes Fleisch auf den Tisch. Eine der beiden Gruppen nahm fünf Tage lang keinerlei feste Nahrung zu sich, bevor sie mit der DASH-Diät begann.

Mithilfe der Immunphänotypisierung beobachteten die Wissenschaftler*innen, wie sich die Immunzellen der Probanden während der Ernährungsumstellung verändern. 

  • „Das angeborene Immunsystem bleibt während des Fastens stabil, während sich das adaptive Immunsystem herunterfährt“, schildert Maifeld. 
  • Dabei nimmt insbesondere die Anzahl von entzündungsfördernden T-Zellen ab, während sich regulatorische T-Zellen vermehren.


Mittelmeerdiät ist gut – zusätzlich Fasten ist besser

Anhand von Stuhlproben untersuchten die Forschenden außerdem die Auswirkungen des Fastens auf das Mikrobiom des Darms. 

Die Darmbakterien stehen in engem Kontakt mit dem Immunsystem. 

  • So verstoffwechseln einige Bakterienstämme Ballaststoffe zu entzündungshemmenden kurzkettigen Fettsäuren, die das Immunsystem begünstigen. 
  • Während des Nahrungsverzichts verändert sich die Zusammensetzung des Ökosystems der Darmbakterien stark. 
  • Dabei vermehren sich vor allem die gesundheitsfördernden Bakterien, was die Blutdrucksenkung fördert. 

Einige dieser Veränderungen bleiben auch nach erneuter Nahrungsaufnahme. 

Besonders bemerkenswert: 

„Bei den Probandinnen und Probanden, die mit einer fünftägigen Fastenperiode in die gesunde Ernährung eingestiegen sind, blieben der Body Mass Index, der Blutdruck und der Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten dauerhaft niedriger“, erläutert Dominik Müller. Normalerweise schießt der Blutdruck sofort wieder in die Höhe, wenn die blutdrucksenkende Tablette auch nur einmal vergessen wird.

Blutdruck bleibt dauerhaft niedriger – auch drei Monate nach dem Fasten

Um sicherzustellen, dass dieser positive Effekt tatsächlich auf das Fasten und nicht auf die Medikamente zurückzuführen war, die die Proband*innen einnahmen, wertete Forslunds Arbeitsgruppe gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und der McGill University, Montreal, Kanada, diese Ergebnisse mithilfe einer Künstlichen Intelligenz statistisch aus. Dabei griffen sie auch auf Methoden aus einer früheren Studie zurück, in der sie den Einfluss von blutdrucksenkenden Medikamenten auf das Mikrobiom untersucht hatten. „So konnten wir den Einfluss der Medikamente herausfiltern und sehen, dass es von der individuellen Immunabwehr und dem Darmmikrobiom abhängig ist, ob jemand gut auf eine Ernährungsumstellung anspricht oder nicht“, sagt Forslund.

Lassen die Erfolge einer ballaststoffreichen, fettarmen Ernährung auf sich warten, könnte dies daran liegen, dass sich im Darmmikrobiom zu wenige der Darmbakterien tummeln, die Ballaststoffe zu schützenden Fettsäuren verstoffwechseln.  

„Die Betroffenen haben oft das Gefühl, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnt und fallen in alte Muster zurück“, erläutert die Wissenschaftlerin. 

Deshalb empfiehlt es sich, eine Diät mit einer Fastenkur zu kombinieren. 

„Das Fasten wirkt wie ein Katalysator für die schützenden Mikroorganismen im Darm. 

Die Gesundheit verbessert sich sichtbar sehr schnell, die Patient*innen können ihre Medikation reduzieren oder oftmals ganz auf Tabletten verzichten.“ 

Das könnte sie dazu motivieren, einen gesünderen Lebensstil dauerhaft beizubehalten.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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Dr. Sofia Forslund
Leiterin der AG Wirt-Mikrobiom-Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
mailto:sofia.forslund@mdc-berlin.de

Dr. Andras Maifeld
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Tel.: +49 30 450540558
mailto:andras.maifeld@mdc-berlin.de

Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Deutschland
Berlin

Jana Ehrhardt-Joswig

E-Mail-Adresse: jana.ehrhardt-joswig@mdc-berlin.de 
Originalpublikation:

András Maifeld et al.: Fasting alters the gut microbiome reducing blood pressure and body weight in metabolic syndrome patients, in Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-22097-0


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin

http://www.mdc-berlin.de - Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)


https://www.mdc-berlin.de/de/forslund - AG Forslund, Wirt-Mikrobiom Faktoren in Herz-Kreislauferkrankungen


https://www.mdc-berlin.de/de/mueller-dechend - AG Müller / Dechend, Hypertonie-vermittelter Endorganschaden


Prof. Dr. Christian Oliver Paschereit: Virenbehaftete Atemluft - Maskendisziplin der Berliner Fahrgäste

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: TU Berlin und Charité untersuchen Aerosolausbreitung in ÖPNV-Fahrzeugen


Gute Luft in Bus und Bahn

TU Berlin und Charité untersuchen im Auftrag der BVG quantitativ Aerosolausbreitung in ÖPNV-Fahrzeugen ● Lüftung sowie geöffnete Fenster und Türen reduzieren Aerosolkonzentration in den unterschiedlichen Fahrzeugtypen um bis zu 80 Prozent ● Trennscheiben in den Bussen verhindern effektiv die Ausbreitung der Aerosole vom Fahrgastraum zum Fahrerarbeitsplatz ● 

Zusätzlicher Positiveffekt von Masken nicht Teil der Untersuchung

Die Fahrt mit den Öffentlichen in Berlin bleibt auch während der Corona-Pandemie sicher – für Fahrgäste und Fahrpersonal. Das belegt eine aktuelle Studie des Fachgebiets Experimentelle Strömungsmechanik der Technische Universität Berlin sowie des Labors für Biofluidmechanik der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ein Team von Wissenschaftler*innen um Prof. Dr.-Ing. Christian Oliver Paschereit und PD Dr.-Ing. Ulrich Kertzscher hatten im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) experimentell die Ausbreitung von Aerosolen in verschiedenen Berliner U-Bahnen, Trams und Bussen untersucht.

Hierfür nutzten die Forscher*innen künstlichen Theaternebel sowie Aerosolmessungen, bei denen virenbehaftete Atemluft simuliert und von menschenähnlichen Puppen eingeatmet wird. So konnten sie feststellen, dass die Fahrzeuglüftung sowie das gezielte Öffnen von Fenstern und Türen für eine effektive Reduktion der Aerosolkonzentration um bis zu 80 Prozent sorgen. 

  • Bei der Untersuchung nicht einbezogen wurde der zusätzliche, positive Einfluss von medizinischen Masken, wie sie derzeit von den Fahrgästen getragen werden.


Das Volumen eines Busses zum Beispiel entspricht in etwa dem eines mittelgroßen Konferenzraumes.  

  • Das Öffnen der Türen an jeder Haltestelle wäre damit vergleichbar, während einer Besprechung etwa alle eineinhalb Minuten die Fenster zu öffnen. 
  • Zusätzlich sind die Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr oft nur wenige Minuten in den Fahrzeugen unterwegs.


Prof. Dr.-Ing. Christian Oliver Paschereit, Leiter des Fachgebiets Experimentelle Strömungsmechanik an der TU Berlin: „Es hat uns sehr gefreut, dass unsere neu entwickelte Messtechnik dazu beitragen konnte, die Ausbreitung von Aerosolen im öffentlichen Nahverkehr und damit das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV-2 zu beurteilen. Wir konnten hier zeigen, dass die Belüftungsanlagen als auch das Öffnen der Fenster und Türen die Aerosolkonzentration in den betrachteten Verkehrsmitteln sehr deutlich reduzieren.“

PD Dr.-Ing. Ulrich Kertzscher, Leiter des Labors für Biofluidmechanik an der Charité: „Es war eine spannende Herausforderung, unser Messsystem in den verschiedenen Fahrzeugtypen im Fahrbetrieb einzusetzen. Dass die Messergebnisse so positiv ausgefallen sind, hat uns tatsächlich überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.  

Wie erwartet müssen Maßnahmen ergriffen werden, aber das Öffnen der Fenster und Türen in Kombination mit den Belüftungsanlagen in den Bussen und Zügen reduzieren die Aerosolausbreitung deutlich.“

Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG): „Es freut mich sehr, dass diese Studie nun allen unseren Fahrgästen und Mitarbeiter*innen bestätigt: 

Die Nutzung von Bussen und Bahnen stellt kein erhöhtes Ansteckungsrisiko dar. Mit Maske, Abstand und guter Lüftung sind wir weiterhin gemeinsam sicher unterwegs.“

Dr. Manuela Huetten, leitende Betriebsärztin und Pandemiebeauftragte der BVG: 

„Es war uns ein besonderes Anliegen, dass auch die Wirksamkeit der Trennscheiben in unseren Bussen unter Corona-Aspekten wissenschaftlich überprüft wird. 

Anders als bei U-Bahn und Tram sitzen unsere Fahrpersonale in unseren Bussen nicht in einer Kabine. 

  • Die Studie zeigt, dass die neu eingebauten Trennscheiben effektiv die Ausbreitung von Aerosolen aus dem Fahrgastraum zum Fahrpersonal verhindern und dieses gut abschirmen. 
  • In Kombination mit der Fahrerraumlüftung ergibt sich so aus arbeitsmedizinischer Sicht ein Höchstmaß an Sicherheit am Arbeitsplatz.“
  • Trotz einer Nachfrage von aktuell nur rund 45 Prozent der vergleichbaren Vor-Corona-Zeiträume fahren Busse und Bahnen der BVG weiterhin das volle Angebot, im Schülerverkehr und auf einer Reihe von Buslinien sogar mit zusätzlichen Leistungen. 

So ist besonders viel Platz in den Fahrzeugen. 

Dort, wo technisch möglich, öffnen die Türen der Züge und Busse an allen Haltestellen automatisch. 

Die Erkenntnisse aus der Studie werden nun genutzt, um Lüftung und Fensteröffnung in den einzelnen Fahrzeugen noch gezielter zur Reduktion von möglichen Aerosolkonzentrationen einzusetzen.

Die Fahrgäste in Bus und Bahn sind durch medizinische Masken und regelmäßigen Luftaustausch geschützt. 

Als erstes Bundesland hatte Berlin im April 2020 zur Eindämmung der Corona-Pandemie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Nahverkehr verpflichtend gemacht. 

Seit Januar 2021 ist eine medizinische Maske vorgeschrieben, etwa OP-Masken oder Masken nach dem FFP2- oder KN95-Standard.

Im Juli 2020 führte die BVG als erstes Nahverkehrsunternehmen Deutschlands eine von behördlichen Bußgeldern unabhängige Vertragsstrafe in Höhe von 50 Euro bei Verstößen gegen die Maskenpflicht ein. 

Mit täglich zwischen rund 97 und 99 Prozent ist die „Maskendisziplin“ der Berliner Fahrgäste bereits seit Monaten erfreulich hoch.

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Prof. Dr. Christian Oliver Paschereit
FG Experimentelle Strömungsmechanik, Technische Universität Berlin
Telefon: +49 30 314-79777
E-Mail: oliver.paschereit@tu-berlin.de
http://www.fd.tu-berlin.de

PD Dr.-Ing. Ulrich Kertzscher
Labor für Biofluidmechanik, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Telefon: +49 30 450553818
E-Mail: ulrich.kertzscher@charite.de
https://biofluidmechanik.charite.de/ 

Stefanie Terp

Technische Universität Berlin

 


Prof. Dr. Alfred Königsrainer: COVID-19 Impfen vor dringend erforderlichen aber planbaren Operationen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie belegt Nutzen von COVID-19-Impfungen vor Operationen

Um dem erhöhten Sterblichkeitsrisiko von mit dem Coronavirus infizierten Patientinnen und Patienten bei chirurgischen Eingriffen entgegenzuwirken, hat das Forschungsnetzwerk COVIDSurg eine neue Studie durchgeführt. 

Im Rahmen dieser internationalen Modellierungsstudie konnte das Forschungsteam, an dem auch die Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Uniklinikums Tübingen beteiligt ist, nun den Nutzen von COVID-19-Impfungen vor operativen Eingriffen belegen. 

  • Mit den Ergebnissen sprechen sie sich für eine COVID-19-Impfpriorisierung vor dringend erforderlichen aber planbaren Operationen aus. 

Die Ergebnisse sind aktuell im British Journal of Surgery publiziert.

  • Nicht infizierte Patientinnen und Patienten sollten vor einer Operation gegen COVID-19 geimpft werden, um das postoperative Sterberisiko im Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen zu verringern. 

Das belegt eine neue Studie des Forschungsnetzwerks COVIDSurg, die aktuell in der Fachzeitschrift British Journal of Surgery publiziert ist. Dementsprechend sollten Menschen, die auf eine planbare, aber erforderliche Operation warten, ihre Impfung gegen COVID-19 früher als nach der bisherigen Impfreihenfolge vorgesehen, erhalten. 

An dieser internationalen Modellierungsstudie, für die Daten von über 56.000 Patientinnen und Patienten ausgewertet wurden, war auch die Universitätsklinik für Allgemeine Chirurgie in Tübingen beteiligt.

  • Die Studie zeigt, dass sich weltweit 0,6 Prozent bis 1,6 Prozent der Patientinnen und Patienten im Rahmen oder kurz nach einer geplanten Operation mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten. 
  • Das Sterblichkeitsrisiko während des ersten Monats nach einer Operation ist für sie um das vier- bis achtfache erhöht. 
  • Insbesondere bei älteren Personen ab 70 Jahren steigt die Sterblichkeitsrate an: 
  • Hier ist mit einer Mortalität von zwölf Prozent zu rechnen, die nach Eingriffen wegen einer Krebserkrankung sogar noch ansteigt.


Angesichts dieser Risiken berechneten die Forschenden den potenziellen Nutzen einer COVID-19-Impfung bei den zu behandelnden Personen vor geplanten Operationen. 

Insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten, bei denen sich Operationen wegen maligner Tumoren aufschieben lassen oder die über 70 Jahre alt sind, könnten Todesfälle durch eine entsprechende Priorisierung vermieden werden. 

Diesen Berechnungen zufolge müssten, basierend auf den gemittelten globalen Inzidenzraten von 2020, insgesamt 1.840 Personen über 70 Jahren geimpft werden, im Gegensatz dazu aber nur 351 gleichaltrige Patientinnen und Patienten vor Tumoroperationen eine Impfung erhalten, um jeweils einen Todesfall in Verbindung mit COVID-19 zu vermeiden.

  • Die Studienautoren gehen davon aus, dass durch eine globale Impfpriorisierung von Patientinnen und Patienten vor operativen Eingriffen weltweit etwa 60.000 Todesfälle weniger zu verzeichnen wären. 

Insbesondere in Ländern mit geringem oder niedrigem mittlerem Einkommen, in denen sich Maßnahmen zur Eindämmung des Virus (wie Abstrich-Screenings etc.) nicht flächendeckend umsetzen lassen, würden mit dieser Strategie weniger schwere Erkrankungen und Todesfälle auftreten. 

Da bereits seit Beginn der aktuellen Pandemie viele planbare Operationen weltweit verschoben oder abgesagt wurden, bleibt die sichere Versorgung chirurgischer Patientinnen und Patienten eine wichtige Herausforderung. 

Eine Priorisierung ebendieser bei der COVID-19-Impfung könnte somit dazu beitragen, planbare aber erforderliche Operationen sicher abzuarbeiten.

Insbesondere in Weltregionen, in denen vermutlich noch lange Zeit ein Mangel an COVID-19-Impfstoffen herrschen wird, wäre eine entsprechende Priorisierung von Hochrisikogruppen eine wichtige Maßnahme. 

„Die Sicherstellung der chirurgischen Versorgung weltweit ist eine ganz wesentliche Aufgabe für uns als Ärzte und Wissenschaftler. Zu dieser Studie haben deshalb mehr als 15.000 Kolleginnen und Kollegen aus 116 Ländern beigetragen, was eine bisher beispiellose Zusammenarbeit bedeutet“, so Professor Dr. Alfred Königsrainer, klinischer Leiter der Studie in Tübingen und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie. 

„Entsprechende Daten sollten deshalb von politischen Entscheidungsträgern aufgegriffen werden, um chirurgische Patientinnen und Patienten für COVID-19-Impfungen zu priorisieren und den Rückstand an planbaren Operationen sicher abzuarbeiten“.

Über das Forschungsnetzwerk COVIDSurg
Die COVIDSurg Collaborative ist ein Forschungsnetzwerk, das die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die chirurgische Versorgung untersucht. Am Netzwerk sind zwischenzeitlich über 15.000 Ärztinnen und Ärzte bzw. Forscherinnen und Forscher aus über 100 Ländern der Welt beteiligt. COVIDSurg hat im Oktober 2020 eine der bislang größten Beobachtungsstudien unter dem Titel COVIDSurg-Week zu chirurgischen Risiken im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen durchgeführt und gleichzeitig chirurgische Vergleichsdaten und Qualitätsindikatoren erhoben, die zukünftig dabei helfen sollen, die chirurgische Versorgung weltweit zu vergleichen und zu verbessern (https://globalsurg.org/surgweek/). 


Erste wegweisende Erkenntnisse zu den Risiken chirurgischer Eingriffe bei Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektionen konnten vom Forschungsnetzwerk COVIDSurg bereits im Mai 2020 in der Fachzeitschrift The Lancet publiziert werden (https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31182-X). Zudem wurde kürzlich ein Artikel zur Frage, ab wann planbare chirurgische Eingriffe nach einer Coronavirus-Infektion wieder sicher durchführbar sind, in der Fachzeitschrift Anaesthesia veröffentlicht (https://doi.org/10.1111/anae.15458).

Zu den Personen
Prof. Dr. Alfred Königsrainer und Dr. Markus Quante sind die klinischen Studienleiter in Tübingen, die gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen die COVIDSurg-Studien durchführen und an dieser weltweiten Initiative beteiligt sind.

Dr. Markus Löffler ist Mitglied im nationalen Leitungsgremium der COVIDSurg-Collaborative und unterstützt die Initiative und die Studiendurchführung in Deutschland.

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Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Prof. Dr. Alfred Königsrainer
Tel. 07071 29-86620
alfred.koenigsrainer@med.uni-tuebingen.de

Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Dr. Markus Löffler
Tel. 07071 29 80992
markus.loeffler@med.uni-tuebingen.de

Universität Birmingham
COVIDSurg an der Universität Birmingham
Tony Moran
Leiter Internationale Kommunikation
Tel. +44 782 783 2312 bzw. +44 7789 921 165 (Zentrale)
t.moran@bham.ac.uk

Hoppe-Seyler-Str. 6
72076 Tübingen
Postfach 2668
72016 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg

Bianca Hermle
Telefon: 07071 / 29 88548

Claudia Löwe
Telefon: 07071 29-81020
Fax: 07071 29-25024
E-Mail-Adresse: claudia.loewe@med.uni-tuebingen.de 
Originalpublikation:

SARS-CoV-2 vaccination modelling for safe surgery to save lives: data from an international prospective cohort study - COVIDSurg Collaborative; https://doi.org/10.1093/bjs/znab101

 

Prof. Dr. med. Florian Lordick: Palliativmedizinischen Behandlungsbedarf - Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unheilbarer Krebs: Patienten benötigen frühe palliativmedizinische Unterstützung

Zum ersten Mal in Deutschland wurden unheilbar erkrankte Krebspatienten ab dem Zeitpunkt ihrer Diagnose systematisch nach ihrem palliativmedizinischen Behandlungsbedarf befragt und ein Jahr begleitet. 

  • Die Beobachtungen an 20 Behandlungszentren in ganz Deutschland zeigen, dass die Betroffenen von Beginn an körperlich sowie seelisch stark belastet sind und palliativmedizinische Unterstützung benötigen. 

Die Studie, geleitet aus dem Universitären Krebszentrum Leipzig (UCCL), ist nun in der renommierten Fachzeitschrift „The Oncologist“ veröffentlicht worden.

  • Der Bedarf an unterstützender Behandlung zum frühesten Zeitpunkt nach Diagnosestellung von unheilbarem Krebs und während des Krankheitsverlaufs ist bisher kaum erforscht. 

Deshalb haben Experten des Netzwerks „Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin“ der Deutschen Krebsgesellschaft um Studienleiter Prof. Dr. Florian Lordick, Direktor des Universitären Krebszentrum Leipzig (UCCL), 500 Patienten im Alter zwischen 25 und 89 Jahren dazu befragt. 

Das Besondere: 

Die Betroffenen wurden ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung und vor Therapiebeginn begleitet. Lordick resümiert: 

„Es besteht eine dringende Notwendigkeit für einen frühen Zugang zu unterstützender palliativmedizinischer Versorgung der Betroffenen in vielen Belangen, einschließlich psycho-sozialer Hilfe.“ 

  • Bei der Palliativmedizin steht nicht die Heilung im Vordergrund, sondern der Erhalt von Lebensqualität, Schmerzlinderung, die Behandlung anderer körperlicher Beschwerden und von Problemen psychosozialer und spiritueller Art.
  • Zwei Drittel der Patienten, bei denen unheilbarer Krebs diagnostiziert worden war, berichteten über einen sofortigen, erheblichen körperlichen und seelischen Leidensdruck. 

Die Studie zeichnet ein komplexes Versorgungsbild von 20 Krebsbehandlungszentren aus ganz Deutschland, von der Universität bis zum kommunalen Umfeld, von der ambulanten bis zur stationären Versorgung. Onkologe Lordick erklärt: „Die Erkrankten hatten ein sehr hohes Interesse an der Befragung, obwohl sie sich in einer sehr schwierigen Situation befanden und bei der Studie ihr Inneres ein Stück nach außen kehren mussten. Das hat uns gezeigt, dass ihnen dieses Thema sehr wichtig ist.“

Die Patienten wurden zu Beginn, drei, sechs und zwölf Monate nach der Diagnose unheilbarer Erkrankungen von Lungen- (217), Magen-Darm- (156), Kopf und Hals- (55), gynäkologischem (57) und Hautkrebs (15) befragt. 

Dabei waren die Not der Betroffenen, die Symptombelastung, die Lebensqualität und der unterstützende Pflegebedarf zentrale Themen.

Die Studie belegt, wo der Bedarf der Betroffenen besonders hoch ist. 

Mehr als 30 Prozent der Erkrankten berichteten von Angst und Depressivität kurz nach der Diagnose. 

  • Sehr stark geprägt waren die Beschwerden auch von Energiemangel, Ernährungs- und Verdauungsproblemen sowie Schmerzen. 

Beim Vergleich von Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen zeigten diejenigen mit Magen-, Speiseröhren-, Leber- oder Kopf-Hals-Tumoren über den gesamten Beobachtungszeitraum die höchste Belastung.

Aus den Studienergebnissen lassen sich klare Folgerungen für die Praxis ableiten, sagt Lordick und erklärt: 

„An Krebszentren muss es kompetente palliativmedizinische Angebote sowohl stationärer als auch ambulanter Art geben. 

Diese umfassen auch spezialisierte Ernährungsberatung, Schmerzbehandlung sowie Physiotherapie und psycho-soziale Unterstützung.“ 

Die Ergebnisse unterstrichen die Notwendigkeit, ein flächendeckendes Symptom-Screening sowie frühpalliative medizinische Versorgung einzuführen, schlussfolgert der Experte der Universitätsmedizin Leipzig.

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Prof. Dr. med. Florian Lordick
Universitäres Krebszentrum Leipzig (UCCL) am Universitätsklinikum
Telefon: +49 341 97-12200
E-Mail: direktion.UCCL@medizin.uni-leipzig.de
Web: http://www.krebszentrum-leipzig.de 

Anne Grimm Universität Leipzig

Goethestraße 6
04109 Leipzig
Deutschland
Sachsen  

Carsten Heckmann
Telefon: 0341 / 9735021
E-Mail-Adresse: carsten.heckmann@zv.uni-leipzig.de

Originalpublikation:

Titel der Originalpublikation in "The Oncologist":
"Symptom burden and palliative care needs of patients with incurable cancer at diagnosis and during the disease course", https://doi.org/10.1002/onco.13751


Prof. Dr. Okka Hamer: COVID-Pneumonie - CT und Röntgen als Unterstützung der COVID-Diagnosestellung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKR: Prognose für Verlauf einer COVID-Pneumonie mittels Röntgendiagnostik

SARS-CoV-2 legt das öffentliche Leben weiterhin lahm. 

Doch anders als am Beginn der Pandemie sind die Ärzte und Wissenschaftler nun besser auf die speziellen Anforderungen, die das Virus an die Medizin stellt, vorbereitet. 

Durch den gezielten Einsatz der Computertomografie (CT) unterstützt das Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) die behandelnden Intensivmediziner und kann anhand der Bilder eine Prognose über den Schweregrad des vom Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelösten Lungenentzündung (Pneumonie) erstellen. 

  • Denn die Radiologische Bildgebung kann pandemische Lungeninfektionen erkennen, bewerten, messen und nachverfolgen. 

 v.li.: Prof. Dr. Okka Hamer, Leiterin Kardiopulmonale Bildgebung, und Prof. Dr. Christian Stroszczynski , Direktor Institut für Röntgendiagnostik.

 v.li.: Prof. Dr. Okka Hamer, Leiterin Kardiopulmonale Bildgebung, und Prof. Dr. Christian Stroszczynski , Direktor Institut für Röntgendiagnostik. Klaus Völcker UKR

Es war und ist zum Teil noch immer eine große Unbekannte. 

Was auf einem Markt im chinesischen Wuhan begann, hat sich rasend schnell zu einer globalen Pandemie entwickelt. Nun, ein Jahr später, hält das Coronavirus SARS-CoV-2 die Welt weiter fest umklammert. Über 2,6 Millionen Menschen haben durch das Virus ihr Leben verloren, und es versterben weiterhin täglich Menschen an den Folgen einer COVID-Pneumonie.

CT und Röntgen als Unterstützung der COVID-Diagnosestellung

Während die erste Welle Politik, Bevölkerung und Mediziner gleichermaßen überraschte, hat sich seitdem gerade das Instrumentarium für die Diagnosestellung und Nachverfolgung einer COVID-19-Erkrankung rasant weiterentwickelt. 

Einen wichtigen Baustein dazu liefern die Computertomografie und die Röntgendiagnostik. 

„In der ersten Welle waren die PCR-Tests noch fehleranfällig und langsamer. 

Da sich die COVID-19-Pneumonie mit einem relativ typischen Bild in der Lunge äußert, konnten wir mit der Röntgenthoraxaufnahme und Computertomografie helfen, die Erkrankung schnell zu diagnostizieren und gleichzeitig das Ausmaß der Lungenbeteiligung zu bestimmen. 

Inzwischen sind die Tests drastisch verbessert, so dass sich die Aufgabe der Bildgebung verändert hat. Wir konzentrieren uns jetzt auf die schwerer erkrankten Patienten, da wir gelernt haben, wie wir mit der Bildgebung einen Beitrag zur Prognoseabschätzung leisten können. Zudem können wir Komplikationen wie eine Lungenembolie erkennen“, erklärt Professor Dr. Okka Hamer, Leiterin der Kardiopulmonalen Bildgebung des Instituts für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg. Die Spezialisten des Instituts befassen sich schon seit Beginn der Pandemie intensiv mit dem gezielten Einsatz von Thorax-CT und Thorax-Röntgen. Auch der erste bundesweit komplett dokumentierte Fall wurde von Professor Hamer und ihrem Team publiziert. Dabei handelt es sich um die erste befundete Fallanleitung unter Berücksichtigung aller medizinischen Begleitumstände.

  • Erfahrungen aus China zeigten, dass auch bei einem negativen PCR-Test und bei typischen klinischen Symptomen die Thorax-CT schon im frühen Stadium einer COVID-19-Erkrankung pneumonische Verdichtungen zeigen kann, die suggestiv für eine COVID-19-Pneumonie sind. 

„Wir können einen entscheidenden Beitrag zum klinischen Management der Behandlung leisten“, sagt Professor Dr. Christian Stroszczynski, Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik des UKR.“ Gerade die CT-Bildgebung hilft uns hier sehr. Durch neue Techniken können wir die Strahlendosis drastisch reduzieren, so dass die Belastung kaum größer ist als bei einer Röntgenthoraxaufnahme. Das UKR hat für die Befundung von COVID-19-Patienten eigens ein modernes Multislice CT von der Bayerischen Staatsregierung zugeteilt bekommen. 

  • „Dank diesem hochauflösenden CT können wir nun noch besser infektiöse und immunvermittelte Entzündungen in der Lunge erkennen“, so Professor Stroszczynski weiter.


Anzeichen für eine COVID-19-Pneumonie in der Bildgebung

  • Eine COVID-19-Pneumonie äußert sich häufig durch ein Mischbild aus sogenanntem Milchglas und Konsolidierungen in der Lunge. 
  • Zusätzlich kann, insbesondere in späteren Stadien der Erkrankung, ein „Crazy Paving“, eine durch glatt berandete Retikulationen überlagerte Milchglastrübung, auftreten. 

„Diese Verdichtungen finden sich bilateral und multifokal in den Mittel- und Unterfeldern der Lunge“, so Professor Hamer. 

„In Abgrenzung zu Pneumonien, die von anderen Erreger verursacht werden, fällt auf, dass die COVID-19-Pneumonie vor allem die Peripherie der Lunge befällt und zumindest anteilig scharf berandet ist, das ist ungewöhnlich.“

Beurteilung und Nachbehandlung von Long-COVID- bzw. Post-COVID-Fällen

Aufgrund der relativ kurzen Zeitspanne seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie, ist es besonders wichtig, möglichst viele Erkenntnisse aus den Aufnahmen der bisher behandelten COVID-19-Patienten zu gewinnen. „Im Augenblick beschäftigen uns aber nicht nur die akut erkrankten Patienten, sondern auch solche, die in der ersten Welle erkrankt waren und immer noch unter zum Teil sehr einschränkenden Langzeitfolgen leiden“, weiß Professor Hamer. „Wir erforschen dieses sogenannte Long-COVID-Syndrom in enger Zusammenarbeit mit den Pneumologen. Dabei gilt es viele Fragen zu beantworten wie etwa: 

„Findet sich bei den Betroffenen ein bildgebendes Korrelat in der Lunge? Können wir hierfür schon in der akuten Phase Hinweise finden? Wie können wir den Patienten helfen?“

Bundesweites universitäres Netzwerk zur Standardisierung von Befundschemata

Um das bewerkstelligen zu können, haben sich unter dem Dach des „Netzwerks Universitätsmedizin“ (NUM) alle Radiologischen Kliniken und Abteilungen der 34 deutschen Universitätsklinika zum Radiological Cooperative Network zur COVID-19-Pandemie (Racoon) zusammengeschlossen. Ziel von Racoon ist eine strukturierte Erfassung radiologischer Daten von COVID-19-Fällen. Das dient zum Datenvergleich, als Entscheidungsgrundlage für epidemiologische Studien, als Lageeinschätzung, als Frühwarnmechanismus wie auch zur Unterstützung bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Röntgendiagnostik, der Automatisierung diagnostischer und bildverarbeitender Schritte. „Wir können so in einem großen Pool alle Daten, natürlich anonymisiert und datenschutzkonform, sammeln und auswerten; ein solches konzertiertes Vorgehen ist einmalig und sicher auch wegweisend für zukünftige Herausforderungen“, ist Professor Hamer von der Zusammenarbeit der Universitätsmedizin überzeugt.

Doch nicht nur bundesweit bringt sich das UKR in die Forschungsarbeit rund um die Erkennung und Auswertung von COVID-19-Pneumonien sowie der daraus resultierenden Super-Infektionen und Lungenembolien ein. „In Regensburg arbeiten wir eng mit den in der Stadt ansässigen Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen sowie mit der Lungenfachklink in Donaustauf zusammen. Dies ermöglicht es uns, die Erkrankung in verschiedenen Stadien umfassend zu untersuchen“, sagt Professor Stroszczynski. Während am UKR nur schwerstkranke, zum großen Teil ECMO-pflichtige COVID-19-Patienten versorgt werden, liefern die wissenschaftlichen Kooperationskliniken Daten von weniger schweren Verlaufsformen der Erkrankung bzw. von der Zeit nach einer schweren Erkrankung und der Rehabilitationsphase. 

Dazu wurde am UKR ein eigenes spezielles Befundschema entwickelt, welches, durch aktuelle Daten gespeist, immer wieder weiterentwickelt wird und auch anderen Kliniken zur Verfügung gestellt wird und selbstverständlich auch in Racoon einfließt. 

Dieses Zusammenspiel in der Long-COVID-Forschung auf regionaler wie auf Bundesebene sichert quantitativ wie qualitativ das wissenschaftliche Arbeiten sowie in erster Linie die Versorgung der Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion. 

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Matthias Dettenhofer Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Franz-Josef-Strauss-Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
Bayern 

Telefon: 0941 944 4200
E-Mail-Adresse: matthias.dettenhofer@ukr.de

 

Prof. Dr. Markus Ammann: Oxidatien Stress: Aerosolen - Sauerstoffradikale - Menschliche Gesundheit und Feinstaub

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Feinstaub ist gefährlicher als gedacht

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI haben erstmals die fotochemischen Vorgänge im Innern kleinster Partikel in der Luft beobachtet. 

Dabei entdeckten sie, dass sich in diesen Aerosolen unter alltäglichen Bedingungen zusätzliche Sauerstoffradikale bilden, die der menschlichen Gesundheit schaden können. 

Über ihre Ergebnisse berichten sie heute im Fachjournal Nature Communications. 

 Peter Aaron Alpert analysiert die Vorgänge in feinsten Partikeln in der Luft. Bereits in der Atmosphäre bilden sich darin gesundheitsschädliche Substanzen, nicht erst im menschlichen Körper.

 Peter Aaron Alpert analysiert die Vorgänge in feinsten Partikeln in der Luft. Bereits in der Atmosphäre bilden sich darin gesundheitsschädliche Substanzen, nicht erst im menschlichen Körper. Markus Fischer Paul Scherrer Institut

Dass Feinstaub die Gesundheit gefährden kann, ist bekannt. 

  • Die Partikel mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometern können tief ins Lungengewebe vordringen und sich dort festsetzen. 

Sie enthalten reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS), auch "Sauerstoffradikale" genannt, die die Zellen der Lunge schädigen können. Je mehr Partikel in der Luft schweben, desto höher das Risiko. Die Partikel gelangen zwar auch aus natürlichen Quellen wie Wäldern oder Vulkanen in die Luft. Doch menschliche Aktivitäten, beispielsweise in Fabriken und Verkehr, vervielfachen die Menge, sodass bedenkliche Konzentrationen erreicht werden. Das Potenzial des Feinstaubs, Sauerstoffradikale in die Lunge zu bringen oder dort zu erzeugen, ist für verschiedene Quellen bereits untersucht worden. Die PSI-Forschenden haben dazu nun wichtige neue Erkenntnisse gewonnen.

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass einige ROS im Körper des Menschen entstehen, wenn der Feinstaub sich in der Oberflächenflüssigkeit der Atemwege auflöst. Feinstaub enthält in der Regel chemische Bestandteile, etwa Metalle wie Kupfer und Eisen sowie bestimmte organische Verbindungen. Diese tauschen mit anderen Molekülen Sauerstoffatome aus und es entstehen sehr reaktionsfreudige Verbindungen wie Wasserstoffperoxid (H2O2), Hydroxyl (HO) oder Hydroperoxyl (HO2), die sogenannten oxidativen Stress verursachen. 

  • So greifen sie zum Beispiel die ungesättigten Fettsäuren im Körper an, die dann nicht mehr als Bausteine der Zellen dienen können.
  • Auf solche Vorgänge führen Mediziner Lungenentzündungen, Asthma und diverse andere Atemwegserkrankungen zurück. 
  • Selbst Krebs könnte ausgelöst werden, da die ROS auch die Erbsubstanz DNA schädigen können.

Neue Erkenntnisse dank einmaliger Gerätekombination

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass gewisse ROS-Spezies auch bereits im Feinstaub der Atmosphäre vorliegen und als sogenannte exogene ROS über die Atemluft in unseren Körper gelangen, ohne dass sie sich dort erst bilden müssen. Wie sich nun herausstellt, hat man dabei noch nicht genau genug hingesehen: «Bisherige Studien haben mit Massenspektometern analysiert, woraus Feinstaub besteht», erklärt Peter Aaron Alpert, Erstautor der neuen PSI-Studie. «Dabei erhält man aber keine Informationen über die Struktur der einzelnen Partikel und darüber, was in ihrem Inneren vorgeht.»

Alpert dagegen nutzte die Möglichkeiten des PSI für einen präziseren Blick: «Mit dem brillanten Röntgenlicht der Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS konnten wir solche Partikel nicht nur einzeln mit einer Auflösung von unter einem Mikrometer betrachten, sondern sogar in sie hineinschauen, während Reaktionen darin ablaufen.» Dazu verwendete er auch eine neuartige, am PSI entwickelte Zelle, in der sich verschiedenste atmosphärische Umweltbedingungen simulieren lassen. Sie kann Temperatur, Feuchte sowie Gasexposition genau regulieren und eine UV-LED-Lichtquelle ahmt die Sonneneinstrahlung nach. «Diese Kombination – hochauflösendes Röntgenmikroskop und Zelle – gibt es nur einmal auf der Welt», sagt Alpert. Die Studie sei deshalb nur am PSI möglich gewesen. Eng zusammengearbeitet hat er dafür mit dem Leiter der Gruppe Oberflächenchemie am PSI, Markus Ammann. Unterstützt haben ihn ausserdem Forschende um die Atmosphärenchemiker Ulrich Krieger und Thomas Peter an der ETH Zürich, wo zusätzliche Experimente mit in der Schwebe gehaltenen Partikeln gemacht wurden, sowie Experten um Hartmut Hermann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig.

Wie sich gefährliche Verbindungen bilden

Die Forschenden untersuchten Partikel mit organischen Bestandteilen und Eisen. Das Eisen stammt aus natürlichen Quellen wie Wüstenstaub oder Vulkanasche, ist aber auch in Emissionen von Industrie und Verkehr enthalten. Die organischen Bestandteile resultieren ebenfalls aus natürlichen und menschgemachten Quellen. In der Atmosphäre verbinden sich diese Bestandteile zu Eisenkomplexen, die dann unter Sonneneinstrahlung zu sogenannten Radikalen reagieren. Diese wiederum binden allen verfügbaren Sauerstoff und produzieren so die ROS.

Normalerweise würde ein grösserer Teil dieser ROS in der Wärme der Sonne aus den Partikeln in die Luft diffundieren und keine Gefahr mehr bedeuten, wenn wir die Partikel einatmen, die dann weniger ROS enthalten. 

Stimmen die Bedingungen, reichern sich die Radikale jedoch im Inneren der Partikel an und verbrauchen dort binnen Sekunden den gesamten verfügbaren Sauerstoff. 

Und das liegt an der sogenannten Viskosität: 

Feinstaub kann fest wie Stein oder flüssig wie Wasser sein – aber je nach Temperatur und Feuchte auch zähflüssig wie Sirup, Kaugummi oder Schweizer Kräuterzucker. 

«Dieser Zustand des Partikels, so haben wir festgestellt, sorgt dafür, dass die ROS im Partikel gefangenbleiben», sagt Alpert. Und von aussen gelangt auch kein zusätzlicher Sauerstoff hinein.

Besonders erschreckend ist, dass sich durch das Zusammenspiel von Eisen und organischen Verbindungen die höchsten Konzentrationen der ROS bei alltäglichen Wetterbedingungen bilden: 

  • bei mittlerer Luftfeuchte von 50 Prozent und Temperaturen um die 20 Grad, wie sie etwa in Räumen herrschen. 

«Früher dachte man, dass ROS in der Luft – wenn überhaupt – nur dann entstehen, wenn die Feinstaubteilchen vergleichsweise seltene Verbindungen wie Chinone enthalten», sagt Alpert. 

Das sind oxidierte Phenole, die etwa in Farbstoffen von Pflanzen und Pilzen vorkommen. 

Seit Kurzem ist klar, dass viele weitere ROS-Quellen im Feinstaub vorhanden sind. «Wie wir nun feststellten, können diese bekannten ROS-Quellen unter völlig alltäglichen Bedingungen deutlich verstärkt werden.» 

Etwa jedes zwanzigste Partikel ist organisch und enthält Eisen.

Doch damit nicht genug: «Wir gehen davon aus, dass die gleichen fotochemischen Reaktionen auch in anderen Feinstaubpartikeln ablaufen», sagt Forschungsgruppenleiter Markus Ammann. «Wir vermuten sogar, dass nahezu alle Schwebeteilchen in der Luft auf diese Weise zusätzliche Radikale ausbilden», ergänzt Alpert. «Wenn sich dies in weiteren Studien bestätigt, müssen wir dringend unsere Modelle und Grenzwerte bezüglich der Luftqualität anpassen. 

Womöglich haben wir hier einen zusätzlichen Faktor dafür gefunden, dass so viele Menschen scheinbar ohne konkreten Anlass an Atemwegserkrankungen oder Krebs erkranken.»

Markus Ammann an einer der Apparaturen, mit deren Hilfe die Feinstaubuntersuchugen durchgeführt wurden.

Markus Ammann an einer der Apparaturen, mit deren Hilfe die Feinstaubuntersuchugen durchgeführt wurden. Markus Fischer Paul Scherrer Institut


Immerhin haben die ROS – zumal in Zeiten der COVID-19-Pandemie – auch ihr Gutes, wie die Studie ebenfalls nahelegt: 

Sie greifen auch Bakterien, Viren und andere Pathogene an, die auf den Aerosolen sitzen, und machen diese unschädlich. 

Dieser Zusammenhang könnte erklären, warum das Sars-CoV-2-Virus in der Luft bei Raumtemperatur und mittlerer Feuchte am kürzesten überlebt.

Jan Berndorff  -  Über das PSI

Das Paul Scherrer Institut PSI entwickelt, baut und betreibt grosse und komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene Forschungsschwerpunkte sind Materie und Material, Energie und Umwelt sowie Mensch und Gesundheit. Die Ausbildung von jungen Menschen ist ein zentrales Anliegen des PSI. Deshalb sind etwa ein Viertel unserer Mitarbeitenden Postdoktorierende, Doktorierende oder Lernende. Insgesamt beschäftigt das PSI 2100 Mitarbeitende, das damit das grösste Forschungsinstitut der Schweiz ist. Das Jahresbudget beträgt rund CHF 400 Mio. Das PSI ist Teil des ETH-Bereichs, dem auch die ETH Zürich und die ETH Lausanne angehören sowie die Forschungsinstitute Eawag, Empa und WSL.

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Prof. Dr. Markus Ammann
Leiter der Forschungsgruppe Oberflächenchemie
Paul Scherrer Institut, Forschungsstrasse 111, 5232 Villigen PSI, Schweiz
Telefon: +41 56 310 40 49, E-Mail: markus.ammann@psi.ch [Deutsch, Englisch]

Dr. Peter Aaron Alpert
Forschungsgruppe Oberflächenchemie
Paul Scherrer Institut, Forschungsstrasse 111, 5232 Villigen PSI, Schweiz
Telefon: +41 56 310 39 34, E-Mail: peter.alpert@psi.ch [Englisch]

Dr. Mirjam van Daalen Paul Scherrer Institut (PSI)

5232 Villigen PSI
Schweiz
Aargau

Mirjam van Daalen
Telefon: +41 56 310 56 74
E-Mail-Adresse: mirjam.vandaalen@psi.ch
Originalpublikation:

Photolytic Radical Persistence due to Anoxia in Viscous Aerosol Particles
Peter A. Alpert, Jing Dou, Pablo Corral Arroyo, Frederic Schneider, Jacinta Xto, Beiping Luo, Thomas Peter, Thomas Huthwelker, Camelia N. Borca, Katja D. Henzler, Thomas Schaefer, Hartmut Herrmann, Jörg Raabe, Benjamin Watts, Ulrich K. Krieger, Markus Ammann
Nature Communications, 19.03.2021
DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-021-21913-x


Professor Dr. Tobias Welte: Europäische Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19- Patientinnen und-Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erste europaweite Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19-Erkrankten

MHH-Pneumologe ist Co-Autor und Vertreter für Deutschland 

 Professor Dr. Tobias Welte bei der Vorbereitung einer Medikation.

 Professor Dr. Tobias Welte bei der Vorbereitung einer Medikation. Copyright: Karin Kaiser / MHH.

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie startete auch die fieberhafte Suche nach Impfstoffen und wirksamen Medikamenten gegen das Virus SARS-CoV-2. In der Forschung laufen die Aktivitäten auf Hochtouren. Täglich werden hunderte neue wissenschaftliche Arbeiten über das Virus und die Erkrankung COVID-19 veröffentlicht. Jetzt hat die European Respiratory Society (ERS) erstmals eine europäische Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19- Patientinnen und-Patienten herausgegeben. Professor Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), ist Co-Autor und Vertreter der Leitlinie in Deutschland.

Pragmatische Handlungsanweisungen

Der Schwerpunkt der ERS-Leitlinie liegt auf der medikamentösen Therapie im Krankenhaus.

 „Die Empfehlungen sind für alle Phasen der stationären Therapie sehr eindeutig“, erklärt Professor Welte. 

So wird beispielsweise davon abgeraten, bei hospitalisierten Patienten den Wirkstoff Remdesivir einzusetzen – nach Datenlage der Leitlinie ist er nicht effektiv. Ob Remdesivir in einer sehr frühen Phase der Erkrankung, bei weitgehend symptomfreien Patienten im ambulanten Bereich, eine Rolle spielen kann, ist noch nicht abschließend geklärt“, erläutert Professor Welte. „ In der späten Phase von COVID-19 kann das Immunsystem der Betroffenen fehlerhafte, oft überschießende Entzündungsprozesse auslösen.  

Dagegen wird Cortison angewandt, dies wird in den Leitlinien ausdrücklich empfohlen.  

  • Bei sehr kranken Patientinnen und Patienten wird darüber hinaus aber zusätzlich die Gabe von Antikörpern gegen den Botenstoff Interleukin 6 empfohlen.“


Im gesamten Verlauf der COVID-19 -Erkrankung könne es zu Blutgerinnseln im Kapillarsystem der Lunge kommen, erklärt Professor Welte. „In diesem Fall lautet die Empfehlung, wie üblich ein Mittel zur Blutverdünnung, beispielswiese Heparin, einzusetzen. Ob zusätzlich gerinnungshemmende Wirkstoffe, wie beispielsweise Thrombozyten-Aggregationshemmer wie ASS verabreicht werden sollten, muss noch geklärt werden.“ Neben medikamentösen Empfehlungen enthalten die Leitlinien auch Empfehlungen zur Sauerstoffgabe und Beatmung von COVID-19- Patientinnen und -Patienten. Die Leitlinie ist mit kommentierenden Zwischentexten versehen. Darin sieht der Pneumologe einen großen Vorteil: „Die pragmatischen Handlungsanweisungen sind für alle an der Behandlung Beteiligten verständlich.“

Ständige Aktualisierung

In die ERS-Leitlinie sind nicht nur unzählige veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten eingeflossen, sondern auch Studien, die erst demnächst publiziert werden. Bei der Erstellung der Leitlinien wurde das sogenannte GRADE-System angewandt. Bei dieser Methodik erfolgt eine Qualitätsbewertung der Studien nach ihrer Evidenz, diese Qualität wiederum hat Auswirkungen auf die Stärke einer Empfehlung. Da jeden Tag neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Virus und die Erkrankung gewonnen werden, wird auch die ERS-Leitlinie stetig aktualisiert. Professor Welte rechnet schon in einigen Wochen mit einer neuen Fassung. Er hofft, dass die Leitlinie in möglichst vielen Kliniken implementiert wird. Erfreulicherweise unterscheiden sich die jetzt für Europa herausgegebenen Empfehlungen der ERS in keinem Punkt wesentlich von den kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Deutschen Leitlinien.

Die European Respiratory Society ist die größte wissenschaftliche und klinische Organisation für Lungen- und Bronchialheilkunde in Europa. Die ERS-Leitlinie wurde im European Respiratory journal veröffentlicht.

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Professor Dr. Tobias Welte

welte.tobias@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-3530.

Die Originalarbeit mit dem Titel „Management of Hospitalized Adults with Coronavirus Disease (COVID-19): A European Respiratory Society Living Guideline” finden Sie unter:
https://erj.ersjournals.com/content/early/2021/03/07/13993003.00048-2021

Carl-Neuberg-Straße 1
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Niedersachsen

Stefan Zorn
Telefon: 0511 / 532-6773
Fax: 0511 / 532-3852
E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de

 

Dr. Katharina Geißler: Postoperativen Schmerzen - Chronischer Schmerz verhindern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden

Fast zehn Prozent der Operierten klagen auch sechs und zwölf Monate nach einem HNO-Eingriff noch über erhebliche Schmerzbeschwerden und musste Schmerzmittel einnehmen. 

Das ergab eine jetzt in „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Jena, die erstmals Langzeitdaten zu postoperativen Schmerzen in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde analysierte. 

  • Dabei war die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung chronischer Schmerzen erhöht, wenn die Patienten bereits am Tag nach der OP an sehr starken Schmerzen litten. 

HNO-Eingriffe wir Mandeloperationen gelten als vergleichsweise schmerzhaft. 10% der Patienten leiden auch ein Jahr danach noch an starken Schmerzen.
HNO-Eingriffe wir Mandeloperationen gelten als vergleichsweise schmerzhaft. 10% der Patienten leiden auch ein Jahr danach noch an starken Schmerzen. Christin Ebert Universitätsklinikum Jena 

  • Wundschmerz zählt zu den häufigsten Folgen einer Operation. 
  • Das Ziel der Akutschmerztherapie direkt nach einer Operation ist es, Ausmaß und Dauer der Schmerzbelastung effektiv zu verringern, denn postoperative Schmerzen können den Genesungsprozess verzögern und zu Komplikationen führen. 
  • Ein häufig unterschätztes Problem ist dabei die Gefahr, dass der Schmerz chronisch wird und die Lebensqualität langfristig beeinträchtigt. 

Diesen Zusammenhang belegt eine aktuelle Auswertung der am Universitätsklinikum Jena angesiedelten Schmerzregister QUIPS und PAIN-OUT, die die weltweit größte Datenbank für postoperative Schmerzen darstellen. 

„Im Sinne eines Qualitätssicherungsprojektes für die Schmerztherapie nach Operationen können wir die Beschwerden nach zahlreichen Operationen standardisiert messen und vergleichen“, so der Leiter der Register, Prof. Dr. Winfried Meißner.

In einer früheren Studie des Registers erwiesen sich kleine und häufige Operationen, darunter auch Eingriffe in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde wie die Entfernung der Gaumenmandeln oder der Schilddrüse, als vergleichsweise schmerzhaft. 

Nun wurden erstmals Langzeitdaten zum Schmerz nach HNO-Operationen analysiert. 

Etwa 200 Patienten schätzten dazu ihre Schmerzbelastung sowohl am ersten Tag nach dem Eingriff, als auch sechs und zwölf Monate später ein.

„Etwa zehn Prozent der Operierten klagten auch ein Jahr nach dem Eingriff noch über erhebliche Schmerzen im OP-Gebiet und mussten Schmerzmittel nehmen“, fasst Studienkoordinatorin Dr. Katharina Geißler das Ergebnis zusammen. 

„Es kann also auch nach HNO-Operationen, die ja in der Regel eher kleinere Eingriffe darstellen, zu einer Chronifizierung der Schmerzen kommen.“

10% der Operierten klagen Monate auch nach einem HNO-Eingriff noch über erhebliche Schmerzen, so eine Studie des Universitätsklinikums Jena.
10% der Operierten klagen Monate auch nach einem HNO-Eingriff noch über erhebliche Schmerzen, so eine Studie des Universitätsklinikums Jena. Anna Schroll Universitätsklinikum Jena

Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung chronischer Schmerzen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, war erhöht, wenn die Patienten am ersten postoperativen Tag hohe Schmerzwerte berichtet hatten. 

„Damit spielt eine gute Schmerztherapie nach HNO-Operationen nicht nur zur Bekämpfung des Akutschmerzes eine wichtige Rolle, sondern auch zur Prävention der Chronifizierung. 

Zukünftig sollte den chronischen postoperativen Schmerzen und deren Therapie mehr Bedeutung gegeben werden“, betont Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Jena.

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Dr. Katharina Geißler
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
Tel. +49-3641-9329390
E-Mail: katharina.geissler@med.uni-jena.de

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Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 9391108
Fax: 03641/ 9391102
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Originalpublikation:

Graf N, Geißler K, Meißner W, Guntinas-Lichius O. A prospective cohort register-based study of chronic postsurgical pain and long-term use of pain medication after otorhinolaryngological surgery. Sci Rep. 2021;11(1):5215. Published 2021 Mar 4. doi:10.1038/s41598-021-84788-4 https://www.nature.com/articles/s41598-021-84788-4


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