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Narzisstische Persönlichkeitszüge

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Die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studie zeigen auf, dass Narzissmus in Familien zwar gehäuft vorkommt, diese Ähnlichkeit aber überwiegend genetisch bedingt ist. Das familiäre Umfeld und der Erziehungsstill sind hingegen nicht – wie bislang angenommen – der Ursprung für Narzissmus.

Narzisstische Persönlichkeitszüge treten innerhalb von Familien gehäuft auf. Eine neue Studie unter Beteiligung der Universität Münster legt nun nahe, dass diese familiären Ähnlichkeiten vor allem genetisch erklärt werden können. Gemeinsame Umweltfaktoren innerhalb der Familie, etwa allgemeine Erziehungsbedingungen oder das soziale Umfeld, das Geschwister teilen, trugen in den Analysen dagegen kaum zur Erklärung von Unterschieden im Narzissmus bei. Veröffentlicht wurde die Arbeit in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Mitja Back vom Institut für Psychologie der Universität Münster und Prof. Dr. Christian Kandler von der Abteilung für Psychologie der Universität Bielefeld wertete Daten aus dem seit 2013 laufenden Projekt „TwinLife“ aus. In die Analysen gingen die Angaben von 6.715 Personen ein, darunter Zwillinge, deren nicht-zwillingsgeborene Geschwister, Mütter, Väter sowie Partnerinnen und Partner. Berücksichtigt wurden verschiedene Altersgruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die im Schnitt 15, 21 und 27 Jahre alt waren.

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass Narzissmus in Familien zwar gehäuft vorkommt, diese Ähnlichkeit aber überwiegend genetisch vermittelt ist“, betont Mitja Back. „Die verbreitete Annahme, dass das familiäre Umfeld und der Erziehungsstil der zentrale Ursprung narzisstischer Unterschiede seien, ist nicht länger haltbar.“

Methodisch ging die Untersuchung über klassische Zwillingsstudien hinaus. Die Forscherinnen und Forscher nutzten ein erweitertes Zwillingsfamiliendesign, das neben Zwillingen Eltern und weitere Geschwister einbezieht. „Die besondere Stärke von TwinLife liegt darin, dass wir nicht nur Zwillinge vergleichen, sondern Familienkonstellationen sehr viel breiter erfassen“, erläutert der Leiter der TwinLife-Studie, Christian Kandler. Das erlaube es, genetische Einflüsse, das familiäre Umfeld und individuelle Erfahrungen genauer voneinander zu trennen als in klassischen Zwillingsstudien. Über Altersgruppen und Messinstrumente hinweg entfielen den Analysen zufolge jeweils rund 50 Prozent der Unterschiede auf genetische Faktoren und auf individuelle, nicht geteilte Umwelteinflüsse. Geteilte familiäre Umweltfaktoren zeigten dagegen keinen nennenswerten Beitrag.

Aus Sicht des Teams hat das auch Folgen für die weitere Forschung zur Entwicklung von Narzissmus. Wenn das familiäre Umfeld nur wenig zur Erklärung beiträgt, rücken andere Einflüsse stärker in den Fokus, etwa Erfahrungen mit Gleichaltrigen, in Partnerschaften, in Bildungswegen oder im Beruf. Die Autoren plädieren deshalb dafür, die Entwicklung narzisstischer Persönlichkeitszüge künftig stärker außerhalb des engeren Familienkontexts zu untersuchen.

Die Ergebnisse sind zudem von Bedeutung, weil Narzissmus nicht nur das individuelle Erleben und soziale Beziehungen prägt, sondern auch in Lebensbereichen wie Bildung und der Arbeitswelt relevant sein kann. Ein genaueres Verständnis seiner Entstehung kann dazu beitragen, narzisstische Persönlichkeitszüge besser zu verstehen und damit angemessen einzuordnen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Prof. Dr. Mitja Back
Arbeitseinheit Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie der Universität Münster
Tel.: +49 (2 51) ‪83 - 3 41 22‬
E-Mail: mitja.back@uni-muenster.de

Originalpublikation:
Back, M. D., Instinske, J., Rohm, T., Deppe, M., & Kandler, C. (2026). Narcissism Runs in Families Due to Genetics: An Extended Twin Family Analysis. Social Psychological and Personality Science. https://doi.org/10.1177/19485506261429556
Weitere Informationen finden Sie unter
Originalpublikation
Arbeitseinheit Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie der Universität Münster

Gefässverschlüsse in den Beinen

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Gefässverschlüsse in den Beinen machen bei vielen Betroffenen eine Amputation oder wiederholte notfallmässige Eingriffe zur Rettung des Beins nötig. In einer Studie der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich konnte mit einer neuen Behandlung die Zahl der Amputationen und Notfalleingriffe reduziert werden.

Durchblutungsstörungen wegen Gefässverschlüssen sind weit verbreitet. Über 113 Mio. Menschen weltweit sind von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) betroffen. Dabei sind Arterien unterhalb der Leiste verengt und die Beine deshalb ungenügend durchblutet. Die Gefässverengungen führen u.a. zu Schmerzen, die Betroffene zu häufigen Gehpausen zwingen. Im Volksmund ist die PAVK deshalb als «Schaufensterkrankheit» bekannt.

Wenige Möglichkeiten, Amputationen zu verhindern

PAVK ist eine schwerwiegende Krankheit, die bis zum Tod führen kann. Eine Folge bei PAVK sind grosse Amputationen, d.h. Amputationen, bei denen der Fuss oberhalb des Sprunggelenks abgenommen werden muss. In einigen Fällen ist gar die Amputation des Unterschenkels oder des gesamten Beins nötig. Die Behandlungsmöglichkeiten, um diese oft notfallmässigen Amputationen zu verhindern sind beschränkt auf Mittel, um die Durchblutung medikamentös wiederherzustellen oder mit chirurgischen Eingriffen. Weltweit eingesetzt wird auch die Angioplastie, ein minimal invasives Verfahren, bei dem verengte Blutgefässe mittels eines Ballonkatheters erweitert werden und so der Blutfluss wiederhergestellt werden kann. Häufig wird bei dem Eingriff gleich ein Stent eingesetzt, eine Gefässstütze, mit der der Blutfluss dauerhaft gesichert werden soll. Um den Effekt der Angioplastie zu verbessern, wurden mit Medikamenten beschichtete Ballonkatheter entwickelt. Mit dem Wirkstoff Paclitaxel beschichtete Ballonkatheter reduzieren bei PAVK die erneute Verengung der Gefässe, dadurch sind weniger Folgeeingriffe nötig. Die Sterblichkeit durch Paclitaxel könnte aber im Vergleich zu unbeschichteten Ballonen aufgrund toxischer Effekte erhöht sein. Bisher wurde für keine einzige minimal-invasive Methode eine Reduktion von Amputationen oder Notfalleingriffen zur Rettung des Beins gezeigt.

Ein bewährter Wirkstoff neu eingesetzt

Für die Beschichtung von Ballonkathetern zur Erweiterung von Herzkrankgefässen wird weltweit der Wirkstoff Sirolimus eingesetzt. Ein Forscherteam unter der Leitung von Nils Kucher und Stefano Barco von der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich hat nun in einer gross angelegten klinischen Studie untersucht, ob Sirolimus-beschichtete Ballone genauso wirksam oder sogar besser wirksam sind als unbeschichtete Ballone, um die Zahl an grossen Beinamputationen und Notfalleingriffen innerhalb eines Jahres zu reduzieren.

An der SirPAD-Studie (Sirolimus-coated balloon for Peripheral Artery Disease) nahmen zum Studienstart 1252 Patientinnen und Patienten teil, die zwischen November 2020 und Dezember 2024 in einem von 44 Gefässzentren der Schweiz in Behandlung waren. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 75 Jahren, 35% waren Frauen. Von allen Patientinnen und Patienten wurde neben Alter, BMI, Vorerkrankungen und weiteren Grunddaten die Art ihrer Gefässerkrankung erfasst und nach Standards klassifiziert.
35% der Patienten hatten kritische Durchblutungsstörungen, 45% wiesen chronische, die Gliedmassen gefährdende Durchblutungsstörungen auf. 10% der Studienteilnehmer wurden wegen eines akuten Gefässverschlusses behandelt. 711 Patienten (56.8%) hatten totale Gefässverschlüsse. Bei 472 (37.7%) wurde die Ballondilatation mit einem Stent ergänzt. Bei der Hälfte der Teilnehmenden wurde der Sirolimus-beschichtete Ballonkatheter verwendet, bei der anderen ein unbeschichteter.

Weniger grosse Amputationen und weniger Notfalloperationen

In der Sirolimus-Gruppe musste bei 55 Patienten (8.8%) im Jahr nach dem Eingriff eine ungeplante Amputation oder Notfalloperation zur Rettung des Beins vorgenommen werden; in der Vergleichsgruppe mit den unbeschichteten Ballonen bei 94 Patienten (15%). Dies entspricht im Mittel einem verminderten Risiko in der Sirolimus-Gruppe um -4.9%. Betrachtet man die ungeplanten Amputationen und Gefässwiedereröffnungen insgesamt, erfolgten solche bei 144 Patienten (23%) der Sirolimus-Gruppe, und bei 193 Patienten (30.8%) in der Vergleichsgruppe. Dies entspricht einem um 7.8% verminderten Risiko in der Sirolimus-Gruppe.
In der Sirolimus-Gruppe wurden 74 Todesfälle (11.8%) verzeichnet, in der Vergleichsgruppe 80 (12.8%). In der Sirolimus-Gruppe wurden bei 364 (58%) Patientinnen und Patienten unerwünschte Ereignisse gemeldet, in der Vergleichsgruppe ebenfalls bei 364. Damit sind die Sterblichkeit und die Wahrscheinlichkeit für ein unerwünschtes Ereignis ähnlich bzw. identisch.

Jede verhinderte Amputation ist ein Erfolg

«In der SirPAD-Studie konnten wir zeigen, dass die Sirolimus-beschichteten Ballone bei PAVK die Zahl grosser Amputationen und Notfalloperationen infolge kritischer Durchblutungsstörungen reduzieren. Auch die Sterblichkeit ist nicht erhöht», fasst Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie am USZ und verantwortlicher Hauptprüfer der Studie, deren Ergebnisse zusammen. «Das ist ein grosser Meilenstein in der Behandlung der PAVK. Nun werden wir noch die langfristigen Ergebnisse untersuchen. «Was dieser Fortschritt in der Behandlung von Patienten mit PAVK bewirkt, zeigt sich bei uns in der Klinik bei jeder Amputation, die wir abwenden können.»

Die Ergebnisse der SirPAD-Studie wurden an der ACC26, der Tagung des American College of Cardiology in New Orleans als «Late Breaking Clinical Trial» präsentiert und zeitgleich im New England Journal of Medicine publiziert.

Originalpublikation:
Stefano Barco et al. Sirolimus-Coated Balloon Angioplasty for Infrainguinal Artery Disease. New England Journal of Medicine, 2026.

DOI: 10.1056/NEJMoa2600360

Arbeitsunfähigkeit und das Telefon

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Studie mit innovativer Fragemethode des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit relativiert Debatte zu telefonischen Krankmeldungen

Mehr Menschen gehen krank zur Arbeit, als dass sie sich zu Unrecht krankmelden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Der Zugang zu telefonischen Krankschreibungen spielte bei falschen Krankmeldungen keine entscheidende Rolle. Wichtiger waren vielmehr Arbeitsstress, Rollenkonflikte und geringes Arbeitsengagement.

Die Sorge um einen möglichen Missbrauch von Krankschreibungen wird derzeit kontrovers diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit der telefonischen oder telemedizinischen Krankmeldung. Auch aktuelle Reformvorschläge aus dem Bundesgesundheitsministerium setzen hier an. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen allerdings nahe, dass die aktuellen politischen Reformvorschläge die zentralen Ursachen von Krankschreibungen nur begrenzt adressieren.

Für die Studie nutzten die Forschenden eine spezielle indirekte Befragungsmethode, mit der sensible Verhaltensweisen realistischer und ohne Verzerrungen durch sogenannte „sozial erwünschte Antworten“ erfasst werden können. Dabei berichtete rund ein Drittel der Befragten (34,6 Prozent – versus 18,6 Prozent bei einer direkten Befragung), sich mindestens einmal im vergangenen Jahr trotz Arbeitsfähigkeit krankgemeldet zu haben. Gleichzeitig gaben 67,2 Prozent an, trotz Krankheit gearbeitet zu haben.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Fokus auf falsche Krankmeldungen zu kurz greift“, sagt das Forschungsteam um Professor Dr. Falko Sniehotta, Leiter der Abteilung für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin innerhalb des CPD. „Viel häufiger ist das Gegenteil der Fall: Menschen gehen krank zur Arbeit.“

Arbeitsbedingungen wichtiger als Krankschreibungsverfahren

Die Studie zeigt außerdem, dass Krankmeldungen trotz Arbeitsfähigkeit vor allem mit belastenden Arbeitsbedingungen zusammenhängen – durch Stress, Rollenkonflikte, die „innere Kündigung“ oder Druck durch soziale Normen im Arbeitsumfeld.

„Eine Fehleinschätzung der Ursachen für falsche Krankmeldungen kann dazu führen, dass politische Maßnahmen an den eigentlichen Problemen vorbeigehen“, warnen die Hauptautorinnen der Studie Stephanie Zintel und Raenhha Dhami. Während strukturelle Faktoren wie Arbeitsbelastung oder Personalmangel weniger Beachtung finden, drohen Maßnahmen mit begrenzter Wirkung in den Vordergrund zu rücken.

Empfehlungen für die Politik

Abgeleitet aus den Ergebnissen ihrer Studie empfiehlt das Forschungsteam daher, den Blick auf die Arbeitsbedingungen zu richten, um Fehlzeiten von Beschäftigten wirksam zu reduzieren. Priorität sollten dabei Maßnahmen zur Reduktion von Stress, Burnout und Rollenkonflikten haben.

Hintergrund zur Studie

Die Analyse basiert auf einer großen, repräsentativen Befragung von 1964 Beschäftigten in Deutschland. Durch eine indirekte Fragetechnik konnten verzerrte Antworten reduziert und sensiblere Verhaltensweisen besser erfasst werden.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Eva Maria Wellnitz
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Abteilung für Public Health, Sozial- und Päventivmedizin
Stephanie Zintel (Kontakt deutsch)
Stephanie.zintel@medma.uni-heidelberg.de
Raenhha Dhami (Kontakt englisch)
raenhha.dhami@medma.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Die Studie wurde bei einem hochrangigen Fachjournal eingereicht und als PrePrint hier veröffentlicht:
Estimating Alleged Sick Leave Misuse Accounting for Social Desirability Afflicted Responding
Dhami, Raenhha; Zintel, Stephanie; Andreas, Marike; Hennig, Hannah; Araújo-Soares, Vera & Sniehotta, Falko
https://osf.io/preprints/socarxiv/9pkvc_v1