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Prof. Dr. Ulrich Hacker: Entzündungsreaktion und Muskelqualitäten bei Tumorpatienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen: Entzündungsreaktion im Blut ist der treibende Faktor

Welche Faktoren haben einen Einfluss auf die Lebenserwartung von Patient:innen mit Magenkrebs im fortgeschrittenen Stadium? 

  • Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Leipzig haben herausgefunden, dass die Entzündungsreaktion im Körper mit einer reduzierten Qualität der Muskulatur bei den Betroffenen einhergehen und letztlich den entscheidenden Faktor für die Prognose darstellen. 

Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Annals of Oncology veröffentlicht. 

Die Entzündungswerte im Blut spielen laut aktueller Studie eine wichtige Rolle bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Die Entzündungswerte im Blut spielen laut aktueller Studie eine wichtige Rolle bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Colourbox

Eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Leipzig, unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Hacker, hat zusammen mit Wissenschaftler:innen der Masaryk-Universität in Brünn/Tschechien untersucht, was die Lebenserwartung von Patient:innen mit Magenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium beeinflusst. In die Auswertung gingen Daten von über 500 Betroffenen ein, die vor einigen Jahren innerhalb einer klinischen Studie behandelt worden waren.

Für die Analyse nutzten sie bestimmte Laborwerte im Blut, die eine Entzündungsreaktion im Körper anzeigen sowie Messwerte zur Muskelqualität

„Aus unseren Befunden kann geschlussfolgert werden, dass bei aggressiven, fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, wie am Beispiel des Magenkarzinoms, die Entzündungsreaktion im Blut der treibende Faktor für das Krankheitsgeschehen ist. 

  • Das hängt eng mit der Ausbildung einer Sarkopenie, einem Verlust von Muskelmasse und -qualität, zusammen“, erklärt Prof. Hacker, Oberarzt am Universitätsklinikum Leipzig. 
  • Zudem fanden die Mediziner:innen heraus, dass bei Patient:innen, die im Rahmen der Studie mit einer Chemotherapie behandelt wurden und bei denen die Erkrankung nicht weiter fortgeschritten ist, der gemessene Entzündungswert im Blut deutlich zurückgegangen ist.


In der wissenschaftlichen Diskussion wurde den Muskelparametern bisher ein großer Stellenwert mit Blick auf die Prognose zugeschrieben und daraus die Hypothese abgeleitet, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Muskulatur die Lebenserwartung von Tumorpatienten verbessern könnten. 

Zumindest für fortgeschrittene Tumorerkrankungen, wie in der vorliegenden Studie, zeigt sich nun, dass die Entzündungsreaktionen führend sind. 

„Wir weisen nach, dass die Entzündungswerte im Blut und die Sarkopenie eng zusammenhängen. Entgegen unserer Ergebnisse einer vorherigen Studie wissen wir nun, dass die Muskelqualität als Faktor nicht ausschlaggebend für die Lebenserwartung der Patient:innen mit fortgeschrittenem Magenkrebs ist“, fasst Prof. Hacker die Kernaussage der Forschung zusammen und fügt hinzu: „Die Beeinflussung der Entzündungsreaktion stellt sich als zentraler Angriffspunkt heraus, um sowohl die Prognose als auch die Sarkopenie zu verbessern.“

Körperliches Training und vor allem Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährung werden oft von den Expert:innen zur Behandlung einer Sarkopenie vorgeschlagen. 

„Es ist aber auch bekannt, dass Ernährungsmaßnahmen nicht gut anschlagen, wenn Entzündungswerte im Blut vorliegen. 

Die aktuellen Studiendaten weisen darauf hin, dass eine wirksame Tumortherapie die Entzündungsreaktionen reduziert und damit eine gute Grundlage für wirksame Maßnahmen im Ernährungsbereich legen könnte“, sagt Prof. Hacker.

In künftigen Studien müsse geklärt werden, ob die Befunde auf andere Tumorarten übertragbar seien und wie sich unterschiedliche Tumortherapien oder andere Behandlungen auf die Entzündungsreaktionen im Blut auswirken.

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Prof. Dr. Ulrich Hacker
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Originalpublikation:

Modified Glasgow prognostic score (mGPS) is correlated with sarcopenia and dominates the prognostic role of baseline body composition parameters in advanced gastric and esophagogastric junction cancer patients undergoing first-line treatment from the phase III EXPAND trial. doi:10.1016/j.annonc.2022.03.274 https://doi.org/10.1016/j.annonc.2022.03.274

 

REM-Schlaf, oder auch Traumschlaf: Alpha-Synukleinopathie - Parkinson-Krankheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 80% aller Betroffenen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung entwickeln eine Parkinson-Krankheit

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (engl. abgekürzt RBD) ist durch lebhafte Träume und körperliche Aktivität im Traumschlaf gekennzeichnet: 

Die Betroffenen schreien, treten oder schlagen um sich im Schlaf. 

Oft schämen sie sich und gehen nicht zum Arzt. 

Dabei können Medikamente Linderung verschaffen. 

Hinzu kommt, dass es einen Zusammenhang zwischen RBD und der Parkinson-Krankheit gibt – 4 von 5 Betroffenen erkranken im Laufe von 15 Jahren an der Parkinson-Krankheit. 

Derzeit wird an einem Test gearbeitet, der verlässlich vorhersagen kann, ob eine RBD in eine Parkinson-Krankheit mündet oder nicht. 
 
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (engl. „REM sleep behaviour disorder“ - RBD) wird laut der Internationalen „Classification of Sleep Disorders“ (ICSD) den sogenannten Parasomnien zugeteilt.

Darunter versteht man Schlafstörungen mit störenden Begleitsymptomen. 

  • Der REM-Schlaf, oder auch Traumschlaf, wechselt sich mit dem Non-REM-Schlaf (Leicht- und Tiefschlaf) mehrmals pro Nacht ab und ist durch die schnellen Augenbewegungen („rapid eye movements - REM“) bei geschlossenen Augenlidern charakterisiert. 
Während der REM-Schlafphase herrscht im Gehirn eine erhöhte Durchblutung und Stoffwechselaktivität, die Atem- und Herzfrequenzen steigen an, die Muskulatur ist aber in einem vollständigen Ruhezustand. 

In dieser Schlafphase träumen wir. 

Bei Betroffenen, die unter der RBD leiden, kommt es in dieser REM-Schlafphase zu heftigen Träumen, die sie – im Gegensatz zu „normal Träumenden“ – auch körperlich durchleben und „aktiv“ werden lassen.

Nicht selten schreien die Betroffenen laut, sie treten oder schlagen unkontrolliert um sich, kratzen oder beißen, in einigen Fällen kann es sogar zu Selbstverletzungen oder Verletzungen des Partners kommen.

„Die RBD ist für Betroffene oft ein Tabuthema.

Sie schämen sich und haben Sorge, als aggressiv oder unbeherrscht eingestuft zu werden. Ihnen – und oft auch dem Partner – ist nicht klar, dass eine Krankheit ursächlich für die nächtliche Aktivität ist“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Oertel von der Universität Marburg.

„Es ist wichtig, diese Tabus abzubauen und allgemein bekannt zu machen, dass es sich bei der RBD um ein Vorzeichen einer Erkrankung handelt.

Betroffene sollten sich ihrem Hausarzt anvertrauen, der sie bei Bedarf an einen Neurologen überweist, denn die RBD ist behandelbar.“

Eine medikamentöse Therapie kann die Lebens-und Schlafqualität vieler Patienten verbessern.

Zum Einsatz kommen beispielsweise Clonazepam, eine Substanz, die vor allem bei Epilepsie eingesetzt wird (auch wenn RBD keine epileptische Erkrankung ist!), und Melatonin, ein Hormon, das den Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. 

Aber selbst, wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, ist für viele Betroffene allein die Diagnose ein Segen.

„Ihnen fällt ein Stein vom Herzen, wenn sie erfahren, dass ihr Leiden eine echte Erkrankung ist, sie nicht `unnormal´ sind oder gar Sorge haben müssen, verrückt zu werden,“ so Prof. Oertel.

Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Grund, warum eine rechtzeitige Diagnose wichtig ist:

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung wurde als ein Risikofaktor zur Entwicklung eines Parkinson-Syndroms eingestuft.

Es ist mittlerweile bekannt, dass 80% aller Betroffenen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung in den nächsten 15 Jahren an einer sogenannten alpha-Synukleinopathie erkranken werden.

In dieser Erkrankungsgruppe stellt die Parkinson-Krankheit die häufigste Krankheit dar.

„Was für die Betroffenen zunächst wie eine Hiobsbotschaft klingt, denn eine Parkinson-Erkrankung ist auch heute noch nicht heilbar, hat zumindest einen positiven Aspekt:

Durch die RBD erhalten Betroffene die Möglichkeit, sich mit der drohenden Parkinson-Erkrankung auseinanderzusetzen und frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen. Darüber hinaus können die von der RBD Betroffenen hoffen, dass laufende Forschungsanstrengungen neue Therapie-Verfahren finden und entwickeln, die das Fortschreiten einer Parkinson-Krankheit verlangsamen“, so der Experte.

Die Parkinson-Krankheit ist weltweit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die hierbei zu beobachtenden Störungen des Bewegungsablaufes (siehe unten) lassen sich auf den Untergang dopaminerger Neurone der Substantia nigra im Mittelhirn zurückführen.

Prinzipiell ist der Teil des Mittelhirns an der Ausgestaltung von Bewegungsabläufen beteiligt, was die typischen Parkinson-Symptome erklärt. 
  • Durch die Erkrankung kommt es im Verlauf zu einer Bewegungsarmut bis hin zur vollständigen Bewegungslosigkeit (Akinese), zur versteiften Muskulatur (Rigor) und dem Zittern von Armen und Beinen in Ruhe (Tremor).

Der Zusammenhang zwischen RBD und der Parkinson-Krankheit wird derzeit intensiv beforscht.

Prof. Oertel und sein Team gehen der Frage nach, welche der RBD-Patienten zu den mehr als zwei Dritteln mit dieser Traum-Schlafstörung gehören, die auf eine Parkinson-Erkrankung zusteuern.

  • Mit der sogenannten Fluoro-Desoxy-Glukose- (FDG-) PET-Technik haben sie den Energieverbrauch des Gehirns genau gemessen. 

Es stellte sich heraus, dass Parkinson-Patienten ein typisches Muster von Abweichungen des Energiehaushaltes im Gehirn zeigen.

„Bei zwei Drittel von 25 untersuchten RBD-Patienten haben wir festgestellt, dass dieses Parkinson-Muster bereits im Vorstadium der Parkinson-Krankheit anwesend ist.

Nun gilt es zu klären, ob das Muster tatsächlich für eine valide Vorhersage der Parkinson-Krankheit herangezogen werden kann, also ob es tatsächlich auch diejenigen RBD-Patienten mit dem typischen Parkinson-Muster sind, die an der Parkinson-Krankheit erkranken werden, und ob umgekehrt die RBD-Patienten ohne Parkinson-Muster gesund bleiben“, erklärt der Marburger Neurologe und Past-Präsident der DGN.

 „Wenn das der Fall ist, haben wir einen Parkinson-Frühtest für Menschen, die unter RBD leiden.“ Das wichtige Forschungsprojekt wird vom ParkinsonFonds Deutschland gefördert.

 Die ersten Ergebnisse dieser Verlaufsstudie werden 2020 erwartet.

Für Betroffene und Angehörige ist der Verein REM-Schlafstörung e.V. eine wichtige Anlaufstelle.

Auf der Internetseite http://www.rem-schlafverhaltensstoerung.de/ findet man zahlreiche Informationen und u.a. einen RBD-Selbsttest.



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Chronischen Bluthochdruck - und Migräne

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neuartige Migränemedikamente möglicherweise gefährlich bei Bluthochdruck

Neue Medikamente gegen Migräne blockieren das Neuropeptid αCGRP, das etwa an den Hirnhäuten zu Gefässerweiterungen führt. 

Dasselbe Peptid, das bei körperlicher Aktivität in der Muskulatur gebildet wird, schützt das Herz – was für Menschen mit chronischem Bluthochdruck überlebenswichtig ist. 

Für sie dürfte die neuartige Migräneprophylaxe gefährlich sein, wie Forschende der Universität Zürich an Mäusen zeigen. 

Das Neuropeptid αCGRP (engl. α Calcitonin Gene-Related Peptide) wirkt auf zwei unterschiedliche Arten. Direkt an der Freisetzungsstelle der Nervenzellen – beispielsweise an den Hirnhäuten – führt es zu Entzündungen und erweitert die Blutgefässe, was Migräneattacken verursachen kann. Ganz anders wirkt es auf das Herz, wie ein Forscherteam der Universität Zürich (UZH) nun herausgefunden hat.

Negativer Effekt auf Hirnhäute, positiver auf das Herz

Wie die Wissenschaftler anhand von Studien mit Mäusen zeigen, wird αCGRP auch aus der arbeitenden Skelettmuskulatur freigesetzt. Via Blut gelangt es aus dem Muskel zum Herz, wo es jene krankmachenden Veränderungen des Herzens hemmt, die durch chronischen Bluthochdruck entstehen. «Beim Menschen ist es genau so wie bei der Maus:

Körperliche Aktivität und Sport erhöhen den Blutplasmaspiegel von αCGRP, was sich bei erhöhtem Blutdruck positiv auf das Herz auswirkt», sagt Studienleiter Johannes Vogel, Professor am Institut für Veterinärphysiologie der UZH.

Therapieoption für gewisse Patienten mit Bluthochdruck

Die Forschenden verglichen in ihrer Arbeit normale Mäuse und solche mit chronischem Bluthochdruck, die entweder körperlich passiv waren oder immer wieder freiwillig im Laufrad liefen.

Dabei zeigte sich, dass normale Konzentrationen von αCGRP im Blutplasma überlebenswichtig, und dass die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf das Herz von dem Peptid abhängig sind.

Weiter schützt αCGRP das Herz auch unabhängig von seinen in höheren Dosen blutdrucksenkenden Eigenschaften.

 «Substanzen, die die Freisetzung von αCGRP aktivieren, könnten in Zukunft bei Patienten mit Bluthochdruck eingesetzt werden, die nur sehr eingeschränkt körperlich aktiv sein können, oder bei denen blutdrucksenkende Medikamente nicht oder zu wenig wirken», erklärt Johannes Vogel.

Vorsicht bei Migränemedikamenten und chronischem Bluthochdruck

Die Forschungsarbeit förderte noch ein weiteres Ergebnis zutage:

Bei Mäusen mit chronischem Bluthochdruck führte eine langfristige Verabreichung von αCGRP-Blockern zu lebensbedrohlichen Störungen der Herzfunktion. 

Solche Medikamente, die das Neuropeptid gezielt blockieren, werden seit kurzem zur Migräneprophylaxe verwendet.

Da das Neuropeptid αCGRP vom Zebrafisch bis zum Menschen sehr ähnlich ist, muss es sich um einen zentralen biologischen Mechanismus handeln, der in vielen Organismen vergleichbar funktioniert.

Gemäss dem Herzkreislauf-Spezialisten Vogel sind die Resultate daher auch für den Menschen relevant:

«αCGRP-Blocker sollten zur Migränevorbeugung nur eingesetzt werden, wenn den Patienten regelmässig der Blutdruck kontrolliert wird. 

Chronischer Bluthochdruck sollte in die Liste der Kontraindikationen für den langfristigen Einsatz von αCGRP-Blockern aufgenommen werden.» 

Originalpublikation:
Tom Skaria, Katharyn Jean Mitchell, Olga Vogel, Thomas Wälchli, Max Gassmann, Johannes Vogel. Blood Pressure Normalization-Independent Cardioprotective Effects of Endogenous, Physical Activity-Induced Alpha Calcitonin Gene-Related Peptide (αCGRP) in Chronically Hypertensive Mice. Circulation Research. 31 October 2019. DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.119.315429 [Epub ahead of print]

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CAVE-Untersucher: Wadenkrämpfe - Elektrolytverschiebungen + Demyelinisierung

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Häufige Wadenkrämpfe – was hilft?

  • Wadenkrämpfe können die Lebens- und Schlafqualität stark beeinträchtigen. 
Leider hilft wenig – und altbewährte Maßnahmen wie Dehnen und Magnesium haben nicht bei allen Patienten Erfolg. 

Bei Menschen, die unter häufigen, langanhaltenden und stark schmerzenden Wadenkrämpfen leiden, können Chininpräparate zum Einsatz kommen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Chininhaltige Lebensmittel  

In einer aktuellen Studie erwiesen sie sich als wirksam und nebenwirkungsarm. 
 
Wer kennt das nicht?

Wadenkrämpfe treten plötzlich und unerwartet auf und bereiten höllische Schmerzen.

Meistens hält der Spuk nicht lange an, so dass im Prinzip kein (Be-)Handlungsbedarf besteht, es sei denn, die Krämpfe treten häufig oder sogar sehr häufig auf.

Ein Wadenkrampf entsteht nicht in der Muskulatur, ist also kein muskuläres Problem, wie viele denken, sondern ein neurologisches:
Ausgelöst werden Muskelkrämpfe durch spontane Depolarisierungen der Nervenmembranen:
Es bilden sich Aktionspotenziale aus, also Nervenimpulse, die dann im Endeffekt zu einem „Erregungssturm“ im Muskel führen.

Elektrolytverschiebungen können die Reizbarkeit der Nerven, die den Muskel umgeben, erhöhen und die Entstehung von Krämpfen begünstigen. 

Das könnte auch der Grund sein, warum mehr Menschen im Sommer Wadenkrämpfe bekommen – man schwitzt mehr und trinkt u.U. nicht genug.

Es gibt aber noch weitere Risikofaktoren: 
  • Ist beispielsweise die aus Myelin bestehende Schutz- bzw. Isolierschicht der Nervenfasern schon etwas dünner oder geschädigt, ist das Risiko für solche krampfauslösenden Impulsentladungen höher. 
  • Eine solche Demyelinisierung kann durch unterschiedliche Erkrankungen wie z.B. die diabetische Polyneuropathie oder Schilddrüsenerkrankungen hervorgerufen werden, aber auch durch verschiedene Medikamente, Alkohol oder Vitamin B-Mangel

Es liegt auf der Hand, dass sie im Alter häufiger sind als bei jungen gesunden Menschen, weshalb auch Wadenkrämpfe bei älteren Menschen häufiger auftreten.

Hinzu kommen mechanische Auslöser:

Senkt man die Zehenspitzen nach unten, so dass sich der Wadenmuskel verkürzt – wie das beispielsweise der Fall ist, wenn der Fuß durch eine schwere Bettdecke heruntergedrückt wird oder in High-Heels steckt – kann es leichter zu Wadenkrämpfen kommen. „Warum das so ist, wissen wir nicht genau. Es ist wahrscheinlich so, dass durch Gewebsverschiebungen die empfindlichen Nervenendstrecken im Muskel unter Druckspannung geraten, was die elektrischen Entladungen begünstigt“, erklärt Dr. Rainer Lindemuth, Siegen, Erstautor der S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf [1] der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Beugt man den Fuß in die Gegenrichtung und streckt den Wadenmuskel, löst sich der Krampf.

Die Akutempfehlung lautet daher, den verkrampften Muskel zu dehnen bzw. seinen Gegenspieler anzuspannen.“

Zur Vorbeugung empfiehlt die Leitlinie regelmäßige passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur (z.B. durch Vorbeugen des Körpers im Stand, ohne dass die Fersen den Bodenkontakt verlieren), allerdings schreiben die Autoren, dass die Wirksamkeit in verschiedenen Studien unterschiedlich bewertet wurde, eine klare Evidenz also fehlt. Ebenso wird die Einnahme von Magnesium empfohlen, obwohl die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist.

„Ein Therapieversuch sollte aber in jedem Falle unternommen werden. Magnesium führt an der Muskelmembran zu einer Stabilisierung und reduziert Aktionspotenziale, die Kontraktionen im Muskel auslösen. Viele Patienten berichten, dass es bei ihnen die Neigung zu Muskelkrämpfen lindert.

Wenn es nicht überdosiert wird, ist Magnesium außerdem unbedenklich und hat keine Nebenwirkungen“, so der Experte.

  • „Aufpassen müssen lediglich Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, sie sollten vor der Dauereinnahme mit ihrem behandelnden Nephrologen sprechen.“

Wenn die Muskelkrämpfe mit diesen Maßnahmen nicht in den Griff zu bekommen sind und die Lebens- und Schlafqualität stark beeinträchtigen, sollte der Weg zum Arzt erfolgen. Er führt dann eine genaue Diagnostik durch. Erst wenn alle behandelbaren Ursachen ausgeschlossen wurden und eine Magnesiumtherapie versucht wurde, sollten bei häufigen und sehr schmerzhaften Krämpfen Chininpräparate zum Einsatz kommen, so die derzeitige Leitlinienempfehlung.

Diese könnte nun aber überholt sein. Eine aktuell in der Fachzeitschrift „MMW - Fortschritte der Medizin“ publizierte multizentrische, nicht interventionelle Studie [2] bestätigte die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Behandlung mit Chininsulfat im Versorgungsalltag bei erwachsenen Patienten mit sehr häufigen oder besonders schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen. „Anzahl, Dauer und Schmerzintensität der nächtlichen Wadenkrämpfe hatten bei der Mehrzahl der Patienten abgenommen und das Nebenwirkungsprofil war tolerabel. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten bei 35/592 Patienten auf, schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen überhaupt nicht. Ich denke, es ist möglich, diese Präparate weniger restriktiv einzusetzen, als es die Leitlinien derzeit vorsehen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Erstautor der aktuellen Studie.

Literatur
[1] https://www.dgn.org/leitlinien/3402-030-037-crampi-muskelkrampf-2017#empfehlunge...
[2] Diener H-C, Baurecht W. Chininsulfat in der Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe: Verträglichkeit, Compliance, Lebensqualität und Einfluss auf Symptome. MMW 2019, Sonderheft 6/2019
https://www.springermedizin.de/chininsulfat-in-der-therapie-naechtlicher-wadenkr...

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Mangelernährung oder Malnutrition: Fehlende Energie und Nährstoffe

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Wie entsteht Mangelernährung im Alter?

Ernährungswissenschaftlerin Prof. Volkert über Risikogruppen und Ursachen 
 
  • Immer mehr alte Menschen leiden an Mangelernährung. 

Welche Faktoren an der Entstehung beteiligt sind und wie sie sich gegenseitig beeinflussen, untersucht Prof. Dr. Dorothee Volkert mit ihrem Team vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Zusammen mit 33 Wissenschaftlern aus elf Ländern hat sie ein Modell entwickelt, in dem mögliche Ursachen erstmals strukturiert und gewichtet dargestellt werden.

Das Modell wurde vor Kurzen im wissenschaftlichen Fachmagazin „Gerontology & Geriatric Medicine“ veröffentlicht*.

Frau Professor Volkert, was ist Mangelernährung und wie wirkt sie sich aus?

Grundsätzlich spricht man von Mangelernährung oder Malnutrition, wenn dem Körper Energie und Nährstoffe fehlen, die er für einen reibungslosen Stoffwechsel braucht.

Die Folgen einer Mangelernährung sind vielfältig und hängen vom Ausmaß und von den fehlenden Nährstoffen ab. 
  • Bei einer generellen Mangelernährung, bei der anhaltend sämtliche Nährstoffe fehlen, reichen die Folgen von Gewichtsverlust über eine Schwächung des Immunsystems bis hin zu funktionellen Beeinträchtigungen der Muskulatur und aller Organe. 
  • Der Körper greift auf alle Reserven zurück.
Kann Mangelernährung jeden treffen und wie entsteht sie?

Mangelernährung kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten, und ist insbesondere im Krankheitsfall anzutreffen, bei älteren Menschen – per Definition ab 65 Jahren – ist das Risiko für Mangelernährung durch diverse Altersversänderungen deutlich höher.

Wer zum Beispiel Probleme beim Gehen oder mit dem Treppensteigen hat, kauft seltener ein und findet auch das Kochen anstrengender.

Wer alleine lebt, lässt öfter mal eine Mahlzeit ausfallen. 

  • Und wer an einer Depression oder einer anderen schweren Erkrankung leidet, hat oft kaum noch Appetit.

Die Ursachen von Mangelernährung im Alter sind vielfältig, die Fachliteratur führt mehr als 120 Faktoren aus verschiedenen Lebensbereichen auf. Welche dieser sogenannten Determinanten die wichtigsten sind und wie sich die unterschiedlichen Faktoren gegenseitig beeinflussen, ist jedoch nicht geklärt. Derzeit gibt es in der wissenschaftlichen Community kein einheitliches Verständnis über die Bedeutung einzelner Faktoren und deren Zusammenspiel. Und: Die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden sind so unterschiedlich, dass sich die Studienergebnisse kaum vergleichen lassen und kein theoretisches Rahmenmodell zur Entstehung von Mangelernährung im Alter existiert.

Wie ist Ihr Determinanten-Modell für die Entstehung von Mangelernährung im Alter aufgebaut?

Unser neu entwickeltes Modell „Determinations of Malnutrition in Aged Persons“ – kurz DoMAP – veranschaulicht mögliche Determinanten und ihre Beziehung zu Mangelernährung und will zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren und unterschiedlichen Entstehungsmechanismen beitragen. Es besteht aus drei ineinander liegenden Dreiecksebenen. Die Mangelernährung steht im Zentrum und ist umgeben von den drei zentralen Entstehungsmechanismen der ersten Ebene:

geringe Zufuhr, erhöhter Bedarf und reduzierte Bioverfügbarkeit. 

Die angrenzende zweite Ebene beinhaltet Faktoren, die direkt einen dieser Mechanismen verursachen – zum Beispiel Appetitlosigkeit als Ursache für geringe Zufuhr oder Durchfall als Ursache für reduzierte Bioverfügbarkeit.

Die dritte Ebene beinhaltet Faktoren, die eher indirekt wirken und den Faktoren in Ebene zwei zu Grunde liegen – zum Beispiel eine Depression als Ursache für Appetitlosigkeit oder ein Schlaganfall als Ursache für Kau- und Schluckbeschwerden, die wiederum eine geringe Zufuhr bewirken.

Wie haben Sie das Modell entwickelt?

Im Rahmen der europäischen Wissensplattform „Mangelernährung im Alter“ (MaNuEL)” haben wir in einem mehrstufigen Konsensprozess insgesamt 33 Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen eingebunden. Zunächst haben wir den aktuellen Wissensstand zusammengetragen und diskutiert und darauf basierend einen ersten Entwurf des DoMAP-Modells erarbeitet. Beim Abschlusstreffen aller MaNuEL-Partner wurde dieser Entwurf zur Diskussion gestellt und anschließend in mehreren schriftlichen Runden kommentiert und entsprechend angepasst.

Welche Auswirkungen hat das DoMAP-Modell in der Praxis?

Das DoMAP-Modell soll zu einem gemeinsamen Verständnis der Vielzahl von Faktoren beitragen, die zu einer Mangelernährung führen können.

Im klinischen Alltag kann es als direkte Handreichung für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal dienen, um rechtzeitig Personen mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren und ihnen zu helfen.

Darüber hinaus hat das Determinantenmodell großes Potenzial für zukünftige Forschung.

Damit die Studien in Zukunft vergleichbare Ergebnisse liefern, arbeiten wir im nächsten Schritt gerade an einem Vorschlag zur standardisierten, einheitlichen Erfassung sowohl von Mangelernährung als auch der Determinanten, die wir in unser Modell aufgenommen haben.

* doi: 10.1177/2333721419858438
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/2333721419858438


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Prof. Dr. Dorothee Volkert
Tel.: 0911/5302-96168
dorothee.volkert@fau.de

Dr. Susanne Langer Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Schlossplatz 4
91054 Erlangen
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Bayern
E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de

Originalpublikation:
doi: 10.1177/2333721419858438

Medizin am Abend Berlin Fazit: Harnblasenkrebs als eine Spätfolge einer Querschnittlähmung

Kann eine traumatisch bedingte Querschnittlähmung Auslöser dafür sein, dass Betroffene Jahre später an Harnblasenkrebs erkranken? 

Um diese Frage klären zu können, fehlt es bisher an aussagekräftiger Literatur. 

Ein nationales Netzwerk aus Urologen, Juristen und Forschenden schlägt nun eine Bewertungsmatrix vor, die Gutachtern, den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) und den Sozialgerichten auf Basis des aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Kenntnisstandes Anhaltspunkte zur Beurteilung des Ursachenzusammenhangs liefert. 

Die Arbeit, an der auch das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung beteiligt ist, wurde in der Fachzeitschrift „Trauma und Berufskrankheit“ veröffentlicht. 
 
  • Eine Todesursache von langjährig Querschnittgelähmten sind Tumoren der Harnblase. 
Ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer durch einen Unfall bedingten Querschnittlähmung und der Krebserkrankung gibt, ist entscheidend für mögliche Leistungen der GUV. Die Ausgangslage ist aber komplex: Aufgrund fehlender Daten ist bislang unklar, wie hoch das Risiko einer querschnittgelähmten Person ist, an Harnblasenkrebs zu erkranken. Als gesichert gilt hingegen, dass Querschnittgelähmte häufiger an Harnblasenkrebs versterben als Nicht-Gelähmte.

  • Beim Tod einer unfallversicherten Person haben Angehörige jedoch nur dann Anspruch auf Rentenzahlungen, wenn die GUV den Tod als Unfallfolge anerkennt.

Indikatoren zur Beurteilung eines ursächlichen Zusammenhangs

Bislang fehlt es Gutachtern an geeigneter Literatur, um bezüglich eines ursächlichen Zusammenhangs Entscheidungen vorzuschlagen, die von den Unfallversicherungsträgern akzeptiert werden und vor Gericht bestehen.

Daher haben unter Federführung der Urologen des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg auf dem Gebiet erfahrene Urologen, Forschende am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Experten für Unfallversicherungsrecht gemeinsam Faktoren zusammengetragen und gewichtet, die für oder gegen einen ursächlichen Zusammenhang sprechen. Als Basis diente die bisherige medizinische Forschungsliteratur.

Einen Schwerpunkt bildet dabei eine Studie des Querschnittgelähmten-Zentrums am BG Klinikum Hamburg, die von den Autoren der aktuellen Veröffentlichung durchgeführt wurde: Sie werteten die Daten von mehr als 6400 Patienten und Patientinnen zwischen 1998 und 2017 rückblickend aus. 32 von den Querschnittgelähmten erkrankten in der Zeit an Harnblasenkrebs.

Dabei fiel auf, dass die Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnose im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung im Schnitt rund 20 Jahre jünger waren. 

Diese Vorverlagerung der Diagnose steht in Einklang mit Befunden früherer Studien.

  • Weiterhin zeigten die Studienanalysen, dass der Anteil der in den westlichen Industrienationen seltenen Plattenepithelkarzinome bei Querschnittgelähmten stark erhöht ist.

Zudem erkrankten Gelähmte signifikant häufiger als Nicht-Gelähmte an Tumoren, die bereits in die Muskulatur der Blase eingewachsen sind.

Diese invasive Tumorvariante ist aggressiver als oberflächliche Tumoren. 

Für Querschnittgelähmte musste daher eine drastisch verkürzte Überlebenszeit festgestellt werden: 50 Prozent der Betroffenen in der Studie am Hamburger Querschnittgelähmten-Zentrum waren anderthalb Jahre nach der Krebsdiagnose verstorben.

Hingegen zeigte sich in der Literatur, dass 80 Prozent der Nicht-Gelähmten fünf Jahre nach der Krebsdiagnose am Leben waren.

Abwägung unfallunabhängiger Risikofaktoren

„Harnblasentumoren von Querschnittpatienten unterscheiden sich offenbar erheblich von denen Nicht-Gelähmter“, fassen die Studienautoren zusammen.

  • „Aus der Analyse der Studienergebnisse muss geschlossen werden, dass die Unterbrechung des Rückenmarks Auslöser für die Entstehung eines Harnblasenkrebs ist“, so die Autoren weiter. 

Welche Mechanismen letztendlich dazu führen, dass Betroffene viele Jahre nach einer Querschnittlähmung an Harnblasenkrebs erkranken, ist jedoch noch unklar. Zudem müssen in der Einzelfallentscheidung die von der Querschnittlähmung unabhängigen Einflussfaktoren gegen solche Faktoren abgewogen werden, die einen Zusammenhang bei Querschnittgelähmten belegen: Dazu zählen Aspekte wie Tabakrauchen, die Gabe von bestimmten Krebsmedikamenten oder Bestrahlungstherapien bei Gebärmutterkrebs.

Harnblasenkrebs:

In der Harnblase wird der Urin bis zur Entleerung zwischengespeichert. Blasenkrebs, beziehungsweise ein Harnblasenkarzinom ist ein bösartiger Tumor in der Harnblasenschleimhaut. In Deutschland erkrankten nach Angaben des Robert Koch-Instituts 2014 in Deutschland rund 29.500 Menschen an einem bösartigen Harnblasentumor (inklusive nicht-invasiver Formen). Das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter: Das durchschnittliche Erkrankungsalter an Harnblasenkrebs beträgt in Deutschland bei Männern 74 Jahre und bei Frauen 76 Jahre. Männer sind hiervon allerdings häufiger betroffen als Frauen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren, welche die Erkrankung an Harnblasenkrebs begünstigen, zählen Tabakrauchen sowie die Belastung durch bestimmte Chemikalien am Arbeitsplatz.


An der Veröffentlichung beteiligt waren Forschende, Urologen und Juristen aus ganz Deutschland. Zu den Autoren zählen Experten des BG Klinikums Hamburg, der Stabsstelle Unfallversicherungsrecht der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Bielefeld, der Johannesbad Fachklinik in Bad Füssing, einer Praxis in St. Augustin, der Zentralklinik Bad Berka, des Krankenhauses St. Franziskus in Mönchengladbach, des Malteser Krankenhauses St. Hildegardis in Köln, des Klinikums Leverkusen, der Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen sowie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo).

Das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Das IfADo hat mehr als 220 Mitarbeiter/innen aus naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 95 selbstständige Einrichtungen umfasst. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

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Originalpublikation:
Publikation:
Böthig, R., Schöps, W., Zellner, M., Fiebag, K., Kowald, B., Hirschfeld, S., Thietje, R., Kurze, I., Böhme, H., Kaufmann, A., Jungmann, O., Zumbé, J., Porres, D., Nehiba, M., Kadhum, T., Golka, K., Forchert, M. (2019): Ursachenzusammenhang zwischen langjähriger Querschnittlähmung und malignen Harnblasentumoren. Trauma und Berufskrankheiten. doi: 10.1007/s10039-019-0412-4

Leserbrief von Prof. Dr. Jürgen Pannek zur Publikation:
Pannek, J. (2019): Begutachtung von Harnblasenkarzinomen bei Personen mit
Querschnittlähmung. Trauma und Berufskrankheiten. Doi: 10.1007/s10039-019-0424-0

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
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https://doi.org/10.1007/s10039-019-0424-0 Zum Leserbrief zur Publikation


 

Einladung zur Ernährung und Bewegungs Studie: http://www.beg.uni-hannover.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie untersucht Einfluss von Ernährung und Bewegung auf die Gesundheit

Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht 
 
Aktuelle Studie „BEGinn“: Mehr Gesundheit und Wohlbefinden durch Bewegung und Ernährung

Ernährung und Bewegung nehmen in vielfältiger Weise Einfluss auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Prävention chronischer Erkrankungen.

Körperliche Aktivität kann einer altersbedingten Abnahme von Muskulatur und Knochendichte entgegenwirken sowie die Funktion des Immunsystems verbessern. 

In welchem Umfang bisher körperlich inaktive Personen hiervon profitieren, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

Ebenso unklar ist, welchen Beitrag zusätzliche nutritive Maßnahmen leisten.

Das Forschungsprojekt „BEGinn“ an der Leibniz Universität Hannover soll diese Wissenslücke schließen und sucht für die Studie Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 50 bis 70 Jahren.

Weitere Informationen zur Studie unter http://www.beg.uni-hannover.de

  • Unter der Leitung von Prof. Andreas Hahn aus dem Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung und Prof. Karsten Krüger, Institut für Sportwissenschaft, werden die Auswirkungen eines Trainingsprogramms allein oder in Kombination mit einer Ernährungsumstellung sowie der Gabe von Omega-3-Fettsäuren auf immunologische, ernährungs- und sportwissenschaftliche Parameter untersucht.
Teilnehmen können Frauen und Männer im Alter von 50 bis 70 Jahren, die keinen regelmäßigen sportlichen Aktivitäten -wie beispielsweise Schwimmen oder Joggen - nachgehen.

Innerhalb eines zwölfwöchigen Studienverlaufs absolvieren die Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer zweimal pro Woche eigenständig einen Fitness-Zirkel in einem kooperierenden Fitnessstudio.

Eine der Studiengruppe erhält zusätzlich eine Ernährungsberatung, eine weitere Gruppe ein Nährstoffsupplement mit Omega-3-Fettsäuren.

Bei Interesse an der Studienteilnahme wenden Sie sich bitte an Paulina Wasserfurth, Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung, Telefon 0511 762 3733, E-Mail:

wasserfurth@nutrition.uni-hannover.de


Studie untersucht Einfluss von Ernährung und Bewegung auf die Gesundheit 

 


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CAVE: Motoneuron-Erkrankung: Autophagie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Störung an den Synapsen

Für Motoneuron-Erkrankungen beschreibt ein Würzburger Forschungsteam einen bislang unbekannten Krankheitsmechanismus. Das sollte bei der Entwicklung von Medikamenten zu einem Umdenken führen.  
Motoneuronen sind die Nerven, deren Impulse Muskeln in Aktion treten lassen.
Wenn diese Neuronen geschädigt sind, können sehr unterschiedliche Krankheiten entstehen – zum Beispiel die Spinale Muskelatrophie bei Kindern oder die Amyotrophe Lateralsklerose bei Erwachsenen.
  • In beiden Fällen kommt es zu Muskelschwund, Lähmungen und am Ende zum Funktionsverlust der Muskulatur. 
Davon sind auch die Atemmuskeln betroffen. 

Die Krankheiten sind bislang nicht heilbar; ihr Fortschreiten lässt sich durch Medikamente aber verzögern.

Autophagie als neues Angriffsziel für Medikamente

„Bei der Entwicklung neuer Medikamente liegt das Hauptaugenmerk bislang auf der Verhinderung von Zelltodmechanismen und auf dem Abbau von Protein-Ansammlungen in den betroffenen Nervenzellen“, sagt Professor Michael Sendtner, Leiter des Instituts für Klinische Neurobiologie am Würzburger Universitätsklinikum.

Jetzt aber haben Sendtner und sein Mitarbeiter Patrick Lüningschrör mit ihrem Team ein weiteres Ziel identifiziert, das als Angriffspunkt für Medikamente in Frage kommt:

Es ist der komplexe Prozess der Autophagie, wie die Forscher im Journal Nature Communications berichten.  

Dieser Prozess sorgt im Normalfall dafür, dass die Impulsübertragung zwischen Motoneuronen und Muskeln dauerhaft funktioniert.

Anhäufung von Vesikeln an den Synapsen

Ausgangspunkt für die neue Erkenntnis war das PLEKHG5-Gen.

Bekannt ist, dass Mutationen in diesem Gen verschiedene Formen von Motoneuron-Erkrankungen auslösen können. Die Würzburger fanden nun heraus, dass dieses Gen immens wichtig für die Autophagie ist: 

Es steuert an den Synapsen den Abbau der Bläschen (Vesikel), die mit dem Botenstoff Acetylcholin gefüllt sind und die Erregung vom Nerven zu den Muskeln transportieren.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Laborbestimmung  


Wird das PLEKHG5-Gen an einzelnen Motoneuronen in Zellkultur ausgeschaltet, verringert sich die Autophagie und es kommt zur Anhäufung der synaptischen Vesikel. 

Und bei Mäusen führt die Inaktivierung des Gens zu einer Motoneuron-Erkrankung mit einer ebenfalls massiven Akkumulation der Vesikel.

Konsequenzen für die Entwicklung von Medikamenten

„Die Befunde liefern einen wichtigen Beweis dafür, dass eine gestörte Autophagie eine zentrale Rolle in der Entstehung von Motoneuron-Erkrankungen spielt“, sagt Sendtner.  

Diese neue Erkenntnis müsse zu einem Umdenken bei der Entwicklung neuer Medikamente führen. 

Gefragt seien nun auch Wirkstoffe, die eine Anhäufung von Vesikeln verhindern oder verringern.

Plekhg5-regulated autophagy of synaptic vesicles reveals a pathogenic mechanism in motoneuron disease, Patrick Lüningschrör, Beyenech Binotti, Benjamin Dombert, Peter Heimann, Angel Perez-Lara, Carsten Slotta, Nadine Thau-Habermann, Cora R. von Collenberg, Franziska Karl, Markus Damme, Arie Horowitz, Isabelle Maystadt, Annette Füchtbauer, Ernst-Martin Füchtbauer, Sibylle Jablonka, Robert Blum, Nurcan Üçeyler, Susanne Petri, Barbara Kaltschmidt, Reinhard Jahn, Christian Kaltschmidt, Michael Sendtner. Nature Communications, 30. Oktober 2017, DOI 10.1038/s41467-017-00689-z

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Risiko für Schulterverletzungen - Schultergelenk - Sehnenriss

Medizin am Abend Berlin Fazit: Leben im Rollstuhl geht mit drastisch erhöhtem Risiko für Schulterverletzungen einher

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Coca Cola Studie  

Der Heidelberger Orthopäde Privatdozent Dr. Michael Akbar legte mit einer Reihe von Studien erstmals belastbare Zahlen vor und erhielt dafür nun den Forschungs-Förderpreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung / Konsequenz der Ergebnisse: 
  • Spezielle Physiotherapie-Programme zur Stärkung der schulterumgreifenden Muskulatur und des Schultergelenkes bei paraplegischen Patienten dringend notwendig 

  • Der Heidelberger Orthopäde Privatdozent Dr. Michael Akbar erhielt den Forschungs-Förderpreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung.
Der Heidelberger Orthopäde Privatdozent Dr. Michael Akbar erhielt den Forschungs-Förderpreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung. Universitätsklinikum Heidelberg 
Rund zwei Drittel der Querschnittgelähmten in Deutschland ziehen sich im Laufe ihres Lebens Sehnenrisse in der Schultermuskulatur zu. 
Das ist viermal häufiger als bei Menschen, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind. 

Privatdozent Dr. Michael Akbar, Leiter des Wirbelsäulenzentrums an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, ermittelte in verschiedenen Studien erstmals mit Hilfe bildgebender Verfahren die Häufigkeit dieser durch Überlastung des Schultergelenks verursachten Verletzung sowie Risikofaktoren. Für seine wegweisenden Arbeiten ist der Orthopäde nun mit dem Forschungs-Förderpreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) ausgezeichnet worden. Die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Preises fand am 31. März 2017 in feierlichem Rahmen in der Alten Aula der Universität Heidelberg statt.

Unter dem Motto "Querschnittgelähmte gehen auf ihren Händen" gab Dr. Akbar einen Überblick über seine Forschungsergebnisse.

"Diese Studien zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, dass Querschnittgelähmte nicht allein unter chronischen Schmerzen leiden. 

Tatsächlich sind diese Verletzungen der Schultermuskulatur ein unterschätztes Problem, das die Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann und dem bisher noch viel zu wenig entgegen gesetzt wird", erklärt der Preisträger. 

Als Konsequenz seiner Ergebnisse regte er bereits die Entwicklung spezieller Trainingsprogramme für Rollstuhlfahrer an, um gezielt die Schultermuskulatur zu stärken und das Schultergelenk vor Überlastung zu schützen. 




Die Trainingsprogramme werden aktuell von der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie e.V. (DMGP) ausgearbeitet.

Studie zeigt: Verschleiß der Schultergelenke bei 63 Prozent der Patienten

Rund 2.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland eine Verletzung des Rückenmarks, die eine Querschnittlähmung zur Folge hat.

Bei knapp 60 Prozent betrifft die Lähmung die untere Extremität (Paraplegie). 

Betroffene sind fortan in ihrer Mobilität auf den mechanischen Rollstuhl angewiesen.

Antreiben des Rollstuhls, Stemmen des eigenen Körpergewichts sowie häufiges Heben des Armes über Schulterhöhe und über Kopf beanspruchen - über viele Jahre - die Schultergelenke enorm.

Früher Verschleiß der schulterumgreifenden Muskulatur ist vorprogrammiert. 

"Da bislang die Ursachen dafür noch nicht systematisch aufgeklärt waren, war eine gezielte Behandlung und vor allem Vorbeugung nicht möglich", so Akbar.

Die Häufigkeit der Schulterverletzungen ermittelte Akbar unter anderem in einer Vergleichsstudie mit 100 querschnittgelähmten (paraplegischen) Patienten (Durchschnittsalter 52 Jahre, durchschnittliche Lähmungsdauer 34 Jahre) und 100 nicht gelähmten Probanden im selben Alterspektrum.

Die Schultergelenke wurden jeweils klinisch und mittels Kernspintomographie untersucht:

Bei 63 Prozent der Querschnittgelähmten fand sich auf mindestens einer Seite ein Sehnenriss der schulterumgreifenden Muskulatur, in der Kontrollgruppe bei 15 Prozent. 

Gleichzeitig waren die querschnittgelähmten Patienten mit Sehnenriss deutlich jünger als Betroffene aus der Kontrollgruppe.
  • Sport im Rollstuhl fördert Gesundheit - ist aber ein wichtiger Risikofaktor für Sehnenrisse
Sportlich aktive Patienten sind insgesamt fitter, haben aber ein hohes Risiko sich einen Sehnenriss in der Schulter zuzuziehen. Spezielle Trainingsprogramme sind dringend notwendig.


Sportlich aktive Patienten sind insgesamt fitter, haben aber ein hohes Risiko sich einen Sehnenriss in der Schulter zuzuziehen. Spezielle Trainingsprogramme sind dringend notwendig. Universitätsklinikum Heidelberg 

In einer weiteren Studie untersuchte der Preisträger Sport als möglichen Risikofaktor für Sehnenrisse in der Schulter: Er verglich eine Sport-Gruppe mit 103 Patienten, die ein- bis zweimal pro Woche Überkopfsport wie z.B. Basketball ausübten, mit einer Gruppe mit 193 Patienten, die sich seltener als einmal pro Woche oder überhaupt nicht sportlich betätigten. Ohne regelmäßigen Sport traten bei 36 Prozent der Patienten Sehnenrisse auf, in der Sport-Gruppe bei 76 Prozent. "Daraus ergibt sich ein Dilemma: Wer als Rollstuhlfahrer Sport treibt, hat ein doppelt so hohes Risiko sich einen Sehnenriss in der Schulter zuzuziehen. Auf der anderen Seite - auch das hat die Studie gezeigt - sind die sportlich aktiven Patienten insgesamt gesünder und fitter", so Akbar.

"Es ist daher nicht sinnvoll, Querschnittgelähmten von Sport abzuraten.

Vielmehr sind auch in diesem Bereich spezielle Trainingsprogramme, die Sehnenschäden vorbeugen, dringend notwendig."

Die deutsche Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) hat es sich zum Ziel gesetzt, Forschung und Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität Querschnittgelähmter und soziales Engagement für Inklusion zu fördern. Ein wesentliches Instrument zur Umsetzungen dieser Ziele stellt der DSQ-Forschungspreis dar, mit dem in regelmäßigem Turnus Forschungsarbeiten und Entwicklungen mit hoher Relevanz für Querschnittgelähmte auszeichnet werden.

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Priv.-Doz. Dr. med. Michael Akbar
Leiter des Zentrums für Wirbelsäulenchirurgie
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Sekretariat Tel.: 06221 56-26305
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Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Telefon: 06221 564537
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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Harnblasenkrebs - Harnblasentumor:

Medizin am Abend Belin Fazit: Querschnittlähmung als Risikofaktor für Harnblasenkrebs

Die Lebenserwartung von Menschen mit Querschnittlähmung ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. 

Betroffene können annähernd so alt werden wie nichtbehinderte Menschen. 

Mit zunehmender Lebenserwartung rücken aber weitere Erkrankungen ins Blickfeld der Mediziner, wie zum Beispiel der Harnblasenkrebs. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Hygienepersonal in den Krankenhäusern  


Urologen des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg haben gemeinsam mit weiteren auf diesem Gebiet erfahrenen Urologen und Forschern des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung Daten von querschnittgelähmten Patienten untersucht. 

So konnten sie klare Hinweise dafür finden, dass ein Zusammenhang zwischen Querschnittlähmung und dem Auftreten eines Harnblasentumors besteht. 
 
Durch Fortschritte in der modernen Medizin hat sich die Lebenserwartung von Menschen mit einer Querschnittlähmung deutlich verbessert: 
  • Personen mit einer Lähmung der Rumpfmuskulatur und der unteren Gliedmaßen haben eine um ca. zwei Jahre verkürzte Lebenszeit. 
  • Bei tetraplegisch Verletzten, bei denen zudem die Armmuskulatur gelähmt ist, sind es ca. acht Jahre.
Gesundheitliche Probleme, die erst nach Jahren auftreten, wie beispielsweise Tumorerkrankungen der Harnblase, sind zunehmend relevant im Laufe der Behandlung von Querschnittgelähmten.

Den Zusammenhang zwischen Querschnittlähmung und dem Auftreten von Harnblasenkrebs haben Urologen des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg zusammen mit anderen Urologen und Forschern des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) untersucht.

Dazu hat das Expertennetzwerk zum einen eine umfangreiche Literaturrecherche betrieben und alle bereits veröffentlichten Studien zum Thema ausgewertet. Zum anderen haben die Forscher die Daten von knapp 6600 Patienten mit Querschnittlähmung analysiert, die zwischen 1998 und 2014 im Hamburger Klinikum behandelt wurden. Bei 24 Patienten wurde ein Harnblasentumor diagnostiziert. In 79 Prozent der Fälle handelte es sich um einen Harnblasenkrebs, der bereits in die Muskulatur eingewachsen war.

  • Diese invasive Tumorvariante ist seltener, aber auch aggressiver und hat daher eine schlechtere Prognose.

„Im Schnitt waren die querschnittgelähmten Patienten, die an einem Harnblasenkrebs erkrankten, deutlich jünger als nicht querschnittgelähmte Personen mit Harnblasenkrebs“, sagen die Studienleiter Dr. Ralf Böthig, Leiter der Neuro-Urologie des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Hamburg und Prof. Klaus Golka, Leiter der Forschungsgruppe „Klinische Arbeitsmedizin“ am IfADo.

Eine Verschiebung des Erkrankungsalters bestätigte auch der Literaturvergleich: Querschnittgelähmte lagen zum Zeitpunkt der Diagnose Harnblasenkrebs 15 bis 30 Jahre unter dem Durchschnitt in der Normalbevölkerung.

„Diese Befunde weisen klar darauf hin, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Querschnittlähmung und dem Harnblasenkarzinom bei diesen Patienten besteht“, so die beiden Studienleiter.
Die Datenauswertung ergab außerdem, dass, wenn zwischen dem Zeitpunkt des Unfalls bzw. des Lähmungseintritts und der Diagnose Harnblasenkrebs (Latenzzeit) zehn Jahre oder mehr liegen, ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht. 

Welche Gründe diesen Ergebnissen zugrunde liegen, wissen die Forscher aber noch nicht. „Wir planen eine prospektive Studie, in der wir auch die Pathomechanismen erforschen wollen“, sagen die beiden Studienleiter.

Harnblasenkrebs:

In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes rund 28.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor.

Damit ist das Harnblasenkarzinom weltweit die fünfthäufigste Krebserkrankung bei Männern, bei Frauen ist es der 17. häufigste Tumor. 
  • Rund 80 Prozent aller Erkrankten weisen einen oberflächlichen, nicht-muskelinvasiven Tumor vor. 
20 Prozent der Betroffenen leiden an einem muskelinvasiven Tumor, der die Muskulatur befällt oder sich auf weitere Organe ausbreitet.

Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter:

Im Schnitt sind Betroffene 73 Jahre oder älter. 
  • Zu den Risikofaktoren zählen das Rauchen, der Kontakt mit verschiedenen Chemikalien sowie in seltenen Fällen auch z. B. Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten. 
Das Harnblasenkarzinom ist bei entsprechender beruflicher Exposition als Berufserkrankung anerkannt.

Publikation:
Böthig, R., Kurze, I., Fiebag, K., Kaufmann, A., Schöps, W., Kadhum, T., Zellner, M., Golka, K. (2017): Clinical characteristics of bladder cancer in patients with spinal cord injury. The experience from a single centre. Int Urol Nephrol. doi: 10.1007/s11255-017-1570-6.

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https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28332134 Die Originalpublikation.

Aufbau der Muskelzellen.....- Kryo-Elektromikroskopie: Muskelerkrankungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Warum ist Usain Bolt der schnellste Mensch der Welt?

Max-Planck-Forscher sehen mit neuen Mikroskopen Muskeln bei der Arbeit zu 
 
Bereits zwanzig Meter vor der Ziellinie breitet Usain Bolt jubelnd die Arme aus und drosselte damit sein Tempo:

Mit angezogener Handbremse läuft er 2009 in Berlin mit 9,58 Sekunden schneller als ein Mensch zuvor.

Er erreicht dabei eine Höchstgeschwindigkeit von fast 45 Kilometern pro Stunde. Auch bei der kommenden Olympiade in Rio de Janeiro könnten wieder Rekorde purzeln.

Mitentscheidend für den Erfolg ist dabei der Aufbau der Muskelzellen. 

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Physiologie in Dortmund haben Muskelproteine analysiert und den Molekülen mit bislang unerreichter Genauigkeit bei der Arbeit zugesehen.

  • Mit der von ihnen weiterentwickelten sogenannten Kryo-Elektronenmikroskopie lassen sich die Ursachen von Muskelerkrankungen aufklären – aber auch, was die Muskulatur von Spitzensportlern so leistungsfähig macht.


Auf den Bildern seines Elektronenmikroskops kann Stefan Raunser (links) selbst winzigste Details im Zusammenspiel der Muskelproteine erkennen.

Auf den Bildern seines Elektronenmikroskops kann Stefan Raunser (links) selbst winzigste Details im Zusammenspiel der Muskelproteine erkennen. MPI f. molekulare Physiologie

Warum können manche Menschen so viel schneller rennen als andere?

Mit einer Gewebeprobe des Weltrekordlers könnten die Forscher des Dortmunder Max-Planck-Instituts diese Frage vielleicht beantworten. Das Team um Stefan Raunser hat nämlich das Zusammenspiel von Schlüsselproteinen bei der Muskelkontraktion aufgeklärt.

„Mit der Kryo-Elektronenmikroskopie können wir natürliche Veränderungen von Muskelproteinen beobachten. 
Damit könnten wir auch herausfinden, ob sich das Zusammenspiel der Proteine bei Usain Bolt von dem bei anderen Menschen unterscheiden“, erklärt Raunser, Leiter der Abteilung Strukturelle Biochemie am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie.

Besondere Konstellationen könnten also zu einer optimalen Kraftentwicklung führen, die andere Sprinter nicht erreichen. „Wahrscheinlich besitzen alle Spitzensportler Gene, die sie zu Höchstleistungen befähigen“, sagt Raunser. Zudem könnte Bolts Muskulatur aus einer besonders leistungsfähigen Kombination aus Fasern zusammengesetzt sein, denn Skelettmuskeln enthalten schnelle, wenig ausdauernde Muskelfasern sowie langsame, dafür aber ausdauernde Fasern.


Muskelkraft dank Aktin und Myosin

  • Die Protagonisten der Muskelbewegung sind das Protein Aktin, das 20 Prozent des Gewichts der Muskulatur ausmacht, und das Motorprotein Myosin, das chemische Energie in die eigentliche Bewegung umwandelt. 

Das Aktin bildet im Muskel lange, fadenartige Stränge: 

„Myosin-Moleküle benutzen das Aktin wie eine Schiene“, erklärt Julian von der Ecken, Doktorand in Stefan Raunsers Gruppe.

  • „Wenn mehrere Millionen Myosin-Moleküle gleichzeitig auf diesen Schienen fahren, zieht sich der Muskel zusammen.“

Bei genetisch bedingten Muskelerkrankungen arbeiten Aktin und Myosin nicht mehr ausreichend zusammen – die Folge: 

Die Muskulatur ist geschwächt.

Warum die Proteine schlechter miteinander interagieren, ist unbekannt, denn bislang konnten Wissenschaftler das Zusammenspiel der Proteine nicht mit der nötigen Genauigkeit untersuchen.

Raunsers Team hat nun einen wichtigen Beitrag zum Verständnis dieser Muskelkrankheiten geleistet.

So konnten sie zeigen, dass sich viele genetisch bedingte Veränderungen in einem kritischen Bereich befinden, der essenziell für die Ausbildung der Grenzfläche zwischen den Muskelproteinen ist. 

Veränderungen dieser Grenzfläche könnten dann beispielsweise dazu führen, dass die Aktin- und Myosin-Moleküle bei Usain Bolt & Co besonders gut miteinander interagieren und die Muskulatur dadurch leistungsfähiger wird.

„Wir stehen mit unserer Forschung erst ganz am Anfang, denn die Kontraktion eines Muskels läuft enorm schnell ab. Deshalb müssen wir den kompletten Ablauf in viele einzelne Schritte unterteilen. Trotzdem können unsere Ergebnisse als Grundlage zur Erforschung neuer Medikamente genutzt werden“, sagt Raunser.

Originalpublikation:
Julian von der Ecken, Sarah M. Heissler, Salma Pathan-Chhatbar, Dietmar J. Manstein & Stefan Raunser
Cryo-EM structure of a human cytoplasmic actomyosin complex at near-atomic resolution.
Nature (doi:10.1038/nature18295)

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Dr Harald Rösch Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

HCMR-Studie: Einladung zur Studie: Plötzlicher Herztod

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Plötzlicher Herztod: Studie zu besserer Risikoeinschätzung

Eine der häufigsten Ursache für plötzlichen Herztod bei jungen Menschen ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die "hypertrophe Kardiomyopathie" (HCM). Wie hoch das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist, ist mit heutigen Methoden schwer einzuschätzen. Die National Institutes of Health (NIH) haben eine großangelegte Studie initiiert, die die Risikoeinschätzung verbessern soll. Die Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité übernimmt die Leitung für die klinische Prüfung der beteiligten Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise in Deutschland. 

Einladung in die Hochschulambulanz hier:  
 
Der plötzliche Herztod kommt schnell und meist völlig unerwartet.

 Schnittbild des Herzens: Der dunkle Ring in der Bildmitte zeigt die Herzwand. Die linke Seite ist klar als verdickt zu erkennen.
Schnittbild des Herzens: Der dunkle Ring in der Bildmitte zeigt die Herzwand. Die linke Seite ist klar als verdickt zu erkennen. Aufnahme: S. Fritschi/ECRC

Ihm gehen schwere Herzrhythmusstörungen voraus, dann folgt binnen weniger Minuten der Herzstillstand.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: PEEP Entgelte  


Ursache für einen plötzlichen Herztod kann prinzipiell jede Erkrankung sein, die Herzrhythmusstörungen auslöst – beispielsweise Erkrankungen der Herzkranzgefäße, von denen meist Menschen mittleren Alters betroffen sind. Ein erhöhtes Risiko haben auch Patienten mit so genannter hypertropher Kardiomyopathie (HCM), einer genetisch bedingten Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer.

Bei einer HCM kann der Herzmuskel um mehr als das Vier- bis Fünffache verdickt sein, und die Muskulatur durch vernarbtes – so genanntes fibrotisches Gewebe – verändert sein“, erklärt Prof. Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Leiterin der Arbeitsgruppe Kardio-MRT in Kooperation mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch. „Das kann die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen und das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.“

HCM ist eine der häufigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen. Und die Erkrankung ist gar nicht so selten:

Einer von 500 Menschen besitzt Erbanlagen für HCM. Aber nur rund zwei bis drei Prozent der Patienten erleiden wirklich einen plötzlichen Herztod. Dennoch besteht ein Risiko. „Die Risikoeinschätzung ist heute aber leider noch sehr schwierig. Denn das Gefährdungspotenzial lässt sich nicht ausschließlich am Grad der Verdickung des Herzmuskels messen“, sagt Schulz-Menger. „Auch HCM-Patienten ohne sichtbare Verdickung sind gefährdet.

  • Es spielen zum Beispiel auch die Erbanlagen und weitere bislang noch unbekannte Faktoren eine Rolle.“

Welche das sind und wie sie genau zusammenspielen, soll nun eine großangelegte internationale Studie mit 2.750 HCM-Patienten klären.

  • Mit Hilfe genetischer Tests, Blutuntersuchungen sowie moderner bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) wird nach aussagekräftigen Risikofaktoren gefahndet. 
Insgesamt sind 42 Forschungsstandorte aus den USA, Großbritannien, Kanada und Europa an der Studie beteiligt.

Schulz-Menger übernimmt mit ihrem Team die Leitung der klinischen Prüfung für die an der Studie beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise.

Die so genannte HCMR-Studie (HCMR – Neue Prognosemarker bei Hypertropher Kardiomyopathie) wird durch die National Institutes of Health (NIH) finanziert.

„Das ist die bislang größte und wichtigste Studie zur hypertrophen Kardiomyopathie, die die Therapie und Prognose von HCM-Patienten in Zukunft deutlich verbessern wird“, sagt Schulz-Menger.

„Unser Ziel ist es, mit der Kombination verschiedenster Verfahren, Patienten mit hohem Risiko für den plötzlichen Herztod zu erkennen, um diese in Zukunft besser und beraten und behandeln zu können – und so das individuelle Risiko für plötzlichen Herztod zu minimieren.“

Es werden noch Studienteilnehmer gesucht

Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit bestätigter hypertropher Kardiomyopathie (HCM) oder Verdacht auf HCM können sich noch bis April 2016 melden und an der Studie teilnehmen. Weitere Informationen zur Studienteilnahme und Ansprechpartner unter:

http://www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie/hyp...

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 
 www.medizin-am-abend.blogspot.com

Josef Zens
josef.zens@mdc-berlin.de
030/9406-2118

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie/hyp... (Link für potenzielle Studienteilnehmer)