Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Posts mit dem Label Entscheidungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Entscheidungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Lernvorgang vor künftigen Fehlentscheidungen beachten....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:Nervenzell-Aktivität zeigt, wie sicher wir uns sind

Soll ich oder soll ich nicht? 

  • Aus der Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn lässt sich ablesen, wie sicher wir bei einer Entscheidung sind. 

Das zeigt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn. 

Das Ergebnis ist unerwartet – eigentlich waren die Forscher einem ganz anderen Bewertungs-Mechanismus auf der Spur. 

Die Resultate sind in der Fachzeitschrift Current Biology erschienen. 

 Prof. Dr. Dr. Florian Mormann von der Bonner Uniklinik für Epileptologie.

Prof. Dr. Dr. Florian Mormann von der Bonner Uniklinik für Epileptologie. © Rolf Müller/UKB

Sie sitzen im Café und möchten zu Ihrem Cappuccino auch noch ein Stück Kuchen genießen. Die Schwarzwälder Kirschtorte ist Ihnen zu mächtig und scheidet daher schnell aus. Die Wahl zwischen dem Karottenkuchen und dem Rhabarber-Streusel fällt Ihnen dagegen erheblich schwerer: Das warme Wetter spricht für das erfrischende Obstteilchen. Karottenkuchen ist jedoch einer Ihrer All-Time-Favorites. Was also tun?

Wir müssen tagtäglich Entscheidungen treffen, und bei manchen von ihnen sind wir viel sicherer als bei anderen. Die Forscher am Universitätsklinikum Bonn haben nun Nervenzellen im Gehirn identifiziert, an deren Aktivität sich die Entscheidungs-Sicherheit ablesen lässt. An ihrem Experiment nahmen insgesamt zwölf Frauen und Männer Teil. „Wir zeigten ihnen Fotos zweier verschiedener Snacks, zum Beispiel von einem Schokoriegel und einer Tüte Chips“, erklärt Prof. Dr. Dr. Florian Mormann von der Klinik für Epileptologie. „Sie sollten dann mit Hilfe eines Schiebereglers angeben, welche dieser Alternativen sie lieber essen würden.“ Je stärker sie den Regler dabei aus seiner Mittelposition in Richtung des linken oder des rechten Fotos verschoben, desto sicherer waren sie in ihrer Entscheidung.

Feuerrate und Sicherheit hängen zusammen

Insgesamt 190 verschiedene Snack-Paare mussten die Teilnehmer so beurteilen. Gleichzeitig zeichneten die Wissenschaftler die Aktivität von jeweils 830 Nervenzellen im so genannten Schläfenlappen auf, einer Region unterhalb der Schläfe in der Hirnrinde. „Dabei stellten wir fest, dass sich die Frequenz der elektrischen Pulse bei manchen Neuronen – also ihre 'Feuerrate' – mit steigender Entscheidungs-Sicherheit änderte“, erklärt Mormanns Mitarbeiter Alexander Unruh-Pinheiro.  

„Einige feuerten zum Beispiel umso häufiger, je sicherer die jeweilige Versuchsperson in ihrer Entscheidung war.“

Es ist das erste Mal, dass ein solcher Zusammenhang zwischen Aktivität und Entscheidungssicherheit gefunden wurde. 

Die betroffenen Neurone befinden sich in einer Hirnregion, die unter anderem bei Gedächtnis-Vorgängen eine Rolle spielt. 

„Möglicherweise ist es so, dass wir nicht nur abspeichern, welche Entscheidung wir getroffen haben, sondern auch, wie sicher wir dabei waren“, spekuliert Mormann. 

„Vielleicht bewahrt uns ein solcher Lernvorgang vor künftigen Fehlentscheidungen.“

Normalerweise verbietet es sich aus ethischen Gründen, den Zustand einzelner Neuronen in lebenden Menschen zu untersuchen. 

Die Teilnehmer der Studie litten jedoch unter einer schweren Variante der Epilepsie. 

Die charakteristischen Krampfanfälle nehmen bei dieser Form der Krankheit stets vom selben Hirnbereich ihren Ausgang. 

Eine Therapiemöglichkeit ist es daher, diesen Epilepsie-Herd operativ zu entfernen. 

Um die defekte Stelle genau zu lokalisieren, pflanzen die Ärzte an der Klinik für Epileptologie den Patienten mehrere Elektroden ein. 

Diese sind über das gesamte potenziell betroffene Gebiet verteilt. 

Gleichzeitig erlauben sie auch einen Einblick in die Arbeitsweise einzelner Nervenzellen im Gehirn.

Mit ultrafeinen Elektroden, die in den Schläfenlappen Epilepsiekranker implantiert werden, können die Forscher die Aktivität einzelner Nervenzellen sichtbar machen.

Mit ultrafeinen Elektroden, die in den Schläfenlappen Epilepsiekranker implantiert werden, können die Forscher die Aktivität einzelner Nervenzellen sichtbar machen. © Christian Burkert

Ursprünglich waren die Forscher der Universität Bonn auf der Suche nach einem ganz anderen Phänomen: 

Wenn wir eine Entscheidung treffen, weisen wir jeder der Alternativen einen subjektiven Wert zu. 

„Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sich auch diese subjektive Wertigkeit in der Aktivität einzelner Neuronen widerspiegelt“, sagt Mormann. 

„Dass wir stattdessen aber auf diesen Zusammenhang zwischen Feuerverhalten und Entscheidungssicherheit gestoßen sind, hat uns selber überrascht.“

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt


 

 

 

 

 

Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Dr. Florian Mormann
Klinik für Epileptologie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/28715738
E-Mail: florian.mormann@ukbonn.de

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: kommunikation@uni-bonn.de

Johannes Seiler
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de 
Originalpublikation:

Alexander Unruh-Pinheiro, Michael R. Hill, Bernd Weber, Jan Boström, Christian E. Elger, Florian Mormann: Single Neuron Correlates of Decision Confidence in the Human Medial Temporal Lobe. Current Biology; dx.doi.org/10.1016/j.cub.2020.09.021


Morbus Parkinson: motorische und kognitive Effekte (THS - Tiefe Hirnstimmulation)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wirkung der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson

Bessere Effekte für die Beweglichkeit und weniger Nebenwirkungen möglich 
 
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben motorische und kognitive Effekte der Tiefen Hirnstimulation bei Patienten mit Morbus Parkinson untersucht. 
  • Die Ergebnisse zeigen, dass unerwünschte Nebenwirkungen der Tiefen Hirnstimulation, die die Kognition betreffen, über eine andere Nervenbahn verlaufen als die gewünschte Verbesserung der Beweglichkeit der Patienten. 
Dieses Wissen trägt dazu bei, Therapien für Patienten mit Parkinson zu optimieren. 

Die Studie ist jetzt in der Fachzeitschrift Brain* erschienen.


Das menschliche Gehirn als Computersimulation: Durch die implantierten Elektroden der Tiefen Hirnstimulation erhält man Einblicke in die neuronalen Funktionen der Basalganglien und deren Nervenbahnen

Das menschliche Gehirn als Computersimulation: Durch die implantierten Elektroden der Tiefen Hirnstimulation erhält man Einblicke in die neuronalen Funktionen der Basalganglien und deren Nervenbahnen Neumann/Charité

  • Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine effektive Therapiealternative für Patienten mit Morbus Parkinson, die nicht genügend auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen. 

Die Zielstruktur der THS ist der Nucleus subthalamicus, ein Teil des Zwischenhirns. 

Dieser Knotenpunkt aus verschiedenen Nervenbahnen ist vor allem für Bewegungsabläufe verantwortlich, spielt aber auch bei kognitiven Prozessen, wie dem Treffen von Entscheidungen oder der Reaktionsfähigkeit, eine wichtige Rolle.

Forscherinnen und Forscher der Klinik für Neurologie am Campus Charité Mitte haben jetzt den Einfluss der THS auf die kognitiven und motorischen Nervenbahnen geprüft. In einem Verhaltensexperiment in Kombination mit bildgebenden und simulierenden Netzwerkanalysen konnten sie darstellen, dass motorische Effekte, wie die Verbesserung der Beweglichkeit, und unerwünschte kognitive Effekte, zum Beispiel vorschnelles Handeln in Entscheidungssituationen, über unterschiedliche neuronale Pfade vermittelt werden.

  • Die gewonnenen Erkenntnisse erweitern das Verständnis über die beim Parkinson betroffenen neuronalen Netzwerke, liefern Einblicke in die Pathophysiologie der Parkinson-Erkrankung und erlauben Rückschlüsse über den Wirkmechanismus der THS. 

„Nur mit einem besseren Verständnis über den therapeutischen Mechanismus ist es möglich, die Hirnstimulation effektiver zu machen, Nebenwirkungen zu verringern und somit die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit Parkinson zu verbessern“, erklärt der Erstautor der Studie Dr. Wolf-Julian Neumann, Wissenschaftler in der Klinik für Neurologie.

In einem nächsten Schritt möchte das Forscherteam der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen und Neuromodulation mit Hilfe von Messungen der Nervenaktivität bei Patienten krankheitsspezifische Muster von gesunden Verhaltensmustern unterscheiden.

„So können wir in Zukunft die Hirnstimulation an die individuellen Anforderungen des Patienten in Echtzeit anpassen.

Dies ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung einer intelligenten, individualisierten und bedarfsgerechten Therapie“, sagt Prof. Dr. Andrea A. Kühn von der Klinik für Neurologie und Leiterin der Arbeitsgruppe.

Wirkung der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com









Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Wolf-Julian Neumann
Klinik für Neurologie
Arbeitsgruppe Bewegungsstörung und Neuromodulation
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 560 123
E-Mail: julian.neumann@charite.de


Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de


Originalpublikation:
* Neumann WJ et al. Functional segregation of basal ganglia pathways in Parkinson's disease. Brain. 2018 Aug 6. doi: 10.1093/brain/awy206.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://neurologie.charite.de/forschung/arbeitsgruppen/bewegungsstoerungen_andre...
http://www.kfo247.de/

Dicke oder Dünne der grauen Substanz - im Gehirn!

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Gehirnstrukturen geben Aufschluss über unsere im Alter nachlassende Risikobereitschaft

Neue Erkenntnisse in der Gehirnforschung zeigen, dass sich unsere Strategien zur Entscheidungsfindung mit zunehmenden Alter nicht nur aufgrund unserer wachsenden Erfahrungen verändern, sondern auch vermehrt veränderte Strukturen in unserem Gehirn dafür verantwortlich sind. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Dein Cannabis - betäubungsmittelrechtlicher  

Die University of Sydney forscht seit mehreren Jahren zu den Faktoren, die Menschen bei ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen.

Bisher war es jedoch nicht möglich zu sagen, ob unsere Tendenz, mit zunehmenden Alter weniger risikoreiche Entscheidungen zu treffen, daran liegt, dass wir durch jahrlang gesammelte Erfahrungen weiser sind oder ob unsere sich verändernden Gehirnstrukturen dabei eine Rolle spielen.

Dr Tymula von der University of Sydney und ihre Ko-Autoren von der New York University, Yale University, vom University College London und dem Trinity College haben jetzt eine Studie im Nature Communications Magazin veröffentlicht, welche veranschaulicht, dass eine zunehmende Risikovermeidung besser mit Veränderungen im Volumen der grauen Substanz im menschlichen Gehirn zu erklären sind als mit dem Alter an sich.

  • Dr. Tymula erklärt, dass es zwar bekannt sei, dass Menschen mit zunehmenden Alter risikoscheuer werden. 

Doch es scheint, als ob etwas an der Aussage stimmt, dass Leute unterschiedlich schnell altern. 

  • So weisen die Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Geschwindigkeit, mit der sich unsere Gehirnstrukturen verändern, einen größeren Einfluss auf unsere Risikotoleranz hat, als unser tatsächliches Lebensalter.

Für das Forschungsprojekt wurden Erwachsene zwischen 18 und 88 Jahren gebeten, sich zwischen einem Lotterielos mit einem garantierten Gewinn von 5$ oder einem risikoreicheren Lotterielos mit einer bloßen Gewinnchance von bis zu 120$ zu entscheiden.

Im direkten Vergleich bevorzugten ältere Teilnehmer die garantierte Gewinnchance im Gegensatz zu den jüngeren Teilnehmern.

Überraschenderweise stellte sich bei der Auswertung dann heraus, dass die Entscheidungsfindung maßgeblich im Zusammenhang mit der neuronalen Dichte – also der Dicke oder Dünne der grauen Substanz - im Gehirn stand.
Mit Blick auf den fortschreitenden demografischen Wandel, durch den die Anzahl von Menschen über 60, die Anzahl von Kindern übertreffen wird, ist ein solches Verständnis der Entscheidungsfindung besonders interessant.

Es hilft nämlich zu verstehen, welche Auswirkungen dieser Wandel in der Entscheidungsfindung auf unsere Gesellschaft in Bezug auf politische sowie ökonomische Fragen haben kann.

So hilft das Verständnis unserer Gehirnstrukturen dabei, vorherzusehen, wie sich unsere Entscheidungen und die anderer mit zunehmendem Alter verändern wird.

Dr Tymula verfasste die Arbeit mit Associate Professor Ifat Levy of Yale University, Professor Paul Glimcher der New York University, Professor Michael Grubb der Trinity College (Connecticut) und Dr Sharon Gilaie-Dotan der University College London.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com








Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Sabine Ranke-Heinemann Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

Luke O'Neill
Media and PR Adviser (Humanities and Social Sciences)
Tel.: +61 2 9114 1961
Email: luke.oneill@sydney.edu.au

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

 

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte
http://www.ranke-heinemann.de

http://www.ranke-heinemann.at


http://www.ranke-heinemann.tv

Großfamilie-Impulsgeber: Unerfahrenheit + schwierige Situationen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Wie man trotz Unerfahrenheit gute Entscheidungen treffen kann

  • Damit in einer schwierigen Situation eine gute Entscheidung getroffen wird, sollten möglichst viele Ziele und Handlungsalternativen bewusst in Betracht gezogen und gegeneinander abgewogen werden. 
Fehlende Erfahrung kann auf diese Weise ausgeglichen werden. 

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Bayreuther Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Johannes Siebert. 

Dr. Johannes Siebert, Universität Bayreuth.
Dr. Johannes Siebert, Universität Bayreuth. Foto: privat;
 
  • Wer in einer schwierigen Situation eine gute Entscheidung treffen will, sollte sich zunächst eine Reihe möglichst guter Alternativen vor Augen führen und dann eine überlegte Wahl treffen. 

Hängt die Fähigkeit, solche Alternativen zu identifizieren, davon ab, ob man bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Situationen hat?

Sind Menschen, die in dieser Hinsicht auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können, daher grundsätzlich besser als andere in der Lage, gute Entscheidungen zu treffen?

Nein, sagt eine neue Studie des Bayreuther Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Johannes Siebert, die in der renommierten Zeitschrift ‚Decision Analysis‘ erschienen ist.

Zwar fördern frühere Erfahrungen die Fähigkeit, sich in Entscheidungsprozessen an möglichst guten Handlungsalternativen zu orientieren.

Doch auch Unerfahrene sind hierzu in der Lage – nämlich dann, wenn sie dazu angeregt werden, ihre für die jeweilige Situation relevanten Ziele möglichst genau und umfassend in den Blick zu nehmen.

  • So können Unerfahrene die Qualität der von ihnen in Betracht gezogenen Alternativen steigern und eine gute Entscheidung treffen, ohne dass sie zuvor einen langen Lernprozess durchlaufen müssen.

Eine empirische Studie mit Studierenden und Forschenden

Die Studie beruht auf einem Test mit Bachelor- und Master-Studierenden, Promovenden und Postdoktoranden an vier deutschen Universitäten und einer internationalen Summer School in Schweden. Von den insgesamt 236 Teilnehmern, deren Antworten in die Auswertungen einbezogen wurden, waren 123 männlich und 113 weiblich. Die meisten von ihnen waren als Studierende oder Forschende in den Wirtschaftswissenschaften oder angrenzenden Bereichen tätig. Alle Teilnehmer wurden aufgefordert, für eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus der Entscheidungstheorie, deren Originaltitel sie nicht kannten, möglichst passende Titel wählen. „Die meisten Bachelor- und Masterstudierenden sehen sich nur selten mit der Aufgabe konfrontiert, für eigene wissenschaftliche Arbeiten einen passenden Titel zu finden, Doktoranden und Postdoktoranden haben darin schon deutlich mehr Erfahrung,“ erklärt Dr. Johannes Siebert. „Aber auch Studierende sind irgendwann mit dieser Herausforderung konfrontiert und müssen sich überlegen, welche Ziele bei der Titelauswahl zu berücksichtigen sind – zum Beispiel, dass der eigene Lebenslauf bei den Adressaten künftiger Bewerbungen einen vorteilhaften Eindruck hinterlässt oder dass potenzielle wissenschaftliche Betreuer leichter auf die eigenen Kompetenzen aufmerksam werden.“

Alle Teilnehmer an der Studie sollten für die wissenschaftliche Arbeit aus der Entscheidungstheorie nicht nur einen, sondern mehrere alternative Titel vorschlagen. In einem mehrstufigen Verfahren haben die Teilnehmer ihre Alternativen schrittweise verbessert. Eine Kontrollgruppe wurde dabei ausdrücklich herausgefordert, Ziele bei der Entwicklung von Alternativen zu reflektieren. Bei der anschließenden Auswertung erhielt dann jeder Titel eine Punktzahl in den Kategorien „Inhalt“, „Sprache“ und „Interesse“: Wie aufschlussreich ist der Titel für den Inhalt der Arbeit? Ist er sprachlich flüssig, gut verständlich, originell und überdies für Suchmaschinen leicht auffindbar? Ist er geeignet, beim Leser ein starkes Interesse zu wecken? Aus den in diesen Kategorien vergebenen Punktzahlen resultierte dann die Gesamtbewertung jedes vorgeschlagenen Titels. Zudem wurde auch das gesamte Set der von einem Teilnehmer vorgeschlagenen Titel bewertet. Ein Set aus wenigen, aber klar unterscheidbaren Alternativen schnitt dabei besser ab als ein Set aus zahlreichen, aber einander ähnlichen Alternativen.

„Die Ergebnisse dieses Tests sind auf viele andere Entscheidungssituationen übertragbar“, erklärt Dr. Johannes Sieber. „Nicht nur bei wissenschaftlichen Texten, sondern generell bei Veröffentlichungen – von Presseartikeln bis hin zu Blogs im Internet – spielt die Titelsuche eine entscheidende Rolle. In analoger Weise müssen im Marketing geeignete Slogans für Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden.“

Sich eigene Ziele vergegenwärtigen, viele Alternativen identifizieren:
Ein Schlüssel zu guten Entscheidungen

Wenn Menschen sich in schwierigen Entscheidungssituationen befinden, steigt die Qualität der von ihnen in Betracht gezogenen Alternativen, wenn sie sich die für ihre Entscheidung relevanten Ziele vergegenwärtigen und hierfür auch Impulse von außen erhalten.

Dieses Ergebnis einer früheren Studie, die Dr. Johannes Siebert gemeinsam mit dem U.S.-amerikanischen Entscheidungstheoretiker Ralph L. Keeney im Jahr 2015 veröffentlicht hat, wird durch die neue Studie eindeutig bestätigt.

Darüber hinaus wird erstmals klar: 

Eine derartige Reflexion über Ziele fördert die Qualität der in Betracht gezogenen Alternativen unabhängig davon, wie viele Erfahrungen ein Mensch in vergleichbaren Entscheidungssituationen bereits gesammelt hat.

  • Erfahrene und Unerfahrene profitieren gleichermaßen davon, wenn sie sich der jeweils relevanten Ziele bewusst werden. 

Zudem zeigt die Studie am Beispiel einer optimalen Titelwahl auch:

Erfahrene Entscheider ziehen grundsätzlich bessere Alternativen in Betracht als Unerfahrene in einer vergleichbaren Lage. 

  • „Damit Unerfahrene diesen Vorsprung aufholen können, ist es aber keineswegs zwingend, dass sie sich über einen langen Zeitraum hinweg einen ähnlich großen Erfahrungsschatz aneignen“, erklärt Dr. Johannes Siebert. 

„Die Untersuchung belegt eindrucksvoll, dass die Qualität der in Betracht gezogenen Alternativen bei Unerfahrenen steigt, sobald eine Reflexion über die eigenen, für die Entscheidung relevanten Ziele einsetzt.

In der Stimulation einer solchen Zielorientierung liegt daher eine sehr interessante Chance, fehlende Erfahrung auszugleichen.“

Wie ist dieser Effekt zu erklären?

Auch in diesem Punkt liefert die Studie einen Erklärungsansatz:

  • Werden Menschen vor einer schwierigen Entscheidung dazu angeregt, sich die dafür relevanten Ziele vor Augen zu führen, erhöht sich die Zahl der Ziele, die sie in den Entscheidungsprozess einbeziehen. Je größer aber die Zahl dieser Ziele ist, desto besser ist die Qualität der Alternativen, die sie vor einer Entscheidung in Betracht ziehen.

Veröffentlichung:

Johannes Siebert, Can Novices Create Alternatives of the Same Quality as Experts?, Decision Analysis (2016), doi: 10.1287/deca.2016.0339.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com






 








Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Johannes Siebert
Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 6194
E-Mail: johannes.siebert@uni-bayreuth.de
Christian Wißler Universität Bayreuth

Die Entscheidung von älteren Menschen

Medizin am Abend: Psychologie: Entscheiden Ältere schlechter als Junge?

Ältere Menschen treffen trotz geringerer geistiger Beweglichkeit gewisse Entscheidungen gleich gut wie jüngere, wenn die Anzahl an Optionen begrenzt ist. Nur wenn die Auswahl gross ist, macht sich der Altersunterschied bemerkbar. Dies zeigen Psychologen der Universität Basel und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung im Wissenschaftsmagazin «Cognition». 
 
Wichtige Entscheidungen in Politik und Wirtschaft, die weitreichende Folgen für die Gesellschaft haben, werden häufig von älteren Menschen getroffen. So beträgt das durchschnittliche Alter der weltweit einflussreichsten Personen gemäss Forbes-Ranking von 2013 61 Jahre. Als Folge des demografischen Wandels wird sich die Entwicklung zu älteren Entscheidungsträgern und -trägerinnen in den kommenden Jahren noch verstärken.

Der menschliche Alterungsprozess geht mit einem deutlichen Rückgang der sogenannten fluiden kognitiven Fähigkeiten einher – etwa mit reduziertem Arbeitsgedächtnis und langsamerer Verarbeitung. Da stellt sich die Frage, wie gut die Entscheidungen älterer im Vergleich zu jüngeren Menschen sind. Gerade bei «erfahrungsbasierten» Entscheidungen – wenn nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen und man erst durch Informationssuche über mögliche Folgen und Risiken einer Entscheidung lernen muss – könnte man annehmen, dass die fluiden kognitiven Fähigkeiten von Bedeutung sind – dass also ältere Erwachsene schlechter abschneiden.

Wahl zwischen Lotterien

Psychologen der Universität Basel und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin haben in drei Studien jüngere (Durchschnittsalter: 24 Jahre) und ältere Erwachsene (71 Jahre) «erfahrungsbasierte» Entscheidungen zwischen verschiedenen Lotterien treffen lassen. Dabei hatten die Teilnehmer an einem Labor-Computer (Studie 1) beziehungsweise zu Hause auf einem iPad (Studie 2) wiederholt die Wahl zwischen zwei Optionen, die nur durch Boxen auf dem Bildschirm dargestellt waren.

Vor den Entscheidungen konnten die Teilnehmer beliebig oft auf die Boxen klicken, wobei für kurze Zeit ein möglicher Gewinn oder Verlust angezeigt wurde. So konnten die Teilnehmer lernen, welche Option längerfristig besser war, also den höheren Gewinn oder den niedrigeren Verlust versprach.

Das erstaunliche Resultat: Wenn es zwischen zwei Lotterien zu entscheiden galt, betrieben ältere Erwachsene etwa gleich viel Aufwand bei der Informationssuche wie jüngere; sie wählten die vorteilhafterer Option gleich oft wie Jüngere.
Lernstrategien «einfach, aber erfolgreich»


Die Psychologen analysierten darauf die Lernprozesse der Studienteilnehmer mit Computersimulationen und fanden einen möglichen Grund für das Resultat: «Sowohl jüngere als auch ältere Erwachsene wendeten relativ einfache, aber erfolgreiche Lernstrategien an», erläutert Erstautor Dr. Renato Frey. Diese werden durch reduzierte fluide kognitive Fähigkeiten nicht allzu sehr beeinträchtigt.  

Erst in der Studie, in der die Teilnehmer nicht mehr zwischen zwei, sondern zwischen vier oder gar acht Lotterien zu wählen hatten (Studie 3), zeigte sich ein Rückgang in der Leistung der älteren Erwachsenen – vor allem beim Aufwand bei der Informationssuche.

Originalbeitrag

Frey, R., Mata, R., & Hertwig, R. (2015).
The role of cognitive abilities in decisions from experience: Age differences
emerge as a function of choice set size.
Cognition, 142, 60-80. doi:10.1016/j.cognition.2015.05.004

Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Renato Frey, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Cognitive and Decision Sciences, Tel. +41 61 267 06 15, E-Mail: renato.frey@unibas.ch

lic. phil. Christoph Dieffenbacher Universität Basel
Telefon: 0041 61 267 30 15
Fax: 0041 61 267 30 13
E-Mail-Adresse: ch.dieffenbacher@unibas.ch



Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte
http://www.researchgate.net/publication/277253583_The_role_of_cognitive_abilitie... - Abstract