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Zeckenstich mit Bakterien, Viren oder Parasiten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zecken: Kompetenzen bündeln

Tiermediziner, Humanmediziner und Biologen der Nordsee-Anrainerstaaten errichten Kompetenznetzwerk zu Zecken und den von ihnen übertragenen Erkrankungen. 
 
Die Zahl der menschlichen und tierischen Patienten, die sich in den Anrainerstaaten der Nordsee durch einen Zeckenstich mit Bakterien, Viren oder Parasiten ansteckten, stieg in den vergangenen Jahrzehnten an. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Laboruntersuchungen  

Um Menschen und Tiere in dieser Region besser vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheitserregern zu schützen, startet im September 2019 das Kooperationsprojekt NorthTick. Ziel des Projektes ist es, die Zusammenarbeit und den Informationsfluss zwischen akademischen Einrichtungen, nationalen und regionalen Gesundheitsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Patientenorganisationen, Industrie und politischen Entscheidern zu verbessern.

Mithilfe dieses Netzwerkes möchten die NorthTick-Partner Werkzeuge entwickeln, um die Bevölkerung zu informieren und das Gesundheitssystem bei den Herausforderungen durch von Zecken übertragene Krankheiten zu unterstützen. Das Vorhaben läuft dreieinhalb Jahre und wird mit einem Budget von 5,7 Millionen Euro vom Interreg Nordseeprogramm, einem EU-Programm für transnationale Zusammenarbeit, gefördert. Aus Deutschland ist die Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Christina Strube, Leiterin des Instituts für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), beteiligt.  

Mit ihrem Team möchte sie unter anderem das Risiko einer Gesundheitsgefährdung durch Zecken und die von ihnen übertragenen Erkrankungen in Niedersachsen ermitteln und darüber informieren.

Dabei hat sie stets Mensch und Tier im Blick: „Für uns Tierärzte bilden das Tier, dessen Besitzer und die öffentliche Gesundheit eine natürliche Einheit“, sagt Strube.

Obwohl Forscherinnen und Forscher bereits zahlreiche Erkenntnisse über Zecken und die Krankheiten, die sie übertragen, gesammelt haben, ist ein Großteil der Bevölkerung bislang nicht ausreichend oder nur ungenau über diese Themen informiert. „Das führt dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger oft nicht genau wissen, in welchen Regionen welche von Zecken übertragenen Krankheiten vorkommen können oder wie häufig sie auftreten“, sagt Strube.

„Folglich schützen sie sich und ihre Haustiere nicht immer optimal vor den kleinen Blutsaugern.“ Ihre Arbeitsgruppe untersucht daher bereits seit 2005 regelmäßig Zecken an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Hannover auf Krankheitserreger. Neben dieser Langzeitüberwachung bestimmen sie die Häufigkeit von Zecken in Hannover und anderen Regionen Norddeutschlands. Dabei konnten sie beispielsweise zeigen, dass im Stadtgebiet Hannover die Infektionsrate von Zecken mit Borrelien und Anaplasmen über die Jahre bislang weitgehend gleichgeblieben ist, während sich Infektionen mit Rickettsien signifikant erhöht haben. „Die Ergebnisse unserer verschiedenen Untersuchungen möchten wir übersichtlich aufbereiten und sie für die Information der Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen“, so Strube.

  • Auch im Gesundheitssystem gibt es mitunter Wissenslücken oder andere Schwachstellen, sodass von Zecken übertragene Krankheiten ungenügend vorgebeugt wird oder diese nicht schnell genug erkannt oder falsch behandelt werden. 

„Wir benötigen eine effiziente Risikoeinschätzung und effektive Prophylaxemaßnahmen sowie optimale Tests, um Krankheitserreger, die durch Zecken übertragen werden können, noch schneller oder präziser nachzuweisen.

Und wir brauchen ein optimales Management für durch Zecken übertragene Erkrankungen. 

Dies wollen wir in diesem translationalen Kompetenznetzwerk gemeinsam erreichen“, sagt Strube.

 „Indem wir Daten und Informationen aus den verschiedenen Disziplinen austauschen und bündeln, können wir im Sinne des One-Health-Konzeptes bestmöglich zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier beitragen.

Da wir die einzigen tiermedizinischen Partner dieses Netzwerkes sind, werden wir federführend Informationen zur Tiergesundheit und sinnvollen Vorsorgemaßnahmen aufbereiten.“

Hintergrundinformation
NorthTick steht für Tick-Borne Infections in the North Sea Region – A Competence Network to Improve Public Service Delivery based on a One Health Perspective. Für das Projekt schlossen sich elf Partner aus den Nordseeanrainerstaaten Schweden, Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland zusammen. Die Region Jönköping County in Schweden koordiniert NorthTick.

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Professorin Dr. Christina Strube, PhD
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Institut für Parasitologie
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HEUTE: Ramses vom Lindenberg grüsst das Geburtstagskind Christa Dummer

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Haustiere: Garant für subjektives Wohlbefinden?

Rund 30 Millionen Haustiere waren im Jahr 2015 in Deutschland gemeldet ‒ sieben Millionen mehr als noch fünf Jahre zuvor. Jeder zweite Deutsche wohnt in einem Haushalt mit mindestens einem Haustier. Katzen und Hunde führen dabei die Statistik der beliebtesten Tiere an, wie die Umfragen des Allensbach-Instituts zeigen. Welchen Einfluss Haustiere auf unser alltägliches Wohlbefinden ausüben, haben Psychologinnen in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse wurden nun im „Journal of Positive Psychology“ veröffentlicht. 
 
Befragung von 631 Haustierbesitzerinnen und -besitzern




„Die Frage, ob Haustiere uns guttun, uns glücklicher und zufriedener machen, ist nicht so einfach zu beantworten“, sagt Anna Kalitzki. 

„Wichtig ist dabei wohl die Frage, unter welchen Bedingungen bestimmte Tiere gut für unser Wohlbefinden sind.

Diese Bedingungen hat Kalitzki gemeinsam mit Maike Luhmann, Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum, nun untersucht.

In einer Online-Studie befragten sie insgesamt 631 Personen, die Hunde, Katzen oder Pferde halten. 

Der Fragebogen bestand einerseits aus Fragen zur Messung zweier Aspekte des subjektiven Wohlbefindens: 

  • positive Stimmung und Lebenszufriedenheit. 
  • Andererseits wurden Fragen zum Haustier und zu den erlebten Vorteilen („Nutzenfaktoren“) und Nachteilen („Kostenfaktoren“) des Haustierhaltens gestellt, etwa, ob die Befragten aufgrund ihres Haustiers verstärkt sportlichen Aktivitäten nachgehen oder wie belastend die Kosten des Haustierhaltens für sie sind.

Die Analysen zeigen unter anderem Folgendes: 

Das Wohlbefinden von Haustierhalterinnen und -haltern steigt besonders dann, wenn sie die Tierhaltung als eine wichtige Aufgabe in ihrem Leben – eine sogenannte "soziale Rolle“ – begreifen, und wenn die Tierhaltung ihr Bedürfnis nach Autonomie befriedigt. 



Problematisch wirkte es sich hingegen aus, wenn die Tierhaltung als zu große finanzielle Belastung empfunden wurde. 

Ein interessantes Ergebnis zeigte sich im Zusammenhang mit der persönlichen Bindung an das Tier: 

  • Diese hatte nämlich im Zusammenspiel mit allen anderen gemessenen Variablen einen negativen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden. 

Die Autorinnen diskutieren auch eine mögliche Erklärung für diesen Befund: 

Eine starke Bindung an das Tier kann sich negativ auswirken, wenn sie Bindungen an andere Menschen weniger stark macht oder gar ganz ersetzt. Wer also wegen seines Haustiers keine Zeit mehr für soziale Kontakte hat, ist tendenziell umso unzufriedener, je enger er sich an das Tier gebunden fühlt.

Unterschiede zwischen den Haustieren

Die Forscherinnen schauten sich auch an, ob das Halten eines Hundes im Durchschnitt zufriedener macht als das Halten einer Katze oder eines Pferdes. 

Solche Unterschiede zwischen den Haustieren gab es interessanterweise nicht. 

Allerdings lassen sich für jedes Haustier ganz spezifische Kosten- und Nutzenfaktoren ausmachen. 

Pferde zum Beispiel tragen mehr zur Sinnstiftung bei ihren Besitzerinnen bei als Hunde oder Katzen. 

Pferde fördern darüber hinaus stärker das Autonomieerleben ihrer Besitzerinnen und Besitzer, aber sie werden auch als Belastung erlebt, und zwar sowohl was finanzielle als auch zeitliche Spielräume angeht. 

  • Katzen hingegen sind die Haustiere, die ihren Besitzerinnen und Besitzern die geringste Unterstützung geben. 
Aber sie sind auch diejenigen, die sich am wenigsten belastend auf die Beziehung zwischen ihrer Besitzerin und deren Partner oder Partnerin auswirken.

„In mancher Hinsicht kann man Haustiere durchaus mit Kindern vergleichen“ sagt Maike Luhmann. 

„Sie können eine Quelle purer Freude sein und einem das Gefühl geben, gebraucht und geliebt zu werden. Aber gleichzeitig kann der Umgang mit ihnen auch manchmal anstrengend sein und – je nach Lebensphase – eine finanzielle Belastung darstellen. 

Insgesamt scheinen sich die positiven und negativen Einflüsse auf das Wohlbefinden die Waage zu halten. 

Deshalb ist es für jeden Einzelnen wichtig, sich vor der Entscheidung für ein Haustier die verschiedenen Faktoren vor Augen zu führen und anhand der persönlichen Situation zu bewerten und zu gewichten.“

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Prof. Dr. Maike Luhmann
Arbeitseinheit Psychologische Methodenlehre
Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: maike.luhmann@ruhr-uni-bochum.de

Anna Kalitzki. M.Sc.
E-Mail: a.kalitzki@web.de

DGPs:
Dr. Anne Klostermann
E-Mail: pressestelle@dgps.de
Tel.: 030 28047718
Dr. Anne Klostermann Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.


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Rettungsstelle: 360° TOP-Thema zum 01. Mai - Feiern im Außenbereich mit zoonotischem Potiential

Medizin am Abend Berlin: Welche Infektionskrankheiten haben Fuchs, Marderhund und Marder?

Wissenschaftler untersuchen heimische Raubtiere auf Infektionskrankheiten und die Ansteckungsgefahr für den Menschen 
 
Menschen und Wildtiere kommen sich in Deutschland immer näher.

 Fuchs
Fuchs Foto: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Land- und Forstwirtschaft oder Sport- und Freizeitaktivitäten führen dazu, dass Menschen die natürlichen Lebensräume von Wildtieren verstärkt nutzen. 

Gleichzeitig halten sich Wildtiere immer häufiger in menschlichen Siedlungen auf. Die Kontaktflächen zwischen Menschen oder Haustieren einerseits und Wildtieren andererseits vergrößern sich. 
  • Damit steigt die Relevanz der Erreger, mit denen Wildtiere infiziert sein können. 
  • Im Sinne des „One-Health“-Konzepts sind besonders Krankheiten, die zwischen Menschen und Wildtieren übertragen werden können – sogenannte Zoonosen – interessant. 
  • Zu den möglichen Erregern zählen beispielsweise Viren, Bakterien oder Parasiten.
Um mehr über die Infektionen unserer heimischen Wildtiere zu erfahren, förderte die Oberste Jagdbehörde im schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Forschungsarbeiten an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Parasitologie, des Instituts für Pathologie und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung untersuchten 77 Füchse, 19 Steinmarder und 7 Marderhunde auf Infektionskrankheiten, die von Jägerinnen und Jägern des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt wurden.

Die meisten der bisher untersuchten Raubsäuger kamen aus Nordfriesland und Dithmarschen, vereinzelt auch aus anderen Regionen. Das Augenmerk der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lag besonders auf mögliche Zoonoseerreger. Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes in Schleswig-Holstein sagt:

„Leider wissen wir sehr wenig über den Gesundheitszustand und den Befall mit Parasiten bei Mardern, Füchsen und Marderhunden. Deshalb haben wir dieses Projekt mit unseren Jägerinnen und Jägern gern unterstützt.“

Jetzt liegen die Ergebnisse aus mehreren Untersuchungsjahren vor: 

Virale Erkrankungen wie Tollwut, Staupe und Pseudotollwut (Aujeszky-Virus) konnten die Wissenschaftler nicht finden. 

  • Dafür traten Parasiten in größerem Umfang auf. 

Bei Rotfüchsen fanden sie vor allem Endoparasiten, also Parasiten, die im Körperinnern eines Wirtes vorkommen. 

45,5 Prozent der untersuchten Rotfüchse waren mit dem Hundespulwurm (Toxocara canis) infiziert,

36,4 Prozent mit Haarwürmern (Capillaria spp.),

27,3 Prozent mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis),

24,7 Prozent trugen den Saugwurm Alaria alata in sich -

und bei 23,4 Prozent der Rotfüchse fanden die Wissenschaftler den Hakenwurm Uncinaria stenocephala. 

  • Außerdem entdeckten sie verschiedene Bandwurmarten der Gattungen Taenia- und Mesocestoides sowie Kokzidien, den Peitschenwurm Trichuris vulpis und den Spulwurm Toxascaris leonina. 
In den untersuchten Marderhunden wiesen die Wissenschaftler die gleichen Parasiten nach.
 Der Saugwurm Alaria alata
Der Saugwurm Alaria alata  Foto: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Parasitologie

Die bei Steinmardern bislang gefundenen Endoparasiten gehörten alle zur Gattung Capillaria
  • Die Fadenwürmer Trichinella spp. konnten bei keiner Tierart nachgewiesen werden. 

Auch einen Befall mit dem Erreger der Räude (Sarcoptes scabiei) fanden die Wissenschaftler nicht. Bei zwei Fuchsproben fanden die Wissenschaftler allerdings Milben der Gattung Demodex.

Im Balg eines Fuchses befand sich zudem eine Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), außerdem wurden verschiedene andere Zecken-Arten sowie Fuchs- und Igelflöhe entdeckt.

Nach bisherigen Auswertungen beherbergen zwei Drittel der Füchse und voraussichtlich auch der Marderhunde in Nordfriesland und Dithmarschen Parasiten mit zoonotischem Potential. 
  • Steinmarder hingegen scheinen nach den bisherigen Untersuchungen keine maßgebliche Rolle als Träger zoonotischer Parasiten zu spielen. 
Um einen größeren Überblick zu gewinnen, wäre es sinnvoll, die Untersuchungen auf andere Regionen Schleswig-Holsteins auszudehnen.

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Professorin Dr. Ursula Siebert
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Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
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360° TOP-Hinweis: „Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken“

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Aktuelle Studie: Zecken fast ganzjährig und selbst in waldfernen Gärten aktiv

Universität Hohenheim veröffentlicht erste Ergebnisse zur 1. Zeckenerhebung in deutschen Gärten / 3. Süddeutscher Zeckenkongress startet am 14. März 2016

Der Lebensraum der Zecken beginnt vor der Haustür – so lautet das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim in rund 100 Gärten aus dem Großraum Stuttgart. Dank Klimawandel sind die Spinnentiere auch nicht mehr nur im Sommer, sondern fast ganzjährig aktiv, so Prof. Dr. Ute Mackenstedt auf einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag. Die Medienveranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema Zecke, u.a. für interessierte Bürger am 21. März 2016. 

Details unter http://www.zeckenkongress.de
 
  • Insgesamt ca. 221 Menschen erkrankten in Deutschland im vergangenen Jahr an der Hirnhautentzündung FSME, die durch Zecken übertragen wird, eine verhältnismäßig geringe Zahl. Auch 2014 war die Zahl mit 265 gemeldeten Fällen unterdurchschnittlich: 2013 waren es noch 420.

Doch der Trend ist trügerisch, kommentiert Prof. Dr. Mackenstedt von der Universität Hohenheim. „Grund für die rückläufigen Zahlen sind zwei besonders heiße und trockene Sommer“, vermutet die Zecken-Expertin. „Bei solchen Temperaturen sind weder Mensch noch Ixodes ricinus, der Gemeine Holzbock, sonderlich aktiv, so dass beide nicht zusammen kommen.“

Neue Erkenntnis 1: Zecke wird zum quasi ganzjährig aktiven Tier

  • Gleichzeitig bewirke das veränderte Wetter jedoch, dass Zecken bereits ab Februar und bis in den Dezember hinein aktiv seien. Die Gefahr: „Wir sind es nicht gewohnt, in den ehemals kalten Monaten mit Zeckenstichen zu rechnen und schützen uns nicht entsprechend.“
  • Auch Ärzte seien noch nicht unbedingt gewohnt bei FSME-Symptomen außerhalb des Sommers gleich an Hirnhautentzündung zu denken. Doch: „Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht.“

Erstmals Zeckenaktivität an Weihnachten

Bestätigt wurden diese Ausführungen von Dr. Olaf Kahl, Geschäftsführer der Berliner Firma tick-radar. Dabei handelt es sich um einen Informations-Dienstleister mit eigenem Forschungsansatz zum Thema Zecken mit Schwerpunkt auf Zeckenaktivität (Homepage zeckenwetter.de).

„In diesem Winter haben wir in unseren Zeckenstationen sogar an den Weihnachtsfeiertagen aktive Zecken gefunden“, berichtete Dr. Kahl.

Neue Erkenntnis 2: Gärten werden als Lebensraum von Zecken unterschätzt

Auch in anderer Hinsicht würden sich viele Menschen in trügerischer Sicherheit wähnen: Nämlich im eigenen Garten. Zu Unrecht: „Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken“, fasst Prof. Dr. Mackenstedt die Ergebnisse einer laufenden Studie zusammen.

Seit 2014 kontrolliert die Parasitologin rund 100 Gärten im Großraum Stuttgart regelmäßig auf Zecken. Ergebnis: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere.“

Bislang beschränken sich die Untersuchungen auf den Raum Stuttgart. „Wir können jedoch davon ausgehen, dass sich die Ergebnisse auf andere Städte übertragen lassen.

Eingeschleppt durch Vögel, Haus- und Wildtiere

Zur Überraschung der Studienleiterin scheinen sich die Blutsauger in ganz unterschiedlichen Umgebungen wohlzufühlen: vom verwilderten Garten am Waldrand bis zum akkurat gepflegten Stadtgarten. Faktoren wie ein naher Wald, Unterholz und hohes Gras begünstigen zwar große Zeckenpopulationen, sind aber keinesfalls Voraussetzung. „Selbst in kleinen und gepflegten Gärten in den Stadtaußengebieten waren die Zecken noch anzutreffen.“

Ein Grund für die große Verbreitung sind Haus-, Wild- und Nagetiere: „Wir haben insgesamt drei verschiedene Arten von Zecken gefunden. Eine davon wird vor allem durch Vögel verbreitet.“ Andere seien typisch für Wild- und Haustiere. „Man kann einen Garten nicht zeckenfrei halten“, schlussfolgert Prof. Mackenstedt.

„Einmal eingeschleppt, bilden sie stabile Populationen.“

Ein weiterer Befund der Studie: Die Tiere breiten sich nicht gleichmäßig in den Gärten aus, sondern beschränken sich mitunter auf extrem kleine Stellen. „In einem Garten fanden wir Zecken nur in einem kleinen Rosmarinstrauch.“

Laut Zecken-Expertin Prof. Dr. Mackenstedt zeigten die Ergebnisse, dass der Mensch lernen müsse, mit Zecken zu leben: „Wir müssen akzeptieren, dass wir die Zecken nicht vollständig vermeiden können.

Umso wichtiger ist es, sich entsprechend zu schützen.“

Verbreitungsgebiete in Deutschland weiten sich aus

Nicht nur im Jahresverlauf, auch geografisch dehne sich die Aktivität der Zecken aus, berichtet PD Dr. Gerhard Dobler auf der Pressekonferenz.

Der Mediziner leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und ist Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). 

  • Die Gebiete mit FSME-Vorkommen lägen überwiegend in Baden-Württemberg und Bayern und in kleineren Teilen von Thüringen, Hessen, Sachsen und Rheinland-Pfalz. In den letzten Jahren mehrten sich allerdings auch Berichte von FSME-Fällen außerhalb dieser bekannten Verbreitungsgebiete, u.a. in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt.
  • In Baden-Württemberg gelten 44 Landkreise als endemisch für die FSME. Davon haben im Jahr 2015 insgesamt 28 Landkreise Erkrankungsfälle gemeldet. Darunter lag der Landkreis Ravensburg mit elf gemeldeten Erkrankungsfällen an der Spitze in Baden-Württemberg.

Bandbreite der übertragenen Krankheiten ist groß

Gleichzeitig sei die Bandbreite der Krankheiten, die durch Zecken übertragen würden, größer als oft bekannt, führte Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart aus.

So können die Spinnentiere Viren, Bakterien und auch Parasiten übertragen.

Die bisher wichtigsten Pathogene in Deutschland seien das FSME-Virus und das die Lyme-Borreliose auslösende Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato
  • Aber auch in Zellen lebende Bakterien, wie Rickettsien, Anaplasmen, Ehrlichien und Coxiella burnetii (der Erreger des Q-Fiebers) seien nachgewiesen worden. Für den Erreger der Hasenpest (Francisella tularensis) sei auch die Übertragung durch einen Zeckenstich beschrieben worden.
  • Die Liste der Pathogen sei sicher noch nicht abgeschlossen, denn in jüngster Vergangenheit seien zwei neue Pathogene gefunden worden (Candidatus Neoehrlichia mikurensis und Borrelia miyamotoi, eine Rückfallfieberborrelie). Bei den Parasiten seien in Deutschland die Babesien zu nennen.

HINTERGRUND: Gartenstudie

In ihrer Gartenstudie zählt Prof. Dr. Mackenstedt seit 2014 Zecken in 100 Gärten im Raum Stuttgart und erfasst die Merkmale der verschiedenen Gärten (Waldnähe, naturbelassener Garten/gepflegter Garten). Darunter sind sowohl Haus- als auch Obst- und Schrebergärten, die meisten davon mit einer Fläche von 400 Quadratmetern oder mehr. Viele der Gartenbesitzer beteiligen sich an der sogenannten „Beflaggung“. Dabei ziehen die Forscher weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche hinter sich her. Die Zecken wechseln auf die Zeckenfahnen und werden anschließend abgesammelt und gezählt. Diese Methode erfasst nicht alle in einem Garten lebenden Zecken, sondern nur die Tiere, die sich auf Wirtssuche befinden und deshalb an Pflanzen emporklettern.


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Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin Fachgebiet Parasitologie der Universität Hohenheim,
T: 0711 459-22275, E: mackenstedt@uni-hohenheim.de
Florian Klebs Universität Hohenheim, Text: D. Barsch


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Kennen Sie Ihren Fuchsbandwurm und Hundebandwurm schon? Ihr Risiko für Leib und Leber

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Ulmer Uniklinik bei der Behandlung führend

Rund 70 Prozent der Füchse in Ulm und Umgebung tragen den Erreger der Fuchsbandwurmerkrankung in sich. Und zunehmend sind auch Städter von der potentiell tödlichen Krankheit, die die Leber zerstört, betroffen. Ein interdisziplinäres Expertenteam an der Universitätsklinik Ulm behandelt die deutschlandweit meisten Fälle von Fuchsbandwurmerkrankungen. Zudem kommen wichtige Forschungsergebnisse aus Ulm. Auch dadurch haben die meisten Betroffenen heute eine normale Lebenserwartung. 
 Rund ein Drittel der Patienten mit Fuchsbandwurmerkrankungen kann durch eine Operation geheilt werden. Im Bild: Befallene Leber
Rund ein Drittel der Patienten mit Fuchsbandwurmerkrankungen kann durch eine Operation geheilt werden. Im Bild: Befallene Leber Foto: Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
 
  • Wer Waldpilze sammelt oder mit Haustieren kuschelt, kann für das bloße Auge unsichtbare Fuchsbandwurmeier aufnehmen. 

Ulm und Umgebung gelten als „Epizentrum“ der beim Menschen eigentlich seltenen Parasitenerkrankung: Bis zu 70 Prozent der Füchse rund um die Schwäbische Alb tragen den Erreger in sich. Ein interdisziplinäres Expertenteam an der Universitätsklinik Ulm behandelt die deutschlandweit meisten Fälle von Fuchsbandwurmerkrankungen – im Fachjargon „alveoläre Echinokokkose der Leber“ genannt. „Durch gemeinsame Anstrengungen kann auch für Betroffene mit weit fortgeschrittener Infektion eine gute Lebensqualität erreicht werden“, sagt Professorin Doris Henne-Bruns, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

  • Bis vor einigen Jahren wurde die Infektion, die durch das Larvenstadium des Fuchsbandwurms ausgelöst wird, hauptsächlich bei Landwirten oder Jägern diagnostiziert. 
  • Doch zunehmend sind auch Städter betroffen: Als Kulturfolger passt sich der Fuchs dem Stadtleben an und hinterlässt seinen Kot, der Bandwurmeier enthalten kann und oft monatelang ansteckend bleibt, in Sandkästen oder auf Gemüsebeeten. 

Einmal vom Menschen – zum Beispiel durch unzureichend gewaschene Nahrung – aufgenommen, wandern die Eier vermutlich über den Zwölffingerdarm in die Leber. Der genaue Übertragungsweg ist aber noch nicht eindeutig geklärt und ob eine Person erkrankt, scheint auch genetisch bedingt zu sein. Im Falle einer Ansteckung breitet sich die potentiell tödliche Krankheit zunächst schleichend aus:

Unbehandelt wird die Leber zerstört – in seltenen Fällen sind auch Lunge und Gehirn betroffen. „Oft wird die Diagnose erst nach Jahren gestellt.

Patienten klagen teilweise über Oberbauchschmerzen, Gelbsucht oder bei ärztlichen Untersuchungen wird eine Raumforderung in der Leber festgestellt“, weiß Dr. Andreas Hillenbrand, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Viele Personen mit Verdacht auf alveoläre Echinokokkose stellen sich in der Sektion Infektiologie und Klinischen Immunologie bei der Internistin Dr. Beate Grüner vor. Bei 30 von ihnen wurde im vergangenen Jahr tatsächlich die Parasitose diagnostiziert.

„Ich kann meine Patienten mit der Aussage beruhigen, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht an einer Fuchsbandwurmerkrankung sterben werden“, so Grüner.


Bei der Diagnose und Beurteilung des Organbefalls spielen bildgebende Verfahren, besonders die Sonographie, eine entscheidende Rolle. Zur Bestätigung der Primärdiagnose wird dann zusätzlich im Blut der Patienten nach Antikörpern gesucht.

„Allerdings stellt ein positiver Bluttest ohne Leberveränderungen keine Erkrankung dar“, betonen die Ärzte des Kompetenzzentrums, das in den 1990-er Jahren an der Ulmer Uniklinik als Echinokokkose-Spezialambulanz gegründet wurde.

Heute behandelt das interdisziplinäre Team aus Internisten, Chirurgen, Radiologen, Nuklearmedizinern, Mikrobiologen und Pathologen rund 400 Patienten, für die individuelle Therapien festgelegt werden. „In einem Drittel der Fälle können wir den befallenen Teil der Leber chirurgisch entfernen und die Krankheit so heilen“, erklärt Doris Henne-Bruns.

Die Operation am weichen und stark durchbluteten Organ erfordert allerdings viel Routine, weshalb Patienten aus ganz Deutschland zu der Ärztlichen Direktorin nach Ulm kommen. Bei den meisten Erkrankten ist die Leber schon so stark befallen, dass eine OP nicht mehr möglich ist. Medikamente können ihnen trotzdem zu einer normalen Lebenserwartung verhelfen.

In jedem Fall ist die Nachsorge besonders wichtig:

Mithilfe bildgebender Verfahren muss sichergestellt werden, dass die Krankheit nicht wieder aufflammt.

Eventuell nehmen Betroffene jahrelang Arzneimittel ein. Übrigens sind Echinokokkosen seit 2001 nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig – die meisten Erkrankungen werden in Bayern und Baden-Württemberg registriert.

Um den Therapieerfolg weiter zu verbessern, geht die Ärztegruppe an der Ulmer Uniklinik verschiedenen Forschungsfragen nach. Die Mitglieder untersuchen beispielsweise, welcher Sicherheitsabstand bei einer Operation zum befallenen Gewebe nötig ist und ermitteln die Rezidivrate bei Fuchsbandwurmerkrankungen abhängig von der Behandlung.

Der Internist Dr. Wolfgang Kratzer, Leiter des interdisziplinären Ultraschallzentrums, und sein Stellvertreter, der Radiologe Dr. Tilman Gräter, haben zudem eine Ultraschall- und eine CT-Klassifikation der Leberveränderungen entwickelt. In Zukunft wollen die Wissenschaftler erforschen, ob es Zusammenhänge zwischen Befallsmustern in der Bildgebung und dem klinischen Verlauf der Erkrankung gibt. Ein weiteres besonders wichtiges Ergebnis für die Diagnostik und Therapie: Eine immunhistochemische Methode, die der Ulmer Pathologe Professor Thomas Barth entwickelt hat, ermöglicht die Unterscheidung von Fuchs- und Hundebandwurmerkrankungen.

Schon jetzt verfügt das interdisziplinäre Ärzteteam an der Universitätsklinik über eine der größten Datenbanken zu Fuchsbandwurmerkrankungen europaweit, die noch weiter ausgebaut werden soll. In Kooperation mit dem Robert Koch-Institut erarbeiten die Spezialisten der Ulmer Uniklinik – darunter auch der Epidemiologe Julian Schmidberger – aktuell ein nationales Echinokokkose-Register.

Die Mediziner wollen Naturfreunde und Hobbygärtner jedoch nicht verunsichern:

Die alveoläre Echinokokkose der Leber ist eine seltene Erkrankung und zur Infektion muss es erst gar nicht kommen:

„Generell sollte man bodennahes Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen. Neben der Beachtung gängiger Hygieneregeln ist es sinnvoll, Hunde und Katzen alle drei Monate zu entwurmen.“

  • Mit einem gängigen Vorurteil können sie zudem aufräumen: Waldbeeren sind keineswegs besonders stark mit Bandwurmeiern belastet. 
  •  Spezialisten für die alveoläre Echinokokkose an der Ulmer Universitätsklinik

Spezialisten für die alveoläre Echinokokkose an der Ulmer Universitätsklinik  Foto: Eberhardt/Uni Ulm





Medizin am Abend Berlin Fazit

Sekretariat der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie:
0731/500-53501
christiane.brehm@uniklinik-ulm.de
Annika Bingmann Universität Ulm

Ostern 2015: Familienmitglieder - Benennung von Hunden, Katzen, oder Kaninchen

Medizin am Abend Fazit: Namengebung für Haustiere zunehmend individueller

Tiere als Familienmitglieder – Benennung von Hunden, Katzen oder Kaninchen spiegelt Individualisierung und Anbindung an die Familie wider 
 
Haustiere wie Hunde, Katzen oder auch Kaninchen bekommen heute mehr denn je einen menschlichen Namen und werden auch zunehmend als Mitglied der Familie gesehen. Sie werden in Todesanzeigen in einem Zug mit den Familienmitgliedern als Trauernde erwähnt oder etwa beim Tierarzt unter dem Familiennamen des Halters geführt. Die Benennung von Haustieren, so haben Sprachwissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) festgestellt, hat sich in den letzten 100 Jahren grundlegend geändert. Die Namen sind heute individueller, oft sind es Menschen- und gerne auch aktuelle Kindernamen, die dem Haustier gegeben werden. „Damit geht eine Ansippung des Tiers an die Familie einher“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Damaris Nübling vom Deutschen Institut der JGU. Die Sprachwissenschaftlerin hat zusammen mit Antje Dammel und Mirjam Schmuck das erste Werk zu Tiernamen veröffentlicht, ein wissenschaftlich bislang kaum erforschtes Gebiet.

Lilly oder Lilli, Luna und Paul sind die beliebtesten Namen für Kaninchen. Dies ergab eine Untersuchung auf Basis von 977 Kaninchennamen im Jahr 2012, die in dem neuen Buch veröffentlicht ist. Allerdings kommen auch die häufigsten Namen nur 10 bis 14 Mal vor. „Wir stellen bei den Kaninchen wie auch schon bei Hunden und Katzen ein starkes Bedürfnis der Besitzer nach Individualisierung fest, was sich an der großen Anzahl unterschiedlicher Namen zeigt“, erklärt Damaris Nübling. „Außerdem fällt auf, dass recht oft heutige Kindernamen verwendet werden.“ Von 977 Kaninchen haben 648 einen unterschiedlichen Namen, sodass sich im Durchschnitt nur 1,5 Kaninchen den gleichen Namen teilen – ein Wert, wie er auch bei Hunden und Katzen zu finden ist. Deutlich mehr Namen als bei Hunden oder Katzen beziehen sich auf das Fell des Kaninchens: Namen wie Flocke, Fluse oder Teddy betonen den Status als eher kindliches Streicheltier.

Historisch ist über die Benennung von Tieren recht wenig bekannt, aber die wenigen Quellen zeigen, dass ein grundlegender Wandel vollzogen wurde. In einer badischen Kleinstadt mit 185 Einwohnern wurden um das Jahr 1900 insgesamt 143 Katzen gezählt, von denen nur 6 einen wirklichen Namen hatten. Katzen wurden damals kaum benannt und wenn doch, dann oft, indem sie die Namen gestorbener Katzen erbten. Auch bei Hunden war die namentliche Individualisierung gering.

Während es heute kaum noch unbenannte Hunde oder Katzen geben dürfte, zeigen die namenkundlichen Untersuchungen auch, dass und wie sich die Stellung der Heimtiere gewandelt hat. Fast 60 Prozent der Hunde und der Katzen tragen einen Personen-, oft einen Kindernamen und rücken damit näher an den Menschen heran. Nicht selten nehmen Katzen und insbesondere Hunde eine Partner- oder zumindest eine Familienposition ein, weshalb auch das Geschlecht deutlich am Namen erkennbar ist. Typische Hundenamen wie Bello, Rex oder Hasso haben ausgedient. „Der Hund wird nicht mehr als Hund, sondern zunehmend als Mensch benannt und wohl auch so wahrgenommen“, so die Mainzer Sprachforscherin.

Veröffentlichung:
Antje Dammel (Hg.), Damaris Nübling (Hg.), Mirjam Schmuck (Hg.)
Tiernamen – Zoonyme
Band I: Haustiere
Band II: Nutztiere (erscheint im August 2015)
Universitätsverlag Winter, Heidelberg, 2015

Medizin am Abend DirektKontakt

Univ.-Prof. Dr. Damaris Nübling
Historische Sprachwissenschaft des Deutschen
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E-Mail: nuebling@uni-mainz.de
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Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz