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CAVE: Sepsis (Infektion) ist k e i n e Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sepsis: Früherkennung rettet Leben

In Europa erkrankt jährlich etwa eine halbe Million Menschen an einer Sepsis, in Österreich gibt es rund 18.000 Fälle pro Jahr, 7.500 sterben daran. 

Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. 

Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll te helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. 
 
  • Wenn Infektionen im Körper außer Kontrolle geraten, spricht man von einer Sepsis – fälschlicherweise bekannt auch als Blutvergiftung. 

Besonders gefährdet sind ältere, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. 

  • Sie wird durch Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte ausgelöst und ist eine der aggressivsten Versionen einer Infektion. 
  • Ursachen können etwa Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein.

Im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, kommt es zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers.

  • So ist der Patient/die Patientin weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. 

„Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Leiter der Gemeinsame Einrichtung für Internistische Notfall- und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Ist die Sepsis einmal da, ist Zeit ein entscheidender Faktor: 

Zur schnellen Erkennung von RisikopatientInnen durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus drei einfachen klinischen Kriterien -

eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, 
Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg - besteht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Sepsis Labor  

Wenn mindestens zwei dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.

Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie.

Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut bzw. Harn zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor.

Bei schweren Fällen bzw. später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine Intensivbetreuung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.

Vorherrschende Ursache bei Nierenversagen

„70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, weiß Intensivmediziner Michael Joannidis.

„Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und eine Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) wichtige Rollen spielen.

Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. 

Die Ergebnisse wurden in einer Studie im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht. Der Innsbrucker Mediziner Michael Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatientinnen und -patienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.

Neue Studie in Phase III

Die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlichte Studie zeigt, dass das Enzym „Alkalische Phosphatase“ mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte.

„Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über drei Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, erklärt Joannidis. 

Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem bzw. drei Monaten. 

Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um mehr als 40 Prozent zurück.

Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lässt.

Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Originalpublikation:
"Effect of Human Recombinant Alkaline Phosphatase on 7-Day Creatinine Clearance in Patients With Sepsis-Associated Acute Kidney Injury" https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2710776

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Escherichia coli, kurz E. coli: Blutstrominfektionen, Wund- oder Harnwegsinfekten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

Die Zunahme von Antibiotika-resistenten Bakterien führt besonders in Krankenhäusern zu schwer behandelbaren Infektionen. 

Häufiger Auslöser sind die multiresistenten Escherichia coli-Bakterien, die besondere Enzyme entwickelt haben, um die Antibiotika unwirksam zu machen. 

ZIF-Wissenschaftler an der Universität Gießen untersuchten diese Bakterien genauer und fanden einen Escherichia coli-Stamm, der sich seit 2010 in Deutschland rasant ausbreitet und gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig unempfindlich ist. 

Multiresistente E. coli-Bakterien
Multiresistente E. coli-Bakterien Universität Gießen/Pressestelle
 
Escherichia coli, kurz E. coli genannt, gehört zu den Gram-negativen Enterobakterien, die vor allem im menschlichen Darm zu Hause sind.

Einige Stämme können Infektionen auslösen, wenn sie in den übrigen Körper gelangen. 

Insbesondere bei geschwächten Patienten kann es zu Blutstrominfektionen, Wund- oder Harnwegsinfekten kommen.

Ihre Behandlung wird zunehmend schwerer, denn im Kampf gegen Antibiotika haben E. coli-Bakterien und andere Enterobakterien einen Abwehrmechanismus entwickelt: Sie bilden Enzyme aus, die Antibiotika unwirksam machen können: die sog. Beta-Laktamasen mit erweitertem Spektrum (ESBL). Durch ihren Mechanismus werden die bakteriellen Erreger multiresistent und sind in Kliniken besonders gefürchtet.

„Wir müssen besonders eine Untergruppe eines multiresistenten E. coli-Bakteriums im Blick behalten, die wir in unserer aktuellen Studie gefunden haben“, erklärt Prof. Trinad Chakraborty, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der JLU in Gießen und Koordinator am DZIF-Standort Gießen-Marburg-Langen. Diese Untergruppe breitet sich momentan weltweit aus und wurde nun auch in Deutschland gefunden.

Genomsequenzierung zur Überwachung von Antibiotikaresistenzen

Die Gießener Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie insgesamt fast 1000 Isolate von ESBL-produzierenden Bakterien aus Mensch, Tier, Umwelt und Lebensmitteln. Ihr Vorgehen ist dabei ganz im Sinne des One Health-Ansatzes, der nicht nur den Menschen, sondern auch seine Umwelt mit in die Untersuchungen einbezieht. Dabei identifizierten sie gezielt die Gene für die Beta-Laktamasen und suchten nach einer Untergruppe, die in anderen Ländern bereits auf dem Vormarsch ist.

Es handelt sich hierbei um einen multiresistenten E. coli-Stamm vom Sequenztyp 131 (ST131), der weltweit für Millionen von Infektionen verantwortlich ist, vor allem Blutstrominfektionen und Blasenentzündungen, und der ein relativ seltenes ESBL-Gen trägt, nämlich blaCTX-M-27.

Die Suche war erfolgreich: Die Forscher fanden E. coli ST131 CTX-M27 ausschließlich in menschlichen Isolaten und konnten nachweisen, dass seine Häufigkeit von 0 % im Jahr 2009 auf 45 % 2016 gestiegen ist.


„Damit macht dieser E. coli-Stamm mit seinem spezifischen ESBL-Gen einem E. coli ST131-Stamm Konkurrenz, der bisher in Deutschland am häufigsten nachgewiesen wurde und ein anderes ESBL-Gen trägt“, erklärt Dr. Can Imirzalioglu, Wissenschaftler der Uni Gießen. Hier sind weitere Studien notwendig, um die Ursachen und die klinische Bedeutung dieses Shifts zu untersuchen. Dennoch zeigen die Ergebnisse, wie wichtig der Einsatz von modernen Verfahren wie der Genomsequenzierung ist, um solche Entwicklungen zu beobachten und notfalls schnell reagieren zu können.

Zum Projekt

Das Projekt wurde vom DZIF und vom Forschungsverbund RESET unterstützt, der sich der Untersuchung von Resistenzen gegen Antibiotika in Enterobakterien verschrieben hat. Seit 2013 arbeiten Wissenschaftler des DZIF-Schwerpunkts „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“ mit dem Forschungsverbund RESET in Gießen eng zusammen bei der Sammlung multiresistenter Infektionserreger von Tier und Mensch. Das Erbgut der Isolate dieser umfangreichen Sammlung wurde in der Bioinformatischen Abteilung des DZIF sequenziert und die bakteriellen Genome in einer Datenbank hinterlegt. Diese Genom-Datenbank wird immer wieder erfolgreich genutzt, um das Vorkommen von Resistenzen näher zu untersuchen.

Publikation
Hiren Ghosh, Swapnil Doijad, Linda Falgenhauer, Moritz Fritzenwanker, Can Imirzalioglu, and Trinad Chakraborty: blaCTX-M-27–Encoding Escherichia coli Sequence Type 131 Lineage C1-M27 Clone in Clinical Isolates, Germany
Emerging Infectious Diseases Volume 23, Number 10—October 2017
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/23/10/17-0938_article

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Prof. Dr. Trinad Chakraborty
DZIF-Schwerpunkt „Krankenhauskeime und Antibiotika-resistente Bakterien“
Institut für Medizinische Mikrobiologie
Justus-Liebig-Universität Gießen
T: +49 641 99 41251/81
E-Mail: trinad.chakraborty@mikrobio.med.uni-giessen.de

Janna Schmidt und Karola Neubert
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
T: +49 531 6181 1154/1170
E-Mail: presse@dzif.de

Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Deutschland
Niedersachsen


Karola Neubert
Telefon: 0531 6181 1170
E-Mail-Adresse: karola.neubert@dzif.de


Janna Schmidt
Telefon: 0531/6181-1154
E-Mail-Adresse: janna.schmidt@dzif.de





Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/23/10/17-0938_article Publikation

Ruhe - in meinem Operationssaal! Volle Patientenkonzentration bitte...!

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:      Smalltalk im OP kann Patienten gefährden

Mehr sachbezogene Kommunikation im Operations-Team senkt das Wundinfektions-Risiko für den Patienten. So lautet das Ergebnis einer soeben im British Journal of Surgery veröffentlichten Studie des Inselspitals Bern und der Universität Neuenburg (Schweiz). 

Der Kommunikations-Mix ist entscheidend: Ein OP-Team an der Arbeit.
Der Kommunikations-Mix ist entscheidend: Ein OP-Team an der Arbeit. Foto: Pascal Gugler
 
Auf Initiative der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern haben Fachleute des Instituts für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Neuenburg und des Instituts für Psychologie der Universität Bern von 2010 bis 2013 während 167 Operationen am offenen Bauch die Gespräche im Berner OP-Team beobachtet und analysiert. Die Analysedaten aus den Eingriffen, welche im Durchschnitt 4.6 Stunden dauerten, wurden danach mit den dokumentierten Wundinfektionen gemäss Standards der Fachorganisation Swiss NOSO verglichen.

  • Das Ergebnis: Mehr fallrelevante Kommunikation während der gesamten Operation hatte weniger Wundinfektionen zur Folge. Zu viel Smalltalk während des Verschliessens der Operationswunde bedeutete dagegen eine höhere Infektionsrate.

  • Wundinfektionen nach operativen Eingriffen treten vor allem im Bauchbereich relativ häufig auf (Schweizer Durchschnitt: 13.8%) und haben längere Spitalaufenthalte und damit auch höhere Kosten zur Folge. 

  • Hauptrisikofaktoren sind der Zustand des Patienten und die Art und Dauer der Operation. 

Beides lässt sich vom OP-Team nicht oder nur bedingt beeinflussen.

Es gibt aber qualitative Elemente wie Ablenkung und Lärm während der OP, die sich steuern lassen. 

Die Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern forscht und publiziert zu diesem Thema seit Jahren.

Link zur Originalstudie (englisch):

http://www.bjs.co.uk/details/article/8430101/Impact-of-caserelevant-and-caseirre...


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