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CovidSurg Collaborative: Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Patienten: Postoperativ versterben verhindern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sterberisiko von Patienten, die sich vor oder direkt nach einer Operation mit SARS-CoV-2 infizieren ist erhöht

Patienten, die an COVID-19 erkranken, haben ein erhöhtes Risiko, im Zusammenhang mit einer Operation zu versterben. 

  • Vor planbaren Operationen sollte deshalb eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 möglichst ausgeschlossen werden. 

Zu diesem Schluss kommt eine weltweite Untersuchung, deren Ergebnisse jetzt von dem Forschungsnetzwerk CovidSurg Collaborative im Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: OperationsNetzwerk  
 
Professor Dr. Alfred Königsrainer, klinischer Leiter der Studie in Tübingen und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie sieht das Tübinger Universitätsklinikum jedoch gut gerüstet:

“Wir haben aus den vergangenen Wochen gelernt und uns gut vorbereitet.

Bei Notfalleingriffen und vor geplanten Operationen tun wir alles, um im Vorfeld eine SARS-CoV-2-Infektion möglichst auszuschließen.

Dies ist uns bislang auch gelungen.“ Ob die Situation auch in Deutschland so dramatisch ist, wie es die Studiendaten vermuten lassen, soll möglichst bald durch weitere Auswertungen geklärt werden.

Momentan sind alle chirurgischen Kliniken in Deutschland dringend aufgerufen, sich an der CovidSurg Kohorten-Studie zu beteiligen.

  • Mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Patienten, die sich einer Operation unterziehen mussten, haben ein stark erhöhtes Risiko, postoperativ zu versterben, wie eine neue weltweit durchgeführte Studie zeigt, die aktuell in Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde. 

Dazu untersuchten die Forscher Daten von 1.128 Patienten aus 235 Krankenhäusern in 24 Länder. Diese repräsentieren vor allem die Situation in Europa, auch einige Krankenhäuser in Afrika, Asien und Nordamerika waren beteiligt.

Nach den jetzt veröffentlichten Ergebnissen, die unter der Leitung der NIHR Global Research Health Unit on Global Surgery an der Universität Birmingham ausgewertet wurden, haben SARS-CoV-2-infizierte Patienten, die sich einer Operation unterziehen, wesentlich schlechtere postoperative Ergebnisse als ohne die Infektion.

Insgesamt lag die Mortalität während der ersten 30 Tage nach der Operation bei 23,8 Prozent.

Dabei war die Mortalität in allen Untergruppen unverhältnismäßig hoch.

Dies betraf sowohl elektive chirurgische Eingriffe (18,9 Prozent), 
Notfalloperationen (25,6 Prozent), 
kleinere Operationen (16,3 Prozent)
als auch größere chirurgische Eingriffe (26,9 Prozent).

In der Studie wurde weiterhin festgestellt, dass die Sterblichkeitsrate von Männern (28,4 Prozent) verglichen mit der von Frauen (18,2 Prozent) aber auch bei älteren Patienten über 70 Jahren (33,7 Prozent) gegenüber jüngeren Patienten (13,9 Prozent) stark erhöht war.

Zu den Risikofaktoren für die postoperative Mortalität zählen neben Alter und Geschlecht auch vorbestehende schwere Erkrankungen, wie etwa Krebs, große Eingriffe und Notfalloperationen.

Der Tübinger Mitautor der Studie, Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, kommentierte den Bericht: "Normalerweise erwarten wir, dass die Sterblichkeitsrate von Patienten, die sich elektiven Operation unterziehen, unter einem Prozent liegt.

  • Diese Studie zeigt nun aber, dass die Sterblichkeitsrate bei Patienten, die mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sind, selbst bei Routineoperationen ganz wesentlich erhöht ist. 
  • Tatsächlich ist die Sterblichkeitsrate so stark erhöht, dass sie mit dem Mortalitätsrisiko von Hochrisiko-Patienten vor der Pandemie vergleichbar ist.“ 

Ob sich diese Zahlen auch auf deutsche Krankenhäuser übertragen lassen, soll aktuell mit zusätzlichen Daten vordringlich analysiert werden.

Ziel muss es jetzt also sein, nicht nur bei Notfalleingriffen sondern auch vor geplanten Operationen alles zu tun, um eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 möglichst auszuschließen.

In Tübingen wurde deshalb eine telefonische Kontaktaufnahme mit den Patienten am Vortag der geplanten stationären Aufnahme und eine fokussierte Eingangsbewertung in Verbindung mit einem Abstrich bei Risikopatienten am Aufnahmetag etabliert. 

Ebenso gibt es auditierte Verfahrensanweisungen für alle Mitarbeiter und eine strenge Isolierung von Patienten mit nachgewiesener Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, um das Risiko, sich in der Klinik damit anzustecken, praktisch auszuschließen. „Dank dieser Maßnahmen ist es in Tübingen bislang gelungen, keinen einzigen Patienten mit einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu übersehen oder für eine planbare Operation aufzunehmen“, so Königsrainer.

Hintergrundinformationen

Die CovidSurg Collaborative ist ein Forschungsnetzwerk, das sich auf die Untersuchung der Auswirkungen der Coronavirus Pandemie für die chirurgische Versorgung spezialisiert hat.

Am Netzwerk sind zwischenzeitlich viele tausend Chirurgen und Forscher aus über 120 Ländern beteiligt. CovidSurg führt aktuell zwei große Kohorten-Studien durch, in denen Daten zur chirurgischen Versorgung von Patienten weltweit gesammelt und ausgewertet werden; bisher sind Daten von über 20.000 Patienten aus über 700 Krankenhäusern in 72 Ländern verfügbar.

Prof. Dr. Alfred Königsrainer und Dr. Markus Quante sind die klinischen Studienleiter in Tübingen, die gemeinsam mit weiteren Kollegen die CovidSurg Studie durchführen und an dieser weltweiten Initiative mitarbeiten.

Dr. Markus Löffler ist Mitglied im nationalen Leitungsgremium der CovidSurg Collaborative und unterstützt die Initiative und die Studiendurchführung in Deutschland.

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Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor
alfred.koeningsrainer@med.uni-tuebingen.de
Tel. 07071 29 86620

Dr. Markus Löffler
Forschungsgruppenleiter und Projektkoordinator
markus.loeffler@med.uni-tuebingen.de
Tel. 07071 29 80992

CovidSurg an der Universität Birmingham
Tony Moran, Leiter Internationale Kommunikation, Universität Birmingham,
+44 121 414 8254 oder +44 782 783 2312 bzw. +44 7789 921 165 (Zentrale)
t.moran@bham.ac.uk

Bianca Hermle Universitätsklinikum Tübingen
Hoppe-Seyler-Str. 6
72076 Tübingen
Postfach 2668
72016 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg
Telefon: 07071 / 29 81032
E-Mail-Adresse: presse@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Mortality and pulmonary complications in patients undergoing surgery with perioperative SARS-CoV-2 infection: an international cohort study; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31182-X

Sepsis: Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Maßgeschneiderte Immuntherapie bei Sepsis

Die personalisierte Immuntherapie gibt Hoffnung, die Sterblichkeit bei Sepsis-Patienten zu senken. 

Das neue Forschungsprojekt ImmunoSep, eine internationale Zusammenarbeit von 14 Partnern, erforscht den Nutzen der Präzisionsmedizin zur Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung und ebnet gleichzeitig den Weg für weitere Forschung auf diesem Gebiet. 

Das vom Radboud University Medical Center, Nijmegen, Niederlande, koordinierte Projekt wird in den nächsten vier Jahren mehr als zehn Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm „Horizon 2020“ der Europäischen Union erhalten. 

Die Universität Bonn ist daran beteiligt und erhält rund 750.000 Euro Fördermittel.  
  • Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch die Reaktion des Körpers auf eine Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren verursacht wird. 
  • Am häufigsten betrifft sie Erwachsene über 65 Jahre, Kinder unter einem Jahr, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Lungenkrankheiten, Krebs und Nierenerkrankungen sowie Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. 

Sepsis tritt mit schätzungsweise 50 Millionen Fällen weltweit pro Jahr auf.

Sie ist eine der häufigsten Todesursachen für Krankenhaus-Patienten in europäischen Ländern mit einer hohen Sterblichkeitsrate von 30 bis 40 Prozent.

Auch wenn die Verschreibung von Antibiotika und die Einrichtung von Intensivstationen die Zahl der Sepsis-bezogenen Todesfälle bereits stark reduziert haben, soll die Einführung eines Immuntherapie-Ansatzes den Ausgang der Krankheit für die Betroffenen deutlich verbessern.

Hier kommt ImmunoSep ins Spiel. Während frühere Studien einen einheitlichen Behandlungsansatz gefördert haben, konzentriert sich dieses multinationale Projekt auf die Erforschung der personalisierten Immuntherapie. 

„Zum Wohle des Patienten wird ImmunoSep neuartige wissenschaftliche Grundprinzipien auf die direkte klinische Praxis anwenden.

Wir haben das Projekt daher an der Schnittstelle zwischen Spitzenwissenschaft, translationalen und klinischen Programmen und der Integration der Sozialwissenschaften in die tägliche klinische Praxis positioniert.

Unser Ziel ist eine rasche Umsetzung `von der Idee zur Anwendung´, ausgehend von der molekularen Grundlagenforschung bis hin zur translationalen Medizin und Epidemiologie“, sagt Prof. Mihai Netea.

Er ist Leiter der Abteilung für Experimentelle Medizin, Abteilung für Innere Medizin am Radboud University Medical Center (RadboudUMC), sowie Abteilungsleiter für Immunologie und Stoffwechsel am Life & Medical (LIMES) Institut der Universität Bonn. Zusammen mit Prof. Evangelos Giamarellos-Bourboulis von der National and Kapodistrian University of Athens koordiniert er ImmunoSep.

„Mit Hilfe modernster Sequenziertechnologien an Immunzellen im Blut von Sepsis-Patienten versuchen wir, Muster in den zellulären Programmen zu finden, die uns helfen, diejenigen Patienten zu identifizieren, die eine zusätzliche Therapie erhalten“, sagt Prof. Dr. Joachim L. Schultze, Mitglied des Exzellenzclusters ImmunoSensation und Leiter der Plattform für Single Cell Genomics und Epigenomics an der Universität Bonn und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie Leiter der Abteilung Genomik & Immunregulation am LIMES-Institut der Universität Bonn.

„Wir wollen einen neuen Weg zur Behandlung schwerer Infektionen durch eine personalisierte Behandlung eröffnen, die einen qualitativen Sprung im Ergebnis der Sepsis darstellen und eine Grundlage für die künftige Präzisionsmedizin bei immunologischen Erkrankungen schaffen kann“, sagt Prof. Giamarellos. ImmunoSep bringt Partnerinstitutionen aus Österreich, Frankreich, Griechenland, Deutschland, Israel, den Niederlanden, Rumänien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich zusammen. Projektauftakt ist bei einem ersten Treffen vom 10. bis 11. Februar 2020 in Nijmegen, Niederlande.

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Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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CAVE: Patient Blood Management: Blutarmut (Anämie), Eisenmangel: Hämoglobin- und Reticulozytenwerte

Medizin am Abend Berlin Fazit: Auch ultrakurze Therapie vor Operationen hilft Bluttransfusionen zu vermeiden

Bluttransfusionen sind belastend und ein zusätzliches Risiko für Patienten. 

Eine gross angelegte Studie unter der Leitung von Prof. Donat R. Spahn, Direktor des Instituts für Anästhesiologie am Universitätsspital Zürich, zeigt nun, dass Patienten auch noch von kurz vor einer Operation angewandten Massnahmen profitieren, die Bluttransfusionen reduzieren. 
 
Bluttransfusionen können lebensrettend sein.

  • Fremdes Blut bedeutet für die Patienten jedoch auch bei optimierter Verträglichkeit eine Belastung und birgt deshalb immer die Gefahr von Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Organversagen oder Infektionen. 
  • Mit gezieltem «Patient Blood Management» reduzieren Ärztinnen und Ärzte deshalb seit einigen Jahren die Gabe von Fremdblut. 

Schonende Operationstechniken und die Aufbereitung und Rücktransfusion von während der Operation verlorenen Blutes sind dabei wichtige Massnahmen.

Zudem wird bereits einige Wochen vor einer geplanten Operation die Blutsituation des Patienten analysiert und eine oft unerkannte Blutarmut mit Medikamenten behandelt, welche die Blutbildung stimulieren.

Blutarmut ist einer der grössten Risikofaktoren für Bluttransfusionen während oder nach Operationen.

Dieses Massnahmenpaket führte dazu, dass in Kliniken, die mit dem «Patient Blood Management» arbeiten, in den letzten Jahren massiv weniger Bluttransfusionen und Blutprodukte nötig waren, und in der Folge die Komplikations- und Sterblichkeitsrate der Patienten deutlich sank.

Kurzfristige Therapie zeigt vergleichbar positive Effekte

In einer gross angelegten, randomisierten Doppelblindstudie zeigten Forscherinnen und Forscher nun, dass Patienten auch noch von einer kurzfristigen Therapie zur Verbesserung ihrer Blutwerte profitieren. 

In der Studie wurden 1006 Patientinnen und Patienten vor einer geplanten Herzoperation erfasst.

Bei 505 von ihnen war vorab eine Blutarmut (Anämie) und/oder ein Eisenmangel festgestellt worden.

  • Die Hälfte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurde mit einer Kombinationstherapie aus intravenöser Eisengabe, subkutan verabreichtem Vitamin B12 und Erythropoietin alpha sowie oral eingenommener Folsäure behandelt. 
  • Dies in der Regel nur einen Tag vor der Operation oder am Freitag der Vorwoche, wenn der Eingriff für Montag geplant war.

Sämtliche Patientinnen und Patienten, die diese Therapie erhalten haben, zeigten deutlich bessere Hämoglobin- und Reticulozytenwerte als die Kontrollgruppe.

Die Zahl der bei der Operation und in den sieben Folgetagen nötigen Bluttransfusionen sank in der behandelten Gruppe nahezu auf null.

Weniger Transfusionen bedeuten weniger Risiko

Prof. Donat R. Spahn, Direktor des Instituts für Anästhesiologie am Universitätsspital Zürich und Leiter der Studie, sieht in den Ergebnissen der Studie einen grossen Fortschritt für eine gefährdete Patientengruppe:

«Jede Bluttransfusion weniger bedeutet ein Sinken der Belastung und des Risikos für die Patientinnen und Patienten.

Unsere Studie bestätigt, dass wir auch mit einer kurzfristigen präoperativen Behandlung die Blutwerte der Patienten noch massiv verbessern können. 

Damit vergrössert sich die Zahl der Patientinnen und Patienten, die von Patient Blood Management profitieren.»

Der Spezialist für Patient Blood Management weist aber auch auf weitere positive Effekte hin:

«Weniger Blutprodukte bedeuten auch weniger Kosten. 

Den sparsamen und sorgfältigen Umgang mit Blutprodukten schulden wir zudem auch den Spenderinnen und Spendern.

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Prof. Dr. med. Donat R. Spahn
Institutsdirektor, Institut für Anästhesiologie, Universitätsspital Zürich
Tel.: 044 255 26 95, donat.spahn@usz.ch

lic. phil. Martina Pletscher UniversitätsSpital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Zürich

Telefon: +41 44 255 86 20
E-Mail-Adresse: martina.pletscher@usz.ch

Originalpublikation:
Donat R. Spahn, Felix Schoenrath, Gabriela H Spahn, Burkhardt Seifert, Philipp Stein, Oliver M Theusinger, Alexander Kaserer, Inga Hegemann, Axel Hofmann, Francesco Maisano, Volkmar Falk. Effect of ultra-short-term treatment of patients with iron deficiency or anaemia undergoing cardiac surgery: a prospective randomized trial. The Lancet.
DOI: 10.1016/S0140-6736(18)32555-8

360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: LiMAx Test - potentielle Leistungsfähigkeit der Leber / Atemluft

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Innovatives Gerät misst Leberfunktion in der Atemluft / Sicherere Operationen an Leber möglich

Den Leberchirurgen am Universitätsklinikum Leipzig steht jetzt ein innovatives Verfahren zur Messung der Leberfunktion zur Verfügung. 
  • Der sogenannte LiMAx Test misst die potentielle Leistungsfähigkeit der Leber anhand von Bestandteilen der Atemluft und liefert so mehr Daten als z.B. Blutuntersuchungen. 
Wichtig ist diese Form der Vorabuntersuchung vor allem für die bessere Planung von Leberoperationen – anhand der so erhobenen Funktionsreserve kann der Operateur das Risiko eines Eingriffs sehr viel genauer beurteilen. 
 Prof. Daniel Seehofer, Victoria Kegel, Ärztin in Weiterbildung, und Prof. Thomas Berg (von links) besprechen die Werte eines LiMAx-Patienten.
Prof. Daniel Seehofer, Victoria Kegel, Ärztin in Weiterbildung, und Prof. Thomas Berg (von links) besprechen die Werte eines LiMAx-Patienten. Stefan Straube / Universitätsklinikum Leipzig
 
„Damit können wir die notwendigen Operationen sehr viel sicherer machen und die Gefahr von Komplikationen ganz wesentlich verringern“, erklärt Prof. Daniel Seehofer, Leberoperateur und Leiter des Bereichs Hepatobiliäre Chirurgie und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. 

Seehofer bringt von seiner früheren Wirkungsstätte an der Berliner Charité bereits gute Erfahrungen mit dem innovativen Gerät mit. „Dieses Verfahren wurde dort entwickelt und seit vielen Jahren eingesetzt, um die wichtige Frage, wieviel dem kranken Organ Leber bei einer Operation zuzumuten ist, im Vorfeld besser beantworten zu können“, so Seehofer.

  • Dafür liefert die Leberfunktionsmessung Daten, die bisher mittels Laboruntersuchungen nicht erhoben werden können.

Die Leber ist das einzige Organ, das sich aus eigener Kraft vollständig regenerieren kann. 

Bei Erkrankungen oder Verletzungen können verbleibende Teile die Funktion des gesunden Organs übernehmen und nach einiger Zeit ersetzen. Das gelingt aber nur, wenn das gesunde Gewebe noch über ausreichend Reserven verfügt. Anderenfalls droht nach einer Operation ein lebensgefährliches Organversagen.

„Mit dem Leberfunktionstest können wir sehr gut abschätzen, über wieviel Funktionsreserve und damit Kraft zur Regeneration die Leber noch verfügt“, beschreibt Seehofer. „Oftmals stellen wir so fest, dass die Leber noch bessere Reserven hat als angenommen.“

Dadurch wird ein rettender Eingriff in manchen Fällen überhaupt erst möglich. 

Der Test kann aber auch Hinweise dazu liefern, dass vorbereitend vor einer Operation zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, z.B. um die Leber zum Wachsen anzuregen. „Durch die Funktionsmessung vorab können wir das Risiko für einen Eingriff stark verringern“, so Seehofer. 
  • Studien belegen inzwischen, dass durch den Einsatz der Leberfunktionsmessung die Sterblichkeitsrate nach einer Leberoperation um zwei Drittel zurückgegangen ist. 
  • Bei Krebspatienten beispielsweise zeigt die Leberfunktionsmessung nach einer Chemotherapie oftmals schlechte Werte.
„Diese Einschränkung können wir mit anderen Verfahren oft gar nicht erfassen“, erläutert dazu Prof. Thomas Berg, Leiter der UKL-Sektion Hepatologie und internistischer Partner von Prof. Seehofer bei der Behandlung von Lebererkrankungen.

  • „In solchen Fällen können wir jetzt einfach ein paar Wochen warten, bis sich die Leber von der Krebstherapie erholt hat und dann operieren“, so Berg. 

Ohne diese Hinweise auf die geschwächte Leber wäre die Operation für den Patienten hoch gefährlich.

  • „Das neue Messverfahren ist damit eine sehr sinnvolle und wertvolle Ergänzung unserer diagnostischen Möglichkeiten und sehr hilfreich, um Operationen zu ermöglichen oder unsichere Operationen zu verhindern“, betont Prof. Berg.

Dabei ist das ca. 45 Minuten dauernde Verfahren für den Patienten völlig unbelastend:


Für die Messung wird eine Substanz über die Vene verabreicht, die nur in der Leber verstoffwechselt wird. 
  • Das dabei entstehende typische Kohlenstoffisotop wird zu den Lungen transportiert und mit der Atemluft abgeatmet. Das LiMAx-Gerät misst über eine spezielle Atemmaske die Konzentration des Kohlenstoffisotops in der Atemluft und gibt so direkte Rückmeldung zur Funktionsfähigkeit der Leber.
Ziel der UKL-Mediziner ist es, künftig Referenzwerte auch für weitere Fragestellungen zu erheben und damit das Anwendungsfeld zu erweitern.

 „Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass die Leberfunktionsmessung perspektivisch auch zu einer frühzeitigen Beurteilung eines akutes Leberversagens beitragen kann, und damit Informationen darüber liefern kann, ob eine Transplantation notwendig ist oder eine Chance besteht, dass sich die Leber aus eigener Kraft wieder erholt“, gibt Prof. Berg einen Ausblick. 

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Verengung der Aortenklappe, die sogenannte Aortenklappenstenose

Medizin am Abend Berlin Fazit: Katheterbasierter Aortenklappenersatz: Besonders schonender Eingriff in der MHH besonders sicher

Institut bescheinigt den Herzspezialisten der MHH hervorragende Expertise 
 
Großer Erfolg für die Herzmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH):

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) hat den Ärzten eine hervorragende Expertise im Bereich des kathetergestützten Aortenklappenersatzes bescheinigt.

Die Verengung der Aortenklappe, die sogenannte Aortenklappenstenose, ist der häufigste Herzklappenfehler im hohen Lebensalter.

„Gerade bei älteren oder geschwächten Patienten, für die eine Operation am offenen Herzen ein zu hohes Risiko bergen würde, ist diese Methode eine schonende und sichere Alternative“, betont Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie. „Wir tun alles für die Sicherheit unserer Patienten.“



Professor Dr. Johann Bauersachs, PD Dr. Julian Widder – mit einem Herzmodell – und Professor Dr. Tibor Kempf (von links) im Herzkatheter-Labor.
Professor Dr. Johann Bauersachs, PD Dr. Julian Widder – mit einem Herzmodell – und Professor Dr. Tibor Kempf (von links) im Herzkatheter-Labor. Quelle „MHH/Kaiser“.

Das IQTIG untersucht seit vergangenem Jahr im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses –oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland – die Versorgungsqualität im Gesundheitswesen. Dazu hat das Institut die 147 katheterbasierten Aortenklappen-Implantationen, kurz TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation), ausgewertet, die im Jahr 2015 von dem MHH-Herzteam durchgeführt worden waren.

In dem Team arbeiten die Spezialisten der Klinik für Kardiologie und Angiologie (PD Dr. Julian Widder), der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (PD Dr. Serghei Cebotari) und der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin eng zusammen.

Weniger Komplikationen als andernorts

Das Ergebnis spricht für sich: In allen verglichenen Punkten schneidet die MHH wesentlich besser ab als der Bundesdurchschnitt.

  • Während es bundesweit bei 3,05 Prozent der Fälle während der Eingriffe zu intraprozeduralen Komplikationen kam, trat das in der MHH-Klinik bei keiner der 147 Behandlungen auf. 
  • Auch bei Gefäßkomplikationen liegt die MHH-Klinik mit 7,48 Prozent unter dem Durchschnitt aller Kliniken (8,61 Prozent). 
  • Noch frappierender ist die Differenz bei der Sterblichkeitsrate: Während bundesweit 3,86 Prozent der Patienten als Folge eines derartigen Eingriffs sterben, sind es in der MHH nur 0,68 Prozent.
Eingriff am Herzen, ohne den Brustkorb zu öffnen

Die Aortenklappe zwischen linker Herzkammer und der Aorta (Hauptschlagader) verfügt über Klappensegel, die sich öffnen und Blut in die Aorta strömen lassen, wenn sich das Herz zusammenzieht.

Eine Aortenklappenstenose entsteht durch Kalkablagerungen an den Klappensegeln. 

Dadurch verengt sich die Klappenöffnung. Der Herzmuskel wird dicker, um den Blutfluss aufrecht zu erhalten. 
  • Beschwerden wie Luftnot, insbesondere unter Belastung, Brustschmerzen und Engegefühl (Angina pectoris), Schwächegefühl und Schwindel bei Anstrengung, aber auch Müdigkeit – vor allem unter erhöhter Belastung – und plötzliche kurzdauernde Bewusstlosigkeit können die Folge sein. 

Mit der katheterbasierten Aortenklappen-Implantation (TAVI) kann die Aortenklappe in der Regel ohne das Öffnen des Brustkorbs am schlagenden Herzen ersetzt werden.

Dazu wird über die Leistenschlagader mit einem Katheter – einem langen und flexiblen Schlauch – die neue Herzklappe über die Hauptschlagader ins Herz eingeführt. 

Sobald sich die Klappenprothese innerhalb der verkalkten Aortenklappe befindet, wird die Herzklappe exakt positioniert und dann implantiert. Im Anschluss wird das Kathetersystem entfernt.

„Von unserem erfahrenen Herzteam an der MHH wird dieser Eingriff in der Regel ohne Vollnarkose durchgeführt“, erläutert PD Dr. Widder einen der Vorteile des Systems. Im ersten Halbjahr 2016 hat das Herzteam der MHH bereits 88 derartiger Eingriffe durchgeführt.

Die MHH ist die größte von fünf Kliniken in Niedersachsen, die einen solch schonenden Aortenklappenersatz anbieten kann – und die einzige in der Region Hannover.



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Epizentrum Ägypten - Urlaubsland: Hochpathogene Influenzaviren - Sommer/Herbst/Winter 2015/2016

Medizin am Abend Fazit:  Hochpathogene Influenzaviren frühzeitig erkennen

Multidisziplinäre Forschergruppe entwickelt Methode zur Abschätzung des pandemischen Risikos von Vogelgrippeviren 
 
Der Mangel an wirksamen antiviralen Medikamenten und Impfstoffen bei der Influenza-A-Virus (IAV)-Pandemie im Jahre 2009, die Ebolavirus(EBOV)-Epidemie in Westafrika, sowie der derzeitige Ausbruch des „Middle Eastern Respiratory Syndrome“-Coronavirus (MERS-CoV) zeigen, dass die Welt nur ungenügend auf das Auftreten neuer Infektionskrankheiten vorbereitet ist und die wirksame Bekämpfung solcher Bedrohungen noch immer eine große Herausforderung darstellt.

Hochpathogene Vogelgrippeviren des H5N1-Typs sind eine sehr ernste Bedrohung für den Menschen.

Diese aviären Influenzaviren (Vogelgrippe) werden zwar bislang nur vereinzelt auf Menschen übertragen, führen dann aber zu Erkrankungen mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 60 Prozent. 

Es gibt Hinweise darauf, dass sich die H5N1-Viren durch Mutationen weiterentwickeln und zunehmend leichter auf den Menschen übertragen werden können. 

Das gilt insbesondere für H5N1-Viren in Ägypten - ein Gebiet, das sich zu einem möglichen Epizentrum einer neuen Influenzapandemie entwickeln könnte. 

Ein besseres Verständnis der molekularen Grundlagen der Evolution von Influenzaviren ist daher von zentraler Bedeutung für die frühzeitige Erkennung von hochpathogenen Influenzaviren und die effiziente Bekämpfung und Eindämmung möglicher Epidemien oder gar Pandemien. 

Eine multidisziplinäre Forschergruppe, darunter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), hat nun ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich das pandemische Potenzial von Influenzaviren vorhersagen lässt.

Die Forschergruppe aus Deutschland und Serbien hat durch die kombinierte Anwendung einer rechnergestützten Technik (ISM) und molekularvirologischer Methoden ein Werkzeug entwickelt und validiert, mit dem man mögliche biologische Auswirkungen von natürlich vorkommenden Mutationen, wie sie beispielsweise in H5N1-Viren in Ägypten gefunden wurden, einschätzen kann.

So lassen sich mit der ISM-Technik unter den zahlreichen Influenzaviren, die in Vögeln oder anderen tierischen Wirten zirkulieren, diejenigen Viren identifizieren, die besonders effizient auf den Menschen übertragen werden können und damit möglicherweise ein pandemisches Potential besitzen.

Beteiligt an der Forschergruppe sind das Institut für Medizinische Virologie (JLU), das Georg Speyer Haus – Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie (Frankfurt am Main), das Robert-Koch-Institut, Abteilung für HIV und andere Retroviren (Berlin) sowie das Zentrum für Multidisziplinäre Forschung, Institut für Nuklearwissenschaft VINCA (Belgrad, Serbien).

Trotz vielfältiger Fortschritte in den vergangenen Jahren gibt es nach wie vor große Wissenslücken hinsichtlich der Genetik, Epidemiologie und Pathobiologie von H5N1-IAV im Menschen. 

„Unsere Daten eröffnen die Möglichkeit, ein neues Werkzeug für die Abschätzung des mit spezifischen Influenzaviren verbundenen pandemischen Risikos zu entwickeln“, so Prof. Dr. Stephan Pleschka (Institut für Medizinische Virologie der JLU), Hauptautor der Studie. „Es könnte damit zu einer besseren Vorbereitung gegen mögliche Pandemien beitragen.

Das betrifft speziell die Entwicklung eines prä-pandemischen Impfstoffes, der dazu beitragen könnte, die negativen Auswirkungen von neu auftretenden Influenzaviren zu verhindern.“

Publikation
„In silico prediction and experimental confirmation of HA residues conferring enhanced human receptor specificity of H5N1 influenza A viruses", von S. Schmier, A. Mostafa, T. Haarmann, N. Bannert, J. Ziebuhr, V. Veljkovic, U. Dietrich, S. Pleschka; erschienen am 19. Juni 2015 im Journal „Scientific Reports“ der Nature Publishing Group
DOI: 10.1038/srep11434

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Prof. Dr. Stephan Pleschka
Institut für Medizinische Virologie
Biomedizinisches Forschungszentrum Seltersberg (BFS)
Schubertstraße 81, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-47750
Caroline Link Justus-Liebig-Universität Gießen

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte: 
http://www.nature.com/scientificreports