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Schlaf von Kinder und Müttern, aber auch von den Vätern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schlafqualität von Kindern und Müttern hängt zusammen

Wenn Mütter unter Schlafproblemen leiden, können häufig ihre Kinder nachts auch weniger gut schlafen. 

Dies berichten Psychologen der Universität Basel in der Fachzeitschrift «Sleep Medicine» nach einer Studie mit knapp 200 gesunden Kindern im Primarschulalter. 
 
  • Schlaf spielt eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden von Erwachsenen, aber auch von Kindern. 

Zu wenig Schlaf und eine schlechte Schlafqualität können die psychische Gesundheit, das Lernen, das Gedächtnis und damit bei Kindern auch die Schulleistung beeinträchtigen. In der Schweiz berichten nach neuesten Zahlen ungefähr 28% der erwachsenen Frauen und 20% der Männer, von Schlafproblemen betroffen zu sein.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Cannabis  


In ihrer Studie untersuchten Forschende um Natalie Urfer-Maurer von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel und Prof. Dr. Sakari Lemola, heute an der University of Warwick, wie Ein- und Durchschlafprobleme der Eltern mit dem Schlafverhalten ihrer Kinder zusammenhängen. Sie massen dafür die Schlafqualität von gesunden Kindern zwischen 7 und 12 Jahren mittels Elektroenzephalografie (EEG); rund die Hälfte von ihnen waren Frühgeborene. Zudem befragten die Forschenden die Eltern über ihren eigenen Schlaf und über jenen ihrer Kinder.

Mühe, ins Bett zu kommen

Ergebnis der Studie: 

  • Kinder von Müttern mit Ein- und Durchschlafproblemen schliefen erst später ein, schliefen weniger lang und wiesen weniger Tiefschlaf auf, wie die EEG-Messungen zeigten

Keine Zusammenhänge zeigten sich jedoch mit den Schlafproblemen des Vaters.

Dass vor allem Schlafprobleme der Mutter und nicht des Vaters mit dem Schlafverhalten der Kinder zusammenhängen, könnte daran liegen, dass Mütter in der Schweiz durchschnittlich nach wie vor mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen als Väter, so die Forschenden. Daher ist es möglich, dass sich das Schlafverhalten von Mutter und Kind stärker angleicht.

Wurden die Eltern nach Schlafproblemen der Kinder befragt, berichteten sowohl Mütter wie Väter mit eigenen Schlafproblemen häufiger, dass ihre Kinder Mühe haben, ins Bett zu kommen, und zu wenig schlafen.

Eltern als Vorbilder

Verschiedene Faktoren können hinter dem Zusammenhang zwischen dem Schlaf der Eltern und dem der Kinder stehen, schreiben die Forschenden. So dienen Eltern ihren Kindern als Vorbilder, sodass Kinder die Schlafgewohnheiten der Eltern beobachten und sich zu eigen machen.

Weiter können Konflikte den Schlaf der ganzen Familie beeinflussen:

So kann ein abendlicher Streit in der Familie etwa verhindern, dass angemessene Ruhe in die Schlafumgebung einkehrt.

Auch können Ein- und Durchschlafprobleme bei Eltern dazu führen, dass sie sowohl ihren eigenen Schlaf wie auch jenen ihrer Kinder sehr genau beobachten.

Hier spricht man von «selektiver Aufmerksamkeit» in Sachen Schlaf.

Es kann sein, dass diese übermässige Aufmerksamkeit und Kontrolle die Schlafqualität beeinträchtigen. 
  • Schliesslich ist es auch möglich, dass die Ähnlichkeit im Schlaf zwischen Eltern und Kindern daher kommt, dass sie verwandt sind und somit möglicherweise Genvarianten teilen, die zu Schlafstörungen veranlagen.

Originalbeitrag

Natalie Urfer-Maurer, Rebekka Weidmann, Serge Brand, Edith Holsboer-Trachsler, Alexander Grob, Peter Weber, Sakari Lemola
The association of mothers' and fathers’ insomnia symptoms with school-aged children’s sleep assessed by parent report and in-home sleep- electroencephalography
Sleep Medicine (2017), doi: 10.1016/j.sleep.2017.07.010

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Hausaufgabenhilfe - ein Teufelskreis?

Medizin am Abend Berlin: Hausaufgabenhilfe: Weniger ist manchmal mehr

Studie untersucht elterliches Engagement bei Hausaufgaben und Leistungsentwicklung bei Sechstklässlern ‒ Die besten Ergebnisse fanden sich bei Eltern, die unterstützten, ohne sich einzumischen 
 
Elterliche Hilfe bei Hausaufgaben führt nicht unbedingt zu besseren Schulleistungen. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Gesundheitsberufe - Bewerbung  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und die Fa milienpflegezeit nach dem Familienpfle- gezeitgesetz (FPfZG)  

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz nach der Auswertung einer Längsschnittstudie, in der knapp 1700 Schweizer Schüler und ihre Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg befragt wurden. Gemessen wurde das elterliche Engagement bei den Hausaufgaben in Klassenstufe 6 sowie die Leistungsentwicklung über ein Schuljahr. So fielen sowohl die Deutschnoten als auch die Leistungsentwicklung im Lesen bei Kindern, deren Eltern häufig bei den Hausaufgaben halfen, schlechter aus als bei Kindern, die ihre Hausaufgaben selbstständig machten. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Educational Research“ veröffentlicht.

Schlechte Zeugnisnoten sind für viele Eltern Anlass, sich verstärkt in die Hausaufgaben ihrer Sprösslinge einzumischen. Ob das Kindern hilft, ist jedoch umstritten, die dazu zahlreich vorliegenden Studien kommen zu widersprüchlichen Aussagen. „Das liegt unter anderem daran, dass die Studien ganz unterschiedliche Aspekte der elterlichen Hausaufgabenhilfe untersucht haben. Einige erheben zum Beispiel nur, wie oft Eltern ihren Kindern helfen und nicht, wie diese Hilfe konkret aussieht. Außerdem begrenzt die Untersuchungsmethodik die Aussagekraft vieler Studien“, so Ulrich Trautwein, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.

Des Weiteren zeigten die Ergebnisse der Studie, dass sich die Qualität der elterlichen Hausaufgabenhilfe von Familie zu Familie deutlich unterscheidet. So erwies es sich als besonders günstig für den Lernfortschritt der Kinder, wenn Eltern sich wenig einmischten, aber dennoch zur Unterstützung des Lernprozesses zur Verfügung standen.

„Es macht einen großen Unterschied, ob Kinder die Unterstützung der Eltern als Hilfe oder als unliebsame Einmischung und Kontrolle empfinden“, erklärt Sandra Moroni von der Pädagogischen Hochschule Bern, die Erstautorin der Studie.

Da Eltern bekanntlich oft verstärkt dann eingreifen, wenn die Leistungen ihrer Kinder nachlassen, frustriert das Kinder oft doppelt. Ihnen wird dadurch signalisiert, dass sie gute Leistungen anscheinend nicht alleine erreichen können.

„Das führt zu einem Teufelskreis“, erklärt Moroni. Ihr Rat: Zunächst genau prüfen, warum die Leistung des eigenen Kindes nachgelassen hat, und – ggf. auch gemeinsam mit den Lehrkräften – nach Möglichkeiten suchen, wie es (wieder) selbst Verantwortung für die Hausaufgabenerledigung übernehmen kann.

Die Autoren der Studie untersuchten auch, wie sich ihre Ergebnisse veränderten, wenn sie – wie das in vielen früheren Studien der Fall war – wichtige weitere Faktoren wie frühere Leistungen und familiären Hintergrund – außer Acht ließen.

Das Ergebnis: Die Effekte der Hausaufgabenhilfe wurden bisher deutlich überschätzt. Das Fazit von Ulrich Trautwein: „Besonders bei einer so wichtigen, häufig diskutierten Thematik wäre es wichtig eine gute Datengrundlage zu haben. Mehr und vor allem bessere Studien sind daher unerlässlich.“

Originalpublikation:
Moroni, S., Dumont, H., Trautwein, U., Niggli, A., & Baeriswyl, F. (2015). The need to distinguish between quantity and quality in research on parental involvement: The example of parental help with homework. The Journal of Educational Research, 108(5), 417-431.

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Prof. Dr. Ulrich Trautwein
Universität Tübingen
Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung
Telefon +49 7071 29-73931
ulrich.trautwein@uni-tuebingen.de
Antje Karbe Eberhard Karls Universität Tübingen

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.hib.uni-tuebingen.de

360°TOP-Thema: Können Sie ohne Wecker aufstehen?

Medizin am Aben Berlin Fazit:   Beginnt die Schule zu früh? Steht Deutschland zu früh auf?

Ob Arbeit oder Schule – in Deutschland geht das Leben zeitig los, nach einer Umfrage des Forsa-Instituts im Durchschnitt frühmorgens um 6.48 Uhr. 

Frühes Aufstehen gilt als Tugend, der Langschläfer als Faulpelz. 

Aber die Mehrzahl der Deutschen ist nicht ausgeschlafen und benötigt einen Wecker, um morgens aufzuwachen. 

Experten sind sich einig: Deutschland steht zu früh auf. 

Die wissenschaftlichen Hinweise häufen sich, dass das auf Dauer krank macht. 
 
  • Ob Frühaufsteher oder Morgenmuffel – der Schlaftyp ist genetisch festgelegt. 

Würden sich alle danach richten, kämen die meisten nicht alltagstauglich um 6 oder 7 Uhr aus dem Bett, sondern eher 2 Stunden später, so Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster und Tagungspräsident der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) vom 3. bis 5. Dezember 2015 in Mainz.

  • Wie Studien belegen, sind Frühaufsteher eher selten. „Nur etwa ein Sechstel der Bevölkerung, die sogenannten Morgenmenschen – Chronotyp „Lerche“ – kommen mit den üblichen Arbeits- und Schulzeiten gut zurecht“, so Dr. Manfred Betz, Institut für Gesundheitsförderung und -forschung (IGFF) Dillenburg. 

Die meisten gehören zum Chronotpy „Eule“, schlafen nach Mitternacht ein und werden erst im Laufe des Vormittags wieder wach. Für sie beginnen Arbeit und Schule zu früh. Sie sind nicht ausgeschlafen und quälen sich durch den Vormittag.

  • Während fast alle Kleinkinder Frühaufsteher sind, ändert sich das im Laufe der Entwicklung.

 „Mit Beginn der Pubertät verschiebt sich der Chronotyp bei Jugendlichen zunehmend in Richtung Spättyp (Eule)“, so Dr. Betz. 

 „Jugendliche sind abends lange wach und würden morgens länger schlafen, wenn man sie denn ließe.“

Frühmorgens seien vor allem ältere Jugendliche noch müde und nicht leistungsbereit, so auch Dr. Weeß: "Bei einem Schlafbedarf von neun bis zehn Stunden kommt während der Schulzeit der Schlaf zu kurz.

  • Die meisten Heranwachsenden sind chronisch müde. 
  • Viele leiden unter einem Dauerschlafmangel mit Konzentrationsschwierigkeiten und fehlender Lernmotivation. 
  • Die Schule beginnt viel zu früh."

Tatsächlich fängt der Schulunterricht in den meisten Ländern deutlich später an, zum Beispiel in England, Schweden und Portugal erst um 9 Uhr, und ist damit an den natürlichen Lebensrhythmus besser angepasst.

  • Untersuchungen belegen, dass die Schulleistungen am späteren Vormittag deutlich besser sind als frühmorgens: 

„Ein 1-2 Stunden späterer Schulbeginn in der Oberstufe könnte sich günstig auf Leistungsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft auswirken“, so Dr. Betz – vorausgesetzt, dass die Schlafenszeit sich nicht noch weiter nach hinten verschiebt. 

  • Dies sei bei der verbreiteten exzessiven Nutzung digitaler Medien in den späten Abendstunden jedoch häufig der Fall.

Wichtige Ansatzpunkte für mehr Leistung und Wohlbefinden seien „flexiblere Arbeitszeiten, die die Bedürfnisse des jeweiligen Chronotyps berücksichtigen, mehr körperliche Aktivität bei Tageslicht sowie der Verzicht auf digitale Medien in den letzten 2 bis 3 Stunden vor dem Schlafen.“

Unter dem aktuellen Schwerpunkt „Die schlaflose Gesellschaft“ treten beim DGSM-Kongress als der größten Tagung dieses Fachgebietes in Europa über 2.000 Mediziner, Wissenschaftler und Experten in eine aktuelle fächerübergreifende Diskussion zu Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Schlaf und Gesundheit. Alle Informationen sowie das gesamte wissenschaftliche Programm unter http://www.dgsm-kongress.de.

 
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Kerstin Aldenhoff
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Wolfgang Müller M.A. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften