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Die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue Syndrom (ME/CFS)

 ME/CFS-Syndrom im Schlaf besser verstehen

Die genauen Ursachen der Myalgischen Enzephalomyelitis/des Chronischen Fatigue Syndroms (ME/CFS) sind noch unzureichend verstanden. 

Das Fraunhofer IDMT in Oldenburg will im BMBF-geförderten Forschungsverbund »Sleep-Neuro-Path« sein mobiles EEG-System für ein Schlafmonitoring in häuslicher Umgebung einsetzen, um die Untersuchung neurophysiologischer Schlafmerkmale von Betroffenen zu unterstützen. In den kommenden drei Jahren wird das Projektkonsortium biologische Mechanismen der Erkrankung erforschen und will dadurch bei der Entwicklung wirksamer Therapien helfen. Am 13. Mai wird das Vorhaben auf dem ME/CFS-Symposium der Öffentlichkeit vorgestellt.


Die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue Syndrom (ME/CFS) ist eine komplexe Erkrankung, deren genauen Mechanismen noch ungeklärt sind. Viele Betroffene leiden unter weitreichenden Beeinträchtigungen im Alltag und sind auf Pflege angewiesen. Bei ihnen treten Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems auf, die zu kognitiven Beeinträchtigungen, Symptomen einer schweren Fatigue (körperliche und geistige Ermüdbarkeit) oder Überempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen führen können. Der vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim koordinierte Forschungsverbund »Sleep-Neuro-Path« will dazu beitragen, die Entstehung und Entwicklung von ME/CFS im Körper zu erforschen.

Schlafmerkmale als »Fenster zur Gehirnfunktion«

Um die Ursachen und Auswirkungen von ME/CFS zu verstehen, müssen noch Wissenslücken geschlossen werden. Unter anderem gilt es zu klären, welche Vorgänge im Körper mit den Krankheitssymptomen verbunden sind. Dazu betrachten die Forschenden eine Vielzahl an Biodaten von Betroffenen. Im Schlaf messen sie die Gehirnaktivität von Probandinnen und Probanden mittels Elektroenzephalographie (EEG), da beispielsweise die Veränderung sogenannter Schlafspindeln neue Hinweise auf zugrundeliegende Krankheitsmechanismen geben kann. Anhand ausgewählter Merkmale des Schlaf-EEGs wollen die Forschenden Funktionsstörungen neuronaler Netzwerke erkennen, die sich bei Patientinnen und Patienten beispielsweise als Fatigue oder kognitive Störungen äußern. Die neuronalen Biomarker sollen wiederum mit multimodalen, bildgebenden und biochemischen Untersuchungen des Blutgefäßsystems in Zusammenhang gebracht werden. »Durch unsere Arbeiten erhoffen wir uns ein besseres Verständnis der biologischen Mechanismen von ME/CFS. Ergänzt durch die Bestimmung genetischer Anfälligkeiten für verschiedene Erkrankungen sollen zudem Prädiktoren für ME/CFS auf individueller Ebene abgeleitet werden, die Ansätze für eine künftige personalisierte Therapie bieten«, erklärt Dr. Claudia Schilling, Leiterin des Schlaflabors und der Forschungsgruppe Neuropsychiatrische Schlafstörungen am ZI in Mannheim.

Mobile Schlafuntersuchungen bei jugendlichen Betroffenen

Das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg erhebt im Forschungsvorhaben Schlafdaten von schwer kranken jugendlichen ME/CFS-Patientinnen und Patienten der Kinderklinik des Marien-Hospitals in Wesel. In ihrer häuslichen Umgebung soll das von Fraunhofer entwickelte Sensorsystem zur mobilen EEG-Aufzeichnung zum Einsatz kommen (https://www.idmt.fraunhofer.de/sleepwell). »Unsere leicht anlegbaren und flexiblen Elektrodengrids werden im Gesichtsbereich platziert und ermöglichen es uns, ein Multi-Kanal-EEG mit möglichst geringer Belastung für die Betroffenen über Nacht abzuleiten«, erklärt Dr. Insa Wolf, Leiterin Mobile Neurotechnologien am Fraunhofer IDMT. In der Analyse fokussiert sich das Institut auf die Detektion der Schlafspindeln und deren Charakterisierung.

Die insgesamt drei Teilprojekte des ZI in Mannheim, der Universitätsklinik Schleswig-Holstein UKSH in Kiel und des Fraunhofer IDMT in Oldenburg werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Öffentliches ME/CFS Symposium 2025 im Livestream

Am 13. Mai 2025 von 14:00 bis 17:30 Uhr findet das »ME/CFS Symposium 2025 – Forschung in Deutschland« im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin statt. Dr. Claudia Schilling wird dort in einem Impulsvortrag den Forschungsverbund »Sleep-Neuro-Path« vorstellen. Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene von ME/CFS sowie die breite Öffentlichkeit und informiert über den aktuellen Stand laufender Forschungsprojekte. In einem Online-Livestream können nach vorheriger, kostenfreier Anmeldung über https://events.mecfs-research.org/de/events/symposium_2025 alle Vorträge in deutscher Sprache verfolgt werden.

Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg

Der im Jahre 2008 unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier und Dr. Jens-E. Appell gegründete Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT steht für marktnahe Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkten auf

- Sprach- und Ereigniserkennung
- Klangqualität und Sprachverständlichkeit sowie
- Mobile Neurotechnologie und Systeme für eine vernetzte Gesundheitsversorgung.

Mit eigener Kompetenz in der Entwicklung von Hard- und Softwaresystemen für Audiosystemtechnologie und Signalverbesserung setzen die Mitarbeitenden am Standort Oldenburg wissenschaftliche Erkenntnisse in kundengerechte, praxisnahe Lösungen um.
Über wissenschaftliche Kooperationen ist der Institutsteil eng mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule und der Hochschule Emden/Leer verbunden. Das Fraunhofer IDMT ist Partner im Exzellenzcluster »Hearing4all« und im Sonderforschungsbereich »Hörakustik«.

Weitere Informationen auf www.idmt.fraunhofer.de/hsa

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Christian Colmer
Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
Institutsteil Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA
Marie-Curie-Str. 2
26129 Oldenburg
Telefon +49 441 80097-312 | christian.colmer@idmt.fraunhofer.de
http://www.idmt.fraunhofer.de/hsa

Chronische Wunden heilen aufgrund einer Heilungsstörung nur sehr langsam oder gar nicht

Wundauflagen bei Wundheilungsstörungen: Aussagekräftige Studien zum Nutzen sind dringend notwendig

Weite Felder der Behandlung von chronischen Wunden sind unerforscht. Evidenzlücken lassen sich aber auch für die Kategorie „sonstige Produkte“ mit aktiver Wirkung schließen.


Chronische Wunden heilen aufgrund einer Heilungsstörung nur sehr langsam oder gar nicht. Ursache dafür können Infektionen sein, Durchblutungsstörungen oder auch chronische Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus. Krankenkassendaten zeigen, dass in Deutschland ca. 800 000 Menschen mit einer chronischen Wunde und deshalb mit erheblichen und langfristigen Einschränkungen leben.
Wundbehandlung ist komplex und es stehen zahlreiche Therapieoptionen zur Verfügung. Aussagekräftige klinische Studien und darauf aufbauende evidenzbasierte Therapieempfehlungen fehlen jedoch größtenteils. Weite Felder der Wundbehandlung sind unerforscht und patientenberichtete Endpunkte und Nebenwirkungen werden in der Studienplanung nicht ausreichend berücksichtigt.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eine wissenschaftliche Ausarbeitung zu klinischen Studien in der Wundbehandlung erstellt. Diese gibt konkrete Empfehlungen zur Planung, Durchführung und Bewertung von Studien zur Behandlung chronischer Wunden und auch zur Bewertung bereits laufender oder abgeschlossener Studien. Damit liefert sie Herstellern grundlegende Anforderungen für den strukturierten Nutzennachweis.
Das IQWiG beschreibt in seinem Rapid Report nicht nur Wundtypen und die patientenrelevanten Endpunkte, sondern bewertet darüber hinaus auch die methodischen Instrumente (z. B. Fragebögen), mit denen diese Endpunkte in klinischen Studien erhoben werden
„Unser Rapid Report gibt klare Empfehlungen, wie sich aussagekräftige Evidenz im Therapiegebiet Wundbehandlung generieren lässt. Hochwertige klinische Studien sind für die gute Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden unverzichtbar – und machbar“, sagt Philip Kranz, Bereichsleiter im IQWiG-Ressort Arzneimittelbewertung.

Bessere Evidenz für eine bessere Patientenversorgung

Deutsche und internationale Leitlinien geben Empfehlungen zur Behandlung von verschiedenen Formen chronischer Wunden sowie zur Behandlung von Erkrankungen, die zu chronischen Wunden führen können. Die Empfehlungen zur Wundtherapie in den Leitlinien sind zumeist als Expertinnen-/Expertenmeinungen (konsensbasiert) formuliert.Denn Daten aus hochwertigen Studien, beispielsweise randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) liegen bei weitem nicht für alle Verfahren und Wundtypen in ausreichendem Maße vor.
Das IQWiG hatte im Januar dieses Jahres einen vorläufigen Rapid Report der wissenschaftlichen Ausarbeitung zu klinischen Studien im Therapiegebiet Wundbehandlung veröffentlicht mit dem Ziel, Argumente aus der Fachöffentlichkeit und von anderen Interessierten miteinzubeziehen. Die Stellungnahmen und die anschließende Erörterung lieferten wertvolle Hinweise aus der Wundbehandlung in der therapeutischen Praxis und ermöglichten einen Austausch über wissenschaftlich-methodische Fragen. Die Erkenntnisse daraus flossen in den finalen Rapid Report ein.. Der Bericht dient künftig als Grundlage für die Beratungen, die der G-BA zum Nutzennachweis eines Produkts mit den Medizinprodukte-Herstellern durchführt.
„Sonstige Produkte zur Wundbehandlung“ (sPzW), die die Wundheilung aktiv fördern, können künftig nur zulasten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) verordnet werden, sobald ihr medizinischer Nutzen durch den G-BA auf Antrag des Medizinprodukte-Herstellers geprüft und in die Anlage V der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen wurde. Vor der Nutzenbewertung berät der G-BA die sPzW-Hersteller, insbesondere zu konkreten Inhalten der vorzulegenden Unterlagen und Studien, einschließlich der patientenrelevanten Endpunkte, die für den jeweiligen Nutzennachweis relevant sind.

Gute Studien mit den richtigen Endpunkten sind möglich – und nötig

Für Patientinnen und Patienten hat der vollständige Wundverschluss, also das vollständige Abheilen einer Wunde den höchsten Stellenwert, ist deshalb das primäre Behandlungsziel und damit ein patientenrelevanter Endpunkt für jede klinische Studie zur Wundbehandlung. Wie relevant die Lebensqualität ist, wurde auch in den Betroffenengesprächen deutlich, die das IQWiG während der Berichterstellung führte, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie die Betroffenen mit chronischen Wunden leben, welche Therapieerfahrungen sie gemacht haben und was sie sich von einer Behandlung wünschen: Schmerzen durch chronische Wunden und deren Folgen, beispielsweise Mobilitätseinschränkungen, Schlafstörungen, erschwerte Körperhygiene oder verminderte Nahrungsaufnahme, beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich.
In Studien zur Behandlung chronischer Wunden werden allerdings viele Endpunkte erhoben, die nicht (eindeutig) patientenrelevant sind, und oft wird der partielle Wundverschluss als Ersatzparameter (Surrogat) für einen vollständigen Wundverschluss erhoben. Wie das IQWiG festgestellt hat, ist dieser Ersatzparameter jedoch nicht validiert. Nichtsdestotrotz kann in manchen Situationen auch der partielle Wundverschluss eine deutliche Verbesserung der Lebenssituation für die Patientinnen und Patienten bedeuten – aber nur, wenn diese Verbesserung spürbar und messbar ist. Allein die Verkleinerung einer Wundfläche begründet noch keinen Nutzen, wohl aber wenn sich z. B. die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Aktivitäten des täglichen Lebens dadurch verbessern. Mit der Kopplung an mindestens ein unmittelbar patientenrelevantes Ereignis kann also auch der partielle Wundverschluss ein patientenrelevanter Endpunkt in klinischen Studien sein.
Die Behandlung chronischer Wunden zielt darauf ab, Symptome zu bessern, Aktivitäten des täglichen Lebens zu erleichtern, soziale Teilhabe zu fördern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu verbessern. Deshalb sollten klinische Studien den Nutzen einer Therapie stets anhand dieser patientenrelevanten Endpunkte nachweisen. Bisher erfassen sie diese jedoch nur selten.

Zum Ablauf der Berichterstellung

Der G-BA hat das IQWiG im Mai 2024 mit der wissenschaftlichen Ausarbeitung zu klinischen Studien im Therapiegebiet Wundbehandlung beauftragt. Die vorläufigen Ergebnisse des Rapid Reports hatte das IQWiG im Januar 2025 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach Abschluss des Stellungnahmeverfahrens hat das Projektteam den vorläufigen Rapid Report überarbeitet und im April 2025 an den Auftraggeber versandt. Die eingegangenen schriftlichen Stellungnahmen und das Protokoll der wissenschaftlichen Erörterung werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem finalen Rapid Report publiziert.

Originalpublikation:
https://www.iqwig.de/projekte/a24-61.html

Gefäßerkrankung pAVK

Unbehandelt gefährlich: 

Gefäßerkrankung pAVK kann lange unerkannt bleiben. Herzstiftung informiert über Symptome, wie man Risiken der pAVK vorbeugt und wie sie behandelt wird

Jedes Jahr bekommen Tausende Menschen in Deutschland einen Beininfarkt. Dahinter verbirgt sich die sogenannte periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch als „Schaufensterkrankheit“ bekannt. Die pAVK ist eine Erkrankung des höheren Lebensalts mit immer enger und steifer werdenden Arterien in Beinen und Füßen, manchmal auch Armen, weil nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe dorthin gelangen. In Deutschland sind Schätzungen zufolge zweieinhalb bis acht Millionen Bürger von der Volkskrankheit pAVK, eine Durchblutungsstörung der Becken- und Beinarterien betroffen. Etwa drei bis zehn Prozent der Bevölkerung sind in Deutschland von einer pAVK betroffen, im höheren Alter ab 70 Jahren schätzungsweise sogar 15-20 Prozent (1). Zu etwa 90 Prozent ist die Ursache der pAVK eine Gefäßverkalkung und -verengung (Arteriosklerose), also krankhafte Ablagerungen und Entzündungsvorgänge in den Gefäßen. Damit ist die pAVK Teil eines größeren umfassenderen Krankheitsgeschehens.

„Wenn sich die Gefäßerkrankung pAVK mit Schmerzen in der Wade oder an den Zehen bemerkbar macht, dann ist anzunehmen, dass auch an anderen Stellen des Körpers das arterielle Gefäßsystem, etwa am Herzen, nicht mehr ganz in Ordnung ist und eine koronare Herzkrankheit (KHK) vorliegt“, warnt die Herz- und Gefäßspezialistin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Bei einer Arteriosklerose sind die Beine in der Regel relativ spät betroffen. Die pAVK und andere Krankheiten beziehungsweise Komplikationen wie KHK, Schlaganfall und Nierenfunktionsstörungen hängen miteinander zusammen, weil die Arteriosklerose die zugrunde liegende Ursache ist. „Wer an Beinschmerzen leidet, sollte daher immer auch das Herz untersuchen lassen“, so die Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin am Marien-Hospital Wesel im aktuellen Herzstiftungs-Sonderdruck „pAVK“, der kostenfrei bei der Herzstiftung angefordert werden kann unter https://herzstiftung.de/bestellung
„Wer eine KHK oder bereits einen Herzinfarkt überstanden hat, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch eine pAVK haben, auch wenn sie womöglich noch nicht spürbar ist.“ Infos zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie der pAVK bietet die Herzstiftung auch unter https://herzstiftung.de/pavk

Vorbeugung: Wie schützt man sich vor Risiken für pAVK?
Wie bei der die KHK und anderen Krankheiten als Folge der Arteriosklerose sind typische Risikofaktoren der pAVK ein ungesunder Lebensstil durch

- Rauchen („Raucherbein“),
- ungesunde Ernährung, verbunden mit Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) und
- Bewegungsarmut
sowie die Risikokrankheiten
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörunten (veränderte Blutfettwerte, hohes LDL-Cholesterin) und
- Zuckerstoffwechselstörungen (Diabetes mellitus).

Hauptziele der Behandlung einer pAVK sind, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen sowie Amputationen und Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden. Mit einer einzelnen Maßnahme lässt sich aber ein seit Jahren laufender und aus vielen Faktoren bestehender Krankheitsprozess wie die Arteriosklerose nicht einfach stoppen. Mit dem Einsatz von Medikamenten und/oder Katheter- oder chirurgischen Verfahren zur Wiederherstellung der Durchblutung einzelner verengter oder verschlossener Gefäße ist vieles möglich. „Hauptziel ist es, Risikofaktoren prophylaktisch zu minimieren und so die Funktion der vorhandenen Gefäße so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, trotz der chronischen Gefäßerkrankung. Dafür sind mehrere Behandlungsmaßnahmen in Kombination nötig – sehr wichtig sind die aktive Mitarbeit und die Therapietreue der Betroffenen“, betont Herzstiftungs-Vorstandsmitglied Prof. Tiefenbacher.

Auch bei pAVK sehr wirksam und wichtig: Bewegungstraining
Zunächst sind die Risikofaktoren zu reduzieren: das Rauchen aufgeben, zu hohes Körpergewicht reduzieren, sich ausgewogen und gesund ernähren und sich mehr bewegen. Ein vorhandener Bluthochdruck wird medikamentös konsequent gesenkt, bei Fettstoffwechselstörungen (hohes LDL-Cholesterin) und Diabetes mellitus sind die entsprechenden medikamentösen Maßnahmen und Änderungen des Lebensstils erforderlich.
„Besonders Bewegung in Form des Gehtrainings ist sehr effektiv. Das Bewegungstraining wertet auch die aktuelle pAVK-S3-Leitlinie auf“, betont Kardiologin Prof. Tiefenbacher. Studien belegen, dass mit einem Gehtraining in den pAVK-Stadien I und II die Strecke, die schmerzfrei und insgesamt maximal zurückgelegt werden kann, zunimmt. „Empfehlenswert ist ein Gehtraining mit mindestens drei Übungseinheiten pro Woche für jeweils 30 bis 60 Minuten über mindestens drei Monate.“ Fortschritte sind schon nach dieser Zeit zu erzielen, wie Studien gezeigt haben. Ein Training in Eigenregie zu Hause – immer in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und bei regelmäßiger Überprüfung der Effekte – ist zwar möglich, „besser ist aber eine strukturierte Übungstherapie unter Anleitung“, so Tiefenbacher. Spezialisierte Gefäßzentren bieten Geh- und Gefäßtrainings an. Regionale Gefäßsportgruppen lassen sich zum Beispiel über die Internetseiten der Deutschen Gefäßliga oder den Deutschen Behindertensportverband (DBS) finden. Geeignet sind auch Herzsportgruppen und Diabetes-Sportgruppen. „Gerade der Sport in der Gruppe, gemeinsam mit ähnlich Betroffenen und Gleichgesinnten, hat eine ungemein motivierende Wirkung, fördert den sozialen Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung“, betont die Chefärztin am Marien-Hospital Wesel. Welche alternative Trainingsformen zum Gehtraining wie beispielsweise Radfahren und Krafttraining der Beine ansonsten zu empfehlen sind, darüber informiert die Herzstiftung unter: https://herzstiftung.de/pavk

Wie macht sich eine pAVK bemerkbar?
Wie andere chronische Krankheiten auch, macht sich die pAVK mit Symptomen erst dann bemerkbar, wenn sie vorangeschritten ist. Deshalb sollten alle Patientengruppen mit einem Risiko für Arteriosklerose über die Symptomatik der pAVK gut informiert sein. Die Beschwerden lassen sich in vier Stadien (Fontaine-Kriterien) einteilen:

- Stadium I: Engstellen in den versorgenden Arterien sind vorhanden, verursachen aber noch keine oder kaum Beschwerden. Dieses Stadium ist nur mit bestimmten Untersuchungsmethoden zu erfassen.
- Stadium II: Typische Zeichen der „Schaufensterkrankheit“ (medizinisch: Claudicatio intermittens) liegen vor mit belastungsabhängigen Schmerzen beim Gehen, die zu regelmäßigen Pausen zwingen (IIa = Gehstrecke ohne Beschwerden über 200 m, IIb = Gehstrecke ohne Beschwerden unter 200 m).
- Stadium III: Ruheschmerz, häufig beginnend im vorderen Fußbereich, insbesondere nachts.
- Stadium IV: Gewebeuntergang durch die Durchblutungsstörung (Ischämie); offene Wunden entstehen, die schlecht heilen.

Schmerzen nicht nur beim Gehen, sondern auch im Liegen möglich
Zwar ist es für Beinschmerzen, die durch Durchblutungsstörungen hervorgerufen werden, typisch, dass sie beim Gehen in den Waden auftreten und beim Stehenbleiben wieder nachlassen. Allerdings kann es auch im Liegen zu Schmerzen in der Zehengegend kommen, die sich beim Aufstehen wieder abschwächen. Auch sollte man sich nicht vollkommen auf diese Schmerzbeschreibung verlassen, denn die Symptome können auch in anderen Beinabschnitten auftreten, zum Beispiel in den Oberschenkeln oder im Gesäß. „Die Lokalisation des Schmerzes ist ein Hinweis für den Ort des Gefäßproblems. Etwa der Wadenschmerz ist am häufigsten und entsteht bei Verengungen und Verschlüssen im Bereich der Oberschenkelarterien. Kommt es zu Gesäß- und Oberschenkelschmerzen bei Belastung, liegt die Durchblutungsstörung in Höhe der Beckenarterien“, erklärt die Herz- und Gefäßspezialistin im Vorstand der Herzstiftung. Neben den genannten Schmerzen in den Beinen gibt es noch weitere Symptome, die auf die Verschlusskrankheit pAVK hindeuten wie eine reduzierte Behaarung oder kältere Haut des betroffenen Beins, dessen Haut auch dünn, schuppig und leicht verletzlich sein kann. Mehr zu Symptomen unter https://herzstiftung.de/pavk

Bein- oder Fußinfarkt: Wie kommt es dazu?
Vergleichbar dem Herzinfarkt, gibt es auch den Bein- oder Fußinfarkt: Reicht die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen im betroffenen Areal nicht mehr aus, stirbt Gewebe in diesen Organen ab. Mangelt es akut an Blut im Bein, droht ein mehr oder weniger großer Beininfarkt. Es entstehen chronische Wunden, diese können sich infizieren und entzünden, Gewebe wird funktionslos und stirbt ab. „Im schlimmsten Fall muss amputiert werden. Bis heute passiert dies leider zehntausendfach pro Jahr“, sagt Prof. Tiefenbacher. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 57.000 Amputationen an Beinen oder Füßen vorgenommen, davon lassen sich über 85 Prozent auf eine pAVK oder/und einen Diabetes mellitus zurückführen (2). „Deshalb sensibilisieren wir Patienten mit einem Risiko für eine pAVK aufgrund bestehender Herz- und Gefäßleiden wie KHK, Bluthochdruck oder Diabetes, bei Beschwerden hellhörig zu werden und umgehend ihren behandelnden Hausarzt darüber zu informieren“, so Prof. Tiefenbacher.

Notfall: plötzlicher Arterienverschluss
Mitunter kann ein Gefäß plötzlich durch Blutgerinnsel oder abgelöste Plaques verschlossen werden, besonders wenn die Arterie bereits verengt ist. Ein akuter, ausgedehnter Verschluss einer Arterie im Bein oder im Arm ist immer ein Notfall – ein Notarzt sollte gerufen werden (Notruf 112). Typische Zeichen für ein solches Ereignis sind:
- starke, peitschenhiebartige Schmerzen im Bein oder im Arm
- die Haut ist blass oder bläulich verfärbt
- Taubheitsgefühl, Hitzereize werden nicht mehr wahrgenommen
- Bewegungsunfähigkeit oder -einschränkung der Gliedmaße
- Puls ist an dem Körperteil nicht tastbar

Achtung: Auf keinen Fall versuchen, die Gliedmaße zu wärmen oder zu kühlen! Die Gliedmaße wird weich gelagert oder gepolstert, bis der Notarzt eingetroffen ist. Der Verschluss sollte möglichst innerhalb weniger Stunden medikamentös, per Katheter oder per Operation entfernt und das Gefäß wiedereröffnet werden

(wi)

Service für Patientinnen und Patienten

Sonderdruck zur pAVK
Der Sonderdruck „Die periphere arterielle Verschlusskrankheit – pAVK“ der Herzstiftung kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung angefordert werden.

Podcast
Über die pAVK informiert Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher im Herzstiftungs-Podcast „Was haben Beinschmerzen mit Herzinfarktgefahr zu tun?“ unter: https://herzstiftung.de/podcast-pavk

Weitere Infos zur pAVK unter: https://herzstiftung.de/pavk

Literatur:
(1) S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-003; Kunstmann I et al. Ambulante Früherkennung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit der Becken- und Beinarterien – Gefäß-Check der Beine. Ärzteblatt Thüringen 2025
(2) Kröger k et al. Dtsch Arztebl Int 20217; 114:130-6

Entzündungen der Lunge

Abbau abgestorbener Neutrophiler programmiert Immunzellen in der Lunge um – Studie der Gießener Infektions- und Lungenforschung in „Science Immunology“ erschienen

Entzündungen der Lunge aufzulösen ist entscheidend, um den Gasaustausch aufrechtzuerhalten. Wenn der Körper eine Lungenentzündung bekämpft, bewegt er sich jedoch auf einem schmalen Grat: Denn während die Entzündung aufgelöst wird, steigt gleichzeitig das Risiko sekundärer bakterieller Infektionen. So kann es nach einer viralen Infektion (z.B. einer Grippe) zu schweren Verläufen durch bakterielle Infektionen kommen. Eine Studie von Gießener Infektions- und Lungenforscherinnen und -forschern rund um Dr. Ulrich Matt und Prof. Dr. Susanne Herold am Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary Institute (CPI) beschreibt nun einen bislang unbekannten Mechanismus, durch den wichtige Immunzellen der Lunge, sogenannte alveoläre Makrophagen, ihre Funktion bei der Immunantwort anpassen: Durch die Aufnahme abgestorbener weißer Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten), die zum angeborenen Immunsystem gehören und der Erstabwehr von Bakterien dienen, verändern sie ihren Stoffwechsel und nehmen eine entzündungsauflösende Rolle ein. Diese Umprogrammierung hilft, Entzündungen in der Lunge effizient zu beenden, geht jedoch auf Kosten der Fähigkeit, bakterielle Infektionen wirksam zu bekämpfen.

Alveoläre Makrophagen spielen eine zentrale Rolle für das Gleichgewicht des Immunsystems in der Lunge – sie unterstützen sowohl die Abwehr von Krankheitserregern als auch die Wiederherstellung von Gewebe nach Entzündungen. Wie sie zwischen diesen Funktionen wechseln, war bisher unklar. „Unsere Studie zeigt, dass die Aufnahme neutrophiler Zellen die Aktivität der Makrophagen verändert und sie in einen entzündungsauflösenden Zustand versetzt“, sagt Dr. Ulrich Matt, Letztautor der Studie. „Diese Entdeckung liefert entscheidende Erkenntnisse über das Gleichgewicht zwischen Entzündungslösung und Infektionskontrolle – ein zentrales Thema bei Lungenentzündung jeder Art.“ Die Forscherinnen und Forscher setzen sich nun zum Ziel, diese Erkenntnisse zur Weiterentwicklung von Therapien gegen schwere Lungenentzündungen zu nutzen.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Science Immunology“ veröffentlicht worden.

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PD Dr. Ulrich Matt, Ph.D.
Forschungsgruppenleiter an der Professur für Innere Medizin, Infektiologie und experimentelle Pneumologie und Oberarzt in der Medizinischen Klinik V am UKGM
Telefon: 0641 985-57068
E-Mail: ulrich.matt@innere.med.uni-giessen.de

Originalpublikation:
Julian Better et al.: Cell type-specific efferocytosis determines functional plasticity of alveolar macrophages. Sci. Immunol.10, eadl3852 (2025). DOI: 10.1126/sciimmunol.adl3852
https://doi.org/10.1126/sciimmunol.adl3852
Weitere Informationen finden Sie unter
https://cpi-online.de/

Qualität im Fokus: Ansätze und Standards bei haushaltsnahen Dienstleistungen"

 Sehr geehrter Herr Vetter

das Kompetenzzentrum PQHD lädt Sie herzlich zum Expert*innengespräch "Qualität im Fokus: Ansätze und Standards bei haushaltsnahen Dienstleistungen" ein, das vom Deutschen Hauswirtschaftsrat e. V. (DHWiR) organisiert wird.

Wie kann Qualität bei haushaltsnahen Dienstleistungen sichergestellt werden? Welche Neuerungen bringt der Schritt von der DIN-SPEC zur DIN-Norm? Welche Aspekte sollten Anbieter*innen und Nutzer*innen haushaltsnaher Dienstleistungen beachten?


 


Diesen und weiteren Fragen geht das Expert*innengespräch am 27. Mai 2025 um 14 Uhr nach (Dauer ca. eine Stunde).


 


Am digitalen Podium nehmen Judith Regler-Keitel (Kompetenzzentrum Hauswirtschaft Bayern), Dr. Inge Maier-Ruppert (Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft) und Dr. Mareike Bröcheler (ehem. Innovations- und Kompetenzzentrum Hauswirtschaft Baden-Württemberg) teil.


 


Es wird um Anmeldung per Mail an post@hauswirtschaftsrat.de oder auf der Webseite des DHWiR unter https://www.hauswirtschaftsrat.de/service gebeten. Im Anschluss erhalten Sie eine Bestätigung und kurz vor der Veranstaltung die Einwahldaten.


 


Viele Grüße aus dem Kompetenzzentrum PQHD


 


Katja Grötzner


M. Sc. Public Health Nutrition


Promovendin


Wissenschaftliche Mitarbeiterin


FB Oecotrophologie Kompetenzzentrum PQHD


Hochschule Fulda


University of Applied Sciences


Leipziger Str. 123


36037 Fulda


katja.groetzner@oe.hs-fulda.de


Tel. +49 661 9640-3950

Abgabe von Cannabis auf Konsum und Psyche der Teilnehmenden

Im Rahmen der Studie «Weed Care» untersuchen Forschende, wie sich die legale Abgabe von Cannabis auf Konsum und Psyche der Teilnehmenden auswirkt. 

Über den direkten Vergleich von legalem versus illegalem Bezug der Substanz berichtet das Studienteam nun in einer ersten wissenschaftlichen Publikation.

In der Schweiz und in verschiedenen anderen Ländern laufen seit Jahren Debatten über eine Legalisierung des Cannabiskonsums. Sie sind geprägt von verschiedenen Hoffnungen und Bedenken. Auf der einen Seite stehen die Ziele, den Schwarzmarkt einzudämmen, den Konsumierenden den Zugang zu sichereren Produkten zu erleichtern, sie durch begleitende Beratungsangebote besser zu informieren und risikoärmeren Konsum zu fördern. Auf der anderen Seite stehen Befürchtungen, der legale Verkauf könnte den Konsum normalisieren, gegebenenfalls sogar beflügeln und zu mehr Fällen von Abhängigkeit und psychischen Folgeschäden führen.

Die im Januar 2023 angelaufene Studie «Weed Care» soll die Debatte auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen. Sie wird gemeinsam von der Abteilung Sucht des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, der Universität Basel, den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und den Psychiatrischen Diensten Aargau durchgeführt.

Erste wissenschaftlich designte Studie

Während der ersten sechs Monate erlaubte das Studiendesign einen direkten Vergleich zweier randomisierter Gruppen: Eine Hälfte der rund 370 Teilnehmenden konnte im Rahmen der Studie legal Cannabis in einer der neun teilnehmenden Apotheken kaufen und erhielt dazu ein Beratungsangebot. Die andere Hälfte nutzte als Kontrollgruppe weiter den Schwarzmarkt als Quelle. In regelmässigen Abständen berichteten die Teilnehmenden via Fragebogen über ihren Konsum und ihre psychische Verfassung.

«Eine solche kontrollierte, randomisierte Studie gab es zuvor noch nicht», betont die stellvertretende Studienleiterin Dr. Lavinia Baltes-Flückiger von den Psychiatrischen Diensten Aargau, Erstautorin der nun veröffentlichten Studie. Vorherige Resultate beruhten auf reinen Beobachtungsstudien.

Problematischer Konsum nahm ab

Wie das Team im Fachjournal «Addiction» berichtet, nahm der problematische Konsum in der Gruppe mit legalem Zugang zu Cannabis leicht ab. Als problematisch gilt der Konsum, wenn er gesundheitliche, soziale oder psychische Schwierigkeiten verursacht oder verstärkt – ohne dass eine Abhängigkeit im klassischen Sinne vorliegen muss.
Besonders Personen, die neben Cannabis auch noch andere Drogen konsumierten, zeigten einen deutlicheren positiven Effekt durch den legalen Bezug. «Bei dieser Untergruppe sank der problematische Cannabiskonsum besonders stark», sagt Baltes-Flückiger.

Ausserdem konnte die Studie die Befürchtung zerstreuen, dass die legale Abgabe neben dem Konsum auch psychische Probleme des Cannabiskonsums verstärken könnte: 

Nach den ersten sechs Monaten war kein Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen in Bezug auf Depressionen, Angstzustände oder andere Symptome festzustellen.
Nach dieser Zeitspanne bekam auch die Kontrollgruppe, die Cannabis bis dahin auf dem Schwarzmarkt bezogen hatte, legal Zugang zu der Substanz via einer der beteiligten Apotheken. Dies sei ihnen bereits zu Beginn der Studie zugesichert worden als Motivation für die Teilnahme, wie Lavinia Baltes festhält.

Die Zwischenbilanz nach mittlerweile zwei Studienjahren zeigt eine deutliche Verbesserung der psychischen Verfassung bei den mittlerweile noch rund 300 Teilnehmenden. «Der legale Zugang bedeutet eine Entlastung für die Konsumierenden», erklärt Studienleiter Prof. Dr. Marc Walter von der Universität Basel und den Psychiatrischen Diensten Aargau.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Dr. Lavinia Baltes-Flückiger, Psychiatrische Dienste Aargau, E-Mail: Lavinia.Baltes@pdag.ch

Prof. Dr. Marc Walter, Universität Basel und Psychiatrische Dienste Aargau, E-Mail: Marc.Walter@pdag.ch

Originalpublikation:
Lavinia Baltes-Flückiger, Regine Steinauer, Maximilian Meyer, Adrian Guessoum, Oliver Herrmann, Christoph Felix Mosandl, Jens Kronschnabel, Eva-Maria Pichler, Marc Vogel, Marc Walter
Effects of legal access versus illegal market cannabis on use and mental health: A randomized controlled trial
Addiction (2025), doi: 10.1111/add.70080

Metallbelastung durch Gelenkimplantate

Studie zu Metallbelastung durch Gelenkimplantate

Metalle aus künstlichen Gelenkimplantaten können nicht nur ins Blut, sondern auch ins Nervenwasser gelangen. 

Das zeigt eine aktuelle Studie von Forschenden der Universitätsmedizin Greifswald und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die nun im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde.


Vor allem das Metall Cobalt wurde im Nervenwasser nachgewiesen. 


Ob das Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem haben kann, wird Gegenstand künftiger Untersuchungen sein.

Die Idee zu dieser Studie entstand auf Grundlage einzelner Fallberichte, deren Veröffentlichungen bereits mehr als zehn Jahre zurückliegen. 


Darin wurden verschiedene Krankheitsbilder wie zum Beispiel beeinträchtigtes Seh- und Hörvermögen oder Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Schilddrüse und des Zentralen Nervensystems mit erhöhten Cobaltwerten im Blut(serum) der betroffenen Patienten in Verbindung gebracht. 

„Was diese Patientinnen und Patienten gemeinsam hatten, war, dass sie vor Auftreten dieser Beschwerden mit Hüftendoprothesen mit sogenannten Metall-Metall-Gleitpaarungen versorgt worden waren“, erzählt Anastasia Rakow, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie. 


„Dies führte und führt immer wieder zu großer Verunsicherung von Patienten mit Endoprothesen, selbst wenn sie mit anderen Implantaten, also ohne Metall-Metall-Gleitpaarungen, versorgt wurden.


 Zur zentralen Frage unserer Studie wurde es daher, zu untersuchen, ob Metalle aus Endoprothesen überhaupt in der Hirnflüssigkeit nachweisbar sind“, so die Projektleiterin.

Insgesamt 204 Patienten, die zwischen April 2018 und November 2019 in der Charité in Behandlung waren, wurden in die Studie eingeschlossen. Seit 2020 setzt ein Teil der Arbeitsgruppe die themenbezogene Forschung an der Universitätsmedizin Greifswald fort. Das Team aus Orthopäden, Neurologen, Anästhesisten, Labormedizinern und Grundlagenforschern analysierte die Proben von 102 Patienten mit verschiedenen Gelenkimplantaten und verglich diese mit den Proben von 102 Patienten ohne Prothesen. 


Neben Cobalt und Chrom wurden auch Titan, Niob, Zirkonium und weitere Metalle untersucht. 


„Dabei schauten wir uns nicht nur das Blut und das Serum, sondern auch den sogenannten Liquor, also das Nervenwasser, an“, erklärt Rakow, die an der Unimedizin Greifswald auch für Implantatsicherheit in der Endoprothetik zuständig ist. 


Das Forschungsteam hat speziell untersucht, ob die Metalle aus den Implantaten stammen, indem es die Metallwerte mit dem Typ des Implantats in Beziehung gesetzt hat.

MaAB - Das Ergebnis: 

In der Gruppe der Patienten mit Gelenkimplantaten fanden sich höhere Konzentrationen verschiedener Metalle im Blut.

 Zudem wurde eine Konzentrationserhöhung von Cobalt im Nervenwasser nachgewiesen. 

Dass Cobalt aus Endoprothesen damit die zellulären Schutzbarrieren des Zentralnervensystems wie die sogenannte Blut-Hirn-Schranke passieren kann, sei zwar eine wichtige Erkenntnis, „doch wir wissen aktuell noch viel zu wenig über weitere Faktoren, die diese Prozesse möglicherweise beeinflussen“, wie Rakow betont. 


Eine Kausalität könne mit dieser Studie nicht nachgewiesen werden. Vielmehr bedürfe es Folgestudien, die untersuchen, ob es biologische Effekte gibt, die klinisch abbildbar sind. Hier seien auch gemeinsame Untersuchungen mit der Neurologie und der Versorgungsepidemiologie denkbar.

Für eine bessere Patientenversorgung sei es wichtig, dass Hausärzte und Neurologen um diese Thematik wissen: „Wenn sich ein Patient bei ihnen vorstellt, der eine oder mehrere Endoprothesen hat, und dann neu auftretende neurologische Auffälligkeiten zeigt, die nicht anders erklärbar zu sein scheinen, sollten die Kollegen daran denken, dass es Metallexpositionen aus Prothesen gibt." 


MaAB - Fazit: 

Es lohne sich, in solchen Fällen Untersuchungen durchzuführen, die über das bislang vielerorts Übliche hinausgehen....!

Die Ergebnisse der Studie wurden nun in einem der renommierten Journale der American Medical Association (AMA) veröffentlicht: in JAMA Network Open. „Die Untersuchung gibt wichtige Impulse für die weitere Forschung“, meint Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin Greifswald, „insbesondere im Hinblick auf mögliche Langzeitwirkungen dieser Metallbelastung auf das Nervensystem." Zwar stehe ein direkter Nachweis von gesundheitlichen Schäden noch aus, „doch die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Nachsorgeuntersuchungen von Patientinnen und Patienten mit Metallimplantaten." Die Arbeit liefere auch wertvolle Erkenntnisse zu potenziellen Risiken moderner Implantatmaterialien. „Solche Studien sind entscheidend, um die Patientensicherheit weiter zu erhöhen“, so Endlich.

Originalpublikation: 

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2832017

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OÄ Anastasia Rakow
E-Mail: 

anastasia.rakow@med.uni-greifswald.de

Originalpublikation:
JAMA Network open
March 28, 2025
Metal Concentrations in Blood and Cerebrospinal Fluid of Patients With Arthroplasty Implants
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2832017

Schmerzempfinden

Was wir erwarten, beeinflusst, wie wir Schmerz empfinden – und zwar stärker, als viele denken. 

Eine aktuelle Studie der Universität Duisburg-Essen (UDE), kürzlich veröffentlicht im Journal eLife, zeigt: Negative Erwartungen verstärken Schmerzen deutlicher und wirken nachhaltiger, als positive Erwartungen Schmerzen lindern. Dieses Ergebnis hat große Bedeutung für die Kommunikation zwischen Behandelnden und Patient:innen.

Das Forschungsteam um Prof. Ulrike Bingel an der Medizinischen Fakultät der UDE untersuchte 104 gesunde Freiwillige, die kurzfristigen Hitzeschmerzen ausgesetzt wurden. Dabei wurden die Erwartungen und Behandlungserfahrungen der Teilnehmenden an eine scheinbare Nervenstimulation (sog. Sham Stimulation) gezielt beeinflusst und dann untersucht, wie stark sich diese auf nachfolgende Testphasen am selben Tag und nach einer Woche auswirkt. In den Testphasen erhielten die Teilnehmenden gleich starke Schmerzreize, aber verbunden mit unterschiedlichen Erwartungen – positiven, negativen, oder neutralen. Die Schmerzreize wurden auf einer Skala von 0-100 bewertet.

Das spannende Ergebnis: 

Eine negative Erwartung hatte einen stärkeren und anhaltenderen Einfluss auf das Schmerzempfinden als eine positive Erwartung. Im Durchschnitt bewerteten die Teilnehmenden Schmerzen während einer negativen Erwartung um rund 11 Punkte höher als in der Kontrollbedingung. Positive Erwartung hingegen reduzierte die Schmerzbewertung nur um gut 4 Punkte. Der Effekt der negativen Erwartung war also doppelt so groß wie der von positiver Erwartung – bei sonst experimentell identischen Bedingungen.

In der zweiten Sitzung eine Woche später erhielten wieder alle Personen den gleichen Schmerzreiz. Der Effekt blieb ähnlich: Der Nocebo-Effekt führte dazu, dass der Schmerz um rund 9 Punkte höher bewertet wurde als in der Kontrollgruppe. Der Placebo-Effekt führte dazu, dass der Schmerz um 4,6 Punkte geringer empfunden wurde.

„Menschen neigen offenbar dazu, eher mit dem Schlimmsten zu rechnen – und das spiegelt sich in der Schmerzverarbeitung wider“, erläutert Prof. Dr. Ulrike Bingel, Leiterin des interdisziplinären Zentrums für Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen. „Für die klinische Praxis ist das von großer Bedeutung: Denn im Alltag konzentrieren wir uns oft darauf, positive Erwartungen zu fördern. Unsere Studie zeigt jedoch, dass es mindestens genauso wichtig ist, unbeabsichtigte negative Erwartungen zu vermeiden.“ Angehörige von Gesundheitsberufen sollten sich laut Bingel bewusst sein, dass die Art und Weise, wie sie über Behandlungen informieren, die Reaktion der Patient:innen darauf stark beeinflussen kann – im positiven wie im negativen Sinne.

Die Autor:innen betonen, dass die Studie an gesunden Personen mit experimentell erzeugtem Schmerz durchgeführt wurde. Weitere Forschungsarbeiten sind nötig, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf klinische Kontexte zu prüfen. Gefördert wurde die Arbeit durch den Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

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Prof. Ulrike Bingel ulrike.bingel@uk-essen.de

Originalpublikation:
Nocebo effects are stronger and more persistent than placebo effects in healthy individuals https://elifesciences.org/reviewed-preprints/105753
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.treatment-expectation.de

Reanimationsversorgung in Deutschland

Nach Jahren des Stillstands kommt wieder Bewegung in die Reanimationsversorgung in Deutschland – und zwar in die richtige Richtung: Sowohl die Quote der Wiederbelebungen durch Ersthelfende als auch die der telefonischen Anleitung zur Reanimation (Telefon-CPR) sind im Jahr 2024 gestiegen. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters hervor, die beim heutigen Jahrestreffen in Düsseldorf vorgestellt wurden.

Für die Auswertung wurden Daten von 198 Notarzt- und Rettungsdiensten aus dem gesamten Bundesgebiet herangezogen, die Teilnehmende am Deutschen Reanimationsregister sind. Gemeinsam decken sie eine Versorgungsregion mit rund 42 Millionen Menschen ab. Aus dieser Gesamtgruppe wurde zusätzlich eine sogenannte Referenzgruppe gebildet – 44 Standorte mit besonders vollständiger und qualitativ hochwertiger Dokumentation. Die Auswertungsergebnisse werden sowohl für die Gesamtmenge als auch auf Basis der Referenzgruppe dargestellt. Diese doppelte Datengrundlage erlaubt zuverlässige Hochrechnungen und valide Rückschlüsse auf die Reanimationsversorgung in Deutschland.

Endlich wieder ein Aufwärtstrend

In der Referenzgruppe ist der Anstieg bei der Ersthelfenden-Reanimationsquote besonders deutlich: Sie erhöhte sich von 50,7 Prozent im Jahr 2023 auf 55,4 Prozent im Jahr 2024. Im Gesamtdatensatz liegt die Quote mit 52,0 Prozent rund zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. „Diese Entwicklung ist ermutigend und zeigt, dass die langjährigen Anstrengungen in der Bevölkerung Wirkung zeigen“, erklärt Prof. Dr. Matthias Fischer, Mitglied im Organisationskomitee des Deutschen Reanimationsregisters. „Nach einem längeren Plateau sehen wir endlich wieder einen Aufwärtstrend – das sollte uns ermutigen, den eingeschlagenen Weg entschlossen weiterzugehen.“

Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Reanimationsregisters betont: „Die aktuelle Entwicklung ist ein wichtiger Schritt, aber wir sind noch weit entfernt von skandinavischen Vorbildern, die Ersthelfenden-Reanimationsquoten von über 70 Prozent erreichen. Was wir brauchen, sind gesetzlich verankerte Reanimationsschulungen an Schulen und passgenaue Trainingsangebote für Erwachsene – niedrigschwellig, regelmäßig und lebensnah. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Jede und jeder kann ein Leben retten.“

Noch ausgeprägter ist der Zuwachs bei der Telefonreanimation. In der Referenzgruppe stieg die Quote von 33,0 im Jahr 2023 auf 40,4 Prozent im Jahr 2024. Bei der Gesamtmenge lag die Quote bei 37,3 Prozent (Vorjahr: 33,9 Prozent). „Auch das ist ein starkes Signal“, betont Prof. Fischer. „Die telefonische Anleitung durch die Leitstellen hilft Ersthelfenden, die Hemmschwelle zu überwinden und trägt wesentlich dazu bei, die Überlebenschancen zu verbessern. Diese Form der Unterstützung muss flächendeckend verfügbar und konsequent umgesetzt werden.“

Mit insgesamt über 560.000 Datensätzen – darunter knapp 80.000 neue Fälle aus dem Jahr 2024 – ist das Deutsche Reanimationsregister die größte notfallmedizinische Datenbank im deutschsprachigen Raum. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI), Trägerin des Registers, engagiert sich seit vielen Jahren mit Kampagnen wie der „Woche der Wiederbelebung“, den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen und weiteren Initiativen für eine verbesserte Reanimationsversorgung. Entscheidend sei es, die Bevölkerung flächendeckend und regelmäßig in Reanimationsmaßnahmen zu schulen – altersübergreifend und praxisnah.

Originalpublikation:
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.reanimationsregister.de

Klinikum Frankfurt/Oder

Warnstreik bei der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH am 7. Mai 2025 von Frühschichtbeginn bis Spätdienstende

Die Gewerkschaft ver.di hat für Mittwoch, den 7. Mai 2025 vom frühesten Frühschichtbeginn bis zum Spätschichtende die Beschäftigten der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH zu einem Warnstreik aufgerufen. Um 11 Uhr findet eine öffentliche Streikkundgebungen vor dem Parkhaus am Klinikum Frankfurt (Oder) statt. Schon ab 6 Uhr halten sich die streikenden Beschäftigten auf dem Platz vor dem Parkhaus auf.

ver.di hatte die Klinikleitung schon am 29. April 2025 über den Warnstreik informiert und eine Notdienstvereinbarung angeboten. Mit den angebotenen Notdiensten wird sichergestellt, dass Notfälle, die zur Gefährdung von Gesundheit oder Leben von Patient*innen führen könnten, sachgerecht behandelt werden. Elektive (geplante) Eingriffe oder Diagnostik und Therapien, die ohne Patientengefährdung aufgeschoben oder von anderen Krankenhäusern in der Region erbracht werden können, stellen keine lebensnotwendigen Dienstleistungen dar und sind keine Notfälle. Diese elektive (geplante) Eingriffe oder Diagnostiken und Therapien werden am Warnstreiktag nicht erbracht, da hierfür keine Notdienste zur Verfügung stehen.

Seit dem 5. Februar 2025 führt die Gewerkschaft ver.di für die rund 1.250 nichtärztlichen Beschäftigten und 160 Auszubildenden der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH Tarifverhandlungen. ver.di verfolgt in den Verhandlungen das Ziel, eine Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zu erreichen. ver.di fordert u. a. 10 Prozent mehr Entgelt, eine höhere Jahressonderzahlung, eine höhere Wechselschichtzulage, die Erhöhung der monatlichen Ausbildungsvergütung um 200 EUR und zusätzliche freie Tage.

Beim ersten Verhandlungstermin am 5. Februar 2025 wurde von der Arbeitgeberseite kein Tarifangebot vorgelegt. Beim zweiten Verhandlungstermin am 9. April 2025 wurde zwar ein Tarifangebot unterbreitet, jedoch war dies von der ver.di-Tarifforderung weit entfernt und nicht verhandelbar. Die Tarifverhandlungen werden am 20. Mai 2025 in Frankfurt (Oder) fortgesetzt.

Eine Pflegefachkräfte mit 20jähriger Betriebszugehörigkeit in Wechselschichtarbeit auf einer „Normalstation“ erhält im Klinikum Frankfurt (Oder) monatlich 279 EUR bzw. 6,6 Prozent weniger Entgelt als nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Im TVöD steigt ab 1. Juli 2025 die Wechselschichtzulage von 155 EUR auf 250 EUR. Dann steigt die monatliche Differenz zum TVöD auf 374 EUR bzw. 8,9 Prozent. Gleichzeitig lehnt das Klinikum Frankfurt (Oder) eine Erhöhung der monatlichen Wechselschichtzulage ab und will weiterhin monatlich nur 75 EUR als Zulage für Wechselschichtarbeit zahlen.

„Bei der Jahressonderzahlung ist der Abstand zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) riesengroß“, so Ralf Franke, der ver.di-Verhandlungsführer. Während nach dem TVöD fast alle Beschäftigten rund 85 Prozent des monatlichen Entgeltes als Jahressonderzahlung erhalten, beträgt die Jahressonderzahlung im Klinikum Frankfurt (Oder) nur 50 Prozent vom monatlichen Tabellenentgelt minus 300. Das Jahresentgelt (12 Monatsgehälter plus Jahressonderzahlung) bei einer Pflegefachkraft mit 20jähriger Betriebszugehörigkeit in Wechselschichtarbeit auf Normalstation wäre nach dem TVÖD rund 6.650 EUR bzw. 12,8 Prozent höher als nach den jetzt gekündigten Tarifverträgen beim Klinikum Frankfurt (Oder).

Die Krankenhausleistungen werden durch die Fallpauschalen bundesweit von den Krankenkassen einheitlich vergütet. „Die Krankenassen zahlen für die Leistungen im Klinikum Frankfurt (Oder) jeweils die gleiche Vergütung wie in Berlin, München und Hamburg. Die anfallenden Personalkosten für die Pflegebeschäftigten auf den bettenführenden Stationen müssen die Krankenkasse seit dem Jahr 2020 mit dem sogenannten Pflegebudget zu 100 Prozent tragen. Daher müssen auch die Beschäftigten am Klinikum Frankfurt (Oder) die gleichen Tarifentgelte wie in Berlin, München oder Hamburg erhalten.“, so Ralf Franke, der ver.di-Verhandlungsführer.

Die Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 858 Planbetten davon 775 vollstationär. Das Klinikum war bis zum 31. Dezember 2001 in städtischer Trägerschaft und wurde mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt (Oder) zum 1. Januar 2002 an den privaten Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum AG verkauft. Im Jahr 2024 konnte die Rhön-Klinikum AG den Konzerngewinn um 5,0 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro erhöhen (2023: 40,2 Millionen Euro). Die Rhön-Klinikum AG gehört inzwischen zu 93,38 Prozent zum privaten Krankenhauskonzern Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA.


Für Rückfragen:
Ralf Franke
Ver.di-Verhandlungsführer
Tel.: 0171 / 8673550,
E-Mail: ralf.franke@verdi.de

Maurice Ferdinand
Gewerkschaftssekretär
Tel.: 0160 / 4062341
E-Mail: maurice.ferdinand@verdi.de