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Klinikum Frankfurt/Oder

Warnstreik bei der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH am 7. Mai 2025 von Frühschichtbeginn bis Spätdienstende

Die Gewerkschaft ver.di hat für Mittwoch, den 7. Mai 2025 vom frühesten Frühschichtbeginn bis zum Spätschichtende die Beschäftigten der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH zu einem Warnstreik aufgerufen. Um 11 Uhr findet eine öffentliche Streikkundgebungen vor dem Parkhaus am Klinikum Frankfurt (Oder) statt. Schon ab 6 Uhr halten sich die streikenden Beschäftigten auf dem Platz vor dem Parkhaus auf.

ver.di hatte die Klinikleitung schon am 29. April 2025 über den Warnstreik informiert und eine Notdienstvereinbarung angeboten. Mit den angebotenen Notdiensten wird sichergestellt, dass Notfälle, die zur Gefährdung von Gesundheit oder Leben von Patient*innen führen könnten, sachgerecht behandelt werden. Elektive (geplante) Eingriffe oder Diagnostik und Therapien, die ohne Patientengefährdung aufgeschoben oder von anderen Krankenhäusern in der Region erbracht werden können, stellen keine lebensnotwendigen Dienstleistungen dar und sind keine Notfälle. Diese elektive (geplante) Eingriffe oder Diagnostiken und Therapien werden am Warnstreiktag nicht erbracht, da hierfür keine Notdienste zur Verfügung stehen.

Seit dem 5. Februar 2025 führt die Gewerkschaft ver.di für die rund 1.250 nichtärztlichen Beschäftigten und 160 Auszubildenden der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH Tarifverhandlungen. ver.di verfolgt in den Verhandlungen das Ziel, eine Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zu erreichen. ver.di fordert u. a. 10 Prozent mehr Entgelt, eine höhere Jahressonderzahlung, eine höhere Wechselschichtzulage, die Erhöhung der monatlichen Ausbildungsvergütung um 200 EUR und zusätzliche freie Tage.

Beim ersten Verhandlungstermin am 5. Februar 2025 wurde von der Arbeitgeberseite kein Tarifangebot vorgelegt. Beim zweiten Verhandlungstermin am 9. April 2025 wurde zwar ein Tarifangebot unterbreitet, jedoch war dies von der ver.di-Tarifforderung weit entfernt und nicht verhandelbar. Die Tarifverhandlungen werden am 20. Mai 2025 in Frankfurt (Oder) fortgesetzt.

Eine Pflegefachkräfte mit 20jähriger Betriebszugehörigkeit in Wechselschichtarbeit auf einer „Normalstation“ erhält im Klinikum Frankfurt (Oder) monatlich 279 EUR bzw. 6,6 Prozent weniger Entgelt als nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Im TVöD steigt ab 1. Juli 2025 die Wechselschichtzulage von 155 EUR auf 250 EUR. Dann steigt die monatliche Differenz zum TVöD auf 374 EUR bzw. 8,9 Prozent. Gleichzeitig lehnt das Klinikum Frankfurt (Oder) eine Erhöhung der monatlichen Wechselschichtzulage ab und will weiterhin monatlich nur 75 EUR als Zulage für Wechselschichtarbeit zahlen.

„Bei der Jahressonderzahlung ist der Abstand zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) riesengroß“, so Ralf Franke, der ver.di-Verhandlungsführer. Während nach dem TVöD fast alle Beschäftigten rund 85 Prozent des monatlichen Entgeltes als Jahressonderzahlung erhalten, beträgt die Jahressonderzahlung im Klinikum Frankfurt (Oder) nur 50 Prozent vom monatlichen Tabellenentgelt minus 300. Das Jahresentgelt (12 Monatsgehälter plus Jahressonderzahlung) bei einer Pflegefachkraft mit 20jähriger Betriebszugehörigkeit in Wechselschichtarbeit auf Normalstation wäre nach dem TVÖD rund 6.650 EUR bzw. 12,8 Prozent höher als nach den jetzt gekündigten Tarifverträgen beim Klinikum Frankfurt (Oder).

Die Krankenhausleistungen werden durch die Fallpauschalen bundesweit von den Krankenkassen einheitlich vergütet. „Die Krankenassen zahlen für die Leistungen im Klinikum Frankfurt (Oder) jeweils die gleiche Vergütung wie in Berlin, München und Hamburg. Die anfallenden Personalkosten für die Pflegebeschäftigten auf den bettenführenden Stationen müssen die Krankenkasse seit dem Jahr 2020 mit dem sogenannten Pflegebudget zu 100 Prozent tragen. Daher müssen auch die Beschäftigten am Klinikum Frankfurt (Oder) die gleichen Tarifentgelte wie in Berlin, München oder Hamburg erhalten.“, so Ralf Franke, der ver.di-Verhandlungsführer.

Die Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 858 Planbetten davon 775 vollstationär. Das Klinikum war bis zum 31. Dezember 2001 in städtischer Trägerschaft und wurde mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt (Oder) zum 1. Januar 2002 an den privaten Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum AG verkauft. Im Jahr 2024 konnte die Rhön-Klinikum AG den Konzerngewinn um 5,0 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro erhöhen (2023: 40,2 Millionen Euro). Die Rhön-Klinikum AG gehört inzwischen zu 93,38 Prozent zum privaten Krankenhauskonzern Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA.


Für Rückfragen:
Ralf Franke
Ver.di-Verhandlungsführer
Tel.: 0171 / 8673550,
E-Mail: ralf.franke@verdi.de

Maurice Ferdinand
Gewerkschaftssekretär
Tel.: 0160 / 4062341
E-Mail: maurice.ferdinand@verdi.de

Inanspruchnahme und Entwicklung der Versorgung mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) 2024

Der jüngste Bericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über die Inanspruchnahme und Entwicklung der Versorgung mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) 2024 liegt als Unterrichtung (21/110) der Bundesregierung vor. Zum vierten Mal berichtet der Verband über die Versorgung mit DiGAs, die seit September 2020 flächendeckend als Leistung der GKV zur Verfügung stehen.

Nach vier Jahren falle die Bilanz ernüchternd aus. Das Verfahren zur Implementierung der DiGA in den GKV-Leistungskatalog habe sich aus Sicht der Beitragszahler nicht bewährt, heißt es im Vorwort des Berichts.

Zwar bestehe durch DiGAs ein großes Potenzial für eine verbesserte gesundheitliche Versorgung, jedoch könne im Rahmen des Bewertungsverfahrens der Nutzen der meisten DiGAs zunächst nicht belegt werden. Die Erprobungs- und Preismechanismen führten in vielen Fällen zu unnötigen Mehrkosten. Dies könne in Zeiten einer historisch defizitären Finanzsituation der GKV kein gangbarer Weg sein.

Von den 68 DiGAs, die bis Ende 2024 in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen wurden, hätten lediglich zwölf ihren Nutzen von Beginn an nachweisen können, heißt es in dem Bericht weiter.

Zudem stünden Preise und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis. Die meisten Hersteller stellten einen Antrag auf vorläufige Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis für eine zunächst einjährige Erprobung. Im ersten Jahr der Aufnahme in das Verzeichnis könnten die Hersteller den Preis selbst bestimmen. Der höchste Herstellerpreis habe bislang bei 2.077 Euro gelegen, der durchschnittliche Herstellerpreis bei 541 Euro. Der durchschnittliche Herstellerpreis für 2024 lag demnach bei 585 Euro.

Bei Aussichten auf eine erfolgreiche DiGA-Nutzenbewertung bestehe die Möglichkeit, die Erprobung auf ein zweites Jahr zu verlängern. Bei einem erfolgreichem Verfahren gelte der verhandelte Preis rückwirkend ab dem zweiten Jahr. Dies führe bei Insolvenzen der Hersteller zu offenen Forderungen der GKV, die sich bislang auf annähernd 20 Millionen Euro summiert hätten.

Die derzeit gültigen Regelungen bereiteten den Herstellern das Geschenk eines hohen Preises zulasten der Solidargemeinschaft, obwohl der Nutzen gering, wenn überhaupt gegeben sei. Der Verband forderte den Gesetzgeber auf, diesen Missstand zu beseitigen.

Bis 31. Dezember 2024 wurden dem Bericht zufolge insgesamt mehr als eine Million DiGAs ärztlich verordnet oder von den Krankenkassen genehmigt, die Leistungsausgaben der GKV für DiGA lagen bei 234 Millionen Euro. Am häufigsten werden DiGAs zur Behandlung von psychischen Erkrankungen in Anspruch genommen (30 Prozent), bei Stoffwechselkrankheiten (28 Prozent) und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (16 Prozent).

Links- oder Gemischthändigkeit

Dass Links- oder Gemischthändigkeit bei Patientinnen und Patienten mit bestimmten neurologischen Erkrankungen wie Autismus-Spektrum-Störungen auffällig häufig vorkommt, ist eine oft berichtete Beobachtung aus der Praxis. 

Die Verbindung von Händigkeit und diesen Erkrankungen liegt wahrscheinlich darin begründet, dass beide durch Prozesse in der frühen Hirnentwicklung beeinflusst werden. 

Verschiedene Studien untersuchten diesen Zusammenhang für einzelne Erkrankungen und konnten ihn mal belegen, mal nicht.

Eine Meta-Analyse, die ein internationales Forschungsteam aus Bochum, Hamburg, Nimwegen und Athen durchgeführt hat, zeigt, dass eine abweichende Händigkeit besonders bei Menschen häufiger vorkommt, die an einer Erkrankung leiden, die sich früh im Leben manifestiert und mit sprachlichen Symptomen einhergeht. 


Dazu gehören etwa Dyslexie, Schizophrenie oder Autismus. Sie berichten in der Zeitschrift Psychological Bulletin vom 2. Mai 2025.

Ausgehend von den Symptomen betrachtet

Das Studienteam wertete vorhandene Metaanalysen nochmals unter einem neuen Blickwinkel aus. „Wir hatten die Vermutung, dass eine abweichende Händigkeit mit Erkrankungen in Verbindung stehen könnte, deren Symptome mit Sprache zu tun haben“, erklärt Dr. Julian Packheiser vom Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. 

„Sprache ist wie die Händigkeit im Gehirn sehr einseitig beheimatet, weswegen es naheliegt, dass die Entwicklung von beidem und ihre Störungen zusammenhängen könnten.“ Außerdem hegten die Forschenden den Verdacht, dass Links- oder Gemischthändigkeit besonders häufig in Verbindung mit Erkrankungen auftreten könnte, die sehr früh im Leben auftreten. Denn auch die Händigkeit ist sehr früh in der Entwicklung festgelegt.

„Beide Vermutungen haben sich bestätigt“, berichtet Prof. Dr. Sebastian Ocklenburg von der Medical School Hamburg. 


Links- oder Gemischthändigkeit tritt bei Personen mit Dyslexie, einer Störung der Lesefähigkeit, zum Beispiel statistisch signifikant häufiger auf als bei gesunden Personen. 

Auch bei Autismus, der in schweren Fällen mit Kommunikationsstörungen einhergeht, und bei Schizophrenie, bei der Betroffene mitunter Stimmen hören, gibt es sowohl sprachliche Symptome als auch gehäuft Links- und Gemischthänder*innen.

Verbindung zwischen Händigkeit und neuronalen Entwicklungsstörungen

Die Häufung der abweichenden Händigkeit ließ sich zudem wie vermutet bei Erkrankungen desto häufiger nachweisen, je früher sich die Symptome manifestieren. „Bei Menschen mit Depressionen, die durchschnittlich erst um die 30 Jahre auftreten, konnten wir keinen Zusammenhang nachweisen“, berichtet Julian Packheiser.

Die Forschenden sehen darin einen Beleg dafür, dass die Händigkeit und verschiedene neuronale Entwicklungsstörungen durch teilweise überlappende Prozesse in der frühen Hirnentwicklung beeinflusst werden.

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Dr. Julian Packheiser
Abteilung Soziale Neurowissenschaft
Institut für Kognitive Neurowissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 20434
E-Mail: julian.packheiser@ruhr-uni-bochum.de

Webseite der Abteilung: https://www.medpsych.ruhr-uni-bochum.de/medpsych/packheiser.html.de

Originalpublikation:
Julian Packheiser, Jette Borawski, Gesa Berretz, Sarah Alina Merklein, Marietta Papadatou-Pastou, Sebastian Ocklenburg: Handedness in Mental and Neurodevelopmental Disorders: A Systematic Review and Second-Order Meta-Analysis, in: Psychological Bulletin, 2025, DOI: 10.1037/bul0000471, https://doi.org/10.1037/bul0000471

Die peripartale Herzschwäche (PPCM)

MHH-Forschende veröffentlichen zwei neue Studien zur Behandlung mit Bromocriptin und zur Möglichkeit einer Folgeschwangerschaft bei Frauen mit PPCM

Die peripartale Herzschwäche (PPCM) ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, die zuvor herzgesunde Frauen wenige Wochen vor oder nach der Geburt eines Kindes treffen kann. 


Dabei kommt es aus ungeklärten Gründen zu einer stark eingeschränkten Pumpleistung der linken Herzkammer. 

Die Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist das europaweit führende PPCM-Zentrum und betreut in einer Spezialambulanz Patientinnen in einem multiprofessionellen Team aus den Bereichen Kardiologie, Geburtsmedizin und Neonatologie. 

Die Erkrankung wird in der Klinik nicht nur behandelt, sondern ist auch einer ihrer Forschungsschwerpunkte mit einem sehr großen PPCM-Register mit Daten und Biomaterialien von mehr als 200 Patientinnen. 

MHH-Präsidentin Professorin Denise Hilfiker-Kleiner hat das Forschungsfeld vor mehr als 20 Jahren an der MHH etabliert und zusammen mit Klinikdirektor Professor Dr. Johann Bauersachs und ihren Teams grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse über PPCM veröffentlicht.

So fand Professorin Hilfiker-Kleiner mit ihrer Arbeitsgruppe bereits im Jahr 2007 heraus, dass bei den betroffenen Frauen das Stillhormon Prolaktin in ein gefäßschädigendes Spaltprodukt zerlegt wird, welches die Herzgefäße schädigt und dadurch eine Herzschwäche bewirkt. 


Diverse Pilotstudien und Fallberichte deuteten darauf hin, dass die Blockade von Prolaktin mit dem Abstillmedikament Bromocriptin die Heilung von PPCM begünstigt. 


Zehn Jahre später konnte über eine wissenschaftliche Studie gezeigt werden, dass die Gabe von Bromocriptin über sieben Tage zusätzlich zur Herzinsuffizienztherapie ausreichend ist. 


Neben neuen Therapiemöglichkeiten beschäftigen sich die Forschenden mit der Frage, wie hoch das Risiko für ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Herzinsuffizienz bei Müttern ist, die nach einer PPCM erneut schwanger werden.

Zu beiden Themen haben Professorin Hilfiker-Kleiner und Professor Bauersachs nun neue Untersuchungen im Fachmagazin „European Heart Journal“ veröffentlicht. 


Die eine Studie belegt die gute Wirksamkeit der Behandlung mit Bromocriptin als Ergänzung der üblichen Therapie der Herzschwäche, ohne dass sich dadurch das Risiko für eine Thrombose erhöht. 

Die zweite zeigt, dass selbst für Frauen mit leichter fortbestehender Herzschwäche eine Folgeschwangerschaft bei engmaschiger kardiologischer Betreuung möglich ist.

Bromocriptin verbessert Herzgesundheit

PPCM betrifft eine unter 1.500 bis 2.000 Schwangeren. 

Die lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens ereilt Betroffene ohne Vorwarnung und kann binnen kurzer Zeit zu schwerem Herzversagen und sogar zum Tode führen. 


Die Symptome ähneln Beschwerden, die gegen Ende einer Schwangerschaft und kurz nach einer Entbindung häufiger vorkommen: 


Abgeschlagenheit, Atemnot, Husten, Gewichtszunahme, besonders durch Wassereinlagerungen in Lunge und Beinen, sowie Herzrasen. 


PPCM wird daher oft nicht erkannt und tritt vermutlich häufiger auf als angenommen. 


Mit Hilfe eines Herz-Ultraschalls und bestimmter Markerproteine im Blut lässt sich die Herzschwäche jedoch eindeutig nachweisen. 


Rechtzeitig behandelt, erholt sich das Herz oft vollständig, es kann jedoch auch eine Herzschwäche zurückbleiben.

„Bromocriptin ist zusätzlich zur Therapie mit üblicherweise bei Herzschwäche eingesetzten Medikamenten eine vielversprechende Behandlungsoption bei PPCM“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. 


„In einem großen weltweiten PPCM Register mit 552 PPCM-Patientinnen haben wir die Wirksamkeit bestätigt und gezeigt, dass Bromocriptin die Herzgesundheit der Mütter eindeutig verbessert.“ 


Fallberichte über ein höheres Risiko für Gefäßverstopfungen unter einer Behandlung mit dem Abstillmedikament bestätigten sich hingegen nicht. 


„Diese Daten bekräftigen nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Sicherheit unseres Therapieansatzes“, erklärt die PPCM-Expertin.

Risiko für Folgeschwangerschaft niedriger als erwartet

In der zweiten Studie ging es um die Frage, ob Frauen mit PPCM von einer erneuten Schwangerschaft generell abzuraten ist. Teilnehmende waren Patientinnen des globalen PPCM-Registers der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. „Wir haben in früheren Untersuchungen gezeigt, dass Patientinnen, die mit einer noch stark reduzierten Herzfunktion wieder schwanger werden, ein höheres Risiko für eine Verschlechterung der Pumpfunktion des Herzens bei einer Folgeschwangerschaft haben“, sagt Professor Bauersachs. „In der aktuellen Studie haben wir jedoch festgestellt, dass das Risiko der Mütter, schwer zu erkranken oder gar zu versterben, niedriger war als erwartet.“ Selbst bei Frauen, die nach der Geburt weiterhin an einer leichten Herzschwäche litten, verschlechterte sich der Zustand des Herzens nicht nach erneuter Schwangerschaft.

„Die Daten unserer neuesten Studie deuten darauf hin, dass nicht nur bei erholter, sondern auch bei leicht eingeschränkter Herzfunktion eine Folgeschwangerschaft bei PPCM-Patientinnen mit einem vertretbaren Risiko möglich zu sein scheint“, sagt Professor Bauersachs. Diese Lockerung könne allerdings nur in Betracht gezogen werden, wenn die Patientin weiterhin von einem erfahrenen, interdisziplinären medizinischen Team betreut werde und eine angemessene medikamentöse Behandlung erhalte. „In unserer Spezialambulanz ist das der Fall, dort betreuen wir solche Frauen seit Jahren erfolgreich“, betont Professor Bauersachs.

SERVICE:

Die Originalarbeit zur Bromocriptin-Wirksamkeit “Bromocriptine treatment and outcomes in peripartum cardiomyopathy: the EORP PPCM registry” finden Sie unter: 


https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehae559...

Die Originalarbeit zu den Risiken einer Folgeschwangerschaft nach PPCM „Subsequent pregnancies in women with peripartum cardiomyopathy: prospective longitudinal data from the global ESC EORP PPCM Registry” finden Sie unter: https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaf006...


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Professorin Denise Hilfiker-Kleiner, 

hilfiker-kleiner@mh-hannover.die


Professor Dr. Johann Bauersachs, 

bauersachs.johann@mh-hannover.de.

Versorgungszentren für Kinder und Jugendliche mit Long Covid und verwandten Erkrankungen

Das Bundesgesundheitsministerium fördert künftig vier Projekte zu langfristigen Folgen von Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen mit insgesamt knapp 45 Millionen Euro. Darunter ist auch das mit 41 Millionen Euro geförderte Konsortium PEDNET-LC, das am Klinikum der Technischen Universität München (TUM Universitätsklinikum) koordiniert wird.

Im Rahmen des Projekts werden bundesweit 20 spezialisierte Versorgungszentren für Kinder und Jugendliche mit Long Covid und verwandten Erkrankungen aufgebaut und neue Forschungsinfrastrukturen zu diesem Thema geschaffen

Ziel des Projekts ist es, in allen Bundesländern spezialisierte Einrichtungen aufzubauen – einzig Brandenburg und Berlin teilen sich ein Zentrum. 


In dem Netzwerk soll Wissen zu Häufigkeit, Diagnostik, Behandlung und Prognose der Erkrankung generiert, gebündelt und in die klinische Versorgung überführt werden. 


Der PEDNET-LC-Verbund wird unter anderem Versorgungsrichtlinien entwickeln, Infrastrukturen für Kommunikation und Forschung aufbauen sowie klinische und Evaluationsstudien durchführen.

Die Zentren von PEDNET-LC, kurz für „Pädiatrisches Netzwerk zur Versorgung und Erforschung von postakuten Folgen von Covid-19, ähnlichen postakuten Infektions- und Impfsyndromen sowie ME/CFS“, sind interdisziplinär und multiprofessionell konzipiert. 


Sie sind an renommierten Kliniken angesiedelt und werden jeweils von den Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie geleitet. 

Die Zentren kooperieren mit Vertreterinnen und Vertretern von Betroffenen und ihren Eltern, mit Sozialpädiatrischen Zentren, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, sozial- und palliativmedizinischen Teams, Krankenkassen, Berufsverbänden, Fachgesellschaften, Politik und öffentlichen Institutionen wie Schulen.

Koordination am TUM Universitätsklinikum

PEDNET-LC wird vom MRI Chronische Fatigue Centrum für Junge Menschen (MCFC) des TUM Universitätsklinikums in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Lenkungsausschuss koordiniert. „Mit unserem Netzwerk möchten wir eine einheitliche, bedarfsgerechte Versorgung von jungen Menschen mit Long Covid, ME/CFS und ähnlichen Erkrankungen aufbauen. Die Betroffenen sollen möglichst frühzeitig identifiziert, auch schwer Betroffene angemessen versorgt und Bildungsangebote trotz Krankheit zugänglich werden“, sagt Prof. Uta Behrends, Leiterin des MCFC. Das Projekt wird bis Dezember 2028 gefördert.

Weitere Informationen:

• An PEDNET-LC beteiligt sind klinische und wissenschaftliche Partner in Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bremen, Bruchweiler, Datteln, Dresden, Essen, Freiburg, Garmisch-Partenkirchen, Greifswald, Hamburg, Hannover, Homburg, Jena, Kassel, Köln, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Marburg, München, Neuburg, Passau, Regensburg, Rostock, Wangen, Worms und Würzburg.

• Neben PEDNET-LC werden künftig auch die Projekte „NKG4Family“, „pedMYC-VAC“ und „COVYOUTHdata“ durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gefördert. Der neu vom BMG gestartete Förderschwerpunkt mit „Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid und Erkrankungen, die eine ähnliche
Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen“ ergänzt den bereits gestarteten Förderschwerpunkt „Erforschung und Stärkung einer bedarfsgerechten Versorgung rund um die Langzeitfolgen von Covid-19 (Long Covid)“. Letzterer umfasst 30 wettbewerblich ausgewählte Projekte zur versorgungsnahen Forschung mit einem Gesamtvolumen von 73 Millionen Euro, dessen Projektleitende am 10. Februar 2025 erstmalig zusammenkamen.

• Prof. Uta Behrends ist Mitglied der TUM School of Medicine and Health. Das MCFC ist in der Kinderpoliklinik der TUM angesiedelt. Standort ist die Kinderklinik Schwabing, eine Kooperation von TUM, TUM Universitätsklinikum und Klinikum München. 

https://www.mri.tum.de/chronische-fatigue-centrum-fuer-junge-menschen-mcfc

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Prof Dr. Uta Behrends
Technische Universität München
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
uta.behrends@tum.de
https://www.mri.tum.de/chronische-fatigue-centrum-fuer-junge-menschen-mcfc

Kontakt im TUM 

Paul Hellmich

Tel. +49 89 289 22731

www.tum.de


Prof Dr. Uta Behrends
Technische Universität München
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
uta.behrends@tum.de
https://www.mri.tum.de/chronische-fatigue-centrum-fuer-junge-menschen-mcfc

Eine Stuhlprobe und die Niere

Studie untersucht das Darmmikrobiom von Empfänger:innen einer transplantierten Niere aus der DZIF-Transplantationskohorte und stellt einen Zusammenhang zwischen mikrobiellen Veränderungen des Darmmikrobioms und der Abstoßung des Transplantats und der Transplantatdysfunktion her. Die Ergebnisse bieten einen möglichen Ansatzpunkt dafür, das Risiko einer Abstoßung frühzeitig zu erkennen.

Nieren sind das meisttransplantierte Organ in Deutschland. 2023 wurden laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation insgesamt 1.514 Nieren nach postmortaler Organspende transplantiert, bei insgesamt 2.986 transplantierten Organen. Für Patient:innen mit fortgeschrittenem Nierenversagen ist eine Nierentransplantation weiterhin die beste Behandlungsoption. Entsprechend groß ist der Bedarf: 2023 standen 6.513 Patient:innen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Ein schwerwiegendes Risiko für bereits transplantierte Patient:innen besteht in einer Abstoßung des Transplantats. Darunter versteht man eine Abwehrreaktion des Körpers gegen das fremde Gewebe, was im Ernstfall zu einem kompletten Verlust der Organfunktion führen kann. Warum Transplantate manchmal abgestoßen werden und manchmal nicht, hängt weitgehend von Immunmechanismen ab, deren Ursachen komplex und oftmals unzureichend verstanden sind. Um zu dieser Frage einen Beitrag zu leisten, haben Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Max Delbrück Center für Molekulare Medizin, sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die Veränderungen in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms von Nierentransplantierten analysiert, die in die DZIF-Transplantationskohorte aufgenommen wurden. Dabei entdeckten sie eine veränderte Signatur im Darmmikrobiom, die Abstoßungsreaktionen des Transplantats vorausgingen. Diese Studie, veröffentlicht im American Journal of Transplantation, bietet einen möglichen Ansatzpunkt dafür, das Risiko einer Abstoßung frühzeitig zu erkennen.

Unser Darm beherbergt unzählige Mikroorganismen, die eine wichtige Rolle dabei spielen, wie unser Immunsystem funktioniert. Das ist das sogenannte Mikrobiom. Ein Großteil davon, nämlich über 90 %, sind Bakterien. Diese Bakterien und die Substanzen, die sie herstellen, kommunizieren mit unserem Körper – insbesondere mit den Zellen, die uns vor Krankheiten schützen. Sie helfen also dabei, unser Immunsystem zu steuern und zu stärken, was sowohl für gesunde als auch für kranke Menschen wichtig ist. Bei Patient:innen mit chronischer Nierenerkrankung ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms stark verändert, was zu einer niedrigeren Konzentration an entzündungshemmenden kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) und erhöhten Konzentrationen an entzündungsfördernden Metaboliten aus dem Mikrobiom führt.

Die Forschenden um die Erstautoren Johannes Holle und Rosa Reitmeir aus der Arbeitsgruppe von Nicola Wilck vom Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Institution der Charité und des Max Delbrück Center in Berlin, haben in ihrer Studie die Veränderungen in der Zusammensetzung und der Funktion des Darmmikrobioms von Patient:innen nach Nierentransplantation analysiert und Veränderungen im Darmmikrobiom festgestellt, die bereits vor der Abstoßungsreaktion des Transplantats nachweisbar waren. Alle in dieser Studie analysierten Patient:innen waren Teil der prospektiven Kohortenstudie des DZIF, die an fünf deutschen Transplantationszentren in Universitätskliniken in Heidelberg, Hannover, Tübingen und in München an der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität durchgeführt wurde. Diese Zentren decken zusammen über 20 % der Organtransplantationen in Deutschland ab und liefern ein repräsentatives Bild des Verlaufs nach der Nierentransplantation.

Die Analyse der insgesamt 562 Stuhlproben, gruppiert nach gesunden Nierenspender:innen, Patient:innen vor der Nierentransplantation, 0-3 Monate nach der Nierentransplantation, 3-12 Monate, 12-24 Monate und über 24 Monate nach Nierentransplantation, zeigt eine dynamische Regeneration des Mikrobioms im Laufe der Zeit nach der Nierentransplantation, wobei sich das Mikrobiom wieder dem natürlichen und gesunden Zustand annähert.

„Da wir diese dynamische Veränderung beobachtet haben, wollten wir verstehen, ob und wie Transplantatabstoßungen diesen Prozess beeinflussen“, erklärt Johannes Holle. „Und auch umgekehrt, wie sich Mikrobiomveränderungen auf die Immunität und Abstoßung von Transplantaten auswirken können“, ergänzt Rosa Reitmeir. Die Forschenden stellten fest, dass Patient:innen, bei denen es zu einer Transplantatabstoßung gekommen ist, bereits vor der klinisch auffälligen und bioptisch nachgewiesen Abstoßungsreaktion eine veränderte Zusammensetzung des Darmmikrobioms aufwiesen.

So war auffällig, dass bei Patient:innen, die eine Abstoßungsreaktion zeigten, Bakterien wieder zunahmen, die typischerweise bei Patient:innen mit fortgeschrittenem Nierenversagen vorkommen, wie Fusobacterium und krankheitsassoziierten Gattungen wie Streptococcus. Bei der anderen untersuchten Gruppe, der „Nicht-Abstoßungs-Gruppe“, war das nicht der Fall. Insgesamt zeigten die Analysen, dass sich das Produktionspotenzial kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl vor der Abstoßung der Niere reduziert. Darauf weist die verminderte Häufigkeit von bakteriellen Enzymen, aus denen kurzkettige Fettsäuren hervorgehen, vor der Abstoßung hin.

Die zuvor festgestellte dynamische Regeneration des Mikrobioms nach einer Nierentransplantation ist im Falle einer Transplantatabstoßung womöglich erheblich gestört: Vor der Abstoßung treten tiefgreifende Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms auf, die durch eine verminderte Diversität und eine geringe Anzahl von SCFA-produzierenden Bakterienpopulationen gekennzeichnet sind. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle dabei spielt, wie das Immunsystem nach einer Nierentransplantation reagiert. Diese Beobachtung kann dabei helfen, die Gefahr einer Transplantatabstoßung frühzeitig zu erkennen oder vielleicht therapeutisch zu beeinflussen“, fassen Johannes Holle und Rosa Reitmeir zusammen.

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Dr. Daniela Schindler
DZIF-Transplantationskohorte
daniela.schindler@tum.de
https://www.dzif.de/de/arbeitsgruppe/transplantationskohorte

Originalpublikation:
Holle J, Reitmeir R, Behrens F, Singh D, Schindler D, Potapenko O, McParland V, Anandakumar H, Kanzelmeyer N, Sommerer C, Hartleif S, Andrassy J, Heemann U, Neuenhahn M, Forslund-Startceva SK, Gerhard M, Oh J, Wilck N, Löber U, Bartolomaeus H. Gut microbiome alterations precede graft rejection in kidney transplantation patients. Am J Transplant. 2025 Feb 18:S1600-6135(25)00093-0. doi: 10.1016/j.ajt.2025.02.010. Epub ahead of print. PMID: 39978595. https://doi.org/10.1016/j.ajt.2025.02.010

Chemotherapie

Wenn die erste Therapielinie beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) versagt und die Erkrankung erneut auftritt, ist bei Spätrezidiven (mehr als 12 Monate nach Erstlinientherapie) eine Hochdosis-Chemotherapie mit einer autologen Stammzelltransplantation das Mittel der Wahl. 

Demgegenüber können Patientinnen und Patienten mit einem Frührezidiv (weniger als 12 Monate nach Erstlinientherapie) eher von einer CAR-T-Zell-Therapie profitieren.

Direkt zum Podcast: https://lymphome.de/podcast


In dem aktuell vom Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. veröffentlichen Podcast diskutieren Peter Borchmann und Björn Chapuy über den Stellenwert der Hochdosis-Chemotherapie. Zentrale Fragen sind, ob und welche Alternativen es zur Hochdosistherapie gibt bzw. mit welchen Substanzen sich die Erstlinientherapie so verbessern lässt, damit Patient:innen mit einem grundsätzlich Chemotherapie-sensitiven DLBCL möglichst gleich mit der ersten Therapielinie eine tiefe Remission erreichen und spätere Rezidive möglichst erst gar nicht auftreten.

Björn Chapuy ist Professor für Translationale Lymphomforschung, Oberarzt und Leiter des Schwerpunkts Lymphome an der Berliner Charité am Campus Benjamin Franklin sowie Sprecher der AG DLBCL in der German Lymphoma Alliance (GLA). Seine international sehr sichtbare Forschung hat maßgeblich dazu beigetragen die genomische Landschaft des DLBCL zu entschlüsseln. Des weiteren leitet Björn Chapuy mit der R-Pola-Glo-Studie die bestrekrutierende Studie beim DLBCL in Deutschland. Peter Borchmann ist seit 2006 Oberarzt der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und leitet dort den klinischen Schwerpunkt „maligne Lymphome“. Für das Kompetenznetz Maligne Lymphome spricht Peter Borchmann in loser Folge mit Expertinnen und Experten über verschiedene Fragestellungen der Lymphom- und Leukämieforschung.

Die Podcast-Reihe wird aus Spenden an das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. finanziert.

Podcasts unter: https://lymphome.de/podcast

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Silke Hellmich
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.
Tel.: 0221 - 478 96005
Fax: 0221 - 478 96001
E-Mail: silke.hellmich@lymphome.de

Prof. Dr. med. Peter Borchmann, Uniklinik Köln
Prof. Dr. med. Björn Chapuy, Charité Universitätsmedizin

NeuroDance Programm" auf die Motorik von Parkinson-Patienten

Betroffene als Probanden für Pilotphase gesucht

In einem europaweiten Forschungsprojekt entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein evidenzbasiertes Interventionsprogramm unter Verwendung von Musik und von Mitteln und Methoden des Tanzes und der Gymnastik. 

Sie wollen untersuchen, welche Effekte das "NeuroDance Programm" auf die Motorik von Parkinson-Patienten und Patientinnen hat, ob sich motorische Fähigkeiten verbessern und ob sich dadurch die Lebensqualität der Betroffenen erhöht.

Gemeinsam mit Forschungsteams aus Tschechien, Slowenien und Griechenland wollen die Magdeburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, wie ein individuell angepasstes körperliches und musikorientiertes Training auf typische Symptome wie Bewegungssteifigkeit, Gangunsicherheit oder das sogenannte „Freezing“ – das plötzliche Erstarren beim Gehen – wirkt. „Tanzen erfordert die zeitliche und räumliche Koordination von Arm-, Rumpf- und Beinbewegungen zu musikalischen Impulsen und trainiert Gehirn und Körper", erklärt die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Anita Hökelmann vom Lehrstuhl Sport und Technik der Uni Magdeburg. „Gerade bei Parkinson kann die Kombination aus rhythmisch akzentuierter Musik und gezielter Bewegung helfen, verloren gegangene Bewegungsmuster und Abläufe zurückzugewinnen. Das kann das Vertrauen in die eigene Bewegungsfähigkeit stärken – Freude an der Bewegung wecken und schafft die Motivation, in einer Gruppe regelmäßig zu trainieren.“

Die Studie ist Teil des EU-geförderten Forschungsverbundes für "Innovative Intervention für Parkinson Betroffene". Ziel des Projektes ist es, die Wirksamkeit von musikbasierten Bewegungsinterventionen als ergänzende Therapieform langfristig zu belegen und weiterzuentwickeln.

Für die erste Phase der Projektphase sucht das Forschungsteam aus Magdeburg Betroffene, die Freude an Musik und Bewegung haben. Tanzerfahrung ist nicht notwendig. Zusätzlich zum Training werden psychologische sowie sport- und bewegungswissenschaftliche Tests durchgeführt. Sie messen die Entwicklung motorischer und kognitiver Fähigkeiten sowie die Lebensqualität der Teilnehmenden.

Das Training beginnt, nach einem Eignungstest, Mitte Mai und findet zweimal wöchentlich statt – jeweils mittwochs und freitags von 9:00 bis 10:00 Uhr oder 10:00 bis 11:00 Uhr in der Sporthalle 2 der Universität (Zschokkestraße 32, Gebäude 40). Ein wissenschaftliches Team begleitet die Teilnehmenden individuell. Auch wer zu diesen Zeiten verhindert ist, kann an den Eingangstests teilnehmen und sich für das Anschlussprogramm im Februar 2026 vormerken lassen. Die Teilnahme an Tests und Training ist kostenfrei.

Eine Anmeldung ist per E-Mail kathrin.rehfeld@ovgu.de oder telefonisch unter 67 56 980 möglich.

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Prof. Anita Hökelmann
Bereich für Sportwissenschaft
0391 67-54727
anita.hoekelmann@ovgu.de

Auch „High Protein“-Produkte verleiten zum Überessen

Kieler Studie zeigt: Auch „High Protein“-Produkte verleiten zum Überessen

Müsliriegel für den Muskelaufbau, Fitnesspizza oder Proteinpudding: Immer mehr Lebensmittel im Supermarkt werben mit dem Zusatz „High Protein“ und vermitteln den Eindruck, gesünder zu sein oder beim Abnehmen zu helfen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat nun untersucht, ob proteinangereicherte Fertigprodukte einen Unterschied machen und kommt zu einem klaren Ergebnis: Auch diese Produkte führen zu Überessen, wenngleich in etwas abgeschwächter Form. „Hochverarbeitete Lebensmittel haben Eigenschaften, die auch bei Anreicherung mit zusätzlichem Eiweiß weiterhin eine zu hohe Energieaufnahme fördern – und damit das Risiko für Übergewicht steigern“, betont Professorin Anja Bosy-Westphal vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde.

Für die Studie wurden 21 junge Erwachsene in sogenannten Stoffwechselräumen untersucht. Dort konnten die Forschenden die aufgenommene und verbrauchte Energie präzise messen. Die Teilnehmenden erhielten nacheinander zwei Diäten mit hochverarbeiteten Lebensmitteln: einmal in normaler, einmal in proteinreicher Variante. Essen konnten sie so viel sie wollten. Bei der proteinreichen Variante lag die tägliche Kalorienaufnahme zwar rund 200 Kilokalorien niedriger und der Energieverbrauch war rund 130 Kilokalorien höher. „Dennoch blieb ein deutlicher Überschuss – es wurden rund 18 Prozent mehr Kalorien gegessen, als der Körper verbrauchte. Bei der normalen Variante waren es sogar 32 Prozent“, berichtet Dr. Franziska Hägele.

Zu viel, zu schnell, zu kalorienreich

Hochverarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Snacks, aromatisierte Joghurts oder proteinreiche Riegel zeichnen sich durch eine Reihe typischer Eigenschaften aus: Sie enthalten viele Kalorien pro Gramm, sind besonders schmackhaft und lassen sich oft schnell und ohne viel zu Kauen essen. „Diese Kombination macht es schwer, rechtzeitig mit dem Essen aufzuhören“, erklärt Anja Bosy-Westphal.

Warum helfen dann proteinreiche Varianten zumindest ein bisschen? Zum einen benötigt der Körper mehr Energie, um Eiweiß zu verdauen – ein Teil der Kalorien verpufft also gleich wieder. Zum anderen beeinflusst Eiweiß das körpereigene Hungergefühl: Das Hungerhormon Ghrelin sinkt, während Sättigungshormone wie Peptid YY steigen. „Außerdem haben wir beobachtet, dass eiweißreiche Produkte langsamer gegessen werden, etwa weil sie eine andere Konsistenz haben“, erläutert Bosy-Westphal. „Das gibt dem Körper mehr Zeit, Sättigungssignale zu senden.“ Doch entscheidend bleibt: Nicht das Eiweiß ist das Problem, sondern die Art des Lebensmittels. „Auch ein angereicherter Pudding lässt sich schnell essen und schmeckt genauso gut wie ein normaler. Also isst man auch davon mehr als man braucht“, fasst Franziska Hägele zusammen.

Für die meisten unnötig, für wenige hilfreich

Etwa die Hälfte der täglichen Kalorienaufnahme in Deutschland stammt aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Eiweißzusätze – meist aus kostengünstigem Milcheiweiß – machen diese Produkte nicht automatisch gesünder. Für die breite Bevölkerung ist die zusätzliche Eiweißzufuhr auch überflüssig. „Die meisten Menschen in Deutschland essen mehr als genug Protein“, sagt Anja Bosy-Westphal. Eine Ausnahme sieht sie bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen, bei Appetitmangel, Untergewicht oder Schluckstörungen. Dann können proteinreiche, leicht essbare Produkte eine sinnvolle Zwischenlösung sein.

Wer sich jedoch ausgewogen ernähren und sein Gewicht im Griff behalten möchte, braucht keine speziell angereicherten Produkte. Hülsenfrüchte, Quark, Fisch oder Joghurt liefern genauso viel Eiweiß. Entscheidend ist oft auch die Textur: Was gekaut werden muss, macht meist schneller satt. „Die Menschen sollten sich nicht von Etiketten wie ‚High Protein‘ täuschen lassen“, rät die Ernährungswissenschaftlerin. „Denn auch eine proteinangereicherte Fertigpizza bleibt am Ende eben doch eine Kalorienbombe.“

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Professorin Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal
Dr. Franziska Hägele
Abteilung für Humanernährung
Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel.: +49-431-880 5674
E-Mail: abosyw@nutrition.uni-kiel.de
E-Mail: fhaegele@nutrition.uni-kiel.de

Originalpublikation:
Franziska A. Hägele, Catrin Herpich, Jana Koop, Jonas Grübbel, Rebecca Dörner, Svenja Fedde, Oliver Götze, Yves Boirie, Manfred J. Müller, Kristina Norman & Anja Bosy-Westphal (2025): Short-term effects of high-protein, lower-carbohydrate ultra-processed foods on human energy balance, Nature Metabolism, https://doi.org/10.1038/s42255-025-01247-4

Risikogruppen für kardiometabolische Komplikationen,

Eine aktuelle Studie belegt, dass sich bei Personen ohne Diabetes sechs Risikogruppen für kardiometabolische Komplikationen, die zuvor bei mittleren Altersgruppen identifiziert wurden, auch bei älteren Menschen nachweisen lassen. 

Die Forschenden des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zeigten in Kooperation mit Helmholtz Munich zudem, dass es eine besondere Risikogruppe gibt, die sich durch die Kombination von hoher inflammatorischer Last, einem Maß für unterschwellige Entzündungsprozesse, und hohem Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen auszeichnet.

Im Rahmen der prospektiven Bevölkerungsstudie KORA F4/FF4 (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) wurden 843 Personen im Alter von 61 bis 82 Jahren ohne Typ-2-Diabetes sechs Risikogruppen, sogenannten Clustern, zugeordnet. Die Cluster wurden initial von Prof. Dr. Robert Wagner, Leiter des Klinischen Studienzentrums des Instituts für Klinische Diabetologie und stellvertretender Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), und Mitarbeitenden beschrieben und unterscheiden sich hinsichtlich des Risikos für die Entstehung von Typ-2-Diabetes sowie für (prä-)diabetesbedingte Folgeerkrankungen wie chronische Nierenerkrankungen, Nervenschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeerkrankungen variiert je nach Cluster
Cluster 2 („sehr niedriges Risiko“) wies das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die niedrigsten Entzündungswerte auf, während Cluster 5 („hohes Risiko mit insulinresistenter Fettleber“) sowohl die höchsten Entzündungswerte als auch eine hohe Krankheitslast zeigte. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen (Inzidenz) für Typ-2-Diabetes war in den Clustern 3, 4, 5 und 6 signifikant erhöht im Vergleich zu Cluster 2.
Basierend auf 73 Entzündungsmarkern wurde ein Entzündungsindex, die sogenannte inflammatorische Last, abgeleitet. Diese Last war insbesondere in Cluster 5 deutlich erhöht, was auf umfassende Entzündungsprozesse als möglichen Treiber von Stoffwechselentgleisungen hindeutet.

„Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung einer frühzeitigen Differenzierung von Risikogruppen – auch im höheren Alter.“, betont Prof. Dr. Christian Herder, stellvertretender Direktor und Leiter der Arbeitsgruppe Inflammation des Instituts für Klinische Diabetologie am DDZ. Prof. Dr. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am UKD, erläutert: „Diese Studie unterstreicht die individuellen Unterschiede im Risiko für Diabetes und diabetesbezogene Krankheiten und weist so den Weg zu einer präziseren Früherkennung und Vorsorge auch im höheren Alter.“

Originalpublikation:
Huemer MT, Spagnuolo MC, Maalmi H, Wagner R, Bönhof GJ, Heier M, Koenig W, Rathmann W, Prystupa K, Nano J, Ziegler D, Peters A, Roden M, Thorand B, Herder C. 2025. Phenotype-based clusters, inflammation and cardiometabolic complications in older people before the diagnosis of type 2 diabetes: KORA F4/FF4 cohort study. Cardiovasc Diabetol. 24(1):83.
https://doi.org/10.1186/s12933-025-02617-8