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Neuro-COVID: Virusvermittelte Autoimmunreaktion: Guillain-Barre-Syndrom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neuro-COVID: Es können nicht nur neurologische Begleitsymptome, sondern auch neurologische Folgeerkrankungen auftreten

Viele Studien haben neurologische Manifestationen von COVID-19 beschrieben.

Das Spektrum reicht von Riechstörungen bis hin zu schweren Schlaganfällen.

Eine italienische Arbeit zeigte nun, dass 88% der Betroffenen nach der akuten Erkrankung nicht beschwerdefrei sind. 

In einigen Fällen bleiben neurologische Symptome und Ausfälle zurück. 

Auch die Spanische Grippe führte zu bleibenden neurologischen Problemen.

Handelt es sich in beiden Fällen um virusvermittelte Autoimmunreaktionen? 

Eine neuroimmunologische Arbeitsgruppe der Charité fand Antikörperbefunde, die darauf hinweisen, dass sich das Immunsystem bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten gegen körpereigene Nervenzellen richten kann.
 
Zahlreiche Fallberichte und Studien beschreiben mittlerweile neurologische Begleiterscheinungen bei COVID-19-Patienten.

Sehr häufig sind Geruchs- und Geschmacksstörungen. 

Es kann aber während der Virusinfektion auch zu diffusen Hirnschädigungen (Enzephalopathien) mit neurologischen und psychiatrischen Auffälligkeiten, zu einer Entzündung von Gehirn und Rückenmark (Enzephalomyelitis) oder zu Schlaganfällen kommen.

  • Das Kuriose dabei: 
  • Letztere treten nicht nur bei COVID-19-Patienten auf, die viele kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen, sondern auch bei jungen, „gefäßgesunden“ Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben. 
  • In Folge der Virusinfektion können auch Erkrankungen des peripheren Nervensystems wie das Guillain-Barré-Syndrom auftreten.

Aufgrund dieser Beobachtungen spricht die internationale Fachwelt bereits von „Neuro-COVID“. 
 Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe [1] hat Ende Juni eine Neuro-COVID-Einteilung in drei Stadien vorgelegt, die die neurologische Begleitsymptomatik nach Schweregrad einordnet. Eine Arbeit [2] aus dem Vereinigten Königreich, die Anfang Juli publiziert wurde, unterteilt die Symptomatik nach neurologischer Diagnosegruppe in fünf Klassen  

(1. Gehirnveränderungen (Enzephalopathien), 2. entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems, 3. Ischämische Schlaganfälle, 4. periphere neurologische Störungen und 5. sonstige zentralnervöse Störungen).

„Noch ist für einige der neurologischen Manifestationen nicht klar, wie häufig sie bei COVID-19 wirklich sind,“ erklärt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Aber selbst wenn der Anteil prozentual nur etwa dem von SARS oder MERS entspräche, ist die absolute Zahl COVID-19-assoziierter neurologischer Erkrankungen angesichts der enorm hohen Infektionsraten weltweit als hoch einzustufen, was bei der Versorgung der Patienten unbedingt Berücksichtigung finden muss.“

Beunruhigend ist zudem die Erkenntnis, dass neurologische Symptome oft persistierten. 

Eine aktuelle Studie aus Italien [3] untersuchte, ob und welche Beschwerden bei COVID-19-Patienten nach der Klinikentlassung bestehen blieben:

  • 87% der Erkrankten wiesen im Nachgang noch Symptome auf. 
  • Die häufigsten neurologischen Folgen waren in dieser Studie Müdigkeit bzw. Fatigue (ca. 53%), Beeinträchtigungen des Geruchssinns (ca. 16%), Geschmacksstörungen (ca. 11%), Kopfschmerzen (ca. 10%) und Schwindel (ca. 5%).

Hier zeigt sich eine interessante historische Analogie: Auch die Spanische Grippe 1918 führte in Folge zu ungeklärten neurologischen Beschwerden, an denen noch ein Jahrzehnt lang über eine Million Menschen litten („Enzephalitis lethargica“, auch Europäische Schlafkrankheit genannt).  

„Das zeigt, dass eine neurologische Nachbetreuung von COVID-19-Patienten mit entsprechend weiterführender Diagnostik enorm wichtig ist“, so Professor Berlit.

Das neuroinvasive Potenzial von Coronaviren wurde bereits 2002/2003 beim SARS-CoV-Ausbruch beschrieben: 

  • Die Viren fand man dabei nur in Gehirnzellen, nicht in den benachbarten Blut- oder Lymphbahnen, was für einen Infektionsweg über die Nervenzellen und nicht über Blut- oder Lymphgefäße spricht. 

Bei SARS-CoV-2 ist ein direkter Virusnachweis im Nervenwasser (Liquor) bislang aber nur in Einzelfällen gelungen. 

Daraus ergibt sich die Hypothese, dass vor allem indirekt viral vermittelte Mechanismen bei der Entstehung der neurologischen Symptome eine Rolle spielen könnten.

„So erklärt vermutlich die deutliche Aktivierung des Gerinnungssystems bei COVID-19 zumindest einen Teil der Schlaganfälle“ erläutert Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Eine Studie der Berliner Charité untersuchte nun 11 Intensivpatienten mit COVID-19 und neurologischen Symptomen auf spezielle Antikörper und wurde fündig: Das Immunsystem richtet sich offensichtlich bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten gegen körpereigene Nervenzellen.

„Die Viren können die Bildung von Autoantikörpern anregen, die genau an die Oberflächenstruktur von Nervenzellen passen.

Derzeit prüfen wir, ob die Antikörper-Bildung eine Folge der virusbedingten Entzündung ist.

Alternativ könnte es sich dabei um eine „Strategie“ des Virus handeln, seine Oberfläche körpereigenen Strukturen anzupassen, um von den Killerzellen des Immunsystems nicht erkannt zu werden.

In beiden Fällen richten sie sich gegen alle Zellen mit dieser Oberflächenstruktur, auch gegen gesunde Nervenzellen.

So kann das Virus ein neurologisches Symptom oder eine neurologische Erkrankung katalysieren,“ erklärt Prof. Dr. Harald Prüß von der Charité Berlin, Sprecher der DGN-Kommission Neuroimmunologie, der diese Daten am 6. Juli 2020 als Preprint* veröffentlicht hat [4]. Dieser Mechanismus ist auch von anderen Viren bekannt, beispielsweise können Herpesviren auf diese Weise eine autoimmune Form der Hirnentzündung nach der eigentlichen viralen Infektion auslösen.

„Noch sind nicht alle Pathomechanismen geklärt, die bei COVID-19-Patienten zu einer neurologischen Beteiligung führen, wir brauchen sicher weitere prospektive Befunde von größeren Patientenzahlen.

Der von Prüß und Kollegen vermutete krankheitsauslösende Prozess erscheint aber plausibel und hat zudem den Charme, dass wir hier eine Therapieoption hätten:

Bei viral ausgelösten Autoimmunreaktionen können wir erfolgreich mit Immuntherapien behandeln“, so DGN-Generalsekretär Professor Berlit abschließend.

Literatur
[1] Fotuhi M, Mian, A, Meysami S et al. Neurobiology of COVID-19. Journal of Alzheimer's Disease 2020, Pre-press pp. 1-17 Published: 08 June 2020, doi: 10.3233/JAD-200581
https://content.iospress.com/articles/journal-of-alzheimers-disease/jad200581
[2] Paterson RW, Brown RL, Benjamin L et al. The emerging spectrum of COVID-19 neurology: clinical, radiological and laboratory findings. Brain 2020 Jul 8.
https://academic.oup.com/brain/article/doi/10.1093/brain/awaa240/5868408
[3] Carfì A, Bernabei R, Landi F et al. Persistent Symptoms in Patients After Acute COVID-19. JAMA 2020. Published online July 9.
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768351
[4] Franke C, Ferse C, Kreye J et al. High frequency of cerebrospinal fluid autoantibodies in COVID-19 patients with neurological symptoms. medRxiv 2020. Published July 6.
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.07.01.20143214v1.full.pdf

*Derzeit werden viele Publikationen zu SARS-CoV-2 ohne Beurteilung durch Fachgutachter im Schnellverfahren publiziert, um die Ergebnisse schnell, d.h. vor Ablauf der üblichen Peer-Review-Begutachtung, der Wissenschaftswelt zugänglich zu machen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 10.000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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Originalpublikation:
DOI: 10.3233/JAD-200581
DOI:10.1001/jama.2020.12603

Immun gegen COVID-19 Erkrankung...? IgG Antikörper

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: HDZ NRW: Neue Studie zum Antikörpernachweis bei Blutspendern

Nur etwa 1 Prozent der Untersuchten ist vermutlich immun gegen die COVID-19-Erkrankung.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, hat bei nur 29 von mehr als 3.000 Blutspendern in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen Antikörper gegen das SARS-CoV-2 Virus nachgewiesen. 


Prof. Dr. Cornelius Knabbe (Mitte), PD Dr. rer. nat. Tanja Vollmer und Dr. rer. nat. Bastian Fischer, Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
Prof. Dr. Cornelius Knabbe (Mitte), PD Dr. rer. nat. Tanja Vollmer und Dr. rer. nat. Bastian Fischer, Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW, Bad Oeynhausen
(Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW
 
„Weil ein hoher Anteil der COVID-19 Erkrankungen milde oder unerkannt verläuft, war die Dunkelziffer der tatsächlichen Infektionszahlen bisher eine Unbekannte für uns“, erläutert Institutsdirektor Prof. Dr. Cornelius Knabbe.

„Die Ergebnisse unserer Studie lassen jetzt Rückschlüsse auf einen mit knapp 1 Prozent eher niedrigen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung in den untersuchten Bundesländern zu.“

Sie bestätigen demnach auch die derzeitigen Erkenntnisse über einen bislang milden Verlauf der Infektion in Deutschland.
  • Experten gehen davon aus, dass sich ohne Gegenmaßnahmen etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem SARS-Cov2-Virus anstecken und nach überstandener Erkrankung immunisieren könnten. 
  • Erst wenn im Verlauf der Pandemie eine entsprechend hohe Immunisierung erreicht ist, nehmen die Fallzahlen wieder ab. 
  • „Infolge der Immunantwort bildet das Immunsystem der meisten an COVID-19 erkrankten Personen innerhalb weniger Wochen sogenannte IgG Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind und über längere Zeit im Blut nachweisbar sind“, erklärt Professor Knabbe. 
Hinsichtlich eines solchen positiven Antikörper-Nachweises (sog. Seroprävalenz) untersuchte seine wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Tanja Vollmer das Blut von insgesamt 3.186 Blutspendern aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen im Zeitraum März bis Juni dieses Jahres.

Die Anzahl seropositiver Blutspender ist mit einer Inzidenz von 0.91 Prozent (29/3.186) insgesamt gering.

Einzeln betrachtet war die nachgewiesene Seroprävalenz in Niedersachsen (7/576, 1.22 Prozent) höher als in Nordrhein-Westfalen (16/1.700, 0.94 Prozent) und Hessen (6/910, 0.66 Prozent).

Zum Vergleich:

In sogenannten Hot-Spot Regionen wie Heinsberg wurden Seroprävalenzen in einer Größenordnung von etwa 15 Prozent nachgewiesen.

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Univ.-Prof. Dr. med. Cornelius Knabbe
Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen

Originalpublikation:
Fischer Bastian , Knabbe Cornelius , Vollmer Tanja . SARS-CoV-2 IgG seroprevalence in blood donors located in three different federal states, Germany, March to June 2020.
Euro Surveill. 2020;25(28):pii=2001285. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.28.2001285.

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COVID-Ambulanz für Genesene und ihre Spätfolgen/Langzeitverlauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH erforscht Spätfolgen der Corona-Infektion

COVID-Ambulanz für offiziell Genesene begleitet Betroffene / Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Studie gesucht 

Dr. Isabell Pink im Gespräch mit einem Patienten.
Dr. Isabell Pink im Gespräch mit einem Patienten.
Quelle „MHH/Carolin Schneider“.
 
Genesen, aber nicht gesund: 

  • Einige Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, leiden noch Wochen und Monate nach der akuten Erkrankung an deren Folgen. 
  • Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, verminderte körperliche Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche, Atemprobleme und Geschmacks- oder Geruchsverlust. 

„Diese Spätfolgen zeigen sich nicht nur bei Patientinnen und Patienten, die schwer betroffen waren und stationär behandelt wurden, sondern auch bei solchen mit mittlerem oder mildem Krankheitsverlauf“, erklärt Professor Dr. Marius Hoeper, kommissarischer Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

In seiner Klinik gibt es die COVID-Ambulanz für Genesene, in der Patientinnen und Patienten nach ihrer Erkrankung begleitet werden. 

Um mehr über die Spätfolgen herauszufinden, führen Professor Hoeper und sein Team die Studie „IRMI 19“ (ImmunpRofile iM Langzeitverlauf nach COVID-19) durch.

Die COVID-Ambulanz für Genesene gibt es seit Mitte Mai.

„Es gibt Betroffene, die sich drei oder vier Monate nach der Erkrankung immer noch nicht wieder gesund fühlen“, erklärt Dr. Isabell Pink, Leiterin der Ambulanz.

Für einige sei es aufgrund der Beschwerden schwierig, ihrem Beruf nachzugehen, selbst wenn es sich „nur“ um einen Bürojob handelt. 

Viele klagten über Luftnot bei Belastung und ein Engegefühl in der Brust. Darunter seien auch Patienten zwischen 21 und 50 Jahren, die vor der Infektion mit dem Virus SARS-CoV -2 vollkommen gesund gewesen seien.

„Ihre Situation verbessert sich nur sehr langsam“, sagt die Pneumologin. Medikamentös kann sie den Patienten nicht viel anbieten. „Wir können ihnen nur raten, auf ihren Körper zu hören, insgesamt einen Gang runterzuschalten und gegebenenfalls eine ambulante Reha zu beantragen.“

Dennoch schätzen die Betroffenen die Betreuung in der Ambulanz.

Sie fühlen sich sicherer, wenn sie ärztlich begleitet und ihr Zustand über längere Zeit beobachtet wird.

In der Ambulanz verfolgen die Experten den Verlauf über mindestens ein halbes Jahr.

Die Patientinnen und Patienten werden dreimal untersucht:

sechs bis acht Wochen, drei Monate und sechs Monate nach der akuten SARS-CoV-2-Infektion.

Dazu gehören eine Lungenfunktionsmessung, die Analyse von Blut, Urin und Speichel, eine körperliche Untersuchung und ein Belastungstest sowie gegebenenfalls eine bildgebende Diagnostik.

Es besteht ein enger Kontakt zu anderen Fachdisziplinen, die bei Bedarf mit hinzugezogen werden.

Über die Langzeitfolgen einer Infektion mit dem Coronavirus ist insgesamt noch wenig bekannt. Bisherige Forschungen und klinische Beobachtungen haben jedoch gezeigt, dass SARS-CoV-2 praktisch jedes Organ befallen und dort Schäden verursachen kann. „Wir nehmen an, dass COVID-19 das Immunsystem nachhaltig verändert“, erläutert Professor Hoeper. Durch die Studie „IRMI 19“wollen er und sein Team neue Erkenntnisse über die Spätfolgen der Virusinfektion gewinnen. „Wir gehen davon aus, dass es zwischen den beobachteten Immunphänomenen und den anhaltenden Beschwerden Zusammenhänge gibt, die wir besser verstehen möchten, natürlich auch in der Hoffnung, diese in Zukunft behandeln zu können.“ Aufschlüsse darüber sollen Immunprofile im Langzeitverlauf bringen.

An der Studie sollen rund 100 Betroffene teilnehmen, die ursprünglich nur leicht an COVID-19 erkrankt waren und trotzdem an Spätfolgen leiden. 

 In die Studie können auch Patienten eingeschlossen werden, die nicht in der MHH behandelt wurden. Sie können sich in der COVID-Ambulanz für Genesene melden.

Interessierte erreichen die COVID-Ambulanz für Genesene unter Telefon (0511) 532-5030, Fax (0511) 532-18538 oder E-Mail: pneumologie.covid@mh-hannover.de.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Isabell Pink, Klinik für Pneumologie, unter Telefon (0511) 532-9314 oder pink.isabell@mh-hannover.de.

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Herzmuskelentzündung - Herzzellen - typische Lungenentzündung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie von UKE-Forschenden: Das Corona-Virus befällt auch das Herz

SARS-CoV-2 verändert die Genaktivität der Zellen – Klinische Auswirkungen noch unklar

Überraschende Erkenntnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): 


  • Das Corona-Virus kann auch Herzzellen infizieren und sich darin vermehren. 
  • Zudem ist es in der Lage, die Genaktivität infizierter Herzzellen zu verändern. 

Das geht aus einer aktuellen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Westermann aus der Klinik für Kardiologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin des UKE hervor. Für die Studie wurden 39 verstorbene Herzpatientinnen und -patienten untersucht, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren. 
 
„Bisher wusste man nicht, in wie vielen Fällen SARS-CoV-2 auch das Herz befällt und – wenn es das tut – ob es sich in Herzzellen vermehren und dort krankhafte Veränderungen hervorrufen kann. Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit“, sagt Studienleiter Prof. Westermann aus dem Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg des UKE. Bei rund zwei Drittel der untersuchten Patientinnen und Patienten (24 von 39) konnten die Forschenden im Herzgewebe das Corona-Virus SARS-CoV-2 nachweisen. In 16 Fällen fanden sie das Virus in Mengen, die klinische Auswirkungen hätten haben können (mehr als 1.000 Viruskopien pro Mikrogramm RNA). Bei fünf Patienten mit den höchsten Virusmengen identifizierten die Forschenden den Plus- und Minus-Strang des Virus-Erbguts. „Das ist das Zeichen, dass sich das Virus auch in der betreffenden Zelle vermehrt“, so Prof. Westermann.

Keine typischen Zeichen für Herzmuskelentzündung gefunden


Durch die Infektion verändern sich zwar die Herzzellen.
Ob dies allerdings Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat, lässt sich noch nicht abschließend klären. Das Wissenschaftlerteam hatte die Aktivität von sechs entzündungsfördernden Genen genauer unter die Lupe genommen. Bei den 16 Patienten mit der höchsten Viruslast war die Aktivität dieser Gene deutlich erhöht. „Dies hätte auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung schließen lassen können. Gleichwohl haben wir keine typischen Kennzeichen einer solchen Entzündung – etwa das Einwandern von Entzündungszellen aus dem umliegenden Gewebe in den Herzmuskel – finden können. Unsere Ergebnisse unterstützen die bisherige Beobachtung, dass eine Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit COVID-19 nur sehr selten auftritt“, erklärt Prof. Westermann.

  • Die durch die Infektion hervorgerufene veränderte Genaktivität in den Herzzellen könne allerdings Langzeitfolgen für die Gesundheit von Betroffenen haben. 

Um das zu klären, seien künftig Reihenuntersuchungen an lebenden COVID-19-Patientinnen und Patienten notwendig, so der Wissenschaftler.

Studienpatienten entsprechen den typischen COVID-19-Patientinnen und -Patienten

Die für die Studie untersuchten verstorbenen Patientinnen und Patienten (23 Frauen, 16 Männer) waren im Mittel 85 Jahre alt.

Alle wurden zu Lebzeiten mit einem Rachenabstrich positiv auf das Corona-Virus SARS-CoV-2 getestet und entwickelten die für COVID-19 typische Lungenentzündung.

Nach ihrem Tod wurden sie zwischen dem 8. und 18. April gerichtsmedizinisch untersucht. 

Dabei wurden die für die späteren genetischen Untersuchungen notwendigen Gewebeproben entnommen.

„Die Patienten repräsentieren mit ihren altersgerechten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und koronare Herzerkrankung die typischen COVID-19-Patienten in Deutschland“, erläutert Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Co-Autor der Studie und Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums, und ergänzt:

„Eine Limitation unserer Studie ist allerdings, dass wir bislang nur Verstorbene untersuchen konnten.

Wichtig wird sein, diese Erkenntnisse in Zukunft an Überlebenden der Erkrankung zu validieren.“

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Originalpublikation:
Lindner D. et al., Cardiac infection with SARS-CoV-2 in confirmed COVID-19 autopsy cases. Eingereicht und zur Veröffentlichung akzeptiert im Fachmagazin „JAMA Cardiology“.


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CAVE-Untersucher: Wirksamkeit von Kaltplasma bei chronischen Wunden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nachweis erbracht: Kaltplasma wirkt bei chronischen Wunden

Ärzte und Wissenschaftler aus Bad Oeynhausen, Karlsburg und Greifswald belegen erstmalig Wirksamkeit von Kaltplasma in prospektiver, randomisierter und placebokontrollierter Studie. 
 Kaltplasma-Therapie: Wirksam bei der Behandlung chronischer Wunden
 Kaltplasma-Therapie: Wirksam bei der Behandlung chronischer Wunden
(Foto: © neoplas tools GmbH).
 
  • Zu den großen Herausforderungen in der Behandlung von Patienten mit Diabetes zählt das Management von chronischen Wunden, deren dauerhafte Abheilung deutlich verzögert ist. 
  • Die Kombination aus fehlendem Impuls zur Wundheilung und Infektionsgeschehen verhindert dabei Wundverschluss und Geweberegeneration – ein Problem, das durch den Diabetes deutlich verschärft wird. 

  • Die Behandlung ist teuer und langwierig. 

Die Therapie gestaltet sich für Ärzte und Patienten gleichermaßen mühsam, weshalb neue Konzepte dringend erforderlich sind.

Ein solch innovatives Konzept könnte die Behandlung mit Kaltplasma sein, dessen Wirksamkeit jetzt erstmalig wissenschaftlich bestätigt wurde. Dies ist Ärzten und Forschern im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Klinikum Karlsburg und im Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) Greifswald jetzt gelungen. Sie untersuchten 62 Wunden in einer prospektiven, randomisierten, Placebo-kontrollierten und Patienten-verblindeten Studie, die ergänzend zur Standardwundtherapie entweder Kaltplasma oder Placebo erhielten.

„Der Heilungsprozess unter Therapie mit Kaltplasma war signifikant beschleunigt, was zu schnellerem Wundverschluss führte“, konstatiert der Leiter der klinischen Prüfung, Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am HDZ NRW. „Ein Vorteil des Verfahrens ist die gute Patientenverträglichkeit. Wir haben keine mit der Therapie verbundenen Nebenwirkungen festgestellt“, ergänzt Wundexpertin Dr. Tania-Cristina Costea, Oberärztin der Klinik.

Die Annahme, dass Kaltplasma antimikrobiell und infektmodulierend wirkt, konnte nicht belegt werden.

Dies könne vermutlich auf die effektive, begleitende Standardtherapie zurückgeführt werden und zeige, dass biologische Effekte des Plasmas in der Wundheilung relevant seien, führt PD Dr. Bernd Stratmann, Erstautor der Publikation und Forschungsleiter im Diabeteszentrum, weiter aus.

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Hintergrundinformation:
Als Plasma wird ein angeregter Gaszustand bezeichnet, der oft als vierter Aggregatzustand (neben fest, flüssig und gasförmig) beschrieben wird. 

Die Kombination der verschiedenen Wirkprinzipien des Plasmas hat eine stark antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung.

Durch die physikalische Gewebestimulation kann der Wundheilungsvorgang wieder aktiviert werden, die Infektion soll durch die desinfizierende Wirkung zurückgedrängt werden.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.


Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. 

Zum Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen.

Ein besonderer Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept. 
  • Zudem ist das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei Diabetischem Fußsyndrom.

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Originalpublikation:
Bernd Stratmann, PhD; et al: Cold Atmospheric Plasma Therapy vs Placebo for Diabetic Foot Ulcers. JAMA Network Open. 2020;3(7):e2010411.

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CAVE-Untersucher: Mitochondriale Atmung: Bildung neuer Blutgefäße durch Angiogenese

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die mitochondriale Verbindung: Warum Blutgefäße in Wunden und Tumoren zu sprießen beginnen

Neue Kashkar-Studie zeigt: 
Bei hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums ist die mitochondriale Atmung entscheidend für die Bildung neuer Blutgefäße  

Ein Wissenschaftlerteam des CECAD-Exzellenzclusters der Universität zu Köln (CECAD - Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases) unter der Leitung von Hamid Kashkar hat herausgefunden, dass neue Aussprossungen von Blutgefäßen während der Entwicklung, der Wundheilung oder des Tumorwachstums durch zellulären Energiestoffwechsel mit Beteiligung von mitochondrialen Atmung, gesteuert werden. 
  • Die Mitochondrien, auch Kraftwerke der Zelle genannt, versorgen den Organismus mit Lebensenergie. 
  • Die Endothelzellen, die eine dünne Schicht innerhalb der Gefäße aufbauen, nutzen die mitochondriale Energieproduktion, wie in dieser Studie gezeigt wurde. 

Der Immunologe Kashkar und sein Team liefern hier den genetischen Beweis für die Notwendigkeit der mitochondrialen Atmung während der Angiogenese - der Bildung neuer Sprossen von Gefäßen - und werfen ein neues Licht auf die metabolische Kontrolle der Gefäßbildung während der Entwicklung, der Gewebereparatur und der Krebsentstehung. 


Der Rückgang der mitochondrialen Aktivität in Endothelzellen könnte eine wichtige Rolle bei der Alterung und alterungsbedingten Krankheiten, aber auch beim Tumorwachstum spielen und daher in Zukunft ein Schwerpunkt für therapeutische Behandlungen werden.

Die Studie "Mitochondrial respiration controls neoangiogenesis during wound healing and tumour growth" wurde in Nature Communication veröffentlicht.

Blutgefäße bleiben während des gesamten Erwachsenenlebens überwiegend ruhig, besitzen aber die Fähigkeit, als Reaktion auf Verletzungen oder unter pathologischen Bedingungen wie Tumorwachstum rasch neue Verzweigungen zu bilden (Neoangiogenese), die eine zusätzliche Blutversorgung erfordern. 

Die innere Oberfläche der Blutgefäße ist von einer dünnen Schicht von Endothelzellen mit bemerkenswerter funktioneller Plastizität ausgekleidet, die rasch von einem ruhenden in einen stark angiogenen Zustand übergehen können.

Dieser angiogene Schalter wurde lange Zeit als hauptsächlich durch vaskuläre Wachstumsfaktoren gesteuert betrachtet.


Das Kölner Forscherteam untersuchte die physiologische Rolle der mitochondrialen Atmung in Blutgefäßen in Zellkulturen und Mäusen.

Kashkars Gruppe zeigte, dass die mitochondriale Atmung für die Neoangiogenese erforderlich ist. 


„Wir fanden heraus, dass eine gefäßspezifische Blockade der mitochondrialen Funktion bei Mäusen zur embryonalen Letalität führt.

Im Gegensatz dazu konnten wir bei erwachsenen Mäusen ohne endotheliale mitochondriale Atmung keine offensichtliche Veränderung feststellen.

Diese Mäuse zeigten jedoch eine verlangsamte Wundvaskularisierung und -heilung sowie ein vermindertes Tumorwachstum und eine verminderte Angiogenese". erklären Lars Schiffmann und Paul Werthenbach, die Erstautoren der Studie.


  • „Die fehlende mitochondriale Aktivität in Endothelzellen unter normalen Bedingungen mit geringem Energieverbrauch verursacht nicht primär eine vaskuläre Veränderung. 
  • Im Gegensatz dazu sind Endothelzellen, die mit hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums sprießen, in hohem Maße von der mitochondrialen Funktion abhängig", fügt Hamid Kashkar hinzu.
  • Die aktuelle Studie stellt die Hypothese auf, dass die fortschreitende Abnahme der mitochondrialen Aktivität bei Alterung und alterungsassoziierten Krankheiten die Angiogenese und damit die Regenerationsfähigkeit der alternden Gewebe reduziert. 

Unabhängig davon könnte die gezielte Beeinflussung der Blutgefäße von Tumoren durch mitochondriale Wirkstoffe eine wertvolle Krebstherapie darstellen und sollte in Zukunft erforscht werden.

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Professor Dr. Hamid Kashkar
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Publikation:
DOI: 10.1038/s41467-020-17472-2

Eingriffe und Überlebensraten bei der Herz-Operation https://www.kurklinikverzeichnis.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Exzellente herzchirurgische Patientenversorgung in Deutschland

Die alljährlich publizierten herzchirurgischen Zahlen und Fakten der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) zeigen die bundesweite, herzchirurgische Versorgung auf konstant hohem Niveau. 
 
Leichter Anstieg der herzchirurgischen Operationen im Vergleich zum Vorjahr

Die herzchirurgischen Leistungszahlen – kategorisiert nach Eingriffen und Überlebensraten – werden alljährlich von der Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) veröffentlicht. 
  • Bundesweit ist die durchgängig flächendeckende Patientenversorgung durch die 78 etablierten Fachabteilungen für Herzchirurgie und insgesamt ca. 980 tätigen Fachärzte für Herzchirurgie gesichert. 
  • Im letzten Jahr ist die Gesamtzahl der Herz-Operationen im engeren Sinne leicht um 1,8 Prozent angestiegen und liegt bei 100.446 Eingriffen (2018: 98.707). 
Inkludiert man alle erfassten Eingriffskategorien und zählt Herzschrittmacher- und Defibrillator-Eingriffe, sowie die Operationen der herznahen Hauptschlagader ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu, summiert sich die Gesamtzahl auf 175.705 im Jahr 2019 (Eingriffe im Jahr 2018: 174.902).

Deutlich höheres Alter der am Herzen operierten Patienten
  • In den letzten zehn Jahren (2009-2019) ist Anzahl der herzchirurgischen Operationen bei Patienten der Altersgruppe 70+ deutlich angestiegen. 
  • Trotz der jährlichen Zunahme älterer Patienten in den herzchirurgischen Fachabteilungen, blieben die Krankenhaus-Überlebensraten in den einzelnen Eingriffskategorien durchweg stabil. 
  • Im Jahr 2019 waren 33,5 Prozent der Patienten 70 bis 79 Jahre; 18,6 Prozent sogar 80 Jahre und älter. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Verlegung nach OP 

Die Gruppe der über 80jährigen nahm im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent zu und machte 18,6 Prozent aller operierten Herzpatienten aus.

Die nahezu gleichbleibende Überlebensrate von ca. 97 Prozent spiegelt die erfolgreiche sowie qualitativ hochwertige herzchirurgische Versorgung von älteren und hochbetagten Patienten.

Medizin am Abend ZusatzFachLink: Neue Herzklappe 

Koronare Bypass-Operationen stiegen leicht an


Für das Jahr 2019 ist ein leichter Anstieg der isolierten koronaren Bypass-Operationen von 0,66 Prozent auf 34.224 zu verzeichnen (2018: 33.999) bei gleichzeitigem Anstieg (0,2 Prozent) der Überlebensrate auf 97,3 Prozent. Die Durchführung der koronaren Bypass-Operationen mit weiteren Prozeduren lag 2019 bei 9.869 im Vergleich zum Vorjahr 2018 mit 10.264.

Herzklappeneingriffe steigen seit Jahren an


Bundesweit ist die Aortenklappenstenose derzeit die häufigste invasiv therapierte Herzklappenerkrankung, gefolgt von der Mitralklappeninsuffizienz. Wurden 2018 noch 34.915 isolierte Herzklappen-Operationen gezählt, waren es im vergangenen Jahr bereits 36.650 – eine Steigerung von ca. 4,7 Prozent. Der überwiegende Teil der Herzklappen-Operationen betrifft die Aortenklappe. Bei 9.391 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte herzchirurgische Aortenklappenoperation mit Anwendung der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt (2018: 10.022). In weiteren 1.358 Kombinations-Eingriffen wurde die Aortenklappe ersetzt und gleichzeitig auch die Mitralklappe rekonstruiert oder ersetzt. Durch den Einsatz kathetergestützter Therapieverfahren stieg die Zahl der Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Herzklappenerkrankungen in den letzten zehn Jahren spürbar an.

  • Die Entscheidung für eine herzchirurgische Operation oder das kathetergestützte Therapieverfahren erfolgt anhand wissenschaftlicher Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes interdisziplinäres Herzteam obligat ist.

Rekonstruierte Mitralklappe ist Goldstandard

Bei den 6.419 (2018: 6.222) isolierten Mitralklappen-Operationen setzte sich der Trend der letzten Jahre fort: Bei rund zwei Drittel bzw. 64,5 Prozent (+0,2% im Vergleich zum Vorjahr mit 64,3%) der Operationen konnte die patienteneigene Mitralklappe rekonstruiert werden, wobei die Überlebensrate bei 98,9 Prozent lag. In den übrigen 2.279 Eingriffen wurde die Mitralklappe herzchirurgisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine Rekonstruktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überlebensraten stieg auf 99,2 Prozent für die Rekonstruktionen.

Herzunterstützungssysteme als alternative Therapie

Die Zahl der implantierten Herzunterstützungssysteme für schwerst-herzinsuffiziente Patienten ist von 942 im Jahr 2018 auf insgesamt 953 im vergangenen Jahr angestiegen, wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungssysteme bei 97 Prozent der Patienten zum Einsatz kommen (924 L/RAVD im Vorjahr: 903).

Eine eher untergeordnete Rolle spielen die biventrikulären Herzunterstützungssysteme mit einer Zahl von 14 Implantationen in 2019 (Vorjahr: 16) und die sogenannten Kunstherzen (Total artificial heart) mit verpflanzten 15 TAH in 2019 (2018:23).

Mehr Spenderherzen verpflanzt

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen und damit die Zahl der Herztransplantationen um 6,7 Prozent gestiegen: von 312 (2018) auf 333 im vergangenen Jahr. Die DGTHG begrüßt die steigende Organspendebereitschaft und weist gleichzeitig darauf hin, dass rund 10.000 Menschen bundesweit auf ein geeignetes Organ warten. Mit der eigenen Kampagne der Fachgesellschaft, gestartet im Februar 2020, wollen die HerzchirurgenInnen weiter für das Thema sensibilisieren, denn bis dato gibt es keinen adäquaten Ersatz für das menschliche Herz.

Die gesamte Leistungsstatistik (Folien und Report) steht zum kostenfreien Download unter:
https://www.dgthg.de/de/dgthg_leistungsstatistik


Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) mit Sitz in Berlin ist eine gemeinnützige, wissenschaftliche, medizinische Fachgesellschaft, deren Ziele u.a. der Förderung der Wissenschaft und Weiterentwicklung von Therapien auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie sind. Zu den weiteren Hauptaufgaben zählen die Durchführung von Weiter- und Fortbildungsprogrammen, Erstellung medizinischer Leitlinien, Förderung von Nachwuchskräften und die Ausrichtung medizinischer Fachtagungen. Als Vertretung der über 1.000 in Deutschland tätigen und in der DGTHG organisierten Thorax-, Herz- und Kardiovaskularchirurgen stehen die Verantwortlichen der Fachgesellschaft für einen Dialog mit der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft zur Verfügung.

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CAVE-Untersucher: „Lazarus-Phänomen“ - Nullinie oder Kammerflimmern http://www.eurac.edu

Medizin am Abend Berllin - MaAB-Fazit: Das „Lazarus-Phänomen“: Wenn Tote plötzlich wieder Lebenszeichen geben

Ein Patient mit Kreislaufstillstand wird vom Notfallarzt wiederbelebt. 

Das Herz schlägt nicht mehr, es sind keine Lebenszeichen mehr vorhanden, das EKG zeigt eine Nulllinie oder Kammerflimmern an, die Wiederbelebung ist erfolglos. 

Nach 20 bis 30 Minuten Reanimation setzt der Notarzt die Wiederbelebung den Richtlinien entsprechend ab. 

Plötzlich, Minuten später und ohne Zutun von außen, zeigt der Patient wieder ein Lebenszeichen, atmet, hat Puls. 

  • Dieses als „Lazarus-Phänomen“ bekannte Ereignis haben laut publizierten Umfragen viele Intensivmediziner schon beobachtet. 

Notärzte bei der Wiederbelebung
Notärzte bei der Wiederbelebung Adobe Stock / Lightfield Studios
 
Ein internationales Team aus Notfallmedizinern des University Hospitals Morecambe Bay Trust (UK), des Universitätsspitals Lausanne (CH), des Bozner Forschungszentrums Eurac Research (I) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (A) hat zum ersten Mal alle in der medizinischen Fachliteratur publizierten Fälle im Bereich der erweiterten Wiederbelebung durch professionelle Helfer – 65 seit 1982 – systematisch analysiert. 

Die Erkenntnisse könnten sich auf die gesamte Notfallmedizin auswirken.

Warum es Minuten nach einer erfolglos beendeten Wiederbelebung zu einer spontanen Rückkehr der Lebensfunktionen kommt, ist bislang unbekannt, doch ist dieses Ereignis keinesfalls selten.

Das zeigen weltweite Umfragen, wo 37 bis 50 Prozent der befragten Anästhesisten und Intensivmediziner angeben, derartige Phänomene schon erlebt zu haben.

Die vier Forscher Les Gordon, Mathieu Pasquier, Hermann Brugger und Peter Paal finden bei ihrer Durchforstung der gesamten medizinischen Literatur, in der das Phänomen 1982 erstmals beschrieben wird, allein 65 dokumentierte Fälle.

„Wir vermuten aufgrund unserer Analysen, dass das Lazarus-Syndrom viel häufiger auftritt als es in der Literatur aufscheint“, schlussfolgert Les Gordon, Hauptautor der Studie und britischer Notfallmediziner.


  • Unter „Lazarus-Phänomen“ fasst das Forscherteam alle Fälle von Notfallpatienten mit Herzkreislaufstillstand zusammen, die nach der Herz-Lungen-Wiederbelebung aufgegeben wurden und dann eine spontane Rückkehr des Kreislaufs hatten.

Es bezieht sich nicht auf die Wiederbelebung durch Laien. 

Von den 65 beschriebenen Fällen hat ein Drittel (22 Personen) den Kreislaufstillstand überlebt, 82 Prozent davon – also 18 Patienten – ohne neurologischem Dauerschaden.

„Auch wenn es wenige scheinen, sind die Konsequenzen doch beträchtlich, wenn man an das beteiligte medizinische Personal, die Angehörigen, die rechtlichen Konsequenzen und die tägliche Anzahl der Patienten denkt, die Wiederbelebungsmaßnahmen benötigen“, unterstreichen die Mitautoren Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin von Eurac Research, und Peter Paal von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

„Die Tatsache, dass die Mehrheit der Überlebenden keine Folgeschäden aufwies, ist von allergrößter Bedeutung“, schließt Forscherkollege Mathieu Pasquier. 


Aufgrund ihrer Erkenntnisse geben die vier Forscher in ihrer Studie eine Reihe von Empfehlungen, die wichtigste: 
  • Nach Beenden einer Herz-Lungen-Wiederbelebung soll ein Patient noch mindestens zehn Minuten mithilfe eines Elektrokardiagramms beobachet und überwacht werden. 
  • Denn bei den 65 dokumentierten Fällen traten die Lebenszeichen im Durchschnitt nach fünf Minuten auf, die meisten innerhalb von zehn Minuten.

Die Studie ist im renommierten Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Resuscitation veröffentlicht und kann unter folgendem Link nachgelesen werden:

https://sjtrem.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s13049-019-0685-4
Originalpublikation:
https://sjtrem.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s13049-019-0685-4

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Medizin am Abend Berlin Team - Vor Ort - Brainstorming und Trainingskurse

Sehr verehrte Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte,

seit Freitag, den 10. Juli 2020 bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 befinden wir uns als MaAB - Medizin am Abend Berlin Team im traditionellen SommerCamp auf dem Darß/Ostsee im Landkreis Vorpommern-Rügen MVP-Germany.

Versprochen: 

Wir kommen wieder mit neuen thematischen, inhaltlichen und terminlichen Schwerpunktaspekten zu Ihnen und Ihren Teams zurück.

Bleiben Sie gesund und orientiert.

Ihr Medizin am Abend Berlin Team