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CAVE: Rettungsstellen-KANZEL: "Werther-Effekt" Suizid und Selbstverletzung

Medizin am Abend Berlin MaAB -Fazit: Suizid und Selbstverletzung auf Instagram

  • Bildliche Darstellungen von Suizid und Selbstverletzung finden sich auf Instagram, einer Social Media Plattform, die vor allem bei jungen Menschen populär ist. 
  • Wissenschaftliche Untersuchungen dazu kamen zum Schluss, dass Selbstverletzung und Suizid präsent sind und teilweise äußerst explizit dargestellt werden. 

Die konkreten Auswirkungen der Nutzung dieser Inhalte auf UserInnen waren bis jetzt unbekannt. 

Diese Lücke schließt nun eine Studie von Florian Arendt von der Universität Wien, der gemeinsam mit Wissenschaftern der Universität Pennsylvania und der KU Leuven die Wirkung solcher Darstellungen untersucht hat. 
 
Die Tatsache, dass eine explizite, detaillierte Beschreibung und Abbildung der Suizidmethode in Medien Nachahmungseffekte begünstigen kann, ist in zahlreichen Studien für das Fernsehen und Tageszeitungen nachgewiesen.

Dies ist in der Literatur bereits als "Werther-Effekt" bekannt. Wie es sich mit solchen Inhalten auf Instagram verhält, untersuchte nun Florian Arendt vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit einem internationalen Forscherteam.

Konkret führten die Forscher in den USA im Abstand von rund einem Monat eine webbasierte Befragung in zwei Wellen mit insgesamt 729 ProbandInnen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren durch.

Dabei fanden sie heraus, dass eine überraschend große Anzahl der UserInnen (43 Prozent) bereits mit Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten auf Instagram persönlich in Berührung gekommen war. 

Die Mehrheit dieser UserInnen (64 Prozent) gab "emotionale Verstörung" als Reaktion auf diese Zuwendung an. 

Nur 20 Prozent gaben an, bewusst nach Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten auf Instagram gesucht zu haben. 

Das heißt, dass ein Großteil der UserInnen diese Inhalte ohne gezielte Suchabsicht, also zufällig und unbeabsichtig, gesehen hat.

Im Querschnitt zeigte sich den Forschern ein statistischer Zusammenhang zwischen dem Anschauen von Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten (z.B. Fotos mit Ritzen, kurze Videoclips mit Suiziddarstellungen) und häufigeren Suizidgedanken, einer größeren Hoffnungslosigkeit, weniger Gründen selbst am Leben zu bleiben (d.h. weniger "Reasons for Living") und mehr (selbst-berichtetes) selbstverletzendes Verhalten.


Die Zuwendung zu problematischen Inhalten sagte (auch im Längsschnitt) eine Verschlechterung von Suizidgedanken, Hoffnungslosigkeit, Reasons for Living, und selbstverletzendem Verhalten zwischen den beiden Befragungswellen voraus. Die Zuwendung zeigte jedoch keinen Effekt auf konkrete Suizidpläne (d.h. eine konkrete Verhaltensabsicht) der UserInnen.

"Sowohl KommunikationswissenschafterInnen und SuizidexpertInnen, aber auch Eltern haben in der jüngsten Vergangenheit Besorgnis über diese expliziten Inhalte auf Instagram geäußert. 

Unsere Ergebnisse liefern Evidenz dafür, dass diese Besorgnis gerechtfertigt ist", sagt Florian Arendt von der Universität Wien, Erstautor der Studie.

"Zwar kann diese Befragungsstudie keine Werther-Effekte im Sinne eines Anstiegs der Suizidrate nachweisen, die Analysen deuten jedoch auf problematische Konsequenzen dieser Inhalte hin.

Darstellungen von Suizid- und selbstverletzendem Verhalten auf Social Media wie Instagram gehören stärker in den Fokus unserer Aufmerksamkeit."

Gesellschaftliche Verantwortung: Was soll Instagram machen?
"Betreiber von Social Media Plattformen wie Instagram haben eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung ", meint Arendt. Instagram hat unlängst verlautbart, sich dem Thema stärker annehmen zu wollen und explizite grafische Darstellungen von Suizid und Selbstverletzung zu verbannen. "Ein guter und wichtiger Schritt", so Arendt. Dieser Ansicht schließen sich auch die Ko-Autoren der Studie, Sebastian Scherr von der KU Leuven (Belgien) und Daniel Romer von der Universität Pennsylvania (USA) an. Die Ergebnisse dieser Studie bekräftigen die Wichtigkeit einer raschen und verantwortungsvollen Umsetzung dieses Vorhabens.

"Es soll allerdings nicht zu einer Tabuisierung von Suizid oder Selbstverletzung kommen. Das präventive Potential von Instagram sollte besser als bislang genützt werden, indem etwa vulnerablen UserInnen verstärkt Hilfsangebote kommuniziert werden und sie dadurch online Unterstützung finden.

Inhalte hingegen, von denen wir empirische Evidenz besitzen, dass diese Nachahmungseffekte begünstigen – wie etwa detaillierte, grafische, explizite Darstellungen – sollten nicht öffentlich und derart leicht zugänglich sein.

Vor allem auch, wenn man an die Jüngsten unserer Gesellschaft denkt", so Arendt.

Zum Studiendesign
Bei der vorliegende Studie handelt es sich um eine nicht-repräsentative Stichprobe von jungen Erwachsenen.

Es wurde kein klinisches Sample getestet.

Zudem kann ein mehrwelliges Panel-Design zwar die Interpretation kausaler Effekte erleichtern, jedoch kann Kausalität nicht bewiesen werden, wie dies etwa bei einer randomisierten kontrollierten Studie der Fall wäre. Letzterem Forschungsdesign sind im Suizidpräventionsbereich jedoch auf Grund ethischer Bedenken bei gewissen Fragestellungen zurecht Grenzen gesetzt.

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Originalpublikation:
Publikation in "New Media & Society"
Florian Arendt, Sebastian Scherr, Daniel Romer: "Effects of exposure to self-harm on social media: Evidence from a two-wave panel study among young adults"
DOI: 10.1177/1461444819850106

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): systemische Entzündung

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit:  

COPD: hohe Sterblichkeit und fehlendes Krankheits-Bewusstsein

Kaum bekannt, aber tödlich – so könnte das Urteil über die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) lauten, die weltweit bereits die dritthäufigste Todesursache ist. 

Eine Untersuchung zum öffentlichen Interesse an COPD mittels der Applikation Google Trends durch ein Ärzti*nnen-Team der Medizin Uni Innsbruck bestätigt diesen Befund: 

Beim Vergleich der Suchanfragen unter den zehn, nach WHO-Klassifikation häufigsten Todesursachen rangiert COPD nur auf Platz 8. Das mangelnde Bewusstsein hat fatale Folgen. 
 
  • Obwohl die Prävalenz und die Sterblichkeitsrate von COPD weltweit kontinuierlich ansteigen, bleibt die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oft unerkannt und nicht diagnostiziert. 

„COPD ist in den Köpfen der Menschen viel zu wenig verankert“, weiß Alex Pizzini, Facharzt an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II (Direktor: Günter Weiss), der zusammen mit Anna Böhm und Studienleiter Ivan Tancevski die aufschlussreiche Analyse durchführte.

Stagnierendes Interesse an COPD trotz steigender Todesraten
Um das mangelnde Bewusstsein für die Erkrankung quantifizieren zu können, hat das Pneumologie-Team um Böhm, Pizzini und Tancevski mithilfe der Analyse-Applikation Google Trends die Frequenz der globalen Suchanfragen nach COPD im Zeitraum von 2004 bis 2018 untersucht. Dabei wurde das relative Suchvolumen für COPD mit neun weiteren, aus der von der WHO in einer jährlichen Statistik veröffentlichten Liste der weltweit häufigsten Todesursachen verglichen. Um die Analyse nicht zu verzerren, beschränkten sich die Forscher*innen in ihrer Internetsuche auf Industrienationen, also auf Länder, in denen rund 80 Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen. „Wir konnten zeigen“, so Pizzini, „dass medizinische Themen grundsätzlich ein geringeres Suchvolumen aufweisen, am häufigsten aber nach Diabetes, Schlaganfall und Brustkrebs gegoogelt wird.

  • COPD findet sich erst auf dem achten Platz, saisonal bedingt interessieren sich Nutzerinnen und Nutzer der Suchmaschine Google im ersten und vierten Jahresquartal, also in den Wintermonaten, ein bisschen mehr als sonst für COPD“. 


COPD wird also viel seltener gesucht, als Menschen daran erkranken. 

Im zeitlichen Verlauf lässt sich seit 2004 gar ein stagnierendes Suchveralten feststellen – ein Trend, der der Neuerkrankungsrate zuwider läuft.

Immerhin leidet in Österreich jede/r Zehnte an COPD, nach dem 70. Lebensjahr schon jede/r Vierte. Den Daten von Statistik-Austria zufolge wurde von 2002 bis 2016 in Österreich ein Anstieg der Todesraten von COPD Patient*innen von über 60 Prozent registriert – ein Trend, der mit einem Anstieg von 130 Prozent vor allem auch Tirol betrifft.

Unbekannte bleibt Unerkannte mit tödlichen Folgen
Dabei ist COPD als systemische Entzündung mit zahlreichen Begleiterkrankungen und sich stetig verschlechternder Lebensqualität verbunden. Schon eine geringe Abnahme der Lungenfunktion steigert das Herzinfarktrisiko.

Das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln ist bei COPD sechsmal erhöht, das Schlaganfallrisiko zehn Mal höher.

Sogenannte Exazerbationen (akute Verschlimmerung der Erkrankung), die in der dritten und vierten Krankheitsstufe zunehmend auftreten und in schweren Fällen eine Aufnahme in der Intensivstation notwendig machen, führen in zehn Prozent der Fälle zum Tod, das Sterblichkeitsrisiko bleibt bis zu einem Jahr danach noch um bis zu 40 Prozent erhöht.

Mit einem höheren Bewusstsein und einer rechtzeitigen Diagnose könnten jedoch Risikofaktoren wie etwa das Rauchen eliminiert, Exazerbationen verhindert und Begleit- bzw. Folgeerkrankungen entsprechend behandelt werden.

Über 90 Prozent aller COPD Patient*innen rauchen oder haben über lange Zeit geraucht. 

Symptome wie erhöhte Schleimbildung und chronischer Husten sollten deshalb vor allem für Raucher*innen Grund genug sein, Atemwege und Lunge untersuchen zu lassen. 

„Vor dem Hintergrund des fehlenden Krankheitsbewusstseins wird der Raucherhusten allzu oft bagatellisiert. Rauchen, auch das Passiv-Rauchen, steht jedoch an erster Stelle der Risikofaktoren für COPD“, warnt Studienleiter Ivan Tancevski, der die Ergebnisse der im Fachjournal European Respiratory Journal veröffentlichten Internet-Analyse als wichtigen Impuls für gezielte Maßnahmen zur Awareness-Bildung sieht.

Das Team in Innsbruck arbeitet derzeit bereits an Folgeprojekten, um die Patient*innenversorgung weiter zu verbessern.

Hintergrundinformation
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung geht von einer chronischen Entzündung der unteren Atemwege aus. 

  • Diese andauernde Entzündungsreaktion bewirkt Veränderungen und Umbauprozesse, die eine bleibende Verengung der Bronchien und Bronchiolen bedingen. 
  • Chronische Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot sind möglich, fortgeschrittene Stadien sind häufig mit Lungenemphysem assoziiert, betroffene Patient*innen benötigen häufig eine chronische Sauerstoffversorgung.

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Dr. Alex Pizzini
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Tel.: +43 50 504 82075
E-Mail: Alex.Pizzini@i-med.ac.at

Priv.-Doz. Dr. Ivan Tancevski
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Tel.: +43 50 504 86750
E-Mail: Ivan.Tancevski@i-med.ac.at

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
Tirol


Doris Heidegger
E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1183/13993003.00351-2019

CAVE: Rettungsstellen-KANZEL: Angststörungen - Depressionen

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Pollenallergie tritt häufiger bei Angstpatienten auf

Saisonale Allergien gegen Gräser oder Baumpollen treten bei Menschen mit Angststörungen vermehrt auf, während Patienten mit Depressionen häufiger unter ganzjährigen Allergien wie etwa gegen Tierhaare leiden. 

Das hat ein Team der Technischen Universität München (TUM) erforscht. 

Medizin am Abend Berlin MaAB-CARDIOLOTSE-HörfunkBeitrag 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Geschlossene Unterbringung nach PsychKG 

  • Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien werden von diesen beiden psychosozialen Erkrankungen dagegen nicht beeinflusst. 
 
Das Team befragte über 1700 Personen aus dem Raum Augsburg zu ihren Allergien.

Hierbei unterschieden die Forscherinnen und Forscher um Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin am Universitären Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg (UNIKA-T) und Professorin für Umweltmedizin an der TUM zwischen ganzjährig auftretenden Allergien wie Hausstaub- oder Tierhaarallergien, saisonalen Allergien wie gegen Gräserpollen und anderen Allergien wie Nahrungsmittelallergien.

Zudem beantworteten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer Fragen zu ihrem psychischen Zustand. 

  • Hierbei lag das Augenmerk auf Depressionen, generalisierten - das heißt den kompletten Alltag betreffenden - Angsterkrankungen und akutem mentalen Stress. 

„Es gibt Untersuchungen, die sich auf die psychische Komponente von Hauterkrankungen oder allergischem Asthma konzentrieren. 

Wir zeigen erstmals einen Zusammenhang mit saisonalen Allergien auf“, erklärt Katharina Harter, Erstautorin der Publikation.

Etwa ein Viertel der Befragten (27,4 %) gaben an, unter Allergien zu leiden; davon 7,7 Prozent an ganzjährigen, 6,1 Prozent an saisonalen und 13,6 Prozent an anderen Formen von allergischen Reaktionen.

Einfluss von psychischen Faktoren nachgewiesen

  • Es zeigte sich, dass Menschen, die an einer generalisierten Angststörung litten, auch häufiger Pollenallergien hatten, nicht aber das ganze Jahr andauernde Allergien. 

Diese traten in der Gruppe der Angsterkrankten sogar statistisch seltener auf.

  • Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass Personen mit andauernden Allergien andere Stressverarbeitungsstrategien entwickelt haben, die sie vor Angststörungen schützten.
  • Bei den ganzjährigen Allergien gab es dagegen einen positiven Zusammenhang mit Depressionen und depressiven Phasen. 

Durch den Aufbau der Studie konnte aber nicht geklärt werden, ob Allergien die Angreifbarkeit für Depressionen erhöht oder ob sie selbst ein Risikofaktor für Allergien sind. Für das Forschungsteam überraschend war die Tatsache, dass das Auftreten von Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien nicht oder nur geringfügig von psychischen Faktoren beeinflusst wurde.

Weitere Untersuchungen geplant

In der Studie wurden mögliche Störfaktoren, die den Zusammenhang fälschlicherweise beeinflussen könnten, statistisch herausgerechnet. Hierzu zählten Alter, der Status Raucher/Nichtraucher, das Geschlecht und familiäre Vorbelastungen (z. B. allergisches Asthma).

Katharina Harter erklärt aber auch die Schwachstellen der Studie:

„Wir haben ein relativ hohes Durchschnittsalter von 61 Jahren, somit sind jüngere Menschen eher unterrepräsentiert. Außerdem handelt es sich nur um eigene Angaben und nicht um echte Allergiediagnosen.

Wir haben aber Blutproben von allen Probanden und wollen diesen Punkt wissenschaftlich überprüfen.“, sagt sie.

Insbesondere zeige diese Studie, so Prof. Traidl-Hoffmann, wie wichtig es sei, dem Patienten ausreichend Zeit zu widmen.

 Nur so könnten psychosoziale Aspekte neben den klinischen Untersuchungen in eine ganzheitliche Therapie einfließen, wie sie in der Hochschulambulanz für Umweltmedizin am UNIKA-T praktiziert wird.

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Die Daten der Studie wurden im Rahmen der zweiten Nachfolgestudie zur KORA-Studie S4 erhoben. Das Universitäre Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg, UNIKA T, ist ein vom Universitätsklinikum Augsburg, der Universität Augsburg, der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gemeinsam getragener Forschungsverbund mit Sitz in Augsburg. Die aktuelle Studie wurde vom Lehrstuhl für Epidemiologie am UNIKA-T unterstützt.

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Prof. Claudia Traidl-Hoffmann
Lehrstuhl und Institut für Umweltmedizin
Technische Universität München und Universitäres Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg – UNIKA-T
Tel.: 0821 - 598 6411
claudia.traidl-hoffmann@tum.de

Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München
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80333 München
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Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388


Originalpublikation:
Katharina Harter, Gertrud Hammel, Lisa Krabiell, Birgit Linkohr, Annette Peters, Lars Schwettmann, Johannes Ring, Hamimatunnisa Johar, Karl-Heinz Ladwig, Claudia Traidl-Hoffmann, Different Psychosocial Factors Are Associated with Seasonal and Perennial Allergies in Adults: Cross-Sectional Results of the KORA FF4 Study, International Archives of Allergy and Immunology, April 2019, DOI: 10.1159/000499042
https://www.karger.com/Article/Abstract/499042

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.professoren.tum.de/traidl-hoffmann-claudia/
Profil von Prof. Claudia Traidl-Hoffmann

https://www.unika-t.de/lehrstuehle/umweltmedizin/willkommen/

Webseite des Lehrstuhls und Instituts für Umweltmedizin

CAVE: Kinder- und Jugendliche: Hohe Anzahl Verletzungen und Überlastungsschäden

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Turnen, Fußball, Ballett - Warum sportmedizinische Vorsorge bei Kindern und Jugendlichen wichtig ist

Der Leistungssport geht mit einer immer früher einsetzenden Spezialisierung sowie mit Trainingsbelastungen von 15 Stunden oder mehr pro Woche einher. 

Dies führt im Wachstumsalter zu mehr hohen Belastungen des Bewegungsapparates und Herz-Kreislauf-Systems, die oft die Grenzen der Verträglichkeit erreichen. 

Oder: 

bei entsprechender Disposition Grunderkrankungen verschlimmern können bis hin zu gesundheitlichen Komplikationen.

  • Die Folge sind - abhängig von Sportart, Umfang, Spezialisierung, Alter und Geschlecht -eine hohe Anzahl Verletzungen und Überlastungsschäden. 

Sportorthopädische Untersuchung
Sportorthopädische Untersuchung
 
Regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen der Jugendlichen sind deshalb unabdingbar.
Wie diese aussehen sollen, legen Dr. med. Christian Nührenbörger, Leiter der Sportorthopädie und Prof. Dr. med. Axel Urhausen, Chef du Service de Médecine du Sport et de Prévention, beide von der Clinique du Sport – Centre Hospitalier de Luxembourg auf dem Internationalen Kongress der GOTS im Juni in Salzburg dar.

„Voraussetzungen für die sportmedizinisch-orthopädische Vorsorgeuntersuchung von Jugendlichen sind gutes Wissen der anatomischen Wachstumsbesonderheiten, der speziellen Verletzungsbilder und Risikofaktoren im Kindes- und Jugendalter sowie der sportartspezifischen Bewegungsabläufe und Beschwerdemuster“, erklärt Christian Nührenbörger, der gleichzeitig Mitglied der Kommission Kindersportorthopädie der GOTS ist.

Ziele der Untersuchung sind die Erfassung von Funktionsstörungen und Anomalien des Bewegungsapparates, von akuten Sportverletzungen und beginnenden Sportschäden, dazu die objektive Beurteilung der körperlichen Sporttauglichkeit und Erkennung von Kontraindikationen. 

 Daraus ableitend sollte es konkrete Empfehlungen zur Vermeidung (Prävention) bzw. Behandlung von orthopädischen Überlastungsschäden für den Sportler geben.

Die sportorthopädische Beurteilung ist dabei abhängig von den individuell erhobenen Pathologien und der Entwicklung des jugendlichen Sportlers.

Wann und bei wem?

Die Untersuchungen sind bei Nachwuchsleistungssportlern bei der Aufnahme in Leistungskader oder auf Sportschulen zu empfehlen. Je nach sportartspezifischer Trainingsbelastung sollten diese dann jährlich erfolgen und können wie beispielsweise im Kunstturnen auch bereits schon im Alter um 10 Jahre beginnen.

Wie?

Nach ausführlicher Anamnese (zusammen mit den Eltern) muss eine allgemeine orthopädische Ganzkörperuntersuchung am Sportler erfolgen. Je nach sportartspezifischer Belastung erfolgen dabei auch spezielle funktionelle Untersuchungen zum Beispiel der oberen Extremitäten bei Überkopf- und Wurfsportarten, der unteren Extremitäten bei Lauf- und Sprungsportarten sowie der Wirbelsäule u.a. beim Turnen, Ballett, Rudern, Kraft- und Kampfsport.


Weiterhin sind abhängig vom klinischen Befund noch zusätzliche apparative Funktions-untersuchungen nötig, wie Lauf- und Videoanalysen, Kraft-, Sprung- und Laxitätstests sowie radiologische Untersuchungen.

Die wichtigsten Punkte der internistischen Vorsorgeuntersuchung von Jugendlichen nennt Prof. Axel Urhausen:

„Sie sollte ab ca. 12 bis 15 Jahren, bei Mädchen und Jungen gleichermaßen, erfolgen. 

Wichtig sind die Eigen- und Familienanamnese, eine klinische Untersuchung mit Herzauskultation im Liegen und Sitzen/Stehen, die Erhebung der peripheren Pulse, die beidseitige Blutdruckmessung sowie in jedem Fall ein Ruhe-EKG. 

Bei auffälligen Befunden sowie leistungssportlichen Aktivitäten vor allem in konditionell anspruchsvolleren Sportarten und bei Kadersportlern ist außerdem eine Echokardiographie und ein Belastungs-EKG sinnvoll.“ 

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Jugendliche: Störung des Sozialverhalten: Fluchen, Zuschlagen, Stehlen, Lügen

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Veränderte Hirnaktivität bei sozial auffälligen Teenagern

Aggressives Verhalten bei Mädchen im Fokus

Die Studie ist Teil des FemNAT-CD-Projekts, einem europaweiten Forschungsprojekt, das sich mit den Ursachen und der Therapie von regelverletzendem und aggressivem Verhalten bei Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens befasst.

www.femnat-cd.eu

Mädchen mit problematischem Sozialverhalten zeigen eine reduzierte Hirnaktivität und eine schwächere Vernetzung zwischen Hirnregionen, die für die Emotionsregulation relevant sind. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Krankenhausplanungen 

Die Erkenntnisse einer internationalen Studie unter Beteiligung der Universität Zürich bieten eine neurobiologische Erklärung für die Schwierigkeiten der Betroffenen, ihre Gefühle zu kontrollieren, und liefern Impulse für die Therapie. 
 
In unserer Jugend durchlaufen wir eine Vielzahl körperlicher und psychischer Veränderungen, die mit einer erhöhten Emotionalität einhergehen.

Für das soziale Funktionieren im Alltag, aber auch für das eigene körperliche und mentale Wohlbefinden ist es wichtig, diese Gefühle erkennen, verarbeiten und kontrollieren zu können. 

  • Jugendlichen, die an einer Störung des Sozialverhaltens leiden, fällt dieser Prozess schwer, was zu antisozialen, oft aggressivem und klar von der Alternsnorm abweichenden Reaktionen führt: 
  • zum Beispiel zu Fluchen, Zuschlagen, Stehlen oder Lügen. 

Ein internationales Team von Forschenden aus der Schweiz, Deutschland und England konnte mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie nachweisen, dass sich diese Schwierigkeiten auf der Verhaltensebene auch in der Hirnaktivität widerspiegeln.

Neuronale Erklärung für soziale Defizite

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Gehirnfunktion von knapp 60 weiblichen Teenagern zwischen 15 und 18 Jahren, die Strategien der bewussten Emotionsregulation anwendeten.

Die Hälfte der Gruppe wies eine diagnostizierte Störung des Sozialverhaltens auf, die andere Hälfte eine normale Sozialentwicklung. Bei den Mädchen mit einem problematischem Sozialverhalten zeigte sich in den präfrontalen und temporalen Hirngebieten, welche die kognitiven Kontrollprozesse steuern, weniger Aktivität.

  • Zudem waren diese Bereiche weniger gut mit weiteren Hirnregionen vernetzt, die für die Emotionsverarbeitung und die kognitive Kontrolle wichtig sind.

«Unsere Resultate bieten erstmals einen neuronalen Erklärungsansatz für Emotionsregulationsschwierigkeiten von Mädchen mit auffälligem Sozialverhalten», sagt Erstautorin und UZH-Professorin Nora Raschle.

«Die unterschiedliche neuronale Aktivität in den beiden Versuchsgruppen kann auf fundamentale Differenzen bei der Gefühlsregulation hinweisen.

Sie ist möglicherweise aber auch auf eine verzögerte Hirnentwicklung bei den Versuchsteilnehmerinnen mit problematischem Sozialverhalten zurückzuführen.»

Impulse für die Therapie

In der Behandlung betroffener Jugendlicher wird meist auf mehreren Ebenen gearbeitet:

an der Emotionskontrolle ebenso wie am Erkennen, Verarbeiten und Ausdrücken von Emotionen.

«Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein verstärkter Fokus die Emotionsregulation hilfreich sein könnte», so Raschle.

Zukünftige Studien sollen zudem die Wirksamkeit spezifischer Therapieformen unterprüfen:

«In Hinblick darauf werden wir kognitiv-verhaltensbezogene Interventionsprogramme anwenden, die auf eine bessere Emotionsregulation bei Mädchen mit problematischem Sozialverhalten abzielen», erläutert Letztautorin Christina Stadler von den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Kliniken in Basel.

Zu untersuchen bleibt, ob männliche Teenager mit einer Störung des Sozialverhaltens ähnliche Hirnaktivitäten während der Emotionsregulation zeigen. Laut dem Forschungsteam mehren sich die Hinweise, dass die neuronalen Ausprägungen von auffälligem Sozialverhalten geschlechtsspezifisch sein könnten.

«Die meisten Studien fokussieren jedoch – anders als unsere – auf junge Männer, weshalb das bisherige neurobiologische Wissen eher auf sie zugeschnitten ist», so Raschle.

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Originalpublikation:
NM Raschle, LV Fehlbaum, WM Menks, A Martinelli, M Prätzlich, A Bernhard, K Ackermann, C Freitag, S De Brito, G Fairchild, C Stadler. Atypical dorsolateral prefrontal activity in females with conduct disorder during effortful emotion regulation.Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging. 22 May 2019. DOI: 10.1016/j.bpsc.2019.05.003




Charakteristische Strukturveränderungen: Folgen eines akuten Herzinfarkts

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Der Herzinfarkt in neuem Licht – Neue Methode entwickelt

Einen Herzinfarkt-Schaden und abhängige Signalprozesse gleichzeitig zu messen, war experimentell bisher nicht möglich. 

Mit einer völlig neu entwickelten Methode von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am aus dem Universitätsklinikum Essen könnte sich dies nun ändern. 

Sie wurde jetzt im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ vorgestellt.* 
 
An den Folgen eines akuten Herzinfarkts versterben trotz moderner Katheter-interventioneller Verfahren und medikamentöser Therapien viele Patienten.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Arztpraxen  

Bisher beschränkte sich die experimentelle Untersuchung des Herzinfarktes mangels besserer technischer Möglichkeiten meist auf die Messung einzelner Parameter in relativ grober Auflösung. 

  • „Unsere Methode erlaubt nun erstmals, die Größe des myokardialen Schadens und die immunologische Antwort hierauf gleichzeitig und hoch präzise zu messen. 

Wir hoffen, dass unsere grundlagenwissenschaftlichen Studien das Feld der Kardiologie nachhaltig verändern und auch die Erforschung neuartiger Signalwege ermöglichen wird“, so PD Dr. Matthias Totzeck aus der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

Federführend bei diesem Projekt waren seine Arbeitsgruppe sowie das Institut für experimentelle Immunologie und Bildgebung von Prof. Dr. Matthias Gunzer. ,

Den Forschern gelang es, mittels Lichtblattmikroskopie den akuten Schaden im Herzen von Mäusen in 3D darzustellen und eingewanderte Immunzellen räumlich mit diesem in Verbindung zu setzen. „Im Verlauf der Heilung des Infarktes fanden wir immer mehr wiederhergestellte Kapillargefäße, deren 3D-Architektur aber völlig anders war als in der gesunden Situation“, so Prof. Gunzer. 
  • „Damit konnten wir nachweisen, dass die initiale Schädigung zu einer charakteristischen Strukturveränderung führte. 
  • Deren Größe und Position konnten wir auch noch Tage später exakt bestimmen.“

Tests verschiedener Therapien bereits geplant

Die Forscher konnten bereits einige experimentelle Therapien mit der neuen Methode untersuchen.

Ebenfalls war es möglich, das Protokoll für Herzbiopsien von Patienten anzupassen.

„Durch den Einsatz der Lichtblattmikroskopie erhoffen wir uns in den nächsten Monaten und Jahren noch sehr viel mehr Erkenntnisse über den Wirkmechanismus der Herzschädigung bei Infarkt und anderen kardiotoxischen Ereignissen“, so PD Dr. Totzeck.

An dem Projekt maßgeblich beteiligt waren Sebastian Korste, Simon Merz und Lea Bornemann, Promovierende aus den beiden Hauptarbeitsgruppen. Mitgearbeitet haben Forschungsgruppen der Dermatologie, Neurologie und Herz- und Thoraxchirurgie (UKE) sowie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad-Nauheim.

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PD Dr. Matthias Totzeck, Klinik für Kardiologie und Angiologie, Tel. 0201/723-84805 matthias.totzeck@uk-essen.de
Prof. Dr. Matthias Gunzer, Institut für experimentelle Immunologie und Bildgebung, Tel. 0201/18 3-6640 matthias.gunzer@uni-due.de

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Originalpublikation:
* Contemporaneous 3D characterization of acute and chronic myocardial I/R injury and response. Nat Commun. 2019. doi: 10.1038/s41467-019-10338-2
https://www.nature.com/articles/s41467-019-10338-2 



http://www.ukr.de/cac Takotsubo Kardiomyopathie - CAC Rettungsmaßnahme

Medizin am Abend  Berlin MaAB Fazit: TASH erstmals erfolgreich in der Notfall-Rettung

Derzeit werden nach Forderungen des Deutschen Rats für Wiederbelebung (German Resuscitation Council, GRC) Cardiac Arrest Center (CAC) an deutschen Krankenhäusern etabliert. 

Wie effektiv diese Struktur ist, zeigt ein Fall aus dem Universitätsklinikum Regensburg (UKR), bei dem innerhalb des CAC eine Patientin mit Takotsubo Kardiomyopathie im Rahmen einer Rettungsmaßnahme erstmals erfolgreich durch TASH behandelt werden konnte. 

Das Team des Cardiac Arrest Center am UKR um Prof. Dr. Lars Maier (2.v.r.)
Das Team des Cardiac Arrest Center am UKR um Prof. Dr. Lars Maier (2.v.r.)
UKR / Martin Meyer

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Fortbildungen  
 
  • Alleine in Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 50.000 Menschen einen reanimationspflichtigen, prähospitalen Herz-Kreislauf-Stillstand. 
  • Ob die Patienten überleben, ist maßgeblich von der medizinischen Versorgung durch Ersthelfer, Rettungsdienst und die weiterbehandelnde Klinik abhängig.

Seit Jahren fordern die internationalen Reanimationsleitlinien deswegen die Implementierung von Cardiac Arrest Centern, die geeignete Strukturen und Prozesse vorhalten, um eine optimale Ergebnisqualität bei der klinischen Behandlung von Patienten mit prähospitalem Herz-Kreislauf-Stillstand zu erzeugen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Großgeräte in der Medizin  

  • CAC sollen die Versorgung dieser Patienten am Übergang vom Rettungsdienst zur Klinik, aber auch innerklinisch zwischen den einzelnen Fachdisziplinen optimieren. 

Dadurch sollen ihre Überlebenswahrscheinlichkeit und das neurologische Outcome verbessert werden. 

Am UKR haben sich die Strukturen des Cardiac Arrest Center bereits bewährt.

So konnte in enger interdisziplinärer Kooperation weltweit erstmals erfolgreich eine Transkoronare Ablation der Septumhypertrophie (TASH) bei einer Patientin in kardiogenem Schockzustand an der extrakorporalen Membran-Oxygenierung (ECMO) bei Takotsubo Kardiomyopathie und einer bereits vorhandenen hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) angewendet werden.

TASH bei schwerem kardiogenem Schock
Der beschriebene Fall, der auch kürzlich wissenschaftlich publiziert wurde, behandelt eine 78-jährige Patientin. Diese wurde bereits aufgrund einer bekannten HOCM in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR mittels einer TASH therapiert, die zunächst erfolgreich verlaufen ist. Sechs Monate später war jedoch ein symptomatischer Gradient im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) erkennbar, was mit der Gabe von Verapamil behandelt wurde.

Wiederum sechs Wochen danach geriet die Patientin in einen Sturm, was sie so sehr unter Stress setzte, dass sie mit Dyspnoe und typischer Angina in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Es wurde eine Takotsubo Kardiomyopathie diagnostiziert.

  • Eine Echokardiographie ergab zusätzlich eine schwere Mitralklappeninsuffizienz mit Einengung des Ausflusstrakts (systolic anterior movement, SAM) sowie eine LVOT-Blockade (120 mm Hg). 

Aufgrund des schweren körperlichen Schockzustands mit einhergehendem Nieren- und Leberversagen wurde die Patientin mit dem Hubschrauber auf schnellstem Weg in das UKR transportiert. Dort wurde sie sofort an eine venös-arterielle ECMO angeschlossen.

Die ventrikuläre Funktion regenerierte sich langsam und auch die Organfunktion besserte sich. Dennoch scheiterten aufgrund eines nicht ausreichenden kardialen Blutvolumens mehrere Versuche, die Patientin von der ECMO zu entwöhnen. Nach 13 Tagen an der ECMO verkomplizierte sich der Fall, da die Patientin diffuse, auf die ECMO zurückzuführende Einblutungen und einen sehr hohen Bedarf an Katecholaminen aufwies.

Eine Myektomie konnte aufgrund des hohen Mortalitätsrisikos nicht durchgeführt werden, weshalb sich die Experten vor Ort für eine TASH entschieden. Der erste septale Ast wurde als Ziel ausgemacht und durch Kontrastmittelgabe über den Ballonkatheter bestätigt, woraufhin 1,5 ml von 96-prozentigem Alkohol injiziert wurde. Über eine echokardiographische Messung konnte ein signifikant reduzierter LVOT-Gradient (4-8 mm Hg) bestätigt werden. Einen Tag nach dem Eingriff gelang auch die Entwöhnung von der ECMO.

Regelmäßige echokardiographische Messungen bestätigten die Effektivität des Eingriffs und einen finalen LVOT-Gradienten von 21 mm Hg mit einer verbesserten linksventrikulären systolischen Funktion. Außerdem reduzierte sich das SAM-Phänomen zusehends und die Mitralklappeninsuffizienz konnte als moderat eingestuft werden, so dass die Patientin mit entsprechender Medikation in eine Rehabilitationseinrichtung entlassen werden konnte.
Acht Wochen später stellte sich die Patientin zur Kontrolle vor. Sie zeigte eine gute Lebensqualität ohne spürbare Einschränkungen. Eine erneute Echokardiographie ergab eine Auswurffraktion von 55 Prozent und weiterhin eine moderate Mitralklappeninsuffizienz bei keinem signifikanten LVOT-Gradienten.

„Die Krankengeschichte der Patientin ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie wir im Cardiac Arrest Center am UKR äußerst komplex erkrankte Patienten mit einem lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Versagen erfolgreich behandeln können. Ihre Geschichte zeigt, dass Patienten bei geeigneten personellen und technischen Gegebenheiten eine erhöhte Überlebenswahrscheinlichkeit haben“, erklärt Professor Dr. Lars Maier, Vorsitzender des Universitären Herzzentrums (UHR) am UKR und Mitinitiator des Cardiac Arrest Center, den größten Vorteil des neuen Zentrums

Zentrumsstrukturen für eine optimale Prozess- und Ergebnisqualität

Die Prognose reanimierter Patienten ist vor allem davon abhängig, wie schnell ihnen die richtige Versorgung zukommt. Bei der klinischen Versorgung besteht die Herausforderung häufig darin, dass die Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands nicht bekannt ist und Betroffene zudem oft sehr instabil sind, wodurch zusätzliche Komplikationen wie Nierenversagen oder Beatmungsprobleme aufkommen können. Voraussetzung für eine schnelle Behandlung unter umfassender Diagnosestellung ist daher eine extrem hohe fachspezifische Kompetenz der einzelnen beteiligten medizinischen Disziplinen, aber auch eine enge interdisziplinäre Kooperation untereinander. Im Cardiac Arrest Center am Universitätsklinikum Regensburg arbeiten unter anderem die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, die Klinik für Anästhesiologie, die Interdisziplinäre Notaufnahme, die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, die Klinik und Poliklinik für Neurologie sowie die Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie für eine bestmögliche Versorgung der Patienten zusammen.

„Neben der hohen fachlichen Expertise in der interdisziplinären Zusammenarbeit sind auch andere strukturelle Gegebenheiten wichtige Einflussfaktoren für die Behandlung von Patienten mit einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand. Oberstes Qualitätskriterium ist dabei eine leitliniengerechte, standardisierte Postreanimationsbehandlung, die wir je nach Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands individuell auf jeden einzelnen Patientenfall anwenden“, wie PD Dr. Can Martin Sag, Koordinator des neu geschaffenen Cardiac Arrest Centers am UKR, ergänzt. Sichergestellt wird diese durch Standard Operating Procedures (SOP). Die Versorgungsabläufe der reanimierten Patienten werden außerdem kontinuierlich dokumentiert und zwecks interner Qualitätskontrolle ausgewertet. Aber auch für spätere Erhebungen wird der Verlauf bis zu einem Jahr nach Behandlung im Cardiac Arrest Center festgehalten. Weitere Ausstattungsmerkmale, die vom Deutschen Rat für Wiederbelebung gefordert werden, sind unter anderem die ständige Verfügbarkeit aller benötigten technischen Einrichtungen wie Computertomographie, Herzkatheterlabor und Echokardiographie.

Diesen Kriterien folgend, implementiert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie aktuell die Zertifizierung für Cardiac Arrest Center. Das Cardiac Arrest Center des UKR erfüllt als eines der ersten Zentren in Deutschland bereits jetzt alle für die Zertifizierung notwendigen Strukturmerkmale und agiert auch bereits in der Zentrumsstruktur.

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Prof. Dr. Lars Maier
Cardiac Arrest Center
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Deutschland
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Dr. Isolde Schäfer
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Katja Rußwurm
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E-Mail-Adresse: katja.russwurm@ukr.de

Originalpublikation:
Circ Cardiovasc Interv. 2019: Bail-Out Alcohol Septal Ablation for Hypertrophic Obstructive Cardiomyopathy in a Patient With Takotsubo Cardiomyopathy-Induced Cardiogenic Shock.
Sossalla S, Meindl C, Fischer M, Lubnow M, Müller T, Maier LS.
DOI: 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.118.007425

Folgen einer Katheterablation bei Vorhofflimmern: Veröden von Herzmuskelzellen - nerven

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: UKE Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen das „Hirn des Herzens“

Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben einen Protein-Marker gefunden, der Aufschluss über die Folgen einer Katheterablation bei Vorhofflimmern geben kann. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Ärzte in Berlin-Marzahn  

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Meyer, Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie, konnte in einer Studie nachweisen, dass bei dem Veröden von Herzmuskelgewebe und -nerven das Protein S100B aus Nerven freigesetzt wird. 
 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Mindestmengen-Operationen im Krankenhaus


Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Meyer, Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie, konnte in einer Studie nachweisen, dass bei dem Veröden von Herzmuskelgewebe und -nerven das Protein S100B aus Nerven freigesetzt wird.

Dieses Eiweiß spielt potentiell eine Rolle in der Erholungsphase nach einer Katheterablation und könnte künftig als Marker genutzt werden, um zu verstehen, ob Nerven gezielt verödet werden sollten, damit Patientinnen und Patienten noch effektiver behandelt werden können.

Ergebnisse dieser Studie wurden heute im Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlicht.

Mehr als 100.000 Patientinnen und Patienten werden jedes Jahr allein in Europa mit einer Katheterablation bei Vorhofflimmern – eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen – behandelt. 

Zahlreiche Nervenzellen und -fasern, die das Herz durchziehen und dessen Rhythmus beeinflussen, werden dabei verödet.

Bei der Verödung der Nervenzellen wird ein Protein im Blut freigesetzt, das künftig als Marker genutzt werden könnte, um herauszufinden, welche Rolle der Eingriff für die betroffenen Patienten im Langzeitverlauf spielt.

Erfolgskontrolle einer Ablation bei Vorhofflimmern durch Eiweißmarker
Im Rahmen der Studie „Cardiac glial cells release neurotrophic S100B upon catheter-based treatment of atrial fibrillation“ analysierten die Forscherinnen und Forscher der Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie das von Gliazellen im Herzen produzierte Protein S100B. „Dieses Eiweiß könnte uns nun als Marker dienen, um die Vorgänge im Herzen nach der Verödung besser zu verstehen“, erklärt Dr. Katharina Scherschel, Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie.

Dafür untersuchten sie das Blut von über 100 Patientinnen und Patienten mit bekanntem anfallsartigen Vorhofflimmern. 

  • Sie stellten fest, dass das Protein S100B bei aus dem Herzen isolierten Nervenzellen zu einer Reduktion neuronaler Aktivität und einem verstärkten Wachstum von Nervenzellen in der Zellkultur führte. 

Ein positiver Effekt: 

Bei den behandelten Patienten ging mit einer vermehrten Freisetzung von S100B ein vermindertes Risiko von erneuten Herzrhythmusstörungen einher. 

„Die Messung von S100B könnte in Zukunft helfen, die katheterbasierte Behandlung von Vorhofflimmern noch effektiver für die Patientinnen und Patienten zu machen.

Konkret können wir diese Erkenntnisse nutzen, um den Einfluss innovativer Behandlungsverfahren auf die Regeneration nach einer Ablation zu verstehen und damit den Langzeitverlauf positiv zu beeinflussen“, erklärt Prof. Dr. Meyer.

Die Studie wurde unter Leitung von Prof. Dr. Christian Meyer, Kommissarischer Direktor der Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie im Universitären Herz- und Gefäßzentrum UKE Hamburg, durchgeführt; sie wird vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung unterstützt.

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Saskia Lemm
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E-Mail-Adresse: s.lemm@uke.de

Originalpublikation:
Scherschel K., Hedenus K., Jungen C., Lemoine M., et al., Cardiac glial cells release neurotrophic S100B upon catheter-based treatment of atrial fibrillation, Science Translational Medicine (2019).
DOI: 10.1126/scitranslmed.aav7770

Systemischer Sklerose (Sklerodermie): Rheumatologische Autoimmunerkrankung Gewebeveränderung der Lunge

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Erste wirksame Therapie bei Lungenfibrose durch Systemische Sklerose

Ein grosser Teil der Patienten mit Systemischer Sklerose stirbt an dadurch verursachten Gewebeveränderungen der Lunge. 

Eine internationale Studie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Oliver Distler, Direktor der Klinik für Rheumatologie am USZ, zeigt nun erstmals eine Behandlungsmöglichkeit auf. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Gesundheit der Polizisten  
 
  • Systemische Sklerose oder Sklerodermie gehört zu den seltenen Krankheiten. 

Zwischen 1500 und 2000 Menschen in der Schweiz leiden an dieser Autoimmunerkrankung.

  • Sie führt zu einer fortschreitenden Verdickung des Bindegewebes und Veränderungen an den Blutgefässen mit Durchblutungsstörungen. 

Davon betroffen sind die Haut, aber auch die Organe, und besonders häufig die Lunge: 

rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Systemischer Sklerose sterben an einer Lungenbeteiligung, mehr als die Hälfte davon an einer Lungenfibrose, also der verstärkten Bildung von Bindegewebe in der Lunge.

Die Krankheit ist nicht heilbar.

Signifikante Verlangsamung des Krankheitsverlaufs

In einer internationalen randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit 576 Patientinnen und Patienten aus 32 Ländern untersuchte ein Forscherteam unter der Leitung des Rheumatologen Prof. Dr. med. Oliver Distler vom USZ, ob sich der Wirkstoff Nintedanib positiv auf die Lungenfunktion von Patienten mit Systemischer Sklerose und auf den Verlauf der Krankheit auswirkt. Präklinische Modelle liessen diese Vermutung zu. Es handelt sich um die grösste jemals durchgeführte Studie zu Sklerodermie. Publiziert wurde sie im New England Journal of Medicine.

Die Patienten nahmen während 52 Wochen zweimal täglich Nintedanib oder ein Placebo ein, regelmässig wurde ihre Lungenfunktion überprüft. Gemessen wurde dafür die forcierte exspiratorische Vitalkapazität (FVC) der Patienten.

Dieser FVC-Wert gibt Aufschluss über die Lungenleistung. 

Bei der Auswertung der Patientendaten zeigte sich dabei über die gesamte Studiendauer hinweg eine zunehmende Differenz zwischen der Placebo- und der Nintedanib-Gruppe: Während sich die Lungenfunktion bei der Placebo-Gruppe kontinuierlich verschlechterte, zeigte sich bei der Nintedanib-Gruppe ein markant geringerer Abbau der Lungenfunktion und damit eine deutliche Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.

Der Unterschied in der Lungenfunktion lag nach 52 Wochen bei signifikanten -41 ml.


Erste Therapie überhaupt lässt Ärzte und Patienten hoffen

«Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Wirkstoff tatsächlich einen positiven Effekt auf die Lungenfunktion und den Verlauf der Krankheit hat», fasst Oliver Distler die Ergebnisse zusammen. 

Wie sich die Einnahme von Nintedanib langfristig auswirkt und ob damit eine Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten insgesamt sowie eine geringere Mortalität erreicht werden kann, steht noch nicht fest.

«Bisher standen zur gezielten Behandlung der Lunge bei Systemischer Sklerose jedoch keinerlei nachgewiesenermassen wirksame Therapien zur Verfügung.

Das Ergebnis der Studie ist deshalb für die Forschung zur Systemischen Sklerose ein Meilenstein und für betroffene Patientinnen und Patienten von grosser Bedeutung.»

  • Weltweit führendes Zentrum für Systemische Sklerose am USZ
  • Das USZ gehört zu den führenden Zentren für Systemische Sklerose in Europa und weltweit. 

Die Klinik für Rheumatologie unter der Leitung von Prof. Distler engagiert sich stark in der Erforschung dieser rheumatologischen Autoimmunerkrankung.

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Oliver Distler, Prof. Dr. med.
Klinikdirektor der Klinik für Rheumatologie, Universitätsspital Zürich
Tel.: 044 255 86 20; E-Mail: oliver.distler@usz.ch

Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Zürich


lic. phil. Martina Pletscher
Telefon: +41 44 255 86 20
E-Mail-Adresse: martina.pletscher@usz.ch


Nathalie Plüss
Telefon: +41 44 255 86 60
E-Mail-Adresse: nathalie.pluess@usz.ch


Originalpublikation:
Nintedanib for Systemic Sclerosis–Associated Interstitial Lung Disease - https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1903076

The New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa1903076

CAVE: Zentrale Funktionsdiagnostik: Bakterium im Magen

Medizin am Abend Berlin MaAB- Fazit: Erreger Helicobacter pylori - Evolution im Magen

Der Magenkeim Helicobacter pylori ist weltweit verbreitet und genetisch sehr anpassungsfähig. 

LMU-Mikrobiologen haben seine Diversität innerhalb des Magens untersucht und gezeigt, dass sich Antibiotika auf die Populationsstruktur des Erregers auswirken.  
Das weltweit verbreitete Bakterium Helicobacter pylori verursacht eine der häufigsten chronischen Infektionen beim Menschen. 
  • Oft verläuft die Infektion symptomlos, sie kann aber auch verschiedene Magen-Darm-Beschwerden verursachen, beispielsweise Magenschleimhautentzündungen und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre. 

Etwa ein Prozent der Infizierten erkranken an Magenkrebs, H. pylori wurde von der Weltgesundheitsorganisation als Karzinogen eingestuft.

Eines der Hauptmerkmale von Helicobacter pylori ist seine genetische Vielfalt und Wandelbarkeit.

Wissenschaftler um den Mikrobiologen Sebastian Suerbaum, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Max von Pettenkofer-Institut der LMU und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), haben nun erstmals die genetische Diversität des Bakteriums im Magen von insgesamt 16 Patienten umfassend untersucht und spezifische Anpassungen an verschiedene Regionen des Magens identifiziert.

  • Sie konnten nachweisen, dass die Verwendung von Antibiotika die Diversität der H. pylori-Population vermindert und resistente Bakterien selektioniert – und zwar auch dann, wenn die Antibiotika nicht gegen H. pylori sondern gegen andere Erreger eingesetzt wurden. 

Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Communications.

Die große genetische Wandelbarkeit von H. pylori im Verlauf einer chronischen Infektion wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen.

Wie sich die genetische Vielfalt des Bakteriums aber innerhalb eines einzigen infizierten Magens zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt, war bisher nur wenig bekannt. 
 
Der Magen gliedert sich in drei anatomische Hauptbereiche, die eine unterschiedliche Physiologie und unterschiedliche Funktionen haben.

In diesen Magenregionen gibt es unterschiedliche Zelltypen, die für H. pylori-Subpopulationen unterschiedliche Bedingungen bieten.

„Wir haben anhand von Proben aus verschiedenen Magenbereichen untersucht, wie stark sich die H. pylori-Stämme eines Patienten unterscheiden“, sagt Suerbaum. „Dafür haben wir insgesamt mindestens 30 Bakterienstämme pro Patienten isoliert und deren Genom mithilfe einer Kombination verschiedener Sequenzierungmethoden analysiert.“

Die Ergebnisse zeigen, dass sich H. pylori tatsächlich an verschiedene Magenregionen anpassen kann. 

Dies betrifft beispielsweise Genfamilien, die für Außenmembranproteine kodieren, mit denen sich die Bakterien an menschliche Zellen anheften.

„Auch bei Beweglichkeits- und Chemotaxis-Genen haben wir Zeichen der Anpassung gefunden“, sagt Dr. Florent Ailloud, Postdoc im Team von Professor Suerbaum und Erstautor des Papers.

Zudem beeinflusste die Verwendung von Antibiotika die genetische Diversität von H. pylori stark.

Besonders deutlich wurde dies bei einem Patienten, bei dem die Population am Anfang der Studie sehr divers war und keinerlei Antibiotikaresistenzen zeigte.

Bei einer Folgeuntersuchung zwei Jahre später war die Diversität dagegen extrem gering, dafür waren die Bakterien gegen ein wichtiges Antibiotikum vollständig resistent.

Es kam im Verlauf der zwei Jahre offensichtlich zu einer massiven Reduktion der Population, die sich auf die folgende Populationsstruktur ausgewirkt hat.

Allgemein fanden die Wissenschaftler einen deutlichen Einfluss von Antibiotikatherapien auf die Population, und zwar auch dann, wenn die Antibiotika nicht gegen Helicobacter, sondern gegen andere Infektionen eingesetzt wurden. 

„Durch eine fachgerechte kombinierte Antibiotikatherapie kann H. pylori in der Regel zwar erfolgreich bekämpft und vollständig aus dem Magen entfernt werden.

Trotzdem dürften Antibiotika die evolutionäre Dynamik der gesamten Art in den letzten Jahrzehnten massiv beeinflusst haben, da Antibiotika weltweit verbreitet sind und eingesetzt werden“, schließt Suerbaum.

Die Studie ist in Kooperation mit dem Nationalen Referenzzentrum für Helicobacter pylori, das seit Januar 2017 unter der Leitung von Sebastian Suerbaum am Max von Pettenkofer-Institut der LMU beheimatet ist, dem klinischen Team von Peter Malfertheiner an der Universität Magdeburg und der LMU, der Warwick University in Coventry, Großbritannien, dem Leibniz-Institut DSMZ in Brauschweig und weiteren Kooperationspartnern im In- und Ausland entstanden.

Das Projekt wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle“ sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung gefördert.

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Prof. Dr. Sebastian Suerbaum
Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
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Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München
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Fax: 089 / 338297
E-Mail-Adresse: dirscherl@lmu.de

Originalpublikation:
Within-host evolution of Helicobacter pylori shaped by niche-specific adaptation, intragastric migrations and selective sweeps
Florent Ailloud, Xavier Didelot, Sabrina Woltemate, Gudrun Pfaffinger, Jörg Overmann, Ruth Christiane Bader, Christian Schulz, Peter Malfertheiner, Sebastian Suerbaum
Nature Communications 2019