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Infektionen: Das Reifen des Darmimmunsystem bei Kindern/Erwachsenen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektionen im Säuglingsalter: Wie entwickelt sich das Immunsystem im Darm von Kindern?

Immunzellen zur Eliminierung von mit Viren infizierten Zellen sind bereits bei der Geburt im Darm vorhanden 
 
Ein Wissenschaftsteam aus der Abteilung „Virus Immunologie“ des Heinrich-Pette-Instituts, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) hat die Reifung des Immunsystems im Darm von Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres untersucht. 

Die Ergebnisse sind nun im renommierten Journal „Nature Communications“ erschienen.

Kinder sind stärker von einer Infektion mit Viren bedroht als Erwachsene. 

  • Dabei gelangen die Viren überwiegend über die Schleimhäute des Darms oder der Lunge in den Körper. 

Um den Körper gegen Viren zu schützen, werden Immunzellen benötigt. 

Über die im Darm von Kleinkindern vorhandenen Immunzellen ist bisher nur wenig bekannt. Forscherinnen und Forscher der HPI-Abteilung „Virus Immunologie“ unter der Leitung von Dr. Dr. Madeleine Bunders sind dieser Frage nun nachgegangen.

Die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienene Studie zeigt, dass sich die Immunzellpopulationen im Darm von Kindern im ersten Lebensjahr schnell verändern:

Bei der Geburt sind im Darm der Kinder natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die angeborenen Immunzellen, vorhanden.

  • Nach der Geburt ersetzen T-Zellen, die Teil des adaptiven Immunsystems sind, die NK-Zellen. 
  • Dies resultiert in einem reifen Darmimmunsystem, vergleichbar dem von Erwachsenen.

  • „Unsere Ergebnisse zeigen, dass NK-Zellen die Hauptpopulation der angeborenen Lymphozyten im Darm von Säuglingen bilden“, erklärt Adrian Sagebiel, Erstautor der Veröffentlichung und medizinischer Doktorand am HPI. 


"Wir können nun untersuchen, wie man diese NK-Zellen dazu nutzen kann, die Kontrolle über Virusinfektionen bei Kindern zu verbessern", ergänzt die Leiterin der Studie Dr. Dr. Madeleine Bunders.

Diese vom Heinrich-Pette-Institut geleitete Studie wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie dem Amsterdam University Medical Center der Universität Amsterdam durchgeführt. Die Forschungsarbeit ist durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Mitteln des SFB841 sowie der Daisy Huët Röell Foundation unterstützt worden.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht:


Adrian F. Sagebiel, Fenja Steinert, Sebastian Lunemann, Christian Körner, Renée R.C.E. Schreurs, Marcus Altfeld, Daniel Perez, Konrad Reinshagen & Madeleine J. Bunders (2019). Tissue-resident Eomes+ NK cells are the major innate lymphoid cell population in human infant intestine. Nature Communications, 2019 Feb 28.

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Adrian Sagebiel:
adrian.sagebiel@leibniz-hpi.de
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Dr. Dr. Madeleine J. Bunders:
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Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie,
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Originalpublikation:
Adrian F. Sagebiel, Fenja Steinert, Sebastian Lunemann, Christian Körner, Renée R.C.E. Schreurs, Marcus Altfeld, Daniel Perez, Konrad Reinshagen & Madeleine J. Bunders (2019). Tissue-resident Eomes+ NK cells are the major innate lymphoid cell population in human infant intestine. Nature Communications, 2019 Feb 28. DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-018-08267-7

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Rheumatoide Arthrits (RA) Rheuma-Formen: Schäden am Innenohr beachten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn Rheuma das Innenohr schädigt

Entzündlich rheumatische Erkrankungen, unter denen in Deutschland anderthalb Millionen Menschen leiden, greifen nicht nur die Gelenke an. 

Zu den wenig bekannten Folgen gehören auch Schäden am Innenohr. 

Bei einigen Rheuma-Formen kann es sogar zum plötzlichen Hörverlust kommen, wie ein Rheuma-Experte der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) anlässlich des Welttags des Hörens erklärt. 
 
  • Das klassische Gelenkrheuma, die rheumatoide Arthritis (RA), beginnt häufig im Alter von 50 bis 70 Jahren. 

In dieser Zeit lässt auch das Hörvermögen vieler Menschen nach.

„Es ist deshalb schwer zu beurteilen, ob die RA die Entwicklung der Schwerhörigkeit im Alter fördert“, erläutert Professor Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und leitender Rheumatologe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Viele epidemiologische Studien deuten jedoch darauf hin, dass Menschen mit RA häufiger als andere unter Hörstörungen leiden.“ Die Zusammenhänge sind nach Auskunft des Experten bislang wenig erforscht. Es sei unklar, ob die Gelenke zwischen den Hörknöchelchen betroffen sind, die im Mittelohr den Schall verstärken. Denkbar sei auch, dass der Empfänger im Innenohr durch die Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen wird.

„Man kann aber davon ausgehen, dass die Entzündung bei der RA und bei anderen entzündlichen Erkrankungen das Nervensystem schädigen und dies das Hören beeinträchtigt.

  • Hierzu gibt es beispielsweise Studien zu Riechen und dem systemische Lupus erythematodes (SLE), die dies belegen,“ erläutert der Experte.
  • Die RA ist nur eine von mehreren rheumatischen Erkrankungen, bei denen das Immunsystem Gelenke und andere Körperstrukturen mit Antikörpern angreift anstatt es zu schützen. 

Eine weitere ist der systemische Lupus erythematodes (SLE), an dem in Deutschland etwa 30.000 Menschen leiden.

Häufig sind es jüngere erwachsene Frauen.

Sichtbares Zeichen des SLE kann die sogenannte Schmetterlingsflechte sein, die mit rötlichen schuppenartigen Flächen im Gesicht einhergeht. 

Die Erkrankung ist jedoch nicht auf die Haut beschränkt. Sie greift verschiedene Organe an, darunter auch das Innenohr.

„Pathologen haben Antikörper und Immunkomplexe im Innenohr nachgewiesen, die Durchblutungsstörungen verursachen oder die Sinneszellen direkt schädigen“, berichtet Professor Schulze-Koops. 

In schweren Fällen komme es zu einer plötzlichen Schwerhörigkeit auf einem Ohr. 

 „Glücklicherweise kann eine rechtzeitige Behandlung dies häufig verhindern,“ so der Experte, „deshalb gehören die Patienten dringend in die Hände von Rheumatologen“.

Die Betroffenen müssen oft lebenslang Medikamente einnehmen, die überschießende Reaktionen des Immunsystems bremsen.

  • Auch die seltene entzündlich rheumatische Granulomatose mit Polyangiitis schädigt das Gehör
  • Bei dieser Erkrankung kommt es im gesamten Körper zu Ansammlungen kleiner Entzündungsknötchen, die das Gewebe schädigen. 
  • Betroffen ist auch die Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen, was Mittelohrentzündungen begünstigt. 

In Deutschland sind wenige hundert Menschen daran erkrankt.

„Hörstörungen sind bei dieser Erkrankung sehr häufig“, erklärt Professor Schulze-Koops.

Grundsätzlich rät der Experte allen Rheumakranken, ihr Gehör regelmäßig überprüfen zu lassen.

Professor Schulze-Koops erklärt:

„Eine Verschlechterung der Hörleistung kann darauf hinweisen, dass die Behandlung der Erkrankung nicht optimal ist und die Dosis der Medikamente überprüft werden muss.“

  • Entscheidend sei dabei, dass die Patienten so früh wie möglich zum Facharzt gelangen und ihnen eine passgenaue Behandlung zukommt. Nur so lassen sich langfristige Schäden verhindern.
Literaturangabe:
Emamifar A, Bjoerndal K, Hansen IM. Is Hearing Impairment Associated with Rheumatoid Arthritis? A Review. Open Rheumatol J. 2016; 10: 26-32
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27053970

A Di Stadio, Massimo Ralli. Systemic Lupus Erythematosus and hearing disorders: Literature review and meta-analysis of clinical and temporal bone findings. J Int Med Res. 2017; 45: 1470–1480.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5718712/

Rahne T, Clauß F, Plontke SK, Keyßer G. Prevalence of hearing impairment in patients with rheumatoid arthritis, granulomatosis with polyangiitis (GPA, Wegener's granulomatosis), or systemic lupus erythematosus. Clin Rheumatol. 2017; 36: 1501-1510
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28455828

Hintergrundinformationen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zu rheumatischen Erkrankungen

https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html

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Selbstverletzendes Verhalten unter Jugendlichen: http://www.star-projekt.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen: Teilnehmer für Online-Hilfe und Studie gesucht

  • Selbstverletzendes Verhalten unter Jugendlichen ist weit verbreitet. 

Im Rahmen des bundesweiten STAR-Projekts, an dem die Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität in Landau beteiligt ist, bieten die Wissenschaftler ab sofort eine kostenlose Online-Therapie an und suchen Teilnehmer für eine Studie. 
 
  • Jeder dritte Jugendliche und junge Erwachsene hat Erfahrungen mit selbstverletzendem Verhalten, ritzt, kratzt oder verbrennt sich. 
„Trotz ernst zu nehmender medizinischer Risiken und eines hohen psychischen Leidensdrucks suchen nur wenige Betroffene Hilfe“, bedauert Professorin Dr. Tina In-Albon, die auch die Landauer Psychotherapie-Ambulanz für Kinder und Jugendliche der Universität leitet. 

Das wollen sie und ihr Team in Landau im Forschungsprojekt STAR (Self-Injury, Treatment, Assessment, Recovery) ändern.

Die Wissenschaftler werden bisherige Erkenntnisse und Ansätze bündeln und Grundlagenforschung mit therapeutischen Angeboten und Schulungsmaßnahmen vereinen.

  • Ziel des STAR-Projektes ist es, Einblicke in die Selbstverletzung von Jugendlichen und in den Verlauf des Verhaltens – was führt dazu, dass jemand aufhört oder eben nicht aufhört? – zu erhalten, um die Frühintervention sowie die Therapieerfolge bei Betroffenen verbessern zu können. 
  • Auch wollen die Psychologen untersuchen, inwiefern ihre neue Online-Hilfe dazu führt, das selbstverletzende Verhalten bei Jugendlichen zu verringern. 
  • Die Online-Hilfe bietet umfassende Informationen, Übungsmaterialien sowie Beratung per Chat oder Anruf an.

Das STAR-Projekt lebt vom Mitwirken Jugendlicher und junger Erwachsener: 

An der Studie teilnehmen können junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren, die sich in den vergangenen zwölf Monaten selbst verletzt haben und aktuell nicht in einer psychotherapeutischen Behandlung sind oder die sich noch nie selbst verletzt haben und sich auch nicht in Behandlung bei einem Psychotherapeuten befinden.

Die Online-Hilfe sowie die Möglichkeit, sich für die Studie anzumelden, gibt es unter http://www.star-projekt.de 

Dort stehen auch alle Informationen zu den Teilnahmebedingungen.

Interessierte, die in der Nähe von Landau wohnen, können auch vor Ort in den Räumlichkeiten der Klinischen Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Studie teilnehmen.

Für die Teilnahme vor Ort wird eine Aufwandsentschädigung von bis zu 90 Euro bezahlt.

Bei Fragen dazu ist das Team per E-Mail erreichbar unter star-landau@uni-landau.de.

Das STAR-Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Partner im Projekt sind das Universitätsklinikum Ulm (Leitung), das Universitätsklinikum Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Koblenz-Landau, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und die Medizinische Hochschule Brandenburg.

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Hepatitis D: Hepatitis delta - Chronische Lebererkrankung Hepatitis D-Virus (HDV)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studienergebnisse zeigen: neue Therapieoptionen für Hepatitis D (delta) weiter dringend benötigt

Die weltweit größte Studie zur Behandlung der aggressiven Hepatitis delta wurde im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung durchgeführt. 

Heute veröffentlichte Ergebnisse der internationalen Studie zeigen, dass eine Verlängerung der Therapie positive Auswirkungen auf den Zustand der Leber hat und damit das Fortschreiten der Erkrankung hemmen kann, jedoch nicht zu wesentlich höheren Heilungsraten führt. 
 
  • Die Hepatitis delta ist die chronische Lebererkrankung mit den schwerwiegendsten Folgen, die durch Viren verursacht wird. 

Die Betroffenen entwickeln sehr häufig eine Leberzirrhose und Leberzellkrebs; für viele Patienten bleibt die Lebertransplantation als letzte Therapieoption.

Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis D-Virus (HDV) verursacht.

Das HDV ist das kleinste bekannte Virus, das Menschen infizieren kann.

Nur Patienten mit einer bestehenden Hepatitis B können sich mit dem Hepatitis D-Virus infizieren, da das Virus das Hülleiweiß des Hepatitis B-Virus benötigt, um Leberzellen zu infizieren.

Aktuelle Schätzungen gehen von weltweit ca. 15 bis 25 Millionen und in Deutschland von etwa 30.000 Menschen aus, die chronisch mit dem Hepatitis D-Virus infiziert sind.

Die derzeit einzige Therapieoption ist eine einjährige Behandlung mit einem modifizierten Gewebshormon, dem pegylierten Interferon alfa, basierend auf einer Studie des „Kompetenznetz Hepatitis“, einem Projekt der Deutschen Leberstiftung, deren Ergebnisse im Jahr 2011 veröffentlicht wurden. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass bei ca. 25 bis 30 Prozent der Infizierten zum Ende der Therapie das Virus nicht mehr nachweisbar war (HIDIT-I-Studie des „Kompetenznetz Hepatitis“; NEJM 2011). Leider kam es jedoch im Langzeitverlauf nach Therapieende bei vielen Patienten zu einem erneuten Anstieg der Viruslast, sodass nur bei wenigen Betroffenen eine langfristige Viruskontrolle erreicht werden konnte (Heidrich et al.; Hepatology 2014). Unklar blieb, ob mit einer verlängerten Therapie oder durch eine Behandlung in Kombination mit einem weiteren Medikament gegen die gleichzeitig bestehende Hepatitis B die Ausheilungsraten erhöht werden können.

Im HepNet Study-House der Deutschen Leberstiftung wurde daher in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Firma Roche Pharma die derzeit weltweit größte Studie (The Hep-Net International Delta Hepatitis Interventional Trial, HIDIT-II) zur antiviralen Behandlung der chronischen Hepatitis delta durchgeführt. In der HIDIT-II wurden in einer internationalen Zusammenarbeit von Zentren in Deutschland, Griechenland, Rumänien und der Türkei 120 Patienten für 96 Wochen entweder mit PEG Interferon alfa-2a und Tenofovir disoproxil (einem Medikament, das zur Behandlung der Hepatitis B zugelassen ist) oder PEG Interferon alfa-2a und einem Placebo behandelt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“, dem international bedeutendsten Journal im Bereich Infektionserkrankungen, veröffentlicht.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass eine deutliche Verminderung der Lebervernarbung, also eine Verbesserung des Zustandes und der Funktion der Leber zum Ende der Therapie, beobachtet wurde.

„Dieser Befund konnte in der Form weltweit erstmals dokumentiert werden, was für die Langzeitprognose der Patienten von wesentlicher Bedeutung ist“, stellt Professor Heiner Wedemeyer, Koordinator der Studie und Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen heraus. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie Leberzirrhose oder Leberzellkrebs deutlich reduziert.“ 
  • Wichtig ist auch die durchaus gute Verträglichkeit der verlängerten Therapie, obwohl Interferone Nebenwirkungen wie grippeartige Symptome oder Blutbildveränderungen verursachen können.

Auch mit der zweijährigen Therapie konnten Rückfälle nach Therapieende nicht verhindert werden. Professor Cihan Yurdaydin aus der Abteilung Gastroenterologie der Universität Ankara, verantwortlicher Prüfarzt für die Türkei, erklärt, dass aufgrund der HIDIT-II-Studie eine auf zwei Jahre verlängerte Therapie nicht generell empfohlen werden kann. „Diese für die klinische Praxis sehr wichtige Studie zeigt aber, dass bei Patienten mit gutem Therapieansprechen eine Verlängerung durchaus in Betracht gezogen werden kann“, stellt er klar.

„Die vom HepNet Study-House initiierte Studie war eine logistische Meisterleistung über fast zehn Jahre, die weltweit einmalige Ergebnisse erbracht hat und nur mit der Infrastruktur des HepNet Study-House, internationaler Zusammenarbeiten sowie der Unterstützung durch das Hannover Clinical Trial Center (HCTC) möglich war“, betont Professor Michael P. Manns. Er ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.

Die Studie wurde mit Fördermitteln des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Unterstützung der Firmen Roche Pharma AG und Gilead Sciences GmbH durchgeführt.

Literatur: Peginterferon alfa-2a plus tenofovir disoproxil fumarate for hepatitis D (HIDIT-II): a randomised, placebo controlled, phase 2 trial (H. Wedemeyer, C. Yurdaydin, S. Hardtke, F. A. Caruntu, M. G. Curescu, K. Yalcin, U. S. Akarca, S. Gürel, S. Zeuzem, A. Erhardt, S. Lüth, G. V. Papatheodoridis, O. Keskin, K. Port, M. Radu, M. K. Celen, R. Idilman, K. Weber, J. Stift, U. Wittkop, B. Heidrich, I. Mederacke, H. von der Leyen, H. P. Dienes, M. Cornberg, A. Koch, M. P. Manns for the HIDIT-II study team), The Lancet Infectious Diseases, Volume 19, ISSUE 3, P275-286, March 01, 2019, doi: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(18)30663-7

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Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen.


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The Lancet Infectious Diseases, Volume 19, ISSUE 3, P275-286, March 01, 2019, doi: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(18)30663-7

 

Blutgerinnungshemmende Therapie: Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfällen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neues Notfallmedikament bei Blutungskomplikationen nach der Gabe von Faktor-Xa-Inhibitoren

  • Blutgerinnungshemmende Therapien sind heute bei der Behandlung und zur Prophylaxe von Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfällen nicht mehr wegzudenken. 
Sogenannte neue, direkte orale Antikoagulanzien (NOAK) bieten dabei verschiedene Vorteile gegenüber herkömmlichen „alten“ Substanzen wie Heparin und Vitamin-K-Antagonisten. 

Ein Nachteil war bislang jedoch die fehlende Verfügbarkeit eines Gegenmittels, wenn es aufgrund überschießender Blutverdünnung unter sogenannten Faktor-Xa-Hemmern zu Blutungen kommt. 

Ein solches wurde nun entwickelt und zeigte sich in einer Studie hocheffektiv. 
 
Gerinnungshemmende Therapien (umgangssprachlich Blutverdünnung) mit antithrombotischen Wirkstoffen (Antikoagulanzien) sind heute bei vielen Erkrankungen nicht mehr wegzudenken:

So zur Behandlung sowie zur primären oder Rezidiv-Prophylaxe von Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfällen – beispielsweise nach Operationen oder bei Vorhofflimmern. 

 „Schlaganfälle können verschiedene Ursachen haben – bei Vorhofflimmern können sich in der Herzkammer Blutgerinnsel bilden, die dann vom Herzen in die Gehirnarterien geschleudert werden, was dort zu einem akuten Gefäßverschluss, also Schlaganfall führt“, erklärt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN. „Eine gerinnungshemmende Therapie kann Risikopatienten davor schützen.“

Zunehmend werden dabei auch sogenannte neue orale Antikoagulanzien (NOAK), auch DOAK (direkte orale Antikoagulanzien) genannt, eingesetzt.

Ein Nachteil war bislang jedoch die fehlende Verfügbarkeit eines Gegenmittels, wenn es aufgrund überschießender Blutverdünnung zu Blutungen kommt.

  • Für Patienten, bei denen es unter Dabigatran zu einer schwerwiegenden Blutungskomplikation kommt, steht mit Idarucizumab seit zwei Jahren ein hochwirksames Gegenmittel zur Verfügung. 

Ein weiteres Gegenmittel wurde nun speziell für Patienten entwickelt, bei denen es unter einer Therapie mit Faktor-Xa-Hemmern zu schwerwiegenden Blutungskomplikationen kommt, und zeigte sich in einer Studie hocheffektiv.

  • Faktor Xa ist ein zentraler Gerinnungsfaktor des menschlichen Gerinnungssystems (daher lauten die Substanznamen der direkten Faktor-Xa-Inhibitoren auf „-xaban“, z. B. Edoxaban, Apixaban, Rivaroxaban). 

Faktor-Xa-Inhibitoren haben verschiedene Vorteile gegenüber den „alten“ Substanzen Heparin und Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar).

Vorteile für die Patienten sind im Gegensatz zu Heparin, welches täglich unter die Haut gespritzt werden muss, die orale Verfügbarkeit und dass sie keines Therapiemonitorings bedürfen (wie die Vitamin-K-Antagonisten, deren Wirkung relativ schwer vorhersagbar ist und daher streng mit Blutkontrollen überwacht werden muss).

Mögliche Nebenwirkungen bzw. Komplikationen bei allen antithrombotischen Therapien sind durch eine überschießende Blutverdünnung ausgelöste Blutungen (z. B. Zahnfleisch, Haut, Nase, Auge).

Gefürchtet und in seltenen Fällen sogar lebensbedrohlich sind vor allem Blutungen ins Gehirn oder innere Organblutungen (z. B. im Magen-Darm-Trakt).

Im Gegensatz zu Heparin und Vitamin-K-Antagonisten gibt es in Deutschland und Europa für Faktor-Xa-Inhibitoren bislang kein zugelassenes Antidot (Gegenmittel).

Ein speziell entwickeltes Antidot, Andexanet alfa, wurde 2018 in den USA von der FDA („Food and Drug Administration“) im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens vorläufig zugelassen.

„Andexanet alfa ist ein rekombinanter, modifizierter, enzymatisch-inaktiver Faktor Xa, der die Wirkung der Faktor-Xa-Inhibitoren aufhebt“, erklärt Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

Die Ergebnisse der ANNEXA-4-Studie, die im New England Journal of Medicine publiziert wurden, belegen die Effektivität und Sicherheit dieses Notfallmedikamentes.

Die Studie wurde in Nordamerika und Europa mit den meisten Studienzentren in Deutschland durchgeführt und schloss 352 Patienten ein, bei denen es innerhalb von 18 Stunden nach der letzten Einnahme eines Faktor-Xa-Inhibitor zu einer schweren Blutungskomplikation (major bleeding) gekommen war.

Sie waren durchschnittlich 77 Jahre alt und litten mehrheitlich an Vorhofflimmern (80%) und/oder hatten andere kardiovaskuläre Vorerkrankungen (wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose, Lungenembolie). Im Rahmen einer notwendigen antithrombotischen Therapie hatten sie eine Faktor-Xa-hemmende Therapie erhalten (194 Patienten Apixaban, 128 Rivaroxaban, 10 Edoxaban, 20 Enoxaparin). 227 Patienten (64%) hatten zerebrale und 90 (26%) gastrointestinale (Magen-Darm) Blutungen.

Sie erhielten intravenös einen definierten Andexanet-Bolus mit anschließender Andexanet-Infusion über zwei Stunden.

Eine Kontrollgruppe mit Placebomedikation gab es aus ethischen Gründen nicht. Untersuchte Endpunkte waren der Anteil an Patienten mit effektiver Stillung der Blutung 12 Stunden nach Infusionsende sowie die gemessene prozentuale Änderung der Anti-Faktor-Xa-Aktivität. Effektivitätsberechnungen erfolgten nur bei Patienten, die bei Blutungseintritt eine Anti-Faktor-Xa-Aktivität von mindestens 75 ng/ml hatten.

Nach dem Andexanet-Bolus fiel die Anti-Faktor-Xa-Aktivität um 92% ab (von Median ca.150 ng/ml auf 11 ng/ml bei Patienten, die Apixaban erhalten hatten und bei Rivaroxaban-Patienten von ca. 212 ng/ml auf 14 ng/ml).

Klinisch wurde bei 82% der ausgewerteten Patienten (204 von 249) eine sehr gute bis gute Blutstillung erreicht. Bei der Nachbeobachtung verstarben innerhalb von 30 Tagen 49 Patienten (14%) – mehrheitlich (35 der 49) an kardiovaskulären Todesursachen. Bei 34 Patienten (10%) kam es zu einem thrombotischen Ereignis (Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose, Lungenembolie) – bei ihnen war die erneute Antikoagulation verzögert oder gar nicht wieder begonnen worden.

„Eine gerinnungshemmende Therapie wird nie ohne Grund durchgeführt; sie gilt bei Risikopatienten, beispielsweise für Schlaganfall bei Vorhofflimmern, als Goldstandard“, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener.

„Dabei müssen alle Vor- und Nachteile der Therapie, aber auch der verschiedenen Substanzen untereinander abgewogen werden.“

„Wenn das Notfallmedikament im Falle einer Blutung zum Einsatz kommt, wird damit natürlich die Schutzwirkung der Gerinnungshemmung aufgehoben“, ergänzt Prof. Dr. med. Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum Bethel, Bielefeld.

 „Es muss dann rasch entschieden werden, ob bei fortbestehender Indikation für eine Antikoagulanzientherapie diese, möglicherweise mit einer anderen Substanz, wieder aufgenommen werden sollte oder ob man aus Angst vor einer Blutung künftig lieber auf eine antithrombotische Prophylaxe verzichtet.“

  • Insgesamt dürfte Andexanet alfa die Therapie mit einem Faktor-Xa-Inhibitor künftig noch sicherer machen. 

  • Die FDA fordert im Rahmen der vorläufigen Zulassung entsprechend noch weitere Daten („Post-Approval-Study“); eine große, randomisierte Studie soll daher noch dieses Jahr starten.

Literatur
[1] Connolly SJ, Crowther M, Eikelboom JW et al. Full Study Report of Andexanet Alfa for Bleeding Associated with Factor Xa Inhibitors. N Engl J Med 2019 Feb 7. doi: 10.1056/NEJMoa1814051. [Epub ahead of print]

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Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
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Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz
Chefarzt der Neurologischen Klink
Evangelisches Krankenhaus Bielefeld gGmbH
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E-Mail: gehlenborg@medizinkommunikation.org
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sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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Vitamin Folat - Folsäure - Vitamin B -Zink : Stoffwechsel von Mutter, Vater und Kind

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wer ein Kind möchte, braucht Folsäure!

Stiftung Kindergesundheit informiert über ein Vitamin, das Babys vor schweren Schäden schützen kann

Mit ein bisschen Salat ist es nicht getan: 

Frauen, die schwanger werden wollen oder schwanger werden könnten, müssen wissen, welche Nährstoffe sie jetzt wirklich brauchen. 

Sie sollten sich folatreich ernähren und zusätzlich ein Folsäurepräparat einnehmen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme. 
  • Auf diese Weise können sie erreichen, dass ihr Körper bereits zu Beginn einer Schwangerschaft optimal mit Folsäure versorgt und für den Empfang eines gesunden Kindes bereit ist.  
  • „Folat spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel von Mutter und Kind“, begründet Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit die Empfehlung. 

„Das Vitamin ist ein wichtiger Baustein bei der Neubildung von Zellen und deshalb an vielen wesentlichen Prozessen im Körper des ungeborenen Kindes beteiligt.

Deshalb ist eine zusätzliche Einnahme von Folsäure am besten schon vor der Schwangerschaft, aber auch während des Stillens in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft besonders wertvoll“.

Als außerordentlich wichtig erweist sich Folsäure für die gesunde Entwicklung von Rückenmark und Gehirn des Babys:

Mit ihrer Hilfe lässt sich das Risiko von Fehlbildungen des kindlichen Nervensystems – von sogenannten Neuralrohrdefekten – deutlich verringern.

Zu diesen Fehlbildungen zählen die „Meningomyelozele“ (eine bruchsackartige Ausbeulung des Rückenmarks) oder eine „Spina bifida“ (offener Rücken), die oft mit einem Hydrozephalus („Wasserkopf“) vergesellschaftet sind.

Auch die werdende Mutter profitiert von einer Optimierung ihrer Folatversorgung, unterstreicht Professor Berthold Koletzko:

„Das Risiko einer Blutarmut bei der Geburt wird verringert und die Gefahr einer Frühgeburt reduziert.“.


Für die Gesundheit unverzichtbar


Folsäure ist jedoch nicht gleich Folat, hebt die Stiftung Kindergesundheit hervor. „Folat“ oder „Folate“ sind Sammelbegriffe für eine in der Natur vorkommende Form des wasserlöslichen B-Vitamins, das für die menschliche Gesundheit unverzichtbar ist. 

  • „Folsäure“ ist die synthetisch hergestellte Form des Vitamins B9. 
  • Sie wird in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln wie Mehl, Nudeln oder Brot verwendet. 
  • Folsäure kommt in der Natur nicht vor, wird jedoch im Organismus in einen aktiven Zustand umgewandelt. 
  • Die synthetisch hergestellte Folsäure ist zu 85 Prozent vom Körper verwertbar, die Folate aus den Nahrungsmitteln zu etwa 50 Prozent. 
  • Auch die im Körper natürlich vorkommende Folatform Metafolin ist heute als Supplement verfügbar.

Früher wurde eine Aufnahme von Folat bei nicht-schwangeren Erwachsenen bei 400 Mikrogramm pro Tag empfohlen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Vitamin B12 

Dieser Wert wurde 2013 auf 300 Mikrogramm verringert, weil nach neueren Studien auch schon mit dieser Menge eine gute Versorgung erreicht werden kann.


Bedarf in der Schwangerschaft deutlich erhöht

Viele junge Frauen können eine optimale Ernährung im Alltag nicht umsetzen. Einige ernähren sich mit einseitigen Diäten oder wegen einer Unverträglichkeit nicht wirklich ausgewogen.

Die Folge: Sie sind oft nur unzureichend mit wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Jod, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren versorgt. Und auch mit Folsäure:

  • Die kürzlich vorgelegte Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) ergab, dass nur etwa fünf Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter Folatwerte aufweisen, die zum Schutz eines ungeborenen Babys vor Fehlbildungen notwendig sind.

Dabei ist der Bedarf an Folsäure während einer Schwangerschaft deutlich erhöht, betont die Stiftung Kindergesundheit. Der Grund: Der Embryo, die Gebärmutter und der Mutterkuchen (Plazenta) wachsen, die Blutmenge nimmt zu.

Mangelt es an Folsäure während der Frühschwangerschaft, droht auch ein erhöhtes Risiko für andere Gefahren wie zum Beispiel Herzfehler, Fehlbildungen der Harnwege oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG, im Volksmund als „Hasenscharte“ bezeichnet). 

Eine Studie ergab: Die regelmäßige Einnahme von Folsäure kann die Häufigkeit von LKG-Spalten um bis zu 40 Prozent verringern.


Die Pille nach der Pille
Reichlich Folat findet sich in Rohkost, Obst und Blattgemüse, Kohl, Broccoli, Feldsalat, Fenchel, Spinat, Spargel, Vollkornprodukten, Sauerkraut und Kartoffeln.

Als Faustregel gilt: 

Alle Gemüse und Salate, von denen die Blätter der Pflanze gegessen werden, dienen der Folatversorgung. Leider kann der Körper aber nur einen Teil der darin enthaltenen Folsäure verwerten. Außerdem ist die Folsäure in Gemüse, Obst oder Getreide ausgesprochen hitze- und lichtempfindlich und geht bei langem Kochen oder Warmhalten der Lebensmittel leicht verloren.

Um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu senken, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in Übereinstimmung mit weiteren Fachgremien allen Frauen mit Kinderwunsch, neben einer folatreichen Ernährung mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft mit der täglichen Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure in Form eines Präparats zu beginnen.

 Die zusätzliche Einnahme von Folsäuretabletten sollte gleich nach der Beendigung der Schwangerschaftsverhütung beginnen:

Die Tablette mit Folsäure ist gewissermaßen die Pille nach der Pille. 

Ihre Einnahme sollte während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden.


Folsäure in Brot und Nudeln
In den USA werden bereits seit 1998 standardisierte Mehle, Brote, Brötchen, Frühstücksflocken, Reis- und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure angereichert. Seither ist die Zahl von Neuralrohrdefekten bei Babys nach wenigen Jahren um etwa 30 Prozent zurückgegangen. In Kanada gelten die gleichen Bestimmungen wie in den USA. Dort ist auch die Zahl der angeborenen Herzfehler gesunken.

In Deutschland dagegen geht die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten trotz der seit Jahren bekannter Erkenntnisse nicht zurück, bedauert die Stiftung Kindergesundheit.

Sie liegt mit jährlich bis zu 1.000 Fällen nach wie vor hoch. Dabei ließe sich wenigstens die Hälfte dieser Fehlbildungen durch eine gute Folatversorgung einfach und wirksam vermeiden, sagt Professor Koletzko: 

 „Dies wäre am einfachsten zu erreichen, wenn wir bestimmte Grundnahrungsmittel mit Folsäure anreichern würden, so wie es in fast 100 anderen Ländern der Welt bereits geschieht“.

Die Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Folsäure hat den klaren Vorteil, dass alle Frauen zumindest in einem gewissen Ausmaß mit Folsäure versorgt werden. In allen Ländern mit verpflichtender Folsäureanreicherung von Lebensmitteln kam es seit der Einführung zu einem Rückgang von Neuralrohrdefekten zwischen 27 und 55 Prozent, in Teilen Kanadas sogar noch deutlich darüber.


Das Babyvitamin macht auch Männer gesünder
Übrigens profitieren auch Männer vom Vitamin Folsäure, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit:

Die Zugabe von Folsäure zu Brot und Pasta in den USA und Kanada hat dort die Zahl von Darmkrebsfällen um 20 Prozent gesenkt.

  • Eine weitere wichtige Funktion der Folsäure ist ihre schützende Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 
  • Sie ist für den Abbau des gefäßschädigenden Homocysteins im Blut mitverantwortlich und trägt zu einer leichten Blutdrucksenkung bei.

Somit kommt dem Vitamin eine Schlüsselrolle auch im Kampf gegen Herzinfarkt und Schlaganfall zu.

Folsäure und B-Vitamin-Präparate mit Folsäure konnten das Schlaganfallrisiko in einer Studie aus China um bis zu 20 Prozent senken. 

  • Studien haben außerdem ergeben, dass sich durch die kombinierte Einnahme von Folsäure und Zink die Anzahl an Spermien um über 70 Prozent steigern lässt.

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Untersucher-CAVE_ Entzündungen: Lunge, Darm, Haut: Invasive Pilzerkrankung?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie zeigt, dass Pilz aus der Darmschleimhaut die Lungengesundheit beeinflusst

Team aus Köln und Kiel publiziert Mechanismus der „Immun-Kreuzreaktivität“ in Fachzeitschrift „Cell“
 
Die Zusammensetzung des Mikrobioms – also der unzähligen Bakterien, Pilzen und Viren, die unsere Körperoberfläche, die Haut, den Darm oder die Lunge besiedeln – trägt entschieden zur Gesundheit oder Krankheit des Menschen bei.

Biologische Mechanismen, die Entzündungen im Mikrobiom hervorrufen, sind allerdings noch weitgehend unbekannt.


Professor Dr. Oliver Cornely von der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln und Leiter des Exzellenzzentrums für invasive Pilzerkrankungen an der Universitätsklinik Köln hat gemeinsam mit einer Gruppe von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein erstmals einen Mechanismus entschlüsselt, wie spezifische Mikrobiota des Darms Entzündungsreaktionen in der Lunge verstärken. 

Die in der Fachzeitschrift „Cell“ publizierten Studienergebnisse zu „Human anti-fungal Th17 immunity and pathology rely on cross-reactivity against Candida albicans“ könnten die Entwicklung neuer Therapien von Volkskrankheiten beschleunigen. 


„Eigentlich ist der Pilz Candida albicans, der Darm, Haut und Schleimhäute besiedelt, harmlos“, erklärt Cornely. 

„Unsere Studie hat allerdings nachgewiesen, dass Candida albicans das Gleichgewicht im Abwehrsystem des menschlichen Körpers mitzuverantworten hat.“

  • Candida albicans rege das Immunsystem an, spezifische Abwehrzellen, sogenannte Th17-Zellen, zu bilden. 
  • Ein Teil dieser Th17-Zellen richtet sich jedoch gegen andere Pilze, wie beispielsweise den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. 

Dieses Phänomen wird als Kreuz-Reaktivität bezeichnet. 

Die Forschungsgruppe hat nachgewiesen, dass bei immungeschwächten Personen die Konzentration der kreuzreaktiven Th17-Zellen im Lungengewebe erhöht ist und mit einer Krankheitsverschlechterung einhergeht. 

  • Die schützende Th17-Reaktion im Darm scheint in der Lunge eher krankmachende Immunprozesse zu verstärken. 

„Wir konnten mit dieser Beobachtung zum ersten Mal nachweisen, wie ein einzelnes Mitglied des Mikrobioms, Candida albicans, die spezifische Immunreaktion gegen eine große Gruppe von anderen Mikroben prägt.

Die Immun-Kreuzreaktivität ist vermutlich ein verbreiteter Mechanismus, über den das Mikrobiom das Immunsystem manipuliert – sowohl mit schützenden als auch schädlichen Auswirkungen“, sagt Cornely.

Die Möglichkeit, solche gezielten Auswirkungen einzelner Mikroben zu entschlüsseln, soll zukünftig zur Entwicklung passgenauer Therapien führen.

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Zur Publikation:
Human Anti-fungal Th17 Immunity and Pathology Rely on Cross-Reactivity against Candida albicans. URL: https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(19)30104-7



 

Herzbindegewebezellen (Dehnung) : Plötzlicher Herztod oder REA - Überleben?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie das Herz bei einem heftigen Stoss auf die Brust reagiert

Es ist nach wie vor ungeklärt, weshalb ein abrupter Stoss auf die Brust im Herzbereich einen Herztod auslösen kann – oder im Fall eines Herzstillstandes das Organ wieder zum Schlagen bringt. 

Ein von der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der EPFL neu entwickeltes Gerät liefert nun neue Erkenntnisse. 

Prof. Dr. Stephan Rohr, Institut für Physiologie, Universität Bern.
 Prof. Dr. Stephan Rohr, Institut für Physiologie, Universität Bern. zvg


Ein heftiger Schlag auf die Brust kann paradoxe Konsequenzen haben: 
--während Baseballspieler wegen eines Aufpralls des Balls auf der Brust schon einen Herztod erlitten haben, bringt umgekehrt ein zum richtigen Zeitpunkt verabreichter Faustschlag ein Herz, das flimmert und deshalb kein Blut mehr pumpt, wieder in den normalen Rhythmus zurück. 
  • Forschende vermuten, dass beide Effekte auf eine durch den Schlag verursachte Dehnung des Herzmuskels zurückzuführen ist, welche die elektrischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen verändert.

Welcher Art diese Veränderungen sind, ist aber weitgehend ungeklärt, weil dazu nötige Experimentaltechniken fehlten.

Um hier Abhilfe zu schaffen, entwickelten Forscher der Herzabteilung des Physiologischen Instituts der Universität Bern (Gruppe Rohr) in Zusammenarbeit mit dem «Soft Transducers Laboratory» der EPFL in Neuchatel (Gruppe Shea) ein Experimentiersystem, mit dem sich der Effekt sehr schneller Dehnungen auf das elektrophysiologische Verhalten von Herzmuskelgewebe untersuchen lässt.

Die entsprechende Arbeit wurde in Nature Commmunications publiziert.

Silikonmembran simuliert Gewebe



Autonome Gewebedehnungseinheit mit schematischer Zeichnung ihrer Funktion. Die Spitzen in den Messsignalen zeigen die lokale elektrische Aktivierung des gedehnten Gewebes an.

Autonome Gewebedehnungseinheit mit schematischer Zeichnung ihrer Funktion. Die Spitzen in den Messsignalen zeigen die lokale elektrische Aktivierung des gedehnten Gewebes an.
Universität Bern

Der Herzschlag wird durch einen elektromechanischen Prozess ausgelöst. 

Von den Schrittmacherzellen im Herzen regelmässig erzeugte elektrische Impulse breiten sich schnell auf alle Zellen des Herzens aus und bringen diese dazu, sich zusammenzuziehen womit Blut in den Körper gepumpt wird. 

«Sowohl die tödlichen als auch die lebensrettenden Auswirkungen eines Schlags auf die Brust im Herzbereich wurden bisher mit einer raschen Dehnung in Verbindung gebracht, die zu einer Störung der Ausbreitung der elektrischen Impulse führen», sagt Stephan Rohr, Letztautor der Studie.

Um die scheinbar paradoxen Auswirkungen eines solchen Schlags zu untersuchen, fehlten bisher Experimentiersysteme, die rasche Dehnungen produzieren können. «Die bisherigen Geräte waren zu langsam» erklärt Rohr.

Das neu entwickelte System entwickelt nun Dehnung mithilfe von sogenannten dielektrischen Aktuatoren. Dabei werden Kohleelektroden, die symmetrisch auf beide Seiten einer dünnen Silikonmembran aufgebracht wurden, unter Hochspannung gesetzt. Die Silikonmembran simuliert im Experiment das Stützgewebe der Herzmuskelzellen. Die Hochspannung bewirkt, dass sich die Elektroden annähern und dabei die Silikonmembran deformiert wird. Diese Deformation wiederum führt in einem vorbestimmten Bereich der Membran zu einer der Hochspannung entsprechenden Dehnung. Da das Ausmass und die Geschwindigkeit der Dehnung dem Hochspannungsverlauf augenblicklich folgt, können durch entsprechende Anpassungen des Spannungsverlaufs beliebige Dehnungsmuster erzeugt werden.

Um den Effekt verschiedener Dehnungsmuster auf das elektrische Verhalten von Herzmuskelgewebe untersuchen zu können, wurden die Membranen zusätzlich mit Goldionen-implantierten Elektroden versehen, welche die elektrische Aktivität des Herzmuskelgewebes während der Dehnung messen. «Unser Gerät ist das einzige, das die Dynamik eines Schlags auf die Brust nachahmen und gleichzeitig die elektrophysiologischen Auswirkungen auf das Herzgewebe messen kann», so Rohr.

Bindegewebszellen als Erklärung?

Überraschenderweise konnten die Forscher zeigen, dass auch schnellste Dehnung von Herzmuskelstreifen, die auf die Messelektroden aufgebracht wurden, die Erregungsausbreitung nicht beeinflusst.

Damit widerlegen sie bisherige Studien.

«Dieses unerwartete Resultat zeigt, dass Herzmuskelzellen an sich relativ unempfindlich gegenüber auch schnellster Dehnung sind», sagt Rohr. 

Wie aber lassen sich dann die Effekte der Stösse auf die Brust erklären?

Eine Möglichkeit, die gegenwärtig untersucht wird, besteht darin, dass die Dehnungsempfindlichkeit der Herzmuskulatur nicht im Bereich der Herzmuskelzellen zu suchen ist, sondern auf Herzbindegewebszellen zurückzuführen sind, die einen wichtigen Bestandteil des Organs bilden. 

«Mit unserem neu entwickelten Experimentiersystem lassen sich künftig solche und ähnliche Forschungsfragen unter realistischen Dehnungsbedingungen untersuchen», sagt Rohr.

Dazu gehört etwa auch die Wirkung von Medikamenten und Gentherapien auf die Kopplung zwischen Mechanik und elektrischem Verhalten von erregbarem Gewebe.

Die Studie wurde von der Marie Skłodowska-Curie Action und dem Schweizerischen Nationalfonds SNF unterstützt.


Originalpublikation:
Publikationsdetails:

Matthias Imboden, Etienne de Coulon, Alexandre Poulin, Christian Dellenbach, Samuel Rosset, Herbert Shea and Stephan Rohr: High-speed mechano-active multielectrode array for investigating rapid stretch effects on cardiac tissue, Nature Communications (2019), 10:834.

https://doi.org/10.1038/s41467-019-08757-2

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Untersucher-CAVE: Allergische Immunreaktionen: Natrium, Chlorid (Salz)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neurodermitis: erhöhte Salzkonzentration in erkrankter Haut

Salz beeinflusst offenbar allergische Immunreaktionen. 

Ein Team um Prof. Christina Zielinski von der Technischen Universität München (TUM) konnte in Zellkulturen zeigen, dass Salz zur Entstehung von Th2-Zellen führt. 

  • Diese Immunzellen sind bei allergischen Erkrankungen wie Neurodermitis aktiv. 

In der Haut von Patienten konnte das Team zudem erhöhte Salzkonzentrationen nachweisen. 
 Prof. Christina Zielinski in ihrem Labor.
 Prof. Christina Zielinski in ihrem Labor. Andreas Heddergott / TUM


  • In Industrieländern ist fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens von einer Allergie betroffen, jedes zehnte Kind leidet an einer Neurodermitis. 

T-Zellen spielen eine wichtige Rolle für solche Immunerkrankungen. 

Sie sind ein Teil der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen, können aber Fehlfunktionen entwickeln.

Dann gehen sie fälschlicherweise gegen Bestandteile unseres Körpers oder der Umwelt vor.

Th2-Zellen, eine Untergruppe von T-Zellen, können bei solch einer Fehlfunktion allergische Entzündungen der Haut, zum Beispiel eine Neurodermitis verursachen.

  • Dabei werden verstärkt die Botenstoffe Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13) ausgeschüttet
  • Wodurch die Fehlsteuerung ausgelöst wird, ist bislang unbekannt.

Mehr Th2-Zellen durch Einfluss von Natrium-Ionen

  • Kochsalz, wissenschaftlich Natriumchlorid, ist für Menschen und Tiere lebensnotwendig. 

Im Körper tritt es in Form von Natrium- und Chloridionen auf.

Christina Zielinski, DZIF-Professorin am Institut für Virologie der TUM, und ihr Team konnten in einer aktuellen Studie zeigen, dass Natriumchlorid menschliche T-Zellen in einen Zustand versetzen kann, in dem sie vermehrt Botenstoffe wie IL-4 und IL-13 ausschütten.

  • T-Zellen, die eigentlich nicht zu Allergien führen sollten, können durch den Salzeinfluss zu Th2-Zellen umprogrammiert werden. 

Diese Veränderungen sind rückläufig, sobald die T-Zelle wieder weniger hohen Salzmengen ausgesetzt ist.

„Signale der Ionen aus dem Salz spielen somit eine Rolle für die Entstehung und Steuerung von Th2 Zellen“, sagt Christina Zielinski.

Stark erhöhte Salzkonzentrationen in der Haut von Neurodermitis-Patienten

Als Fachärztin für Dermatologie interessiert sich Christina Zielinski auch für Neurodermitis.

Ihr Team untersuchte deshalb, ob Neurodermitis-Patienten in den erkrankten Hautstellen erhöhte Natriumwerte aufwiesen. 

„Natriumkonzentrationen innerhalb des Gewebes zu messen, ist kompliziert“, erzählt Julia Matthias, die Erstautorin der Studie. „Während man das lösliche Salz im Blut mit klinischen Standardverfahren messen kann, waren wir für die Haut auf die Hilfe von Kollegen aus der Kernchemie und Physik angewiesen.“ Diese untersuchten die Hautproben in der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der TUM und am Institut für Kernchemie der Universität Mainz mit einer Neutronenaktivierungs-Analyse. 

  • Tatsächlich lag der Natrium-Wert in der Neurodermitis-betroffenen Haut bis zu 30-fach höher als in gesunder Haut.

Beste Bedingungen für salzliebende Bakterien

„Die erhöhten Natriumwerte in betroffener Haut passen gut zu einer weiteren Eigenschaft von Neurodermitis“, sagt Christina Zielinski.

„Es ist seit langem bekannt, dass Neurodermitispatienten eine starke Anreicherung des Bakteriums Staphylococcus aureus auf der Haut haben. 

  • Dieses Bakterium vermehrt sich unter salzigen Bedingungen, während Salz anderen Bakterien der Hautflora schadet.“ 

Kombiniert man diese und andere Erkenntnisse mit den aktuellen Forschungsergebnissen, legen sie Zielinskis Ansicht nach eine Verbindung zwischen Salz und dem Auftreten von Neurodermitis nahe.

„Bislang konnten wir allerdings nicht nachweisen, wie die hohen Salzmengen in die Haut gelangen“, schränkt Zielinski ein.

„Ebenso wenig wissen wir, ob man durch eine salzarme oder salzreiche Ernährung die Entstehung oder den Verlauf der Neurodermitis oder anderer allergischer Erkrankungen beeinflussen kann.“ 

Diese und ähnliche Fragen wollen sie und ihr Team in zukünftigen interdisziplinären Studien beantworten.

Mehr Informationen:

Die Professur von Christina Zielinski an der TUM wird vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gefördert. Teile der Studie sind an der Charité – Universitätsmedizin Berlin entstanden, wo Prof. Zielinski bis 2015 forschte.

Forschungsgruppe von Christina Zielinski: https://zielinskilab.com/

Institut für Virologie der TUM: https://www.virologie.med.tum.de/

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF): http://www.dzif.de/

Weitere Informationen zur Neutronenaktivierungs-Analyse für die aktuelle Studie finden Sie auf der Website der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der TUM:

https://www.frm2.tum.de/de/industrie-medizin/analytik-mit-neutronen/

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Originalpublikation:
J. Matthias, J. Maul, R. Noster, H. Meinl, Y.-Y. Chao, H. Gerstenberg, F. Jeschke, G. Gasparoni, A. Welle, J. Walter, K. Nordström, K. Eberhardt, D. Renisch, S. Donakonda, P. Knolle, D. Soll, S. Grabbe, N. Garzorz-Stark, K. Eyerich, T. Biedermann, D. Baumjohann, C. E. Zielinski. „Sodium chloride is an ionic checkpoint for human TH2 cells and shapes the atopic skin microenvironment”. Science Translational Medicine (2019). DOI: 10.1126/scitranslmed.aau0683
 


Die Gründung spezialisierter Turner-Zentren: Ulrich-Turner-Syndrom (UTS) http://www.eurogentest.org/

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Behandlungszentren für Mädchen und Frauen mit Ullrich-Turner-Syndrom

Mädchen und Frauen mit Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) kommen mit nur einem X-Chromosom auf die Welt. 

Sie können ihr Leben lang von verschiedenen Erkrankungen des Immunsystems, der Schilddrüse oder des Herzens betroffen sein. 

Dennoch werden vor allem erwachsene Frauen in Deutschland nicht ausreichend von Ärzten betreut. 

Deshalb gründen die Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED), die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland gemeinsam spezielle Turner-Behandlungszentren. 

Diese Einrichtungen sollen den Patientinnen eine umfassende und leitliniengerechte Behandlung ermöglichen. 
 
Welche Voraussetzungen die Zentren für eine Zertifizierung mitbringen müssen und welche Vorteile Patientinnen dadurch haben, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz am 20. März 2019 auf dem 62. Deutschen Kongress für Endokrinologie (20. bis 22. März 2019) in Göttingen.

„Erwachsene Frauen mit Ullrich-Turner-Syndrom werden in Deutschland bislang nicht gut betreut“, sagt Professor Dr. med. Joachim Wölfle, Kinderendokrinologe an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie des Universitätsklinikums Bonn.

Durch die Gründung spezialisierter Turner-Zentren soll dieses Defizit behoben werden.

„Die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen sind bei Mädchen und Frauen mit Ullrich-Turner-Syndrom (UTS) sehr vielfältig.

Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis), Störungen im Zuckerstoffwechsel, Mittelohrentzündungen, Herzprobleme und psychische Erkrankungen können dazugehören“, ergänzt Wölfle.

Aus diesem Grund sei eine fächerübergreifende, lebenslange ärztliche Begleitung notwendig, so Wölfle, der Mitglied der DGE und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) ist.

  • Durch eine Störung im Reifeprozess der Ei- und Samenzellen oder Fehlbildungen der Geschlechtschromosomen wird eines von 2 500 Mädchen nicht mit zwei, sondern nur mit einem X-Chromosom geboren. 

Unter den seltenen Erkrankungen gehört das UTS damit zu den „häufigeren“.

Die betroffenen Mädchen und Frauen sind – mit einer Körperhöhe von durchschnittlich 146,5 cm – kleinwüchsig. Bei nahezu allen setzt die Pubertät nicht von selbst ein, sondern muss vom Arzt mit Hormonen eingeleitet werden. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko für spezifische gesundheitliche Probleme, die zu einer verkürzten mittleren Lebenserwartung führen. 


Eine einheitliche und aktuelle Empfehlungsbasis für die Behandlung liegt mit der 2017 erschienenen internationalen Leitlinie, an der verschiedene Fachgesellschaften beteiligt waren, vor.

Nun gilt es, diese Empfehlungen auch in Deutschland umzusetzen. Vorangehende Untersuchungen unter anderem in Frankreich und Deutschland haben nämlich gezeigt, dass die in bestehenden Leitlinien empfohlenen Untersuchungen (beispielsweise regelmäßige Blutdruckmessung, Bestimmung von Blutzucker, Blutfetten, Leberwerten, Herz-Ultraschall, HNO- und augenärztliche Untersuchung) nur bei einem Bruchteil der Patientinnen durchgeführt werden.

Für Kerstin Subtil, Pressereferentin der Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland, gibt es weitere Gründe für die derzeitige schlechte Versorgung von Mädchen und Frauen:

 „Die Variabilität der gesundheitlichen Auswirkungen und der dadurch zuständigen Fachrichtungen ist so groß, dass allein die Terminvereinbarungen für die Patientinnen bei vielen unterschiedlichen Ärzten sehr zeitaufwendig sind, vor allem wenn sie im ländlichen Raum leben.“ Hinzu komme, dass viele Ärzte mit dem Krankheitsbild UTS nicht vertraut seien.


Abhilfe schaffen sollen nun spezialisierte Zentren.

Auf Anregung der Kinderendokrinologie der Universitäts-Kinderklinik Tübingen (Professor Dr. med. Gerhard Binder) entwickelte sich unter Beteiligung der Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland, der DGKED und der DGE (Professor Dr. med. Heide Siggelkow) eine Initiative, um die Versorgung von Mädchen und Frauen mit UTS zu verbessern. Grundidee ist, mithilfe sogenannter Turner-Syndrom-Spezialisten und Turner-Syndrom-Zentren die Versorgung zu verbessern.

  • Um ein TS-Zentrum zu werden, muss die Einrichtung über weitere Fachabteilungen verfügen, darunter Kardiologie, HNO, Gynäkologie, Psychologie/Psychosomatik und Humangenetik. 

Sie verpflichtet sich, den Leitlinien gemäß zu behandeln und am Turner-Syndrom-Netzwerk teilzunehmen.

Der TS-Spezialist ist idealerweise Endokrinologe, der mit Turner-Syndrom-erfahrenen Medizinern aus den oben genannten Fachrichtungen vernetzt ist.

Der Startschuss zur Gründung erster TS-Zentren erfolgt auf dem 62. Kongress für Endokrinologie (20. bis 22. März 2019) in Göttingen.

 „Bislang haben wir 24 interessierte Einrichtungen und zwei Einzelpersonen, die sich für eine Zertifizierung angemeldet haben“, erklärt Wölfle.

Ziel sei es, bei den zu erfüllenden Kriterien niedrigschwellig zu bleiben, ohne deshalb auf grundlegende Anforderungen zu verzichten.

Kerstin Subtil betont: „Als Vertreterinnen der Selbsthilfe wurden wir von Anfang an einbezogen, das ist nicht selbstverständlich. Die Gründung der Zentren begrüßen wir sehr und wir sind sehr zuversichtlich, dass diese den Patientinnen große Vorteile bringen.“ Professor Dr. med. Heide Siggelkow, DGE-Kongresspräsidentin und Ärztliche Leiterin MVZ ENDOKRINOLOGIKUM Göttingen, ergänzt:

„Wir müssen in einem nächsten Schritt analysieren, inwieweit die gesetzten Ziele erreicht werden konnten, welche potenziellen strukturellen oder ökonomischen Hemmnisse existieren und wo gegebenenfalls Handlungs- und Unterstützungsbedarf zum Erreichen einer besseren Versorgung von Patientinnen mit UTS besteht.“

Literatur:
Gravholt CH, Andersen NH, Conway GS, Dekkers OM, Geffner ME, Klein KO, Lin AE, Mauras N, Quigley CA, Rubin K, Sandberg DE, Sas TCJ, Silberbach M, Söderström-Anttila V, Stochholm K, van Alfen-van der Velden JA, Woelfle J, Backeljauw PF (2017), International Turner Syndrome Consensus Group. Clinical practice guidelines for the care of girls and women with Turner syndrome: proceedings from the 2016 Cincinnati International Turner Syndrome Meeting. Eur J Endocrinol 177(3):G1-G70. doi: 10.1530/EJE-17-0430.



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Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland
Beratungstelefon 030 /98 60 89 04
E-Mail: geschaeftsstelle@turner-syndrom.de

Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED)
Geschäftsstelle: Wolfgang Seel
Chausseestraße 128–129
10115 Berlin
Tel: 030 / 28 04 68 04
E-Mail: w.seel@dgked.de




Birkenstraße 67
10559 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: office@awmf.org

Dennis Makoschey
Geschäftsführer
Telefon: 030 2009 7777
E-Mail-Adresse: makoschey@awmf.org

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold, Friederike Gehlenborg
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380/ -295
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org, gehlenborg@medizinkommunikation.org

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen – zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken – „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen wie Speichel- oder Schweißdrüsen ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dge2019.de

http://www.endokrinologie.net


http://www.hormongesteuert.net