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Chronischer Stress: Neurovaskuläre Kopplung: HRF - Blutflussregulation des Gehirn

Medizin am Abend Berlin Fazit: Stress beeinflusst Regulation des Blutflusses im Gehirn

Verschiedene Studien mit bildgebenden Verfahren deuten auf einen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und Veränderungen in den Hirnregionen hin, die Stressreaktionen koordinieren. 

  • Während akute Stressreaktionen der Anpassung des Organismus daran dienen, kann chronischer Stress zu psychiatrischen Erkrankungen führen. 

Um herauszufinden, was das Gleichgewicht stört, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie das Zusammenwirken zwischen akutem Stress und dem Prozess, der den Blutfluss zu bestimmten Gehirnbereichen reguliert, untersucht. 


  • Diese sogenannte neurovaskuläre Kopplung ist auf den Stoffwechselbedarf, der durch die neuronale Aktivität erzeugt wird, genau abgestimmt. 

Die Forscher fanden ein Indiz für Veränderungen der Regulation des Blutflusses als Reaktion auf akuten Stress. 

Dies könnte einen bisher nicht beschriebenen Mechanismus darstellen, der zu individuellen Unterschieden in der Stressantwort beiträgt.

Möglicherweise lässt sich damit das individuelle Risiko für stressbedingte psychiatrische Erkrankungen besser bestimmen. 

Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der Fachzeitschrift PNAS vorgestellt.

59 Studienteilnehmer absolvierten hierfür einen standardisierten Test, der psychosozialen Stress hervorruft. Erstautor Immanuel Elbau, Letztautor Philipp Sämann und Kollegen untersuchten dabei mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) Veränderungen in der Blutflussregulation der Gehirne ihrer Probanden.

Es zeigte sich, dass sich die hämodynamische Antwort (engl. HRF) in verschiedenen Hirnregionen veränderte, unter anderem im Hippocampus und präfrontalen Kortex.

  • Diese Veränderungen erfolgten innerhalb weniger Minuten; mit ihrer Hilfe ließ sich die spätere Ausschüttung von Stresshormonen vorhersagen.

Weitere Analysen ließen erkennen, dass genetische Unterschiede bei der Expression von KCNJ2, einem menschlichen Analog eines Gens, das die neurovaskuläre Kopplung unter Stress bei Ratten reguliert, mit HRF-Veränderungen zusammenhängen. 

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass akuter Stress zu einer schnellen, grundsätzlichen Funktionsanpassung des Gehirns führt. 

Möglicherweise beeinflussen individuelle Unterschiede auf dieser Ebene auch das Risiko, unter chronischem Stress Fehlanpassungen und letztlich psychische Symptome zu entwickeln", fasst Sämann zusammen.

Originalpublikation:
The brain’s hemodynamic response function rapidly changes under acute psychosocial stress in association with genetic and endocrine stress response markers.
Immanuel G. Elbau, Benedikt Brücklmeier, Manfred Uhr, Janine Arloth, Darina Czamara, Victor I. Spoormaker, Michael Czisch, Klaas Enno Stephan, Elisabeth B. Binder, and Philipp G. Sämann.
PNAS
https://doi.org/10.1073/pnas.1804340115

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Ambulante/Stationäre Patienten: Unverständlichkeit der Wahlprogramme 2018

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bayerische Landtagswahl 2018: Einige Wahlprogramme sind nur schwer verständlich

Verständlichkeits-Check der Universität Hohenheim: Analyse zur bayerischen Landtagswahl / Wahlprogramm der CSU schneidet sprachlich am besten ab 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Fehler und Risikomanagement  
 
Komplizierte Fremdwörter, „Denglish“ und Monster-Sätze:

Kurz vor der Landtagswahl 2018 in Bayern haben Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart die Wahlprogramme der Parteien auf ihre formale Verständlichkeit hin untersucht.

 Ihr Ergebnis: Einige Programme sind sprachlich nur schwer verständlich. 


Nicht alle Wahlprogramme zur bayerischen Landtagswahl sind gut verständlich.
Nicht alle Wahlprogramme zur bayerischen Landtagswahl sind gut verständlich.
Bildquelle: Universität Hohenheim


„Wie schon bei der bayerischen Landtagswahl 2013 und bei der Europawahl 2014 hat die CSU auch zur Landtagswahl 2018 das sprachlich mit Abstand verständlichste Wahlprogramm vorgelegt“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider, Kommunikationsexperte an der Universität Hohenheim und Leiter der Studie.

„Ein Wert von 12,8 Punkten auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex kann sich sehen lassen.

  • Bei den anderen Parteien ist hingegen noch viel Luft nach oben. 

Schlusslicht ist die AfD mit 6,2 Punkten.“

Anhand des Hohenheimer Verständlichkeitsindex und mit Hilfe der Verständlichkeitssoftware „TextLab“ können die Wissenschaftler die Gründe für die Unverständlichkeit der Wahlprogramme benennen:

komplizierte und unverständliche Fach- und Fremdwörter, Anglizismen, „Denglish“ und Satz-Monster mit mehr als 20 Wörtern, also Bandwurmsätze und Schachtelsätze. 

Die Probleme der Wahlprogramme haben Prof. Dr. Brettschneider und Claudia Thoms, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kommunikationstheorie an der Universität Hohenheim, in Zahlen ausgedrückt. Der Hohenheimer Verständlichkeitsindex reicht von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). Er wird von der Software „TextLab“ berechnet.

Analysiert wurden CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die AfD.

Berücksichtigt wurden die Parteien, die entweder im Deutschen Bundestag oder in mindestens drei Landtagen vertreten sind. Das langfristige Forschungsprojekt ist eine Kooperation mit der Agentur H & H CommunicationLab aus Ulm.

Fremdwörter, Anglizismen und Satz-Monster

Verstehen alle Wählerinnen und Wähler den Inhalt, wenn die Grünen von „Haltungskennzeichnung“ reden? Oder die CSU von „Smart- und Bürgerbussen“, die AfD von „Vergemeinschaftung“, die Linke von „Selbstvertretungsorganisationen“, die SPD von „energetischer Sanierung“, die FDP von „Bildungskette“ und „Sachaufwandsträger“? Solche Fachbegriffe sind für die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler genauso unverständlich wie die zahlreichen Anglizismen: „Smart Grids“ (Grüne), „Fast Lanes“ (CSU), „Share Deals“ (Linke), „Learning Management Systeme“ (FDP), „Gender Mainstreaming“ (AfD), „Gender Budgeting“ oder „Teamteaching“ (SPD).

Darüber hinaus erhöhen lange, zusammengesetzte Wörter nicht gerade die Lesbarkeit der Wahlprogramme: „Allgemeinverbindlichkeitserklärung“ (Linke), „Abschiebehafteinrichtung“ (CSU), „Finanzkraftstrukturausgleich“ (AfD).

In allen Wahlprogrammen finden sich Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln. „Neben den Fremdwörtern, Anglizismen und Fachbegriffen sind es auch die Bandwurmsätze, die die Wahlprogramme so unverständlich machen“, sagt Prof. Dr. Brettschneider. „Wir haben in allen Wahlprogrammen solche Satz-Ungetüme mit teilweise mehr als 40 Wörtern gefunden.“

Bayern im Ländervergleich auf Platz 2

  • Im Schnitt zeigt sich: Die aktuellen Wahlprogramme aus Bayern sind im Vergleich etwas verständlicher als die Wahlprogramme in anderen Bundesländern. 
  • Mit einem Durchschnitt von 9,0 liegen die bayerischen Wahlprogramme auf Platz 2.
  • Die Landtagswahl mit den im Schnitt formal verständlichsten Programmen fand 2016 in Mecklenburg-Vorpommern statt (9,1 Punkte). 
  • Die formal unverständlichsten Programme fanden sich 2014 bei der Landtagswahl in Sachsen (6,7 Punkte).

Fordernde Wortwahl bei allen Parteien

Bei den Begriffen, die häufig in den Wahlprogrammen genannt werden, ähneln sich die meisten Wahlprogramme, erklärt Claudia Thoms. „Begriffe wie ‚Menschen‘ und ‚Bayern‘ sind besonders häufig zu finden. In den Wahlprogrammen der AfD, der Linken und der FDP wird zudem der Parteiname besonders häufig genannt.“

  • Alle Parteien wollen „mehr“. 
  • FDP und AfD „fordern“ relativ häufig, 
  • während Grüne „schaffen“ und „fördern“ wollen. 
  • Die CSU möchte häufig „stärken“, „schaffen“ und „unterstützen“.

Claudia Thoms stellt fest: „Eine Betrachtung der für die Wahlprogramme typischen Adjektive deutet auf die klassischen Themenschwerpunkte der Parteien hin. Während Grüne, Linke und SPD etwas häufiger sozial-, arbeits- und umweltbezogene Adjektive verwenden, stechen bei der AfD solche Adjektive heraus, die einen Bezug zum Thema Kriminalität haben. Die CSU ist sprachlich vor allem ‚visionär‘, bei der FDP finden sich häufig Bezüge zu ‚liberal‘“.

Unverständliche Wahlprogramme – eine verschenkte Kommunikationschance


Mit der formalen Unverständlichkeit verschenken die Parteien eine Kommunikationschance bei den Bürgerinnen und Bürgern, stellt Prof. Dr. Brettschneider fest.

„Obwohl nur sehr wenige Menschen die Wahlprogramme komplett und intensiv durchlesen, sollen Wahlprogramme eigentlich dazu dienen, Wählerinnen und Wähler zu gewinnen oder zu halten.“ Aus den Programmen leiten sich außerdem andere Kommunikationsmittel ab, die für eine Wahl wichtig sind: Wahlplakate, Homepage und Broschüren. „Selbst wenn die Wähler nicht das gesamte Programm lesen, so schauen sich einige von ihnen doch zumindest die Passagen an, die sich auf Themen beziehen, die ihnen wichtig sind“, sagt Prof. Dr. Brettschneider.

Neben der Funktion, Wählerinnen und Wähler zu halten oder neue zu gewinnen, sind die Programme auch innerhalb der Partei von Bedeutung, betont der Kommunikationsexperte. „Während der Arbeit am Programm klären die Mitglieder innerparteiliche Positionen und bündeln verschiedene Interessen. Der Parteiführung dient das Programm nach der Wahl als Grundlage für Koalitionsverhandlungen oder für die Arbeit in der Opposition. Entgegen landläufigen Behauptungen halten sich Parteien nach den Wahlen auch häufig an ihre Programm-Aussagen.“

Wahlprogramme aus Sicht von Parteimitgliedern

Wie Parteimitglieder Wahlprogramme wahrnehmen, ist bislang kaum erforscht. Bei einer Online-Umfrage der Universität Hohenheim im Jahr 2010 gaben 828 Parteimitglieder an, vor allem die Kurzversion des Wahlprogramms für ein wichtiges Wahlwerbemittel zu halten. Es sei nützlicher, besser gestaltet, überzeugender, interessanter und verständlicher als die Langfassung.

Lediglich die Mitglieder der Grünen stufen die Langversion als sehr wichtig ein.

„Fast 50 Prozent der befragten Parteimitglieder gaben an, die Kurzversion ihres Wahlprogramms vollständig gelesen zu haben“, so Prof. Dr. Brettschneider. „Von der Langversion behaupten das nur 16 Prozent.“

Parteiübergreifend werden die Kurzfassungen als ein wirksames Wahlwerbemittel gesehen: Sie erfüllen aus Sicht der Parteimitglieder am stärksten die Funktion, die Wähler von der Wahl der jeweiligen Partei zu überzeugen. Diese Funktion wird den Langfassungen am wenigsten zugesprochen. „Die Langfassungen dagegen gelten unter den Mitgliedern als Instrument, um dem Wahlkampf eine Richtung zu geben und um in eventuellen Koalitionsverhandlungen eine Richtlinie zu haben“, erklärt Prof. Dr. Brettschneider. „Eine Funktion, die wiederum den Kurzfassungen am wenigsten zugesprochen wird. Es gibt also eine klare Arbeitsteilung zwischen den Lang- und den Kurzfassungen.“

Prof. Dr. Brettschneider betont jedoch: „Die von uns gemessene formale Verständlichkeit ist natürlich nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhängt. Deutlich wichtiger ist der Inhalt. Unfug wird nicht dadurch richtig, dass er formal verständlich formuliert ist. Und unverständliche Formulierungen bedeuten nicht, dass der Inhalt falsch ist. Formale Unverständlichkeit stellt aber eine Hürde für das Verständnis der Inhalte dar“.

HINTERGRUND: Der Hohenheimer Wahlprogramm-Check

Die Wahlprogramme sind ein Kommunikationsmittel der Parteien, um die eigenen Positionen darzulegen. Seit 2009 untersucht das Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Kommunikationstheorie, an der Universität Hohenheim im „Wahlprogramm-Check“ in Kooperation mit der Ulmer Agentur für Verständlichkeitsmessung H&H CommunicationLab u.a. folgende Fragen:

Kommunizieren die Parteien in ihren Wahlprogrammen so verständlich, dass die Wahlberechtigten sie verstehen können? 

Welche Verständlichkeits-Hürden finden sich in den Wahlprogrammen? Und welche Begriffe dominieren in den Programmen?

Möglich werden diese Analysen durch die von H&H Communication Lab GmbH und von der Universität Hohenheim entwickelte Verständlichkeitssoftware „TextLab“. Diese Software berechnet verschiedene Lesbarkeitsformeln sowie Textfaktoren, die für die Verständlichkeit relevant sind (z.B. Satzlängen, Wortlängen, Schachtelsätze und den Anteil abstrakter Wörter).

Aus diesen Werten setzt sich der „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ zusammen, der die Verständlichkeit der Programme und Texte auf einer Skala von 0 (unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) abbildet.

  • Zum Vergleich: Doktorarbeiten in Politikwissenschaft haben eine durchschnittliche Verständlichkeit von 4,3 Punkten. 
Hörfunk-Nachrichten kommen im Schnitt auf 16,4 Punkte, Politik-Beiträge überregionaler Zeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt, der Süddeutschen Zeitung oder der taz auf Werte zwischen 11 und 14.

Bayerische Landtagswahl 2018: Einige Wahlprogramme sind nur schwer verständlich


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Studie im Detail"

Harnwegsinfektion: Fähigkeit zur Persistenz

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Bakterien eine Behandlung mit Antibiotika im Schlaf aussitzen

Wissenschaftler der Universität Tübingen untersuchen die Grundlagen eines Therapieversagens, das nicht auf Resistenzen beruht 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Ärzte im öffentlichen Dienst  
 
  • Gegen Antibiotika können krankheitserregende Bakterien Resistenzen entwickeln, diese werden dann für die Behandlung einer Infektion unwirksam. 

Daneben gibt es einen anderen Mechanismus, mit dem manche Bakterien der tödlichen Wirkung von Antibiotika entgehen:

Einige Zellen einer Population igeln sich ein und warten ab, bis keine Gifte mehr vorhanden sind.

Dann nehmen sie ihre Lebensfunktionen wieder voll auf. So können zum Beispiel manche Harnwegsinfektionen nach scheinbar erfolgreich abgeschlossener Antibiotikabehandlung wieder aufflammen.

Solche Überdauerungsformen, die zum Beispiel bei bestimmten Escherichia coli-Bakterien auftreten, haben Maja Semanjski, Katrin Bratl und Andreas Kiessling unter der Leitung von Professor Boris Maček vom Proteom Centrum der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Elsa Germain und Professor Kenn Gerdes von der Universität Kopenhagen untersucht. Varianten eines Enzyms gaben ihnen Hinweise, welche Prozesse die Bildung von Dauerstadien einleiten. Diese Ergebnisse liefern mögliche Ansatzpunkte, um Wirkstoffe gegen die gefährlichen Schläferzellen zu entwickeln. Die Studie wird in der Fachzeitschrift Science Signaling veröffentlicht.

Von Resistenz sprechen Wissenschaftler, wenn Bakterien gegen einen Wirkstoff unempfindlich sind.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Bakterien eindringende Antibiotika erfolgreich wieder aus ihrer Zelle ausschleusen können, wenn sie diese mithilfe eines Enzyms abbauen und dadurch unwirksam machen oder wenn sie einen durch Antibiotika blockierten Stoffwechselweg durch einen alternativen Weg ersetzen.

„Antibiotika richten sich in der Regel gegen Wachstumsprozesse der Bakterien“, erklärt Kenn Gerdes. Die Dauerstadien seien nicht resistent, sondern nur vorübergehend tolerant gegenüber den Antibiotika, indem sie ihr Wachstum einstellen. „Genetisch haben sie die gleiche Ausstattung wie die anderen Bakterien in der Population.“ Welche Zellen einer Kolonie in einen Überdauerungszustand eintreten, unterliegt keinen erkennbaren Regeln. „Es passiert selten und betrifft nur jede zehntausendste bis millionste Zelle. Das erschwert die Untersuchung“, sagt der Wissenschaftler.

Der Ausbildung der Dauerstadien auf der Spur


Das Ausbilden der Dauerstadien wird auch als Fähigkeit zur Persistenz bezeichnet. Nähere Hinweise lieferten vor einigen Jahren Bakterien, die aus Patienten mit durch Escherichia coli verursachten Harnwegsinfektionen isoliert werden konnten. Durch Mutationen, das sind Genveränderungen, wie-sen sie eine bis zu tausendfach verstärkte Persistenz auf, ohne dass die Resistenz gegenüber Antibiotika gesteigert war.

Ähnliche Funde machten Forscher bei Mukoviszidose-Patienten, die mit dem entzündungserregenden Bakterium Pseudomonas aeruginosa infiziert waren. Mutiert war ein En-zym, das die Ausbildung von Dauerstadien einleiten kann, die HipA-Kinase (high persister gene A).

In der aktuellen Studie verglich das Forscherteam Escherichia coli-Bakterien mit der normalen HipA-Kinase mit solchen, deren Enzym die Mutationen aufwies.

Dazu führten sie Proteomanalysen durch, bei denen jeweils der gesamte Proteinbestand der Bakterienzellen erhoben wird.

„Wir konnten feststellen, dass die normale und die mutierte HipA-Kinase ein unterschiedliches Repertoire von bakteriellen Proteinen mit Phosphat modifiziert“, sagt Boris Maček. 

Eine Vermutung sei gewesen, dass die HipA-Kinase das Wachstum der Bakterienzellen hemmt und so die Ausbildung der Dauerstadien einleitet. „Der Zusammenhang ist jedoch komplizierter“, so der Wissenschaftler. „Nach unseren Untersuchungen sind die Wachstumshemmung und die Persistenz Folge zweier verschiedener Prozesse, denn die mutierte HipA-Kinase hemmt das Wachstum der Bakterienzellen deutlich weniger stark als die normale, aber erhöht die Persistenz um ein Vielfaches.“ Diese Ergebnisse liefern den Wissenschaftlern Hinweise, in welche Prozesse neue Wirkstoffe gegen die gefährlichen Persistenzen eingreifen müssten.

Wie Bakterien eine Behandlung mit Antibiotika im Schlaf aussitzen



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Dr. Karl Guido Rijkhoek Eberhard Karls Universität Tübingen

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Originalpublikation:
Maja Semanjski, Elsa Germain, Katrin Bratl, Andreas Kiessling, Kenn Gerdes and Boris Macek: The kinases HipA and HipA7 phosphorylate different substrate pools in Escherichia coli to promote multidrug tolerance. Science Signaling, 11, eaat5750 (2018). DOI 10.1126/scisignal.aat5750

CAVE: Wissen spart Zeit: Künstliche oder tierische Herzklappen

Medizin am Abend Berlin Fazit: DGFG veröffentlicht neuen Film zur Herzklappenspende

Film: Gewebenetzwerk Herzklappenspende

500 Patienten warten Schätzungen zu Folge jedes Jahr auf eine Herzklappe aus der Gewebespende. 

„Nicht einmal die Hälfte dieser Patienten kann mit einem passenden Transplantat versorgt werden. 

Das muss sich ändern“, sagt Dr. Thomas Horn, Referatsleiter in der Abteilung Gesundheit und Prävention des Niedersächsischen Sozialministeriums. 

Als Ersatz implantieren Ärzte künstliche oder tierische Herzklappen – mit begrenzter Haltbarkeit und einer hohen Abstoßungsgefahr. 

Kommt es zur weiteren OP am offenen Herzen, steht das Leben des Patienten erneut auf dem Spiel. 

Transplantatempfänger Dane Lees blickt wieder positiv in die Zukunft.
Transplantatempfänger Dane Lees blickt wieder positiv in die Zukunft.
Foto: DGFG

 
Einen Grund für diesen Versorgungsengpass sieht die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) in der großen Unwissenheit über die Gewebespende und die verpasste Entscheidungsfindung der Spender zu Lebzeiten.

Gemäß der Devise “Wissen spart Zeit“ klärt die DGFG in ihrem siebenminütigen Film über die Herzklappenspende nach Herz-Kreislauf-Stillstand auf und rückt zwei Empfänger einer zellfreien Spenderherzklappe und ihre ganz unterschiedlichen Geschichten in den Fokus.

Den Film finden Sie auf: Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Herzklappenspende

Zellfreie Spenderherzklappen schenken jungen Patienten Hoffnung

  • Der Bedarf an menschlichen Herzklappen aus der Gewebespende ist weit höher als ihr Angebot. 

Schon seit einigen Jahren werden Patienten mit einer Herzklappeninsuffizienz Alternativen zu den sogenannten Homografts, den menschlichen Spenderherzklappen, implantiert – mit deutlichen Nachteilen für junge Patienten:

  • Tierische und mechanische Herzklappen haben eine sehr begrenzte Haltbarkeit und sind mit einer lebenslangen blutverdünnenden Medikation verbunden. 

„Jede Nachoperation am offenen Herzen birgt für den Patienten ein hohes Risiko und verringert die Lebenserwartung. Dass diese Therapieoptionen gerade jungen Patienten wenig Hoffnung auf ein langes und vor allem komplikationsfreies Leben schenken, liegt auf der Hand“, erklärt Prof. Dr. med. Samir Sarikouch, Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). In den klinischen Studien ESPOIR und ARISE wurde der Einsatz zellfreier Spenderherzklappen getestet.

Diese speziell aufbereiteten Herzklappen werden über ein besonderes Verfahren von Spenderzellen gereinigt.

Die Ergebnisse beider Studien sind vielversprechend.

Das Transplantat wird nach wenigen Monaten patienteneigen. Die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion geht gen Null. 

Frauen können dank der zellfreien Herzklappe Kinder bekommen, da hierbei keine Medikamenteneinnahme erforderlich ist.  

Das Besondere für Kinder mit einem Herzklappenfehler ist, dass die zellfreien Spenderherzklappen sogar mitwachsen und Nachoperationen dadurch erspart bleiben.

  • Gewebespende nach Herz-Kreislauf-Stillstand wichtige Alternative zur Organspende

Herzklappen stammten bisher überwiegend aus der Organspende.

233 Organspender spendeten im vergangenen Jahr ihr Gewebe wie die Augenhornhaut, Sehnen, Bänder, Knochen oder Haut. 

84 von ihnen spendeten dabei auch ihre Herzklappen, da ihr Herz nicht mehr für eine Organtransplantation in Frage kam.

„Aufgrund der begrenzten Zahl an Organspendern sind wir heute stärker denn je auf die Spende dieser Gewebe von Herz-Kreislauf-Verstorbenen angewiesen“, betont DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

Eine Gewebespende kann auch noch nach Herz-Kreislauf-Stillstand durchgeführt werden, denn Gewebe werden im Unterschied zu Organen nicht durchblutet. 

Die Hirntoddiagnostik spielt daher keine Rolle.

  • Das Zeitfenster einer solchen Herzklappenspende bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen ist jedoch begrenzt. 

 „36 Stunden nach Todeseintritt müssen die Herzklappen entnommen worden sein“, erklärt Börgel. 

„In dieser Zeit erfolgt die komplette Spenderdiagnostik, die Aufklärung der Angehörigen und im Falle einer Zustimmung die entsprechende logistische und personelle Organisation sowohl der Entnahme als auch des späteren Versands der Spende in die Gewebebank.“

Erfahren Angehörige von dieser Möglichkeit der Gewebespende zum ersten Mal und wissen nicht um den Willen des Verstorbenen Bescheid, möchten sie in dieser recht kurzen Bedenkzeit oft keine Entscheidung treffen.

„Das Wissen um die Gewebespende schenkt uns Zeit für die Organisation der Entnahme und schafft Klarheit für die Angehörigen“, sagt Börgel.

Gewebespende in Leipzig – Transplantation in Hannover

Der Film zeigt, wie Gewebespende im Netzwerk der DGFG funktioniert:

Koordinatorin Christine Riege vom Standort am Universitätsklinikum Leipzig ist eine von insgesamt 46 Koordinatorinnen und Koordinatoren, die bundesweit für die Gewebespende im Einsatz sind. 

Im Film erklärt sie den Ablauf und die Voraussetzungen einer Spende kardiovaskulärer Gewebe. 

Ebenfalls im Film zu sehen ist Koordinator Matthias Polzin vom Standort am Universitätsklinikum Dresden. Im Falle einer Spende führen sie in der Region Ost unter Verantwortung eines Arztes der DGFG und zusammen mit einem Arzt der jeweiligen Klinik die Entnahme der kardiovaskulären Gewebe durch. Die DGFG verfügt über eine bundesweite Erlaubnis zur Entnahme dieser Gewebe über ein sogenanntes Mobiles Team. Die Verteilung der Gewebe übernimmt anschließend die zentrale Vermittlungsstelle der DGFG in Hannover. So können Transplantationszentren aus ganz Deutschland, wie z. B. die MHH, ihre Patienten dort für ein Herzklappentransplantat anmelden und auf die Warteliste setzen.

Zur DGFG

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste.

  • Allein 2017 konnte die DGFG über 4.700 Gewebepräparate zur Transplantation vermitteln. 
  • Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. 

Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg.

Aufklärungsfilme zur Augenhornhaut- und Gelenkspende sind bereits erschienen und zu sehen im YouTube-Channel der DGFG.

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Kristin Becke Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH (DGFG)

Feodor-Lynen-Str. 21
30625 Hannover
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Kristin Becke
Telefon: 0511563559355
Fax: 051156355955
E-Mail-Adresse: kristin.becke@gewebenetzwerk.de


Julia-Maria Blesin
Telefon: 051156 35 59 34
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https://youtu.be/ub5riigt4D4

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