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Interdiziplinäre Reha: Kopfschmerzen durch Übergebrauch Schmerzmittel/Migränemittel

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln: eine halbe Million betroffen

Zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert: 

Schmerz- und Migränemittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und in eine chronische Krankheit verwandeln. 

Menschen mit häufigen Kopfschmerzen sollten vorbeugend dagegen aktiv werden, um nicht in einen Teufelskreis von Schmerzen und Medikation zu geraten, empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in ihrer heute vorgelegten neuen Leitlinie zur Diagnose und Therapie des Kopfschmerzes durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln. 
 
Weltweit sind 0,7–1 Prozent der Bevölkerung von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln betroffen, in Deutschland also mindestens eine halbe Million Menschen.

„Das Krankheitsbild ist häufiger bei Frauen, bei Patienten mit Depressionen, Angsterkrankungen oder anderen chronischen Schmerzen, wie z.B. Rückenschmerzen“, berichtet Prof. Hans-Christoph Diener, Essen, Kopfschmerzexperte der DGN, der die Leitlinienarbeit gemeinsam mit PD Dr. Charly Gaul, Königstein, und Professor Peter Kropp, Rostock, beide von der DMKG, koordiniert hat.
  • Von chronischem Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten sprechen Ärzte, wenn Patienten mit vorbestehenden primären Kopfschmerzen (zum Beispiel Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp) über mindestens drei Monate an 15 oder mehr Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden und an mehr als 14 Tagen im Monat Schmerzmittel oder an mehr als neun Tagen im Monat Migränemittel (Triptane oder Mutterkornalkaloide), Opioide oder Schmerzmittelkombinationen einnehmen. 

Im englischen Sprachgebrauch wird dieser Kopfschmerz als „Medication Overuse Headache“ (MOH) bezeichnet.

„Die meisten Patienten ahnen nicht, dass Schmerztabletten die Schmerzursache sein können“, berichtet Diener. Umso wichtiger sei es, dass Kopfschmerzspezialisten, Neurologen, Schmerztherapeuten, Schmerzpsychologen, Hausärzte und Apotheker über das Risiko aufklären und zu wirksamen Behandlungsalternativen beraten.

Drei therapeutische Schritte empfohlen

Die Leitlinie empfiehlt ein dreistufiges Vorgehen bei der Therapie von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln, wie PD Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der DMKG, erläutert:

„Die erste Maßnahme sollte stets in der Schulung und Beratung von Patienten liegen, mit dem Ziel, die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren.

Der zweite Schritt ist eine medikamentöse Prophylaxe der zugrunde liegenden Kopfschmerzerkrankung. 

Wirkt diese Therapie nicht, sollte als dritter Schritt eine Medikamentenpause angestrebt werden. 

  • Dieser Entzug kann je nach Konstellation ambulant, tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden.“

Sport und Entspannung senken den Bedarf an Schmerzmitteln

Damit Kopfschmerz durch ein Zuviel an Medikamenten erst gar nicht entsteht, raten die Experten zu einer konsequenten vorbeugenden Behandlung.

Neben Medikamenten helfen Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement, Kopfschmerzattacken vorzubeugen. 

„Auch die Verhaltenstherapie hat sich in der Prophylaxe als wirksam erwiesen“, sagt Prof. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Rostock.

Diese Möglichkeiten der Prävention würden jedoch längst nicht ausgeschöpft, bemerkt Stefanie Förderreuther. „Viele Patienten wissen schlicht nicht, dass man vorbeugend gegen Kopfschmerzen vorgehen kann. Das ist einfach nicht in den Köpfen der Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass sie in der Werbung nur die Akutbehandlung von Kopfschmerzen sehen. Für vorbeugende, in der Regel verschreibungspflichtige Medikamente darf dagegen nicht geworben werden.

Und hinter verhaltenstherapeutisch ausgerichteten vorbeugenden Strategien steht keine Firma, die ein Interesse an Werbung hätte.“

Mit einer leitliniengerechten Therapie könne den meisten Kopfschmerzpatienten geholfen werden, betont die Ärztin. Selbst ein Kopfschmerz durch Übergebrauch von Akutmedikamenten sei behandelbar und keine Sackgasse.

Die Leitlinien der DGN
Die Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Essen) und Prof. Dr. Christian Gerloff (Hamburg) bringt mit ihren circa 80 medizinischen Leitlinien neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnellstmöglich in die therapeutische Praxis und damit an die Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Leitlinien spielen damit eine wichtige Rolle für die schnelle und kompetente Verbreitung von Forschungsergebnissen. Verfasst werden die Leitlinien für Diagnostik und Therapie von ausgewiesenen Experten auf dem jeweiligen Gebiet, unter Beteiligung von österreichischen und Schweizer Neurologen, teilweise auch unter Beteiligung von Therapeuten und Patientenvertretern. Wichtig ist die bestmögliche Objektivität der ausgesprochenen Empfehlungen. Aus diesem Grund erfolgen die Zusammenstellung der Leitliniengruppe und die Konsensfindung bei Empfehlungen nach klaren Vorgaben auf Basis des Regelwerks der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).  

Alle Leitlinien der DGN sind auf www.dgn.org frei zugänglich publiziert.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org, fb.com/dgneurologie, twitter.com/dgneurologie

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Originalpublikation:
Diener H.-C., Gaul C., Kropp P. et al., Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (Medication Overuse Headache = MOH), S1-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 16. Juli 2018).

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Priv.-Doz. Dr. med. Stefanie Förderreuther
Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
Neurologischer Konsildienst der LMU
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E-Mail: Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de, www.dmkg.de

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Blutbildende Stammzellen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Genetische Landkarte markiert wichtige Schaltstellen in Blutstammzellen

Blutbildende Stammzellen können sich auch nach langer Zeit noch erneuern und teilen. 

Diese besonderen Eigenschaften werden von bestimmten Schaltstellen im Erbgut der Zellen reguliert. 

Wissenschaftlern vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden und Heidelberg ist es nun gelungen, eine präzise Landkarte dieser aktiven, regulatorischen Regionen zu erstellen. 

Sie bietet eine wichtige Grundlage, um künftig die Steuerung dieser Zellen und damit auch die Entstehung von Blutkrebs besser zu verstehen. 

Die Ergebnisse sind am heutigen Donnerstag (5. Juli 2018) auf der Website des Fachmagazins „Cell Stem Cell“ (www.cell.com, DOI 10.1016/j.stem.2018.06.003) veröffentlicht worden. 

https://www.nct-heidelberg.de/fileadmin/media/nct-dresden/das-nct/newsroom/Bild_PM_Blutstammzellen_Virusintegration.jpg
BU: Retroviren integrieren sich an besonders aktiven Stellen im Erbgut. NCT-Wissenschaftler konnten so die Schaltstellen im Genom blutbildender Stammzellen ermitteln. Quelle: Peer Wünsche
 
Im Knochenmark bildet der Körper alle Blutzellen: Dort finden sich sogenannte Stammzellen, aus denen alle Formen der Blutkörperchen entstehen können. An der Spitze des Stammzellsystems stehen Langzeit-Stammzellen. Sie können sich nach Jahren noch selbst erneuern, sich teilen und in verschiedene Blutzellen ausdifferenzieren. Diese hoch komplexe Fähigkeit setzt eine exakte Regulierung aller Gene im Erbgut der Zellen voraus. Wissenschaftlern des NCT ist es nun gelungen, die hierfür verantwortlichen Schaltstellen im Erbgut der Langzeit-Stammzellen mit bislang unerreichter Genauigkeit zu kartieren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler Daten aus einer gentherapeutischen Studie an Patienten mit Wiskott-Aldrich-Syndrom, die aufgrund eines Gen-Defekts an einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen, Blutungen und Krebserkrankungen leiden. Im Rahmen der Studie wurden Blut-Stammzellen der Patienten mithilfe so genannter Genfähren korrigiert, die Fremd-DNA in eine Empfängerzelle übertragen können. Als Genfähren dienten modifizierte Retroviren, die sich stabil ins Erbgut der Stammzellen integrieren. „Durch die Integration dieser Viren erhält jede Stammzelle einen unverwechselbaren genetischen Fingerabdruck, der automatisch an alle Tochterzellen weitergegeben wird. Anhand dieses Fingerabdrucks konnten wir über Jahre nachvollziehen, welche Blutzellen tatsächlich langfristig in der Lage waren, sich selbst zu erneuern und viele spezialisierte Blutzellen hervorzubringen“, sagt Hanno Glimm, geschäftsführender Direktor am NCT Dresden, der neben seiner dortigen Abteilung auch eine Forschungsgruppe am DKFZ in Heidelberg leitet.

Dies ermöglichte es den Wissenschaftlern, Langzeit-Stammzellen mit bislang unerreichter Genauigkeit zu identifizieren. Bislang wurden hierfür vor allem äußere Merkmale – spezifische Oberflächenmoleküle – herangezogen, die jedoch keine zweifelsfreie Identifikation zuließen. „Der eigentliche Clou der Retroviren besteht aber darin, dass sie sich bevorzugt in Enhancern im Erbgut ansiedeln, die zum Zeitpunkt der Virusintegration besonders aktiv sind. Enhancer sind Schaltstellen, die die besonderen Fähigkeiten der Zelle regulieren, indem sie dafür sorgen, dass bestimmte Gene verstärkt abgelesen werden“, erklärt Peer Wünsche vom DKFZ Heidelberg.

„Die Viren fungierten somit also nicht nur als genetischer Fingerabdruck, sondern auch als Wegweiser zu den wichtigen Schaltstellen im Stammzell-Erbgut.“

Über 3.000 solcher regulatorischer Regionen haben die Wissenschaftler bei ihren Analysen ermittelt. Forscher können die so entstandene Landkarte zukünftig als wichtige Orientierungshilfe nutzen, um die Blutbildung sowie die Ursachen von Blutkrebs auf genetischer Ebene besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Den NCT-Wissenschaftlern selbst gelang es mit Hilfe ihrer Genom-Karte bereits, zwei bisher in der Blutbildung unbeschriebene microRNAs zu ermitteln – kurze Abschriften der Erbsubstanz DNA, die für die frühe Blutbildung eine wichtige Rolle spielen dürften.

P. Wünsche, E. S. P. Eckert et al. (2018) Mapping Active Gene-regulatory Regions in Human Repopulating Long-term HSCs. Cell Stem Cell DOI 10.1016/j.stem.2018.06.003

Das NCT ist eine standortübergreifende Kooperation von Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) auf der einen Seite sowie von DKFZ, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Medizinischer Fakultät der TU Dresden und Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) auf der anderen Seite.

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Dr. Friederike Fellenberg
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 56-5930
Fax: +49 6221 56-5350
E-Mail: friederike.fellenberg@nct-heidelberg.de
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Dr. Anna Kraft
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden
Fetscherstraße 74/PF 41
01307 Dresden
Tel.: +49 (0)351 458-5548
E-Mail: anna.kraft@nct-dresden.de
www.nct-dresden.de

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den fachübergreifende Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, zeitnah erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit. In Dresden wird seit 2015 ein Partnerstandort des NCT Heidelberg aufgebaut.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden
Dresden ist seit 2015 neben Heidelberg der zweite Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Das NCT Dresden ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf. Das NCT hat es sich zur Aufgabe gemacht, Forschung und Krankenversorgung so eng wie möglich zu verknüpfen. Damit können Krebspatienten in Dresden und Heidelberg auf dem jeweils neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse behandelt werden. Gleichzeitig erhalten die Wissenschaftler am NCT durch die Nähe von Labor und Klinik wichtige Impulse für ihre praxisnahe Forschung. Gemeinsamer Anspruch beider Standorte ist es, das NCT zu einem internationalen Spitzenzentrum der patientennahen Krebsforschung zu entwickeln. Die jährliche Förderung des NCT Dresden beläuft sich nach der Aufbauphase ab 2019 auf 15 Millionen Euro. Diesen Betrag bringen Bund und Freistaat Sachsen im Verhältnis 90 zu 10 Prozent auf. Für die Errichtung eines NCT-Neubaus stellt der Freistaat Sachsen zusätzlich 22 Millionen Euro bereit.

 

Immunzellen Weiße Blutkörperchen - gamma-delta T-Zellen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektionen und Krebs: Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?

MHH-Wissenschaftler koordiniert neue, überregionale Forschungsgruppe, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit mehr als zwei Millionen Euro gefördert wird 

Professor Dr. Immo Prinz Professor Dr. Immo Prinzb "Foto: MHH/Kaiser"

Welche Rolle spielen spezielle weiße Blutkörperchen?


Welche Rolle spielen bestimmte weiße Blutkörperchen, sogenannte gamma-delta T-Zellen, bei der Abwehr von Infektionen und Krebs? 

Um die Aufgaben dieser Immunzellen genau untersuchen zu können, erhält eine neue Forschungsgruppe (FOR 2799) mehr als zwei Millionen Euro von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für drei Jahre. „Unser langfristiges Ziel ist es unter anderem, Projekte auf den Weg zu bringen, die gamma-delta T-Zellen in der anti-Tumor Therapie einsetzen“, sagt der Sprecher der neuen Forschungsgruppe, Professor Dr. Immo Prinz, vom Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Die Forschungsgruppe „Receiving and Translating Signals via the gamma-delta T Cell Receptor” ist überregional und hat ihre Standorte in Hannover, Kiel, Tübingen, Freiburg, Erlangen und Würzburg. 

An der MHH sind neben der Koordination zwei der insgesamt sieben Forschungsprojekte angesiedelt: Eines der Nachwuchswissenschaftlerin Sarina Ravens, PhD, sowie eines von Professor Prinz. Die MHH erhält von der Gesamtfördersumme für diese Projekte sowie zur Koordination der Forschungsgruppe rund 650.000 Euro.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FOR 2799 werden unter anderem der Frage nachgehen, wie der gamma-delta T-Zell-Rezeptor bei der Immunreaktion genau aktiviert wird und welche Konsequenzen eine solche Aktivierung hat.

Dabei befassen sie sich sowohl mit biochemischer und zellbiologischer Grundlagenforschung, mit Modellsystemen im Labor und im Tierversuch, als auch mit klinisch relevanten Patientenstudien.

Insgesamt hat die DFG fünf neue Forschungsgruppen und zwei neue Kolleg-Forschungsgruppen eingerichtet.

 Diese Gruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

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Professor Dr. Immo Prinz
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Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

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Typ-2- Diabetes: RLD - Restriktive Lungenerkrankung // ILD-interstitielle Lungenerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden häufiger an restriktiven Lungenerkrankungen

  • Atemnot und restriktive Lungenerkrankungen (RLD) wie zum Beispiel Lungenfibrose könnten eine späte Komplikation von Typ-2-Diabetes sein. 
Darauf deutet eine gemeinsame Studie von Forschern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg hin. 

Die aktuellen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Respiration veröffentlicht. 


Jeder vierte ambulant behandelte Patient leidet an Atemnot. 
  • Meist sind akute und chronische Lungenerkrankungen die Hauptursachen dafür. 
  • Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche Menschen mit einer interstitiellen Lungenerkrankung (IDL) auch an Typ-2-Diabetes leiden. 

Doch haben Patienten mit Typ-2-Diabetes auch häufiger Lungen- und Atemwegserkrankungen? 

Könnten Atemnot, IDL und RDL eine Folge von Diabetes sein? 

Diese Fragen untersuchten erstmals Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) am Universitätsklinikum Heidelberg in einer Studie.

Das Forscherteam, unter der Leitung von Dr. Stefan Kopf, untersuchte 110 Patienten mit einem langjährigen Typ-2-Diabetes, außerdem 29 Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, 68 Patienten mit Prädiabetes und 48 Menschen ohne Diabetes auf Stoffwechselstörungen, diabetesbedingte Komplikationen, Atemnot und Lungenfunktion.

  • Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes signifikant häufiger an Atemnot und restriktiven Lungenerkrankungen leiden als die Kontrollgruppe. 

27 Prozent der Langzeit-Diabetes-Patienten waren an RLD erkrankt, bei Menschen mit einem neudiagnostiziertem Diabetes waren es 20 Prozent. Zudem konnte bei neun Prozent der Probanden mit Prädiabetes RLD festgestellt werden.

Patienten mit ausgeprägter Symptomatik und RLD zeigten auch CT-morphologisch eine fibrosierende interstitielle Lungenerkrankung.

Zudem wiesen Lungengewebe von Probanden mit und ohne Diabetes in der morphologischen Analyse Unterschiede auf. 

Patienten mit Diabetes hatten vermehrt Lungenfibrosen.
  • Darüber hinaus zeigte die Studie, dass RLD mit Albuminurie assoziiert ist. 
  • Bei der Erkrankung ist der Gehalt des Eiweißes Albumin im Urin erhöht. 
  • Dies kann ein Anzeichen sein, dass Lungenerkrankungen und Nierenerkrankungen (Nephropathie) miteinander assoziiert sein können.
„Verstärkte Atemnot, RLD und interstitielle Lungenanomalien können mit Typ-2-Diabetes assoziiert sein“, fasst Erst-Autor Dr. med. Stefan Kopf (Studienleiter) von der Abteilung Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie am Universitätsklinikum Heidelberg die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

 „In dieser Studie lag die Prävalenz für RLD bei Patienten mit Diabetes zwischen 20 und 27 Prozent. 
Außerdem deuten die radiologischen und histologischen Analysen auf eine Assoziation mit fibrosierenden, d.h. vernarbenden interstitiellen Lungenanomalien hin“, ergänzt Professor Dr. med. Hans-Ulrich Kauczor, Ärztlicher Direktor der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

„Die aktuelle Untersuchung sowie Erkenntnisse aus Tierversuchen zeigen einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen restriktiven Lungenerkrankungen und Diabetes mellitus“, erläutert Professor Dr. med. Michael Kreuter, Leiter des Zentrums für seltene und interstitielle Lungenerkrankung an der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg.

„Wir vermuten daher, dass manche Lungenerkrankungen eine späte Folge von Typ-2-Diabetes sein können“, sagt Letzt-Autor Professor Dr. med. Peter P. Nawroth. Ärztlicher Direktor der Abteilung Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie Assoziierter Partner des DZD. 
  • Patienten mit Diabetes, Nephropathie und Atemnot sollten deshalb regelmäßig auf RLD untersucht werden.
Hintergrund
  1. Interstitielle Lungenerkrankungen (englisch: Interstitial Lung Disease, ILD) umfassen eine heterogene Gruppe verschiedener Lungenerkrankungen, die das Zwischengewebe der Lunge (Interstitium) und die Lungenbläschen (Alveolen) betreffen.
  1. Bei restriktiven Lungenerkrankungen (RLD) ist die Entfaltung der Lunge behindert. 
  2. Zu den restriktiven Lungenerkrankungen gehört unter anderem die Lungenfibrose.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung.

Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.

Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. 
http://www.dzd-ev.de

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL):
Das im Jahr 2011 gegründete Deutsche Zentrum für Lungenforschung ist ein Zusammenschluss aus 28 führenden universitären und außeruniversitären Einrichtungen, die sich der Erforschung von Atemwegserkrankungen widmen. Es ist eines der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG). Ziel des DZL ist es, neue Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie von weit verbreiteten Lungenerkrankungen zu entwickeln und zügig in die praktische Anwendung zu überführen. Im Fokus stehen: Asthma und Allergien, Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Mukoviszidose, Diffuse Parenchymatöse (Interstitielle) Lungenerkrankungen, Lungenentzündung und Akutes Lungenversagen, Lungenhochdruck, Lungenkrebs sowie Lungenerkrankungen im Endstadium. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. https://www.dzl.de


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit fast 2.000 Betten werden jährlich rund 65.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe hat das Universitätsklinikum Heidelberg das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg etabliert, das führende onkologische Spitzenzentrum in Deutschland. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.700 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
http://www.klinikum-heidelberg.de

Originalpublikation:
Stefan Kopf, Jan B. Groener, Zoltan Kender, Thomas Fleming, Maik Brune, Christin Riedinger, Nadine Volk, Esther Herpel, Dominik Pesta, Julia Szendrödi, Mark O. Wielpütz, Hans-Ulrich Kauczor, Hugo A. Katus, Michael Kreuter, Peter P. Nawroth.
Breathlessness and Restrictive Lung Disease: An Important Diabetes-Related Feature in Patients with Type 2 Diabetes.
Respiration 2018, DOI: 10.1159/000488909


 


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Dr. med. Stefan Kopf
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Klinik für Endokrinologie, Stoffwechsel, Diabetologie und klinische Chemie (Innere Medizin 1)
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69120 Heidelberg
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Bauchspeichgeldrüsenkrebs: Leber und Lunge Metastasen: Protein E-Cadherin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pankreaskrebs: Wandelbare Tumorzellen sind gefährlicher

Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs befallen Metastasen häufig die Leber oder die Lunge. 

  • Patienten mit Metastasen ausschließlich in der Lunge haben bessere Prognosen für den Krankheitsverlauf. 

Welches Organ aber von den Krebszellen bevorzugt wird, hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich und ihr Erscheinungsbild zu verändern. 

Das fand ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) heraus. 

Dr. Maximilian Reichert forscht am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar an der Metastasenbildung bei Pankreaskrebs.
Dr. Maximilian Reichert forscht am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar an der Metastasenbildung bei Pankreaskrebs. Bild: S. Willax

Wandelbare Tumorzellen sind gefährlicher 

  • Befinden sich Zellen in einem Gewebe oder Tumor, bilden sie Kontakte zu anderen Zellen aus und haben eine pflastersteinartige Form. 

 Krebszellen, die Metastasen bilden, müssen zuerst ihre Form und Eigenschaften verändern.

Sie müssen ihren Stoffwechsel umstellen und sich aus dem Zellverband des Tumors lösen können.

  • Sie werden dadurch schmal und länglich und gelangen in angrenzende Blutgefäße. 
  • Das Blut nutzen sie als Transportmittel, um andere Organe zu erreichen und ihr Gewebe zu befallen.

Dazu ist aber erneut eine Veränderung notwendig. Die Zellen müssen wieder Kontakt zu anderen Zellen ausbilden können, um sich gewissermaßen an ihnen „festzuhalten“. Nicht alle Krebszellen besitzen diese Wandelbarkeit, die sogenannte Plastizität. Dr. Maximilian Reichert, Erstautor der neuen Studie und Forschungsgruppenleiter in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar, hat herausgefunden, warum das so ist und welche Folgen das für die Ausbreitung von Bauchspeicheldrüsentumoren hat. Die Ergebnisse wurden in „Developmental Cell“ veröffentlicht.

Leber oder Lunge – was ist entscheidend?

„Wir konnten zeigen, dass vor allem das Befallen der Leber von der Plastizität der Tumorzelle abhängt.

Kann die Zelle keine Zell-Zell-Kontakte ausbilden, so wird sie mit dem Blutstrom passiv weiter in die Lunge gespült, wo sie hängen bleibt.“, erklärt Reichert und ergänzt: 

„Für Patienten ist dieser Verlauf günstiger, da Lungentumore besser kontrollierbar sind.“

Entscheidend für die Wandelbarkeit einer Tumorzelle ist ein molekularer „Kleber“:

das Protein E-Cadherin. Es sitzt auf der Zelloberfläche und ist für Zell-Zell-Kontakte verantwortlich.

  • Das Forschungsteam entdeckte in einem Mausmodell, dass die Abwesenheit von E-Cadherin dazu führt, dass Tumorzellen aus dem Bauchspeicheldrüsenkrebs nur in die Lunge ‚streuen‘, nicht aber in die Leber.

War das Protein vorhanden und funktionsfähig, so konnten die Tumorzellen auch in die Leber eindringen. 

Grund hierfür ist, laut der Forscherinnen und Forscher, dass sich die Krebszellen über den engen Zell-Zell-Kontakt durch E-Cadherin im Lebergewebe verankern und so das Organ auch befallen können. Das Forschungsteam war in der Lage die Anwesenheit von E-Cadherin zu verändern und somit die Metastasierung in den Tieren zu steuern.

Epigenetische Faktoren als Ursache


Im Tumor werden diese Mechanismen offenbar über so genannte epigenetische Programme gelenkt, wie das Forschungsteam herausfand. 

Hierbei wird unser Erbgut – die DNA – nicht selbst verändert, sondern chemische Faktoren beeinflussen, wie stark oder schwach ein Abschnitt der DNA abgelesen wird.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen am Klinikum rechts der Isar wird das Team um Maximilian Reichert künftig untersuchen, ob sich diese epigenetischen Programme hemmen lassen oder als Angriffspunkt für Therapien eignen.

„Je besser wir die Bildung von Metastasen verstehen, umso eher können wir sie beeinflussen.

Gerade beim Bauchspeicheldrüsenkrebs wäre das wichtig, denn fast alle Patienten sterben an den Metastasen.“, sagt Reichert.

Publikation:
Maximilian Reichert, Basil Bakir, Leticia Moreira, Jason R. Pitarresi, Karin Feldmann, Lauren Simon, Kensuke Suzuki, Ravikanth Maddipati, Andrew D. Rhim, Anna M. Schlitter, Mark Kriegsmann, Wilko Weichert, Matthias Wirth, Kathleen Schuck, Günter Schneider, Dieter Saur, Albert B. Reynolds, Andres J. Klein-Szanto, Burcin Pehlivanoglu, Bahar Memis, N. Volkan Adsay, Anil K. Rustgi, Regulation of Epithelial Plasticity Determines Metastatic Organotropism in Pancreatic Cancer, Developmental Cell Vol. 45 Iss. 6, June 18, 2018, DOI: 10.1016/j.devcel.2018.05.025
https://www.cell.com/developmental-cell/fulltext/S1534-5807(18)30418-0

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Dr. Maximilian Reichert
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Klinikum rechts der Isar der TUM
Tel.: +49 (0) 89 41 40 - 27 45
maximilian.reichert@mri.tum.de

Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München
Arcisstr. 21
80333 München
Deutschland
Bayern


Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Mehr Informationen:

Dr. Maximilian Reichert ist Max-Eder Nachwuchsgruppenleiter und Mitglied des Sonderforschungsbereichs „Modellierung und Targeting des Pankreaskarzinoms“ (SFB1321, Sprecher: Prof. Roland M. Schmid), in dem unter anderem die klinische Anwendung von Plastizität als therapeutische Zielstruktur untersucht werden soll.

Profil von Maximilian Reichert
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Arbeitsgruppe Dr. Maximilian Reichert
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Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
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Interdiziplinäre Reha: Familienstand - Herzerkrankung und Schlaganfälle - Überlebenschancen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ehe könnte vor tödlichen Herzerkrankungen und Schlaganfällen schützen

Wissenschaftler schlagen vor, den Familienstand künftig als neuen Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfälle aufzuführen. 

Sogar die Überlebenschancen nach solchen Erkrankungen sollen vom Beziehungs- und Familienstatus der Patienten abhängen. 

Personen, die alleinstehend, geschieden oder verwitwet sind, haben laut neuen Forschungsergebnissen ein höheres Risiko zu erkranken. In Zukunft gilt es herauszufinden, ob der Familienstand auch Rückschlüsse auf andere Krankheitsbilder zulässt. 
 
Eine weltweite Studie unter der Leitung der Keele University im Vereinigten Königreich in Zusammenarbeit mit der Macquarie University in Sydney kam zu dem Ergebnis, dass die Ehe möglicherweise vor der Entstehung von Herzkrankheiten und Schlaganfällen schützt und darüber hinaus Einfluß darauf nimmt, wer eher dazu tendiert, an den Folgen der Erkrankungen zu sterben.

Aufgrund dieser Erkenntnisse, die einer Pool-Analyse der vorliegenden Daten entstammen und im Journal Heart veröffentlicht wurden, schlagen die Wissenschaftler vor, den Familienstand als eigenen Risikofaktor für Herzkrankheiten und Schlaganfälle miteinzubeziehen. Achtzig Prozent der kardiovaskulären Erkrankungen werden mit den bekannten Risikofaktoren in Verbindung gebracht: Alter, Geschlecht, hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes. Aber es ist noch nicht klar, was die übrigen zwanzig Prozent beeinflusst.

Professor Mamas Mamas, der leitende Autor der Studie, Professor der Kardiologie an der Keele University und beratender Kardiologe an dem Royal Stoke University Hospital sagt: „Unsere Arbeit legt nahe, dass der Beziehungsstatus beachtet werden muss, wenn es um das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen geht. Darüber hinaus sollte der Beziehungsstatus zusammen mit den gängigen Risikofaktoren betrachtet werden, wenn es darum geht, die Patienten zu identifizieren, die ein höheres Erkrankungsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben."

Die Erkenntnisse der bisherigen Forschung zum Einfluss des Familienstands waren uneindeutig, so dass die Wissenschaftler für ihren Versuch, Klarheit zu schaffen, eine große Anzahl an relevanten Forschungsprojekten durchforsteten. Sie haben auf vierunddreißig von zweihundertfünfundzwanzig Studien zurückgegriffen (alle veröffentlicht zwischen 1963 und 2015) und dabei mehr als zwei Millionen Menschen im Alter von zweiundvierzig bis siebenundsiebzig Jahren aus Europa, Skandinavien, Nordamerika, dem mittleren Osten und Asien betrachtet.

Die Pool-Analyse der Daten hat offengelegt, dass verglichen mit Menschen, die verheiratet waren, die unverheirateten (nie verheiratet, geschieden oder verwitwet) ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (42%) und Herzgefäßerkrankungen (16%) aufwiesen. Nicht verheiratet zu sein, wurde außerdem mit einem erhöhten Risiko für tödliche Herzgefäßerkrankungen (42%) oder tödliche Schlaganfälle (55%) in Zusammenhang gebracht.

  • Bei genauerer Betrachtung der Daten hat die Analyse gezeigt, dass geschiedene Männer und Frauen ein fünfunddreißig Prozent höheres Risiko für Herzkrankheiten aufwiesen, wohingegen Witwen und Witwer zu sechszehn Prozent wahrscheinlicher einen Schlaganfall erleiden. 
  • Während es keine Unterschiede bei Tod durch Schlaganfall gab, war das Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt bei Menschen, die nie verheiratet waren, um zweiundvierzig Prozent höher, als bei Ehepaaren.

Dr Anastasia Mihailidou vom Department of Biomedical Sciences von der Macquarie University meint dazu: „Unsere Analysen haben gezeigt, dass verglichen mit verheirateten Menschen, unverheiratete Personen eher in Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und tödlichen Schlaganfällen gebracht werden konnten."

  • Es ist wichtig, die sozialen Umstände und den Familienstand des Patienten genauer zu betrachten sowie gegebenenfalls spezielle Unterstützung im Rahmen der Patientenfürsorge einzubringen.

Der leitende Wissenschaftler Chun Wai Wong von der Keele University fasst zusammen:

  • „Künftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, ob der Familienstand ein Ersatzmarker für andere negative Gesundheitsverhalten oder kardiovaskuläre Risikoprofile ist oder ob der Familienstand als eigener Risikofaktor angesehen werden muss."

Die Studie wurde von der Keele University in Zusammenarbeit mit Dr Anastasia Mihailidou vom Department of Biomedical Sciences der Macquarie University in Sydney und mit dem Rolling Institute, dem Royal North Shore Hospital, den Universitäten von Aberdeen und Arizona, den University Hospitals of North Midlands NHS Trust (UHNM) und dem King Fahd Armed Forces Hospital durchgeführt.

Wong CW, Kwok CS, Narain A, et al. Marital status and risk of cardiovascular diseases: a systemic review and meta-analysis. Heart. doi 10.1136/heartjnl-2018-313005

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Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

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Originalpublikation:
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Viel besser schlafen....: YouTube, Facebook, Instagram, WhatsApp oder Twitter– soziale Medien

Medizin am Abend Berlin Fazit: Besser schlafen ohne Soziale Medien

Drei Wochen offline: FAU-Forscher untersuchten die Reaktionen von Jugendlichen 
 
  • Wie reagieren Jugendliche auf die Trennung von Sozialen Medien? 
  • Haben sie Entzugserscheinungen oder vermissen sie gar nichts? 

Dieser Frage gingen Bildungsforscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in einer sehr besonderen Umgebung nach: dem „Klassenzimmer unter Segeln“. Sechs Monate lang waren ausgewählte Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe mit dem Dreimaster „Thor Heyerdahl“ unterwegs. Ganz ohne WLAN, dafür unter Beobachtung von Prof. Dr. Thomas Eberle und Dr. Zinaida Adelhardt vom Institut für Erziehungswissenschaften der FAU.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Der GerichtsEntscheid  


https://www.fau.de/files/2018/07/KUS-Teilnehmer_Thomas-Eberle.jpg


KUS-Teilnehmer beim Ausfüllen der Fragebögen bei einem Landausflug (Foto: FAU/Thomas Eberle)

  • Ob YouTube, Facebook, Instagram, WhatsApp oder Twitter– soziale Medien spielen im Alltag von Jugendlichen eine enorm große Rolle. 

Laut aktuellen Zahlen zur Mediennutzung (Quelle: www.jugendfernsehen.de) besitzen 97% aller Jugendlichen in Deutschland ein Smartphone, und ebenso viel Prozent der Jugendlichen nutzen täglich das Internet – egal über welchen Zugang.

Das wichtigste Motiv für die Nutzung ist mit 82% „Spaß“, dicht gefolgt von „nützlich für den Alltag“ mit 80%, „Denkanstöße bekommen“ und „Information“ mit jeweils 79% und „mitreden können“ mit 78%.

Klassenzimmer unter Segeln

Was passiert mit Jugendlichen, wenn sie keinen Zugang zum Internet haben und drei Wochen lang komplett auf Soziale Medien verzichten müssen? Das untersuchten Bildungsforscher bei der Jubiläums-Fahrt der „Thor Heyerdahl“ im Dienste des FAU-Projekts. Das „Klassenzimmer unter Segeln“ (KUS) ist ein eigener Forschungsbereich des Instituts für Erziehungswissenschaft und feierte in diesem Jahr seinen ersten runden Geburtstag. Seit zehn Jahren tauschen 34 Schülerinnen und Schüler für sechs Monate ihr Klassenzimmer gegen ein traditionelles Segelschiff ein und erforschen im Unterricht hautnah fremde Länder und unbekannte Kulturen. Verzichten müssen sie dafür auf so manchen Komfort, zum Beispiel auf WLAN.

Wie es ihnen damit geht, berichteten 34 KUS-Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren – und ihre Eltern – in einer Reihe von Erhebungen der empirischen Bildungsforschung. Sie füllten vor, während und nach der Reise standardisierte Fragebögen aus und nahmen an (halb)strukturierten Interviews teil. Darüber hinaus schrieben die Teenager kurze Essays über ihre offline-Erfahrungen. „Die Ergebnisse sind ungewöhnlich und hoch interessant“, freut sich Gesamtprojektleiter Prof. Dr. Thomas Eberle. „Bisherige Studien untersuchten nur sehr kurze offline-Zeiten von ein paar Stunden oder einem Tag. In unserem Projekt dagegen hatten wir Offline-Zeiten von bis zu drei Wochen.“

Sehr unterschiedliche Reaktionen

Die Jugendlichen auf der „Thor Heyerdahl“ reagierten sehr unterschiedlich auf die dreiwöchige offline-Phase. Einige Schülerinnen und Schüler berichteten, dass sie ruhiger schliefen und sich über mehr Lebensqualität freuten. „Sie sprachen sogar von einer großen Entlastung, weil sie nicht ständig online sein müssen“, sagt die Leiterin des wissenschaftlichen Projektes „Medienentzug“ Dr. Zinaida Adelhardt.

Andere Jugendliche fieberten den seltenen Landgängen entgegen, um sich an Land ins WLAN einzuloggen und über soziale Medien zu kommunizieren.

Bei ihnen spielte einerseits die „fear of missing out“ (fomo) – also die Angst vor dem Verpassen – eine große Rolle. Andererseits übten auch die Erwartungen von Eltern, Geschwistern und Freunden zu Hause einen Druck auf die befragten Schülerinnen und Schüler aus.

Sie hatten das Gefühl, dass sie sich immer so bald wie möglich melden müssen“, erläutern die Wissenschaftler.

Und die dritte und letzte Gruppe war schon vor dem Törn sehr wenig im Internet aktiv und blieb erwartungsgemäß auch weiterhin skeptisch-kritisch gegenüber sozialen Medien.

Drei Wochen ändern die Einstellungen gegenüber Sozialen Medien

Auch andere Jugendliche, die vor dem Törn eine positive Einstellung zu Sozialen Medien hatten, wurden während des Törns zunehmend kritisch.

 „Innerhalb von nur drei Wochen nach Medienisolation nahmen die negativen Einstellungen gegenüber Sozialen Medien bei den Schülerinnen und Schülern signifikant zu“, fassen Prof. Dr. Thomas Eberle und Dr. Zinaida Adelhardt zusammen.

„Die positiven Einstellungen nahmen dagegen deutlich ab.“

Wie diese Einstellungsänderungen das Verhalten der Jugendlichen und deren Nutzung der Sozialen Medien langfristig beeinflussen werden, wird sich im Laufe der nächsten Untersuchungen zeigen, die bis zu einem halben Jahr nach Ende der Reise stattfinden werden.


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TOP: Einladung zur Studie Fastengruppe Brandenburgfür Typ-1-Diabetes Patienten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Teilnehmer gesucht: Studie zum Fasten für Diabetiker

Mitte September startet eine Fastengruppe in Brandenburg mit einem bisher einmaligen Experiment 
 
Bisher wurde Patienten mit einer Typ-1-Diabetes zumindest vom Fasten abgeraten. 


Daten zu den Risiken und Vorteilen des Fastens für Menschen mit Type 1 Diabetes lagen bislang nicht vor.

Nun können sie vom 17. bis zum 27. September erstmalig an einer Fastenstudie unter ärztlicher Aufsicht teilnehmen. 

  • Das Forschungs- und Lehrzentrum (FLZ) Herdecke der Universität Witten/Herdecke unter medizinischer Begleitung von Fastenärzten und Endokrinologen lädt zu einer neuntägigen Fastenintervention in den Rosenwaldhof in Götz/Groß Kreutz bei Brandenburg ein. 

Fastenintervention bedeutet: Sieben Tage Fasten nach Buchinger unter engmaschiger Kontrolle der Zucker-, Keton- und Blutwerte inklusive Ernährungsumstellung und Fastenbrechen, Zeit für Bewegung, Massagen, Achtsamkeitsübungen und Besinnung. 
  • Untersucht werden sollen die Entwicklung der Ketonkörper, die Lebensqualität und die notwendige Anpassung der Insulindosis unter Fasten.

Dr. Bettina Berger Dr. Bettina Berger UW/H

Teilnehmer gesucht: Studie zum Fasten für Diabetiker




Zum Hintergrund:
Die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Bettina Berger koordiniert Studien an der Universität Witten/Herdecke und ist seit 40 Jahren insulinpflichtige Typ-1- Diabetikerin. Seit mehr als 20 Jahren fastet sie selber – erfolgreich und ohne Nebenwirkungen. Nun ist es ihr gelungen, in Kooperation mit den bekannten Fastenärzten Prof. Dr. med. Andreas Michalsen und Dr. med. Rainer Stange eine Fastenstudie auszurichten.

Sponsor ist der Endokrinologe und Inhaber des Gerhardt-Kienle-Lehrstuhls, Prof. Dr. David Martin.

Im Rahmen der Studie soll die Machbarkeit des Fastens bei Menschen mit Type 1 Diabetes untersucht werden.

Teilnahmevoraussetzungen:
• Sie sind seit mindestens zwei Jahren Type 1 Diabetiker (T1DM) und
betreiben eine intensivierte Insulintherapie mit Spritze, Pen oder
Insulinpumpe?
• Sie hatten schon einmal darüber nachgedacht, zu erproben, ob Ihnen das Fasten gut tut?
Sie wissen, dass Fasten T1DMlern nicht empfohlen wird, und haben deshalb bislang nicht gewagt zu fasten, oder „heimlich“ gefastet?
• Sie möchten mit ihrem Partner zusammen fasten? Dann bringen Sie ihn mit! Es steht eine begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung!

Gefördert wird die Studie von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung.


Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.500 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.



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Bettina Berger
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CAVE: PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: Bioaktive Fetter - erregende Impule im Gehirn

Medizin am Abend Berlin Fazit: Fette spielen wichtige Rolle bei psychiatrischen Erkrankungen

Wissenschaftler der Universitätskliniken Mainz und Münster haben herausgefunden, dass bioaktive Fette an neuronalen Kontaktstellen wirken und erregende Impulse im Gehirn verstärken. 

  • Infolgedessen kann es dort zu Übererregungszuständen kommen, die mit psychiatrischen Erkrankungen assoziiert werden. 

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler in ihrem vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderten Projekt zeigen, dass sich die Produktion dieser Fette im Gehirn pharmakologisch hemmen lässt und so die neuronale Übererregung verschwindet. 

  • Das führt wiederum zur Rückbildung typischer Verhaltensmuster, die mit psychiatrischen Erkrankungen assoziiert sind. 
 
Der entdeckte Hemmmechanismus eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten für psychiatrische Erkrankungen, soll aber auch bei neurologischen Erkrankungen wie dem Schlaganfall eine wichtige Rolle spielen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Molecular Psychiatry veröffentlicht.

Bislang war die Rolle von bioaktiven Fettsäuren im Gehirn nicht bekannt. 

Auch war der Entstehungsort der Fettsäuren an den Kontaktstellen von Neuronen nicht erforscht.

PD Dr. Johannes Vogt vom Institut für mikroskopische Anatomie und Neurobiologie der Universitätsmedizin Mainz und Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch, Professor für Translationale Neurowissenschaften an der Universität Münster, konnten nachweisen, dass spezielle Fettsäuren lokal an neuronalen Kontaktstellen im Gehirn aus Vorläuferstoffen produziert werden. 

  • Des Weiteren konnten die Wissenschaftler zeigen, dass diese Fettsäuren die Weiterleitung erregender Impulse entscheidend verstärken.
  • „Dadurch kann es zu Übererregungszuständen im Gehirn kommen“, unterstreicht Dr. Vogt und ergänzt: 
  • „Es ist genau die Art von Übererregungszuständen, die für verschiedene psychiatrische Erkrankungen wie der Schizophrenie kennzeichnend ist.“


Den Wissenschaftlern gelang es, die Produktion dieser Fette im Gehirn pharmakologisch zu hemmen und so einen Rückgang der neuronalen Übererregung im Gehirn zu erzielen.

„Diese Ergebnisse sind von entscheidender Bedeutung, um innovative therapeutische Ansätze zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen wie der Schizophrenie zu entwickeln. 

Darüber hinaus zeigen unsere Daten, dass sie einen therapeutischen Nutzen bei neurologischen Erkrankungen wie dem Schlaganfall haben, dem ebenso eine neuronale Übererregung zugrunde liegt“, so Dr. Vogt. Professor Nitsch ergänzt:

„Da bisherige Therapien, die erregende Impulse beeinflussen sollten bisher zu keiner therapeutisch relevanten Medikamentenentwicklung geführt haben, sind unsere Daten als ein Durchbruch bei der Entwicklung spezifischer Therapien für diese Erkrankungen zu werten.“


Aufgrund der Ergebnisse dieses Forschungsprojekts haben Dr. Vogt und Professor Nitsch einen internationalen Patentantrag zur Behandlung von Gehirnerkrankungen, die auf einer gestörten Regulation bioaktiver Fette und der daraus folgenden erregenden Impulse reagieren, eingereicht.

Des Weiteren fördert der ERC in diesem Zusammenhang ein weiteres Forschungsprojekt mit einem ERC Proof-of-Concept Grant, bei dem es um die Entwicklung eines entsprechenden Medikaments gehen soll.

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PD Dr. Johannes Vogt
Institut für mikroskopische Anatomie und Neurobiologie
Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-8091
E-Mail: johannes.vogt@unimedizin-mainz.de

Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch
Professor für Translationale Neurowissenschaften
Medizinische Fakultät der WWU Münster
Telefon 0251 83-52020
E-Mail: nitschr@uni-muenster.de

Oliver Kreft
Telefon 06131 17-7424
Fax 06131 17-3496
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Interdiziplinäre Reha: Polydipsie und Polyurie: Biomarker Copeptin

Medizin am Abend Berlin Fazit: Literweise trinken: Neuer Test ermittelt Ursache von krankhaft gestörtem Flüssigkeitshaushalt

  • Patienten mit Polydipsie und Polyurie trinken viel und scheiden viel Flüssigkeit aus. 
  • Bis zu 20 Liter Flüssigkeit setzen sie am Tag um - und das beeinträchtigt sie akut im alltäglichen Leben. 

Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin haben nun zusammen mit Kollegen der Universitäten Basel und Würzburg ein neues Diagnoseverfahren entwickelt, das erstmals zuverlässig auch die Ursache der Erkrankung bestimmt. 

So kann die Therapie optimal auf den Patienten abgestimmt werden. 

Diese Ergebnisse haben die Forscher jetzt im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht. Das neue Testverfahren wird in der Leipziger Universitätsmedizin sogar schon angewendet. 
 
Die Nieren reinigen und filtern unser Blut. 

Pro Tag säubern sie rund 300 Mal die etwa sechs Liter Blut im Körper: 
  • Wichtige Substanzen wie Eiweiße oder Mineralien bleiben im Blut, Stoffwechselabfallprodukte hingegen filtert das Organ heraus und scheidet sie über den Urin aus. 
  • Aus circa 180 Litern, die täglich gefiltert werden, gelangen nur zwei bis drei Liter konzentriert in die Harnblase - der Rest bleibt dem Körper erhalten. 

Möglich machen das verschiedene Hormone, unter anderem das Antidiuretische Hormon (Arginin Vasopressin Peptid, AVP), das im Hypothalamus im Zwischenhirn gebildet und von der Neurohypophyse ins Blut ausgeschüttet wird. 

Es sorgt in der Niere dafür, dass der Körper so wenig Wasser wie möglich verliert.

Dieses Zusammenspiel gerät bei zu hohen Trinkmengen jedoch aus dem Takt: 
Wer konstant Flüssigkeit im Übermaß konsumiert, beeinträchtigt die Harnbildungsfunktion der Nieren - sie können die Flüssigkeitsmengen nicht mehr zurückhalten.

Patienten im Alltag erheblich eingeschränkt

Genau das ist bei Patienten mit Polyurie, einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung, und Polydipsie, einem krankhaft gesteigertem Durstempfinden, der Fall.

  • Viele leiden auch an Diabetes insipidus, dem griechischen Begriff für "Wasserruhr" und zu unterscheiden vom Diabetes mellitus, bei dem ein süßlicher Urin ausgeschieden wird. 

Diese Krankheit vereint beide Symptome.

"Die Patienten haben einen Flüssigkeitsumsatz von bis zu 20 Litern am Tag. Sie sind in ihrem Alltag sehr eingeschränkt, können das Haus ohne reichlich Wasservorrat kaum verlassen. Besonders gefährlich wird es nach einem Unfall, wenn den Ärzten die Diagnose nicht bekannt ist. Dann geraten die Betroffenen schnell in ein Flüssigkeitsdefizit und entwickeln neurologische Komplikationen, an denen sie auch versterben können.

Diese Komplikationen erleben wir in Unkenntnis tatsächlich nicht so selten", sagt Dr. Wiebke Fenske, Studienleiterin und Leiterin der Nachwuchsforschergruppe "Neuroendokrine Mechanismen" des IFB AdipositasErkrankungen.

Drei Hauptursachen bedingen gestörten Flüssigkeitshaushalt

Polyurie und Polydipsie können verschiedene Ursachen haben:

Häufig leiden Patienten an einem angeborenen oder erworbenen Hormonmangel, oder die Nieren sprechen auf das Hormon nur ungenügend an. 

  • Krankhaft gesteigertes Durstempfinden kann man sich auch antrainieren: 

Die häufigste Ursache sei tatsächlich das fehlerlernte Trinkverhalten, so Fenske.

Wobei dies auch psychische Ursachen haben oder medikamentös bedingt sein kann. Bei der Diagnose der Krankheit ist es wichtig, das primäre Krankheitsbild zu identifizieren:


  • Trinkt der Patient viel, weil er zu viel Urin ausscheidet und so einem Flüssigkeitsdefizit vorbeugt? 
  • Oder trinkt er zu viel, weil sein Durstempfinden gestört ist? 
"Wenn wir die Betroffenen in Unkenntnis der eigentlichen Ursache falsch medikamentös behandeln, kann das für die Patienten schwerwiegende Komplikationen bedeuten", sagt Dr. Wiebke Fenske.

Einfacher, sicherer, günstiger: Neues Testverfahren in zehnjähriger Forschungsarbeit entwickelt

Bislang haben Mediziner die Krankheit durch einen indirekten Durst-Versuch diagnostiziert.

Der ist für die Patienten sehr quälend, da sie einen Tag lang gar nichts trinken dürfen.

Der Test erlaubt zudem leider oftmals nur wenig Rückschlüsse auf die Ursache des gestörten Flüssigkeitshaushalts.

Das von Wiebke Fenske und Kollegen erarbeitete Diagnoseverfahren bietet erstmals genau das:

Die Ergebnisse des Tests zeigen, ob das Hormon AVP vom Gehirn nicht mehr ausreichend gebildet wird, in der Niere nicht mehr angemessen wirkt oder ob eine Störung des Durstempfindens den Beschwerden zugrunde liegt. 

"Somit können wir die Patienten nun zielgerichtet therapieren und umgehen mögliche krankheitsbedingte Wechselwirkungen mit dem Testverfahren und Komplikationen durch Fehlbehandlung", erklärt Fenske.

In zehnjähriger Forschungsarbeit haben die Forscher das Diagnoseverfahren entwickelt.

In einer großen, internationalen Studie konnten sie nun zeigen, dass das neue Verfahren in bis zu 96,5 Prozent der Fälle die richtige Ursache erkennt und damit sehr viel zuverlässiger ist als der indirekte Durst-Versuch.

Zudem ist das Verfahren kostengünstiger, schneller und wird von den Patienten besser akzeptiert.

Sie bekommen eine Infusion, gefolgt von einer Blutentnahme nach etwa einer Stunde. 

Die Ärzte bestimmen darin einen Biomarker, das Copeptin, der Aufschluss über die körpereigene Bildung und Funktionalität des Hormons AVP gibt. 

Das neue Testverfahren wird nun Diagnosestandard bei Patienten mit Polyurie-Polydipsie-Syndrom.

 In der Leipziger Universitätsmedizin wird es bereits angewendet.

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Dr. Katarina Werneburg Universität Leipzig
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E-Mail-Adresse: katarina.werneburg@medizin.uni-leipzig.de

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04109 Leipzig
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Originalpublikation:
"A Copeptin-Based Approach in the Diagnosis of Diabetes Insipidus", DOI: 10.1056/NEJMoa1803760.