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Leitlinie „Gute Substitutionspraxis in Schmerz- und Palliativmedizin: Wirkstoffidentischen Arzneimitteln http://www.dgs-praxisleitlinien.de/

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Neue DGS-PraxisLeitlinie „Gute Substitutionspraxis“

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat eine neue PraxisLeitlinie zur Umstellung wirkstoffgleicher Arzneimittel veröffentlicht. Anspruch dieser Leitlinie ist es, sich angesichts schwindender finanzieller Ressourcen und einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung den damit einhergehenden ökonomischen Herausforderungen und den Vorgaben des Wirtschaftlichkeitsgebotes zu stellen. „Dies darf aber auf keinen Fall auf Kosten der Lebensqualität der chronisch Schmerzkranken geschehen“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe. 

Die neue Leitlinie kann ab sofort unter http://www.dgs-praxisleitlinien.de heruntergeladen werden. 
 
Die Leitlinie „Gute Substitutionspraxis in Schmerz- und Palliativmedizin“ bietet eindeutige Angaben darüber, was bei einem Wechsel zwischen wirkstoffidentischen Arzneimitteln zu beachten ist. Damit stellt sie für Ärzte in der Schmerzmedizin eine praxisrelevante Unterstützung im rationalen Umgang mit rabattvertragsbedingten Arzneimittelumstellungen dar und ist gleichzeitig für Patienten eine große Hilfe. „Damit liefert die PraxisLeitlinie Antworten auf die für viele chronische Schmerzpatienten unerträgliche Umstellungssituation“, freut sich Müller-Schwefe.

Zahlreiche DGS-Schmerzzentren und DGS-Ärzte haben auf der Basis ihrer täglichen Arbeit mit Patienten die neue DGS-PraxisLeitlinie mitgestaltet. Unter der Federführung des verantwortlichen Leitlinienautors PD Dr. Michael A. Überall, Vizepräsident der DGS, haben alle Beteiligten mit ihren Empfehlungen neue Standards für eine patientenorientierte schmerzmedizinische Versorgung definiert.

Die aktuell publizierte PraxisLeitlinie ist die dritte ihrer Art. Alle bisher veröffentlichten DGS-PraxisLeitlinien geben auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten und der Erfahrungen schmerz- und palliativmedizinisch tätiger Ärzte Empfehlungen für verschiedene Indikationen in der Schmerzmedizin. Bisher wurden die DGS-PraxisLeitlinien „Tumorschmerz“ und „Tumorbedingte Durchbruchschmerzen“ abgeschlossen. Weitere DGS-PraxisLeitlinien befinden sich in der Kommentierungsphase oder werden gerade erstellt.

Die DGS-PraxisLeitlinien unterscheiden sich von Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) im Wesentlichen dadurch, dass sie nicht nur die komplette verfügbare wissenschaftliche Literatur als Grundlage für Therapieentscheidungen heranziehen, sondern auch die Erfahrung der täglich mit Patienten arbeitenden Ärzte, also die eigene interne Evidenz, wie auch der betroffenen Patienten selbst, die über die Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL) als Patientenselbsthilfeorganisation umfangreich an der Gestaltung dieser Leitlinien beteiligt sind. „

Die DGS-PraxisLeitlinie gewinnt hieraus eine völlig andere Legitimation und Praxisrelevanz“, sagt Müller-Schwefe, der Präsident der Schmerzmediziner.

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS)

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit mehr als 4.000 Mitgliedern die größte europäische ärztliche Fachgesellschaft, die sich für eine bessere Versorgung von Schmerzpatienten und für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes einsetzt. Sie ist bundesweit in mehr als 120 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der Medizin erreicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen. Die DGS gibt den Schmerztherapieführer heraus, in dem alle Mitglieder aufgelistet sind. Gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga e.V. organisiert die DGS den jährlich stattfindenden Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt/Main.



Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:



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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
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Bei Brustkrebs auch die Lymphknoten behandeln http://www.degro.org

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Erweiterte Strahlentherapie senkt Rückfallrisiko

Etwa 72 000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Die Bestrahlung oder Radiotherapie ist seit langem fester Bestandteil der Brustkrebsbehandlung. Zwei aktuelle Studien zeigen nun, dass viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium von einer erweiterten Strahlentherapie profitieren, bei der die Ärzte auch die benachbarten Lymphknoten in das Strahlenfeld einbeziehen. Dies verringert nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) langfristig die Risiken für eine spätere Wiedererkrankung. 
 
Ein Brustkrebs im Frühstadium wird heute meist brusterhaltend behandelt. Dabei beschränkt sich die Operation auf die Entfernung des Tumors und des umgebenden Gewebes.

Wenn ein oder mehrere Lymphknoten betroffen sind, erhalten die Brustkrebspatientinnen neben der Bestrahlung fast immer eine unterstützende Chemotherapie, manchmal auch eine Hormontherapie oder eine Kombination aus beidem.

Eine Bestrahlung der Brustdrüse nach der Operation soll verhindern, dass es später erneut zum Krebswachstum kommt. „Die Radiotherapie hat die brusterhaltende Operation erst möglich gemacht“, sagt Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Sind keine Lymphknoten befallen, kann die Bestrahlung auf die Brustdrüse beschränkt werden“, erläutert der DEGRO-Vize-Präsident.

Finden die Ärzte jedoch Krebszellen in den Lymphknoten oder besteht ein hohes Risiko hierfür, können sie die Strahlentherapie auf die Bereiche der Lymphknoten erweitern. „Zwei Studien haben nun gezeigt, dass die erweiterte Strahlentherapie oftmals richtig und wichtig ist“, so Budach.

An den beiden Studien haben in Nordamerika und Europa mehr als 5000 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium teilgenommen, die zum größten Teil brusterhaltend operiert werden konnten. In der europäischen Studie bekam nur ein Teil der Frauen eine adjuvante, also unterstützende Chemotherapie; in der nordamerikanischen Studie jedoch alle Frauen. Ein Teil der Frauen erhielt dann eine konventionelle Radiotherapie, die sich auf die Bestrahlung der Brustdrüse beschränkte. In der anderen Gruppe wurden zusätzlich die Lymphabflusswege bestrahlt.

Neben einer Zone in unmittelbarer Umgebung der Brust am Übergang zur Achselhöhle und hinter dem Brustbein gehört auch die Region oberhalb des Schlüsselbeins dazu. An beiden Orten befinden sich Lymphknoten, die zum Ausgangspunkt von erneuten Tumorbildungen werden können.

Die Behandlungen fanden bereits in den 1990er und den 2000er Jahren statt. Nach zehn Jahren zeigten sich klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie: In beiden Studien stieg hierdurch der Anteil der Patientinnen, die ohne Tumorrückfall und am Leben blieben, um mehrere Prozentpunkte.

In beiden Studien zeichnete sich durch die erweiterte Radiotherapie ein Trend zum besseren Überleben ab.

„Von der erweiterten Bestrahlung profitieren auch Frauen, deren Lymphknoten zwar frei von Krebszellen sind, die aber besonders aggressive oder größere Tumoren haben“, erläutert DEGRO-Sprecher Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim.

Diese Patientinnen haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Metastasen. 

Wenz betont:

„Die Bestrahlungsgeräte sind in den letzten beiden Jahrzehnten weiterentwickelt worden, die Bestrahlungen sind zielgenauer und schonender. Zudem werden heute effektivere Medikamente eingesetzt.“ Insgesamt verbessere sich die Situation für Brustkrebspatientinnen kontinuierlich. „Die Überlebenschancen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium lagen in beiden Studien bei über 80 Prozent“, so Wenz. „Bei den Frauen, die wir heute behandeln, dürfte sich die Quote der Langzeitüberlebenden noch einmal deutlich erhöhen.“

Literatur:
EORTC Radiation Oncology and Breast Cancer Groups. Internal Mammary and Medial Supraclavicular Irradiation in Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):317-27.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1415369#t=article

MA.20 Study Investigators. Regional Nodal Irradiation in Early-Stage Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):307-16.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1415340#t=articleTop

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen.

Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.


Medizin am Aben DirektKontakt:

Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
 

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.degro.org

Proteinstau: Alterungsbedingter neurodegenerativer Erkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Stau in der Zelle

Ein deutsch-polnisches Team hat entschlüsselt, wie Zellen überleben, wenn mitochondriale Proteine fehlgeleitet werden 

Quelle: Lena Reimann, Arbeitsgruppe Warscheid
Quelle: Lena Reimann, Arbeitsgruppe Warscheid
 
Ein Team um Prof. Dr. Bettina Warscheid von der Universität Freiburg und Prof. Dr. Agnieszka Chacinska vom Internationalen Institut für Molekular- und Zellbiologie in Warschau/Polen hat den Mechanismus „Unfolded Protein Response activated by mistargeting of proteins“, kurz UPRam, entdeckt:  

Dieser schützt Zellen davor, dass sich in ihrem Inneren zu viele mitochondriale Vorläuferproteine anstauen, die ihr Ziel – das Mitochondrium – wegen eines Defekts im Proteinimportsystem verfehlt haben.

Die Studie zeigt, wie die Zelle auf Stress reagiert, der durch Proteinanstau ausgelöst wird, um sich ihr Überleben zu sichern.  

Die Daten können helfen, die Mechanismen alterungsbedingter und neurodegenerativer Erkrankungen zukünftig besser zu verstehen.

Diese gehen häufig mit einer mitochondrialen Dysfunktion und Störungen bei der Erhaltung des Gleichgewichtszustandes der Zelle einher. Die Forschungsergebnisse sind nun in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienen.

Mitochondrien, allgemein als „Kraftwerke der Zelle“ bekannt, benötigen mehr als tausend Proteine, um ihre vielfältigen Funktionen erfüllen zu können.

Die Mehrzahl der mitochondrialen Proteine wird im Zytosol, der Zellflüssigkeit, hergestellt und muss anschließend in die Mitochondrien transportiert werden.

Ist dieser Proteinimport gestört, kommt es zu Fehlfunktionen der Mitochondrien sowie zur Ansammlung mitochondrialer Vorläuferproteine im Zytosol. 


Wie die Zelle auf den daraus resultierenden Stress reagiert, war bislang nicht bekannt. Um diese Frage beantworten zu können, haben Dr. Silke Oeljeklaus und Dr. Sebastian Wiese aus Warscheids Forschungsteam mithilfe der hochauflösenden Massenspektrometrie untersucht, wie das Proteom der Zellen mit einem gestörten mitochondrialen Proteinimport verändert ist.

Das Proteom einer Zelle umfasst alle Proteine, die in dieser zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhanden sind. Auf Grundlage dieser Daten entdeckte das Forschungsteam, dass der Mechanismus UPRam zwei Hauptwege beinhaltet, mit denen sich die Zelle bei fehlerhaftem mitochondrialen Proteinimport schützt: ,

Erstens: Hemmt sie die Translation, das heißt die Herstellung der Proteine im Zytosol, um einer weiteren Ansammlung mitochondrialer Vorläuferproteine entgegenzuwirken.

Zweitens: Aktiviert die Zelle das Proteasom, eine Proteinabbaumaschine, die den bereits vorhandenen Proteinanstau behebt.

Um UPRam nachzuweisen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Aktivierung des Proteasoms durch künstlich fehlgeleitete mitochondriale Proteine von der Hemmung der Translation entkoppelt. Sie zeigten so, dass die Zelle ihr inneres Gleichgewicht aufrechterhält, weil sie den Status der Mitochondrien und Mechanismen für die Regulation der zellulären Proteinhomöostase aufeinander abstimmt.  

Die Zelle aktiviert das Proteasom, indem sie dieses effizienter zusammenbaut, und reagiert somit direkt auf die Menge der Proteine, die nicht in Mitochondrien importiert werden konnten.

Bettina Warscheid ist Leiterin der Abteilung Biochemie – Funktionelle Proteomforschung, Institut für Biologie II, und Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies. Silke Oeljeklaus ist Akademische Oberrätin in der Abteilung Biochemie – Funktionelle Proteomforschung. Sebastian Wiese war wissenschaftlicher Mitarbeiter in Warscheids Arbeitsgruppe und leitet nun die Zentrale Einheit „Massenspektrometrie und Proteomik“ an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm.

Originalpublikation:

Lidia Wrobel*, Ulrike Topf*, Piotr Bragoszewski, Sebastian Wiese, Malgorzata E. Sztolsztener, Silke Oeljeklaus, Aksana Varabyova, Maciej Lirski, Piotr Chroscicki, Seweryn Mroczek, Elzbieta Januszewicz, Andrzej Dziembowski, Marta Koblowska, Bettina Warscheid# & Agnieszka Chacinska#. Mistargeted mitochondrial proteins activate a proteostatic response in the cytosol. (2015). Nature. doi:10.1038/nature14951. (*#Diese Autorinnen sind zu gleichen Teilen beteiligt.)

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Bettina Warscheid
Institut für Biologie II
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-2690
E-Mail: bettina.warscheid@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

http://www.projekt-maennep.de/ http://www.kv-on.de/html/16430.php

Non-CF-Bronchiektasen: http://www.bronchiektasen-register.de

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Bronchiektasen - eine vernachlässigte Krankheit bekommt endlich Aufmerksamkeit

PROGNOSIS – das deutsche Bronchiektasenregister rekrutiert die ersten Patienten 

http://bronchiektasen-register.de/fileadmin/user_upload/04_forschung/Flyer_Bronchiektasen_Dt_Atemwegsliga.pdf
 
Seit Ende Juni dieses Jahres werden die ersten Patienten in das deutsche Bronchiektasenregister PROGNOSIS eingeschlossen. „Nach einem Vorlauf von ca. 3 Jahren sind wir sehr glücklich, endlich die so wertvollen Daten unserer Bronchiektasenpatienten systematisch in einem spezifischen Register erfassen zu können“, sagt Dr. Felix C. Ringshausen, Oberarzt in der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover und einer der Initiatoren von PROGNOSIS.

Der Weg war lang und steinig. Bronchiektasen sind mit Schleim und Eiter gefüllte Aussackungen der Atemwege, die zu starkem Husten, Ausgezehrtheit und chronischer Entzündung führen. Trotz des hohen Leidensdrucks der Patienten und der häufig aufwändigen und zeitintensiven Therapie fand diese Erkrankung lange Zeit wenig Aufmerksamkeit.

Zwar werden Bronchiektasen in Verbindung mit einer Mukoviszidose (engl. Cystic Fibrosis, CF) schon seit langer Zeit gezielt behandelt, wenn sie aber nicht mit einer CF in Verbindung stehen, es sich also um sogenannte Non-CF-Bronchiektasen handelt, fielen sie lange Zeit in die Kategorie der seltenen Erkrankungen (definiert als Prävalenz < 5 auf 10.000 Personen).

Dass die Prävalenz jedoch deutlich höher ist, konnte jetzt gezeigt werden: Dr. Ringshausen und eine Gruppe von Ärzten, die sich des Themas Non-CF-Bronchiektasen angenommen haben und seit Jahren unermüdlich am Aufbau eines Registers arbeiten, veröffentlichten kürzlich eine Analyse von Krankenkassendaten, die zeigt, dass die Prävalenz in Deutschland im Jahr 2013 bei 6,7 auf 10.000 Personen lag. Somit können Bronchiektasen keineswegs zu den seltenen Erkrankungen gezählt werden.  

Die überwiegende Mehrheit der Patienten wurde ambulant behandelt, und mehr als die Hälfte der erkrankten Patienten litten außerdem an einer chronisch obstruktiven Ventilationsstörung. Da das Bewusstsein für diese Krankheit weltweit stark auf dem Vormarsch ist, muss damit gerechnet werden, dass Bronchiektasen in Zukunft sogar noch häufiger diagnostiziert werden.

Vor drei Jahren trafen sich die Ärzte um Dr. Ringshausen zum ersten Mal, um das Thema Non-CF-Bronchiektasen systematisch anzugehen und durch den Aufbau eines Registers die Situation ihrer Patienten mittelfristig zu verbessern. 17 Gründungszentren zählt PROGNOSIS heute, unter ihnen auch etliche niedergelassene Lungenfachärzte. Gerade im ambulanten Bereich stellt die Betreuung von Non-CF-Bronchiektasenpatienten eine besondere Herausforderung dar. „Therapeutische Konzepte müssen häufig individuell auf den Patienten zugeschnitten werden.

Dabei müssen wir in Ermanglung von Alternativen häufig Therapien einsetzen, für die es keine formale Zulassung gibt oder die sehr hochpreisig sind“, sagt Dr. Andres de Roux, niedergelassener Pneumologe aus Berlin und Mitglied im Vorstand von PROGNOSIS.

Dass sich die Rekrutierung der ersten Patienten für das Register so lange hingezogen hat, lag, wie so oft, an der fehlenden Finanzierung. „Aber wir haben trotzdem weitergemacht und alle Voraussetzungen für das Register auch ohne Funding so weit wie irgend möglich vorangetrieben“, sagt Dr. Jessica Rademacher, wie Dr. Ringshausen Pneumologin an der MHH und zentral an der Initiierung von PROGNOSIS beteiligt. „Hierbei haben uns vor allem die CAPNETZ STIFTUNG und das Forschungsnetzwerk BREATH, Standort Hannover des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, unterstützt.“

Im europäischen Kontext ist man hier schon etwas weiter: Das europäische Bronchiektasenregister EMBARC konnte mit Hilfe einer Finanzierung im Sinne einer Public Private Partnership durch EU-Gelder und Beteiligung der Industrie bereits Anfang des Jahres mit der Rekrutierung von Patienten starten.

PROGNOSIS wird seine Patientendaten in Zukunft nun ebenfalls in EMBARC einbringen, um diese auch im europäischen Kontext erfassen und analysieren zu können.

In den letzten Tagen kam dann auch die erlösende Nachricht: der Vertrag mit Bayer Vital zur entscheidenden Unterstützung von PROGNOSIS für die nächsten drei Jahre wurde nach intensiver Verhandlungsphase unterzeichnet. „Endlich können wir durchstarten“, sagt Dr. Ringshausen. „Es wird wirklich Zeit, dass wir valide Daten zu dieser Erkrankung sammeln. Auf Basis der Ergebnisse möchten wir unter anderem deutschsprachige Leitlinien für die Diagnostik sowie Prognosemarker für Non-CF-Bronchiektasen entwickeln, um die Versorgung unserer Patienten nachhaltig zu verbessern“.

Die Zahl der Zentren, die Patienten in das PROGNOS einschließen, soll in den nächsten drei Jahren auf mindestens 25 ansteigen.

Interessierte Ärzte können sich über http://www.bronchiektasen-register.de weiter informieren und wenden sich für einen persönlichen Kontakt bitte an prognosis@capnetz.de


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: 

BREATH / PROGNOSIS
Deutsches Zentrum für Lungenforschung
Medizinische Hochschule Hannover
OE 6876
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Telefon: 0511 532 5193
breath@mh-hannover.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover
 

Verkannter Krebs am Fuß / Fehldiagnosen beim Melanom

Medizin am Abend Fazit:   Wunde, Bluterguss, Warze oder diabetischer Fuß

Schwarzer Hautkrebs (Melanom) am Fuß wird oft zu spät erkannt. Häufig werde der Krebs mit einer Wunde verwechselt, manchmal mit einem diabetischen Fußsyndrom, einem Bluterguss oder einer Warze, berichtet die "Apotheken Umschau" unter Berufung auf eine Dermatologin des Universitätsklinikums Essen. Sie wertete die Daten von über hundert Betroffenen aus, die zwischen 2002 und 2013 in der Essener Klinik behandelt wurden. 30 Prozent von ihnen bekamen zuerst eine Fehldiagnose. Eine verzögerte Diagnose und Therapie verschlechtern die Heilungschancen für den Patienten.
Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 8/2015 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Ruth Pirhalla
Tel. 089 / 744 33 123
Fax 089 / 744 33 459
E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de
www.wortundbildverlag.de
www.apotheken-umschau.de

Endoskopische Krebserkennung in Echtzeit

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Charakteristische Massenspektren identifizieren Gewebe des Verdauungstrakts in vivo 

 
Krebs oder kein Krebs? Dies ist üblicherweise erst nach einer mehrere Tage dauernden histologischen Untersuchung zu klären. Mit einer massenspektrometrischen Methode könnte die Frage bald in Echtzeit entschieden werden. Ein britisch-ungarisches Team stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie ein endoskopisches System vor, das anhand charakteristischer Massenspektren zwischen verschiedenen Gewebeschichten, bösartigen Tumoren und gutartigen Polypen des Magen-Darm-Traktes differenzieren kann.

Endoskopie spielt nicht nur eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Tumorerkrankungen des Magen-Darm-Trakts, oft lassen sich Tumore auch endoskopisch entfernen.  

Eine Drahtschlinge, die durch hochfrequenten elektrischen Strom erhitzt wird, kann dabei als Skalpell dienen. Oft ist jedoch ein weiterer Eingriff notwendig, da nicht alles entartete Gewebe entfernt wurde.

Um gesundes von krankem Gewebe direkt während eines Eingriffs unterscheiden zu können, hatten Zoltan Takats und Kollegen eine auf Massenspektrometrie basierende Methode entwickelt: die sogenannte REIMS-Technik (Rapid Evaporation Ionisation Mass Spectrometry; schnelle Verdunstungs-Ionisations-Massenspektrometrie).

Während der Elektrochirurgie wird das Gewebe sehr heiß und verdampft zum Teil. Der elektrische Strom lädt zudem freigesetzte Moleküle elektrisch auf. Die Forscher statteten ein Elektroskalpell mit kleinen Öffnungen sowie einer speziellen Pumpe aus, über die verdampfte Moleküle und Partikel abgesaugt und zum Massenspektrometer geleitet werden, das mit einem speziellen modifizierten Einlasssystem ausgestattet wurde. Die Moleküle und Molekül-Bruchstücke werden dann masseabhängig getrennt und detektiert.

Takats und ein Team aus Wissenschaftlern vom Imperial College London (Großbritannien) sowie der Universität von Debrecen (Ungarn) optimierten das System jetzt anhand von Versuchen an Schweinemägen und führten Tests an menschlichen Gewebeproben des Dickdarms durch. Die Forscher konnten so belegen, dass sich gesunde Magen- bzw. Darmschleimhaut, Tumorgewebe des Magens bzw. Darms sowie das unter der Schleimhaut befindliche Bindegewebe anhand der erhaltenen Massenspektren zuverlässig identifizieren lassen. Zudem lassen sich bösartig veränderte Gewebe von gutartigen Polypen unterscheiden.

Die neue Methode konnte sich dann noch in vivo bewähren: Drei Patienten, die sich einer Darmspiegelung unterziehen mussten, wurden untersucht. Bei zweien wurden gutartige Polypen diagnostiziert.

Zukünftige endoskopische Biopsien und Operationen könnten von dem neuen Verfahren deutlich profitieren. So ließen sich die Ränder eines Tumors schon während der OP in Echtzeit verlässlich identifizieren, sodass weniger Nachoperationen notwendig würden. Da auch zwischen Schleimhaut und darunter liegendem Gewebe unterschieden wird, könnte ein elektrisches Skalpell mit integriertem Warnsystem entwickelt werden: Sobald das Bindegewebe verletzt wird, könnte das Skalpell automatisch gestoppt werden. Auf diese Weise ließe sich das gefürchtete Risiko einer Perforation deutlich reduzieren.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Zoltan Takats, Imperial College London (United Kingdom), http://www.imperial.ac.uk/people/z.takats

Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.


Permalink to the original article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201502770

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

360° TOP-Thema zum Sonntag nach dem Hochzeitstag: Heirat, Kinder, Kirche und das Timing?

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Heirat und Kinder? Noch immer eine Frage der Konfession

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus und dennoch beeinflusst die Religionszugehörigkeit noch immer stark unser Leben. Dies zeigt sich besonders im Hinblick auf die Familienbiographien in Deutschland. Wann wir bei den Eltern ausziehen, wann wir heiraten und wann oder wie viele Kinder wir bekommen hängt weiterhin maßgeblich von unserer Konfession bzw. Konfessionslosigkeit ab. 
 
In Deutschland weisen sinkende Mitgliederzahlen bei den großen Volkskirchen auf eine zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft hin. Mit der Zunahme der Säkularisierung nimmt auch der Einfluss der Kirche auf das private Familienleben ab. Dennoch, so weist Dr. Stefan Weick vom GESIS-Leibniz – Institut für Sozialwissenschaften nach, bleiben familienbiografische Entscheidungen noch immer abhängig von der Religionszugehörigkeit, wenn auch teilweise in anderer Form als dies traditionell der Fall war. Diese Veränderung hängt vor allem mit der Tatsache zusammen, dass einhergehend mit der Abnahme der Zugehörigkeit zur katholischen oder evangelischen Kirche eine Zunahme der Mitgliedschaften anderer christlicher Gemeinschaften und vor allem nicht-christlicher Religionsgemeinschaften, insbesondere dem Islam (84 % der nicht-christlichen Religionsgemeinschaften), zu verzeichnen sind.

Anhand seiner Untersuchung zum Timing familienbiographischer Ereignisse von Frauen auf Basis von Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften ALLBUS konstatiert Weick zunächst, dass die besonders stark angewachsene Gruppe derjenigen, die ohne konfessionelle Bindung leben, im Durchschnitt das Elternhaus früher verlässt, eine deutlich geringere Heiratsneigung verspürt und auch eine geringere Bereitschaft zur Geburt von Kindern zeigt, als die Gruppe derjenigen, die einer Konfession angehören.

Die Angehörigen der beiden großen Konfessionen in Deutschland sind sich hinsichtlich ihrer Familienbiographie relativ ähnlich, so heiraten Katholikinnen beispielsweise nicht später als Protestantinnen. Allerdings stellt Weick auch signifikante Unterschiede fest:

So zeigt sich, dass Katholikinnen länger im Elternhaus verweilen und die Tendenz zur Familienerweiterung auf dritte und vierte Kinder erkennbar stärker ist als bei Protestantinnen.

Angehörige seltener vorkommender Religionsgemeinschaften, die aber seit den 1990er Jahren einen beachtlichen Zuwachs erfahren haben, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Familienbiografie deutlich von Mitgliedern der großen Konfessionen.

Dies betrifft vor allem Angehörige nicht-christlicher religiöser Gruppen die durch die Zuwanderungsprozesse in Deutschland an Bedeutung gewonnen haben und dem Säkularisierungsprozess entgegenstehen. Hier ist zunächst eine größere Bereitschaft zur Eheschließung zu verzeichnen. Besonders auffallend ist in dieser Gruppe jedoch die ausgeprägte Neigung zum dritten und vierten Kind.

So ist die Übergangsrate für dritte Kinder mehr als dreimal und für vierte Kinder sogar mehr als sechsmal so hoch als bei protestantischen Frauen in Deutschland.

Lebensverläufe von Frauen nicht-christlicher Religionsgemeinschaften sind damit nicht nur durch eine höhere Neigung zur Eheschließung gekennzeichnet, sondern insbesondere durch die Tendenz zur Familienerweiterung.

Weick interpretiert diese Tatsache dahingehend, dass weniger eine übergreifende Lehrmeinung zu Sexualität, Ehe und Fertilität wie sie beispielsweise in der katholischen Kirche vertreten wird, die Familiengründung und -erweiterung beeinflussen als eher allgemeine normative Erwartungen in den einzelnen Religionsgemeinschaften.

Die ganze Studie mit weiteren Informationen finden Sie im Informationsdienst Soziale Indikatoren ISI 54, den sie entweder in gedruckter Form bestellen können oder hier zum Download finden:

http://www.gesis.org/fileadmin/upload/forschung/publikationen/zeitschriften/isi/...

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Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Dr. Stefan Weick, GESIS
Stefan.weick@gesis.org

Dr. Sophie Zervos
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Unter Sachsenhausen 6-8, 50667 Köln
Tel: + 49 (0) 221-47694-136
sophie.zervos@gesis.org

Als die größte deutsche Infrastruktureinrichtung für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscherinnen und Forschern auf allen Ebene ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit diversen Universitäten. GESIS ist an wichtigen europäischen und internationalen Studien und Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS) und der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA und dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
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Verfahren der Tattoo-Entfernung: Nur mittels medizinisch anerkannter Verfahren, geschultem Personal und Einrichtungen

Medizin am Abend Fazit:  Tattoos: Auch der Abschied ist nicht ohne Risiko

BfR weist erstmals Blausäure nach Laserbestrahlung eines Tätowierungspigments nach 
 
Mit der zunehmenden Verbreitung von Tätowierungen steigt auch der Trend, diese wieder zu entfernen. Daten zur Bewertung der Sicherheit der Entfernungsmethoden fehlen jedoch bislang. 

Das BfR hat nun mittels moderner analytischer Methoden die Spaltprodukte bestimmt, die bei Rubinlaserbestrahlung des kupferhaltigen Pigments Phthalocyanin-Blau entstehen. Dazu gehören 1,2-Benzendicarbonitril, Benzonitril, Benzol sowie Blausäure.

 „Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass bei der Laserbehandlung eines Tätowierungspigments in wässriger Suspension Stoffe in Konzentrationen entstehen, die hoch genug wären, in der Haut Zellschäden zu verursachen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Mögliche Risiken können je nach Größe der Tätowierung, Pigmentkonzentration, Körperstelle, Bestrahlungsdosis sowie der verwendeten Wellenlänge des Lasers unterschiedlich sein. Das BfR sieht weiteren Forschungsbedarf und wird aufgrund der vorgestellten Daten in Zukunft mögliche Spaltprodukte von Farbstoffen bei seiner Risikobewertung berücksichtigen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sowohl über die möglichen Risiken von Tätowierungen als auch der Tattooentfernung umfassend aufgeklärt werden. Die Ergebnisse zur Forschung bei der Tattooenfernung wurden am 5. August 2015 in der zur Nature Publishing Group gehörenden Zeitschrift Scientific Reports (DOI: 10.1038/srep12915 1) veröffentlicht. Das BfR weist auf seiner Webseite bereits seit 2004 auf mögliche Risiken durch Tätowierungen hin. Ein englischsprachiger Übersichtsartikel dazu wurde vor kurzem in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet (DOI: 10.1016/S0140-6736(15)60215-X) veröffentlicht.

Nicht länger erwünschte Tätowierungen werden oft durch Laserbehandlungen entfernt. Das Risiko der Fragmentierung von Pigmenten in toxische oder krebserregende Bestandteile nach der Entfernung von Tätowierungen wird derzeit wissenschaftlich erforscht. Die Art der möglichen chemischen Abbauprodukte und ihre Langzeitwirkungen nach Freisetzung und systemischer Verteilung im menschlichen Körper sind dabei größtenteils unklar. Bislang sind Daten zum laserbedingten Abbau von in Tätowierungsmitteln verwendeten Pigmenten nur für einige Azofarbstoffen verfügbar. Daten zum Zerfall von eher lichtbeständigen Molekülen wie beispielsweise Phthalocyaninen fehlten. So gab es zu Kupfer-Phthalocyanin (auch als Phthalocyanin-Blau oder Pigment B15:3 bekannt) – offenbar derzeit das einzige in Tätowierungen verwendete und auf dem europäischen Markt erhältliche blaue organische Pigment – bisher keine Daten zu dessen Sicherheit als Tätowierungsmittel oder über dessen Zerfallsverhalten.

In der klinischen Dermatologie werden unter anderem Rubinlaser häufig für die Entfernung blauer Tätowierungen verwendet.

Hierbei erfolgt wellenlängenspezifisch eine hitzebedingte Spaltung des Pigments. In der BfR-Studie wurde der laserinduzierte und temperaturabhängige Abbau des Blaupigments Kupfer-Phthalocyanin simuliert. Alle flüchtigen Abbauprodukte wurden mittels gaschromatographischer (GC) Trennung und anschließender massenspektrometrischer (MS) Analyse bestimmt. Da Analysen mittels Pyrolyse-GC/MS (Py-GC/MS) weitere Hinweise auf das Vorhandensein flüchtiger und hochgiftiger Verbindungen wie Blausäure (HCN) und Benzol lieferten, hat das BfR eine dynamische Headspace (DHS)-Methode entwickelt, um dadurch jeglichen Verlust solcher Verbindungen während der Aufbereitung und Analyse auszuschließen. Unter Anwendung der DHS–GC/MS in Kombination mit zweidimensionaler Gaschromatographie, gekoppelt an Flugzeitmassenspektrometrie (GCxGC—ToF-MS), ist es gelungen, die erwarteten Verbindungen sehr empfindlich und spezifisch nachzuweisen.

Unter all den Verbindungen, die durch Rubinlaserbestrahlung von Kupfer-Phthalocyanin entstehen, ist Blausäure (HCN) aufgrund ihrer starken Zytotoxizität von besonderer Bedeutung. Sie ist seit langem als farbloses, schnell wirkendes toxisches Gas bekannt. Überträgt man die vom BfR nachgewiesenen Mengen an HCN auf die Situation im menschlichen Körper (in vivo), so könnten in bestimmten Gewebsschichten durch Laserbehandlung HCN-Konzentrationen von bis zu 30 Mikrogramm (µg) pro Milliliter (ml) entstehen. Obwohl die orale Einnahme und das Einatmen die häufigsten Arten der Cyanidvergiftung darstellen, sind auch immer wieder Fälle gesundheitlicher Beeinträchtigungen nach Aufnahme über die Haut beschrieben worden. So ist anzunehmen, dass lokale Pigmentkonzentrationen von ca. 30 μg/ml HCN, die in gut durchbluteten Gewebeschichten auftreten können, ein mögliches gesundheitliches Risiko darstellen, insbesondere dann, wenn extrem große Tätowierungen bestrahlt werden (z.B. Oberarm > 500 cm2).

Derzeit gibt es mehrere Verfahren der Tattoo-Entfernung. Allerdings ist der Erfolg nicht garantiert, und es bestehen gesundheitliche Risiken wie Narbenbildung und allergische Reaktionen.

Während die Entfernung mittels Laser zu toxischen Spaltprodukten führen kann, steht bei der chirurgischen Entfernung des entsprechenden Hautareals die Infektionsgefahr im Vordergrund. Dem BfR wurden beispielsweise bereits im Jahr 2011 einzelne Fälle gemeldet, in denen nach der Anwendung flüssiger Tattoo-Entferner unerwünschte Wirkungen aufgetreten sind. In einigen Fällen kam es zu schweren Entzündungsreaktionen der Haut mit Narbenbildung.

Das BfR rät, Tattooentfernungen nur mittels medizinisch anerkannter Verfahren und von geschultem Personal in entsprechenden Einrichtungen vornehmen zu lassen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten in jedem Fall umfassend über die möglichen Risiken der Tattooentfernung aufgeklärt werden.

Dem BfR liegt keine vollständige Liste der Verfahren vor, mit denen Tattoos entfernt werden können. Es werden immer wieder neue Methoden entwickelt, eine Meldepflicht an Behörden oder eine behördliche Prüfung dieser Methoden gibt es nicht.

Eine Beschreibung verschiedener Methoden zur Entfernung von Tattoos und damit verbundener gesundheitlicher Risiken enthält auch die BfR -Stellungnahme Nr. 013/2013 „Anforderungen an Tätowiermittel“ vom 28. August 2012 unter Punkt 6.

Weitere Informationen und Links:

http://www.bfr.bund.de/cm/343/anforderungen-an-taetowiermittel.pdf

http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/taetowierung-4929.html

http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_taetowiermitteln-187854.html


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 


Dr. Suzan Fiack Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Deutschland


Telefon: 030-18412-4300
Fax: 030-18412-4970
E-Mail-Adresse: newsletter@bfr.bund.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.nature.com/srep/2015/150805/srep12915/full/srep12915.htm
Ines Schriver et al..Formation of highly toxic hydrogen cyanide upon ruby laser irradiation of the tattoo pigment phthalocyanine blue, Scien-tific Reports 5

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014067361560215X
Peter Laux et al., A medical-toxicological view of tattooing, The Lancet

Trotz Hitzewelle: Noch verzichtet die Mehrheit der Deutschen auf Klimaanlagen

Medizin am Abend Berlin Fazit:

In Deutschland nutzen lediglich rund drei Prozent der Haushalte eine Klimaanlage. Die überwiegende Mehrheit hält eine Klimaanlage bislang für nicht notwendig, viele lehnen sie aus Umweltgründen ab. Dies hat eine Befragung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ergeben. Damit liegen erstmals Zahlen über die Verbreitung und Nutzung von Klimaanlangen in privaten Haushalten in Deutschland vor. Danach ist allerdings von einem Anstieg der Nutzung von Klimaanlagen in den kommenden fünf Jahren auszugehen. 

 
Anders als in Südeuropa oder den USA sind Klimaanlagen in Deutschland bislang kaum verbreitet. Nur rund drei Prozent der 10.050 befragten Haushalte nutzen im Sommer eine Anlage zur Kühlung der Wohnräume, die meisten davon in Großstädten. Überdurchschnittlich verbreitet sind Klimaanlagen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Beliebt sind vor allem mobile Geräte, wie sie im Baumarkt erhältlich sind. Sie machen fast 60 Prozent aller Anlagen aus. Die Nutzerinnen und Nutzer sind überwiegend jüngeren und mittleren Alters. Meist sind es Familienhaushalte mit drei Personen und mehr. Haushalte mit gehobenem Einkommen sind überdurchschnittlich vertreten, auch die Wohnfläche dieser Haushalte ist überdurchschnittlich groß. Meist handelt es sich dabei um Wohneigentum.

Die Ergebnisse der Befragung fließen in ein Modell zur Abschätzung des künftigen Energieverbrauchs ein. Dieser wird in einem Forschungsprojekt unter der Leitung des Öko-Instituts Freiburg derzeit ermittelt. Das Projekt „Einbindung des Wärme- und Kältesektors in das Strommarktmodell PowerFlex zur Analyse sektorübergreifender Effekte auf Klimaschutzziele und EE-Integration“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

Günstige Klimageräte mit hohem Energieverbrauch nehmen an Beliebtheit zu

Knapp zwei Drittel der befragten 772 Nicht-Nutzer gaben an, eine Klimaanlage in ihrer Wohnung oder ihrem Haus für eher nicht notwendig zu halten. „Über ein Viertel der Befragten hat zwar schon einmal darüber nachgedacht, eine Klimaanlage anzuschaffen“, sagt ISOE-Studienleiter Immanuel Stieß, „doch viele schrecken vor dem Kauf zurück, weil sie mit hohen Anschaffungskosten rechnen.“ Tatsächlich sind die Preise von mobilen Klimageräten niedriger, als die meisten vermuten. Gerade diese günstigeren Modelle seien aber aufgrund ihres hohen Energieverbrauchs kritisch zu bewerten.

Während der aktuellen Hitzewelle haben laut Medienberichten bereits viele Händler einen Ausverkauf von Klimageräten gemeldet. „Noch ein paar Hitzewellen mehr und die Nutzung von Klimaanlagen in privaten Haushalten wird deutlich zunehmen“, sagt Energieexperte Stieß. Was dies für den künftigen Energieverbrauch bedeutet, wird mit dem Modell des Öko-Instituts näher untersucht.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Melanie Neugart
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 69 19-51
neugart@isoe.de
Melanie Neugart ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung