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360° Top-Thema: Bluttest zum Down-Syndrom - vorgeburtliche Blutuntersuchung

Medizin am Abend Fazit: Umstrittener Bluttest zum Down-Syndrom

Gesundheit/Kleine Anfrage

In einer interfraktionellen Kleinen Anfrage 18/4406 erkundigen sich Abgeordnete aller vier Bundestagsfraktionen über die neue vorgeburtliche Blutuntersuchung zur Feststellung des Down-Syndroms. Seit 2012 können den Angaben zufolge Schwangere in Deutschland mit einer einfachen Blutuntersuchung feststellen lassen, ob ihr Kind mit Down-Syndrom geboren wird. Bei dieser genetisch bedingten Erkrankung, auch Trisomie 21 genannt, kommt das Kind geistig behindert zur Welt.

Bislang müssten werdende Eltern diese Blutuntersuchung selbst bezahlen, heißt es in der Anfrage. Die Gesetzlichen Krankenkassen übernähmen die Kosten nur in Einzelfällen. Im April 2014 habe der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, im Fall der Bluttests das Beratungsverfahren für eine Erprobungsrichtlinie einzuleiten. Am Ende des Verfahrens könnten die Kosten für die Bluttests in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen werden.

Das Erprobungsverfahren lasse bislang keinen Raum für die notwendige gesellschaftliche Diskussion. Die Kostenübernahme wäre jedoch ein relevanter Schritt auf dem Weg zu einer Routineuntersuchung auf Down-Syndrom während der Schwangerschaft. Damit könnte die Erwartung verbunden sein, dieses Testangebot auch zu nutzen. Auf diese Weise würde möglicherweise Druck erzeugt, ein „perfektes Kind“ zu gebären, geben die Abgeordneten zu Bedenken.

Es könnte zu vermehrten Schwangerschaftsabbrüchen kommen.

Die Abgeordneten wollen nun unter anderem konkret wissen, wie sich die Zahl der mit Trisomie 21 geborenen Kinder in den vergangenen Jahren entwickelt hat und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem neuen Bluttest vorliegen.

Glutamat-Rezeptor und mein Gehirn

Medizin am Abend Fazit: Bestimmter Glutamat-Rezeptor unterstützt optimale Informationsverarbeitung im Gehirn

Lernen und Gedächtnisbildung faszinieren die Forschung seit langem, und noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Die Bochumer Neurowissenschaftler Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan und Dr. Hardy Hagena sind jetzt einem weiteren Baustein dieses komplexen Prozesses auf die Spur gekommen. Ein bestimmter Rezeptor, der metabotrope Glutamat 5-Rezeptor, dient als Schalter, um im Hippokampus, einer für das Gedächtnis entscheidenden Gehirnregion, gegensätzliche Formen der Anpassung zu aktivieren. Sie berichten in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Neuroscience“. 
 
Kontaktstellen zwischen Nervenzellen verarbeiten verschiedene Informationen

Die Gehirnregion um den Hippokampus ist entscheidend an der Gedächtnisbildung und der Verarbeitung räumlicher Informationen beteiligt. Der Hippokampus selbst lässt sich in verschiedene Regionen unterteilen: den Gyrus dentatus, Cornu ammonis (CA) 3 und CA1. Die zu verarbeitenden Informationen durchlaufen wie in einer Einbahnstraße nacheinander diese drei Regionen, wobei jede Region unterschiedliche räumliche Informationen der Umwelt verarbeitet. Eine besondere Rolle spielt hierbei CA3. Sie erhält zum einen Informationen über die sogenannten Moosfasern (MF), die aus Nervenzellen des Gyrus dentatus stammen und mit den Pyramidenneuronen in CA3 Kontaktstellen bilden, die Synapsen, in diesem Fall MF-CA3-Synapsen. Zum anderen kommunizieren aber auch Nervenzellen aus der CA3-Region sowohl derselben als auch der benachbarten Gehirnhälfte über bestimmte Fasern – die assoziativ/commissural (AC)-Fasern – auf CA3-Zellen und bilden hier die AC-CA3-Synapsen. „Wir haben bereits gezeigt, dass diese zwei Synapsen unterschiedliche Arten von Informationen verarbeiten und dass diese unterschiedliche Art der Informationsverarbeitung vermutlich verantwortlich dafür ist, dass die CA3-Region eine wichtige Rolle beim Arbeitsgedächtnis sowie bei der ‚pattern completion‘ spielt, einem Vorgang, der dazu dient, dass wir eine gesamte und komplexe Erinnerung aus einem kleinen Fragment wiederherstellen können“, erklärt Hardy Hagena.

Anpassung an Anforderungen: synaptische Plastizität

Doch wie kommt es dazu, dass Informationen an MF-CA3- und AC-CA3-Synapsen unterschiedlich verarbeitet werden? Auf Ebene der Nervenzellen führt die Verarbeitung von Informationen zu einer Anpassung an die Anforderungen, also praktisch einem Gedächtniseffekt. Die Forscher sprechen von synaptischer Plastizität. Sie äußert sich in zwei Formen: als Langzeitpotenzierung (long-term potentiation, LTP), einer Verstärkung der synaptischen Übertragung, und als Langzeitdepression (long-term depression, LTD), einer Abschwächung der synaptischen Übertragung. Sowohl LTP als auch LTD codieren dabei verschiedene Arten von räumlichen Informationen. Vorangegangene Studien haben für verschiedene Hirnregionen gezeigt, dass der metabotrope Glutamat 5-Rezeptor (mGlu5-Rezeptor) eine bedeutende Rolle bei dieser lang anhaltenden Form der synaptischen Plastizität spielt.

Wie der Rezeptor die Gedächtnisbildung beeinflusst

„Aufgrund dieser Erkenntnisse war es besonders interessant herauszufinden, ob und inwiefern der mGlu5-Rezeptor die synaptische Plastizität und damit auch die Gedächtnisbildung in der CA3-Region beeinflusst“, erklärt Hagena. Die Forscher schalteten den Rezeptor pharmakologisch in MF-CA3-Synapsen aus und stimulierten dann die entsprechenden informationsübertragenden Fasern. Daraufhin stellten sie zwar keine LTP mehr fest, konnten aber weiterhin LTD beobachten. Im Gegensatz dazu kam es bei Ausschaltung des mGlu5-Rezeptors in AC-CA3-Synapsen zu einer Blockierung von LTD, aber nicht von LTP. „Diese Ergebnisse zeigen, dass bei einer Aktivierung des mGlu5-Rezeptors vorzugsweise LTP in den MF-CA3-Synapsen und LTD in den AC-CA3-Synapsen hervorgerufen wird“, folgern die Forscher.

Faszinierender Einblick in die Funktionsweise der Hippokampusregion

„Diese Ergebnisse erlauben uns einen faszinierenden Einblick in die Funktionsweise und Regulierung synaptischer Plastizität in der CA3-Region des Hippokampus“, so die Bilanz der Forscher. „Besonders interessant ist der Einfluss des mGlu5-Rezeptors, der bei Aktivierung, z.B. bei Lernvorgängen, bei der Verarbeitung neuer Informationen der Umwelt oder auch während Prozessen wie der ‚pattern completion‘ die Richtung der synaptischen Plastizität vorgibt, indem LTP bevorzugt an MF-CA3-Synapsen hervorgerufen wird und LTD an AC-CA3-Synapsen.“

Diese gegensätzliche Regulation der synaptischen Plastizität unterstützt eine optimale Informationsverarbeitung und -speicherung und unterstreicht die einzigartige Rolle dieser Region bei Lernvorgängen und der Gedächtnisbildung.

Titelaufnahme

H. Hagena, D. Manahan-Vaughan (2015): mGlu5 acts as a switch for opposing forms of synaptic plasticity at mossy fiber-CA3 and commissural associational-CA3 Synapses, The Journal of Neuroscience, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.3417-14.2015

Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Hardy Hagena, Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan, Abteilung für Neurophysiologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22042, hardy.hagena@rub.de; Denise.Manahan-Vaughan@rub.de
Dr. Julia Weiler Ruhr-Universität Bochum Redaktion: Meike Drießen

Phantomschmerz: Prothesentraining - Probanden mit Unterschenkel-Amputation gesucht

Medizin am Abend Fazit: Bessere Prothesen – weniger SchmerzArbeitsgruppe „Phantomschmerz“ der Universität Jena sucht Probanden mit Unterschenkel-Amputation 

Nach Amputation eines Armes oder Beines leiden viele Betroffene an oftmals schwer behandelbaren Phantomschmerzen in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Neue Hoffnungen vermittelt hier ein von der Arbeitsgruppe „Phantomschmerz“ um Prof. Dr. Thomas Weiss vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie der Universität Jena (Leitung Prof. Dr. W. Miltner) entwickeltes Prothesentraining. Bei diesem 14-tägigen Training erlernten Unterarmamputierte mit Hilfe einer umgebauten herkömmlichen Prothese Greifbewegungen mit ihrer Prothese durch Rückmeldung der Griffstärke effizient zu kontrollieren. Daneben beobachtete man bei vielen Trainingsteilnehmern eine deutliche Linderung der Phantomschmerzen.

Die Erkenntnisse aus diesem Projekt werden inzwischen auch bei Patienten mit Amputation des Unterschenkels (unterhalb des Knies) angewandt. „Auch bei diesen Patienten, die wir mit einer vergleichbar umgebauten Unterschenkelprothese während eines ebenfalls 14-tägigen Trainings behandelten, konnten wir eine Linderung der Phantomschmerzen im Fuß und Unterschenkel beobachten. Auch das Gehen mit der Prothese auf unebenem Untergrund wurde deutlich verbessert“, so Prof. Weiss. In dieses Trainingsprogramm können aktuell zusätzliche Patienten nach Unterschenkelamputation im Alter zwischen 18 und 70 Jahren aufgenommen werden. Es spielt dabei keine Rolle, wie lang die Amputation zurück liegt.

Interessierte können sich über das Sekretariat des Lehrstuhls oder per E-Mail melden. Das Projekt wird von der Gesetzlichen Unfallversicherung Deutschland unterstützt. Teilnehmer, deren Rehabilitation durch die Berufsgenossenschaft gefördert wird, können auf Antrag für die Zeit der Trainingsteilnahme freigestellt werden.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Thomas Weiss
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie
Am Steiger 3, Haus 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945140
E-Mail: thomas.weiss[at]uni-jena.de

Bianca Wiedemann M.A.

Langzeitstudien zu Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung

Medizin am Abend Fazit: Je höher die Impfquote, desto seltener der plötzliche Kindstod

Hintergrund-Fachlink:

http://www.praxisvita.de/impfungen-die-haeufigsten-fragen

Aussagen von Langzeitstudien zu Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten bei der Auswertung langfristiger Erhebungen einen statistischen Zusammenhang zwischen Impfverhalten und der Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes feststellen. Innerhalb der vergangenen 40 Jahre schwankte in den USA die Impfquote entsprechend gesellschaftlicher Trends. Die Kindstodrate steht dabei in einem umgekehrten Verhältnis zur Impfabdeckung gegen Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten. Veröffentlicht sind die Ergebnisse der Studie im Fachmagazin BMC Pediatrics*. 

 
Die Fälle von plötzlichem Kindstod gehen kontinuierlich zurück, dennoch bleiben sie ein Hauptgrund für den Tod von Säuglingen weltweit. Die Ursache ist weiterhin nicht bekannt, besonders gefährdet sind Neugeborene im ersten Lebenshalbjahr. Genau in diesen Zeitraum fallen die Impfungen gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae. Entgegen der Befürchtung von Impfskeptikern, Immunisierungen zögen Komplikationen oder ein erhöhtes Kindstodrisiko nach sich, zeigen die Zahlen der amerikanischen Impfbehörden und Gesundheitszentren ein anderes Bild: „Unsere Untersuchung ist als Hinweis zu sehen, dass die klassischen Impfungen im Säuglingsalter gegen Keuchhusten, Diphtherie, Tetanus, Polio oder Haemophilus influenzae nicht mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Kindstod verbunden sind. Sie scheinen sogar eher einen schützenden Effekt zu haben“, sagt Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn, Leiterin und Sprecherin der Berlin School of Public Health (BSPH).

Bei der Suche nach signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Sterblichkeitsrate durch plötzlichen Kindstod haben die Forscher zahlreiche Daten einbezogen, darunter auch Studien zur Schlafposition von Säuglingen im selben Zeitraum. Besonders deutlich wird in der aktuellen Untersuchung ein zeitlicher Kontext zu Impfempfehlungen oder gesellschaftlichen Stimmungen. In den 70er und 80er Jahren sinken in den USA die Impfquoten, verantwortlich sind Verunsicherungen in der Bevölkerung. Gleichzeitig steigt die Sterblichkeitsrate durch Kindstod um 27 Prozent zwischen 1968 und 1971 und um 47 Prozent zwischen 1971 und 1974. Später sinkt die Häufigkeit des Kindstodes wieder, beispielsweise um acht Prozent zwischen den Jahren 1991 und 2001. Der Trend ist eindeutig: Bei steigenden Impfquoten sinken zeitgleich die Fälle von plötzlichem Kindstod. Eine 10 Prozent höhere Quote in einer Bevölkerung, hier am Beispiel USA, verringert die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes um fast 10 Prozent.

Befürchtungen und Ängste bestimmen auch in Deutschland die Impfentscheidung von Eltern, wie die aktuell geführte Debatte um die Masernimpfung in Deutschland zeigt. Ein Beispiel ist der inzwischen mehrfach widerlegte Zusammenhang zwischen einer Masernimpfung und dem Entstehen von Autismus. Im Fall von Keuchhusten hat ein ebenfalls fälschlich kolportiertes, vermeintliches Risiko für Hirnschäden zu einem deutlichen Rückgang der Impfquoten in den 70er und 80er Jahren geführt. Medizinische Studien konnten in den Folgejahren kein solches Risiko feststellen. Impfquoten schwanken demnach entsprechend öffentlicher Meinung und Expertenempfehlungen. „In einigen Ländern, darunter Deutschland, wurde die Keuchhusten-Impfung sogar zeitweise aus den Empfehlungen herausgenommen und beispielsweise erst im Jahr 1991 wieder eingeführt“, so Müller-Nordhorn. Zahlen belegen: Parallel zur Wiederaufnahme der Keuchhusten-Impfung sinkt auch hier die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes. Wichtig im Falle jeder Schutzimpfung im Kindesalter ist allerdings nicht nur das „ob“, sondern auch das „wann“, also die Impfung im richtigen Zeitfenster. „Besonders tragisch wäre es, wenn Eltern die Impfungen hinauszögerten, um ihre Kinder vermeintlich zu schützen und damit möglicherweise das Gegenteil bewirken“, erklärt Müller-Nordhorn.

*Jacqueline Müller-Nordhorn, Chih-Mei Hettler-Chen, Thomas Keil, Rebecca Muckelbauer. Association between sudden infant death syndrome and diphtheria-tetanus-pertussis immunisation: an ecological study. BMC Pediatrics, Jan. 2015. doi: 10.1186/s12887-015-0318-7

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn
Leiterin der Berlin School of Public Health (BSPH)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 872
jacqueline.mueller-nordhorn@charite.de
Dr. Julia Biederlack Charité – Universitätsmedizin Berlin

Weitere Informationen für die Medizin am Abend Beteiligten:
http://www.charite.de
http://bsph.charite.de/

Pille danach - Selbstmedikation - Zwischenstand

Medizin am Abend: "Pille danach": Rasantes Wachstum um 31 %

ErgänzungsLink: 

http://www.praxisvita.de/die-heilkraft-der-babypflanzen#

Seit zwei Wochen können Frauen die "Pille danach" ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Wie der Branchendienst APOTHEKE ADHOC berichtet, wurden alleine in der ersten Woche fast ein Drittel mehr Packungen abgegeben als bislang üblich.
Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health wurden in der 12. Kalenderwoche 13.500 Packungen der "Pille danach" in den Apotheken abgegeben. Hochgerechnet auf den ganzen Monat entspricht das 54.000 Packungen. Verglichen mit 41.000 Packungen im März 2014 ergibt sich ein Anstieg von 31 Prozent.

Zwar sind beide Wirkstoffe rezeptfrei. In der Selbstmedikation wurde bislang allerdings nur EllaOne (Ulipristal) abgegeben. Die Apotheken waren wegen der unklaren Rechtslage zu den noch nicht umgestellten Packungen der "Pille danach" mit Levonorgestrel offenbar vorsichtig.

Trotz des markanten Anstiegs erwartet der Hersteller HRA Pharma auf das Jahr gerechnet geringere Zuwächse. Im Startmonat März sei wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit mehr zu erwarten gewesen, die Kurve werde aber abflachen, sagt HRA-Deutschlandchef Klaus Czort. Der Hersteller hatte mehr als 100.000 Packungen ausgeliefert.

Wachstumspotential für die Zukunft sieht Czort dennoch: In Deutschland gebe es einen Bedarf für den Fall von Risikosituationen - dazu zählen alle Arten von Verhütungspannen sowie ungeschützter Verkehr - von 2,4 Millionen Packungen pro Jahr. Davon sei man mit zuletzt 400.000 Packungen im Jahr noch sehr weit entfernt, so Czort.

Die Apotheken kommen mit der neuen Aufgabe offenbar gut zurecht. Mehrere Testkäufe bescheinigten, dass Abgabe und Beratung meist nach dem Leitfaden der Bundesapothekerkammer (BAK) durchgeführt werden.

Den vollständigen Beitrag sowie ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie unter: www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/nachricht-detail-wissenschaft/pille-danach-ellaone-apotheke-levonorgestrel-otc-bfarm-hra-31-prozent/
 
APOTHEKE ADHOC ist der unabhängige Branchendienst für den Apotheken- und Pharmamarkt.

Medizin am Abend DirektKontakt

APOTHEKE ADHOC Skalitzer Straße 68 10997 Berlin Telefon: +49 - 30 - 80 20 80 560 Fax: +49 - 30 - 80 20 80 569 E-Mail: info@apotheke-adhoc.de

ADHS - traumatische Gehirnverletzungen: Methylphenidat oder Atomoxetin

Medizin am Abend Fazit: Kinder und Jugendliche mit ADHS - Gehirnverletzungen sind seltener bei Einnahme von Medikamenten

Kinder und Jugendliche, die an der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, haben ein geringeres Risiko für traumatische Gehirnverletzungen, wenn sie Methylphenidat oder Atomoxetin einnehmen. Dies zeigt eine Langzeitstudie zu ADHS bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS durchgeführt hat. Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts sind jetzt im amerikanischen Journal für Kinderheilkunde JAMA Pediatrics erschienen. 
 
Es ist bekannt, dass Menschen mit ADHS häufiger unfallbedingte Verletzungen, wie zum Beispiel Knochenbrüche, Kopfverletzungen, Verbrennungen und Vergiftungen, erleiden. Bislang fehlten allerdings eindeutige Hinweise zu der Frage, ob die medikamentöse Therapie mit Methylphenidat oder Atomoxetin das erhöhte Verletzungsrisiko verringern kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sind dieser Frage in ihrer Studie bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS nachgegangen.

Die Grundlage der Studie bildete die "Deutsche Pharmakoepidemiologische Forschungsdatenbank" (GePaRD), die Daten von etwa 17 Millionen Versicherten vier gesetzlicher Krankenkassen enthält. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten 37.650 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren, bei denen 2005 und 2006 ADHS neu diagnostiziert wurde, und verfolgten deren Daten bis 2009. Von dieser Gruppe wurden in der beobachteten Zeit 2.128 wegen einer Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert, von denen 821 die Diagnose einer traumatischen Gehirnverletzung erhielten.

Für die 2.128 Kinder und Jugendlichen, die mit einer Verletzung im Krankenhaus behandelt wurden, erfassten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle Verordnungen der Substanzen Methylphenidat und Atomoxetin. Es zeigte sich, dass etwa über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen auch eine Verschreibung von Methylphenidat oder Atomoxetin während der Beobachtungszeit bis 2009 erhielt; 92 Prozent der Verordnungen waren hierbei für Methylphenidat. Im Anschluss verglichen sie das Risiko, im Beobachtungszeitraum generell eine Verletzung oder eine traumatische Gehirnverletzung bei einer medikamentösen Behandlung zu erleiden, mit dem Risiko ohne Behandlung.

Es zeigte sich, dass während der Einnahme von Medikamenten die Wahrscheinlichkeit um 34 Prozent geringer war, wegen einer traumatischen Gehirnverletzung ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Wenn jedoch alle Verletzungen betrachtet wurden, die zu einer Einlieferung ins Krankenhaus führten, war das Risiko aus statistischer Sicht nicht eindeutig niedriger.

Prof. Dr. Edeltraut Garbe, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS, erklärt: "Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS ein niedrigeres Risiko für traumatische Gehirnverletzungen haben, wenn sie mit Methylphenidat oder Atomoxetin behandelt werden. Ob dieser Zusammenhang auch generell bei unfallbedingten Verletzungen besteht, muss weiter untersucht werden - unsere Studie deutet darauf hin, konnte dies aber nicht belegen."

Publikation:
Mikolajczyk R, Horn J, Schmedt N, Langner I, Lindemann C, Garbe E. Accident prevention by medication among children with attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD) - A case-only study. JAMA Pediatrics. 2015; http://dx.doi.org/10.1001/jamapediatrics.2014.3275

Medizin am Abend DirektKontakt:

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Abteilung Klinische Epidemiologie
Prof. Dr. Edeltraut Garbe
Tel. 0421/218-56862
E-Mail garbe@bips.uni-bremen.de

Niklas Schmedt
Tel. 0421/218-56868
E-Mail schmedt@bips.uni-bremen.de

Anja Wirsing
Tel. 0421/218-56780
E-Mail presse@bips.uni-bremen.de

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte

http://Publikation: http://dx.doi.org/10.1001/jamapediatrics.2014.3275

Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie

Medizin am Abend Fazit: Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie effizienter als gedacht

Trotz stetig erweiterter Regulierung der Zulassungsverfahren von
Medikamenten und den damit steigenden Kosten bleibt die Forschung und
Entwicklung in der Pharmaindustrie unerwartet effizient. Dies zeigt eine
Studie des European Center of Pharmaceutical Medicine (ECPM) der
Universität Basel. Die Resultate wurden in der Fachzeitschrift «Nature
Reviews/Drug Discovery» veröffentlicht.

Die Forschungs- und Entwicklungskosten von Medikamenten sind in den
letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen, während gleichzeitig die Anzahl
an neu zugelassenen Medikamenten stagniert. Es stellt sich die Frage nach
den Faktoren, die für diese Situation verantwortlich sein könnten.

Um die Effizienz der Pharmaforschung zu überprüfen, analysierten
Forschende des ECPM nun die Daten zur Zulassung von Medikamenten durch die amerikanische Behörde «Food and Drug Administration» (FDA). Sie
untersuchten dabei welche Faktoren die Registrierung eines Medikaments
positiv beeinflussen.

Weniger Aufwand, schnellere Zulassung

Die Studie unter Leitung von Prof. Thomas D. Szucs umfasste insgesamt 257
Medikamente, die in den Jahren 2003 bis 2013 von der FDA zugelassen

wurden. Für die Bewertung der sogenannten Innovations-Effizienz
untersuchten die Forschenden verschiedene Parameter und Faktoren. Die
Studie zeigt: Obwohl noch Effizienzpotential besteht haben sich mehrere
Parameter in den vergangenen zehn Jahren eindeutig positiv entwickelt.

Die Forschenden entdeckten zudem, dass neue Medikamente schneller und mit
weniger Studienaufwand auf den Markt kommen, wenn sie das
Zulassungsverfahren in gewissen Kategorien durchlaufen. Allein die
Zugehörigkeit zu bestimmten Kategorien reduziert beispielsweise die
Wahrscheinlichkeit aufwändiger Schlüsselstudien – ein Verfahren das die
Wirksamkeit eines Wirkstoffs gegenüber Placebo prüft.

Insgesamt zeigen die Resultate, dass der Marktzugang von Medikamenten
heutzutage nicht verlangsamt ist. Entscheidend ist, dass «Industrie und
Behörden gemeinsam die Zulassungsverfahren weiterentwickeln damit
Patienten möglichst schnell von Innovationen profitieren», so Szucs.


Originalartikel
Rossella Belleli, Roland Fisch, Thomas D. Szucs
Efficiency indicators for new drugs approved by the FDA from 2003 to 2013
Nature Reviews Drug Discovery (2015), published online 27 February 2015,
doi: 10.1038/nrd4563

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Thomas Szucs, European Center of Pharmaceutical Medicine,
Universität Basel, Tel. +41 61 265 76 50, E-Mail: thomas.szucs@unibas.ch
Universität Basel, Olivia Poisson

Mach mir ein Ei - Achtung Sommerzeit: Die „Vögel-Uhr“

Medizin am Abend: Achtung Sommerzeit: Die „Vogel-Uhr“ steht jetzt auf Balz

Zeckenbiss: http://www.praxisvita.de/zeckenbiss-was-tun#

Am kommenden Wochenende (heute Nacht- von 02.00 auf 03.00 Uhr MESZ) ist es wieder soweit: Die Sommerzeit wird mit dem Umstellen der Uhren eingeleitet. Unsere heimischen Vögel brauchen keine Uhr, denn ihre Frühlingsgefühle sind vom Licht abhängig. „Da die Morgendämmerung jetzt von Tag zu Tag früher einsetzt, singen die Vögel auch früher“, erläutert Svenja Ganteför, Biologin der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Piep-Konzert hat gute Gründe: Es geht um die Familienplanung. 
 
Das Liebesgeflüster während der Balz im Frühling ist hormonell bedingt und sehr anstrengend. Die Männchen wollen mit ihren kräftigen Stimmen Rivalen aus ihrem Revier verjagen, den Weibchen ihre Paarungsabsichten mitteilen und mit ihrem auffälligen Gefieder signalisieren: Ich bin gesund, ich bin stark, ich habe gute Gene, die ich an die Brut weitergebe! Um dem Gesang Nachdruck zu verleihen, präsentiert das Rotkehlchen die rote Brust, der Fasan seine blauen Kopffedern und roten Kinnlappen und der Star sein metallisch-glänzendes Prachtkleid. Der Gute-Gene-Look beim Haussperling sind beispielsweise der schwarze Brustfleck, die helleren Wangen und der deutlich dunklere Scheitel“, erklärt Svenja Ganteför. Eine kräftige Federfarbe, deutliche Musterung und ein vielfältiger Gesang sprechen für gute Gesundheit.

Ein Vogelmann, der von Parasiten gequält wird, hat schlechte Karten bei den Frauen.

Beim Gesang versuchen die Männchen mit Lautstärke, Dauer und Häufigkeit des Gesangs zu beeindrucken. Ein ordentliches Repertoire an Strophen ist dabei ebenfalls von Vorteil. Wer sein Liebeslied dann noch mit einer Tanzeinlage unterlegen kann, hat bei der Vogelhochzeit besonders gute Chancen. Männliche Rotkehlchen zittern mit den Flügeln und fordern in vorgeneigter Haltung zur Kopulation auf. Stare sträuben die Kehlfedern und rudern heftig mit den Flügeln, während sie ihr Balzlied singen. Amseln umkreisen die Auserwählte wie beim Tango mit erhobenem Kopf. Die Schwanzfedern werden aufgefächert, die Flügel rhythmisch gehoben und gesenkt. Meisen-Männer zeigen den Weibchen ihre Brust und schaukeln angeberisch mit dem Körper hin und her. Dann stellt das Männchen die Schwanzfedern auf und trippelt laut singend zur Seite, bis das Weibchen um Futter bettelt und damit signalisiert: „Mach mir ein Ei…!“

Der Spatzen-Mann lockt mit aufgeplustertem Gefieder und zeigt beim Singen seinen anschwellenden, schwarzen Brustlatz, während er ständig variierende Tschilptöne von sich gibt. Je größer der Brustfleck, desto fitter der Spatzenmann. Kommt ein interessiertes Weibchen vorbei, zeigt er sein Nest. Bei Erfolg hält die Spatzen-Ehe ein Leben lang.

Ärgern Sie sich am kommenden Wochenende nicht über die „verlorene“ Stunde beim Beginn der Sommerzeit. Gehen Sie mit Ihren Kinder in die Natur und belauschen Sie die Vögel.

Wussten Sie, dass unsere Kinder laut einer Emnid-Umfrage erschreckend wenig über Natur wissen? Mit der Janosch-Spatzenkiste will die Deutsche Wildtier Stiftung dem entgegenwirken: Diese Naturbildungskiste kann von Kitas und Grundschulen ausgeliehen werden. Als einmalige Frühlings-Aktion enthält jede Janosch-Spatzenkiste das neue Vogelmalbuch „Gefiederte Freunde“ kostenlos für jedes Kind aus der Projektgruppe!


Medizin am Abend DirektKontakt

Eva Goris
Telefon: 040 9707869-13
E.Goris@DeWiSt.de
www.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.deutschewildtierstiftung.de/de/wissen-lernen/naturbildung/lernen-mit-...

Atemwegserkrankungen im Kindesalter

Medizin am Abend Fazit: Ungleichgewicht im Stoffwechsel erhöht Risiko für Atemwegserkrankungen im Kindesalter

Gerät unser Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, kann das im Körper zu Entzündungsprozessen und einer Aktivierung des Immunsystems führen. In einer aktuellen Studie, die im Fachjournal Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht wurde, konnten UFZ-Forscher nun zeigen, dass dies bereits bei Neugeborenen und Kindern im ersten Lebensjahr der Fall ist und im Zusammenhang mit der Entstehung von Atemwegserkrankungen im frühen Kindesalter steht. 

Der Stoffwechsel beeinflusst die Ausprägung von Atemwegserkrankungen. Das zeigen Untersuchungen Rahmen der Mutter-Kind-Studie „LiNA“, in der mehr als 620 Kinder umweltmedizinisch begleitet werden. Der Stoffwechsel beeinflusst die Ausprägung von Atemwegserkrankungen. Das zeigen Untersuchungen Rahmen der Mutter-Kind-Studie „LiNA“, in der mehr als 620 Kinder umweltmedizinisch begleitet werden. André Künzelmann, UFZ


Dringen Krankheitserreger in unseren Körper ein, wird unser Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzt. Der Körper reagiert mit Entzündungsprozessen, und es wird eine Kaskade von Abwehrmechanismen in Gang gesetzt – mit dem Ziel, die unerwünschten Eindringlinge schnell und effektiv außer Gefecht zu setzen. Mitunter kann aber auch schon ein verändertes Gleichgewicht im Stoffwechsel die Ursache für eine entzündliche Immunantwort sein. Dann werden Kräfte mobilisiert, um einen Feind zu bekämpfen, den es gar nicht gibt.

„Wir wollten herausfinden, ob dieses Phänomen auch schon bei Neugeborenen und Kindern im ersten Lebensjahr vorhanden ist“, sagt UFZ-Forscherin Dr. Gunda Herberth. Ihre in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlichte Studie ist Teil der so genannten LiNA-Studie, in der sensible Entwicklungsphasen des Kindes untersucht werden mit Fokus auf Lebensstil, Umweltbelastungen und dem späteren Auftreten von Allergien und Atemwegserkrankungen.

Im Blut von Neugeborenen (Nabelschnurblut) und Kindern im ersten Lebensjahr fahndeten Herberth und ihre Kollegen nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Stoffwechselprodukten und Immunparametern – und wurden fündig: War die Konzentration bestimmter Zucker – so genannter Hexosen – im Blut erhöht, war auch die Konzentration entzündlicher Immunparameter erhöht.

Eine hohe Konzentration anderer Stoffwechselprodukte, etwa Eiweißbausteine (Aminosäuren) oder Abbauprodukte von bestimmten Fetten, hemmte dagegen die Entstehung entzündlicher Parameter.

„Erhöhte Zuckerkonzentrationen im Blut führen also tatsächlich bereits bei Neugeborenen zur Entwicklung einer entzündlichen Immunantwort. Und die wiederum steht in einem direkten Zusammenhang mit der Entstehung von Atemwegserkrankungen im frühen Kindesalter“, erklärt Herberth. Den Befund ihrer epidemiologischen Untersuchung konnten die Forscher in in-vitro-Versuchen erhärten: In Zellkulturen zeigten Immunzellen, die Hexosen ausgesetzt waren, erhöhte Konzentrationen von Entzündungsparametern und solche, die Aminosäuren ausgesetzt waren, hemmten die Produktion entzündlicher Komponenten. Herberth: „Da bestimmte Aminosäuren offensichtlich auch vor Entzündungen schützen können, vermuten wir, dass maßgeblich das Verhältnis zwischen den Stoffwechselprodukten für die Entstehung entzündlicher Prozesse verantwortlich ist.“

In weiteren Untersuchungen wollen die UFZ-Forscher daher herausfinden, wie es überhaupt zu einer Verschiebung der Konzentration von Stoffwechselprodukten im Blut kommt: „Neben der Ernährung spielen sicherlich auch Umweltschadstoffe eine entscheidende Rolle“, sagt Herberth. „Wir wissen, dass beispielsweise Weichmacher in unseren Stoffwechsel eingreifen. Wie und wo genau sie unsere Stoffwechselwege verändern können – und das je nach Ausprägung mit weitreichenden Folgen – wird im Fokus unserer zukünftigen Forschung stehen.“

Publikation:
Endogenous metabolites and inflammasome activity in early childhood and links to respiratory diseases
Gunda Herberth, Kirsten Offenberg, Ulrike Rolle-Kampczyk, Mario Bauer, Wolfgang Otto, Stefan Röder, Konrad Grützmann, Ulrich Sack, Jan-Christoph Simon, Michael Borte, Martin von Bergen, Irina Lehmann, for the LINA Study Group
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2015.01.022

Die Untersuchungen der LiNA-Studie wurden von der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Dr. Gunda Herberth, Dr. Irina Lehmann
Department Umweltimmunologie
Telefon: +49-(0)341-235-1547, gunda.herberth@ufz.de
oder über:
Tilo Arnhold, Susanne Hufe
Telefon: +49-(0)341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Weiterführende Links:
Schwerpunktthema „Allergien durch Chemikalien“: http://www.ufz.de/index.php?de=31549
LiNA-Studie (Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluss auf das Neugeborenen- Allergierisiko): http://www.ufz.de/index.php?de=10309
Umwelt- und Lebensstilfaktoren & Immunregulation
http://www.ufz.de/index.php?de=20052



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Hustensaft hilft Diabetikern

Medizin am Abend Fazit: Veröffentlichung in Nature Medicine: Hustensaft hilft Diabetikern

Dextromethorphan, ein Wirkstoff in vielen rezeptfreien hustenstillenden Medikamenten, verbessert den Blutzucker bei Patienten mit Typ2-Diabetes. Dies haben Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) in Zusammenarbeit mit dem Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH bei Untersuchungen von Mäusen und Menschen herausgefunden. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie in der Online-Publikation der Zeitschrift Nature Medicine. 
 
Das Hormon Insulin ist entscheidend für den Zuckerstoffwechsel im Körper: Fehlt es an Insulin, kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckers. Eine Überzuckerung des Blutes kann zu einem lebensbedrohlichen Zuckerschock oder langfristig zur Schädigung vieler Organe führen. Diabetes-Patienten sind häufig darauf angewiesen, mit Medikamenten die Insulinproduktion anzuregen. Im weiteren Krankheitsverlauf müssen viele von ihnen mehrmals täglich den Blutzuckerspiegel kontrollieren und diesen – entsprechend ihrer Nahrungsaufnahme – durch Spritzen von Insulin regeln.

In der Publikation in Nature Medicine zeigen die Düsseldorfer Wissenschaftler zusammen mit Kooperationspartnern, dass der Wirkstoff Dextromethorphan die sogenannten Betazellen in der Bauchspeicheldrüse dazu anregt, bei erhöhtem Blutzuckerspiegel mehr Insulin abzugeben. Hierdurch wird bei den Probanden der Blutzuckerspiegel verbessert, insbesondere werden Spitzen in der Blutzuckerkonzentration verringert.

Die Experimente weisen darauf hin, dass Dextromethorphan die Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse stärkt und sie möglicherweise vor einem Zelltod schützt. Dies könnte die Lage der Patienten langfristig verbessern: Denn häufig verschlechtert sich der Diabetes im Laufe der Zeit, weil Betazellen zunehmend weniger Insulin abgeben oder ganz absterben.

Auch Typ1-Diabetiker – bei denen die Betazellen durch eine Autoimmunreaktion sterben – können profitieren. Prof. Dr. Eckhard Lammert, Leiter des Instituts für Stoffwechselphysiologie der HHU, dazu: „Wir werden längerfristig unter ärztlicher Aufsicht untersuchen, ob die Gabe von Dextro-methorphan bei Typ1-Diabetikern während der Frühphase der Erkrankung eine Insulinfreiheit herbeiführen kann.“

Die vorgestellte Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Institut für Stoff-wechselphysiologie der HHU und des UKD mit dem Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf, dem Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH in Neuss, den MLM Medical Labs GmbH in Mönchengladbach sowie aus-ländischen Laboratorien.

Originalpublikation
Jan Marquardt, Silke Otter, Alena Welters, Alin Stirban, Annelie Fischer, Jan Eglinger, Diran Herebian, Olaf Kletke, Masa Skelin Klemen, Andraz Stozer, Stephan Wnendt, Lorenzo Piemonti, Martin Köhler, Jorge Ferrer, Bernard Thorens, Freimut Schliess, Marjan Slak Rupnik, Tim Heise, Per-Olof Bergg-ren, Nikolaj Klöcker, Thomas Meissner, Ertan Mayatepek, Daniel Eberhard, Martin Kragl & Eckhard Lammert, „Characterization of pancreatic NMDA re-ceptors as possible drug targets for diabetes treatment“

Online: DOI: 10.1038/nm.3822

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Eckhard Lammert
Institut für Stoffwechselphysiologie
Telefon: +49 (0)211 81 14990
E-Mail: lammert@hhu.de  
Dr.rer.nat. Arne Claussen Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf