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Fleischverzehr

Medizin am Abend Fazit:   Fleischverzehr unter der Lupe - Neue Auswertungsergebnisse der NVSII

Im Rahmen des 52. Wissenschaftlichen Kongress‘ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) präsentierten Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts (MRI) neue Auswertungsergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. Die Wissenschaftler haben den Fleischverzehr und die Faktoren, die den Fleischverzehr beeinflussen, genauer betrachtet – von einer Ernährung ohne Fleisch bis hin zum Verzehr einzelner Fleischarten. 
 
Wer verzehrt wie viel und welches Fleisch? Und kompensieren Personen, die kein Fleisch essen, dies mit anderen tierischen Produkten? Diese und andere Fragen untersuchen die Wissenschaftler anhand von Daten der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II). Der Lebensmittelverzehr wurde dabei mit der 24h-Recall-Methode erfasst, bei der 12.915 Teilnehmer an zwei Tagen detaillierte Auskunft über den Verzehr der letzten 24 Stunden gaben.

Es zeigt sich, dass Personen, die kein Fleisch essen häufiger eine hohe Schulbildung aufweisen und jünger sind als Personen, die nicht vegetarisch leben. Vegetarier ernähren sich insgesamt anders: Sie essen mehr pflanzliche Lebensmittel, darunter auch Produkte, die aus Soja hergestellt werden. Tierische Produkte wie Eier, Käse und andere Milchprodukte hingegen werden in vergleichbarer Menge verzehrt und somit nicht als Ersatz für Fleisch genutzt.

Wer Fleisch isst, isst davon in vielen Fällen reichlich: Insgesamt überschreiten 74 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen die DGE-Empfehlungen zum Fleischverzehr. Menschen, die viel Fleisch verzehren, essen insgesamt typischerweise kalorienreich und sind nicht selten stark übergewichtig. Aber auch die Jüngeren im Alter von 18 bis 34 Jahren essen im Vergleich mit den Älteren von 65 bis 80 Jahren mehr Fleisch. Nicht zuletzt kommt in Mehrpersonenhaushalten mehr Fleisch auf den Tisch als in Single-Haushalten. Weniger Fleisch essen Frauen und Personen mit einer hohen Schulbildung.

Besonders beliebt ist Schweinefleisch, dessen Anteil knapp die Hälfte des Verzehrs von Fleisch und Fleischerzeugnissen beträgt. Mit etwa einem Fünftel liegt der Anteil des Geflügelfleisches höher als der von Rind- und Kalbfleisch.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Dr. Iris Lehmann
Leiterin
Telefon: (0721) 6625 - 271
Fax: (0721) 6625 - 111
iris.lehmann@mri.bund.de

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte http://www.mri.bund.de

Geflügelfleich - Antibiotikaresistenzen auf Bakterien

Medizin am Abend Fazit:   Phagen übertragen Antibiotikaresistenzen auf Bakterien – Nachweis auf Geflügelfleisch

Bakterien entwickeln immer häufiger Resistenzen gegenüber Antibiotika. Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür, wie diese Resistenzen in die Bakterien gelangen. Forschende der Vetmeduni Vienna fanden sogenannte Phagen auf Geflügelfleisch, die Antibiotikaresistenzen auf Bakterien übertragen können. Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren können. Für Menschen sind sie unschädlich. Phagen könnten laut Studie jedoch zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Lebensmittelproduktion sondern auch für die Medizin von Bedeutung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht. 

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Bakteriophagen.
Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Bakteriophagen.
Foto: Szostak/Dinhopl/Vetmeduni Vienna
 
Antibiotikaresistente Bakterien stellen weltweit ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar. Gängige Antibiotika sind bei der Behandlung von Infektionskrankheiten häufig unwirksam, weil sich die Krankheitskeime sogenannte Resistenzgene aneignen konnten. Die Übertragung dieser Antibiotika-Resistenzgene kann auf unterschiedliche Weise stattfinden.

„Am häufigsten ist die Übertragung durch mobile genetische Elemente wie Plasmide, das sind ringförmige DNA-Elemente, die Bakterien untereinander austauschen können, oder über Transposons, sogenannte springende Gene“, erklärt die Autorin Friederike Hilbert vom Institut für Fleischhygiene an der Vetmeduni Vienna. „Der Resistenzübertragung durch Phagen wurde bisher wenig Bedeutung zugeschrieben.“

Hilbert und ihre KollegInnen isolierten Phagen aus 50 Hühnerfleischproben, die im österreichischen Handel gekauft wurden. In 49 Proben wurden Phagen nachgewiesen. Phagen kommen überall dort vor, wo es Bakterien gibt. Deshalb war der Fund an sich nicht unerwartet. „Grundsätzlich stellen Phagen kein Problem für uns Menschen dar, weil sie nur Bakterien infizieren können, jedoch keine anderen Zellen oder Lebewesen.“

Die Analyse der Phagen zeigte, dass ein Viertel der untersuchten Phagen in der Lage war Antibiotikaresistenzen unter Laborbedingungen auf E. coli Bakterien zu übertragen. Dabei wurden Resistenzen gegenüber Kanamycin, Tetrazyklin, Ampicillin, und Chloramphenicol übertragen. Kein Phage war in der Lage, eine Extended-Spectrum-Betalaktam Resistenz (ESBL) zu übertragen.

„Dieser Mechanismus könnte auch für die Humanmedizin in Krankenhäusern eine wichtige Rolle spielen, da sich dort häufig multi-resistente Keime befinden. Wir gehen davon aus, dass Phagen die Resistenzgene von bereits resistenten Bakterien in sich aufnehmen und dann wiederum auf andere Bakterien übertragen“, so Hilbert. „Unsere Ergebnisse könnten in einigen Fällen erklären, wie sich Resistenzen auch in einer natürlichen Umgebung zwischen Bakterien übertragen.“

Phagen als Treiber der Evolution

Dass Phagen Gene übertragen können, war bisher zwar bekannt, galt allerdings für Resistenzgene als eher selten. Neuere DNA-Analysen verschiedener Bakterien-DNAs zeigen allerdings, dass Phagen ihre Spuren im Genom der Bakterien hinterlassen und dass dieser Übertragungsweg wohl häufiger ist. Daher spielen Phagen eine wichtige Rolle in der Evolution der Bakterien.

Phagen sind widerstandsfähiger als Bakterien

Im Vergleich zu Bakterien sind Phagen wesentlich robuster gegenüber Desinfektionsmitteln. Vor allem Alkohol wirkt gegen Phagen kaum. „Gängige Desinfektionsmethoden sind gegen Phagen oft ungeeignet“, betont Hilbert. Bei Hygienemaßnahmen in Lebensmittelbetrieben, aber auch in Krankenhäusern werden Desinfektionsmittel gewählt, die gegen Bakterien aktiv sind, aber möglichweise nicht gegen Phagen wirken.

Phagen-Therapie als Alternative gegen resistente Bakterien

Seit einigen Jahren gilt die Behandlung von bakteriellen Infektionen mit Phagen als vielversprechende neue Alternative im Kampf gegen antibiotikaresistente Keime. Hierbei werden Phagen dazu verwendet, Bakterien zu bekämpfen. Das hilft vor allem dann, wenn Antibiotika nicht mehr wirksam sind. Hilbert empfiehlt hier: „Phagen, die für die Therapie verwendet werden sollen, müssten auf jeden Fall auf ihre Fähigkeit, Resistenzgene zu übertragen, geprüft werden. Ansonsten könnte die Kombination von Phagen und multiresistenten Keimen einen gefährlichen Cocktail ergeben.“

Service:

Der Artikel „Bacteriophages isolated from chicken meat and the horizontal transfer of antimicrobial resistance genes” von Amira Shousha, Nattakarn Awaiwanont, Dmitrij Sofka, Frans J.M. Smulders, Peter Paulsen, Michael P. Szostak, Tom Humphrey und Friederike Hilbert wurde in Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht. doi: 10.1128/AEM.00872-15
http://aem.asm.org/content/early/2015/04/27/AEM.00872-15.long

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at


Medizin am Abend DirektKontakt:

Ao.Univ.-Prof. Friederike Hilbert
Institut für Fleischhygiene
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-3316
friederike.hilbert@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

MRSA - Killerprotein: Krankenhauskeim: prophylaktische Behandlung der Nasenbesiedlung www.hyglos.com

Medizin am Abend Fazit:  Neuer Wirkstoff gegen gefürchtete Krankenhauskeime

Hintergrundlink:

 

http://www.dw.de/t%C3%B6dliche-gefahr-resistente-keime-im-krankenhaus/av-18487107


Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) schließen sich Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Münster und München zusammen und bereiten gemeinsam mit der Firma Hyglos die klinische Prüfung eines Wirkstoffs gegen den gefürchteten Krankenhauskeim Staphylococcus aureus vor: Die prophylaktische Behandlung der Nasenbesiedlung könnte einer Ausbreitung insbesondere Methicillin-resistenter Erreger (MRSA) in Kliniken entgegenwirken und Infektionen beim Patienten verhindern. 

Krankenhauskeime können auch bei Operationen zum Problem werden
Krankenhauskeime können auch bei Operationen zum Problem werden
Pfree 2014
 
Jeder Dritte, so Schätzungen von Experten, beherbergt das Bakterium Staphylococcus aureus in seiner Nase - was im normalen Leben ungefährlich ist, wird bei einem Krankenhausaufenthalt schnell zum Problem.

Denn die Erreger können zum Beispiel im Zusammenhang mit Operationen in Wunden gelangen und gefährliche Infektionen auslösen. Hinzu kommt die Gefahr einer Ausbreitung des Erregers als Krankenhauskeim. Besonders gefürchtet sind die sog. Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Keime, abgekürzt MRSA, denn sie sind unempfindlich gegen viele der gebräuchlichen Antibiotika.


„Eine schnelle Erkennung und wirksame Beseitigung einer MRSA-Besiedlung der Nase vor einem Krankenhausaufenthalt ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen diese Krankenhauskeime“, so die Überzeugung von Prof. Dr. Karsten Becker von der Universität Münster.  

Gegen das derzeit in Kliniken gebräuchliche Antibiotikum Mupirocin sind die Bakterien in der Nase zunehmend unempfindlich, und die Dauer einer „Sanierung“ und einer Kontrolle ihres Erfolgs liegt bei etwa einer Woche. 

Für Patienten, die schnell operiert werden müssen, ist damit keine wirksame MRSA-Vorsorge möglich.


Gemeinsam mit der Hyglos GmbH in Bernried und mit Förderung des BMBF haben die Wissenschaftler am Uniklinikum Münster in den letzten Jahren einen Wirkstoff der besonderen Art entwickelt und seine Wirkung untersucht:

Ein Phagenlysin, das heißt ein Protein aus Viren, die Bakterien befallen, greift spezifisch Staphylococcus aureus-Zellen an und löst sie auf. 

Das Protein wurde künstlich hergestellt und als „Designer-Protein“ unter dem Arbeitsnamen HY-133 optimiert. „Wir sprechen allerdings gern vom MRSA-Killerprotein, auch wenn das etwas reißerisch klingt“, erklärt Dr. Wolfgang Mutter von der Hyglos GmbH.

Denn tatsächlich würden alle Staphylococcus aureus-Zellen, ob resistent oder nicht resistent, von dieser Substanz innerhalb kürzester Zeit getötet. Und das, ohne die natürliche Mikroflora in der Nase zu zerstören oder eine Resistenzbildung zu fördern.


In Kooperation mit dem Mikrobiologen Prof. Dr. Andreas Peschel, der im DZIF den Forschungsbereich „Krankenhauskeime und antibiotikaresistente Bakterien“ koordiniert, soll die Substanz nun für die klinische Prüfung vorbereitet werden.

Mehr als 1,5 Millionen Euro werden dafür im DZIF bereitgestellt: Damit soll zunächst die Substanz nach GMP-Richtlinien (Herstellungspraxis nach pharmazeutischen Standards) hergestellt werden, um anschließend in einer präklinischen Prüfung toxikologisch getestet zu werden. Der Pharmazeut Prof. Dr. Gerhard Winter von der LMU München entwickelt eine stabile Formulierung, damit der Wirkstoff als Gel oder in einer anderen Form bequem und sicher verabreicht werden kann.

Das Projekt dient der Vorbereitung nachfolgender klinischer Studien, in denen die schnelle Sanierung von Staphylococcus aureus-Stämmen in der Nasenflora von Freiwilligen untersucht wird. „Neben neuen Antibiotika und Impfstoffen brauchen wir dringend spezifische Wirkstoffe zur Sanierung von Problemkeimen.

Das HY-133-Protein ist ein hoch innovativer Wirkstoff für diesen Zweck, der viele ähnliche Entwicklungsprogramme anstoßen könnte“, erklärt Prof. Dr. Andreas Peschel dazu.

Dass die Bekämpfung resistenter Krankenhauskeime auch auf politischer Ebene sehr ernst genommen wird, zeigt sich in der kommenden Woche: Auf dem G7-Gipfel in Elmau steht das Thema Antibiotika-Resistenzen auf der Tagesordnung.



Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Andreas Peschel
Universität Tübingen
DZIF-Koordinator „Krankenhauskeime und antibiotikaresistente Bakterien“
T +49 7071-29-81515
E-Mail: Andreas.Peschel@med.uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Karsten Becker
Universitätsklinikum Münster
T +49(0) 251-83-55375
E-Mail: kbecker@uni-muenster.de

Prof. Dr. Gerhard Winter
Ludwig-Maximilians-Universität München
T +49(0) 89-2180-77022
E-Mail: gerhard.winter@cup.uni-muenchen.de

Dr. Wolfgang Mutter
Hyglos GmbH, Bernried am Starnberger See
T +49(0)8158-9060-201
E-Mail: wolfgang.mutter@hyglos.de

Karola Neubert und Janna Schmidt
T +49531-6181-1170/1154 Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
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Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 300 Wissenschaftler aus 32 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Einer der Schwerpunkte ist die Forschung zu Krankenhauskeimen und antibiotikaresistenten Bakterien. Das DZIF wird vom BMBF gefördert. Mehr Informationen finden Sie unter www.dzif.de.

Universität Tübingen - Infektions- und Mikrobiologie bildet einen bedeutenden Forschungsschwerpunkt an der Universität Tübingen, vor allem im Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin (IMIT). Die Erforschung von Staphylokokken, das sind Bakterien, die sehr häufig Antibiotikaresistenzen entwickeln und Infektionen im Krankenhaus auslösen, ist besonders im Fokus der IMIT-Forscher. www.uni-tuebingen.de

Universitätsklinikum Münster steht für Spitzenmedizin in der deutschen Kran-kenhauslandschaft sowie Forschung auf höchstem internationalem Niveau. Wichtige Forschungsschwerpunkte des UKM-Instituts für Medizinische Mikrobiologie sind Staphylokokken - Erreger und Infektionen - sowie Diagnostik, Typisierung, Charakterisierung und Resistenzbestimmung von Mikroorganismen. www.klinikum.uni-muenster.de

Ludwig-Maximilians-Universität München, Department Pharmazie - Die Entwicklung stabiler Formulierungen für Proteinarzneimittel sowie die Verabreichung neuer Biotech-Arzneimittel in Depot-Formen oder ihre lokale Applikation sind Arbeitsschwerpunkte in der Pharmazeutischen Technologie an der LMU. Nur mit geeigneten Zubereitungsformen wird es am Ende möglich sein, empfindliche Sub-stanzen wie die neuen Phagenlysine erfolgreich anzuwenden. www.uni-muenchen.de

Hyglos GmbH ist ein Biotechnologieunternehmen mit Sitz im Biotechnologie Zent-rum Bernried südlich von München. Mit der firmeneigenen Technologie entwickeln die Hyglos-Wissenschaftler hochspezifische Bakteriophagen-basierte Wirkstoffe zum Nachweis und zur Beseitigung von schädlichen Bakterien und bakteriellen Giftstoffen. Hyglos wurde u.a. der IAFP Innovation Award für derartige technologische Fortschritte verliehen. www.hyglos.com

Akutes Nierenversagen - ischämische Präkonditionierung (IPC)

Medizin am Abend Fazit:  Herz und Nieren: "Selbstverteidigung" verhindert OP-Komplikationen

Akutes Nierenversagen ist eine der häufigsten Komplikationen bei Herzoperationen – die Nieren funktionieren nur eingeschränkt und können Giftstoffe nur noch unzureichend ausscheiden. Ein internationales Team um den münsterschen Anästhesiologie-Professor Dr. Alexander Zarbock brachte die Nieren dazu, sich selbst zu "verteidigen", und senkte die Komplikationswahrscheinlichkeit damit deutlich. 


Prof. Alexander Zarbock
Prof. Alexander Zarbock Foto: privat

 
Herz-OPs gefährden die Nieren: Operationen am offenen Herzen können zu akutem Nierenversagen führen, einen wirksamen Schutz dagegen gibt es bisher nicht. Ein internationales Team um den münsterschen Anästhesiologie-Professor Dr. Alexander Zarbock brachte die Nieren mit einem Trick dazu, sich selbst zu verteidigen. Die Ergebnisse der Studie sind am Freitag (29. Mai) in der amerikanischen Fachzeitschrift JAMA (The Journal of the American Medical Association) veröffentlicht worden.

Das Blut der Patienten muss häufig durch eine Dialyse künstlich gereinigt werden, im schlimmsten Fall führt das Versagen der Nieren zum Tod. Zarbock und seine Kollegen senkten die Komplikationswahrscheinlichkeit nun deutlich, indem sie die Nieren vorwarnten.

"Der Trick ist einfach“, erläutert Zarbock: "Wir täuschen dem Körper eine Verletzung vor, indem wir eine Arterie im Arm des Patienten für wenige Minuten abbinden. Dadurch kann kein Blut mehr in den Unterarm fließen, der Körper schüttet verschiedene Botenstoffe in den Blutkreislauf aus. Die Nieren filtern diese Moleküle heraus, erkennen sie als Alarmsignale für Schäden im Körper und fahren ihre Abwehr hoch.“

Das Verfahren – als ischämische Präkonditionierung (IPC) bekannt – hat sich in einigen Studien bereits bewährt, um Schäden am Herzen bei koronarer Herzkrankheit vorzubeugen.

In der aktuellen Studie fand das Team einige Signale, mit denen sich Nierenzellen gegenseitig vor Verletzungen warnen, so Zarbock, der als Oberarzt in der münsterschen Uniklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin arbeitet und eine Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft innehat. "Wir konnten im Urin der vorbehandelten Patienten die Biomarker TIMP2 und IGFBP7 nachweisen.


Diese Proteine signalisieren normalerweise, dass die Nieren gestresst sind und nicht richtig funktionieren – in diesem Fall schützten sie allerdings vor Folgeschäden.“

"Das System funktioniert ähnlich wie ein Feuermelder“, erläutert Ko-Autor Dr. John Kellum, Direktor des Zentrums für intensivmedizinische Nephrologie (Nierenheilkunde) der University of Pittsburgh (Pennsylvania/USA): "Feuermelder werden angebracht, um Gebäude und Bewohner zu schützen. Wenn ein Melder schrillt, zeigt das zwar eine gefährliche Lage an – der Alarm selbst wirkt aber positiv. Wir haben es geschafft, ihn auszulösen, bevor das Feuer ausbricht.“

Insgesamt betrachteten die Forscher 240 Herz-OP-Patienten mit hohem Komplikationsrisiko, in Münster, Tübingen, Freiburg und Bochum. 38 Prozent der Patienten, deren Nieren vor der Herzoperation auf Verletzungen vorbereitet worden waren, erlitten akutes Nierenversagen; bei den nicht vorbehandelten Patienten waren es 53 Prozent.  

Die IPC-Patienten verbrachten durchschnittlich einen Tag weniger auf der Intensivstation, nur sechs Prozent von ihnen waren nach der Operation auf eine Dialyse angewiesen – gegenüber 16 Prozent der unvorbehandelten Patienten. 

Ob die Sterblichkeit nach Herzoperationen durch IPC verringert werden kann, können die Forscher aufgrund der Studiengröße noch nicht sagen.

"Diese Studie zeigt gleich mehrere hilfreiche Dinge“, so Kellum: "Einen neuen Behandlungsansatz für eine gefährliche Krankheit, neue Tests zur Beurteilung der Behandlungseffizienz und Erkenntnisse zu den Ursachen der Krankheit. Selten bringt eine einzige Studie so viel.“

Originalliteratur:

Zarbock A. et al.: Effect of Remote Ischemic Preconditioning on Kidney Injury Among High-Risk Patients Undergoing Cardiac Surgery: Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online May 29, 2015. doi:10.1001/jama.2015.4189

Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Thomas Bauer
Referent für Forschung und Lehre
Medizinische Fakultät, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Telefon: 0251-83-58937
E-Mail: thbauer@uni-muenster.de

Dr. Christina Heimken Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Telefon: 0251/8322115
Fax: 0251/8322258
E-Mail-Adresse: christina.heimken@uni-muenster.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2299339 Originalartikel

Rezeptorenfund: Körpereigenes Peptid blockiert Viren-Eintrittspforte

Medizin am Abend Fazit:  HIV-Hemmstoff mit vielfältigen Wirkungen auf Krebs- und Immunkrankheiten entdeckt

Körpereigenes Peptid blockiert Viren-Eintrittspforte und wichtigen Signalweg bei Krebs und Entzündungen

Professor Wolf-Georg Forsmann 
 Professor Wolf-Georg Forsmann MHH/ Karin Kaiser
 
Gemeinsam mit Forschern der Universität Ulm ist es der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Dr. Wolf-Georg Forssmann von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gelungen, ein körpereigenes Peptid zu finden, das die Infektion mit einem Subtypen von HIV-1 verhindert. Es bindet an den Rezeptor CXCR4 auf der Zelloberfläche.

Dieses Forschungsergebnis könnte die HIV-Therapie verbessern, aber auch die Behandlung von Krebserkrankungen, chronischen Entzündungen oder Asthma.  

Die Erkenntnisse, an denen auch zahlreiche weitere Arbeitsgruppen beteiligt waren, veröffentlichte die Fachzeitschrift Cell Reports.

Die Peptidbank von Professor Forssmann, dessen Arbeitsgruppe zur MHH-Klinik für Immunologie und Rheumatologie gehört, enthält Peptide des menschlichen Blutes, die aus tausenden Litern Hämofiltrat stammen – einem Abfallprodukt der Blutwäsche. Darin befand sich das nun entdeckte Peptid. Der Zellrezeptor CXCR4, an den es bindet, beeinflusst wichtige Prozesse im menschlichen Körper – beispielsweise die Organentwicklung, die Immunantwort und die Blutbildung. Zudem ist er wichtig für die Einschleusung des AIDS-Erregers in die Immunzellen und somit ein Angriffspunkt für Wirkstoffe. „Ein derartig wichtiges Molekül ist seit langem nicht entdeckt worden: Die weitere Forschung kann ganz schnell zu Anwendungen und Fortschritten auf den Gebieten der Stammzelltherapie, der Immunerkrankungen sowie der malignen Tumoren führen“, sagt Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der MHH-Klinik für Immunologie und Rheumatologie.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Protein EPI-X4 ein Abbauprodukt des Eiweißmoleküls Albumin ist, dem häufigsten Protein im menschlichen Körper.

Es könnte für die AIDS-Therapie bedeutsam sein. Zudem ermöglicht sein Auffinden, den Rezeptor gezielt auszuschalten, an den es bindet. Dieser spielt bei Krebs, chronischen Entzündungen, Herzkreislauferkrankungen und Immunschwäche eine Rolle.

Das Protein eignet sich möglicherweise auch als Biomarker, so dass es bei der Diagnose helfen könnte, beispielsweise bei entzündlichen Nierenerkrankungen.

Bei der Firma Pharis Biotec GmbH, die mit der MHH zusammenarbeitet, ist bereits die Synthese des Wirkstoffes soweit entwickelt, dass er in zahlreichen Varianten und in größeren Dimensionen hergestellt werden kann.




Medizin am Abend DirektKontakt

Hella Mainitz unter Telefon (0511) 5466431, hmainitz@pharis.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Placeboeffekte bei Altersdepressionen

Medizin am Abend Fazit:  -- unabhängig vom Schweregrad

Ältere Menschen mit einer depressiven Störung sprechen bei einer Behandlung mit Medikamenten stark auf Placebo an. Der Schweregrad ihrer Depression hat dabei keinen Einfluss – ganz im Unterschied zu Patienten im Erwachsenenalter. Das zeigt eine Meta-Analyse verschiedener Studien mit über 5700 Patienten, die Forschende der Universität Basel mit internationalen Kollegen im Fachmagazin «Journal of Affective Disorders» veröffentlicht haben. 
 
Die Altersdepression ist die meistverbreitete psychische Störung bei älteren Menschen. Sie hat einen stark negativen Einfluss auf die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit sowie den Verlauf von körperlichen Erkrankungen.

Richtlinien zur Behandlung empfehlen neben psychotherapeutischen Interventionen neuere Antidepressiva.

Bei Erwachsenen lassen sich laut bisherigen Studien gewisse Vorteile der Antidepressiva gegenüber Placebobehandlungen nachweisen. Die Effekte sind aber moderat und werden von der Schwere der ursprünglichen depressiven Symptomatik bestimmt: Stark depressive Erwachsene sprechen stärker auf Medikamente im Vergleich zum Placebo an. Wie sich nun bei älteren Patienten der Schweregrad der Depression auf die Placeboeffekte auswirkt, haben nun Cosima Locher MSc, Dr. Joe Kossowsky und Prof. Jens Gaab von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel erforscht.
Psychosoziale Unterstützung wichtig

Zusammen mit Kollegen der Harvard Medical School analysierten sie die Daten von 19 Studien, die insgesamt 5’737 ältere Menschen ab 55 Jahren untersucht hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass hier bei der Behandlung grosse und klinische bedeutsame Placeboeffekte beobachtet werden können. Diese sind bei der Altersdepression nicht vom ursprünglichen Schweregrad der Depression abhängig.

Die Autoren gehen aufgrund ihrer Analyse davon aus, dass bei einer medikamentösen Behandlung von altersdepressiven Patienten vor allem die psychosoziale Unterstützung einen hohen Anteil des Placeboeffekts erklärt – und damit auch der Behandlungsreaktion. «Diese Erkenntnis ist besonders wichtig für die Behandlung älterer Personen mit depressiven Störungen.

Bedeutsam sind hier nämlich die persönliche Zuwendung und die subjektive Plausibilität der Behandlung – und zwar unabhängig vom Schwergrad der Depression, wie wir fanden», sagt Mitautor Prof. Jens Gaab.

Originalbeitrag

Locher, C., Kossowsky, J., Gaab, J., Kirsch, I., Bain, P., & Krummenacher, P. (2015)
Moderation of antidepressant and placebo outcomes by baseline severity in late-life depression: A systematic review and meta-analysis.
Journal of Affective Disorders, 181, 50-60. doi: 10.1016/j.jad.2015.03.062

Medizin am Abend DirektKontakt:

Cosima Locher MSc, Fakultät für Psychologie der Universität Basel, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tel. +41 61 267 03 85, E-Mail: cosima.locher@unibas.ch
lic. phil. Christoph Dieffenbacher Universität Basel

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25917293 - Abstract

Geringere Sauerstoffkonzentration - weniger Lungenkrebs?

Medizin am Abend Fazit:   Weniger Lungenkrebs in den Bergen / Wissenschaftler machen die geringere Sauerstoffkonzentration dafür verantwortlich

Menschen, die in großen Höhen leben, erkranken seltener an Lungenkrebs, berichtet die "Apotheken Umschau" unter Berufung auf Wissenschaftler der Universitäten von Pennsylvania und Kalifornien (USA).

Der Grund sei der niedrigere Gehalt an atmosphärischem Sauerstoff, der ihrer Ansicht nach als Krebsverursacher gilt. Im Durchschnitt erkrankten in den untersuchten US-Bezirken 57 von 100000 Einwohnern an Lungenkrebs. Je 1000 Meter Höhe geht die Zahl der Neuerkrankungen um 7,23 pro 100000 Einwohner zurück.


Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 5/2015 A liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.


Medizin am Abend DirektKontakt

Ruth Pirhalla Tel. 089 / 744 33 123 Fax 089 / 744 33 459 E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de www.wortundbildverlag.de www.apotheken-umschau.de

Prostatakrebs: Nebenwirkungen - Aufklärung zur Lebensqualität

Medizin am Abend Fazit:  Behandlung bei Prostatakrebs: Radioonkologen empfehlen, über Nebenwirkungen intensiv aufzuklären

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 64 500 Männer an Prostatakrebs. Der Krebs der Vorsteherdrüse ist damit die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern. Inkontinenz und andere Blasenstörungen gehören für diese Patienten zu den schlimmsten Folgen der Behandlung. Dies kam in einer Studie heraus, die die Lebensqualität mithilfe von Tests aus der ökonomischen Spieltheorie untersucht hat. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Strahlentherapie gegenüber der Operation Vorteile bringt. Es kommt seltener zu Komplikationen an den Harnwegen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). 
 
Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs gibt es drei Behandlungsoptionen: 

Bei einer Operation wird die gesamte Prostata entfernt. Da zusammen mit der Prostata auch Teile der Harnröhre und Nerven zur Steuerung der Blasenfunktion verloren gehen können, sind Harnwegskomplikationen als Folge möglich. Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim, erläutert: „In leichten Fällen ist dies eine Inkontinenz, also die fehlende Kontrolle über das Wasserlassen. In schweren Fällen kann es zu Schmerzen oder zu einer Blockade der Harnwege kommen.“

Durch eine US-amerikanische Studie zu Langzeitfolgen nach Prostatakrebstherapie aus dem Jahr 2013 weiß man, dass diese Komplikationen nach einer Strahlentherapie seltener auftreten als nach der Operation. Dies gilt sowohl für die Abtötung der Krebszellen durch eine Bestrahlung von außen (externe Strahlentherapie) als auch durch Einlage von schwach strahlenden, kleinen Jod-Stäbchen („Seeds“) in die Prostata (Brachytherapie).

Ein Team um Montse Ferrer vom Hospital del Mar Research Institute in Barcelona hat nun das Thema Nebenwirkungen und Lebensqualität bei 580 Patienten, deren Prostatakrebs durch eine Operation, eine externe Strahlentherapie oder mit Brachytherapie behandelt wurde, mit Hilfe von Tests aus der ökonomischen Spieltheorie untersucht. Im ersten Test, dem „Time-Trade-Off“, wurden die Patienten nach der Behandlung gefragt, wie viele Jahre ihres Lebens sie dafür eintauschen würden, wenn sie die Nebenwirkungen der Therapie nicht länger ertragen müssten. Am ehesten waren dazu die operierten Patienten bereit, denen ein Leben ohne Operationsfolgen fünf Prozent der restlichen Lebenszeit wert war. 

Nach einer Brachytherapie waren die Patienten nur zu einer Verkürzung der Lebenszeit um drei Prozent bereit. Im zweiten Test sollten die Patienten angeben, welchen Anteil eines fiktiven Monatseinkommens von 1000 Euro sie für eine Beschwerdefreiheit bezahlen würden. Die operierten Patienten gaben im Durchschnitt an, 47 Euro zu zahlen, während die Patienten, die eine Brachytherapie erhalten hatten, 16 Euro weniger auszugeben bereit waren. Die extern bestrahlten Patienten gaben 30 Euro als Summe an. Im dritten Test wurde den Patienten eine fiktive Therapie angeboten, die die Komplikationen beseitigt, dafür aber mit einem Sterberisiko verbunden war. Patienten mit Komplikationen waren hier bereit, ein deutlich höheres Risiko einzugehen.

Patienten mit ausgeprägten Harnwegssymptomen nach der Operation wären eher bereit, Geld oder Lebenszeit zu investieren oder sogar ein Lebensrisiko einzugehen, um von ihren Beschwerden befreit zu werden, als diejenigen, die durch eine der beiden Formen der Strahlentherapie behandelt worden waren. 

Störungen der Darmkontrolle und der Sexualfunktion wurden dagegen von allen Patienten eher akzeptiert.

„Es ist bekannt, dass Harnwegskomplikationen nach der Operation häufiger auftreten können als nach einer externen Bestrahlung oder einer Brachytherapie“, erläutert DEGRO-Sprecher Wenz. „Die jetzige Studie zeige, dass Inkontinenz und Harnverhalt sehr stark auf die Lebensqualität einwirken und von vielen Patienten als sehr belastend empfunden werden.

Vor Beginn der Behandlung sollten Patienten daher genau über mögliche Komplikationen und deren Auswirkung auf die Lebensqualität der jeweiligen Behandlungsmethode informiert werden, rät der Radioonkologe.


Literatur:
Ávila M, Becerra V, Guedea F, Suárez JF, Fernandez P, Macías V, Mariño A, Hervás A, Herruzo I, Ortiz MJ, Ponce de León J, Sancho G, Cunillera O, Pardo Y, Cots F, Ferrer M; Multicentric Spanish Group of Clinically Localized Prostate Cancer. Estimating preferences for treatments in patients with localized prostate cancer. International Journal of Radiation Oncology*Biology* Physics 2015; 91: 277-87. Abstract

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

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Medizin am Abend DirektKontakt:

Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
Internet: http://www.degro.org

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

 

Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Lungenkrebs in Berlin - besonders bei Frauen

Medizin am Abend Fazit:  Lungenkrebs weiter mit hoher Sterberate – mehr Lungenkrebserkrankungen bei Frauen in Berlin


http://www.berlin.de/gkr/dienstleistungen/daten/



Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31.05. hat das Gemeinsame Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen (GKR) aktuelle Daten zum Lungenkrebs veröffentlicht.

Danach ist Lungenkrebs nach wie vor mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. 

Daher hat das Rauchens immer noch gravierende gesundheitlichen Folgen.

In Berlin entfielen 2012 bei Männern allein 1.530 von 7.878 Krebsneuerkrankungen auf Lungentumoren. Das waren trotz eines kontinuierlichen Rückgangs der Neuerkrankungsrate in den letzten 10 Jahren immer noch rund 19% aller Krebserkrankungen. 

Damit nimmt Lungenkrebs in Berlin Rang 1 vor Prostata- und Darmkrebs ein. Und auch bei den Krebstodesfällen stehen Lungentumoren mit 1.343 von 4.673 Fällen (29%) im Jahr 2012 auf Platz eins.

Anders als bei den Männern stieg die Krebserkrankungsrate für Lungenkrebs bei den Frauen in den letzten 10 Jahren kontinuierlich an. Von insgesamt 8.489 neu an Krebs erkrankten Berlinerinnen erhielten 931 im Jahr 2012 die Diagnose Lungenkrebs. Nur Brust- und Darmkrebs wurde häufiger diagnostiziert. Mit 792 Gestorbenen ist Lungenkrebs in Berlin die häufigste Krebstodesursache bei Frauen, häufiger noch als Brust- (700 Gestorbene) und Darmkrebs (467 Gestorbene).

Diese Situation findet sich außer in Hamburg in keinem anderen Bundesland.

Für Vergleiche zwischen Berlin und dem Bundesdurchschnitt sowie für Vergleiche auf Stadtbezirksebene innerhalb des Landes Berlin sind über die Website des GKR unter der Rubrik „Daten“ zwei aktuelle Publikationen abrufbar. In Landes- und Bezirksdatenblättern sind für über 20 Lokalisationen und Lokalisationsgruppen grafische bzw. tabellarische Informationen zum aktuellen Krebsgeschehen aufbereitet. 

Es wird zudem über die Trends der Neuerkrankungen in den letzten 10 Jahren (Diagnosejahre 2003-2012), über Zahlen zur Krebsprävalenz und zur Krebssterblichkeit berichtet.

Medidizin am Abend DirektKontakt

Roland Stabenow, Leiter der Registerstelle des GKR, Tel: (030) 565 81-410, E-Mail: roland.stabenow@gkr.berlin.de

360° MFA GenderMedizin: Bauchaortenaneurysmen Aorta (BAA): Männer / Frauen

Medizin am Abend Fazit:  Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen: Vorteile bei Männern, nicht aber bei Frauen

 

Unterstützungsinformation: 

http://www.gefaesschirurgie.de/patienten/bauchaortenaneurysma.html

 

https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekt/nichtmedikamentoese-verfahr... - zum Abschlussbericht

Belege für Nutzen bei Männern durch niedrigere Sterblichkeit, weniger Rupturen und Notfall-OPs / 
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Bei Frauen zeigen Studien keine relevanten Unterschiede 
 
Männer haben von einem einmaligen Screening auf Bauchaortenaneurysmen mittels Ultraschall einen Nutzen. 

Studien liefern Belege, dass ihr Sterberisiko sinkt, die Bauchschlagader seltener reißt und Notfalloperationen häufiger vermieden werden können.

Für Frauen sind deutlich weniger Daten verfügbar und diese zeigen keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Zu diesem Ergebnis kommt der am 28. Mai 2015 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Ruptur endet auch bei Notfalloperation oft tödlich


Als Bauchaortenaneurysma (BAA) bezeichnen Mediziner eine krankhafte Aussackung der Bauchschlagader (Aorta). Ihr Durchmesser variiert abhängig von Alter und Geschlecht, ab einer Erweiterung auf drei Zentimeter oder mehr spricht man von einem BAA. Das Risiko steigt mit dem Alter, wobei Frauen deutlich seltener betroffen sind als Männer.

Die meisten BAA bereiten keine Beschwerden, sind also asymptomatisch.

Mit dem Ausmaß des BAA wächst aber die Gefahr, dass dieses große Blutgefäß reißt. Unbehandelt führt eine solche Ruptur schnell zum Tod.

Aber auch dann, wenn Patientinnen und Patienten rechtzeitig die Klinik erreichen und eine Notfalloperation noch möglich ist, versterben bei offener Operation etwa 40 Prozent und bei endovaskulärem Vorgehen etwa 20 Prozent.

Screening soll Sterberisiko senken

Wird ein BAA dagegen rechtzeitig entdeckt und geplant (elektiv) operiert, ist die Überlebenschance deutlich höher: Je nach Art der Operation, endovaskulär oder offen, versterben in Deutschland zwischen 1,3 Prozent und 3,6 Prozent (30-Tage-Mortalität).

Ziel eines Screenings mittels Ultraschall ist es, BAA zu identifizieren, zu beobachten und zu versorgen, bevor es zu einer Ruptur kommt. In einigen Ländern, darunter Schweden, Großbritannien und die USA, wird eine solche Reihenuntersuchung bei Menschen, die ein höheres Risiko für ein BAA haben (Risikopopulationen), bereits durchgeführt.

Drei von vier Studien untersuchen nur Männer

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) suchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG nach Studien, die ein einmaliges Screening mittels Ultraschall mit keiner oder einer anderen Screening-Strategie, z. B. mit einem anderen diagnostischen Verfahren, in Hinblick auf patientenrelevante Endpunkte verglichen.

In ihre Bewertung einbeziehen konnten sie insgesamt vier randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), davon zwei aus Großbritannien sowie je eine aus Dänemark und aus Australien. Die Rekrutierung der Teilnehmer fand von 1988 bis 1999 statt. Drei Studien bezogen nur Männer ab 65 Jahren ein, eine von vier Studien auch Frauen, wobei ihr Anteil nur 6,8 Prozent der Studienpopulation ausmachte.

Männer haben mit Screening bessere Überlebenschancen

Für die Endpunkte Gesamtsterblichkeit und BAA-bedingte Sterblichkeit wurden für Männer ab 65 Jahren die Daten zu verschiedenen Auswertungszeitpunkten zusammengefasst (4 – 5 Jahre, 10 Jahre und 13 – 15 Jahre). Über alle Auswertungszeitpunkte sieht das IQWiG Belege für einen Nutzen des Screenings bei Männern für beide Endpunkte.

Bei den Frauen gibt es lediglich Daten für die Gesamtsterblichkeit zu einem Auswertungszeitpunkt (4 – 5 Jahre). Mangels statistisch signifikanter Gruppenunterschiede ist ein Nutzen des BAA-Screenings für Frauen allerdings nicht belegt. Für die BAA-bedingte Mortalität fehlen Daten.

Screening kann bei Männern Ruptur-Häufigkeit verringern

Ein ähnliches Bild zeigen die Daten zu den Endpunkten Ruptur-Häufigkeit und Notfalloperationen: Bei den Frauen zeigen die verfügbaren Daten wiederum keine relevanten Unterschiede. Bei den Männern fallen die Ergebnisse je nach Auswertungszeitpunkt etwas unterschiedlich aus. In der Gesamtschau bescheinigt das IQWiG dem Ultraschall-Screening jedoch einen Beleg für einen Nutzen, da BAA-Rupturen seltener auftreten und sich die Anzahl der Notfalloperationen reduziert.

Zunahme geplanter Operationen

Die Daten zeigen auch, dass die Zahl der elektiven Eingriffe mit dem Screening ansteigt. Das ist zwar einerseits gerade das Ziel des Screenings und insoweit zu erwarten. Solche Eingriffe sind aber, auch wenn sie nicht im Notfall, sondern geplant erfolgen, mit einem Klinikaufenthalt verbunden und es kann Folgekomplikationen wie etwa Nachblutungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall geben. Da diese Situation in den Screening-Gruppen häufiger und früher eintritt, ist dies als Nachteil eines Screenings zu werten, der allerdings in Anbetracht der Vorteile in den Hintergrund tritt.

Auch dieser Hinweis auf einen Nachteil gilt wiederum nur für Männer, nicht aber für Frauen.

Was die gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychosoziale Aspekte des Screenings angeht, kann der IQWiG-Bericht keine Aussagen treffen. Denn zu diesen Aspekten waren die verfügbaren Daten nicht verwendbar oder sie fehlten ganz.

Screening an aktuelle Gegebenheiten anpassen

Nach den vorliegenden Daten gehört ein Screening auf BAA bei Männern zu den ganz wenigen Methoden der Früherkennung, für die ein Effekt auf die Mortalität nachgewiesen ist.

Die Ergebnisse dieser Nutzenbewertung lassen es also sinnvoll erscheinen, für Männer ab 65 Jahren ein einmaliges Screening einzuführen. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Gutachten aber zu bedenken geben, gibt es Hinweise, dass diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf die aktuelle Situation in Deutschland übertragbar sind.

Denn zum einen legen aktuelle Daten für mehrere Länder Europas nahe, dass die Häufigkeit (Inzidenz und Prävalenz) von BAA in den vergangenen 10 bis 20 Jahren gesunken ist. Das erscheint insofern plausibel, als ein maßgeblicher Risikofaktor, der Zigarettenkonsum, zurückgegangen ist. Dann aber wäre der Nutzen womöglich geringer, als er in den einbezogenen Studien zu beobachten war. Das heißt, es müssten heute mehr Männer gescreent werden, um einen Todesfall zu vermeiden.

Zum anderen zeigen aktuelle Quellen, u. a. Registerdaten aus England, dass sich das Alter, in dem ein BAA auftritt, nach oben verschoben hat. Trifft dies zu, würden bei älteren Männern größere Effekte erzielt. Zudem wäre 65 Jahre nicht mehr das am besten geeignete Alter für ein Screening.

Zielgruppe umfassend über Vor- und Nachteile informieren

Die Einführung eines flächendeckenden BAA-Screenings in Deutschland sollte begleitet werden durch Maßnahmen der Qualitätssicherung. So sollte es eindeutige Falldefinitionen geben und Qualitätsstandards sollten festgelegt werden.  

Zudem sollte sichergestellt sein, dass Personen mit einer BAA-Diagnose oder einem auffälligen Befund nachbeobachtet werden können. Schließlich sollte die Zielgruppe umfassend und ausgewogen über Vor- und Nachteile eines BAA-Screenings informiert werden.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im Dezember 2014 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im April 2015 an den Auftraggeber versandt. Die eingereichten schriftlichen Stellungnahmen wurden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Im Mediapark 8
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Deutschland
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E-Mail-Adresse: kontakt@iqwig.de

Dr. Anna-Sabine Ernst

Telefon: 0221 35685 153
Fax: 0221 35685 833
E-Mail-Adresse: anna-sabine.ernst@iqwig.de



Weitere Informationen:
https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/nichtmedikamentoese-verfahr... - zum Abschlussbericht