Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Sprunggelenkverletzung - Ultraschall

Medizin am Abend Fazit:  Beim Sport umgeknickt? Sprunggelenksverletzung mit Ultraschall abklären

Etwa jede vierte Verletzung im Sport betrifft das Sprunggelenk. Vor allem beim Ballsport, aber auch beim Tennis oder Laufen kommt es häufig vor, dass Sportler mit dem Fuß umknicken und sich so ein Band zerren oder gar einen Bänderriss zuziehen. Welche Schäden genau im Gelenk entstanden sind, kann der Orthopäde oder Unfallchirurg mittels Ultraschall abklären. Ergänzend oder auch alternativ zu Röntgen und Magnetresonanztomografie (MRT) liefere die Sonografie bei Sprunggelenksverletzungen entscheidende Informationen, betont die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). 

Wasser trinken: http://www.praxisvita.de/der-wasserfahrplan-rund-um-die-uhr-gesund
 
Das schöne Frühlingswetter lockt viele wieder zum Sport. Doch gerade untrainiert ist es schnell passiert: Schon eine kleine Wurzel oder eine Bordsteinkante reicht aus, um mit dem Fuß umzuknicken. „Wer danach stärkere, anhaltende Schmerzen empfindet, sollte den Schuh ausziehen, den Fuß hochlegen, kühlen und einen Kompressionsverband anlegen“, rät Dr. med. Hartmut Gaulrapp, Leiter einer orthopädischen Facharztpraxis in München. Anschließend sollte baldmöglichst eine Ultraschalluntersuchung erfolgen, empfiehlt der DEGUM-Kursleiter. Trotz Schwellung und Schmerzen sei die sonografische Abklärung auch bei einer frischen Verletzung möglich, betont der Experte: „In der Regel bereitet dies dem Patienten keine nennenswerten Beschwerden.“ Von einem erfahrenen, DEGUM-zertifizierten Untersucher mit entsprechender Sachkenntnis durchgeführt, mache die Sonografie eine Röntgenaufnahme häufig verzichtbar. „Ich empfehle nur dann eine Röntgenuntersuchung, wenn der Verdacht auf einen Knochenbruch vorliegt“, so Gaulrapp. „Gerade auch bei Kindern und Jugendlichen sollten wir die strahlenfreie Alternative mittels Ultraschall wählen, wann immer dies möglich ist“, so der stellvertretende Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane.

Neben den Verletzungen der Bänder selbst, erkennt der Arzt im Ultraschall auch Blutergüsse oder knöcherne Bandausrisse. Dabei reißen kleine Teile des Knochens an der Ansatzstelle zum Band aus. „Das Besondere ist, dass es sich beim Gelenkultraschall um eine dynamische Untersuchung handelt“, erklärt Gaulrapp. Während er mit der einen Hand den Schallkopf führt, drückt er mit der anderen das Schienbein nach unten. Dies macht den Bänderriss und das Ausmaß der Instabilität gut sichtbar: Schieben sich Fersenbein und Sprungbein dabei um zwei Millimeter oder mehr vor, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die Bänder überdehnt sind und das Gelenk nicht ausreichend stabilisieren können. Eine solche „Instabilität“ kann den Patienten auch nach Ausheilung der Verletzung langfristig beeinträchtigen. „In bis zu 20 Prozent der Fälle bleibt das Gelenk chronisch instabil, was das Risiko für erneute Verletzungen des Sprunggelenks erhöht“, sagt Gaulrapp. Betroffene knicken häufiger um und fühlen sich beim Laufen nicht mehr sicher. „Zur Beurteilung sollte unbedingt eine abschließende Ultraschallkontrolle und gegebenenfalls eine Therapie erfolgen“, empfiehlt Gaulrapp.

Auch andere Erkrankungen von Fuß und Sprunggelenk erkennt der Arzt mit Hilfe von Ultraschall, etwa Rheuma, Gicht oder Arthrose, also den altersbedingten Knorpelabrieb der Gelenke. „Eine große Erleichterung bietet die sonografische Bildgebung auch bei Injektionen und Punktionen, bei der Entnahme von Gewebeproben oder von Metallteilen wie Schrauben und Schienen, die wir nach verheilten Brüchen wieder entfernen“, berichtet Gaulrapp. Um den Ultraschall erfolgreich einzusetzen, sei in jedem Fall Sachkenntnis und Erfahrung nötig. „Die DEGUM bietet Seminare und Kurse an, in denen Ärzte sich weiterbilden und qualifizieren können. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Möglichkeit in seinem jeweiligen Fachgebiet zu nutzen“, sagt Gaulrapp.

Patienten finden DEGUM-qualifizierte Ärzte im Internet unter: http://www.degum.de

Literatur:
Sonographische Diagnostik an Sprunggelenk und Fuß
Dr. med. Hartmut Gaulrapp, Orthopädie & Rheuma 12/2014, S.37–41

Die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

**************************************************************
Medizin am Abend DirektKontakt

Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: +49 711 8931 -642
Telefax: +49 711 8931 -167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.degum.de

Autologer Serumaugentropfen

Medizin am Abend Fazit: Therapie des schwer trockenen Auges

Im März 2013 – also vor genau zwei Jahren – startete die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz Die aus Eigenblut gewonnenen Serumaugentropfen dienen der Therapie des schwer trockenen Auges zum Beispiel nach Verbrennungen oder Verätzungen. Gegenwärtig werden in Deutschland jährlich insgesamt rund 53.000 Einzeldosis-Ophtiolen hergestellt. Davon produziert die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz gegenwärtig mit circa 14.000 Einzeldosis-Ophtiolen mehr als ein Viertel. Mittlerweile beziehen Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet autologe Serumaugentropfen von der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz. 

Circa 14.000 Einzeldosis-Ophtiolen produziert die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz gegenwärtig pro Jahr

Circa 14.000 Einzeldosis-Ophtiolen produziert die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz gegenwärtig pro Jahr, Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz

Augentropfen aus eigenem Blut wirken bei starker Trockenheit besser als handelsübliche Produkte. Sie regenerieren und pflegen die Hornhaut besonders effektiv auf Basis der körpereigenen Substanzen. Damit tragen sie zu einer beschleunigten Abheilung von Defekten an der Augenoberfläche bei“, unterstreicht der Direktor der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Walter Hitzler. „Für zahlreiche Patienten stellen autologe Serumaugentropfen die einzig wirksame Behandlung dar, und wir freuen uns, dass wir seit zwei Jahren das Know How haben, um diesen Menschen helfen zu können“, so Prof. Hitzler.

Seit März 2013 stellt die Transfusionszentrale autologe Serumaugentropfen in Zusammenarbeit mit der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz für Patienten der Universitätsmedizin Mainz sowie auswärtiger Krankenhäuser und niedergelassener Ärzte her. Sie finden in der Therapie des schwer trockenen Auges Anwendung – beispielsweise nach Verbrennungen oder Verätzungen – ebenso wie bei der Therapie der superioren limbalen Keratokonjunktivitis (SLK) oder der Graft-versus-host-Erkrankung. Sie stellen hier oft die einzig wirksame Behandlung dar. Die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz gehört zu den wenigen Zentren in Deutschland, die eine Herstellungserlaubnis für autologe Serumaugentropfen besitzen. Autologe Serumaugentropfen wer¬den aus Eigenblut hergestellt und enthalten keine weiteren Zusätze.
Serumaugentropfen sind Arzneimittel und bedürfen einer Herstellungserlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz. Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament. Die Herstellung der Serumaugentropfen erfolgt auf der Grundlage strenger gesetzlicher Bestimmungen. So erfolgt die Blutentnahme in einem geschlossenen sterilen Blutbeutelsystem. Gleiches gilt für die Weiterverarbeitung und den Prozess bis zur Bereitstellung der Einzeldosis-Ophtiolen. Bei der Weiterverarbeitung werden die Serumaugentropfen tiefgefroren und sind tiefgekühlt gelagert 16 Wochen haltbar. Pro Blutentnahme lassen sich bis zu 120 Einzeldosis-Ophtiolen herstellen.

„Im Vergleich zu herkömmlichen Augentropfen aus der Apotheke, gilt es beim Verpacken und beim Transport der autologen Serumaugentropfen einiges zu beachten: Beides erfolgt tiefgekühlt mit Trockeneis in einer Styroporbox“, sagt Prof. Hitzler. Auch die Lagerung unterliegt bestimmten Anforderungen. Die autologen Serumaugentropfen sollen vom Patienten bei -20 Grad Celsius zuhause in einem Tiefkühlfach gelagert werden.

Was die autologen Serumaugentropfen unter medizinischen Gesichtspunkten so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass einige darin enthaltene Eiweißstoffe (Proteine) auch Bestandteil der Tränenflüssigkeit sind. „Ein paar dieser Proteine wie beispielsweise Immunglobuline, Albumin, Fibronektin und Wachstumsfaktoren spielen bei dem Heilungsprozess der genannten Erkrankungen eine entscheidende Rolle. Sie begünstigen die Proliferation, Migration und Differenzierung der Epithelzellen von Horn- und Bindehaut und fördern so den Heilungsprozess“, weiß der Direktor der Transfusionszentrale.
Patienten aus nahezu allen Bundesländern beziehen inzwischen von der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz autologe Serumaugentropfen. Die Zuweisung der Patienten erfolgt durch die behandelnden Augenärzte.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Walter Hitzler
Direktor der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz,
Tel 06131 17-3211
Fax 06131 17-6651
E-Mail: hitzler@uni-mainz.de

Oliver KreftTelefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496,

Immuntheerapie bei Harnblasentumoren

Medizin am Abend Fazit: Weltweit erste Klinik: UKJ-Urologie prüft Immuntherapie bei Harnblasentumoren

Erste Patienten werden im Rahmen einer klinischen Prüfung behandelt / Alle 14 Tage eine Infusion / Prof. Grimm leitet Studie in Deutschland 
 
Im Kampf gegen Krebserkrankungen werden aktuell große Hoffnungen auf eine neuartige Therapie mit Antikörpern gesetzt. Die Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) ist nun die weltweit erste Klinik, die die Immuntherapie im Rahmen einer klinischen Prüfung bei Patienten mit Harnblasenkrebs einsetzt. Die ersten Patienten wurden in eine Studie aufgenommen und können jetzt mit dem neuen Therapieverfahren behandelt werden.
 Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena.
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena. Foto: UKJ/Szabo

Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik am UKJ, betont: „Wir stehen am Anfang der klinischen Prüfung, die nach sehr strengen Maßstäben erfolgt. Im Kern geht es bei der Immuntherapie um folgenden Ansatz: Die Patienten bekommen eine spezielle Substanz, einen Antikörper, per Infusion verabreicht. Dadurch soll das Immunsystem der Patienten wieder in die Lage versetzt werden, die Krebszellen zu zerstören. Denn durch spezielle Eiweiße wird dieser Vorgang bei einer Tumorerkrankung bislang außer Kraft gesetzt.“ An der klinischen Prüfung für das Harnblasenkarzinom sollen weltweit 230 Patienten teilnehmen. Für die Bundesrepublik ist Prof. Grimm Leiter der klinischen Prüfung.

Die Reaktivierung des Immunsystems durch Antikörper, so genannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren, ist ein neues, viel versprechendes Wirkprinzip in der Krebsbehandlung. Derzeit wird dieser Behandlungsansatz bei zahlreichen Tumorarten geprüft. Beim schwarzen Hautkrebs und beim Lungenkrebs konnte der Erfolg der Immuntherapie bereits nachgewiesen werden.

„Wir sind optimistisch, dass wir für den Harnblasenkrebs ähnliche Ergebnisse im Rahmen der klinischen Prüfung vorweisen können, aber hier gilt es nun die ersten Ergebnisse abzuwarten.“ Patienten, die an der klinischen Prüfung teilnehmen, bekommen alle 14 Tage eine Infusion verabreicht und werden alle acht Wochen zur Untersuchung einbestellt. Auch bei Prostatakrebs und Nierenkrebs werden in der Jenaer Urologie Studien mit diesen Antikörpern durchgeführt.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätsklinikum Jena
Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm
Lessingstrasse 1
07743 Jena
Tel. 03641/ 9 35 206
Fax: 03641/ 9 35 003
E-Mail: marc-oliver.grimm@med.uni-jena.de
Stefan Dreising Universitätsklinikum Jena

Start der Sommerzeit - Umstellung - Wohlbefinden

Medizin am Abend Fazit: Sommerzeit: Wenn die Uhren vorgestellt werden, sinkt die Lebenszufriedenheit

Bitte beachten Sie, dass in der Nacht vom Samstag auf Sonntag, 28. auf den 29. März, die Uhren eine Stunde vorgestellt werden (Mitteleuropäische Sommerzeit).

Wenn die Uhren beim Übergang auf die Sommerzeit um eine Stunde vorgestellt werden, sinkt die Lebenszufriedenheit der Menschen in der ersten Woche nach der Umstellung. Das belegt eine Studie, die kürzlich Ökonomen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg auf Basis von Daten der Längsschnittbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) sowie einer britischen Langzeitstudie erstellt haben. „Vor allem das Wohlbefinden von Eltern kleiner Kinder leidet unter der alljährlichen Umstellung auf die Sommerzeit“, sagt Daniel Kühnle, einer der Autoren. 
 
Werden die Uhren im Herbst wieder zurückgestellt, habe das hingegen keine messbaren Auswirkungen auf die Zufriedenheit. Die Studie wurde jetzt als SOEPpaper 744 veröffentlicht.

Die Umstellung der Zeit wurde 1916 erstmals eingeführt. "Diese großartige Reform erhöht für Millionen Menschen in diesem Land die Chancen für ein gesundes und glückliches Leben “, sagte Winston Churchill später in einer Lobesrede auf William Willett, der in Großbritannien die Idee der Zeitumstellung aufgebracht hatte.

Die von Churchill gepriesene Chance hat jedoch auch einen Preis, wie nun eine für die Menschen in Deutschland und Großbritannien repräsentative Studie auf Basis von Daten des SOEP sowie der Britischen Langzeitstudie „Understanding Society“ (zuvor British Household Panel) zeigt. Die Berechnungen der Autoren Daniel Kühnle und Christoph Wunder belegen: In beiden Ländern geht die Zufriedenheit der Befragten in der Woche nach der Zeitumstellung zurück. Besonders stark sinkt die Zufriedenheit von Eltern kleiner Kinder. In der zweiten Woche nach der Zeitumstellung erreicht die Lebenszufriedenheit wieder ihr ursprüngliches Niveau. Umgerechnet bedeutet das für Deutschland: Das Einkommen der Haushalte müsste in der ersten Woche nach der Umstellung auf die Sommerzeit um etwa zehn Prozent steigen, um den geschätzten Rückgang der Zufriedenheit zu kompensieren.

Dass die Zufriedenheit nach der Zeitumstellung vorübergehend zurückgeht, erklären die Wissenschaftler nicht allein durch die körperliche Anpassung an einen neuen Tagesrhythmus. „Menschen erleben es als Belastung, wenn ihre frei verfügbare Zeit beschränkt wird“, erklärt Studien-Autor Daniel Kühnle. „Das gilt besonders für Mütter und Väter, die ohnehin wenig Zeit für sich haben."

Die Forscher plädieren gleichwohl nicht dafür, die Zeitumstellung abzuschaffen. Sie schlagen vielmehr vor, Menschen für die durch die Zeitumstellung verlorene Stunde mit mehr Zeitsouveränität zu „entschädigen“. „Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, in der Woche nach der Zeitumstellung mehr zeitliche Flexibilität am Arbeitsplatz zu ermöglichen“, sagt Daniel Kühnle.

Für ihre für Deutschland und Großbritannien repräsentative Untersuchung hatten die Nürnberger Ökonomen die Daten von 29.653 im SOEP befragten Frauen und Männern ausgewertet, die von 1984 bis 2004 erhoben worden waren. Darüber hinaus analysierten sie die Angaben von 8.950 Teilnehmenden der vergleichbaren Haushaltspanelstudie „Understanding Society“ (gestartet als British Household Panel), die von 2009 bis 2012 erhoben worden waren. In die Studie flossen die Angaben derjenigen Befragten ein, die zwei Wochen vor und nach der Zeitumstellung befragt worden waren.

STICHWORT SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

ZUFRIEDENHEITSFORSCHUNG MIT SOEP-DATEN

Das SOEP befragt seit seinem Gründungsjahr 1984 jährlich mehr als 10.000 Personen zu ihrer Lebenszufriedenheit. Auf einer Skala von 0 bis 10 geben die Befragten an, wie zufrieden sie derzeit alles in allem mit ihrem Leben sind. Die Zahl null bedeutet „ganz und gar unzufrieden“, zehn hingegen steht für „ganz und gar zufrieden“. Die Zufriedenheitsforschung (in den Medien meist „Glücksforschung“ genannt) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Forschungsfelder auf der Basis von SOEP-Daten entwickelt. „Daten zur persönlichen Lebenszufriedenheit sind eine wichtige Größe bei der Messung von Lebensqualität“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp. „Wer umfassende Aussagen zur Lebensqualität treffen möchte, muss neben den objektiven Lebensbedingungen auch die subjektive Lebenszufriedenheit im Blick haben“.

Die Studie:
Kuehnle, Daniel and Christoph Wunder (2015): Using the life satisfaction approach to value daylight savings time transitions. Evidence from Britain and Germany. SOEPpaper Nr. 744, Berlin


Medizin am Abend DirektKontakt

daniel.kuehnle@wiso.uni-erlangen.de
Monika Wimmer Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)


Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte ist:
http://'www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.499075.de/diw_sp0744.pdf - Link zur Studie'

Trauerbeflaggung vom 25. bis 27. März 2015

In den französischen Seealpen ist am Dienstag, dem 24. März 2015, eine Maschine der Fluggesellschaft Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt.

Bitte besuchen Sie den folgenden Fachlink:

http://www.protokoll-inland.de/PI/DE/Mailing/trauerbeflaggung_25032015.html

§27 b ersatzlos - Zweitmeinung im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz

Medizin am Abend Fazit: Die Meinung der Patienten stärken, nicht die ärztliche Zweitmeinung

Fachärzte ungleich verteilt: Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist nach wie vor die ärztliche Versorgung zwischen Stadt und Land im Ungleichgewicht; auch die Bedarfsplanung habe daran nichts geändert. Ländliche Regionen sind immer noch benachteiligt. Praxen von Psychotherapeuten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Orthopäden, Nervenärzte und Urologen konzentrierten sich in den Städten. Am heutigen Mittwoch befasst sich der Gesundheitsausschuss mit dem Thema.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin: Die Zweitmeinung im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz zu verankern, ist ein Schritt in die falsche Richtung. 
 
Das im Februar 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz soll demnächst erweitert werden. Ein aktueller Referentenentwurf (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) sieht unter anderem vor, einen neuen §27 b in das Sozialgesetzbuch V aufzunehmen.

Der Paragraph besagt, dass Patientinnen und Patienten ein Recht darauf bekommen sollen, vor bestimmten Eingriffen die Meinung einer zweiten Ärztin oder eines Arztes einzuholen. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll bestimmen, welche Eingriffe das betrifft. Gedacht hat der Gesetzgeber dabei vor allem an „mengenanfällige Eingriffe“, also an Maßnahmen, die zwar von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, die aber in konkreten Einzelfällen verzichtbar wären und dann eher dem Wohl des Arztes als dem des Patienten dienen.

Das neue Gesetz möchte zweierlei erreichen: Zum einen sollen sich Versicherte „künftig darauf verlassen können, dass nur solche Eingriffe durchgeführt werden, die auch tatsächlich medizinisch notwendig sind“, wie es im Referentenentwurf heißt. Damit werde eine gesicherte Indikationsstellung gestützt und die Patientensouveränität gestärkt. Zum anderen erhofft sich der Gesetzgeber am Ende eine finanzielle Entlastung: „Den Mehrausgaben für das Zweitmeinungsverfahren stehen erhebliche Einsparungen durch eine Vermeidung medizinisch nicht indizierter operativer Eingriffe gegenüber.“

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) spricht sich nicht per se gegen eine Zweitmeinung aus. Die Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung vor "mengenanfälligen, planbaren Eingriffen" ist jedoch aus Sicht der evidenzbasierten Medizin grundsätzlich zu hinterfragen. Das DNEbM schlägt daher vor, den geplanten §27 b ersatzlos zu streichen.

Das DNEbM ist der Ansicht, dass es für die Evidenzbasierung einer medizinischen Entscheidung keinen Ersatz geben kann, also auch keine Zweitmeinung.
 
Schon die Meinung des behandelnden Arztes, sozusagen die Erstmeinung, sollte eine kompetente Beratung auf der Grundlage der besten wissenschaftlichen Evidenz sicherstellen. Dafür sollen Ärzten wie Patienten ausreichend valide Informationen über Nutzen und Risiken aller Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Nach Auffassung des DNEbM muss alle Energie darauf verwendet werden, die Qualität der medizinischen Indikationsstellung und deren Entscheidungsgrundlagen, zum Beispiel eine alltagstaugliche Verfügbarkeit von Studienergebnissen, zu verbessern siehe http://www.ebm-netzwerk.de/wer-wir-sind/vision-mission.

Bereits jetzt schreibt das Patientenrechtegesetz fest, dass in allen Sektoren des Gesundheitswesens Patientinnen und Patienten über alle Behandlungsoptionen sowie deren Erfolgsaussichten, Aufwand und Risiken informiert werden müssen. Eine unverzichtbare Komponente dieser Beratung ist die umfassende, ausgewogene und verständliche, interessenneutrale Information. Die Patientinnen und Patienten müssen im Sinne des Shared Decision Makings in die Entscheidungen mit eingezogen werden. Aus diesem Grund ist nach Ansicht des DNEbM die gesetzliche Verankerung der Zweitmeinung ein Schritt in die falsche Richtung.

Eine neutrale Erstmeinung ist realistischerweise jedoch nur dann zu erreichen, wenn gleichzeitig sichergestellt wird, dass die Fehlanreize für die beratenden Ärztinnen und Ärzte minimiert werden. Schon die erste Beratung darf also nicht von der Sorge der Ärzte getragen werden, „leer auszugehen“, falls sich die Patienten gegen die Behandlung entscheiden.

Das DNEbM möchte jedoch betonen, dass eine Zweitmeinung unter Umständen durchaus sinnvoll sein kann. Schließlich sind selbst bei gründlicher Prüfung der wissenschaftlichen Evidenz verschiedene Meinungen möglich, da die Interpretation klinischer Studien oft Spiel-raum lässt und Unsicherheiten hinsichtlich der besten Handlungsoptionen bestehen bleiben, oder sogar erst entstehen. Dennoch erscheint eine Verankerung des Rechts auf eine Zweitmeinung, wie sie der Referentenentwurf vorsieht, nicht geeignet zu sein, die Folgen der Fehlanreize im Gesundheitswesen zu kompensieren.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Prof. Dr. Gabriele Meyer
Dr. Markus Follmann, MPH, MSc
Karsta Sauder
Telefon: 030-30833660
Fax: 030-30833662
E-Mail-Adresse: sauder@ebm-netzwerk.de
Karsta Sauder Geschäftsstelle -Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.

Gelenkinfektion - Bakterien von Hüft- und Knieendoprothesen

Medizin am Abend Fazit: Bakterien besser verstehen lernen

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der HELIOS ENDO-Klinik Hamburg wollen herausfinden, warum Bakterien in der Lage sind, künstliche Gelenke zu infizieren, wie Bakterien das Immunsystem des Menschen unterwandern und wieso sie resistent gegen scheinbar wirksame Antibiotika werden können. Für ihre Studie HAPDICS („Hamburg prosthetic device infection cohort study“) nutzen die Forscher modernste Methoden der Molekularbiologie. Die Erkenntnisse der Untersuchung sollen in den kommenden Jahren helfen, neben der Diagnostik vor allem die Prophylaxe und Therapie von Gelenkinfektionen zu optimieren. 


Illustration by David Parkins

Um eine fast uneingeschränkte Mobilität bei Erkrankungen der Gelenke zu ermöglichen, ist der Einsatz künstlicher Gelenke aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Eine zwar seltene, aber folgenschwere Komplikation kann die Entstehung einer Infektion sein. Eine alleinige Therapie mit Antibiotika ist dann oft nicht ausreichend, so dass weitere Operationen notwendig werden. Warum entgehen die Bakterien bei Kunstgelenkinfektionen dem Immunsystem des Menschen und der Wirkung von Antibiotika? Kunstgelenkinfektionen werden am häufigsten von Bakterien aus der Gruppe der Staphylokokken ausgelöst. Es ist aus Laboruntersuchungen bekannt, dass diese Erreger durch einen speziellen Trick Besitz von einem Kunstgelenk ergreifen können. Hierzu bilden die Staphylokokken mikroskopisch sichtbare Zellansammlungen, die auf der Oberfläche eines Kunstgelenks „kleben“ und in welcher die Bakterien in einer Art Schutzhülle eingebettet sind. In diesen als Biofilm bezeichneten Organisationen zeigen sich die Bakterien als resistent gegen Angriffe des Immunsystems und von Antibiotika.

In der HAPDICS-Studie analysieren die Experten des UKE und der HELIOS ENDO-Klinik Hamburg mit modernsten molekularbiologischer Verfahren die Genome der Erreger und betrachten die Gesamtheit aller Gene in ihrer Expression. Diese und weitere Analysen sollen helfen, im Detail zu verstehen, welche Eigenschaften und Reaktionen des Erregers tatsächlich dazu beitragen, eine Infektion auszulösen. Darüber hinaus wollen die Forscher nachvollziehen, warum es zu einem Versagen des Immunsystems und von Antibiotikatherapien kommen kann. Die Wissenschaftler wollen nicht nur den Weg zur Resistenzentstehung verfolgen, sondern auch wunde Punkte der Bakterien identifizieren, die als Angriffsziel für neue Antibiotika verwendet werden könnten. Diese Antworten sollen nicht nur das grundsätzliche Verständnis bakterieller Infektionskrankheiten erheblich verbessern. Vielmehr könnten die Erkenntnisse genutzt werden, um bestehende diagnostische, therapeutische und prophylaktische Maßnahmen zu optimieren.

Zum Hintergrund
In Deutschland werden jährlich mehr als 400.000 Hüft- und Knieendoprothesen implantiert. Während die Implantation eines künstlichen Gelenkes für den Patienten primär von herausragendem Nutzen ist, so birgt diese Maßnahme in ein bis zwei Prozent der Fälle jedoch auch das Risiko einer infektiologischen Komplikation.

Zur Damp-Stiftung
Durch die Damp-Stiftung werden die medizinische Forschung und Lehre, soziale Projekte an und mit Bezug zu den Standorten der früheren Damp Gruppe sowie die Ausbildung von medizinischen Nachwuchskräften in den Ländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Weitere Informationen zur Damp-Stiftung: www.damp-stiftung.de

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Holger Rohde
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Priv.-Doz. Dr. Lars Grossterlinden
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-52143, -56691
E-Mail: rohde@uke.de, lgrosste@uke.de

Prof. Dr. Daniel Kendoff
HELIOS ENDO-Klinik Hamburg
Abteilung Gelenkchirurgie
Holstenstr. 2
22767 Hamburg
Telefon: (040) 3197-1669
E-Mail: daniel.kendoff@helios-kliniken.de

Christine Trowitzsch Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Säuglingsernährung und Stillen, Impfempfehlungen, Folsäure, Vitamin D

Medizin am Abend Fazit: Empfehlungen zum Stillen werden in der Schweiz vermehrt befolgt

Die Ergebnisse der neusten Studie zur Säuglingsernährung und Gesundheit im ersten Lebens-jahr (SWIFS) zeigen, dass sich die Mütter in der Schweiz eng an die nationalen Empfehlungen zum Stillen und zur Säuglingsernährung halten. 95% der Mütter stillen nach der Geburt. 
 
Unter dem Titel 'Swiss Infant Feeding Study' (SWIFS) hat das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen die Studie durchgeführt. Sie wird alle zehn Jahre wiederholt.

Gemäss den neuen Studienergebnissen stillen 95% der Mütter nach der Geburt ihr Neugeborenes. 62% der Mütter haben 2014 ihre Säuglinge während den ersten drei bis vier Lebensmonaten ausschliesslich gestillt (d.h. nur Muttermilch, ohne zusätzliche Gabe von Wasser, Tee oder Beikost). Das bedeutet eine Zunahme von 9% gegenüber der Vorgängerstudie von 2003.

Auch im fünften und sechsten Lebensmonat wurde 2014 häufiger ausschliesslich gestillt (26%) als noch 2003 (21%). Die Studie zeigt zudem, dass die Einführung der Beikost in der Regel zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat erfolgt. Dies entspricht den nationalen Empfehlungen.

Nicht nur die Einstellung der Mutter zum Stillen, sondern weitere externe Umstände beeinflussen, ob und wie lange ein Kind gestillt wird: Alleinstehende Frauen und Frauen, die keine ermutigende Unterstützung eines Partners erhalten, stillen weniger lange. Weiter führen Brustentzündungen und Erschöpfung häufig dazu, dass Mütter weniger als 12 Wochen stillen.

Arbeitgeber in der Pflicht
Die Studie zeigt weiter, dass nur gerade 10% der Frauen von ihrem Arbeitgeber über ihre Rechte als stillende Mutter informiert wurden. Gemäss Arbeitsgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, stillenden Mütter die erforderliche Stillzeit freizugeben (Art. 35a Abs. 2 ArG). Da Frauen heute im Vergleich zu 2003 früher in den Arbeitsprozess zurückkehren und in höheren Pensen arbeiten steigt hier auch die Verantwortung der Arbeitgeber.

Empfehlungen zu Folsäure und Vitamin D werden befolgt

Die Studie zeigt auch, dass die Mütter sich an die Empfehlungen zur Einnahme von Folsäure und die Verabreichung von Vitamin D halten. Immer mehr Frauen nehmen vor als auch während der Schwangerschaft Folsäure zu sich, was zur gesunden Entwicklung des ungeborenen Kindes beiträgt. 70% der in der Studie befragten Mütter gaben an, dem Kind zusätzlich Vitamin D zu geben.

Die Empfehlung lautet, dem Kind während der ersten drei Lebensjahre Vitamin D zu verabreichen.

Auch die pädiatrischen Vorsorgeuntersuchungen, sowie die Impfempfehlungen werden weitestgehend befolgt. 84% der Mütter geben an, ihr Kind gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) impfen zu lassen, bzw. es sei bereits geimpft.



Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Julia Dratva, MD MPH
Scientific project leader
Dept. Epidemiology and Public Health
Swiss Tropical and Public Health Institute
Socinstrasse 57, P.O. Box, 4002 Basel
Email: julia.dratva@unibas.ch
Tel. +41 61 284 8376

Über Swiss TPH
Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist die grösste Institution der Schweiz im Bereich Public- und Global-Health. Mit Forschung, Lehre und Umsetzungsprogrammen trägt das Swiss TPH zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz und weltweit bei. Ein spezieller Fokus der Aktivitäten liegt in einkommensschwachen Ländern. Als Service-Provider führt Swiss TPH auch Studien im Auftrag von nationalen und internationalen öffentlichen- und privaten Institutionen durch. Die thematischen Schwerpunkte des Instituts liegen in den Bereichen Infektionskrankheiten, nicht-übertragbare Krankheiten, Umwelteinflüsse auf die Gesundheit, Geschlechterfragen, Epidemiologie und Globaler Gesundheit. Das Institut beschäftigt aktuell rund 490 Mitarbeitende, sowie 120 PhD- und Masterstudierende aus über 60 Nationen in Basel. Dazu arbeiten weitere 100 Mitarbeitende in 20 Ländern.

Dr. Christian Heuss Swiss Tropical and Public Health Institute

GenderMedizin: Stammzelltransplantation und Leukämie, speziell bei Schwangeren

Medizin am Abend Fazit: Spenderzellen im Kampf gegen Leukämie

Nach einer Stammzelltransplantation können mitübertragene Abwehrzellen des Spenders Leukämiezellen des Empfängers angreifen und vernichten. Wie sie das tun, haben Wissenschaftler des Würzburger Universitätsklinikums untersucht. Ihr Interesse galt dabei vor allem schwangeren Frauen. 

Meine Haut: http://www.praxisvita.de/was-weiss-meine-haut-ueber-meinen-koerper
 
Das Immunsystem des Menschen ist prinzipiell in der Lage, Leukämiezellen zu erkennen und zu vernichten. Als Erkennungssignal für die Immunzellen dienen dabei spezielle Strukturen auf der Oberfläche der Leukämiezellen – zum Beispiel sogenannte tumorassoziierte Antigene (TAAs). Doch nicht jeder Mensch verfügt über diese Immunantwort. Warum das so ist, hat ein interdisziplinäres Team des Universitätsklinikums unter der Federführung von Professor Stephan Mielke, Geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und Direktor des Stammzelltransplantationsprogramms für Erwachsene, und Professor Christoph Otto, Leiter der Experimentellen Chirurgie an der Chirurgischen Klinik I, untersucht. Ihr Verdacht:

Die Fähigkeit zur Immunantwort könnte sich unter anderem während der Schwangerschaft ausbilden. In der renommierten Fachzeitschrift Blood haben sie vor kurzem ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Der Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt

„Wir wissen bereits seit Langem, dass bei der Übertragung von Blutstammzellen von einem Menschen auf einen anderen nicht nur Stammzellen, sondern auch Abwehrzellen des Spenders mittransplantiert werden“, erklärt Stephan Mielke. Diese Zellen sind bisweilen in der Lage, sich im Körper des Patienten gegen verbliebene bösartige Zellen zu richten und diese zu zerstören. „Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt“ heißt dieser Vorgang in der Fachsprache. Die Hintergründe dieses Effektes sind jedoch noch nicht gänzlich erforscht. „Wir haben untersucht, inwieweit die Schwangerschaft einen möglichen Ursprung dieser Immunantworten darstellt“, erklärt Mielke. Ausgangspunkt dieser Idee war die Beobachtung, dass bestimmte TAAs sowohl auf der Oberfläche von Leukämiezellen als auch von Zellen der Plazenta ausgebildet werden.

Studie mit 158 Teilnehmern

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler zwei Hauptgruppen von Probanden gebildet. Die erste Gruppe bestand aus Frauen, die noch nie eine Geburt hatten, Frauen mit mindestens einem Kind und Männern. Insgesamt 114 Teilnehmer waren es dort. In die zweite Gruppe nahmen die Forscher 44 erstmalig schwangere Frauen auf. Allen Teilnehmern wurde eine geringe Menge Blut abgenommen – den schwangeren Frauen allerdings an bis zu vier Zeitpunkten während und nach ihrer Schwangerschaft. Anschließend isolierten die Forscher bestimmte Abwehrzellen – die T-Lymphozyten – aus den gewonnenen Blutproben und untersuchten diese auf ihre Fähigkeit, vier bekannte TAAs zu erkennen und anzugreifen.

Die Ergebnisse: Männer zeigen stärkere Reaktion

Das Ergebnis: „In der ersten Gruppe konnten wir Immunantworten gegen alle vier TAAs nachweisen. Interessanterweise wiesen dabei Männer teilweise signifikant stärkere Immunantworten auf als Frauen“, erklärt Mathias Lutz, Arzt und als medizinischer Doktorand von Mielke an dem Projekt beteiligt. Keine Unterschiede zeigten sich hingegen zwischen Frauen ohne beziehungsweise mit Kindern. Differenzierter fielen die Ergebnisse in der Gruppe der Schwangeren aus: In den Blutproben, die während des zweiten Drittels der Schwangerschaft entnommen worden waren, war die Immunantwort gegen die untersuchten TAAs deutlich erhöht. Danach ging sie ebenso deutlich zurück und unterschied sich nach dem Abstillen nicht mehr von den Werten von Frauen ohne Kinder.

Die Interpretation der Ergebnisse

Geht es um die Interpretation dieser Ergebnisse, ist ein Befund also klar: „Bei einem Teil von gesunden Spendern sind positive Immunantworten gegen die untersuchten TAAs nachweisbar“, sagt Mathias Lutz. Allerdings fallen die Immunantworten bei Männern höher aus, verglichen mit denen von Frauen. „Das hängt vermutlich damit zusammen, dass diese TAAs bei Männern auch in den Hoden ausgebildet werden. So muss sich das männliche Immunsystem immer wieder mit ihnen auseinandersetzen“, erklärt Stephan Mielke.

Ähnlich dürfte es sich bei den Schwangeren verhalten: Für den Anstieg der Werte verantwortlich ist die Plazenta, die ebenfalls TAAs bildet und damit das Immunsystem zu einer Antwort anregt. Dass die Werte nach der Geburt wieder zurückgehen, sodass nach dem Abstillen kaum mehr Immunantworten nachweisbar sind, liegt nach Ansicht der Wissenschaftler wahrscheinlich daran, dass die Plazenta dann nicht mehr vorhanden ist – neben weiteren Effekten, die der Tatsache geschuldet sind, dass das Immunsystem von Frauen während einer Schwangerschaft teilweise „gedrosselt“ wird.

Ansatz für bessere Auswahl der Spender

„Die Erkenntnisse dieser Studie könnten dazu beitragen, die Stammzelltherapie weiter zu optimieren und dadurch eine bessere Kontrolle der bösartigen Grunderkrankung zu erreichen“, hofft Mielke. Denkbar sei es beispielsweise, die gegen TAAs gerichteten Immunantworten zu verstärken. Entweder mit einer Art Impfung oder durch steuernde Eingriffe in das System, das eine effektive Immunantwort unterdrückt. Ob allerdings die in dieser Studie bei gesunden Spendern gezeigte Immunantwort gegen TAAs die Heilungschancen von den Empfängern einer Stammzelltherapie verbessert, sei noch ungeklärt und müsse in weiteren Studien untersucht werden.

Das Projekt wurde vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg gefördert. Daneben erhielt Mathias Lutz ein Stipendium von „Hilfe im Kampf gegen Krebs“, Andrea Worschech vom „Deutschen Akademischen Austausch Dienst“.

„Boost and loss of immune responses against tumor-associated antigens in the course of pregnancy as a model for allogeneic immunotherapy.” Mathias Lutz, Andrea Worschech, Miriam Alb, Sabine Gahn, Laura Bernhard, Michael Schwab, Stefanie Obermeier, Hermann Einsele, Ulrike Kämmerer, Peter Heuschmann, Erdwine Klinker, Christoph Otto, Stephan Mielke (2015): Blood. 125(2):261-72. doi: 10.1182/blood-2014-09-601302.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Stephan Mielke, T: (0931) 201-40141, Mielke_S@ukw.de
Gunnar Bartsch Julius-Maximilians-Universität Würzburg


Weitere Informationen:
http://www.medizin2.ukw.de/forschungsgruppen/ag-stephan-mielke.html
Zur Homepage von Stephan Mielke

Pilze in meinem Immunsystem - Katheter in Venen oder Harnwegen

Medizin am Abend Fazit: Pilzprodukt als Störenfried im Immunsystem

Lebensgefährliche Krankenhausinfektionen werden oft durch chirurgische Eingriffe oder den Einsatz von Werkzeugen, die in den Körper eingeführt werden, ausgelöst. Ein Beispiel hierfür sind Katheter in Venen oder Harnwegen. Auf der Oberfläche der Plastikröhrchen heften sich Mikroorganismen an. Durch bestimmte Mechanismen gelingt es dabei den Mikroben in den Körper einzudringen und diesen anzugreifen – bis hin zum Tod des Patienten. Einen Mechanismus konnten Jenaer Wissenschaftler nun näher beschreiben und in der Fachzeitschrift mBio veröffentlichen. 


Die Doktorandin Ines Leonhardt untersucht den Einfluss von Farnesol auf dendritische Zellen des menschlichen Immunsystems.
Die Doktorandin Ines Leonhardt untersucht den Einfluss von Farnesol auf dendritische Zellen des menschlichen Immunsystems. Katrin Haupt/HKI

Es ist eine vielfältige Mischung aus Mikroorganismen, die sich an einem Katheter im Krankenhaus festsetzen können: Bakterien, Viren und Pilze. Einer unter ihnen ist der Hefepilz Candida albicans. Dem Körper gesunder Menschen kann er nicht viel anhaben. Bei einer Schwächung des Immunsystems durch eine schwere Krankheit kann er jedoch lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Auf einem Katheter tut er sich beispielsweise mit anderen Mikroben zusammen und dringt in den Körper ein. Die Mikroben bilden dabei bestimmte Moleküle, um auf chemischem Wege mit anderen Arten, aber auch innerhalb der eigenen Art zu kommunizieren.

Candida albicans nutzt so unter anderem das Farnesol, ein Wirkstoff, der das Wachstum des Pilzes selbst beeinflusst, aber auch auf umliegende Zellen wirkt – seien es andere Mikroorganismen oder der Mensch. In der Vergangenheit wurde gezeigt, dass Farnesol tumorveränderte Zellen zerstört und demzufolge in der Krebstherapie eingesetzt werden könnte. Vermutlich nicht ohne negative Auswirkungen, denn seine Wirkweise ist nicht vollständig bekannt. „Wir wollten wissen, inwiefern Farnesol auch auf Immunzellen wirkt und so den Körper des Patienten womöglich zusätzlich schwächt“, sagt Ines Leonhardt, Doktorandin am Forschungszentrum ZIK Septomics, einer gemeinsamen Einrichtung des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI), der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Universitätsklinikums Jena. „Farnesol wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Unsere Experimente haben jetzt gezeigt, dass der Stoff das Immunsystem durchaus negativ beeinflusst: Er verhindert, dass sich sogenannte dendritische Zellen im Körper des Patienten ausbilden. Diese sind im Normalfall für eine schnelle Immunantwort auf Eindringlinge zuständig.“ Gemeinsam mit Steffi Spielberg und Michael Weber vom ZIK Septomics hat Ines Leonhardt aus weißen Blutkörperchen dendritische Zellen gezüchtet, mit Farnesol konfrontiert und die Ergebnisse anschließend analysiert.

Die Daten zeigen einen neuen Weg, auf dem Candida während einer Infektion mit dem menschlichen Immunsystem kommuniziert und dieses direkt beeinflusst. „Unser nächstes Ziel ist es, herauszufinden wie Farnesol wirkt und wie man diese Mechanismen aushebeln kann.“

Originalpublikation

Leonhardt I, Spielberg S, Weber M, Albrecht-Eckardt D, Bläss M, Claus R, Barz D, Scherlach K, Hertweck C, Löffler J, Hünniger K, Kurzai O (2015) The Fungal Quorum-Sensing Molecule Farnesol Activates Innate Immune Cells but Suppresses Cellular Adaptive Immunity. mBio 6(2) e00143-15.


Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Michael Ramm

Telefon: +49-(0)-3641-5321011
Fax: +49-(0)-3641-5320801

michael.ramm@hki-jena.de

Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

http://www.leibniz-hki.de
http://www.septomics.de