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In Europa wird jedes Jahr bei mehr als 500.000 Frauen Brustkrebs diagnostiziert. Welche Operationen sind wirklich nötig, damit Brustkrebspatientinnen sicher behandelt werden – und trotzdem möglichst wenige Spätfolgen haben? Auf diese für viele Frauen entscheidende Frage liefert die internationale AXSANA-Studie wichtige Antworten. Die Ergebnisse sind jetzt im renommierten Journal of Clinical Oncology veröffentlicht worden. AXSANA ist die weltweit größte Studie zur operativen Behandlung der Lymphknoten in der Achselhöhle bei Brustkrebs und das Hauptprojekt des europäischen Studiennetzwerks EUBREAST. Die Studie, an der Forschungsteams in 27 Ländern mitarbeiten, wurde 2020 von der EUBREAST-Studiengruppe initiiert unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Kühn, Universitätsklinikum Ulm / Die Filderklinik, und Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Prof. Banys-Paluchowski ist stellvertretende Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Campus Lübeck und Erstautorin der aktuellen Veröffentlichung.
Bei rund einem Drittel der Brustkrebspatientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose Lymphknoten in der Achselhöhle von Krebszellen befallen. Lange Zeit galt daher die Entfernung zahlreicher Lymphknoten in dieser Situation als Standardverfahren. Diese radikale Operation kann jedoch langfristig zu Schwellungen des Arms, Schmerzen, Taubheitsgefühlen, eingeschränkter Beweglichkeit und damit zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Da heute viele Patientinnen zunächst eine Chemotherapie vor der Operation erhalten, besteht die Chance, den Eingriff in der Achsel zu begrenzen – vorausgesetzt, die ursprünglich befallenen Lymphknoten lassen sich bei der Operation sicher wiederfinden. Im Rahmen der AXSANA-Studie werden verschiedene leitliniengerechte Operationsverfahren verglichen, bei denen diese Lymphknoten vor Beginn der Chemotherapie mit einem Marker gekennzeichnet werden. Die nun veröffentlichte Auswertung zeigt, dass sondengestützte Markierungsverfahren, bei denen der Marker mit einer speziellen Sonde aufgespürt wird, eine signifikant höhere Detektionsrate aufweisen als andere Vorgehensweisen. So können entscheidende Lymphknoten zuverlässiger entfernt und größere Eingriffe, die das Risiko für Spätfolgen erhöhen, häufiger vermieden werden.
In Europa bestehen bislang große Unterschiede in den Behandlungsempfehlungen und die Datenlage war lange unzureichend. Deshalb ist AXSANA als prospektive, multizentrische Registerstudie angelegt. Das Register soll mit Daten von über 5000 Patientinnen dazu beitragen, das krankheitsfreie Überleben und die Lebensqualität nach unterschiedlichen Operationsformen systematisch zu erfassen und so eine internationale Standardisierung zu ermöglichen. Die Ergebnisse der aktuellen Auswertung wurden bereits auf dem weltweit größten onkologischen Kongress ASCO als Hauptvortrag von Prof. Banys-Paluchowski präsentiert – ein außergewöhnlicher Erfolg für ein brustchirurgisches Thema aus Deutschland.
Hinter der Studie steht das gemeinnützige EUBREAST-Netzwerk, ein Zusammenschluss renommierter onkologischer Brustchirurginnen und -chirurgen. Ziel des Netzwerks ist es, weniger invasive Operationsverfahren zu erforschen, um die körperliche und psychische Belastung der Patientinnen zu verringern und ihnen eine schnellere Rückkehr in ein aktives Leben zu ermöglichen. Maximilian Hermsen MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORTUniversitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, stellv. Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Tel.: 0451 500-41700, Maggie.Banys-Paluchowski@uksh.de
Originalpublikation: https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO-25-01921 |
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