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GenderMedizin: Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs: Symptome frühzeitig erkennen und handeln

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs: Symptome frühzeitig erkennen und handeln

Bereits zum dritten Mal initiiert die Europäische Kopf-Hals-Gesellschaft (European Head and Neck Society, EHNS) eine Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs. Ziel der europaweiten Aktivitäten vom 21. bis 25. September ist es, die Risikofaktoren, Präventionsmöglichkeiten und Symptome der Krebserkrankung bekannt zu machen. 


 Kopf-Hals-Krebs FACT SHEET Seite 1/2  Merck Serono
 
„Jedes Jahr wird in Europa bei 350.000 Menschen Kopf-Hals-Krebs diagnostiziert und über die Hälfte davon wird nach fünf Jahren nicht mehr am Leben sein. Und das, obwohl Patienten bei früher Diagnose und Behandlung eine Überlebensrate von 80-90% haben könnten,” so Professor Dr. med. René Leemans, Vorsitzender der EHNS.

Daher finden am 23. September Patiententage in Kliniken statt – mit kostenlosen Screenings, Vorträgen und umfangreichen Informationsmaterialien. In Deutschland wird die Aktionswoche gemeinsam mit den Landespartnern der EHNS, Ärzten und Patientenorganisationen veranstaltet.

Aufklärung rettet Leben

Kopf-Hals-Krebs ist derzeit die sechsthäufigste Krebsart weltweit und es treten jährlich bis zu 600.000 neue Fälle auf – davon ungefähr 18.000 in Deutschland. Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Frauen, doch auch bei Frauen ist die Tendenz steigend.

„Es ist von größter Bedeutung, dass bei der zunehmenden Häufigkeit und dem niedrigen Bewusstsein für die Erkrankung, weitere Aufklärungsarbeit über die Risiken und Präventionsmöglichkeiten geleistet wird“, so Professor Dr. med. Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig und Vorstandsmitglied der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Kopf-Hals-Tumore (IAG-KHT) innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe ist offizieller Partner der EHNS und organisiert die Aktivitäten in Deutschland rund um die Aktionswoche.

Was sind die Ursachen für die Entstehung von Kopf-Hals-Krebs? Vor allem übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum sind verantwortlich, da mehr als 90 Prozent der Kopf-Hals-Tumore in den Zellen der Schleimhaut von Mundhöhle, Zunge, Rachen und Kehlkopf entstehen.

  • Auch das Humane Papillom Virus (Subtyp 16) ist inzwischen ein bedeutender Risikofaktor – weshalb auch bei jungen Menschen, die kaum Tabak oder Alkohol konsumiert haben, die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, in den letzten Jahren angestiegen ist.

Symptome früh erkennen mit 1für3-Regel

Die häufigsten Symptome der Erkrankung sind unter anderem dauerhafte Lymphknotenschwellungen am Hals, Schluckbeschwerden mit unklarer Ursache und lang anhaltende Heiserkeit.

„Die Symptome lassen sich nur schwer von denen anderer, harmloserer Erkrankungen differenzieren. Die Diagnose durch den Facharzt erfolgt daher für den Großteil der Patienten immer noch zu einem zu späten Zeitpunkt“, so Professor Dietz.

  • 60 bis 70 Prozent der Kopf-Hals-Tumore werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. 

Wie bei allen Krebserkrankungen gilt jedoch: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser lässt er sich behandeln. „Eine gute Orientierung bietet hier die „1 für 3“-Definition. Sobald ein Symptom länger als drei Wochen anhält, sollte medizinischer Rat eingeholt werden“, empfiehlt Dietz. Weitere Informationen zur „1 für 3“-Regel und den Risikofaktoren von Kopf-Hals-Krebs sind in einem Informationsblatt der EHNS zusammengestellt, das über die Internetseite www.kopf-hals-krebs.de abrufbar ist.

Patiententage mit Vorträgen und Informationsständen

Während der Aktionswoche sind Interessierte, Patienten und Angehörige eingeladen, sich am 23. September bundesweit in Kliniken und Kopf-Hals-Zentren über die Erkrankung, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Experten verschiedener Fachdisziplinen (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Radioonkologie und internistische Onkologie) bieten Untersuchungen zur Früherkennung und Vorträge an sowie weiterführende Materialien und Beratung. Auch Vertreter von Patientenorganisationen stehen an Informationsständen für Fragen zur Verfügung.

In Deutschland werden die Veranstaltungen während der Aktionswoche u.a. von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Kopf-Hals-Tumoren der DKG, der Arbeitsgemeinschaft Onkologie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie dem Bundesverband der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten e.V., der Kopf-Hals-Tumorstiftung und dem biopharmazeutischen Unternehmen Merck Serono GmbH unterstützt.

Weitere Informationen zu Kopf-Hals-Krebs und zur Aktionswoche sowie Informationen zu den teilnehmenden Kliniken sind auf der Webseite zur Aktionswoche www.kopf-hals-krebs.de zusammengestellt. Hier stehen zudem kostenlose Informationsmaterialien der EHNS zum Download bereit.



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Gefährlich für Ihre Niere

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Nichtsteroidale Antirheumatika: Nicht unproblematisch für die Nieren

Bei bestimmten „Risikopatienten“ (u.a. älteren Menschen, Patienten mit Nierenvorschädigungen oder Diabetikern) kann der unbedachte, dauerhafte Einsatz von freiverkäuflichen nichtsteroidale Antirheumatika die Nieren schädigen. Nephrologen raten zum vorsichtigen Einsatz. 
 
Schmerzmittel stehen heute in Deutschland mit ca. 960 Millionen Euro auf Platz zwei der umsatzstärksten Indikationsbereiche der Selbstmedikation (Bericht des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller BAH e.V. 2013, Bonn) [1]. 
  • Dabei handelt es ich in erster Linie um klassische freikäufliche Schmerz- und Fiebermittel, die nichtsteroidalen Antirheumatika - NSA(R). Dazu zählen beispielsweise Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac.
In den Verruf geraten sind NSAR in den 1970er-Jahren, als das NSAR Phenacetin vom Markt genommen werden musste, da es nach Langzeitgebrauch zum Krankheitsbild der Analgetika-Niere führte, oft mit der Folge Dialysepflichtigkeit. Danach kam es zum massiven Rückgang der Inzidenz dieses Nierenschadens, so dass manche Fachleute das Problem als gelöst betrachteten [2, 3].

Seit Jahren wird jedoch das akut und chronisch nephrotoxische Potenzial der verbliebenen NSAR untersucht, beschrieben und diskutiert [4, 5 6] und es zeigt sich zunehmend, dass NSAR keinesfalls als unproblematisch für die Nieren gelten können. 

Auch wenn das typische histopathologische Bild, wie es früher bei der Phenacetin-Niere gesehen wurde, aus dem Biopsiegut der Pathologen verschwunden ist, so sehen sich Nephrologen regelmäßig mit Patienten mit NSAR-geschädigten Nieren konfrontiert.

Es handelt sich dabei jedoch um ein viel komplexeres Krankheitsbild als die ehemalige reine Phenacetin-Niere, daher spricht man auch oftmals vom „Analgetika-Syndrom“, da die Nierenschädigung im Rahmen anderer Komorbiditäten auftritt. So lassen sich inzwischen Risikofaktoren nennen, die das Risiko eines renalen Analgetika-Schadens deutlich erhöhen [6, 7].

  • Dazu gehören vorbestehende Nierenerkrankungen oder eine (unbekannte) Nierenfunktionseinschränkung, wie sie auch physiologischerweise bei älteren Menschen auftritt. Menschen mit Erkrankungen, die ihrerseits mit einem erhöhten renalen Risiko einhergehen (wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Gefäßerkrankungen oder Herzinsuffizienz) und Patienten mit der Notwendigkeit einer jahrelangen oder hochdosierten NSAR-Therapie gehören ebenfalls zum gefährdeten Personenkreis (laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie weist ein Viertel der Deutschen Einschränkungen durch muskuloskelettale Erkrankungen auf, davon 10 Millionen behandlungsbedürftig [8]).

Auch Dehydratationszustände (Fieber, Diarrhoe, heißes Wetter) machen die Nieren anfälliger, da sie dann höheren Analgetikakonzentrationen ausgesetzt sind. Darüber hinaus sind Analgetika-Kombinationspräparate problematisch (höheres renales Risiko als bei Monopräparaten) und nicht selten auch die Arzneimittelkombinationen, die insbesondere bei Multimorbidität zum Einsatz kommen (müssen).

  • So steigt das Risiko für renale Analgetikaschäden bei gleichzeitiger Verabreichung von drei oder mehr Antihypertensiva nachweislich an [Lapi].

Auswege aus dem Dilemma sind nicht immer einfach, da chronische Erkrankungen wie Hypertonie oder rheumatische Leiden nicht unbehandelt bleiben können und dürfen.

Folgende Maßnahmen empfehlen die Nephrologie dennoch für alle Patienten:

1. Alternativen prüfen! Ist die regelmäßige NSAR-Einnahme wirklich notwendig oder können andere Schmerztherapien in Frage kommen (andere Substanzen, Akkupunktur, TENS/transkutane elektrische Nervenstimulation, physiotherapeutische Maßnahmen)?

2. Viel trinken! Grundsätzlich soll auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden (1,5 l), um die Analgetikakonzentration, die die Nieren durchströmt, gering zu halten; bei verschiedenen Begleitumständen (wie fortgeschrittenen Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz) muss jedoch gegebenenfalls eine therapeutische Flüssigkeitsrestriktion erfolgen, dann sollte die Trinkmenge individuell vom Nephrologen festgelegt werden.

3. Besser Gels & Cremes statt Tabletten! Bei vielen Patienten kann die lokale Applikation von NSAR als Cremes, Gel oder Spray über die Kühlwirkung hinaus eine wirksame Alternative darstellen, die nicht vergessen werden sollte [9, 10, 11, 12]. Zwar werden auch bei topischer NSAR-Anwendung messbare Substanzspiegel im Blutplasma erreicht, sie liegen jedoch 50- bis 100fach unter denen bei systemischer Gabe. Die Konzentrationen, die im Gelenk bzw. im umgebenen Gewebe (Synovialflüssigkeit) erreicht werden, können bei geeigneten Präparaten dabei sehr wirksam sein.


Literatur

[1] www.bah-bonn.de
[2] Mihatsch MJ, Khanlari B, Brunner FP. Obituary to analgesic nephropathy--an autopsy study. Nephrol Dial Transplant 2006; 21 (11): 3139-45
[3] Michielsen P. In memoriam 'analgesic nephropathy' (circa 1972-2006). Nephrol Dial Transplant 2007; 22 (4): 999-1001
[4] Naidoo S, Meyers AM. Drugs and the kidney. S Afr Med J 2015; 105 (4): 2683
[5] Pazhayattil GS, Shirali AC. Drug-induced impairment of renal function. Int J Nephrol Renovasc Dis 2014; 7: 457-68
[6] Moore N, Pollack C, Butkerait P. Adverse drug reactions and drug-drug interactions with over-the-counter NSAIDs. Ther Clin Risk Manag 2015 Jul; 11: 1061-75
[7] Lapi F, Azoulay L, Yin H et al. Concurrent use of diuretics, angiotensin converting enzyme inhibitors, and angiotensin receptor blockers with non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of acute kidney injury: nested case-control study. BMJ 2013;346:e8525
[8] DGR Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Rheuma in Zahlen. http://dgrh.de/1726.html
[9] Sandholzer H, Kochen MM. Perkutane Rheumatherapie. Pharma-kritik 1991; 13 (4):13-16
[10] Heyneman CA, Lawless-Liddy C, Wall GC. Oral versus topical NSAIDs in rheumatic diseases. Drugs 2000; 60 (3): 555-74
[11] Zacher J, Burger KJ, Färber L et al. Topisches Diclofenac Emulgel versus orales Ibuprofen in der Therapie der aktivierten Arthrose der Fingergelenke. Doppelblinde, kontrollierte, randomisierte Studie. Akt Rheumatol 2001; 26: 7-14
[12] El-Hadidi T, El-Garf A. Double-blind study comparing the use of Voltaren Emulgel versus regular gel during ultrasonic sessions in the treatment of localized traumatic and rheumatic painful conditions. J Int Med Res 1991; 19: 219-27

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360° TOP-Hinweis: Tödliche Gefahr durch Giftpilz.- Flüchtlinge und Ayslsuchende besonders betroffenen

Medizin am Abend Berlin Fazit      MHH schlägt Alarm: Tödliche Gefahr durch Giftpilz

Ärzte warnen vor gefährlichem Knollenblätterpilz / Flüchtlinge und Ayslsuchende besonders betroffenen: 
Allein 17 Vergiftungen in einer Nacht 

www.versorgungsatlas.de 
 
Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) schlagen Alarm: Allein in der vergangenen Nacht gab es 17 Fälle in der MHH oder der Klinik gemeldet wurden, bei denen sich Flüchtlinge und Asylsuchende am Knollenblätterpilz vergiftet hatten. In den vergangenen Tagen sind es damit mehr als 30 Menschen, die eine Pilzvergiftung erlitten haben. Die Patienten mit den schwersten Symptomen wurden in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie von Professor Dr. Michael Manns behandelt, weitere wurden in andere Krankenhäuser verlegt.

  •  „Die meisten Patienten sind Flüchtlinge aus Syrien, dort scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnelt“, sagt Oberärztin Dr. Andrea Schneider. Um Flüchtlinge und Asylsuchende vor der Gefahr zu warnen, hat die MHH über ihr Netzwerk Flüchtlingshilfe ein Plakat entworfen und in verschiedene Sprachen übersetzt, dass an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt und dort ausgehängt werden soll.

Der Knollenblätterpilz (Amanita spec.) ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich.

  • Der Pilz ist sehr gefährlich, da sein Gift erst mehrere Stunden nach dem Verzehr wirkt und dann bereits im ganzen Körper aufgenommen ist. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf – ähnlich einer Magen-Darm-Infektion, nach ein bis zwei Tagen kommt es zur Schädigung der Leber, die von Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen begleitet werden kann. Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten kann.

Daher fordert Professor Dr. Manns grundsätzlich alle Pilzsammler auf, die gefundenen Pilze vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen bestimmen zu lassen.

„Besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung, sollte dringend der Notarzt gerufen werden. Zur Erleichterung der Diagnose, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben werden“, erklärt Professor Dr. Manns.

Der Knollenblätterpilz wächst im Zeitraum von August bis Oktober in Laub- und Laubmischwäldern. Zu erkennen ist er an einem drei bis 15 Zentimeter breiten Hut, der glockig bis schirmartig ausgebreitet ist. An der Unterseite befinden sich weiße Lamellen. Die Farbe des Giftpilzes ist grün, grün-gelb oder weiß.

Schnelle Hilfe bei Vergiftungen gibt auch das Giftinformationszentrum-Nord unter der Telefonnummer (0551) 19240. Weniger dringende Fragen zu Vergiftungen beantwortet das medizinische Fachpersonal unter der Telefonnummer (0551) 383180.

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Chronische Nierenerkrankung (CKD): Frühzeitige Überweisung („early referral“) zu nephrologischer Betreuung

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Rechtzeitige fachärztliche Mitbetreuung hält das Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung auf

Laut Auswertung des CKD 3-4 Registers des DN e.V. schreitet die chronische Nierenerkrankung (CKD) unter fachärztlicher nephrologischer Mitbetreuung langsamer voran; in den ersten drei Jahren konnten 70% der Patienten, die auch fachärztlich durch einen Nephrologen mitbetreut wurden, ihr CKD-Stadium halten. Eine aktuelle, noch unpublizierte Datenbankanalyse gibt sogar Hinweise darauf, dass die rechtzeitige Überweisung zum Facharzt die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduzieren und die Behandlungskosten senken könne. 
 
2009 hat der DN e.V. das Forschungsnetzwerk Verband Deutsche Nierenzentren (FNDN) gegründet, das durch das wissenschaftliche Institut des DN (WiNe) organisiert wird. Das Institut soll Qualitätssicherungsdaten und -analysen im Bereich der nephrologischen Versorgung sammeln und veröffentlichen sowie wissenschaftliche Arbeiten, Gutachten und Stellungnahmen zu Fragen der Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung chronisch niereninsuffizienter Patienten erstellen.

Eines der Hauptprojekte des DN-eigenen Datenerfassungsprogramms QuaNT ist ein CKD 1-5 Register. Im Rahmen dieses Registers wurden bisher mehr als 30.000 Patienten mit CKD 2-5 erfasst. Darüber hinaus wurde eine repräsentative Kohorte von 1.800 CKD 3-4 Patienten aus den Mitgliedspraxen des DN e.V. gebildet. Zu dieser Patientengruppe gibt es bisher wenig wissenschaftliche Daten zu Krankheitsprogression, Komorbiditäten, Begleitkomplikationen und medikamentösen Begleittherapien. Ziel ist, diese Kohorte prospektiv zu verfolgen, um medizinische sowie für die Versorgungsforschung relevante Erkenntnisse zu generieren. Das Register erfasst u.a. Patientencharakteristika, Laborparameter und quartalsweise die Nierenfunktionsparameter (eGFR nach MDRD) der Patienten.

Bluthochdruck nun häufigste Ursache der chronischen Nierenerkrankung

Erste interessante Einsichten zur Patientenpopulation und Laborparametern wurden bereits publiziert [1]. Ausgewertet wurden die in den ersten sechs Quartalen (Januar 2010- Juni 2011) registrierten Patienten (n=10.616). Wie sich zeigte, waren die häufigste Ursache für die chronische Nierenerkrankung Bluthochdruck bedingte Gefäßschäden (vaskuläre Nephropathie) mit 47% aller Fälle, erst an zweiter Stelle folgte die sogenannte diabetische Nephropathie (durch Diabetes mellitus verursache Nierenerkrankung) mit 26%, die bis dato als CKD-Hauptursache galt.

  • Dass die diabetische Nephropathie in Deutschland auf dem Rückzug ist, kann als Erfolg des „Disease Management Programms Diabetes“ interpretiert werden, denn im Rahmen des Programms werden bei Patienten mit Diabetes mellitus regelmäßig die Nierenwerte erfasst und bei Bedarf erfolgt eine Überweisung zum Nephrologen und die Einleitung einer, den Nierenfunktionsverlust aufhaltenden Therapie. 
  • Ein vergleichbares Programm zur strukturierten, kontinuierlichen und sektorenübergreifenden Versorgung fehlt bei Hypertonikern.
Rechtzeitige nephrologische Mitbetreuung zahlt sich aus – für die Patienten und das Gesundheitssystem!
Dass die rechtzeitige Einbindung eines Nephrologen tatsächlich den Krankheitsverlauf begünstigt, konnte eine weitere Auswertung des CKD 3-5 Registers [2] zeigen. Sie dokumentierte, dass in den ersten drei Jahren 70% der Patienten ihr CKD-Stadium hielten, d.h. unter fachärztlicher Mitbetreuung eine verringerte Progression der chronischen Niereninsuffizienz auftrat.

Die Progressionsverlangsamung durch eine rechtzeitige fachärztliche Mitbetreuung bestätigen auch neue, noch unpublizierte Daten [3]: Das WiNe Institut des DN e.V. hat zusammen mit der HGC GesundheitsConsult eine große Datenbank von gesetzlichen Krankenkassen auf nephrologische Abrechnungsdiagnosen nach ICD-10 durchsucht. Neben der unspezifischen Angabe einer chronischen Niereninsuffizienz (N18.9) wurden auch die CKD Stadien 1-5 (N18.1 bis N18.5) sowie die Dialysepflichtigkeit (Z49.*, Z99.2) erfasst. Es wurden insgesamt 105.219 Patienten identifiziert, von denen 21.024 frühzeitig durch einen Nephrologen mitbetreut wurden. Ein frühzeitige Überweisung („early referral“) zu nephrologischer Betreuung wurde definiert als nephrologische Behandlung im Startjahr 2009 oder in den Folgejahren (2010-12) im CKD Stadium 3 oder früher.

Mit der „Frequency matching"-Methode für Geschlecht und Alter wurden dann diesen „early referral“-Patienten aus den verbleibenden 84.195 Patienten spätüberwiesene („late referral") Patienten zugeordnet. Im Verlauf von vier Jahren wurden Hospitalisierungsraten und Behandlungskosten pro Patient und Jahr sowie die Veränderung der CKD-Stadien, Dialysebeginn und Mortalität analysiert.

  • Die Ergebnisse zeigen, dass in der „late referral“-Gruppe die Hospitalisierungsraten und die Behandlungskosten (stationär, ambulant plus Medikamente) signifikant höher waren als in der „early referral“-Gruppe. In dieser blieb auch bei signifikant mehr Patienten das CKD-Stadium im Vergleich zum Vorjahr konstant. 

Bei Patienten, die im CKD-Stadium 3 einem Nephrologen vorgestellt wurden, wurde zwar pro Jahr bei mehr Patienten aus der „early referral“-Gruppe die Dialysebehandlung eingeleitet (11,36% vs. 6,37%, p<0 23="" aber="" als="" berwiesenen="" br="" der="" die="" dieser="" gruppe="" in="" mortalit="" nephrologen="" niedriger="" p="0,006)" patienten.="" signifikant="" sp="" t="" vs.="" war="" zum="">
  • „Wie diese Daten zeigen, ist es dringend notwendig, dass auch die CKD3 in der nephrologischen Bedarfsplanung reflektiert wird und es sich als Therapiestandard etabliert, CKD3-Patienten durch einen Nephrologen mit zu betreuen. 
  • Wir sehen die Patienten in der Regel zu spät, um noch erfolgreich präventiv tätig werden zu können!“

Literatur
[1] Kleophas W1, Bieber B, Robinson BM et al. Implementation and first results of a German chronic kidney disease registry. Clin Nephrol. 2013; 79(3):184-91
[2] Abstract vom Nephrologischen Jahresgespräch des DN e.V. Mannheim Nov 2014
[3] Unpublizierte Daten von Lonnemann et al.

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Herzkatheter-Patienten: Blutungsrisiko reduziert - Bivalirudin

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Herzkatheter-Patienten: Blutungsrisiko reduziert

Laut einer soeben im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Studie reduziert ein neuer Blutgerinnungshemmer das Blutungsrisiko bei Herzkatheter-Patienten deutlich. An der Studie waren auch das Inselspital und die Universität Bern beteiligt. 
 
Die industrieunabhängig durchgeführte Studie mit 7213 Patienten aus 78 Zentren in 4 europäischen Ländern fand unter dem Patronat der Italienischen Gesellschaft für Interventionelle Kardiologie statt. Die Forschenden untersuchten, welches von zwei Medikamenten besser wirkt, um bei Herzkatheter-Patienten die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern: das bewährte Heparin oder das neue Bivalirudin.

  • Ergebnis: Bivalirudin reduzierte die Anzahl Blutungen und verringerte, wohl aufgrund der Reduktion von Blutungen, auch die Sterblichkeit. Das Risiko für einen nachfolgenden Herzinfarkt oder einen Hirnschlag blieb dagegen gleich hoch.

Bessere Wahl in ausgewählten Fällen

Studienleiter Dr. med. Marco Valgimigli, seit kurzem Leiter der klinischen Forschung an der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals Bern: „Die Gesamtresultate der Studie rechtfertigen keineswegs eine komplette Umstellung auf Bivalirudin.“

In ausgewählten Fällen mit hohem Blutungsrisiko sei das neue Generikum aber die bessere Wahl.

Prof. Dr. med. Peter Jüni, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern, war zusammen mit der Clinical Trials Unit an der Universität Bern massgeblich in die Studie involviert. Sein Urteil: „Die Studie ist exemplarisch dafür, wie klinisch wichtige Fragen ohne direkten Einbezug der Industrie beantwortet werden können.“


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Therapie gegen Zystennieren ADPKD - Familäre Zystennieren

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Erste zielgerichtete Therapie gegen Zystennieren: Meilenstein, aber die Forschung muss weitergehen

Seit August ist der V2-Rezeptor-Antagonist Tolvaptan, die erste zielgerichtete Therapie gegen Zystennieren, bei Erwachsenen verordnungsfähig. Laut DGFN eignet sich die Substanz aber nur für ausgewählte Patienten, die umfassend beraten und in einem Zentrum mit Erfahrung in der ADPKD mitbetreut wurden. „Tolvaptan wirkt progressionshemmend, aber ist nicht für alle Patienten mit Zystennieren eine Option. Die Forschung an zielgerichteten Therapien gegen Zystennieren muss weitergehen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Benzing (Köln), Kongresspräsident der DGfN-Jahrestagung 2015. Derzeit wird auch ein Register zur Langzeitbeobachtung von Tolvaptan-behandelten Zystennierenpatienten initiiert. 
 
Die autosomal-dominante polyzystische Nierendegeneration (ADPKD), auch oft als „familiäre Zystennieren“ bezeichnet, ist eine erbliche Erkrankung, die in Deutschland schätzungsweise über 50.000 und weltweit über 12 Millionen Menschen betrifft [1]. Die Inzidenz beträgt 1:500 bis 1:1000 [2]. Im Allgemeinen wird die Erkrankung erst im dritten und vierten Lebensjahrzehnt symptomatisch, davor wird sie entweder im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung als Zufallsbefund entdeckt oder auch gezielt diagnostiziert, wenn die Erkrankung eines Elternteils bekannt wird. Die Krankheitsprogression sowie das Erreichen des terminalen Nierenversagens können stark variieren, letztendlich werden aber die meisten Patienten im Laufe ihres Lebens dialysepflichtig (die Hälfte der Patienten muss im Mittel mit 58 Jahren an die Dialyse [3]). Bei ungefähr 7% aller Dialysepatienten ist eine ADPKD die Ursache der terminalen Niereninsuffizienz [4].

Zur Zystenbildung kommt es durch bestimmte Genmutationen, bei mindestens 80% der Patienten ist das PKD1-Gen auf Chromosom 16 betroffen.

Eine genetische Diagnostik wird aber in der Regel nicht durchgeführt.

Es kommt zur Fehlfunktion von Nierenzellen mit einer starken Flüssigkeitssekretion und zystischen Erweiterung der Harnkanälchen (Tubuli).

Während eine gesunde Niere ungefähr 160 g wiegt, erreichen Zystennieren ein Gewicht von mehreren Kilogramm. Im Endstadium bestehen die Nieren nur noch aus flüssigkeitsgefüllten Zysten, normales Nierengewebe ist kaum noch vorhanden.

  • Erste Symptome sind oft das Auftreten von Blut im Urin und rezidivierende Harnwegsinfektionen, aber auch Rücken-, Flanken- oder Bauchschmerzen sowie merkliche Zunahme des Bauchumfangs. Bei 60-70% der Patienten kommt es zu einem Bluthochdruck, auch Nierensteine sind möglich.

Lange Zeit konnte die Progression nur durch die medikamentöse Blutdrucksenkung und nephroprotektive Maßnahmen (Verzicht auf Nikotinkonsum und auf nierenschädigende Medikamente) verlangsamt werden. Auch heute ist die ADPKD – abgesehen von einer Nierentransplantation – nicht heilbar. Im Terminalstadium sichert die Dialyse und vor allem die Nierentransplantation das Überleben der Betroffenen.

Neue zielgerichtete Therapieansätze bei Zystennieren – „trial and error“

Die Erforschung der genetisch-molekularbiologischen Grundlagen der Pathophysiologie der Erkrankung zeigte verschiedene zelluläre Mechanismen und Signalwege auf, die bei der Zystenentstehung beteiligt sind. Basierend auf der Erkenntnis, dass durch die ADPKD-verursachenden Genmutationen unter anderem das Protein mTor („mammalian Target of Rapamycin“) verstärkt exprimiert wird, wurde den letzten Jahren die medikamentöse Therapie mit mTOR-Inhibitoren evaluiert (z. B. Everolimus, bekannt aus der immunsuppressiven Therapie nach Organtransplantation). Leider konnte im Ergebnis nur das Zystenwachstum gehemmt werden, nicht jedoch der progrediente Nierenfunktionsverlust [5].

An einem anderen, die Proliferation und Sekretion der Zystenzellen fördernden Signalweg ist der intrazelluläre Botenstoff cAMP (cyclisches Adenosinmonophosphat) maßgeblich beteiligt. Octreotid, ein Somatostatin-Analogon, wirkt cAMP-hemmend. Unter dem langwirksamen Octreotid-LAR konnte die mittlere Wachstumsrate des Nierenvolumens signifikant reduziert werden (46,2 ml vs. 143,7 ml) [6], ob jedoch auch der renale Funktionsverlust effektiv aufgehalten werden kann, konnte die Studie nicht zeigen.

Tolvaptan – der Durchbruch?

Die bei ADPKD hochregulierte cAMP-Bildung in den Zellen der Nierentubuli wird durch das Hormon Vasopressin über den Vasopressin2-Rezeptor (V2R) ausgelöst. V2-Rezeptor-Antagonisten blockieren den Rezeptor und somit die Bildung von cAMP und können somit die Zystenbildung aufhalten. Dies wurde für den oralen V2-Rezeptor-Antagonisten Tolvaptan in der Phase-III-Studie TEMPO 3:4 eindrucksvoll gezeigt. Über drei Jahre konnte die Wachstumsgeschwindigkeit des Nierenvolumens um 50% reduziert, der jährliche Nierenfunktionsverlust um 30% vermindert werden [7], was statistisch zu einer signifikanten Hinauszögerung der Dialysepflichtigkeit um median 6,5 Jahre führen sollte [8].

Seit Mai 2015 ist der V2-Rezeptor-Antagonist Tolvaptan für die Therapie der ADPKD bei erwachsenen Patienten im CKD-Stadium 1-3 mit schnell fortschreitender Erkrankung in Europa zugelassen. Der Wirkstoff selbst ist nicht neu, seit einigen Jahren wird Tolvaptan zur Therapie des „Syndroms der inadäquaten Vasopressin-Sekretion“/SIADH eingesetzt. Für Deutschland liegt nun seit August die Verordnungsfähigkeit für die Indikation ADPKD vor.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Nebenwirkungen von Tolvaptan umfassen Durst, Polyurie, Pollakisurie, Nykturie; aber auch Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Erhöhung der Leberwerte. Auch wenn die hepatischen Nebenwirkungen bislang nur selten und reversibel waren, so scheint prinzipiell ein hepatotoxisches Potenzial zu bestehen [9], weshalb eine Überwachung der Leberwerte vor und während der Behandlung erforderlich ist.

Aus dem Wirkmechanismus (gesteigerte Ausscheidung von „freiem Wasser“) ergeben sich zudem signifikante Begleiterscheinungen der Therapie.

Die hohe Menge an ausgeschiedenem unverdünntem Urin muss durch eine entsprechende Trinkmenge kompensiert werden. Die Substanz eignet sich aufgrund der Begleiterscheinungen und der Tatsache, dass die Substanz nur in den frühen Stadien der Erkrankung zugelassen ist, nur für ausgewählte Patienten, die umfassend beraten wurden. Am besten geschieht die initiale Beratung in einem in der Therapie der ADPKD erfahrenen Zentrum. Eignung bzw. Mitarbeit des Patienten sind wichtige Voraussetzungen für diese Therapie.

  • Erwachsene ADPKD-Patienten können sich unter anderem in der Kölner Spezialambulanz für Zystennieren vorstellen, um abklären zu lassen, ob eine Behandlung mit Tolvaptan für sie in Frage kommt. Zudem initiiert Prof. Dr. Thomas Benzing von der Universität Köln derzeit ein Register, um Langzeitdaten der mit Tolvaptan behandelten Patienten zu erfassen. Das Registerprojekt wird von der DGfN unterstützt.

„Tolvaptan wirkt progressionshemmend, aber ist nicht für alle Patienten mit Zystennieren eine Option. Die Forschung an zielgerichteten Therapien gegen Zystennieren muss weitergehen“, so das Fazit von Prof. Dr. Thomas Benzing (Köln), Kongresspräsident der DGfN-Jahrestagung 2015.


Literatur
[1] http://www.pkdcure.de/index.php?page=adpkd
[2] Wilson PD. Polycystic kidney disease. N Engl J Med 2004; 350 (2): 151-64
[3] Gabow PA, Johnson AM, Kaehny WD et al. Factors affecting the progression of renal disease in autosomal-dominant polycystic kidney disease. Kidney Int 1992; 41 (5): 1311-9
[4] Frei U, Schober-Halstenberg HJ. Nierenersatztherapie in Deutschland. QuaSi-Niere Jahresbericht 2005/2006
[5] Walz G, Budde K, Mannaa M et al. Everolimus in patients with autosomal dominant polycystic kidney disease. N Engl J Med 2010; 363 (9): 830-40
[6] Caroli A, Perico N, Perna A et al.; ALADIN study group. Effect of longacting somatostatin analogue on kidney and cyst growth in autosomal dominant polycystic kidney disease (ALADIN): a randomised, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet 2013;382:1485-95
[7] Erickson KF, Chertow GM, Goldhaber-Fiebert JD. Cost-effectiveness of tolvaptan in autosomal dominant polycystic kidney disease. Ann Intern Med 2013;159(6):382-9
[8] Torres VE, Harris PC et al. Tolvaptan in patients with autosomal dominant polycystic kidney disease. The New England Journal of Medicine. 2012;367 (25): 2407-2418
[9] Watkins PB, Lewis JH, Kaplowitz N et al. Clinical Pattern of Tolvaptan-Associated Liver Injury in Subjects with Autosomal Dominant Polycystic Kidney Disease: Analysis of Clinical Trials Database. Drug Saf. 2015 Jul 19. [Epub ahead of print]

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360° TOP-Thema: Akuter Sauerstoffmangel in der Geburtsphase

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Sauerstoffmangel bei Neugeborenen: Schützt ein Gichtmedikament das Gehirn?

 

Prof. Axel Franz, Oberarzt der Abteilung für Neonatologie und neonatologische Intensivmedizin an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Tübingen und Prof. Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereichs Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden haben eine europaweite Studie initiiert, mit der die Wirksamkeit einer neuen Medikation für Babys überprüft werden soll, die in der Geburtsphase akutem Sauerstoffmangel erlitten haben. Bei einem ungünstigen Verlauf führt dieser Mangel zum Tod oder zu dauerhaften Folgen in Form von motorischen Störungen oder einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit. 

 Blick in die Neonatologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.
Blick in die Neonatologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Uniklinikum Dresden
 
Die beiden wissenschaftlich tätigen Ärzte und Wissenschaftler aus Baden-Württemberg und Sachsen konnten die Gutachter des von der Europäischen Union initiierten Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ von ihrem Vorhaben überzeugen. Die EU finanziert die ALBINO-Studie mit knapp sechs Millionen Euro, in der Wissenschaftler und Kliniker aus 14 europäischen Ländern zusammenarbeiten werden. Die Initiatoren der Studie reisen deshalb als Koordinatoren der Studie am morgigen Donnerstag (10. September) nach Brüssel. Hier informieren sie sich in einem initialen Treffen aller „Horizon 2020“-Koordinatoren über die Modalitäten des Förderprogramms zu ihrem Forschungsvorhaben.

  • Dank der intensiven medizinischen Überwachung während des Geburtsvorgangs erleiden heute nur noch ein bis vier von eintausend Neugeborenen einen Sauerstoffmangel unter der Geburt. Deutschlandweit sind das etwa 400 bis 600 Kinder, so dass dieser Mangel als häufigste Geburtskomplikation mit Folgeschäden gilt. 

Der Sauerstoffmangel schädigt grundsätzlich alle Organe, doch das Gehirn reagiert am empfindlichsten. Hier sterben am schnellsten Zellen ab, wenn das Blut zu wenig Sauerstoff enthält. Die Schäden reichen von vorübergehenden Problemen, die von alleine wieder verschwinden, bis hin zu schweren Entwicklungsstörungen, Lähmungen und Behinderungen. Eine wirksame Methode, um das Gehirn nach einem solchen Ereignis zu schützen, ist das vor zehn Jahren als Behandlungsstandard eingeführte und bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Dresden wissenschaftlich untersuchte, gezielte Kühlen des Neugeborenen. Der Körper wird dabei für 72 Stunden auf 33,5 Grad abgekühlt und danach langsam wieder erwärmt.

  • Trotzdem sterben noch immer 45 bis 50 Prozent der betroffenen Kinder oder behalten schwere neurologische Schäden zurück. In kleineren klinischen Studien wurde bereits gezeigt, dass sich durch die Gabe des Medikaments „Allopurinol“ direkt nach der Geburt die langfristigen Schäden weiter reduzieren lassen. Der zur Behandlung von chronischen Gicht-Erkrankungen eingesetzte Wirkstoff sorgt dafür, dass die Harnsäure-Konzentration im Blut gesenkt wird und beugt so akuten Gichtanfällen vor. Wie genau „Allopurinol“ nach einem Sauerstoffmangel wirkt, war lange Zeit unbekannt. In den vergangenen Jahren konnten Forscher in einem ersten Schritt die Mechanismen beschreiben, die infolge des Sauerstoffmangels zum Untergang von Hirnzellen führen. 
  • Der Mangel setzt komplexe Prozesse in Gang, welche die Nervenzellen schädigen – zum Beispiel das Anlagern von Glutamat, den Anstieg der Kalziumkonzentration oder das Auslösen des programmierten Zelltods. Diese Vorgänge entwickeln sich nicht unmittelbar in der Mangelsituation, sondern während der ersten Stunden nach dem Ereignis. Hieraus ergibt sich ein „therapeutisches Fenster“ für mögliche, die Hirnnerven schützende Behandlungen – auch mit „Allopurinol“.

In der durch die EU geförderten ALBINO-Studie (Effect of ALlopurinol in addition to hypothermia for hypoxic-ischemic Brain Injury on Neurocognitive Outcome) soll die Wirksamkeit dieses Medikamentes bewiesen werden.

Dazu sollen rund 900 Neugeborene mit Sauerstoffmangel unter der Geburt untersucht werden. Da selbst große Kliniken jährlich nicht mehr als fünf derartiger Kinder behandeln, ist eine große multizentrische internationale Studie notwendig, um die Patientenzahlen zu rekrutieren. Die enge Kooperation der Wissenschaftler aus Tübingen und Dresden sorgt für Synergieeffekte. Beide bringen ihr spezielles Wissen und Know-how ein, um dieses Forschungsvorhaben erfolgreich abwickeln zu können. Prof. Axel Franz` Expertise liegt in der Organisation multizentrischer Studien. Der Arzt und Wissenschaftler ist Leiter des „Center for Pediatric Clinical Studies“ (CPCS) in Tübingen. Diese Einrichtung koordinierte bereits zwei große, öffentlich durch die Europäische Union beziehungsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzierte neonatologische Studien. Prof. Mario Rüdiger leitet das Deutsche Hypothermienetzwerk und ist Organisator eines jährlich stattfindenden wissenschaftlichen Symposiums europäischer Forscher auf diesem Gebiet. Diese Kombination an Expertisen hat die Gutachter der EU davon überzeugt, die auf „Allopurinol“ basierende Therapie erstmals in einer großen Studie zu erforschen und damit die Chance zu nutzen, den betroffenen Kindern besser als bisher zu helfen.

Weitere Informationen unter

www.medizin.uni-tuebingen.de/kinder/de/abteilungen/cpcs/

www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Kliniken/Kinder_+und+Jugendmedizin-p-796/Kinderheilkunde+IV.html

www.hypothermienetzwerk.de


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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Zentrum für Neonatologie
Leiter: Prof. Dr. med. Mario Rüdiger
Tel. 0351 458 2440
E-Mail: kik@uniklinikum-dresden.de

Universitätsklinikum Tübingen
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Center for Pediatric Clinical Studies
Leiter: Prof. Dr. Axel Franz
Tel. 07071 29 82211
E-Mail: axel.franz@med.uni-tuebingen.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


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360° TOP-Hinweis: Darmkrebs www.krankheitserfahrungen.de

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Neues Modul „Darmkrebs“ ist online

Die Internetplattform www.krankheitserfahrungen.de bietet Informationen für Patienten und Angehörige 

Foto: Britt Schilling
 Foto: Britt Schilling

Die Internetplattform www.krankheitserfahrungen.de hat ein neues Modul: Es widmet sich dem Thema „Darmkrebs“, der zweithäufigsten Krebserkrankung in Deutschland. Eine Arbeitsgruppe am Institut für Psychologie der Universität Freiburg und an der Berlin School of Public Health der Charité-Universitätsmedizin Berlin hat die Inhalte erarbeitet. Das Bundesministerium für Gesundheit hat das Projekt innerhalb des Nationalen Krebsplans gefördert. Das Modul ergänzt die auf der Plattform vorhandenen Erfahrungssammlungen zu Diabetes, chronischem Schmerz, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Epilepsie, Brust- sowie Prostatakrebs.

  • Das kostenfreie Angebot präsentiert nach einem wissenschaftlichen Konzept erhobene Krankheitserfahrungen von Betroffenen. Forscherinnen und Forscher erfragen die Inhalte bundesweit in Interviewstudien und präsentieren sie mittels ausgewählter Texte, Audiodateien und Videos. 

Die Betroffenen erzählen von ihrem Leben mit einer Erkrankung sowie den Folgen und Veränderungen im Alltag. Im Vordergrund stehen persönliche Erlebnisse mit der Diagnose, Therapiemöglichkeiten, Behandlungen und Nebenwirkungen, medizinischer Versorgung und Bewältigung der Krankheit.

  • Die Inhalte dienen der Information und Unterstützung von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen, bieten Anschauungsmaterial für die Ausbildung von Ärztinnen, Ärzten und medizinischem Personal. Das Team wertet das Material zudem in wissenschaftlichen Studien zur Perspektive von Betroffenen auf das Leben mit einer Erkrankung weiter aus. 

Die Internetplattform ist werbefrei, kommerziell unabhängig und wird von der Arbeitsgruppe DIPEx (Database of Individual Patients’ Experiences) Germany an der Abteilung für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie der Universität Freiburg sowie am Institut für Allgemeinmedizin der Universität Göttingen betreut. DIPEx International ist der Dachverband, in dem sich Arbeitsgruppen, die Online-Portale zum Thema Krankheitserfahrungen betreiben, aus derzeit 13 Ländern zusammengeschlossen haben. Koordinatorin von DIPEx Germany ist die Freiburger Psychologin Prof. Dr. Gabriele Lucius-Hoene.

Außerdem untersucht ein Team um Dr. Christine Holmberg von der Berlin School of Public Health der Charité in einer Online-Studie, inwieweit das Portal Patienten den Umgang mit einer Erkrankung erleichtern kann. Mit den Ergebnissen ist in den kommenden Monaten zu rechnen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Gabriele Lucius-Hoene
Institut für Psychologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3050
E-Mail: lucius@psychologie.uni-freiburg.de
info@krankheitserfahrungen.de
Rudolf-Werner Dreier Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

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http://www.krankheitserfahrungen.de

Elefant – Emotionales Lernen ist fantastisch - Emotionsverständnis

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Mangelndes Emotionsverständnis begünstigt Aufmerksamkeitsprobleme bei Kindern

Kinder haben später weniger Aufmerksamkeitsprobleme, wenn sie schon früh ein gutes Verständnis ihrer eigenen und der Emotionen anderer entwickeln. Das belegt eine kürzlich in der Zeitschrift Kindheit & Entwicklung veröffentlichte Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der George Mason University (USA). Die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Maria von Salisch hat die Untersuchung geleitet. 
 
Die Wissenschaftlerinnen befragten im Rahmen ihrer Studie zur Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen 261 Kinder, deren Eltern und Erzieherinnen aus 33 Kindergärten in Niedersachsen. In der ersten von zwei Untersuchungsphasen lag das durchschnittliche Alter der Kinder bei fünf Jahren. 14 Monate später wurde die Befragung wiederholt.

Getestet wurden das Emotionsverständnis, die behavioriale Selbstregulation, die komplexe Gedächtnisspanne und das rezeptive Sprachverständnis. Der soziodemographische Hintergrund und das Geschlecht der Kinder wurden ebenfalls berücksichtigt.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, welche Faktoren es Kindergartenkindern erleichtern oder erschweren zu lernen, ihre Aufmerksamkeit zu steuern. 

Dabei spielt das sogenannte Emotionswissen eine entscheidende Rolle.

  • Es bezeichnet die Fähigkeit, Emotionen bei sich und den Mitmenschen zu erkennen, mit Worten zu benennen und das eigene emotionale Ausdrucksverhalten zu steuern. Die Studie zeigt, dass Kinder, die zum Zeitpunkt der ersten Befragung über ein umfangreiches Emotionswissen verfügten, ein gutes Jahr später weniger Schwierigkeiten mit ihrer Aufmerksamkeitssteuerung hatten, als Kinder mit einem anfangs niedrigen Emotionswissen.

Die Aufmerksamkeitsprobleme von Kindern mit großem Emotionswissen verringern sich im Zeitablauf sogar überdurchschnittlich. Dieses Ergebnis hat auch dann Bestand, wenn die Einflussfaktoren Geschlecht, Sozialschicht und Sprachverständnis in die Bewertung mit einbezogen werden.

„Das eigene Erleben und Verhalten und das Verhalten anderer Menschen wird mit fortschreitendem Emotionsverständnis vorhersagbarer. Das bindet weniger Aufmerksamkeit und begünstigt prosoziales Verhalten“, erklärt Professor von Salisch den Befund. „Kinder mit beschränktem Emotionswissen erscheinen hingegen oft abgelenkt. Ihre Aufmerksamkeit wird davon in Anspruch genommen, sich ihre eigenen Gefühlszustände oder negative Emotionen anderer zu erklären und die eigenen daraus entstehenden Emotionen zu regulieren.“

Die Studie erweitert den bisherigen Forschungsstand zur Entstehung von Aufmerksamkeitsproblemen bei Kindern. „Die bislang gängige Annahme in der Forschung ist, dass vor allem ein Defizit bei den exekutiven Funktionen (EF) ausschlaggebend für die Entstehung von ADHS ist“, so von Salisch. Diese Funktionen entwickeln sich im Vorschulalter in schnellem Tempo und umfassen – unter anderem – die willentliche Steuerung der Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis und Fähigkeiten zur Unterdrückung kognitiver und motorischer Impulse. „Mit unserer Studie haben wir nun nachweisen können, dass neben den EF eben auch das Emotionswissen ein entscheidender erklärender Faktor für die Entstehung von Aufmerksamkeitsproblemen ist“, so die Wissenschaftlerin. Das Emotionswissen solle daher in künftigen Studien viel stärker als bisher in den Fokus rücken.

Die Ergebnisse stammen aus dem vom Niedersächsischen Forschungsverbund für Bildung und Entwicklung und von der Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft geförderten Forschungsprojekt „Elefant – Emotionales Lernen ist fantastisch“.

von Salisch, Maria; Hänel, Martha; Denham, Susanne A. (2015). Emotionswissen, exekutive Funktionen und Veränderungen bei Aufmerksamkeitsproblemen von Vorschulkindern, in: Kindheit und Entwicklung 24 (2), 78-85.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Maria von Salisch
Leuphana Universität Lüneburg
Institut für Psychologie
Telefon: +49.4131.677-1704
Sekretariat: +49.4131.677-1708
Email: salisch@uni.leuphana.de
Henning Zuehlsdorff -  Leuphana Universität Lüneburg

360° zum Montag - ElternFrühstück: Hausaufgaben: Nicht die Zeit ist entscheidend, sondern die Motivation

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Tübinger Bildungsforscher identifizieren fünf Hausaufgabentypen und zeigen Strategien zur Förderung schwächerer Lerner auf   

 

Viele Lehrkräfte, die mit dem Lernerfolg ihrer Schüler unzufrieden sind, haben ihren Schülern schon einmal diese Frage gestellt: Wie viel Zeit habt Ihr für die Hausaufgaben aufgewendet?

Tübinger Bildungsforscher konnten nun zeigen, dass man damit nicht unbedingt den Kern des Problems trifft. 

Ob Schülerinnen und Schüler bei ihren Hausaufgaben erfolgreich lernen, hängt vielmehr damit zusammen, mit wie viel Sorgfalt und Anstrengung sie bei der Sache sind.

In ihrer Studie untersuchten Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung das Hausaufgabenverhalten von knapp 2000 Achtklässlern im Fach Französisch. Dabei betrachteten sie die mit den Hausaufgaben verbrachte Zeit in Verbindung mit Sorgfalt/Anstrengung und der letztendlichen Leistung der Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse wurden nun in der internationalen Fachzeitschrift „Learning and Instruction“ veröffentlicht.

Den Bildungsforschern gelang es, fünf unterschiedliche Hausaufgabentypen zu identifizieren: 

  • Die fleißigen Schnellen
  • Die Hochengagierten,
  • Die Durchschnittsschüler
  • Die sich abmühenden Lerner
  • Die Minimalisten. 

 Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass diese Typen über einen längeren Zeitraum stabil bleiben.

Ob lange Hausaufgabenzeiten zu einer höheren Leistung führen, hängt davon ab, zu welchem Hausaufgabentyp ein Schüler gehört. So benötigen die sich abmühenden Lerner meist lange für ihre Aufgaben und erzielen dennoch keine guten Ergebnisse. Eine Annahme, die viele Wissenschaftler und Praktiker für selbstverständlich hielten, ist damit widerlegt: Ein hoher Zeitaufwand bei den Hausaufgaben wirkt sich nicht automatisch positiv auf die Leistung aus. Ob lange Bearbeitungszeiten ein Zeichen für Fleiß sind oder von Eltern als Alarmsignal gesehen werden sollten, hängt vielmehr stark vom Arbeitsstil des Kindes ab.

Ziel von Fördermaßnahmen sollte den Ergebnissen der Studie zufolge sein, Schüler in die „Fleißig aber schnell“ Kategorie zu bringen. Dies gilt vor allem für die sich abmühenden Lerner, die unter den in der Studie identifizierten Hausaufgabentypen eine Risikogruppe darstellen.

Wie kann man dieses Ziel erreichen? „Der nächste Schritt in der Hausaufgabenforschung sollte es sein, an Maßnahmen zu arbeiten, die Kindern helfen, ihre Hausaufgaben effizient zu bewältigen“, so Barbara Flunger, Erstautorin der Studie. Strategien für die Förderung schwächerer Lerner könnten zum Beispiel Maßnahmen sein, die den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, wie wichtig Hausaufgaben tatsächlich sind. Verschiedene wissenschaftliche Studien konnten bereits belegen, dass Motivation und Anstrengungsbereitschaft durch solche Maßnahmen nachhaltig gesteigert wer-den können. Eine weitere Fragestellung für künftige Studien sei außerdem herauszufinden, wie sich zum Beispiel die elterliche Hausaufgabenhilfe auf das Hausaufgabenverhalten auswirkt.

„Mit ihrem Fokus auf die Hausaufgabenzeiten ging die Forschung zu Hausaufgaben die letzten Jahrzehnte in die falsche Richtung“, sagt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung.

  • „Entscheidend für gute Leistung sind bei der Hausaufgabenbearbeitung die Motivation und Selbstregulation und weniger die Zeit, die Schülerinnen und Schüler auf dem Hosenboden sitzend verbringen.“

Originalpublikation:
Flunger, B., Trautwein, U., Nagengast, B., Lüdtke, O., Niggli, A., & Schnyder, I. (2015). The Janus-faced nature of time spent on homework: Using latent profile analyses to predict academic achievement over a school year. Learning and Instruction, 39, 97-106. doi:10.1016/j.learninstruc.2015.05.008

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: 

Prof. Dr. Ulrich Trautwein
Universität Tübingen
Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung
Exzellenz-Graduiertenschule LEAD
Telefon +49 7071 29-73931
ulrich.trautwein[at]uni-tuebingen.de
Dr. Karl Guido Rijkhoek Eberhard Karls Universität Tübingen