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Frauentag 2018: Mütter und kostenlose Kindertagsbetreuung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Beitragsfreie Kita-Betreuung führt nicht dazu, dass Frauen mehr arbeiten

Mütter weiten ihr Arbeitsangebot nicht aus, wenn ihnen eine kostenlose Kindertagesbetreuung zur Verfügung steht. 

Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. 

  • Zwar steigert die Beitragsfreiheit die Kita-Besuchsquote von Kleinkindern, doch das familienpolitische Ziel einer Stärkung der Frauenerwerbstätigkeit wird verfehlt. 
Die Autorinnen halten es für sinnvoller, die Kita-Gebühren nach Haushaltseinkommen zu staffeln und die eingesparten Mittel in die Betreuungsqualität zu investieren. 
 
Die Studie von Anna Busse und Christina Gathmann, Ökonominnen an der Universität Heidelberg, untersucht anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2010 bis 2015, wie sich die Abschaffung der Gebühren für Kindergärten und Kindertagesstätten in verschiedenen Bundesländern auf die Betreuungssituation, Erwerbstätigkeit und kindliche Entwicklung ausgewirkt haben. 

  • Das letzte Kindergartenjahr ist inzwischen in neun der elf alten Bundesländer beitragsfrei. 
Drei dieser Länder haben die Beitragsfreiheit bereits auf jüngere Kinder ausgeweitet.
  • Die Einführung des kostenlosen letzten Kindergartenjahres hatte auf die Besuchsquote, die in dieser Altersgruppe bereits vor der Beitragsfreiheit bei 97 Prozent lag, praktisch keinen Einfluss. 
  • Bei den Zwei- bis Dreijährigen erhöhte die Reform hingegen die Besuchsquote um 8 Prozentpunkte. 
  • Besonders stark fiel der Anstieg bei Kindern aus einkommensschwachen Familien aus. 
„Diese Entwicklung ist positiv zu bewerten, da Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten in einem qualitativ hochwertigen Betreuungsangebot besser ihre Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln können“, erklärt Wirtschaftsprofessorin Christina Gathmann. Insbesondere Mädchen profitieren der Studie zufolge von der außerhäuslichen Betreuung.

Insgesamt habe die Einführung der Beitragsfreiheit aber hauptsächlich zu „Mitnahmeeffekten“ geführt, die zwar das Familienbudget erhöhen, jedoch die gewählte Kinderbetreuung nur unwesentlich beeinflussen.

Außerdem fanden die Forscherinnen kaum positive Wirkungen auf die Erwerbsbeteiligung oder die wöchentliche Arbeitsstundenzahl von Müttern.

  • Eher scheinen die Familien das zusätzliche Einkommen zu nutzen, um das Arbeitsangebot der Mütter zu verringern.

Das Ziel, durch die Bereitstellung beitragsfreier Betreuungsplätze die Erwerbstätigkeit und damit die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen, vor allem von Alleinerziehenden, zu erhöhen, werde jedenfalls durch diese Politik nicht erreicht, so das Fazit der Untersuchung. 

Die Förderung des Kita-Besuchs von Kindern aus ärmeren Familien sei kostengünstiger durch die vielerorts bereits übliche Staffelung der Gebühren nach Haushaltseinkommen zu erreichen.

Die so eingesparten Mittel könnten dann in die Qualität der Kinderbetreuung investiert werden, von der alle Vorschulkinder profitieren würden.

Download der englischsprachigen Studie:

Anna Busse, Christina Gathmann: Free Daycare and its Effects on Children and their Families
IZA Discussion Paper No. 11269
http://ftp.iza.org/dp11269.pdf

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Zur Tagesdiskussion: Die Männer-Gesundheit: Beruflicher Abstieg/Arbeitslosigkeit

Medizin am Abend Fazit: Beruflicher Abstieg schadet der Gesundheit – Männer in Ostdeutschland besonders betroffen

Neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie

Beruflicher Abstieg schadet der Gesundheit – Männer in Ostdeutschland besonders betroffen

Wenn Menschen beruflich absteigen, leidet häufig die Gesundheit, belegt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 

Das lässt sich besonders bei ostdeutschen Männern beobachten.  
  • Männer aus Ostdeutschland haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten häufiger die Erfahrung von beruflichem Abstieg oder Arbeitslosigkeit gemacht. 
Gleichzeitig geht es ihnen gesundheitlich schlechter als westdeutschen Männern. 

Wie beides zusammenhängt, zeigt eine neue Studie von Sebastian Günther, Dr. Anja Knöchelmann, Dr. Irene Moor und Prof. Dr. Matthias Richter vom Institut für Medizinische Soziologie der Universität Halle-Wittenberg.*

Die Soziologen haben die Lebensläufe von knapp 20.000 erwerbstätigen Deutschen im Alter zwischen 25 und 59 analysiert. Dabei haben sie einerseits die intergenerationale Mobilität untersucht, also wie sich die berufliche Stellung gegenüber der Elterngeneration verändert hat, andererseits die intragenerationale Mobilität, die etwas über die Veränderungen innerhalb eines Berufslebens aussagt.

Diese Ergebnisse kombinierten die Forscher mit Angaben dazu, wie die untersuchten Personen ihre Gesundheit einschätzen. Solche Angaben gelten in der Wissenschaft als „verlässliche Indikatoren für den objektiven Gesundheitszustand“, betonen die Medizinsoziologen. Die Daten stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) der Jahre 1992 bis 2012.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Situation und Gesundheit zeigt sich deutlich:

Über die beste Gesundheit berichten Personen, die aus einer Familie mit hohem Status stammen und diese Position über ihr Berufsleben halten konnten. 

Die höchsten Krankheitsrisiken tragen Menschen, die dauerhaft in einer niedrigen beruflichen Position feststecken.

Auch soziale Mobilität wirkt sich signifikant auf die Gesundheit aus: Während ein Aufstieg mit einer besseren Einschätzung einhergeht, berichten Absteiger von einem schlechteren Gesundheitszustand. Je größer der Abstieg, desto eher wird die eigene Gesundheit als schlecht eingeschätzt. „Es ist anzunehmen, dass dies auf eine andauernde Benachteiligung und damit assoziierte Faktoren wie psychosoziale Belastungen zurückzuführen ist“, schreiben die Wissenschaftler. Die beschriebenen Effekte haben sie sowohl für die inter- als auch für die intragenerationale Mobilität beobachtet, und zwar fast unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

Beim Vergleich der Mobilitätspfade zeigt sich: Ein Drittel blieb in einer unteren beruflichen Stellung, wenn die Eltern auch schon eine niedrige Stellung hatten. Etwa sieben bis zehn Prozent der Männer und Frauen waren in hohen Stellungen, die ihre Eltern ebenfalls innehatten. Annähernd 13 Prozent konnten aus einer niedrigen elterlichen Stellung in eine mittlere und etwa acht Prozent in eine hohe eigene berufliche Stellung aufsteigen. War eine hohe elterliche Stellung gegeben, stiegen etwa sechs bis acht Prozent in eine mittlere oder niedrige Stellung ab.

Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen Ost und West – was daran liegt, dass die beruflichen Perspektiven und Karrierechancen in den alten und neuen Bundesländern sehr ungleich verteilt sind, heute sogar noch stärker als kurz nach der Wende und für Männer stärker als für Frauen. Zwar hat sich die Situation seitdem insgesamt verbessert, im Osten aber deutlich weniger als im Westen. Aktuell bleiben etwa 32 Prozent der ostdeutschen Männer, deren Eltern einen niedrigen beruflichen Status hatten, in einer niedrigen Position.  

Bei den westdeutschen Männern sind es nur noch 24 Prozent. Auch andere Mobilitätsmuster belegen: Männern aus ostdeutschen Bundesländern gelingt seltener ein beruflicher Aufstieg, sie sind im Gegenteil häufiger von Abstiegen in Arbeitslosigkeit betroffen. Männer westdeutscher Herkunft schaffen häufiger einen sozialen Aufstieg.

Dementsprechend unterschiedlich schätzen die Männer in Ost und West auch ihre Gesundheit ein.

Bei Frauen aus den alten und neun Beundesländern fallen die Unterschiede weniger ins Gewicht – allerdings haben Frauen insgesamt schlechtere Aufstiegschancen als Männer.

Über den gesamten Zeitverlauf hinweg zeigt sich außerdem, dass es sowohl im Osten als auch im Westen schwerer geworden ist, einen hohen Status vom Anfang bis zum Ende des Berufslebens zu halten.

Trotz der kontinuierlichen Annäherung seit der Wiedervereinigung seien die Folgen des massiven wirtschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland weiterhin spürbar, schreiben die Forscher.

Die Arbeitslosigkeit und das Armutsrisiko seien im Osten immer noch höher.

Dass darunter stärker die Männer leiden, liege an der Rolle des Hauptverdieners, in der sie sich nach wie vor sehen.

Der Verlust des Arbeitsplatzes wirke sich bei ihnen nicht nur auf das Haushaltseinkommen, sondern auch auf Identität und Status aus.



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Dr. Yvonne Lott
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_050_2017.pdf - *Sebastian Günther, Anja Knöchelmann, Irene Moor, Matthias Richter: Soziale Mobilität und gesundheitliche Ungleichheit. Die Bedeutung inter- und intragenerationaler Mobilität für gesundheitliche Ungleichheiten in Ost- und Westdeutschland, Oktober 2017, Working Paper Forschungsförderung Nr. 050, Oktober 2017.