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Prof. Philip Wenzel: Herzinfarkte mit weniger Folgeschäden - Zirkulierende Monozyten bei der Blutentnahme suchen - Differentialblutbild veranlassen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Folgeschäden nach Herzinfarkt verringern

Ein DZHK-Forschungsteam der Universitätsmedizin Mainz hat einen neuen Signalweg des Gerinnungssystems gefunden, der die Narbenbildung nach einem Herzinfarkt steuert. 

Gelänge es, diesen Signalweg zu hemmen, könnten Herzinfarkte mit weniger Folgeschäden ausheilen. 

Prof. Philip Wenzel vom DZHK-Standort Rhein-Main im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz.

Prof. Philip Wenzel vom DZHK-Standort Rhein-Main im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz. Peter Pulkowski, Universitätsmedizin Mainz

  • Bei einem Herzinfarkt ist Eile geboten. 
  • Weil das Herzgewebe nicht ausreichend durchblutet wird, beginnt es abzusterben. 

Erfolgt bereits kurz nach dem Ereignis eine Revaskularisation, wird also das verschlossene Gefäß wieder geöffnet, kann ein Infarkt fast folgenlos ausheilen.  

Vergehen jedoch mehr als 24 Stunden, ist das Gewebe nicht mehr zu retten und der Körper beginnt mit der „Aufräumarbeit“. 

  • Fresszellen des Immunsystems räumen tote Zellen ab, was mit heftigen Entzündungen verbunden ist. 
  • Schließlich wandern Bindegewebszellen ein und bilden Narbengewebe.


Auch entfernte Bereiche des Infarkts betroffen

  • Die überschießende Entzündung und Narbenbildung kann dabei auch die Randbereiche des Infarkts betreffen und sogar auf weiter entfernte Regionen des Herzens übergreifen. 

„Diese Menschen entwickeln oft eine besonders schwere Form der ischämischen Herzschwäche.  

Die Herzkammer ist dann ballonartig aufgebläht und die Pumpfunktion global stark eingeschränkt“, sagt Prof. Philip Wenzel vom DZHK-Standort Rhein-Main im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz. 

Er und sein Team am dortigen Centrum für Thrombose und Hämostase sind der Frage nachgegangen, was dabei eigentlich passiert und ob sich dieser überschießende bindegewebige Umbau des Herzens verhindern lässt.

Fibrose kann durch Hemmung von Gerinnungssignalweg gestoppt werden

Die Wissenschaftler untersuchten Herzgewebe von Patientinnen und Patienten, die infolge eines Infarktes eine langanhaltende ischämische Herzschwäche entwickelt hatten und fanden vermehrt Proteine, die an Gerinnungs- und Fibroseprozessen beteiligt sind, wie sie auch bei einem akuten Infarkt vorkommen. Als Vergleich diente ihnen Gewebe von gesunden Spendern, beispielsweise aus Organen, die nicht transplantiert werden konnten.

  • Sie fanden heraus, dass an der Signalübertragung der Entzündungsprozesse auch bestimmte Entzündungszellen, die Monozyten beteiligt sind. 

Wenn die Forscher auf den Monozyten die Signalübertragung des Gerinnungsfaktors Tissue Factor und seines Rezeptors PAR2 blockierten, bildete sich weniger Wachstumsfaktor TGF-ß1 und in Folge weniger überschießende Fibrose. 

Dies führte im Mausmodell zu weniger Herzschwäche, besserer Herzleistung und weniger Sterblichkeit.

Bekanntes Medikament verbessert Pumpleistung

Auch ein lang bekanntes, gerinnungshemmendes Medikament namens NaPC2 kann den neu gefundenen Signalweg hemmen und wäre damit aus Sicht von Wenzel ein Wirkstoffkandidat, mit dem sich die chronische ischämische Herzschwäche behandeln oder sogar verhindern ließe.

„Bei den Mäusen haben wir einen eindeutigen Effekt auf die Pumpleistung gesehen, diese war dank des Medikaments nur halb so stark eingeschränkt.“ 

Ließe sich das auf den Menschen übertragen, wäre das der Unterschied, ob ein Herzinfarkt-Opfer mit verzögerter Wiederdurchblutung eine schwere Herzschwäche entwickelt und kleinste Anstrengungen nicht mehr bewältigen kann. 

Oder ob der Betroffene in der Lage wäre, voll ins Leben zurückzukehren und seinen Alltag selbständig zu verrichten, so Wenzel.

„Wir haben festgestellt, dass Patientinnen und Patienten mit subakutem Herzinfarkt, also verzögerter Behandlung nach Beschwerdebeginn, eine pathologische Aktivierung des pro-fibrotischen Signalwegs schon in den zirkulierenden Monozyten in der Blutbahn aufweisen. 

  • Hier haben wir möglicherweise einen Biomarker an der Hand, der uns helfen könnte, Personen mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung einer schweren Herzschwäche nach Infarkt zu identifizieren“.


Die Forscher wollen die Signalwege weiter im Detail untersuchen und herausfinden, welche Patienten besonders von einer Therapie profitieren würden.

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Professor Philip Wenzel, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Zentrum für Kardiologie - Kardiologie I, wenzelp(at)uni-mainz.de

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Christine Vollgraf
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E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Sarah Mempel
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E-Mail-Adresse: sarah.mempel@dzhk.de
Originalpublikation:

Garlapati V, Molitor M, Michna T, Harms GS, Finger S, Jung R, Lagrange J, Efentakis P, Wild J, Knorr M, Karbach S, Wild S, Vujacic-Mirski K, Münzel T, Daiber A, Brandt M, Gori T, Milting H, Tenzer S, Ruf W, Wenzel P. Targeting myeloid cell coagulation signaling blocks MAP kinase/TGF-β1 driven fibrotic remodeling in ischemic heart failure. J Clin Invest. 2022 Dec, https://doi.org/10.1172/JCI156436


Prof. Dr. Margitta Elvers: Mangel an Thrombozyten in der Leber (Thrombozytopenie) (erhöhte Blutgerinnung)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Publikation in "Hepatology": Veränderte Thrombozytenaktivierung nach Leberschädigung

Nach einer Leberschädigung und dem Verlust von Lebergewebe wird die Blutstillung nach kurzzeitigem Mangel an Thrombozyten in der Leber höchst effektiv in einer Reaktion auf diesen akuten Zustand wiederhergestellt. 

Ein Düsseldorfer Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Margitta Elvers, Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf, konnte diese akute-Phase-Antwort durch die Interaktion verschiedener Rezeptoren in der Leber identifizieren. 

Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Hepatology veröffentlicht und könnten von großer Bedeutung für die Behandlung von Patienten mit Lebererkrankungen sein.

In den meisten Ländern steigt oder stagniert die Prävalenz von Lebererkrankungen wie z.B. der Leberzirrhose oder des hepatozellulären Karzinoms (HCC). 

Weitreichende Veränderungen der Blutstillung (Hämostase) bei Patienten mit Lebererkrankungen sind bekannt. 

  • Sie sind durch Blutungskomplikationen aufgrund zu weniger Thrombozyten (Thrombozytopenie) oder Defekte ihrer Funktion, aber auch durch erhöhte Blutgerinnung (Hyperkoagulabilität) gekennzeichnet. 

Daher geht man derzeit davon aus, dass Thrombozyten eine bivalente Rolle bei Lebererkrankungen einnehmen. 

Die zugrundeliegenden molekularen Wechselwirkungen sowie die funktionellen Konsequenzen sind bisher jedoch nur unzureichend verstanden.

Bereits in früheren Studien zeigte die Arbeitsgruppe von Margitta Elvers, dass die Thrombozytenfunktion bei einer Lebererkrankung gestört ist und es zu einem erhöhten Blutungsrisiko im Mausmodell kommen kann (Gowert et al., Cell Physiol Biochem. 2017). Aktuelle Studien der Arbeitsgruppe, in denen die Funktion der Thrombozyten in einem alternativen Leberschädigungsmodell, der Leberteilresektion, untersucht wurde, bestätigten diese Beobachtungen. Erneut fanden die Forscher/innen, dass es nach chirurgischer Entfernung von zwei Dritteln des Lebergewebes zu einem erhöhten Blutungsrisiko kommt und die Thrombozyten in ihrer Funktion stark gestört sind. Auch in der aktuellen Studie konnte das Forscherteam zeigen, dass erhöhte Plasmaspiegel von Prostaglandinen, Stickstoffoxiden und des Gallensalzes eine wichtige Rolle bei der Schädigung der Thrombozytenfunktion spielen.

  • Interessanterweise zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie, dass die Anzahl der Thrombozyten nach kurzzeitiger Thrombozytopenie bereits drei Tage nach Leberteilresektion wieder auf normale Zahlen in der Blutzirkulation steigen, obwohl die Regeneration des Lebergewebes erst nach 14 Tagen abgeschlossen ist. 

Der Wachstumsfaktor Thrombopoietin (TPO) ist für die Bildung von Thrombozyten verantwortlich. 

  • In der aktuellen Studie wiesen Elvers und Team nach, dass es zu einer vermehrten Bildung des Wachstumsfaktors TPO im geschädigten Lebergewebe trotz reduzierter Anzahl von Leberzellen kommt. 

In Zusammenarbeit mit Forscher/innen aus den USA und dem Team von Prof. Dr. Jürgen Scheller, Institut für Biochemie und Molekularbiologie II der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, fanden die Wissenschaftler/innen, dass die Bindung von gealterten Thrombozyten an den sog. Ashwell-Morell Rezeptor sowie die Bindung des akute-Phase Zytokins Interleukin-6 an seinen Rezeptor synergistisch die Neubildung von TPO in der Leber kontrollieren. 

  • Sie stellen so die Anzahl und Funktion der Thrombozyten nach Leberschädigung zeitnah wieder her und gewährleisten damit die Blutstillung im Organismus.


Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die entscheidende Rolle einer veränderten Thrombozytenaktivierung nach Leberschädigung und zeigen erstmalig, dass die Anzahl und Funktion der Thrombozyten durch eine hoch-effiziente akute-Phase Antwort im verbleibenden Lebergewebe reguliert wird und somit die Leberregeneration durch direkte und indirekte Effekte unterstützt. 

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Prof. Dr. Margitta Elvers, Leiterin der Arbeitsgruppe Exp. Vaskuläre Medizin, Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirugie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 81 08851, margitta.elvers@med.uni-duesseldorf.de; elvers@hhu.de

Originalpublikation:

Originalpublikation:
Hepatology, Reusswig et al., 2020, Efficiently restored thrombopoietin production via AMR and IL-6R induced JAK2-STAT3 signaling early after partial hepatectomy, doi:10.1002/hep.31698

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