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Nervengift: Alkohol als Genussmittel

Medizin am Abend Berlin: Alkohol: Billig, verfügbar, Krebs erregend

Die Deutschen trinken zu viel Alkohol - dadurch werden über 200 Erkrankungen begünstigt, auch das Krebsrisiko steigt. 

Wissenschaftler fordern mehr Aufklärung, höhere Steuern und ein Verkaufsverbot an Jugendliche. 
 
Alkohol ist in Deutschland zu billig und zu leicht für Jugendliche erhältlich – darauf wies aus Anlass des Aschermittwochs die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK hin.

Die Folge: Jeder fünfte Deutsche trinkt regelmäßig so viel, dass er sein Risiko für schwere Krankheiten erhöht. „Schon wer jeden Abend ein Bier trinkt, hat einen riskanten Alkoholkonsum“, sagt Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen und Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Was viele nicht wissen: 

  • Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt. 
Alkohol steigert nicht nur das Risiko für Lebererkrankungen, sondern auch für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und mehrere Krebsarten. 

So haben Männer, die viel trinken, ein 50 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs als diejenigen, die sehr wenig trinken.

„Viele Menschen unterschätzen, wie riskant ihr Alkoholkonsum ist“, so Trautwein.

„Wir brauchen deshalb noch viel mehr Aufklärung – auch die alkoholproduzierende Industrie sollte dabei in die Pflicht genommen werden, etwa indem Risikohinweise auf alkoholischen Getränken verbindlich werden.“

DANK fordert zudem höhere Steuern und ein Verkaufsverbot an Jugendliche unter 18 Jahren.

Derzeit hat Deutschland im europäischen Vergleich eher geringe Abgaben auf Alkohol – Bier wird beispielsweise nur in Rumänien und Bulgarien noch geringer besteuert.

„Auch wenn Alkohol gern als Genussmittel gesehen wird:

Chemisch ist es ein Nervengift, das dem Körper in keiner Menge guttut“, sagt Trautwein, „wir brauchen daher Anreize, möglichst wenig davon zu konsumieren.“

 Die Grenze für einen risikoarmen – nicht risikolosen – Alkoholkonsum kann die Wissenschaft beziffern: 

  • Frauen sollten nicht mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken, Männer nicht mehr als 24 Gramm – aber an höchstens vier Tagen pro Woche. 

Diese tägliche Menge entspricht etwa 300 ml Bier oder 100 ml Wein. 

Doch jeder fünfte Deutsche trinkt laut Drogen- und Suchtbericht 2018 regelmäßig mehr.

Der Durchschnitt für Personen ab 15 Jahren liegt bei 11 Liter Reinalkohol im Jahr – das sind pro Tag rund 24 Gramm.

Höhere Preise und Abgaberegulierungen sind wirksame Mittel, den Alkoholkonsum zu begrenzen – das zeigt das Beispiel Schweden, wo der Durchschnitt bei 7,3 Liter Reinalkohol liegt.

DANK fordert, die Alkoholsteuern auch in Deutschland deutlich zu erhöhen und nach dem Alkoholgehalt zu staffeln.

„So hätten Konsumenten einen Anreiz, Getränke mit weniger Alkohol zu wählen“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, „und damit ihr Risiko für schwere Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Jugendliche im Wachstum sollten möglichst gar nichts trinken, da Alkohol die Entwicklung beeinträchtigen und beispielsweise zu einem geringeren Hirnvolumen führen kann.

 „Es ist daher nicht akzeptabel, dass in Deutschland Bier und Wein schon an 16-Jährige verkauft werden darf.“, sagt Trautwein.

Die Experten fordern eine Altersgrenze von 18 Jahren, sowohl für die Abgabe als auch für den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit.


Viele Menschen unterschätzen, wie riskant ihr Alkoholkonsum bereits ist.

  • Ein deutliches Alarmsignal ist, wenn man es nicht mehr schafft, über längere Zeit ganz darauf zu verzichten. 

„Die Fastenzeit bietet eine gute Gelegenheit, sich da selbst zu testen“, sagt Trautwein.

Unter dem Motto „Kannst Du ohne?“ unterstützt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) Menschen dabei, 45 Tage lang ganz oder teilweise auf Alkohol zu verzichten.

Die Anmeldung ist unter www.kenn-dein-limit.de möglich.

Quellen:

Drogen- und Suchtbericht 2018, Hrsg. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Bundesministerium für Gesundheit

Alkoholatlas 2017, Hrsg. Deutsches Krebsforschungszentrum.

Biersteuer in der Europäischen Union nach Ländern im Jahr 2017. Statista

Moskal A et al, Alcohol intake and colorectal cancer risk: a dose-response meta-analysis of published cohort studies. Int J Cancer. 2007 Feb 1;120(3):664-71.


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Priv.-Doz. Dr. med. Petra Lynen Jansen
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Originalpublikation:
https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/Drogen_...

https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlich...

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/177374/umfrage/verbrauchssteuern-...

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ijc.22299

 

Alkoholfreies Bier - Start in die KarnevalSaison

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Wer (alkoholfreies) Bier trinkt, lebt hundert Jahre“

FAU-Forscher untersuchen gesunde Inhaltsstoffe im Bier 
 
  • Bierinhaltsstoffe als Mittel gegen Entzündungen und Fettleibigkeit? 

Forscher um Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), haben für ihr Forschungsprojekt, das Bierinhaltsstoffe hinsichtlich ihrer entzündungshemmenden Wirkung untersucht, den Forschungspreis der European Foundation for Alcohol Research und der European Brewery Convention über 60.000 Euro erhalten.

„Wer Bier trinkt, lebt hundert Jahre“, so lautet ein italienisches Sprichwort, in dem vielleicht mehr Wahrheit steckt, als erwartet. 

Bier enthält die Stoffe Xanthohumol und Iso-Alphasäuren. 

  • Laut Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Hellerbrand hemmt Xanthohumol die durch Übergewicht und Fehlernährung hervorgerufene Leberverfettung und verhindert, dass die Leber vernarbt. 
  • Zudem tötet es Leberkrebszellen ab und verhindert bei Überernährung die Gewichtszunahme. 
  • Auch die Iso-Alphasäuren haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. 
  • Sie hemmen Leberschäden und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv.

In neuen Forschungsarbeiten fanden die Wissenschaftler gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ina Bergheim, Universität Wien, außerdem heraus, dass die beiden Substanzen biologische Prozesse besonders in der Kombination günstig beeinflussen. Zusammen hemmen sie beispielsweise Entzündungsprozesse noch effektiver. Bereits sehr niedrige Konzentrationen bremsen deutlich die Produktion von Entzündungsfaktoren in Leber- und Blutzellen

Ob auch noch weitere Krankheitsmechanismen wie Diabetes oder Krebs durch die Kombination der beiden Substanzen effektiver bekämpft werden können, soll in dem nun geförderten Forschungsprojekt untersucht werden. Ferner sollen die Mechanismen, die dieser guten kombinatorischen Wirkung zugrunde liegen, entschlüsselt werden.

Hopfen – Gelbes Gold


Xanthohumol gehört zu den Pflanzenpolyphenolen – den aromatischen Verbindungen, die für Farbe und Geschmack der Pflanzen sorgen. 

Der Stoff ist ausschließlich im Hopfen zu finden und für den gelben Farbton der Hopfenblüten verantwortlich. Hopfen spielt eine wichtige Rolle beim Brauen von Bier, bei dem Xanthohumol jedoch in großen Teilen abgebaut wird. Im Bier selbst liegt nur ein geringer Anteil des Stoffes vor. Ein weiterer Inhaltsstoff des Hopfens sind die Bittersäuren, die den typischen Biergeschmack hervorrufen. Eine Gruppe von ihnen sind die alpha-Säuren, die durch die Erhitzung beim Brauprozess in Iso-Alphasäuren umgewandelt werden.

Minuspunkt: Alkohol
  • Die derzeit einzige Art, wie Xanthohumol und Iso-Alphasäuren vom Menschen aufgenommen werden, ist über den Genuss von Bier, wenn auch hier in relativ geringer Konzentration. 

Bier ist jedoch keine Medizin. 

Der Grund: 

der Alkoholgehalt. „Es ist jedoch denkbar, dass durch den Konsum von alkoholfreiem Bier oder anderen hopfenhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken wie Hopfenlimonade oder Hopfentee eine positive Wirkung zu erzielen ist. 

Gerade zur Behandlung oder Prävention von Leberschädigung durch Fettleibigkeit scheinen Xanthohumol und Iso-Alphasäuren sehr vielversprechend“, erläutert Hellerbrand. 

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Oktoberfest in München: Emotionaler Natur - rationaler Ebene - die Anomymität

Medizin am Abend Berlin Fazit: Oktoberfest: Ausgelassenheit gut für das seelische Gleichgewicht

Das größte Volksfest der Welt beginnt bald wieder – ab dem 22. September findet 16 Tage lang das Oktoberfest in München statt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Hitzebedingte Gesundheitsprobleme  

Letztes Jahr zählte der Veranstalter mehr als sechs Millionen Besucher aus 75 Nationen. 

Zu einem Preis von rund zehn Euro pro Mass flossen über 7,5 Millionen Liter Bier. 

Ein lukratives Geschäft für die Veranstalter. 

Warum Menschen Massenveranstaltungen wie das Oktoberfest besuchen, erklärt Prof. Dr. Thomas Fenzl, Psychologieprofessor und Experte für Massenpsychologie an der Hochschule Fresenius in München. 
 
  • Jedes Jahr pilgern Millionen Menschen zum Oktoberfest und amüsieren sich bei Musik, Bier und einheimischer Kost. 

Die Gründe, warum sich Großveranstaltungen dieser Art solcher Beliebtheit erfreuen, sind vor allem emotionaler Natur, erläutert Prof. Dr. Thomas Fenzl.

„Auf rationaler Ebene lässt sich keine Massenbewegung beschreiben“, führt er weiter aus. Das gelte für politische Bewegungen, für das Anlegerverhalten an den Finanzmärkten und eben auch für Freizeitveranstaltungen.

„Ein Motiv für den Besuch von Massenveranstaltungen ist die Anonymität, die der Einzelne in der Masse genießt:

  • Als einer von vielen liegt die Verantwortung für das eigene Handeln vermeintlich nicht mehr bei einem selbst. 

So verdeutlichte schon der Begründer der Massenpsychologie Gustave Le Bon in seinem 1895 erschienenen Werk „Psychologie der Masse“, dass in der psychologisch vereinten Masse häufig andere Gesetze und soziale Regeln für das Verhalten gelten als im Alltag.

Gesellschaftlich allgemein akzeptierte Normen, wie beispielsweise der moderate Konsum von Alkohol, werden in der Massenbewegung außer Kraft gesetzt und durch neue Regeln ersetzt.

Massenveranstaltungen sind daher für viele ein willkommener Anlass, um ihrem Alltag zu entfliehen und ihre unterdrückten Triebe bis zu einem bestimmten Grad auszuleben, ohne dafür sanktioniert zu werden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Anwendung von Familial Searching im Rahmen von DNA-Analysen  

Ein weiterer wichtiger Beweggrund, zum Oktoberfest zu gehen, ist das Gefühl von Zugehörigkeit“, so der Psychologe.

„Der Mensch ist von Grund auf ein soziales Wesen, das sich in einer Gruppe wohl und sicher fühlt.

Dieses Phänomen lässt sich auch bei Herdentieren beobachten.

So stellt ein alleinstehendes Zebra in der Savanne eine leichte Beute für Raubtiere dar, wohingegen es in der Gruppe besser geschützt ist.“

Auch der soziale Einfluss und die sogenannte soziale Ansteckung – ein Begriff der maßgeblich durch den Nobelpreisträger Robert J. Shiller geprägt wurde, der damit Spekulationsblasen an Finanzmärkten erklärt – spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, Massenveranstaltungen dieser Größe aufzusuchen.

  • Das heißt, wir neigen dazu, uns daran zu orientieren, was andere machen. 

Die anderen geben uns Orientierung, oder wie es der Nobelpreisträger Thomas C. Schelling formulierte:

  • Unser Verhalten hängt vom Verhalten der anderen ab. 

„Für das seelische Gleichgewicht können solche Massenevents wichtig sein“, schlussfolgert Fenzl. 

So führe die Teilnahme an Volksfesten nicht nur zu einem positiv aufgeladenen Gemeinschaftsgefühl, sondern biete auch die Möglichkeit, sich mal gehen zu lassen. 

Das gelte jedoch nicht für alle Menschen.

„Was einem letztendlich guttut und was nicht, ist sehr individuell.

Einen seelischen Ausgleich kann man auch alleine bei einem Spaziergang durch den Wald finden.“ 

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CAVE: ZNA - Rettungsstelle/Herzkatheterlabor: Beschaffenheit des Blutgefäßsystem

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie verdeutlicht Schädigungen des Gehirns durch Alkohol- und Zigarettenkonsum

Für viele Menschen gehört ein Glas Wein oder Bier, sowie der Zigarettenkonsum zum täglichen Ritual. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und der Universität Oxford haben im Rahmen einer Studie nun anhand modernster Messverfahren nachgewiesen, dass selbst kleine Mengen Nikotin oder Alkohol auch im Gehirn Spuren hinterlassen. 

Die Ergebnisse der in Oxford ausgeführten Studie wurden aktuell im Journal of the American Medical Association (JAMA. 2018 Aug 21;320(7):665-673, doi: 10.1001/jama.2018.11498.) publiziert. 

Dr. Timo Siepmann, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Dr. Timo Siepmann, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Foto: Medizinische Fakultät / Stephan Wiegand
 
„In diese Studie haben wir 125 Personen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren eingeschlossen.

Wir untersuchten, ob die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer eine Schädigung des Gehirns aufweisen, wenn sie einen ungesunden Lebensstil führen“, erklärt PD Dr. Timo Siepmann, Neurologe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden und Mitglied des Forscherteams aus Oxford um Initiator Prof. Paul Leeson.

  • „Im Rahmen unserer wissenschaftlichen Arbeit erfassten wir die körperliche Fitness, den Blutdruck, die Cholesterinwerte im Blut sowie den Alkohol- und Zigarettenkonsum.“ 

Mit Hilfe modernster Messverfahren ließen sich gewonnene Daten aus der Kernspintomographie auswerten. 
  • So konnten Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Blutgefäßsystems im Gehirn und der weißen Hirnsubstanz gezogen werden.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Entwöhnung von Kindern nach Sondenernährung 

„Konkret konnten wir so untersuchen, wie sich die weiße Hirnsubstanz unter bestimmten Parametern verändert, also die isolierenden Hüllen der Nervenfasern im Gehirn, die für dessen Funktionsweise essentiell sind.

Außerdem haben wir Funktion und Struktur des Gefäßsystems, also der Blutversorgung des Gehirns untersucht.“, so Siepmann.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass jeder einzelne Risikofaktor, also Rauchen, Bluthochdruck oder Alkoholkonsum sowohl das Gefäßsystem als auch die weiße Substanz des Gehirns schädigen. 

  • Je ungesünder die Lebensweise, also je mehr Risikofaktoren, desto ausgeprägter stellte sich dieser Hirnschaden dar. 

Ob die beobachteten Hirnschäden zu einem erhöhten Risiko für einen späteren Schlaganfall führen, soll nun untersucht werden.

Studie verdeutlicht Schädigungen des Gehirns durch Alkohol- und Zigarettenkonsum

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Stephan Wiegand, Medizinische Fakultät der TU Dresden
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
 

Originalpublikation:
Association of Cardiovascular Risk Factors With MRI Indices of Cerebrovascular Structure and Function and White Matter Hyperintensities in Young Adults.

Williamson W, Lewandowski AJ, Forkert ND, Griffanti L, Okell TW, Betts J, Boardman H, Siepmann T, McKean D, Huckstep O, Francis JM, Neubauer S, Phellan R, Jenkinson M, Doherty A, Dawes H, Frangou E, Malamateniou C, Foster C, Leeson P.

JAMA. 2018 Aug 21;320(7):665-673.
doi: 10.1001/jama.2018.11498.
PMID: 30140877

500 Jahre deutsches Reinheitsgebot

Medizin am Abend Berlin Fazit:  500 Jahre Reinheitsgebot: Die Kelten kannten es nicht – und brauten trotzdem hochwertig

Beifußkraut und Möhrensamen statt Hopfen: Archäobotaniker der Universität Hohenheim analysiert prähistorische Brauereien – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Vor 2.500 Jahren braute man es schon: das keltische Bier. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts gab es unzählige Zubereitungsarten. 

Erst das Reinheitsgebot vom 23. April 1516 regelte das Bierbrauen in Deutschland. 

Trotzdem sei schon das Gerstengold der Kelten ein süffig-hochwertiges Gebräu besonderer Qualität gewesen, weiß Dr. Hans-Peter Stika, Archäobotaniker der Universität Hohenheim. 
 
Die Spelzgerste machte den Geschmack des dunklen und rauchigen Bieres, und die obergärigen Hefen brachten zusammen mit Milchsäurebakterien einen säuerlich spritzigen Geschmack hinzu, der im Sommer bei heißen Temperaturen Abkühlung versprach. Abgemildert hat die Komposition eine leichte Karamell-Note im Abgang, verursacht durch Kochsteine. Gewürzt wurde mit Beifußkraut und Möhrensamen.

Geschmacklich unterscheidet sich das Kelten-Bier von den heute bekannten Biersorten. Doch schon die Kelten legten Wert auf eine hohe Qualität ihrer Produkte, schlussfolgert Dr. Hans-Peter Stika vom Institut für Botanik der Universität Hohenheim.

Ausgrabungen in Hochdorf und Berlin

Derzeit untersucht Dr. Stika in Berlin zwei Ausgrabungsstellen. Auf der Fischerinsel – heute besser bekannt unter dem Namen Museumsinsel – haben die Forscher größere Mengen an Gerstenmalz zusammen mit den Rohfrüchten Roggen und Hafer entdeckt. Dort wurde wohl ein Mischbier aus Gerste, Roggen und Hafen gebraut.

Einen weiteren Malzfund von Spelzgerste und einen Hopfengarten untersuchen die Wissenschaftler in der Wüstung Diepensee unter dem neuen Flughafen BER. Alle Funde stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert und verweisen auf Malzherstellung im Zuge von Brauvorgängen.

Die Untersuchungen im mittelalterlichen Berlin laufen noch, Theorien werden geprüft, Bodenproben analysiert. Die Ausgrabung und Untersuchung einer frühkeltischen Ausgrabungsstätte in Hochdorf hingegen ist bereits abgeschlossen – und liefert erstaunliche Erkenntnisse.

„Bei Ausgrabungen legten wir Gräben frei, die vermutlich Teile einer Bierbrauerei waren“, erklärt der Experte der Universität Hohenheim. „Diese Gräben wurden wohl zuerst zum Ankeimen der Gerste genutzt. Das dadurch entstandene Grünmalz konnte dann auf einem Aufbau über den Gräben, die so zudem auch als Darren genutzt worden waren, getrocknet werden. Bei einem Schadfeuer verkohlten die angekeimten Gerstenkörner und blieben bis in unsere heutige Zeit erhalten.“

Gärung durch Hefen

Anhand der Funde konnten die Wissenschaftler das Bierbrauen der Kelten nachempfinden, so Dr. Stika. „Das Kelten-Bier unterscheidet sich im Geschmack von unseren heutigen Bieren. Die Kelten wussten einfach nichts über Hefe und ihre Wirkung, sie vertrauten der Spontangärung durch wilde Hefestämme.

Die Gärung stellte sich durch Hefeverunreinigungen an den Gefäßen, Rührern und Schöpfkellen aus Holz ein. 

Anders als in den neuzeitlichen Braukesseln aus Kupfer und Stahl erfolgte das mittelalterliche Brauen in Holzgefäßen nicht unter sterilen Bedingungen. So konnten sich neben Hefen auch Milchsäurebakterien an der Gärung beteiligen. Selbst geringe Mengen an Milchsäure konnten das fertige Keltenbier für längere Zeit haltbar machen.“

„Ob die frühen Kelten durch Zugabe süßer Früchte oder Honig – beides kann natürlicherweise wilde Hefen tragen – eine Spontangärung absichtlich in Gang brachten, entzieht sich unserer Kenntnis. Dazu liegen keine Bodenfunde vor“, so der Experte.

Das Kelten-Bier aus dem Holzkessel

Seinen eigentümlichen Geschmack bekam das Kelten-Bier durch seine Würzmischung aus Beifuß und Möhrensamen anstatt Hopfen und durch die andere Zubereitungsart. „Das Bier der Kelten war rauchig und säuerlich, aber sehr erfrischend. Wir vermuten, dass ein Teil dieses Geschmackes von der Trocknung der angekeimten Gerstenkörner über dem offenen Feuer herrührt. Ein anderer Teil wurde vermutlich durch den Brauvorgang selbst verursacht.“

Bier brauten die Kelten nämlich in Holzgefäßen. Sie legten heiße Steine in das Gebräu und erhitzten es so langsam. „All diese Dinge zusammen geben einen besonderen Geschmack, der mit heutigen Bieren nicht zu vergleichen ist.“

Älteste Bierbrauerei Deutschlands

Obwohl das deutsche Reinheitsgebot in diesem Jahr erst seinen 500. Geburtstag feiert und vor 2.500 Jahren noch keine Rolle spielte, könnte das Keltenbier damals gut geschmeckt haben. „Unsere Untersuchungen des Keltenmalzes haben ergeben, dass es eine hohe Qualität besaß. Das spricht dafür, dass die Bierbrauer in der freigelegten Hochdorfer Brauerei viel Erfahrung beim Malzen hatten.“

„Die Darren in Hochdorf gehörten zur ältesten Brauerei, die bislang bei archäologischen Ausgrabungen in Deutschland gefunden wurde. Eine Hochrechnung ergab, dass das gefundene Braumalz von Hochdorf mindestens zum Brauen von ca. 750 bis 1.000 Liter Bier mit einem heute üblichen Alkoholgehalt von etwa 5 Prozent ausreichte. Das ist eindeutig zu viel für ein feuchtfröhliches Wochenende im Rahmen der Familie.“

Die Kelten: zeremonielle und organisierte Bierbraumeister

Die wahrscheinlichste Theorie: In Hochdorf wurden große Mengen Gerstenmalz hergestellt, die im Rahmen von rituellen oder zeremoniellen Festivitäten für eine Gemeinschaft zu Bier gebraut wurden. „Am Fuße des Fürstengrabhügels unweit der Keltensiedlung haben wir auch mehrere Gar- und Kochgruben entdeckt. Rituelle Ess- und Trinksitten am Grab der Ahnen scheinen das wahrscheinlichste Szenario zu sein, um diese Bodenfunde zu erklären.“

Auch anhand der Menge der Gerste lassen sich Schlussfolgerungen ziehen: „Wir vermuten, dass die Spelzgerste besonders zum Brauen angebaut wurde. Anders als in römischen Schriftquellen oft dargestellt können wir sagen, dass die Kelten keineswegs unkoordinierte Barbaren waren, auch nicht in der Landwirtschaft. Sie hatten ein durchdachtes Anbausystem, nutzen die fruchtbaren Böden der Gegend und düngten diese, um den größtmöglichen Nutzen und Ertrag zu gewährleisten. Die Wälder im Neckarbecken waren Großteils gerodet, eine große Fläche wurde für Pflanzenanbau genutzt.“

Die ersten Bierbraumeister der Geschichte waren die Kelten aber nicht:

Bereits die alten Ägypter stellten Bier in abgeänderter Form her, indem sie halb fertig gebackenes Brot aus Malz mit Wasser vergärten. Und auch die Römer kannten das aus Getreide hergestellte Gebräu, hielten sich jedoch lieber an den Wein, zumindest wenn man den schriftlichen Quellen Glauben schenkt.

  • Denn für sie war Bier nicht mehr als das Getränk der Germanen – und damit der Barbaren.

500 Jahre deutsches Reinheitsgebot: Eine Expertenliste zum Thema erscheint am Freitag, 15. Januar 2016 unter www.uni-hohenheim.de/expertenlisten

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Florian Klebs Universität Hohenheim
Dr. rer. nat. Hans-Peter Stika, Universität Hohenheim, Institut für Botanik
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ScreeningangebotsZiel für 2016: Alkoholprobleme + Darmkrebsrisiko + Früherkennungsuntersuchungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Gastroenterologen rufen zum Handeln auf: Alkoholsucht therapieren – Darmkrebsrate senken

Alkohol gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs: 

Etwa jede zehnte Erkrankung steht im Zusammenhang mit dem Konsum von Bier, Wein, Schnaps und anderen Spirituosen. 

Menschen mit Alkoholproblemen finden trotz wirksamer Behandlungsmöglichkeiten noch immer zu selten den Weg in eine Therapie, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). 

Die Fachgesellschaft unterstützt einen Aufruf ihres europäischen Dachverbandes, Alkoholmissbrauch im Zusammenhang mit Darmkrebserkrankungen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 
 
Mit ihrem „Call for Action“ will die Gastroenterologen-Vereinigung „United European Gastroenterology“ (UEG) dazu beitragen, die Zahl der Darmkrebsfälle und anderer alkoholbedingter Folgeschäden in Europa zu senken.

  • In Deutschland trinken laut Bundesministerium für Gesundheit etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen. 
  • 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig, nur etwa jeder zehnte nimmt therapeutische Hilfe in Anspruch. 

„Die Aufgabe von uns Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen ist es, die Menschen über die Gefahren des Alkoholkonsums aufzuklären“, sagt UEG-Vizepräsident Professor Dr. med. Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. 
  • Alkoholprobleme müssten bereits in der Primärversorgung, also zum Beispiel beim Hausarzt, aber auch in der fachärztlichen Behandlung thematisiert werden. 
„Die Betroffenen müssen wissen, dass es sehr erfolgsversprechende Therapieansätze gibt, mit denen ihnen aus der Sucht geholfen werden kann“, so Manns.

  • Darüber hinaus sollten Mediziner bei Patienten mit Alkoholproblemen auch immer das erhöhte Darmkrebsrisiko bedenken und frühzeitig entsprechende Früherkennungsuntersuchungen veranlassen.

Wie Studien zeigen, steigt das Risiko für Dickdarmkrebs mit der Menge an konsumiertem Alkohol.

Demnach erhöht ein „moderater“ Alkoholkonsum von ein bis vier alkoholischen Getränken, beziehungsweise weniger als 50 Gramm reinem Alkohol täglich, das Darmkrebsrisiko um 21 Prozent.

Wer mehr trinkt, erhöht sein Darmkrebsrisiko sogar um 50 Prozent. 

„Leider gibt es nach unten hin keine exakte Grenze“, erklärt DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik III) an der Uniklinik RWTH Aachen.

  • Statistisch gesehen wirkt sich schon ein Glas Wein am Tag negativ auf das Krebsrisiko aus.

Um die Darmkrebsraten zu senken, sei das Minimieren verschiedener Risikofaktoren ein wichtiger Ansatz, so der Experte. 

Neben Alkohol zählen Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel und häufiger Verzehr von rotem Fleisch und Wurst zu den anerkannten Risiken. 

Mindestens ebenso entscheidend sei es jedoch, die Bevölkerung zur Darmkrebsfrüherkennung zu bewegen. „Selbst eine rundum gesunde Lebensweise ist kein Garantieschein gegen Krebs, deshalb sollte jeder das Screeningangebot nutzen – in den meisten Fällen gibt es das gute Gefühl, gesund zu sein“, betont Trautwein.
  • Alle Krankenversicherten können ab dem 50. Lebensjahr jährlich kostenlos Stuhlproben auf Blutspuren untersuchen lassen. 

Diese geben Hinweise auf gegebenenfalls vorliegende Tumore. 

  • Ab dem 55. Lebensjahr haben Patienten Anspruch auf eine Darmspiegelung, die alle zehn Jahre wiederholt werden sollte. 

Finden Gastroenterologen dabei gefährliche Krebsvorstufen oder bereits vorhandene Tumore, können sie diese noch während der Untersuchung entfernen.

Die DGVS im Internet:

http://www.dgvs.de/

“Call for Action” der „United European Gastroenterology” (UEG): 

http://www.ueg.eu/press/releases/ueg-press-release/article/reducing-the-risk-of-...

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

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