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Nehmen Sie aktiv fachlich Teil: Ateminsuffizienz mit Hypoxämie: High-Flow-Therapie (HFT)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: High-Flow-Therapie zur Selbstanwendung bei COPD oder Ateminsuffizienz: Nutzen unklar

Bei Ateminsuffizienz mit Hypoxämie sind Kurzatmigkeit und Exazerbationen mit High-Flow-Therapie seltener. 

Aber schwere Komplikationen sind nur unzureichend erfasst. 

Stellungnahmen zum Vorbericht bitte bis zum 9. März.

Bei einer High-Flow-Therapie (HFT) wird Patientinnen und Patienten mit chronischer Atemschwäche über eine Nasensonde längere Zeit befeuchtete und erwärmte Raumluft mit hoher Flussrate zugeführt, um Beschwerden zu lindern. 

Die Vor- und Nachteile einer solchen Behandlung in der Selbstanwendung (zu Hause, in stationärer Pflege oder Reha etc.) untersucht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zurzeit in einer Nutzenbewertung. 

  • Die Bewertung bezieht sich auf Patientinnen und Patienten mit stabiler, fortgeschrittener COPD oder mit chronischer respiratorischer Insuffizienz Typ 1. 
  • Der Typ 1 bezeichnet eine Form der chronischen Ateminsuffizienz, bei der zu wenig Sauerstoff aufgenommen wird (Hypoxämie).


Kurzatmigkeit und Exazerbationen seltener bei Atemschwäche Typ 1

Gemäß den vorläufigen Ergebnissen des Vorberichts kann die High-Flow-Therapie typische und belastende Symptome bei Betroffenen lindern: 

  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe) und akute Verschlechterungen (Exazerbationen) der Atemschwäche traten bei einer High-Flow-Therapie bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit chronischer respiratorischer Insuffizienz Typ 1 (Sauerstoffmangel im arteriellen Blut) seltener auf. 


Weil (schwerwiegende) unerwünschte Ereignisse in der zugrunde liegenden Studie nicht systematisch erfasst wurden, lässt sich endpunktübergreifend hier aber kein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder höheren Schaden ableiten. 

Problematisch ist vor allem, dass in der maßgeblichen Studie jeweils etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten starben oder wegen einer schweren Erkrankung aus der Studie ausschieden. 

Dennoch wird aber berichtet, es habe keine (schwerwiegenden) unerwünschten Ereignisse gegeben.

Für die Anwendung der High-Flow-Therapie bei Patientinnen und Patienten mit COPD und Kohlendioxid-Überschuss im Blut (Hyperkapnie) im Rahmen einer chronischen respiratorischen Insuffizienz Typ 2 sowie bei Patientinnen und Patienten mit COPD ohne chronische respiratorische Insuffizienz lagen keine verwertbaren Studien vor. 


Stellungnahmen zum Vorbericht sind möglich bis zum 9. März 2021.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Juli 2020 veröffentlicht. 

Stellungnahmen zum Vorbericht werden nach Ablauf der Frist ab dem 10. März gesichtet. 

Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen.


Originalpublikation:

https://www.iqwig.de/projekte/n20-02.html

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Jens Flintrop Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Im Mediapark 8
50670 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Jens Flintrop
Telefon: 0221 35685-151
E-Mail-Adresse: jens.flintrop@iqwig.de


Prof. Dr. med. Joerg C. Schefold: Patienten mit akuter Einschränkung der Lungenfunktion (Hypoxämie) (niedrigen/höheren Sauerstoffzielwerte)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Erkenntnisse zur Behandlung mit Sauerstoff in der Intensivmedizin

Das Fachjournal «New England Journal of Medicine» (NEJM) publizierte jüngst die grossangelegte multinationale Studie «Handling Oxygenation Targets in the Intensive Care Unit» (HOT-ICU). 

Unter der Leitung des Universitätsspitals Aalborg wurde die Überlebensrate von kritisch kranken Patientinnen und Patienten mit akuter Einschränkung der Lungenfunktion (Hypoxämie) untersucht. 

Es wurde eine Gruppe mit niedrigerem und eine mit höherem Sauerstoffzielwert verglichen. 

Entgegen der ursprünglichen Annahme war die Sterberate nach 90 Tagen in beiden Gruppen vergleichbar. 

Das Inselspital, Universitätsspital Bern leistete zu dieser Studie einen wichtigen Beitrag.

  • Kritisch kranke Patientinnen und Patienten mit Funktionsstörungen der Lunge werden auf Intensivstationen häufig mit Sauerstoff behandelt. 

Sauerstoff, eines der ältesten und meist gebrauchten Medikamente, wird hierbei oft mittels maschineller Beatmung zugeführt, und ein bestimmter Sauerstoffpartialdruck (Sauerstoffzielwert) im Blut wird angestrebt. 

Weltweit werden auf Intensivstationen jedoch unterschiedliche Strategien mit entweder höherem oder niedrigerem Sauerstoffpartialdruck eingesetzt. 

In der intensivmedizinischen Praxis und in der wissenschaftlichen Literatur blieb der jeweilige Nutzen bzw. das Risiko entsprechender Strategien unklar.

Überraschende Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie HOT-ICU zeigen keinen Unterschied in der 90-Tage-Sterblichkeit, wenn schwerkranke Patientinnen und Patienten in der Gruppe mit höherem (n = 1447,90 mmHg arteriellem Sauerstoffpartialdruck) und niedrigerem (n = 1441,60 mmHg arteriellem Sauerstoffpartialdruck) Zielwert miteinander verglichen werden. 

Ein tieferer Sauerstoffzielwert verringert somit die Sterblichkeit nach 90 Tagen nicht. 

Ebenso wurde für die Kriterien «Anteil Tage ohne lebenserhaltende Massnahmen» und «Anteil Tage ohne Hospitalisierung» kein signifikanter Unterschied festgestellt.

Grossangelegte multinationale Studie

Die pragmatische Studie HOT-ICU wurde von einem Wissenschaftsteam unter der Leitung des Universitätsspitals Aalborg an 35 intensivmedizinischen Zentren in Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Norwegen, Grossbritannien, Island und der Schweiz (Universitätsspitäler Basel und Bern), durchgeführt. Sie schloss 2928 erwachsene, schwerkranke Patientinnen und Patienten mit einem Sauerstoffbedarf von mindestens 10 Litern pro Minute oder einem eingeatmeten Sauerstoffanteil von 50% ein. Die Zuteilung zu den beiden Behandlungsgruppen (90 mmHg oder 60 mmHg arterieller Sauerstoffpartialdruck) erfolgte zufällig. Der primäre Endpunkt der Studie war die Sterblichkeitsrate nach 90 Tagen. Die Anzahl der Tage ohne (notwendige) lebenserhaltende Massnahmen, die Anzahl der Tage ohne Hospitalisierung und das Verhältnis der Patienten mit Schock, Herzinfarkt, Schlaganfall und Magen-Darm-Durchblutungsstörungen wurden ebenfalls dokumentiert.

Ausblick
Nachdem in den vergangenen Jahren intensive Diskussionen zur Strategie der anzustrebenden Sauerstoffzielwerte bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten geführt wurden und sich Argumente für und wider beide Vorgehensweisen finden liessen, scheinen die aktuellen Studienergebnisse eine «konservative» Sauerstoffgabe mit niedrigerem Sauerstoffzielwert bei erwachsenen, kritisch kranken Patienten zu unterstützen.

Prof. Dr. med. Joerg C. Schefold, Chefarzt der Universitätsklinik für Intensivmedizin am Inselspital, Universitätsspital Bern und Mitglied des Wissenschaftsteams erläutert: «Die Studienergebnisse zu dieser alltäglichen intensivmedizinischen Frage sind wichtig, da sie zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen entsprechender Strategien beitragen. Sie zeigen, dass die ‹konservative› Strategie nicht mit einer niedrigeren Sterblichkeitsrate assoziiert ist. 

Wir erwarten, dass unsere Daten die internationalen Empfehlungen bezüglich anzustrebender Sauerstoffzielwerte bei erwachsenen, kritisch kranken Patienten mit Notwendigkeit der Sauerstoffzufuhr beeinflussen.»

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Prof. Dr. med. Joerg C. Schefold, Chefarzt der Universitätsklinik für Intensivmedizin, Inselspital, Universitätsspital Bern

3010 Bern
Schweiz
Bern

Marcel Wyler
Telefon: 0041 31 632 3720
E-Mail-Adresse: marcel.wyler@insel.ch
Originalpublikation:

DOI: 10.1056/NEJMoa2032510, Publication in NEJM “Lower or Higher Oxygenation Targets for Acute Hypoxemic Respiratory Failure”