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Prof. Dr. Claudia Sommer: Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Migräneattacken

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Unterschätzt und unterdiagnostiziert: Migräne ist nicht einfach nur ein Kopfschmerz

Jedes Jahr am 12. September findet der Europäische Kopfschmerz- und Migränetag statt. 

Mit ihm machen die European Migraine & Headache Alliance (EMHA) sowie zahlreiche nationale Vereinigungen auf Kopfschmerzerkrankungen, Versorgungsdefizite und Prävention aufmerksam. 

In der Universitätsmedizin Würzburg laufen verschiedene Studien zur verbesserten Diagnostik und Behandlung der Migräne, für die noch Teilnehmende gesucht werden. 

QEEG-Messung eines Probanden während einer Verhaltensentscheidung QEEG-Messung eines Probanden während einer Verhaltensentscheidung Sebastian Evers / UKW

Obwohl Kopfschmerzerkrankungen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen gehören, werden sie in der Öffentlichkeit nicht als ernsthaft wahrgenommen, da sie meist nur episodisch auftreten, nicht ansteckend sind und in der Regel nicht zum Tod führen. 

Doch Kopfschmerzen sind nicht nur schmerzhaft, sie können auch das Familien-, Sozial- und Berufsleben beeinträchtigen.* 

Laut einer Studie des Robert Koch Instituts ist jeder zweite Bundesbürger mindestens einmal im Jahr von Kopfschmerzen betroffen. 14,8 % der Frauen und 6,0 % der Männer erfüllen die kompletten Kriterien für Migräne. 10,3 % der Frauen und 6,5 % der Männer sind von Spannungskopfschmerzen betroffen.

Kopfschmerzen werden in Umfang und Ausmaß der Belastung oft unterschätzt

Der European Migraine & Headache Alliance (EMHA) zufolge ist die Migräne die dritthäufigste Krankheit der Welt; etwa eine von sieben Personen leidet unter Migräne, die ihren Alltag und ihre Lebensqualität auch über die reine Zeit der Attacken hinaus stark einschränkt**. 

Doch warum kennen wir so wenige Betroffene? 

„Weil Kopfschmerzerkrankungen in ganz Europa nach wie vor zu wenig diagnostiziert und behandelt werden. Viele Betroffenen leiden leise, schätzungsweise jeder zweite behandelt sich selbst, statt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, weiß Prof. Dr. Claudia Sommer, leitende Oberärztin in der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Leiterin des Projekts „Approach and avoidance behaviour in pain management“ im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg 2660. Mit dem Europäischen Kopfschmerz- und Migränetag will die EMHA das Bewusstsein für diese unterschätzte Krankheit schärfen. Das UKW nimmt diesen Tag zum Anlass, um über seine Migräneforschung zu berichten.
Claudia Sommer leitet gemeinsam mit Andrea Kübler, Professorin für Psychologie an der Universität Würzburg, derzeit drei ineinandergreifende Studien, um die Diagnose und Therapie von Migräne zu verbessern. Zum einen wollen die beiden Forscherinnen, die im Research.com-Ranking unter den besten 100 Wissenschaftlerinnen in Deutschland und unter den besten 1.000 weltweit gelistet sind, die Pathophysiologie der Migräne besser verstehen, also wie der Körper unter den krankhaften Veränderungen abweichend funktioniert und welche Funktionsmechanismen zur krankhaften Veränderung führen. Zum anderen erproben sie mit ihren Teams neue Ansätze zum Umgang mit Migränetriggern, also Auslösern von Attacken. „Dem adäquaten Triggermanagement kommt großes Potential in der Verbesserung des Lebens von Menschen mit Migräne zu“, betont Claudia Sommer.

Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Migräneattacken

So wurden in einer Fragebogenstudie mit bislang insgesamt 432 Migränepatientinnen und -patienten Stress, Dehydrierung und der Menstruationszyklus als häufigste Trigger von Attacken identifiziert, wovon allerdings nicht alle gut vermieden werden können. Auch zeigten sich Korrelationen von Triggersensitivität mit Markern für schlechtere Lebensqualität. Vorläufige Daten wurden auf dem World Congress on Pain 2022 im kanadischen Toronto veröffentlicht.

Verbesserte Probenentnahme und Messung des CGRP-Spiegels bei Migränepatienten

In einer weiteren Studie steht das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Fokus. 

„Migräne gilt als eine neuronale Erregbarkeitsstörung, bei der das trigeminovaskuläre System, also das Zusammenspiel von Nerven und Blutgefäßen in den Hirnhäuten, eine Schlüsselrolle zu spielen scheinen“, erläutert Morgane Paternoster, Doktorandin in der Würzburger Neurologie. 

  • Bekannt ist, dass der Beginn eines Migräneanfalls mit einem Anstieg entzündungsfördernder Moleküle und Neuropeptide verbunden ist, darunter das CGRP. 
  • Das aus 37 Aminosäuren bestehende Neuropeptid zählt zu den stärksten gefäßerweiternden Substanzen, den so genannten Vasodilatatoren
  • Wenn also die durch äußere und innere Stimuli getriggerten Nerven vermehrt CGRP freisetzen, wird das trigeminovaskuläre System aktiviert.

Für die neurobiologische Charakterisierung einer Migräne wurden bislang in der Neurologischen Klinik am UKW die CGRP-Spiegel von 136 Patientinnen und Patienten mit und ohne Migräne untersucht und verglichen. 

Um die zuverlässigste Methode zur Probenentnahme und -messung des CGRP-Spiegels festzulegen wurde von allen Teilnehmenden Blut, Tränenflüssigkeit und Speichel gesammelt. „Eventuell könnten im Zuge einer personalisierten Medizin anhand der CGRP-Spiegel Vorhersagen über das Ansprechen des einzelnen Patienten auf CGRP-Hemmer getroffen werden. Neueste Publikationen zeigen diesbezüglich vielversprechende Ergebnisse“, kommentiert Morgane Paternoster. Erste Ergebnisse der Würzburger CGRP-Kohorte werden im November 2023 auf dem Society for Neuroscience Kongress im US-amerikanischen Washington D.C. präsentiert.

Neurofeedback für bewusstes und ausgeglichenes Verhalten zu Auslösern

In der dritten Studie untersucht das interdisziplinäre Team den möglichen Einsatz von Neurofeedback zur Unterstützung der Migränebehandlung. 

„Da viele Betroffene bestimmte Trigger ihrer Migräne identifizieren können, ist der Umgang mit diesen Auslösern ein vielversprechender Ansatz für eine solche Unterstützung“, erklärt Morgane Paternoster. Zu diesem Zweck finden in Kooperation mit der Universität Würzburg hochauflösende EEG-Messungen an je 30 Personen mit und ohne Migräne statt. Während der Messung der Gehirnaktivität mit 128 Elektroden werden die Studienteilnehmenden mit bestimmten Triggern konfrontiert und daraufhin vor Verhaltensentscheidungen gestellt. „Hierdurch möchten wir die Gehirnprozesse identifizieren, die am Vermeidungsverhalten von Menschen mit Migräne beteiligt sind, und das beste Stimulationsziel für eine Neurofeedback-Modulation auswählen. Dadurch sollen die Betroffenen ein ausgeglichenes und bewusstes Verhalten zu den individuellen Auslösern ihrer Migräne erlangen. Zusätzlich soll eine objektive Messmethode zur Ermittlung des Vermeidungsverhaltens von Menschen mit Migräne etabliert werden“, beschreibt Sebastian Evers, ebenfalls Doktorand in der Arbeitsgruppe von Claudia Sommer, die Ziele der Studie.

Die ersten Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet, auf deren Grundlage die ersten Neurofeedback-Sitzungen in der Mitte nächsten Jahres gestartet werden sollen.

MaAB - CAVE: Weitere Studienteilnehmende werden gesucht


  • Das Team von Prof. Dr. Sommer ist immer auf der Suche nach neuen Studienteilnehmenden, die an Migräne leiden und die Diagnostik und Behandlung verbessern möchten. Betroffene können sich bei Interesse und für weitere Informationen gerne bei Morgane Paternoster und Sebastian Evers melden: 
  • Paternoste_M(at)ukw.de oder Evers_S(at)ukw.de 
  •  
  •  Salomea Löffl (links) und Morgane Paternoster bei der Probenanalyse im Labor

Salomea Löffl (links) und Morgane Paternoster bei der Probenanalyse im Labor Sonja Gommersbach / UKW


Typische Kopfschmerzerkrankungen

Kopfschmerzen können durch eine lebensbedrohliche Erkrankung wie etwa ein Hirntumor verursacht werden. In den meisten Fällen handelt es sich bei Kopfschmerzerkrankungen jedoch um eine gutartige, nicht lebensbedrohliche Erkrankung, die allerdings mit einem hohen Leidensdruck einhergeht.

Die häufigsten Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne und Spannungskopfschmerz. 

Während der dumpf, ziehende und beidseitig vorkommende Spannungskopfschmerz oft als normaler Kopfschmerz wahrgenommen wird, ist die Migräne mit Übelkeit und/oder Erbrechen sowie einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen verbunden. 

  • Charakteristisch für die Migräne ist ein pulsierender oder pochender, einseitiger Schmerz, der durch körperliche Aktivität verstärkt wird. 
  • Bei einer Migräne mit einer so genannten Aura kommen noch Flimmern oder Blitzen vor den Augen sowie Schwäche, Lähmung oder Taubheitsgefühl eines Armes oder Beines oder Sprachstörungen hinzu. 
  • Ferner gibt es das Syndrom des chronischen täglichen Kopfschmerzes sowie die eher seltenen Erkrankungen Clusterkopfschmerz und Trigeminusneuralgie.

Gelegentliche Kopfschmerzen sind in der Regel harmlos und verschwinden oft schon mit einem Spaziergang an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und Flüssigkeitszufuhr oder einer einzelnen Tablette. 

Treten starke Kopfschmerzen jedoch gehäuft auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden, bei plötzlichen und extrem starken Kopfschmerzen ist der Notarzt zu rufen.

* Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört allein die Migräne zu den zehn häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und betrifft 12-15 % der Bevölkerung. Die verlorenen Arbeitstage und Produktivitätseinbußen kosten die europäische Wirtschaft jährlich 27 Milliarden Euro (Cost of Brain Disorders in Europe, 2006)

** Stovner, L. J., Nichols, E., Steiner, T. J., Abd-Allah, F., Abdelalim, A., Al-Raddadi, R. M., Ansha, M. G., Barac, A., Bensenor, I. M., Doan, L. P., Edessa, D., Endres, M., Foreman, K. J., Gankpe, F. G., Gopalkrishna, G., Goulart, A. C., Gupta, R., Hankey, G. J., Hay, S. I., . . . Murray, C. J. L. (2018). Global, regional, and national burden of migraine and tension-type headache, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. The Lancet Neurology, 17(11), 954-976. https://doi.org/https://doi.org/10.1016/S1474-4422(18)30322-3

Unterschätzt und unterdiagnostiziert: Migräne ist nicht einfach nur ein Kopfschmerz

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https://ls1.psychologie.uni-wuerzburg.de/so/mig/ Link zur Migräne-Studie


Prof. Dr. Rebecca Bondü: Tötungen der Partnerin oder des Partners, sogenannte Intimizide

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Tötungsdelikte in Partnerschaft und Familie im Blick: Neues wissenschaftliches Kooperationsprojekt

Die Psychologische Hochschule Berlin (PHB), das Polizeipräsidium Ravensburg und die Deutsche Hochschule der Polizei haben vor kurzem das gemeinsame Forschungsprojekt GaTe („Polizeiliche Gefährdungsanalysen zu Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie“) gestartet. 

  • Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, inwiefern Tatandrohungen und -signale im Vorfeld (Leaking) Ansatzpunkte für eine verbesserte Prävention von Intimiziden darstellen können. 

An der PHB wird das Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Rebecca Bondü am Fachbereich Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie durchgeführt, wo in der Vergangenheit bereits zu Leakingphänomenen im Vorfeld von Amoktaten geforscht wurde.

  • Den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge wurden allein im Jahr 2020 in Deutschland 139 Frauen und 30 Männer von ihren aktuellen oder früheren Partnern und Partnerinnen getötet; hinzu kommt ein Mehrfaches an Fällen, in denen die Betroffenen solche Tötungsversuche oftmals nur knapp überlebten. 
  • Immer wieder wird dann die Frage aufgeworfen, ob derartige Taten früher erkannt und durch rechtzeitiges Eingreifen – z.B. der Polizei – verhindert hätten werden können.

Tötungsdelikte in intimen Beziehungen und ihre mögliche Früherkennung und Verhinderung stehen nun im Fokus des im Mai 2022 gestarteten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „Polizeiliche Gefährdungsanalysen zu Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie“ (GaTe). 

Tötungen der Partnerin oder des Partners, sogenannte Intimizide, sind zumeist nicht spontane „Kurzschlusshandlungen“ oder plötzliche „Eifersuchtsdramen“

Vielmehr stellen sie in der Regel tragische Schlusspunkte längerer Konflikte dar, die auch im Verhalten und in Äußerungen von Tätern bzw. Täterinnen zum Ausdruck kommen können. 

Das Forschungsprojekt GaTe untersucht solche Hinweise auf eine möglicherweise bevorstehende Tat und greift dabei auf Erkenntnisse aus der Forschung zu anderen schweren Gewaltformen (Amoktaten, terroristische Anschläge) zurück, die gezeigt hat, dass die späteren Täter und Täterinnen im Vorfeld fast immer sogenanntes Leaking zeigen. Dazu gehören z.B. Androhungen einer Tat ebenso wie tatbezogene Äußerungen oder auffällige Änderungen im Verhalten. Leaking könnte auch ein zentraler Ansatzpunkt für die Prävention von Intimiziden sein.

Ziel des vom Ravensburger Polizeipräsidenten Uwe Stürmer koordinierten Forschungsprojekts ist es, durch eine Verbesserung des Erkennens und der Bewertung von Leaking und anderen Warnsignalen die Gefährdungsanalyse und das Gefahrenmanagement in Bezug auf solche folgenschweren Taten erfolgreicher zu machen und letztlich Intimizide zu verhindern. 

Im Rahmen des Projekts wird zum einen untersucht, auf welche Weise, mit welchen Mitteln und mit welchem Erfolg Polizeibehörden in Deutschland bislang versuchen, hochriskante Beziehungskonstellationen zu erkennen und wie sie mit den erkannten Gefährdungen umgehen. 

Zum anderen werden auf der Basis von Justizakten aus einschlägigen Strafverfahren versuchte und vollendete Tötungsdelikte sowohl in bestehenden Partnerschaften als auch in Ex-Partnerschaften detailliert mit Blick auf ihre Vorgeschichte und mögliches Leakingverhalten analysiert. 

Auch durch Vergleiche mit weiteren Fällen aus dem Bereich von Beziehungskonflikten und -gewalt werden Kriterien herausgearbeitet, anhand derer die Bewertung der Ernsthaftigkeit von Tatankündigungen möglich ist. 

Die Erkenntnisse aus der Studie werden in ein praxisgerechtes Schulungskonzept umgesetzt, das im Rahmen des Projekts erprobt und im weiteren Verlauf auch allen Länderpolizeien für ihre Gefährdungsanalysen zur Verfügung gestellt wird.

Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsprogramms „Anwender-Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit II“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Über die Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
Die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) ist eine private Universität mit staatlicher Anerkennung, die in Kooperation mit dem Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) gegründet wurde. Das Angebot der PHB deckt ein vollständiges Spektrum psychologischer Ausbildung ab, das vom grundständigen Psychologiestudium über Therapieausbildungen in drei Verfahrensrichtungen bis hin zum weiterführenden Masterstudiengang in Rechtspsychologie reicht. Erstklassige wissenschaftliche Ausbildung mit größtmöglicher Praxisorientierung und der Vermittlung verfahrensübergreifender Kompetenzen zu verknüpfen, ist das Credo der PHB. In der Forschung ist die PHB drittmittelstark und legt auch hier besonderen Wert auf die Vermittlung praxisrelevanter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Campus der PHB befindet sich im Haus der Psychologie am Köllnischen Park in Berlin-Mitte. 

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Vor dem Frauentag 2019 in Berlin: Die Lebenziele für Jund und Alt

Medizin am Abend Berlin Fazit: Besser leben mit erreichbaren Zielen

Wer sich im Leben realistische Ziele setzt, kann später auf ein höheres Wohlbefinden und mehr Zufriedenheit hoffen. 

Wichtig ist dabei, ob die eigenen Lebensziele als erreichbar wahrgenommen werden und was sie einem bedeuten, wie Psychologinnen und Psychologen der Universität Basel in einer Studie mit über 970 Befragten berichten. 

Entspannung am Pool: Erwachsene Menschen sind in der Lage, die Wichtigkeit und die Erreichbarkeit ihrer Ziele aufeinander abzustimmen.
Entspannung am Pool: Erwachsene Menschen sind in der Lage, die Wichtigkeit und die Erreichbarkeit ihrer Ziele aufeinander abzustimmen. Bild: Engin Akyurt/Pixabay | CC0

 Medizin am Abend Berlin ZusatzHinweis: Lebensziel Ruhe

Wohlstand, Gemeinschaft, Gesundheit, sinnvolle Arbeit: 

  • Lebensziele gehören zum Ausdruck einer Persönlichkeit, denn sie bestimmen das Verhalten und den Kompass, von dem sich ein Mensch leiten lässt. 
  • Erreichte Ziele, so nimmt man ebenso an, können massgeblich dazu beitragen, wie zufrieden man im Leben ist – oder wie unzufrieden, wenn wichtige Ziele nicht erreicht werden konnten.

Die Auswirkungen von Lebenszielen bei Erwachsenen differenziert untersucht hat ein Psychologieteam der Universität Basel im Fachblatt «European Journal of Personality».

Die Forschenden verwendeten die Daten von 973 in der Deutschschweiz lebenden Personen zwischen 18 und 92 Jahren; über die Hälfte wurde nach zwei und vier Jahren erneut befragt.

Die Probanden hatten die Wichtigkeit und die wahrgenommene Erreichbarkeit von Lebenszielen in zehn Bereichen:

  • Gesundheit
  • Gemeinschaft
  • persönliches Wachstum
  • soziale Beziehungen
  • Ruhm
  • Image
  • Reichtum
  • Familie
  • Verantwortung
  • Fürsorge für kommende Generationen
  • Arbeit

 – zu bewerten, und zwar anhand einer vierstufigen Skala

Lebensziele mit Vorhersagekraft

Eines der Resultate:

  • Wenn jemand seine persönlichen Ziele als realisierbar wahrnimmt, ist dies ein Indikator für späteres kognitives und affektives Wohlbefinden. 
  • Menschen sind nämlich dann zufrieden, wenn sie ein Gefühl von Kontrolle und Erreichbarkeit erleben. 
Wie wichtig für sie ursprünglich das jeweilige Ziel war, ist dabei weniger entscheidend.

Lebensziele tragen damit auch eine Art Vorhersagekraft in sich:

Wer sich Ziele punkto sozialer Beziehungen oder Gesundheit gesetzt hatte, war später auch zufriedener mit seinen Freundschaften oder mit der eigenen Gesundheit.

Dieser Zusammenhang zwischen den Lebenszielen und dem späteren Befinden trat relativ unabhängig vom Alter der Befragten auf.

Jüngere wollen Status, Ältere soziales Engagement

Welche Lebensziele stehen in welchem Alter im Vordergrund?

Die Ziele in einer Lebensphase sind von den jeweiligen Entwicklungsaufgaben abhängig: 
  • Je jünger die Befragten, desto wichtiger schienen ihnen Ziele wie persönliches Wachstum, Status, Arbeit und gute soziale Beziehungen. 
Und je älter sie waren, desto bedeutender waren für sie soziales Engagement und Gesundheit.

«Viele unserer Ergebnisse konnten theoretische Annahmen der Entwicklungspsychologie bestätigen», erläutert Erstautorin und Doktorandin Janina Bühler von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel.

Die Lebensziele werden zwar stark durch das Alter bestimmt. 

«Wenn es aber darum geht, ob diese Ziele zufrieden machen, so ist das Alter weniger entscheidend», sagt die Psychologin.

Erwachsene Menschen, ob alt oder jung, sind in der Lage, die Wichtigkeit und die Erreichbarkeit ihrer Ziele aufeinander abzustimmen.

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Janina Larissa Bühler
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Originalpublikation:
Janina Larissa Bühler, Rebekka Weidmann, Jana Nikitin, Alexander Grob
A closer look at life goals across adulthood: Applying a developmental perspective to content, dynamics, and outcomes of goal importance and goal attainability
European Journal of Personality (2019), doi: 10.1002/per.2194

Deine Grossmutter: Die Überlebenschancen Deiner Kinder......

Medizin am Abend Berlin Fazit: Unterstützung der Grossmutter war unverzichtbar

Die Grossmutter ist für viele Menschen eine wichtige Bezugsperson. 

Zumindest in der vorindustriellen Bevölkerung Quebecs spielten Grossmütter eine noch tragendere Rolle: 

Laut einer neuen Studie unter der Leitung von Sacha Engelhardt vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern verbesserte damals die Anwesenheit einer Grossmutter die Überlebenschancen ihrer Enkelkinder. 

Dr. Sacha C. Engelhardt, Institut für Ökologie und Evolution (IEE).
Dr. Sacha C. Engelhardt, Institut für Ökologie und Evolution (IEE). zvg
 
  • Im Gegensatz zu den meisten Säugetieren leben Menschen nach dem Ende ihres Fortpflanzungsalters noch lange weiter. 

Könnte es eine evolutionäre Erklärung für dieses Phänomen geben?


Laut einer Studie unter der Leitung von Dr. Sacha Engelhardt vom Institut für Ökologie und Evolution (IEE) der Universität Bern, die auf Daten zur Bevölkerung der kanadischen Provinz Quebec im 17. und 18. Jahrhundert basiert, ist es für Familien mit Kindern ein grosser Vorteil, die Grossmutter in der Nähe zu haben.

Die Forschenden haben herausgefunden, dass die Unterstützung durch die Grossmutter nicht nur die Überlebenschancen von Kindern bis zur Pubertät verbesserte, sondern auch die Zahl der Kleinkinder erhöhte, die Frauen haben können. 

 «Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Grossmütter in der vorindustriellen Bevölkerung Quebecs eine unverzichtbare Rolle gespielt haben», erklärt Sacha Engelhardt. Das Ziel der Studie war es, die Entwicklung der Menopause und des postreproduktiven Lebens bei Frauen besser zu verstehen.

Die Studie entstand am Department of Biology der kanadischen Université de Sherbrooke, wo Sacha Engelhardt zur Zeit der Studie neben der Universität Bern arbeitete, und wurde in Zusammenarbeit mit der Bishop's University und der Université de Montréal (beide Kanada) durchgeführt. Sie wurde im Fachmagazin Current Biology publiziert.

Die Grossmutter-Hypothese

Grundidee des Forschungsvorhabens war es, die sogenannte «Grossmutter-Hypothese» zu überprüfen.

Diese besagt, dass postmenopausale Frauen ihre Nachkommen der übernächsten Generation unterstützen und so einen positiven Einfluss auf deren Überlebensrate haben.

«Diese Hypothese wurde bereits vielerorts getestet, in Europa, Afrika usw. Teils stellte sich die Annahme als plausibel heraus, teils nicht», sagt Fanie Pelletier, Professorin am Department of Biology an der Université de Sherbrooke und Ko-Autorin der Studie.

Der Ansatz des Forschungsteams, die Hypothese anhand der geografischen Entfernung zu überprüfen, ist jedoch neu.

Die Distanz ist entscheidend

Mit der geografischen Entfernung als Indikator versuchten die Forschenden, den Beitrag der Grossmütter zur Unterstützung ihrer Töchter zu ermitteln. Die Forschenden kamen zu folgendem Schluss:

Je weiter weg die Grossmutter lebt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihre Töchter eine tiefere Anzahl Kinder haben. «Pro 100 Kilometer Entfernung sind es 0,6 Kinder weniger pro Frau», sagt Engelhardt. «Das ist eine Menge. Pro 300 Kilometer sind es 1,5 Kinder weniger.»

«In unserer Studie hatten Frauen, deren Mütter noch am Leben waren, mehr Kinder, und mehr dieser Kinder erreichten das Alter von 15 Jahren», sagt Patrick Bergeron, Professor am Department of Biological Sciences der Bishop's University und ebenfalls Ko-Autor der Studie. 

«Es ist interessant festzustellen, dass der Grossmuttereffekt mit zunehmender geografischer Entfernung zwischen Grossmutter und Tochter abnimmt, was darauf hindeutet, dass das Unterstützungspotenzial mit der geografischen Nähe zusammenhängt.»

Daten aus Quebec von 1608 bis 1799

Um die Studie durchzuführen, analysierte die Forschungsgruppe Informationen aus dem Registre de la population du Québec ancien. Dieses enthält demographische Daten der Bevölkerung von Quebec von 1608 bis 1799. In dieser Zeit wurden dort die ersten französischen Siedlungen gegründet. Insgesamt wurden 149 Gemeinden untersucht. «In Quebec haben wir sehr detaillierte Daten aus Zivilregistern, aber auch aus Kirchenbüchern», sagt Fanie Pelletier. «Es war uns so möglich, anhand der Wohngemeinden die Entfernung zwischen den Grossmüttern und den Familien zu ermitteln.» Insgesamt umfasste die Analyse 3’382 Großmütter, die 34’660 Kinder zur Welt brachten. Von diesen Kindern heirateten 7’164 Mädchen und hatten insgesamt 56’767 Kinder.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Professor Alain Gagnon und Professorin Lisa Dillon von der Abteilung für Demographie an der Université de Montréal durchgeführt.

Publikationsdetails:
Sacha C. Engelhardt, Patrick Bergeron, Alain Gagnon, Lisa Dillon, and Fanie Pelletier: Using geographic distance as a potential proxy for help in the assessment of the grandmother hypothesis. Current Biology, 7. Februar 2019, doi: 10.1016/j.cub.2019.01.027.

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Originalpublikation:
Sacha C. Engelhardt, Patrick Bergeron, Alain Gagnon, Lisa Dillon, and Fanie Pelletier: Using geographic distance as a potential proxy for help in the assessment of the grandmother hypothesis. Current Biology, 7. Februar 2019, doi: 10.1016/j.cub.2019.01.027.



Erkrankung Depression: Partnerschaft und Familie www.familiencoach-depression.de

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Deutschland-Barometer Depression zeigt massive Folgen der Erkrankung auf Partnerschaft und Familie

Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es zu Problemen in der Partnerschaft –
Wissenslücken bei Angehörigen führen zu Unverständnis und Fehlinterpretationen –
Rückzug und Gefühllosigkeit sind krankheitsbedingt 

 
  • Die Erkrankung Depression belastet Partnerschaft und Familie in hohem Maße: 

84 Prozent der Erkrankten haben sich während ihrer Depression aus sozialen Beziehungen zurückgezogen. 

Das belegt das heute veröffentlichte zweite „Deutschland-Barometer Depression“ von Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung. Die repräsentative Befragung untersucht Einstellungen und Erfahrungen zur Depression in der Bevölkerung. Befragt wurden 5.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus einem repräsentativen Online-Panel für die deutsche Bevölkerung in Privathaushalten.

Partnerschaftskonflikte und Trennung als Folge der Depression

Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten mit der Diagnose Depression beschreiben, während der Erkrankung keine Verbundenheit zu Menschen mehr zu empfinden.

Dies hat weitreichende Folgen:

Die Hälfte der Betroffenen berichtet von Auswirkungen auf die Partnerschaft. 45 Prozent davon haben erlebt, dass es aufgrund der Depression zu einer Trennung gekommen ist. „Die hohe Zahl der Trennungen zeigt, was für eine tiefgreifende Erkrankung die Depression ist“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die Ergebnisse.

„An Depression erkrankte Menschen verlieren den Antrieb, ihr Interesse und fühlen sich innerlich abgestorben, ohne Verbundenheit mit anderen Menschen oder ihrer Umwelt. Sie ziehen sich zurück und sehen den gesamten Alltag wie durch eine schwarze Brille.

All diese krankheitsbedingten Veränderungen haben massive Auswirkungen auf Partnerschaft und familiäre Beziehungen.

Deshalb ist Depression oft die Ursache und nicht die Folge von Partnerschaftskonflikten“, so Hegerl weiter. Ein Teil der Betroffenen berichtet rückblickend aber auch von positiven Erfahrungen: 36 Prozent der Betroffenen gaben an, dass die Depression die Beziehung zum Partner sogar vertieft und gefestigt hat. „Das gemeinsame Überstehen des großen Leidens, das die Depression verursacht, kann zu einem Zusammenwachsen führen“, erklärt Hegerl.

Wissenslücken im sozialen Umfeld sorgen für Unverständnis gegenüber Betroffenen

Das Deutschland-Barometer Depression 2018 liefert auch Daten zu den Erfahrungen von Angehörigen: 73 Prozent entwickeln Schuldgefühle gegenüber ihrem erkrankten Partner und fühlen sich für dessen Erkrankung und Genesung verantwortlich. Fast jeder dritte Angehörige (30%) gab an, sich schlecht über die Depression informiert zu fühlen. Betroffene, die Auswirkungen der Depression auf die Partnerschaft erlebt haben, berichten deshalb vor allem, sich unverstanden gefühlt und Vorwürfe von ihrem Partner bekommen zu haben (84%).


„Es wird deutlich, dass ein großer Aufklärungsbedarf über die Erkrankung gerade bei Angehörigen und Bekannten besteht. Deshalb hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Kooperation mit der Deutsche Bahn Stiftung das deutschlandweite Info-Telefon Depression eingerichtet, bei dem Angehörige und Betroffene kostenfrei Informationen über die Erkrankung erhalten“, so Dr. Christian Gravert, Projektleiter Gesundheitsthemen bei der Deutsche Bahn Stiftung und Leitender Arzt der Deutschen Bahn.

Hinweise für Angehörige

Prof. Hegerl rät Angehörigen: 

„Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung, die jeden treffen kann! Und informieren Sie sich – denn wer nicht weiß, was eine Depression ist, wird den Rückzug und die fehlende Zuwendung des erkrankten Partners falsch einordnen.  

Es ist keine Lieblosigkeit oder gar böser Wille, sondern Zeichen der Erkrankung.“ 
  • Am besten können Angehörige unterstützen, indem sie einen Termin beim Arzt organisieren und den Betroffenen gegebenenfalls dorthin begleiten. 

Denn in der Depression fehlen den Betroffenen oft Kraft und Hoffnung, sich Hilfe zu suchen. Hegerl betont aber ebenfalls: „Depression kann nicht mit Zuneigung alleine behandelt werden, sondern erfordert medizinische Hilfe. Es ist wichtig, dass Angehörige und Freunde ihre eigenen Belastungsgrenzen kennen und sich auch Unterstützung organisieren.“

Informationen und Hilfe finden Angehörige unter:

• Wissen und Adressen rund um das Thema Depression auf www.deutsche-depressionshilfe.de
Deutschlandweites Info-Telefon Depression: 0800 33 44 5 33
• Online-Forum: Erfahrungsaustausch für Betroffene und Angehörige unter www.diskussionsforum-depression.de
• Sozialpsychiatrische Dienste bei den Gesundheitsämtern
• Beratung und Selbsthilfegruppen speziell für Angehörige www.bapk.de
• Tipps und Übungen für Angehörige: www.familiencoach-depression.de

Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Ziel der 2008 gegründeten Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist es, einen wesentlichen Beitrag zur besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen und zur Reduktion der Zahl der Suizide in Deutschland zu leisten. Vorstandsvorsitzender ist Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet die Stiftung Betroffenen und Angehörigen vielfältige Informations- und Hilfsangebote wie das Diskussionsforum Depression und das deutschlandweite Info-Telefon Depression (0800 33 44 5 33). Unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe koordiniert das Deutsche Bündnis gegen Depression zahlreiche lokale Maßnahmen: In über 85 Städten und Kommunen haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die Erkrankung leisten. Seit 2014 kooperiert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH beim Aufbau des Forschungszentrums Depression und weiteren versorgungsnahen Projekten. www.deutsche-depressionshilfe.de

Über die Deutsche Bahn Stiftung
Anschluss sichern. Verbindungen schaffen. Weichen stellen: Unter diesem Leitsatz bündelt die Deutsche Bahn Stiftung gGmbH das gemeinnützige Engagement der Deutschen Bahn AG und knüpft damit an die Tradition der Hilfe und Verantwortung an, wie Eisenbahner sie seit jeher leben. Sie setzt sich für die Integration von Menschen am Rande der Gesellschaft ein, fördert ehrenamtliches Engagement und betreibt das DB Museum. So verbindet die Deutsche Bahn Stiftung Eisenbahngeschichte mit Weichenstellungen für die Zukunft. Mit der Deutsche Bahn Stiftung widmet sich erstmals eine Unternehmensstiftung dem Thema Depression bzw. psychische Gesundheit. Aus Mitteln der Stiftung konnte das deutschlandweite Info-Telefon Depression eingerichtet werden sowie das Forschungszentrum Depression in Leipzig.
Mehr unter www.deutschebahnstiftung.de

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Depression zeigt massive Folgen der Erkrankung auf Partnerschaft und Familie



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Körperliche Aktivitäten von Kinder und Jugendlichen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bewegungszeugnis: Deutschland versetzungsgefährdet

Deutsche Kinder und Jugendliche bewegen sich deutlich weniger als Gleichaltrige in vielen anderen Staaten. 

Dies zeigt die weltweite Untersuchung der Active Healthy Kids Global Alliance, die heute rund 50 Staaten ein „Bewegungszeugnis“ ausgestellt hat. 

Der deutsche Teil wurde an der Technischen Universität München (TUM) koordiniert. 
 
Deutschland nimmt zum ersten Mal an der Initiative teil, die 2014 von kanadischen Wissenschaftlern gegründet wurde.

Ein Team von neun Forschungseinrichtungen hat unter der Leitung von Yolanda Demetriou, Professorin für Sport- und Gesundheitspädagogik an der TUM, wissenschaftliche Studien und weitere Quellen wie etwa Berichte von Ministerien ausgewertet. Unterstützt wurde Active Healthy Kids Germany von der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Für acht Bereiche hat die Gruppe nach den Kriterien der internationalen Initiative Noten vergeben.

Dreimal Note 4-: Deutschland hinter Niederlande und England

Lediglich eine 4- bekommt Deutschland bei der „Körperlichen Aktivität insgesamt“, dem „Sitzenden Verhalten“ und beim „Aktiven Spielen“.

  • Nur rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen mindestens eine Stunde moderate oder intensive körperliche Aktivität pro Tag, wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt. 
  • 80 Prozent sitzen mehr als zwei Stunden vor dem Fernseher, Computer oder Handy. 
  • Und weniger als ein Viertel spielt aktiv mehrere Stunden lang. 

Den Schulweg legen nur etwa 40 Prozent zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück – dafür gibt es die Note 3-.

Kinder und Jugendliche in anderen Staaten sind deutlich aktiver.

Besonders gut sind die Ergebnisse in afrikanischen Staaten wie Simbabwe, Ghana und Südafrika.

Aber auch viele europäische Länder wie die Niederlande und England schneiden besser ab, den besten Wert weltweit hat Slowenien.

Vereine, Schule, Familie und Kommunen bieten viel

Gute Noten bekommt Deutschland dagegen bei den Rahmenbedingungen, die der organisierte Sport, Schule, Familie und Kommunen bieten: 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind Mitglied in einem Sportverein, in der Schule steht zweimal wöchentlich Sport auf dem Stundenplan. Zwei Drittel der Eltern sind regelmäßig körperlich aktiv und damit ein Vorbild, die meisten Städte und Gemeinden legen ausreichend Spielplätze, Parks und Radwege an.

Allerdings sind auch in diesen Bereichen andere Ländern noch besser.

Beispielsweise sind in Dänemark, Kanada und Schweden die meisten Kinder und Jugendlichen in Sportvereinen. In Nepal und Slowenien bewegen sich die Erwachsenen am häufigsten. In Schweden und Australien ist die Ausstattung der Kommunen am besten.

Mit seinem Zeugnis steht Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Die besten Zensuren bekommt Slowenien, gefolgt von Nepal Japan und Dänemark.

„Hohes Risiko für Zivilisationskrankheiten“

„Dreimal nur knapp besser als mangelhaft – Deutschland ist versetzungsgefährdet“, sagt die Studienleiterin Yolanda Demetriou.

„Gerade für Kinder ist Bewegung unheimlich wichtig. Wer sich als Kind zu wenig bewegt, bei dem besteht ein hohes Risiko, dass er dies auch als Erwachsener tut.  

Das wiederum begünstigt die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In Deutschland ist körperliche Inaktivität die fünfthäufigste Todesursache.“

Warum Kinder und Jugendliche trotz guter Rahmenbedingungen so wenig aktiv sind, wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM deshalb weiter untersuchen.

Eine Borschüre von Active Healthy Kids Germany zeigt nicht nur die deutschen Ergebnisse, sondern auch Tipps für Bewegungsspiele und körperliche Aktivität im Tagesablauf. 

Das Zeugnis wird künftig alle zwei Jahre ausgestellt.

Partner von Active Healthy Kids Germany sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgender Einrichtungen: Technische Universität München, Goethe-Universität Frankfurt, Justus-Liebig-Universität Gießen, Karlsruher Institut für Technologie, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Robert Koch Institut, Technische Universität Chemnitz, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Bewegungszeugnis: Deutschland versetzungsgefährdet



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Prof. Dr. Yolanda Demetriou
Technische Universität München
Professur für Sport- und Gesundheitspädagogik
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yolanda.demetriou@tum.de

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Dr. Ulrich Marsch
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.stiftung-gesundarbeiter.de Broschüre der Active Healthy Kids Germany

http://www.activehealthykids.org/global-matrix/ Weltweite Erhebung „Gobal Matrix 3.0“


Erbsitten: Die Zeugung: Der Geburtstag - Der Tod - Das Vererben

Medizin am Abend Berlin Fazit: Faire Erbschaften fördern soziale Gleichheit

Deutsche Gemeinden, in denen Familien gerecht vererbten, haben bis heute mehr Frauen in Kommunalparlamenten 
 
Soziale Gleichheit ist auch das Ergebnis historischer Erbpraktiken. 

Deutsche Gemeinden, in denen innerhalb von Familien gerecht vererbt wurde, sind bis heute sozial ausgewogener.

Umgekehrt gilt: 

  • Wenn Männer oder Erstgeborene das Erbe allein antraten, verstärkt das soziale Ungleichheit. 


Diese Auswirkungen historischer Erbpraktiken belegt eine WZB-Studie von Anselm Rink.

Konkret hat Rink landwirtschaftliche Erbpraktiken im 19. Jahrhundert untersucht. Diese variierten in Deutschland von Gemeinde zu Gemeinde stark. Somit lässt sich der Zusammenhang von historischen Erbschaften und sozialer Gleichheit auf lokaler Ebene gut untersuchen. Um soziale Gleichheit zu messen, nutzt die Studie den Anteil von Frauen in Kommunalparlamenten und den Anteil von Adligen in Rotary Clubs.

Die Analysen zeigen, dass historische Erbpraktiken nachhaltig soziale Gleichheit geprägt haben. 

Gemeinden, in denen in der Vergangenheit fair vererbt wurde, sind bis zum heutigen Tage sozial ausgewogener. 

Dort sitzen mehr Frauen in Kommunalparlamenten, und Mitglieder von Rotary Clubs tragen seltener adlige Namen. 

Faire Erbschaften unterstützen also historisch benachteiligte Gruppen – wie Frauen –, während sie historisch einflussreiche Gruppen – wie Adlige – eher bremsen.

Die Studie erklärt diesen Zusammenhang mit zwei Mechanismen:

Erstens stellen faire Erbsitten sicher, dass Vermögen gleich verteilt wird. 

  • Dies erlaubt es insbesondere Frauen, sich stärker gesellschaftlich einzubringen. 
  • Zweitens gewöhnen faire Erbsitten Menschen daran, dass Wohlstand zu teilen ist. 

„Diese Gewohnheit führt vermutlich dazu, dass sich Menschen stärker für Gleichheit einsetzen.

Gleichheit wird dadurch zur Norm“, erklärt Anselm Rink.

Die Studie erscheint in Kürze im American Journal of Political Science.

Eine Kurzfassung der Studie finden Sie im aktuellen Heft der „WZB-Mitteilungen:
"Das Rätsel der Ungleichheit. Historische Erbsitten haben Auswirkungen bis heute" (PDF)

Anselm Rink ist Juniorprofessor für Politische Ökonomie an der Universität Konstanz und war wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung des WZB.

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Dr. Harald Wilkoszewski
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://onlinelibrary.wiley.com/journal/15405907 American Journal of Political Science

https://bibliothek.wzb.eu/artikel/2018/f-21477.pdf Kurzfassung der Studie




Einladung zur Online-Umfrage: Familienwohl

Medizin am Abend Berlin Fazit: Evangelische Hochschule Dresden befragt Eltern im Landkreis Pirna/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge  

Was verbinden Familien heutzutage mit Glück, wie passen Betreuungszeiten in der Kita, der Kindertagespflege und im Hort zur beruflichen Situation von Eltern?

Diese und weitere Fragen stellen das Forschungszentrum der Evangelischen Hochschule Dresden (ehs) gemeinsam mit der „Netzwerkstelle Kita-Plus“ des Landratsamtes Pirna. Eltern im Landkreis Pirna/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit mindestens einem Kind im Alter von 0 bis 10 Jahren sind dazu eingeladen, ihre Erfahrungen und Wünsche bei der online-Umfrage zu äußern.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Vegane Ernährung  


Die Befragung findet im Rahmen einer Studie statt, die den Beitrag von Kinderkrippe, Kindertagespflege, Kindergarten und Hort zum Wohl und zur Lebensqualität der Familien untersucht.

Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms "KitaPlus:

Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist", einem Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Es verfolgt die Zielstellung, Kommunen und Träger dabei zu unterstützen, Familien eine bedarfsgerechte flexible öffentliche Kindertagesbetreuung zur Verfügung zu stellen.


Noch bis zum 23. September 2018 können sich Eltern an der Online-Befragung unter dem Link

Medizin am Abend Berlin: ZusatzLink: Online-Umfrage  

beteiligen. 


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PIA - Psychiatrische Institutambulanz: Pschische Störungen junger Menschen - auch Studierende

Medizin am Abend Berlin Fazit: Immer mehr psychische Störungen bei jungen Menschen – Hilfe durch Systemische Therapie ermöglichen!

Der aktuelle Barmer-Arztreport 2018 ist alarmierend: 

Vor allem junge Menschen leiden verstärkt an psychischen Störungen wie Depressionen und Ängsten. 

Auch bei Studierenden, die bislang als weitgehend „gesunde“ Gruppe galten, sei inzwischen mehr als jeder sechste betroffen, Tendenz steigend. 

Ein mögliches Rezept sind evidenzbasierte Online-Therapien, die den stärker digitalisierten Lebenswelten junger Menschen entgegenkommen. 
  • Ein anderes ist die Systemische Therapie – das erste Psychotherapieverfahren, dem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) Wirksamkeit attestiert hat, vor allem auch bei Ängsten und Depressionen.  
„Es ist erschreckend, dass immer mehr junge Menschen von psychischen Auffälligkeiten betroffen sind“, kommentiert Dr. Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) den aktuellen Report der Krankenkasse.

Umso wichtiger sei es nun, angemessene und wirksame Hilfen anzubieten.

 „Wir wissen aus Studien, dass jungen Menschen ihre realen Lebenswelten genauso wichtig sind wie die digitalen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Unbezahlte Überstunden
  • Die Systemische Therapie bezieht die sozialen Lebenswelten, etwa Familie und Freunde, in die Therapie mit ein. 
  • Sie ist damit ein sehr wirksames Psychotherapieverfahren, das endlich auch von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden sollte.“
Das IQWiG hat im vergangenen Sommer sein Prüfverfahren "Systemische Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren" abgeschlossen.

Nun muss der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden, ob künftig auch Systemische Therapie – neben Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierter oder analytischer Psychotherapie – in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird.

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DGSF
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Pflegende Angehörige von Demenz-Erkrankten https://fuer-pflegende-angehoerige.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Onlineberatungsportal für pflegende Angehörige von Demenz-Erkrankten

Individuelle Beratung durch Ehrenamtliche und professionelle Fachkräfte  
  • Rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt. 
Für die Angehörigen ist die Betreuung oft eine große Belastung. Doch viele haben neben Pflegetätigkeit, Familie und Beruf keine Zeit, Beratungsstellen aufzusuchen oder möchten lieber anonym bleiben.

Hier setzt die Onlineberatungsplattform für pflegende Angehörige von Demenzkranken des Instituts für E-Beratung an. Mit dem Beratungsforum stellt die TH Nürnberg ein niedrigschwelliges, jederzeit per Mausklick von zuhause erreichbares Entlastungsangebot zur Verfügung.

Demenz hat viele Gesichter.

Hinter der Volkskrankheit stehen unterschiedlichste Schicksale und persönliche Leidenswege von Patientinnen, Patienten und Angehörigen. 

An der TH Nürnberg bietet das Institut für E-Beratung seit Juni 2017 eine Onlineberatungsplattform für pflegende Angehörige von Demenzkranken an. Das Besondere: Das Portal verbindet ehrenamtliche Hilfe und professionelle Beratung und ist damit bayernweit einzigartig. Gefördert wird das Forschungsprojekt für drei Jahre vom Freistaat Bayern mit 250.000 Euro.

Prof. Dr. Richard Reindl, Sprecher der Akademischen Leitung des Instituts für E-Beratung: “Pflegende Angehörige zu unterstützen ist wichtig, weil sie momentan die größte Gruppe der Pflegekräfte ausmachen. Rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt, davon mehr als zwei Drittel ausschließlich durch Angehörige.“

Das Ziel des Onlineportals ist es, Menschen anzusprechen, die kein persönliches Beratungsgespräch wahrnehmen können, weil es mit ihrer Pflegetätigkeit zeitlich nicht vereinbar ist oder weil sie anonym bleiben wollen.

Darüber hinaus leistet das Institut für E-Beratung mit dem Onlineberatungsportal Präventionsarbeit:

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen den Angehörigen Hilfsangebote und Anlaufstellen aufzuzeigen, bevor für sie eine Situation der Überlastung entsteht.

Sigrid Zauter, Geschäftsführerin des Instituts für E-Beratung: „Unser Anliegen ist es, das Thema Demenz an die jüngere Generation heranzutragen. Wir leben in einer alternden Gesellschaft und die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen. Waren es in 2013 noch 2,48 Millionen, rechnet das Bundesministerium für Gesundheit für 2030 mit 3,31 Millionen Pflegebedürftigen.“


Die Beratung in der Onlineplattform übernehmen acht geschulte Ehrenamtliche sowie professionelle Expertinnen und Experten der Pflege- und Demenzberatung.

Innerhalb von 24 Stunden erhalten die Ratsuchenden eine individuelle Antwort von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden. 

Die Angehörigen stellen Fragen zur Erkennung und den ersten Anzeichen von Demenz, der Organisation einer neu entstehenden Pflegesituation, zum Umgang mit dem Krankheitsbild, aber auch zu tabuisierten Themen wie Hilflosigkeit, Gewalt und sozialer Ausgrenzung.


Unterstützt und begleitet wird das Forschungsprojekt vom Pflegestützpunkt Nürnberg und Fachstellen für Pflegende Angehörige in Nürnberg, Wunsiedel/Selb und Hof.

Das Onlineberatungsportal gewährleistet Datensicherheit für eine vertrauliche, anonyme Beratung.

Weitere Infos zum Institut für E-Beratung der TH Nürnberg:

Das Institut für E-Beratung der TH Nürnberg der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg bündelt Projekte, Expertenwissen und Aktivitäten elektronisch vermittelter Kommunikation im psychosozialen Beratungsbereich.

Über die textgebundene Onlineberatung hinaus beschäftigen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit weiteren Formen internetbasierter Beratungsleistungen, wie zum Beispiel mit videogestützten Formaten oder Gesundheitscoachings via Smartphone.

Das Onlineberatungsportal: https://fuer-pflegende-angehoerige.de

Institut für E-Beratung der TH Nürnberg: www.e-beratungsinstitut.de


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Astrid Gerner Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm



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Zur Tagesdiskussion: Die Männer-Gesundheit: Beruflicher Abstieg/Arbeitslosigkeit

Medizin am Abend Fazit: Beruflicher Abstieg schadet der Gesundheit – Männer in Ostdeutschland besonders betroffen

Neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie

Beruflicher Abstieg schadet der Gesundheit – Männer in Ostdeutschland besonders betroffen

Wenn Menschen beruflich absteigen, leidet häufig die Gesundheit, belegt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 

Das lässt sich besonders bei ostdeutschen Männern beobachten.  
  • Männer aus Ostdeutschland haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten häufiger die Erfahrung von beruflichem Abstieg oder Arbeitslosigkeit gemacht. 
Gleichzeitig geht es ihnen gesundheitlich schlechter als westdeutschen Männern. 

Wie beides zusammenhängt, zeigt eine neue Studie von Sebastian Günther, Dr. Anja Knöchelmann, Dr. Irene Moor und Prof. Dr. Matthias Richter vom Institut für Medizinische Soziologie der Universität Halle-Wittenberg.*

Die Soziologen haben die Lebensläufe von knapp 20.000 erwerbstätigen Deutschen im Alter zwischen 25 und 59 analysiert. Dabei haben sie einerseits die intergenerationale Mobilität untersucht, also wie sich die berufliche Stellung gegenüber der Elterngeneration verändert hat, andererseits die intragenerationale Mobilität, die etwas über die Veränderungen innerhalb eines Berufslebens aussagt.

Diese Ergebnisse kombinierten die Forscher mit Angaben dazu, wie die untersuchten Personen ihre Gesundheit einschätzen. Solche Angaben gelten in der Wissenschaft als „verlässliche Indikatoren für den objektiven Gesundheitszustand“, betonen die Medizinsoziologen. Die Daten stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) der Jahre 1992 bis 2012.

Der Zusammenhang zwischen sozialer Situation und Gesundheit zeigt sich deutlich:

Über die beste Gesundheit berichten Personen, die aus einer Familie mit hohem Status stammen und diese Position über ihr Berufsleben halten konnten. 

Die höchsten Krankheitsrisiken tragen Menschen, die dauerhaft in einer niedrigen beruflichen Position feststecken.

Auch soziale Mobilität wirkt sich signifikant auf die Gesundheit aus: Während ein Aufstieg mit einer besseren Einschätzung einhergeht, berichten Absteiger von einem schlechteren Gesundheitszustand. Je größer der Abstieg, desto eher wird die eigene Gesundheit als schlecht eingeschätzt. „Es ist anzunehmen, dass dies auf eine andauernde Benachteiligung und damit assoziierte Faktoren wie psychosoziale Belastungen zurückzuführen ist“, schreiben die Wissenschaftler. Die beschriebenen Effekte haben sie sowohl für die inter- als auch für die intragenerationale Mobilität beobachtet, und zwar fast unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

Beim Vergleich der Mobilitätspfade zeigt sich: Ein Drittel blieb in einer unteren beruflichen Stellung, wenn die Eltern auch schon eine niedrige Stellung hatten. Etwa sieben bis zehn Prozent der Männer und Frauen waren in hohen Stellungen, die ihre Eltern ebenfalls innehatten. Annähernd 13 Prozent konnten aus einer niedrigen elterlichen Stellung in eine mittlere und etwa acht Prozent in eine hohe eigene berufliche Stellung aufsteigen. War eine hohe elterliche Stellung gegeben, stiegen etwa sechs bis acht Prozent in eine mittlere oder niedrige Stellung ab.

Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen Ost und West – was daran liegt, dass die beruflichen Perspektiven und Karrierechancen in den alten und neuen Bundesländern sehr ungleich verteilt sind, heute sogar noch stärker als kurz nach der Wende und für Männer stärker als für Frauen. Zwar hat sich die Situation seitdem insgesamt verbessert, im Osten aber deutlich weniger als im Westen. Aktuell bleiben etwa 32 Prozent der ostdeutschen Männer, deren Eltern einen niedrigen beruflichen Status hatten, in einer niedrigen Position.  

Bei den westdeutschen Männern sind es nur noch 24 Prozent. Auch andere Mobilitätsmuster belegen: Männern aus ostdeutschen Bundesländern gelingt seltener ein beruflicher Aufstieg, sie sind im Gegenteil häufiger von Abstiegen in Arbeitslosigkeit betroffen. Männer westdeutscher Herkunft schaffen häufiger einen sozialen Aufstieg.

Dementsprechend unterschiedlich schätzen die Männer in Ost und West auch ihre Gesundheit ein.

Bei Frauen aus den alten und neun Beundesländern fallen die Unterschiede weniger ins Gewicht – allerdings haben Frauen insgesamt schlechtere Aufstiegschancen als Männer.

Über den gesamten Zeitverlauf hinweg zeigt sich außerdem, dass es sowohl im Osten als auch im Westen schwerer geworden ist, einen hohen Status vom Anfang bis zum Ende des Berufslebens zu halten.

Trotz der kontinuierlichen Annäherung seit der Wiedervereinigung seien die Folgen des massiven wirtschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland weiterhin spürbar, schreiben die Forscher.

Die Arbeitslosigkeit und das Armutsrisiko seien im Osten immer noch höher.

Dass darunter stärker die Männer leiden, liege an der Rolle des Hauptverdieners, in der sie sich nach wie vor sehen.

Der Verlust des Arbeitsplatzes wirke sich bei ihnen nicht nur auf das Haushaltseinkommen, sondern auch auf Identität und Status aus.



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Dr. Yvonne Lott
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_050_2017.pdf - *Sebastian Günther, Anja Knöchelmann, Irene Moor, Matthias Richter: Soziale Mobilität und gesundheitliche Ungleichheit. Die Bedeutung inter- und intragenerationaler Mobilität für gesundheitliche Ungleichheiten in Ost- und Westdeutschland, Oktober 2017, Working Paper Forschungsförderung Nr. 050, Oktober 2017.

Fetale Alkohol Spektrumstörungen (FASD) - Alkoholschädigung im Mutterleib

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn Alkohol Kindern schon vor ihrer Geburt die Zukunft verbaut

Eine neue Publikation erörtert anhand eines Jugendhilfefalls Möglichkeiten, FASD-Erkrankten im Rahmen der Sozialen Arbeit noch besser zu helfen  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Die dunkle Seite von Martin Luther  
Menschen mit FASD werden bereits im Mutterleib durch Alkohol in ihren Entwicklungschancen erheblich begrenzt. 
  • Ihre Beeinträchtigungen werden noch immer häufig auch von Fachkräften verkannt.  
  • Sie haben geringere schulische und berufliche Perspektiven,
  • und schaffen es zu einem sehr hohen Prozentsatz nicht, eigenständig zu leben
  •  und ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen. 
  • Einer Langzeitstudie zu Folge konnte nur die Hälfte der Erwachsenen mit FASD jemals länger als ein Jahr ein Arbeitsverhältnis halten. 
  • Viele werden auf Grund der eingeschränkten Handlungsplanung und Emotionsregulation wiederholt straffällig.

Anlässlich der Woche der Seelischen Gesundheit trafen sich am 11. Oktober 2017 auf Initiative von Prof. Dr. med. Annemarie Jost vom Institut für Soziale Arbeit der BTU Cottbus-Senftenberg Fachleute der Stadtverwaltung Cottbus, des Carl Thiem Klinikums, der BTU, der Landesgruppe Brandenburg der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. sowie der Beratungs- und Ombudsstelle Kinder- und Jugendhilfe Brandenburg des BOJE e.V. am Campus Cottbus-Sachsendorf.

Sie verständigten sich dazu, das Thema Fetale Alkohol Spektrumstörungen (FASD) in gemeinsamen Initiativen aufzugreifen und die Prävention der Alkoholschädigung im Mutterleib sowie die Diagnostik und eine faire Behandlung der Betroffenen gemeinsam zu unterstützen.

Prof. Dr. Annemarie Jost befasst sich bereits seit Jahren intensiv mit dem Thema FASD.

Erst kürzlich veröffentlichte sie dazu gemeinsam mit Dr. Jan V. Wirth (HerausgeberInnen) eine Publikation mit dem Titel „Mehrperspektivisches-Arbeiten in der Kinder-und-Jugendhilfe: ‚Steven M.‘ – ein Junge mit FASD“ (ISBN: 978-3-17-032097-0), die im Kohlhammer Verlag Stuttgart erschienen ist.

Darin erhalten Fachkräfte im Bereich der Sozialen Arbeit auf Grundlage eines konkreten Jugendhilfefalls Einblicke in das Krankheitsbild von FASD, die Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung, aber auch die Konflikte in Familie und Gesellschaft.

Gleichzeitig werden Vorschläge für mögliche Förder- und Lernangebote, persönliche und rechtliche Unterstützung oder Therapien in typischen Fällen vermittelt. 

Dabei zielen die Fachautoren darauf ab, für Praktiker wie Entscheider aufzuzeigen, wie Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien am besten geholfen werden kann.


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Prof. Dr. Annemarie Jost
Sozialpsychiatrie
T +49 (0)355 5818 419
E annemarie.jost@b-tu.de

Ralf-Peter Witzmann Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Platz der Deutschen Einheit 1
03046 Cottbus
Deutschland
Brandenburg
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Dr. Marita Müller
Telefon: 0355/69-3206
Fax: 0355/69-3935
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Claudia Brasausky
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MSc Kristin Ebert
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Dipl.Ing. Susett Tanneberger
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Ralf-Peter Witzmann
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