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Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf: Frauen mit Nierenerkrankungen und Kinderwunsch und in der Schwangerschaft

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erste S2k-Leitlinie zu Nierenerkrankungen und Schwangerschaft veröffentlicht

Um die Versorgung von Patientinnen mit Nierenerkrankungen vor, während und nach der Schwangerschaft zu verbessern und zu vereinheitlichen wurde eine neue S2k-Leitlinie zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. 

Der Fokus liegt auf den Zusammenhängen der einzelnen Schwangerschaftsphasen mit der Nierenfunktion. 

Erarbeitet wurde die Handlungsempfehlung unter der Federführung der DGGG e. V. und der DGfN e. V. unter Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften. 

Die Empfehlungen richten sich an Frauen mit Nierenerkrankungen sowohl in der Phase des Kinderwunsches als auch in der Schwangerschaft.

 Der Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter mit einer chronischen Nierenerkrankung liegt bei 0,1 bis 4%, in hochentwickelten Ländern bei etwa 3,3%. 

  • Eine Nierenfunktionseinschränkung hat direkten Einfluss auf die Fertilität der Frau und geht im Falle einer Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind einher. 
  • Je nach Ausprägung und Begleiterkrankungen stellt die Betreuung dieser Frauen in der Schwangerschaft daher eine besondere Herausforderung dar.


Empfehlungen gelten bereits ab dem Zeitpunkt des Kinderwunschs


Um die Versorgung von entsprechenden Patientinnen zu verbessern und zu vereinheitlichen, wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) nun die erste S2k-Leitlinie zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. „Ziel der vorliegenden Leitlinie ist es, die Behandlungsmöglichkeiten von Schwangeren mit Nierenerkrankungen in allen relevanten Bereichen der Schwangerschaftsbetreuung zu standardisieren“, betonen der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN), Prof. Hermann-Joseph Pavenstädt, und der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), Prof. Anton Scharl, gemeinsam. Der Fokus liegt auf den Zusammenhängen der einzelnen Schwangerschaftsphasen mit der Nierenfunktion. Erarbeitet wurde die Handlungsempfehlung unter der Federführung der DGGG e. V. und der DGfN e. V. unter Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften. Die Empfehlungen richten sich an Frauen mit Nierenerkrankungen sowohl in der Phase des Kinderwunsches als auch in der Schwangerschaft.

„Diese Leitlinie bündelt erstmalig die relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Behandlung von Schwangeren mit Nierenerkrankungen und gibt somit den beteiligten Berufsgruppen eine gute Orientierung für die medizinische Begleitung von Betroffenen.“
Prof. Dr. Sylvia Stracke (Greifswald)
DGfN-Leitlinienkoordinatorin

Keine Schwangerschaft in den ersten 12 Monaten nach Nierentransplantation

Im Vorfeld einer Schwangerschaft – so betonen die AutorInnen – sollten Frauen mit chronischer Nierenkrankheit über das erhöhte und ggf. spezifische Risiko von Schwangerschaftskomplikationen aufgeklärt werden. 

  • Nach einer Nierentransplantation sollten den Frauen für das folgende Jahr vorerst sichere und effektive Verhütungsmethoden empfohlen werden. 

Für die Zeit während der Schwangerschaft werden bestimmte medikamentöse Behandlungen sowie individuelle Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen. 

Neben grundlegenden Auswirkungen und Behandlungsempfehlungen der Nierenfunktion – vor, während und nach der Schwangerschaft – widmen sich die AutorInnen spezifischen Aspekten von Nierenerkrankungen und deren Effekten auf die Gravidität. 

Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von NephrologInnen und PerinatalmedizinerInnen wird ausdrücklich hervorgehoben, um eine optimale Versorgung der Patentinnen zu gewährleisten.

„Es ist den verbesserten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zu verdanken, dass heutzutage auch Frauen mit eingeschränkter Nierenfunktion schwanger werden können. 

Umso wichtiger ist es, die Behandlungsmöglichkeiten abzuwägen und den betreuenden MedizinerInnen, nach bestmöglichen Standards ausgewertet, an die Hand zu geben.“
Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf (Berlin)
DGGG-Leitlinienkoordinatorin


An der Erstellung der insgesamt 119 Seiten umfassenden Handlungsempfehlung waren dreizehn AutorInnen aus zehn Fachgesellschaften aus Deutschland und Österreich beteiligt. 

Die Kosten für dieses Leitlinienprojekt wurden durch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) getragen.

Leitlinien sind Handlungsempfehlungen. 

Sie sind rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

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Sara Schönborn | Heiko Hohenhaus I Katja Mader
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Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) ist die medizinische Fachgesellschaft für klinische und wissenschaftliche Nephrologie. Sie verfolgt das Ziel, die Wissenschaft und Forschung, Erziehung, Volks- und Berufsbildung sowie des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege auf dem Gebiet der Nephrologie, einschließlich der Erforschung der Nierenfunktion, von Nierenerkrankungen inklusive deren Prävention und Behandlung und ihren Auswirkungen, sowie auf dem Gebiet der Bluthochdruckerkrankungen zu fördern.

Leitlinienkoordinatoren

Prof. Dr. Sylvia Stracke, Greifswald
Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf, Berlin


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http://www.dggg.de

 
https://www.dgfn.eu/

Prof. Dr. Michael Abou-Dakn: Hebammen, ärztliche Geburtshelfer, Kinderärzte, Anästesthesisten: Die vaginale Geburt am Termin als Einling in Schädellage

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Erste S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin erschienen

Die Geburt eines Menschen zählt zweifelsohne zu den Schlüsselmomenten des Lebens. 

Um Gebärende flächendeckend auf hohem Niveau, sprich auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen und möglichst fraubezogen betreuen zu können, wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) nun die erste S3-Leitlinie zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum veröffentlicht.

Die Geburt eines Menschen zählt zweifelsohne zu den Schlüsselmomenten des Lebens. 

In den meisten Fällen handelt es sich um vaginale Geburten am Termin. 

Per Definition schließt das den Zeitraum 37+0 Schwangerschaftswochen (SSW) bis 41+6 SSW ein. 

In der Regel erfolgt die Betreuung im Team aus Hebammen und ärztlichen GeburtshelferInnen. 

Zudem kann es im Einzelfall notwendig werden, dass KinderärztInnen und AnästhesistInnen hinzugezogen werden, um dieses besondere Ereignis im Sinne einer guten Geburtshilfe gemeinsam sicher zu gestalten.

Um Gebärende flächendeckend auf hohem Niveau, sprich auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen und möglichst fraubezogen betreuen zu können, wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) nun die erste S3-Leitlinie zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Entstanden ist die Handlungsempfehlung unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) unter Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften. 

Die Empfehlungen gelten für Gebärende und deren Kinder, die am Termin als Einling aus Schädellage geboren werden.

„Erstmalig wurde hier eine Leitlinie auf der höchsten Entwicklungsstufe von Hebammen und ÄrztInnen initiiert und gemeinsam mit der Bundeselterninitiative Mother Hood e. V. entwickelt. Ein wichtiger Schritt, von dem hoffentlich viele Mütter und Neugeborene profitieren werden.“
Prof.in Dr.in Rainhild Schäfers, DGHWi-Leitlinienkoordinatorin

„Ziel der vorliegenden Leitlinie ist die Zusammenfassung des aktuellen Wissens über die vaginale Geburt am Termin“, betonen die DGHWi-Vorsitzende Elke Mattern und der DGGG-Präsident Prof. Dr. Anton J. Scharl gemeinsam. 

Der Fokus liegt auf der Beschreibung der physiologischen Geburtsphasen mit Abgrenzung zu problematischen Entwicklungen. Erläutert werden zudem vorliegende Gründe für oder gegen Eingriffe in den natürlichen Geburtsverlauf. Das Papier bietet aus Sicht der AutorInnen zudem die Chance, die Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen – zum Wohl von Mutter und Kind – weiter zu fördern.

„Die Leitlinie ist das Ergebnis verfügbarer Evidenz und eines langen Konsensprozesses. Unter dem Strich bietet das komprimierte Wissen den beteiligten Berufsgruppen in der Geburtshilfe eine gute Orientierung für ihr berufliches Handeln.“
Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, DGGG-Leitlinienkoordinator

In einzelnen Kapiteln widmen sich die AutorInnen insbesondere der Betreuung in den einzelnen Phasen der Geburt sowie der Überwachung, Vorbeugung und Therapie von Geburtsverletzungen, dem Schmerzmanagement und der Qualitätssicherung.  

  • Vor dem Hintergrund stetigen Personalmangels betonen die AutorInnen, dass Gebärende ab der aktiven Eröffnungsphase eine Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme erhalten sollten und insbesondere in der aktiven Austrittsphase – also dem Höhepunkt der Geburt – nicht vom geburtshilflichen Personal im Kreißsaal allein gelassen werden sollen.  
  • Unmittelbar nach der Geburt, so lautet eine weitere Empfehlung, sollten alle pflegerischen und diagnostischen Maßnahmen oder medizinischen Eingriffe auf ein Mindestmaß reduziert werden. 

Gerade diese Zeit ist für das gegenseitige Kennenlernen – in der Fachsprache Bonding genannt – besonders wichtig. Hierzu zählt vor allem auch der Haut-zu-Haut-Kontakt. 

  • Die Nabelschnur sollte nicht früher als eine Minute nach der Geburt abgeklemmt werden, sofern diese nicht verletzt ist und das Neugeborene keine Hinweise für eine anormale Stresssituation zeigt. 
  • Um den Beginn des Stillens zu fördern, sollten Mütter das Neugeborene so früh wie möglich anlegen – idealerweise in der ersten Stunde des Lebens.


Ausführlich präsentiert werden die Ergebnisse der insgesamt 258 Seiten umfassenden Handlungsempfehlung voraussichtlich auf den anstehenden Tagungen der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG e.V. (AGG) und des Deutschen Hebammenverbands (DHV).

Diese Leitlinie wurde vom Bundesministerium für Gesundheit finanziell unterstützt und von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) im Rahmen des Leitlinienprogramms gefördert. Kosten, die im Rahmen der redaktionellen Überarbeitung entstanden sind, wurden von der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) übernommen.

Leitlinien sind für ÄrztInnen rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

Die Kurz- und Langversion der Leitlinie sowie den Leitlinienreport finden Sie auf der Seite der AWMF:  

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-083.html

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Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien.

Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (DGHWi) ist die einzige wissenschaftliche Fachgesellschaft für Hebammen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Sie fördert hebammenwissenschaftliche Forschung, Lehre und Praxis, die sowohl der Entwicklung des Faches Hebammenwesen, als auch einer bedarfsgerechten und evidenzbasierten Versorgung von Frauen und ihren Familien in der Lebensphase von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit dienen.


Originalpublikation:

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-083.html


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Blut-Hirn-Schranke: Erkrankungen wie Autismus, Schizophrenie und ADHS

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Autoantikörper in der Schwangerschaft: 

Ursache für Verhaltensstörungen beim Kind?

Störungen im mütterlichen Immunsystem, die während der Schwangerschaft auftreten, könnten beim ungeborenen Kind möglicherweise zu einer Beeinträchtigung der Hirnentwicklung führen. 

Darauf deuten Untersuchungen des DZNE und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hin, die auf Laborversuchen und zusätzlichen Befunden am Menschen beruhen. 

Den Studienergebnissen zufolge könnten embryonale Schäden durch sogenannte Autoantikörper eine bisher nicht beachtete Ursache für Verhaltensstörungen sein, die bei Erkrankungen wie Autismus, Schizophrenie und ADHS auftreten. 

Die Forschungsresultate sind im Fachjournal „Annals of Neurology“ veröffentlicht. 
 
Während der Schwangerschaft gelangen ständig Antikörper aus dem mütterlichen Blut über die Nabelschnur in den embryonalen Kreislauf, um das sich entwickelnde Kind vor Infektionen zu schützen.

Doch nicht alle mütterlichen Antikörper richten sich gegen Fremdstoffe und dienen der Abwehr von Krankheitserregern.

Einige Antikörper – die sogenannten Autoantikörper – binden körpereigenes Gewebe und können so Schäden verursachen, die sich beispielsweise als Autoimmunerkrankungen zeigen.

Wie auch die nützlichen Antikörper gibt eine Schwangere die potenziell schädlichen Autoantikörper an ihr Ungeborenes weiter.

Dies könnte beim Kind die Entstehung von Verhaltensstörungen begünstigen, wie aktuelle Untersuchungen im Tiermodell nahelegen. Erste Daten aus Studien am Menschen stützen diese Ergebnisse.

Gefährliche Antikörper

Die aktuelle Studie, geleitet von Privatdozent Dr. Harald Prüß vom DZNE-Standort Berlin und der Klinik für Neurologie und Experimentelle Neurologie am Campus Charité Mitte, konzentrierte sich auf einen Autoantikörper, der sich gegen ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche von Hirnzellen richtet. Dieses Molekül mit der Bezeichnung „NMDA-Rezeptor“ ist für die Verschaltung von Nervenzellen und eine normale Hirnentwicklung unerlässlich. „Der NMDA-Rezeptor-Antikörper ist ein relativ häufiger Autoantikörper. Daten aus Blutspenden lassen vermuten, dass bis zu einem Prozent der Bevölkerung diesen speziellen Autoantikörper im Blut tragen könnte. Die Ursachen dafür sind weitgehend unklar“, erläutert Prüß. Gelangt dieser Autoantikörper ins Gehirn, können schwerwiegende Entzündungen entstehen. Allerdings sind die meisten Träger frei von solchen Symptomen, denn die Blut-Hirn-Schranke – ein filterndes Gewebe, das die Blutgefäße des Gehirns umgibt – ist für Antikörper in der Regel kaum passierbar.

Es sei denn, diese Barriere ist beschädigt oder wie bei einem Embryo im frühen Entwicklungsstadium noch nicht voll ausgebildet.

„Wir gingen der Hypothese nach, dass die NMDA-Rezeptor-Antikörper ins Gehirn des Embryos gelangen und in dieser wichtigen Phase der Hirnentwicklung zu zwar subtilen, aber nachhaltigen Störungen führen“, erklärt Prüß. In der Tat zeigte sich bei Mäusen, dass die mütterlichen Autoantikörper in hohem Maße das Gehirn des Embryos erreichten. In der Folge kam es zum Abbau von NMDA-Rezeptoren, veränderten physiologischen Funktionen und einer gestörten neuronalen Entwicklung. Die Nachkommen zeigten Verhaltensauffälligkeiten und manche Hirnbereiche waren im Vergleich zu gesunden Tieren kleiner ausgebildet.

  • „Diese bislang unbekannte Form Trächtigkeits-assoziierter Hirnerkrankungen erinnert an psychiatrische Störungen, die durch Röteln- oder Windpocken-Erreger ausgelöst werden. 

Auch bei solchen Infektionen kommt es nur kurzzeitig zu einer Einwirkung auf das Gehirn, die aber lebenslange Folgen haben kann“, sagt Prüß.

Befunde am Menschen

Beim Menschen legen erste Analysen von Daten aus einer Gruppe von 225 Müttern nahe, dass diese Autoantikörper tatsächlich gehäuft bei Frauen vorkommen, die ein Kind mit einer neurobiologischen Entwicklungsstörung oder psychiatrischen Erkrankung haben.

Die Mütter selbst scheinen durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt zu sein.

„Weitere Studien sind nötig, um den Zusammenhang zwischen mütterlichen NMDA-Rezeptor-Antikörpern und psychiatrischen Erkrankungen beim Menschen zu erhärten“, betont Prüß.

„Sollten zukünftige Forschungsergebnisse unsere These jedoch bekräftigen, müsste eine Suche nach solchen Antikörpern bei Schwangeren in die Vorsorge aufgenommen werden. 

Dann könnte man gegebenenfalls eine Behandlung zur Entfernung der Autoantikörper einleiten, um die ansonsten wohl lebenslangen gesundheitlichen Auswirkungen auf das Kind zu verhindern.“

Die aktuellen Ergebnisse könnten erklären, warum bisherige Studien keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen NMDA-Rezeptor-Antikörpern und psychiatrischen Erkrankungen wie der Schizophrenie nachweisen konnten.  

Denn im Neugeborenen sind die von der Mutter übertragenen Antikörper nach wenigen Wochen abgebaut. 

Fahndete man bislang bei Patienten im zumeist jungen Erwachsenenalter nach diesen Autoantikörpern, so waren diese längst verschwunden.

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Privatdozent Dr. Harald Prüß
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Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Berlin
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E-Mail: harald.pruess@dzne.de

Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Campus Charité Mitte
https://neurologie.charite.de
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Dr. Marcus Neitzert
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E-Mail-Adresse: marcus.neitzert@dzne.de

Originalpublikation:
Human gestational NMDAR autoantibodies impair neonatal murine brain function, Betty Jurek, Mariya Chayka et al., Annals of Neurology (2019), DOI: 10.1002/ana.25552



Bindungsverhalten für unsere Baby- und Kleinkinder

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr elterliche Fürsorge, weniger Kosten|Studie zu finanziellen Folgen der Eltern-Kind-Bindung veröffentlicht

Geborgenheit, Nähe und Unterstützung sind wesentliche Faktoren, die zu einer sicheren
und zuverlässigen Bindung zwischen Kindern und ihren Eltern beitragen. 


Welche finanziellen Konsequenzen eine fehlende oder schwache Eltern-Kind-Bindung hat, untersucht erstmals Professor Dr. Dr. Christian Bachmann aus der Klinik für Kinder- und
Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm in der Studie „The cost
of love: financial consequences of insecure attachment in antisocial youth“. 


Die Studie wurde am ersten Oktober im Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlicht. 
 
Gemeinsam mit Kolleg*innen der London School of Economics und des Institute of
Psychiatry, Psychology & Neuroscience, London hat der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiater herausgefunden, dass eine sichere Bindung zwischen Kindern und Eltern mit signifikant geringeren gesamtgesellschaftlichen Kosten – wie schulische Fördermaßnahmen, außerhäuslicher Unterbringung oder Krankenhausaufenthalten verbunden ist.

Die elterliche Fürsorge im Kindesalter wirkt sich positiv auf die soziale
Entwicklung der Kinder aus und führt zu geringeren Kosten für das Gesundheitswesen.

  • Noch ausgeprägter als bei der Mutter ist der Effekt bei der Bindung an den Vater und
  • bleibt auch nach der Kontrolle von Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter oder
  • sozioökonomischem Status bestehen.


Die Ergebnisse der Studie sind auch im Hinblick auf die Frage der Frühbetreuung von
Kindern und der dafür erforderlichen Personalschlüssel in Kindergärten und
Kinderkrippen interessant. 


„Aus unserer Sicht liefern die Ergebnisse der Studie ein Argument für die Förderung guter Bindungsqualität bereits im Baby- und Kleinkindalter, da in diesem Alter die Grundlagen für das zukünftige Bindungsverhalten gelegt werden“, sagt Professor Dr. Dr. Christian Bachmann.

An der Untersuchung auf Basis zweier hochwertig randomisierter und kontrollierter
Langzeitstudien beteiligten sich 174 Familien aus Großbritannien mit Kindern im Alter
von neun bis 17 Jahren.

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Professor Dr. Dr. Christian Bachmann
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie
E-Mail: christian.bachmann@uniklinik-ulm.de
Albert-Einstein-Allee 29
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Deutschland
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Tanja Kotlorz
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Vivian Bux
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Originalpublikation:
doi:10.1111/

Der Nikolaus 2019 kommt zu den Handy-Eltern....Mom- oder Dad-Shaming

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn Eltern zu lange am Handy sind - Studie zeigt: Dauer der Smartphone-Nutzung beeinträchtigt Feinfühligkeit

Tobende Kinder auf der einen Seite, Erwachsene im Bann ihres Smartphones auf der anderen: 

ein mittlerweile alltägliches Bild auf deutschen Spielplätzen. 

Der Griff zum Handy kann jedoch negative Folgen für die Eltern-Kind-Interaktion haben. 

Wie eine jetzt veröffentlichte Studie des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) zeigt, kommt es dabei auf die Dauer der Nutzung an: Wenn Eltern zu lange am Handy sind, leidet ihre Feinfühligkeit. 

  • Doch wer das Smartphone ganz weglegt, verliert möglicherweise einen wichtigen Anti-Stressfaktor. 
 Was passiert, wenn Mütter daddeln?
Was passiert, wenn Mütter daddeln?
 
Eltern gehören zu den intensivsten Smartphone-Nutzenden, behaupten Marktforschungsunter-nehmen.

Ob im Supermarkt, in der Bahn oder zu Hause – viele nehmen das Handy auch in Gegenwart ihrer Kinder zur Hand.

Als ganz unproblematisch gilt der Konsum nicht. 
  • Seit langem warnen Expertinnen und Experten vor den Auswirkungen der eingeschränkten Aufmerksamkeit. 
  • „Heute schon mit ihrem Kind gesprochen?“ fragten etwa im Jahr 2017 bundesweit Plakate provokativ und sollten damit Eltern zur Reflektion des eigenen Medienverhaltens animieren. 
  • Ob die Smartphone-Nutzung von Eltern allerdings tatsächlich mit reduzierter Aufmerksamkeit und Vernachlässigung einhergeht, war wissenschaftlich bisher kaum belegt. 
  • Die Ergebnisse einer Studie von Forscherinnen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen und der Universität Hohenheim sprechen nun für diesen Zusammenhang.

Wer länger am Handy ist, reagiert weniger sensibel

Für die Studie beobachtete das Forscherteam 89 Mütter mit ihren Kindern auf verschiedenen Spielplätzen. Dabei untersuchten die Wissenschaftlerinnen, wie oft und wie lange Mütter das Smartphone zur Hand nahmen und wie sie in dieser Zeit mit dem Kind interagierten. Hatte die Mutter ihre Tochter oder ihren Sohn im Blick oder bemerkte sie erst nach dem fünften Rufen, dass das Kind auf der Schaukel angestoßen werden möchte?


Das Ergebnis: Mütter, die ihr Smartphone für eine längere Zeit nutzten, verhielten sich weniger einfühlsam gegenüber ihrem Kind. Sie waren also weniger empfänglich für dessen Signale und reagierten auf Anfragen weniger angemessen. 

Während einer Beobachtungszeit von zehn Minuten griff fast die Hälfte der Mütter im Durchschnitt 80 Sekunden lang zum Handy. Werden Eltern also unsensibel, je mehr sie am Handy sind? Möglich. Eine Aussage über die langfristigen Auswirkungen der Nutzung trifft die Studie nicht. Studienleiterin und Kommunikationswissenschaftlerin Lara Wolfers erklärt: „Nach unseren Daten verschlechtert eine längere Nutzung die Interaktionen zwischen Mutter und Kind direkt in der Situation. Wie die Nutzung aber über die Situation hinaus wirkt, können wir mit dieser Studie nicht aussagen.“ Die Anzahl der Nutzungsepisoden, also wie oft die Mutter zum Handy griff, hatte keinen Einfluss auf die Feinfühligkeit. Ein schneller Blick auf das Handy scheint demnach unproblematisch.

Weniger Eltern-Bashing, mehr Reflektion

Kurz mal auf das Display geschaut und man gilt gleich als Monster, so etwa empfinden viele Eltern eine vermehrte Kritik an ihrer Nutzung des mobilen Begleiters. Mittlerweile wird sogar von Mom- oder Dad-Shaming gesprochen, dem öffentlichen Anprangern von elterlichem Verhalten. Zu Unrecht, wie Wolfers betont: „Die meisten Eltern benutzen das Smartphone in Gegenwart ihrer Kinder sehr reflektiert und konsumieren Inhalte, die wenig Konzentration benötigen.“ Kaum eine der beobachteten Mütter etwa spielte oder arbeitete, wie Befragungen zum Nutzerverhalten im Anschluss der Beobachtung zeigten. Wenn Mütter ihr Handy nutzten, dann um den Alltag zu organisieren, Fotos zu machen oder mit Freunden und Familie zu schreiben. Durch den Kontakt zu den Bekannten zeigten sich die Mütter der Studie sogar feinfühliger, als wenn das Smartphone für andere Tätigkeiten zur Hand genommen wurde. Das Smartphone bietet hier mitunter einen Zugang zu Unterstützung oder auch ein offenes Ohr.

Das Smartphone: Elterlicher Anti-Stressfaktor


„Die öffentliche Diskussion zu Eltern und ihrer Handynutzung ist oft sehr negativ und einseitig“, meint Wolfers. Im Rahmen ihrer Dissertation erforscht die Doktorandin derzeit am IWM, wie Eltern digitale Medien einsetzen – nämlich vor allem zum Stressmanagement: „Das Smartphone gibt Eltern Flexibilität und Autonomie zurück und bietet Kontakt zu Gleichaltrigen in einem sonst sehr isolierten Alltag.“ Das Elterndasein ist schön, kann aber auch stressig, langweilig und sehr einsam sein. Das Handy zu nutzen bedeutet, die Einkaufsliste auch unterwegs schreiben zu können, etwas von der Außenwelt mitzubekommen oder Ratschläge von anderen Müttern und Vätern zu erhalten. „Das lässt Eltern möglicherweise entspannen, was sich wiederum positiv auf den Umgang mit dem Kind und die Feinfühligkeit auswirken kann“, so die Wissenschaftlerin.  

„Eltern sollten daher lernen ihr Handy so einzusetzen, dass es den größtmöglichen Nutzen bringt aber die Interaktionen mit den Kindern möglichst wenig stört.“


Das Leibniz-Institut für Wissensmedien
Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht, wie digitale Technologien eingesetzt werden können, um Wissensprozesse zu verbessern. Die psychologische Grundlagen-forschung der rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist auf Praxisfelder wie Schule und Hochschule, auf Wissensarbeit mit digitalen Medien, wissensbezogene Internetnutzung und Wissensvermittlung in Museen ausgerichtet. Seit 2009 unterhält das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten Leibniz-WissenschaftsCampus (WCT), zunächst zum Thema „Bildung in Informationsumwelten“, seit 2017 unter dem Titel „Kognitive Schnittstellen“.

Originalpublikation:
Wolfers, L., Kitzmann, S., Sauer, S. & Sommer, N. (2019). Phone use while parenting: An observational study to assess the association of maternal sensitivity and smartphone use in a playground setting. Computers in Human Behavior. Online verfügbar unter https://doi.org/10.1016/j.chb.2019.08.013

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Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: DGE: Schwangerschaft – Levothyroxin senkt bei Frauen mit TPO-Antikörpern Risiko für Fehl- und Frühgeburt nicht

Seit langem wird diskutiert, ob in der Schwangerschaft bei Frauen mit Thyreoperoxidase-Antikörpern, aber ansonsten normaler Schilddrüsenfunktion eine Behandlung mit Levothyroxin sinnvoll ist, um das Risiko für Fehl- und Frühgeburten zu senken. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Erzieherausbildung  

  • Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass die Hormongabe bei dieser Patientinnengruppe den Schwangerschaftserfolg nicht erhöht. 

Entsprechend betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), dass Schilddrüsenfunktion und Jodversorgung bei Schwangeren grundsätzlich sehr wichtig sind, die Behandlung mit Levothyroxin bei Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion und mit TPO-Antikörpern jedoch nicht evidenzgesichert ist. 
 
  • Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen um bis zu 50 Prozent an. 
  • Für die gesunde Entwicklung des Kindes ist eine normale Schilddrüsenfunktion der Mutter sehr wichtig. 
  • Es ist essenziell, dass das Thema `Schilddrüse´ in der Schwangerenbetreuung und der Zeit danach präsent ist. 

Die zusätzliche Jodzufuhr während der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine zentrale Maßnahme, sowie – wenn eine Indikation vorliegt – auch die Gabe von Levothyroxin, das identisch mit dem körpereigenen Schilddrüsenhormon T4 ist“, sagt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Sprecherin der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

  • Es sei jedoch unverzichtbar genau zu prüfen, ob ein solcher Anlass für die Behandlung mit diesem Schilddrüsenhormon überhaupt gegeben ist.

Werden bei einer Frau mit einer normalen Schilddrüsenfunktion, die schwanger werden will oder es bereits ist, Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-Antikörper) gefunden, ist das weitere Vorgehen uneinheitlich. 

Der Grund: 

TPO-Antikörper sind mit einem höheren Risiko für Fehl- oder Frühgeburten assoziiert.

 „Es wird seit langem diskutiert, ob in dieser Situation – insbesondere bei vorausgegangenen Fehlgeburten oder unerfülltem Kinderwunsch – eine Levothyroxingabe günstig sein kann“, erklärt Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel/Zentrallabor – Forschung und Lehre am Universitätsklinikum Essen.

Dieser Sachverhalt wurde nun erstmals in einer doppelblinden und plazebokontrollierten Studie aus Großbritannien, an der 952 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder vorausgegangener Fehlgeburt teilnahmen, untersucht. Forscher unter der Leitung von Dr. Rima Dhillon-Smithob gingen der Frage nach, ob die Gabe von Levothyroxin bei Frauen mit euthyreoter Stoffwechsellage (TSH < 4 mU/l) und TPO-Antikörpern die Lebendgeburtenrate erhöht. Die eine Hälfte der Frauen erhielt während der gesamten Schwangerschaft täglich Levothyroxin 50 μg, die andere Hälfte nahm ein Plazebo ein. Die Ergebnisse in beiden Gruppen waren vergleichbar. 266 der 470 Frauen (56,6 Prozent), die Levothyroxin erhielten, und 274 von 470 Frauen (58,3 Prozent), die ein Plazebo erhielten, wurden schwanger; 76 Teilnehmerinnen der Levothyroxingruppe (37,4 Prozent) und 178 der Plazebogruppe (37,9 Prozent) brachten ein lebendes Kind zur Welt. Professor Führer fasst zusammen: „Die Qualität der Studie ist hoch und die Ergebnisse deshalb relevant:  

Levothyroxin erhöht nicht den Schwangerschaftserfolg für Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion und TPO-Antikörper.“
Die ergänzende Gabe von Levothyroxin sei hier deshalb nicht evidenzgesichert.

Auf zwei weitere wichtige Aspekte weist Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hin: 

  • „Bei den schwangeren Patientinnen könnten durch eine medizinisch nicht notwendige Verordnung von Schilddrüsenhormonen eventuell Ängste entstehen. 
  • Zudem wird das Gesundheitssystem unnötig belastet.“ 
Für die DGE-Experten sind die Ergebnisse der NEJM-Studie so überzeugend, dass sie hoffen, dass sie in nationale und internationale Leitlinien Eingang finden und in der Praxis diese neuen Erkenntnisse auch konsequent umgesetzt werden.

Literatur:
Dhillon‑Smith, Rima K. et al. Levothyroxine in Women with Thyroid Peroxidase Antibodies before Conception
N Engl J Med 2019;380:1316-25. DOI: 10.1056/NEJMoa1812537
Abstract: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1812537

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen – zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken – „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen wie Speichel- oder Schweißdrüsen ihre Sekrete nach „außen“ ab.



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Einladung zur Studie: Die Emotionale Entwicklung von Kindern

Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: Wie erkennen Kinder Emotionen anderer? 

Psychologinnen suchen Fünf- bis Achtjährige für Studie

Spiegelt sich im Gesicht des Gegenübers Freude, Ärger, Angst oder Überraschung? 

Wie erkennen Kinder Emotionen anderer? 

Entwicklungspsychologinnen der Universität des Saarlandes aus der Arbeitsgruppe von Professor Gisa Aschersleben erforschen die emotionale Entwicklung von Kindern. 

  • Für eine Studie sucht die Forscherin Corina Möller fünf- bis achtjährige Jungen und Mädchen mit deutscher Muttersprache. 
  • Die Psychologin testet derzeit ein neues Verfahren, mit dem kindliches Emotionswissen erfasst werden kann: 

Hierzu untersucht sie mit ihrem Verfahren eine große Zahl von Kindern, um Aussagen etwa über typische Altersverläufe treffen zu können. 
 
Emotionen anderer bewusst wahrzunehmen, sie zu erkennen und richtig zu deuten, ist für den Menschen von zentraler Bedeutung. 

  • Diese Fähigkeit beeinflusst sein Denken und Handeln, ist entscheidend dafür, wie er mit anderen umgeht und zurechtkommt. 

Psychologinnen der Universität des Saarlandes erforschen die emotionale Entwicklung im Kindesalter. 

Das Wissen hierüber kann etwa dabei helfen, Kinder wenn nötig zu unterstützen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Die Forscherinnen testen dabei ein neues Verfahren, das auf spielerische Art und Weise dabei helfen soll, im Einzelfall zu beurteilen, wie ein Kind Emotionen anderer wahrnimmt.

Sie suchen jetzt möglichst viele Kinder, die das Verfahren durchlaufen – besser gesagt, es durchspielen:

Dabei wird dem teilnehmenden Kind am Tablet eine Geschichte gezeigt, in der verschiedene Situationen bei den Protagonisten unterschiedliche Gefühle hervorrufen.

Das Kind soll einen von vier Gesichtsausdrücken auswählen, der nach seiner Meinung am besten zu der jeweiligen Situation passt. 

Neben dem Verfahren zur Untersuchung der Emotionswahrnehmung soll das Kind in anderen kleinen Aufgaben so schnell wie möglich bestimmte Blumen in einer Reihe von verschiedenen Blumen finden oder ein Bewegungsspiel mitspielen.

Die Einzelstudie dauert etwa 45 Minuten, im Anschluss erhält das Kind zur Belohnung eine kleine Überraschung.

Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Bei Bedarf können die Eltern die ganze Zeit über im selben Raum bleiben.

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Michaela Sprau
Laborkoordinatorin, Campus Saarbrücken
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 E-Mail: kinderprojekt@uni-saarland.de

Gerhild Sieber Universität des Saarlandes
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Fax: 0681/302-2609


Wiederkehrende Spontanaborten: humane Choriongonadotropin (hCG) (Schwangerschaftshormon)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Immunangriff auf die Schwangerschaft

Es gibt Frauen, die zwar leicht schwanger werden, aber ihr Kind in den ersten Monaten verlieren. 

Das gilt für fünf Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. 

Warum sie unter immer wiederkehrenden Spontanaborten leiden, bleibt selbst nach intensiver Untersuchung oft rätselhaft. 

Allerdings hat ein Forscherteam des LMU-Klinikums nun eine Ursache des rätselhaften Phänomens aufgeklärt: 

Manche der Frauen produzieren offenbar Abwehrstoffe (Antikörper) gegen ein ganz bestimmtes Oberflächenprotein in den Zellen des Mutterkuchens. 

Die Entdeckung könnte mittel- bis langfristig zu einer neuen, gezielten Therapie führen. 
 
Der Mutterkuchen (Plazenta) bildet das Grenzgewebe zwischen der Blastocyste – einem frühen Stadium der Embryonalentwicklung – und der Gebärmutterwand, also auch dem mütterlichen Blut.
  • Über die Plazenta steht der Embryo in unmittelbarem Kontakt mit dem Blutkreislauf der Mutter und wird so versorgt. 
Doch manche der Frauen mit mehreren Spontanaborten produzieren Antikörper gegen einen Teil der Plazenta, den Trophoblasten.

In vorangegangenen Untersuchungen hatten Forscher vom LMU-Hormon- & Kinderwunschzentrum Großhadern bei 17 Prozent der Frauen mit zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Aborten solche Antikörper nachgewiesen.

Und sogar bei 34 Prozent der Frauen mit drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten wurden sie entdeckt, ohne dass zunächst klar war, wogegen genau sich diese Antikörper richteten.

Dies aufzuklären ist nun einem Team um Prof. Dr. Udo Jeschke, Dr. Viktoria von Schönfeldt und Doktorandin Yao Ye gelungen: 
  • Bei Frauen mit mehreren Spontanaborten produzieren die Zellen des Trophoblasten das Protein Alpha-Enolase - und transportieren es an ihre Oberfläche. 
  • Dort erkennt es das Immunsystem versehentlich als „feindlich“ und produziert die beschriebenen Auto-Antikörper.

Das Schwangerschaftshormon hCG wird unterdrückt
 
„Es war eine aufwändige Forschungsarbeit“, erklärt Jeschke. Denn es ging darum, aus hunderten bis tausenden Molekülen das eine herauszufinden, das den zuweilen verhängnisvollen Prozess auslöst. Nachdem endlich die Alpha-Enolase als Angriffspunkt der Auto-Antikörper identifiziert war, wiesen die Wissenschaftler nach, dass das Phänomen wirklich die Funktion der Trophoblasten stört.

„Zum Beispiel wird in unserem Zellkulturmodell die Produktion des Schwangerschaft-Hormons hCG beeinträchtigt“, erklärt Viktoria von Schönfeldt. 
  • Das humane Choriongonadotropin (hCG) wird während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet und trägt dazu bei, die Schwangerschaft zu erhalten, indem es die Produktion von Progesteron ankurbelt. 
  • So wird verständlich, warum die Schwangerschaft zugrunde gehen kann, wenn die Alpha-Enolase von Auto-Antikörpern angegriffen wird.

Neue Studie mit bekannten Medikamenten
 
Das Spannende: 

Die Alpha-Enolase ist ein Molekül, das auch im Krankheitsgeschehen weiterer wichtiger Autoimmunerkrankungen beteiligt ist – zum Beispiel bei Rheumatoider Arthritis oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa. 

„Auch hier werden Antikörper gegen die Alpha-Enolase gebildet“, sagt Udo Jeschke.

In diesem Sinne gibt es bereits zahlreiche Medikamente, die diesen Prozess und seine negativen Effekte reduzieren oder stoppen. 

Das Münchner Team will so rasch wie möglich prüfen, ob diese Medikamente für eine Behandlung von Schwangeren, die Auto-Antikörper gegen die Alpha-Enolase haben, in Frage kommen - und in klinischen Studien weiter untersucht werden können.

Was betroffene Frauen jetzt machen können
 
CAVE: Schon jetzt raten die Forscher Frauen mit mehreren Aborten in der Vergangenheit, sich bei einer erneuten Schwangerschaft etwa bei einem Rheumatologen auf Antikörper gegen die Alpha-Enolase testen zu lassen. 

 „Der ungeklärte Verlust eines ungeborenen Kindes führt zu einer hohen seelischen Belastung“, erklärt Viktoria von Schönfeldt, „die Diagnose von Auto-Antikörpern bedeutet dann zumindest eine große Erleichterung.“
  • Darüber hinaus geben Ärzte den betroffenen Frauen seit einigen Jahren sogenannte gepoolte polyvalente Immunglobuline – gebräuchliche Gemische von Antikörpern aus Spenderinnen-Blut. 

Manche der behandelten Frauen gebären nach dieser unspezifischen Therapie gesunde Kinder – höchstwahrscheinlich, weil die Immunoglobuline die Antikörper gegen Alpha-Enolase unschädlich machen.

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Prof. Dr. Udo Jeschke
Leiter Forschungslabore
E-Mail: udo.jeschke@med.uni-muenchen.de

Dr. Viktoria von Schönfeldt
Leitende Embryologin
Hormon- und Kinderwunschzentrum
E-Mail: Viktoria.schoenfeldt@med.uni-muenchen.de

Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe
Klinikum der Universität München (LMU)
Marchioninistraße 15
81377 München


Pettenkoferstraße 8a
80336 München
Deutschland
Bayern


Philipp Kressirer
Telefon: 089 / 4400 - 58070
Fax: 089 / 4400 - 58072
E-Mail-Adresse: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de
Originalpublikation:
1. Anti α-Enolase antibody is a novel biomarker for unexplained recurrent miscarriages. Ye Y, Kuhn C, Kösters M, Arnold GJ, Ishikawa-Ankerhold H, Schulz C, Rogenhofer N, Thaler CJ, Mahner S, Fröhlich T, Jeschke U, von Schönfeldt V. Accep-ted for Publication by EBioMedicine,
DOI: https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2019.02.027

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Untersucher-StudienEinladung: Schwangere und junge Mütter

Medizin am Abend Berlin Fazit: Präventionsstudie zu Stress und Sorgen während der Schwangerschaft und nach der Geburt

An der Universitätsmedizin Greifswald startete am 12. März 2019 die Studie Netzwerk Vorpommern: 

Psychosoziale und neurobiologische Gesundheit von Schwangeren und jungen Müttern in Vorpommern (PriVileG-M). 

  • Im Fokus der Studie stehen stressbelastete schwangere Frauen in Vorpommern.

Neben der Universitätsmedizin sind die Universität Greifswald und die Hochschule Neubrandenburg in die Studie eingebunden. 


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachInfo: Erläuterung zur Studie  

Symbolbild PriVileG
Symbolbild PriVileG Unimedizin Greifswald
 
Für die Studie werden schwangere Frauen bis ca. der 25. Schwangerschaftswoche gesucht. 

  • Die Teilnehmerinnen werden etwa 12-15 Monate begleitet, bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres ihres Kindes. 

Innerhalb dieses Zeitraums finden fünf Befragungen bzw. Untersuchungen statt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden sich mit den Auswirkungen des mütterlichen Stresses auf das Ungeborene und später auf das Baby beschäftigen. 

Die teilnehmenden Frauen werden dabei unterstützt, mit individualisierten Therapiemaßnahmen ihren Stresslevel zu reduzieren.

Ziel ist es, sie darin zu fördern, eine stabile Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, selbstsicherer in Konflikten zu reagieren und sie in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken. 

Somit erwarten wir, auch das Bindungsverhalten der Kinder und ihre weitere Entwicklung zu fördern.


Langfristig sollen die Untersuchungsergebnisse genutzt werden, präventive Unterstützungsangebote in Vorpommern zu etablieren, die auf die Bedürfnisse schwangerer Frauen und junger Mütter mit Belastungen ausgerichtet sind.

Die Studie wird im Rahmen der Initiative „Förderung von Nachwuchswissenschaftlern in exzellenten Forschungsverbünden“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von circa zwei Millionen Euro über eine Dauer von insgesamt 42 Monaten unterstützt.

Teilnahme
An der Teilnahme Interessierte wenden sich bitte direkt an die Projektkoordinatorin Juliane Corleis.
privileg@uni-greifswald.de
01522 2406323 (auch WhatsApp)

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Projektleitung Universitätsmedizin Greifswald
Prof. Dr. Hans Grabe
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Ellernholzstraße 1-2, 17489 Greifswald
Telefon 03834 86 6842
grabeh@uni-greifswald.de

Universität Greifswald
Prof. Dr. Silke Schmidt
Institut für Psychologie
Lehrstuhl Gesundheit und Prävention
Robert-Blum-Straße 13, 17489 Greifswald
Telefon 03834 420 3800
Silke.schmidt@uni-greifswald.de

Hochschule Neubrandenburg
Prof. Dr. Bedriska Bethke
Fachbereich Gesundheit, Pflege und Management
Brodaer Straße 2, 17033 Neubrandenburg
Telefon 0395 5693 3100
bethke@hs-nb.de

Jan Meßerschmidt Universität Greifswald
Domstraße 11
17489 Greifswald
Postfach Greifswald
17487 Greifswald
Deutschland
Mecklenburg-Vorpommern
Telefon: (03834) 420 1150
Fax: (03834) 420 1151
E-Mail-Adresse: jan.messerschmidt@uni-greifswald.de

Vitamin Folat - Folsäure - Vitamin B -Zink : Stoffwechsel von Mutter, Vater und Kind

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wer ein Kind möchte, braucht Folsäure!

Stiftung Kindergesundheit informiert über ein Vitamin, das Babys vor schweren Schäden schützen kann

Mit ein bisschen Salat ist es nicht getan: 

Frauen, die schwanger werden wollen oder schwanger werden könnten, müssen wissen, welche Nährstoffe sie jetzt wirklich brauchen. 

Sie sollten sich folatreich ernähren und zusätzlich ein Folsäurepräparat einnehmen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme. 
  • Auf diese Weise können sie erreichen, dass ihr Körper bereits zu Beginn einer Schwangerschaft optimal mit Folsäure versorgt und für den Empfang eines gesunden Kindes bereit ist.  
  • „Folat spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel von Mutter und Kind“, begründet Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit die Empfehlung. 

„Das Vitamin ist ein wichtiger Baustein bei der Neubildung von Zellen und deshalb an vielen wesentlichen Prozessen im Körper des ungeborenen Kindes beteiligt.

Deshalb ist eine zusätzliche Einnahme von Folsäure am besten schon vor der Schwangerschaft, aber auch während des Stillens in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft besonders wertvoll“.

Als außerordentlich wichtig erweist sich Folsäure für die gesunde Entwicklung von Rückenmark und Gehirn des Babys:

Mit ihrer Hilfe lässt sich das Risiko von Fehlbildungen des kindlichen Nervensystems – von sogenannten Neuralrohrdefekten – deutlich verringern.

Zu diesen Fehlbildungen zählen die „Meningomyelozele“ (eine bruchsackartige Ausbeulung des Rückenmarks) oder eine „Spina bifida“ (offener Rücken), die oft mit einem Hydrozephalus („Wasserkopf“) vergesellschaftet sind.

Auch die werdende Mutter profitiert von einer Optimierung ihrer Folatversorgung, unterstreicht Professor Berthold Koletzko:

„Das Risiko einer Blutarmut bei der Geburt wird verringert und die Gefahr einer Frühgeburt reduziert.“.


Für die Gesundheit unverzichtbar


Folsäure ist jedoch nicht gleich Folat, hebt die Stiftung Kindergesundheit hervor. „Folat“ oder „Folate“ sind Sammelbegriffe für eine in der Natur vorkommende Form des wasserlöslichen B-Vitamins, das für die menschliche Gesundheit unverzichtbar ist. 

  • „Folsäure“ ist die synthetisch hergestellte Form des Vitamins B9. 
  • Sie wird in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln wie Mehl, Nudeln oder Brot verwendet. 
  • Folsäure kommt in der Natur nicht vor, wird jedoch im Organismus in einen aktiven Zustand umgewandelt. 
  • Die synthetisch hergestellte Folsäure ist zu 85 Prozent vom Körper verwertbar, die Folate aus den Nahrungsmitteln zu etwa 50 Prozent. 
  • Auch die im Körper natürlich vorkommende Folatform Metafolin ist heute als Supplement verfügbar.

Früher wurde eine Aufnahme von Folat bei nicht-schwangeren Erwachsenen bei 400 Mikrogramm pro Tag empfohlen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Vitamin B12 

Dieser Wert wurde 2013 auf 300 Mikrogramm verringert, weil nach neueren Studien auch schon mit dieser Menge eine gute Versorgung erreicht werden kann.


Bedarf in der Schwangerschaft deutlich erhöht

Viele junge Frauen können eine optimale Ernährung im Alltag nicht umsetzen. Einige ernähren sich mit einseitigen Diäten oder wegen einer Unverträglichkeit nicht wirklich ausgewogen.

Die Folge: Sie sind oft nur unzureichend mit wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Jod, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren versorgt. Und auch mit Folsäure:

  • Die kürzlich vorgelegte Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) ergab, dass nur etwa fünf Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter Folatwerte aufweisen, die zum Schutz eines ungeborenen Babys vor Fehlbildungen notwendig sind.

Dabei ist der Bedarf an Folsäure während einer Schwangerschaft deutlich erhöht, betont die Stiftung Kindergesundheit. Der Grund: Der Embryo, die Gebärmutter und der Mutterkuchen (Plazenta) wachsen, die Blutmenge nimmt zu.

Mangelt es an Folsäure während der Frühschwangerschaft, droht auch ein erhöhtes Risiko für andere Gefahren wie zum Beispiel Herzfehler, Fehlbildungen der Harnwege oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG, im Volksmund als „Hasenscharte“ bezeichnet). 

Eine Studie ergab: Die regelmäßige Einnahme von Folsäure kann die Häufigkeit von LKG-Spalten um bis zu 40 Prozent verringern.


Die Pille nach der Pille
Reichlich Folat findet sich in Rohkost, Obst und Blattgemüse, Kohl, Broccoli, Feldsalat, Fenchel, Spinat, Spargel, Vollkornprodukten, Sauerkraut und Kartoffeln.

Als Faustregel gilt: 

Alle Gemüse und Salate, von denen die Blätter der Pflanze gegessen werden, dienen der Folatversorgung. Leider kann der Körper aber nur einen Teil der darin enthaltenen Folsäure verwerten. Außerdem ist die Folsäure in Gemüse, Obst oder Getreide ausgesprochen hitze- und lichtempfindlich und geht bei langem Kochen oder Warmhalten der Lebensmittel leicht verloren.

Um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu senken, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in Übereinstimmung mit weiteren Fachgremien allen Frauen mit Kinderwunsch, neben einer folatreichen Ernährung mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft mit der täglichen Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure in Form eines Präparats zu beginnen.

 Die zusätzliche Einnahme von Folsäuretabletten sollte gleich nach der Beendigung der Schwangerschaftsverhütung beginnen:

Die Tablette mit Folsäure ist gewissermaßen die Pille nach der Pille. 

Ihre Einnahme sollte während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden.


Folsäure in Brot und Nudeln
In den USA werden bereits seit 1998 standardisierte Mehle, Brote, Brötchen, Frühstücksflocken, Reis- und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure angereichert. Seither ist die Zahl von Neuralrohrdefekten bei Babys nach wenigen Jahren um etwa 30 Prozent zurückgegangen. In Kanada gelten die gleichen Bestimmungen wie in den USA. Dort ist auch die Zahl der angeborenen Herzfehler gesunken.

In Deutschland dagegen geht die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten trotz der seit Jahren bekannter Erkenntnisse nicht zurück, bedauert die Stiftung Kindergesundheit.

Sie liegt mit jährlich bis zu 1.000 Fällen nach wie vor hoch. Dabei ließe sich wenigstens die Hälfte dieser Fehlbildungen durch eine gute Folatversorgung einfach und wirksam vermeiden, sagt Professor Koletzko: 

 „Dies wäre am einfachsten zu erreichen, wenn wir bestimmte Grundnahrungsmittel mit Folsäure anreichern würden, so wie es in fast 100 anderen Ländern der Welt bereits geschieht“.

Die Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Folsäure hat den klaren Vorteil, dass alle Frauen zumindest in einem gewissen Ausmaß mit Folsäure versorgt werden. In allen Ländern mit verpflichtender Folsäureanreicherung von Lebensmitteln kam es seit der Einführung zu einem Rückgang von Neuralrohrdefekten zwischen 27 und 55 Prozent, in Teilen Kanadas sogar noch deutlich darüber.


Das Babyvitamin macht auch Männer gesünder
Übrigens profitieren auch Männer vom Vitamin Folsäure, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit:

Die Zugabe von Folsäure zu Brot und Pasta in den USA und Kanada hat dort die Zahl von Darmkrebsfällen um 20 Prozent gesenkt.

  • Eine weitere wichtige Funktion der Folsäure ist ihre schützende Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 
  • Sie ist für den Abbau des gefäßschädigenden Homocysteins im Blut mitverantwortlich und trägt zu einer leichten Blutdrucksenkung bei.

Somit kommt dem Vitamin eine Schlüsselrolle auch im Kampf gegen Herzinfarkt und Schlaganfall zu.

Folsäure und B-Vitamin-Präparate mit Folsäure konnten das Schlaganfallrisiko in einer Studie aus China um bis zu 20 Prozent senken. 

  • Studien haben außerdem ergeben, dass sich durch die kombinierte Einnahme von Folsäure und Zink die Anzahl an Spermien um über 70 Prozent steigern lässt.

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Untersucher-CAVE: Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schwangerschaft: Gewichtszunahme durch Beratung schwer zu beeinflussen

Nehmen Schwangere übermäßig zu, kann das für Mutter und Kind Probleme mit sich bringen. 

Als Lösungsansatz werden regelmäßige Beratungstermine vorgeschlagen. 

Anhand von Ergebnissen mit 2286 Frauen hat ein Team an der Technischen Universität München (TUM) und dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) nun aber gezeigt, dass Beratungen im Rahmen der Routinevorsorge Schwangere zwar zu einem gesünderen Lebensstil anregen, die Gewichtszunahme aber nicht verringern. 


  • Steigt das Gewicht von Frauen während der Schwangerschaft zu stark an, kann das ein Grund für Schwangerschaftsdiabetes, ein erhöhtes Kaiserschnittrisiko oder ein zu hohes Geburtsgewicht des Kindes sein. 

Ziel der bayernweiten Studie „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) war es, Schwangere für die Problematik zu sensibilisieren und ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu verbessern.

An der Studie waren über 70 Arzt- und Hebammenpraxen in Bayern beteiligt.

Frauen in der Studiengruppe erhielten während der Schwangerschaft ab der 12. Woche drei Beratungsgespräche (30-45 min) und ein weiteres Gespräch einige Wochen nach Entbindung im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchungen sowie zusätzlich Informationsmaterial. Zudem bekamen die Schwangeren Formulare, mit denen sie die Gewichtszunahme und ihr Bewegungsverhalten selbstständig dokumentieren und überwachen konnten. Die Kontrollgruppe erhielt nur das Informationsmaterial.

Kindliches Gewicht leicht verringert

Studienleiter Professor Hans Hauner, Ordinarius für Ernährungsmedizin an der TUM, erläutert erste Ergebnisse: „Leider zeigte das Beratungskonzept nicht den gewünschten Erfolg – es hatte keine messbare Auswirkung auf die Gewichtszunahme der Mütter.“ Trotz der Beratung nahmen über 45 Prozent der Teilnehmerinnen mehr zu als der internationale Standard des Institute of Medicine (IOM) empfiehlt.  

Im Durchschnitt waren das über 14 kg. Auch Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder vorzeitige Wehen verringerten die Beratungen nicht.

Aber die Forscherinnen und Forscher stellten dennoch positive Effekte fest:

  • Ein erster Blick auf die weiteren Daten zeigte, dass viele Schwangere durchaus auf ihre Ernährung geachtet und sich regelmäßig bewegt hatten. 

Zudem machten über 85 Prozent der Frauen das Programm bis zum Schluss mit und waren bereit, Ratschläge anzunehmen und umzusetzen.

 „Offensichtlich reichte das aber nicht aus, um ihr Gewicht zu reduzieren. 

Was wir aber sahen ist, dass Größe und Gewicht der Kinder der Frauen, die am Programm teilgenommen hatten, geringer waren.

Und auch das ist ein kleiner, wichtiger Erfolg.“, so Hauner.

Das Studienteam empfiehlt auch, die Beratung schon vor der 12. Woche zu beginnen.

Alltagstauglichkeit als Hauptkriterium

Zudem war das Besondere an der Studie, dass die Termine in die normalen Vorsorgeuntersuchungen integriert wurden. 

Es ist weltweit die größte Studie mit diesem Ansatz.

„Uns war wichtig, dass das Konzept alltagstauglich ist.

Die Schwangeren mussten keine neuen Termine wahrnehmen und die Ärztinnen, Ärzte und Hebammen hatten einen überschaubaren Aufwand.

Nur solche Lösungsansätze sind praxistauglich.“

Viele andere Studien hätten die Schwangeren im Rahmen eigener Termine regelmäßig betreut und überwacht, so Hauner.

„Selbst wenn das einen positiven Effekt hat, lässt sich das so nicht für alle Schwangeren umsetzen – und das sollte Ziel sein.“, so Hauner.

Weitere Informationen

An der Studie waren folgende Partner beteiligt: Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, Regensburg, Bayreuth, Fürth und Würzburg, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, AOK Bayern, Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie

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Dr. Ulrich Marsch
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E-Mail-Adresse: presse@tum.de


Originalpublikation:
J. Kunath and J. Günther et al. : Effects of a lifestyle intervention during pregnancy to prevent excessive gestational weight gain in routine care – the cluster-randomised GeliS trial, BMC Medicine, January 14, 2019, DOI: 10.1186/s12916-018-1235-z, https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-018-1235-z

Rauh K. & Kunath J et al.: Healthy living in pregnancy: A cluster-randomized controlled trial to prevent excessive gestational weight gain - rationale and design of the GeliS study, BMC Pregnancy Childbirth 2014; DOI: 10.1186/1471-2393-14-119, https://bmcpregnancychildbirth.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2393-14-1...

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.professoren.tum.de/de/hauner-hans/ - Profil von Prof. Hans Hauner

http://www.kem.wzw.tum.de/ - Institut für Ernährungsmedizin der TUM


Einladung zur SCHULTERSCHMERZ - Studie: Wegtrainieren www.schulterhilfe.de

Medizin am Abend Berlin Fazit: Probanden für Studie gesucht: Schulterschmerzen wegtrainieren

Die Wasserkisten in den Keller schleppen, das Kind hochheben oder in der Küche werkeln – mit Schulterschmerzen kein Vergnügen. 

Ob ein neuentwickeltes Trainingsgerät sie lindert, wollen Sportwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) testen. 

  • Für ein achtwöchiges Training suchen sie Probanden mit Schulterproblemen. 
 
Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk im ganzen Körper.

Fast jeder bekommt irgendwann Probleme in diesem Bereich.
 „Wird der Schmerz immer größer, entstehen über kurz oder lang Überbelastungsstörungen an anderer Stelle“, so Prof. Dr. Thomas Mühlbauer vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften. 
Er und seine Kollegen wollen deshalb die Wirkung eines speziell entwickelten Trainingsgeräts (Schulterhilfe Optima / www.schulterhilfe.de) der Firma AktiFlex-Produkte KG an Betroffenen testen.

  • „Wir wollen herausfinden, ob man mit dem Training beweglicher wird, mehr Muskelkraft bekommt und die Schmerzen zurückgehen.“

Die Probanden trainieren dreimal die Woche für ca. 20-30 Minuten zu Hause.

Vor und nach dem Trainingsprogramm steht eine zweistündige Diagnose im UDE-Sportinstitut an der Gladbecker Straße in Essen an.

Gesucht werden Frauen und Männer zwischen 35 und 65 Jahren mit Schulterproblemen (z. B. Impingement-Syndrom), aber ohne neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Parkinson.

Nach einer Infoveranstaltung im Februar, geht es im März mit dem Training los.

Die Teilnehmer dürfen das Trainingsgerät anschließend behalten, müssen allerdings selbst für die Fahrtkosten aufkommen.

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Simon Schedler, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
Tel. 0201/183-7350
simon.schedler@uni-due.de

Prof. Dr. Thomas Mühlbauer
Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
Tel. 0201/183-7333
thomas.muehlbauer@uni-due.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Cathrin Becker
Telefon: 0203/379-1488
Fax: (0203) 379-2428
E-Mail-Adresse: cathrin.becker@uni-due.de





CAVE: Einladung zur indivduellen Psychotherapie für Eltern + Elterntraining

Medizin amAbend Berlin Fazit: Psychotherapeutische Hilfe für belastete Eltern

Die Forschungs- und Lehrambulanz für Psychotherapie der Uni Mainz bietet eine Psychotherapie für Eltern an und untersucht die Wirkung auf die Kinder 
 
  • Jeder dritte bis vierte Erwachsene leidet im Laufe seines Lebens unter einer psychischen Störung. 

Wenn Eltern unter psychischen Störungen wie beispielsweise depressiven Störungen oder Angststörungen leiden, stellt dies zum einen spezielle Anforderungen an eine Psychotherapie, zum anderen können auch Kinder in verschiedenster Weise davon betroffen sein.

In der Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird eine individuelle Psychotherapie für Eltern angeboten. 

Zusätzlich kann ein Teil der Eltern an dem Elterntraining „Triple P“ teilnehmen. 

Im Rahmen einer multizentrischen Studie werden die Effekte der Psychotherapie, insbesondere auch auf die Kinder, untersucht.

Die Studie erfolgt unter der Leitung von Prof. Dr. Hanna Christiansen, Philipps-Universität Marburg, sowie von Prof. Dr. Michael Witthöft und Jun.-Prof. Dr. Stefanie Jungmann am Standort Mainz.

An wen richtet sich das Angebot?

Eltern mit klinisch ausgeprägten psychischen Problemen und mindestens einem Kind im Alter von 1,5 bis 16 Jahren.

Wie ist der Ablauf?


Interessenten melden sich per Mail unter COMPARE-Familienstudie@uni-mainz.de oder per Telefon unter 06131 39-39263.

Die Verantwortlichen der Studie geben gerne nähere Auskünfte.

In einem Telefonat wird besprochen, ob das Therapieangebot passend ist.

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Jun.-Prof. Dr. Stefanie M. Jungmann
Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und experimentelle Psychopathologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wallstr. 3
55122 Mainz
Tel. 06131 39-39263
E-Mail: jungmann@uni-mainz.de
https://klipsy.uni-mainz.de/

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Forum 3
55099 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz
Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139
E-Mail-Adresse: idw@uni-mainz.de