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Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark: Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam (Benzodiazepine) bei älteren Patientinnen und Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erstmals große randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativem Midazolam bei älteren Patienten

Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB) haben die bislang größte randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten durchgeführt. 

  • Mittels Placebo-Kontrolle fanden die Medizinerinnen und Mediziner heraus, dass das Medikament bei niedrigdosiertem Einsatz die Patientenzufriedenheit und -sicherheit nicht beeinträchtigt. 

Die Ergebnisse wurden heute in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Surgery veröffentlicht.

  • Midazolam ist ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. 
  • In der Anästhesie wird es mitunter eingesetzt, um Patientinnen und Patienten vor einer OP zu beruhigen. 

„Trotz des weitverbreiteten Einsatzes ist die Wirkung von Midazolam bei oraler Verabreichung auf die Patientenzufriedenheit bei älteren Patientinnen und Patienten vor einem Eingriff bislang nicht abschließend geklärt“, sagt Prof. Mark Coburn, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKB. 

Deswegen wurde in neun deutschen Kliniken die bisher größte randomisierte Studie mit Placebo-Kontrolle zu dieser Fragestellung durchgeführt. 

Die mehr als 600 Studienteilnehmenden waren zwischen 65 und 80 Jahren alt und standen vor der Durchführung eines geplanten operativen Eingriffs mit mindestens 30-minütiger Vollnarkose und geplanter Extubation (d.h. geplantem Entfernen des Beatmungsschlauches).

Etwa der Hälfte der Studienteilnehmenden wurde oral eine geringe Einzeldosis Midazolam von 3,75 mg verabreicht, die andere Hälfte erhielt ein Placebo. 

In die Auswertung einbezogen wurden ein nach dem Operationstag auszufüllender Fragebogen und die Kontrolle von Vitalwerten, möglichen Komplikationen und der kognitiven Erholung innerhalb eines Monats nach der OP. 

„Wir haben herausgefunden, dass sich die Patientensicherheit der Midazolam- und der Placebo-Gruppe – bis auf einen höheren Anteil von Bluthochdruckpatientinnen und –patienten in der Placebo-Gruppe – nicht unterschieden. 

Eine geringdosierte Einzelmedikation von Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten vor einer Operation oder mit Angstzuständen verändert die Patientenzufriedenheit als auch die Patientensicherheit nicht“, so PD Dr. Ana Kowark, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des UKB und Erstautorin der Publikation.

Originalpublikation:
Ana Kowark, MD; András P Keszei, PhD; Gerhard Schneider, MD; Stefanie Pilge, MD; Frederick Schneider, MD; David P Obert, MD; Marie-Therese Georgii, MD; Markus Heim, MD; Rolf Rossaint, MD; Sebastian Ziemann, MD; Julia van Waesberghe, MD; Michael Czaplik, PhD; Friedrich K Pühringer, MD; Christian Minarski, MD; Verena May, MD; Tobias Malisi, MD; Berthold Drexler, MD; Carmen Maria Ring, MD; Phillip Engler, MD; Roman Tilly, MD; Petra Bischoff, MD; Ulrich Frey, MD; Maria Wittmann, MD; Martin Soehle, MD; Thomas Saller, MD; Peter Kienbaum, MD; Moritz Kretzschmar, PhD; Mark Coburn*, MD; for the I-PROMOTE study group; Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland ausgezeichnet. 

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PD Dr. med. Ana Kowark
Oberärztin Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB)
E-Mail: ana.kowark@ukbonn.de

Viola Röser Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Viola Röser
Telefon: +49 228 287-10469
E-Mail-Adresse: viola.roeser@ukbonn.de
Originalpublikation:

Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479



Professor Dr. Jens Kroll: Ein Zuviel essenziellen Fettsäure......, Diabetiker und die Oxidationprodukte der Omega-6-Fettsäuren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Omega-6-Fettsäuren und Herz-Kreislauferkrankungen

Neue Ursache von Nebenwirkungen entdeckt 

  • Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. 
  • Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Jens Kroll

Welche Rolle spielen Omega-6-Fettsäuren bei Herz-Kreislauferkrankungen und beim Diabetes?  

Mannheimer Wissenschaftler haben zusammen mit Forschenden aus Heidelberg, Frankfurt und Hangzhou in China den Abbau von Omega-6-Fettsäuren untersucht und dabei neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie deren Oxidationsprodukte den Stoffwechsel beeinflussen. 

Unter der Leitung von Professor Dr. Jens Kroll vom European Center for Angioscience (ECAS) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg kamen die Forschenden einem Abbauprodukt von Omega-6-Fettsäuren auf die Spur und entwickelten im Zebrafisch ein Modell, in dem sie die unerwünschten Effekte dieses Oxidationsprodukts mit der Bezeichnung tt-DDE (für trans,trans-2,4-Decadienal) untersuchen können.

Landläufig denkt man, Omega-Fettsäuren seien gesund, doch dieser gute Glauben wackelt.  

  • Epidemiologische Studien und ein so genannter Rote-Hand-Brief, in dem acht pharmazeutische Unternehmen über Risiken im Zusammenhang mit Omega-3-Fettsäuren informieren (Quelle: BfArM, 16.11.2023), weisen darauf hin, dass das Thema komplexer ist, als gedacht.
  • Omega-6-Fettsäuren gehören wie Omega-3-Fettsäuren zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. 
  • Und wie diese, haben sie verschiedene Funktionen im Körper und müssen dem Organismus über die Nahrung zugeführt werden. 

Welche Rolle Omega-6-Fettsäuren in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen spielen, ist widersprüchlich. 

  • Einerseits senken Omega-6-Fettsäuren vermutlich das Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken, indem sie den Fettspiegel und den Blutdruck positiv beeinflussen. 
  • Ein Zuviel dieser essenziellen Fettsäuren steht jedoch im Verdacht, über ihre entzündungsfördernde Wirkung frühe Stadien der Gefäßverkalkung zu induzieren und damit wiederum Herz-Kreislauferkrankungen zu begünstigen.


Die Arbeitsgruppe von Professor Kroll an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg nahm sich zusammen mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) sowie der Universität Frankfurt und der Zhejiang Universität Hangzhou, China, der Thematik von einer neuen Seite her an, indem sie das Oxidationsprodukt tt-DDE untersuchten, das auch in Dämpfen von Speiseöl reichlich vorhanden ist. 

Um zu verstehen, was erhöhte tt-DDE Spiegel bewirken können, mussten sie zunächst herausfinden, welches Enzym das tt-DDE abbaut. 

Sie entdeckten, dass die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b diese Aufgabe übernimmt: Schaltet man dieses Enzym aus, so steigen die tt-DDE Spiegel.

Mit diesen Informationen gelang es den Wissenschaftlern, im Zebrafisch ein Modell zu entwickeln, mit dem sich die Auswirkungen hoher tt-DDE Spiegel erforschen lassen. 

Sie stellten fest, dass mit einem erhöhten tt-DDE Spiegel eine Störung des Zuckerstoffwechsels einhergeht – vergleichbar mit einem milden Diabetes – sowie eine Störung der Funktion und Bildung von Blutgefäßen, wie sie ebenfalls für Diabetes typisch ist.

Auch dem Mechanismus kamen die Forscher auf die Spur: 

Sie konnten nachweisen, dass tt-DDE die Funktion des Insulinrezeptors hemmt, indem es an ihn bindet. 

  • Die blutzuckersenkende Wirkung des Insulin, das im gesunden Organismus unter anderem den Glukosetransport aus dem Blut in die Zelle aktiviert, kann sich damit nicht entfalten und ist vermutlich verantwortlich für die beobachtete Überzuckerung im Blut.


Professor Kroll sagt dazu: 

„Wir haben bei der Untersuchung eines Abbauprodukts von Omega-6-Fettsäuren eine neue Funktion der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b entdeckt. 

Da das Enzym den Spiegel an tt-DDE reguliert, ist es auch ein wichtiger Regulator des Glukosemetabolismus und könnte ein wichtiger Bestandteil bei der Entstehung der Diabeteserkrankung sein. 

  • Wir wollen nun zunächst erforschen, ob es eine Subgruppe von Diabetikern gibt, die aufgrund eines zu hohen tt-DDE-Spiegels Folgeschäden entwickeln – entweder, weil der tt-DDE Abbau zu gering oder die tt-DDE Anflutung durch Oxidation von Omega-6-Fettsäuren zu hoch ist.“

Daran schließt sich eine wichtige Frage an, der die Wissenschaftler ebenfalls nachgehen wollen: 

Gibt es Menschen mit einem milden Diabetes, der durch eine Störung der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 Funktion verursacht wird – und könnte die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 der Schlüssel zu einer neuen Therapie sein?

Der Arbeitsgruppe von Professor Kroll ist mit dieser Arbeit ein wichtiger Meilenstein im Verständnis, wie Oxidationsprodukte der Omega-6-Fettsäuren den Stoffwechsel beeinflussen, gelungen, der möglicherweise auch etwas Licht in die doch etwas komplexeren Wirkungen von Omega-Fettsäuren bringen wird. 

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Prof. Dr. Jens Kroll
Head Metabolism and Microvascular Dysfunction group
European Center for Angioscience (ECAS)
Dept. of Vascular Biology & Tumor Angiogenesis
Medical Faculty Mannheim
Heidelberg University
Ludolf-Krehl-Str. 13-17
68167 Mannheim
Germany
Email: jens.kroll@medma.uni-heidelberg.de

Dr. Eva Maria Wellnitz Universitätsmedizin Mannheim

http://www.umm.de

Theodor-Kutzer-Ufer 1-3

68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Dr. Eva Maria Wellnitz

Telefon: 0621 / 383-71115
Fax: 0621 / 383-71103
E-Mail-Adresse: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de


Originalpublikation:

Xin Qian, Stephan Klatt, Katrin Bennewitz, David Philipp Wohlfart, Bowen Lou, Ye Meng, Michael Buettner, Gernot Poschet, Jakob Morgenstern, Thomas Fleming, Carsten Sticht, Ingrid Hausser, Ingrid Fleming, Julia Szendroedi, Peter Paul Nawroth, Jens Kroll.
Impaired Detoxification of Trans, Trans-2,4-Decadienal, an Oxidation Product from Omega-6 Fatty Acids, Alters Insulin Signaling, Gluconeogenesis and Promotes Microvascular Disease.
Adv. Sci. 2023, 2302325
https://doi.org/10.1002/advs.202302325


Prof. Dr. med. Alexander Meyer: Herzchirurgische Intensivpatienten in Zusammenhang mit kardiogenen Schock (tödlichste Erkkrankung: A bis E)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Risikoklassifikation für schwerstkranke Herzpatient:innen

Ob die SCAI-Schockklassifikation auch bei herzchirurgischen Patient:innen sinnvoll angewendet werden kann, untersuchte nun DHZC-Mediziner Dr. med. Tobias Röschl aus der DHZC Arbeitsgruppe "Clinical Data Science" unter Leitung von Prof. Dr. med. Alexander Meyer. 

Hierzu ordnete er fast 27.000 Patient:innen, die sich im Zeitraum von 2012 bis 2022 am DHZB einem kardiochirurgischen Eingriff unterzogen hatten, nachträglich mittels eines Computeralgorithmus den entsprechenden Schockklassen zu. 

In dieser Studie konnten die Wissenschaftler:innen nachweisen, dass die SCAI-Schockklassifikation auch bei herzchirurgischen Intensivpatient:innen erfolgreich zur Risikoabschätzung eingesetzt werden kann. 

Prof. Dr. med. Alexander Meyer (links im Bild) und Dr. med. Tobias Röschl (rechts im Bild). Prof. Dr. med. Alexander Meyer (links im Bild) und Dr. med. Tobias Röschl (rechts im Bild). Sonja Gurris / DHZC

Anhand der Daten von rund 27,000 Patient:innen konnte DHZC-Mediziner Dr. med.Tobias Röschl die Verlässlichkeit einer Risikoklassifikation des kardiogenen Schocks bei herzchirurgischen Intensivpatient:innen belegen. 

Der nun im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Nachweis kann Ärzt:innen weltweit bei der Bewertung eines lebensbedrohlichen Krankheitsbildes und der rechtzeitigen Wahl der bestmöglichen Therapie helfen.

  • Wenn das Herz akut nicht mehr in der Lage ist die Organe des Körpers mit ausreichend Blut zu versorgen, liegt ein kardiogener Schock vor – eine der tödlichsten Erkrankungen überhaupt mit einer Sterblichkeit von rund 50 Prozent. 
  • Der kardiogene Schock kann z.B. im Rahmen eines Herzinfarkts oder in seltenen Fällen nach einer Herzoperation auftreten.


Zur einheitlichen Bestimmung der Schwere eines kardiogenen Schocks wurde im Jahr 2019 durch eine Expertenkommission der Society for Cardiovascular Angiography and Interventions (SCAI) die SCAI-Schockklassifikation entwickelt: 

Sie stuft Patient:innen unter anderem anhand von Vitalparametern (wie etwa Herzfrequenz und Blutdruck) und Laborwerten (wie etwa dem arteriellen Laktatwert) in die fünf Kategorien „A“ bis „E“ ein, wobei „A“ („at risk“) für das niedrigste und „E“ („extreme“) für das höchsten Risiko steht, an einem kardiogenen Schock zu sterben.

Risikoklassifikationen wie die SCAI-Schockklassifikation dienen nicht nur der exakten Beschreibung und der einheitlichen Bewertung eines Patientenzustandes, sondern auch zur die Wahl der idealen Behandlungsstrategie sowie als Ein- und Ausschlusskriterium für wissenschaftliche Studien.

Sie sollten daher zum einen möglichst verlässlich zwischen Niedrig- und Hochrisikopatient:innen differenzieren und zum anderen auf möglichst viele unterschiedliche Patient:innen verschiedener Fachbereiche und Herkunftsregionen angewendet werden können.

Aus diesem Grund werden Risikoklassifikationen auf ihre Vorhersagequalität und die Anwendbarkeit auf verschiedene Patientengruppen in wissenschaftlichen Studien geprüft („validiert“). Die SCAI-Klassifikation wurde zwar für den internationalen und übergreifenden Einsatz in Kardiologie, Herzchirurgie, Notfallmedizin und Intensivmedizin konzipiert. Validiert wurde sie bisher allerdings überwiegend an kardiologischen Intensivpatient:innen in den USA.

Ob die SCAI-Schockklassifikation auch bei herzchirurgischen Patient:innen – also nach einer Operation am Herzen – sinnvoll angewendet werden kann, untersuchte nun DHZC-Mediziner Dr. med. Tobias Röschl aus der DHZC-Arbeitsgruppe „Clinical Data Science“ unter Leitung von Prof. Dr. med. Alexander Meyer.

Hierzu ordnete Dr. Röschl fast 27.000 Patient:innen, die sich im Zeitraum von 2012 bis 2022 am Deutschen Herzzentrum Berlin einem kardiochirurgischen Eingriff unterzogen hatten, nachträglich mittels eines Computeralgorithmus den entsprechenden SCAI-Schockklassen zu.

Im Anschluss wurden die Mortalität und die Häufigkeit von postoperativen Komplikationen je nach SCAI-Schockklasse untersucht. Zur strukturierten und wissenschaftlich belastbaren Analyse derart großer Datenmengen kombinierte Dr. Röschl Methoden aus dem Bereich der Big Data Science, der klassischen Statistik und des maschinellen Lernens.

In dieser weltweit bisher umfangreichsten SCAI-Schock-Validierungsstudie konnten die Wissenschaftler:innen des DHZC nachweisen, dass die SCAI-Schockklassifikation auch bei herzchirurgischen Intensivpatient:innen erfolgreich zur Risikoabschätzung eingesetzt werden kann.

  • Konkret konnte unter anderem gezeigt werden, dass mit zunehmender SCAI-Schockstufe sowohl das Mortalitätsrisiko als auch das Risko für postoperatives Nierenversagen, Lungenversagen, Blutarmut, Delir sowie eine notfallmäßige Reoperation zunahmen.

Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Journal of the American College of Cardiology, einer der weltweit renommiertesten Fachzeitschriften der kardiovaskulären Medizin, veröffentlicht.

„Unseren Ergebnissen zufolge bietet die SCAI-Schockklassifikation auch in der Herzchirurgie eine zuverlässige Methode zur einheitlichen Bewertung des Schockzustands. 

Sie liefert damit eine wichtige Grundlage zur rechtzeitigen Wahl der optimalen Therapie und zur gezielten Patientenauswahl für zukünftige wissenschaftliche Studien“, bilanziert Dr. Tobias Röschl, Allen Mitwirkenden und Unterstützer:innen gilt mein herzlicher Dank.“ 

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Dr. med. Tobias Röschl

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13353 Berlin
Deutschland
Berlin

Christian Maier
Telefon: 493045931211
Fax: 493045932100
E-Mail-Adresse: christian.maier@dhzc-charite.de
Originalpublikation:

Journal of the American College of Cardiology,
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0735109723065373?dgcid=au...

 

Denn bei höherem Blutdruck steigt auch die Schmerzschwelle (körperlichen und sozialen Schmerz oder größerem Stress)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie sich hoher Blutdruck auf die psychische Gesundheit auswirkt

Unsere psychische Gesundheit und die unseres Herz-Kreislauf-Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung. 

  • Eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig zeigt nun die Zusammenhänge zwischen höherem Blutdruck und depressiven Symptomen, Wohlbefinden und emotionsbezogener Hirnaktivität auf, die für die Entwicklung von Bluthochdruck relevant sein könnten. 

Psychische Gesundheit und die unseres Herz-Kreislauf-Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung.

Psychische Gesundheit und die unseres Herz-Kreislauf-Systems stehen in einer komplexen Wechselwirkung. Blueastro/Shutterstock.com 

  • Mehrere Studien haben bereits über einen Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Bluthochdruck berichtet, mit gemischten oder sogar widersprüchlichen Ergebnissen. 

Die ForscherInnen vom MPI CBS haben nun in ihrer Studie die Beziehung zwischen psychischer Gesundheit, höherem Blutdruck und Bluthochdruck bei Mitte 60-Jährigen tiefgehend analysiert, anhand umfangreicher psychologischer, medizinischer und bildgebender Daten aus der älteren Bevölkerung. 

„Um statistisch belastbare Antworten zu erhalten, nutzten wir den extrem großen Stichprobenumfang der UK Biobank mit über 500.000 Studienteilnehmer:innen. 

  • Wir konnten zeigen, dass ein höherer Blutdruck mit weniger depressiven Symptomen, größerem Wohlbefinden und geringerer emotionsbezogener Gehirnaktivität verbunden ist – was zunächst überrascht, aber durch unsere weiteren Ergebnisse erklärt werden kann.“, berichtet Lina Schaare, Erstautorin der Studie.
  • Interessanterweise finden die WissenschaftlerInnen außerdem, dass ein drohender Bluthochdruck (Hypertonie) mit einer schlechteren psychischen Gesundheit zusammenhängt, und zwar schon Jahre bevor die Hypertonie diagnostiziert wird. 
  • „In der Klinik beobachten wir, dass die Betroffenen sich häufig müde und abgeschlagen fühlen und dann ihre Medikamente gegen den höheren Blutdruck nicht nehmen, weil das zusätzlich auf die Stimmung schlägt.“, erklärt Arno Villringer, der die Abteilung Neurologie am MPI CBS leitet und Letztautor der Studie ist. 
  • „Auf der anderen Seite vermuten wir, dass bei Personen, die sich mit vorübergehend höherem Blutdruck mental gut fühlen, ein Verstärkungslernen letztlich zur Entwicklung von dauerhaftem Bluthochdruck beiträgt. 

Denn bei höherem Blutdruck steigt auch die Schmerzschwelle. 

Das gilt nicht nur für körperlichen, sondern auch sozialen Schmerz oder größeren Stress. 

  • Sie halten den Schmerz oder Stress also aus und werden dann zehn Jahre später mit einer Hypertonie diagnostiziert.“


Die ForscherInnen sind davon überzeugt, dass diese Ergebnisse die Grundlage für neue Überlegungen über den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und die Ursachen einer Hypertonie legen. 

Für die Volkskrankheiten Depression und Bluthochdruck könnte solch ein Perspektivenwechsel neue Ansätze für Therapie und Prävention ermöglichen, die die Wechselwirkung von psychischer und physischer Gesundheit in den Vordergrund stellen. 

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Dr. Lina Schaare
Postdoc
schaare@cbs.mpg.de

Bettina Hennebach Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Stephanstraße 1a
04103 Leipzig
Postfach 500355
04303 Leipzig
Deutschland
Sachsen

Bettina Hennebach
Telefon: 0341 9940-148
E-Mail-Adresse: hennebach@cbs.mpg.de
Originalpublikation:

H. Lina Schaare, Maria Blöchl, Deniz Kumral, Marie Uhlig, Lorenz Lemcke, Sofie L. Valk & Arno Villringer 
„Associations between mental health, blood pressure and the development of hypertension“
In: Nature Communications
https://www.nature.com/articles/s41467-023-37579-6


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.cbs.mpg.de/2124535/20230413?c=2470



Prof. Dr. Christoph Wanner: Chronische Nierenerkrankung, Urin, Zucker, Albumin-Menge im Urin, Blutdruck, Cholesterin, Diabetes, eGFR

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Herz- und Nierenschutz für breites Patienten-Spektrum

Die Daten der EMPA-KIDNEY-Studie, die Prof. Dr. Christoph Wanner vom Universitätsklinikum Würzburg mit der University Oxford ins Leben gerufen hat, erweitern das Spektrum für die Gabe von SGLT2-Hemmern bei chronischen Nierenerkrankungen, unabhängig vom Diabetes-Status, Albuminurie oder Nierenfunktion.

Mit Spannung wurde die Vorstellung der EMPA-KIDNEY-Studie bei der Kidney Week der American Society of Nephrology (ASN) erwartet. 

In der internationalen klinischen Studie wurde untersucht, ob die tägliche Einnahme einer Empagliflozin-Tablette nicht nur den Blutzucker senkt, sondern auch eine Verschlechterung der Nierenfunktion oder den Tod infolge einer Herzerkrankung bei Patientinnen und Patienten mit einer Nierenerkrankung verhindern kann, unabhängig davon, ob die Betroffenen einen Diabetes Typ 2 haben.

Die Effizienz vom Empagliflozin überraschte selbst das Studienteam

Ein Paukenschlag war die Präsentation der Ergebnisse zwar nicht: 

Denn der klinische Nutzen der beiden SGLT2-Hemmer Dapagliflozin und Canagliflozin bei der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen wurde in vorhergehenden Studien bereits bewiesen. 

SGLT2-Inhiboren hemmen den renalen, natriumabhängigen Glukosetransporter SGLT-2 (Sodium dependent glucose co-transporter 2) und sorgen dafür, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLInk: Laborwerte  

  • Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und es kann zu einer leichten Abnahme von Gewicht und Blutdruck führen. 
  • Gleichzeitig werden Niere und Kreislauf entlastet. 

Die Effizienz des Wirkstoffs Empagliflozin sorgte jedoch für eine Überraschung, selbst bei Prof. Dr. Christoph Wanner. Der Leiter der Nephrologie am Uniklinikum Würzburg war einer der ersten, der das Potenzial von SGLT2-Hemmern in der Behandlung von Diabetes, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen bereits 2015 in der EMPA-REG OUTCOME Studie veröffentlicht hat, und hatte die Idee zur EMPA-KIDNEY-Studie, deren Ergebnisse parallel zur Kidney Week der ASN im New England Journal of Medicine publiziert wurden.

28-prozentige Risikoreduktion gegenüber Placebo

Das Studienteam unter der Leitung der Universität Oxford in Kooperation mit der Universitätsmedizin Würzburg war zu Beginn der Untersuchungen von einer Senkung des Risikos von 18 Prozent ausgegangen.  

Das Risiko umfasste eine Kombination der primären Endpunkte Tod infolge einer Herzerkrankung und Nierenversagen, also die Notwendigkeit einer Dialyse oder eine Nierentransplantation oder ein Abfall der Nierenfunktionsleistung, der sogenannten glomerulären Filtrationsrate (GFR) von 40 Prozent und mehr. 

„Dass die Gabe von Empagliflozin jedoch eine 28-prozentige Risikoreduktion gegenüber einem Placebo erreicht, und zwar bei einer breiten Population von Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung, ist sensationell“, kommentiert Christoph Wanner. 

„Wir konnten die positiven Auswirkungen auf den Herz- und Nierenschutz unabhängig vom Diabetes-Status oder der Albumin-Menge im Urin beobachten.“ Auch bezüglich der Hospitalisierungsrate zeigte Empagliflozin ein signifikantes Ergebnis. Die Anzahl der Krankenhausaufenthalte sank um 14 Prozent, unabhängig vom Grund der Klinikeinweisung. „Positiv überrascht hat mich außerdem, dass Empagliflozin sogar noch bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von 20 Milliliter pro Minute wirkt.“

Empagliflozin für verschiedene Krankheitsprofile geeignet


  • Das bedeutet, dass Empagfliflozin auch bei einer chronischen Nierenerkrankung ohne Diabetes und ohne Albuminurie eingesetzt werden kann, oder bei einer begleitenden Herzinsuffizienz und sogar bei einer geringen Nierenfunktion. 

Dadurch werde die Verschreibungspraxis von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten wesentlich erleichtert, so Wanner. Wichtig sei Wanner zufolge jedoch die Diagnose und damit die Risikoeinschätzung für Herz- und Nierenerkrankungen, idealerweise nach dem ABCDE-Schema: 

  • A steht für Albuminurie, eine erhöhte Albuminausscheidung im Urin deutet sehr früh auf einen Nierenschaden hin, lange bevor die Auswirkungen der Nierenschwäche überhaupt spürbar sind. 

Bei einem Gesunden liegt die Konzentration von Albumin im Urin unter 30 Milligramm. 

B steht für Blutdruck, 

C für Cholesterin, 

D für Diabetes,

E für eGFR-Status. 

Das e steht für estimated, englisch für geschätzt. Die glomeruläre Filtrationsrate wird anhand des Serumkreatinins, Alters, Geschlechts und Hautfarbe geschätzt.  

Der Normalwert des aus dem Blut filtrierten Primärharns liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute.

Metaanalyse bestätigt Ergebnisse der EMPA-KIDNEY-Studie

Die Ergebnisse der EMPA-KIDNEY-Studie floss auch in eine Metaanalyse von insgesamt 13 SGLT2-Studien mit insgesamt 90.309 Personen mit Diabetes und 15.605 ohne Diabetes mit ein und wurde bestätigt. In der Analyse, die jetzt im renommierten Fachjournal The Lancet erschienen ist (https://doi.org/10.1016/ S0140-6736(22)02074-8) haben verschiedene Leiter klinischer Prüfungen, sogenannte Principal Investigators, speziell den Einfluss von Diabetes hinsichtlich der Wirkung der SGLT2-Hemmer auf die Nierenwerte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Christoph Wanner, der sowohl im Writing Committee als auch im so genannten SMART-c-Konsortium der Metaanalyse aktiv war, resümiert: „Die Daten unterstützen den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren zur Verringerung des Risikos für das Fortschreiten von Nierenerkrankungen und akuten Nierenschäden – unabhängig vom Diabetes-Risiko.“

Zur EMPA-KIDNEY-Studie

In der von Böhringer Ingelheim finanzierten EMPA-KIDNEY-Studie wurden insgesamt 6.609 Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung in den USA, Kanada, China, Japan, Malaysia, Großbritannien und Deutschland untersucht. Das Studienteam in Deutschland mit seiner Studienzentrale am Uniklinikum Würzburg hat mit insgesamt 1.255 Patientinnen und Patienten in 34 Zentren die meisten Personen in die Studie eingeschlossen. Das Würzburger Studienzentrum hat mit 174 Patientinnen und Patienten sogar die zweitmeisten aller 224 beteiligten Zentren weltweit rekrutiert.
 

Die Hälfte der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielt eine Empagliflozin-Tablette, die andere Hälfte ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff, ein so genanntes Placebo.

Prof. Dr. Christoph Wanner vom Uniklinikum Würzburg, hatte im Jahr 2015 die Idee zur EMPA-KIDNEY-Studie und war in Kollaboration mit der Oxford University am Design und Aufbau der Studie beteiligt, die er als Deputy Chair leitete.

 Prof. Dr. Christoph Wanner vom Uniklinikum Würzburg, hatte im Jahr 2015 die Idee zur EMPA-KIDNEY-Studie und war in Kollaboration mit der Oxford University am Design und Aufbau der Studie beteiligt, die er als Deputy Chair leitete. Daniel Peter Daniel Peter / UKW

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Prof. Dr. Christoph Wanner, 

wanner_c(at)ukw.de

Josef-Schneider-Str. 2 Haus D3
97080 Würzburg
Deutschland
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Susanne Just
Telefon: 0931/201-59447
Fax: 0931/201-60 59447
E-Mail-Adresse: just_s@ukw.de
Originalpublikation:

DOI: 10.1056/NEJMoa2204233

https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)02074-8


Professor Alfred Nordheim: ischämischen Retinopathie - Missbildungen der Blutgefäße

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn glatten Muskelzellen die Kraft fehlt

Team der Universität Tübingen entdeckt an Mäusen, wie es zu Missbildungen der Blutgefäße kommen kann – Neue Einblicke in bestimmte Netzhauterkrankungen des Auges

  • Das Herz pumpt Blut durch das Gefäßsystem und versorgt die Zellen mit Sauerstoff und Energie. 
  • Die Feinregulierung des Blutflusses übernehmen glatte Muskelzellen in den Gefäßen. 

Wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen können, kann es zu Fehlbildungen und Erweiterungen des Blutgefäßsystems kommen. 

Das hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Alfred Nordheim vom Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Tübingen, Münster und dem schwedischen Uppsala im Tierversuch herausgefunden. Die neuen Studienergebnisse, die in der Fachzeitschrift Circulation Research veröffentlicht wurden, ließen sich experimentell auf ein Modell für eine bestimmte Netzhauterkrankung des Auges bei Frühgeborenen übertragen. Hier liefern die Studienergebnisse einen potenziellen Ansatz zu neuen Behandlungsmöglichkeiten.

  • In den arteriellen und venösen Blutgefäßen regeln glatte Muskelzellen durch gezieltes Zusammenziehen und Entspannen, wo mehr und wo weniger Blut hinfließt. 
  • Sie geben dem Gefäßnetzwerk außerdem die nötige Festigkeit, um dem Blutdruck standzuhalten. 

Im Experiment haben Alfred Nord-heim und sein Team in Mäusen das Gen für den sogenannten Serum-Response-Faktor (SRF) inaktiviert, der das Kontraktionsvermögen der Zellen maßgeblich reguliert. „Das führte zu einer deutlichen Erweiterung der Blutgefäße und zu Gefäßmissbildungen“, berichtete Nordheim.

Verminderte Durchblutung

Bei den Missbildungen handele es sich um Direktverbindungen zwischen Arterien und Venen, erklärte der Forscher. „Die Arterien nehmen eine Abkürzung zu den Venen und umgehen dabei kleinste Mikrogefäße. Ähnliche Missbildungen sind auch bei bestimmten seltenen Blutgefäßkrankheiten beim Menschen bekannt. Unser Team konnte zeigen, dass durch solche Abkürzungen das umliegende Gewebe nur noch vermindert durchblutet wird.“ Durch die fehlende Festigkeit der glatten Muskelzellen sei es sogar teilweise zu Brüchen in den Gefäßen gekommen.

Gedankensprung zu einer weiteren Erkrankung

„Das neu gewonnene Wissen brachte uns außerdem auf die Spur einer ganz anderen Erkrankung, der sogenannten ischämischen Retinopathie. 

Das ist eine Netzhauterkrankung des Auges bei Frühgeborenen, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann“, berichtet der Erstautor der Studie Dr. Michael Orlich von der Universität Uppsala. 

Durch eine Überreaktion beim Wachstum der Blutgefäße komme es dabei zu krankhaften Veränderungen bestimmter Zellen, der Perizyten. 

„Die krankhaften Perizyten produzieren dabei unter anderem, ähnlich wie die glatten Muskelzellen, kon-traktile Proteine“, erklärt Orlich. „Wir hatten nun erwartet, dass der Serum-Response-Faktor auch hier eine wichtige Rolle spielt. Außerdem nahmen wir anr, dass sich die Symptome der Netzhauterkrankung bessern, wenn die Überreaktion der Perizyten gedämpft wird.“

Seine Annahmen überprüfte das Forschungsteam experimentell an Mäusen, bei denen eine Erkrankung vergleichbar mit der ischämischen Retinopathie ausgelöst wurde.

 „Als wir den Serum-Response-Faktor in den Perizyten dieser Mäuse gezielt ausschalteten, nahmen die Krankheitssymptome ab“, fasst Orlich die Ergebnisse zusammen. 

So habe man einen potenziellen Ansatz für neue Behandlungsmöglichkeiten der ischämischen Retinopathien beim Menschen gewonnen.

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Dr. Michael Orlich
Universität Uppsala, Schweden
Abteilung für Immunologie, Genetik und Pathologie
michael.orlich[at]igp.uu.se

Prof. Dr. Alfred Nordheim
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Zellbiologie
Telefon +49 7071 29-78897
alfred.nordheim[at]uni-tuebingen.de 

Dr. Karl Guido Rijkhoek Eberhard Karls Universität Tübingen

Wilhelmstr. 5
72074 Tübingen
Deutschland
Baden-Württemberg

Dr. Karl Guido Rijkhoek
Telefon: 07071 / 29 -767 88
E-Mail-Adresse: karl.rijkhoek@uni-tuebingen.de
Originalpublikation:

Michael M. Orlich, Rodrigo Diéguez-Hurtado, Regine Muehlfriedel, Vithiyanjali Sothilingam, Hartwig Wolburg, Cansu Ebru Oender, Pascal Woelffing, Christer Betsholtz, Konstantin Gaengel, Mathias Seeliger, Ralf H. Adams, and Alfred Nordheim: Mural Cell SRF Controls Pericyte Migration, Vessel Patterning and Blood Flow. Circulation Research,
https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.122.321109


Prof. Dr. Dr. Monique M. B. Bretele: Die Menopausen bei Frauen - Ausmaß bestimmter Hirnschäden: Risikofaktoren für Demenz und Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin - MaAB.Fazit: Mehr Schäden im Gehirn bei älteren Frauen als bei gleichaltrigen Männern

  • Nach der Menopause ist bei Frauen das Ausmaß bestimmter Hirnschäden größer als bei gleichaltrigen Männern. 

Zu diesem Schluss kommen Forschende des DZNE aufgrund der Untersuchung von mehr als 3.400 Erwachsenen im Rahmen der Bonner Rheinland Studie. 

Ein Team um die Neurowissenschaftlerin Monique Breteler berichtet darüber in Neurology®, dem Medizinjournal der Amerikanischen Akademie für Neurologie. 

Die untersuchten Gewebeschäden gelten als mögliche Risikofaktoren für Demenz und Schlaganfall.

 Die aktuellen Befunde unterstreichen die Bedeutung einer geschlechtsspezifischen Medizin.

Insbesondere bei älteren Erwachsenen sind auf Aufnahmen des Gehirns, die per Magnetresonanztomografie (MRT) erstellt wurden, helle Flecken zu erkennen. 

  • Diese Flecken weisen auf Auffälligkeiten in der sogenannten weißen Hirnsubstanz hin, einem Bereich des Gehirns, der aus Nervenfasern besteht und unterhalb der Großhirnrinde im Inneren des Gehirns liegt.

 Im Fachjargon spricht man von „White Matter Hyperintensities“

„Das sind Anzeichen von Gewebeschäden, die mit Durchblutungsstörungen, erhöhtem Blutdruck, Schlaganfall und kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht werden“, erläutert die Neurowissenschaftlerin Valerie Lohner, Erstautorin der aktuellen Fachveröffentlichung. 

„Man weiß, dass diese Anomalien im Hirngewebe mit dem Alter zunehmen. 

Unsere Untersuchungen zeigen nun Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 

Das wurde schon länger diskutiert, die Datenlage war aber nicht eindeutig. Wir haben daher einen größeren Personenkreis und eine größere Altersspanne erfasst als bisherige Studien.

Bei Frauen vor der Menopause fanden wir keine signifikanten Unterschiede zu gleichaltrigen Männern. 

Die Sachlage ändert sich jedoch nach der Menopause.
Das betrifft also jene Frauen, die ihre letzte Regelblutung bereits hatten.
Bei ihnen waren die Schäden an der weißen Hirnsubstanz ausgedehnter als bei Männern im gleichen Alter.“


Daten der Rheinland Studie

Diese Befunde beruhen auf Untersuchungen der sogenannten Rheinland Studie, einer großangelegten Populationsuntersuchung des DZNE im Bonner Stadtgebiet. Valerie Lohner wertete gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen des DZNE die Daten von fast 2.000 Frauen und mehr als 1.400 Männern aus. Deren Alterspanne lag zwischen 30 und 95 Jahren, das mittlere Alter bei etwa 54 Jahren. Neben Unterschieden zwischen den Geschlechtern registrierten die Forschenden generell ein größeres Ausmaß an Anomalien in der weißen Hirnsubstanz bei Probanden mit Bluthochdruck. Dies deckt sich mit vorherigen Untersuchungen.

Geschlechtsspezifische Medizin

  • „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Frauen, bei denen die Menopause bereits begonnen hat, anfälliger für Veränderungen an den Hirngefäßen und damit für Hirnerkrankungen sind als Frauen vor der Menopause, selbst wenn sie ein ähnliches Alter haben. 

Schäden an der weißen Hirnsubstanz führen nicht zwangsläufig zu Demenz oder Schlaganfall, sie erhöhen jedoch das Risiko dafür“, so Prof. Dr. Dr. Monique M. B. Breteler, Leiterin der Rheinland Studie und Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am DZNE. 

„Unsere Befunde zeigen außerdem, dass man bei der Beurteilung dieser Gehirnschäden spezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigen sollte. 

Dies unterstreicht die Relevanz geschlechtsspezifischer Forschung und Therapie.“

Ursachen unklar

Die Ursachen für diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind unklar. Schon länger wird darüber spekuliert, dass das Hormon Östrogen eine schützende Wirkung haben könnte, die im Alter verloren geht, weil der weibliche Organismus dessen Produktion mit den Wechseljahren nach und nach einstellt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Rheinland Studie konnten in ihren Daten allerdings keinen Einfluss einer Therapie feststellen, die den Hormonmangel ausgleicht: 

Frauen nach der Menopause, die regelmäßig Hormonpräparate einnahmen, waren im Durchschnitt ähnlich stark von Anomalien der weißen Hirnsubstanz betroffen wie Frauen nach der Menopause, die keine Hormone zu sich nahmen. 

„Es ist unklar, ob die hormonelle Umstellung im Zuge der Menopause ein entscheidender Faktor ist oder ob Faktoren, die mit dem Einsetzen der Menopause zusammenhängen, eine Rolle spielen. 

Diesem Thema werden wir in der Rheinland Studie weiter nachgehen“, so Breteler.

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Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Das DZNE ist ein von Bund und Ländern gefördertes Forschungsinstitut, das bundesweit zehn Standorte umfasst. Es widmet sich Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Bis heute gibt es keine Heilung für diese Erkrankungen, die eine enorme Belastung für unzählige Betroffene, ihre Familien und das Gesundheitssystem bedeuten. Ziel des DZNE ist es, neuartige Strategien der Vorsorge, Diagnose, Versorgung und Behandlung zu entwickeln und in die Praxis zu überführen. Dafür kooperiert das DZNE mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das Institut ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und zählt zu den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de


Originalpublikation:

Relation between sex, menopause, and white matter hyperintensities: the Rhineland Study, Valerie Lohner et al., Neurology®, the medical journal of the American Academy of Neurology (2022), URL: https://n.neurology.org/lookup/doi/10.1212/WNL.0000000000200782

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