Medizin am Abend Berlin Fazit: Brustkrebs: Wie bildgebende Verfahren unnötige Biopsien vermeiden können
Die Diagnostik von Brustkrebs zu verbessern ist das erklärte Ziel
eines Forscherteams vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Die Wissenschaftler kombinieren eine Weiterentwicklung der
diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie mit intelligenten
Bildanalyseverfahren, um bösartige Veränderungen im Gewebe aufzuspüren.
Diese Methode könnte künftig viele Kontrollbiopsien nach einem
auffälligen Mammographie-Befund ersparen, wie die Wissenschaftler in
einer von der Dietmar Hopp-Stiftung geförderten Studie belegen.
Das
verspricht eine gravierende Verbesserung für die Diagnose von
Brustkrebs.
Quelle: Bickelhaupt/DKFZ
Die Mammographie zählt zu den wichtigsten Methoden zur Früherkennung
von Brustkrebs.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Private Krankenversicherung
Sie kann Veränderungen im Gewebe sichtbar machen. Daher
unterziehen sich jedes Jahr rund 2,8 Millionen Frauen in Deutschland im
Rahmen eines Mammographie-Screenings dieser speziellen
Röntgenuntersuchung der Brust.
Doch die Ergebnisse sind nicht immer
einfach zu interpretieren.
Etwa jede zwanzigste Frau, die am Screening
teilnimmt, muss deshalb mit einem auffälligen Befund rechnen. Erhärtet
sich daraufhin der Verdacht, schlagen Ärzte in der Regel vor, eine
Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen.
- „Das betrifft jährlich fast knapp
35.000 Frauen, doch nur bei rund der Hälfte von ihnen findet sich
tatsächlich ein bösartiger Tumor“, sagt Sebastian Bickelhaupt vom
Deutschen Krebsforschungszentrum.
Der Radiologe hat sich daher gemeinsam mit seinen Kollegen daran
gemacht, die
diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomografie (MRT) für
die Untersuchung der weiblichen Brust zu optimieren und mit
intelligenten computerbasierten Bildanalyseverfahren zu verbinden.
Mit
der diffusionsgewichteten MRT lässt sich die Bewegung der Wassermoleküle
im Gewebe sichtbar machen und mit Hilfe eines Computeralgorithmus
beobachten. Bösartige Tumoren verändern die Gewebestruktur, was sich auf
die Bewegungsmuster der Wassermoleküle auswirkt.
Dieser Zusammenhang wiederum könnte sich für die Früherkennung von
Brustkrebs nutzen lassen –
ohne Gewebeproben entnehmen zu müssen, und
ohne den Körper mit Kontrastmitteln zu belasten.
„Ziel ist es, einen
besseren nicht-invasiven Einblick in das Körpergewebe zu erlangen und
damit den Radiologen neben den weiterhin wichtigen Standardverfahren
zusätzliche Gewebeinformationen für die klinische Beurteilung zur
Verfügung zu stellen“, erklärt Sebastian Bickelhaupt.
Jetzt belegen die DKFZ-Wissenschaftler in einer von der
Dietmar-Hopp-Stiftung geförderten Studie,
dass die optimierte
diffusionsgewichtete MRT in Kombination mit intelligenten
Bildanalyseverfahren tatsächlich zuverlässige Aussagen über bösartige
Veränderungen in der Brust erlaubt.
Dazu untersuchten sie insgesamt 222
Frauen, die sich nach einem auffälligen Mammographiebefund einer Biopsie
unterziehen sollten. Bevor die Gewebeprobe genommen wurde, analysierten
die Forscher das Brustgewebe der Studienteilnehmerinnen mit ihrer neu
entwickelten Methode.
Das vielversprechende Ergebnis: Die Zahl der falsch positiven Befunde
ließ sich in der Studiengruppe um 70 Prozent reduzieren. Tatsächlich
vorhandene bösartige Veränderungen konnten die Wissenschaftler in 60 von
61 Fällen erkennen.
Das entspricht einer Trefferquote von 98 Prozent
und ist vergleichbar mit der Zuverlässigkeit von MRT-Methoden, bei denen
Kontrastmittel zum Einsatz kommen.
„Wir werten die Aufnahmen mit Hilfe einer von uns entwickelten,
intelligenten Software aus“, erklärt der Informatiker Paul Jäger, der
sich mit Bickelhaupt die Erstautorschaft der Studie teilt.
„Das macht
die Methode weitgehend unabhängig von der Interpretation durch einzelne
Ärzte.“ Auf diese Weise lässt sich gewährleisten, dass die Methode an
verschiedenen Studienzentren gleichermaßen zuverlässige Ergebnisse
erzielt.
In einem nächsten Schritt muss sich die Methode in größeren
multizentrischen Studien bewähren, bevor sie routinemäßig in der Klinik
Anwendung finden kann.
Die Wissenschaftler bauen derzeit die dafür
notwendigen Kooperationen auf. „Wenn sich unser Ergebnis in zukünftigen
Studien bestätigt, haben wir ein zusätzliches Diagnoseinstrument zur
Verfügung, mit dem sich die Früherkennung von Brustkrebs weiter
verbessern lässt“, hofft Bickelhaupt.
Sebastian Bickelhaupt, Paul Jaeger, Frederik Bernd Laun, Wolfgang
Lederer, Heidi Daniel, Tristan Anselm Kuder, Lorenz Wuesthof, Daniel
Paech, David Bonekamp, Alexander Radbruch, Stefan Delorme, Heinz-Peter
Schlemmer, Franziska Steudle, Klaus H. Maier-Hein: Radiomics Based on
Adapted Diffusion Kurtosis Imaging Helps to Clarify Most Mammographic
Findings Suspected of Being Cancer. Radiology, 2018,
DOI:10.1148/radiol.2017170723
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische
Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen
Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern,
dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit
denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher
behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger
und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem
Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für
Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem
vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik
übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale
Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für
Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben
universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter
Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines
Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von
Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land
Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
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