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Testosteron:Werte Vor- und nach der Geburt? Autismus-Spektrum

Medizin am Abend Berlin Fazit: Testosteron aktiviert Risiko-Gene für Autismus

Wissenschaftler finden Erklärung für höheres Erkrankungsrisiko bei Jungen / Veröffentlichung in "Frontiers in Molecular Neuroscience" 
 
  • Autismus tritt viermal häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf. 

Wissenschaftler der Abteilung Molekulare Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg haben dafür nun erstmals eine Erklärung gefunden:

Ihre Untersuchungen an menschlichen Zellen und Gehirnbereichen von Mäusen zeigten, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron in der Zeit vor und nach der Geburt bestimmte Risiko-Gene im Gehirn deutlich stärker aktiviert. 

  • Bisher war nur bekannt, dass Defekte in diesen speziellen Genen ein starker Risikofaktor für das Auftreten der neuronalen Entwicklungsstörung sind. 

Die neuen Ergebnisse lassen nun darauf schließen, dass sich diese Gendefekte möglicherweise stärker auf das Gehirn männlicher als weiblicher Individuen auswirken. Die Ergebnisse sind aktuell in der Fachzeitschrift „Frontiers in Molecular Neuroscience“ erschienen.

Bei Autismus ist die Entwicklung der Nervenzellen im Gehirn gestört. 

Eines von 68 Kindern (rund 1,5 Prozent) ist betroffen.

  • Die typischen Symptome machen sich bereits früh bemerkbar, so dass die Diagnose meist vor dem dritten Lebensjahr gestellt wird. 
  • Autistische Menschen haben Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, in der Kommunikation und Wahrnehmungsverarbeitung und zeigen oft intensive, spezielle Interessen und Fähigkeiten, sowie sich wiederholende (repetitive) und eng beschränkte (restriktive) Verhaltensmuster. 
Diese Merkmale autistischen Verhaltens können jedoch von Patient zu Patient stark variieren – man spricht deshalb von einem Autismus-Spektrum.

Obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche – hauptsächlich genetische – Risikofaktoren für das Auftreten einer autistischen Störung entdeckt wurden, sind die genauen Entstehungsmechanismen noch unklar. „Nun haben wir einen ersten Hinweis, warum – jedenfalls in Bezug auf eine wichtige Gruppe der zahlreichen Risiko-Gene – Jungen ein so deutlich höheres Autismus-Risiko haben als Mädchen“, sagt Seniorautorin Prof. Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik. Die Tests ihrer Arbeitsgruppe ergaben, dass im jungen Gehirn männlicher Mäuse bestimmte Gene namens SHANK1, 2 und 3 verstärkt in Proteine übersetzt werden und dass dies durch höhere Mengen des Geschlechtshormons Testosteron beeinflusst wird. Die Heidelberger Arbeitsgruppe erforscht die SHANK-Gene seit Jahren, denn Defekte in diesen Abschnitten der Erbinformation spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Autismus und anderen psychischen Erkrankungen.

Mehr Testosteron – mehr Shank-Protein – höhere Durchschlagskraft von Gendefekten

Für die Tests verwendete das Team eine Zellkultur aus kindlichen Hirntumoren (Neuroblastom) als Modell für sich entwickelnde Nervenzellen.

Die Wissenschaftler entdeckten in diesen Zellen, dass die Aktivierung der SHANK-Gene von der Bindung des Testosterons an einen sogenannten Androgen-Rezeptor abhängt.

Wurde dieser Rezeptor blockiert, entfiel die starke Aktivierung der Risiko-Gene.

„Das konnten wir bei Untersuchungen an Gehirnbereichen junger Mäuse, bei denen dieser Androgen-Rezeptor nicht gebildet wird, bestätigen:

Bei ihnen wurden diese Gene deutlich schwächer aktiviert als bei Kontroll-Tieren mit intakten Rezeptoren“, erklärt Dr. Simone Berkel, die diese Studie zusammen mit dem Doktoranden Ahmed Eltokhi durchführte.

Die Forscher untersuchten zudem die Shank-Proteinmenge im Gehirn junger männlicher und weiblicher Mäusen vor und nach der Geburt.

Bei männlichen Tieren, die von Natur aus mehr Testosteron in Blut und Gehirn haben, fanden sich auch deutlich höhere Mengen an Shank-Proteinen als bei weiblichen Tieren.

 „Wir gehen davon aus, dass die größere Menge an Shank-Protein im männlichen Gehirn die ,Durchschlagskraft´ von Defekten in den SHANK-Genen erhöhen und daher zu einem höheren Autismus-Risiko führen“, folgert Rappold.

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Testosteron aktiviert Risiko-Gene für Autismus



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Prof. Dr. Gudrun A. Rappold
Abteilung Molekulare Humangenetik
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Originalpublikation:
Berkel S, Eltokhi A, Fröhlich H, Porras-Gonzalez D, Rafiullah R, Sprengel R, Rappold GA: Sex hormones regulate SHANK gene expression. Front Mol Neurosci. 2018 Sep 25;11:337. doi: 10.3389/fnmol.2018.00337. eCollection 2018

Eltokhi A, Rappold G, Sprengel R. Distinct Phenotypes of Shank2 Mouse Models Reflect Neuropsychiatric Spectrum Disorders of Human Patients With SHANK2 Variants. Front Mol Neurosci. 2018 Jul 19;11:240. doi: 10.3389/fnmol.2018.00240. eCollection 2018. Review
 

Medizinische Betreuung im Neugeborenenalter

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nur wenige Mütter rauchen, viele leiden unter Allergien

20 wertvolle Minuten für die Gesundheit von Neugeborenen - SNiP-Fragebogen
kann auch online ausgefüllt werden


Ende vergangenen Jahres wurde die erste große Nachuntersuchung der Mädchen und Jungen, die zwischen 2002 und 2008 im ehemaligen Landkreis Ostvorpommern geboren worden sind, gestartet.
Die Neugeborenen-Studie der Universitätsmedizin Greifswald (Survey of Neonates in Pomerania, kurz SNiP) untersucht die Gesundheit, das Wachstum und die Entwicklung von Kindern. Die erste Nachuntersuchung der Mädchen und Jungen, die zwischen 2002 und 2008 bereits schon einmal auf Herz und Nieren geprüft worden sind, betrifft rund 6.800 Kinder und Jugendliche in einem Alter von acht bis 14 Jahren.
 
 Dr. Anja Lange und Prof. Matthias Heckmann mit dem Fragebogen (Infobroschüre), der für die Forschung von so großem Interesse ist.
 Dr. Anja Lange und Prof. Matthias Heckmann mit dem Fragebogen (Infobroschüre), der für die Forschung von so großem Interesse ist. Fotos: Manuela Janke/UMG

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz – HHVG 
 
„Die Rückmeldungen sind gut angelaufen, rund 15 Prozent der Eltern haben bereits geantwortet. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte der Studienleiter und Leiter der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Matthias Heckmann. Um noch mehr Feedback zu erhalten, werden diese Tage die Eltern, die noch nicht geantwortet haben, ein zweites Mal angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. „Je mehr Rückmeldungen wir erhalten, umso aussagekräftiger ist die Studie“, so Heckmann. Mütter und Väter, die umgezogen sind, können sich an das Studienteam wenden, um sich an der Umfrage zu beteiligen (snip@uni-greifswald.de). Die Beantwortung der Fragen ist sowohl online als auch schriftlich möglich und dauert ca. 20 bis 25 Minuten. „Es ist eine sehr wertvolle Zeit für unsere Ärzte und Wissenschaftler, die die Gesundheit von Kindern und Schwangeren weiter verbessern möchten“, so der Mediziner.

Was wollen die Wissenschaftler von den Eltern wissen?

Der einfach auszufüllende Fragebogen enthält 140 Fragen, die durch das Setzen von vorgegebenen Antwortmöglichkeiten relativ zügig abzuarbeiten sind.

Neben allgemeinen Fragen enthält er Angaben zur Gesundheit des Kindes und der Eltern, zum Stillverhalten, zu Hilfsangeboten in den ersten zwölf Monaten nach der Geburt, zur Schulausbildung und Freizeitgestaltung des Kindes, zu Ess- und Schlafgewohnheiten und den Lebensumständen der Familien und den Umgang mit modernen Medien.

„Bei den Stichproben, die bereits gesichtet wurden, und die natürlich noch nicht wissenschaftlich abschließend ausgewertet worden sind, zeichnet sich ab, dass die Gesundheitsvorsorge bei den Eltern einen sehr hohen Stellenwert einnimmt“, erläuterte Studienärztin Dr. Anja Lange. 

 „An den Standarduntersuchungen (U-Reihe) nehmen über 90 Prozent aller Kinder teil.

Rund 80 Prozent des Nachwuchses nahm zudem an zusätzlich angebotenen Vorsorgeuntersuchungen teil. Fast alle Eltern beschreiben den Gesundheitszustand ihrer Kinder als gut oder sehr gut.

Über 80 Prozent der Mädchen und Jungen putzt täglich die Zähne und genauso viele Kinder gehen zweimal im Jahr zum Zahnarzt.“ 


Eine weitere Momentaufnahme, die jedoch auch noch kein abschließendes Bild zulässt: 44 Prozent der Kinder nehmen jeden Tag am Schulessen teil, aber 21 Prozent überhaupt nicht.

Ferner berichtet ungefähr die Hälfte der Mütter, dass sie unter einer Allergie leidet. 

Die Kinder sind zu einem Drittel von allergischen Reaktionen betroffen. 

Am häufigsten wird dabei der Heuschnupfen genannt.
  • Ferner geht aus den noch nicht repräsentativen Rückmeldungen hervor, dass 50 Prozent der Kinder in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen hatte, die überwiegend mit Medikamenten behandelt wurden. 
32 Prozent der Väter und 16 Prozent der Mütter gaben an, zu rauchen. Knapp die Hälfte der Mütter und nur acht Prozent der Väter arbeiten in Teilzeit, was weitestgehend dem bundesweiten Durchschnitt entspricht.

„Die Informationen, die natürlich anonymisiert und verschlüsselt verarbeitet werden, sind für uns von enorm großer Bedeutung, um die Prävention und medizinische Versorgung von Neugeborenen und ihren Müttern noch effektiver zu gestalten“, betonte Prof. Matthias Heckmann. „Jeder ausgefüllte Fragebogen trägt dazu bei, junge Familien künftig in ihrer gesundheitlichen Entwicklung noch besser zu fördern.“

Studienteam SNiP: Dr. med. Anja Lange
Tel.: 03834 86-64 21, E-Mail: snip@uni-greifswald.de
 

Weitere Informationen: http://www.medizin.uni-greifswald.de/snip

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Komasaufen in Berlin


#HINTERGRUND

Die Greifswalder Neugeborenenstudie SNiP (Survey of Neonates in Pomerania) wurde 2002 als bevölkerungsbezogene Erhebung in Greifswald und im damaligen Landkreis Ostvorpommern unter Einbeziehung aller Entbindungseinrichtungen und Kinderkliniken in Greifswald, Wolgast und Anklam gestartet.

Die Reihenuntersuchung hat erstmals aussagekräftige Informationen über die Gesundheit und das soziale Umfeld der geborenen Kinder und ihrer Mütter zusammengeführt. Daran knüpft die zweite Untersuchungsphase SNiP II von 2013 bis 2018 an, in der jedoch auch eine Reihe neuer Akzente gesetzt werden.


In der gegenwärtig laufenden Folgestudie SNiP II wird der Fragestellung des Stillverhaltens, der Stillhäufigkeit und die Dauer des Stillens bei den Geschwisterkindern ein besonderes Augenmerk eingeräumt.

In der Studie werden gleichzeitig mütterliche und kindliche Faktoren mit Blick auf Neugeborenenerkrankungen erfasst, die ansonsten eher getrennt betrachtet werden.

Eine wesentliche Rolle spielt auch die bessere Betreuung von chronisch kranken Frauen sowie die Ernährung in der Schwangerschaft. 

In der 2013 gestarteten ersten Nachfolgestudie SNiP II wurden bislang rund 3.000 Kinder untersucht.

Mit den SNiP-Studien sollen wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, um Krankheiten zukünftig möglichst zu vermeiden oder frühzeitig erkennen zu können. 
  • Angeborene Erkrankungen, insbesondere Fehlbildungen, gehören zu den häufigsten Ursachen einer medizinischen Betreuung im Neugeborenenalter. 
Ein Teil der Erkrankungen ist erbbedingt oder wird durch mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft hervorgerufen.

Bei über 60 Prozent der betroffenen Kinder sind die Ursachen von angeborenen Erkrankungen der Neugeborenenperiode aber unklar.

Vermutet werden unter anderem chemische Stoffe und physikalische Einwirkungen, Umweltbelastungen und Medikamente in der Schwangerschaft. 

Ziel ist es, neue Behandlungs- und Vorbeugekonzepte zu entwickeln, um so die Gesundheit der Kinder zu schützen und weiter zu verbessern.





Leon aus Greifswald (mit seiner Mutter) nahm sowohl an der ersten SNiP-Untersuchung nach seiner Geburt als auch an der aktuellen Umfrageaktion teil.
Fotos: Manuela Janke/UMG Leon aus Greifswald (mit seiner Mutter) nahm sowohl an der ersten SNiP-Untersuchung nach seiner Geburt als auch an der aktuellen Umfrageaktion teil.
Fotos: Manuela Janke/UMG

Vorbildlich - Leon (Foto) aus Greifswald nahm sowohl an der ersten SNiP-Untersuchung nach seiner Geburt am 16. April 2004 als auch an der aktuellen Umfrageaktion teil. Für seine Eltern Verena (Foto/35) und Jens Kaiser (35) Ehrensache. „Der Umfragebogen nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, ist aber auch interessant und kommt ja den künftigen Eltern und Kindern zugute. Wir haben uns gern beteiligt“, so die zweifache Mutter Verena Kaiser.
Dr. Anja Lange und Prof. Matthias Heckmann mit dem Fragebogen, der für die Forschung von so großem Interesse ist. „Wir erhoffen uns durch die Umfrage Rückschlüsse aus möglichen Einflüssen aus der Schwangerschaft und der früheren Kindheit auf das Wachstum und die Entwicklung der Kinder“, so die Wissenschaftler.


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MSM - Junge Männer: Sex mit Männern „Impft auch die Jungen!“.

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Urologen empfehlen: Die HPV-Impfung für Jungen

Humane Papillomaviren erzeugen die häufigsten übertragenen sexuellen Infektionen in Deutschland und weltweit. 

Neben Gebärmutterhalskrebs können sie weitere Tumoren des Anogenitale und des Oropharynx hervorrufen und sind Auslöser für Condylome. 

Die derzeitige von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Praxis, lediglich Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren zu impfen (Stand: August 2015), ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU) nicht mehr zeitgemäß. 
 
  • Sie berücksichtige auch nicht die vielfachen Lebenswelten sexuell aktiver Menschen in unserem Land. 

„Der oft angemerkte Herdenschutz durch die Impfung der Mädchen greift ja bereits dann nicht, wenn wir es mit jungen Männern zu tun haben, die Sex mit Männern haben (MSM)“, so DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller. Im Sinne eines umfassenden Schutzes unabhängig von der sexuellen Orientierung empfehlen DGU und BDU nun gemeinsam „Impft auch die Jungen!“.


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Weniger Stress bei der Arbeit 


HP-Viren sind für praktisch alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich, damit auch für über 100.000 vermeidbare Konisationen und rund 3000 weibliche Todesfälle pro Jahr in Deutschland. „Ein Argument für die alleinige Impfung der Mädchen war bisher immer, auf diese Weise die HPV-Last bei sexuell aktiven jungen Frauen so stark abzusenken, dass sich die jungen Männer als Sexualpartner der geimpften Frauen ebenfalls nicht mehr anstecken können. Dieser Herdenschutz funktioniert allerdings nur, wenn über die HPV-Impfung mehr als 85 % der jungen Mädchen erfasst würden“, so Prof. Miller weiter.

„Da der Penis der Haupt-Transmitter für HPV darstellt, ist der Verzicht auf die Jungenimpfung fahrlässig.“

In der Realität liegen jedoch die Impfquoten der Mädchen für die letzten Jahre mit weniger als 40 % deutlich unterhalb der erforderlichen Menge. 

  • Diejenigen, die indes einen der derzeit verfügbaren multivalenten Impfstoffe erhalten hatten, zeigen deutlich weniger Condylomata und Krebsvorstufen, wie aus deutschen, dänischen und australischen Studien hervorgeht. 

Ganz ähnliche Daten finden sich für geimpfte Jungen aus den USA und Australien als Vorreiter der HPV-Impfung für diese Zielgruppe.

  • Die HPV-Impfung ist sicher und schützt effektiv vor der Infektion mit einigen der Hochrisiko-HP-Viren. 

Die höchste Wirksamkeit zeigt die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr, jedoch steht inzwischen fest, dass auch bei sexuell erfahrenen Erwachsenen die Folgeerkrankungen nach erfolgter Infektion wie auch die Rezidive bei bereits manifesten und behandelten Cervixkarzinomen signifikant reduziert werden.

„Die international vorliegenden wissenschaftlichen Daten stützen unsere gemeinsame Empfehlung für eine HPV-Impfung bei Jungen“, sagt Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der DGU. BDU-Präsident Dr. med. Axel Schroeder ergänzt: „Mit der Jungensprechstunde beim Urologen verfügen wir inzwischen zudem über eine geeignete Versorgungsstruktur, um möglichst viele Jungen zu erreichen, sie über die HPV-Impfung aufzuklären und letztlich auch zu impfen.“

Allein stehen DGU und BDU mit ihrer gemeinsamen Impfempfehlung in Deutschland nicht:

Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und junge Männer mithilfe des tetravalenten Impfstoffes gegen karzinogene und warzenfördernde HP-Viren bereits seit Jahren (aktueller Stand: Januar 2016).

Selbst für die kassenärztliche Abrechnung wurde im Freistaat eine Lösung gefunden:

Die Impfung, da offiziell von der SIKO empfohlen, ist abrechnungsfähig bei den sächsischen Krankenkassen. 

Mittlerweile öffnen sich bundesweit weitere, meist kleine Krankenkassen (z. B. die Bahn-BKK) für die Erstattung der HPV-Impfung bei Jungen.

Es empfiehlt sich dennoch im Einzelfall, vorab die Kostenübernahme mit der zuständigen Kasse zu klären. 

  • Seit April 2016 steht ein nonavalenter Impfstoff zur Verfügung, der gegen neun HPV-Subtypen schützt und somit noch mehr Sicherheit bietet. 
Die Nebenwirkungen bei inzwischen über 200 Millionen Impfungen weltweit liegen im Bereich aller anderen Impfungen. Auch die Sicherheit der Impfstoffe liegt im Bereich aller übrigen Impfwirkstoffe und damit in der eindeutig positiven Nutzen-Risiko-Relation.

Ganz aktuell wird sich das Forum zur Jungensprechstunde auf dem 68. DGU-Kongress mit sexuell übertragbaren Erkrankungen sowie dem Schutz vor HP-Viren befassen. Bereits jetzt lädt DGU-Präsident Prof. Miller die Medienvertreter herzlich ein, im Rahmen der bevorstehenden DGU-Jahrestagung vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig an dieser Diskussion über die HPV-Impfung von Jungen teilzunehmen. So passt sich die Empfehlung „Impft auch die Jungen!“ nicht zuletzt elegant in das Kongress-Motto „Ökonomie – Medizin – Qualität“ ein.

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360° TOP-Thema: Lesenlernen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Lesenlernen: wie Jungen schon im Vorschulalter motiviert werden können

Jungen sind weniger motiviert, Lesen zu lernen, wenn sie von Erzieherinnen betreut werden, die sehr traditionell gegenüber Geschlechterrollen eingestellt sind. Das zeigt eine aktuelle Studie von Psychologinnen der Freien Universität Berlin und der Universität Kassel. Die Autorinnen befragten 135 Erzieherinnen zu ihren Einstellungen gegenüber Geschlechterrollen und untersuchten parallel bei den von ihnen betreuten Jungen und Mädchen die Lesemotivation im Vorschulalter und ihre Lesefähigkeiten ein Jahr nach Schuleintritt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht. 
 
Obwohl gute Lesefähigkeiten eine wichtige Grundlage für Bildung sind, zeigt sich immer wieder, dass Jungen weniger gut lesen können und insbesondere weniger Interesse am Lesen haben als Mädchen. „Die Ursachen dafür sind sehr vielseitig“, erklärt Ilka Wolter. „Wir haben untersucht, welche Rolle die Einstellungen von Erzieherinnen in der Vorschulzeit spielen.“

Die Forscherinnen befragten insgesamt 135 Erzieherin-Kind-Paare (davon 65 Erzieherin-Junge-Paare) im Verlauf eines Jahres. In der ersten Befragung zum Ende der Kindergartenzeit beantworteten die Erzieherinnen Fragen zu ihren Einstellungen gegenüber Geschlechterrollen (zum Beispiel: „Für den Ersteindruck ist ein gepflegtes Äußeres bei einer Frau wichtiger als bei einem Mann“ versus „Frauen eignen sich ebenso gut für die Leitung eines technischen Betriebes wie Männer”). Bei den Vorschulkindern wurde zum einen untersucht, wie motiviert sie waren, Lesen zu lernen. Dazu sollten sie mit Hilfe von drei Smileys angeben, wie gerne sie Aktivitäten nachgingen, die für das Lesenlernen förderlich sind (zum Beispiel neue Lieder oder Reime lernen). Außerdem wurden die Sprachkompetenzen im Vorschulalter erfasst, die für die späteren Fähigkeiten im Lesen und Schreiben wichtig sind. Ein Jahr später, gegen Ende der ersten Schulklasse, fand die zweite Befragung der Kinder statt. Mit Hilfe der „Würzburger Leise Leseprobe“ wurde getestet, wie gut die Kinder lesen konnten. Bei diesem Test lesen die Kinder leise Wörter und wählen aus Bildalternativen das jeweils passende Bild aus.

Einstellung der Erzieherin beeinflusst Jungen und Mädchen unterschiedlich

  • Es zeigte sich: Jungen, die eine Erzieherin mit traditionellen Geschlechterrollen hatten, waren weniger motiviert, lesen zu lernen. Dagegen waren die Jungen bei Erzieherinnen mit egalitären Geschlechtsrolleneinstellungen genauso motiviert, lesen zu lernen wie die Mädchen. Für die Mädchen spielte es keine Rolle, welche Einstellungen ihre Erzieherin hatte, und sie waren insgesamt motivierter zu lesen als Jungen.
  • Was die Lesefähigkeiten anbelangt, schnitten die Jungen im Test zum Ende der ersten Klasse insgesamt schlechter ab als die Mädchen. Vor allem die Jungen, deren Erzieherinnen traditionelle Geschlechtsrolleneinstellungen hatten, konnten nicht so gut lesen. „Die Einstellungen der Erzieherinnen haben also auch noch ein Jahr später Wirkung auf die Lesefähigkeiten eines Schülers, und zwar dadurch, dass sie die Lesemotivation der Jungen zur Kindergartenzeit beeinflusst haben“, sagt Ilka Wolter.

Motivierte Kinder lernen besser lesen

Die Autorinnen analysierten auch, wie sich die Lesemotivation und die Sprachkompetenzen der Kinder im Vorschulalter auf ihre Lesekompetenzen ein Jahr später auswirkten.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Lesemotivation im Kindergarten und der Lesefähigkeit ein Jahr später: Kinder, die im Kindergarten schon Lust auf Lesen hatten, konnten dies ein Jahr später auch besser als die weniger motivierten Gleichaltrigen. 


„Jungen können unterstützt werden, Lesen zu lernen“, sagt Ilka Wolter.

„Erzieherinnen sollten in ihrer Ausbildung unbedingt dafür sensibilisiert werden, dass sie zu einer geschlechtergerechten Lernumgebung beitragen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sie – insbesondere für die Jungen in ihren Gruppen – einen motivationalen Grundstein für das Lesen legen können.“

Die Originalstudie finden Sie hier: 

Wolter, I., Braun, E. & Hannover, B. (2015). Reading is for girls!? The negative impact of preschool teachers' traditional gender role attitudes on boys' reading related motivation and skills. Frontiers in Psychology, 6:1267.
doi: 10.3389/fpsyg.2015.01267

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Dr. Ilka Wolter
Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi)
Instrumentenentwicklung und Forschung
Wilhelmsplatz 3
96047 Bamberg
Tel.: 0951 863-3424
E-Mail: ilka.wolter@lifbi.de

Dr. Anne Klostermann
Marienstr. 30
10117 Berlin
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 3800 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.

www.jungensprechstunde.de Förderung der Jungen- respektive der künftigen Männergesundheit.

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Urologen starten neue Webseite: „Starke Infos für Jungen“ jetzt online

„Starke Infos für Jungen“ bieten die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU e.V.) inzwischen nicht nur in gedruckter Form, sondern ab sofort auch online auf einer Website für Jungen. Unter www.jungensprechstunde.de und www.jungensprechstunse.de finden männliche Heranwachsende, nun zielgruppengerecht im Netz, verständliche Informationen zur körperlichen und emotionalen Entwicklung in der Pubertät, zur Sexualität, über gesundheitsbewusstes Verhalten, typische urologische Erkrankungen oder altersgerechte Impfungen. 
 
Die Homepage ist Teil einer breit angelegten Initiative der medizinischen Fachgesellschaft und des Berufsverbands der Urologen zur Förderung der Jungen- respektive der künftigen Männergesundheit.

Männergesundheit beginnt beim Jungen. Gemäß dieser Devise haben DGU und BDU die männlichen Teenager seit 2012 in ihren Fokus gerückt. „Die Initiative fußt auf drei Ebenen: der Aufklärung der Jungen durch Broschüre und Website, der Etablierung einer Jungensprechstunde beim Urologen sowie einer Kooperation mit der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF) zur gesundheitlichen Bildung von Jungen in Schulen“, so DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch. Dafür übernahm die DGU 2013 eine Schirmherrschaft der ÄGGF und finanziert in großem Umfang Unterrichtsmaterialien. Auch in der gegenseitigen Weiterbildung interagieren die DGU und die Ärztinnen der ÄGGF.

„Mehr als 300 000 Jungen kommen jedes Jahr in die Pubertät.

Anders als Mädchen suchen sie seltener Rat bei Eltern und Lehrern. 

Geschlechtsspezifische Aufklärungsangebote für Jungen sind rar und ein vertrauter medizinischer Ansprechpartner fehlt ihnen ebenfalls. Hier wollen wir gegensteuern, altersgerecht aufklären, das Gesundheitsbewusstsein der Jungen wecken und ihnen vermitteln, dass sie die Jungensprechstunde des Urologen besuchen können und dort Rat finden, genau so selbstverständlich wie Mädchen in die Mädchensprechstunde beim Frauenarzt gehen“, sagt Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des BDU. „Eine Generation von Jungen, die diese Erfahrung macht, kann das alte Rollenbild des männlichen Gesundheitsmuffels überwinden und wird auch in späteren Männerjahren medizinische Versorgungsangebote besser nutzen“, so der Urologe weiter.

Die neue Webseite ist analog zur Broschüre gestaltet und bietet den Jungen vielfältige Informationen, die in Zusammenarbeit mit der ÄGGF erstellt wurden. Aufklärung und Prävention stehen im Mittelpunkt.

Ob Penislänge und feuchte Träume, ob Pickel und Schwitzen, Selbstbefriedigung und sexuell übertragbare Infektionen, ob Anabolikamissbrauch, Hodentorsion oder Gynäkomastie – Tabus gibt es unter www.jungensprechstunde.de nicht, wohl aber medizinisch verlässliche Infos.

Die Homepage benennt den Urologen/die Urologin als kompetenten Ansprechpartner und deren Jungensprechstunde als Anlaufstelle. Über eine integrierte „Urologensuche“ finden die Jungen einen Urologen/ eine Urologin in der Nähe.

Für die Qualifikation der Urologinnen und Urologen, die eine Jungensprechstunde anbieten, sorgen die Urologen mit einem bundesweiten Fortbildungskonzept, und auch auf dem 67. DGU-Kongress vom 23. bis 26. September 2015 in Hamburg steht die Jungensprechstunde auf dem Programm.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

DGU/BDU
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: info@wahlers-pr.de
Bettina-CathrinDeutsche Gesellschaft für Urologie e.V.


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.jungensprechstunde.de

http://www.urologenportal.de

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