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Schwangerschaft Bluthochdruck

Deutsche Hochdruckliga und BVF informieren zum „Welt-Präeklampsie-Tag“ am 22. Mai: 

Wie der Körper einer Frau auf eine Schwangerschaft reagiert, kann ein Hinweis auf ihre spätere Herzgesundheit sein. 

Verläuft dieser natürliche Belastungstest ohne größere Komplikationen, stehen die Chancen gut, auch langfristig ein gesundes Herz-Kreislauf-System zu behalten. Treten dagegen während der Schwangerschaft Bluthochdruck oder sogar eine Präeklampsie auf, gilt dies als wichtiges Warnsignal – und als Anlass, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und den eigenen Lebensstil anzupassen.

Anlässlich des Welt-Präeklampsie-Tages am 22. Mai 2026 rücken die Deutsche Hochdruckliga (DHL) und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF) hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft in den Fokus. Ihre gemeinsame Botschaft: Schwangere mit Bluthochdruck sollten konsequent behandelt und engmaschig betreut werden.

Für den Körper einer Frau ist eine Schwangerschaft mit einer dauerhaften Ausdauerbelastung vergleichbar: Sie wirkt wie ein natürlicher Belastungstest für das Herz-Kreislauf-System. Bluthochdruck in dieser Phase ist daher ein wichtiges Warnsignal. Liegen die Blutdruckwerte dauerhaft über 140/90 mmHg, empfehlen aktuelle Leitlinien eine medikamentöse Behandlung. Frauen mit dieser Vorgeschichte haben später im Leben ein zwei- bis siebenfach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzschwäche, verengte Herzkranzgefäße oder Schlaganfälle. Die Erkenntnisse aus der Schwangerschaft liefern damit einen wichtigen Baustein für die langfristige Gesundheitsvorsorge.

„Bluthochdruck betrifft etwa fünf bis zehn Prozent aller Schwangeren und erhöht das Risiko für eine Präeklampsie deutlich“, sagt Prof. Dr. med. Markus van der Giet, Internist, Nephrologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. Präeklampsie ist eine Erkrankung der Schwangerschaft, bei der die Mutter hohen Blutdruck entwickelt und Organe wie Nieren oder Leber belastet werden. Sie tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und kann für Mutter und Kind gefährlich werden. „Wird der Blutdruck frühzeitig erkannt und konsequent behandelt, lassen sich Komplikationen deutlich reduzieren“, so van der Giet.

Auch Dr. Jochen Frenzel, niedergelassener Frauenarzt, Pränataldiagnostiker und Vorstandsmitglied des BVF, betont die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose: „Präeklampsie ist eine ernstzunehmende Multiorganerkrankung. Wird sie zu spät erkannt, kann sie schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben.“ Häufig entwickle sich die Erkrankung zunächst unauffällig. Erste Symptome würden nicht selten mit normalen Schwangerschaftsbeschwerden verwechselt. „Umso wichtiger sind die Vorsorgeuntersuchungen im ersten Schwangerschaftsdrittel und eine kontinuierliche Betreuung während der gesamten Schwangerschaft.“

Die Deutsche Hochdruckliga und der BVF empfehlen Frauen nach einer Präeklampsie die Nutzung eines speziellen „Nachsorgepasses“ (Link siehe "Quellen und weitere Informationen"). Darin werden kardiovaskuläre Risikofaktoren erläutert und Hinweise zur langfristigen Risikoreduktion gegeben – etwa zu gesundem Körpergewicht, Stilldauer oder regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Ergänzt wird der Pass durch einen Zeitplan für empfohlene Gesundheits- und Blutuntersuchungen.

Grundsätzlich raten die Deutsche Hochdruckliga und der BVF Schwangeren mit erhöhten Blutdruckwerten zu regelmäßigen Kontrollen in der gynäkologischen Praxis. 

Eine kontinuierliche Betreuung sei entscheidend, da sich mögliche Folgeschäden häufig schleichend entwickeln.

Zum „Welt-Präeklampsie-Tag “
Der Welt-Präeklampsie-Tag wird jedes Jahr am 22. Mai begangen und soll weltweit auf die Risiken dieser Schwangerschaftserkrankung aufmerksam machen. Ziel des Aktionstags ist es, das Bewusstsein für Früherkennung, Vorsorge und eine rechtzeitige Behandlung zu stärken, um Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden. Gleichzeitig macht der Tag darauf aufmerksam, wie wichtig Aufklärung, Forschung und eine gute medizinische Betreuung während der Schwangerschaft sind.

Die in den USA ansässige Preeclampsia Foundation nutzt den gesamten Monat Mai als Präeklampsie-Aufklärungsmonat, um über die Erkrankung zu informieren: https://www.preeclampsia.org/AwarenessMonth.

Quellen und weitere Informationen
• S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018
• Pre-eclampsia and risk of cardiovascular disease and cancer in later life: systematic review and meta-analysis | The BMJ: https://www.bmj.com/content/335/7627/974
• Podcast HyperTon (Folge 4): Bluthochdruck in der Schwangerschaft: https://www.youtube.com/watch?v=cb1DFAzKxbs
• Patientenblatt: Nachsorgepass für Mütter nach Präeklampsie: https://register.awmf.org/assets/guidelines/015_D_Ges_fuer_Gynaekologie_und_Gebu...

Die Deutsche Hochdruckliga bietet auf Ihrer Website einen Überblick zum Thema Bluthochdruck in der Schwangerschaft und Stillzeit: https://www.hochdruckliga.de/betroffene/bluthochdruck/bluthochdruck-in-der-schwa...

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) informiert im Rahmen seiner Kampagne „Schwanger mit dir“ rund um das Thema Schwangerschaft: https://schwanger-mit-dir.de/.

Über uns
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL)® I Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention ist eine gemeinnützige, unabhängige medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie setzt sich seit 1974 für die Förderung der Wissenschaft und eine wissenschaftlich fundierte Aufklärung der Öffentlichkeit auf dem Gebiet der Hypertonie ein. Sie bündelt die Expertise aus allen relevanten Fachgruppen und stellt diese allen Beteiligten zur Verfügung. Wissenschaftliche Sektionen und der jährliche wissenschaftliche Kongress sichern aktuelles Fachwissen und den fachlichen Austausch. Stipendien und Wissenschaftspreise fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs. Durch die Zertifizierung von Fachärztinnen und -ärzten sowie interdisziplinären Hypertonie-Zentren sichert die Deutsche Hochdruckliga eine qualitativ hochwertige, umfassende Versorgung von Hypertonikerinnen und Hypertonikern im deutschsprachigen Raum. https://www.hochdruckliga.de/

Über den Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF)
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. ist mit rund 14.000 Mitgliedern einer der größten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland. Er vertritt mit seinen 17 Landesverbänden seit 75 Jahren die wirtschaftlichen und standespolitischen Interessen seiner Mitglieder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kostenträgern sowie in Politik und Wirtschaft, internationalen Organisationen und der Öffentlichkeit. Der BVF verfolgt hierfür gesundheitspolitisch relevante Vorgänge auf deutscher sowie auch auf europäischer Ebene und setzt sich für die standespolitischen Anliegen, Forderungen und Belange seiner Mitglieder ein.
https://www.bvf.de/

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Agnes Tzortzis

Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.
Arnulfstraße 58
80335 München
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Telefon: +49 89 244466-129
Webseite: https://www.bvf.de/

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Kostenerstattung leitliniengerechter MS-Therapien in der privaten Krankenversicherung

Die Task Force Versorgungsstrukturen und Therapeutika des krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS e.V.) nimmt Stellung zu den Verzögerungen bei der Kostenerstattung leitliniengerechter MS-Therapien in der privaten Krankenversicherung und den Konsequenzen für betroffene Patientinnen und Patienten.

Einleitung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu bleibenden neurologischen Schäden und langfristiger Behinderung führen kann. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die therapeutischen Möglichkeiten erheblich verbessert. Moderne verlaufsmodifizierende Therapien (Disease Modifying Therapies, DMT) ermöglichen es heute, Krankheitsaktivität wirksam zu kontrollieren, Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten von Behinderung deutlich zu verlangsamen. Der therapeutische Nutzen dieser Behandlungen hängt jedoch entscheidend davon ab, dass sie frühzeitig begonnen werden. Die moderne MS-Therapie basiert auf dem Konzept eines „window of opportunity“ zu Beginn der Erkrankung. In dieser frühen Phase kann eine konsequente Behandlung entzündliche Krankheitsaktivität kontrollieren und irreversible neuronale Schäden begrenzen. Vor diesem Hintergrund ist der zeitnahe Zugang zu wirksamen Therapien ein zentraler Bestandteil einer leitliniengerechten Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose.

Probleme bei der Kostenerstattung durch private Krankenversicherungen

In der neurologischen Versorgungspraxis beobachten wir jedoch Verzögerungen bei der Kostenerstattung von MS-Therapien durch private Krankenversicherungen (PKV). Besonders betroffen sind kostenintensive moderne hochwirksame Therapien:
Bei den betroffenen Medikamenten handelt es sich in der Regel um Therapien,
• die für die jeweilige Indikation zugelassen sind
• deren Anwendung vollständig der Fachinformation entspricht und
• deren Einsatz durch nationale und internationale Leitlinien empfohlen wird.
Trotz dieser klaren medizinischen Grundlage kommt es zunehmend zu umfang-reichen Rückfragen seitens der Versicherungen, zur wiederholten Anforderung zusätzlicher medizinischer Unterlagen oder zur Einschaltung externer Gutachter. Diese Prüfverfahren können sich über mehrere Wochen hinziehen, und der Beginn einer ärztlich empfohlenen Therapie wird erheblich verzögert.
Darüber hinaus führt diese Praxis bei Patientinnen und Patienten zu einer erheblichen Verunsicherung und zu Zweifeln an der ärztlichen Therapieempfehlung, während gleichzeitig unklar bleibt, ob und wann eine Kostenerstattung erfolgen wird.
In einzelnen Fällen werden Kostenübernahmen zudem nur befristet ausgesprochen. Solche Befristungen können dazu führen, dass Patientinnen und Patienten wiederholt mit Unsicherheit über die Fortführung einer medizinisch notwendigen Therapie konfrontiert sind.
Aus Sicht der behandelnden Fachärztinnen und Fachärzte entsteht dadurch eine Versorgungssituation, in der leitliniengerechte und zugelassene Therapien faktisch durch administrative Prüfverfahren verzögert werden, obwohl die medizinische Indikationsstellung bereits erfolgt ist.

Medizinische Konsequenzen von Therapieverzögerungen

Verzögerungen beim Beginn einer verlaufsmodifizierenden Therapie sind bei Multipler Sklerose medizinisch nicht neutral und aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht auch nicht akzeptabel. Während der Zeiträume administrativer Prüfverfahren können neue entzündliche Läsionen im zentralen Nervensystem entstehen oder Krankheitsschübe auftreten. Diese Ereignisse können zu dauerhaften neurologischen Defiziten führen. Ein einmal eingetretener axonaler Schaden ist nicht mehr reversibel und kann mit schweren Behinderungen einhergehen.
Aus neurologischer Sicht gilt daher ein klarer Grundsatz: Zeitverlust in der MS-Therapie kann langfristige neurologische Schäden bedeuten. Administrative Verzögerungen bei der Einleitung einer notwendigen Therapie können somit die langfristige Krankheitsprognose der Betroffenen negativ beeinflussen - zum Nachteil der Patientinnen und Patienten, aber auch der Versicherungen.

Benachteiligung privatversicherter Patientinnen und Patienten

Die Praxis einiger privater Krankenversicherungen bedeutet für privatversicherte Patientinnen und Patienten faktisch einen schlechteren Zugang zu zeitkritischen Therapien als für gesetzlich Versicherte. Dies müsste eigentlich eklatant dem Selbstverständnis privater Krankenversicherungsunternehmen widersprechen.
Im System der gesetzlichen Krankenversicherung existieren gesetzliche Fristen für Leistungsentscheidungen, die sicherstellen sollen, dass medizinisch not-wendige Leistungen innerhalb eines definierten Zeitraums bewilligt werden. Für private Krankenversicherungen bestehen vergleichbare verbindliche Entscheidungsfristen bislang nicht. Eine solche Situation widerspricht dem Grundsatz einer gleichwertigen medizinischen Versorgung unabhängig vom Versicherungsstatus. Privatversicherte Patientinnen und Patienten dürfen durch administrative Prüfverfahren nicht benachteiligt werden.

Juristische Einordnung und mögliche Haftungsrisiken

Versicherte haben Anspruch auf Erstattung der Kosten einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung gemäß den Bedingungen ihres Versicherungsvertrags. Die PKV ist verpflichtet, die Leistung unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) zu prüfen. Dabei darf eine solche Prüfung nicht zu Verzögerungen führen, durch die die versicherte Person gesundheitliche Nachteile erleiden kann.
Die medizinische Indikationsstellung erfolgt durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Wenn eine Therapie zugelassen ist und entsprechend der Fachinformation sowie der geltenden Leitlinien eingesetzt wird, spricht dies regelmäßig für das Vorliegen einer medizinisch notwendigen Behandlung.
Private Krankenversicherungen sind zwar grundsätzlich berechtigt, Leistungsansprüche zu prüfen. Diese Prüfungen dürfen jedoch nicht dazu führen, dass medizinisch notwendige Therapien verzögert werden oder Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum im Unklaren über die Kostenerstattung bleiben.
Bei Erkrankungen mit potenziell irreversiblen Schäden – wie der Multiplen Sklerose – kann eine verzögerte Therapieeinleitung erhebliche gesundheitliche Konsequenzen haben. Wenn eine medizinisch notwendige und leitliniengerechte Behandlung durch administrative Prüfverfahren verzögert wird und hierdurch ein gesundheitlicher Schaden entsteht, können sich haftungsrechtliche Konsequenzen ergeben, etwa im Rahmen von Schadensersatzansprüchen wegen Pflichtverletzung aus dem Versicherungsvertrag.
Vor diesem Hintergrund kommt einer zügigen und transparenten Bearbeitung von Leistungsanträgen bei zeitkritischen Erkrankungen besondere Bedeutung zu.

Forderungen

Die neurologische Fachgemeinschaft hält es für erforderlich, dass Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose zeitnah Zugang zu leitliniengerechter und evidenzbasierter Therapie erhalten, ohne durch administrative Verfahren verunsichert oder verzögert zu werden.
Insbesondere sollte sichergestellt werden,
• dass Versicherungsprüfungen den Beginn medizinisch notwendiger Therapien nicht verzögern
• dass Versicherte zeitnah Klarheit über die Kostenerstattung erhalten und
• dass Befristungen von Kostenübernahmen nicht zu einer wiederholten Verunsicherung über die Fortführung medizinisch notwendiger Therapien führen.

Schlussfolgerung

Die Fortschritte in der Behandlung der Multiplen Sklerose eröffnen heute reale Chancen, Krankheitsaktivität zu kontrollieren und langfristige Behinderung zu verhindern. Voraussetzung hierfür ist ein früher und konsequenter Therapiebeginn. Verzögerungen bei der Kostenerstattung können dieses Ziel gefährden und stellen aus medizinischer Sicht ein vermeidbares Risiko für Patientinnen und Patienten dar.
Die KKNMS weist auf dieses Risiko hin und fordert, dass Menschen mit Multipler Sklerose – unabhängig von ihrem Versicherungsstatus – zeitnah Zugang zu evidenzbasierter und leitliniengerechter Therapie erhalten. Bei einer Erkrankung wie der Multiplen Sklerose ist Zeit ein entscheidender Faktor. Wertvolle Behandlungszeit darf nicht durch vermeidbare administrative Prozesse verloren gehen.

MaAB-  Ansprechpartner:
Task Force Versorgungsstrukturen und Therapeutika des krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS e.V.)

Das biologische Alter

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Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht an MMA-Kämpfern biologische Alterungsprozesse. 

Ziel der Studie ist es, die epigenetische Uhr des Alterns genauer zu entschlüsseln.

Manche Menschen altern schneller als andere. Doch wie kann man das biologische Alter zuverlässig messen? Dieser Frage geht ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Studie zu den biologischen Altersuhren von Kampfsportlern nach, die die Vollkontakt-Kampfsportart Mixed Martial Arts (MMA) betreiben. Das biologische Alter kann sich vom tatsächlichen Lebensalter deutlich unterscheiden. Faktoren wie Lebensstil, Ernährung, Bewegung und Stress beeinflussen, wie schnell der Körper altert. Ziel der Studie ist es, zuverlässige Marker zu identifizieren, mit denen sich das biologische Alter bestimmen lässt.

„Bislang gibt es keinen eindeutigen Messwert für das biologische Alter“, erklärt Studienleiterin Dr. Kirsten Jahn, PhD, aus der Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften in der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. „In unserer Studie möchten wir biologische Altersuhren identifizieren, die den Gesundheitszustand eines Menschen präzise abbilden können.“ Solche Marker könnten präventive Diagnosen und Behandlungen ermöglichen.

Epigenetische Muster als Maß für das Alter

Noch fehlt ein wissenschaftlicher Konsens darüber, wie das biologische Alter genau bestimmt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz ist die sogenannte DNA-Methylierung. Dieser biochemische Prozess beeinflusst, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Dafür heften Zellen kleine chemische Markierungen – sogenannte Methylgruppen – an die DNA, die wie feine Regler wirken. Sie verändern nicht den genetischen Code selbst, sondern dessen Nutzbarkeit. Diese epigenetischen Muster verändern sich im Lauf des Lebens. Forschende nutzen diese Veränderungen, um Rückschlüsse auf das biologische Alter eines Menschen zu ziehen.

Das MHH-Team setzt auf eine neue Technologie, die alle relevanten DNA-Abschnitte gleichzeitig analysiert, die durch Methylierung die Aktivität von Genen steuern können – etwa 28 Millionen sogenannte CpG-Stellen. „Damit können wir das Methylierungsmuster erstmals umfassend bewerten und die epigenetische Uhr des Alterns genauer entschlüsseln“, erklärt Dr. Jahn.

MMA-Kämpfer als außergewöhnliches Studienmodell

Ein ungewöhnliches, aber sehr gut geeignetes Modell für die Forschung zum biologischen Alter liefern MMA-Kämpfer. Sie durchlaufen Phasen mit stark wechselnden körperlichen und psychischen Belastungen – von moderatem Training über intensive Wettkampfvorbereitung bis hin zu extremem Stress vor und während eines Kampfes. „MMA-Kämpfer sind gesunde Menschen, die zeitweise sehr starken Einflüssen ausgesetzt sind, die sich epigenetisch auf das biologische Alter auswirken könnten“, so Dr. Jahn.

Während der Erholungsphase wirken eher alterungshemmende Faktoren wie leichtes Training und normale Ernährung. In der Wettkampfphase dominieren alterungsfördernde Faktoren wie intensive Trainingsbelastungen und Diäten. In den Tagen vor dem Wettkampf verzichten die Kämpfer sogar auf Flüssigkeit, um die ideale Gewichtsklasse zu erreichen. Die Forschenden vermuten, dass sich die wechselnden Belastungen direkt auf biologische Altersuhren auswirken: In der Erholungsphase könnten sie langsamer, in der Wettkampfphase schneller ticken – und in wiederholten Blutanalysen sichtbar werden.

Forschung zwischen Ringarztpraxis und Laboranalyse

„Als Ringarzt begleite ich seit vielen Jahren MMA- und andere Kampfsportler unter sehr unterschiedlichen körperlichen und psychischen Belastungen“, sagt der in der deutschen und europäischen MMA-Szene bekannte Facharzt für Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Panagiotis Karachalios. „Die Studie bietet die Chance, besser zu verstehen, wie sich diese Belastungen langfristig auf Gesundheit und Regeneration auswirken, welche Rückschlüsse daraus gezogen und wie wir die medizinische Betreuung von Athleten künftig weiter verbessern können.“

Die Studienteilnehmer können vor und nach Kämpfen MRT-Aufnahmen ihres Kopfes anfertigen lassen. Damit wollen die Forschenden mögliche Verletzungen und Veränderungen der Hirnalterung untersuchen. Zusätzlich erhoben werden Daten zu Wohlbefinden, Proteinen und Stoffwechselprodukten. Diese Ergebnisse vergleicht das Forschungsteam mit Daten von Hobby-MMA-Sportlern ohne Wettkampfteilnahme sowie von gesunden älteren Menschen. Dabei fließen auch bisherige Altersmarker in die Analyse ein, darunter einige, weniger umfassende „Age Clocks“ sowie die Telomerlängen, also die Länge der Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Das Team untersucht außerdem, ob der Kampfsport die psychische Widerstandskraft (Resilienz) stärkt.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung VOR ORT


Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Kirsten Jahn, PhD, Labor für Molekulare Neurowissenschaften in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Telefon 0511 532-7275, Jahn.Kirsten@mh-hannover.de.