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Bindungshormon Oxytocin: Postpartalen Bindungsstörung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mütter mit Bindungsstörung: 

Lässt sich Freude am eigenen Baby erlernen?

Dr. Monika Eckstein erforscht am Zentrum für Psychosoziale Medizin Heidelberg die Effekte von Neurofeedback auf die Mutter-Kind-Interaktion und wurde dafür nun mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet 
 
  • Der Kontakt zu einem vertrauten Mitmenschen tut gut und baut Stress ab, dafür sorgt das Gehirn durch die Aktivierung des internen Belohnungssystems und Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. 

Doch wie lässt sich Personen helfen, bei denen dieser Mechanismus gestört ist?

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Geburtshelfer  

Dieser Frage geht am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg die Psychologin Dr. Monika Eckstein nach und ist dafür nun mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet worden. In einer aktuellen Studie untersucht die Nachwuchswissenschaftlerin, ob bei Müttern, die keine enge Bindung zu ihrem Baby aufbauen können, dieser positive Rückkopplungsmechanismus durch gezieltes Training mittels Neurofeedback aktiviert werden kann. Weitere Projekte sind in Planung. „Dr. Monika Eckstein forscht sehr engagiert in einem für die psychotherapeutische Versorgung wichtigen Themenbereich, denn die Frage nach der Bindungsfähigkeit spielt bei fast allen psychischen Beschwerden eine Rolle. Ihre Arbeit ist beispielhaft für die Translation von Erkenntnissen aus der neurobiologischen Forschung hin zu klinischen Interventionen. Ich hoffe, dass der Preis sie auf ihrem Weg bestärkt“, sagte Prof. Dr. Andreas Draguhn, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, anlässlich der Preisverleihung am 13. Juli 2019.

Beziehung zu Mitmenschen: erlernt und über Hormone vermittelt

  • Die Beziehung zu Mitmenschen, die soziale Interaktion, beeinflusst unser Gefühlsleben sowie das psychische und physische Wohlbefinden. 
  • Wie jemand mit seinen Mitmenschen in Kontakt und Beziehung tritt, ist einerseits erlernt, andererseits über Hormone vermittelt, unter anderem über das Beziehungshormon Oxytocin. 

Monika Eckstein beschäftigt sich bereits seit ihrer Promotion mit den Wechselwirkungen zwischen Lernerfahrung und Oxytocin in der sozialen Interaktion und konnte in einer Studie mit Freiwilligen zeigen, dass Oxytocin die Verknüpfung von Gesichtern mit Furcht oder auch dem Gefühl von Sicherheit unterstützt. In aktuellen Arbeiten am Zentrum für Psychosoziale Medizin Heidelberg, wo sie seit 2015 tätig ist, entdeckte sie außerdem mit Hilfe von Hirnscans im Magnetresonanztomographen (funktionelles MRT), dass bei der positiven sozialen Interaktion von Paaren das hirneigene Belohnungszentrum aktiviert, Stress reduziert und das Schmerzempfinden gedämpft werden.

„Meine Studien deuten darauf hin, dass positive soziale Interaktionen durch wiederholte Erfahrungen mit einem emotionalen Gehalt, z.B. einem Gefühl der Geborgenheit, verknüpft werden können – was sich auch auf das körperliche Wohlbefinden auswirkt. Das möchte ich für die Anwendung im klinischen Alltag und die Entwicklung innovativer Interventionen nutzbar machen“, so die Preisträgerin.

Derzeit untersucht sie im Rahmen einer von der Dietmar Hopp Stiftung geförderten Studie, ob sich ihre Erkenntnisse nutzen lassen, um Müttern zu helfen, die im Kontakt zu ihrem Baby Schwierigkeiten haben, positive Gefühle zu empfinden. 

 „Mütter mit einer solchen postpartalen Bindungsstörung leiden sehr unter der Situation.

  • Therapeutische Unterstützung würde nicht nur die Lebensqualität der Mütter verbessern, sondern auch die psychisch gesunde Entwicklung der Kinder fördern“, erläutert Eckstein. 

In der Studie testet sie die Wirksamkeit eines wiederholten Neurofeedbacks mittels funktioneller MRT: Die Mütter sind während der Messung im MRT aufgefordert, die Aktivität in einem bestimmten Hirnareal willentlich zu steigern, z.B. indem sie an eine beglückende oder lustige Situation mit dem Kind zurückdenken.

Gleichzeitig erhalten sie in Echtzeit eine Rückmeldung über die Aktivität des Belohnungszentrums im Gehirn bei diesen Gedanken:

„Die Probandinnen lernen, beim Anblick ihres Kindes eine spezifische Gehirnaktivität zu erzeugen und damit positive Gefühle aufzurufen.

Wir hoffen, dass das Gehirn auf dies Weise lernt, den Kontakt zum Kind insgesamt positiv zu verknüpfen, und durch Oxytocin- und auch Dopamin-Ausschüttung die Mutter-Kind-Bindung gefestigt wird“, beschreibt die Psychologin die Ziele des Projekts.

Darüber hinaus hat sie bereits Pläne für zukünftige Projekte:

„Es könnte durchaus lohnend sein, Partnerschaft und soziales Umfeld im medizinischen und therapeutische Kontext zu berücksichtigen: 

  • So könnten die stress- und schmerzlindernden Effekte von sozialer Interaktion mit Partner und Familie in Therapien nutzbar gemacht werden. 

Dies möchte ich zukünftig noch weiter fokussieren.“ Monika Eckstein studierte von 2006 bis 2012 in Düsseldorf, Tübingen und am National Institute of Health in Bethesda, USA, Psychologie. Ihre Promotion schloss sie 2015 an der Universität Bonn ab.

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Dr. Monika Eckstein
Institut für Medizinische Psychologie im
Zentrum für Psychosoziale Medizin (ZPM)
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 56 7871

Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Deutschland
Baden-Württemberg


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Telefon: 06221 564537
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Originalpublikation:
Informationen über Dr. Monika Eckstein:

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Informationen zum Projekt:

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CAVE: ZNA - Rettungstellen-KANZEL: VatertagsFeiern

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Sonderforschungsbereich zur Kontrolle bei Suchterkrankungen

Knapp zehn Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Alkohol, Tabak, Medikamenten und illegalen Drogen. 

Ein kleiner Teil der Suchtkranken schafft es jedoch, auch ohne Hilfe die Abhängigkeit zu überwinden. 

Wie ihnen dies gelingt, untersucht jetzt der neue überregionale Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio) „Verlust und Wiedererlangung der Kontrolle bei Suchterkrankungen: 

Verläufe, Mechanismen und Interventionen“ unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 

Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, individuelle Therapien gegen die Sucht zu entwickeln. 

Das Verbundprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für vier Jahre mit circa 12 Mio. Euro gefördert. 
 
  • Schmerzmedikamente, Rauschmittel, Alkohol und Nikotin haben eines gemeinsam: 

Ihr hohes Suchtpotenzial bringt viele Millionen Menschen in Deutschland und weltweit in Abhängigkeit.

  • Suchtmittel lösen Wohlbefinden oder Euphorie aus, indem sie das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren. 
  • Bleibt diese als angenehm empfundene Stimulation aus, kommt es zu einem „Belohnungsdefizit“ – wodurch das oft unbezwingbare Verlangen nach der auslösenden Substanz entsteht. 
  • Der Wunsch, dem Verlangen nachzugeben, rückt bei Suchtkranken immer mehr in den Mittelpunkt – mit zum Teil gravierenden psychischen, sozialen und körperlichen Auswirkungen: 

An den Folgen einer Abhängigkeit von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen sterben in Deutschland jedes Jahr mindestens 140.000 Menschen.

„Es gibt aber Suchtkranke, denen es auch ohne therapeutische Hilfe gelingt, die Kontrolle über den Suchtmittelkonsum wiederzugewinnen“, sagt Prof. Dr. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte und Sprecher des jetzt bewilligten SFB/Transregio.

„Von ihnen wollen wir lernen: 

Welche Mechanismen entwickeln sie, um aus dem Abhängigkeitskreislauf auszubrechen?

Dieses Wissen möchten wir anschließend nutzen, um anderen Substanzabhängigen gezielt zu helfen.“

Dazu will das Team um Prof. Heinz gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Technischen Universität Dresden mithilfe von Apps und anderen mobilen Techniken das Verhalten suchtkranker Personen im Alltag beobachten.

Zusätzlich sollen Kognitionstests, Stimmungsabfragen und bildgebende Verfahren Erkenntnisse dazu liefern, wie sich die Entscheidungsfindung und kognitive Kontrolle bei substanzabhängigen Menschen verändern und welche Auswirkungen Suchtreize auf ihr Verhalten haben.
,
„So wollen wir persönliche Stärken und Schwächen der Betroffenen identifizieren und auf dieser Basis individuelle Verhaltenstrainings erarbeiten, die ihnen die Entwöhnung erleichtern“, erklärt Prof. Heinz.

„Langfristig planen wir die Entwicklung einer App, die die Nutzer warnt, sobald sie die Kontrolle über den Konsum von Suchtmitteln – inklusive Alkohol und Nikotin – verlieren.

Die mobile Anwendung soll dann gleichzeitig gezielt Unterstützung anbieten.“

Sonderforschungsbereiche der DFG
Sonderforschungsbereiche (SFB) sind langfristige Forschungseinrichtungen, die die Bearbeitung innovativer und anspruchsvoller Forschungsvorhaben im Verbund ermöglichen. Im Gegensatz zu einem klassischen SFB wird ein SFB/Transregio (TRR) nicht von einer, sondern von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen. Die Projekte werden von der DFG zunächst für vier Jahre finanziell gefördert. Die Förderung kann nach erfolgreicher Evaluation um zwei weitere Förderperioden von je vier Jahren verlängert werden.

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Prof. Dr. Andreas Heinz
Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
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Epigentische Veränderung: Botenstoff Dopamin + Intelligenz + Antrieb + Motivation,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Nimmt die Umwelt Einfluss auf die Gene im Gehirn?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aktivität bestimmter Gene im Gehirn und Leistungsunterschieden bei Intelligenztests? 

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nachgewiesen, dass sich Änderungen am Bauplan eines bestimmten Gens negativ auf die individuellen Testleistungen auswirken. 

Demnach haben Umweltfaktoren über sogenannte epigenetische Veränderungen des Erbguts mehr Einfluss auf die Intelligenz als bisher angenommen wurde. Die Studie wurde im Fachjournal Translational Psychiatry* veröffentlicht. 
 
  • Umwelteinflüsse, zum Beispiel Stress und belastende Erfahrungen, können die Aktivität von Genen beeinflussen und zu individuellen Strukturveränderungen am Erbmaterial führen. 

Mit diesen sogenannten epigenetischen Veränderungen passt sich das Erbgut an die Anforderungen seiner Umwelt an.

Die Information, ob und unter welchen Umständen ein Gen aktiv ist, kann zusammen mit dem Erbmaterial an die nächste Generation von Zellen weitergegeben werden.

Das internationale Team um Dr. Jakob Kaminski und Prof. Dr. Andreas Heinz von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte hat in seiner Studie die Intelligenztests von fast 1500 Jugendlichen mit den epigenetischen Veränderungen des Gehirns der Probanden verglichen.

Für die Studie wurden jene Gene untersucht, die im Nervensystem für die Signalübertragung mit dem Botenstoff Dopamin von Bedeutung sind. 

  • Dopamin spielt eine wichtige Rolle im Belohnungssystem des Gehirns. 

Es steuert maßgeblich den Antrieb und die Motivation einer Person. 

  • Die Forscher konnten in ihrer Studie zeigen, dass die epigenetische Regulation der Signalübertragung mit Dopamin und die individuelle Leistung in Intelligenztests zusammenhängen. 

Durch die Modifizierung des Dopamin-Rezeptorgens wird dieses Gen von der Zelle stummgeschaltet.

Als Folge werden weniger Dopamin-Rezeptoren auf den Nervenzellen gebildet und die Signalübertragung wird verringert.

In der vorliegenden Studie ging diese Stummschaltung des Gens mit schlechteren Ergebnissen in den Intelligenztests einher.

Dr. Kaminski über die Ergebnisse der Studie: „Gerade was die Aktivität des Dopamin-gesteuerten Belohnungssystems angeht, konnten wir schon früher Zusammenhänge mit Stress und der Intelligenzleistung beobachten.

Die Bedeutung der umweltabhängigen Steuerung der Genaktivität tritt nun neben andere bekannte Einflüsse auf die Leistung in Intelligenztests, wie Armut oder die genetische Konstitution. 

Wir konnten in der vorliegenden Untersuchung beobachten, dass individuelle Unterschiede in Intelligenztests auch mit epigenetischen Veränderungen und Unterschieden in der Hirnaktivität zusammenhängen, die umweltbedingten Einflüssen unterliegen.“

In weiteren Studien wollen die Forscher noch genauer untersuchen, wie stark Umwelteinflüsse zu neurobiologischen Veränderungen führen und die Leistung in Intelligenztests beeinflussen.

Links:

- Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
https://psychiatrie-psychotherapie.charite.de/
 
- Arbeitsgruppe Lernen und Kognition
https://psychiatrie-psychotherapie.charite.de/forschung/bildgebung/ag_lernen_und...


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Dr. Jakob Kaminski
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Originalpublikation:
*Kaminski JA, et al.: Epigenetic variance in dopamine D2-receptor: a marker of IQ malleability? Translational Psychiatry 8, Article number: 169 (2018). DOI: 10.1038/s41398-018-0222-7.
https://www.nature.com/articles/s41398-018-0222-7



Soziale Synapsen: Fehlende Anpassungsfähigkeiten: Autistische Symptome

Medizin am Abend Berlin Fazit: Autismus: Störungen im Belohnungssystem beeinträchtigen Sozialverhalten

Autismus-Spektrum-Störungen sind eine heterogene Gruppe von neuronalen Entwicklungsstörungen. 

Eines ihrer Hauptmerkmale ist die Beeinträchtigung der sozialen Kommunikationsfähigkeit. 

Laut Wissenschaftlern der Universitäten Basel und Genf ist vermutlich eine Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen im Belohnungssystem dafür verantwortlich. 

Die Studie erschien kürzlich in «Nature Communications». 

Aufnahme von dopaminergen Nervenzellen, welche bei der sozialen Interaktion eine Rolle spielen.
Aufnahme von dopaminergen Nervenzellen, welche bei der sozialen Interaktion eine Rolle spielen. Bild: Universität Genf

Das Belohnungssystem ist ein wichtiger Schaltkreis im Gehirn bei allen Säugetieren.

Es verstärkt bestimmte Verhaltensweisen, indem es für die notwendige Motivation sorgt. Nahrungssuche, Lernen oder Emotionen beispielsweise sind eng damit verbunden. 

Mehrere Studien konnte bereits zeigen, dass eine Funktionsstörung des Systems für die bei Autismus typischen Veränderungen im Sozialverhalten verantwortlich sein könnte. 
  • Demnach sind bestimmte Neuronen, die für ein einwandfreies Funktionieren des Belohnungssystems ausschlaggebend sind, bei Menschen mit autistischen Störungen defekt.
  • Die Betroffenen verlieren dadurch die Motivation mit anderen zu interagieren. 
  • Doch welches sind die zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen?

Ungenügende Reifung von Synapsen

«Ausgehend von der Hypothese der Motivation, wollten wir die Rolle der sogenannten dopaminergen Nervenzellen bei sozialen Interaktionen entschlüsseln und herausfinden, ob sich die sozialen Defizite bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen durch neuronale Veränderungen erklären lassen», erklärt Studienleiterin Camilla Bellone, Professorin am Departement für Neurowissenschaften der medizinischen Fakultät der Universität Genf. Dazu haben die Wissenschaftler bei Mäusen ein Gen namens «Neuroligin 3» ausgeschaltet oder dessen Aktivität in den dopaminergen Neuronen stark reduziert. Damit imitierten sie eine Mutation, die bei autistischen Menschen vorkommt. Diese Mäuse zeigten im Gegensatz zu ihren gesunden Artgenossen ein mangelndes Interesse an Neuem und waren weniger motiviert, sozial zu interagieren − beides Verhaltensweisen, die auch bei Autismus häufig auftreten.

Die Wissenschaftler haben bei den Mäusen auch die synaptische Plastizität untersucht, also die Fähigkeit der Synapsen sich zu verändern und anzupassen. Synapsen sind Verknüpfungen zwischen Neuronen, mit denen die Zellen miteinander kommunizieren. Normalerweise führen Änderungen im sozialen Kontext auch zu Veränderungen an den Synapsen, wodurch das Interesse und der soziale Kontakt aufrechterhalten wird.

Bei Mäusen mit Neuroligin-3-Mangel war diese Anpassungsfähigkeit beeinträchtigt.

Die «sozialen» Synapsen wurden nicht verstärkt und infolgedessen war auch die Reaktion auf einen neuen Reiz schlechter.

«Das gleiche Defizit konnten wir bei Tieren mit einer Mutation im Shank 3-Gen, welche ebenfalls bei Autismus verbreitet ist, beobachten. Letztlich behindert also eine ungenügende Reifung der Synapsen eine gute soziale Entwicklung», fügt Camilla Bellone hinzu.

  • Man kennt mittlerweile mehr als 100 Gene, die mit autistischen Symptomen in Zusammenhang stehen. 

Viele von ihnen spielen für die Funktion der Synapsen eine Rolle.  

Dies erklärt, warum soziale Störungen bei autistischen Menschen so häufig sind.

Bessere Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene


Da es bei Autismus ein breites Spektrum an Symptomen gibt, kann man nicht alle Patienten gleich behandeln. «Für die Entwicklung von gezielten und spezifischen Therapien, ist es daher unumgänglich, Verhaltensauffälligkeiten anhand von Funktionsstörungen bestimmter neuronaler Schaltkreise genau zu klassifizieren und ihren genetischen Hintergrund zu verstehen», betont Peter Scheiffele, Professor am Biozentrum der Universität Basel, und Co-Autor der Studie.

  • Patienten mit synaptischen Veränderungen in dopaminergen Neuronen sollten daher positiv auf Therapien reagieren, die spezifisch die Aktivität dieser Zellen erhöhen. 
  • Dieselben Therapien würden jedoch bei Patienten, deren beeinträchtige Sozialkompetenz auf eine andere Störung zurückzuführen ist, wirkungslos bleiben.

Da die synaptische Reifung im frühen Lebensalter stattfindet, ist für eine wirksame Therapie entscheidend, dass die genauen Ursachen der Störung frühzeitig erkannt werden.

Das Ziel der Wissenschaftler in Basel und Genf ist es daher, die grundlegenden Mechanismen zu identifizieren, um vielversprechende therapeutischen Ansätze aufzuzeigen.

Dieses Forschungsprojekt wurde auf nationaler Ebene durch den NCCR SYNAPSY des Schweizerischen Nationalfonds unterstützt und auf internationaler Ebene durch EU-AIMS – das europäische Programm für Autismusforschung, welches Teil der Innovative Medicines Initiative (IMI) ist.

Autismus: Störungen im Belohnungssystem beeinträchtigen Sozialverhalten


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Prof. Dr. Peter Scheiffele
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Prof. Dr. Camilla Bellone
Universität Genf, Departement für Neurowissenschaften
Tel. + 41 22 379 54 33, E-mail: camilla.bellone@unige.ch

Petersgraben 35, Postfach
4001 Basel
Schweiz
Basel-Stadt 

Iris Mickein
Telefon: +41 (0)61 207 24 25
Fax: +41 (0)61 267 30 13
E-Mail-Adresse: iris.mickein@unibas.ch

Originalpublikation:
Bariselli, Hanna Hörnberg, Clément Prévost-Solié, Stefano Musardo, Laetitia Hatstatt-Burkle, Peter Scheiffele and Camilla Bellone

Role of VTA dopamine neurons and Neuroligin3 in sociability traits related to non-familiar conspecific interaction.
Nature Communications (2018); doi: 10.1038/s41467-018-05382-3

 

Interdiziplinäre Reha: Einladung zur Kaufsucht- Studie

Medizin am Abend Berlin Fazit: UDE sucht Teilnehmerinnen für Studie: Warum wird Kauflust zur Sucht?

Wer kennt das nicht: 

Am Ende landet oft mehr im Einkaufskorb als geplant. 

Manche Menschen verlieren jedoch geradezu die Kontrolle über ihren Konsum. 

Ob Kleidung oder Elektrogeräte – Unmengen an Waren türmen sich bei ihnen zu Hause, ohne je genutzt zu werden. 

  • Schätzungen zufolge neigen in Deutschland rund fünf Prozent der Erwachsenen zu ungezügeltem Geldausgeben. 

Forscher des Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersuchen nun, woher dies kommt. 

Dazu suchen sie Studien-Teilnehmerinnen, welche nicht an Kaufsucht leiden. 
 
Wie verarbeitet unser Gehirn Kaufbildreize?

Darüber soll die Studie Aufschluss geben.

Die Wissenschaftler möchten auf dieser Basis die Mechanismen analysieren, die hinter problematischem Einkaufsverhalten stecken.

„Wir vermuten, dass bei Kaufsüchtigen das Belohnungssystem im Gehirn anders anspricht als bei Nicht-Betroffenen“, erklärt Studienleiter Psychologe Dr. Patrick Trotzke.

„Wir überprüfen das und möchten dazu beitragen, dass Kaufsucht besser verstanden und möglicherweise als Krankheit anerkannt wird.

So können Patient*innen schneller Hilfe erhalten.“

Die Studie wird mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie am Standort Essen durchgeführt.

  • Gesunde Frauen zwischen 45 und 65 Jahren, die weder kaufsüchtig sind, noch neurologische oder psychiatrische Erkrankungen haben, sind eingeladen mitzumachen. 

Ihre Aufgabe wird es sein, Bilder anzusehen und zu bewerten.

Der Versuch dauert etwa drei Stunden, Fahrtkosten sowie eine Aufwandsentschädigung werden gezahlt.

Interessierte können sich hier unverbindlich zur Studie anmelden:

http://udue.de/mrtkaufen


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Dr. Patrick Trotzke
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Isabelle Sprang


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Cathrin Becker
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Ulrike Bohnsack
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CAVE: Wochenrückblick: Bewertungs- und Belohnungsverarbeitungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Frauengehirn reagiert stärker auf Grosszügigkeit als Männergehirn

Verhaltensexperimente offenbaren: 

  • Frauen sind grosszügiger als Männer. 

Nun belegen UZH-Neuroökonomen, dass die Gehirne von Frauen und Männern soziales und egoistisches Verhalten unterschiedlich verarbeiten. 

Bei Frauen löst Grosszügigkeit ein stärkeres Belohnungssignal aus, während Männer bei egoistischem Verhalten mehr Belohnungsaktivität zeigen. 
 
  • Wenn Frauen einen Geldbetrag verteilen können, verhalten sie sich grosszügiger als Männer. 

Das belegen Verhaltensexperimente.

Um dieses Verhalten besser zu verstehen, untersuchten UZH-Neuroökonomen die dabei aktiven Gehirnareale.

Nun belegen die am Institut für Volkswirtschaftslehre durchgeführten Experimente erstmals, dass Männer- und Frauengehirne egoistisches und soziales Verhalten unterschiedlich verarbeiten.


Egoistisches Verhalten bei Männern stärker aktiviert

  • Das Striatum, ein Bereich in der Hirnmitte, ist für die Bewertungs- und Belohnungsverarbeitung zuständig und in jeder Entscheidung aktiv. 
Die Ergebnisse der UZH-Forschenden zeigen: 
  • Bei den Frauen wurde das Striatum stärker aktiviert, wenn sie sich prosozial verhielten, als wenn sie egoistische Entscheidungen trafen. 
  • Bei Männern aktivierte egoistisches Verhalten das Striatum stärker. «Das Belohnungssystem von Frauen reagiert also stärker auf grosszügige Entscheidungen als jenes von Männern», folgert Studienerstautor Alexander Soutschek.

Egoistischere Frauen bei unterdrückter Belohnung

CAVE: In einem weiteren Experiment wurde das Belohnungssystem der Probanden durch die Einnahme von Medikamenten gestört. 

CAVE: Unter diesen Bedingungen verhielten sich die Frauen egoistischer und Männer sozialer. 

Dies überraschte die Forscher.

«Dieser Befund zeigt, dass das Belohnungssystem von Frauen und Männern auch pharmakologisch unterschiedlich auf Grosszügigkeit reagiert», erklärt Alexander Soutschek. Also in den Gesprächen mal über den Medikamentenplan nachdenken (vorher - nachher ist es zu spät für die Folgen).

Die Ergebnisse haben für die Hirnforschung Konsequenzen: «Zukünftige Studien müssen so gestaltet werden, dass auch auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen geprüft wird», fordert Alexander Soutschek.


Kulturell bedingte Verhaltensmuster ausschlaggebend

Auch wenn sich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede auf der biologischen Ebene äussern, warnt Soutschek vor der Folgerung, dass sie angeboren oder evolutionär bedingt sind.  

Laut dem Neuroökonomen arbeiten die Belohnungs- und Lernsysteme im Gehirn eng zusammen.

Zudem belegen empirische Studien, dass prosoziales Verhalten bei Mädchen eher mit Lob belohnt wird als bei Buben:

«Sie lernen, eher eine Belohnung für prosoziales als für egoistisches Verhalten zu erwarten.

Der Geschlechterunterschied, den wir in unseren Studien beobachtet haben, lässt sich in diesem Sinne am besten durch die unterschiedlichen kulturellen Erwartungen an Männer und Frauen erklären», so Soutschek.

Dieser Erklärungsansatz wird etwa durch Befunde gestützt, die in Bezug auf die Belohnung von prosozialem und egoistischem Verhalten grosse kulturelle Unterschiede zeigen.


Literatur:

Alexander Soutschek, Christopher J. Burke, Anjali Raja Beharelle, Robert Schreiber, Susanna C. Weber, Iliana I. Karipidis, Jolien ten Velden, Bernd Weber, Helene Haker, Tobias Kalenscher and Philippe N. Tobler. The dopaminergic reward system underpins gender differences in social preferences. Nature Human Behaviour. DOI: 10.1038/s41562-017-0226-y


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Alexander Soutschek

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