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Professor Dr. Andrea Bäßler: Übelkeit, Erbrechen, Schweissausbruch, Schmerzen im Oberbauch und Rücken, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit, aussergewöhnliche Müdigkeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Frauenherzen verdienen besondere Aufmerksamkeit

Weltweit sterben nahezu doppelt so viele Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie an allen Krebserkrankungen zusammen. 

In Europa sogar mehr Frauen als Männer. 

Dies veranlasste das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) zum Weltfrauentag am 8. März zu einem fokussierten Blick auf die Besonderheiten des weiblichen Herz-Kreislauf-Systems und die aktuellen Entwicklungen in der Kardiologie. Professor Dr. Andrea Bäßler, Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, informierte über Symptome und Risikofaktoren von Herzerkrankungen bei Frauen. 

Ein Herzinfarkt äußert sich bei Frauen häufig mit nicht klassischen Symptomen. Dazu zählen Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch, Schmerzen im Oberbauch und Rücken, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit und außergewöhnliche Müdigkeit. Ein Herzinfarkt äußert sich bei Frauen häufig mit nicht klassischen Symptomen. 

Dazu zählen Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch, Schmerzen im Oberbauch und Rücken, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit und außergewöhnliche Müdigkeit. Vincent Schmucker © UKR

  • Inmitten des hektischen Arbeitsalltags bemerkte Marie plötzlich eine ungewöhnliche Erschöpfung.

Ihr Arbeitspensum, das sie normalerweise locker bewältigte, fühlte sich plötzlich unüberwindbar an. 

Selbst ein kurzer Spaziergang besserte die Symptome nicht, sondern erschöpfte sie mehr als sonst. 

Als sie zu Hause beim Abendessen von starken Schweißausbrüchen überrollt wurde und Übelkeit sie überkam, beschloss Marie ärztliche Hilfe aufzusuchen. 

Im Krankenhaus wurde bei ihr nach Schilderung der Symptomatik der Verdacht auf einen Herzinfarkt gestellt und die weitere Diagnostik veranlasst.

  • Biologisch ausgestattet mit zwei X-Chromosomen sowie spezifischer Anatomie, Physiologie und Hormonregulation funktionieren weibliche Körper anders als männliche. 
  • Frauen mit Herzinfarkt präsentieren sich häufig nicht mit den klassischen Symptomen wie starken Brustschmerzen ausstrahlend in den linken Arm. 
  • Diese können auftreten, häufig jedoch in abgeschwächter Form und begleitet von vegetativen Veränderungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbruch. 
  • Auch Schmerzen im Oberbauch und Rücken, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit und außergewöhnliche Müdigkeit stehen bei Frauen häufig im Vordergrund.


Diese geschlechterspezifischen Besonderheiten in der Medizin werden von der Gendermedizin erforscht und zunehmend in der klinischen Praxis zur Anwendung gebracht – eine Entwicklung, die derzeit in der Kardiologie, aber auch in vielen anderen Bereichen der Medizin, hoch aktuell ist. Professor Dr. Andrea Bäßler, Leiterin der kardiologischen Ambulanz und Expertin auf dem Gebiet der Gendermedizin am UKR, erklärt die Notwendigkeit einer geschlechterspezifischen Herangehensweise in der Kardiologie: 

„In Europa verzeichnen wir eine höhere Sterblichkeitsrate bei Frauen in Bezug auf Herzerkrankungen im Vergleich zu Männern. Die Gendermedizin in der Kardiologie setzt genau hier an. Es ist essenziell zu verstehen, dass Frauen und Männer nicht gleich sind. Ihre Unterschiede betreffen dabei nicht nur die Hormone, sondern auch anatomische Gegebenheiten und sozioökonomische Faktoren. Daher ist eine individuelle Gesundheitsversorgung für Frauen von entscheidender Bedeutung.“

Frauenspezifische Risikofaktoren

Je nach Geschlecht zeigen Risikofaktoren für Herzerkrankungen unterschiedliche Auswirkungen. Bei Frauen stellen Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes noch bedeutendere Gefahren für das Herz dar. „Während Männer mit einer solchen Erkrankung eine Risikosteigerung um den Faktor 2-3 aufweisen, beträgt dieser bei Frauen 3-5,“ erläutert Professor Bäßler. 

Professor Dr. Andrea Bäßler, Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, informiert über Symptome und Risikofaktoren von Herzerkrankungen bei Frauen.

Professor Dr. Andrea Bäßler, Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, informiert über Symptome und Risikofaktoren von Herzerkrankungen bei Frauen. Vincent Schmucker © UKR

Zusätzlich zu den allgemeinen Risikofaktoren sind Frauen von geschlechterspezifischen Gefahren für das Herz betroffen.  

  • Beispielsweise besteht im Zeitraum um die Geburt eines Kindes das Risiko einer schwangerschaftsbedingten Herzschwäche. 

Diese wird mutmaßlich durch das Stillhormon Prolaktin ausgelöst, dessen Abbauprodukt bei gewisser Prädisposition das Herz beeinträchtigen kann. 

  • Diese Erkrankung, wenngleich selten, stellt eine lebensbedrohliche Situation dar und kann innerhalb weniger Wochen zu Herzversagen führen. 

Eine weitere Gefahr für das Frauenherz findet ihre Ursache in Schwangerschaftskomplikationen wie Diabetes oder einer Gestose. Diese erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen im späteren Leben auch nach der Schwangerschaft um das Doppelte. Ebenso ist nach Eintritt in die Menopause besondere Achtsamkeit geboten. In diesem Zusammenhang ist der Rückgang des Östrogenspiegels verantwortlich für eine Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da er mit einem Anstieg der Cholesterinwerte, des Blutdrucks und einer Zunahme des Körpergewichts einhergeht.

Tako-Tsubo-Syndrom: Wenn das Herz einer japanischen Tintenfischfalle gleicht

Keine Herzerkrankung unterscheidet derart markant zwischen Mann und Frau wie das Tako-Tsubo-Syndrom. 

  • Benannt nach dem japanischen Wort für „Tintenfischfalle“ tritt diese Herzstörung in 90 Prozent der Fälle bei postmenopausalen Frauen auf. 
  • Sowohl Symptome als auch Untersuchungsbefunde wie Laborwerte, EKG und Herzultraschall ähneln jenen eines Herzinfarkts, jedoch bei unauffälligen Herzkranzgefäßen. 

Bei dieser akuten Erkrankung ist die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigt. 

Die Herzspitze sowie die angrenzenden Wandabschnitte kontrahieren kaum mehr, wodurch das Herz eine ballonartige Form annimmt, die an eine japanische Tintenfischfalle erinnert. 

In den meisten Fällen sind die Auslöser psychische oder physische Stressfaktoren, wie sie beispielsweise bei starken emotionalen Belastungen auftreten, etwa dem plötzlichen Tod eines Angehörigen oder des geliebten Haustiers. 

Aus diesem Grund wird diese Herzerkrankung auch als Broken-Heart-Syndrom bezeichnet. Frauenherzen reagieren im Allgemeinen sensibler auf psychischen Stress im Vergleich zu Männerherzen. Bei schweren emotionalen Belastungen erhöht sich das Risiko für Herzerkrankungen sogar drastisch.

Vorbeugen, auf Symptome achten und schnell handeln

Das Hauptproblem besteht nach wie vor darin, dass zu viel Zeit vergeht bis Frauen bei einem akuten Herzproblem beim Arzt vorstellig werden. „Frauen neigen dazu ihre Beschwerden zu verharmlosen, da sie sich oft zu viele Sorgen darüber machen, ihre Symptome falsch einzuschätzen. Dabei zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute, denn Zeit ist Muskel. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Herzmuskulatur kann Schaden nehmen und die Prognose der Frau verschlechtern,“ erklärt Professor Bäßler. Nicht nur, dass Frauen viel früher beim Arzt vorstellig werden sollten, auch eine hinreichende Kenntnis der frauenspezifischen Symptome ist wichtig.

Angesichts des sprunghaften Anstiegs des Herzrisikos mit der Menopause empfiehlt Professor Bäßler präventiv eine kardiologische Untersuchung spätestens ab dem 50. Lebensjahr: „Es gilt, potenzielle Herzprobleme früh zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“

Ungeachtet der Betonung der Menopause rät sie auch jüngeren Frauen dringend, sich um ihre Herzgesundheit zu kümmern. 

In den letzten Jahrzehnten wurde eine Zunahme von Herzproblemen bei Frauen unter 55 Jahren verzeichnet. 

Vor allem Übergewicht, Diabetes, Rauchen und Alkoholkonsum spielen hierbei eine große Rolle und sollten aktiv bekämpft werden, um das Herz bestmöglich zu schützen:space

Frauenherzen verdienen besondere Aufmerksamkeit

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Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt: Der Cholesterinstoffwechsel in Zusammenhang mit dem Knochenmark: Blutzellen und Blutkreislauf

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie beeinflussen Darmbakterien Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ein Verbundprojekt unter der Federführung der Universitätsmedizin Mainz erforscht, wie Darmbakterien die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflussen können. 

Im Fokus stehen dabei Entzündungsreaktionen in der Leber und Blutbildungsprozesse im Knochenmark. 

Ziel der Forschenden ist es, diese zugrundeliegenden Mechanismen aufzuklären, um neue Ansätze zur Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln zu können. 

Die vom BMBF geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) unterstützen die Studie im Rahmen ihres Innovation Funds „Mikrobiom“ mit rund 640.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren. 

Das von den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung geförderte Verbundprojekt der Uni-versitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle von Darmbakterien bei Gefäßentzündungen und der Blutbildung. Das von den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung geförderte Verbundprojekt der Uni-versitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle von Darmbakterien bei Gefäßentzündungen und der Blutbildung. UM / via canva.com

Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Mainz untersucht die Rolle des Mikrobioms bei Gefäßentzündungen und Blutbildung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Sie verursachen hierzulande etwa 40 Prozent aller Sterbefälle. Neben der hohen Sterberate können Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.  

  • Gefäßentzündungen können zu kardiovaskulären Erkrankungen, wie Atherosklerose (Arterienverkalkung) und Atherothrombose (entzündlich bedingte Blutgerinnsel im arteriellen Gefäßsystem) führen. 
  • Der Cholesterinstoffwechsel und die im Knochenmark gebildeten Blutzellen, die in den Blutkreislauf einwandern, beeinflussen die Ausprägung von Gefäßentzündungen. 
  • Dabei handelt es sich um Prozesse, die von den Mikroorganismen im Darm, dem Darmmikrobiom, moduliert werden.

„Wie die Zusammenhänge sich genau gestalten und wie die Mechanismen dahinter funktionieren, ist bisher wenig erforscht. 

Unser Forschungsprojekt soll diese zellulären Hintergründe aufklären“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt, Arbeitsgruppenleiter am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz und Fellow am Gutenberg Forschungskolleg der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Bekannt ist, dass die Ernährung einen Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit hat. Aktuelle Studien zeigen, dass Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren, ein niedrigeres Risiko haben, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.

„Das zunehmende Problem in westlichen Ländern ist: 

Es werden zu wenig Ballaststoffe und zu viel zucker- und fetthaltiges Essen konsumiert. 

Dadurch kann es zum sogenannten metabolischen Syndrom kommen, also zum gemeinsamen Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen. 

Dies sind alles Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen“, betont Professor Reinhardt.

  • Ballaststoffe, insbesondere aus Gemüse und Vollkornprodukten, werden durch bestimmte Bakterien des Darmmikrobioms zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt. 

Eines dieser Stoffwechselprodukte, die sogenannte Propionsäure, reduziert die Konzentration von Fetten im Blut wie beispielsweise Cholesterin. 

„Hohe Blutfettwerte sind einer der Haupttreiber für Gefäßentzündungen. 

Die Propionsäure könnte daher eine vielversprechende Substanz für neue Therapieansätze bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen“, so Professor Reinhardt.

Im Fokus der Forschenden steht die Leber als stoffwechselaktives Organ. 

  Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das Knochenmark, das als blutbildendes System ebenfalls eine maßgebliche Rolle bei der Herz-Kreislauf-Gesundheit spielt.

„Das Darmmikrobiom beeinflusst nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Bildung von Blutzellen im Knochenmark, die sogenannte Hämatopoese und hier vor allem die Myelopoese, also die Bildung von myeloischen Zellen, die normalerweise zum Beispiel Bakterien bekämpfen. 

Im Rahmen unseres Verbundprojekts werden wir untersuchen, wie das Mikrobiom die Gefäße im Knochenmark beeinflusst, wie es die Myelopoese reguliert und auch wie die neu gebildeten Blutplättchen in den Blutkreislauf gelangen – alles wichtige Aspekte für die kardiovaskuläre Gesundheit“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Daniela Krause, Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz.

Um unter der Vielzahl von Darmbakterien einzelne Bakterienarten im Detail erforschen zu können, wenden die Forschenden eine besondere Untersuchungsmethode an, die sogenannte Gnotobiotik. Damit können sie unter keimfreien Bedingungen im Tiermodell einzelne Bakterien-interaktionen und ihren Einfluss auf die Leber und das Knochenmark spezifisch untersuchen.

Für das DZG-Verbundprojekt hat sich ein interdisziplinäres Team aus Forschenden des Centrums für Thrombose und Hämostase, des Zentrums für Kardiologie – Kardiologie I und des Instituts für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz zusammengeschlossen. Das Forschungskonsortium wird ergänzt durch Wissenschaftler:innen der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Triantafyllos Chavakis) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin (PD Dr. Arash Haghikia). Die Forschenden des Verbundprojekts gehören zudem verschiedenen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung an: dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) sowie dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK).

Der DZG Innovation Fund (DZGIF) ist ein gemeinsames Forschungsförderprogramm der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Er unterstützt krankheitsübergreifende Forschungsideen, die das Wissen zur Prävention und Behandlung von Volkskrankheiten voranbringen können. Ziel des DZGIF ist es, die Forschenden zu vernetzen, die gemeinsame Forschung zu erleichtern und so zwischen den DZG interdisziplinäre Synergien zu schaffen. Für die zweite Ausschreibung des Förderprogramms zum Thema „Mikrobiom“ wurden insgesamt acht Anträge eingereicht. Das Mainzer Verbundprojekt „The gut microbiome as a functional modifier of myelopoiesis and inflammatory vascular endothelial phenotypes in cardiometabolic disease“ zählt zu den zwei Projekten, die aufgrund der herausragenden Bewertung für die Förderung ausgewählt wurden.

Mehr Informationen: https://deutschezentren.de/dzg-innovation-fund/

Wie beeinflussen Darmbakterien Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

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Univ.-Prof. Dr. Christoph Reinhardt, Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH), Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17-8280,
E-Mail Christoph.Reinhardt@unimedizin-mainz.de

Univ.-Prof. Dr. Daniela Krause, Institut für Transfusionsmedizin – Transfusionszentrale, Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17-3210,
E-Mail Daniela.Krause@unimedizin-mainz.de

Dr. Natkritta Hüppe, Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7771, E-Mail pr@unimedizin-mainz.de

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Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich mehr als 345.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Mehr als 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 670 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 8.700 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter https://www.unimedizin-mainz.de




Prof. Dr. Franz Rinninger: Hinweis von Vorhofflimmern, Amiodaron (hohes Jodgehalt) bei funktionellen Störungen der Schildrüse beachten...

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kranke Schilddrüse schädigt auch unser Herz

Die Schilddrüse beeinflusst mit ihren Botenstoffen nahezu jede Zelle unseres Körpers. 

Eine Fehlfunktion wirkt sich daher auch auf Herz und Kreislauf aus. 

Doch auch Herzmedikamente können ungünstige Wirkung auf die Schilddrüse haben

Die Schilddrüse ist ein kleines, aber äußerst wirkmächtiges Organ: 

Sie produziert Substanzen, die den kompletten Organismus beeinflussen – die Schilddrüsenhormone. Praktisch alle Zellen des Körpers stehen unter der Regie dieser chemischen Botenstoffe. 

Besonders ausgeprägt sind die Effekte der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) auf Herz und Kreislauf, deren zentrale Steuerung durch das Gehirn erfolgt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzfachLink: Labor Schildrüse - Diagnostische Pfade 

Beide Hormone sind unerlässlich für den Stoffwechsel des Körpers und wahre Multiplayer. 

Schilddrüsenhormone
- regulieren den Energieverbrauch,
- sind wichtig für das Aufrechterhalten der Körpertemperatur,
- regulieren Blutdruck und Cholesterinspiegel,
- bestimmen die Funktionen des Gehirns und der Muskeln,
- spielen entscheidend mit bei Wachstum und Entwicklung und noch vieles mehr.

„Das Herz ist ein wesentliches Zielorgan der Schilddrüsenhormone“, betont der Hamburger Kardiologe Prof. Dr. Thomas Meinertz, 

 „Die Botenstoffe der Schilddrüse regulieren die Kraft des Herzens, die Herzschlagfolge, also die Herzfrequenz, und das zirkulierende Blutvolumen. 

Eine Funktionsstörung der Schilddrüse wirkt sich deshalb immer auch auf Herz und Kreislauf aus.

“ Bei einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems müsse daher stets an die Schilddrüse gedacht werden, betont Meinertz.

 „Trotzdem wird die Diagnose oft erst mit Verspätung und als Zufallsbefund gestellt.“

Klein, aber wirkmächtig

Kaum daumengroß und nur 20 bis 30 Gramm schwer liegt die Schilddrüse wie ein Schild unterhalb des Kehlkopfs. Ihre beiden mit einer Gewebebrücke verbundenen Seitenlappen umspannen die Luftröhre in der Form eines Schmetterlings. 

Daher spricht man häufig auch von der „Schmetterlingsdrüse“. 

  • In unserem Gehirn sitzt die kirschkerngroße Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die wiederum eng mit dem Hypothalamus verbunden ist, einem Areal im Zwischenhirn. 
  • Beide zusammen regeln über Steuerhormone die Funktion aller Hormondrüsen. 
  • Für die Schilddrüse zuständig ist das vom Hypothalamus gebildete Steuerhormon TRH (Thyreotropin Releasing Hormone). 

Es gelangt in die Hypophyse und veranlasst sie dazu, ein weiteres Hormon zu produzieren: 

Das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH. 

Mit dem Blut gelangt TSH in die Schilddrüse und beauftragt deren Zellen, die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) zu bilden. 

Herzmuskelzellen sind hauptsächlich auf T3 angewiesen.

Schilddrüsenüberfunktion macht sich mit Herz-Kreislauf-Beschwerden bemerkbar
„Dass eine überaktive Schilddrüse mit Herz-Kreislauf-Beschwerden einhergehen kann, sollten sowohl Patienten als auch ihr behandelnder Arzt mitbedenken, wenn entsprechende Symptome auftreten“, betont der Internist Prof. Dr. Franz Rinninger, Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf (UKE). 

Eine solche Überfunktion der Schilddrüse, in der Medizin Hyperthyreose genannt, kommt bei einer unter 100 Personen vor. Die Schilddrüse schüttet dabei zu viele Hormone aus und kurbelt Herz und Kreislauf an, beide arbeiten unnötigerweise auf Hochtouren. 

  • „Die Folge sind dann Herzrasen oder Herzstolpern, Zittern, Nervosität und Unruhe sowie ein erhöhter Blutdruck“, berichtet Rinninger.

Nicht oder nur unzureichend behandelt, könne eine Schilddrüsenüberfunktion zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise zu Vorhofflimmern, führen oder gar lebensbedrohlich verlaufen, so der Internist. 

Bei der Hyperthyreose unterscheidet man zwei Verlaufsformen: 

Die latente Form, die keine Beschwerden verursacht, und die manifeste mit deutlichen Beschwerden.  

  • Die latente Form wird häufig übersehen, nicht selten ist Vorhofflimmern das einzige darauf hindeutende Zeichen. 

Eine manifeste Überfunktion zeigt in der Blutanalyse erhöhte T3- und T4-Werte. 

„Die manifeste Überfunktion ist behandlungsbedürftig und es werden Thyreostatika gegeben, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen“, erklärt Rinninger

Funktionsstörung der Schilddrüse durch Herzmedikamente

  • Bei Patienten mit Herzerkrankungen ist wiederum das Medikament Amiodaron nicht selten der Grund für eine Funktionsstörung der Schilddrüse. 
  • Amiodaron ist der am häufigsten eingesetzte und effektivste Arzneistoff, um Herzrhythmusstörungen zu behandeln, die mit einer schnellen Herzschlagfolge einhergehen (tachykarde Herzrhythmusstörung). 
  • Bei 20 bis 25 Prozent der länger mit Amiodaron behandelten Patienten kann das Medikament jedoch aufgrund seines hohen Jodgehalts funktionelle Störungen der Schilddrüse auslösen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzfachLink: Medikamentenspiegel Amiodaron Erhebung 

Es kann, abhängig von der geografischen Lage (Jodversorgung), zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder einer Überfunktion (Hyperthyreose) kommen. 

Allerdings sind bei einer von Amiodaron ausgelösten Hyperthyreose die typischen Zeichen einer Überfunktion oft abgeschwächt oder gar nicht vorhanden. 

Blutuntersuchungen zeigen dann allerdings einen erniedrigten Wert des Steuerhormons TSH und deutlich erhöhte Werte des Schilddrüsenhormons T3, oft fünffach über den oberen Grenzwert hinaus. 

  •  „Schilddrüsennebenwirkungen sind unter einer Therapie mit dem Herzrhythmusmedikament Amiodaron so häufig, dass eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion vor und während der Amiodaron-Therapie zwingend erforderlich ist“, mahnt Prof. Rinninger.

Am meisten gefürchtete Nebenwirkung: Stoffwechsel-Entgleisung

  • Die gefürchtetste Nebenwirkung ist, wenn sie unentdeckt und unbehandelt bleibt, die „Amiodaron-induzierte Thyreotoxikose“ (AIT), ein durch die Funktionsstörung der Schilddrüse verursachtes Entgleisen des Stoffwechsels. 
  • Sie beruht auf zwei unterschiedlichen Mechanismen; hinsichtlich der Behandlung muss deshalb zwischen einer AIT vom Typ 1 und einer AIT vom Typ 2 unterschieden werden. 
  • Die AIT Typ 1 geht einher mit einer vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen, die Beschwerden treten meist früh auf. 

Die Betroffenen leiden zudem meist bereits vor Beginn der Amiodaron-Einnahme an einer Schilddrüsenerkrankung, etwa an einem Morbus Basedow oder an einer Schilddrüsenautonomie

„Bei derart vorbelasteten Patienten kann der hohe Jodgehalt des Medikaments die Überfunktion der Schilddrüse provozieren. 

Bei Personen hingegen, bei denen keine Vorerkrankung der Schilddrüse besteht, verändern sich die Schilddrüsenwerte unter einer Behandlung mit Amiodaron in der Regel nur geringgradig; die Funktion der Schilddrüse bleibt letztlich normal“, erklärt Herzspezialist Prof. Meinertz. 

Bei einer AIT Typ 1 sei es erforderlich, Amiodaron abzusetzen. 

Zusätzlich erfolge eine medikamentöse Therapie mit Thyreostatika.

  • Die AIT vom Typ 2 tritt spät, meist Monate nach Beginn der Amiodaron-Therapie auf. 
  • Das Medikament schädigt die Zellen der Schilddrüse unmittelbar, es kommt zu einer zerstörerischen Entzündungsreaktion (destruktive Thyreoiditis). 

Infolgedessen werden Schilddrüsenhormone unkontrolliert freigesetzt. 

Eine AIT vom Typ 2 wird mit Glukokortikoiden, entzündungshemmenden Medikamenten, behandelt. 

Nicht selten muss bei unzureichendem Therapierfolg dann die Schilddrüse operativ entfernt werden (Thyreoidektomie). 

Danach kann jedoch die Behandlung mit dem Rhythmusmedikament Amiodaron fortgeführt werden.

Service
Mehr Informationen zu diesem Thema bietet der Experten-Beitrag „Das getriebene Herz“ von Prof. Thomas Meinertz und Prof. Franz Rinninger in der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute 4/2023 mit dem Titel „Das mitleidende Herz“. Ein Exemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter bestellung@herzstiftung.de angefordert werden. 

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Deutsche Herzstiftung
Michael Wichert
Pierre König

Bockenheimer Landstr. 94-96
60323 Frankfurt
Deutschland
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Telefon: 069 / 955128-140
Fax: 069 / 955128-313
E-Mail-Adresse: koenig@herzstiftung.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte

https://herzstiftung.de/schilddruese-und-herz - Infos zu Schilddrüse und Herz


https://herzstiftung.de/vorhofflimmern-ursachen - Infos zu Vorhofflimmern


Professor Dr. Jens Kroll: Ein Zuviel essenziellen Fettsäure......, Diabetiker und die Oxidationprodukte der Omega-6-Fettsäuren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Omega-6-Fettsäuren und Herz-Kreislauferkrankungen

Neue Ursache von Nebenwirkungen entdeckt 

  • Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Wird tt-DDE nicht durch das Enzym ALDH9a1b abgebaut, erhöht sich seine Konzentration im Körper. 
  • Dies hemmt die Insulinwirkung und die Aufnahme von Glukose in die Zellen und kann zu einem erhöhten Blutzucker und zur Diabetischen Retinopathie führen. Jens Kroll

Welche Rolle spielen Omega-6-Fettsäuren bei Herz-Kreislauferkrankungen und beim Diabetes?  

Mannheimer Wissenschaftler haben zusammen mit Forschenden aus Heidelberg, Frankfurt und Hangzhou in China den Abbau von Omega-6-Fettsäuren untersucht und dabei neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie deren Oxidationsprodukte den Stoffwechsel beeinflussen. 

Unter der Leitung von Professor Dr. Jens Kroll vom European Center for Angioscience (ECAS) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg kamen die Forschenden einem Abbauprodukt von Omega-6-Fettsäuren auf die Spur und entwickelten im Zebrafisch ein Modell, in dem sie die unerwünschten Effekte dieses Oxidationsprodukts mit der Bezeichnung tt-DDE (für trans,trans-2,4-Decadienal) untersuchen können.

Landläufig denkt man, Omega-Fettsäuren seien gesund, doch dieser gute Glauben wackelt.  

  • Epidemiologische Studien und ein so genannter Rote-Hand-Brief, in dem acht pharmazeutische Unternehmen über Risiken im Zusammenhang mit Omega-3-Fettsäuren informieren (Quelle: BfArM, 16.11.2023), weisen darauf hin, dass das Thema komplexer ist, als gedacht.
  • Omega-6-Fettsäuren gehören wie Omega-3-Fettsäuren zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. 
  • Und wie diese, haben sie verschiedene Funktionen im Körper und müssen dem Organismus über die Nahrung zugeführt werden. 

Welche Rolle Omega-6-Fettsäuren in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen spielen, ist widersprüchlich. 

  • Einerseits senken Omega-6-Fettsäuren vermutlich das Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken, indem sie den Fettspiegel und den Blutdruck positiv beeinflussen. 
  • Ein Zuviel dieser essenziellen Fettsäuren steht jedoch im Verdacht, über ihre entzündungsfördernde Wirkung frühe Stadien der Gefäßverkalkung zu induzieren und damit wiederum Herz-Kreislauferkrankungen zu begünstigen.


Die Arbeitsgruppe von Professor Kroll an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg nahm sich zusammen mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) sowie der Universität Frankfurt und der Zhejiang Universität Hangzhou, China, der Thematik von einer neuen Seite her an, indem sie das Oxidationsprodukt tt-DDE untersuchten, das auch in Dämpfen von Speiseöl reichlich vorhanden ist. 

Um zu verstehen, was erhöhte tt-DDE Spiegel bewirken können, mussten sie zunächst herausfinden, welches Enzym das tt-DDE abbaut. 

Sie entdeckten, dass die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b diese Aufgabe übernimmt: Schaltet man dieses Enzym aus, so steigen die tt-DDE Spiegel.

Mit diesen Informationen gelang es den Wissenschaftlern, im Zebrafisch ein Modell zu entwickeln, mit dem sich die Auswirkungen hoher tt-DDE Spiegel erforschen lassen. 

Sie stellten fest, dass mit einem erhöhten tt-DDE Spiegel eine Störung des Zuckerstoffwechsels einhergeht – vergleichbar mit einem milden Diabetes – sowie eine Störung der Funktion und Bildung von Blutgefäßen, wie sie ebenfalls für Diabetes typisch ist.

Auch dem Mechanismus kamen die Forscher auf die Spur: 

Sie konnten nachweisen, dass tt-DDE die Funktion des Insulinrezeptors hemmt, indem es an ihn bindet. 

  • Die blutzuckersenkende Wirkung des Insulin, das im gesunden Organismus unter anderem den Glukosetransport aus dem Blut in die Zelle aktiviert, kann sich damit nicht entfalten und ist vermutlich verantwortlich für die beobachtete Überzuckerung im Blut.


Professor Kroll sagt dazu: 

„Wir haben bei der Untersuchung eines Abbauprodukts von Omega-6-Fettsäuren eine neue Funktion der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1b entdeckt. 

Da das Enzym den Spiegel an tt-DDE reguliert, ist es auch ein wichtiger Regulator des Glukosemetabolismus und könnte ein wichtiger Bestandteil bei der Entstehung der Diabeteserkrankung sein. 

  • Wir wollen nun zunächst erforschen, ob es eine Subgruppe von Diabetikern gibt, die aufgrund eines zu hohen tt-DDE-Spiegels Folgeschäden entwickeln – entweder, weil der tt-DDE Abbau zu gering oder die tt-DDE Anflutung durch Oxidation von Omega-6-Fettsäuren zu hoch ist.“

Daran schließt sich eine wichtige Frage an, der die Wissenschaftler ebenfalls nachgehen wollen: 

Gibt es Menschen mit einem milden Diabetes, der durch eine Störung der Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 Funktion verursacht wird – und könnte die Aldehyd-Dehydrogenase 9a1 der Schlüssel zu einer neuen Therapie sein?

Der Arbeitsgruppe von Professor Kroll ist mit dieser Arbeit ein wichtiger Meilenstein im Verständnis, wie Oxidationsprodukte der Omega-6-Fettsäuren den Stoffwechsel beeinflussen, gelungen, der möglicherweise auch etwas Licht in die doch etwas komplexeren Wirkungen von Omega-Fettsäuren bringen wird. 

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Prof. Dr. Jens Kroll
Head Metabolism and Microvascular Dysfunction group
European Center for Angioscience (ECAS)
Dept. of Vascular Biology & Tumor Angiogenesis
Medical Faculty Mannheim
Heidelberg University
Ludolf-Krehl-Str. 13-17
68167 Mannheim
Germany
Email: jens.kroll@medma.uni-heidelberg.de

Dr. Eva Maria Wellnitz Universitätsmedizin Mannheim

http://www.umm.de

Theodor-Kutzer-Ufer 1-3

68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Dr. Eva Maria Wellnitz

Telefon: 0621 / 383-71115
Fax: 0621 / 383-71103
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Originalpublikation:

Xin Qian, Stephan Klatt, Katrin Bennewitz, David Philipp Wohlfart, Bowen Lou, Ye Meng, Michael Buettner, Gernot Poschet, Jakob Morgenstern, Thomas Fleming, Carsten Sticht, Ingrid Hausser, Ingrid Fleming, Julia Szendroedi, Peter Paul Nawroth, Jens Kroll.
Impaired Detoxification of Trans, Trans-2,4-Decadienal, an Oxidation Product from Omega-6 Fatty Acids, Alters Insulin Signaling, Gluconeogenesis and Promotes Microvascular Disease.
Adv. Sci. 2023, 2302325
https://doi.org/10.1002/advs.202302325


Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner: Post-Reanimationsambulanz: Rettungskette - Überlebenskette: Herz-Kreislauf-Stillstand und der plötzliche Herztod

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr Menschen vor Herz-Kreislauf-Stillstand schützen: Interdisziplinäre Expertengruppe veröffentlicht Thesen

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 113.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand, ein Drittel von ihnen ist im erwerbstätigen Alter. 

In rund 60.000 Fällen wird mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. 

33 Prozent von diesen Patientinnen und Patienten erreichen lebend das Krankenhaus, elf Prozent verlassen es schließlich lebend – nur 5000 davon ohne neurologische Folgen. 

Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 

In Sachen Reanimation ist in Deutschland noch viel zu tun. 

Ein Expertengremium unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) hat sich diesem Thema angenommen - und 10 Thesen zur Verbesserung erarbeitet. 

Einiges konnte in den vergangenen zehn Jahren schon erreicht werden: Die Quote der Laienreanimation ist deutlich gestiegen, ebenso die Quote der telefonischen Anleitung zur Reanimation. Doch es gibt noch viele Herausforderungen. Einiges konnte in den vergangenen zehn Jahren schon erreicht werden: Die Quote der Laienreanimation ist deutlich gestiegen, ebenso die Quote der telefonischen Anleitung zur Reanimation. Doch es gibt noch viele Herausforderungen. Dr. Christian Hermanns/DGAI DGAI e.V.

Die interdisziplinäre Expertengruppe unter Federführung der DGAI sowie des Deutschen Reanimationsregisters und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. hat das Thema erstmals vor zehn Jahren ganzheitlich betrachtet: 

Im Rahmen der sogenannten Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche erstellten sie zehn Thesen, die für eine höhere Quote geretteter Menschen nach Herz-Kreislauf-Stillstand sorgen sollten. Nun haben die Experten Bilanz gezogen und ihre Thesen weiterentwickelt – mit eindeutigen Forderungen an die politischen Entscheidungsträger, aber auch an jede und jeden Einzelnen.

Zunächst erweiterten sie dabei die Begrifflichkeiten: 

Statt von der allseits bekannten „Rettungskette“ ist nun von der „Überlebenskette“ die Rede. Diese beginnt nicht erst mit der Notfallsituation, sondern nimmt die Prävention eines außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstandes mit auf – und sucht damit den Schulterschluss mit den Hausärztinnen und -ärzten. Mit ihnen beginnt und schließt die Überlebenskette. Zum einen, weil sie die ersten Ansprechpartner der Patienten sind und durch Prävention und Identifikation von Risiken möglicherweise einen plötzlichen Herzstillstand verhindern können. Zum anderen betreuen sie die Patientinnen und Patienten nach einem überlebten Herz-Kreislauf-Stillstand weiter und haben somit eine entscheidende Rolle, das Risiko eines weiteren zu verhindern.

Lebensrettung nicht als unangenehme Pflicht wahrnehmen

Der Begriff „Überlebenskette“ schließt nach Meinung der Experten aber auch jede und jeden Einzelnen mit ein. „Lebensrettung darf nicht als unangenehme Pflicht wahrgenommen werden, sondern muss mit Stolz erfüllt und als Teil der persönlichen Handlungsfähigkeiten erlebt werden“, schreiben die Autoren in der anästhesiologischen Fachzeitschrift A&I, in der die zehn Thesen nun veröffentlicht wurden.

Die Politik – auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene – müsse die Infrastrukturen dafür schaffen, dass die Fähigkeiten zum Leben retten bereits in der Schule vermittelt werden und in allen Lebensphasen und -bereichen auch im Erwachsenenalter unterstützt und aufrechterhalten werden. Nicht nur deswegen fordern die Experten, dass das Thema in einem nationalen Gesundheitsziel festgeschrieben wird. Als Titel dafür schlagen sie vor: „Herz-Kreislauf-Stillstand: Prävention, strukturierte Behandlung, mehr und besseres Überleben sichern“.

  • Der Herz-Kreislauf-Stillstand, der auch als plötzlicher Herztod bezeichnet wird, sei in der Regel nicht „plötzlich“ und damit kein schicksalhaftes Ereignis. 
  • Er kündige sich oftmals durch bestimmte Symptome an und sei vermeidbar, vor allem, wenn er junge, scheinbar gesunde Personen betrifft. 
  • Daher sind beim Update der zehn Thesen bewusst die Früherkennungs- und Präventionsoptionen auch für den außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand mit aufgenommen worden.

Ebenso wie genetische Prädiktoren. 

„Die postmortale Aufarbeitung eines plötzlichen Herztodes, aber auch die klinische Aufarbeitung eines überlebten Herz-Kreislauf-Stillstands und die Identifikation einer möglichen ursächlichen genetischen Erkrankung ist daher von zentraler Bedeutung“, schreiben die Autoren und kritisieren: „Gegenwärtig finden die erforderlichen Untersuchungen nach plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand und erfolgloser Reanimation nur fragmentiert statt, da kein systematischer Prozess für die regelhafte Durchführung in Deutschland etabliert ist.“

Ziel ist, den Überlebenden eine gute Lebensqualität zu ermöglichen


Eine neue These im Rahmen der Überarbeitung nimmt die Patientenperspektive ein – und beschreibt das eigentliche Ziel der Bemühungen aller: mehr Überlebende in einem guten neurologischen Zustand mit einer – aus Patientensicht definierten – guten Lebensqualität zu erhalten. 

Die Rahmenbedingungen für den Genesungsprozess zählten für die Fachleute daher ebenso zur „Überlebenskette“: Die oft nicht unmittelbar „sichtbaren“ Beeinträchtigungen müssten künftig konsequenter, frühzeitiger und strukturierter im Rahmen von Screeningverfahren erhoben und im Sinne eines patientenzentrierten und ganzheitlichen Versorgungskonzeptes behandelt werden können. Die Reanimations-Experten sehen dabei die Schaffung von „Post-Reanimationsambulanzen“ als den besten Weg dafür.

Sie fordern ebenso, dass die bislang getrennten Welten der Reanimationsversorgung – etwa die Leitstelle am Beginn der Überlebenskette und die Kliniken an deren Ende – zu einer Handlungseinheit zusammenwachsen müssten. 

Interaktion müsse gefördert, eine offene Kommunikation gewährleistet und Feedbackmechanismen strukturiert werden. All das ist strukturell in Deutschland bislang nicht implementiert. Ebenso wenig wie regelmäßige (Team)-Trainings aller beteiligten Profis und eine einheitliche (Personal)-Struktur aller Leitstellen sowie deren systematische Befähigung zur Reanimationsanleitung von Laien per Telefon.

Eine der durch die Formulierung der zehn Thesen 2014 inzwischen implementierten Errungenschaften ist die Schaffung von speziellen Cardiac Arrest Centern in Kliniken, die eine spezialisierte Krankenhausbehandlung während und nach der Wiederbelebung gewährleisten. In ihrem Thesen-Update betonen die Experten nochmals deren Bedeutung. Die Behandlung in einem Cardiac Arrest Center ist durch die fachliche Kompetenz, die apparative Ausstattung und die enge interdisziplinäre Kooperation mit einer besseren Überlebensrate sowie einem besseren neurologischen Behandlungsergebnis verbunden, konstatieren sie.

Politik auf allen Ebenen in der Pflicht

In zwei weiteren Thesen fordern die Experten ein deutlich größeres Engagement der Politik, die verstärkt Verantwortung für das Qualitätsmanagement im Notfallmedizinsystem übernehmen sollte. 

Es reiche nicht aus, die Durchführung an verschiedene Akteure zu delegieren und Vorgaben zu machen. 

In einer modernen, von vielen Akteuren geprägten Versorgungsstruktur sei es die Aufgabe des Auftraggebers – der Städte und Landkreise sowie der Landesministerien – die Qualität des Gesamtsystems zu überwachen. Da dies die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland betreffe, sehen die Fachleute auch das Bundesgesundheitsministerium und den Gemeinsamen Bundesausschuss in der Pflicht.

Schließlich müssten deutlich größere Anstrengungen in die Reanimationsforschung investiert werden, denn im Gegensatz zu anderen medizinischen Bereichen wie der Tumormedizin konnten hier in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Fortschritte erzielt werden. Die Experten plädieren hier – analog zur nationalen Krebsforschung – für die Etablierung eines Zentrums für Reanimationsforschung, durch das eine durch öffentliche Fördermittel finanzierte dauerhafte multidisziplinäre und multidimensionale Reanimationsforschung möglich sei. Auch das Deutsche Reanimationsregister sollte vergleichbar zum Deutschen Krebsregister öffentlich gefördert und flächendeckend etabliert werden.

Nun setzt die interdisziplinäre Expertengruppe auf die Verantwortung aller Beteiligten: 

„Die Ideen liegen vor - die Umsetzung geht uns alle an, denn auch die Überlebenskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“, schreibt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner als deren Sprecher.

Im Interview blicken zwei der am Thesen-Update beteiligten Experten auf die Meilensteine, die in den vergangenen zehn Jahren bereits erreicht werden konnten, und auf die Herausforderungen der Zukunft. Dabei halten Sie fest: Es ist meist nicht das einzelne Zahnrad, was verbessert werden muss – das reibungslose Ineinandergreifen aller Zahnräder und die Funktionstüchtigkeit jedes einzelnen Zahnrädchens führt dazu, dass das Uhrwerk noch besser läuft - und am Ende deutlich mehr Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand überleben und damit auch in ihr Leben zurückkehren können.

Originalpublikation:

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Prof. Dr. Holger Thiele: Meschanische Kreislaufunterstützung: Venoarteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung, kurz VA-ECMO oder ECLS Therapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Trotz mechanischer Herz-Kreislauf-Unterstützung hohe Sterblichkeit bei Herzversagen

Weltweit gibt es eine starke Zunahme bei der Verwendung mechanischer, aktiver Herz-Kreislauf-Unterstützung. 

Die Hoffnung ist, mit diesen Hilfsmitteln die Überlebenschance nach der schwersten Form des akuten Herzversagens, dem kardiogenen Schock, zu verbessern. 

  • Eine klinische Studie, geleitet von Herzspezialist Prof. Holger Thiele, hat gezeigt, dass die Sterblichkeit nach kardiogenem Schock innerhalb von 30 Tagen damit nicht gesenkt werden kann. 

Die Studie wurde auf der Jahrestagung der europäischen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt sowie mit einer zusätzlichen Metaanalyse zeitgleich in den renommiertesten Medizinjournalen The Lancet und dem New England Journal of Medicine publiziert. 

Bei Patient:innen mit akutem Herzinfarkt und anschließendem kardiogenen Schock wurde die VA-ECMO-Therapie plus der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation mit der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation alleine verglichen.

  • Der kardiogene Schock wird durch ein Pumpversagen des Herzens und oft durch einen Herzinfarkt ausgelöst. 
  • Das Herz schafft es dann nicht mehr, den Kreislauf aufrechtzuerhalten. 

Nach einem akuten Herzinfarkt mit kardiogenem Schock haben Betroffene innerhalb von 30 Tagen ein Risiko von fast 50 Prozent zu versterben. 

Seit über zehn Jahren werden Patient:innen oft mit einer sogenannten venoarteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung, kurz VA-ECMO oder ECLS, therapiert. 

Unter dieser mechanischen Kreislaufunterstützung versteht man den Einsatz von Systemen, die dem erkrankten Herz dabei helfen, das Blut durch den Körper zu pumpen. 

  • Eine VA-ECMO kann theoretisch die Funktion des Herzens als auch der Lunge für eine gewisse Zeit übernehmen. 

Allerdings führt diese Therapieform auch zu möglichen Komplikationen, wie Blutungen oder Beinischämien, einer plötzlichen Unterbrechung der Blutversorgung im Bein, durch die großen verwendeten Kanülen.

Herzspezialist Prof. Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig, HELIOS Stiftungsprofessor an der Universität Leipzig und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, hat nun eine große klinische Studie durchgeführt, an der insgesamt 420 Patient:innen an 44 Zentren in Deutschland und Slowenien teilgenommen haben. 

Bei Patient:innen mit akutem Herzinfarkt und anschließendem kardiogenen Schock wurde die VA-ECMO-Therapie plus der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation mit der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation alleine verglichen.

CAVE: „Die VA-ECMO senkt entgegen unserer Studienhypothese die 30-Tage-Sterblichkeit nicht. 

Im Gegensatz zur Standardtherapie war die Sterblichkeit mit 47,8 Prozent versus 49 Prozent statistisch nicht signifikant unterschiedlich. 

Die VA-ECMO Gruppe hatte sogar mehr Komplikationen wie schwere Blutungen oder Beinischämien. 

Wir müssen also umdenken und die durch die mechanischen Systeme induzierten Blutungen als auch den zusätzlichen Inflammationsreiz reduzieren. 

Vermutlich ist weniger mehr im kardiogenen Schock“, erklärt Prof. Thiele die Hauptergebnisse der Studie. 

Die Resultate konnten zusätzlich mit einer patientenbasierten Metaanalyse bestätigt werden, die die Ergebnisse aller bisherigen vier Studien zur mechanischen Herz-Kreislauf-Unterstützung mit VA-ECMO versus Kontrolltherapie verglichen hat. 

Auch hier zeigte sich kein Überlebensvorteil durch die VA-ECMO bei gleichzeitig mehr Komplikationen.

„Die Studienergebnisse zeigen, dass wir die Häufigkeit der Therapie mit VA-ECMOs in Deutschland und international reduzieren müssen. 

  • Das werden die zukünftigen Leitlinien sicherlich auch bald aufgreifen und die Therapie mit aktiven mechanischen Herz-Kreislaufunterstützungssystemen in der Empfehlung herabstufen beziehungsweise sogar generell in der Routine nicht mehr empfehlen“, sagt Prof. Thiele. 
  • Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: ARDS

Der Herzspezialist plant noch viele Folgestudien, unter anderem eine einjährige Nachbetrachtung, um gegebenenfalls Unterschiede im längeren zeitlichen Verlauf zu erkennen. 

„Auch weiterhin ist es unser Ziel, die sehr hohe Sterblichkeit im kardiogenen Schock zu senken. 

Das können wir nur durch innovative Studien zeigen“, so Prof. Thiele.

Prof. Dr. Holger Thiele ist seit 2017 Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie – HELIOS Stiftungsprofessur am Herzzentrum Leipzig. 

Neben seiner klinischen Tätigkeit am Herzzentrum Leipzig ist Professor Thiele im Rahmen der HELIOS Stiftungsprofessur mit seinem Team intensiv in die Forschung und Lehre an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig eingebunden. 

Studienleiter Prof. Dr. Holger Thiele.

Studienleiter Prof. Dr. Holger Thiele. Dominik Wolf

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Originalpublikation:

New England Journal of Medicine: Extracorporeal Life Support in Infarct-Related Cardiogenic Shock. DOI: 10.1056/NEJMoa2307227, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2307227?query=featured_home

The Lancet: Venoarterial extracorporeal membrane oxygenation in patients with infarct-related cardiogenic shock: An individual patient data meta-analysis of randomised trials. DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01607-0