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CAVE: Traumatisierte Operations - Patienten - DELIR

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neuer HAW-Newsletter beschäftigt sich mit dem Umgang mit traumatisierten OP-Patienten

Umgang mit traumatisierten OP-Patienten – ein Schwerpunkt im Masterstudiengang Pflege an der HAW Hamburg: 
  • Fünf bis 15 Prozent aller Betroffenen leiden nach einer Operation unter Narkose an einem sogenannten postoperativen, kognitiven Defizit, auch Delir genannt. 
  • Bewusstsein, Denken und Gedächtnis können dann gestört sein. 
Diese komplexe Patientenversorgung stellt besonders die Pflegenden vor große Herausforderungen. 

Die HAW Hamburg setzt hier einen Schwerpunkt im Pflegestudium und kooperiert mit Kliniken in der Metropolregion. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzhinweis: Bitte an die frühzeitige Patientenaufklärung zur 
1 zu 1 Patientenbetreuung (Extrawache/Sitzwache/Sonderwache) incl. den Beratungen über mögliche FeM - Maßnahmenkataloge ärztlich und pflegerisch mit allen Entscheidungsträgern incl. vorab dem Patienten beraten und absichern. 

Die Aufnahmen entstanden während eines neurochirurgischen Eingriffs Die Aufnahmen entstanden während eines neurochirurgischen Eingriffs
Fotoquelle: BG Klinikum Hamburg/Fotoabteilung
 
Intensivpflegerin und Master-Absolventin Sabrina Pelz erklärt das Phänomen:

„Das Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand. Einen Risikofaktor stellt die Operation unter Narkose dar.
Das postoperative Delir entwickelt sich kurz nach dem Erwachen aus der Narkose, einige Stunden danach oder auch Tage später.“ 

Pelz beschäftigte sich in ihrer Abschlussarbeit im Master Pflege an der HAW Hamburg mit der pflegerischen Praxis des Delirs
  • Die klassischen Symptome reichen von fluktuierenden Phasen der Verwirrtheit, Desorientierung, psychomotorischer Unruhezuständen, Halluzinationen oder auch Wahnvorstellungen. 
  • Dabei beziehen betroffene Patienten Gegenstände und Personen in ihre subjektive Wirklichkeit mit ein. „Das kann auch bedeuten, dass sie bekannte Personen nicht erkennen oder ein aggressives Verhalten zeigen“, so Pelz.
Diese temporäre Verwirrtheit kann Spätfolgen haben. 
  • In zirka 40 Prozent der Fälle haben diese Patienten bleibende kognitive Defizite oder sind sogar pflegebedürftig. 
  • Zudem kann das Delir die Entwicklung einer Demenz begünstigen. 
Diverse Risikofaktoren können ein Delir hervorrufen: 
  • bestehende kognitive Defizite
  • Stoffwechselerkrankungen
  • große Operationen mit langer Narkose
  • der Aufenthalt auf einer Intensivstation
  • bestimmte Übermedikation (Polypharmazie).
Was können Pflegende tun?

  • In zirka 78 Prozent der Fälle wird das Delir erst spät oder gar nicht erkannt. 
Diese hohe Zahl gab den Anstoß für Sabrina Pelz, sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema des postoperativen Delirs zu beschäftigen. „Ich wollte wissen, was wir Pflegenden dabei tun können. Vor allem die frühzeitige Erkennung und Behandlung war mir wichtig.“

Pflegende sind die Berufsgruppe mit dem engsten Kontakt zum Patienten.

Sie überprüfen zum Beispiel die Orientierung und Aufmerksamkeit des Patienten.

Dabei spielen auch Informationen über die Kognitionsfähigkeiten des Patienten vor der Operation eine Rolle.

Bei der Reorientierung des Patienten helfen zum Beispiel die Brille, das Hörgerät oder die Zahnprothese.

Weitere Orientierungshinweise geben eine Uhr oder ein Kalender. 

Auch die Mobilisation unterstützt bei der Wiederherstellung der Orientierung im Raum, stärkt die Muskulatur und fördert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Angehörige sind ein persönliches Bindeglied für den Patienten. Ihre Anwesenheit beschleunigt den Wiederherstellungsprozess der realen Wahrnehmung.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die einem postoperativen Trauma und einem Delir vorbeugen können. 
Den Schlaf-Wach-Rhythmus erhalten und fördern, Medikation vermeiden, die ein Delir auslösen oder Angstzustände hervorrufen können. 
  • Zum Beispiel zwei Stunden vor einer Operation das Trinken von Wasser schluckweise erlauben.
Die frühzeitige Mobilisierung von Patienten fördern“, resümiert Pelz.

Weitere Forschungen zu diesem Thema

„Der Umgang mit kritisch kranken und gefährdeten Menschen ist ein Schwerpunkt unserer Projekte. Zurzeit bearbeiten wir beispielsweise im Rahmen der Landesforschungsförderung eine Dissertation“, ergänzt Prof. Dr. Uta Gaidys, Professorin für Pflegewissenschaft, Ethik und Kommunikation. "Die Doktorarbeit analysiert Entscheidungsfindungen von chronisch kranken Menschen in krisenhaften Situationen anhand von Dialogen mit Sterbenden. Masterarbeiten bearbeiten den Umgang mit alkoholisierten Patienten in der Notaufnahme, das Erleben älterer, chronisch und multimorbid erkrankter Menschen vor und nach medizinischen Eingriffen.

„Dieser Schwerpunkt in unserer wissenschaftlichen Ausbildung an der HAW Hamburg ist deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Professorin Gaidys. „Der Masterstudiengang Pflege spezialisiert Pflegende für spezialisierte Handlungsfelder, wie die komplex-intensive, onkologisch-palliative und geriatrisch-gerontologische Versorgung. Patienten in diesen Handlungsfeldern haben komplexe Bedürfnislagen. Gerade wenn ein akutes gesundheitliches Problem hinzukommt, beeinflussen sich Auswirkungen gegenseitig.“

Bei diesen relevanten Praxisforschungen kooperiert die HAW Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), dem AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG und dem Albertinen Diakonie Werk (ADW).

Auch Sabrina Pelz‘ Erkenntnisse finden derzeit Eingang in ein großes Implementierungsprojekt für Delir-, Schmerz- und Sedierungsmonitoring am BG Klinikum Hamburg, an dem auch Pelz teilnimmt. 

Dabei spielen ihre Kompetenzen der „Advanced Practice Nurse“ eine Rolle – denn diese stellen die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Praxis her.

Das für diese Implementierung benötigte Expertenwissen aus der forschenden Praxis sowie Kompetenzen im Bereich Zusammenarbeit und Coaching sind wesentliche Bestandteile des Master-Studiengangs Pflege. (Autoren: Moritz Heitmann/Katharina Jeorgakopulos/Sabrina Pelz)

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Beitrag von NDR Visite mit Sabrina Pelz: Verwirrt nach Operation: Risiko senken (24.10.2017)

Weitere Themen im Newsletter sind:
- Aktionstag Fliegen am 16. Februar: Vorlesungen, Speeddating und Workshops
- Hammonia-Preis für Sozialforscherin Christine Färber: Preis für Engagement im Bereich Gender Budgetings und Frauenförderung
- Positive Bilanz für das Projekt „Grenzgänger“: psychische und soziale Betreuung von auffälligen Jugendlichen
- „Wagt den Schritt in die Selbständigkeit!“ Interview mit Start-Up Gründern der Internetplattform „Freelance Junior
- Energiewende muss verständlicher werden: Erste Ergebnisse der NEW 4.0-Akzeptanzstudie veröffentlicht

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.haw-hamburg.de/themendienst/aktuelle-ausgabe.html

http://www.ardmediathek.de/tv/Visite/Verwirrt-nach-Operation-Risiko-senken/NDR-F...


https://www.haw-hamburg.de/studium/master.html


Bewegungs- oder auch Seekrankheit - motion sickness

Medizin am Abend Berlin Fazit: Das Vorgaukeln von Bewegung: warum wir seekrank werden

Die Bewegungs- oder auch Seekrankheit ist ein uraltes Phänomen, welches sich auch in hochmodernen virtuellen Realitäten bemerkbar macht. 

Dennoch ist bis heute relativ unklar, wodurch diese körperliche Reaktion ausgelöst wird. 

Suzanne Nooij und ihre KollegInnen vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik fanden heraus, dass primär die Intensität der Bewegungsillusion ausschlaggebend ist: 

  • je intensiver das Gefühl der Selbstbewegung, desto stärker die Übelkeit. 

Die neuen Erkenntnisse lassen Zweifel an bisherigen Theorien zur Bewegungskrankheit aufkommen. 
 
Viele von uns kennen folgendes Phänomen: man sitzt im Zug und hat das Gefühl, dass der Zug abfährt, obwohl sich lediglich der Zug auf dem Nachbargleis bewegt.

Als stationäre Beobachter können uns Bewegungen in unserer visuellen Umgebung ein glaubwürdiges Gefühl einer Selbstbewegung vermitteln.

Viele Fahrzeugsimulatoren und Umgebungen in virtuellen Realitäten machen sich dieses Phänomen zunutze.

Wird man einer visuell induzierten Selbstbewegung jedoch zu lange ausgesetzt, kann dies die sogenannte Bewegungskrankheit (engl.: „motion sickness“) auslösen.

Die Folgen: Schwindel, Desorientierung und Übelkeit. 

Obwohl dies ein sehr altes Problem ist, gibt es unterschiedliche Theorien über mögliche Ursachen und Behandlungsmethoden. Dr. Nooij und ihre KollegInnen aus der Abteilung von Prof. Bülthoff am MPI für biologische Kybernetik haben, in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, drei verschiedene Theorien getestet.

Versuchspersonen im panoramischen Labor des MPI beobachteten mehrmals eine Szene, die sich, ähnlich wie in einem Karussell, um sie herum bewegte. Die experimentellen Bedingungen wurden dabei jeweils verändert. Während des 20-minütigen Versuchs maßen die ForscherInnen das Ausmaß der Bewegungskrankheit, die Intensität der Bewegungsillusion und die Kopf- und Augenbewegungen der ProbandInnen.

Die Resultate zeigen deutlich, dass die Intensität der Bewegungsillusion unter all diesen Faktoren der wichtigste ist: je intensiver die Bewegungsillusion, desto übler wurde es den Versuchspersonen.

Dies ist die erste Studie, die diesen Effekt so klar nachweist, da die Intensität der Bewegungsillusion jedes Mal variiert wurde, um die unterschiedlichen Auswirkungen bei der jeweils gleichen Versuchsperson miteinander vergleichen zu können.
  • Die Illusion einer Selbstbewegung und nicht eine bewegte Szene an sich, ist daher eine Grundvoraussetzung für die visuell induzierte Bewegungskrankheit. 
Zudem fanden die ForscherInnen heraus, dass sie sogar durch Bewegungsillusionen mit konstanter Geschwindigkeit und nicht lediglich während Beschleunigungsprozessen, ausgelöst werden kann.

Die neuen Erkenntnisse erfordern eine Überarbeitung der sog. sensorischen Konflikttheorie (eine der weitverbreitetsten Theorien zur Bewegungskrankheit), da sie ihr in den genannten Punkten widersprechen.

Das Virtual Reality Team von Prof. Bülthoff und Suzanne Nooij testen derzeit die Möglichkeit, dass die Bewegungskrankheit weniger durch einen Konflikt zwischen den Sinnen verursacht wird, sondern vielmehr durch einen Konflikt zwischen dem was wir als bewegt wahrnehmen (uns selbst) und dem Stationären (die Umgebung).

Originalpublikation:
PLOS ONE: PONE-D-16-49085R2
Vection is the main contributor to motion sickness induced by visual yaw rotation: Implications for conflict and eye movement theories

Medizin am Abend Berlin Kontakt

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Wissenschaftlerin Dr. Suzanne Nooij
Tel.: +49 7071 601- 212
E-mail: Suzanne.Nooij@tuebingen.mpg.de

Beate Fülle
Telefon: +49 (0)7071 601-777
e-mail: presse-kyb@tuebingen.mpg.de 

Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 82 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.kyb.tuebingen.mpg.de