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Prof. Antonios Douros: Magenkeim Helicobacter pylori (HP) gelangt ins zentrale Nervensystem: Magenschleimhautentzüngung, Magenkarzinom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Infektion mit Magenkeim könnte Alzheimer-Risiko erhöhen

Eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori könnte das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, erhöhen: 

Bei Menschen über 50 Jahren kann das Risiko nach einer Infektion mit Symptomen um durchschnittlich 11 Prozent erhöht sein, rund zehn Jahre nach der Infektion sogar um 24 Prozent. 

Das legen die Ergebnisse einer Studie von Charité – Universitätsmedizin Berlin und McGill University (Kanada) nahe, die nun im Fachmagazin Alzheimer's & Dementia* publiziert wurden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Krankenhausstatistik - Kostennachweis 

Die Forschenden haben Patientendaten aus drei Jahrzehnten analysiert.

  • Demenzerkrankungen werden in einer alternden Bevölkerung weiter zunehmen: 
  • In den nächsten 40 Jahren wird sich die Häufigkeit von Demenz voraussichtlich verdreifachen. 

Da bisher keine Heilung in Sicht ist, versucht man, die Risikofaktoren für Demenz aufzuspüren – in der Hoffnung, diese dann ausschalten zu können.

Helicobacter pylori gelangt ins zentrale Nervensystem

Als einen möglichen Risikofaktor hat die Forschung schon länger den Magenkeim Helicobacter pylori (Hp) im Blick. 

  • Mit diesem Bakterium ist knapp ein Drittel aller Menschen in Deutschland infiziert. 

Eine Infektion kann symptomlos verlaufen, aber auch Magenschleimhautentzündungen und sogar Magenkarzinome verursachen. 

Auch ein Zusammenhang zwischen einer Hp-Infektion und dem zentralen Nervensystem ließ sich in zahlreichen Laborstudien finden. 

„Wir wissen, dass das Bakterium über verschiedene Wege das Gehirn erreichen kann und dort unter Umständen zu Entzündungen, Schädigungen und dem Verfall von Nervenzellen führt“, erklärt Prof. Antonios Douros, Pharmakoepidemiologe an der Charité und Erstautor der Studie. 

  • Außerdem kann ein durch den Keim geschädigter Magen Vitamin B12 und Eisen nicht mehr gut aufnehmen, was ebenfalls das Demenz-Risiko erhöht.


Viele der bisherigen Studien zum Zusammenhang zwischen einer Helicobacter-pylori-Infektion und Alzheimer hatten jedoch methodische Schwächen – zum Beispiel, weil die Anzahl der Menschen, die in der Studie berücksichtigt wurden, zu klein war. Das führte auch dazu, dass man bisher nicht genau sagen konnte, wie stark der Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Hp und Alzheimer-Demenz ist.

Bevölkerungsrepräsentative Studie mit über vier Millionen Menschen

Diese Schwächen auszubügeln ist Antonios Douros zusammen mit Prof. Paul Brassard von der McGill University in Montreal (Kanada) und ihren Kolleg:innen nun gelungen. Sie berücksichtigten in ihrer Studie mit über vier Millionen Menschen nicht nur sehr viele Personen, sondern auch den zeitlichen Abstand zwischen einer Hp-Infektion und einer möglichen Erhöhung des Alzheimer-Risikos. Anhand der Daten aus elektronischen Patientenakten aus Großbritannien konnten sie den Zusammenhang zwischen dem Magenkeim Helicobacter pylori und Alzheimer-Demenz im Verlauf eines Lebens quantifizieren.

„Unsere Studie zeigt, dass symptomatische Infektionen mit Helicobacter pylori nach dem 50. Lebensjahr mit einem um elf Prozent erhöhten Risiko für Alzheimer-Demenz einhergehen können. 

Die Risikoerhöhung erreicht ihren Maximalwert von 24 Prozent etwa ein Jahrzehnt nach der Hp-Infektion“, fasst Antonios Douros die Ergebnisse zusammen. 

Das bedeutet aber nicht, dass jeder Mensch nach einer symptomatischen Hp-Infektion zwangsläufig an Alzheimer erkranken wird. Bei den Berechnungen handelt es sich um eine Erhöhung des relativen Risikos im Vergleich zu Personen, die keine symptomatische Hp-Infektion nach dem 50. Lebensjahr hatten.

Sind Hp-Infektionen ein beeinflussbarer Risikofaktor?

„Für uns bekräftigt dieses Ergebnis die Annahme, dass eine Helicobacter-pylori-Infektion ein beeinflussbarer Risikofaktor für Alzheimer-Demenz sein könnte“, schlussfolgert der Pharmakoepidemiologe. 

Ob und in welchem Maß die konsequente, flächendeckende Bekämpfung dieses Magenkeims durch sogenannte Eradikationsprogramme die Entwicklung von Alzheimer tatsächlich beeinflusst, muss allerdings erst in groß angelegten randomisierten Studien getestet werden.

*Douros A et al. Clinically apparent Helicobacter pylori infection and the risk of incident Alzheimer's disease: a population-based nested case-control study. Alzheimers Dement 2023 Dec 13. doi: 10.1002/alz.13561

Über die Studie
Die Studie entstand unter der Federführung von Dr. Antonios Douros, Heisenberg-Professor am Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité, und Dr. Paul Brassard, Associate Professor an der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften der McGill University in Montreal (Kanada). Für die Studie wurde auf repräsentative Daten aus elektronischen Patientenakten aus Großbritannien zurückgegriffen. 

Die anonymisierten Akten enthalten neben den Diagnosen, Arzneimittelverschreibungen und Laborwerten weitere wichtige Informationen beispielsweise zu Gewicht, Rauchgewohnheiten oder Alkoholkonsum, die zu Forschungszwecken ausgewertet werden können. Gefördert wurde die Studie von einem Project Grant der Canadian Institutes of Health Research. 

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Originalpublikation:

https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz.13561

 

Helicobacter pylori - pathogener Keim - Magengeschwüre

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Neue Erkenntnisse zur Therapie des Helicobacter-Keims und der Mikrobiota werden in Innsbruck präsentiert

Nach dem Karies-Erreger ist der „Helicobacter pylori“ der häufigste pathogene Keim der Menschheit. 

  • Fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magenkarzinom hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium. 

Auch in der komplexen Darmwelt des Menschen, der Mikrobiota, wird die Ursache für Krebserkrankungen vermutet. 

Seit letztem Donnerstag trafen sich in Innsbruck internationale Top-ForscherInnen, um über die aktuellsten Erkenntnisse und Therapien zu diskutieren. 
 
Als der Helicobacter-Keim in den 1980iger Jahren per Zufall entdeckt wurde, ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können.

Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall, beide forschten in Australien, erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von „Helicobacter pylori“. Pioniere auf diesem Gebiet gründeten 1987 in Europa eine renommierte Studiengruppe zur Erforschung des Erregers, die bis heute besteht. Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert. Jährlich findet ein Treffen statt, bei dem sich internationale Top-ExpertInnen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen. Dieses Meeting mit 500 bis 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt fand vom 5. bis 7. September erstmals in Innsbruck statt.

Helicobacter-Therapie: Massiver Rückgang von Magengeschwüren

Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos.

Nur bei einem aus sechs Betroffenen kommt es in der Folge zu einer Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Krebs. 

Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch.

 „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika. „Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigten sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.

  • Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 Prozent der PatientInnen mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.

Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?

Jeder Mensch hat rund ein Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt, eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg. Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magen oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.

Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht.

„Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patientinnen und Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigten sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.

Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

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Der Magen-Darm-Trakt - Bakterien

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Gefährlichen Darmbakterien auf der Spur

Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe untersucht den Einfluss der mikrobiellen Flora auf den Darm 
 
Warum führen bestimmte Bakterien der Magen-Darm-Flora bei einigen Menschen zu Krankheiten im Verdauungstrakt und bei anderen nicht?

Welche grundlegenden Mechanismen verbergen sich dahinter? Diesen Fragen geht eine neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin nach. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zukünftig gezielter verhindern zu können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben für sechs Jahre mit rund 1,6 Millionen Euro.

Der menschliche Magen-Darm-Trakt ist mit einer Vielzahl von Bakterien besiedelt. Die meisten davon sind harmlos und für viele Funktionen des Körpers nützlich. Gleichwohl können einzelne Bakterien auch gefährlich sein und zu Krankheiten führen – allerdings nicht bei allen Menschen. Unter der Leitung von Dr. Michael Sigal von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie am Campus Charité Mitte wird eine neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe jetzt die zugrundeliegenden Abläufe genauer ergründen.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte Dr. Sigal mit der Unterstützung eines internationalen Forschungsteams zeigen, dass sich Magen-Stammzellen vor Schäden durch das Bakterium Helicobacter pylori schützen können.

Helicobacter pylori ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. 

„Diese Mechanismen möchten wir nun noch detaillierter im Magen und Darm erforschen.

Wir werden die Interaktionen zwischen Stammzellen und spezifischen Bakterien, die den Magen-Darm-Trakt chronisch besiedeln und ein krankmachendes Potenzial haben, beleuchten. 

So untersuchen wir beispielsweise Bakterien des Dickdarms, die in Verbindung mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und bösartigen Krebserkrankungen stehen“, umreißt Dr. Sigal die zentralen Inhalte seines Projektes.

Für die Durchführung der Studien wird die Arbeitsgruppe verschiedene Methoden nutzen – darunter die Analyse von Patientenproben und von komplexen Zell- und Stammzellkulturen sowie experimentelle Tiermodelle. Eine zentrale Rolle wird außerdem die Visualisierung der Bakterien im Gewebe spielen. Hierfür verwenden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler moderne, hochauflösende Mikroskope.

„Mit unseren Arbeiten möchten wir zeigen, unter welchen Bedingungen einige unserer Darm-Bewohner Schäden anrichten.

So können wir Strategien entwickeln, um Beschwerden zu verhindern und die Darmgesundheit wiederherzustellen“, erklärt Dr. Sigal. Zudem will der Gastroenterologe den klinischen Bereich für chronische Magen- und Darmerkrankungen weiter ausbauen, um die Forschungsaktivitäten optimal mit der Patientenversorgung zu verzahnen.

Mit dem Emmy Noether-Programm fördert die DFG herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Arbeitsgruppe für eine Hochschulprofessur qualifizieren können.

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Dr. Michael Sigal
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https://www.nature.com/articles/s41556-019-0339-9




CAVE: Zentrale Funktionsdiagnostik: Bakterium im Magen

Medizin am Abend Berlin MaAB- Fazit: Erreger Helicobacter pylori - Evolution im Magen

Der Magenkeim Helicobacter pylori ist weltweit verbreitet und genetisch sehr anpassungsfähig. 

LMU-Mikrobiologen haben seine Diversität innerhalb des Magens untersucht und gezeigt, dass sich Antibiotika auf die Populationsstruktur des Erregers auswirken.  
Das weltweit verbreitete Bakterium Helicobacter pylori verursacht eine der häufigsten chronischen Infektionen beim Menschen. 
  • Oft verläuft die Infektion symptomlos, sie kann aber auch verschiedene Magen-Darm-Beschwerden verursachen, beispielsweise Magenschleimhautentzündungen und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre. 

Etwa ein Prozent der Infizierten erkranken an Magenkrebs, H. pylori wurde von der Weltgesundheitsorganisation als Karzinogen eingestuft.

Eines der Hauptmerkmale von Helicobacter pylori ist seine genetische Vielfalt und Wandelbarkeit.

Wissenschaftler um den Mikrobiologen Sebastian Suerbaum, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Max von Pettenkofer-Institut der LMU und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), haben nun erstmals die genetische Diversität des Bakteriums im Magen von insgesamt 16 Patienten umfassend untersucht und spezifische Anpassungen an verschiedene Regionen des Magens identifiziert.

  • Sie konnten nachweisen, dass die Verwendung von Antibiotika die Diversität der H. pylori-Population vermindert und resistente Bakterien selektioniert – und zwar auch dann, wenn die Antibiotika nicht gegen H. pylori sondern gegen andere Erreger eingesetzt wurden. 

Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Communications.

Die große genetische Wandelbarkeit von H. pylori im Verlauf einer chronischen Infektion wurde in verschiedenen Studien nachgewiesen.

Wie sich die genetische Vielfalt des Bakteriums aber innerhalb eines einzigen infizierten Magens zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt, war bisher nur wenig bekannt. 
 
Der Magen gliedert sich in drei anatomische Hauptbereiche, die eine unterschiedliche Physiologie und unterschiedliche Funktionen haben.

In diesen Magenregionen gibt es unterschiedliche Zelltypen, die für H. pylori-Subpopulationen unterschiedliche Bedingungen bieten.

„Wir haben anhand von Proben aus verschiedenen Magenbereichen untersucht, wie stark sich die H. pylori-Stämme eines Patienten unterscheiden“, sagt Suerbaum. „Dafür haben wir insgesamt mindestens 30 Bakterienstämme pro Patienten isoliert und deren Genom mithilfe einer Kombination verschiedener Sequenzierungmethoden analysiert.“

Die Ergebnisse zeigen, dass sich H. pylori tatsächlich an verschiedene Magenregionen anpassen kann. 

Dies betrifft beispielsweise Genfamilien, die für Außenmembranproteine kodieren, mit denen sich die Bakterien an menschliche Zellen anheften.

„Auch bei Beweglichkeits- und Chemotaxis-Genen haben wir Zeichen der Anpassung gefunden“, sagt Dr. Florent Ailloud, Postdoc im Team von Professor Suerbaum und Erstautor des Papers.

Zudem beeinflusste die Verwendung von Antibiotika die genetische Diversität von H. pylori stark.

Besonders deutlich wurde dies bei einem Patienten, bei dem die Population am Anfang der Studie sehr divers war und keinerlei Antibiotikaresistenzen zeigte.

Bei einer Folgeuntersuchung zwei Jahre später war die Diversität dagegen extrem gering, dafür waren die Bakterien gegen ein wichtiges Antibiotikum vollständig resistent.

Es kam im Verlauf der zwei Jahre offensichtlich zu einer massiven Reduktion der Population, die sich auf die folgende Populationsstruktur ausgewirkt hat.

Allgemein fanden die Wissenschaftler einen deutlichen Einfluss von Antibiotikatherapien auf die Population, und zwar auch dann, wenn die Antibiotika nicht gegen Helicobacter, sondern gegen andere Infektionen eingesetzt wurden. 

„Durch eine fachgerechte kombinierte Antibiotikatherapie kann H. pylori in der Regel zwar erfolgreich bekämpft und vollständig aus dem Magen entfernt werden.

Trotzdem dürften Antibiotika die evolutionäre Dynamik der gesamten Art in den letzten Jahrzehnten massiv beeinflusst haben, da Antibiotika weltweit verbreitet sind und eingesetzt werden“, schließt Suerbaum.

Die Studie ist in Kooperation mit dem Nationalen Referenzzentrum für Helicobacter pylori, das seit Januar 2017 unter der Leitung von Sebastian Suerbaum am Max von Pettenkofer-Institut der LMU beheimatet ist, dem klinischen Team von Peter Malfertheiner an der Universität Magdeburg und der LMU, der Warwick University in Coventry, Großbritannien, dem Leibniz-Institut DSMZ in Brauschweig und weiteren Kooperationspartnern im In- und Ausland entstanden.

Das Projekt wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle“ sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung gefördert.

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Originalpublikation:
Within-host evolution of Helicobacter pylori shaped by niche-specific adaptation, intragastric migrations and selective sweeps
Florent Ailloud, Xavier Didelot, Sabrina Woltemate, Gudrun Pfaffinger, Jörg Overmann, Ruth Christiane Bader, Christian Schulz, Peter Malfertheiner, Sebastian Suerbaum
Nature Communications 2019

CAVE: Chronische Magenschleimhautentzündung - Gastritis - Magenkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neuer Ansatz gegen Gastritis

MHH-Wissenschaftlerinnen klären auf, wie Helicobacter pylori Magenschleimhautentzündung hervorruft 
 Dr. Saskia C. Stein, Professorin Dr. Christine Josenhans und Eugenia Faber (von links) im Labor.
 Dr. Saskia C. Stein, Professorin Dr. Christine Josenhans und Eugenia Faber (von links) im Labor.
"Foto: MHH/Kaiser"


Hoffnung im Kampf gegen Krebs: 
  • 40 Prozent der Deutschen und sogar 50 Prozent der Menschen weltweit haben Helicobacter pylori im Magen – den Hauptverursacher chronischer Magenschleimhautentzündung (Gastritis), die auch zu Magengeschwüren oder -krebs führen kann. 

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun einen der wichtigsten Mechanismen entdeckt, mit dem das Bakterium das schafft:

Es schleust mit Hilfe einer spezifischen bakteriellen Injektionsspritze Teile seiner Hülle in die Zellen der Magenschleimhaut ein.

Diese treffen dort auf bestimmte Proteine, die Signale zur Entzündung an den Zellkern weiterleiten. 

Das Team um Professorin Dr. Christine Josenhans vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene veröffentlichte diese Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Plos Pathogens. Erstautorin ist Dr. Saskia C. Stein, auch entscheidend mitgewirkt haben die Doktorandin Eugenia Faber und die Post-Doktorandin Nina Coombs.
  • Die Forscherinnen konnten mit Hilfe der Genschere CRISPR-Cas9 auch eines der Proteine identifizieren, das die Signale zur Entzündung an den Zellkern weiterleitet. 
Es handelt sich um das sogenannte Adaptorprotein TIFA. 

„Diese Erkenntnisse werden helfen, neue Therapieansätze gegen die chronische Magenschleimhautentzündung und vor allem gegen den daraus möglicherweise entstehenden Magenkrebs zu finden“, sagt Professorin Josenhans.

  • Bisher werden Helicobacter pylori-Infektionen hauptsächlich mit Antibiotika therapiert.

Die Arbeit des MHH-Teams wurde im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereichs (SFB) 900 „Chronische Infektionen:

Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle“ sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) gefördert.


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Professorin Dr. Christine Josenhans
josenhans.christine@mh-hannover.de
Telefon (0511) 532-4348

Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover
Telefon: 0511 / 532-6773
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E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de

Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
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30623 Hannover
Deutschland
Niedersachsen 

Die Originalpublikation finden Sie im Internet unter folgendem Link:

http://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1006514

360° TOP-Hinweis: Magenbakterium Helicobacter pylori: PPI - Protonenpumpeninhibitoren

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Magenschleimhaut in Gefahr: Helicobacter-Beseitigung beugt Magenkrebs vor

Etwa die Hälfte der erwachsenen Menschen in Deutschland ist mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert. Bei jedem Fünften kommt es im Verlauf des Lebens zu Magenbeschwerden oder zur Ausbildung von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Doch auch wenn der Keim keine Beschwerden verursacht, erhöht er langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. 

Die neu überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt eine „Eradikationstherapie“ daher auch für bestimmte Risikogruppen. 
 
  • Das erste Zeichen einer Helicobacter-Infektion ist häufig eine Entzündung der Magenschleimhaut: 

die akute Gastritis. Geht diese – meist in der Kindheit unbemerkt – in eine chronische Entzündung über, kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. 
  • Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko, und er ist auch für das MALT-Lymphom, einen seltenen Lymphdrüsenkrebs, verantwortlich.
„Eine Eradikationstherapie, also die Beseitigung von Helicobacter pylori, lindert nicht nur die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung, einem Magen- oder einem Zwöffingerdarmgeschwür“, sagt Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren.

 „Sie hat auch das Potential, das Widerauftreten von Geschwüren und die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern.“

  • Bei nahen Verwandten von Magenkrebspatienten oder bei Menschen, die bereits eine Krebserkrankung in der Frühphase durchgemacht haben, rät die DGVS daher zu einer Behandlung – auch dann, wenn die Patienten keine Beschwerden haben.
  • Auch Menschen, die länger als ein Jahr sogenannte Protonenpumpeninhibitoren einnehmen, sollten den Magenkeim entfernen lassen. 
  • „Denn die Behandlung mit diesen Säureregulatoren führt auf Dauer zu einer Atrophie oder zu einer Intestinalen Metaplasie der Magenschleimhaut. 
Diese nicht mehr rückbildungsfähigen Veränderungen erhöhen wiederum das Magenkrebsrisiko“, erläutert Malfertheiner.

Protonenpumpeninhibitoren, kurz „PPI“, hemmen die Bildung von Magensäure. Ärzte verschreiben sie häufig zur Behandlung der Refluxkrankheit, also bei Sodbrennen.

Auch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen mitbringen, sollten Ärzte eine Helicobacter-Behandlung erwägen.

„Die dauerhafte Einnahme von ASS oder bestimmten Rheumamedikamenten, den nicht-steroidalen Antirheumatika, sollte Anlass sein, über eine vorsorgliche Beseitigung des Keims nachzudenken“, erklärt Leitlinienkoordinator Professor Dr. med. Wolfgang Fischbach, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. 

Denn die Beseitigung des Keims kann das Risiko für Magenblutungen senken.

  • Voraussetzung für eine Behandlung sei der Nachweis des Keims, betont der Experte. 

Da kein Testverfahren hundertprozentig sicher ist, sollten zwei Tests positiv ausfallen. Die neue Version der Leitlinie lässt jedoch auch eine Ausnahme zu: Wird der Keim bei einer Magenschleimhautentzündung in einer Gewebeprobe nachgewiesen, sind weitere Tests nicht mehr nötig.

  • Die Eradikationstherapie ist heute in der Regel erfolgreich. Sie erfordert jedoch die Mitarbeit und die Geduld des Patienten, der mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen muss. 
Standard ist eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor. 
Ist der Keim gegen eines der Antibiotika resistent, sollten Ärzte zu einer Therapie mit vier Wirkstoffen wie der Bismut-basierten Quadrupeltherapie greifen.

  • „Dies betrifft häufig Menschen mit Migrationshintergrund oder Patienten, die zuvor schon mit Clarithromycin oder einem verwandten Antibiotikum behandelt wurden“, erklärt Fischbach: „In diesen Fällen ist das Risiko hoch, dass die klassische Tripeltherapie nicht anschlägt.“

„Mit der neuen Leitlinie liegt uns ein gut funktionierendes Konzept zum Umgang mit Helicobacter vor, das sich an den aktuellen Erkenntnissen orientiert“, so die beiden Experten.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter www.dgvs.de


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Helicobacter pylori: Gastroenterologen empfehlen Behandlung des Magenkeims

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Helicobacter pylori: Gastroenterologen empfehlen Behandlung des Magenkeims

Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann zu lebensbedrohlichen Krankheiten wie Magenkrebs und Geschwüren führen. Meistens bleibt sie aber harmlos, und es gibt sogar Hinweise auf nützliche Effekte. Warum ein Befall mit dem Bakterium dennoch in jedem Fall therapiert werden sollte, erläuterten Experten auf dem Kongress „Viszeralmedizin 2015“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), ihrer Sektion Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Die Tagung fand vom 16. bis 19. September in Leipzig statt. 
 
  • Helicobacter pylori ist ein Bakterium der Extreme:
  •  Es kann sich trotz der Magensäure im Magen des Menschen einnisten, was lange Zeit als unmöglich galt. Und es ist dasjenige Bakterium, mit dem die meisten Menschen chronisch infiziert sind, nämlich rund die Hälfte der Weltbevölkerung. In Ländern mit hohem Lebensstandard, zum Beispiel Deutschland, beträgt der Anteil zirka ein Drittel.
„Eine Infektion mit Helicobacter kann zu einer Reihe von Erkrankungen führen“, erläutert Professor Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen und Kongresspräsident der DGVS. Zu den möglichen Folgeerkrankungen zählen Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, Tumore im Lymphgewebe und Magenkrebs.

Allerdings bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomfrei, nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie zu einer Erkrankung.

Aus diesem Grund zögern Ärzte und Patienten bei der Diagnose häufig, die Infektion zu behandeln.

„Die Frage ‚behandeln oder nicht?‘ ist eindeutig zu beantworten: Jede Infektion sollte therapiert werden“, so Labenz. 

Zwar gebe es Hinweise darauf, dass das Bakterium vor bestimmten Erkrankungen schütze; beispielsweise hätten Fettleibigkeit, Sodbrennen und Speiseröhrenkrebs in Ländern mit abnehmender Helicobacter-Durchseuchung zugenommen.

Ein direkter Zusammenhang sei aber bisher nicht erwiesen. Zudem sei es noch nicht möglich, zuverlässig eine möglicherweise harmlose von einer riskanten Infektion zu unterscheiden. „Nach kritischer Abwägung aller bisherigen Erkenntnisse, scheint das Risiko einer Infektion weit größer als deren Nutzen zu sein“, sagt Labenz.

  • Schließlich könne ein Träger des Helicobacter jederzeit schwer erkranken. Außerdem reduziere eine erfolgreiche Therapie das Risiko für andere Menschen, ebenfalls von dem Keim befallen zu werden.
  • Die Behandlung einer Helicobacter-Infektion ist nicht immer einfach: Die bisher bevorzugte Methode einer sogenannten Tripel-Therapie, bestehend aus einem Magensäurehemmer, dem Antibiotikum Clarithromycin sowie einem der beiden Antibiotika Amoxicillin oder Metronidazol, versagt häufiger als bisher angenommen.

Aus diesem Grund werden heute in vielen Situationen Vierfachtherapien bevorzugt. „In mehr als 90 Prozent der Fälle kann der Keim so eliminiert werden“, sagt Labenz.

Noch in diesem Jahr wird die DGVS eine neue Leitlinie „Helicobacter pylori“ herausgeben, die Behandlungsempfehlungen entsprechend dem aktuellen Wissensstand zusammenfasst.

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