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Prof. Dr. Robert Wagner: Blutzuckerwerten, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Subtypen bei Vorstufe des Diabetes entdeckt

Prädiabetes ist nicht gleich Prädiabetes: 

Bei Menschen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen, die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterschieden. 

Das zeigt eine Studie des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, des Universitätsklinikums Tübingen und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). 

Die Ergebnisse sind jetzt in ´Nature Medicine´ erschienen. 

Bei Menschen mit Prädiabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen (Cluster), die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden. Bei Menschen mit Prädiabetes gibt es sechs klar abgrenzbare Subtypen (Cluster), die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden. Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM

Diabetes ist eine weltweite Pandemie. Seit 1980 hat sich die Zahl der Menschen mit Diabetes weltweit vervierfacht. Allein in Deutschland leiden 7 Mio. Menschen daran. Tendenz weiter steigend. 2040 könnte sich die Anzahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes auf bis zu 12 Mio. erhöhen

Doch Typ-2-Diabetes entwickelt sich nicht von einem Tag auf den anderen. 

Oft durchlaufen die Personen eine längere Vorstufe des Diabetes, in der die Blutzuckerwerte bereits erhöht, aber die Menschen noch nicht krank sind. 

„Bisher konnte man bei Menschen mit Prädiabetes nicht vorhersehen, ob sie einen Diabetes entwickeln und Risiken zu schweren Folgeerkrankungen wie Nierenversagen haben, oder nur eine harmlose Form von leicht höheren Blutzuckerwerten ohne bedeutsames Risiko aufweisen“, erläutert Prof. Dr. Hans-Ulrich Häring, der die Studie vor 25 Jahren initiiert hat. 

Eine solche Unterscheidung ist jedoch wichtig, um der Stoffwechselerkrankung gezielt vorbeugen und so der Diabetes-Pandemie entgegenwirken zu können. 

Forschenden aus Tübingen ist jetzt ein wichtiger Durchbruch gelungen. 

Sie haben mit Hilfe der Clusteranalyse* bei Menschen mit Prädiabetes sechs verschiedene Subtypen mit unterschiedlichem Diabetes-Risiko entdeckt. Eine differenzierte Einteilung des Prädiabetes und des Diabetes ermöglicht es, eine an die Krankheitsentstehung angepasste individuelle und frühe Prävention und Therapie von Diabetes und seinen Folgeerkrankungen zu betreiben.

Prädiabetes: Sechs unterschiedliche Cluster identifiziert
Die Arbeitsgruppe um Prof. Häring und Prof. Fritsche im Universitätsklinikum in Tübingen hat den Stoffwechsel von noch als gesund geltenden Personen mit Prädiabetes detailliert untersucht. Die Probanden (n=899) stammen aus der Tübinger Familienstudie und der Studie des Tübinger Lebensstilprogramms, die in den vergangenen 20 Jahren in Tübingen wiederholt intensiv klinisch, laborchemisch, kernspintomografisch und genetisch untersucht wurden. Anhand von für den Stoffwechsel wichtiger Kerngrößen wie u.a. Blutzuckerwerten, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko konnten die Forschenden sechs Subtypen des Prädiabetes identifizieren. 

„Wie beim manifesten Diabetes gibt es auch im Vorstadium des Diabetes unterschiedliche Krankheitstypen, die sich durch Blutzuckerhöhe, Insulinwirkung und Insulinausschüttung, Körperfettverteilung, Leberfett sowie genetischem Risiko unterscheiden“, fasst Erstautor Prof. Dr. Robert Wagner vom DZD Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Drei dieser Gruppen (Cluster 1, 2 und 4) zeichnen sich durch ein niedriges Diabetes-Risiko aus. 

Die Probanden des Cluster 1 und 2 waren gesund. 

Dabei gehören dem Cluster 2 vor allem schlanke Menschen an. 

Sie haben ein besonders niedriges Risiko, an Komplikationen zu erkranken. 

Das Cluster 4 bilden übergewichtige Menschen, deren Stoffwechsel jedoch noch relativ gesund ist. 

Die drei übrigen Subtypen (Cluster 3, 5 und 6) gehen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes und / oder Folgeerkrankungen einher. 

Menschen, die dem Subtyp 3 angehören, bilden zu wenig Insulin und haben ein hohes Risiko an Diabetes zu erkranken. Menschen aus dem Cluster 5 weisen eine ausgeprägte Fettleber und ein sehr großes Diabetesrisiko auf, weil ihr Körper resistent gegen die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin ist. B

Beim Subtyp 6 treten bereits vor einer Diabetesdiagnose Schädigungen der Niere auf. Hier ist auch die Sterblichkeit besonders hoch.

Doch lässt sich die Einteilung in sechs Prädiabetes-Subtypen auch in anderen Kohorten bestätigen? Um das zu untersuchen, haben die Forschenden das Verfahren auf beinahe 7000 Probanden der Whitehall II Kohorte in London ausgeweitet und dort ebenfalls die sechs Untertypen des Prädiabetes identifiziert.

Gezielter vorbeugen
Die Forschenden planen schon weiter. „In den nächsten Schritten werden wir zuerst in prospektiven Studien prüfen, wie weit die neuen Erkenntnisse für die Einteilung von einzelnen Personen in Risikogruppen anwendbar sind“, berichtet Prof. Dr. Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen. Sollte dies der Fall sein, könnten Menschen mit hohem Risikoprofil künftig früh erkannt und spezifisch behandelt werden.
„Ein Ziel des DZD ist es, präzise Präventions- und Therapiemaßnahmen zu entwickeln, d. h. die passende Prävention oder Behandlung für die richtige Personengruppe zur richtigen Zeit. Die Verbindung aus tiefgehender klinischer und molekularer Forschung mit modernster Bioinformatik hat dieses auch international wichtige Ergebnis ermöglicht. Die Identifizierung von Subtypen im Vorstadium des Typ-2-Diabetes ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Präzisionsmedizin bei der Prävention des Diabetes und seiner Begleiterkrankungen“, sagt DZD-Vorstand Prof. Martin Hrabě de Angelis.

Über die Studie
Diese Ergebnisse basieren auf der seit über 25 Jahre andauernden Arbeit der Diabetesforschung in der Universitätsklinik Tübingen, Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko zu charakterisieren. Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Land Baden-Württemberg gefördert.

* Clusteranalyse:
Die Clusteranalyse ist ein Verfahren, mit dem man anhand von vorgegebenen Kriterien und Merkmalen die Untersuchungsobjekte (z.B. Personen) gruppieren kann. Die so gefundenen Gruppen – auch Cluster genannt – enthalten dann jeweils Fälle, die sich ähnlich sind. Ein gebildetes Cluster soll in sich maximal homogen sein, sich aber gleichzeitig von den anderen Clustern so stark wie möglich unterscheiden. Hier konnten bei Probanden mit Prädiabetes anhand von acht für den Stoffwechsel wichtigen Kerngrößen (u.a. Blutzuckerwerte, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko) sechs unterschiedliche Cluster identifiziert werden.

Weitergehende Informationen
In der Deutschen Diabetes Studie haben Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Lund in Schweden verschiedene Cluster entdeckt, die die Aufteilung des Diabetes in Subtypen ermöglichen. Mithilfe der Clusteranalyse wurden fünf verschiedene Subtypen mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkrankungen identifiziert.
https://www.dzd-ev.de/aktuelles/news/news/article/eine-neue-diabetesklassifikati...

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: http://www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000 stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken, Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt. Neben der Diabetologie sind die Neurowissenschaften, Onkologie, Immunologie, Infektionsforschung und Vaskuläre Medizin Forschungsschwerpunkte in Tübingen. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung verlässlicher Partner. http://www.medizin.uni-tuebingen.de

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Prof. Dr. Robert Wagner
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

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Originalpublikation:

Robert Wagner et al: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nature Medicine. DOI: https://doi.org/10.1101/2020.10.12.20210062


CAVE: Epigenetische Veränderung - Gestörte Glucocetoleranz - schützendes Bindungsprotein IGFBP2

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neuer Marker gibt Einblicke in die Entstehung des Typ-2-Diabetes

Kleine – wahrscheinlich von Lebensstilfaktoren beeinflussbare – chemische Änderungen der DNA-Bausteine können die Menge von IGFBP2 vermindern. 

Ein DIfE/DZD-Forschungsteam hat nun im Fachjournal Diabetes publiziert, dass diese sogenannten epigenetischen Veränderungen das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. 

  • Menschen mit hohen Konzentrationen des Bindungsproteins IGFBP2 im Blut erkranken zudem seltener an dieser Stoffwechselerkrankung. 

Die Veränderungen im Blut sind bereits einige Jahre vor Beginn der Krankheit nachweisbar. 

Epigenetische Mechanismen
Epigenetische Mechanismen pigurdesign/DIfE


Laut dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2018“ leiden mehr als 5,7 Millionen Deutsche an Typ-2-Diabetes.

Betroffene reagieren unzureichend auf das Hormon Insulin, was zu erhöhten Blutzuckerwerten führt.

In Folge kann es zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Netzhautschäden, Nierenschädigungen und Nervenstörungen kommen.

Da sich die Stoffwechselkrankheit schleichend entwickelt, bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose meist erste Schäden. „Unsere Ergebnisse könnten künftig dazu beitragen, Risikopotentiale für Typ-2-Diabetes noch früher zu erkennen und der Krankheit präventiv entgegenzuwirken“, sagt Professorin Annette Schürmann, Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und Sprecherin des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Molekularen Mechanismen auf der Spur

Neben Insulin ist auch der Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor 1, kurz IGF-1 (Insulin-like growth factor 1), am Zucker- und Fettstoffwechsel beteiligt. 
  • Die Wirkung dieses Wachstumsfaktors wird durch die Bindung an das IGF-bindende Protein 2 (IGFBP2) geschwächt. 
  • Gibt die Leber zu wenig IGFBP2 ins Blut ab, kann das Gleichgewicht des Zucker- und Fettstoffwechsels gestört werden. 

Das Forschungsteam um Schürmann und Professor Matthias Schulze, der Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE ist, ging deshalb der Frage nach, wie die verminderte Wirkung des IGFBP2-Gens die Entwicklung von Typ-2-Diabetes beeinflussen könnte.

Humanstudien zeigen, dass Menschen, die an einer Fettleber leiden, weniger IGFBP2 produzieren und freisetzen. 

Ähnliche Effekte beobachtete das Team von Schürmann in früheren Mausversuchen, die zeigten, dass die IGFBP2-Spiegel bereits vor der Lebererkrankung vermindert sind.

Ursächlich dafür ist die Übertragung von Methylgruppen an bestimmten Stellen der IGFBP2-DNA-Sequenz, die das Gen in der Leber hemmten. Diese so genannten epigenetischen Veränderungen kommen unter anderem durch den Lebenswandel zustande.

Auch in Blutzellen übergewichtiger Menschen mit einer gestörten Glucosetoleranz wurden derartige Modifikationen der DNA im IGFBP2-Gen zuvor nachgewiesen.

Von Mäusen und Menschen

Das interdisziplinäre Forschungsteam um Schürmann und Schulze nutzte Erkenntnisse aus Klinik und Labor für die Auswertung von Blutproben und Daten aus der Potsdamer EPIC-Studie. „Diese Arbeit zeigt sehr schön, wie translationale Forschung funktioniert: Ein Befund aus der Klinik wird aufgegriffen, im Labor mechanistisch analysiert und schließlich in einer bevölkerungsweiten Studie untersucht“, sagt Schürmann.

Die aktuellen Analysen der Forscher weisen darauf hin, dass die Hemmung des IGFBP2-Gens Typ-2-Diabetes begünstigt. 

  • Zudem beobachtete das Wissenschaftlerteam, dass schlankere Studienteilnehmer und Studienteilnehmer mit geringeren Leberfettanteilen höhere Konzentrationen des schützenden Bindungsproteins im Blut haben. 
  • Höhere Plasmakonzentrationen von IGFBP2 waren mit einem geringeren Risiko verbunden, in den Folgejahren an Typ-2 Diabetes zu erkranken. 

„Mit unserer Studie erhärtet sich die Annahme, dass der IGF-1-Signalweg auch beim Menschen eine wichtige Rolle für die Entstehung von Typ-2-Diabetes spielt“, ergänzt Dr. Clemens Wittenbecher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE und Erstautor der Studie.

Literatur:

Original-Publikation
Wittenbecher C, Ouni M, Kuxhaus O, Jähnert, M, Gottmann P, Teichmann, A, Meidtner, K, Kriebel, J, Grallert, H, Pischon, T, Boeing, H, Schulze, MB, Schürmann, A. Insulin-like growth factor binding protein 2 (IGFBP-2) and the risk of developing type 2 diabetes. Diabetes 2018 (https://doi.org/10.2337/db18-0620)

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Fritsche A, Häring HU, Joost HG, Schürmann A, Schwenk RW. Early hypermethylation
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mice. Human Molecular Genetics 2016 (https://doi.org/10.1093/hmg/ddw121)

Baumeier C, Saussenthaler S, Kammel A, Jähnert M, Schlüter L, Hesse D, Canouil
M, Lobbens S, Caiazzo R, Raverdy V, Pattou F, Nilsson E, Pihlajamäki J, Ling C,
Froguel P, Schürmann A, Schwenk RW. Hepatic DPP4 DNA Methylation Associates With
Fatty Liver. Diabetes 2017 (https://doi.org/10.2337/db15-1716)

Schwenk RW, Jonas W, Ernst SB, Kammel A, Jähnert M, Schürmann A.
Diet-dependent alterations of hepatic Scd1 expression are accompanied by
differences in promoter methylation. Hormone and Metabolic Research 2013 (https://doi.org/10.1055/s-0033-1348263)

Hintergrundinformationen:

Epigenetik
Die Epigenetik ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Es untersucht veränderte Gen-Funktionen, die nicht auf eine Änderung der DNA-Sequenz zurückzuführen sind, aber dennoch vererbt werden können. Studien der letzten Zeit weisen verstärkt darauf hin, dass auch die Ernährung als Umweltfaktor den Aktivitätszustand von Genen nachhaltig beeinflussen kann, z.B. durch chemische (epigenetische) Veränderungen der DNA-Bausteine. Hierzu zählen auch Methylierungen. Diese entstehen, wenn Methylgruppen an die DNA binden. Diese kann die Aktivierung der Gene entweder erschweren oder erleichtern. Die direkte Methylierung der DNA verändert dann dauerhaft die Genexpression, wenn sie in Steuerbereichen von Genen erfolgt (sogenannten CpG-Inseln), die durch die Modifikation der Histone zugänglich gemacht wurden.

EPIC-Potsdam-Studie
Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)-Potsdam-Studie ist eine prospektive Kohortenstudie. Zwischen 1994 und 1998 wurden 27.548 Frauen und Männer zwischen 35 und 65 Jahren rekrutiert. Sie haben Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten, ihrem Lebensstil sowie ihrem gesundheitlichen Status ausgefüllt. Diese Befragung wurde ca. alle 3 Jahre wiederholt. Die EPIC-Potsdam-Studie ist Teil einer der größten Langzeitstudien weltweit mit insgesamt ca. 521.000 Studienteilnehmern aus zehn europäischen Ländern. Ziel ist, den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen zu erforschen.

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Leibniz Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD)
Das DZD ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner.
 

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Originalpublikation:
Wittenbecher C, Ouni M, Kuxhaus O, Jähnert, M, Gottmann P, Teichmann, A, Meidtner, K, Kriebel, J, Grallert, H, Pischon, T, Boeing, H, Schulze, MB, Schürmann, A. Insulin-like growth factor binding protein 2 (IGFBP-2) and the risk of developing type 2 diabetes. Diabetes 2018 (https://doi.org/10.2337/db18-0620)

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360° TOP-Hinweis: Klinikaufenthalt ohne Komplikationen - Blutzuckerwerte

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Diabetespatienten den Klinikaufenthalt ohne Komplikationen überstehen

Drei von zehn Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, haben erhöhte Blutzuckerwerte, häufig ohne es zu wissen. 

Ein Diabetes mellitus gefährdet jedoch die Genesung, wenn er nicht erkannt oder nicht richtig mitbehandelt wird. 
  • Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gibt deshalb in einem Positionspapier eine Reihe von Empfehlungen, die Ärzte bei der stationären Betreuung von Diabetespatienten unterstützen sollen. 

Ziel ist die Vermeidung von schweren Komplikationen, Medikationsfehlern und verlängerten Liegezeiten. 
 
Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel, aber auch eine zunehmende Lebenserwartung führen dazu, dass immer mehr Menschen in Deutschland an Diabetes leiden. „Derzeit nimmt die Zahl der Menschen mit Diabetes in Deutschland jährlich um 300.000 zu“, berichtet Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, DDG Präsident und Mitautor des Positionspapiers.

Betroffen sind meist ältere und kranke Menschen.

Dies erklärt den hohen Anteil von Krankenhauspatienten mit Diabetes, der derzeit bei dreißig Prozent liegt. 

Davon kommen aber die wenigsten wegen ihres Diabetes zur Behandlung in die Klinik.

„Der Diabetes ist in der Regel dann eine Nebendiagnose, im Vordergrund stehen Eingriffe etwa an Hüfte oder Herz“, sagt Gallwitz. 

Dennoch ist der Diabetes aber immer auch ein Warnhinweis, da die Behandlung von Menschen mit Diabetes im Krankenhaus häufig Probleme aufwirft – vor allem wenn eine Operation ansteht.

So kommt es bei Diabetespatienten nach Operationen häufig zu Komplikationen. 

„Die Wundheilung ist verzögert, die Gefahr von Infektionen steigt“, erläutert Gallwitz. 
Bei vielen Diabetespatienten sind Herz und Nieren vorgeschädigt, das Risiko von Durchblutungsstörungen und Thrombosen damit erhöht. Zugleich wird die Dosierung von Medikamenten unter der Narkose erschwert. „Insgesamt haben Diabetespatienten ein um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko, an den Folgen einer Operation zu sterben“, betont DDG Präsident Gallwitz.

Auch die Diagnostik- und Operations-bedingten Nahrungspausen können zu Problemen führen.

Der Körper greift in dieser Situation auf Reserven zurück, und es kommt zur Freisetzung von Hormonen, die den Blutzucker ansteigen lassen.

Bei Diabetespatienten fällt diese Reaktion häufig extrem aus.

„Sehr viel hängt dann von der richtigen Dosierung der blutzuckersenkenden Medikamente ab“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel vom St. Josefskrankenhaus Heidelberg.

Eine zu hohe Dosis könne rasch zur Hypoglykämie führen, einer lebensgefährlichen Unterzuckerung.

„Fehler bei der Dosierung von Insulin sind häufig“, erklärt Siegel.

„Insulin gehört zu den Top-5-Hochrisiko-Medikamenten bei stationären Patienten“, fügt der Mitautor des Positionspapiers hinzu. Ein Drittel aller Medikationsfehler mit Todesfolge innerhalb von 48 Stunden sind auf eine fehlerhafte Insulinverabreichung zurückzuführen.
  • In ihren neuen Empfehlungen gibt die DDG daher genaue Anweisungen zur Insulinbehandlung vor und nach Operationen. 

Die Ärzte erfahren, welche Medikamente sicher und welche Wirkstoffe riskant sind.

„Metformin beispielsweise, der am häufigsten eingesetzte Blutzucker-Senker beim Typ-2-Diabetes, sollte 48 Stunden vor einem Eingriff abgesetzt werden“, erläutert Siegel. Diese Karenzzeit gilt auch für Kontrastmittel-Untersuchungen, die sonst die Niere schädigen könnten. Grund: Metformin wird über die Nieren ausgeschieden, und bei einem zu hohen Anstieg der Blutkonzentration kann es – allerdings in sehr seltenen Fällen – zur Laktatazidose kommen, einer lebensgefährlichen Übersäuerung des Blutes.

Die DDG rät, nach Möglichkeit auf eine Narkose zu verzichten und die Operation unter Regionalanästhesie durchzuführen. 

„Wenn möglich, sollte ein Facharzt den Blutzucker in den Wochen vor der Operation einstellen“, so Gallwitz.

Ist die Stoffwechselsituation ungünstig – etwa wenn der Langzeitblutzuckerwert HbA1c auf über 8,5 Prozent gestiegen ist – muss eine Verschiebung des Eingriffs erwogen werden. 

Jede Stoffwechsel-Optimierung erhöht die Chancen, dass die Patienten den Operationsstress gut überstehen und frühzeitig nach Hause entlassen werden können.

Das „Positionspapier der DDG zur Therapie des Diabetes mellitus im Krankenhaus“ umfasst 102 Seiten. Ärzte und interessierte Laien können es auf der Homepage der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) kostenlos als PDF herunterladen.

Weiterführender Link

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Therapie des Diabetes im KH


 
Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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ullrich@medizinkommunikation.org

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0, Fax: 030 3116937-20
info@ddg.info
www.ddg.info



Der Darm von Fernreisenden / Antibiotika-Resistenzen / Typ-2-Diabetes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie sich Antibiotika-Resistenzen und Typ-2-Diabetes vermeiden lassen

Der Darm von Fernreisenden ist eine bisher unterschätzte Eintrittspforte für Bakterien, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. 

Dies zeigt eine Studie, für die Privatdozent Dr. Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig in diesem Jahr den Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) erhält. Er teilt sich den mit 10 000 Euro dotierten Preis mit dem ebenfalls ausgezeichneten Tübinger Diabetologen Professor Dr. med. Norbert Stefan, dessen Arbeit erklärt, warum Diabetesprävention einigen Menschen schwerer fällt als anderen. 
 
  • Fernreisende bringen immer häufiger „Souvenirs“ mit, die ihnen gesundheitliche Probleme bereiten: fremde Krankheitserreger, gegen die Medikamente nicht wirken. 

In seiner prämierten Arbeit untersuchte Dr. Lübbert die Stuhlproben von 225 gesunden Touristen vor und nach einer Fernreise.

Das Ergebnis: Etwa 30 Prozent der Touristen waren bei der Rückkehr mit sogenannten ESBL-bildenden Enterobacteriaceae besiedelt. Diese Darmbakterien produzieren das Enzym Extended-Spectrum-Betalaktamasen, kurz ESBL. 

Das versetzt sie in die Lage, Antibiotika abzubauen, und es macht sie unempfindlich gegen Medikamente, die bei schweren Infektionen lebensrettend sein können. Besonders häufig betroffen waren Reisende, die aus Indien zurückkehrten. Auch fast jeder zweite Südostasien-Reisende erwarb den „Problemkeim“.

  • Bei über 70 Prozent der Touristen waren die ESBL-Bakterien sechs Monate nach Reiseende wieder aus dem Darm verschwunden. 

Gründliche Händehygiene bietet jedoch keinen sicheren Schutz, und die Träger der Erreger können andere anstecken.

Reisende sollten rohe Nahrungsmittel meiden, empfiehlt Dr. Lübbert. Zudem sollten Ärzte hierzulande ihre Patienten bei der Aufnahme in Kliniken nach Reisen in den letzten sechs Monaten fragen.

Nach einem Aufenthalt in Indien und Fernost könnte ein Stuhltest und die Isolation von Keimträgern sinnvoll sein, um andere Patienten zu schützen.

„Die Arbeit macht deutlich, dass weltweite Anstrengungen notwendig sind, um die weitere Ausbreitung derartiger Keime zu kontrollieren, und dass eine ausführliche Reiseanamnese notwendig ist, wenn Fernreisende eine Aufnahme in einer medizinischen Einrichtung benötigen“, sagt Professor Dr. med. Manfred Weber, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM).

Die zweite prämierte Arbeit hinterfragt, warum sich eine drohende Diabeteserkrankung nicht immer wirksam verhindern lässt.

Denn das Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm „TULIP“ hat sich bei vielen Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko als erfolgreich erwiesen.

Gewichtsverlust senkt das Risiko, tatsächlich zu erkranken. 

  • Doch bei etwa 40 Prozent der Studien-Teilnehmer bessern sich trotz Abnahme von Körpergewicht und Fettmasse die Blutzuckerwerte nicht. 
In seiner Studie zeigte Professor Stefan, dass diese Teilnehmer schon vor Beginn der Studie eine Fettleber hatten.

Sie sezernierten deshalb das blutzuckersenkende Hormon Insulin in geringerem Maße. Damit war die Chance, unter Diät normale Blutzuckerwerte zu erreichen, um das 4,5-Fache geringer.

Professor Stefan legt nahe, dass Menschen mit einer Insulinsekretionsstörung oder einer Fettleber eine intensivierte Lebensstil-Änderung brauchen, um einen Diabetes zu verhindern. „Die Arbeit ermöglicht eine frühe Identifizierung der Risikogruppe jener Menschen, die eher einen Diabetes entwickeln. Außerdem erhalten wir durch die Ergebnisse ein besseres Verständnis diabetischer Komplikationen“, sagt Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

Die Deutsche Stiftung Innere Medizin zeichnet gemeinsam mit der DGIM mit dem Präventionspreis jährlich die beste aus dem deutschsprachigen Raum vorgelegte Arbeit auf dem Gebiet der Primär- und Sekundärprävention innerer Erkrankungen aus. Sowohl experimentelle Ergebnisse als auch epidemiologisch interessante Fragestellungen kommen für die Preisverleihung in Betracht. Die Jury überreicht den Preis im Rahmen ihres Jahreskongresses der DGIM in Mannheim.

Literatur:

Lübbert C, Straube L, Stein C, Makarewicz O, Schubert S, Mössner J, Pletz MW, Rodloff AC. Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany. Int J Med Microbiol 2015; 305: 148–56
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25547265

Stefan N, Staiger H, Wagner R, Machann J, Schick F, Häring HU, Fritsche A. A high-risk phenotype associates with reduced improvement in glycaemia during a lifestyle intervention in prediabetes. Diabetologia 2015; 58: 2877–84
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26404062

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360°TOP-Thema: Sehverlust durch die Blutzuckererkrankung Diabetes mellitus

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Sehverlust bedroht viele Deutsche mit Diabetes

Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz liefert erstmals fundierte Zahlen für Deutschland

Allein in der Altersgruppe von 35 bis 74 Jahren sind mehr als 140.000 Menschen in Deutschland von Sehverlust durch die Blutzuckererkrankung Diabetes mellitus bedroht. Diese Hochrechnung beruht auf einer Studie der Universitätsmedizin Mainz, die erstmalig fundierte Zahlen für Deutschland liefert. Im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie haben die Wissenschaftler mehr als 15.000 Menschen aus der Region untersucht. Dabei stellten sie fest, dass etwa 20 Prozent der Menschen mit Diabetes an einer Schädigung der Netzhaut leiden.

Fünf Prozent sind von einer fortgeschrittenen Form betroffen, welche die Sehfähigkeit sogar erheblich bedroht – dies entspricht hochgerechnet der oben genannten Zahl von mehr als 140.000 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren.Die Ergebnisse der Studie wurden in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE der Public Library of Science veröffentlicht.

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In Deutschland sind über alle Altersgruppen betrachtet etwa acht Prozent der Menschen von Diabetes mellitus betroffen. Bei dieser chronischen Erkrankung ist die Steuerung des Blutzuckerspiegels gestört. Als Langzeitfolge kann der über Jahre erhöhte Blutzuckerspiegel die Blutgefäße schädigen und Durchblutungsstörungen verursachen. Sind die feinen Adern betroffen, welche die Netzhaut des Auges versorgen, spricht man von einer diabetischen Netzhauterkrankung.

  • Schreitet die Erkrankung fort, droht der Verlust der Sehfähigkeit. 
Die bisherigen Schätzungen zur Zahl der Menschen in Deutschland, denen ein solcher Diabetes-bedingter Sehverlust droht, waren sehr ungenau. Sie beruhten auf Zahlen aus dem Ausland, die mit Deutschland aufgrund anderer Lebensgewohnheiten und anderer Gesundheitsversorgungs-Systeme kaum vergleichbar sind. „Die Anlage der Gutenberg-Gesundheitsstudie ermöglicht es, die Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung in Deutschland zu übertragen, so dass nun erstmals eine verlässliche Zahl vorliegt. Demnach sind allein in der untersuchten Studiengruppe im Alter zwischen 35 und 74 Jahren mehr als 142.000 Menschen von schweren Diabetes-bedingten Sehschäden betroffen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik an der Universitätsmedizin Mainz, der die Studie mit ins Leben gerufen hat.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: 

Jeder vierte Studienteilnehmer, bei dem erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt wurden, wusste nichts von seiner Diabetes-Erkrankung. Auch bei diesen Teilnehmern traten bereits frühe Formen der Netzhautschädigung auf. „Das unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung, denn je eher der erhöhte Blutzuckerspiegel behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Spätfolgen“, sagt Alireza Mirshahi, Professor für Augenheilkunde, Forscher an der Universitäts-Augenklinik Mainz und inzwischen Direktor der Augenklinik Dardenne in Bonn, der die Untersuchung geleitet hatte.

  • Die Auswertung der Daten zeigte ferner, dass das Risiko für eine diabetische Netzhautschädigung mit dem Alter und der Erkrankungsdauer steigt und bei erhöhtem Blutdruck größer ist.

„In einem nächsten Schritt sollen nun Früherkennungsmaßnahmen aus den Studienergebnissen abgeleitet werden, die auch neueste technische Untersuchungen einschließen“, so Professor Pfeiffer. „So könnte in Zukunft wohl ein großer Teil der drohenden Sehverschlechterung oder gar Erblindung abgewendet werden.“

Über die Gutenberg-Gesundheitsstudie

Die Gutenberg-Gesundheitsstudie ist eine groß angelegte, prospektive und repräsentative Bevölkerungsstudie. Im Rahmen des Projektes wird der Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Rhein-Main-Region untersucht. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Es werden aber auch Krebserkrankungen, Augenerkrankungen sowie Erkrankungen des Immunsystems, des Stoffwechsels und der Psyche untersucht. Aus augenheilkundlicher Sicht ist die Studie von besonderer Bedeutung: Sie ermöglicht erstmals, zu zahlreichen Augenerkrankungen relevante und zuverlässige Daten für Deutschland zu erheben.

In den Jahren 2007 bis 2012 wurden über 15.000 Personen aus einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe in die Studie eingeschlossen und im Studienzentrum untersucht. In den folgenden Jahren wird die gesundheitliche Entwicklung sowie der Verlauf von aufgetretenen Erkrankungen der Teilnehmer erfasst.

Die interdisziplinäre Studie wird von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt und profitiert von einer hohen inneruniversitären Vernetzung sowie von der Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Kooperationspartnern. Zahlreiche Kliniken und Institute der Universitätsmedizin Mainz sind an der Planung, Organisation und Durchführung der Studie beteiligt. Insgesamt arbeiten über 100 Studienmitarbeiter und Wissenschaftler am Gelingen dieses Großprojekts.

Weitere Informationen zur Gutenberg-Gesundheitsstudie: 

http://www.gutenberg-gesundheitsstudie.de/


zum augenheilkundlichen Schwerpunkt der Gutenberg-Gesundheitsstudie:

http://www.unimedizin-mainz.de/augenklinik/startseite/gutenberg-gesundheitsstudi...


Originalpublikation
Prevalence and cardiovascular associations of diabetic retinopathy and maculopathy: Results from the Gutenberg Health Study; P. Raum, J. Lamparter, K. A. Ponto, T. Peto, R. Hoehn, A. Schulz, A. Schneider, P. Wild, N. Pfeiffer, A. Mirshahi (2015). PLOS ONE 10(6): e0127188.
doi: 10.1371/journal.pone.0127188; http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0127188

Medizin am Abend Berlin DirekKontakt 

Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer,
Direktor der Augenklinik, Universitätsmedizin Mainz,
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz,
Tel: +49 6131 177085, Fax: +49 6131 176620,
E-Mail: norbert.pfeiffer@unimedizin-mainz.de

Prof. Dr. med. Alireza Mirshahi,
Augenklinik Dardenne SE (Dardenne Eye Hospital),
Friedrich-Ebert-Str. 23-25, 53177 Bonn,
Tel. +49 228 8303 344, Fax. +49 228 8303 388,
E-Mail: dr.mirshahi@gmail.com

Dr. Renée Dillinger-Reiter,
Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Gestationsdiabetes - Schwangerschaftsdiabetes verlangsamt Hirnreaktion....

Medizin am Abend Berlin Fazit:    ...... des Fetus nach einer Mahlzeit

 
Die Forschergruppe um Prof. Hubert Preißl und Prof. Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen, dem Deutschen Diabeteszentrum und dem Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, haben in einer jetzt im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlichten Studie gezeigt, dass bei Kindern von Schwangeren mit Gestationsdiabetes im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe das Gehirn auf Töne eine Stunde nach einer Mahlzeit später reagiert. 
 
Gestationsdiabetes ist eine Form des Diabetes, der sich während einer Schwangerschaft entwickeln kann. 
  • Die Diagnose erfolgt über einen oralen Glukosetoleranztest, bei dem nüchtern, eine und zwei Stunden nach dem Trinken einer Zuckerlösung Blutzuckerwerte bestimmt werden. Wenn einer der Werte den Grenzwert überschreitet, wird der Gestationsdiabetes diagnostiziert.

Vierzig Schwangere wurden in der Diabetesambulanz und der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen für die Studie rekrutiert, davon zwölf mit Gestationdiabetes.

Die Studie beinhaltete drei Messzeitpunkte: 

Eine Nüchternmessung, nach der die Teilnehmerinnen die Zuckerlösung zu sich nahmen, dann eine Messung eine Stunde nach der Glukoseaufnahme und eine weitere Messung zwei Stunden nach Glukoseaufnahme.

Zu jedem Messzeitpunkt wurde mittels fetaler Magnetoenzephalographie, einer Methode zur nicht-invasiven, passiven Messung fetaler Hirnaktivität, die fetale Hirnreaktion auf einen wiederholt präsentierten Ton gemessen und die Reaktionszeit des Gehirns bestimmt. 

Zusätzlich wurde bei der Mutter zu jedem Messzeitpunkt Zucker und Insulin im Blut gemessen.

Eine Stunde nach Glukoseaufnahme fanden die Forscher eine langsamere fetale Reaktion auf Töne in der Gruppe der Gestationsdiabetikerinnen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Zu den anderen beiden Messzeitpunkten zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen.

  • Die Autoren schließen daraus, dass die fetale Hirnfunktion vom mütterlichen Stoffwechsel beeinflusst wird. Sie nehmen an, dass eine Prägung des fetalen Stoffwechsels durch den der Mutter stattfindet, die Konsequenzen für das spätere Diabetes- und Übergewichtsrisiko des Kindes haben kann. Eine Schlüsselrolle könnte hier der erhöhte Zucker- und Insulinspiegel der Mutter und des Kindes haben.
  • Die Ergebnisse dieser Studie erweitern die bisherigen Erkenntnisse zur Bedeutung von verminderter Insulinwirkung im Gehirn für Übergewicht und Typ 2 Diabetes substantiell, da sie darauf hinweisen, dass möglicherweise eine sogenannte Insulinresistenz im Gehirn schon in utero angelegt sein könnte. 

Der derzeitige Stand zur Bedeutung dieser Insulinresistenz wurde gerade von der Arbeitsgruppe in einem Übersichtsartikel in der renommierten Fachzeitschrift Nature Reviews Endocrinology zusammengefasst.

Diese Forschung wurde unterstützt durch das Deutsche Diabeteszentrum, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (TR-SFB 654 “Plasticity and Sleep”) und die Helmholtz Allianz.

Originalpublikationen
Katarzyna Linder, Franziska Schleger, Isabelle Kiefer-Schmidt, Louise Fritsche, Stefanie Kümmel, Martin Heni, Magdalene Weiss, Hans-Ulrich Häring, Hubert Preissl und Andreas Fritsche (2015). Gestational Diabetes Impairs Human Fetal Postprandial Brain Activity. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. Early Release, jc.2015-2692

http://press.endocrine.org/doi/10.1210/jc.2015-2692

Martin Heni, Stephanie Kullmann, Hubert Preissl, Andreas Fritsche, Hans-Ulrich Häring (2015). Impaired insulin action in the human brain: causes and metabolic consequences. Nature Reviews Endocrinology. Advanced Online Publication, doi:10.1038/nrendo.2015.173
www.nature.com/nrendo/journal/vaop/ncurrent/abs/nrendo.2015.173.html


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen
Prof. Dr. Hubert Preißl
Tel. 07071 29-87704
hubert.preissl@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Andreas Fritsche
Tel. 07071 29-80590
andreas.fritsche@med.uni-tuebingen.de 
Dr. Ellen Katz Universitätsklinikum Tübingen