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CAVE: Bauchaorten-Aneurysma (BAA) bei Tumorpatienten: Offene Operation oder mit ednovaskulären Eingriff

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Aneurysmen bei Tumorerkrankten - Wenn die OP-Risiken zu groß werden

  • Eine Aussackung der Bauchschlagader gleicht einer tickenden Zeitbombe. 
  • Reißt das Aneurysma auf, droht ein enormer Blutverlust, der in der Regel tödlich verläuft. 

Um dies zu verhindern, sollte ein Bauchaorten-Aneurysma (BAA) ab einem bestimmten Durchmesser operiert werden. 

Doch gilt dies auch für Tumorerkrankte, deren Lebenserwartung begrenzt ist? 

Dazu lagen bislang keine aussagekräftigen Daten vor. 

  • Eine neue Studie zeigt, dass die Sterblichkeit von Krebskranken bei einer offenen BAA-Operation bei 8,2 % liegt und damit das Risiko eines Risses im ersten Jahr deutlich übersteigt. 

Tumorerkrankte sollten deshalb, wann immer möglich, minimalinvasiv behandelt werden. 

Darauf weist die DGCH hin.

  • Die Elastizität der Blutgefäße kann mit der Zeit abnehmen, sodass sie immer weniger zu ihrer alten Form zurückkehren – es bildet sich dann häufig an den Gefäßwänden eine Aussackung, die als Aneurysma bezeichnet wird. 

„An der Bauchschlagader sollte ein Aneurysma ab einer Größe von 5 bis 5,5 Zentimetern bei Frauen und ab 5,5 Zentimetern bei Männern operiert werden“, sagt Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH. 

So sehen es die nationalen und internationalen Leitlinien vor. 

  • Diese Empfehlung gilt jedoch so nicht ohne weiteres für Patient*innen, deren Lebenserwartung aufgrund einer anderen Erkrankung deutlich eingeschränkt ist und bei weniger als zwei bis drei Jahren liegt. 

„Bei ihnen könnte das Operationsrisiko die Gefahr übersteigen, dass es in der verbleibenden Lebenszeit noch zum Aufreißen des Aneurysmas kommt“, erläutert Schmitz-Rixen. 

Das Risiko einer solchen Ruptur liegt bei 5,3 Prozent pro Jahr.

Wie hoch das Operationsrisiko für Krebspatient*innen tatsächlich ist, war allerdings unklar. Neue Daten zeigen jetzt erstmals, wie sich eine Tumorerkrankung auf das kurz- und langfristige Operationsergebnis eines Bauchaorten-Aneurysmas (BAA) auswirkt. Die Studie wertete Routine-Daten der AOK retrospektiv aus, insgesamt wurden knapp 20.000 Patientinnen und Patienten einbezogen, die sich im Untersuchungszeitraum 2010 bis 2016 der Operation eines BAA unterzogen hatten.

 „Knapp 1400 dieser Patienten wiesen zum Zeitpunkt des Eingriffs eine Tumorerkrankung des Darms, der Prostata, der Harnblase oder des Harnleiters, oder der Bronchien auf“, erläutert Schmitz-Rixen, der an der Studie beteiligt war.

Wie die Studie zeigt, hing das Überleben der Tumorpatient*innen besonders deutlich von der Operationstechnik ab. 

Ein Aneurysma kann entweder im Rahmen einer klassischen offenen Operation behandelt werden oder in einem endovaskulären Eingriff mithilfe eines Katheters. 

„Von den Patientinnen und Patienten, die einen begleitenden Tumor aufwiesen und offen operiert wurden, überlebten 8,2 Prozent den Eingriff nicht“, berichtet Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg und ebenfalls einer der Autoren der aktuellen Studie. „Das sind deutlich mehr als laut Statistik im ersten Jahr an einer Ruptur verstorben wären“, so Böckler. 

Die Kliniksterblichkeitsrate übersteige auch erheblich den Qualitätsparameter einer Klinikletalität von maximal fünf Prozent, den die Society for Vascular Surgery fordert.

„Eine offene Operation lässt sich damit bei Tumorpatientinnen und Tumorpatienten nur schwer rechtfertigen“, betonen die Autoren. Auch die geringe verbleibende Lebenszeit – nach neun Jahren Nachbeobachtung lebte nur noch rund ein Drittel der Tumorerkrankten – lasse es zumindest fraglich erscheinen, ob Patientinnen und Patienten mit den in der Studie betrachteten Begleittumoren überhaupt an einem Bauchaortenaneurysma operiert werden sollten. 

„Solange man auf Basis des Tumorstadiums von einer längeren Lebenserwartung ausgehen kann, sollten die Betroffenen, wann immer möglich, minimalinvasiv operiert werden“, resümieren Schmitz-Rixen und Böckler. 

Mit dieser Methode liege die Operationssterblichkeit bei 3,9 Prozent und damit wesentlich niedriger als bei einem offenen Eingriff.

Hinsichtlich des Langzeitüberlebens zeigten sich zwischen den verschiedenen Krebserkrankungen große Unterschiede. Patientinnen und Patienten mit Darmkarzinom überleben durchschnittlich am längsten, neun Jahre nach der BAA-Operation sind es noch 45,3 Prozent. 

Am niedrigsten liegt die Überlebensrate dagegen bei Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs, hier lebten neun Jahre nach der Operation nur noch 24,1 Prozent. 

„Im Vergleich mit der jährlichen Rupturrate von etwas mehr als 5 Prozent ist der riskante Eingriff bei einem Bronchialkarzinom eher nicht zu empfehlen“, so Schmitz-Rixen. 

„Hier ist das konservativ abwartende Vorgehen eine bedenkenswerte Alternative.“
 

Originalpublikation:

Epple J, Lingwal N, Schmitz-Rixen T, Böckler D, Grundmann RT, on behalf of DIGG gGmbH: The treatment of patients with an unruptured abdominal aortic aneurysm and a concomi-tant malignancy—short- and long-term results. Dtsch Arztebl Int 2023; 120: 589–94. DOI: 10.3238/arztebl.m2023.0157

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SonntagFrühstück mit dem Vati: Deine Bauchschlagader ...Ultraschalluntersuchung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neu für Männer ab 65:„Screening der Bauchschlagader wird Leben retten“

Über 17.000 Patienten werden pro Jahr in Deutschland operiert / Neue Früherkennungsmaßnahme für gesetzlich Versicherte / In Schweden konnte Sterblichkeit halbiert werden 
 
Männer ab 65 Jahren haben zukünftig einen Anspruch auf eine kostenlose, einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader. 

  • Durch dieses Screening sollen Aneurysmen, also gefährliche Aussackungen, der Hauptschlagader frühzeitig erkannt werden. 
  •  
  •  Prof. Dr. Hubert Schelzig, Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)
Prof. Dr. Hubert Schelzig, Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) Foto: UKD

Hintergrund:

Reißt ein solches Aneurysma ein, überleben nur 20 Prozent der Patienten den massiven Blutverlust, der dadurch in kürzester Zeit eintritt. 

Deutschland ist eines der letzten Länder in Westeuropa, in denen ein solches Programm eingeführt wird.

„Das Screening wird Leben retten“, ist Prof. Dr. Hubert Schelzig überzeugt. Er ist Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD). Das Team von Prof. Schelzig versorgt jährlich rund 150 Menschen, die an einer Aussackung der Bauschlagader erkrankt sind.

  • „Männer über 65 erkranken sechsmal häufiger als Frauen an einem Aneurysma der Bauchaorta. 

Zudem steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter. Kommen weitere Faktoren hinzu, vor allem das Rauchen oder auch eine familiäre Vorbelastung, erhöht sich das Risiko noch weiter“, so der Gefäßexperte.

Das Gefährliche an einem Aneurysma der Bauschlagader ist zudem: 

Es wird oft sehr spät oder gar nicht entdeckt. „Meist sind diese Aneurysmen symptomlos. Beschwerden werden als Bauchschmerzen abgetan oder auch als Rückenschmerzen, wenn es etwa auf die Wirbelsäule drückt. Kommt es dann zu einem Riss, im Fachbegriff Ruptur, ist es häufig für einen rettenden Eingriff leider zu spät“, betont Prof. Schelzig.

Pro Jahr werden in Deutschland über 17.000 Menschen gezählt, die an einem Aneurysma der Bauschlagader rechtzeitig und unter optimalen Bedingungen in der Klinik operiert werden. Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer bei Patienten mit einer tödlichen Ruptur noch höher ist, da nicht alle Fälle erkannt und damit auch nicht erfasst werden.

Angesichts dieser Zahlen sei der Schritt zu einen Screeninganspruch für gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahren als Hauptrisikogruppe jetzt absolut nötig gewesen, bekräftigt Prof. Schelzig.

Für den Erfolg einen solches Screenings gibt es beeindruckende Zahlen aus anderen Ländern.

In Schweden wurde 2006 mit einem solchen Programm begonnen.

  • Inzwischen konnte dort die Anzahl der tödlichen Verläufe bei Männern über 65 Jahren fast halbiert werden. Prof. Schelzig ist daher überzeugt: 

„Auch bei uns in Deutschland wird diese Früherkennungsmaßnahme Leben retten.“


  • Das Screening erfolgt per Ultraschalluntersuchung. 

Wird dort festgestellt, dass die Bauschlagader gefährlich erweitert ist, kann schnell gehandelt werden.

Dabei kann etwa operativ ein Ersatzgefäß aus Kunststoff in den erkrankten Bereich der Schlagader eingenäht werden. 

Eine schonende Alternative dazu stellt das minimal-invasive Einbringen einer Stentprothese über einen kleinen Leistenschnitt dar.

Hierbei wird die Gefäßprothese unter Röntgenkontrolle exakt an die erforderliche Stelle geschoben und dort entfaltet.

Auf eine große Operation kann so verzichtet werden.

„Die besten Chancen bestehen natürlich dann, wenn die Erkrankung so früh wie möglich entdeckt wird.

Daher ist das Screening enorm wichtig und der richtige Schritt“, so der Düsseldorfer Hochschulmediziner.

Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) für diese Früherkennungsmaßnahme fiel 2016.

Für 2018 erwartet Prof. Schelzig nun den offiziellen Start des Screeningprogramms bei den Hausärzten. 

Am 20. September gibt es daher eine Informationsveranstaltung des Universitätsklinikums Düsseldorf im Haus der Universität in der Innenstadt für Ärzte und Interessierte.

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TAVI- und MitraClip-Verfahren in Berlin und bundesweit

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Interdisziplinäre Team-Entscheidungen bei endovaskulären Verfahren

Vortrag Privatdozent Dr. med. Wolfgang Harringer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG); Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax und Gefäßchirurgie, Städtisches Klinikum Braunschweig, anlässlich des 133. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie am 27. April 2016 in Berlin: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: TV - Blutfluss 

 
Neben den konventionellen offenen Operationen am Herzen haben sich in den letzten Jahren zunehmend sogenannte kathetergestützte Eingriffe etabliert.

Dabei werden über verschiedene Gefäßzugänge, unter Verwendung von Kathetern, Herzklappen- oder Gefäß-Implantate eingebracht.

Diese neuen Entwicklungen haben ohne Zweifel die Möglichkeiten der Behandlung von Herzklappenerkrankungen, aber auch von Aneurysmen (Aufweitungen) der Hauptschlagader, wesentlich erweitert.

  • Insbesondere sind Patientinnen/Patienten, die früher wegen zu hohen Alters oder wesentlicher Begleiterkrankungen nur bedingt einer chirurgischen Therapie zugänglich waren oder gar ausgeschlossen werden mussten, nun behandelbar.

Beispielhaft zu nennen sind hier die kathetergestützte Aortenklappen-Implantation (TAVI) zur Therapie der schweren Aortenklappenstenose (Verengung der Hauptschlagader-Klappe durch Verkalkung), das kathetergestützte Mitralklappen-Clipverfahren (MitraClip) bei Undichtigkeit der linksseitigen Vorhof-Kammerklappe und die Ausschaltung von Aussackungen (Aneurysmen) der Hauptschlagader im Brustkorb- und/oder Bauchbereich durch Einbringen innerer Gefäßstützen (sogenannter „gecoverter Stents“).

Gerade die TAVI hat in den vergangenen fünf Jahren in der Bundesrepublik eine rapide Zunahme in der Patientenversorgung durchlaufen. Während in diesem Zeitraum die Zahl der isoliert durchgeführten Aortenklappenersatz-Operationen mit circa 10.000 Fällen nahezu konstant blieb, hat die Zahl der TAVI-Prozeduren bis zum Jahr 2014 auf circa 13.000 Eingriffe zugenommen.

  • Die beiden anderen genannten Eingriffsarten unterliegen bislang keiner gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung nach Paragraf 137 SGB V, so dass keine verlässlichen Daten und Fakten hierzu vorliegen.

Diese Entwicklung hat auch dazu beigetragen, die bereits bei anderen Eingriffen bewährte Vorgehensweise des sogenannten Herzteams auch in diesem Bereich obligat zu etablieren.

  • Dies bedeutet ein noch näheres Zusammenrücken der beteiligten Fachgebiete Herzchirurgie, Kardiologie und auch Anästhesie. Das Herz-Team bezieht sich dabei auf Indikationsstellung, Eingriffsplanung und Durchführung, sowie die umfassende postprozedurale Nachbehandlung gleichermaßen.
  • Korrekte Indikationsstellung bedeutet hierbei, das für den Patienten geeignete und sicherste Verfahren unter Berücksichtigung der Langzeitergebnisse auszuwählen. 
  • Gerade der letzte Aspekt wird gelegentlich vernachlässigt. 

Für den klassisch-operativen, herzchirurgischen Aortenklappenersatz liegen in der wissenschaftlichen Literatur Publikationen zu Zeiträumen von bis zu 15 bis 20 Jahren nach der Erstoperation vor. Dadurch ist die Sicherheit des Verfahrens nachvollziehbar dokumentiert, während die Langzeitsicherheit, und insbesondere auch Haltbarkeit der implantierten Prothesen, des nun seit knapp fünf Jahren in größerer Breite eingesetzten TAVI-Verfahrens gegenwärtig noch als nur bedingt geklärt angesehen werden können und bei der gemeinsamen Aufklärung der Patienten im Team Berücksichtigung finden müssen.

Während das MitraClip-Verfahren, mit Verbindung der zwei Klappensegel meist in der Mitte der Klappe, als provisorische Lösung anzusehen ist, können viele Fälle von Mitralklappenundichtigkeit herzchirurgisch im anatomischen Sinn vollständig korrigiert werden, und damit als heilbar angesehen werden.

Gerade bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko, stellt das neue Verfahren eine gute Alternative dar, um die Symptome der Patienten zu lindern.

Die Bedeutung des langen Atems in der medizinischen Wissenschaft zeigte sich wieder erst kürzlich auf dem Kongress der amerikanischen Kardiologen (ACC 65th Annual Scientific Session and Expo, April 2–4, 2016; Chicago).

So trugen die Autoren der sogenannten STICH-Studie vor, dass ein Überlebensvorteil der Bypasschirurgie gegenüber medikamentöser Therapie bei Patienten mit schwerer koronarer Herzerkrankung und eingeschränkter Herzleistung, der sich nach fünf Jahren nur angedeutet hatte, nach zehn Jahren dann tatsächlich auch statistische Signifikanz erreichte.

Für das TAVI- und MitraClip-Verfahren wurden die notwendigen Voraussetzungen im Juli 2015 durch eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geregelt.

Diese Verfahren dürfen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen nur noch in Einrichtungen erbracht werden, die in der Richtlinie für minimalinvasive Herzklappeninterventionen dezidiert festgelegte Struktur-, Prozess- und Personalvoraussetzungen erfüllen.

Hierbei ist ein funktionierendes Herzteam der wesentlichste Faktor.

Die stets eingeräumte Übergangsfrist endet am 30. Juni 2016. 

Dabei ist anzumerken, dass bereits vor Inkrafttreten dieser Richtlinie über 95 Prozent dieser Eingriffe entsprechend internationaler Gepflogenheiten unter Herzteam-Bedingungen erfolgten.

Es ist ohne Zweifel durch die konsequente Umsetzung des Herzteam-Ansatzes in der Herzmedizin und die möglichst enge Kooperation der Fachgebiete bei den invasiven Verfahren eine weitere Verbesserung der Patientensicherheit und auch der Therapieergebnisse zu erwarten.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit der Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.


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Behandlung von zufällig entdeckten Aneurysmen (UIATS)

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Neues Beurteilungssystem

Unter der Leitung der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf hat ein internationales Forscherteam weltweit erstmalig ein systematisches Beurteilungsmodell für die Behandlung von nicht-rupturierten Aneurysmen der Hirngefäße entwickelt. Das sogenannte „Unruptured Intracranial Aneurysm Treatment Score (UIATS)“-System soll die Therapieentscheidung bei Patienten vereinheitlichen und optimieren. Die zentrale Frage kreist dabei in der Regel um die Entscheidung zwischen einer invasiven, d.h. einer chirurgischen / radiologischen Behandlung, oder der konservativen Verlaufsbeobachtung des Aneurysmas. 
 
Damit einher geht die Abwägung zwischen dem Risiko für Komplikationen bei der Durchführung eines Eingriffs, beziehungsweise dem potentiellen Risiko einer mitunter lebensbedrohlichen Blutung durch Platzen des Aneurysmas bei der Verlaufsbeobachtung.

Ab sofort ist die Publikation über das Klassifikationssystems (UIATS) online unter www.neurology.org einsehbar.

Die Arbeit erscheint im Print am 8. September 2015 in Neurology, dem weltweit größten Journal für Neurologie der American Academy of Neurology.

Hirnarterielle Aneurysmen sind sackförmige Ausstülpungen der Gefäßwand, die bei etwa drei Prozent der Weltbevölkerung vorkommen. 

Aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit bildgebender Verfahren, wie z.B. der Magnetresonanztomographie (MRT), werden diese potentiell lebensgefährlichen Gefäßwandveränderungen immer häufiger zufällig entdeckt.

Da diese Patienten meist wegen einer anderen Erkrankung oder Symptomen, die nicht direkt einem Aneurysma zuzuordnen sind, einen Arzt aufsuchen, erfolgt die Abstimmung durch Ärzte verschiedenster Fachdisziplinen (Allgemeinmedizin, Kardiologie, Neurologie, Neurochirurgie und Radiologie).

  • Aufgrund deren unterschiedlichen Fachwissens in Bezug auf Aneurysmen fällt die Einschätzung über eine adäquate Behandlung häufig sehr verschieden aus.

Ausgehend von diesen sehr unterschiedlichen Herangehensweisen riefen 39 weltweit anerkannte Aneurysmaexperten vor vier Jahren eine fächerübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben. Ziel der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Neurochirurgen der Universitätskliniken Düsseldorf (Priv. Doz. Dr. Nima Etminan) und Toronto (Prof. Dr. Loch Macdonald) war es, ein System zu entwickeln, welches alle relevanten Faktoren bei der Beurteilung eines Aneurysmas berücksichtigt.

Behandelnde Ärzte können so letztlich sowohl individuelle als auch vereinheitlichte Therapieempfehlungen ableiten. 

Dazu wurde die Relevanz verschiedenster Faktoren, wie Größe, Form und Ort des Aneurysmas, sowie Alter und Lebenserwartung des Patienten, erfasst. Diese sind letztlich entscheidend für die Wahl der Behandlung: Bei einem 77-Jährigen Patienten mit einem glatt geformten, fünf Millimeter großen Aneurysma sowie dem gleichzeitigen Vorliegen von Lungenkrebs (Lebenserwartung unter fünf Jahre), ist eine konservative Therapie/ eine Beobachtung die adäquate Variante. Eine 32 Jahre alte rauchende Frau mit Bluthochdruck und einem irregulär geformten, ebenfalls 5mm großem Aneurysma würde man hingegen eher invasiv behandeln.

Abschließend bestätigten 30 weitere unabhängige und internationale Aneurysmaexperten mit hoher Übereinstimmung die Gültigkeit von Therapieempfehlungen des „Unruptured Intracranial Aneurysm Treatment Score (UIATS)“- Systems. Eine Smartphone-App für den ärztlichen Gebrauch ist dazu bereits in Erprobung.

Publikation: The unruptured intracranial aneurysm treatment score: A multidisciplinary consensus by Nima Etminan, Robert D. Brown, Jr., Kerim Beseoglu, et al., DOI 10.1212/WNL.0000000000001891 Neurology published online August 14, 2015


www.neurology.org


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

PD Dr. med. Nima Etminan
Leitender Oberarzt
etminan@uni-duesseldorf.de
Susanne Dopheide
Universitätsklinikums Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Verschlossene Blutgefäße

Medizin am Abend Fazit: künstliche Blutgefäße, die vom Körper abgebaut und mit eigenem Gewebe ersetzt werden. 

Langzeitversuche an der MedUni zeigen: Auch nach einem Jahr leistet das Blutgefäß noch gute Dienste.
Langzeitversuche an der MedUni zeigen: Auch nach einem Jahr leistet das Blutgefäß noch gute Dienste. Helga Bergmeister, MedUni Wien
 
Verschlossene Blutgefäße können rasch gefährlich werden.

Oft ist es notwendig, ein Blutgefäß zu ersetzen – entweder durch ein körpereigenes Blutgefäß oder aber durch künstlich hergestellte Gefäßprothesen. Die TU Wien und die Medizinische Universität Wien entwickelten nun gemeinsam künstliche Blutgefäße aus einem speziellen Elastomer-Material, das ausgezeichnete mechanische Eigenschaften hat. Diese künstlichen Blutgefäße werden im Laufe der Zeit durch körpereigenes Material ersetzt. Am Ende dieses Umbauprozesses ist wieder ein natürliches, vollständig funktionsfähiges Blutgefäß entstanden. Bei Ratten hat sich die Methode bereits bewährt.

Überleben durch künstliche Blutgefäße

Zu den häufigsten Todesursachen in Industrienationen gehören arteriosklerotische Gefäßerkrankungen. Eine Bypass-Operation ist dann oft die einzige Lösung. Normalerweise entnimmt man dafür Blutgefäße des Patienten und setzt sie statt des geschädigten Blutgefäßes ein. Dank eines gemeinsamen Projekts von TU Wien und Medizinischer Universität Wien sollen in Zukunft auch künstlich hergestellte Gefäße vermehrt zum Einsatz kommen.

Entscheidend dabei ist, ein passendes Material zu finden. Die künstlichen Materialien, die man bisher verwendete, vertragen sich nicht optimal mit dem körpereigenen Gewebe. Es kann dann leicht zu einem Verschluss des Blutgefäßes kommen, besonders wenn der Durchmesser gering ist.

An der TU Wien wurden daher neue Polymere entwickelt. „Es handelt sich um sogenannte thermoplastische Polyurethane“, erklärt Prof. Robert Liska vom Institut für angewandte Synthesechemie der TU Wien. „Durch die Auswahl ganz bestimmter molekularer Bausteine gelang es uns, ein Polymer mit den gewünschten Eigenschaften zu synthetisieren.“

Ein dünner Polymer-Faden, zur Röhre gesponnen

Zur Herstellung der Gefäßprothesen werden Polymerlösungen in einem elektrischen Feld zu sehr feinen Fäden gesponnen und auf eine Spule aufgewickelt. „Die Wand dieser künstlichen Blutgefäße ist natürlichen Blutgefäßen sehr ähnlich“, sagt Prof. Heinz Schima von der Medizinischen Universität Wien.

Das Polymer-Gewebe ist leicht porös, daher sickert zunächst etwas Blut hindurch und reichert die Wand mit Wachstumsfaktoren an. Das begünstigt das Einwandern körpereigener Zellen. Die Interaktion zwischen Material und Blut wurde an der TU Wien von Prof. Martina Marchetti-Deschmann mit Hilfe von ortsaufgelöster Massenspektrometrie untersucht.

Im Rattenexperiment war die neue Methode bereits sehr erfolgreich. „Sechs Monate nach dem Einsetzen der Gefäßprothesen wurden die Blutgefäße der Ratten untersucht“, sagt Dr. Helga Bergmeister von der MedUni Wien. „Es waren weder Aneurysmen noch Thrombosen oder Entzündungen festzustellen. 

Körpereigene Zellen hatten die Gefäßprothese besiedelt und das künstliche Konstrukt zu körpereigenem Gewebe umgewandelt.“ Das Nachwachsen körpereigenen Gewebes verläuft sogar schneller als man erwartet hatte, daher soll nun die Abbaudauer der Kunststoffröhren noch verringert werden. Daher wird derzeit noch an weiteren Anpassungen des Materials gearbeitet.

Synthese der biokompatiblen und bioabbaubaren Polymere im Labor an der TU Wien
Synthese der biokompatiblen und bioabbaubaren Polymere im Labor an der TU Wien TU Wien

Vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) wurde das Projekt kürzlich mit einer PRIZE Prototypenförderung ausgezeichnet. Bis die künstlichen Blutgefäße bei Menschen eingesetzt werden können, sind noch weitere präklinische Versuche notwendig. Doch aufgrund der bisherigen Ergebnisse ist das Forscherteam sehr zuversichtlich, dass sich die neue Methode in einigen Jahren auch beim Einsatz im Menschen bewähren wird.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Robert Liska
Institut für Angewandte Synthesechemie
Technische Universität Wien
Getreidemarkt 9, 1060 Wien
T: +43-1-58801-163614
robert.liska@tuwien.ac.at

Prof. Heinrich Schima
Zentrum für Medizinische Physik und Biomed. Technik,
MedUni Wien, Währinger Gürtel 18, A-1090 Wien
T: +43-1-40400-39820
heinrich.schima@meduniwien.ac.at

Prof. Helga Bergmeister
Department für Biomedizinische Forschung
MedUni Wien, Währinger Gürtel 18, A-1090 Wien
T: +43-1-40400-52190
helga.bergmeister@meduniwien.ac.at

Mag. Johannes Angerer
Medizinische Universität Wien
Spitalgasse 23, 1090 Wien
T: +43-1-40160-11501
pr@meduniwien.ac.at

Dr. Florian Aigner Technische Universität Wien
TU Wien und MedUni Wien entwick

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http://dx.doi.org/10.1016/j.actbio.2014.09.003 Originalpublikation