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Kasuistik: Management des Gewicht von Patienten

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Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim zum Gewichtsmanagement bei Menschen mit Übergewicht offenbart eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Versorgung und dem, was die Betroffenen angeben.

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas. Sie leben damit mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Um Gewicht erfolgreich zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Behandlungsangebote: Die aktuellen Leitlinien für die Behandlung von Adipositas empfehlen im ersten Schritt strukturierte, multimodale Verhaltensprogramme, die sich aus den Bausteinen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen zusammensetzen. Als zusätzliche Optionen können Medikamente in Betracht kommen und bei starkem Übergewicht auch eine (bariatrische) Operation, durch die die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird.

Der Zugang zu diesen Behandlungen scheint jedoch in der Praxis nicht ganz einfach. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist uneinheitlich. Und offenbar wissen viele Menschen auch gar nicht, welche Arten von Unterstützung ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. So die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Leitung: Prof. Dr. Falko Sniehotta) durchgeführt haben.

Um zu erfahren, wie Gewichtsmanagement in Deutschland tatsächlich umgesetzt wird und wo mögliche Versorgungslücken bestehen, führten sie eine Online-Befragung von mehr als 2.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas durch. Dabei zeigte sich eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Behandlung von Übergewicht und der Inanspruchnahme dieser Leistungen durch die Betroffenen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie wurden gefragt, welche Angebote zur Unterstützung beim Gewichtsmanagement sie kennen, welche sie bereits genutzt haben, welche sie künftig ausprobieren würden und welche Hindernisse einer Nutzung entgegenstehen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwar haben rund 85 Prozent der Befragten bereits versucht, ihr Gewicht zu reduzieren – davon allerdings drei von vier ohne professionelle Unterstützung. Trotz deutlichen Übergewichts hatte weniger als die Hälfte der Befragten ein Gespräch mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin über Optionen des Gewichtsmanagements. Und nur 7,8 Prozent der Befragten hatten bereits an einem verhaltensbasierten Programm, einschließlich digitaler Gesundheitsanwendungen („DiGAs“), teilgenommen. Lediglich 6,2 Prozent der Befragten hatten Medikamente zur Behandlung von Adipositas genutzt.

Bei der Befragung zeigte sich, dass Bekanntheit und Interesse sich deutlich zwischen den verschiedenen Behandlungsoptionen unterscheiden. Besonders auffällig war dies bei digitalen Gesundheitsanwendungen („DiGAs“). Obwohl sie die einzige Behandlungsoption sind, deren Kosten von den Krankenkassen regelmäßig übernommen werden, kannten nur 19 Prozent der Teilnehmenden diese Angebote. Aber mehr als doppelt so viele (39,1 Prozent) zeigten bei der Befragung Interesse daran, eine solche Anwendung auszuprobieren.

Zu den am häufigsten genannten Hindernissen für die Nutzung der verschiedenen Behandlungsangebote gehörten mangelnde Kenntnis der verfügbaren Optionen, Zweifel an deren langfristiger Wirksamkeit sowie die Einschätzung, Unterstützung noch nicht dringend genug zu benötigen.

„Um den wachsenden Adipositasraten wirksam zu begegnen, müssen künftig sowohl die Verfügbarkeit als auch der Zugang zu evidenzbasierten Behandlungsangeboten verbessert und die Vermittlung der Betroffenen in entsprechende Programme gestärkt werden“, so das Fazit der Erstautorin der Studie, Dr. Laura Kudlek.

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Dr. Laura Kudlek
Universitätsmedizin Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Röntgenstr. 7, 68167 Mannheim
laura.kudlek@medma.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Laura Kudlek; Hannah Z. Hennig; Hannah Haumann; Falko F. Sniehotta
Weight Management and Healthcare Utilization among Adults with Overweight and Obesity in Germany: A Representative Survey of General Practitioner Consultations and Digital and Pharmacological Treatment
Obesity Facts (2026)
https://doi.org/10.1159/000552226

Therapie von Rückenschmerzen

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Internationale Studie zeigt Grenzen konservativer Behandlungen auf.

Eine großangelegte Analyse eines internationalen Forscherteams geführt von der Hochschule Bochum zeigt: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Bewegungstherapie oder Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen können Beschwerden zwar lindern – allerdings meist nur für wenige Wochen. Langfristig bleiben für Patient*innen relevante Verbesserungen aus.
Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Belavy (Hochschule Bochum) gemeinsam mit Partnern unter anderem aus Australien, Großbritannien und China durchgeführt und am 30. Juni 2026 im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht.
Kurzfristige Effekte – aber keine nachhaltige Wirkung
Die Forschenden werteten Daten aus 551 randomisierten Studien mit über 71.000 Patientinnen und Patienten aus. Untersucht wurden zahlreiche konservative Therapien, darunter Bewegungstraining, manuelle Therapie, Akupunktur, psychologische Ansätze und medikamentöse Behandlungen.
Das zentrale Ergebnis: Viele dieser Behandlungen führen zu einer spürbaren Verbesserung von Schmerzen und Funktion – allerdings vor allem kurzfristig, in einem Zeitraum von etwa 10 bis 12 Wochen. „Wir sehen, dass verschiedene Therapieformen durchaus wirken – aber dieser Effekt hält in der Regel nicht lange an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Bochum. Nach etwa einem Jahr zeigten sich keine klinisch relevanten Vorteile mehr, auch wenn einzelne Effekte statistisch noch nachweisbar waren.
Aktiv oder passiv? Unterschied geringer als gedacht
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Aktive Therapien wie beispielsweise Bewegungstherapie und passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Massage sind in ihrer Wirkung ähnlich. Das widerspricht teilweise verbreiteten Annahmen in der Versorgung. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavy. „Stattdessen brauchen wir im deutschen Gesundheitssystem Strategien, die Menschen dazu befähigen, ihre Schmerzen langfristig selbst zu bewältigen.“
„Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine Ursache, sondern mehrere, weiß der Rückenschmerzexperte. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden, so Belavy. „Wir wissen aus anderer Forschung, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund brauchen wir Ansätze, die Patient*innen mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei helfen, sich selbst besser zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching.“
Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt solche Ansätze bisher noch nicht ausreichend“, so Belavy. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“
Herausforderungen der bestehenden Studien
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die untersuchten Studien zeigten deutliche Unterschiede in der Durchführung der einzelnen Behandlungsformen und wie sehr Patient*innen davon profitierten. „Dies spiegelt jedoch auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis - und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen,“ kommentierte Prof. Belavy. Zukünftige Studien sollten stärker auf langfristige Wirksamkeit, Selbstmanagement, Patientenbeteiligung und Lebensstilveränderungen ausgerichtet sein, so die Forschenden.

Betroffene gesucht
Begleitend zur aktuellen Forschung untersucht die Hochschule Bochum in einer randomisierten Pilotstudie, wie viel Bewegungstraining tatsächlich notwendig ist, um chronische unspezifische Rückenschmerzen wirksam zu lindern. Für die laufende Studie werden aktuell noch Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen gesucht. Interessierte können durch ihre Teilnahme dazu beitragen, zukünftige Therapieangebote gezielter, individueller und wirksamer zu gestalten. Im Rahmen der Studie absolvieren die Teilnehmenden ein sechs­wöchiges betreutes Bewegungstraining.

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Prof. Dr. Daniel Belavy daniel.belavy@hs-bochum.de, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften

Originalpublikation:
https://bmjmedicine.bmj.com/content/5/1/e001908