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Dialysepatient: Cholesterin- bzw. Lipidsenker oder CSE-Hemmer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Welche Dialysepatienten profitieren von einer Behandlung mit Statinen?

  • Score ermöglicht die Vorhersage eines Behandlungseffektes der Statin-Therapie bei Dialysepatienten mit Diabetes mellitus 

 Dialysepatienten haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
 Dialysepatienten haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
 
Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und des Universitätsklinikums Würzburg ist es gelungen, nicht nur nachzuweisen, dass Untergruppen von Dialyse-Patienten tatsächlich unterschiedlich von der Behandlung mit Statinen zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen profitieren, sondern auch einen Score zu entwickeln, der für einzelne Patienten eine Vorhersage über die klinische Wirksamkeit von Statinen erlaubt.

  • Patienten, die aufgrund einer schweren Nierenerkrankung auf eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind, haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 
  • Denn häufig gehen mit einem chronischen Nierenversagen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Blutarmut einher. 

Ob aber in diesem Zusammenhang die Behandlung von Dialysepatienten mit Statinen gerechtfertigt ist, ist umstritten, da randomisierte Studien mit (Hämo-) Dialysepatienten* deren Nutzen nicht belegen.

Statine sind auch als Cholesterin- bzw. Lipidsenker oder CSE-Hemmer bekannt. 

Sie gelten als wichtige Arzneistoffe zur Senkung der Blutfettwerte und Vorbeugung von durch Arteriosklerose bedingten Herzkrankheiten wie Koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinfarkt.

  • Während Statine das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ohne Dialysebehandlung nachweislich senken, besteht große Unsicherheit bezüglich ihres Nutzens für Dialysepatienten.

Wenn Dialysepatienten nicht generell von der Statin-Behandlung profitieren, gibt es dann vielleicht innerhalb ihrer Gesamtheit Untergruppen, die profitieren könnten?

Und wenn ja: Wie können solche Patienten in der Praxis identifiziert werden? Diesen Fragen gingen Professor Dr. Winfried März von der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim und Dr. Bernd Genser von der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Würzburg in ihrer aktuellen Studie nach.

Sie untersuchten die im Rahmen der Deutschen Diabetes Dialyse Studie (4D-Studie)* erfassten klinischen und biochemischen Eigenschaften der Studienteilnehmer daraufhin, ob sie in einem Zusammenhang zur Wirkung von Atorvastatin auf die Entwicklung von kritischen kardiovaskulären Ereignissen (z.B. Herzinfarkten und Schlaganfällen) oder Tod der Teilnehmer im Verlauf der Studie standen.

Das Ergebnis:
Viele dieser Parameter modifizieren die Wirkung der Statine.

  • So zeigte sich beispielsweise, dass Statine besonders wirksam bei Patienten mit hohem LDL-Cholesterin im Anfangsstadium der Dialysebehandlung sind, wo die Fettstoffwechselstörung noch ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. 
  • Je länger die Dialysebehandlung jedoch andauert, desto weniger wirksam ist die Statin-induzierte Lipidsenkung, da oft weitere Erkrankungen hinzukommen, deren Fortschreiten durch unterschiedliche Marker nachgewiesen werden kann.

Indem sie die Parameter in klinisch anwendbare Scores integrierten, konnten die Wissenschaftler drei Gruppen von Dialysepatienten bilden:

  • Patienten, bei denen Atorvastatin eine deutliche Verminderung der kardiovaskulären Endpunkte bewirkte, Patienten, bei denen sich praktisch kein Effekt zeigte und Patienten, bei denen sogar eine signifikant nachteilige Wirkung von Atorvastatin sichtbar wurde. 

Mit der Hilfe des vorgeschlagenen Scores können Kliniker also nicht nur jene Patienten auswählen, die am meisten von der Behandlung mit Statinen profitieren würden, sondern auch jene identifizieren, die potenziell Schaden nehmen könnten.

„Die Betrachtung der biologischen Systeme bei Dialysepatienten half uns, das Konzept, wie verschiedene Faktoren direkt und indirekt die Wirkung der Statine modifizieren, sehr gut zu verstehen.

Wir gehen davon aus, dass einige der in dieser Arbeit identifizierten Mechanismen und Marker auch für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen größerer Populationen wirksam sind und auch dort ein personalisierter Ansatz der Lipidsenkung äußerst sinnvoll wäre“, sagt Dr. Bernd Genser, der Erstautor der Studie.

„Freilich ist unsere Arbeit nur ein erster, Hypothesen generierender Schritt hin auf das Ziel einer Personalisierung der Statin-Therapie in weiteren Patientengruppen. Wir müssen daher daran arbeiten, die Güte der Vorhersage unseres Scoring-Systems an weiteren unabhängigen Populationen zu bestätigen“, ergänzt Winfried März.

*Deutsche Diabetes Dialyse Studie (4D-Studie)
Randomized Controlled Trial on the Efficacy and Safety of Atorvastatin in Patients With Type 2 Diabetes on Hemodialysis (4D Study): Demographic and Baseline Characteristics
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15316128/

AURORA Trial
A Study to Evaluate the Use of Rosuvastatin in Subjects on Regular Hemodialysis: An Assessment of Survival and Cardiovascular Events
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00240331

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Prof. Dr. Winfried März
Universitätsmedizin Mannheim
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Baden-Württemberg

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Originalpublikation:
A scoring system for predicting individual treatment effects of statins in type 2 diabetes patients on haemodialysis
Bernd Genser, Christoph Wanner and Winfried März
European Journal of Preventive Cardiology, 0(00) 1–16
https://doi.org/10.1177/2047487320905721

CAVE: Untersucher: Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis/Harnsteinleiden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis

Neue Empfehlungen zur Volkskrankheit Harnsteine

  • Die Volkskrankheit Harnsteine tritt in vielen Ländern der Welt mit zunehmender Häufigkeit auf. 

In Deutschland wird davon ausgegangen, dass rund fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter Harnsteinen leiden – Männer doppelt so häufig wie Frauen. 

  • Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände, aber auch eine verbesserte Diagnostik, die Harnsteine häufiger eindeutig nachweist, gelten als Gründe. 
 
Um die Behandlung von Harnsteinleiden in Klinik und Praxis zu unterstützen, hatte die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) schon 2008 eine erste ärztliche S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis initiiert, die jetzt abermals aktualisiert worden ist.

„Die DGU erweitert ihr Leitlinienprogramm konsequent und hält es mit regelmäßigen Updates kontinuierlich aktuell.

Nun haben wir unter Federführung unseres Arbeitskreises Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen die Überarbeitung der Leitlinie zur Urolithiasis abgeschlossen“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Die neue Version der Leitlinie enthält insgesamt 132 Empfehlungen und Statements.

Wichtige Änderungen der aktualisierten Leitlinie betreffen unter anderem die Bereiche Harnsteine bei Kindern, metabolische Diagnostik und Metaphylaxe sowie die konservative Therapie. 

„Ein Großteil insbesondere kleinerer Harnsteine geht spontan über den Harn ab.

Falls nicht, können sie heute in aller Regel minimal-invasiv therapiert werden.

  • Die hohe Rezidivrate von bis zu 50 Prozent erfordert jedoch die Identifikation von Risikopatienten.

Diese Patienten bedürfen einer erweiterten metabolischen Diagnostik und diätetischer beziehungsweise medikamentöser Metaphylaxe-Maßnahmen, wodurch das Rezidivrisiko je nach Steinart und Ursache sehr deutlich gesenkt werden kann“, erläutert DGU-Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Christian Seitz.

  • Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Harnleiterstein bis zu 7 mm Durchmesser kann der Spontanabgang unter regelmäßiger Kontrolle abgewartet werden. 

In der Leitlinienversion von 2015 wurde dies nur für Steindurchmesser bis zu 5 mm empfohlen.

  • Etwa ein Prozent aller Steinereignisse betreffen Kinder unter 18 Jahren, wobei im ersten Lebensjahrzehnt Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen.
Im zweiten Lebensjahrzehnt ist es eher umgekehrt.

  • Bei Kindern sollte aufgrund des Rezidivrisikos schon nach dem ersten Steinabgang eine zugrundeliegende metabolische Störung diagnostiziert und behandelt werden.

Allgemein empfiehlt die Leitlinie gesunden Menschen zur Vorbeugung von Nieren- und Harnleitersteinen eine gleichmäßig über den Tag verteilte Trinkmenge von 2,5 bis 3 Litern sowie eine kochsalzarme Ernährung mit hohem Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln. 

Bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko oder bei Dialysepatienten sind möglicherweise individuelle Flüssigkeitsmengen zu beachten. 
  • Auch Bewegungsmangel fördert Harnsteinbildung und sollte vermieden werden.

An der Überarbeitung der 131 Seiten starken Leitlinie und dem Konsensusprozess waren neben der DGU acht weitere Fachgesellschaften und Berufsgruppen sowie acht Arbeitskreise der Akademie der Deutschen Urologen und ein Arbeitskreis der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie beteiligt. Organisation und umfangreiche Literaturrecherche lagen bei UroEvidence, dem Wissenstransferzentrum der DGU. Die neue „S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis“ ist auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) unter der Registernummer 043-025 veröffentlicht. (https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-025.html)

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Nierenkranke: Impfstatus prüfen z.b. Grippeimpfung/Pneumokokken/Herpeszoster/Gürtelrose

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: 

DGfN plant Kampagne, um die Grippeimpfrate bei chronisch nierenkranken Patienten zu erhöhen

Eine heute im Deutschen Ärzteblatt [1] publizierte Studie belegt eine zu geringe Grippeimpfrate bei chronisch nierenkranken Menschen. 

Sie liegt mit ca. 45% zwar höher als in der Allgemeinbevölkerung, aber in Anbetracht des Risikoprofils von nierenkranken Menschen ist sie zu gering. 

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) reagiert umgehend auf die neuen Daten und plant im Herbst eine Grippeimpfkampagne gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung. 
 
  • Die von Kevin Schulte und Kollegen im Deutschen Ärzteblatt publizierte Studie [1] dokumentiert eine viel zu geringe Rate von Grippeimpfungen bei Nierenpatienten. 
  • In den Jahren 2012-2017 erhielten 41 - 47 % aller Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion eine Grippeimpfung. 
  • Bei den Dialysepatienten waren es 43 - 45 %, bei den nierentransplantierten Patienten sogar nur 32 - 34 %. 

Zwar sind diese Impfraten insgesamt etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung, dort lag die Impfquote in der Influenzasaison 2016/2017 bei 35 % [2], aber Nierenkranke sind besonders anfällig, daher wird die Impfung von der STIKO gerade für diese Patientengruppe empfohlen.

  • „Die Grippeimpfung ist wichtig, insbesondere, wenn man bedenkt, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion grundsätzlich zu einer Schwächung des Immunsystems führt und zusätzlich viele Patienten, z.B. Nierentransplantierte, Immunsuppressiva erhalten. 

Das sind Medikamente, die das Immunsystem schwächen. 

Nierenkranke sind deshalb gegenüber Grippeviren besonders anfällig und schutzlos“, erläutert Professor Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

Hinzu kommt, dass Nierenpatienten oft betagt und multimorbid sind, eine Studie zeigt, dass sie die Patienten mit den komplexesten Krankheitsbildern sind.

Eine Schutzimpfung ist allein deshalb schon angeraten. 


Auch Patienten mit leichtgradiger Nierenfunktionseinschränkung haben ein erheblich erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen [3], zudem kommt es zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit in Abhängigkeit von der Nierenfunktion.

  • Influenza ist eine relevante Ursache für Lungenentzündungen bzw. ein Wegbereiter für andere Erreger. 
  • Deshalb ist die Influenza-Impfung für nierenkranke Patienten dringend angeraten.

CAVE: Die Studie hatte auch gezeigt, dass ein Aufruf an die behandelnden Ärzte wenig ausrichtet und die Impfquote nicht verbessert.

Eine direkte, an die Patienten gerichtete Information konnte die Situation zumindest leicht verbessern. 

Ein Impfaufruf, der an die Patienten adressiert war, erhöhte die Rate um 3 Prozentpunkte, so das Ergebnis der vorliegenden Studie.

„Leider ist die Bevölkerung insgesamt sehr impfmüde geworden und auch wir Nephrologen erleben es immer wieder, dass nierenkranke Menschen Impfungen ablehnen. 

Lärmende Impfgegner in den Medien tragen zur Verunsicherung der Bevölkerung bei und wir müssen diese mit umfassenden Erklärungen abbauen.

In der täglichen Routine bleibt aber oft nicht die Zeit, um argumentativ gegen die Vorbehalte der Patienten anzugehen.“

Mit einer Informationskampagne soll jetzt Abhilfe geschaffen und die nierenkranken Patienten umfassend über die positiven Effekte der Impfung aufgeklärt werden.

Die DGfN plant, die Kampagne im Schulterschluss mit der Deutschen Nierenstiftung im Frühherbst zu starten.

„Die vorliegende Studie war wichtig, weil sie ein Informationsdefizit unserer Patienten aufdeckt, auch eine mangelnde Aufklärung der Patienten durch die Ärzte gezeigt und uns vor Augen gehalten 
hat, wie niedrig die Impfrate unserer Patienten tatsächlich ist.

Wir sehen einen dringenden Handlungsbedarf und werden das Thema als Fachgesellschaft in unserer Öffentlichkeitsarbeit nun weiter intensivieren und den Patienten umfassendes Informationsmaterial an die Hand geben“, erklärt DGfN-Präsident Professor Dr. Andreas Kribben.

„Wir hoffen, so die Grippeimpfrate bereits in der nächsten Saison deutlich anheben zu können“.

[1] Schulte K, Schierke H, Tamayo M et al. Strategien für eine verbesserte Influenzaquote bei chronisch nierenkranken Patienten. Deutsches Ärzteblatt 2019;116:413-9.
[2] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/02/19/und-sie-schuet...
[3] Principi N, Esposito S; ESCMID Vaccine Study Group. Influenza vaccination in patients with end-stage renal disease. Expert Opin Drug Saf 2015; 14 (8): 1249-58

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Die Lungenentzündung beim Dialysepatient

Medizin am Abend Berlin Fazit: Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist die erste gemeinsame Studie aller zwölf klinischen Studienzentren an den Start gegangen. 

  • Ziel der Studie ist ein verbesserter Impfschutz bei Dialysepatienten. 

Die Studienzentrale an der Uniklinik Köln konnte jetzt am Dialysezentrum in Kronach die ersten 15 Patienten einschließen. 

Insgesamt werden deutschlandweit 884 Patienten teilnehmen. 

 Bei klinischen Studien wird jeder Schritt genau kontrolliert
Bei klinischen Studien wird jeder Schritt genau kontrolliert MedizinFoto Köln
 
  • Fortgeschrittene Nierenerkrankungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. 

Bei den betroffenen Dialyse-Patienten ist das Immunsystem geschwächt und die Infektionsanfälligkeit erhöht: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Labor von Infektionserregern 

Lungenentzündungen infolge von Pneumokokken zählen zu den häufigsten Todesursachen, obwohl die Patienten dagegen geimpft werden. 

  • Warum die Wirkung der Schutzimpfung bei dieser Patientengruppe vermindert ist, ist bisher ungeklärt.

Die aktuelle multizentrische Beobachtungsstudie DOPPIO (Duration of protection from pneumonia after pneumococcal vaccination in hemodialysis patients) untersucht nun die Immunreaktion von Dialysepatienten. Ziel ist ein verbesserter, individualisierter Impfplan.

In dieser Studie kooperieren die zwölf klinischen Studienzentren des DZIF mit dem „Qualität in der Nephrologie (QiN)“-Register des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e.V. (KfH).

Die Studienpatienten werden in 30 niedergelassenen Praxen des KfH eingeschlossen.

Die DZIF-Studienzentren koordinieren die Analyse der gebildeten Antikörper und führen eine zweijährige Nachsorge zur Dokumentation von Lungenentzündungen durch.

Die Uniklinik Köln kooperiert hierbei mit den Unikliniken in Bonn, Gießen, Hamburg, Heidelberg, Lübeck, Marburg, München (LMU und TU) und Tübingen sowie dem Forschungszentrum Borstel und der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Wir freuen uns über den Start der Studie und sind zuversichtlich, die Infektionsprophylaxe bei Dialysepatienten nachhaltig verbessern zu können“, erklärt der Infektiologe Prof. Oliver Cornely, Initiator und Leiter der Studie sowie Koordinator der DZIF-Studienzentrale in Köln. „DOPPIO wird das DZIF als einen exzellenten Forschungspartner für klinische Studien präsentieren.“

Über das DZIF
Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit circa 500 Wissenschaftler und Ärzte aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die sogenannte Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen.
Weitere Informationen: www.dzif.de.

Über die DZIF-Studienzenten
Die Expertisen für die Planung und Durchführung klinischer Studien werden im DZIF in zwölf Studienzentren gebündelt. Zudem wird eine zentrale Plattform für die klinische Untersuchung von neu entwickelten Impfstoffen und Medikamenten aus dem DZIF angeboten. Die DZIF-Studienzentrale an der Uniklinik Köln unterstützt dabei die einzelnen Zentren und koordiniert die standardisierte Durchführung klinischer Studien.

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Prof. Oliver A. Cornely
Exzellenzcluster CECAD in der Universität zu Köln
Klinik I für Innere Medizin
Koordinator der DZIF-Studienzentrale
Uniklinik Köln
T +49 221 478 85523
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DZIF
Karola Neubert und Janna Schmidt


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Karola Neubert
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CAVE: Entzündungsmarker im Blut

Medizin am Abend Berlin Fazit: Entzündungsmarker im Blut sagt das Überleben von Dialysepatienten voraus

Erste Ergebnisse der bayerischen Dialysestudie ISAR

Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München haben einen Stoff im Blut identifiziert, mit dem sich die Überlebensaussichten von Nierenkranken, die Dialyse benötigen, vorhersagen lassen. 


Weitere Studien müssen zeigen, ob durch die Senkung dieses Blutmarkers die hohen Sterberaten bei Dialysepatienten verringert werden können, ähnlich wie dies mit niedrigeren Cholesterinwerten bei Herzinfarktpatienten der Fall ist. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Impfen in Berlin  


Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer und Dr. Georg Lorenz mit Dialysepatient Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer und Dr. Georg Lorenz mit Dialysepatient Johannes Schmal, Klinikum rechts der Isar
 
Derzeit werden in Deutschland etwa 80.000 Patienten langfristig mit Dialyse versorgt, weil ihre Nieren versagen.

Menschen, die dauerhaft auf diese Nierenersatztherapie angewiesen sind, versterben oft vorzeitig.

  • Die Lebenserwartung eines Dialysepatienten liegt in etwa bei der eines Patienten mit einer bösartigen Krebserkrankung. 

Daher ist das Ziel der Dialyseforschung Faktoren zu identifizieren, die zu dieser hohen Sterblichkeit beitragen, und diese Faktoren mit neuen Behandlungsansätzen zu verändern. Einer Arbeitsgruppe von Nierenspezialisten am Klinikum rechts der Isar ist nun die Identifikation eines neuen möglichen Risikofaktors für Dialysepatienten gelungen.

Das Eiweiß, das bei Dialysepatienten erhöht ist, trägt die Bezeichnung YKL-40.

  • Dieses körpereigene Eiweiß ist bei einer Vielzahl von entzündlichen Erkrankungen im Blut erhöht. 
Entzündungsreaktionen helfen dem Körper, z.B. eindringende Bakterien oder Pilze abzuwehren.

Unter bestimmten Umständen kann eine solche Entzündung aber auch ohne Bakterien ̶ sozusagen ohne erkennbaren Grund ̵̶ auftreten und Gefäße und Organe schädigen.  

  • Dialysepatienten leiden häufig unter solchen niedrigschwelligen permanenten Entzündungsreaktionen. die vermutlich wesentlich zu der hohen Sterblichkeitsrate beitragen.

Wie die Wissenschaftler um Dr. Georg Lorenz und Priv.-Doz. Dr. Christoph Schmaderer von der Abteilung für Nephrologie in der ISAR Dialyse-Studie zeigen konnten, ist YKL-40 an diesem Prozess beteiligt.

Hohe Werte dieses Entzündungsmarkers im Blut zeigten ein erhöhtes Risiko an, dass der Patient versterben wird. 

Dabei unterscheidet sich YKL-40 von bisher bekannten Entzündungsmarkern: 

die Forscher gehen davon aus, dass es andere Facetten der entzündlichen Erkrankung von Dialysepatienten widerspiegelt.

„Inwieweit YKL-40 wirklich ursächlich an der erhöhten Sterblichkeit der Dialysepatienten beteiligt ist“, so Lorenz, „lässt sich anhand der vorliegenden Daten leider noch nicht sicher sagen, ist aber Teil unserer aktuellen Forschung“.

Dazu Schmaderer, der Studienleiter der ISAR Dialyse-Studie:

„In Deutschland und international findet die Dialyseforschung viel zu wenig Beachtung.

In vielen Köpfen ist verankert, dass die Dialyse technisch nicht verbessert werden kann und damit das Schicksal der Patienten besiegelt ist.

 Damit wollten wir uns nicht abfinden und haben daher die ISAR Dialyse-Studie durchgeführt.

Wir danken vor allem den über 500 Dialysepatienten und den Dialyseärzten im Großraum München, die zum Gelingen der Studie wesentlich beigetragen haben. Nur zusammen kann es uns gelingen, das Leben zukünftiger Generationen von Dialysepatienten zu verlängern und vor allem zu verbessern“.

Die Studie ist im Fachjournal Kidney International erschienen. Link zum Originalartikel:

http://www.kidney-international.org/article/S0085-2538(17)30540-9/abstract

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PD Dr. Christoph Schmaderer, geschäftsführender Oberarzt
Dr. Georg Lorenz, klinischer Wissenschaftler
Abteilung für Nephrologie
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22
81675 München
089-4140-5053 oder 6704
christoph.schmaderer@mri.tum.de
georg.lorenz@mri.tum.de

Tanja Schmidhofer
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Ismaninger Straße 22
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Deutschland
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360° TOP-Thema: Rettungsstelle - Kanzel: Dialysezugang per Katheter für Dialyse-Fistel oder Shunt

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Dresdner Uniklinikum nutzt minimalinvasives Verfahren

Um die Versorgung von Dialysepatienten weiter zu verbessern, haben die Bereiche Interventionelle Radiologie sowie Angiologie am Universitäts GefäßCentrum des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden eine innovative Methode etabliert. 

Sie ist etwa für 40 Prozent der Patienten geeignet, die durch eine genaue präoperative Ultraschalldiagostik identifiziert werden können. Mit dem neuen, minimal-invasiven Eingriff wird ein Gefäßzugang zur Hämodialyse geschaffen, indem Arterie und Vene des Unterarms verbunden werden. 
 Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs interventionelle Radiologie, mit den beiden Spezial-Kathetern zur minimalinvasiven Anlage eines Dialyseshunts.
Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs interventionelle Radiologie, mit den beiden Spezial-Kathetern zur minimalinvasiven Anlage eines Dialyseshunts. Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer
 
Um den gewünschten Kurzschluss – auch Dialyse-Fistel oder Shunt genannt – herzustellen, navigieren die Radiologen zwei spezielle Katheter unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle über nadelstichgroße Punktionen am Oberarm zu dicht nebeneinander verlaufenden Blutgefäßen am Unterarm.  

Mit dem neuen Verfahren lässt sich eine offene Operation vermeiden.
  • Die meisten Dialysepatienten müssen sich drei Mal pro Woche einer Blutwäsche unterziehen. 
  • Dabei werden ihnen in der Regel zwei Kanülen in eine oberflächlich gelegene Armvene gestochen, über die das Blut zum Dialysegerät fließt, um dann gereinigt wieder zurück in den Körper zu gelangen. 
  • Das geht aber nur, wenn die Vene dazu groß genug ist und einen ausreichenden Blutfluss hat. 
Deshalb wenden die Ärzte einen Trick an: Sie verbinden im Unterarm eine oberflächliche Vene mit einer Arterie. Durch diesen Kurzschluss und den veränderten Blutfluss vergrößert sich das Gefäß deutlich. Mit einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern und über eine Länge von gut zehn Zentimetern ist es dann möglich, die Kanülen trotz häufiger Einstiche optimal zu platzieren.

Bisher legten Gefäßchirurgen diese Dialysefisteln im Rahmen einer offenen Operation an, dies ist oft mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. In den vergangenen Jahren wurde nun ein schonendes, minimal-invasives Verfahren entwickelt, das im vergangenen Jahr auch in Deutschland Einzug hielt.

Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter des Bereichs Interventionelle Radiologie am Institut für Radiologie des Dresdner Uniklinikums, gehörte zu den ersten deutschen Spezialisten, die diesen Eingriff in die klinische Routine integrierte. 

Bei dem Verfahren, für das lediglich eine örtliche Betäubung notwendig ist, navigieren die Radiologen die beiden Katheter unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle zu den beiden benachbarten Gefäßen des Unterarms.

Voraussetzung ist, dass die ausgewählte Arterie und die ebenfalls benötigte Vene sehr nah nebeneinander verlaufen und eine Verbindung zu oberflächlichen Venen besteht.

Dies wird im Rahmen der Voruntersuchungen in der Fistelsprechstunde der Gefäßambulanz des Universitäts GefäßCentrums von Angiologen mittels Ultraschall untersucht.

  • Sind bei dem Eingriff beide Katheter optimal platziert, presst ein Magnet Arterie und Vene aneinander. Hochfrequenter Wechselstrom öffnet danach die Gefäßwände und schafft eine Verbindung zwischen den beiden tief liegenden Gefäßen. Durch diesen gerade einmal eine Sekunde dauernden Vorgang entsteht ein direkter arterio-venöser Shunt.
Bei vorbestehender Verbindung aus dem tiefen Venensystem am Unterarm zu oberflächlichen Venen kann dann das Blut durch den kurzen Verschluss einer tiefen Armvene an die Oberfläche umgeleitet werden. Unmittelbar nachdem diese Verbindung geschaffen wurde, ist die oberflächliche Vene mit zwei Millimetern noch sehr klein. Durch den Blutfluss und die Druckverhältnisse weitet sich dieses Gefäß jedoch langsam.

Nach dieser von Experten „Reifung“ genannten Phase nach durchschnittlich zwei Monaten ist die für die Dialyse benötigte Shuntvene gut zehn Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von rund zehn Millimetern.


Mit zwei Kathetern lässt sich minimalinvasiv ein Dialyseshunt anlegen.

Mit zwei Kathetern lässt sich minimalinvasiv ein Dialyseshunt anlegen. TVA medical
 

Erste klinische Daten belegen eine hohe Erfolgsrate des neuen Verfahrens mit niedriger Komplikationsrate. Die mit dem Kathetersystem vorgenommenen Shunt-Anlagen gelingen in 97 Prozent der Eingriffe. Davon sind nach sechs Monaten 96 Prozent offen. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Operation, bei dem die Wunden genäht und die Gefäße stärker verletzt werden müssen, dürfte das neue Katheterverfahren den Patienten deutlich schonen und auch dazu beitragen, funktionstüchtigere und auch langlebigere Shunts zu schaffen. Da jedoch für diese innovative, minimal-invasive Methode noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den langfristigen Ergebnissen vorliegen, beteiligt sich das Universitäts GefäßCentrum des Dresdner Uniklinikums an der ersten europäischen Studie, ab der sich Kliniken aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien beteiligen.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Universitäts GefäßCentrum
Fistel-Sprechstunde des (mittwochs 14 bis 16.30 Uhr)
Anmeldung über 0351 458 22 36
E-Mail: ugc@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/ugc

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Institut für Radiologische Diagnostik
Prof. Dr. med. Ralf-Thorsten Hoffmann
Tel.: 0351 458 5115
E-Mail: ralf-thorsten.hoffmann@uniklinikum-dresden.de

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360° TOP-Thema: Versorgung von Dialysepatienten: Die teilstationäre Leistungen auch – gemäß § 39 StGB 5

Medizin am Abend Berlin Fazit:   AOK Rheinland/HH und Knappschaft-Krankenkasse betreiben Raubbau

Die Versorgung der 80.000 Dialysepatienten in Deutschland erfolgt derzeit fast ausschließlich im ambulanten Sektor. Ein kleiner Teil der Patienten – das sind vor allem ältere Patienten mit zahlreichen Komorbiditäten – bedarf jedoch der chronischen Dialyse in einem klinischen Umfeld, wo bei möglichen Komplikationen schnell eingegriffen werden kann, der Patient also unmittelbar auf eine Intensiv- oder Facharztstation verlegt werden kann. 

Die teilstationäre Dialyse ist daher – wie andere teilstationäre Leistungen auch – gemäß § 39 StGB 5 Bestandteil des Spektrums von Krankenhausbehandlungen und wird nach dem DRG-System vergütet. 
 
Dennoch wird sie nun von den Kostenträgern in Frage gestellt bzw. haben die AOK Rheinland/Hamburg sowie die Knappschaft-Krankenkasse bereits Fakten geschaffen, um sie zu unterlaufen. 

Mit dem Pauschalargument „ambulant vor stationär“ wurde die Vergütung der teilstationären Dialyse-Behandlung bei einigen Leistungserbringern in Nordrhein-Westfalen deutlich gekürzt oder sogar bereits komplett eingestellt.

„Die Argumentation ist absurd, denn die Nephrologie folgt wie kaum eine andere Fachdisziplin diesem Grundsatz. 

Fast 95% aller Dialysepatienten werden ambulant versorgt, nur bei kritischen Patienten wird die chronische Dialyse im Krankenhaus erbracht.

Wenn man bedenkt, dass Dialysepatienten im Durchschnitt 70 Jahre sind und die Dialysepflichtigkeit oft Resultat verschiedener Grunderkrankungen ist, kann man bei einer 95%-zu-5%-Verteilung wohl kaum von einer Beugung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ sprechen.

Was die benannten Kassen machen, ist de facto eine eigenmächtige Kürzung des Leistungsangebots auf Kosten von Dialysepatienten, und zwar der Krankesten unter ihnen“, so der Vorwurf von Prof. Dr. Martin Kuhlmann, Vorsitzender des Verbands Leitender Krankenhausnephrologen (VLKN).

Genauso sehen es die Patientenverbände – und es formiert sich bereits Widerstand. Peter Gilmer vom Bundesverband Niere e.V., einem Patientenverein mit mehr als 16.000 Mitgliedern, mahnte, „die Kirche im Dorf zu lassen“ und führte noch ein weiteres Argument an.

Demnach habe ein Wegfall der teilstationären Dialyse zur Folge, „dass auch die stationäre Notfallversorgung von dialysepflichtigen Patienten nicht mehr voll umfänglich gewährleistet ist“ [1].

„Diese Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, räumt Prof. Dr. Jürgen Floege ein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), der Dachverband, der sowohl die Krankenhaus- wie auch die niedergelassenen Nephrologen repräsentiert. „Um eine hochqualitative stationäre Versorgung niereninsuffizienter Patienten sicherstellen zu können, sind nicht nur erhebliche Vorhaltekosten, sondern auch Erfahrung erforderlich. Wenn im Krankenhaus jedoch nur noch Notfalldialysen durchgeführt werden, fehlt die Behandlungsroutine.“

Das sei aber nur die Spitze des Eisbergs: Die Weigerung der Krankenkassen, die teilstationäre Dialyse gar nicht mehr oder nur noch unzureichend zu vergüten, führe dazu, dass nephrologische Kliniken wirtschaftlich kaum noch im grünen Bereich arbeiten könnten und vielerorts vor dem Aus stünden.

Wenn aber nephrologische Kliniken schließen, sei eine wohnortnahe Versorgung von Dialysepatienten, die wegen anderer Erkrankungen wie z.B. Pneumonie, Herzinfarkt, Knochenbruch etc. stationär aufgenommen werden müssen, nicht mehr gewährleistet.

Darüber hinaus würde die Schließung nephrologischer Kliniken auch die Weiterbildung für nephrologische Fachärzte und nephrologische Fachpflegekräfte, die hauptsächlich in den Krankenhäusern erfolgt, empfindlich schwächen.

„Nephrologische Fachärzte und nephrologische Fachpflegekräfte sind aber angesichts der zu erwartenden steigenden Prävalenz nierenkranker Patienten dringend erforderlich, schon jetzt ist die Sicherstellung der Versorgung in strukturschwachen Regionen schwierig“, so Floege.

Die DGfN versucht nun, sich strategisch gegen diese Entwicklung aufzustellen. Hierzu  fand in Berlin ein erster Workshop mit dem Titel „Stärkung der Nephrologie“ statt. „Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, denn was die AOK Rheinland/Hamburg und Knappschaft-Krankenkasse derzeit betreiben, ist ein unverantwortlicher Raubbau an der Versorgung von Dialysepatienten“, so die abschließende Einschätzung von Prof. Kuhlmann.

[1] Gilmer P. Qualitätsnetzwerk der guten Dialyseversorgung gefährdet. Der Nierenpatient 7/15, Kirchheim-Verlag. S. 31f.

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Zahl chronischer Dialysen in Krankenhäusern

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Chronische Dialyse im Krankenhaus sichert die Versorgung!

Die Versorgung der 80.000 Dialysepatienten in Deutschland erfolgt fast ausschließlich im ambulanten und nur zu einem geringen Teil im stationären Sektor.  

Das Spektrum der Dialyse im Krankenhaus reicht von der Akut-und Notfall-Dialyse sowie der Behandlung von Patienten mit akutem Nierenversagen auf Intensivstationen über die Dialyse bei chronischen Dialysepatienten mit stationär behandlungspflichtigen Erkrankungen bis hin zur chronischen Dialyse. 

Letztere wird nun von den Kostenträgern grundsätzlich in Frage gestellt und es gibt bereits Pläne, die chronische Dialyse in Krankenhäusern drastisch einzuschränken. 
 
Gegen dieses Vorhaben spricht sich die gesamte Nephrologie – darunter die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), der Verband leitender Klinikärzte in der Nephrologie (VLKN), aber auch die niedergelassenen Nephrologen des Verbandes Deutsche Nierenzentren (DN) e. V. sowie die gemeinnützigen Dialyseanbieter KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. und die PHV – Der Dialysepartner Patienten-Heimversorgung – vehement aus. „Denn ein solcher Schritt gefährdet perspektivisch die gesamte Dialyseversorgung in Deutschland“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Floege, Präsident der DGfN.

Warum wird die chronische Dialyse in Krankenhäusern gebraucht?

- Um eine hochqualitative stationäre Versorgung niereninsuffizienter Patienten sicherstellen zu können, ist Erfahrung erforderlich. Wenn im Krankenhaus jedoch nur noch Notfalldialysen durchgeführt werden, fehlt die Behandlungsroutine. Es ist zu befürchten, dass dann die Qualität der Akut- und Notfalldialysen leidet, die stationären Patienten also schlechter versorgt werden.

- Die Möglichkeit der Notfalldialysen muss an 7 Tagen der Woche an 24 Stunden vorgehalten werden. Fällt die chronische Dialyse an Krankenhäusern weg, ist die Vorhaltung der modernen Maschinen und insbesondere des geschulten Personals für die Krankenhäuser kostenintensiv und hoch defizitär. Die chronischen Dialysebehandlungen in ausreichendem Umfang sorgen für eine gleichmäßige Auslastung der Dialyseeinrichtung und tragen damit zur Wirtschaftlichkeit, letztlich also auch zum Erhalt der eigentlichen stationären Versorgung bei.

- Die Einschränkung der chronischen Dialysen an Krankenhäusern gefährdet die nephrologische Weiterbildung – und damit in Zukunft auch insgesamt die Dialyseversorgung. Denn auch KollegInnen, die später in die Niederlassung gehen, werden zunächst in Krankenhäusern aus- und weitergebildet. Das bereits jetzt bestehende Problem des Nachwuchsmangels wird verstärkt und perspektivisch ist dann kaum noch eine flächendeckende Versorgung der Dialysepatienten zu leisten.

„Daher protestieren auch wir niedergelassenen Nephrologen gegen das Vorhaben, die Zahl chronischer Dialysen in Krankenhäusern drastisch zu reduzieren. Dies würde unnötig die gute, flächendeckende Versorgung von Dialysepatienten in Deutschland aufs Spiel setzen“, erklärt Dr. Michael Daschner, Vorstandsvorsitzender des DN e.V.

 „Es wird ohnehin nur ein geringer Teil der Patienten (etwa 3 - 5%) chronisch in Krankenhäusern dialysiert, die meisten Patienten befinden sich in ambulanter Versorgung.

Die Nephrologie ist also bereits weitestgehend ambulant aufgestellt.

Eine ausreichende Zahl an in den nephrologischen Schwerpunktkliniken durchgeführten Dialysen ist notwendig, um die Aus- und Weiterbildung sowie die Behandlungsqualität zu sichern.

Wir sind offen für eine flächendeckend definierte Zahl von chronischen Dialysen in den qualifizierten Kliniken und sehen Wege, solche notwendigen Behandlungen in das Regelwerk der ambulanten Versorgung einzubringen.

Zusammenfassend halten wir das Vorhaben, diese Dialysen ohne Rücksicht auf Ausbildungskapazitäten und Versorgungsqualität massiv zu kürzen, für höchst bedenklich. Dies gefährdet perspektivisch die gesamte Nephrologie.“


Unterzeichner

Prof. Dr. Dieter Bach, Vorstandsvorsitzender des KfH Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e. V.

Werner Dähne, Vorstandsvorsitzender der PHV – Der Dialysepartner Patienten-Heimversorgung

Dr. Michael Daschner, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Deutsche Nierenzentren (DN) e. V

Prof. Dr. Jürgen Floege, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN)

Prof. Dr. Martin Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender des Verbandes leitender Klinikärzte in der Nephrologie

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