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Professor Dr. Samuel Sossalla: Die Behandlung von Lungenembolien im Katheterlabor

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKR setzt neues Verfahren bei Lungenembolien ein

Als erstes Krankenhaus außerhalb der USA setzte das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) bei der Behandlung von Lungenembolien auf ein neuartiges Katheterverfahren. 

Die Regensburger Mediziner konnten dadurch nun schon mehreren Patienten das Leben retten.

Prof. Dr. Samuel Sossalla im Herzkatheterlabor. Prof. Dr. Samuel Sossalla im Herzkatheterlabor. Vincent Schmucker © UKR/Vincent Schmucker 

Er hatte sprichwörtlich Glück im Unglück. Eigentlich sollte Martin Berger (Name geändert) aufgrund seiner Herzschwäche ein Defibrillator implantiert werden. Er war bereits im Herzkatheterlabor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR für den Eingriff vorbereitet. In dem Moment, als die Narkose eingeleitet werden sollte, versagte sein Kreislauf, so dass er reanimationspflichtig wurde. Völlig unabhängig von dem geplanten Eingriff stellten die Ärzte eine Lungenembolie fest. „Im 

Normalfall würde der Patient bei einer Lungenembolie ins CT zur Diagnosesicherung gebracht und bei dieser Dramatik mit einer Lysetherapie, also mit starken Blutverdünnern, versorgt werden“, so der behandelnde Arzt Professor Dr. Samuel Sossalla. 

Im Fall von Martin Berger war hierzu aber keine Zeit. 

Das rechte Herz versagte, da die Gerinnsel die Lungenstrombahn komplett verlegt hatten. Die Lysetherapie wurde noch im Herzkatheterlabor eingeleitet, blieb jedoch erfolglos. Während bei dem Patienten beständig Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt wurden, entschied sich Professor Sossalla für ein Verfahren, das die Klinik zum damaligen Zeitpunkt erst einmal durchgeführt hatte und zuletzt überhaupt nur in den USA Anwendung fand: Mittels eines speziellen Katheters wurde das Blutgerinnsel in der Lunge abgesaugt.

Alternativer Therapieansatz: Absaugen statt verdünnen

Da dieses Verfahren aktuell nicht zu den Standardanwendungen zählt, war der Katheter nicht vor Ort verfügbar. 

Während Martin Berger noch reanimiert wurde, konnte das innovative Behandlungssystem kurzfristig durch den Anbieter zur Verfügung gestellt werden. So hatte Martin Berger doppeltes Glück im Unglück. Zum einen erlitt er die Lungenembolie, als er gerade unter ärztlicher Aufsicht war, und zum anderen war der benötigte Katheter schnell greifbar.

Der Katheter, der je nach Bedarf bis zu zwei cm Durchmesser haben kann, wird über eine große Vene in der Leiste durch das rechte Herz in die Lunge geschoben. Beim Blutgerinnsel angekommen, wird der Katheter positioniert und die Verklumpung durch starken Unterdruck abgesaugt. Reicht die Absaugung nicht aus, können die Blutgerinnsel zusätzlich über ausspannbare feine Metallscheiben eingefangen und abtransportiert werden.

Das Universitätsklinikum Regensburg war das erste Krankenhaus außerhalb der USA, dass dieses System eingesetzt hat. „Wir hoffen, dass dieses Verfahren künftig eine neue therapeutische Option bei schweren Lungenembolien darstellen kann“, zeigt sich Professor Sossalla optimistisch. Am Universitätsklinikum Regensburg werden schwerstkranke und schwerstverletzte Patienten behandelt. Viele davon benötigen eine ECMO-Therapie (extrakorporale Membranoxygenierung), wobei die Funktion von Lunge und gegebenenfalls Herz vorübergehend von einer Maschine übernommen wird.  

  • Gerade bei Patienten, die diese hochkomplexe Versorgung aufgrund einer Lungenembolie benötigen, sind aufgrund der hohen Blutungsgefahr Therapien mit Blutverdünnern schwierig. 

„Die Katheterlösung wäre daher vor allem für diese Patienten eine wertvolle Alternative“, führt Professor Sossalla weiter aus. 

In der Praxis hat sich dies am UKR bereits bewährt, denn auch Patienten, die ECMO-pflichtig waren, konnte durch das Kathetersystem geholfen werden.

Martin Berger geht es heute gut. Er konnte ohne bleibenden Schaden entlassen werden. Da alle gängigen Therapien der Lungenembolie ausgeschöpft waren, hätte der Patient ohne das innovative Katheterverfahren sicher nicht überlebt. 

Der Defibrillator, für den er ursprünglich am UKR stationär war, wurde ihm ein paar Tage nach der Lungenembolie implantiert, und nach insgesamt zwei Wochen konnte er das UKR wieder gesund verlassen.

Ärzte der Klinik für Innere Medizin II des UKR konnten ein neues Verfahren bei Lungenembolien etablieren (v.l.n.r.): PD Dr. Kurt Debl, PD Dr. Stefan Stadler, Prof. Dr. Samuel Sossalla, PD Dr. Tobias Lange, Prof. Dr. Thomas Müller, Prof. Dr. Lars Maier

 Ärzte der Klinik für Innere Medizin II des UKR konnten ein neues Verfahren bei Lungenembolien etablieren (v.l.n.r.): PD Dr. Kurt Debl, PD Dr. Stefan Stadler, Prof. Dr. Samuel Sossalla, PD Dr. Tobias Lange, Prof. Dr. Thomas Müller, Prof. Dr. Lars Maier Domenica Golka © UKR/Domenica Golka 

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Professor Dr. Samuel Sossalla
Leitender Oberarzt / Leiter Herzkatheterlabor
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Tel.: 0941 944-7210
Samuel.sossalla@ukr.de
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Katja Rußwurm Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Franz-Josef-Strauss-Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
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Dr. Isolde Schäfer
Telefon: 0941 944-4210
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Susanne Körber
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Matthias Dettenhofer
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Unerwartete Gefässverschlüsse: Gerinnselbildung und Herzinfarkt

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bio-Stents erhöhen Herzinfarkt-Risiko

Biologisch abbaubare Stents galten als Ideal-Lösung bei verengten Herzkranzgefässen. 

Doch statt sich in Wohlgefallen aufzulösen, führen die «Bio-Stents» paradoxerweise häufiger zu weiteren Infarkten als herkömmliche Metall-Stents. 

Eine Studie der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital kommt dem Rätsel auf die Spur. 

 Although ten months after implantation optical coherence tomography confirms the correct position of the bio stent (left), six months later, the stent struts had collapsed (image right).
 Although ten months after implantation optical coherence tomography confirms the correct position of the bio stent (left), six months later, the stent struts had collapsed (image right). Inselspital, Bern University Hospital 
 
Seit dem ersten erfolgreichen Einsatz eines Ballonkatheters 1977 suchen Forscher weltweit den idealen Stent zur Behandlung von verengten Herzkranzgefässen.

Grosse Hoffnungen lagen auf einem 2011 zugelassenen Polymer-Stent aus Milchsäure, der sich innerhalb von drei bis vier Jahren komplett auflöst. 
  • Doch Studien diesen Jahres zeigen, dass der Bio-Stent sein Versprechen nicht einlöst, sondern sogar mittelfristig das Risiko weiterer Herzinfarkte erhöht. Berner Kardiologen fanden nun heraus, warum das so ist.

Wenn «Bio» krank macht

Da mit dem Bio-Stent kein Fremdkörper im Gefäss verbleibt, hoffte man ursprünglich, Irritationen der Gefässwand würden weniger häufig auftreten.

Das Gefäss sollte sich selbst regenerieren.

Die jüngsten Studien zum Stent zeigen nun aber, dass Bio-Stents zu bedeutend mehr Komplikationen führen – insbesondere auch mehr als ein Jahr nach der Implantation. 

Als Folge nahm der Hersteller das Produkt vor wenigen Wochen weltweit vom Markt.

Warum Komplikationen auftraten, war zunächst unklar.

Nun haben Forscher des Inselspitals unter Leitung des Kardiologen Prof. Dr. Lorenz Räber die Ursache entdeckt.

Die Kardiologen des Berner Universitätsspitals hatten in Zusammenarbeit mit Universitäten aus Europa und Asien 36 Patienten und Patientinnen untersucht, die späte Bio-Stent-Verschlüsse, also über ein Jahr nach Implantation, erlitten hatten. 

Erst mittels optischer Kohärenztomographie, einem Bildgebungsverfahren, das nahezu mikroskopische Bilder aus dem Inneren der blockierten Gefäss liefert, wurde die Ursache sichtbar:


In the heart catheterization laboratory at Bern University Hospital, Prof. Lorenz Räber presents an image of a (previously) blocked bio stent.
In the heart catheterization laboratory at Bern University Hospital, Prof. Lorenz Räber presents an image of a (previously) blocked bio stent. Inselspital, Bern University Hospital
 

«Die Befunde haben uns überrascht», sagt Lorenz Räber. «Obwohl die Stents korrekt implantiert wurden, sahen wir Einbrüche des Stentgerüsts ins Innere des Gefässes.» 

Eigentlich macht der Stent das, wofür er konzipiert wurde: Er löst sich in einzelne Fragmente auf. 
«Sind diese Fragmente aber noch nicht vollständig in die Gefässwand eingewachsen, können sie im Rahmen des Auflösungsprozesses in den Blutstrom fallen. 

Dort führt dies zu einer gefährlichen Gerinnselbildung und damit zum Herzinfarkt.»

Blutverdünner essentiell
«Als direkte Konsequenz dieser Resultate empfehlen wir unseren Patienten mit solchen Stents, die Blutverdünnung mit zwei Plättchenhemmern weiterzuführen. 
  • Und zwar über drei bis vier Jahre anstelle von normalerweise einem Jahr», erklärt Räber. 
«So schützen wir die Bio-Stent-Träger vor unerwarteten Gefässverschlüssen.»


Die aktuellen Forschungsergebnisse wurden erstmalig am 31. Oktober am amerikanischen Kardiologie-Kongress in Denver präsentiert und zeitgleich in der Fachpresse publiziert.

Stent quo vadis?

Die Erkenntnisse der Studie sind auch wichtig, um Nachfolgemodelle zu verbessern. 

Dünnere Stentstreben und eine schnellere Auflösung wären wichtige Verbesserungen, um die aktuellen Probleme zu lösen. 

Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) unter Leitung von Prof. Dr. Stephan Windecker, Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital, Universitätsspital Bern, hat hierzu kürzlich Leitlinien veröffentlicht.

Das Berner Inselspital ist weltweit anerkannt für die Erforschung und klinische Anwendung von Stents und der intrakoronaren optischen Kohärenztomographie.

Am Inselspital wurden Bio-Stents fast ausschliesslich im Rahmen von Studien implantiert und fanden bislang keine Anwendung in der klinischen Routine.

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Prof. Dr. med. et phil. Lorenz Räber
Leitender Arzt Invasive Kardiologie, Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, Lorenz.Raeber@insel.ch

Monika Kugemann Universitätsspital Bern
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„Rhythmuspflaster“ Vorhofflimmern: Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Vorhofflimmern früher erkennen und Schlaganfälle reduzieren

Im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) startet eine neue klinische Studie zur häuslichen Früherkennung von Vorhofflimmern. 

Diese Herzrhythmusstörung ist für ein Viertel aller Schlaganfälle verantwortlich. 

Dabei lässt sich das Risiko für einen Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern um 70 Prozent senken, wenn sie rechtzeitig Blutverdünner einnehmen. 

Das Problem ist die frühzeitige Diagnose. 

Denn häufig gerät das Herz nur anfallartig aus dem Takt, was keine Beschwerden verursacht. 

 Für die EKG-Aufzeichnung wird ein Pflaster mit integrierter Aufzeichnungseinheit auf die Brust der Patienten geklebt.
 Für die EKG-Aufzeichnung wird ein Pflaster mit integrierter Aufzeichnungseinheit auf die Brust der Patienten geklebt. Quelle: iRhythm Technologies
 
  • Wenn die Vorhöfe des Herzens flimmern, kann das Herz nur noch eingeschränkt pumpen und es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden. 

Wird so ein Blutgerinnsel fortgeschwemmt, kann es an anderer Stelle ein Blutgefäß verschließen. 

  • Passiert dies in der Halsschlagader oder in Gefäßen im Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. 
  • Die rechtzeitige Einnahme von Blutverdünnern kann die Gefahr der Blutgerinnselbildung reduzieren und damit auch das Schlaganfallrisiko senken.

Die SCREEN-AF-Studie will deshalb die Früherkennung von Vorhofflimmern verbessern.

Sie überprüft, ob mithilfe einer kontinuierlichen EKG-Aufzeichnung über zweimal zwei Wochen auch klinisch unauffälliges Vorhofflimmern frühzeitig erkannt werden kann.

„Aus Vorstudien wissen wir, dass anfallartiges Vorhofflimmern bei Schlaganfallpatienten häufig ist. Jetzt wollen wir untersuchen, ob wir diese Herzrhythmusstörung in ähnlicher Häufigkeit bei älteren Patienten, die wegen Bluthochdruck vom Hausarzt behandelt werden, finden“, erläutert Prof. Dr. Rolf Wachter, Universitätsklinikum Leipzig, der die Studie für Deutschland gemeinsam mit Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) leitet.

Die Studie setzt ein neues „Rhythmuspflaster“ ein.

Dieses Pflaster hat einen Mini-Monitor als Aufzeichnungseinheit, mit dem der Herzrhythmus für bis zu zwei Wochen aufgezeichnet werden kann. Gegenüber herkömmlichen Langzeit-EKG ist diese Aufzeichnungsform weniger belastend und erlaubt zum Beispiel auch Duschen, ohne dass das Pflaster entfernt werden muss. Zusätzlich messen die Studienteilnehmer zweimal täglich ihren Blutdruck mit einem Blutdruckmessgerät, das für den häuslichen Einsatz geeignet ist.

„Neben der Frage, wie oft wir Vorhofflimmern finden, möchten wir auch herausfinden, wie häufig und wie lange man messen muss, um alle Fälle zu erfassen“, erläutert Wachter den Studienablauf. Deshalb werden die 14-tägigen EKG-Aufzeichnungen und Blutdruck-Messungen nach drei Monaten wiederholt und nach sechs Monaten untersucht der Hausarzt das Herz der Patienten.

Netz von Allgemeinmedizinern
Die Studie wendet sich an über 75-Jährige, die Bluthochdruck haben, aber bisher noch keine Anzeichen für eine Herzrhythmusstörung aufweisen. Co-Studienleiterin Prof. Hummers-Pradier vom Institut für Allgemeinmedizin der UMG verfügt über ein Netz von Allgemeinarzt-Praxen, mit deren Hilfe die Patienten rekrutiert werden. Dafür werden die Allgemeinmediziner gebeten, ihre Datenbanken einmalig nach geeigneten Patienten zu durchsuchen. Ein Studienteam der UMG spricht die Patienten dann an, klärt sie auf und bringt den kleinen Monitor an.

Insgesamt sollen 405 Probanden an der Studie teilnehmen, die außer in Göttingen auch in Hamburg und Frankfurt laufen wird.

Erster Schritt für ein Vorsorgeprogramm

„Außer dem Management von Risikofaktoren wie Übergewicht, hohe Blutfettwerte oder Bluthochdruck, gibt es derzeit keine Vorsorgeprogramme, um das Risiko für Schlaganfälle in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren“, schildert Wachter die Situation. Die Studie SCREEN-AF ist ein erster Schritt, um ein solches Programm für die Primärprävention des Schlaganfalls zu entwickeln. Sie findet in Kooperation mit dem kanadischen C-SPIN-Netzwerk statt, das die Studie gemeinsam mit dem DZHK finanziert.

Über das DZHK
Das Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) ist das größte nationale Zentrum zur Erforschung von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Sein Ziel ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnellstmöglich in den klinischen Alltag zu überführen. Dazu vereint es exzellente Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von Sitzländern der Partnereinrichtungen gefördert. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Studientitel:
Program for Identification of “Actionable“ Atrial Fibrillation (PIAFF): Home-Based Screening for Early Detection of Atrial Fibrillation in Primary Care Patients Aged 75 Years and Older: the SCREEN-AF Randomized Trial (SCREEN-AF-DZHK15)

Studienleiter:
Prof. Dr. Rolf Wachter, Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Göttingen

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Christine Vollgraf
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
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Vorhofflimmern: Mikroblutungen-Microbleeds im Gehirn - Demenz-Risiko

Medizin am Abend Berlin Fazit: Vorhofflimmern: Mikroblutungen im Gehirn erhöhen Demenz-Risiko


Ein erhöhtes Risiko für kleine unerkannte Blutungen im Gehirn dürfte bei Menschen mit Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmus-Störung, zur allmählichen Abnahme der Denkleistung im Alter beitragen, berichten Schweizer Experten auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona. 
 
Ein erhöhtes Risiko für unerkannte Blutungen im Gehirn („Microbleeds“) dürfte bei Menschen mit Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmus-Störung, zur allmählichen Abnahme der Denkleistung im Alter beitragen, berichtet Dr. Pascal Meyre (Universitätsspital Basel) auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona.

Schweizer Forscher hatten im Rahmen der SWISS-AF Studie (Swiss Atrial Fibrillation Cohort Study) 1.978 Patienten über 65 Jahre mit Vorhofflimmern mittels Bluttests, Bildgebung und die Denkleistung messenden Tests alljährlich untersucht. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), ein 30-Punkte Test, der unterschiedliche kognitive Funktionen wie Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Orientierung, Fähigkeit zur Benennung, etc. untersucht. Dabei zeigte fast die Hälfte (46 Prozent) der Studienteilnehmer einen abnormal niedrigen MoCA-Score von weniger als 26, jeder vierte von weniger als 23.  

Diese Probanden waren im Vergleich zu Probanden mit normalem MoCA Score älter, hatten einen höheren CHA2DS2-VASc Score, der die Notwendigkeit einer Schlaganfall-Prophylaxe misst, nahmen zur Vorbeugung von Thrombosen häufiger einen Vitamin-K-Antagonisten, etwas seltener neue orale Blutverdünner (Antikoagulantien) ein.

Abgesehen vom Alter standen insbesondere Bluthochdruck, zerebrale vaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Transitorische ischämische Attacken (TIA) und ein erhöhter CHA2DS2-VASc Score im Zusammenhang mit einer kognitiven Beeinträchtigung, berichtet Studien-Erstautor Dr. Meyre.
  • Aktuell wird davon ausgegangen, dass neun Prozent der Über-65jährigen und mehr als 40 Prozent der Über-90jährigen von einer Demenz betroffen sind. 
Demenz ist der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit im Alter und die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Quelle: ESC-Abstract 2017 P4626 Meyre et al: Cognitive function correlates with CHA2DS2-VASc score in patients with atrial fibrillation: The Swiss atrial fibrillation cohort study; European Heart Journal (2017) 38 (Supplement) 710


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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
Prof. Dr. Eckart Fleck Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Pressesprecher: Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin)
Hauptstadtbüro der DGK: Leonie Nawrocki, Tel.: 030 206 444 82

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Medizin am Abend Berlin Fazit: Katheterablation hilft Patienten mit Vorhofflimmern und Herzschwäche besser als Medikamente


Eine Katheterablation führt bei Patienten mit einer Linksherzinsuffizienz und Vorhofflimmern zu besseren Behandlungsergebnissen als die herkömmliche medikamentöse Therapie. Das zeigt eine neue Studie unter deutscher Beteiligung, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Barcelona präsentiert wurde. 
 
Die Katheterablation sorgt bei Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion (Linksherz-Insuffizienz) und Vorhofflimmern zu besseren Behandlungsergebnissen.

Das zeigt die neue CASTLE-AF-Studie, die jetzt auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona präsentiert wurde. Die Ablations-Patienten hatten eine geringere Sterblichkeit und mussten weniger häufig aufgrund der Herzinsuffizienz stationär aufgenommen werden als die Kontrollgruppe mit medikamentöser Standardtherapie.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist in Deutschland die häufigste Einzeldiagnose bei vollstationär behandelten Patienten. Lag die Erkrankungshäufigkeit 1995 noch bei 275 Fällen pro 100.000 Einwohner, stieg der Wert laut Deutschem Herzbericht bis 2015 auf 541 an, das ist nahezu eine Verdoppelung.  

Bei der Linksherzinsuffizienz reicht die Pumpleistung der linken Herzkammer nicht aus, um genügend Blut und damit Sauerstoff in den Blutkreislauf zu pumpen. Dadurch entsteht ein Rückstau von Blut in der Lunge. Menschen, die unter dieser Form der Herzinsuffizienz leiden, haben häufig auch Vorhofflimmern, was ihre Erkrankung und ihr Sterblichkeitsrisiko weiter verschlechtert. Bisher war die Studienlage nicht eindeutig, was die optimale Therapie für diese Patientengruppe betrifft.

Die in Barcelona präsentierte Studie wurde von Prof. Johannes Brachmann vom Klinikum Coburg und Prof. Nassir F. Marrouche, von der University of Utah Health, Salt Lake City, gemeinsam geleitet.

Eingeschlossen wurden in die CASTLE-AF-Studie 397 Patienten aus 30 Zentren weltweit mit vorübergehendem oder dauerhaftem Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz mit einer Pumpfunktion von weniger als 35 Prozent. 



Innovativen und Hochspezifischen Blutverdünner - Koronaren Herzerkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Pflaster gegen Blutgerinnsel

Im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) startet eine neue klinische Studie zu einem innovativen und hochspezifischen Blutverdünner. 

Unter Federführung des DZHK-Standortes München wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sicher und effektiv dieses nur lokal wirkende Präparat Blutgerinnsel bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung verhindern kann, die mit einem Herzkatheter behandelt werden. 

Einer der leitenden Wissenschaftler der DZHK-Studie Revacept: Prof. Dr. med. Adnan Kastrati, Deutsches Herzzentrum München
Einer der leitenden Wissenschaftler der DZHK-Studie Revacept: Prof. Dr. med. Adnan Kastrati, Deutsches Herzzentrum München Deutsches Herzzentrum München
 
Bei einer koronaren Herzerkrankung sind die Herzkranzgefäße verengt.

Wenn die Ärzte mithilfe eines Katheters die Gefäße weiten, können die Ablagerungen (Plaques) reißen und die Wände der Blutgefäße verletzt werden. Solche kleinen Verletzungen sind ein Risikofaktor für Durchblutungsstörungen und Herzinfarkte, da sich an diesen Stellen Blutplättchen anlagern und Gerinnsel bilden können. 

Deshalb erhalten die Patienten schon während des Eingriffs blutverdünnende Medikamente, die verhindern, dass sich die Blutplättchen zusammenlagern.


  • Nachteil der bislang eingesetzten Medikamente ist, dass sie auch das Risiko für potenziell lebensbedrohliche Blutungen erhöhen. 
  • Denn sie hemmen einen zentralen Schritt der Blutstillung, das Zusammenlagern der Blutplättchen, im gesamten Körper. 
In der DZHK-Studie, in der das Deutsche Herzzentrum München federführend ist, soll untersucht werden, ob der neuartige Plättchenhemmer Revacept die Bildung von Blutgerinnseln bei einer Herzkatheteruntersuchung verringert, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen.
Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Blutverdünnern bindet Revacept nur an die verletzten Gefäßstellen und schirmt sie so ab, dass sich keine Blutplättchen anlagern können. 



„Revacept ist wie ein Pflaster, das die Läsion gezielt abdichtet“, veranschaulicht PD Dr. Stefanie Schüpke vom Deutschen Herzzentrum München.

Aus dem Labor zum Patienten

Der Entwicklung von Revacept sind Jahre intensiver Grundlagenforschung vorausgegangen, in denen Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München daran geforscht haben, wie Blutplättchen an verletzte Gefäßstellen binden. „Entscheidend war es, Strukturen ins Visier zu nehmen, die zwischen gesunden und atherosklerotischen Gefäßen unterscheiden“, erklärt Prof. Adnan Kastrati vom Deutschen Herzzentrum München, einer der Studienleiter.

Deshalb haben die Wissenschaftler sich auf die Bindung der Blutplättchen an das Kollagen konzentriert, das nur bei verletzten Gefäßwänden in den Blutstrom ragt. Aus ihren Ergebnissen entstand der Wirkstoff Revacept. Er bindet gezielt an das Kollagen der geschädigten Stellen und verhindert so, dass sich dort Blutplättchen anlagern. „Revacept ist ein Beispiel für erfolgreiche translationale Forschung, bei der die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Entwicklung innovativer Therapien münden“, verdeutlicht Prof. Thomas Eschenhagen, Vorstandssprecher des DZHK.

Erstmals bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit

Revacept wurde durch die Biotechfirma advanceCOR, einer Ausgründung der Technischen Universität München, zum Medikament für die Anwendung am Menschen weiterentwickelt. In einer vorangegangenen Studie mit gesunden Probanden hat sich bereits gezeigt, dass Revacept sicher und gut verträglich ist. Außerdem läuft bereits eine klinische Studie, die Revacept bei Schlaganfallpatienten untersucht.

In der demnächst startenden Studie sollen nun erstmals 330 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung untersucht werden, bei denen eine Katheterbehandlung geplant ist. 

Ein Teil der Patienten wird zusätzlich zu der üblichen Medikation mit Revacept behandelt.

Während der Studie wird das Risiko für Blutungen kontrolliert und anhand eines Markers im Blut überprüft, ob Revacept Durchblutungsstörungen im Herzen ausreichend verhindert. Insgesamt beteiligen sich sechs DZHK-Standorte an der Studie, die auch vom Hersteller, der advanceCOR GmbH in Martinsried, finanziert wird.

Über das DZHK

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Offizieller Studientitel:
Revacept, a novel inhibitor of platelet adhesion in patients with stable coronary artery disease undergoing elective percutaneous coronary intervention: a randomized, double-blind, placebo-controlled, phase II trial

Leitende Wissenschaftler:
Prof. Dr. med. Adnan Kastrati (Deutsches Herzzentrum München,
Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, Klinik an der Technischen Universität München),
Prof. Dr. med. Steffen Massberg (Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Campus Großhadern)

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Christine Vollgraf
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Gerinnungsfaktoren: Blutplättchen und Herzinfarkt der Blutverdünner

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mögliche Erklärung für erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Einnahme bestimmter Blutverdünner

Das Risiko für einen Herzinfarkt ist bei Patienten mit Vorhofflimmern, die mit oralen Thrombininhibitoren (OTI) behandelt werden, etwas höher als bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen. 

Wissenschaftler um Dr. Tobias Petzold vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort München haben im Labor untersucht, ob hierfür tatsächlich OTIs verantwortlich sind. 
  • Dabei haben sie herausgefunden, dass sich im Blut von Patienten, die OTI erhielten, die Blutplättchen vermehrt zusammenlagern. 
  • Außerdem beobachteten sie eine verstärkte Bildung von Blutgerinnseln.  
OTI sind Medikamente, die das Blut verdünnen, sogenannte Antikoagulantien. 

Sie werden bei Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern verordnet, um das Risiko für Schlaganfälle zu senken.

Die sogenannten neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs), zu denen die oralen Thrombininhibitoren (OTI) gehören, stellen eine attraktive Alternative zu den herkömmlichen Blutverdünnern, den Vitamin-K-Antagonisten (VKA), dar. 

Denn verglichen mit VKAs weisen NOAKs wie OTI einige Vorteile auf: z.B. ein geringeres Schlaganfallrisiko, auch schwere Blutungen sind seltener.

Zudem haben sie weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die bei VKAs notwendigen regelmäßigen Blutkontrollen entfallen, und die Ernährung kann die blutverdünnende Wirkung nicht so leicht beeinflussen.

„Einige große Meta-Analysen mit mehreren 10.000 Patienten haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte festgestellt, wenn die Patienten OTI erhielten“, berichtet Dr. Tobias Petzold vom Universitätsklinikum München. 

„Dieser Beobachtung wollten wir nachgehen und herausfinden, warum Patienten mehr Herzinfarkte bekommen, wenn sie den Blutverdünner erhalten, der sie ansonsten gut vor Schlaganfällen und Beinvenenthrombosen schützt.“

Knackpunkt Blutfluss

Das Münchner Team untersuchte hierfür Blutproben von Patienten, die entweder OTI oder einen Vitamin-K Antagonisten erhielten und Blut von gesunden Menschen.

Das Blut füllten sie in kleine Plastikflusskammern, die mit verschiedenen Oberflächen beschichtet waren: u.a. Kollagen, einem Bestandteil der Gefäßwände oder dem von-Willebrand-Faktor, der bei der Blutstillung eine Art Brücke zwischen Blutplättchen und Gefäßwand bildet.

Eine weitere Beschichtung bestand aus humanem atherosklerotischen Plaquematerial, also Ablagerungen, die aus der Halsschlagader von Patienten mit Gefäßverkalkung isoliert wurden.

Die Münchner Wissenschaftler waren nicht die ersten, die sich die Unterschiede im Blut angeschaut haben.

Vorherige Studien hatten das Blut unter statischen Bedingungen untersucht.

Entscheidend für die Entdeckung der DZHK-Wissenschaftler war jedoch, dass sie in ihren Kammern den Blutfluss simuliert haben.

Denn nur dann lagerten sich die Blutplättchen im OTI-Blut vermehrt zusammen und es bildeten sich mehr Gerinnsel.

In den mit Plaques beschichtete Kammern verstärkte sich der Effekt noch.

Auch im Tiermodell konnten die Forscher diese prothrombotischen Effekte von OTI bestätigen. Sie vermuten, dass OTI die Bindung des Gerinnungsfaktors Thrombin an einen Oberflächenrezeptor auf Blutplättchen verändert.

Denn Antikörper, die diese Bindung blockieren, verhindern auch das Zusammenlagern der Blutplättchen und die Bildung von Blutgerinnseln.

„Dieser Mechanismus könnte dazu beitragen, dass Herzinfarkte bei Patienten, die OTI einnehmen, häufiger auftreten“, erklärt Petzold.

Herzinfarkt-Risiko berücksichtigen

Noch gibt es keine klinischen Studien, die diesen im Labor beobachteten Effekt untermauern.

Ebenso können diese Laborergebnisse nicht einfach auf die Klink übertragen werden, denn dafür spielen zu viele Faktoren bei der Bildung von Gerinnseln oder dem Entstehen eines Herzinfarktes eine Rolle.

  • Doch für die Münchner Ärzte leitet sich daraus ab, dass man vor der Gabe von OTIs das Herzinfarkt-Risiko des Patienten abwägen sollte, also ob etwa Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen vorliegen. 

„Sofern jedoch kein Herzinfarkt-Risiko vorliegt, überwiegen eindeutig die Vorteile von OTI“, betont Petzold. 

In den nächsten Jahren wird es seiner Meinung nach darum gehen, mithilfe klinischer Studien den optimalen Blutverdünner für unterschiedliche Patientengruppen zu bestimmen.

Originalarbeit:
Oral Thrombin Inhibitor Aggravates Platelet Adhesion and Aggregation During Arterial Thrombosis. Petzold, T., Thienel, M., Konrad, I., Schubert, I., Regenauer, R., Hoppe, B., Lorenz, M., Eckart, A., Chandraratne, S., Lennerz, C., Kolb, C., Braun, D., Jamasbi, J., Brandl, R., Braun, S., Siess, W., Schulz, C. & Massberg, S. Science translational medicine, 8(367): 367ra168 (2016).
http://stm.sciencemag.org/content/8/367/367ra168

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Tel.: 089 4400-0, tobias.petzold@med.uni-muenchen.de
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Über das DZHK

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

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Hirnblutung unter Blutverdünner

Medizin am Abend Fazit: Wegweisende deutsche Studie zur Behandlung von Hirnblutungen unter Blutverdünnern veröffentlicht

Mit der bislang größten Untersuchung über den Zusammenhang zwischen
Blutverdünnern und Hirnblutungen ist es deutschen Neurologen gelungen,
neue Therapieempfehlungen zu erarbeiten. „Potenzielle Nutznießer sind
annähernd 1 Million Menschen, die hierzulande Marcumar und andere
Substanzen zur Blutverdünnung einnehmen“, so Professor Martin Grond aus
Siegen, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

„Wir wissen jetzt nicht nur, dass wir während einer Hirnblutung die
Wirkung dieser Arzneien möglichst vollständig neutralisieren müssen,
sondern auch, dass diese Medikamente in der Langzeittherapie vor neuen
Schlaganfällen schützen, ohne das Risiko einer neuen Hirnblutung zu
erhöhen“, sagt Professor Joachim Röther, Sprecher der Deutschen
Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Chefarzt der Neurologischen Abteilung
der Asklepios Klinik Altona.

Für die Studie, die morgen im Journal of the American Medical Association
(JAMA) veröffentlicht wird, haben Experten aus 19 deutschen
Universitätskliniken und Krankenhäusern retrospektiv die Daten von fast
1200 Schlaganfallpatienten ausgewertet. Diese hatten Blutverdünner wie
Marcumar bekommen und eine Hirnblutung erlitten. Die Frage der Neurologen
war nun, wie sich Maßnahmen zur Hemmung der Antikoagulation und zur
Senkung des Blutdrucks kurz- und langfristig auswirken würden.

Größenzunahme der Hämatome gemessen

Wie Studienleiter Professor Hagen Huttner von der Neurologischen Klinik
des Universitätsklinikums Erlangen berichtet, konnte man bei 853 Patienten
den Größenzuwachs der Hirnblutung analysieren und bei 307 (36 Prozent) von
ihnen eine Volumenzunahme um mehr als ein Drittel dokumentieren.
„Verringerte Raten einer Hämatomvergrößerung fanden wir bei einer
Reduktion des INR-Wertes unter 1,3 binnen vier Stunden nach der
Einweisung“
, so Huttner. In dieser Gruppe von Patienten hatte man nur bei
19,8 Prozent eine Hämatomvergrößerung beobachtet, während der Anteil unter
Patienten mit einem INR ≥ 1,3 mit 41,5 Prozent mehr als doppelt so groß
war.

Auch systolische Blutdruckwerte unter 160 mmHg vier Stunden 
nach der Einweisung waren mit einem verringerten Risiko 
einer Hämatomvergrößerung assoziiert: 
In der Gruppe der Patienten, wo dieses Ziel erreicht wurde,
wiesen 33,1 Prozent vergrößerte Hämatome auf. Wurde das Ziel verfehlt,
waren es dagegen 52,4 Prozent. „Somit haben wir endlich valide Ergebnisse
zur Behandlung dieser Patienten und können den Einfluss des Blutdrucks auf
Hämatome besser einschätzen“, kommentiert Professor Grond. „Das ist sehr
hilfreich.“

Gemessen wurde auch der Einfluss beider Maßnahmen auf die Mortalität im
Krankenhaus. Gelang es, die Blutverdünnung schnell zu neutralisieren bei
gleichzeitigen systolischen Blutdruckwerten unter 160 mmHg, so betrug die
Sterblichkeit 13,5 Prozent gegenüber 20,7 Prozent, wenn beide Ziele
verfehlt wurden.


Zusammen mit ihren Kollegen haben Studienleiter Huttner und Erstautor Dr.
Joji Kuramatsu, ebenfalls aus Erlangen, außerdem untersucht, wie häufig
unter den Patienten im Jahr nach der Behandlung erneute Hirnblutungen und
Schlaganfälle aufgetreten sind, und ob dabei ein Zusammenhang mit der
erneuten Gabe von Blutverdünnern besteht. Hier verglichen die Forscher
jene 172 Patienten (23,9 Prozent) unter den Überlebenden, die im
Therapieverlauf erneut mit Blutverdünnern behandelt wurden, mit jenen, die
keine Blutverdünner mehr bekamen. Ischämische Komplikationen traten in der
ersten Gruppe mit einer Häufigkeit von 5,2 Prozent auf, in der zweiten
Gruppe mit 15 Prozent. Hämorrhagische Komplikationen waren in beiden
Gruppen annähernd gleich.

Schutz durch erneute Blutverdünnung nachgewiesen

„Die Wiederaufnahme der Blutverdünnung zeigte einen klaren Schutz vor
Schlaganfällen, ohne dass wir in unserer Patientenkohorte gleichzeitig ein
vermehrtes Auftreten der gefürchteten Hirnblutung beobachteten“, so Hagen
Huttner. „Somit ergibt sich ein Netto-Nutzen zugunsten der Wiederaufnahme
der Blutverdünnung.“

Diese Fragestellung wird auch in der Studie PRODASt in Essen prospektiv
untersucht. Hier werden ab Frühjahr 2015 in etwa 100 Stroke Units in
Deutschland Patienten mit Vorhofflimmern, die eine intrakranielle Blutung
erlitten hatten, erfasst. Diese Patienten werden ein Jahr lang verfolgt
mit den Fragen, welche Patienten wieder antikoaguliert werden müssen und
wie sich die neuen oralen Antikoagulantien (NOAC) von Marcumar
unterscheiden

Weitere Ergebnisse bald zu erwarten

NOAC haben in jüngster Vergangenheit in die Praxis der Blutverdünnung
Einzug gehalten – mit neuen Wirkmechanismen. „Auch hier brauchen wir
weitere Studien, um das Potenzial zur Verringerung erneuter Hirnblutungen
ausschöpfen zu können“, fordert Huttner. „Tatsächlich laufen derzeit
prospektive Studien mit wirksamen Antidots zu den neuen Blutverdünnern.
Wir können in den kommenden Monaten mit interessanten Ergebnissen
rechnen“, weiß Martin Grond.

Quelle

Kuramatsu, J.B. et al. (2015) Anticoagulant Reversal, Blood Pressure
Levels, and Anticoagulant Resumption in Patients with Anticoagulation-
related Intracerebral Hemorrhage. February 24, 2015, Vol 313 (8)

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Hagen B. Huttner
Oberarzt der Neurologischen Klinik
Universitätsklinikum Erlangen
Schwabachanlage 6, 91054 Erlangen
Tel.: +49 (0) 9131 8544 523
Fax: +49 (0) 9131 8536 597
E-Mail: hagen.huttner@uk-erlangen.de

Prof. Dr. med. Martin Grond
2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Chefarzt des Neurologischen Kreisklinikums in Siegen
Tel.: +49 (0) 271 705 1800
E-Mail: grond@dgn.org

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt Neurologische Abteilung
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-181881-1401
E-Mail: j.roether@asklepios.com

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Frank A. Miltner