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Altersbedingte Muskelschwäche - Nerven/Muskelfaser

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie sich zerstörte Nervenbahnen im Muskel regenerieren

Nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte, der Verbindung zwischen Nerven- und Muskelfaser, übernimmt der Proteinkomplex mTORC1 eine wichtige Funktion bei der Heilung. 

Forschende am Biozentrum der Universität Basel haben nun gezeigt, dass die Aktivierung des Proteinkomplexes mTORC1 ausgewogen sein muss, damit die Reparatur gelingt. 

Die in «Nature Communications» veröffentlichte Studie liefert auch neue Erkenntnisse für altersbedingte Muskelschwäche. 

Funktionsfähige Nervenverbindung im Muskel: Der Nerv (blau) mit seinen präsynaptischen Nervenenden (rot) sowie den postsynaptischen Rezeptoren im Skelettmuskel (grün).
Funktionsfähige Nervenverbindung im Muskel: Der Nerv (blau) mit seinen präsynaptischen Nervenenden (rot) sowie den postsynaptischen Rezeptoren im Skelettmuskel (grün).
Bild: Universität Basel, Biozentrum
 
  • Der Proteinkomplex mTORC1 fördert das Muskelwachstum und ist wichtig für die Selbstreinigung der Muskelzellen. 

Welche Funktion mTORC1 nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte übernimmt, war bislang unklar. Neue Erkenntnisse liefert nun das Forschungsteam von Prof. Markus Rüegg am Biozentrum der Universität Basel.

Funktion von mTORC1

  • In unserem Körper sind Nerven und Muskeln durch neuromuskuläre Kontaktstellen miteinander verbunden, der sogenannten neuromuskulären Endplatte. 

Dies ist eine Synapse, die Signale zwischen Nervenfasern und Muskelfasern überträgt.

Wird diese Nervenverbindung unterbrochen oder verletzt, ist der Muskel in seiner Funktion eingeschränkt und geschwächt.

Das Besondere an diesen Synapsen ist jedoch, dass sie wieder repariert werden können. 

Rüeggs Forschungsteam hat nun die Funktion von mTORC1 nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte im Mausmodell genauer untersucht.

Für die Funktion von mTORC1 im Muskel war bislang lediglich nachgewiesen, welche Rolle der Proteinkomplex für die Förderung des Muskelwachstums und die Selbstreinigung der Zellen übernimmt.

«Wir konnten nun zeigen, dass mTORC1 darüber hinaus eine wichtige Rolle bei der Regeneration der neuromuskulären Endplatte übernimmt», erklärt Perrine Castets, Erstautorin der Studie.

mTORC1 im Gleichgewicht

  • Damit mTORC1 seine Funktion ausüben und auf den Muskel und die Regeneration der Nervenverletzung einwirken kann, muss es zuvor von der Proteinkinase PKB/Akt aktiviert werden. 
  • Darüber hinaus zeigt Rüeggs Studie, dass der Proteinkomplex mTORC1 weder zu stark, noch in zu geringem Masse aktiviert werden darf, damit die Regeneration der Synapse gelingt. 

Dabei zeigte sich zudem eine Rückkopplung mit der Kinase PKB/Akt:

«Wird mTORC1 zu stark aktiviert, kommt es zu einer Hemmung dieser Kinase.

Dies führt dazu, dass die Regeneration der neuromuskulären Endplatte gestört ist.

Die Aktivierung durch PKB/Akt sorgt somit dafür, dass der Heilungsprozess adäquat verläuft», so Castets.

Die neu beschriebene Funktion von mTORC1 könnte auch eine Erklärung für die Entstehung der altersbedingten Muskelschwäche beim Menschen liefern.

Diese wird ebenfalls durch eine sich ändernde neuromuskuläre Endplatte und möglicherweise durch eine Überaktivierung von mTORC1 ausgelöst. 

 «Durch die Studie verstehen wir den Mechanismus bei der Wiederherstellung der neuromuskulären Endplatte nun besser. 

Vielleicht können wir daraus nun auch Möglichkeiten ableiten, den altersbedingten Defiziten und Strukturveränderungen auf therapeutischem Wege entgegenzuwirken und damit die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Muskeln im Alter besser aufrechterhalten», so Rüegg.

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Über Google: Medizin am Abend Berlin 
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Prof. Dr. Markus Rüegg
Universität Basel, Biozentrum
Tel. +41 61 207 22 23
E-Mail: markus-a.ruegg@unibas.ch

Heike Sacher, Universität Basel
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Originalpublikation:
Perrine Castets, Nathalie Rion, Marine Théodore, Denis Falcetta, Shuo Lin, Markus Reischl, Franziska Wild, Laurent Guérard, Christopher Eickhorst, Marielle Brockhoff, Maitea Guridi, Chikwendu Ibebunjo, Joseph Cruz, Michael Sinnreich, Rüdiger Rudolf, David J. Glass & Markus A. Rüegg
mTORC1 and PKB/Akt control the muscle response to denervation by regulating autophagy and HDAC4
Nature Communications (2019), doi: 10.1038/s41467-019-11227-4

360° TOP-Thema: Rheumatherapie - Myostatin fördert Knochenzerstörung

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mögliche neue Rheumatherapie

Wissenschaftler der Universitäten Münster und Wien entdecken möglichen neuen Ansatz in der Rheumatherapie durch körpereigenes Protein / Ergebnisse in „Nature Medicine“ veröffentlicht 

Dr. Berno Dankbar ist der Erstautor der Studie.
Dr. Berno Dankbar ist der Erstautor der Studie. Foto: privat
 
Ein körpereigenes Protein liefert einen möglichen neuen Ansatz zur Rheumatherapie: 

Wissenschaftler aus Münster und Wien haben herausgefunden, dass Myostatin maßgeblich an der Knochenzerstörung bei rheumatoider Arthritis beteiligt ist.

Die Ergebnisse sind jetzt in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht worden.

Myostatin war bislang vor allem als Regulator des Muskelwachstums und der Muskelregeneration bekannt.

Ein Team um den Molekularbiologen Dr. Berno Dankbar vom Institut für Experimentelle Muskuloskelettale Medizin (IEMM) an der Universität Münster und von der Medizinischen Universität Wien entdeckten eine bislang unbekannte Schattenseite des Proteins: 

Indem Myostatin die Bildung von Knochen abbauenden Zellen - sogenannten Osteoklasten - fördert, trägt es maßgeblich zur irreversiblen Gelenkzerstörung bei.

Die Wissenschaftler untersuchten die Rolle des Proteins in verschiedenen Mausmodellen der rheumatoiden Arthritis. Dabei zeigte sich:

Der Myostatin-Spiegel im Körper steigt im Krankheitsverlauf an. 

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass Myostatin die Osteoklastenbildung direkt fördert und damit zu einer erhöhten Gelenkzerstörung führt.

  • Wenn Myostatin bei Mäusen nicht gebildet oder künstlich blockiert wird, verringert sich umgekehrt das Ausmaß von Gelenkentzündung und -zerstörung deutlich. 

  • Myostatin reguliert also nicht nur das Muskelwachstum, sondern ist offenbar auch im Knochenstoffwechsel involviert. 

„Die Ergebnisse lassen darauf hoffen, dass Myostatin einen wertvollen neuen Therapieansatz bietet“, so Dankbar. „Vielleicht kann die Gelenkzerstörung bei rheumatoider Arthritis so in Zukunft gebremst werden.“

Studie: Wirkung von Myostatin auf die Knochen abbauenden Osteoklasten (hier rötlich-braun dargestellt).Studie: Wirkung von Myostatin auf die Knochen abbauenden Osteoklasten (hier rötlich-braun dargestellt). Abbildung: B. Dankbar

Originalpublikation:
Dankbar, Berno et al. (2015): Myostatin is a direct regulator of osteoclast differentiation and its inhibition reduces inflammatory joint destruction in mice. In: Nature Medicine, Online-Publikation am 3. August 2015.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Dr. Thomas Bauer
Referent für Forschung und Lehre
Medizinische Fakultät, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Telefon: 0251-83 58 93 7
Fax: 0251-83 57 58 5
thbauer@uni-muenster.de
Juliane Albrecht Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3917.html - Originalartikel