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Akuten myeloischen Leukämie (AML): Rückfall- und Sterberisiko https://www.kks-netzwerk.de

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Neue effektive Behandlungsform bei akuter Leukämie

Über zehn Jahre lang erforschte das Team um Prof. Dr. Andreas Burchert vom Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, wie man die Behandlung einer speziellen Form der akuten myeloischen Leukämie (AML) verbessern kann – zunächst im Labor, danach in einer klinischen Studie. 

Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Arbeiten wurden nun in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journal of Clinical Oncology veröffentlicht. 

Sie könnten die Therapiepraxis für eine spezielle Hochrisiko-AML-Patientengruppe grundlegend verändern: 

Das Rückfall- und Sterberisiko sank bei diesen Personen um 75 Prozent, wenn sie mit dem Wirkstoff Sorafenib behandelt wurden. 

 Prof. Dr. Andreas Burchert, Leiter der Studie SORMAIN.
 Prof. Dr. Andreas Burchert, Leiter der Studie SORMAIN. Andreas Neubauer
 
  • Leukämien werden anhand des Krankheitsverlaufs (akut oder chronisch), Gewebetyp (myeloisch oder lymphatisch) und den zugrundeliegenden genetischen Veränderungen eingeteilt. 

Die AML ist die häufigste akut verlaufende Leukämieform in Deutschland. „In unserer Studie haben wir uns einer Hochrisiko-AML gewidmet, die durch eine Mutation im FLT3-Gen, der sogenannten FLT3-ITD Mutation, charakterisiert ist und die bei etwa 25 Prozent aller AML-Patienten auftritt“, sagt Prof. Dr. Andreas Burchert, Leiter der Studie SORMAIN, die im Oktober 2010 in die Phase 2 startete.

  • „Die Prognose der FLT3-ITD-positiven AML ist besonders schlecht, weil Patienten mit dieser Mutation trotz intensiver Chemotherapie und Stammzellentransplantation in mehr als 50 Prozent einen Rückfall erleiden, der meistens nicht mehr effektiv therapiebar ist“, sagt Burchert.

Hoffnungsträger ist das Medikament Sorafenib – eine Substanz, die eigentlich für die Therapie von Nieren- und Leberzellkarzinomen zugelassen ist. „Mit Blick auf die Ergebnisse der Studie sollte die Behandlung mit Sorafenib in der entsprechenden AML-Patientengruppe zukünftig auch zum Standard in der AML-Therapie gehören“, sagt Burchert.

  •  „Denn wir konnten in der Placebo-kontrollierten SORMAIN-Studie zeigen, dass AML-Patienten mit FLT3-ITD Mutation bei Einnahme von Sorafenib ein um etwa 75 Prozent geringeres Risiko hatten, nach der Stammzellentransplantation einen Rückfall zu erleiden und an der AML zu sterben“, sagt Burchert. 

Die statistische Auswertung der Daten erfolgte in Kooperation mit den Partnern Prof. Dr. Konstantin Strauch vom Institute of Genetic Epidemiology der Ludwig-Maximilians-Universität München und Dr. Markus Brugger vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universitätsmedizin Mainz.

Insgesamt nahmen 83 Erwachsene aus Deutschland und Österreich an der doppelblinden, placebokontrollierten und randomisierten Studie teil, 33 davon am Marburger Carreras Leukämie Centrum (CLC) am Universitätsklinikum Marburg.

Wichtige Kriterien für die Aufnahme in die Studie waren das Vorliegen einer FLT3-ITD-positiven AML-Erkrankung, die sich nach allogener Stammzelltransplantation gut zurückgebildet haben musste und die nicht länger als 100 Tage zurückliegen durfte. 

Die Studienteilnehmer erhielten nach der Transplantation über 24 Monate eine Erhaltungstherapie mit dem Medikament Sorafenib oder einem Placebo und wurden anschließend im Schnitt weitere drei Jahre nachbeobachtet.  

„Nach diesem langen Studienverlauf können wir ganz klar sagen, dass Sorafenib die Überlebenschancen von AML-Patienten mit FLT3-ITD Mutation deutlich steigert“, sagt Burchert.


Bei der AML gerät das blutbildende System außer Kontrolle: Betroffene Zellen wie hier, sogenannte myeloische Blasten, vermehren sich ungebremst und behindern die Bildung gesunder Blutkörperchen.
Bei der AML gerät das blutbildende System außer Kontrolle: Betroffene Zellen wie hier, sogenannte myeloische Blasten, vermehren sich ungebremst und behindern die Bildung gesunder Blutkörperchen. Andreas Burchert


Parallel zur Studie zeigen Arbeiten im Forschungslabor von Burchert, dass die lebensrettenden Effekte von Sorafenib, wenigstens zum Teil, auf einer besonderen Aktivierung des transplantierten Immunsystem beruhen könnten.

„Diese Daten sind sehr faszinierend, denn möglicherweise könnten somit auch AML-Patienten ohne FLT3-ITD Mutation von einer Sorafenib Erhaltungstherapie nach Stammzelltransplantation profitieren“, ergänzt Burchert. 

Dies klinisch zu untersuchen soll Gegenstand einer geplanten Folgestudie sein.

 „Nach erfolgreicher Beantragung werden wir diese in enger Zusammenarbeit mit Frau Schade-Brittinger vom Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) durchführen, wie bereits zuvor bei SORMAIN“, so Burchert.

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Prof. Dr. Andreas Burchert
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 58-69429
E-Mail: burchert@staff.uni-marburg.de

Christina Mühlenkamp Philipps-Universität Marburg

Biegenstraße 10
35032 Marburg
Deutschland
Hessen
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E-Mail-Adresse: christina.muehlenkamp@uni-marburg.de

Originalpublikation:
Andreas Burchert et al.: Sorafenib Maintenance After Allogeneic Hematopoietic Stem Cell Transplantation for Acute Myeloid Leukemia With FLT3–Internal Tandem Duplication Mutation (SORMAIN), Journal of Clinical Oncology 2020, DOI: 10.1200/JCO.19.03345. https://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.19.03345

 

Plasmaspender mit überstandener Covid-19-Erkrankung gesucht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Covid-19-Studie: Kann das Blutplasma Genesener vor schwerem Verlauf schützen?

Bundesweite Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg startete im Juni 

Im Fokus steht die frühe Intervention bei Hochrisikopatienten 

Plasmaspender mit überstandener Covid-19-Erkrankung gesucht 
 
Im Blutplasma von Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, befinden sich Antikörper des Immunsystems gegen das Coronavirus SARS-CoV-2.

  • Ob Hochrisikopatienten durch Gabe dieses Blutplasmas vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung geschützt werden können, untersucht die nun gestartete Studie „RECOVER“ unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg. 

Neuer Ansatz des Forschungsprojekts ist der Einsatz bei Patienten, die aufgrund ihres Alters oder schwerer Vorerkrankungen der Infektion wenig entgegenzusetzen haben: 

Sie erhalten das Plasma bereits frühzeitig bei Symptomen einer Covid-19-Erkrankung. 

  • Ziel ist es, das Corona-Virus auszubremsen, bevor die Entzündungsreaktionen im weiteren Verlauf der Erkrankung bei ihnen lebensbedrohliche Schäden verursachen können. 

An der Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, beteiligen sich zahlreiche Universitätskliniken und große kommunale Krankenhäuser in ganz Deutschland*.

Es werden für die Studie noch Plasmaspender, die in den vergangenen Monaten an Covid-19 erkrankt waren, gesucht. 

Sie können durch ihre Blutplasmaspende dazu beitragen, Hochrisikopatienten vor dem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Voraussetzungen für eine Spende sind auf der Webseite www.recover-Covid.de zu finden.

Die Studie RECOVER wird gemeinsam von Professor Dr. Carsten Müller-Tidow, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, und Dr. Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin, Zentrum für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, geleitet. Kooperationspartner am Universitätsklinikum Heidelberg sind das Transfusionszentrum IKTZ, die Virologie und auf der klinischen Seite die Gastroenterologie und Thoraxklinik sowie die Anästhesiologie.

Der therapeutische Einsatz von sogenanntem Rekonvaleszentenplasma ist in der Infektiologie erprobt, wie die Infektiologin Claudia Denkinger ausführt: „Das Konzept ist bekannt und kommt bereits bei anderen Infektionskrankheiten wie Ebola zum Einsatz. In China und Italien setzten Ärzte bereits Rekonvaleszentenplasma bei einigen schwer erkrankten Covid-19-Patienten mit gutem Erfolg ein. Allerdings sind die Patientenzahlen unzureichend, so dass bisher keine klare Aussage zur Wirksamkeit möglich ist. Die Anzahl der einzuschließenden Patienten ist ausgelegt, belastbare Daten speziell bei bestimmten Gruppen von Hochrisikopatienten zu liefern.“ Um die nötige Aussagekraft zu erreichen, sollen in die RECOVER-Studie rund 170 Patienten eingeschlossen werden.

Krebspatienten seien neben hochbetagten und immungeschwächten Menschen besonders infektionsanfällig, wie der Hämatologe und Onkologe Müller-Tidow betont:

„Speziell Leukämien und Stammzelltransplantationen, aber auch eine Chemotherapie bei anderen Krebserkrankungen schwächen die Immunabwehr. Krebspatienten haben daher ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf. Mit unserer Studie hoffen wir, eine schnelle und effektive Therapie für Patienten zu schaffen, denn die bisher zur Verfügung stehenden Therapien sind begrenzt.“

  • Bei nachgewiesener Covid-19-Infektion und Anzeichen einer Lungenentzündung erhält ein zufällig ausgewählter Teil der Patienten im Rahmen der Studie insgesamt zwei Gaben Blutplasma. 

Die Wirkung der Behandlung wird kontinuierlich bis zwölf Wochen nach Diagnose erfasst und dokumentiert.

  • Der andere Teil erhält als Kontrollgruppe die gängige, auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Therapie und Unterstützung der Organfunktionen, aber kein Blutplasma. 
  • Sollte sich der Zustand dieser Patienten nach zehn Tagen nicht verbessern, erhalten auch sie Plasma.

Genesene COVID-19-Patientinnen und -Patienten, die Blutplasma spenden möchten, müssen den gesundheitlichen Kriterien für Blutspender entsprechen.

Die Plasmaspende selbst verläuft wie eine Blutspende.

Nähere Informationen finden sich unter www.recover-Covid.de

*Liste der Partner, Stand Juni 2020
Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg
Charité Universitätsmedizin Berlin
Universitätsklinikum Dresden
Universitätsklinikum Essen
Universitätsklinikum Frankfurt
Universitätsklinikum Hamburg - Eppendorf
Klinikum Darmstadt GmbH
Universitätsklinikum Freiburg
Universitätsklinikum Münster
Universitätsklinikum Würzburg
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Dr. Claudia Denkinger
Leiterin Tropenmedizin
Zentrum für Infektiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 - 56 36637
E-Mail: Claudia.Denkinger@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow
Ärztlicher Direktor Innere Medizin V
Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 - 56 8001
E-Mail: Carsten.Mueller-Tidow@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
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CAVE: Netzhauterkrankung AMD - Alterabhängige Makuladegeneration

Medizin am Abend Berlin Fazit: 

  • Netzhauterkrankung AMD wird Erblindungsursache Nummer 1

Sehbehinderungen in Deutschland: 
 
Netzhauterkrankung AMD wird Erblindungsursache Nummer 1 – Augenärzte mahnen zu mehr Vorsorge im Alter

Im Jahr 2030 werden 5,5 Millionen Bundesbürger an der Netzhauterkrankung altersabhängige Makuladegeneration (AMD) leiden oder Frühsymptome zeigen (1). 

  • Schon heute ist die AMD für jede zweite Erblindung verantwortlich. 

Darauf macht die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft anlässlich des Sehbehindertentags am 6. Juni 2018 aufmerksam. 

  • Die Fachgesellschaft mahnt jeden ab 50 Jahren, sich einmal im Jahr vom Augenarzt untersuchen zu lassen. 
 
Vergleicht man die Anzahl der Jahre, in denen Menschen mit einer chronischen Erkrankung leben müssen, hat die AMD eine größere Bedeutung für die Volksgesundheit als etwa die rheumatoide Arthritis, Parkinson oder Leukämie.

 „Wir erwarten, dass sich dieser Trend in Zukunft noch verstärken wird “, sagt Professor Dr. med. Horst Helbig, Pressesprecher der DOG (2). 
  • Aufgrund des demografischen Wandels werden nach Schätzung der Fachgesellschaft bis zum Jahr 2030 rund 50 Prozent mehr Augenarztpraxen benötigt, um den wachsenden Versorgungsbedarf abdecken zu können.


Augenerkrankungen wie die AMD bedrohen nicht nur das Sehen, betont Professor Frank Holz, vom Vorstand der Stiftung Auge der DOG:

  • „Wer schlecht sieht, ist im Alter vermehrt auf die Hilfe Dritter angewiesen. 

Außerdem haben blinde und sehbehinderte Menschen ein höheres Risiko, Unfälle oder Stürze zu erleiden und dadurch pflegebedürftig zu werden.“

Dabei kann die AMD in vielen Fällen gut behandelt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. 

„Das Problem ist, dass Patienten die Erkrankung oft erst dann bemerken, wenn bereits bleibende Schäden auf der Netzhaut entstanden sind“, erklärt Holz.

Für den Augenarzt sind die Frühstadien der AMD – sogenannte Drusen – aber sehr wohl erkennbar.

  • Ab dem 50. Lebensjahr sollte deshalb jeder seine Augen einmal jährlich beim Augenarzt untersuchen lassen.

Die Bereitschaft zur augenärztlichen Vorsorge ist in Deutschland jedoch eher gering. 

Zwar geben 7 von 10 Teilnehmern einer Umfrage an, lieber 10 Lebensjahre, einen Arm oder ein Bein opfern zu wollen als ihr Augenlicht.

Doch nur jeder fünfte von ihnen hatte innerhalb der letzten fünf Jahre einen Augenarzt aufgesucht (3).

Insbesondere bei älteren Menschen findet die Vorsorge viel zu selten statt, wie die OVIS-Studie der Stiftung Auge unterstreicht:

Jeder zweite Bewohner eines Senioren- oder Pflegeheims gibt an, unter Sehproblemen zu leiden.

Jeder fünfte hatte sogar eine akute Augenerkrankung, die behandelt werden musste.

Quellen:
(1) Jeany Q. Li, Thomas Welchowski, Mathias Schmid, Julia Letow, A. Caroline Wolpers, Frank G. Holz, Robert P. Finger, Retinal diseases in Europe, EURETINA 2017 http://www.euretina.org/downloads/EURETINA_Retinal_Diseases.pdf
(2) Christian Wolfram, Norbert Pfeifer, Weißbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland, September 2012, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (S. 6; Tab. 1)
(3) Bausch + Lomb Global Barometer of Eye Health. 2012; Available from: http://www.bausch.com/Barometer

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.200 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

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Lisa-Marie Ströhlein Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

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Lisa-Marie Ströhlein
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Blutkrebs - Leukämie-Patienten: mit akuter myeloischer Leukämie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Leukämie-Patienten profitieren bei Transplantation langfristig von weniger intensiver Vorbehandlung 

Erwachsene Patienten mit akuter myeloischer Leukämie – der häufigsten akuten Blutkrebsart – profitieren von einem federführend vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie dem Uniklinikum Münster entwickelten schonenden Behandlungsschema zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation:

  • Die dazu erforderliche Ganzkörperbestrahlung und Chemotherapie werden niedriger dosiert. 

Dank der geringeren Intensität treten bei gleicher Wirksamkeit weniger bedrohliche Nebenwirkungen auf. Die Ergebnisse dieser Langzeitanalyse haben die Wissenschaftler in der online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „‚Lancet Haematology“ veröffentlicht (doi.org/10.1016/S2352-3026(18)30022-X). 

Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums.

Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums.Foto: Medizinische Fakultät der TU Dresden / Stephan Wiegand

Leukämie-Patienten profitieren bei Transplantation langfristig von weniger intensiver Vorbehandlung

  • Der Erfolg des schonenden Behandlungsschemas zur Vorbereitung der Stammzelltransplantation misst sich unter anderem daran, dass nur halb so viele Patienten innerhalb des – bislang besonders kritischen – ersten Jahres an Therapiefolgen sterben. 

  • Auch das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, erhöht sich bei diesem Behandlungsschema nicht. 

Zu diesem Schema wurde bereits 2012 eine erste multizentrische Studie publiziert, zu der eine Langzeitanalyse der in diese Studie eingeschlossenen Patienten erfolgte. Die dabei gewonnenen Daten belegen die Effektivität der geringer dosierten Vorbehandlung: Sie ist auch langfristig effektiv und führt zu keinem erhöhten Anstieg von Leukämierückfällen.

Die Transplantation von Blutstammzellen ist in manchen Fällen die einzige Behandlungsmethode zur Heilung von Patienten mit akuter Leukämie (Blutkrebs). In der ersten Studie weltweit konnte das Team um Prof. Martin Bornhäuser, Prof. Gerhard Ehninger und Prof. Johannes Schetelig aus der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums bereits 2012 zeigen, dass sich Nebenwirkungen und Frühsterblichkeit nach Transplantation durch eine optimierte Vorbehandlung mit weniger intensiver Chemo- sowie Strahlentherapie deutlich reduziert lässt.

In einer Langzeitanalyse dieser multizentrischen Studie konnte Dr. Frederick Fassl­rinner nun belegen, dass auch nach zehn Jahren nachweisbar ist, dass die Effektivität der geringer dosierten Vorbehandlung auch langfristig bestehen bleibt. Im Beobachtungszeitraum von 10 Jahren ließ sich keine erhöhte Zahl an Leukämierückfällen feststellen. – Demnach scheint das Immunsystem des Spenders langfristig in der Lage zu sein, die Leukämiezellen zu verdrängen. Diese für Patienten und Behandler sehr wichtige Beobachtung konnte vom Team der Medizinischen Klinik I gemeinsam mit mehreren deutschen Behandlungszentren in der renommierten Fachzeitschrift ‚Lancet Haematology‘ veröffentlicht werden. „Diese Arbeit stellt einen wichtigen Meilenstein in der Verbesserung der Behandlungsergebnisse nach Stammzelltransplantation dar“, sagen die beiden Direktoren der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums, Prof. Bornhäuser und Prof. Ehninger.

In der 2012 publizierten Studie hatten die Mediziner eine bis dahin übliche intensive Vorbehandlung – Konditionierung – von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie auf die Knochenmarktransplantation einer weniger intensiven Vorbehandlung gegenübergestellt. Besonders für die älteren, an dieser speziellen Form von Blutkrebs erkrankten Patienten zeigte sich ein deutlicher Vorteil in der Frühphase der Therapie. „Dank der geringeren Nebenwirkungen versterben im ‚kritischen ersten Jahr‘ weniger als 10 Prozent der Patienten an Therapiefolgen – statt nahezu 20 Prozent nach der bisher üblichen intensiven Vorbehandlung“, betont Prof. Bornhäuser, der als Hämatologe auf Erkrankungen des blutbildenden Systems spezialisiert ist. Zusammen mit Prof. Matthias Stelljes aus Münster hatte er die Studie vom Universitätsklinikum Dresden aus koordiniert. Eines der wichtigsten Ergebnisse war bereits damals: „Die Langzeit-Rückfallrate – das heißt die Zahl der Patienten, bei denen die Leukämie trotz der Behandlung zurückkehrte – hat sich durch die schonende Konditionierung nicht erhöht.“ Dieses 2012 gezogene Resümee wird durch die jetzt im „‚Lancet Haematology“ veröffentlichte Nachbeobachtung bestätigt.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 10.000 Menschen an Leukämie – im Volksmund auch Blutkrebs genannt. Davon gibt es verschiedene Unterformen; gut ein Drittel der Patienten sind von der akuten myeloischen Leukämie betroffen. Sie gilt als häufigste Form des akuten Blutkrebses bei Erwachsenen. „Die Stammzellen des blutbildenden Systems arbeiten nicht mehr richtig. Sie überschwemmen das Blut mit unreifen und daher funktionsunfähigen weißen Blutkörperchen“, erläutert Prof. Bornhäuser.

  • Die Betroffenen leiden zunächst unspezifisch unter ständiger Müdigkeit, sinkender Leistungsfähigkeit und häufigen schweren Infekten. 

Die überwiegende Anzahl ist älter als 60 Jahre, vereinzelt erkranken aber auch Kinder. „Seit der Einführung der Stammzelltherapie hat sich die Überlebenschance auch für ältere Patienten deutlich verbessert: Dabei werden gesunde Blut-Stammzellen von einem Spender auf den Patienten übertragen. Allerdings starben vergleichsweise viele Patienten in der Frühphase der Behandlung – offenbar eine Folge der hochdosierten Konditionierung“, so Prof. Bornhäuser weiter.

Denn ehe die Patienten die neuen Blutstammzellen erhalten, muss ihr eigenes blutbildendes System zunächst zerstört werden – meist durch eine Kombination von Chemo- und Strahlentherapie.

„Die Experten gingen früher davon aus, dass die intensive Vorbehandlung erforderlich ist, um die bösartigen Blutstammzellen so weit als möglich abzutöten und somit eine gute Basis für eine dauerhafte Heilung zu schaffen. Wir hatten aber zunehmend Hinweise darauf gefunden, dass Menschen über 40 Jahre sehr viel empfindlicher auf diese intensive Therapie reagieren als Jüngere“, schildert Prof. Bornhäuser den Ausgangspunkt der 2012 publizierten Studie.

Neuer Therapiestandard verbessert Lebensqualität
Dies bestätigen die Studien der Dresdner Hämatologen jetzt eindrucksvoll bestätigt:

„Bei der weniger intensiven Konditionierung starb kein einziger Patient während des ersten Krankenhausaufenthaltes – bei hoher Dosierung aber bereits fast jeder Zehnte“, schildert Prof. Bornhäuser.

Ein Jahr nach Behandlungsbeginn waren nur 8 Prozent der Patienten im neuen Schema, aber 17 Prozent mit hochdosierter Vorbehandlung verstorben.

„Dank der geringeren Nebenwirkungsrate reduziert das neue Behandlungsschema die frühe Sterblichkeit unserer Patienten und kann zusätzlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen – und das bei den gleichen Heilungschancen“, resümiert Prof. Bornhäuser.

Das in Spezialkliniken vorgenommene, besser verträgliche Behandlungsverfahren hat sich auf Grund der Ergebnisse dieser weltweit ersten randomisierten Studie inzwischen als Standard für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie etabliert.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik I
Prof. Dr. med. Martin Bornhäuser, Prof. Dr. med. Johannes Schetelig
Tel. 0351/ 4 58 41 90
E-Mail: martin.bornhaeuser@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/mk1

Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Deutschland
Sachsen

Telefon: 0351 / 458-4162
Fax: 0351 / 458-884162
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Bei Stammzelltransplantattion: Lebensgefährliche Darmentzündungen, Haut, Leber

Medizin am Abend Berin Fazit: Transplantationsrisiken minimieren

Häufig ist eine Knochenmarktransplantation für Patienten mit Leukämie die Rettung, doch das Risiko von Komplikationen ist groß. 

Trotz der aufwendigen und häufig langen Suche nach einem geeigneten Spender, kommt es bei fast der Hälfte der Patienten zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems, die sich oft gegen die Haut und Leber und in bis zu 50 Prozent der Fälle gegen den Darm richtet. 

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten nun entschlüsseln, wie es zu diesen teils lebensgefährlichen Darmentzündungen kommt und einen möglichen Behandlungsansatz aufzeigen. 

Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation veröffentlicht. 
 
Auslöser der heftigen Immunreaktion ist eine spezielle Form von Abwehrzellen des Spenders.

  • Diese so genannten T-Lymphozyten erkennen die Körperzellen des Empfängers als fremd und attackieren sie. 

Die FAU-Forscher konnten nun zeigen, dass diese besondere Form der T-Lymphozyten von einem Protein namens BATF (engl. „basic leucin zipper ATF-like transcription factor“) gesteuert wird. „Das BATF-Eiweiß arbeitet wie ein Zentralschalter in den Spender-T-Lymphozyten“, sagt Prof. Dr. Kai Hildner von der Medizinischen Klinik 1- Gastroenterologie Pneumologie, Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath).  

„Wird das Protein angeschaltet, können sich hoch aggressive Immunzellen entwickeln, die die Entzündungsvorgänge massiv verstärken und dann im Wechselspiel mit anderen Immunzellen großen Schaden im Darm nach einer Stammzelltransplantation anrichten.“

Die Gruppe um Professor Hildner in Kooperation mit der Medizinischen Klinik 5 und Arbeitsgruppen in Frankfurt, Regensburg und Würzburg konnte darüber hinaus noch einen anderen Zusammenhang nachweisen:

Die in den Darm eingewanderten T-Lymphozyten des Spenders schütten einen Botenstoff (GM-CSF – Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor) aus und vermitteln so die Entzündungsreaktion im Darm. 
  • Blockierten die Forscher die Entwicklung und Funktion dieser spezialisierten T-Lymphozyten mit Medikamenten, lösten sich die Entzündungen im Darm auf.
Von der Entdeckung dieses molekularen Mechanismus erhoffen sich die Wissenschaftler neue Therapien zur Beeinflussung der Darmentzündungen nach Transplantationen entwickeln zu können, um die Überlebenschancen der Patienten nach einer Stammzelltransplantation weiter zu erhöhen.

Manuskript
https://www.jci.org/articles/view/89242 (DOI: 10.1172/JCI89242)

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Prof. Dr. Kai Hildner
Telefon 09131 85-35908
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Dr. Susanne Langer Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern

E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de

Patienten mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL)

Medizin am Abend Berlin Fazit: 

Am UKW mitentwickeltes Anti-Leukämiemedikament besonders wirksam bei minimaler Resterkrankung

Eine kürzlich veröffentlichte Studie kombinierte hochpräzise Krebsdiagnostik auf molekularer Ebene mit dem zukunftsweisenden Immuntherapeutikum Blinatumomab. 

Es zeigte sich, dass die Behandlung mit dem am Uniklinikum Würzburg maßgeblich mitentwickelten Medikament in einem sehr frühen Rezidiv-Stadium das Überleben von Patienten mit Akuter Lymphatischer Leukämie deutlich verbessert. 

Geleitet wurde die europaweite, multizentrische Studie unter anderem von Prof. Dr. Ralf Bargou, dem Direktor des am UKW angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken. 

Das Immuntherapeutikum Blinatumomab – Medikamentenname Blincycto – wirkt auch bei minimaler Resterkrankung von Akuter Lymphatischer Leukämie.
Das Immuntherapeutikum Blinatumomab – Medikamentenname Blincycto – wirkt auch bei minimaler Resterkrankung von Akuter Lymphatischer Leukämie.
Bild: Robert Wenzl / Uniklinikum Würzburg
 
Ende Januar dieses Jahres erschien in der Fachzeitschrift Blood der US-amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie die Publikation zu einer Studie, bei der Patienten mit einer minimalen Resterkrankung von Akuter Lymphatischer Leukämie erfolgreich mit dem Antikörper-Medikament Blinatumomab behandelt wurden.

Hier die Hintergründe und Details.

Über die Krankheit und ihre bisherige Behandlung
  • Die Akute Lymphatische Leukämie (ALL) ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems (Blutkrebs), bei der eine frühe Vorstufe der Lymphozyten entartet und sich unkontrolliert vermehrt. 
  • Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen und Teil des Immunsystems. 
  • Ihre Vermehrung und Erneuerung ist bei gesunden Menschen strikt reguliert. 
  • Bei der ALL ist dieser Prozess außer Kontrolle geraten.
  • Nach dem klassischen Behandlungspfad erhalten die Patienten nach der Erstdiagnose eine so genannte Induktions-Chemotherapie, deren Ziel es ist, eine Rückbildung (Remission) des Blutkrebses zu induzieren. 

50 bis 60 Prozent der Erkrankten sprechen auf diese Therapie gut an und gelten – oft nach weiterer konsolidierender Chemotherapie – als geheilt
Bei den restlichen Patienten bleibt nach der Induktions-Chemotherapie mindestens eine minimale Resterkrankung (Minimal Residual Disease – MRD) bestehen. 
Patienten mit MRD-positiver Erkrankung erleiden praktisch immer ein klinisches Rezidiv und haben in aller Regel eine sehr schlechte Prognose.

Einem Teil kann noch eine allogene Stammzelltransplantation als weitere Behandlungsoption angeboten werden, aber insgesamt ist die Sterberate unter den Betroffenen sehr hoch.

Über den Wirkstoff Blinatumomab

Blinatumomab gehört zu einer neuen Klasse von so genannten bispezifischen Antikörpern, die direkt das menschliche Immunsystem gegen Tumorzellen wirken lassen.

Es ist das erste zugelassene Medikament, das die körpereigenen T-Zellen, eine Form der Lymphozyten, einspannt, um Leukämiezellen zu vernichten. 

Diese „Killer“ können in der Regel Krebszellen nicht von gesunden Zellen unterscheiden und greifen sie deshalb auch nicht an. Den Forschern gelang es, diese biochemische Blindheit zu überwinden, indem sie gentechnisch einen Antikörper designten, der einerseits in der Lage ist, an der Krebszelle anzudocken und andererseits an T-Zellen binden kann. Mit Hilfe dieses „Adapters“ werden die Abwehrzellen aktiviert, sie erkennen die schädlichen Zellen und können sie in der Folge zerstören.
An der Erfindung, Entwicklung und klinischen Erprobung von Blinatumomab entscheidend beteiligt waren Prof. Dr. Ralf Bargou, der Direktor des am Uniklinikum Würzburg (UKW) angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken, Dr. Marie-Elisabeth Goebeler, die Leiterin der Early Clinical Trial Unit am UKW, sowie Prof. Dr. Max Topp, der Leiter des Bereichs Hämatologie an der Medizinischen Klinik II des Würzburger Uniklinikums.

Über die Studie

Die jetzt veröffentlichte Studie nutzte modernste Methoden der molekularen Diagnostik, um mit hoher Sensitivität und Spezifität ALL-Patienten mit MRD zu identifizieren. Diese wurden mit Blinatumomab behandelt. Die Studie begann im Jahr 2010 und wurde von Krebszentren in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Tschechien getragen. Die Leitung lag in den Händen von Dr. Nicola Gökbuget vom Uniklinikum Frankfurt/Main und von Prof. Ralf Bargou vom CCC Mainfranken. Mit 116 Teilnehmer/innen war die Grundgesamtheit an Studienpatienten für eine seltene Erkrankung wie ALL sehr hoch. Als Ergebnis zeigte sich, dass knapp 80 Prozent der Behandelten auf die Antikörpertherapie sehr gut ansprachen und MRD-negativ wurden, was zu einer deutlichen Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit der betroffenen Patienten führte.

„Die Studie zeigt, dass Blinatumomab nicht nur bei einem voll entwickelten Rezidiv hilfreich eingesetzt werden kann, sondern auch – und gerade – in einem viel früheren Stadium. 

Die moderne, hochempfindliche molekulare Diagnostik zusammen mit den neuen therapeutischen Entwicklungen in der Immun-Onkologie hilft uns, das Rezidiv immer frühzeitiger zu erkennen und gezielt zu behandeln. Dadurch lassen sich die Heilungschancen für die betroffenen Patienten weiter verbessern“, resümiert Prof. Bargou.

Literaturnachweis:

Blinatumomab for minimal residual disease in adults with B-precursor acute lymphoblastic leukemia
Gökbuget N., Dombret H., Bonifacio M., Reichle A., Graux C., Faul C., Diedrich H., Topp MS., Brüggemann M., Horst HA., Havelange V., Stieglmaier J., Wessels H., Haddad V., Benjamin JE., Zugmaier G., Nagorsen D., Bargou RC.
Blood. 2018 Jan 22. pii: blood-2017-08-798322. doi: 10.1182/blood-2017-08-798322

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Wird Ihr Blut über die Blutstammzellen im Knochenmark gebildet?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Blutstammzellen: Selbsterneuerung abhängig von Umgebung

Stammzellen haben zwei wichtige Fähigkeiten: sie können sich in viele unterschiedliche Zelltypen entwickeln und sich gleichzeitig selbst zu frischen Stammzellen erneuern. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) fanden jetzt am Modellsystem der Blutbildung (hematopoetisches System) heraus, welche Signalwege genau bei der Selbsterneuerung von ­Blut­stamm­zel­len­ eine essentielle Rolle spielen. 

Hierbei ist vor allem der gegenseitige Austausch mit den ­um­ge­ben­den­ Gewebezellen im Knochenmark entscheidend. 
 
  • Das Blut wird über Blutstammzellen im Knochenmark gebildet. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachthema hier


Diese Zellen und die Gewebezellen des Knochenmarks bilden eine so genannte „Nische“. Ist der Mensch gesund, so befinden sich die Blutstammzellen in einem Ruhemodus.

  • Verliert er aber zum Beispiel durch einen Unfall viel Blut oder ein Erreger zerstört während einer Infektion Blutzellen, dann werden die Stammzellen aktiviert.

Infolgedessen wechselt das gesamte System zur Bildung von Blutzellen von einem Ruhe- in einen Alarmmodus.

  • Die aktivierten Blutstammzellen bilden alle Blutzelltypen neu, um den Verlust auszugleichen oder den Erreger zu bekämpfen. Gleichzeitig wird der Stammzellen-Pool über Selbsterneuerung aufrechterhalten.

Damit beginnt auch eine komplexe Kommunikation zwischen Blutstamm- und Gewebezellen, die bisher noch nicht genau untersucht worden ist. „Wir wollten in unserer Studie herausfinden, welche Signale aus dem Gewebe wichtig für den Erhalt und die Funktionalität der Stammzellen sind, und welche Signale von den Blutstammzellen die Mikroumgebung beeinflussen“, erklärt Prof. Robert Oostendorp von der III. Medizinischen Klinik am TUM Klinikum rechts der Isar, die von Prof. Christian Peschel geleitet wird. Mit Dr. Rouzanna Istvánffy und Dr. Baiba Vilne aus seinem Team untersuchte Robert Oostendorp in gemischten Kulturen aus Gewebe- und Stammzellen die Kommunikation zwischen den beiden Zelltypen.

Gewebezellen lösen Erneuerung von Stammzellen aus

Um das komplexe System aus Signalwegen zu entwirren, nutzten die Wissenschaftler eigene Ergebnisse aus der Analysen von Faktoren, die bei der Wechselwirkung der Gewebe- und Stammzellen hoch- oder herunterreguliert werden. Sie verknüpften diese mit den in der Literatur beschriebenen Signalwegen. Diese Informationen führten sie dann in einem bio-informatischen Computermodell zusammen. Dabei kooperierten die Wissenschaftler mit der Forschungsgruppe um Prof. Hans-Werner Mewes, Professor für Genomorientierte Bioinformatik an der TUM. Anschließend bestätigten sie das computergenerierte Signalweg-Modell ausführlich in Zellexperimenten.

„Das Ergebnis war durchaus interessant: das ganze System funktioniert als Feedback-Schleife. Im Alarmzustand beeinflussen zuerst die Stammzellen das Verhalten der Gewebezellen – diese dann rückwirkend auch wieder das der Stammzellen und zwar für einen sehr wichtigen Schritt: Sie regen die Stammzellen zur Selbsterneuerung an“, fasst Robert Oostendorp die Ergebnisse zusammen.

Wichtiger Aspekt auch für Leukämietherapien

Mit den Ergebnissen der Wissenschaftler lässt sich nun ein klares Bild zeichnen:

im Alarmmodus geben die Stammzellen Signalstoffe ab, die wiederum Gewebezellen dazu veranlassen den Botenstoff CTGF abzusondern. Dieser ist essentiell für den Erhalt der Stammzellen über die Selbsterneuerung. Fehlt CTGF allerdings, altern die Stammzellen und können keinen Nachschub bilden.

„Unsere Erkenntnisse könnten für Therapien gegen Leukämie wichtig sein. Hier sind die Stammzellen hyperaktiv und teilen sich unkontrolliert“, so Oostendorp. „Leukämische Blutzellen befinden sich im ständigen Alarmmodus und wir würden daher eine ähnliche Wechselwirkung mit den Gewebezellen erwarten“. Bisher seien aber nur die eigentlichen defekten Stammzellen im Fokus. „Aus unserer jetzigen Sicht wäre es wichtig, auch die Umgebungszellen in Therapieansätze zu integrieren, da sie starken Einfluss auf das Teilungsverhalten der Stammzellen haben“, sagt der Wissenschaftler.

Publikation
R. Istvánffy, B. Vilne, C. Schreck, F. Ruf, C. Pagel, S. Grziwok, L. Henkel, O. Prazeres da Costa, J. Berndt, V. Stümpflen, K. S. Götze, M. Schiemann, C. Peschel, H.-W. Mewes, R.A.J. Oostendorp, Stroma-derived connective tissue growth factor (CTGF) maintains cell cycle progression and repopulation activity of hematopoietic stem cells in vitro, Stem Cell Reports, 29. Oktober 2015.
DOI: 10.1016/j.stemcr.2015.09.018
http://www.cell.com/stem-cell-reports/abstract/S2213-6711%2815%2900280-5


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Prof. Dr. Robert Oostendorp
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
III. Medizinische Klinik
Tel.: +49 (0)89 4140 – 6056
robert.oostendorp@tum.de
www.med3.med.tum.de/team/Oostendorp.html
Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

Deutschlandweite Leukämie-Studie: Medikament, das gezielt die Leukämiezellen + Leukämie-Stammzellen angreift

Medizin am Abend Berlin Fazit:      Unter Leitung des Universitätsklinikums Halle (Saale) gestartet

 
Ärztinnen und Ärzte an 25 deutschen Kliniken untersuchen nun im Rahmen der sogenannten „BLAST“-Studie ein neues Medikament, das gezielt die Leukämiezellen und Leukämie-Stammzellen angreift. Die Leitung der Studie hat Professor Dr. Carsten Müller-Tidow, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV und Leiter des Landeszentrums für Zell- und Gentherapie am Universitätsklinikum Halle (Saale), inne. 
 
Die akute myeloische Leukämie (AML) ist nach wie vor eine schwierig zu behandelnde, bösartige Krebserkrankung des blutbildenden Systems.

Viele Patienten sprechen zunächst gut auf die Therapie an, erleiden dann aber einen Rückfall und bedürfen weiterer intensiver Therapie oder einer Stammzelltransplantation, um die Chancen auf Heilung zu erhöhen.

  • Hervorgerufen wird dieser Rückfall von Leukämiestammzellen, die sich im Knochenmark in einer Nische verstecken können und gegen die erste Chemotherapie resistent waren.

  • In der Studie wird die Standardbehandlung der AML-Patienten um ein neues Medikament erweitert, das die Leukämiezellen aus dem Knochenmark herauslöst und sie auf diese Weise besser für die Chemotherapie angreifbar macht. 

Untersucht werden soll, ob mit der erweiterten Therapie tatsächlich mehr Patienten geheilt werden können. Dazu werden im Rahmen der „BLAST“-Studie deutschlandweit insgesamt 196 Patienten behandelt. „Dieses neue Medikament könnte eine große Chance für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie sein, weil es einen neuen Wirkungsmechanismus hat.

  • Die Leukämiestammzellen werden aus ihrem Zellverbund im Knochenmark gelöst und ins Blut geschwemmt, wodurch sie besser von einer Chemotherapie angegriffen werden können“, sagt Prof. Müller-Tidow.

Die Studie wird in enger Kooperation mit dem Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) Halle durchgeführt. Voraussichtlich wird die Laufzeit der klinischen Prüfung drei Jahre betragen. Mit ersten Ergebnissen kann somit in wenigen Jahren gerechnet werden.

Leukämieforschung spielt am Universitätsklinikum Halle (Saale) eine große Rolle: Zahlreiche Forschungsprojekte werden erfolgreich durchgeführt. Aus diesen Forschungsprojekten sind mehrere klinische Studien entstanden. Gesunde Stammzellen und auch Leukämie-Stammzellen werden im Landeszentrum für Zell- und Gentherapie untersucht, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert und ein überregional bedeutendes Forschungs- und Stammzelltransplantationszentrum ist.


Weiitere Information zur Studie erhalten Sie unter der Telefonnummer (0345) 557 2924 oder über innere4.studienzentrale@uk-halle.de. 


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Giftiges Benzol durch Ölförderung - auffällig viele Leukämiekranke in Rodewald/Niedersachsen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  

Im niedersächsischen Rodewald (Landkreis Nienburg/Weser) sind auffällig viele Menschen an Leukämie erkrankt. Das ergeben Recherchen des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins "Markt" im NDR Fernsehen. Jahrzehntelang förderte ein Vorgängerunternehmen von ExxonMobil hier Erdöl. 

Nach NDR Recherchen sind mindestens fünf Menschen unter 40 Jahren in Rodewald innerhalb von zehn Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch erwartbar wäre in diesem Zeitraum maximal eine Neuerkrankung gewesen. Das bestätigt erstmals auch ein Statistiker des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes gegenüber "Markt": "Es handelt sich hier um eine auffällige Erhöhung, der man nachgehen müsste."

Viele der an Leukämie erkrankten Dorfbewohner leben oder lebten in der Nähe eines ehemaligen Betriebsplatzes der Erdölfirma BEB Erdgas und Erdöl GmbH & Co. Nachfolgeunternehmen ist heute ExxonMobil. Auf dem Platz wurde das gesammelte Öl gereinigt und wieder abtransportiert. Über ein Ausblasrohr ist im Öl enthaltenes Gas in die Umgebung abgeben worden. Bis 1989 gelangte so krebserregendes Benzol in die Umwelt. Fünf Milligramm Benzol pro Kubikmeter Luft waren damals erlaubt.

  • Tatsächlich kamen laut eines TÜV-Berichts aus dem Jahr 1988 bis zu 1890 Milligramm pro Kubikmeter aus dem Rohr. 

Seit Dezember 2014 wird der stark kontaminierte Betriebsplatz saniert. Ein Gutachten zur Schadstoffbelastung liegt der Redaktion exklusiv vor: Die Benzolwerte im Boden und im Grundwasser sind teilweise stark erhöht.

Beispielsweise betrug der Benzolwert des Grundwassers im Jahr 2013 bis zu 1200 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich:

  •  Schon ab Werten zwischen fünf und zehn Mikrogramm müssen Maßnahmen ergriffen werden. 
"Eigentlich müssten jetzt in niedersächsischen Behörden, und zwar auch in mehreren Ministerien, die Alarmglocken schrillen", warnt Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke (Genuk). Schließlich handele es sich in Niedersachsen bereits um den zweiten so genannten "Verdachts-Hotspot".

  • Der bestehe darin, dass es eine örtliche Gas-und Ölförderung gegeben habe und gleichzeitig eine auffällige Häufung von Krebsarten des blutbildenden Systems auftrete. 

Auf die Anfrage, ob ein Zusammenhang bestehen könne, teilte ExxonMobil mit, es sei zu berücksichtigen, ob auch andere Faktoren, beispielsweise Verkehr, Rauchen, Pestizide, Strahlung oder Alkohol als Auslöser für die Erkrankungen in Frage kämen.

Der zuständige Landkreis Nienburg nimmt den Hinweis auf die häufigen Leukämieerkrankungen sehr ernst. In Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen will er jetzt eine Krebs-Clusteruntersuchung in Rodewald veranlassen.

Mehr zum Thema in der Sendung "Markt", Montag, 21. September, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen.
Informationen zur Sendung gibt's im Internet unter www.NDR.de/markt
 

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Konditionierungstherapie: Blutstammzelltransplantation - Leukämie (Blutkrebs)

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Nur 160 Plätze für T-Vorläuferzellen im Thymus frei

MHH-Forscher untersuchen die T-Zellentwicklung im Thymus /Veröffentlichung in „Journal of Experimental Medicine“  Eine Lichtscheiben-Mikroskopie, die die dreidimensionale Darstellung und Messung von anatomischen Strukturen in vollständigen Organen wie dem Thymus erlaubt.
 Eine Lichtscheiben-Mikroskopie, die die dreidimensionale Darstellung und Messung von anatomischen Strukturen in vollständigen Organen wie dem Thymus erlaubt. "Foto: MHH/Krueger"
 
Patienten – insbesondere ältere Patienten – sind nach einer Blutstammzelltransplantation zum Beispiel zur Behandlung einer Leukämie (Blutkrebs) besonders anfällig für Infektionen.

Ein Grund für die erhöhte Anfälligkeit ist die verzögerte Neubildung von T-Lymphozyten (T-Zellen), die eine Schlüsselposition im Kampf gegen Infektionen einnehmen. Im ungünstigsten Fall kann die Regeneration von T-Zellen Monate bis Jahre in Anspruch nehmen. 
Im Gegensatz zu anderen Immunzellen machen Vorläuferzellen im Rahmen ihrer Reifung zu T-Zellen einen Umweg vom Knochenmark über den Thymus. Dort lernen die T-Vorläuferzellen, nur körperfremde Erreger wie Viren oder Bakterien zu bekämpfen und nicht das körpereigene Gewebe als fremd zu erkennen.

Die Besiedlung des Thymus durch Vorläuferzellen aus dem Knochenmark stellt einen möglichen Flaschenhals des Regenerationsprozesses dar. Das Team um Professor Dr. Andreas Krueger, REBIRTH-Arbeitsgruppe „Regenerative Immunologie“, Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat nun aufgeklärt, wie viele T-Vorläuferzellen täglich in den Thymus wandern und für wie viele Zellen dort Platz ist.

 „Im Thymus der Maus gibt es ungefähr 160 Plätze für frische Vorläuferzellen aus dem Knochenmark; davon sind im Durchschnitt 150 Plätze tatsächlich immer besetzt. Das heißt, dass nur etwa zehn Zellen auf einmal in den Thymus aufgenommen werden. Wir konnten zeigen, dass jeder einzelne Platz für zehn bis zwölf Tage besetzt bleibt, bevor er für einen neuen Vorläufer zur Verfügung steht“, sagt Professor Krueger.

Eine Maus produziert täglich zehn Millionen frische T-Zellen im Thymus, der aus etwa 200 Millionen Zellen besteht. Da in diesem Zellgewirr die wenigen T-Vorläuferzellen nicht direkt gezählt werden können, entwickelten die Forscher eine Methode aus der Infektionsbiologie weiter, bei der mit fluoreszierenden Zellen nachgewiesen werden kann, wie viele Mikroorganismen einen Organismus befallen haben. „Wir injizierten einen Mix aus unterschiedlich markierten T-Vorläuferzellen und bestimmten mit einem speziell entwickelten mathematischen Modell, wie viele dieser Zellen den Prozess der T-Zell-Reifung durchlaufen haben. Dabei stellten wir fest, dass nur etwa zehn T-Vorläuferzellen auf einmal in den Thymus gelangen“, erklärt Professor Krueger.

  • Ein wichtiger Aspekt der Stammzelltransplantation ist das Schaffen von Platz für Spenderzellen durch eine sogenannte Konditionierungstherapie, zum Beispiel durch Bestrahlung. 

Eine solche Therapie könnte aber auch zu Gewebeschädigungen führen, die eine Besiedlung des Thymus erschwert. „Unsere Experimente deuten tatsächlich daraufhin, dass eine entsprechende Bestrahlung alle verfügbaren Plätze im Thymus für Spenderzellen zugänglich macht“, sagt Professor Krueger. „Als Nächstes wollen wir nun untersuchen, ob und wie sich der Flaschenhals Thymusbesiedlung im Alter verändert.“


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Professor Andreas Krüger, Telefon (0511) 532-9788
Krueger.Andreas@mh-hannover.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Die Originalarbeit finden Sie unter http://jem.rupress.org/content/early/2015/09/02/jem.20142143.full.

Speiseröhrenkrebs - Medikamentöse Strategie

Medizin am Abend Fazit:    Brüchiges Erbgut: Neuer Therapie-Ansatz gegen Speiseröhrenkrebs

 

Bevor es zu dieser Erkrankung kommt, sollte folgendes beachtet werden: 

 

http://www.praxisvita.de/soforthilfe-bei-reflux

 

Bei Speiseröhrenkrebs könnte eine medikamentöse Strategie erfolgreich sein, die bereits bei Leukämien im klinischen Einsatz ist. 


Das zeigen Forscher des Universitätsklinikums Freiburg. Sie behandelten gesunde und entartete Speiseröhrenepithelzellen mit „epigenetisch“ wirksamen Substanzen, die das Erbgut der Krebszellen brüchig machen. 

Während die gesunden Zellen überlebten, starben die Krebszellen ab. Ein solcher epigenetischer Therapie-Ansatz könnte bei inoperablem Speiseröhrenkrebs zielgerichteter wirken als bisherige Strahlen-und Chemotherapien. Die in der Zeitschrift Epigenetics veröffentlichte Studie könnte langfristig zu effektiveren und verträglicheren Krebs-Therapien beitragen. 

Speiseröhrenkrebszellen in der Petrischale angefärbt: Blau: DNA im Zellkern, Rot und Grün: Eiweißstoffe in der Zelle,  Universitätsklinikum Freiburg


Speiseröhrenkrebszellen in der Petrischale angefärbt: Blau: DNA im Zellkern, Rot und Grün: Eiweißstoffe in der Zelle


Speiseröhrenkrebs in der westlichen Welt stark auf dem Vormarsch

6.500 Menschen erkrankten im Jahr 2012 in Deutschland an Speiseröhrenkrebs, der damit zwar zu den selteneren Tumorerkrankungen gehört;  


gleichzeitig zeigt er aber eine der höchsten Zuwachsraten an Neuerkrankungen. 

Die Zahlen haben sich seit 1990 mehr als versiebenfacht. Grund sind vermutlich verändertere Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Wichtigste Risikofaktoren sind langjähriges Sodbrennen, Alkoholkonsum und Rauchen.

Es gibt zwei häufige histologische und klinische Typen von Speiseröhrenkrebs, das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom. Bislang werden Erkrankte chirurgisch, mit Strahlen- oder Chemotherapie oder einer Kombination aus beidem behandelt. Wegen der meist späten Diagnose überlebt aber gerade einmal jeder fünfte Patient mehr als fünf Jahre – trotz Therapie.

Epigenetische Behandlung wirkt gezielt gegen Krebszellen

Einen gänzlich neuen Ansatz im Kampf gegen Speiseröhrenkrebs hat nun die Forschergruppe von Prof. Dr. Silke Lassmann und Prof. Dr. med. Martin Werner am Institut für Klinische Pathologie des Universitätsklinikums Freiburg erprobt. Die jetzt erschienene Studie ist in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung entstanden, dem Prof. Lassmann und Prof. Werner angehören sowie dem Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg, an dem Prof. Lassmann Assoziiertes Mitglied ist.

Im Labor behandelten sie mit ihrem Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zellkulturen aus normalen und entarteten Zellen mit vier „epigenetisch“ wirksamen Substanzen, die das Erbmaterial auflockern und dadurch zerbrechlicher machen. 

Bricht das Erbmaterial, führt dies meist zum Absterben der Zelle. 

Die Wirkstoffe wurden jeweils allein und in Kombination auf die Zellen aufgebracht. Während sich die Zellen gegen einzelne Substanzen zur Wehr setzen konnten, starben die Krebszellen bei der Kombination der beiden Stoffe Entinostat und Azacitidin. Gesunde Zellen nahmen auch dann keinen Schaden.

„Gesunde Zellen haben offenbar noch einen Plan B, also Schutz- und Reparatur-Mechanismen, die bei Krebszellen nicht mehr funktionieren. Das macht die Krebszellen anfälliger“, sagt Prof. Lassmann. Welche Schutzmechanismen bei gesunden Zellen vorhanden sind und bei Krebszellen fehlen, möchten die Forscher als nächstes herausfinden. Azacitidin ist bereits für die Behandlung von Leukämien zugelassen. Für Entinostat läuft derzeit die Zulassung in der Krebstherapie.

Ergebnisse möglicherweise auch auf andere Tumoren übertragbar

In Gewebeschnitten von operativ entferntem Speiseröhrenkrebs wiesen die Forscher jene Zielstrukturen nach, gegen die die epigenetischen Wirkstoffe gerichtet sind. Auch in Darmkrebs-Gewebe und anderen Tumorarten des Magen-Darm-Trakts ließen sich dieselben molekularen Ziele identifizieren. Das spricht dafür, dass sich die Erkenntnisse zumindest teilweise auf andere Tumorarten übertragen lassen.

„Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass sich daraus ein neuer Ansatz im Kampf gegen Speiseröhrenkrebs entwickeln lässt. Aber klar ist: das ist nur ein erster Schritt und viele weitere müssen folgen“, dämpft Prof. Lassmann zu große Hoffnungen.

Die Forschungsarbeit ist im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 992 „Medizinische Epigenetik – Von grundlegenden Mechanismen zu klinischen Anwendungen“ entstanden, dem die Arbeitsgruppe von Prof. Lassmann angehört. Gleichzeitig besteht ein intensiver Austausch mit dem Zentrum für Gastrointestinale Tumore des Universitätsklinikums Freiburg, das Diagnose und Therapie auf dem neuesten Stand der Forschung betreibt.

Original-Titel der Arbeit: Selective inhibition of esophageal cancer cells by combination of HDAC inhibitors and Azacytidine

DOI: 10.1080/15592294.2015.1039216.

Link zum Online-Artikel: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25923331


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Silke Lassmann
Institut für Klinische Pathologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-80620
silke.lassmann@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.uniklinik-freiburg.de/pathologie/forschung/ag-lassmann.html Forschungsgruppe Lassmann/Werner

http://www.sfb992.uni-freiburg.de/ SFB 992 „Medizinische Epigenetik – Von grundlegenden Mechanismen zu klinischen Anwendungen“

http://www.bioss.uni-freiburg.de/ BIOSS Centre for Biological Signalling Studies

http://www.dkfz.de/de/dktk/partnerstandorte/Freiburg.html Deutsches Konsortium Translationales Krebszentrum Partnerstandort Freiburg

Neuartige Leukämiebehandlung: STUDIENEINLADUNG: für verträglichere Therapie bei älteren Menschen

Medizin am Abend Fazit:  Blutkrebs: Europaweite Studie untersucht verträglichere Therapie bei älteren Menschen

Neuartige Leukämiebehandlung könnte stark belastende Chemotherapie bei Risikopatienten ersetzen oder ergänzen / Studie misst auch die Lebensqualität der Patienten

Krebszellen im Detail: Myeloblasten zeichnen sich durch ihren sehr großen, rund-ovale Zellkern aus. Transparent: andere Blutzellen Krebszellen im Detail: Myeloblasten zeichnen sich durch ihren sehr großen, rund-ovale Zellkern aus. Transparent: andere Blutzellen
Universitätsklinikum Freiburg
 
Bei einer häufigen Form von Blutkrebs (akute myeloische Leukämie, AML) ist eine Chemotherapie bislang die Standardbehandlung, trotz starker Nebenwirkungen und schlechter Heilungschancen. 

Eine europaweite Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Freiburg untersucht nun, wie stark ältere Patienten mit dieser Form von Blutkrebs von einer neuen, weniger belastenden Therapie profitieren. Untersucht werden Heilungschancen, Nebenwirkungen und Lebensqualität. Insgesamt sollen 600 Patientinnen und Patienten an 70 Standorten in zehn Ländern Europas behandelt werden (11 deutsche Zentren). Federführender Koordinator ist Prof. Dr. Michael Lübbert, Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Justus Duyster).

Die Studie läuft derzeit in Deutschland an. Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich am Universitätsklinikum Freiburg melden (Kontaktdaten siehe unten). 


Die Akute Myeloische Leukämie (AML) wird meist bei Menschen über 60 Jahren diagnostiziert. Doch nur ein kleiner Teil dieser Patienten überlebt die Diagnose mehr als fünf Jahre, entweder weil die alleinige Standard-Chemotherapie nicht zur Heilung führt, oder weil sie wegen des schlechten Gesundheitszustands der Patienten gar nicht erst angewendet werden kann. Neue Forschungsansätze zur Verbesserung der Chemotherapie waren in den vergangenen Jahren zudem wenig erfolgreich, so dass die Blutstammzell-Transplantation immer noch die höchste Heilungsrate bei diesen Patienten erzielt (Leiter der Sektion Allogene Stammzelltransplantation der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg: Prof. Dr. Jürgen Finke).

Nun wird in einer europaweiten Studie untersucht, ob eine Behandlung mit dem epigenetisch aktiven Wirkstoff Decitabin erfolgreich ist. Dieser zerstört - im Gegensatz zu Medikamenten der herkömmlichen Chemotherapie - die Krebszellen nicht sofort, sondern beeinflusst primär, welche Gene in den Krebszellen abgelesen werden und verhindert so ihre krankhafte Vermehrung. „In früheren klinischen Studien haben wir bereits gesehen, dass durch Substanzen wie Decitabin die Leukämie erfolgreich zurückgedrängt werden kann, so dass danach eine Blutstammzell-Transplantation als Heilungsansatz möglich wird“, sagt Prof. Lübbert.

Neue Therapie: Normales Leben ohne Krankenhausaufenthalte?

„Für manche älteren Patienten kann eine intensive Chemo-Therapie gesundheitlich eine größere Belastung sein, als dass sie eine langfristige Hilfe im Kampf gegen den Krebs wäre“, erklärt Prof. Lübbert die Notwendigkeit einer weniger aggressiven Therapieform.

Der epigenetisch aktive Wirkstoff Decitabin ist gerade für ältere Menschen wesentlich besser verträglich als die klassische Chemotherapie. „Unter der besser verträglichen Epi-Therapie können die Patienten oft ihr ganz normales Leben führen, ohne stationäre Krankenhausaufenthalte. Das ist für uns neben der Heilung ein ganz wichtiges Ziel“, so Prof. Lübbert.

In der nun anlaufenden klinischen Studie werden die Patienten zu Beginn entweder zehn Tage lang mit Decitabin oder mit der Standard-Chemotherapie behandelt.

Im Anschluss soll eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Sollte dies nicht möglich sein, erhalten die Patienten entweder weiterhin Decitabin oder drei weitere Chemotherapie-Kurse. „Wir sind zuversichtlich, mit dieser Studie eine Therapie-Sequenz etablieren zu können, die der klassischen intensiven Chemotherapie bei älteren AML-Patienten gleichwertig oder vielleicht sogar überlegen ist“, sagt Prof. Lübbert.


Ausstrich einer Knochenmarksprobe; Bei AML vermehren sich Myeloblasten, dunkel eingefärbt) übermäßig und verdrängt andere Blutzell-Typen. Die neue Therapie unterbricht diese Zell-Vermehrung.
 Ausstrich einer Knochenmarksprobe; Bei AML vermehren sich Myeloblasten, dunkel eingefärbt) übermäßig und verdrängt andere Blutzell-Typen. Die neue Therapie unterbricht diese Zell-Vermehrung. Universitätsklinikum Freiburg


Die Studie EORTC 1301 (EudraCT-Nummer 2014-001486-27) wird von der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC, Brüssel) in Zusammenarbeit mit mehreren anderen europäischen Studiengruppen organisiert und voraussichtlich bis Mitte 2019 laufen. Die wissenschaftliche Projektleitung haben Forscher der Universitäten Freiburg, Nijmegen, Den Haag und Rom inne.

Die EORTC (Brüssel, Belgien) vereint ein Netzwerk von mehr als 2.500 klinischen Onkologie-Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen aus über 30 europäischen Ländern in internationalen Kollaborationen. Die Organisation ermöglicht eine integrative Entwicklung und Beforschung von Wirkstoffen im Rahmen großer klinischer Studien.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. med. Michael Lübbert
Klinik für Innere Medizin I: Hämatologie, Onkologie und Stammzell-Transplantation
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-35340
michael.luebbert@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.uniklinik-freiburg.de/medizin1/forschung/experimentelle-forschung/can... Arbeitsgruppe Prof. Lübbert

http://www.eortc.org/ European Organisation for Research and Treatment of Cancer

Leukämie - Therapie für chronischer myeloischer Leukämie (CML): Interferon + Imatinib


Medizin am Abend Fazit:  Kombinationstherapie kann Leukämie heilen

Ein neuer Behandlungsansatz bei chronischer myeloischer Leukämie (CML)
erlaubt vielen Betroffenen, ihre Medikamente dauerhaft abzusetzen. Das
berichten Krebsforscher um Professor Dr. Andreas Burchert von der
Philipps-Universität Marburg sowie Professor Dr. Andreas Hochhaus vom
Universitätsklinikum Jena. Das Team veröffentlicht seine Ergebnisse in der
Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift „Leukemia“.

„Leukämie betrifft in Deutschland eine zunehmende Zahl von Menschen“,
erklärt Mitverfasser Professor Dr. Andreas Neubauer, der den Schwerpunkt
Hämatologie, Onkologie und Immunologie an der Philipps-Universität Marburg
leitet. 

Leukämie (Blutkrebs) ist eine Störung der Blutbildung, bei der
sich weiße Blutkörperchen unkontrolliert vermehren. Die Krankheit verläuft
tödlich, wenn sie nicht behandelt wird.

Das Arzneimittel Imatinib ist das Standardpräparat gegen chronische
myeloische Leukämie.

Es hemmt die Aktivität des krebsauslösenden Gens BCR- ABL, woraufhin die Krebszellen ein Zelltodprogramm anschalten, so dass sie absterben. Das bewirkt eine deutliche Verbesserung der Therapieergebnisse bei dieser Unterform der Leukämie.

„Die Gefahr bei Imatinib besteht allerdings darin, dass trotz der Behandlung immer einige Leukämiezellen übrig bleiben, weil sie gegen das Medikament resistent sind oder im Verlauf der Behandlung eine Resistenz entwickeln“, führt der Marburger Onkologe Andreas Burchert aus, Erstautor der Publikation.

Um das zu vermeiden, erprobten die Forscher in der aktuellen Studie eine
neue Therapie, bei der sie neben Imatinib auch das körpereigene Hormon
Interferon einsetzten. „Interferon aktiviert das Immunsystem und
kontrolliert dadurch Leukämiezellen, die gegen Imatinib resistent sind“,
erläutert der Jenaer Studienkoordinator Andreas Hochhaus.

Das Team behandelte 20 Patientinnen und Patienten mit Imatinib in
Kombination mit Interferon. Burchert und Hochhaus beobachteten, dass
viele Patienten krankheitsfrei blieben, obwohl sie Imatinib absetzen
mussten und weiter ausschließlich Interferon erhielten. Selbst nach bis zu
zwölf Jahren seit Diagnosestellung blieben mehr als 70 Prozent der
Patienten rückfallfrei. Fast die Hälfte der Patienten konnte später auch
Interferon absetzen und lebt ohne jede Therapie seit bis zu fünf Jahren
rückfall- und beschwerdefrei.

Die Autoren schlussfolgern, dass eine Kombinationstherapie von Imatinib
und Interferon es den meisten Patienten ermöglichen könnte, komplett
therapiefrei zu werden.

Die Frage, ob dieses neuartige Behandlungskonzept die Zahl derjenigen Patienten erhöhen kann, die dauerhaft ohne Medikamente auskommen, steht derzeit im Fokus der deutschlandweiten klinischen Studie „TIGER“, die durch das Uniklinikum Jena koordiniert wird und in über 100 Behandlungszentren deutschlandweit stattfindet, unter anderem in Marburg und Mannheim.

Die aktuelle Veröffentlichung geht aus einer Klinischen Forschergruppe der
Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Philipps-Universität hervor, die
sich mit Resistenzen gegenüber Krebsmedikamenten befasst (KFO 210). Die
zugrundeliegende wissenschaftliche Arbeit wurde außerdem durch die
„Deutsche José-Carreras Leukämiestiftung“ und das Universitätsklinikum
Gießen und Marburg (UKGM) finanziell gefördert sowie durch das
pharmazeutische Unternehmen Roche unterstützt.

Originalveröffentlichung: Andreas Burchert & al.: Interferon alpha 2
maintenance therapy may enable high rates of treatment discontinuation in
chronic myeloid leukemia, Leukemia 2015, doi: 10.1038/leu.2015.45


Medizin am Abend DirektKontakt 

Professor Dr. Andreas Burchert,
Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie der
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 58-65112
E-Mail: burchert@staff.uni-marburg.de

Professor Dr. Andreas Hochhaus,
Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie,
Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 9324206
E-Mail: Andreas.Hochhaus@med.uni-jena.de
Philipps-Universität Marburg, Johannes Scholten


360° Klinischer Notfall: Leukämie - Weisses Blut - Therapie-Leitlinie - Verhinderung von akuter Lebensgefahr

Medizin am Abend Fazit:   Neue Dresdner Therapie-Leitlinie zur akuten Leukämie kann unmittelbare Lebensgefahr abwenden

 

Die weltweit führende medizinische Fachzeitschrift für Blutkrankheiten „Blood“ veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe eine Therapie-Leitlinie der Dresdner Leukämie-Experten Professor Gerhard Ehninger, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sowie Leiter des Universitäts KrebsCentrums, und Privatdozent Christoph Röllig, Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie. In ihrer Arbeit, die bereits online veröffentlicht wurde, bündeln Ehninger und Röllig Erkenntnisse aus der Literatur, eigenen Forschungen und jahrzehntelanger klinischer Erfahrung. 

Prof. Gerhard Ehninger
Prof. Gerhard Ehninger Foto: Universitätsklinikum Dresden
 
Dank des Artikels werden der weltweiten Leserschaft von „Blood“ präzise und umfassende Behandlungsanweisungen an die Hand gegeben. Durch die konsequente Umsetzung dieser Hinweise kann die akute Lebensgefahr vom Leukämiepatienten abgewendet und ein Zeitfenster für die langfristige Heilung der Erkrankung geöffnet werden.

Leukämie bedeutet „weißes Blut“, weil sich bei dieser Erkrankung die weißen Blutzellen stark vermehren können – wird ihre Zahl zu hoch, drohen lebensbedrohliche Komplikationen, die nur durch rasche und gezielte Maßnahmen abgewendet werden können.

Die als Hyperleukozytose bezeichnete gefährliche Blutkrebsvariante kann durch den schnellen Einsatz der richtigen Chemotherapie, durch Blutverdünnung mit Infusionen und durch eine spezielle Blutwäsche (Apherese) innerhalb von Stunden unter Kontrolle gebracht werden.

Mit der Publikation der Leitlinien würdigt das hochrenommierte amerikanische Fachblatt gleichzeitig die Leistungen und Expertise des Dresdner Klinikdirektors Prof. Gerhard Ehninger, dessen Forschungen auf dem Gebiet der Leukämien und Bluterkrankungen seit vielen Jahren international große Beachtung finden.

Die Medizinische Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums der TU Dresden gehört seit Mitte der 90er Jahre zu einem der weltweit führenden Zentren für die Behandlung von Krebserkrankungen und Leukämien sowie für Stammzelltransplantation.

Mehrere Spezialambulanzen und hochmoderne Therapiestationen und Laboratorien stehen Patienten für eine optimale Therapie zur Verfügung. Die Spezialisten arbeiten in enger Kooperation mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, denen sie beratend zur Seite stehen.

PD Dr. Christoph Röllig PD Dr. Christoph Röllig Foto: Franziska Pilz


Publikation
Röllig C, Ehninger G.: How I treat hyperleukocytosis in acute myeloid leukemia.
Blood. 2015 Mar 16. pii: blood-2014-10-551507
DOI: http://dx.doi.org/10.1182/blood-2014-10-551507
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25778528


Medizin am Abend DirektKontakt

Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik I
PD Dr. med. Christoph Röllig
Oberarzt, Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie
Tel. (0351) 458-3775
E-Mail: christoph.roellig@uniklinikum-dresden.de
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Deutschland
Sachsen

Holger Ostermeyer
Telefon: 0351 / 458-4162
Fax: 0351 / 458-884162




Weitere Informationen für international beteiligte Medizin am Abend Leser:
http://www.mk1dd.de

GenderMedizin: Stammzelltransplantation und Leukämie, speziell bei Schwangeren

Medizin am Abend Fazit: Spenderzellen im Kampf gegen Leukämie

Nach einer Stammzelltransplantation können mitübertragene Abwehrzellen des Spenders Leukämiezellen des Empfängers angreifen und vernichten. Wie sie das tun, haben Wissenschaftler des Würzburger Universitätsklinikums untersucht. Ihr Interesse galt dabei vor allem schwangeren Frauen. 

Meine Haut: http://www.praxisvita.de/was-weiss-meine-haut-ueber-meinen-koerper
 
Das Immunsystem des Menschen ist prinzipiell in der Lage, Leukämiezellen zu erkennen und zu vernichten. Als Erkennungssignal für die Immunzellen dienen dabei spezielle Strukturen auf der Oberfläche der Leukämiezellen – zum Beispiel sogenannte tumorassoziierte Antigene (TAAs). Doch nicht jeder Mensch verfügt über diese Immunantwort. Warum das so ist, hat ein interdisziplinäres Team des Universitätsklinikums unter der Federführung von Professor Stephan Mielke, Geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und Direktor des Stammzelltransplantationsprogramms für Erwachsene, und Professor Christoph Otto, Leiter der Experimentellen Chirurgie an der Chirurgischen Klinik I, untersucht. Ihr Verdacht:

Die Fähigkeit zur Immunantwort könnte sich unter anderem während der Schwangerschaft ausbilden. In der renommierten Fachzeitschrift Blood haben sie vor kurzem ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Der Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt

„Wir wissen bereits seit Langem, dass bei der Übertragung von Blutstammzellen von einem Menschen auf einen anderen nicht nur Stammzellen, sondern auch Abwehrzellen des Spenders mittransplantiert werden“, erklärt Stephan Mielke. Diese Zellen sind bisweilen in der Lage, sich im Körper des Patienten gegen verbliebene bösartige Zellen zu richten und diese zu zerstören. „Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt“ heißt dieser Vorgang in der Fachsprache. Die Hintergründe dieses Effektes sind jedoch noch nicht gänzlich erforscht. „Wir haben untersucht, inwieweit die Schwangerschaft einen möglichen Ursprung dieser Immunantworten darstellt“, erklärt Mielke. Ausgangspunkt dieser Idee war die Beobachtung, dass bestimmte TAAs sowohl auf der Oberfläche von Leukämiezellen als auch von Zellen der Plazenta ausgebildet werden.

Studie mit 158 Teilnehmern

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler zwei Hauptgruppen von Probanden gebildet. Die erste Gruppe bestand aus Frauen, die noch nie eine Geburt hatten, Frauen mit mindestens einem Kind und Männern. Insgesamt 114 Teilnehmer waren es dort. In die zweite Gruppe nahmen die Forscher 44 erstmalig schwangere Frauen auf. Allen Teilnehmern wurde eine geringe Menge Blut abgenommen – den schwangeren Frauen allerdings an bis zu vier Zeitpunkten während und nach ihrer Schwangerschaft. Anschließend isolierten die Forscher bestimmte Abwehrzellen – die T-Lymphozyten – aus den gewonnenen Blutproben und untersuchten diese auf ihre Fähigkeit, vier bekannte TAAs zu erkennen und anzugreifen.

Die Ergebnisse: Männer zeigen stärkere Reaktion

Das Ergebnis: „In der ersten Gruppe konnten wir Immunantworten gegen alle vier TAAs nachweisen. Interessanterweise wiesen dabei Männer teilweise signifikant stärkere Immunantworten auf als Frauen“, erklärt Mathias Lutz, Arzt und als medizinischer Doktorand von Mielke an dem Projekt beteiligt. Keine Unterschiede zeigten sich hingegen zwischen Frauen ohne beziehungsweise mit Kindern. Differenzierter fielen die Ergebnisse in der Gruppe der Schwangeren aus: In den Blutproben, die während des zweiten Drittels der Schwangerschaft entnommen worden waren, war die Immunantwort gegen die untersuchten TAAs deutlich erhöht. Danach ging sie ebenso deutlich zurück und unterschied sich nach dem Abstillen nicht mehr von den Werten von Frauen ohne Kinder.

Die Interpretation der Ergebnisse

Geht es um die Interpretation dieser Ergebnisse, ist ein Befund also klar: „Bei einem Teil von gesunden Spendern sind positive Immunantworten gegen die untersuchten TAAs nachweisbar“, sagt Mathias Lutz. Allerdings fallen die Immunantworten bei Männern höher aus, verglichen mit denen von Frauen. „Das hängt vermutlich damit zusammen, dass diese TAAs bei Männern auch in den Hoden ausgebildet werden. So muss sich das männliche Immunsystem immer wieder mit ihnen auseinandersetzen“, erklärt Stephan Mielke.

Ähnlich dürfte es sich bei den Schwangeren verhalten: Für den Anstieg der Werte verantwortlich ist die Plazenta, die ebenfalls TAAs bildet und damit das Immunsystem zu einer Antwort anregt. Dass die Werte nach der Geburt wieder zurückgehen, sodass nach dem Abstillen kaum mehr Immunantworten nachweisbar sind, liegt nach Ansicht der Wissenschaftler wahrscheinlich daran, dass die Plazenta dann nicht mehr vorhanden ist – neben weiteren Effekten, die der Tatsache geschuldet sind, dass das Immunsystem von Frauen während einer Schwangerschaft teilweise „gedrosselt“ wird.

Ansatz für bessere Auswahl der Spender

„Die Erkenntnisse dieser Studie könnten dazu beitragen, die Stammzelltherapie weiter zu optimieren und dadurch eine bessere Kontrolle der bösartigen Grunderkrankung zu erreichen“, hofft Mielke. Denkbar sei es beispielsweise, die gegen TAAs gerichteten Immunantworten zu verstärken. Entweder mit einer Art Impfung oder durch steuernde Eingriffe in das System, das eine effektive Immunantwort unterdrückt. Ob allerdings die in dieser Studie bei gesunden Spendern gezeigte Immunantwort gegen TAAs die Heilungschancen von den Empfängern einer Stammzelltherapie verbessert, sei noch ungeklärt und müsse in weiteren Studien untersucht werden.

Das Projekt wurde vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg gefördert. Daneben erhielt Mathias Lutz ein Stipendium von „Hilfe im Kampf gegen Krebs“, Andrea Worschech vom „Deutschen Akademischen Austausch Dienst“.

„Boost and loss of immune responses against tumor-associated antigens in the course of pregnancy as a model for allogeneic immunotherapy.” Mathias Lutz, Andrea Worschech, Miriam Alb, Sabine Gahn, Laura Bernhard, Michael Schwab, Stefanie Obermeier, Hermann Einsele, Ulrike Kämmerer, Peter Heuschmann, Erdwine Klinker, Christoph Otto, Stephan Mielke (2015): Blood. 125(2):261-72. doi: 10.1182/blood-2014-09-601302.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Stephan Mielke, T: (0931) 201-40141, Mielke_S@ukw.de
Gunnar Bartsch Julius-Maximilians-Universität Würzburg


Weitere Informationen:
http://www.medizin2.ukw.de/forschungsgruppen/ag-stephan-mielke.html
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