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Wann gehe ich wieder zur Arbeit.....? To work, or not to work, that is the question

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Krank zur Arbeit: 

Wie kommt die Forschung dem Präsentismus und seinen Folgen auf die Spur?

Die Grippewelle hat Europa wieder im Griff, und damit einher geht für viele Berufstätige die Frage: 

Wann gehe ich (noch oder wieder) zur Arbeit und wann bleibe ich besser zuhause? 

Welche Folgen entstehen für mich und für meine*n Arbeitgeber*in mit Blick auf Produktivität, Kosten und Zusammenarbeit? 

Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Arbeitnehmer*innen auch krank zur Arbeit gehen. 

Heiko Breitsohl forscht an der Abteilung Personal, Führung und Organisation zum so genannten „Präsentismus“. 

In einer aktuellen Übersichtsarbeit kommt er gemeinsam mit Kolleg*innen zum Schluss: 

  • Wir wissen zu wenig über das „Phänomen Präsentismus“ und seine Bedeutung und Folgen werden gravierend unterschätzt. 
 
Präsentismus hat viele Ursachen, wie Heiko Breitsohl berichtet:

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Patientenbetreuung

„Viele Menschen arbeiten heute in prekären Beschäftigungsverhältnissen und haben daher die oft berechtigte Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“

Die Untersuchungen zeigen aber auch andere Gründe auf:

 „Viele haben das Gefühl, dass sonst die Arbeit liegen bleibt und später umso geballter auf einen zukommt, oder sie haben ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber ihrer beruflichen Tätigkeit.

In manchen Unternehmen gibt es auch Regelungen, die vorsehen, dass es sich lohnt, nicht in Krankenstand zu gehen.

Dies sind beispielsweise Boni, die dann bezahlt werden, wenn man unter einer gewissen Anzahl an Krankenstandstagen bleibt.“

Oft sei es aber die Arbeitskultur in einem Team oder in einem Betrieb, die – eher unausgesprochen und zwischen den Zeilen – vermittelt, wie man sich zu verhalten hat.

Orientierungshilfe bietet da häufig die Führungskraft: 

„Geht sie krank arbeiten, hat das Einfluss auf das eigene Verhalten“, führt Heiko Breitsohl aus.

Die Frage, wie sich Präsentismus auf die Leistungsfähigkeit von Unternehmen auswirkt, steht nun zunehmend im Fokus der Forschung.

Offensichtlich ist, so Heiko Breitsohl:

  • „Für die Organisationen ist Präsentismus mit Produktivitätsverlusten und damit entstehenden Kosten verbunden, da ArbeitnehmerInnen, die krank zur Arbeit gehen, nicht ihre normale Produktivität aufrechterhalten können. 
  • Auf individueller Ebene führt Präsentismus zu einer Verschlechterung der Gesundheit und zu darauffolgenden längeren Ausfallzeiten.“

Im Detail ist die Sache aber noch komplizierter, insbesondere ist es schwierig, die Folgen des Präsentismus konkret zu messen:

„Präsentismus ist zum Teil ein unsichtbares Phänomen.“ 

In ihrer Arbeit „To work, or not to work, that is the question – Recent trends and avenues for research on presenteeism” zeigen Breitsohl und seine Kolleg*innen verschiedene Wege auf, wie sich Präsentismus und der damit einhergehende Produktivitätsverlust messen lassen können.

Insbesondere sei es kritisch zu sehen, wenn die Höhe der Kosten des Präsentismus geschätzt werden.

„Wir plädieren für einen sehr differenzierten Blick auf das Phänomen:

In welchen sozialen und kulturellen Kontexten tritt das Phänomen wie auf?

 Wie können wir die Palette kontextueller Unterscheidungen noch breiter aufstellen?

Um dem Präsentismus auf den Grund zu gehen, brauchen wir die aktive Zusammenarbeit vieler – auch disziplinärer – Perspektiven“, fasst Heiko Breitsohl zusammen.

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Originalpublikation:
S. A. Ruhle, H. Breitsohl, E. Aboagye, et.al. (2019) “To work, or not to work, that is the question” – Recent trends and avenues for research on presenteeism, European Journal of Work and Organizational Psychology, DOI: 10.1080/1359432X.2019.1704734



Unsere Internationale Praxis hat heute Weihnachtsfeier und dann gehts ins Wochenende.....! Poststress-Symptome?

Medizin am Abend Berlin:  Wenn man am Feiertag, am Wochenende und im Urlaub krank wird

Stark gestresste Menschen klagen am häufigsten über Poststress-Symptome 
 
  • Gestresste Zeitgenossen kennen das: Endlich Wochenende, Urlaub oder Feiertag, man will sich erholen – und wird krank. 

  • Diese Beschwerden nennt man Poststress-Symptome. 

  • Besonders typisch sind Infekte, Erschöpfungszustände, Migräne und Rückenschmerzen. 

Forscher der Universität Trier haben nun erstmals an Patienten mit stressbezogenen Beschwerden untersucht, wie häufig sie über Poststress-Symptome berichten.

Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass stark gestresste und erschöpfte Menschen, die eigentlich Erholung am nötigsten hätten, besonders häufig über Poststress-Symptome klagen.

Ein neues Diagnostikverfahren der Trierer Wissenschaftler und entsprechende Maßnahmen können die Beschwerden lindern.

In der Fachzeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ schreiben Sandra Waeldin und Kollegen, dass Poststress-Symptome bei gesunden Probanden, die nicht über besondere Stressbelastung klagen, eher selten sind (2,9 Prozent).

  • Demgegenüber findet man bei Patienten, die wegen stressbezogener Beschwerden ihren Hausarzt (20 Prozent) oder eine Fachklinik aufsuchen (34,6 Prozent), eine deutliche Zunahme an Poststress-Symptomen. Je größer die Stressbelastung und die nachfolgende Erschöpfung sind, desto häufiger werden Poststress-Symptome genannt.

An der Universität Trier beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Prof. Dirk Hellhammer seit vielen Jahren mit der Frage, wie es dazu kommen kann, dass gerade in Erholungsphasen psychische und körperliche Beschwerden auftreten.

  • „Stressbelastung mobilisiert besonders stark den Botenstoff Noradrenalin in unserem zentralen und autonomen Nervensystem. 

  • Sind die Anforderungen besonders intensiv und dauerhaft, dann übersteigt der Verbrauch an Noradrenalin die Neusynthese. 

  • In Ruhephasen wird dann zu wenig Noradrenalin freigesetzt und es kommt zu einer Balancestörung von Funktionen im Nerven- und Immunsystem, welche Poststress-Symptome hervorrufen“, erklärt Professor Hellhammer.

Mit „Neuropattern“, einem neu entwickelten Diagnostikverfahren der Trierer Wissenschaftler, lassen sich solche Fehlregulationen heute zuverlässig messen.

Sind derartige Beschwerden nachweisbar, kann eine individualisierte Zusammenstellung von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln mit Stress- und Pausenmanagement hilfreich sein.

Die Veröffentlichung ist online verfügbar: http://www.karger.com/Article/Pdf/438866


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

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Sandra Waeldin
Universität Trier/Abteilung für Biologische und Klinische Psychologie
Mail: waeldin@uni-trier.de
Tel. 0651/201-3211
Peter Kuntz Universität Trier

Wer ist gesund? http://www.neuropathischer-schmerz.de

Medizin am Abend Fazit:  Wer ist gesund? Europäischer Algorithmus für eine bessere Qualität der Schmerzforschung

Gesunde Probanden dienen in Schmerzstudien als Kontrolle der besseren Abgrenzung zwischen „gesund“ und „krank“. Wer „gesund“ ist, definieren verschiedene Untersucher häufig unterschiedlich, was die Vergleichbarkeit von Studien erschwert. Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) hat nun zusammen mit den europäischen Schmerzverbänden Europain und Neuropain rationale Kriterien veröffentlicht: In Schmerzstudien, die mittels Quantitativ Sensorischer Testung (QST) das Sensibilitätsprofil erheben, lassen sich gesunde Probanden nach einem zweistufigen Ansatz rekrutieren – dies soll die Qualität von Schmerzstudien künftig verbessern. 
 
Im ersten Moment scheint es fast banal, wenn sich große europäische Forschergruppen „nur“ mit der Frage beschäftigen, wie man gesunde Versuchsteilnehmer von kranken unterscheiden kann. In Wirklichkeit steckt dahinter ein großes Problem: Klinische Forscher interessieren sich in erster Linie für Patienten mit bestimmten Krankheiten.

Um aber in Studien nachweisen zu können, wie sich Patienten von Gesunden unterscheiden, brauchen sie Kontrollgruppen. 

Diese sind in der Regel Gesunde.


Dr. Janne Gierthmühlen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „Ärzte kennen ihre Patienten in der Regel sehr genau, gesunde Probanden dagegen kaum.
Zudem fehlen einheitliche Standards bei der Definition und dem Einschluss von Gesunden. So ist es nicht ungewöhnlich, dass die Ergebnisse verschiedener Schmerzstudien, die den Schmerzphänotyp mittels QST erheben, oftmals hohe Abweichungen aufweisen.“ Die Schmerzverbände Europain, von der Innovative Medicines Initiative (IMI) geförderte 23 akademische und industrielle Partner aus ganz Europa, und Neuropain, zwölf führende europäische Zentren auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes, haben in Kooperation mit dem DFNS e.V. deshalb vor Beginn ihrer Studien mögliche Einflussfaktoren auf das QST-Profil gesunder Probanden definiert und evidenzbasierte Empfehlungen erarbeitet.

Mit standardisiertem zweistufigem Algorithmus zu besserer Qualität

Dr. Elena Enax-Krumova, Ruhr Universität Bochum: „Um sicherzustellen, dass Gesunde wirklich gesund sind, mussten wir uns unter anderem auf bestimmte Sicherheitsmaßnahmen, spezielle Dokumentationen und Fragebögen einigen. Unser Ziel, standardisierte Einschlusskriterien für gesunde Probanden in QST-Studien auszuarbeiten, haben wir schließlich in einem zweistufigem Algorithmus umgesetzt und direkt in unsere Forschungsprojekte implementiert.“

Das Basisscreening umfasst einen Frage- sowie einen Screeningbogen, die den aktuellen Gesundheitszustand, die Schmerz- und Krankengeschichte und die Schmerzmedikation prüfen sowie gleichzeitig soziodemographische Daten erheben.

Liegen keine Ausschlusskriterien vor, folgt das fortgeschrittene Screening mit Erhebung der allgemeinen und seelischen Verfassung des Probanden ebenfalls mittels Fragebogen.

Ist alles im normalen Bereich, kann der Proband als „gesund“ rekrutiert werden.

Im Anschluss erfolgt die QST nach DFNS-Standard zur Analyse des Sensibilitätsprofils.

Mit sieben QST-Tests werden so die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck erhoben. 

Liegen die QST-Werte innerhalb der Norm, so kann der Proband schließlich als „gesund“ in die Studie eingeschlossen werden. Zeigt das Screening hinsichtlich der seelischen Verfassung und/ oder der QST pathologische Ergebnisse, erfolgt eine fachärztliche psychiatrische bzw. neurologische Untersuchung, bevor entschieden wird, ob der Proband dennoch für die Studie geeignet ist.

„Die gebündelte europäische Schmerzexpertise hat einen gut implementierbaren Algorithmus erarbeitet. Er kann als Richtwert die Studienplanung und -durchführung mit gesunden Probanden vereinfachen, ist aber natürlich je nach individueller, z.B. geografischer Gegebenheit, adaptierbar“, so Prof. Christoph Maier, Ruhr Universität Bochum, und weiter: „Unsere Arbeit beschreibt als erste in Europa die Minimalanforderungen für Probanden als gesunde Kontrollgruppen in Studien, in denen Nervenschmerzen untersucht werden.
Sie kommt damit indirekt den Patienten wieder zugute. Letztlich ermöglicht die Standardisierung einen besseren Vergleich verschiedener QST-Schmerzstudien und ist damit ein qualitätsverbessernder Faktor.“

Europäische Netzwerke gegen den Schmerz

Die Arbeit ist eine der ersten in einer Reihe künftiger Publikationen, in denen sich die gemeinsame Forschung deutscher Experten auf dem Gebiet des neuropathischen Schmerzes mit den wichtigsten europäischen Zentren niederschlägt. Die Bildung sogenannter Schmerz-Konsortien, in denen sich europäische Forschergruppen zusammengeschlossen haben, basiert unter anderem auf Initiative des DFNS, der dadurch seine Standards auch auf internationaler Ebene einbringen konnte. Letztlich soll die Lebensqualität chronischer Schmerzpatienten nachhaltig verbessert werden.

Literatur:

Gierthmühlen J, Enax-Krumova EK et al. (2015) Who is healthy? Aspects to consider when including healthy volunteers in QST-based studies- a consensus statement by the EUROPAIN and NEUROPAIN consortia. Pain [Epub ahead of print]

Über den DFNS e.V.:

Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik sowie der Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Der gemeinnützige Verein ist Nachfolger des DFNS, der von 2002 bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. med. Elena Enax-Krumova
Neurologische Universitäts- und Poliklinik
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
e-mail: Elena.Krumova@ruhr-uni-bochum.de

Vedrana Romanovic
DFNS e.V.
Neurologische Klinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München
Tel.: +49 89 4140 - 7915
Fax: +49 89 4140 - 4655
e-mail: romanovic@lrz.tum.de
Tanja Schmidhofer Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.neuropathischer-schmerz.de