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Gesunde Thymusdrüse

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Wer eine gesunde Thymusdrüse hat, lebt länger und wird seltener krank. Außerdem sind Immuntherapien bei Patient*innen mit gesundem Thymus häufiger erfolgreich. Dies zeigen zwei internationale Studien unter Beteiligung der Universitätsmedizin Frankfurt. Aus den Ergebnissen, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature erschienen sind, ergeben sich neue Ansätze für den Erhalt der Gesundheit im Alterungsprozess.


Der Thymus ist ein kleines Organ im oberen Brustraum, das eine zentrale Rolle für das Immunsystem spielt: Er bildet T-Zellen aus – spezialisierte Immunzellen, die Krankheitserreger erkennen und bekämpfen. Lange galt der Thymus als „Kinderorgan“, das im Erwachsenenalter kaum noch Bedeutung hat, da es sich im Laufe des Lebens zurückbildet bzw. verfettet. Neue Studien stellen diese Annahme grundlegend infrage.

„Die Veröffentlichungen in Nature unterstreichen die außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Relevanz dieser Arbeiten. Sie zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag moderne Bildgebung leisten kann, um bislang unterschätzte biologische Zusammenhänge sichtbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Frankfurt. „Wenn es gelingt, die Thymusgesundheit rechtzeitig und zuverlässig zu analysieren, lassen sich individuelle Krankheitsrisiken deutlich früher erkennen und gezielt gegensteuern – lange bevor klinische Symptome auftreten.“ Die Thymusgesundheit, bestimmt anhand routinemäßig erhobener computertomographischer Bilddaten, könnte damit einen neuen Ansatz bieten, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt präventive Maßnahmen einzuleiten. In der Bildgebung lässt sich die Thymusgesundheit über den Grad der Verfettung beurteilen. Weniger Verfettung spricht dabei tendenziell für eine bessere Immunfunktion.

Bahnbrechende Erkenntnisse aus Langzeitstudien
Zwei internationale Studien unter Federführung der Harvard University (Boston) und weiterer Forschungspartner in Maastricht, Aarhus, London und Frankfurt stützen diese These. Dr. Simon Bernatz, Erstautor der Publikation, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt, erklärt: „Unsere Analysen zeigen erstmals, dass die Thymusgesundheit ein unabhängiger Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken ist. Besonders bemerkenswert ist, dass wir diese Informationen aus routinemäßigen computertomographischen (CT) Aufnahmen gewinnen konnten.“

Die Forschenden entwickelten ein Deep-Learning-Framework, eine künstliche Intelligenz, um CT-Aufnahmen zu quantifizieren. Sie analysierten mehr als 27.000 CT-Scans, die im Rahmen zweier großer US-amerikanischer Langzeitstudien angefertigt wurden: das National Lung Screening Trial (NLST), das sich über zwölf Jahre lang mit der Lungengesundheit bei aktuellen oder ehemaligen Raucherinnen und Rauchern beschäftigt hat, und die Framingham Heart Study (FHS), eine der bekanntesten und beständigsten medizinischen Studien zur Herz-Kreislauf-Gesundheit.

In beiden unabhängigen Kohorten war eine gute Thymusgesundheit eng mit besseren gesundheitlichen Ergebnissen verknüpft. In der NLST-Studie ging sie mit niedrigerer Gesamtsterblichkeit (50 Prozent), geringerer Lungenkrebsinzidenz (36 Prozent) und reduzierter kardiovaskulärer Mortalität (63 bis 92 Prozent) einher. Die FHS-Kohorte bestätigte den Zusammenhang niedrigerer Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Rauchen.

Neue Perspektiven in der Krebsmedizin: Thymus als Biomarker
Eine zweite aktuelle Studie derselben Autorinnen und Autoren erweitert diese Erkenntnisse entscheidend und legt nahe, dass die Gesundheit des Thymus auch den Erfolg moderner Immuntherapien bei Krebs vorhersagen kann. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 3.400 Krebspatientinnen und -patienten analysiert, die mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einer hohen Thymusgesundheit deutlich bessere Behandlungsergebnisse aufwiesen. Dies galt insbesondere für Lungenkrebs und Melanome, aber auch für Brust- und Nierenkrebs.

Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig von etablierten tumorbasierten Biomarkern wie PD-L1 oder der Tumormutationslast (TMB) bestand. Die Thymusgesundheit liefert somit zusätzliche Informationen, da sie nicht den Tumor selbst, sondern die Leistungsfähigkeit des Immunsystems widerspiegelt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass eine gute Thymusfunktion mit einer höheren Vielfalt von T-Zell-Rezeptoren und einer insgesamt stärkeren Immunantwort verbunden ist.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Thymusgesundheit auch ein entscheidender, bislang unterschätzter Faktor für den Erfolg von Immuntherapien ist. Sie könnte künftig helfen, Therapien gezielter auszuwählen und individueller auf Patientinnen und Patienten abzustimmen“, so Dr. Simon Bernatz.

Thymus als Schlüsselorgan für gesundes Altern
Die Ergebnisse belegen erstmals umfassend, dass der Thymus auch im Erwachsenenalter eine aktive und entscheidende Rolle spielt. Ein gesunder Thymus scheint dazu beizutragen, dass das Immunsystem langfristig stabil bleibt, Entzündungsprozesse besser kontrolliert werden und der Körper wirksamer vor altersbedingten Erkrankungen geschützt ist. Damit rückt der Thymus in den Fokus als zentraler Regulator des immunvermittelten Alterns und der allgemeinen Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter.

Eine weitere Erkenntnis: Thymusgesundheit hängt eng mit beeinflussbaren Lebensstilfaktoren zusammen. Negative Einflüsse ergeben sich insbesondere durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch durch chronische Entzündungsprozesse, wie sie etwa durch ungesunde Ernährung oder anhaltenden Stress begünstigt werden. Umgekehrt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil die Funktion des Thymus positiv beeinflussen kann und damit sowohl die allgemeine Gesundheit als auch möglicherweise den Erfolg medizinischer Behandlungen verbessert.

Bedeutung für Forschung und Therapie
Die Ergebnisse verschieben das Bild des Thymus grundlegend: von einem vernachlässigten Organ der Kindheit zu einem zentralen Regulator von Immunalterung und Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter. Als Biomarker könnte er künftig die Früherkennung von Risikopatientinnen und -patienten verbessern, die Auswahl geeigneter Immuntherapien steuern und den Behandlungszeitpunkt optimieren. Darüber hinaus rücken gezielte Strategien zur Stärkung oder Regeneration des Thymus in den Fokus der Forschung. Die Gesundheit dieses kleinen Organs kann entscheidenden Einfluss auf Lebensqualität, Lebenserwartung und Therapieerfolg

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Dr. Markus Bernards
Dr. Simon Bernatz
Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter
Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel. ‪+49 (0)69 6301‬ – 85306
simon.bernatz@unimedizin-ffm.de
https://radiologie-uni-frankfurt.de/clinic/our_team/index_eng.html

Originalpublikation:
(1) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Yumeng Cao, Jiachen Chen, Asya Lyass, Borek Foldyna, Leonard Nürnberg, Keno Bressem, Christopher Abbosh, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Michael T. Lu, Joanne M. Murabito, Kathryn L. Lunetta, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health consequences in adults. Nature (2026) https://doi.org/10.1038/s41586-026-10242-y

(2) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Alessandro Di Federico, Andrew Rowan, Selvaraju Veeriah, Lars Dyrskjøt, Leonard Nürnberg, Joao V. Alessi, Patrick A. Ott, Elad Sharon, Allan Hackshaw, Nicholas McGranahan, Christopher Abbosh, Raymond H. Mak, Danielle Bitterman, Mark Awad, Biagio Ricciuti, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health and immunotherapy outcomes in patients with cancer. Nature (2026) https://www.nature.com/articles/s41586-026-10243-

Adjuvanten Chemotherapie

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Die Ergänzung der standardmäßigen adjuvanten Chemotherapie durch die Immuntherapie mit Atezolizumab verbessert deutlich die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit bestimmten Formen von Darmkrebs nach einer Operation. Das ist das Ergebnis der ATOMIC-Studie (Alliance A021502/AIO-KRK-0317), die in Deutschland von Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick vom St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, koordiniert wurde. Die Studie zeigte eine 50-prozentige Verringerung des Risikos für ein Wiederauftreten der Erkrankung oder den Tod im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Damit ist ein neuer Behandlungsstandard für diese biologisch unterscheidbare Untergruppe etabliert.

Die Studie ist im „New England Journal of Medicine“ vom 26. März 2026 veröffentlicht.

Ablauf der Studie

Zwischen September 2017 und Januar 2023 wurden 712 Patient*innen mit sogenanntem dMMR-Darmkrebs im Stadium III nach einer Operation in die Studie aufgenommen. DMMR steht für „deficient DNA mismatch repair“ und charakterisiert die Art des Tumors, bei der besonders viele Mutationen auftreten. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang eine Standard-Chemotherapie allein. Die andere Gruppe erhielt die Chemotherapie in Kombination mit Atezolizumab, gefolgt von weiteren sechs Monaten Atezolizumab als Monotherapie.

Nach drei Jahren waren 86,3 Prozent der Patient*innen, die mit Atezolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt wurden, weiterhin krankheitsfrei. In der Gruppe, die nur eine Chemotherapie erhielten, waren es nur 76,2 Prozent.
Klarer und bedeutsamer Nutzen der Immuntherapie

„Die ATOMIC-Studie stellt einen entscheidenden Fortschritt in der adjuvanten Behandlung von dMMR-Darmkrebs im Stadium III dar“, sagt Anke Reinacher-Schick. „Zum ersten Mal hat die Immuntherapie einen klaren und klinisch bedeutsamen Nutzen bei diesen Erkrankungen im Frühstadium gezeigt und damit einen neuen therapeutischen Standard etabliert.“

Die klinische Relevanz der Studie spiegelt sich in der Aufnahme der Studienergebnisse in die neuesten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network wider, was die Rolle immuntherapiebasierter adjuvanter Behandlungsstrategien bei Hochrisikopatientengruppen untermauert.

Bedeutende akademische Partnerschaft

„Die Studie zeigt, wie internationale akademische Zusammenarbeit biomarkergestützte Forschung in klinische Ergebnisse umsetzen kann, die die Praxis verändern“, sagte Prof. Dr. Dirk Arnold (Asklepios Tumorzentrum Hamburg und Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie, AIO). „Die enge Partnerschaft zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschenden unterstreicht die Stärke akademischer Forschungsnetzwerke bei der Weiterentwicklung der Präzisionsonkologie.“

Deutsche Beteiligung

Die deutsche Beteiligung an der Studie wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Alliance und der AIO der Deutschen Krebsgesellschaft unter der nationalen Leitung von Anke Reinacher-Schick ermöglicht. AIO-angeschlossene Studienzentren nahmen in der späteren Rekrutierungsphase Patienten auf und sicherten so den Zugang für geeignete Patienten in Deutschland.

In Deutschland wurde die schnelle Identifizierung geeigneter Patienten deutlich durch das COLOPREDICT-Register (CPP-Register) der AIO erleichtert, das eine Schlüsselrolle beim Screening und der zeitnahen Rekrutierung spielte. „Dieser Erfolg unterstreicht die Bedeutung akademisch orientierter Forschungspartnerschaften und exzellenter transsektoraler Netzwerkstudien“, fügte Prof. Dr. Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum und federführende Partnerin beim CPP-Register, hinzu.

Förderung

Die weltweite Studie in den USA wurde vom US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI), das zu den National Institutes of Health gehört, gefördert und von der Alliance for Clinical Trials in Oncology unter Beteiligung weiterer vom NCI finanzierter Gruppen des National Clinical Trials Network geleitet. Genentech, ein Mitglied der Roche-Gruppe, unterstützte die Studie im Rahmen einer Vereinbarung über kooperative Forschung und Entwicklung zwischen dem NCI und Genentech. Die Studie wurde weltweit von Dr. Frank A. Sinicrope, Professor für Onkologie an der Mayo Clinic und US-Hauptprüfer innerhalb der Alliance, geleitet.

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Meike Drießen
Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick
Klinik für Hämatologie und Onkologie mit Palliativmedizin
St. Josef Hospital
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 509 3591‬
E-Mail: onkologie@klinikum-bochum.de

Webseite des Klinikums: https://www.klinikum-bochum.de/fachbereiche/haematologie-onkologie-und-palliativ...

Originalpublikation:
Frank A. Sinicrope et al.: Atezolizumab plus FOLFOX for Stage III Mismatch Repair–Deficient Colon Cancer, in: New England Journal of Medicine, 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2507874, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2507874