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Polypen – wissenschaftlich Polyposis nasi: Nasenpolypen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein Neustart für die Nase

  • Nasenpolypen lassen sich chirurgisch entfernen, kommen aber nach der Behandlung oft wieder. 

Warum das so ist, und was man dagegen tun kann, hat Dr. Stijn Bogaert aus der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des St. Elisabeth-Hospitals, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt: 

  • Nach der Entfernung der gesamten Schleimhaut von Nebenhöhlen gelang eine Art Neustart mit deutlich weniger Entzündung sowie einer geringeren Rückfallrate. 

Für die Arbeit, die in der Zeitschrift „Allergy“ vom 8. August 2020 veröffentlicht wurde, wurde Stijn Bogaert im Oktober 2020 mit dem Nachwuchsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Allergie und Klinik Immunologie ausgezeichnet. 

Stijn Bogaert bei der Preisverleihung Stijn Bogaert bei der Preisverleihung DGAKI

Bei Polypen – wissenschaftlich Polyposis nasi – handelt es sich um eine Entzündung der Nase und der Nasennebenhöhlen mit gutartigen Wucherungen der Nasenschleimhaut. 

Die aktuelle Standardtherapie ist eine chirurgische Entfernung der Polypen. 

„Das große Problem und die wissenschaftliche Herausforderung ist, dass die Polyposis nasi oft wieder auftritt“, sagt Stijn Bogaert. 

„Wir wussten schon, dass sich Nasenpolypen durch bestimmte Immunbotenstoffe – Zytokine – auszeichnen, die so ähnlich auch bei den Entzündungsprozessen bei Asthma und Neurodermitis vorkommen.“

Bogaert und seine Kolleginnen und Kollegen konnten zeigen, dass diese Entzündung auch in der Schleimhaut nachweisbar ist, wo sich keine Polypen befinden. 

Die dortige Entzündung ist genauso stark wie in den Nasenpolypen und auch in allen unterschiedlichen Nasennebenhöhlen ähnlich.

  • Im zweiten Teil der Studie hat das Team eine neue chirurgische Methode untersucht, bei der nicht nur die Nasenpolypen entfernt werden, sondern auch die gesamte Schleimhaut aller Nasennebenhöhlen. 

„Deswegen wird sie auch Reboot- oder Neustart-Technik genannt“, erläutert der Mediziner. 

Ein Jahr nach der Operation wurden die Patientinnen und Patienten nachuntersucht. 

Dabei konnten die Forscherinnen und Forscher feststellen, dass die Entzündung in der neugeformten Nasennebenhöhlenschleimhaut deutlich geringer und die Rückfallrate niedriger war. 

  1. „Da die Schleimhaut abseits der Polypen bei der konventionellen Operation nicht mit entfernt wird, könnte sie also ein Grund für das häufige Wiederauftreten der Polypen sein“, folgert Stijn Bogaert.


Zur Person

Stijn Bogaert wurde 1993 in Belgien geboren, wo er 2010 sein Abitur machte. Im Anschluss studierte er Medizin in Gent. Nach praktischer Tätigkeit an Kliniken in Gent, Brüssel, Heidelberg und Gießen wechselte er 2018 als Assistenzarzt ans RUB-Klinikum.

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Dr. Stijn Bogaert
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
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E-Mail: stijn.bogaert@rub.de

Arne Dessaul Ruhr-Universität Bochum

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
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44780 Bochum
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Originalpublikation:

Karin Jonstam*, Saeed Alsharif*, Stijn Bogaert*, Nicole Suchonos, Gabriele Holtappels, Jonas Jae‐Hyun Park, Claus Bachert: Extent of inflammation in severe nasal polyposis and effect of sinus surgery on inflammation, in: Allergy, 2020, DOI: 10.1111/all.14550

*die Autoren haben gleichermaßen beigetragen

 

Transfusionsmedizin: Blutspendedienst

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neu am UKL: Prof. Dr. Reinhard Henschler leitet das Institut für Transfusionsmedizin

Das Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig steht seit Anfang Oktober unter neuer Leitung: 

Prof. Dr. med. Reinhard Henschler übernimmt mit seiner Berufung auf die Stiftungsprofessur für Transfusionsmedizin die Institutsleitung und damit die Verantwortung für die zweitgrößte universitäre Blutspendeeinrichtung Deutschlands. 

Henschler war nach Stationen an Uniklinika in München und Frankfurt zuletzt Leiter eines Blutspendedienstes in Zürich. 

Die einzigartige Kombination am UKL aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst weiterentwickeln: Prof. Reinhard Henschler ist neuer Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin.
Die einzigartige Kombination am UKL aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst weiterentwickeln: Prof. Reinhard Henschler ist neuer Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin. Stefan Straube / UKL
 
Der gebürtige Würzburger mit familiären Wurzeln in Sachsen und Thüringen freut sich auf den Wechsel aus der Schweiz nach Leipzig. „Ich habe hier im Institut und im Klinikum ein sympathisches kollegiales Umfeld und gute Bedingungen für unsere klinische und wissenschaftliche Arbeit vorgefunden“, begründet der Facharzt für Transfusionsmedizin seine Entscheidung für das Universitätsklinikum Leipzig.

Besonders gereizt hat den 59-Jährigen die einzigartige Kombination aus klinischer Transfusionsmedizin und großem Blutspendedienst in Leipzig. „Beides weiterzuentwickeln wird meine Aufgabe der kommenden Jahre sein“, so Prof. Henschler.

Sein Augenmerk liegt zudem auf dem Ausbau der Forschungsaktivitäten am Institut und einer intensivierten Zusammenarbeit mit der Hämatologie und Onkologie, der Immunologie und dem Fraunhofer-Institut für Immunologie und Zelltherapie (IZI). Das Institut für Transfusionsmedizin werde sich hier auf dem Gebiet der Herstellung von Zelltherapeutika für bewährte und neuartige Therapien im Bereich der Zelltransplantationen einbringen, so Henschler, der seine berufliche Laufbahn in der Hämatologie begann, bevor die Transfusionsmedizin zu seinem Fachgebiet wurde. Dabei war er unter anderem nach dem Studium in Würzburg und Mainz und einem dreijährigen Fellowship am Christie Hospital in Manchester (Großbritannien) langjährig am Universitätsklinikum in Frankfurt/Main tätig, wo Henschler zu experimentellen Verfahren in der Blutstammzelltransplantation habilitierte.

Prof. Henschler arbeitete in leitender Funktion am Klinikum der Universität München und zuletzt beim Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes in Zürich und Chur.

Sein berufliches Interesse gilt dem fachgerechten klinischen Einsatz von Blutprodukten und Zelltherapeutika wie auch deren wissenschaftlicher Weiterentwicklung gleichermaßen. 

 „Auch in der Blutversorgung haben wir eine große und lohnende Aufgabe - das Institut deckt über die eigene Blutspende den gesamten Bedarf des Universitätsklinikums Leipzig und eines Teils unserer Region ab“, beschreibt Prof. Reinhard Henschler.

„Mein Ziel ist es, diesen wichtigen Service für die Kliniken weiter zu optimieren und auszubauen.“ 

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E-Mail-Adresse: helena.reinhardt@uniklinik-leipzig.de

Die Haut als Abwehr und Zielorgan

Medizin am Abend Berlin Fazit: Personalisierte Dermatologie stärken

Prof. Dr. Kamran Ghoreschi ist neuer Klinikdirektor an der Charité

Prof. Dr. Kamran Ghoreschi übernimmt die Professur für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 


Mit der Professur ist die Leitung der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte und Campus Benjamin Franklin verbunden. 

Der Experte hat sich zum Ziel gesetzt, eine personalisierte Dermatologie zu entwickeln, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. 

Prof. Dr. Kamran Ghoreschi
 Prof. Dr. Kamran Ghoreschi  Privat
 
  • Die Haut ist funktionell das vielseitigste Organ des menschlichen Organismus. 

So dient sie beispielsweise der Abgrenzung von Innen und Außen sowie dem Schutz vor Umwelteinflüssen.

Zudem übernimmt die Haut wichtige Funktionen im Bereich des Stoffwechsels und der Immunologie und verfügt über vielfältige Anpassungsmechanismen.

Prof. Ghoreschi beschäftigt sich insbesondere mit der Haut als Abwehr- und Zielorgan.

  • Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Entzündungskrankheiten der Haut sowie klassischen Autoimmunkrankheiten und Hauttumoren stehen dabei im Fokus seiner klinischen Arbeit.

„Die Wissenschaft der Hautkrankheiten ist eine der innovativsten und spannendsten Fachgebiete innerhalb der Medizin“, sagt Prof. Ghoreschi. „In der Dermatologie wurden in den letzten Jahren sehr viele bedeutsame Therapien entwickelt, von denen Patienten stark profitieren können“, ergänzt er. Für den Dermatologen steht die enge Verknüpfung von Klinik und Forschung im Vordergrund.  
In seiner Forschungstätigkeit beschäftigt er sich mit der molekularen Immunologie.

„Das Verständnis über Immunzellen und Signalwege ermöglicht die Entwicklung moderner Immuntherapien“, erklärt Prof. Ghoreschi.

In der Forschung und der medizinischen Versorgung soll stets der Mensch im Mittelpunkt stehen. 

„Unser Ziel ist eine individuelle Versorgung auf hohem Niveau“, erklärt Prof. Ghoreschi seine Vision und fügt hinzu: „Mein Wunsch ist es, dass unsere Patienten von einer modernen und zukunftsweisenden Dermatologie profitieren können.“

Kurzvita
Kamran Ghoreschi studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und promovierte dort 2001. Die Facharztqualifikation für Haut- und Geschlechtskrankheiten erwarb er 2006, 2008 folgte die Zusatzbezeichnung Allergologie. Im selben Jahr erhielt der Dermatologe das NIH Stipendium für Postdoktoranden. 2013 war Ghoreschi Europäischer Redner der "International Investigative Dermatology" für die Rising Star Lecture. Zudem erhielt er 2014 den Paul-Langerhans-Preis der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung. Ab 2014 war Ghoreschi als Leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Tübingen tätig und wurde 2017 als Professor für Dermatologie, Allergologie und Immunologie der Medizinischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen berufen.

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Prof. Dr. Kamran Ghoreschi
Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400
kamran.ghoreschi@charite.de

Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
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Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
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Immunologie - Makrophagen: Impfungen und Entzündungen

Medizin am Abend Fazit: Immunologie - Makrophagen können mehr

LMU-Forscher weisen nach, dass Makrophagen dieselbe Rolle wie dendritische Zellen übernehmen können. Dabei lösen sie sogar eine vollständigere Immunantwort aus. 
 
Die Immunantwort, mit der sich der Körper gegen Krankheitserreger wehrt, ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Zelltypen.

Dendritische Zellen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie erkennen Krankheitserreger, nehmen diese auf und zerlegen sie in Bruchstücke, die Antigene genannt werden. Diese Antigene präsentieren sie auf ihrer Oberfläche anderen Immunzellen, den T-Zellen, die dadurch aktiviert werden und die Eindringlinge bekämpfen. Ein Team um Professor Thomas Brocker, Direktor des Instituts für Immunologie der LMU, weist nun nach, dass Makrophagen, die zu den Fresszellen zählen, dies ebenfalls können. Damit haben Makrophagen eine Rolle für die Immunantwort, die bislang nicht bekannt war. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift PNAS.

„Bislang ging man davon aus, dass es mit den dendritischen Zellen nur einen zentralen Zelltyp im Immunsystem gibt, der für die Antigenpräsentation zuständig ist. Wir haben nun herausgefunden, dass es mit den Makrophagen eine zweite Art an Zellen gibt, die ähnlich kompetent sind und in bestimmten Situationen wichtigere Rollen spielen können als dendritische Zellen“, sagt Thomas Brocker.

Natürliche Filterfunktion nutzen

Dendritische Zellen präsentieren Antigene sogenannten zytotoxischen T Zellen entweder, weil sie selbst infiziert sind, oder indem sie die Infektion bei anderen Zellen erkennen und deren Material aufnehmen. Im letzteren Fall spricht man von „Kreuzpräsentation“. „Theoretisch wären die dendritischen Zellen dann für die komplette Immunantwort verantwortlich, egal ob sie selbst infiziert sind oder nicht. Vor allem die Bedeutung der Kreuzpräsentation ist in der Literatur jedoch sehr umstritten“, sagt Brocker.

Der Immunologe hat mit seinem Team mit einem Impfstoff gearbeitet, der die dendritischen Zellen nicht infiziert, sondern nur die Makrophagen anspricht. Im Mausmodell ließ sich dennoch eine normale Immunantwort nachweisen. Selbst bei einem Mausstamm, dem die dendritischen Zellen ganz fehlten, funktionierte die Immunantwort. In weiteren Versuchen konnten die LMU-Forscher zeigen, dass die Makrophagen sogar eine vollständigere Immunreaktion auslösten. Sie aktivierten T-Zellen spezifisch für alle untersuchten Antigen-Bindungsstellen (Epitope), während durch die Antigen-Präsentation der dendritischen Zellen T-Zellen nur spezifisch für die stärksten Epitope aktiviert wurden.

Makrophagen sind meist die ersten Immunzellen im Körper, die eindringende Erreger erkennen. „Makrophagen haben eine natürliche Filterfunktion, sie fressen alles auf, was für den Körper schädlich ist. Wir konnten nun zeigen, dass sie¬ im Gegensatz zu kreuzpräsentierenden dendritischen Zellen¬ sogar ausreichend sind, um alle von uns untersuchten Epitope für T-Zellen herzustellen und damit eine komplette Immunantwort auszulösen. Das weist darauf hin, dass die Funktion der Kreuzpräsentation der dendritischen Zellen bislang überschätzt wurde“, sagt Brocker.

Die neuen Erkenntnisse sind relevant für die Entwicklung von Impfstrategien. 

„Inzwischen gibt es präklinische Versuche, Impfstoffe so zu gestalten, dass sie spezifisch dendritische Zellen ansprechen.

Aber gerade die schwachen Antigenepitope sind für eine breit angelegte Immunantwort relevant, beispielsweise wenn sich Viren verändern.

Kreuzpräsentierende dendritische Zellen sprechen diese aber gar nicht an, wie unsere Studie zeigt. Unsere Ergebnisse legen nun nahe, dass es sinnvoll sein kann, Makrophagen direkt zu manipulieren, da sie eine vollständigere Immunantwort auslösen“, sagt Brocker.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Professor Thomas Brocker
Institut für Immunologie der LMU
Tel: 089/2180-75674
E-Mail: tbrocker@med.uni-muenchen.de

Publikation
Thomas Brocker u.a.:
CD169+ macrophagesaresufficientforprimingof CTLs withspecificitiesleft out bycross-primingdendriticcells
In: PNAS (doi: 10.1073/pnas.1423356112)
http://www.pnas.org/content/early/2015/04/14/1423356112.abstract

Luise Dirscherl