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Untersucher-CAVE: Lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung - Impella-Pumpe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Rettende Pionierarbeit

DHZB-Mediziner konnten einer 37-jährigen Frau mit lebensbedrohlicher Herzmuskelentzündung ein Kunstherz oder eine Transplantation ersparen – dank einer schlauchförmigen Mikropumpe direkt im Herzen. 

Das System – eigentlich nur für den kurzfristigen Betrieb konzipiert – unterstützte den Kreislauf über Wochen, so dass die Entzündung erfolgreich medikamentös therapiert werden konnte. 

Dr. Felix Schönrath, Franziska Bleis und PD Dr. Evgenij Potapov
Dr. Felix Schönrath, Franziska Bleis und PD Dr. Evgenij Potapov Maier/DHZB
 
Franziska Bleis aus Teltow bei Berlin steht mitten im Leben: in einer glücklichen Partnerschaft, als Mutter einer 8-jährigen Tochter und Personalleiterin einer großen kardiologischen Praxis.

  • „Ein grippaler Infekt, der sich ein bisschen auf die Lungen gelegt hat“, denkt sie, als sie Anfang Dezember nach einer Erkältung erste Atembeschwerden bekommt. 
  • Was sollte auch Schlimmes sein? Schließlich ist sie erst 37 Jahre alt, sportlich und kerngesund. 

Auch der Hausarzt bestätigt die Einschätzung seiner Patientin.



 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Unterstützung für Labor+Hausärzte

Doch am Abend des 15. Dezember wird aus den Beschwerden plötzlich Luftnot. 

Als biologisch-technische Assistentin und durch ihre kardiologische Praxiserfahrung weiß Franziska Bleis, dass sie nun sofort ins Krankenhaus muss.

Im Berliner Helios-Klinikum Emil von Behring stellt das Ärzteteam sofort die richtige Diagnose: 

Ursache der Atemnot ist nicht die Lunge, sondern eine schwere Entzündung des Herzmuskels. Noch in der Nacht verschlechtert sich der Zustand der Patientin rapide. Der EF-Wert, ein Maß für die Pumpfunktion des Herzens, liegt bei gesunden Menschen bei mindestens 55 Prozent.

Bei Franziska Bleis werden noch 10 Prozent gemessen.

Über einen Katheter schieben die Ärzte deshalb eine schlauchförmige „Impella“-Pumpe von der Leiste aus direkt in Franziska Bleis‘ Herz und retten ihr damit das Leben.

Dann wird sie ins Deutsche Herzzentrum Berlin verlegt.

Hier stehen die Spezialisten und ihre Patientin vor einer schwierigen Entscheidung. Denn eigentlich ist die Impella-Pumpe nur als Notfall-System für wenige Stunden zugelassen.

Als dauerhafte Lösung kämen nun eine Herztransplantation oder die Implantation einer langfristigen Kreislaufpumpe in Frage.

  • Eine Transplantation ist wegen der langen Wartezeiten aber keine realistische Alternative und bei einer akuten Myokarditis auch nicht möglich. 

Für den Einsatz einer dauerhaften Kreislaufpumpe wäre eine offene Herz-OP nötig – die die Ärzte ihrer Patientin aber ersparen wollen. Denn ihres Erachtens besteht die Chance, dass sich Franziska Bleis‘ Herz wieder erholen könnte. Und diese Chance beschließen Ärzte und Patientin zu nutzen.

Oberarzt Dr. Evgenij Potapov, Leiter des Kunstherzprogramms am DHZB, implantiert nun eine neue „Impella“ in Franziska Bleis‘ Herz.

Diesmal allerdings nicht über die Leiste, sondern über die Arterie an der Achsel. 

Vorteil dieser Variante: Die Patientin kann später einmal aufstehen und – unter ständiger intensiver Überwachung – am vorsichtigen Training ihres Herz-Kreislauf-Systems mitwirken.

Drei Wochen lang liegt Franziska Bleis auf der Intensivstation, bekommt Medikamente gegen die Entzündung. Ärzte und Pflegende sind jede Minute darauf vorbereitet, dass die Impella-Pumpe im Langzeitbetrieb versagen könnte. Doch das System hält – und sehr langsam, aber stetig, gewinnt Franziska Bleis‘ Herz seine Kraft zurück. Anfang Februar läuft sie bereits wieder mühelos über die Station, das Pump-Aggregat kann sie auf einem Rollständer neben sich herschieben.

Mit jedem Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die junge Frau eine dauerhafte künstliche Herzpumpe oder gar ein Spenderherz benötigt.

Auch in den aus dem Herzen über einen Herzkatheter entnommen winzigen Proben bestätigt sich eine deutliche Besserung der Entzündung. 

Mit diesem Wissen und verschiedenen Tests, die eine Verbesserung der Pumpleistung bestätigen, entschließen sich die Ärzte am 4. Februar, die Impella wieder zu entnehmen.

„Bisher wurde ein so langfristiger Impella-Einsatz noch nicht sehr häufig durchgeführt, deshalb bewegen wir uns auf klinisch noch unbekanntem Terrain“, sagt Oberarzt Dr. Felix Schönrath, kardiologischer Leiter des Herzinsuffizienz- und Transplantationsprogramms am DHZB:

„Wir freuen uns aber sehr, dass wir mit dieser Pionierarbeit unserer Patientin so gut helfen konnten und hoffen, diesen Erfolg auch wiederholen zu können.

 Leider ist in vielen Fällen eine Erholung des Herzmuskels ausgeschlossen, so dass diesen Menschen auch weiterhin nur mit ‚Kunstherzen‘ oder einer Transplantation geholfen werden kann.“

Franziska Bleis konnte jetzt aus dem DHZB entlassen werden.

Sie ist sich bewusst, dass ihre Erkrankung noch nicht vollständig überwunden ist, sie sich auch weiterhin schonen und häufigen Kontrollen unterziehen muss.

Aber ihre Zuversicht überwiegt – und die große Vorfreude auf Zuhause.

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Therapieansatz bei Herzmuskelentzündung - Impella-Pumpe

Medizin am Abend Berlin Thema ist heute: Neuer Therapieansatz bei Herzmuskelentzündung

Erster erfolgreicher Langzeiteinsatz eines speziellen Herzunterstützungssystems

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben erstmals einem Patienten mit einer schweren Herzmuskelentzündung ein spezielles Herzunterstützungssystem implantiert, um die Belastung seines Herzens während des Heilungsprozesses zu unterstützen. 

Die sogenannte Impella-Pumpe wird bislang vor allem bei Patienten im kardiogenen Schock eingesetzt. 

Dabei wird eine kleine Axialpumpe über die Beingefäße in die linke Herzkammer implantiert, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten. 

Durch dieses das Herz mechanisch entlastende Verfahren in Kombination mit einer entzündungshemmenden Behandlung ist es den Ärzten gelungen, ein etabliertes Therapieverfahren erfolgreich auf eine weitere klinische Anwendung zu übertragen.

Patienten in einem kardiogenen Schock oder jene, die sich einer Hochrisiko-Katheteruntersuchung unterziehen müssen, werden häufig vorübergehend mit einem speziellen Pumpensystem, einer sogenannten Impella-Pumpe versorgt. 

Dabei wird die Pumpe üblicherweise über die Beingefäße zum Herzen geführt, was eine komplette Bettruhe erfordert. In der Regel kann die Pumpe nach circa acht bis zehn Tagen wieder entfernt werden.

Die Mediziner um Prof. Dr. Carsten Tschöpe, Stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum und Dr. Frank Spillmann, Oberarzt der kardiologischen Intensivstation der Klinik, haben diese Pumpe nun erstmals bei einem Patienten mit einer schweren Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und einem kardiogenem Schock angewendet.

Der Patient lief Gefahr, trotz initialer notfallkreislaufunterstützender Medikamente ins künstliche Koma versetzt und künstlich beatmet werden zu müssen.

Dieses hätte für das bereits entzündete Herz allerdings weiteren Stress bedeutet.

  • Die Kardiologen entschieden sich daher für eine neue Strategie und führten die Pumpe mit Hilfe der Herzchirurgen des Deutschen Herzzentrums Berlin über einen chirurgisch angelegten Zugang über die Unterschlüsselbeinarterie (Arteria subclavia) in den linken Ventrikel des Herzens ein. 

„Direkt nach dem Eingriff lag die initiale Herzkraft des Patienten nur bei etwa zehn Prozent. 

Das Herz erholte sich jedoch sehr rasch, sodass keine notfallunterstützenden Medikamente notwendig waren, um den Kreislauf zu halten“, sagt Prof. Tschöpe.

Er ergänzt: 

„Die Pumpe entlastete das entzündete Herz, das in Ruhe ausheilen konnte, ähnlich wie eine Schiene, die angelegt wird, wenn das Knie entzündet ist.“

Unter Hinzunahme von entzündungshemmenden Medikamenten verbesserte sich die Herzfunktion stetig und lag bereits nach zehn Tagen schon bei fast 30 Prozent. 

Auch Dr. Frank Spielmann äußert sich erfreut:

  • „Dadurch, dass die Pumpe über die Schlüsselbeinarterie implantiert wurde, konnte der Patient schon am zweiten Tag nach der Pumpenimplantation mobilisiert werden und auf der Station spazieren gehen, obwohl sein Herz da noch kaum schlug.“

Im weiteren Verlauf nahm die Herzkraft des Patienten weiter zu und war nach knapp drei Wochen fast stabil. Schließlich schlug sein Herz wieder selbständig normal und die Pumpe konnte problemlos entfernt werden.
„Wir haben erstmalig zeigen können, dass eine schwere Herzmuskelentzündung von einer Kombination aus entzündungshemmender Behandlung und mechanischischer Herzentlastung profitiert“, betont Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Klinik. 

„Wir sehen diesen Therapieansatz auch künftig in der Behandlung bei Patienten mit einer schweren Myokarditis als sehr vielversprechend an.“



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Prof. Dr. Carsten Tschöpe
Stellvertretender Klinikdirektor
Medizinische Klinik m.S. Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum
Charité – Universitätsmedizin Berlin       
t: +49 30 450 553 711