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Prof. Dr. Ulrich Boehm: Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden - Hormon Prolaktin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wissenschaftler weisen Zusammenhang zwischen Geruchssinn und Hormonsystem nach

Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden. 

Das hat ein Forschungsteam am Beispiel von Mäusen nachgewiesen. 

Die Arbeitsgruppe um Prof. Ulrich Boehm konnte beobachten, dass bestimmte Sinneszellen in der Nase auf das Hormon Prolaktin reagieren, welches die Milchproduktion der Weibchen steuert. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Labor Prolaktin 

Je nach Prolaktin-Spiegel reagierten die Weibchen anders, wenn sie Gerüche von Männchen wahrgenommen haben. 

Ihre Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht. 

 Prof. Dr. Ulrich Boehm

 Prof. Dr. Ulrich Boehm ,Rüdiger Koop

  • Prolaktin, ein Hormon, das die Produktion von Muttermilch bei weiblichen Säugetieren steuert, war schon länger bekannt dafür, dass es das Brutpflegeverhalten steuert; das bedeutet, dass sich insbesondere die Mütter um den Nachwuchs kümmern. 

Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle Pharmakologie an der Universität des Saarlandes, herausgefunden, dass es Sinneszellen in der Nase gibt, die – abhängig vom Prolaktin-Spiegel des Tieres – das soziale Verhalten beeinflussen können. Das haben sie bei weiblichen Mäusen beobachten können.

  • Haben die Maus-Weibchen männlichen Urin gerochen, der auch zur Kommunikation untereinander dient, war ihr Verhalten abhängig vom Prolaktin-Spiegel in ihrem Körper. 

Verantwortlich dafür ist eine bestimmte Untergruppe von Sinneszellen in der Nase, die empfindsam auf Prolaktin im weiblichen Körper reagieren. 

Fehlt diesen Zellen der Prolaktinsensor, verlieren die Weibchen das Interesse an den Männchen.

„Wir konnten außerdem feststellen, dass diese prolaktinempfindlichen Sinneszellen in der Nase fest mit dem Gehirn verbunden sind“, erläutert Professor Boehm.

 „Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie das Gehirn den Geruchssinn und das endokrine System miteinander verbindet.“ 

Diese direkte Verbindung unterstreicht die Bedeutung des Mechanismus für das Verhalten und somit letztlich für das Überleben der Spezies. 

„Die Tiere müssen äußere Signale mit dem inneren hormonellen Zustand verbinden, um ein Verhalten zu zeigen, das für eine bestimmte physiologische Situation angemessen ist. 

Dies ist besonders wichtig bei weiblichen Tieren, die während ihres Lebenszyklus dramatisch schwankende Prolaktin-Spiegel aufweisen, was mit deutlichen Verhaltensänderungen einhergeht“, erklärt der Experte.

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Prof. Dr. Ulrich Boehm
Tel.: (06841) 1626438
E-Mail: ulrich.boehm@uks.eu 

Thorsten Mohr Universität des Saarlandes

 


Originalpublikation:

Aoki M, Gamayun I, Wyatt A, Grünewald R, Simon-Thomas M, Philipp S, Hummel O, Wagenpfeil S, Kattler K, Gasparoni G, Walter J, Qiao S, Grattan DR, Boehm U (2021) Prolactin-sensitive olfactory sensory neurons regulate male preference in female mice by modulating responses to chemosensory cues. Sci Adv 7:eabg4074. DOI: 10.1126/sciadv.abg4074


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abg4074?url_ver=Z39.88-2003&rfr_i...;


CAVE: Untersucher - Geruchssinn + kognitive Prozesse Aufmerksamkeits- und Gedächtsnisfähigkeiten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Geruchssinn trägt wesentlich zur Entwicklung der kognitiv relevanten neuronalen Netzwerke bei

UKE-Forschende publizieren zur Rolle des Geruchssinns auf die Entwicklung des Gehirns

  • Der Einfluss sensorischer Stimuli auf die Ausbildung und Reifung kognitiv relevanter neuronaler Netzwerke wurde bisher weitgehend unterschätzt. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Neuroanatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben herausgefunden, dass der Geruchssinn eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuronaler Netzwerke spielt. 

Ihre Ergebnisse wurden jetzt im internationalen Fachmagazin PLOS Biology veröffentlicht. 
 
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Chemosensorik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ist es Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz und ihrem Forschungsteam des Instituts für Neuroanatomie des UKE gelungen, die Bedeutung früher sensorischer Reize für die Entwicklung weitreichender Kommunikation zu entschlüsseln.

  • Kognitive Prozesse im Erwachsenenalter setzen voraus, dass zahlreiche Hirnregionen durch elektrische Aktivität von Nervenzellen miteinander kommunizieren und Netzwerke bilden. 

Die Entstehungsmechanismen dieser Netzwerke um die Geburt herum bleiben jedoch weitgehend unbekannt.

Jetzt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus, dass Geruchsreize eine Aktivierung des entorhinalen Cortex anstoßen, der als „Torwächter“ die kognitiv relevanten neuronale Netzwerke steuert.

  • Sowohl eine Blockade als auch eine Überstimulation des Geruchssinns während der frühen Entwicklung des Gehirns führt zu einer fehlerhaften Kommunikation zwischen den Hirnregionen. 

Diese neuen Erkenntnisse helfen nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher zu verstehen, wie groß die Bedeutung sensorischer Erfahrungen in der frühen Kindheit später für die Aufmerksamkeits- und Gedächtnisfähigkeiten im Erwachsenenalter ist.


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Prof. Dr. Ileana Hanganu-Opatz
Institut für Neuroanatomie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Falkenried 94
20251 Hamburg
Telefon: 040 7410-58966
hangop@zmnh.uni-hamburg.de

Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Deutschland
Hamburg

Telefon: (040) 7410 56061
E-Mail-Adresse: s.lemm@uke.de

Originalpublikation:
Gretenkord S, Kostka JK, Hartung H, Watznauer K, Fleck D, Minier-Toribio A, et al. (2019) Coordinated electrical activity in the olfactory bulb gates the oscillatory entrainment of entorhinal networks in neonatal mice. PLoS Biol 17 (1): e2006994. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2006994

 

Einladung zur Studie: Zusammenhang von Depressionen und dem Geruchssinn

Medizin am Abend Berlin Fazit: Psychologen suchen Teilnehmer für Studie im Alter von 30 bis 60 Jahren

Wie hängen psychische Störungen mit der Geruchswahrnehmung zusammen? 

Welchen Einfluss haben Reflexe und Emotionen auf solche Erkrankungen und auf den Erfolg entsprechender Therapien? 

Antworten auf diese Fragen wollen Psychologen der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität des Saarlandes unter Leitung von Professor Tanja Michael in neuen Studien finden. 

Für die Kontrollgruppen sucht die Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie noch dringend gesunde Teilnehmer und Teilnehmerinnen: 

vor allem Männer und Frauen der Jahrgänge 1959 bis 1988. 
 
Die Arbeitsgruppe der Psychotherapeutin Tanja Michael forscht daran, neue Therapiemöglichkeiten für psychische Störungen zu entwickeln und Therapien wirksamer zu gestalten.

Die Psychologie-Professorin leitet die Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie und hat für ihre Forschung bereits mehrere internationale Preise erhalten.

In einer aktuellen Studie suchen die Forscherinnen und Forscher nach einem Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Geruchssinn. 

Um zu verstehen, wie psychische Störungen entstehen und ablaufen, soll zudem die Frage beantwortet werden, wie Personen mit Depressionen emotionale Bilder verarbeiten.

Bei diesen Studien werden sowohl Patientinnen und Patienten (Experimentalgruppen) als auch gesunde Personen (Kontrollgruppen) einbezogen.

Die Kontrollgruppe dient dazu, die Ergebnisse der Experimentalgruppe einordnen zu können.

Für die Kontrollgruppe sucht die Arbeitsgruppe noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Besonders dringend suchen die Forscher Männer der Jahrgänge 1959 bis 1970.

Wer daran interessiert ist, diese Forschung zu unterstützen und an der Studie teilzunehmen, kann sich ab sofort anmelden.

Die Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Je nach Anzahl der Sitzungen wird die Teilnahme mit einer Aufwandsentschädigung von bis zu 60 Euro entlohnt.

Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse asm.studie(at)gmail.com anmelden
(Bitte Geschlecht, Geburtsdatum und Kontaktdaten angeben).




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Dr. Diana Ferreira de Sá: E-Mail: diana.ferreira(at)uni-saarland.de
Tel.: +49 681 302-71209
Christian Schanz: E-Mail: christian.schanz(at)uni-saarland.de
Tel.: +49 681 302 71005
https://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/michael/team/tanja-michael.html




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Claudia Ehrlich
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Biomarker Alpha-Synuclein: Hautprobe/Hauttest erlaubt frühe Parkinsondiagnose

Medizin am Abend Berlin Fazit: Meilenstein: Hauttest erlaubt frühe Parkinsondiagnose

Einer Gruppe deutscher Neurologen ist es erstmals gelungen, die Parkinson-Erkrankung über eine kleine Hautprobe festzustellen – und zwar noch Jahre vor Ausbruch der typischen Bewegungsstörungen. 
  • Die Diagnose gelingt durch den Nachweis von pathologischen Eiweißablagerungen in den feinen Nervenenden der Haut, teilen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) mit. 
Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Acta Neuropathologica“ erschienen ist, gilt als Meilenstein in der Parkinson-Diagnostik und wird zur Entwicklung von neuen Therapien gegen die schwer behandelbare neurodegenerative Erkrankung führen. 
 
  • Die Parkinson-Krankheit gehört zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. 

In Deutschland leben schätzungsweise 220.000 Betroffene. Die Parkinson-Erkrankung ist damit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Demenz.

  • Die Diagnose ist vor allem im Frühstadium (Prodromalphase) schwer, denn Parkinson beginnt mit unspezifischen Beschwerden, zum Beispiel Verschlechterung des Geruchssinns, Depressionen oder Verdauungsstörungen. 
  • Erst wenn die typischen Bewegungsstörungen einsetzen – das Zittern beginnt, die Bewegungen steif und langsam werden –, kann der Arzt darauf schließen, dass sein Patient an Parkinson erkrankt ist. 

Bis zu diesem Zeitpunkt hat aber schon ein jahrelanges Nervenzellsterben stattgefunden, etwa 80 Prozent der dopaminergen Nervenendigungen und bis zu 50 Prozent der Nervenzellen in der Substantia nigra im Gehirn sind dann bereits unwiederbringlich untergegangen. 

Die Entwicklung wirkungsvoller Therapien krankt daran, dass Parkinson-Patienten erst in dieser späten Krankheitsphase erkannt werden. Könnten Mediziner früher eingreifen, wären die Chancen auf die Entwicklung von Therapien sowie auf Behandlungserfolge deutlich höher.

Bekannter Biomarker, neuer Fundort

Weltweit arbeiten zahlreiche Forschungsgruppen an Wegen, die Parkinson-Krankheit früher zu erkennen. Neurowissenschaftlern um Dr. Kathrin Doppler und Prof. Dr. Claudia Sommer aus Würzburg sowie Prof. Dr. Wolfgang Oertel aus Marburg haben nun eine wegweisende Arbeit publiziert.

Sie konnten bei Risikopatienten mit der sogenannten REM-Schlafverhaltensstörung den Biomarker Alpha-Synuclein in der Haut identifizieren, der Parkinson nachweist, Jahre bevor der Patient sichtbar erkrankt. 

„Damit sind wir dem großen Ziel, Parkinson in einem frühen Stadium zu erkennen und zu stoppen, einen wichtigen Schritt näher gekommen“, kommentiert Prof. Dr. Günther Deuschl, Parkinson-Experte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsident der European Academy of Neurology. „Der Weg ist nun offen, auch bei nicht von der REM-Schlafverhaltensstörung Betroffenen einen diagnostischen Marker der Frühphase der Erkrankung zu identifizieren. Damit kommt der Einstieg in die lange erhoffte präsymptomatische Parkinson-Therapie nun in unser Blickfeld.“


„Doppler und Kollegen ist ein sehr bedeutsamer Beitrag zum Stand der internationalen Parkinson-Forschung gelungen“, urteilt Prof. Dr. Werner Poewe, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck. „Wichtig ist das Potenzial einer leicht anwendbaren Methode der minimalinvasiven Hautbiopsie, bei der lediglich eine 5 Millimeter große Probe entnommen werden muss.

Dies ist von unmittelbarer praktischer Bedeutung, um Patienten für Studien zur Parkinson-Krankheitsprävention identifizieren zu können.“

Nachweis bisher nur im Gehirn möglich

  • „Wir kennen Alpha-Synuclein zwar als neuropathologisches Kennzeichen von Morbus Parkinson, und der Nachweis dieser Proteinablagerungen war bereits der Goldstandard der Diagnose“, erklärt Prof. Dr. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg und Koautor der Studie. 

„Allerdings haben wir im Gehirn gesucht, und das war erst nach dem Tod möglich“, so der Präsident der Deutschen Parkinson Gesellschaft. Dass sich Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn ablagert, sondern auch in der Haut, konnten die Würzburger Forscher schon 2014 zeigen. Sie fanden bei rund der Hälfte der untersuchten Parkinson-Patienten pathologische Proteinaggregate in den kleinen Nervenfasern der Haut.


In ihrer jetzigen Studie ging die Arbeitsgruppe einen Schritt weiter: Um herauszufinden, ob Alpha-Synuclein auch in der Prodromalphase als Biomarker herangezogen werden kann, untersuchten sie Patienten mit REM‐Schlafverhaltensstörung (REM sleep behavior disorder, RBD). 

Die Schlafstörung gilt als charakteristisches Frühsymptom der Parkinson-Krankheit. 

  • Sie äußert sich in aggressiven Träumen und auffälligen Bewegungen im Traumschlaf, etwa 85 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren eine Parkinson‐Erkrankung. 
  • Auch bei REM‐Schlafverhaltensstörung finden sich im Gehirn Ablagerungen von Alpha‐Synuclein.

Hoffnungsvoller Weg zu Medikamenten gegen die Parkinson-Krankheit

„Unsere Studie liefert Evidenz dafür, dass phosphoryliertes Alpha-Synuclein schon in dermalen Nervenfasern von Patienten vorhanden ist, die an REM-Schlafstörung leiden. Die Ablagerungen können bei diesen Patienten als periphere histopathologische Marker für eine Alpha-Synculeinopathie genutzt werden, die vor dem Einsetzen von motorischen Symptomen bei Morbus Parkinson auftritt“, schreibt Erstautorin Doppler. In Anbetracht des einfachen Zugangs zu Hautbiopsien und der hohen Spezifität der Untersuchung sehen die Autoren in der Methode einiges Potenzial, um Parkinson-Patienten im prodromalen Stadium der Erkrankung zu identifizieren und für klinische Studien zum Test von krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu gewinnen.

Studiendesign

Für die vom ParkinsonFonds Deutschland geförderte Studie rekrutierten die Forscher zwischen Dezember 2014 und Juli 2016 an den neurologischen Universitätskliniken in Würzburg und Marburg 18 Patienten mit REM-Schlafstörungen, 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson und 20 gesunde Kontrollprobanden. Sie entnahmen den Probanden Hautbiopsien (5 mm) am Rücken an den Bereichen C7 und Th 10 sowie am Ober- und Unterschenkel und suchten mittels Doppel-Immunfluoreszenzfärbung in den dermalen Nervenfasern nach Ablagerungen von phosphoryliertem Alpha-Synuclein. Sie bestimmten außerdem mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung (FP-CIT-SPECT) die Dichte der präsynaptischen Dopamintransporter, führten olfaktorische Funktionstests durch und kalkulierten den Wahrscheinlichkeitsquotienten für prodromale Parkinson-Symptome.

Ergebnisse

Phosphoryliertes Alpha-Synuclein konnte mit einer Sensitivität von 55,6 Prozent bei 10 von 18 RBD-Patienten nachgewiesen werden. Mit einer Sensitivität von 80 Prozent wurde bei 20 von 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson ein Nachweis für die Alpha-Synuclein-Ablagerungen erbracht. Keine Ablagerungen hingegen fanden sich bei den gesunden Kontrollprobanden.

Quellen

Doppler K et al. Dermal phospho-alpha-synuclein deposits confirm REM sleep behaviour disorder as prodromal Parkinson’s disease. Acta Neuropathologica 2017; DOI: 10.1007/s00401-017-1684-z

Doppler K et al.: Cutaneous neuropathy in Parkinson’s disease: a window into brain pathology. Acta Neuropathologica; 2014; 128(1): 99–109, DOI: 10.1007/s00401-014-1284-0

Pressemeldung der DGN vom 21. September 2016: Guter Schlaf schützt das Gehirn – schlechter Schlaf fördert Alzheimer und Parkinson (mit Video)



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Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang H. Oertel
Hertie Senior Forschungsprofessor und Professor für Neurologie
Philipps-Universität Marburg, Klinik für Neurologie
Tel.: +49 (0) 6421 5863731, Fax: +49 (0) 6421 5868955, E-Mail: oertelw@med.uni-marburg.de
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.

www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 531437930
E-Mail: info@dgn.org


Frank A. Miltner
Telefon: 089 / 461486-0/-22
Fax: 089 / 461486-25
E-Mail-Adresse: presse@dgn.org

Die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG)
fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patienten. Organisiert sind in dieser wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft erfahrene Parkinson-Ärzte sowie Grundlagenforscher. Die Zusammenarbeit dieser beiden Zweige ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die Parkinson-Medizin sowie die Parkinson-Forschung in Deutschland genießen international einen exzellenten Ruf.
www.parkinson-gesellschaft.de

1. Vorsitzender: Prof. Dr. Jens Volkmann
2. Vorsitzende: Prof. Dr. Daniela Berg
3. Vorsitzende: PD Dr. Karla Eggert

 

360° TOP-Thema: Rettungsstelle-KANZEL: Mangelernährung in Deutschland! Wie kann es das im Jahr 2016 geben?

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Patienten mit Mangelernährung haben ein höheres Risiko zu sterben“

Wer sich ausgewogen ernährt, beeinflusst Wohlbefinden und Abwehrkräfte. 

Und beeinflusst im Krankheitsfall auch Dauer und Erfolg von Therapien sowie Schwere und Häufigkeit von Komplikationen – was gerade bei der Behandlung von betagten Patienten entscheidend sein kann. Ein Faktor, der trotzdem im Klinikalltag oft übersehen wird, wie die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) erkannt hat. Dabei sind bis zu zwei Drittel der geriatrischen Patienten von einer Mangelernährung betroffen. 

Wie Mediziner ihren Blick schulen können, darüber sprechen im Interview Ernährungswissenschaftlerin Mareike Maurmann und Dr. med. Andreas Leischker, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Alexianer in Krefeld. 

     Dr. Andreas Leischker, M. A.
     Chefarzt  Dr.  Andreas Leischker, M. A.

Mangelernährung in Deutschland! Wie kann es das im Jahr 2016 geben?


Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Patientenwohl als ethischer Maßstab für das Krankenhaus


Dr. Andreas Leischker: Eigentlich sollte es 2016 überhaupt keine Mangelernährung mehr geben! Aber auch in den Industrieländern ist Mangelernährung häufig. Grundsätzlich sind alle Altersgruppen betroffen. Bei älteren Menschen steigt die Prävalenz aber deutlich. Die Gründe sind unterschiedlich: Häufig sind körperliche und psychische Erkrankungen die Ursache für einen verminderten Appetit.

Weitere Gründe für eine einseitige Lebensmittelauswahl und eine verringerte Nahrungsaufnahme können soziale Aspekte, wie zum Beispiel der Verlust des Partners und die steigende Hilfsbedürftigkeit sein. Wir dürfen aber auch nicht ausblenden, dass auch die Altersarmut dazu führen kann, dass älteren Menschen die finanziellen Mittel für eine gesunde Ernährung fehlen.

Mareike Maurmann: Es sind auch körperliche Veränderungen im Alter wie zum Beispiel der Zahnverlust (eine lockere Prothese), ein veränderter Geruchs- und Geschmackssinn, Immobilität und Bewegungseinschränkungen, die zu einer verringerten Nahrungsaufnahme führen können. Dazu kommen Erkrankungen wie zum Beispiel ein Schlaganfall mit Schluckstörung oder solche, die den Gastrointestinaltrakt betreffen, vielleicht sogar ein künstlicher Darmausgang.

All das kann zu Appetitlosigkeit, Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme oder einer schlechten Resorption führen.

  • Bis die Mangelernährung so offensichtlich wird, dass das Umfeld der Betroffenen aufmerksam wird, kann es ziemlich lange dauern. Hier ist eine stärkere Aufklärung bei Angehörigen und Hausärzten gefragt.

Warum ist es so wichtig, eine Mangelernährung zu erkennen?

Leischker: Patienten mit Mangelernährung haben ein deutlich höheres Risiko zu sterben oder schwere Komplikationen zu entwickeln. Die Krankenhausverweildauer von mangelernährten Patienten ist deutlich länger. Durch eine gute Ernährungstherapie können Krankenhäuser also nicht nur Todesfälle und Komplikationen vermeiden, sondern auch – durch kürzere Verweildauern – Geld sparen.

  • Leider hat sich diese Erkenntnis bei den meisten Krankenhausleitungen bisher noch nicht durchgesetzt. Eine ausgewogene Ernährung ist extrem wichtig für das Wohlbefinden unserer Patienten.

Maurmann: Das sehe ich ähnlich. Durch eine unbehandelte Mangelernährung sinkt die Immunkompetenz, zudem verschlechtern sich der Allgemeinzustand und die Prognose. Die psychische Verfassung und die Therapietoleranz nehmen ab. Die Infektionsrate, -dauer und -schwere nehmen zu, auch die Komplikationsrate und die Gefahr von Immobilität und Stürzen steigen.

  • Außerdem kommt es häufiger zu Wundheilungsstörung. 

Insgesamt nimmt also die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit des Patienten zu. Die Mangelernährung sollte also immer mit behandelt werden beziehungsweise muss viel stärker in den Fokus von Ärzten und Therapeuten rücken.

Warum sind Ärzte und Kliniken nicht genügend sensibilisiert für das Thema? Was müsste hier verbessert werden?

Maurmann: Es gibt zum Glück einige Ärzte, die das Thema sehr ernst nehmen. Aber aus meiner Erfahrung ist die Mehrzahl der Mediziner leider nicht für das Thema Mangelernährung sensibilisiert. Es gibt auch nur wenige Kliniken, die Ernährungsfachkräfte in ausreichender Zahl beschäftigen, die diese Patienten intensiv betreuen können, obwohl viele Studien die Wirksamkeit einer solchen Therapie belegen. Für eine Klinik ist die Einstellung einer Ernährungsfachkraft, die die Schnittstelle eines interdisziplinären Teams aus Ärzten, Logopäden und den Mitarbeitern der Diätküche, darstellen könnte, leider auch eine Kostenfrage.

Die Diagnose Mangelernährung kann zwar abgerechnet werden, wirkt sich in der Geriatrie aber nur in den wenigsten Fällen schweregradsteigernd aus. Damit kann sich diese Stelle in der Geriatrie nicht durch ihre Arbeit selbst finanzieren. Die Behandlung muss mit den Krankenkassen abgerechnet werden können, das heißt hier muss das Thema Ernährungstherapie auch bei der Berechnung des Case Mix Index eine Rolle spielen. Denn ich bin überzeugt, wenn die Kliniken adäquat Geld für diese Therapie bekommen würden, stünden sie auch mehr im Fokus.

Leischker: Leider glauben auch viele Ärzte, alles über Ernährung zu wissen – nach dem Motto: „Ich kann doch selbst gut essen.“ In der Tat fehlt es diesen fast immer an grundsätzlichen Kenntnissen aus der Ernährungsmedizin. Kein Wunder, im Medizinstudium ist das Thema noch eindeutig unterrepräsentiert. Hier sind die Universitäten gefordert, die Ernährungsmedizin in die Curricula zu verankern. In den Curricula der Facharztweiterbildungen kommt dieser Komplex zwar vor, wird aber leider oft in der Praxis vernachlässigt. Sinnvoll wäre es, wenn jede Klinik je nach Größe eine Mindestzahl an Ärzten mit ernährungsmedizinischer Zusatzqualifikation beschäftigen müsste. Diese könnten dann ihr Wissen auch an die Assistenzärzte weitergeben.


Woran erkennen Sie, dass eine Person an Mangelernährung leidet?

Maurmann: Bei der Mangelernährung muss zunächst zwischen einer Unterernährung und einer Fehlernährung unterschieden werden.

  • Bei der Unterernährung kann der Patient seinen Energiebedarf nicht decken, sodass es zu einer allgemeinen Unterversorgung kommt, die meist durch einen Protein- und Energiemangel dominiert wird. 

Durch den Energiemangel kommt es recht schnell zu einem ungewollten Gewichtsverlust, der besonders zu Lasten der Muskelmasse geht. Diese Patienten sind insgesamt geschwächt, häufig antriebslos und müde.

Von einer Fehlernährung wiederum können nicht nur untergewichtige, sondern auch normalgewichtige und übergewichtige Patienten betroffen sein. Diese wird meist von einer sehr einseitigen Ernährung verursacht.

  • Es gibt auffällige Symptome, die von stumpfen Haaren und brüchigen Fingernägeln über Entzündungen von Mundschleimhaut, Zahnfleisch und Lippen bis hin zu Hautblutungen und schuppendem Hautauschlag reichen. 
  • Verwirrtheit oder eine periphere Neuropathie können ebenfalls Hinweise für eine Fehlernährung sein. 
In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) für klinische Ernährung in der Geriatrie wurde 2013 schon darauf hingewiesen, dass in Langzeitpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern bis zu zwei Drittel der geriatrischen Patienten von einer Mangelernährung betroffen sind, sodass hier großer Handlungsbedarf besteht.

Leischker: Der Verdacht auf eine Mangelernährung ergibt sich für den Erfahrenen häufig bereits aus dem ersten klinischen Eindruck: dünne Körperstatur, eingefallene Wangen... Bei einem Verdacht sollte zunächst ein Screening auf Mangelernährung erfolgen. Sehr gut validiert und schnell durchführbar ist die Kurzform des Mini Nutritional Assessments (MNA-SF). 

  • Die Formulare hierfür sind in allen gängigen Sprachen kostenlos im Internet verfügbar. 

Das Screening kann von Ernährungsberatern, Pflegepersonal oder Ärzten durchgeführt werden. Weitere gut validierte Verfahren sind das Nutritional Risk Screening („Kondrup-Score“) und die „Langversion“ des MNA (siehe Links weiter unten). 

Idealerweise sollte bei allen stationären Patienten und bei allen Pflegeheimbewohnern ein Screening auf Mangelernährung erfolgen. Sofern sich der Verdacht bestätigt, erfolgt ein ausführlicheres Assessment.

Wenn die Mangelernährung erkannt ist, wie geht es weiter?

Leischker: Zunächst gilt es, leicht identifizierbare Ursachen in Angriff zu nehmen – dies reicht von der Anpassung eines neuen Zahnersatzes bis zur Therapie einer Depression. Unabhängig von der Ursache erfolgt immer eine Ernährungsberatung.

  • Dazu gehört die Gabe energiedichter Kost sowie die Anreicherung der Nahrung mit Sahne, Proteinen und anderen hochkalorigen Lebensmitteln. Ist dies nicht ausreichend, erfolgt die Verordnung von Trinknahrung.

Maurmann: Eine richtig typische Therapie gibt es in der Geriatrie eigentlich nicht, da jeder Patient andere Grunderkrankungen und andere Nährstoffdefizite mitbringt, die immer berücksichtigt werden müssen.

  • Wenn die Diagnose einer Mangelernährung gestellt wurde, sollte so früh wie möglich mit der Therapie begonnen werden, um einen weiteren Verlust der Muskelmasse und ein größer werdendes Nährstoffdefizit zu verhindern. 

Für die Therapie muss zunächst festgestellt werden, welche Form der Mangelernährung vorliegt und wodurch der Mangel entstanden ist.

Wenn keine Nebendiagnosen vorliegen, die einer spezielle Kostform bedürfen, der Gastrointestinaltrakt voll funktionsfähig ist und keine Schluckstörung vorliegt, wird bei einer Unterernährung zunächst die Wunschkost mit dem Patienten besprochen und dann die Ernährung so gestaltet, dass die Mahlzeiten den Kalorienbedarf decken können und alle Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. 

Zusätzlich werden Zwischenmahlzeiten angeboten und Trinknahrung bereitgestellt.

Bei einem spezifischen Nährstoffmangel werden vermehrt die Lebensmittel angeboten, die diesen Nährstoff enthalten. Auch Nahrungsergänzungsmittel können eingesetzt werden.  

Der Kostaufbau sollte bei einer Mangelernährung immer stufenweise erfolgen, da besonders bei Patienten, die mehrere Tage kaum etwas zu sich genommen haben, die Gefahr des Refeeding-Syndroms besteht.

  • Das bedeutet: Wenn sie nach langer Zeit der Unterernährung zu schnell normale Nahrungsmengen zu sich nehmen, kann es im Extremfall zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Was können Senioren tun, um Mangelernährung vorzubeugen?

Leischker: Ausreichend und regelmäßig essen! Falls sie merken, dass sie Gewicht verlieren, nicht nur einen Arzt, sondern gleichzeitig auch eine Ernährungsberaterin aufsuchen.

Maurmann: Senioren sollten ein Auge auf sich und ihren Körper haben. Die Mahlzeiten sollten vielfältig und ausgewogen sein, also von jedem etwas. Bei Obst und Gemüse gilt: Bunt ist gesund. Wenn Lebensmittel aufgrund von Kau- oder Schluckbeschwerden nicht mehr gegessen werden können, sollte nach anderen Zubereitungsformen gesucht werden. Das frische Obst kann zum Beispiel zu einem Smoothie verarbeitet werden oder die Kartoffeln zu Kartoffelpüree. Auf die Risikonährstoffe wie Vitamin B12 (zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Eiern), Folsäure (zum Beispiel in Hülsenfrüchten, grünem Blattgemüse, Leber, Nüssen), Calcium (zum Beispiel in Milchprodukten, Grünkohl, verschiedenen Kräutern, Mineralwasser) und Vitamin D (zum Beispiel in verschiedenen Fisch- und Pilzsorten) sollte ein besonderes Augenmerk liegen, da diese Nährstoffe im Alter durch verschiedene Erkrankungen häufig schlechter resorbiert oder zu wenig aufgenommen werden.

Sollte die Ernährung mit Supplementen unterstützt werden?

Leischker: Bei einer gesunden, abwechselnden Ernährung sind keine Supplemente erforderlich. Höchstens strenge Veganer benötigen Vitamin B 12 und häufig Eisen. Auch bei einigen Erkrankungen ist die Zugabe von Vitaminen und/oder Mineralstoffen erforderlich. Generell sollten Supplemente nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin zur Anwendung kommen. Denn Extra-Vitamine können sogar das Krebsrisiko erhöhen!

Maurmann: Nahrungsergänzungsmittel und Supplemente sind tatsächlich nur selten sinnvoll. Eine Ausnahme bildet hier meiner Meinung nach allerdings das Vitamin D, da es nicht in ausreichender Menge in der Nahrung vorkommt und wir es nur mit Hilfe des Sonnenlichts in der Haut synthetisieren können. Im Winter sollte daher über eine Ergänzung der Nahrung mit Vitamin D nachgedacht werden. Wenn möglich, ist die Aufnahme der Nährstoffe über Lebensmittel immer den Supplementen vorzuziehen, da durch das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Inhaltsstoffe die Bioverfügbarkeit der einzelnen Nährstoffe steigt. Der Körper profitiert zusätzlich von der Vielfalt dieser Stoffe wie zum Beispiel den sekundären Pflanzenstoffen in Obst und Gemüse.

Mareike Maurmann
Mareike Maurmann

Und wenn der Mensch einfach keine Lust aufs Essen hat?

Maurmann: Appetitlosigkeit stellt ein schwer zu greifendes Problem dar.

  • Die Ursachen für Appetitlosigkeit sind extrem vielfältig und reichen von psychischem Stress, Sorgen und Ängsten über Schmerzen, Verdauungsprobleme, Infektionen und so weiter bis hin zu den Neben- und Wechselwirkungen der verschiedensten Medikamente. 

In einer ausführlichen Beratung sollte zunächst mit dem Patienten nach der Ursache der Appetitlosigkeit gesucht werden. Auch Gespräche mit einem Seelsorger oder einem Mitarbeiter des Sozialdienstes können hilfreich sein, um die Fragen der häuslichen Versorgung zu klären, die für die Patienten oft sehr bedrückend sind.

  • Das Absetzen oder Umstellen von Medikamenten oder das Anpassen der Schmerztherapie sind weitere eventuell hilfreiche Maßnahmen. 
  • Neben einer auf den Patienten abgestimmten Kostform, die auf Verdauungsprobleme wie Obstipation, Blähungen oder Diarrhoen eingeht, sollten auch die Gewohnheiten und Wünsche des Patienten berücksichtigt werden. 
  • Einer Mangelernährung kann gegebenenfalls durch die Gabe von Trinknahrung und Zwischenmahlzeiten vorgebeugt werden. 
  • Um nicht nur gegen die Ursachen, sondern auch gegen die Appetitlosigkeit selbst etwas zu tun, können zum Beispiel Gewürzpflanzen mit Bitterstoffen (zum Beispiel Anis, Fenchel, Kümmel, Rosmarin) eingesetzt werden, die appetitanregend und verdauungsfördernd wirken. 
Manchen Patienten hilft auch ein kleiner Schluck Pepsinwein vor dem Essen, der die appetitanregende Wirkung eines Aperitifs besitzt.

Die ernährungstherapeutische Betreuung ist hier wichtig, um immer wieder mit dem Patienten gemeinsam die Kostform anzupassen, verschiedene Lebensmittel zu probieren und die Therapie zu evaluieren.

Leischker: Und gerade ältere Menschen sollten in Gesellschaft essen.

  • Studien zufolge wird dann bis zu 20 Prozent mehr Nahrung verzehrt. 
Das Essen sollte appetitlich angerichtet sein. Ab und zu sollten ältere Menschen auch ein Restaurant besuchen – wegen der anderen Umgebung und der Abwechslung.

  • Aber auch viele Medikamente können Appetitlosigkeit verursachen. Ihre Indikation sollte daher kritisch geprüft werden. 

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Nina Meckel Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.mna-elderly.com/forms/MNA_german.pdf – Langform des Mini Nutritional Assessments (MNA)

http://www.dgem.de/materialien.htm – Nutritional Risk Screening („Kondrup-Score“)


http://www.ernaehrung-maurmann.de – Praxis für Ernährungsberatung und -therapie, Mareike Maurmann



Anhang

360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle: Neuropeptid Oxytocin: Autismus + Asperger-Syndrom

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Oxytocin schärft die Sinne

Das Neuropeptid Oxytocin ist ein neuer Therapieansatz bei psychischen Erkrankungen, die mit Beeinträchtigungen sozialer Interaktionen einhergehen. 

Wissenschaftler des ZI konnten nun einen Mechanismus von der Verhaltensebene bis hin zu seinen Auswirkungen auf synaptische Netzwerke aufklären, über den Oxytocin die Erkennung und Zuordnung relevanter sozialer Reize verbessert. 

Unter dem Titel „Oxytocin Enhances Social Recognition by Modulating Cortical Control of Early Olfactory Processing“ wurden die Ergebnisse der Studie in der Ausgabe des renommierten Fachjournals Neuron vom 21. April 2016 veröffentlicht. 

 Das Spiel „Memory“ erfordert geschärfte Sinne, um ähnliche Objekte zu unterscheiden und soziale Erkennung bei Mäusen zeigt Ähnlichkeiten zum „Memory Spiel"
 Das Spiel „Memory“ erfordert geschärfte Sinne, um ähnliche Objekte zu unterscheiden und soziale Erkennung bei Mäusen zeigt Ähnlichkeiten zum „Memory Spiel" . © Idee Cathrin Huber, Artwork Sebastian Wieland.
 
Soziale Interaktionen erfordern die Wahrnehmung und Wiedererkennung von Individuen. 

  • Wenn die Wahrnehmung sozialer Reize verändert beziehungsweise gestört ist, hat dies Konsequenzen auf alle folgenden Hirnprozesse bis hin zum Verhalten. 
Bereits einer der Erstbeschreiber des Autismus, der österreichische Kinderarzt Hans Asperger, betonte die veränderte Wahrnehmung von Sinnesreizen als Kennzeichen der Erkrankung. 
  • Er beschrieb 1944 als erster das später nach ihm benannte Asperger-Syndrom. 
Diesen sensorischen Defiziten wird in den letzten Jahren wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, was sich nun auch in den neuen amerikanischen diagnostischen Forschungskriterien niederschlägt.

Die Prozesse der sozialen Interaktionen können auf verschiedenen Ebenen beeinflusst oder verändert sein. 

Das Neuropeptid Oxytocin stellt hierbei einen ersten Ansatzpunkt dar, der soziale Interaktion beim Menschen beeinflusst, wie Arbeitsgruppen am ZI in den letzten Jahren zeigen konnten. Oxytocin kommt zunehmend in der klinischen Therapie zum Einsatz, beispielsweise um in Psychotherapien von Erkrankungen, die mit Beeinträchtigungen im Erkennen sozialer Signale einhergehen, eben diese Ressourcen zu verbessern.

Die Mechanismen sind jedoch nicht vollständig aufgeklärt, über die Oxytocin die Reizverarbeitung beeinflusst.

Wissenschaftler um den Neurobiologen Lennart Oettl und um den Psychiater und Neurophysiologen
Dr. Wolfgang Kelsch (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Leiter AG Entwicklungsbiologie psychiatrischer Störungen) konnte nun einen zentralen Mechanismus bei Mäusen aufklären, wie Oxytocin die Wahrnehmung und Wiedererkennung anderer Individuen moduliert. Wie die meisten anderen Tiere nutzen Mäuse vor allem den Geruchssinn, um soziale Reize wahrzunehmen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das vom Hirn ausgeschüttete Oxytocin das Signal-zu-Rausch-Verhalten in der sensorischen Informationsverarbeitung verbessert. 
  • Durch Oxytocin werden sogenannte Top-down-Projektionen aus der Großhirnrinde in sensorische Netzwerke aktiviert, die dort hemmende Neurone antreiben. Diese Top-down-Aktivierung verbessert die Signalqualität im Sinne eines Aufmerksamkeitsfilters, so dass die sensorische Information dann verändert an höhere Hirnareale weitergeleitet wird. Über diesen Mechanismus stärkt Oxytocin die Verarbeitung relevanter sozialer Signale und verbessert so die spätere Erkennung voriger sozialer Interaktionspartner.
„Das ist ähnlich wie bei dem Spiel Memory, bei dem es darum geht, die Sinne zu schärfen, um ähnliche Objekte zu unterscheiden und diese später zu erinnern.

Oxytocin scheint diese beiden Aspekte sozialer Interaktion zu fördern“, erklärt Wolfgang Kelsch. 

Das bedeutet, dass Oxytocin die Wahrnehmung in einen besonderen Zustand für die Verarbeitung sozialer Reize versetzt. Oxytocin wirkt auf multiple Schritte der Verarbeitung sozialer Reize.

  • Der aktuelle Befund verdeutlicht, dass die frühe Wirkung Oxytocins in der sozialen Reizwahrnehmung darauffolgende Prozesse verändert. 
  • Die hier beschriebenen Mechanismen könnten so oder ähnlich bei psychiatrischen Erkrankungen gestört sein und Defizite in der Wahrnehmung von Sinnesreizen bei Autismus erklären und, wie aktuelle Studien bei Menschen zeigen, möglicherweise als Ansatzpunkt zur Entwicklung objektivierbarer diagnostischer Kriterien dienen.

Publikation:

Oettl LL, Ravi R, Schneider M, Scheller M, Schneider P, Mitre M, da Silva Gouveia M, Froemke RC, Chao MV, Young WS, Meyer-Lindenberg A, Grinevich V, Shusterman, Kelsch W. Oxytocin enhances social recognition by modulating cortical control of early olfactory processing. Neuron (2016)
http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2016.03.033

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E-Mail: wolfgang.kelsch@zi-mannheim.de
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