Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Posts mit dem Label Fettleibig werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fettleibig werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Untersucher-CAVE: Mütterlicher Stress am Wochenende wieder heftig erlebt? https://kinderarztpraxis-st-hedwig.de/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gestresste Mütter – übergewichtige Kinder

Jedes zehnte Kind ist übergewichtig, jedes zwanzigste sogar fettleibig. 

Wissenschaftler*innen des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH) haben gemeinsam mit Kolleg*innen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig nun einen bisher wenig untersuchten Zusammenhang aufgeklärt: 

In der Mutter-Kind-Studie LiNA, die am UFZ koordiniert wird, fanden sie heraus, dass der empfundene Stress der Mutter im ersten Lebensjahr des Kindes Übergewicht im Kleinkindalter begünstigt. 
 
  • Mütterlicher Stress wirke sich vor allem auf die Gewichtsentwicklung von Mädchen aus und führe zu einer langfristigen Prägung, schreiben die Forscher*innen des BIH, der Charité, des UFZ sowie der Universität Bristol im Fachmagazin BMC Public Health.

Seit 2006 kooperieren UFZ-Forscher*innen mit Kolleg*innen aus dem Städtischen Klinikum St. Georg sowie dem Universitätsklinikum Leipzig in der LiNA-Studie:

LiNa steht für „Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluß auf das Allergierisiko von Neugeborenen“. 

In der aktuellen Studie werteten die Forscher*innen um Irina Lehmann und Saskia Trump, die beide seit Anfang 2018 am BIH forschen, Daten von 498 Mutter-Kind-Paaren aus.

Aus den Angaben zu Größe und Gewicht ermittelten die Forscher*innen den Body Mass Index (BMI) der Kinder und normierten ihn auf Alter und Geschlecht. 

,Den empfundenen Stress der Mütter während der Schwangerschaft und während der ersten beiden Lebensjahre der Kinder erhoben sie mithilfe validierter Fragebögen, der die Themen Sorgen und Ängste, Anspannung, allgemeine Zufriedenheit sowie den Umgang mit täglichen Anforderungen umfasste. Anschließend setzten sie beide Datensätze miteinander in Beziehung.

Gestresste Mütter haben häufiger übergewichtige Kinder als entspannte Mütter.

„Wir haben dabei deutlich gesehen, dass der empfundene Stress der Mutter während des ersten Lebensjahres des Kindes mit der Gewichtsentwicklung des Kindes in den ersten fünf Lebensjahren zusammenhängt“, sagt Irina Lehmann, die gemeinsam mit Saskia Trump die Untersuchung konzipiert und geleitet hat.

„Gestresste Mütter haben häufiger übergewichtige Kinder als entspannte Mütter.“ 

„Besonders auffällig ist der Einfluss von mütterlichem Stress auf Mädchen“, ergänzt Saskia Trump.

  • Studien hätten gezeigt, dass Jungen möglicherweise den Stress der Mütter besser kompensieren.
  • Keinen Einfluss auf das Gewicht der Kinder hatte mütterlicher Stress während der Schwangerschaft oder während des zweiten Lebensjahrs der Kinder. 

„Das erste Lebensjahr scheint eine sensible Phase und für die Neigung zu Übergewicht prägend zu sein“, sagt Kristin Junge vom UFZ, eine der beiden Erstautorinnen der Studie.

„In dieser Zeit sollte dem Befinden der Mutter daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden“, ergänzt sie.

Ursachen für mütterlichen Stress

„Um herauszufinden, warum die Mütter während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren der Kinder gestresst waren, haben wir uns die Daten noch einmal intensiv angeschaut“, berichtet Beate Leppert, ebenfalls Erstautorin der Studie, die mittlerweile an der Universität Bristol arbeitet. „Insbesondere haben wir die Lebensbedingungen der Mütter unter die Lupe genommen.“ Dabei entdeckten die Wissenschaftler*innen, dass die gestressten Mütter häufiger als nicht-getresste Mütter in einem einfachen Wohnumfeld lebten, häufiger Lärm und Straßenverkehr ausgesetzt waren und im Durchschnitt über ein niedrigeres Haushaltseinkommen verfügten.

  • Gestresste Mütter nicht allein lassen
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiAs

„Wir wollen mit unserer Studie auf das Problem der gestressten Mütter aufmerksam machen“, sagt Irina Lehmann. 
  • „Keineswegs sollte man sie mit ihrem Problem alleine lassen.“ Kinderärzt*innen könnten bei den Untersuchungen der Kinder im ersten Lebensjahr immer auch einen Blick auf die Mütter werfen und sie bei Anzeichen für Stress auf ihre Situation ansprechen. 
„Es gibt bereits viele gute Hilfsangebote für junge Mütter, viele wissen aber nichts davon.

Wenn man hier ansetzt, könnte man den Müttern helfen und damit womöglich ihren Kindern späteres Übergewicht ersparen“, so Saskia Trump.

In zukünftigen Forschungsarbeiten will das Team untersuchen, welche weiteren Risikofaktoren die kindliche Gewichtsentwicklung prägen können und welche Mechanismen an der langanhaltenden Fehlsteuerung des Stoffwechsels beteiligt sind.

---------------------------
Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung | Berlin Institute of Health (BIH) widmet sich der Übertragung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die Klinik, der so genannten Translation. Ziel ist eine personalisierte Präzisionsmedizin für Menschen mit progredienten Krankheiten, um ihre Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies soll gelingen dank präziser Diagnosen, besserer Vorhersagen und neuartiger Therapien. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com














Über Google: Medizin am Abend Belrin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Stefanie Seltmann
s.seltmann@bihealth.de

Kapelle-Ufer 2
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Dr. Stefanie Seltmann
Telefon: +49 30 450 543 019
E-Mail-Adresse: s.seltmann@bihealth.de


Britta Althausen
Telefon: +49 30 450 543 042
Fax: +49 30 450 754 3999
E-Mail-Adresse: britta.althausen@bihealth.de

Originalpublikation:
10.1186/s12889-018-6110-5

Dicke Menschen - Dickleibigkeit

Medizin am Abend Berlin Fazit: Statement: No-Go Dickleibigkeit: Fat Studies in Deutschland

Essens- und Körperforscherin Prof. Dr. Lotte Rose von der Frankfurt UAS nimmt Stellung zur Diskriminierung fettleibiger Menschen und erklärt, welchen Beitrag Soziale Arbeit zur Entstigmatisierung dicker Körper leisten kann 
 
Dick sein ist out:

Wer heute dick ist, dem wird das Leben schwergemacht. Während vor nicht allzu langer Zeit füllige Körper als Zeichen von Attraktivität, gutem Leben, Wohlstand und Macht galten, erscheinen sie heute als geradezu anstößig. Denn: Dicke haben nicht nur Probleme, sie machen auch Probleme – so die einhellige Meinung. Dicke Menschen sind somit vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt. Inspiriert durch die Entwicklung der Fat Studies in englischsprachigen Ländern haben Prof. Dr. Lotte Rose, Essens- und Körperforscherin an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), und Friedrich Schorb, Soziologe am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen, den Sammelband „Fat Studies in Deutschland – Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung“ herausgegeben – die erste Publikation zu Fat Studies in Deutschland. Der Band vereint Beiträge, die sich aus unterschiedlichen disziplinären, professionellen und praktischen Perspektiven kritisch mit der Stigmatisierung von dicken Körpern und dicken Menschen in Deutschland auseinandersetzen.

Fat Studies problematisieren nicht dicke Körper an sich, sondern den gesellschaftlichen Umgang mit ihm. Sie fragen also nicht wie Medizin und Gesundheitspolitik danach, warum hohes Körpergewicht schädlich und zu reduzieren ist, sondern warum und wie es zum Problem erklärt wird und welche Folgen dies für die betroffenen Menschen hat. Damit ergreifen sie Partei gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung der Menschen mit hohem Körpergewicht und setzen sich ein für die Anerkennung der Vielfalt der Körper und ihres Volumens. Fat Studies knüpfen dabei an die Anliegen anderer stigmatisierter Gruppen an, die sich gegen ihre Diskriminierung auch in der Wissenschaft erfolgreich zur Wehr gesetzt haben. Vorbilder sind hier die Gender- und Queerstudies oder auch die Disabilitystudies.

Wie werden dicke Menschen abgewertet? Ihnen wird unterstellt, eine unzureichend ausgebildete Selbstdisziplin und Triebkontrolle zu haben, die sie maßlos essen lässt. Zudem gelten Dicke als süchtig und damit psychisch krank. Es wird von einer Epidemie der Übergewichtigkeit gesprochen, mit der eine Ansteckungsgefahr konstruiert wird, mit der die Dicken die Schlanken und den gesellschaftlichen Wohlstand bedrohen. So heißt es, die massenhafte kollektive Gewichtszunahme sei für den Fortbestand der Menschheit gefährlicher als der Welthunger, für das Ökosystem Erde ähnlich zerstörerisch wie der Klimawandel und für die Stabilität der Volkswirtschaften höchst bedrohlich, da der Anstieg der Hochgewichtigen zu einem Zusammenbruch der Gesundheitssysteme führe. Letztlich käme es erstmals seit Generationen zu einer rückläufigen Lebenserwartung in den Industrieländern. „Diese Diskursfiguren erscheinen rational, erweisen sich aber bei näherem Blick als sehr politisch. Dass defizitäres Ernährungsverhalten von Individuen zur Ursache von gesellschaftlichen Bedrohungen erklärt wird, ignoriert schließlich auf populistische Weise das vorhandene differenzierte Wissen zu ökologischen und volkswirtschaftlichen Gefährdungen. Zudem wird Dickleibigkeit erfolgreich individualisiert. Das Individuum ist daran schuld – ein Bild, das verdeckt hält, dass veränderte Nahrungs- und Lebensverhältnisse ganz wesentlich dafür sorgen, dass Körper heute anders sind als zu früheren Zeiten.“, erklärt Rose.

In dieser kritischen Stimmungslage geraten dicke Menschen in einen sie diskriminierenden Aufmerksamkeitsfokus. Sie müssen damit leben, dass ihre Körper als unnormal, schädlich und hässlich gelten, und sie aufgrund ihres Körpers abgewertet werden. Sie erfahren auch den permanenten Druck, etwas dafür zu tun, das hohe Körpergewicht zu reduzieren. Diese Aufforderungen erscheinen legitim, fürsorglich und verantwortungsvoll gegenüber den betroffenen Menschen, verschärfen aber letztlich psychischen Stress und soziale Isolation.

Wie weit die Ablehnung des dicken Körpers reicht, lässt sich mit aktuellen Daten belegen: In einer Studie der Krankenkasse DAK gaben 71 % der Befragten an, dicke Menschen unästhetisch zu finden, 15 % vermeiden bewusst den Kontakt zu ihnen, 37 % der Befragten sorgen sich, selbst dick zu sein und 17 % machen gerade eine Diät zur Gewichtsreduktion. In einer Umfrage unter Schülerinnen und Schülern in den USA, Kanada und Island gaben die Befragten aus allen drei Ländern an, dass ein hohes Körpergewicht der mit Abstand häufigste Anlass für Diskriminierung an ihrer Schule sei.

Auch die mediale Inszenierung dicker Körper transportiert stigmatisierende Effekte: „Bereits berühmte Protagonisten der Kinder- und Jugendmedien konditionieren junge Menschen auf den dünnen Körper. Fat Sex ist in Spielfilmen allenfalls einen Lacher wert. Es gibt nur wenige Filme, die Sex mit Dicken nicht ins Lächerliche ziehen, die dann aber auch beim Publikum für Aufregung sorgen. Der Mangel an symbolischer Repräsentanz sexueller dicker Körper erschwert hochgewichtigen Menschen die Entwicklung einer sexuellen Identität“, betont Rose.

Fachkräfte der Sozialen Arbeit beteiligen sich ungewollt ebenso an der Stigmatisierung der Menschen mit hohem Körpergewicht, wenn sie völlig selbstverständlich Dickleibigkeit nur als Ausdruck von fehlender sozialer Angepasstheit sehen und dicken Menschen helfen wollen, Gewicht zu reduzieren. „Sie reflektieren dies noch viel zu selten kritisch, wagen auch kaum die Vision der Vielfalt von Körpern – und dies, obwohl doch die anti-normalistische Anerkennung von Diversität zu den zentralen Paradigmen Sozialer Arbeit gehört“, so Rose.

„Während die politischen und juristischen Anstrengungen zur Verhinderung von sozialen Diskriminierungen in den letzten Jahren wertvolle Erfolge erreicht haben und die öffentlichen Auseinandersetzungen dazu, wie die Gleichstellung stigmatisierter Gruppen zu sichern ist und sie vor Missachtungen und Exklusion zu schützen sind, zugenommen haben, scheinen die ‚Dicken‘ davon bislang fast gänzlich ausgenommen. Obwohl die Sensibilität dafür gestiegen ist, dass und wie Menschen aufgrund von Behinderung, Alter, Geschlecht und Ethnie, sexueller Orientierung und Religion Benachteiligung erfahren und die Gleichstellung dieser Gruppen mit dem ‚Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz‘ (AGG) gesellschaftlich als Norm festgeschrieben wurde, gibt es eine kritische Bewegung gegen die tagtäglichen Diskriminierungen von Menschen mit hohem Körpergewicht in Deutschland erst in Ansätzen. Die sozialen Drangsalierungen und Exklusionen dicker Menschen werden in der Öffentlichkeit noch kaum als solche wahrgenommen, geschweige denn thematisiert“, so Rose. „Gleichwohl zeichnen sich auch Veränderungsimpulse ab: In Deutschland wird anlässlich der geplanten Novellierung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) eine Ergänzung um die Kategorie ‚Körpergewicht‘ bzw. ‚äußeres Erscheinungsbild‘ öffentlich diskutiert. Im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit an der Frankfurt UAS gehört das Seminar zur Diskriminierung von Menschen mit hohem Körpergewicht zum Standardangebot.“

Der Sammelband bietet einen umfangreichen Datenfundus zu den Lebenswelten von Menschen mit hohem Körpergewicht. Thematisiert werden rechtliche Fragen des Diskriminierungsschutzes, die Darstellung von Dickleibigkeit in der medialen Öffentlichkeit und der Umgang mit hochgewichtigen Menschen in den helfenden Berufen des Gesundheits- und Sozialwesens. Zudem werden Strategien einer anti-diskriminierenden Körperpolitik und -praxis in Kunst, Kultur, sozialer Bewegung und Wissenschaft vorgestellt.

Fat Studies in Deutschland – Hohes Körpergewicht zwischen Diskriminierung und Anerkennung, Herausgegeben von Lotte Rose / Friedrich Schorb, Beltz Verlag, Weinheim Basel, 248 Seiten, ISBN: 978-3-7799-3464-6, 24,95 Euro, erschienen: 07.04.2017

Zur Person:
Prof. Dr. Lotte Rose ist Erziehungswissenschaftlerin und seit 1997 Professorin der Frankfurt UAS am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind Genderforschung, Kindheitsforschung, Elternschaftsforschung und Essensforschung. Aktuelle Forschungsprojekte untersuchen das Essen in der Heimerziehung, Elternbildung zur Säuglingsernährung und biografische Erzählungen von Menschen mit hohem Körpergewicht.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com



 





Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Lotte Rose
Telefon: 069/1533-2830
E-Mail: rose@fb4.fra-uas.de

Sarah Blaß Frankfurt University of Applied Sciences
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Deutschland
Hessen
Telefon: 069/1533 3041
Fax: 069/1533 2403
E-Mail-Adresse: blass@kom.fra-uas.de 


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.beltz.de/fachmedien/sozialpaedagogik_soziale_arbeit/buecher/produkt_...

Individuelle Vorstufen des Diabetes:gestörten Blutzuckerstoffwechsel - Prädiabetes

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Nicht jede birgt dasselbe Risiko für Herzkreislauferkrankungen

Menschen mit einem gestörten Blutzuckerstoffwechsel, die ein Vorstadium des Diabetes aufweisen (= Prädiabetes), haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz und Krebs. 

Aber ihr individuelles Risiko für diese Erkrankungen unterscheidet sich deutlich. 

Neue Analysen zeigen, dass die Untersuchung auf Fettleber, vermehrtes Bauchfett sowie Störung der Produktion und Wirkung von Insulin helfen kann, das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes besser vorherzusagen und vorzubeugen. Diese Ergebnisse wurden von DZD-Wissenschaftlern im renommierten Journal The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht. 

 Anteil der Personen mit verminderter Insulinwirkung, verminderter Insulinproduktion, nicht-alkoholischer Fettleber und viszeraler Adipositas.
Anteil der Personen mit verminderter Insulinwirkung, verminderter Insulinproduktion, nicht-alkoholischer Fettleber und viszeraler Adipositas.
Quelle: Stefan et al. Phenotypes of prediabetes and stratification of cardiometabolic risk. Lancet Diabetes & Endocrinology 2016. © The Lancet Diabetes & Endocrinology
 
Diabetes und seine Vorstufen haben weltweit epidemische Ausmaße erreicht. 
  • Besorgniserregend ist die Tatsache, dass ein erhöhter Blutzucker bereits bei Prädiabetes mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz und Krebs einhergeht.
Aber sogar im Stadium des Prädiabetes unterscheidet sich das Risiko für diese Erkrankungen deutlich zwischen den Menschen.

Diese Erkenntnis nahmen Wissenschaftler der Abteilung für Innere Medizin IV des Universitätsklinikums Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München, Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), zum Anlass zu untersuchen, welche Faktoren diese Unterschiede im Krankheitsrisiko erklären könnten.

Typ-2-Diabetes ist nicht gleich Typ-2-Diabetes

Mehrere Mechanismen spielen bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes eine Rolle. Aber im klinischen Alltag ist es schwierig, diese Mechanismen auseinanderzuhalten – was für die personalisierte Prävention und Therapie des Diabetes sehr hilfreich wäre
  • Beispielsweise kann nur der Nüchternblutzucker erhöht sein oder es kann vorkommen, dass der Zuckerstoffwechsel innerhalb weniger Stunden nach der Nahrungsaufnahme entgleist. 
  • Bei anderen Patienten wiederum sind beide Phänomene zu beobachten. Anhand der Erscheinungsbilder lassen sich verschiedene „Risiko-Phänotypen“ unterscheiden.

Phänotypen bestimmen das Herz-Kreislauf-Risiko

Im Rahmen einer Analyse der Daten von 1.003 Teilnehmern der Tübinger Diabetes Familienstudie, bei der 405 Menschen Prädiabetes hatten, waren die vier Risiko-Phänotypen Fettleber, vermehrtes Bauchfett – gemessen im Rahmen einer Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) – und eine Störung der Produktion und Wirkung von Insulin ausschlaggebend für das Diabetes-Risiko.
  • Die drei Risiko-Phänotypen Fettleber und eine Störung der Produktion und Wirkung von Insulin sagten auch voraus, wie erfolgreich eine Lebensstilintervention zur Normalisierung erhöhter Blutzuckerwerte bei Menschen mit Prädiabetes war. 
  • Zudem zeigten vor allem Patienten mit Fettleber und vermehrtem Bauchfettgehalt eine Verdickung der Halsschlagader und somit ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Phänotypen des Prädiabetes

Basierend auf dem zunehmenden Wissen über das Vorliegen der verschiedenen Phänotypen des Stoffwechsels, die den stoffwechselgesunden fettleibigen Menschen und den stoffwechselkranken normalgewichtigen Menschen charakterisieren, haben die Wissenschaftler die Häufigkeit der vier Risiko-Phänotypen unter den unterschiedlichen BMI-Kategorien (Normalgewicht, Übergewicht, Fettleibigkeit) bei Menschen mit normalen Blutzuckerwerten und bei Menschen mit Prädiabetes untersucht.

  • Sie konnten zeigen, dass zwischen den BMI-Kategorien eine unterschiedliche Verteilung dieser Phänotypen vorliegt (Abbildung). 
  • Während z.B. ein Insulinproduktionsdefekt der mit Abstand häufigste Risiko-Phänotyp bei normalgewichtigen Menschen mit Prädiabetes ist, nehmen die Häufigkeiten der Fettleber und des vermehrten Bauchfettgehalts bei übergewichtigen und adipösen Menschen deutlich zu.

Schlussfolgerungen für Prävention und Therapie

Norbert Stefan, Erstautor der Arbeit, schlägt vor, dass „nach der Klassifikation der Kategorien normale Zuckerstoffwechsellage und Prädiabetes, die Fettleber, der vermehrte Bauchfettgehalt und eine Störung der Produktion und Wirkung von Insulin bei der Beurteilung des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen und von Typ-2-Diabetes berücksichtigt werden sollen. 
Wenn sich dieses Vorgehen als erfolgsversprechend herausstellen sollte, dann könnte es Einzug in die medizinischen Leitlinien zur Prävention und Therapie von Diabetes und der damit verbundenen Erkrankungen halten.“ Hans-Ulrich Häring, Letztautor der Arbeit, fügt hinzu, dass „die Anwendung von präzisen Phänotypisierungsstrategien im Rahmen von klinischen Studien das Verständnis der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen und des Typ-2-Diabetes verbessern wird.“

Original-Publikation:

Norbert Stefan, Andreas Fritsche, Fritz Schick, Hans-Ulrich Häring. Phenotypes of prediabetes and stratification of cardiometabolic risk. Lancet Diabetes & Endocrinology 2016 [epub ahead of print] DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(16)00082-6

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com








 Über Google: Medzin am Abend Berlin

Dr. Astrid Glaser
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
Tel. 089-3187-1619
E-Mail: contact@dzd-ev.de

Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Universitätsklinikum Tübingen
Abteilung für Innere Medizin IV
Otfried-Müller-Straße 10
72076 Tübingen
Tel. 07071 29-80390
E-Mail: norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de
Dr. Silvia Grote Deutsches Zentrum für Diabetesforschung


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.dzd-ev.de/

https://twitter.com/DiabResearch