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Die psychedelisch unterstütze Therapie

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Die psychedelisch unterstütze Therapie, der Einsatz der in psychoaktiven Pilzen enthaltenen Substanz Psilocybin, von LSD oder Ketamin zur Behandlung psychischer Erkrankungen, ist erneut in den Fokus gerückt. Viele Studien werden durchgeführt, gelegentlich ist von einer „Revolution in der Psychiatrie“ die Rede. Doch es gibt auch Zweifel. Während manche Patient:innen profitieren, sprechen andere gar nicht an, manchen geht es danach sogar schlechter. Um die Therapie künftig präziser einzusetzen, haben Forschende unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin therapeutische Erfahrungen weltweit gebündelt und beschreiben in Nature Mental Health* das Profil eines passenden Patientenbildes.

Charité-Studie führt erstmals therapeutische Erfahrungen weltweit zusammen

„Die Therapie mit Psychedelika ist eine scharfe Klinge. Es ist deswegen sehr wichtig, zu wissen, wann sie eingesetzt werden sollte – und wann nicht“, sagt Studienleiter PD Dr. Felix Betzler, Leiter der Arbeitsgruppe Recreational Drugs an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte. Es sind Patient:innen wie jene Frau mittleren Alters. Als sie sich in der Klinik vorstellt, leidet sie bereits seit vielen Jahren an einer Depression. Freude kann sie keine mehr empfinden. Alle medikamentösen Therapieversuche blieben erfolglos, ebenso eine langjährige Psychotherapie. Was sie noch am Leben hält, sind Freunde, ihre Partnerschaft, ihr Hund. Arbeitsfähig ist sie schon lange nicht mehr. Erfahrungen mit dem bewusstseinsverändernden Psilocybin hatte sie bislang nicht.

Die Frau lässt sich auf eine Sitzung in einem kontrollierten Studien-Setting ein. Sie erlebt diese als sehr intensiv, Emotionen brechen durch. Später wird sie die Erfahrung als schmerzvoll und heilend zugleich beschreiben. Als ob sie durch einen Sturm gesegelt wäre und plötzlich sei die Sonne durchgebrochen. Sechs Wochen nach der Behandlung ist die Depression verschwunden, zum ersten Mal seit über zehn Jahren. Der Test mit einem anerkannten Depressions-Score ergab keinerlei messbare Krankheitsanzeichen mehr.

Vom Rauschmittel zum Therapeutikum

Die positiven Effekte psychoaktiver Substanzen, ob natürlichen oder synthetischen Ursprungs, sind schon lange bekannt. Psychedelika können Wahrnehmung, emotionales Erleben und das Bewusstsein beeinflussen. Ihre Verwendung als Rauschmittel reicht weit in die Geschichte zurück. Wissenschaftlich erforscht werden bewusstseinserweiternde Stoffe seit mehr als 70 Jahren – nicht zuletzt, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu erschließen. Vor allem bei schweren, therapieresistenten Depressionen, bei denen herkömmliche Medikamente zu keiner Verbesserung führen, bei Angststörungen, Sucht oder anderen psychischen Störungen werden Behandlungserfolge mit Halluzinogenen wie Psilocybin oder LSD beobachtet. Möglicherweise begünstigt der kontrolliert herbeigeführte Ausnahmezustand neue Verknüpfungen von Nervenzellen, das Gehirn wird „beweglicher“. Genau kennt man die zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht. In der Regel haben bereits eine oder zwei begleitete Sitzungen eine starke Wirkung.

Allerdings: Die Behandlungsverläufe sind extrem variabel, wie ein weiteres Beispiel zeigt. Wieder handelt es sich um eine Frau mittleren Alters. Sie erhielt die gleiche Diagnose, hatte einen vergleichbaren Krankheitsverlauf und ähnliche Lebensumstände. Anders als die erste Frau erlebt sie die Sitzung als innere Tortur. Es gibt keinen Durchbruch und sie ist einfach nur froh, als es vorüber ist. Ihre Depression hat sich nicht verbessert, im Gegenteil. Nach dem Therapieversuch ist sie noch hoffnungsloser, denn auch dieser Strohhalm ist nun verloren.

Behandlungserfolg vorhersagen

Zwei scheinbar ähnliche Patientinnen und zwei Verläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Warum ist das so? Gibt es demografische oder krankheitsbezogene Faktoren, die den Therapieerfolg bestimmen? Gibt es andere Einflüsse, die weniger günstige Ergebnisse wie starke Angstreaktionen, Schlafstörungen oder gar eine depressive Verschlechterung vorhersagbar machen? Zusammen mit Forschenden in Deutschland, England, Frankreich und den USA haben Felix Betzler und sein Team Therapeut:innen auf der ganzen Welt befragt, die regelmäßig psychedelisch begleitete Behandlungen durchführen.

Der umfangreiche, eigens dazu entwickelte Fragenkatalog erhob neben Berufserfahrung, Therapierichtung und Therapiekontext der Therapeut:innen zahlreiche mögliche Merkmale behandelter Patient:innen, darunter Lebensumstände, Aspekte der Persönlichkeit, Dauer und Schwere der Erkrankung. Ebenfalls erfragt wurden Setting-Eigenschaften der Therapie, die Intensität der Betreuung und die Dosierung des Psychedelikums. Antworten von insgesamt 158 Therapeut:innen gingen in die Auswertung ein – unabhängig davon, ob sie in einem gesetzlich geregelten Rahmen – also legal im Kontext klinischer Studien – therapeutisch tätig sind, ob in Ländern, in denen der Einsatz der Substanzen erlaubt ist, oder ob sie die Therapie jenseits der Legalität, de facto im „Untergrund“, durchführen.

„Das wohl wichtigste Ergebnis ist die Gesamtheit des Patientenprofils, das aus Sicht der Therapeut:innen ein gutes Ansprechen vorhersagt“, erklärt Felix Betzler. „Einige starke Merkmale haben sich abgezeichnet, über die sich die Befragten sehr einig waren.“ Neben einem stabilen Umfeld und Unterstützung von Familie oder Freunden fördern bestimmte Persönlichkeitseigenschaften den Therapieerfolg. „Offenheit für neue Erfahrungen, die Fähigkeit, bestimmte Umstände annehmen und akzeptieren zu können, loslassen zu können, aber auch eine sichere Bindungsfähigkeit sind entscheidende Faktoren“, so Erstautorin Grace Viljoen, Nachwuchsforscherin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Vorherige Erfahrungen mit veränderten Bewusstseinszuständen, etwa durch Meditation oder besondere Atemtechniken, sind ebenfalls hilfreich. Der Konsum anderer Substanzen wie Kokain, Amphetamin, Alkohol und auch Cannabis ist dagegen eine negative Einflussgröße.

Auch der Persönlichkeitstyp spielt den Einschätzungen der Therapeut:innen zufolge eine Rolle. Besonders gut auf eine psychedelisch unterstützte Therapie sprechen demzufolge vermeidende, abhängige und zwanghafte Persönlichkeitstypen an. Vorsicht ist bei paranoiden, schizoiden und schizotypen Persönlichkeiten geboten. Narzisstische und antisoziale Persönlichkeitstypen oder emotional-instabile Persönlichkeiten vom Borderlinetyp waren eher schwer einzuordnen. „Mit dem Wissen, für welches Profil von Patientinnen und Patienten die Therapieform prinzipiell geeignet ist und wo sie dagegen eher Schaden anrichtet, können wir besser steuern, wer eine solche Therapie erhalten kann. Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Präzisionspsychiatrie in diesem sehr dynamischen Feld“, betont Felix Betzler.

Das richtige Setting

Die Erhebung macht weiterhin deutlich: Eine psychedelisch begleitete Therapie ist kein einfaches „Wundermittel“. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, ob die therapeutische Erfahrung gut vorbereitet, professionell begleitet und anschließend sorgfältig verarbeitet wird. Patient:innen sollten im Vorfeld Vertrauen zu ihren Therapeut:innen aufbauen können, klare Ziele formulieren und Ängste benennen. Außerdem ist es ratsam, sich ausschließlich an spezialisierten Zentren und im Rahmen klinischer Studien behandeln zu lassen. Nur so ist sichergestellt, dass Therapeut:innen wissenschaftlich fundiert handeln und ebenso entscheiden.

Therapeut:innen, die bewusstseinserweiternde Substanzen nicht in klinisch kontrollierten und regulierten Settings anbieten, schätzten die Erfolgsaussichten in jeder Hinsicht optimistischer ein. „Ob bei Menschen höheren Alters, mit schwereren Erkrankungen, geringem sozialen Halt und auch ungeachtet der Tatsache vorheriger negativer Erfahrungen, die Vorbehalte bei Anwendungen im Untergrund waren deutlich geringer als in legalen Settings, zeigte eine Auswertung der Daten dieser Untergruppe“, so Felix Betzler. „Im besten Fall werden die jetzt erhobenen, entscheidenden Parameter bei der Auswahl künftiger Patient:innen berücksichtigt.“ In der Zukunft könnte dabei ein digitales Tool helfen, das das Studienteam anhand der erhobenen Daten entwickeln will und die Erfolgswahrscheinlichkeit einer psychedelisch begleiteten Therapie im Vorfeld bestimmen kann.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Manuela Zingl
PD Dr. Felix Betzler
Leiter der Arbeitsgruppe Recreational Drugs
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Campus Charité Mitte
Charité – Universitätsmedizin Berlin
T: ‪+49 30 450 517 278‬

Originalpublikation:
*Viljoen G et al. Therapist-rated predictors of response to psychedelic-assisted therapy. Nat. Mental Health 2026 Apr 29. doi: 10.1038/s44220-026-00642-4
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.nature.com/articles/s44220-026-00642-4
https://psychiatrie-psychotherapie.charite.de/
https://prepare-survey-psychedelics.charite.de/
https://episode-study.de/

Ambulant vor Stationär

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In Deutschland gibt es ein großes Potenzial für die Verlagerung von mehr als 50 Prozent der Krankenhaus-Fälle in die ambulante Versorgung, wo die Patienten und Patientinnen deutlich günstiger und effizienter versorgt werden könnten. Das zeigt eine Analyse für den aktuellen Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Das „Ambulantisierungspotenzial“ ist im Bereich der Grundversorgung wie der Inneren Medizin oder der Allgemeinen Chirurgie besonders groß.

Erste Erfahrungen mit den sogenannten Krankenhaus-Leistungsgruppen in Nordrhein-Westfalen deuten laut Report darauf hin, dass die Krankenhausreform gerade in der Grundversorgung kaum für Strukturveränderungen sorgen wird, während im Bereich spezieller Operationen bereits eine deutliche Konzentration stattgefunden hat. Außerdem zeigen die Analysen des Krankenhaus-Reports, dass die im Rahmen der Reform geplante Vorhaltevergütung und das 2020 eingeführte Pflegebudget einer stärkeren Ambulantisierung entgegenwirken. Problematisch sind außerdem die zahlreichen Ausnahmeregelungen, die im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens verankert wurden.

Der Report zeigt, dass in allen 16 Bundesländern mehr als die Hälfte der heute stationär versorgten Fälle potenziell vermieden oder ambulant versorgt werden könnten. In den Bundesländern reicht das Spektrum des „Ambulantisierungspotenzials“ von 53 Prozent bis 58 Prozent. „In keinem Bundesland ist es bislang gelungen, das Ambulantisierungspotenzial in einem strukturell relevanten Ausmaß zu heben“, sagt David Scheller-Kreinsen, WIdO-Geschäftsführer und Mitautor des Krankenhaus-Reports. Für die Analyse hat das WIdO in einer Modellrechnung alle wissenschaftlichen Ansätze zur Vermeidung oder zur Verlagerung von Krankenhausfällen in den ambulanten Bereich gemeinsam betrachtet und jeden im Jahr 2024 abgerechneten Krankenhausfall auf dieser Basis überprüft. Auf Bundesebene wären demnach von den insgesamt 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 etwa 8,6 Millionen Fälle „ambulantisierbar“ oder vermeidbar. Daraus ergibt sich ein Verlagerungs-Potenzial von 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und von 39 Prozent der Klinik-Ausgaben. „Die ambulante Erbringung medizinischer Leistungen führt zu deutlich geringeren Kosten als die stationäre Versorgung, da vor allem der teure Bedarf einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung entfällt“, so David Scheller-Kreinsen. „Die verminderten Kosten sollten in der Umsetzung allerdings auch zu geringeren Erlösen führen, um einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen zu erreichen.“

Die Verminderung von Krankenhausfällen ist vor allem in den fallzahlstarken Leistungsgruppen der Grundversorgung möglich. Dazu gehören zum Beispiel die Leistungsgruppen „Allgemeine Innere Medizin“ und „Allgemeine Chirurgie“, in denen jeweils über 60 Prozent der Fälle als ambulantes Potenzial identifiziert wurden. Die ersten Analysen aus Nordrhein-Westfalen zeigen allerdings, dass in den Leistungsgruppen der Grundversorgung kaum Veränderungen bei der Zahl der an der Versorgung beteiligten Krankenhaus-Standorte zu verzeichnen waren. „Das Thema wird mit der aktuellen Krankenhausreform nicht konsequent angegangen“, betont WIdO-Experte Scheller-Kreinsen. „Die Reform enthält praktisch keine Maßnahmen zur Ambulantisierung, die angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Kosten im Krankenhausbereich aber dringend notwendig wäre.“ Hier müsse die Politik vor allem mit einer Reform der geplanten Vorhaltefinanzierung nachjustieren. Die Kapazitäten und die Vorhaltefinanzierung der Krankenhäuser müssen um die „ambulantisierbaren“ Leistungen bereinigt werden, damit der Status quo nicht zementiert werde. Auch die Regelungen für die sogenannten „sektorenübergreifenden Versorger“ an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung seien zu starr und verhinderten eine bedarfsgerechte Ausgestaltung in den Regionen.

Konzentration von speziellen Operationen auf deutlich weniger Kliniken in NRW

Positive Effekte kann die Umsetzung der Krankenhausreform laut dem Report auf die Bündelung von speziellen Krankenhaus-Eingriffen wie Hüft-Implantationen oder Krebsoperationen haben. Das zeigen die ersten Daten aus Nordrhein-Westfalen, wo die Einführung und Zuweisung sogenannter Leistungsgruppen bereits vorweggenommen worden ist. Die Zuweisung einer Leistungsgruppe setzt voraus, dass die Kliniken spezifische Qualitätskriterien zur personellen Ausstattung sowie zur Struktur- und Prozessqualität erfüllen. Die 60 in NRW eingeführten somatischen Leistungsgruppen sind als „Blaupause“ für die Reform auf Bundesebene verwendet worden. Bei Leistungen der Spezialversorgung wie der Orthopädie, der Gefäßchirurgie oder der Krebschirurgie war laut einer ersten Analyse der Versorgungsgeschehens eine deutliche Reduzierung der operierenden Krankenhaus-Standorte um bis zu 70 Prozent zu verzeichnen. So haben vor der Reform beispielsweise 247 Klinikstandorte Hüftimplantationen durchgeführt, während es nach der Zuweisung der Leistungsgruppen nur noch 137 Standorte sind. Im zweiten Quartal 2025 wurden nur noch 3 Prozent der Fälle an Standorten ohne Zuweisung einer Leistungsgruppe operiert, während es 2023 noch 17 Prozent der Fälle waren.

Erfahrungen aus der Schweiz: Ausnahmeregelungen werden breit genutzt

Der aktuelle Krankenhaus-Report bietet auch eine detaillierte Analyse der Krankenhausplanung in der Schweiz, die ebenfalls auf Leistungsgruppen basiert. Dort sind Anforderungen an die Leistungsgruppen und insbesondere Qualitätsvorgaben seit der schrittweisen Einführung 2012 nicht national vorgegeben worden, sondern ja nach Kanton unterschiedlich umgesetzt worden. Der Kanton Zürich nahm hierbei eine Pionierrolle ein. Die übrigen Kantone waren frei, diese Kriterien für Qualität zu übernehmen, zu adaptieren oder auf deren Einführung zu verzichten. Die Analyse zeigt deutlich, dass mögliche Ausnahmen von Qualitätsvorgaben auch genutzt werden, wenn es keine Pflicht zur verbindlichen Umsetzung gibt. „Daraus kann man für die deutsche Krankenhausreform wichtige Schlüsse ziehen“, erklärt Alexander Geissler, Professor für Gesundheitsökonomie, -Politik und -Management an der Universität St. Gallen. „Bei zu vielen Ausnahmeregelungen besteht die Gefahr, dass der durch den Gesetzgeber eingeleitete Reformprozess konterkariert wird und der leistungs- und qualitätsorientierte Umbau der Krankenhauslandschaft durch einen Flickenteppich von Anforderungen nicht zum Tragen kommt“, so der Experte.

Report beleuchtet Fehlanreize und Zielkonflikte beim Pflegebudget

Der Krankenhaus-Report 2026 beleuchtet darüber hinaus das dynamische Wachstum des Pflegebudgets. Seit dem Jahr 2020 können die Krankenhäuser sämtliche Kosten für Personalzuwachs direkt an die Krankenkassen weitergeben. Dieses neu eingeführte Prinzip der Selbstkostendeckung hat laut einer WIdO-Analyse zu einem starken Anstieg der Pflegekräfte in den Krankenhäusern, aber auch zu einer enormen Steigerung der Kosten von 19,4 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 26,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 geführt. In diesem Jahr liegen die Forderungen der Krankenhäuser aktuell zwölf Prozent über dem für 2025 vereinbarten Wert. Im aktuellen Maßnahmenpaket der Koalition zur Stabilisierung der GKV-Finanzen ist daher vorgesehen, die Zuwächse beim Pflegebudget zu begrenzen. „Diese Maßnahme wird zur kurzfristigen Eindämmung der seit Jahren ständig steigenden Kosten beitragen. Aber sie behebt nicht die systemischen Fehlanreize und Zielkonflikte, die durch das Pflegebudget entstanden sind“, erklärt WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen. So sei seit der Einführung des Pflegebudgets ein verlangsamtes Wachstum des Pflegepersonals in der Langzeitpflege zu verzeichnen. Auch bremse das Pflegebudget die Ambulantisierung und verlagere Tätigkeiten in die Pflege, die keiner pflegerischen Qualifikation bedürfen. „Das Pflegebudget muss auch vor diesem Hintergrund weiterentwickelt werden“, fordert Scheller-Kreinsen. „Wir müssen jetzt die Grundlagen für ein System schaffen, das langfristig Effizienz mit einer Abbildung von Pflegebedarf und perspektivisch Pflegequalität verbindet. Es sollten daher eine verbindliche Dokumentation von Pflegediagnosen und Pflegeleistungen gesetzlich verankert werden, die dann auch als Grundlage für ein neues Vergütungssystem genutzt werden können.“

Krankenhaus-Report 2026 zu verschiedenen Reformaspekten

Der Krankenhaus-Report 2026 widmet sich in insgesamt 20 Kapiteln dem diesjährigen Schwerpunktthema „Reformperspektiven“ in Bezug auf die Krankenhausstrukturen und die Krankenhausfinanzierung. Außerdem geht es um die Reformperspektiven für die Ambulantisierung und die sektorenübergreifende Versorgung. Die Beiträge des 420-seitigen Sammelbandes beantworten aus verschiedenen Blickwinkeln die Frage, ob die aktuelle Krankenhausreform auf dem richtigen Weg ist, um die aktuellen Herausforderungen mangelnder Qualitätsorientierung, einer alternden Gesellschaft und knapper werdender finanzieller sowie personeller Ressourcen zu meistern.

Originalpublikation:
David Scheller-Kreinsen, Jürgen Wasem, Andreas Beivers, Carina Mostert-Brenck (Hg.): Krankenhaus-Report 2026. Reformperspektiven. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-73132-1


Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.wido.de/publikationen-produkte/buchreihen/krankenhaus-report/

Ernährung und Medikamenten und der Darm

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Neben Ernährung und Medikamenten kann auch Übertragung zwischen Menschen eine wichtige Rolle im Mikrobiom spielen

Der menschliche Darm beherbergt ein komplexes Ökosystem aus Billionen Mikroorganismen (Mikrobiom), das Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel beeinflusst. Ein Forschungsteam unter Leitung der Universität Wien zeigt mit dem Analyseansatz "Reverse Ökologie", dass viele bekannte Darmbakterienarten aus mehreren evolutionär differenzierten Gruppen bestehen, die sich an unterschiedliche Bedingungen im Darm angepasst haben. Einige dieser Populationen stehen mit höherem Alter, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Darmkrebs und Typ-2-Diabetes in Zusammenhang. Die Ergebnisse wurden nun in Nature veröffentlicht und können künftig die Suche nach Biomarkern verbessern und langfristig präzisere Therapien ermöglichen.

Mikrobiomstudien ordnen Bakterien meist ganzen Arten oder genetisch ähnlichen Gruppen zu. Diese Kategorien sind praktisch, bilden aber nicht unbedingt jene Populationen ab, die an unterschiedliche Bedingungen im menschlichen Körper angepasst sind. So bleibt oft unklar, welche Bakterien mit Erkrankungen in Zusammenhang stehen, welche lediglich Begleiterscheinungen sind – und welche möglicherweise schützen. Daraus ergibt sich eine zentrale Frage: Lassen sich präzisere biologische Einheiten finden, die durch Anpassung entstanden sind und verschiedene ökologische Nischen im Darm besetzen?

Über die Studie

Das Forschungsteam analysierte tausende bakterielle Isolate aus dem menschlichen Darm sowie umfangreiche Metagenomdaten – also die gesamte Erbinformation mikrobieller Gemeinschaften in der Probe – von Menschen aus unterschiedlichen Ländern sowie verschiedenen Alters- und Gesundheitsgruppen. Mithilfe eines neu entwickelten bioinformatischen Verfahrens im Rahmen der "Reverse Ökologie" – einem Ansatz, der aus Genomdaten auf ökologische Anpassungen schließt – suchten die Forschenden nach genetischen Spuren erfolgreicher Anpassung.

Mehr als eine Art

Besonders interessant waren Hinweise auf sogenannte "genomweite selektive Sweeps" – Prozesse, bei denen ein Individuum eine begünstigende Mutation erhält und dadurch andere, nahverwandte Individuen verdrängt. Dadurch geht einerseits Diversität verloren und andererseits entstehen Populationen von Individuen, die verwandtschaftlich und funktionell sehr homogen sind und sich daher im Datensatz klar voneinander unterscheiden. Die Analyse zeigte, dass sich viele bekannte Darmbakterienarten in mehrere solcher Linien aufgliedern. Diese Populationen unterscheiden sich offenbar darin, unter welchen Bedingungen sie besonders gut gedeihen. "Wenn man nicht nur Arten zählt, sondern evolutionäre Anpassung berücksichtigt, erkennt man die biologisch relevanten Einheiten im Mikrobiom deutlich genauer", sagt Erstautorin Xiaoqian Annie Yu, Centre for Microbiology and Environmental Systems Science (CeMESS), Universität Wien. "Selbst innerhalb derselben Bakterienart kommen manche Populationen bei bestimmten Erkrankungen häufiger vor als andere. Werden alle gemeinsam betrachtet, bleibt das oft verborgen."

Globale Ausbreitung innerhalb weniger Jahrzehnte

Die Forschenden fanden zudem Hinweise darauf, dass sich konkurrenzstarke Populationen über Kontinente hinweg rasch verbreiten können – teils innerhalb weniger Jahrzehnte. Ein solches Muster ist bislang vor allem von Krankheitserregern bekannt.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass auch Darmbakterien dynamischer sind als lange angenommen. Gut angepasste Linien können sich international verbreiten und neue ökologische Nischen besetzen", sagt Studienleiter Martin F. Polz von der Universität Wien.
Das deutet darauf hin, dass nicht nur Ernährung, Medikamente oder Lebensstil das Mikrobiom formen, sondern auch Übertragungsprozesse zwischen Menschen eine wichtige Rolle spielen könnten.

Neue Perspektiven für Medizin und Diagnostik

Die Studie eröffnet neue Möglichkeiten für die Mikrobiomforschung. Statt ganze Bakterienarten mit Erkrankungen zu verknüpfen, könnten künftig gezielt jene Populationen erfasst werden, die tatsächlich von Bedeutung sind. Das könnte die Suche nach Biomarkern verbessern und langfristig präzisere Therapien ermöglichen – etwa durch die gezielte Förderung nützlicher oder die Verdrängung problematischer Bakterienlinien. Als nächsten Schritt will das Team untersuchen, welche Gene die identifizierten Populationen voneinander unterscheiden und welche biologischen Funktionen damit verbunden sind.

Zusammenfassung

• Viele Darmbakterienarten bestehen aus mehreren evolutionär eigenständigen Populationen.
• Einige dieser Populationen sind mit Alter, Darmkrebs, entzündlichen Darmerkrankungen und Typ-2-Diabetes assoziiert.
• Erfolgreiche Linien können sich weltweit innerhalb weniger Jahrzehnte verbreiten.
• Der Ansatz könnte präzisere Diagnostik und gezieltere Mikrobiomtherapien ermöglichen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Theresa Bittermann
Univ.-Prof. Dr. Martin Polz
Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung
Universität Wien
1030 Wien, Djerassiplatz 1
T +43-1-4277-91207
martin.f.polz@univie.ac.at

Originalpublikation:
Xiaoqian et al (2026): Genome-wide sweeps create ecological units in the human gut microbiome. In Nature.
DOI: 10.1038/s41586-026-10476-w
https://www.nature.com/articles/s41586-026-10476-w

Long-Covid bei Kindern

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Internationales Forschungsteam identifiziert biologische Untergruppen und liefert Hinweise für gezieltere Therapien.

Die meisten Kinder und Jugendlichen erholen sich schnell von einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch etwa 1 bis 3 Prozent entwickeln pädiatrisches Long COVID – Beschwerden, die Wochen oder Monate nach der eigentlichen Infektion anhalten. Eine neue Studie, die im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt nun: Long COVID bei jungen Menschen ist keine einheitliche Erkrankung. Das internationale Forschungsteam, unter Beteiligung der Universitätsmedizin Magdeburg, konnte verschiedene biologische Untergruppen identifizieren, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Einheitliche Behandlungen für alle Betroffenen könnten daher zu kurz greifen.

Langzeitbeobachtung liefert neue Einblicke

Für die Untersuchung begleiteten die Forschenden 74 Kinder und Jugendliche mit Long COVID sowie 27 gesunde Vergleichspersonen über einen Zeitraum von bis zu 3,2 Jahren. Neben der Erfassung der Beschwerden wurden unter anderem Herz- und Lungenfunktionen, Blutwerte, Stoffwechselprozesse und Immunreaktionen untersucht. Nach aktuellem Kenntnisstand gehört die Studie zu den umfangreichsten europäischen Untersuchungen, die Kinder und Jugendliche mit Long COVID über mehrere Jahre hinweg so detailliert begleitet hat.

Das Ergebnis: Nur etwa 1 bis 3 Prozent der pädiatrischen SARS-CoV-2-Fälle entwickeln Long COVID, doch die Belastung kann erheblich sein: Das Krankheitsbild umfasst mehr als 200 mögliche Symptome. Von den Kindern, die Long COVID entwickelten, berichteten rund 20 Prozent über Beschwerden, die länger als ein Jahr anhalten. Die Mehrzahl erholte sich innerhalb des ersten Jahres. Gleichzeitig fanden sich keine eindeutigen Hinweise auf schwere Schäden an Herz oder Lunge. Auch typische Autoimmunreaktionen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, traten nicht gehäuft auf.

Unterschiedliche biologische Muster im Körper

„Unsere Analyse zeigte, dass pädiatrisches Long COVID kein einheitliches Krankheitsbild ist. Stattdessen fanden sich verschiedene biologische Subgruppen und zeitliche Verläufe. Diese unterscheiden sich unter anderem in der Aktivität des Immunsystems und im Stoffwechsel“, erklärt Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Epstein-Barr-Virus (EBV), das viele Menschen im Laufe ihres Lebens durchmachen. Kinder und Jugendliche mit früherem EBV-Kontakt zeigten häufiger anhaltende Entzündungsreaktionen. Teile der Immunabwehr, die normalerweise nach einer Infektion wieder abklingen, blieben bei ihnen länger aktiv.

Bei Kindern ohne diesen Kontakt fanden die Forschenden andere Zusammenhänge: Bestimmte Blutwerte, Vitamin B1 sowie Immunbotenstoffe standen mit der körperlichen Belastbarkeit in Verbindung. So waren höhere Werte einzelner Immunstoffe oder bestimmter Blutzellen mit geringeren Einschränkungen im Alltag verbunden.

Zusätzlich wurde eine Untergruppe mit spezifischen Antikörpern identifiziert, die mit weniger Auffälligkeiten bei der Blutgerinnung einherging.

Brunner-Weinzierl betont: „Kinder sind immunologisch keine kleinen Erwachsenen. Ihr Immunsystem ist stärker darauf ausgerichtet, Infektionen zu kontrollieren und gleichzeitig Gewebe zu schützen und Reparaturprozesse zu ermöglichen. Genau deshalb bietet pädiatrisches Long COVID eine besondere Möglichkeit: An Kindern lässt sich vergleichsweise klar untersuchen, welche Reaktionen des Immunsystems nach einer Infektion zur Erkrankung beitragen – und welche möglicherweise zur Heilung.“

Ansatzpunkte für zukünftige Behandlungen

Die Studie macht deutlich, dass es bei der Behandlung von Long COVID bei Kindern nicht ausreicht, pauschal alle Immunreaktionen zu unterdrücken – etwa mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen. Denn einige der beobachteten Immunmuster könnten schützende Aufgaben erfüllen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Immunsystem von Kindern sehr unterschiedlich auf Long COVID reagiert. Einige dieser Reaktionen könnten dem Körper helfen, sich zu stabilisieren und zu erholen“, sagt die Immunologin. „Deshalb ist es wichtig, künftig genauer zu unterscheiden, welche Prozesse behandelt werden sollten und welche eher unterstützt werden könnten.“
Für die medizinische Praxis bedeutet das: Einheitliche Behandlungsansätze könnten zu kurz greifen. Stattdessen könnten individuell angepasste Therapien sinnvoll sein. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass ein pauschales Unterdrücken des Immunsystems Risiken bergen kann, wenn dabei möglicherweise hilfreiche Prozesse beeinträchtigt werden.
Weitere Forschung ist notwendig, um die identifizierten biologischen Muster zu bestätigen und gezielte Behandlungen zu entwickeln. Auch die Frage, ob bestimmte Blut- oder Stoffwechselwerte künftig als Hinweiszeichen für den Krankheitsverlauf genutzt werden können, ist noch offen. Solche sogenannten Biomarker könnten helfen, betroffene Kinder schneller und gezielter zu behandeln.

Projektpartner
• Experimentelle Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg/Universitätsklinikum Magdeburg
• Universitätsklinikum Jena
• Technische Universität Berlin
• Universität Basel/Universitätsspital Basel

Die Arbeit wurde unter durch das Bundesforschungsministerium sowie durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert.

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Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Telefon: +49-391-67-24003, monika.brunner-weinzierl@med.ovgu.de



Originalpublikation:
Vilser D., Han I., Vogel K., Jakobs P. et al.; Immune-metabolic trajectories delineate subgroups in paediatric long COVID; Nature Communications 17, 4023, 2026; DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-026-72224-y

Menschen auf der Flucht

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117,3 Millionen Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks weltweit auf der Flucht. Diese Menschen müssen zumindest vorübergehend eine neue Heimat finden. Wie gute Wohnraumlösungen aussehen könnten, ist Thema der internationalen Forschungsgruppe „Deconstructing ‚Displacement‘, Reconstructing Housing“ („Vertreibung“ analysieren, Wohnen neu denken), die im Mai und Juni am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld arbeiten wird.

„Forscher*innen wie Mary Bunn berichten, wie Vertreibung, sei es aus politischen, ökologischen oder wirtschaftlichen Gründen, zu einer sich verschärfenden globalen Krise wird. Forschungsergebnisse zeigen, dass Vertriebene großen Belastungen ausgesetzt sind, durch Bedrohungen, Unsicherheit, Diskriminierung, den Verlust der Lebensgrundlage und der Identität. Wer die Heimat verliert, muss sich eine neue schaffen. Wohnen und Schutz spielen dabei eine zentrale Rolle“, berichtet die Organisationstheoretikerin Professorin Dr. Zelinna Pablo von der Torrens University in Sydney, Australien. Sie leitet die Forschungsgruppe zusammen mit Professorin Dr. Kerry London (Sydney), Expertin für Architektur und Stadtentwicklung und dem Rechtswissenschaftler Professor Dr. Rodelio Manacsa (Sewanee, Tennessee, USA).

Häufig werde die Frage der Unterbringung vertriebener Menschen jedoch nicht systematisch unter Einbeziehung aller relevanten Aspekte angegangen, die Lösungen seien entsprechend mangelhaft. Um die wichtigen Perspektiven zusammenzubringen, haben die Leiter*innen der Gruppe Forschende aus verschiedenen Disziplinen und aus fünf Ländern mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Unterbringung von Geflüchteten und Vertriebenen ans ZiF eingeladen.

Im Mittelpunkt der Kooperation stehen Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen von Management, Architektur und Public Health, nach dem optimalen Umgang mit begrenzten Ressourcen, der Übertragbarkeit nationaler Lösungen auf andere Länder und auch nach der Messbarkeit von Fortschritten. Die Forschenden möchten nicht nur neue Perspektiven für die Wissenschaft anstoßen, sondern auch praktikable Wege für Politik, Praxis und globale Zusammenarbeit aufzeigen Ansprechpartner:

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Jörg Heeren

Sabine Mende, Universität Bielefeld
Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF)
Telefon: +49 521 106-2769
E-Mail: zif-conferencesupport@uni-bielefeld.de
Weitere Informationen finden Sie unter
Mehr Informationen zum Programm der Forschungsgruppe

Hebammen und Geburtshilfen

Hebammen sichern ganz buchstäblich die Zukunft unseres Landes. 

Sie begleiten werdende Mütter und ihre Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt sowie im Wochenbett und leisten damit einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Versorgung von Familien. Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass die Zahl der Hebammen in den vergangenen Jahren in Brandenburg kontinuierlich gestiegen ist. Mit der fast abgeschlossenen Umstellung auf eine rein akademische Hebammenausbildung, mit dem Runden Tisch Hebammenhilfe und mit der Hebammenförderrichtlinie verfügt die Landesregierung aktuell über wirksame Instrumente, um auch weiterhin eine verlässliche und flächendeckende Versorgung mit Leistungen der Hebammenhilfe in allen Regionen Brandenburgs zu ermöglichen.“ 

In diesem Frühjahr haben im Land Brandenburg insgesamt 19 Absolventinnen in der fachschulischen und akademischen Hebammenausbildung erfolgreich ihre Abschluss-prüfungen absolviert. Mehr als die Hälfte der Absolventinnen wird nach ihrer Ausbildung in Brandenburg tätig sein beziehungsweise ist dies bereits – in Brandenburger Geburtskliniken, in Frauenarztpraxen oder in der freiberuflichen Niederlassung, unter anderem in Frankfurt (Oder), Cottbus, Herzberg, Potsdam und im Landkreis Spree-Neiße.


Hintergrund:

 

Seit 2023 werden Hebammen in Deutschland auf der Grundlage des Hebammengesetzes ausschließlich akademisch qualifiziert. Die Übergangsphase, in der parallel noch sowohl fachschulisch als auch akademisch ausgebildet wird, läuft in diesem Jahr in Brandenburg aus.

 

In Brandenburg bieten zwei Hochschulen duale Hebammenstudiengänge mit einer Dauer von jeweils sieben Semestern an. Im Wintersemester 2021/2022 startete der Studiengang Hebammenwissenschaften (B.Sc.) an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Campus in Senftenberg.  Seit dem Wintersemester 2023/2024 wird zudem an der privaten Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde (HGE) der Bachelor-Studiengang Hebamme (B.Sc.) angeboten. Die ersten Absolventinnen werden hier im Jahr 2027 ihre Abschlüsse machen.

 

2025 hatten an der BTU die ersten 13 Absolventinnen erfolgreich ihre Prüfungen abgeschlossen, in diesem Jahr waren es 14. Darüber hinaus schlossen fünf Hebammen ihre fachschulische Ausbildung an der Hebammenschule in Eberswalde ab. Dies waren – bis auf eine noch ausstehende Abschlussprüfung in diesem Herbst – die letzten fachschulischen Hebammenprüfungen in Brandenburg. Zwischen 2010 und 2026 haben damit insgesamt 183 Hebammenschülerinnen in Brandenburg ihre Ausbildung zur Hebamme an den beiden Hebammenschulen in Cottbus und Eberswalde erfolgreich abgeschlossen. Damit geht die sehr erfolgreiche und qualitativ hochwertige fachschulische Hebammenausbildung in Brandenburg zu Ende.

 

Insgesamt sind in Brandenburg derzeit rund 580 Hebammen beruflich aktiv; rund ein Viertel davon ist sowohl angestellt als auch freiberuflich tätig. Zuletzt waren laut statistischem Landesamt 2024 insgesamt 273 Hebammen in Brandenburger Geburtskliniken angestellt. Seit 2010 hat sich diese Zahl damit mehr als verdoppelt. In Brandenburg gibt es aktuell 20 Krankenhausstandorte mit einer aktiven Geburtshilfe.


Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes

Seit dem 1. Mai 2026 ist Thomas Kempf Regionaldirektor Nord bei Vivantes.

Das teilte der landeseigene Berliner Krankenhauskonzern mit. Kempf führt als Geschäftsführender Direktor das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Der 51-Jährige folgt auf Detlev Corsepius. Corsepius hatte beide Häuser sowie die Region Nord interimsweise geleitet.
Kempf war bereits von 2002 bis 2014 für Vivantes tätig. Er arbeitete zunächst im Controlling und leitete zuletzt das Investitions- und Beteiligungscontrolling im Bereich Strategisches Finanzmanagement. „Ich freue mich sehr, nach 12 Jahren wieder zu Vivantes zurückzukehren und zur weiteren Entwicklung der Region Nord und damit des Gesamt-Unternehmens beizutragen“, sagte Kempf. „Hierbei setze ich auf eine offene, wertschätzende und konstruktive Kommunikation aller Berufsgruppen und eine klare Identifikation mit dem Unternehmen.“

Stationen im Krankenhausmanagement
Kempf ist Diplom-Kaufmann. Zuletzt arbeitete er seit Februar 2025 als Verwaltungsleiter und Prokurist am Evangelischen Herzzentrum Coswig. Parallel hatte er diese Funktion seit 2014 am Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift in Lutherstadt Wittenberg inne. Dort verantwortete er unter anderem Controlling, Erlösmanagement, Medizintechnik und Infrastruktur.

Seine berufliche Laufbahn begann Kempf in der Pflege. Er absolvierte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und studierte Krankenpflegemanagement. Danach arbeitete er in der klinischen Versorgung und als Dozent, bevor er ins kaufmännische Management wechselte.

Zur Region Nord von Vivantes zählen das Humboldt-Klinikum in Reinickendorf und das Klinikum Spandau. Beide Häuser gehören zu den großen Krankenhäusern der Hauptstadt und decken ein breites medizinisches Spektrum ab.

Hilfe für Familien in Not

Über die Stiftung „Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg“

Die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ wurde im Jahr 1992 auf Initiative der damaligen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt gegründet. Das Grundstockvermögen beläuft sich auf 4,6 Millionen Euro. Ziel der Stiftung ist es, eine kurzfristig entstandene finanzielle Schieflage von Familien zu überbrücken, um zum Beispiel Energieabschaltungen oder Wohnungslosigkeit zu verhindern, aber auch Kinderbekleidung zu kaufen, therapeutische Maßnahmen zu ermöglichen oder eine Ausbildung zu unterstützen. Wichtige Partner sind unter anderen die Schwangeren- und Familienberatungsstellen, über die bedürftige Familien ihre Anträge stellen.

 

Der Stiftungsrat besteht aus neun stimmberechtigten Mitgliedern. Der Vorsitzende des Stiftungsrates wird von der für Soziales und Familie zuständigen Ministerin für fünf Jahre berufen. Dem Stiftungsrat obliegt die Aufsicht und Kontrolle über die ordnungsgemäße Verwaltung der Stiftung. Der Stiftungsrat beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten der Stiftung, unter anderen die Anlage des Stiftungsvermögens, die Genehmigung des jährlichen Wirtschaftsplanes und Satzungsänderungen.

 

Kontakt:

Stiftung "Hilfe für Familien in Not - Stiftung des Landes Brandenburg"                   

Anja-Christin Faber                                  

Breite Str. 7A | 14467 Potsdam                                                

Tel.: 0331 / ‪887 248 21‬

Mobil: 0160 / ‪7663901‬                                        

E-Mail: a.faber@familien-in-not.de


Klinisch relevanter Schulangst

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Drei bis sieben Prozent der Kinder in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an klinisch relevanter Schulangst. Tendenz steigend. Schulangst und Schulvermeidung können die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gravierend und langfristig beeinträchtigen. Gefragt sind daher frühe und niedrigschwellige Präventionsmaßnahmen. Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT leitet das im März 2025 gestartete BMFTR-Verbundprojekt »angstVRei«, in dem ein Virtual-Reality-Spiel zur Behandlung von Schulangst entwickelt und erprobt wird.

Im Rahmen der BMFTR-Initiative »Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)« entwickelt ein Forschungsteam im Verbundprojekt »angstVRei« ein interaktives psychotherapeutisches Spiel, das eine Expositionstherapie für Kinder mit Schulangst in einer Virtual-Reality-Umgebung kindgerecht umsetzt.

Das Virtual-Reality-Spiel (VR-Spiel) ermöglicht es den Kindern in Zusammenarbeit mit ihren Therapeutinnen und Therapeuten, angstbesetzte Schulsituationen virtuell zu erleben, verschiedene Verhaltensweisen auszuprobieren und so optimale Handlungsoptionen zu erlernen. Ein Biofeedback-System misst kontinuierlich den Stresslevel, um die Exposition anzupassen und die Therapieeffektivität zu evaluieren. Ein digitaler Avatar unterstützt die Kinder, indem er positives Feedback gibt und Mut macht.

Die Wirksamkeit der VR-Schulangsttherapie wird in einer Machbarkeitsstudie überprüft. Entwicklungsbegleitend werden zudem Akzeptanzfaktoren für diese neue Therapieform bei Schulangst untersucht.

Aufgabe des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist es, mithilfe KI-gestützter Methoden ein Stressmodell zu entwickeln und zu validieren. Das Modell bestimmt den während der Exposition erlebten Stress des Kindes anhand physiologischer Parameter wie Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Stimme sowie anhand des Spielverhaltens. Korrelieren diese Messwerte mit dem subjektiven Stressempfinden, lassen sich daraus auch Aussagen zur Wirksamkeit der individuellen VR-Therapie ableiten. Das Stressmodell wird in eine spezielle Anwendung für Therapeutinnen und Therapeuten integriert, die Patientinnen und Patienten verwaltet, erhobene Daten managt und mit dem VR-Spiel kommuniziert.

Im ersten Projektjahr wurde auf Basis klinischer Konzepte zur Expositionstherapie bei Schulangst eine VR-basierte Intervention spezifiziert und in ein VR-Spielkonzept überführt, das derzeit umgesetzt wird. Zusätzlich wurden in einer Studie während klassischer Expositionssitzungen mit Kindern, die unter Schulangst leiden, psychophysiologische Daten erhoben, die in die Entwicklung des Stressmodells einfließen.

Übertragung auf andere Angststörungen möglich

Im Fall einer erfolgreichen Pilotstudie mit dem VR-Therapiespiel sollen die gewonnenen Erkenntnisse zunächst in eine spezielle Version des »angstVRei«-Spiels zur Prävention von Schulangst einfließen, die in den App-Stores angeboten werden kann. Parallel dazu soll eine Vollversion als CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt für die therapeutische Anwendung vorbereitet werden. Auch lässt sich das Konzept des VR-Therapiespiels im Erfolgsfall leicht auf andere Angststörungen von Kindern und Jugendlichen übertragen.

Infokasten - Projektinformation

Verbundkoordinator
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Sulzbach

Partner
Universität des Saarlandes - Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Pfeffermind Consulting GmbH, Berlin
Artificial Rome GmbH, Berlin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Volumen
1,93 Mio. € (davon 82% Förderanteil durch BMFTR)

Laufzeit
03/‪2025 - 02‬/2028

Bekanntmachung
Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter (GamKi)

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Verbundkoordinator
Dipl.-Inform. Stephan Kiefer
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Tel. +49 6897 9071-406
stephan.kiefer@ibmt.fraunhofer.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.interaktive-technologien.de/projekte/angstvrei

Urlaubsvergütung

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Viele Beschäftigte planen derzeit ihren Urlaub und greifen dabei auf die zusätzliche Urlaubsvergütung zurück, die sie von ihrem Arbeitgeber erhalten. Wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere freiwillige Zusatzleistungen („Fringe Benefits“) in der Metall- und Elektroindustrie aktuell sind, untersucht das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. aktuell im Rahmen einer neuen Befragung zu Anreiz- und Vergütungssystemen. Laut Erhebung aus dem Jahr 2023 waren es rund 72 % der Unternehmen, die ihren Beschäftigten Urlaubsgeld zahlen.

Die zusätzliche Urlaubsvergütung ist ein zentraler Bestandteil vieler Vergütungssysteme und zugleich ein wichtiges Instrument für die Gewinnung und Bindung von Fach- und Führungskräften.

Sabbatical oder Workation: Auszeiten vom Job

Neben der finanziellen Komponente gewinnen Formen der Auszeit an Bedeutung. Bereits 2023 gaben Unternehmen an, ergänzend zum gesetzlichen Urlaub zusätzliche Modelle wie Sabbaticals (längere Phasen unbezahlter Freistellung) oder Workation (das Arbeiten vom Urlaubsort aus) anzubieten.

Ein Sabbatical, also ein befristeter, in der Regel unbezahlter, Sonderurlaub, wird laut der ifaa-Studie in 43 % der Unternehmen allen oder Teilen der Beschäftigten angeboten. 25 % der befragten Unternehmen ermöglichen diesen Benefit der gesamten Belegschaft. Workation als freiwillige Zusatzleistung spielt bislang noch eine untergeordnete Rolle: Während 4 % der befragten Unternehmen allen Mitarbeitenden diese Möglichkeit eröffnen, gestatten weitere 10 % dies zumindest bestimmten Beschäftigtengruppen.

Mit der aktuellen Befragung, die unter dem Link https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2026 zu finden ist, aktualisiert das ifaa seine Datenlage und analysiert, wie verbreitet Urlaubsgeld und weitere Zusatzleistungen in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie derzeit sind. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Die Ergebnisse der letzten ifaa-Studie zu Anreiz- und Vergütungssystemen finden Sie hier: https://www.arbeitswissenschaft.net/verguetungsstudie-2023

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Christine Molketin unter c.molketin@ifaa-mail. Gerne vermitteln wir Interviews mit den verschiedenen Experten zu diesem Thema.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Andreas Heßler 

a.hessler@ifaa-mail.de