Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Techniker Krankenkasse (TK) schließen einen Qualitätsvertrag, um die Behandlung der betroffenen Patientinnen und Patienten zu verbessern. Zuvor hatte eine Studie der MHH und des Universitätsklinikums Würzburg die Versorgungslücke und ihre negativen Folgen aufgezeigt und den Handlungsbedarf deutlich gemacht. Viele Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern sind mangelernährt. Dadurch haben sie ein erhöhtes Risiko, schlechter zu genesen und früher zu versterben. Trotzdem wird Mangelernährung in Kliniken nur selten diagnostiziert und noch seltener behandelt. „Mangelernährung ist in deutschen Krankenhäusern ein unterschätztes Problem“, erklärt die Ernährungsmedizinerin Privatdozentin (PD) Dr. Katharina Hupa-Breier von der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Um die Versorgungssituation der betroffenen Patientinnen und Patienten zu optimieren, hat die Klinik einen sogenannten Qualitätsvertrag mit der Techniker Krankenkasse (TK) geschlossen. Die Vereinbarung umfasst unter anderem ein systematisches Ernährungsscreening. „Der Vertrag ist ein deutlicher Schritt nach vorn. Denn er ermöglicht uns, von Mangelernährung Betroffene frühzeitig zu erkennen und sie entsprechend zu therapieren. Die Ernährungsmedizin bekommt dadurch einen höheren Stellenwert bei der Patientenbehandlung“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Heiner Wedemeyer. |
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Die Wechseljahre
Rund 9 Millionen Frauen in Deutschland befinden sich derzeit in den Wechseljahren. Jede dritte Frau berichtet von Beeinträchtigungen im Berufsalltag. Etwa 10 Prozent der befragten Frauen ziehen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden einen früheren Renteneintritt in Betracht, bei Frauen über 55 Jahren sind es sogar 19,4 Prozent.* Dennoch wird das Thema im Arbeitskontext bislang selten offen angesprochen. Der neue Faktencheck „Wechseljahre im Job“ des ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. bündelt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt praxisnahe Handlungsmöglichkeiten für Beschäftigte und Unternehmen auf. https://www.arbeitswissenschaft.net/zdf-wechseljahre-im-job
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Kalte Dusche
Wie bringt man Menschen dazu, sich umweltverträglicher zu verhalten? Vor dem Hintergrund dieser Frage liess eine Basler Psychologin die Teilnehmenden einer Studie kalt duschen. Wer sich regelmässig überwinden konnte, profitierte mehrfach.
Lena Glaser lena.glaser@unibas.ch |
Glukose
Beim GLUT1-Defekt gelangt zu wenig Glukose ins Gehirn. Ein Forschungsteam der Uni Münster verfolgt deshalb einen neuen Ansatz: Durch die Gabe des Zuckers L-Fucose soll der Mangel dieses wichtigen Bausteins ausgeglichen werden. Eine Studie im „Journal of Neurology“ beschreibt Entwicklungsfortschritte und biochemische Veränderungen bei einem Jungen, der weltweit erstmals mit Fucose behandelt wurde. Die seltene, angeborene GLUT1-Erkrankung ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der nicht genügend Glukose ins Gehirn gelangt. Fehlt dieser wichtige Energielieferant, kann dies zu schweren Folgen wie epileptischen Anfällen, Bewegungsstörungen und einer Entwicklungsstörung führen. Eine ketogene Ernährung, die sehr kohlenhydratarm und extrem fettreich ist, kann die fehlende Energieversorgung teilweise ausgleichen, indem sie dem Gehirn alternative Energieträger zur Verfügung stellt. Doch bei vielen Betroffenen bleiben Beschwerden bestehen. Ein Forschungsteam der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster hat deshalb mit Partnern aus den USA einen neuen Behandlungsansatz verfolgt. Sie stellten fest, dass ein Fucose-Mangel ein bisher unerkanntes Problem der Stoffwechselerkrankung ist und eine orale L-Fucose-Therapie ein vielversprechender zusätzlicher Behandlungsansatz sein könnte. Fucose ist ein wichtiger Zuckerbaustein für Proteine und Lipide und spielt unter anderem im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Nervenbahnen und der Synapsenbildung – und somit auch für Lern- und Gedächtnisprozesse. Eine im Fachjournal „Journal of Neurology“ veröffentlichte Studie beschreibt die Entwicklungsfortschritte und biochemischen Veränderungen eines jungen Patienten während der Behandlung – der erste je behandelte Patient weltweit. |
Herzinsuffizienz
Zusammenspiel von Herzmuskel
Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Herzmuskel- und sympathischen Nervenzellen bei einer erblichen Herzrhythmuserkrankung gewonnen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Herzklopfen bei Aufregung, ein schneller Puls beim Sport oder ein pochendes Herz in Stresssituationen: Der Herzschlag passt sich ständig an unsere Umgebung und Situation an. Damit das Herz regelmäßig schlägt, müssen elektrische Signale im Herzmuskel präzise aufeinander abgestimmt sein. Bei manchen Menschen ist dieser Ablauf aufgrund einer genetischen Veränderung gestört: Der Herzmuskel braucht nach jedem Herzschlag länger, um sich elektrisch wieder zu stabilisieren. In Stresssituationen können dadurch gefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden. Eine solche Erkrankung ist das sogenannte Long-QT-Syndrom Typ 2 (LQT2). |
Behinderungen
Die Belastung durch ein Kind mit Behinderung wirkt sich auf die ganze Familie aus. Staatliche Unterstützung kann jedoch die negativen Folgen abmildern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Janet Currie (Yale), die jetzt von der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) veröffentlicht wurde. Zweitgeborene Kinder, deren jüngeres Geschwisterkind eine Behinderung hat, suchen im Alter zwischen 9 und 20 Jahren mit einer um 13 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit selbst psychologische Unterstützung. „Da Behinderungen in Familien mit niedrigerem sozioökonomischem Status häufiger vorkommen, könnte eine Behinderung ein unterschätzter Faktor sein, der sozioökonomische Benachteiligungen über Generationen hinweg verstärkt“, sagt Ko-Autorin Janet Currie, Research Fellow bei RFBerlin und Professorin an der Yale University. |
Brustkrebs
Die digitale Brust-Tomosynthese könnte etwa ein Viertel der invasiven Brustkrebsfälle verhindern, die zwischen zwei regulären Screening-Untersuchungen entdeckt werden. Im ersten Jahr nach einem unauffälligen Screening lag die Rate dieser sogenannten Intervallkarzinome um 29 Prozent niedriger als bei der herkömmlichen Mammografie. Das zeigt die bislang weltweit größte Vergleichsstudie TOSYMA. Ein Forschungsteam der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster (UKM) hat die Ergebnisse mit weiteren Partnern in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ veröffentlicht. Mit rund 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs in Deutschland die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Durch den Einsatz der digitalen Brust-Tomosynthese im Screening-Programm für Brustkrebs könnten möglicherweise etwa ein Viertel der sogenannten invasiven Intervallkarzinome vermieden werden, die innerhalb von zwei Jahren nach einer herkömmlichen digitalen Mammografie auftreten. Im ersten Jahr nach einem unauffälligen Screening lag die Rate dieser Brustkrebsdiagnosen in der Tomosynthese-Gruppe um 29 Prozent niedriger als in der Mammografie-Gruppe. Dies geht aus den Ergebnissen der „TOSYMA“-Studie hervor, der bislang weltweit größten Vergleichsstudie der beiden Diagnoseverfahren. ProProf. Dr. Walter Heindel |
Das Gesundheitsklima
„Die Energiewende zu vollziehen, kostet einen Haufen Geld. Sie nicht zu vollziehen, kostet die Zukunft.“ Das sagte Bestsellerautor Frank Schätzing („Der Schwarm“) am Mittwoch als Gast einer Sitzung des Parlamentarischen Beirats für Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen zum Thema „Schnelles Handeln in der Klimakrise - verschiedene Szenarien unserer Zukunft“. Das größte Kapital, damit die Energiewende gelinge, sei nicht Geld, sagte er. Es sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Gestaltungsmacht der Politik. Deren Aufgabe sei es nicht, Ängste zu verwalten, sondern „Ängsten positive Erzählungen entgegenzusetzen“.
Einige solcher positiven Erzählungen präsentierte Schätzing den Abgeordneten. „Green-Tech und Innovationen werden Deutschland zurück an die Spitze bringen“, lautete eine davon. Warum das so sei, erläuterte er auch: Die Nachfrage nach sauberen Technologien, erneuerbarer E-Mobilität, Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft boome weltweit. „Unternehmen und Länder, die hier Pionierarbeit leisten, besetzen die Kernmärkte der Zukunft“, sagte er. Eine weitere positive Erzählung, die sich Schätzing von der Politik erhofft, lautet: Unabhängigkeit und Widerstandskraft werden Deutschland und Europa stark machen. Investitionen in den Klimaschutz seien betriebswirtschaftlich günstiger als die sozialen Schäden durch Unwetterereignisse, Ernteausfälle oder unterbrochene Lieferketten. Außerdem schütze die Abkehr von Kohle, Öl und Gas vor geopolitischen Preisschocks und Versorgungsengpässen, lautet seine Erklärung.
Schätzing empfahl den Abgeordneten auch gleich einen Masterplan, den diese vor dem EU-Parlament darlegen sollten. Schluss mit fossiler Verbrennung - alle Kraft in die Vollversorgung durch Erneuerbare, und zwar bis 2030, lautete sein erster Punkt. Außerdem brauche es „echte“ Innovationsschübe und Effizienzsteigerungen bei Wind, Solar, intelligenten Netzen, Zwischenspeichern, Batterien, autonomer Mobilität und künstlicher Intelligenz. Was es nicht brauche, so Schätzing, sei die „Nachbeatmung von Auslauftechnologien unter dem Deckmäntelchen der Technologieoffenheit“.
Als weitere Teile des Masterplans benannte er einen Bildungsturbo, die gezielte Einwanderung von Talenten aus dem Ausland mit einem „Fast-Track-Visum“, Kooperationen mit sonnenreichen Ländern zur Erzeugung grünen Wasserstoffs sowie Schuldenschnitte und „Green-Support“ für Länder des globalen Südens, damit diese „klimagerecht prosperieren können“. In Afrika, im globalen Süden, entscheide sich die Geopolitik von morgen, sagte der Autor.
Er erläuterte auch, warum es eigentlich das 1,5-Grad-Ziel gibt. „Unterhalb von 2 Grad haben wir gute Chancen die Ökosysteme, von denen unser Überleben abhängt, einigermaßen im Gleichgewicht zu halten, damit sie keine Kipppunkte überschreiten.“ Werde ein Kipppunkt überschritten, bewege sich ein System „unweigerlich in eine neue Richtung“. Schätzing illustrierte das mit dem grönländischen Eispanzer, den man sich wie einen Stapel Konservendosen vorstellen könne. Aus diesem könne man viele Dosen herausziehen, ohne dass er instabil werde. Greife man aber eine Dose zu viel, „kracht er in sich zusammen“. Diese Dose sei der Kipppunkt. Erwärme sich die Erde um mehr als zwei Grad, so Schätzing, drohten viele solcher Kipppunkte innerhalb kürzester Zeit überschritten zu werden. Dann komme es zu Kaskadeneffekten und damit zu einer noch stärkeren Erderwärmung, gegen die dann nichts mehr getan werden könne.
Das Geld für die Energiewende müsse „aus allen Quellen kommen“, forderte Schätzing. Für ihn ist die Rechnung ganz einfach: „Gelingt die Energiewende, wird sie sich in neuen Branchen, Arbeitsplätzen und Wachstum verzinsen, aus dem sich die aufgenommenen Schulden tilgen und Gewinne erzielen lassen.“ Misslinge sie, „weil unterfinanziert“, bleibe Deutschland im Hintertreffen, „in das es sich durch jahrelange Verwaltung des Stillstands hineinbugsiert hat“. Misslinge sie gar weltweit, werde Geld überhaupt nicht mehr in Wertschöpfung fließen, „sondern nur noch in Klimaanpassung verdampfen“.
Stichwort Klimaanpassung: Der Schriftsteller machte deutlich, dass dies keine Alternative zum Klimaschutz sei. „Klimaanpassung ist das, was es braucht, um die Folgen des menschengemachten Klimawandels, der Erderwärmung, erträglich zu gestalten.“ Die Menschheit könne nur innerhalb gewisser Rahmenbedingungen überleben. „Wir wären nicht die erste Spezies, die ausstirbt, weil es zu warm oder zu kalt wird“, sagte Schätzing. Setze man also nicht alles daran, die Erderwärmung zu stoppen, „ist irgendwann die Grenze jeder Anpassung überschritten“.
Auch was die politischen Umgangsformen angeht, äußerte Schätzing klare Vorstellungen. „Hören Sie bitte auf, sich öffentlich zu prügeln wie die Schulhofjungen“, sagte er. Auch das Einanderbeleidigen müsse aufhören. „Es ist am Ende immer eine Beleidigung des Wählers.“ Streiten um den richtigen Weg? Ja! Sich zerstreiten? Nein! „Zerstrittenen Anführern folgt niemand“, sagte Schätzing. Stattdessen gelte es, an einem Strang zu ziehen, über die Schatten des Machtwillens und der Parteiprogramme zu springen. „Verstehen Sie“, so Schätzing, „dass die Situation nicht so ist, wie sie ist, weil Extremisten stark sind.“ Sie sei so, „weil die Repräsentanten der Mitte schwach sind und sich gegenseitig weiter schwächen“.
Patientendaten
Gesundheitsfachleute fordern praxistaugliche Digitalisierung
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hob die geplante digitale Impfübersicht mit Erinnerungsfunktion als Mehrwertanwendung auch für gesunde Versicherte mit wenig Arztkontakten hervor. Das sollte die Vorstufe sein für den digitalen und interaktiven Impfpass, in dem ein immenses medizinisches Präventionspotenzial stecke. Mit Blick auf die Erhebung personenbezogener Daten erklärte der Verband, je mehr Gesundheitsdaten oder Sozialdaten die Krankenkassen erhielten, umso einfacher werde es für sie, ihr Handeln an wirtschaftlichen statt an gesundheitlichen Erwägungen auszurichten.
Ähnlich kritisch kommentierte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) diese Neuregelung. Zwar sei eine bessere Nutzung von Daten in der Gesundheitsversorgung grundsätzlich sinnvoll. Jedoch überschritten die vorgesehenen Einsichtsmöglichkeiten der Kassen in die ePA, die Möglichkeit zur Erhebung personenbezogener Daten der Versicherten bei „anderen Stellen“ sowie darauf aufbauende Verhaltenshinweise mit dem Ziel, auf „Lebensverhältnisse einzuwirken“, deutlich die Grenze des Zumutbaren.
Der AOK-Bundesverband wertete die erweiterten Datennutzungsmöglichkeiten hingegen als wichtigen Präventionsansatz. Krankenkassen könnten Versicherte gezielter auf Risiken und geeignete Versorgungsangebote hinweisen. Datennutzung werde damit zu einem wichtigen Instrument der Prävention. So könnten künftig nicht nur bestehende Erkrankungen, sondern auch erhöhte Risiken, etwa für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, identifiziert werden. Dieser Ansatz sollte nach Ansicht der AOK konsequent weiterentwickelt werden, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Grundsätzlich gelte in der digitalen Versorgung, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen hohen Sicherheitsanforderungen und einer praktikablen Nutzung für Versicherte sicherzustellen.
Der Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (Spifa) beklagte vorgesehene Honorarkürzungen bei nicht zertifizierten Praxissystemen. Der Gesetzgeber müsse technische Anforderungen bei denjenigen durchsetzen, die diese Produkte entwickelten und anböten. Versäumnisse dürften nicht auf die Praxen abgewälzt werden. Der Verband erwarte klare Grenzen für die Datennutzung der Kassen, den Schutz der ärztlichen Organisationsverantwortung sowie den Ausschluss von Honorarkürzungen für unverschuldete Systemmängel.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte, dass die elektronische Einweisung in die stationäre Versorgung unberücksichtigt bleibe, während die elektronische Überweisung ausdrücklich geregelt werde. Dies sei eine erhebliche Regelungslücke, weil gerade die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung einen hohen Bedarf an standardisierten, interoperablen und rechtssicheren digitalen Zuweisungsprozessen aufweise.
In der Anhörung forderten mehrere Sachverständige die Abgeordneten dazu auf, praxistaugliche Regelungen mit einem konkreten Mehrwert zu ermöglichen. Die Allgemeinmedizinerin Annette Rennert ging auf die Vorteile eines digitalen Medikamentenplans ein und betonte, wenn digitale Anwendungen gut gestaltet seien, würden sie in der Breite angenommen. Auch Sylvia Thun von der Berliner Charité sagte, zentral seien der Versorgungsnutzen und die Patientensicherheit.
Apotheken-Vertreter wiesen darauf hin, dass die digitalen Möglichkeiten bisher oft nicht genutzt würden. Ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sagte, die Digitalisierung müsse Prozesse einfacher machen. Er wies darauf hin, dass derzeit schon geringfügige Formfehler einen enormen bürokratischen Aufwand und Kosten verursachen könnten. Künftig sollte es möglich sein, nur noch ordnungsgemäße Verschreibungen digital in das System zu geben, damit es nicht zu Retaxationen kommt. Ein Sprecher des Verbandes innovativer Apotheken (Via) forderte bei einem Kundenkontakt in der Apotheke Echtzeitinformationen der Krankenkassen, um wirtschaftliche Risiken abzufedern.
Ein Sprecher der Techniker Krankenkasse (TK) würdigte den Gesetzentwurf als einen großen Schritt hin zur Digitalisierung, allerdings mangele es an Tempo. Um schneller zu werden, müssten Prozesse ganz neu aufgesetzt werden. Die digitalen Systeme müssten so gestaltet sein, dass die Menschen sie auch benutzen wollten.

