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Gestörte Blutbildungen

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Seltene Erkrankungen mit einem Tropfen Blut erkennen

Gestörte Blutstillung, große blaue Flecken ohne erkennbaren Grund seit dem Kindesalter: Hierfür kann eine angeborene Thrombozytenstörung verantwortlich sein. Mehr als 70 dieser erblichen Erkrankungen sind bekannt - aber sie sind schwer zu diagnostizieren. Betroffene Patienten haben oft einen Jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.


Greifswalder Forscher haben jetzt eine vielversprechende Methode am Mikroskop entwickelt, bei der bereits Neugeborene mit nur einem Tropfen Blut getestet werden können. Um die Methode international auszutesten, haben die Greifswalder ein weltweites Netzwerk mit sieben Zentren gebildet. Das Projekt entstand unter der Schirmherrschaft der weltweit führenden internationalen Fachgesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH), in deren Fachzeitschrift die Greifswalder Studie nun erschien.

„Wir bringen die Thrombozyten unter dem Mikroskop zum Leuchten“, sagt Carlo Zaninetti vom Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald. Thrombozyten werden auch Blutplättchen genannt und spielen eine entscheidende Rolle bei der Blutstillung und Blutgerinnung. Um Störungen der Thrombozyten zu erkennen, nutzen die Greifswalder Forscher die Immunfluoreszenzmikroskopie. Hierzu werden spezifische Strukturen der Blutplättchen unter dem Mikroskop mit Hilfe leuchtender, fluoreszierender Antikörper sichtbar gemacht. „Wir brauchen dafür nicht mehr als einen Tropfen Blut.“, erklärt Zaninetti. „Für eine erste Untersuchung im Screening eignet sich das hervorragend, um in der weiteren Diagnostik die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Auch logistisch ergeben sich daraus Vorteile. „Die weltweit sieben Spezial-Zentren mit ihrer Erfahrung können die Probe von überall per Post erhalten“, berichtet Zaninetti. So kann auch Patienten geholfen werden, die weit entfernt von einem Spezialzentrum wohnen.
„Die Methode ist äußerst vielversprechend“, sagt Prof. Andreas Greinacher, Seniorprofessor am Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald. „Wir haben sie in Greifswald entwickelt, damit Patienten aus Europa nicht den weiten Weg nach Greifswald auf sich nehmen müssen. Jetzt können Patienten weltweit damit untersucht werden.“
„Unser Verfahren spart erhebliche Kosten“ ergänzt Dr. Zaninetti. „Es gibt einen Hinweis, bei welchen Patientinnen und Patienten eine tiefergehende genetische Analyse sinnvoll eingesetzt werden sollte.“
Für die Universitätsmedizin ist die Gesamtkonzeption dieser Studie von herausragender Bedeutung. „Die Universitätsmedizin Greifswald stärkt ihren Ruf als weltweites Referenzzentrum für Erkrankungen der Blutgerinnung und der Thrombozyten“, sagt Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin. „Das ist ein wahres Gütesiegel für uns und ganz besonders für unser Personal am Institut für Transfusionsmedizin.“

Weitere Informationen:
Website mit ergänzendem Hintergrund-Video:
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Hauke Meier
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Dr. med. Carlo Zaninetti

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Gesunde Thymusdrüse

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Wer eine gesunde Thymusdrüse hat, lebt länger und wird seltener krank. Außerdem sind Immuntherapien bei Patient*innen mit gesundem Thymus häufiger erfolgreich. Dies zeigen zwei internationale Studien unter Beteiligung der Universitätsmedizin Frankfurt. Aus den Ergebnissen, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature erschienen sind, ergeben sich neue Ansätze für den Erhalt der Gesundheit im Alterungsprozess.


Der Thymus ist ein kleines Organ im oberen Brustraum, das eine zentrale Rolle für das Immunsystem spielt: Er bildet T-Zellen aus – spezialisierte Immunzellen, die Krankheitserreger erkennen und bekämpfen. Lange galt der Thymus als „Kinderorgan“, das im Erwachsenenalter kaum noch Bedeutung hat, da es sich im Laufe des Lebens zurückbildet bzw. verfettet. Neue Studien stellen diese Annahme grundlegend infrage.

„Die Veröffentlichungen in Nature unterstreichen die außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Relevanz dieser Arbeiten. Sie zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag moderne Bildgebung leisten kann, um bislang unterschätzte biologische Zusammenhänge sichtbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Frankfurt. „Wenn es gelingt, die Thymusgesundheit rechtzeitig und zuverlässig zu analysieren, lassen sich individuelle Krankheitsrisiken deutlich früher erkennen und gezielt gegensteuern – lange bevor klinische Symptome auftreten.“ Die Thymusgesundheit, bestimmt anhand routinemäßig erhobener computertomographischer Bilddaten, könnte damit einen neuen Ansatz bieten, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt präventive Maßnahmen einzuleiten. In der Bildgebung lässt sich die Thymusgesundheit über den Grad der Verfettung beurteilen. Weniger Verfettung spricht dabei tendenziell für eine bessere Immunfunktion.

Bahnbrechende Erkenntnisse aus Langzeitstudien
Zwei internationale Studien unter Federführung der Harvard University (Boston) und weiterer Forschungspartner in Maastricht, Aarhus, London und Frankfurt stützen diese These. Dr. Simon Bernatz, Erstautor der Publikation, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt, erklärt: „Unsere Analysen zeigen erstmals, dass die Thymusgesundheit ein unabhängiger Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken ist. Besonders bemerkenswert ist, dass wir diese Informationen aus routinemäßigen computertomographischen (CT) Aufnahmen gewinnen konnten.“

Die Forschenden entwickelten ein Deep-Learning-Framework, eine künstliche Intelligenz, um CT-Aufnahmen zu quantifizieren. Sie analysierten mehr als 27.000 CT-Scans, die im Rahmen zweier großer US-amerikanischer Langzeitstudien angefertigt wurden: das National Lung Screening Trial (NLST), das sich über zwölf Jahre lang mit der Lungengesundheit bei aktuellen oder ehemaligen Raucherinnen und Rauchern beschäftigt hat, und die Framingham Heart Study (FHS), eine der bekanntesten und beständigsten medizinischen Studien zur Herz-Kreislauf-Gesundheit.

In beiden unabhängigen Kohorten war eine gute Thymusgesundheit eng mit besseren gesundheitlichen Ergebnissen verknüpft. In der NLST-Studie ging sie mit niedrigerer Gesamtsterblichkeit (50 Prozent), geringerer Lungenkrebsinzidenz (36 Prozent) und reduzierter kardiovaskulärer Mortalität (63 bis 92 Prozent) einher. Die FHS-Kohorte bestätigte den Zusammenhang niedrigerer Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Rauchen.

Neue Perspektiven in der Krebsmedizin: Thymus als Biomarker
Eine zweite aktuelle Studie derselben Autorinnen und Autoren erweitert diese Erkenntnisse entscheidend und legt nahe, dass die Gesundheit des Thymus auch den Erfolg moderner Immuntherapien bei Krebs vorhersagen kann. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 3.400 Krebspatientinnen und -patienten analysiert, die mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einer hohen Thymusgesundheit deutlich bessere Behandlungsergebnisse aufwiesen. Dies galt insbesondere für Lungenkrebs und Melanome, aber auch für Brust- und Nierenkrebs.

Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig von etablierten tumorbasierten Biomarkern wie PD-L1 oder der Tumormutationslast (TMB) bestand. Die Thymusgesundheit liefert somit zusätzliche Informationen, da sie nicht den Tumor selbst, sondern die Leistungsfähigkeit des Immunsystems widerspiegelt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass eine gute Thymusfunktion mit einer höheren Vielfalt von T-Zell-Rezeptoren und einer insgesamt stärkeren Immunantwort verbunden ist.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Thymusgesundheit auch ein entscheidender, bislang unterschätzter Faktor für den Erfolg von Immuntherapien ist. Sie könnte künftig helfen, Therapien gezielter auszuwählen und individueller auf Patientinnen und Patienten abzustimmen“, so Dr. Simon Bernatz.

Thymus als Schlüsselorgan für gesundes Altern
Die Ergebnisse belegen erstmals umfassend, dass der Thymus auch im Erwachsenenalter eine aktive und entscheidende Rolle spielt. Ein gesunder Thymus scheint dazu beizutragen, dass das Immunsystem langfristig stabil bleibt, Entzündungsprozesse besser kontrolliert werden und der Körper wirksamer vor altersbedingten Erkrankungen geschützt ist. Damit rückt der Thymus in den Fokus als zentraler Regulator des immunvermittelten Alterns und der allgemeinen Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter.

Eine weitere Erkenntnis: Thymusgesundheit hängt eng mit beeinflussbaren Lebensstilfaktoren zusammen. Negative Einflüsse ergeben sich insbesondere durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch durch chronische Entzündungsprozesse, wie sie etwa durch ungesunde Ernährung oder anhaltenden Stress begünstigt werden. Umgekehrt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil die Funktion des Thymus positiv beeinflussen kann und damit sowohl die allgemeine Gesundheit als auch möglicherweise den Erfolg medizinischer Behandlungen verbessert.

Bedeutung für Forschung und Therapie
Die Ergebnisse verschieben das Bild des Thymus grundlegend: von einem vernachlässigten Organ der Kindheit zu einem zentralen Regulator von Immunalterung und Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter. Als Biomarker könnte er künftig die Früherkennung von Risikopatientinnen und -patienten verbessern, die Auswahl geeigneter Immuntherapien steuern und den Behandlungszeitpunkt optimieren. Darüber hinaus rücken gezielte Strategien zur Stärkung oder Regeneration des Thymus in den Fokus der Forschung. Die Gesundheit dieses kleinen Organs kann entscheidenden Einfluss auf Lebensqualität, Lebenserwartung und Therapieerfolg

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Dr. Markus Bernards
Dr. Simon Bernatz
Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter
Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel. ‪+49 (0)69 6301‬ – 85306
simon.bernatz@unimedizin-ffm.de
https://radiologie-uni-frankfurt.de/clinic/our_team/index_eng.html

Originalpublikation:
(1) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Yumeng Cao, Jiachen Chen, Asya Lyass, Borek Foldyna, Leonard Nürnberg, Keno Bressem, Christopher Abbosh, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Michael T. Lu, Joanne M. Murabito, Kathryn L. Lunetta, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health consequences in adults. Nature (2026) https://doi.org/10.1038/s41586-026-10242-y

(2) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Alessandro Di Federico, Andrew Rowan, Selvaraju Veeriah, Lars Dyrskjøt, Leonard Nürnberg, Joao V. Alessi, Patrick A. Ott, Elad Sharon, Allan Hackshaw, Nicholas McGranahan, Christopher Abbosh, Raymond H. Mak, Danielle Bitterman, Mark Awad, Biagio Ricciuti, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health and immunotherapy outcomes in patients with cancer. Nature (2026) https://www.nature.com/articles/s41586-026-10243-

Adjuvanten Chemotherapie

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Die Ergänzung der standardmäßigen adjuvanten Chemotherapie durch die Immuntherapie mit Atezolizumab verbessert deutlich die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit bestimmten Formen von Darmkrebs nach einer Operation. Das ist das Ergebnis der ATOMIC-Studie (Alliance A021502/AIO-KRK-0317), die in Deutschland von Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick vom St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, koordiniert wurde. Die Studie zeigte eine 50-prozentige Verringerung des Risikos für ein Wiederauftreten der Erkrankung oder den Tod im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Damit ist ein neuer Behandlungsstandard für diese biologisch unterscheidbare Untergruppe etabliert.

Die Studie ist im „New England Journal of Medicine“ vom 26. März 2026 veröffentlicht.

Ablauf der Studie

Zwischen September 2017 und Januar 2023 wurden 712 Patient*innen mit sogenanntem dMMR-Darmkrebs im Stadium III nach einer Operation in die Studie aufgenommen. DMMR steht für „deficient DNA mismatch repair“ und charakterisiert die Art des Tumors, bei der besonders viele Mutationen auftreten. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang eine Standard-Chemotherapie allein. Die andere Gruppe erhielt die Chemotherapie in Kombination mit Atezolizumab, gefolgt von weiteren sechs Monaten Atezolizumab als Monotherapie.

Nach drei Jahren waren 86,3 Prozent der Patient*innen, die mit Atezolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt wurden, weiterhin krankheitsfrei. In der Gruppe, die nur eine Chemotherapie erhielten, waren es nur 76,2 Prozent.
Klarer und bedeutsamer Nutzen der Immuntherapie

„Die ATOMIC-Studie stellt einen entscheidenden Fortschritt in der adjuvanten Behandlung von dMMR-Darmkrebs im Stadium III dar“, sagt Anke Reinacher-Schick. „Zum ersten Mal hat die Immuntherapie einen klaren und klinisch bedeutsamen Nutzen bei diesen Erkrankungen im Frühstadium gezeigt und damit einen neuen therapeutischen Standard etabliert.“

Die klinische Relevanz der Studie spiegelt sich in der Aufnahme der Studienergebnisse in die neuesten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network wider, was die Rolle immuntherapiebasierter adjuvanter Behandlungsstrategien bei Hochrisikopatientengruppen untermauert.

Bedeutende akademische Partnerschaft

„Die Studie zeigt, wie internationale akademische Zusammenarbeit biomarkergestützte Forschung in klinische Ergebnisse umsetzen kann, die die Praxis verändern“, sagte Prof. Dr. Dirk Arnold (Asklepios Tumorzentrum Hamburg und Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie, AIO). „Die enge Partnerschaft zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschenden unterstreicht die Stärke akademischer Forschungsnetzwerke bei der Weiterentwicklung der Präzisionsonkologie.“

Deutsche Beteiligung

Die deutsche Beteiligung an der Studie wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Alliance und der AIO der Deutschen Krebsgesellschaft unter der nationalen Leitung von Anke Reinacher-Schick ermöglicht. AIO-angeschlossene Studienzentren nahmen in der späteren Rekrutierungsphase Patienten auf und sicherten so den Zugang für geeignete Patienten in Deutschland.

In Deutschland wurde die schnelle Identifizierung geeigneter Patienten deutlich durch das COLOPREDICT-Register (CPP-Register) der AIO erleichtert, das eine Schlüsselrolle beim Screening und der zeitnahen Rekrutierung spielte. „Dieser Erfolg unterstreicht die Bedeutung akademisch orientierter Forschungspartnerschaften und exzellenter transsektoraler Netzwerkstudien“, fügte Prof. Dr. Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum und federführende Partnerin beim CPP-Register, hinzu.

Förderung

Die weltweite Studie in den USA wurde vom US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI), das zu den National Institutes of Health gehört, gefördert und von der Alliance for Clinical Trials in Oncology unter Beteiligung weiterer vom NCI finanzierter Gruppen des National Clinical Trials Network geleitet. Genentech, ein Mitglied der Roche-Gruppe, unterstützte die Studie im Rahmen einer Vereinbarung über kooperative Forschung und Entwicklung zwischen dem NCI und Genentech. Die Studie wurde weltweit von Dr. Frank A. Sinicrope, Professor für Onkologie an der Mayo Clinic und US-Hauptprüfer innerhalb der Alliance, geleitet.

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Meike Drießen
Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick
Klinik für Hämatologie und Onkologie mit Palliativmedizin
St. Josef Hospital
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 509 3591‬
E-Mail: onkologie@klinikum-bochum.de

Webseite des Klinikums: https://www.klinikum-bochum.de/fachbereiche/haematologie-onkologie-und-palliativ...

Originalpublikation:
Frank A. Sinicrope et al.: Atezolizumab plus FOLFOX for Stage III Mismatch Repair–Deficient Colon Cancer, in: New England Journal of Medicine, 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2507874, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2507874

Die Cuproptose

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Erst 2022 wurde die sogenannte Cuproptose entdeckt: Eine zuvor unbekannte Art des Zelltods durch einen Überschuss an Kupfer. Diesen Mechanismus machte sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Karges an der Ruhr-Universität Bochum zunutze, um einen neuen Wirkstoffkomplex auf Kupferbasis zu entwickeln, der Zellen 100-mal effektiver tötet als im Einsatz befindliche Chemotherapeutika. Der Kupferkomplex ist eingebettet in Polymernanopartikel, die sich gezielt im Tumorgewebe anlagern. Erst durch eine Aktivierung mit Licht lösen sich die Partikel auf und geben den Wirkstoff frei. So tötet er gezielt Tumorzellen und verschont gesundes Gewebe.


Das Team berichtet in der Zeitschrift „Advanced Functional Materials“ vom 25. März 2026.

Krebszellen nehmen mehr Kupfer auf als gesunde Zellen

Die Cuproptose unterscheidet sich grundlegend von allen bisher bekannten Mechanismen des Zelltods: 

Der entscheidende Auslöser ist ein Überschuss an Kupfer in der Zelle. Es bindet an bestimmte Proteine in den Mitochondrien, die normalerweise für die Energiegewinnung zuständig sind. Diese Proteine verklumpen dadurch, die Zelle gerät in schweren Stress und stirbt schließlich ab. „Was diese Form des Zelltods so besonders macht, ist ihre Spezifität gegenüber der Energieproduktion der Zelle“, erklärt Johannes Karges. „Krebszellen haben häufig einen veränderten, besonders intensiven Stoffwechsel und nehmen mehr Kupfer auf als gesundes Gewebe.“

Dem Team um Johannes Karges ist es gelungen, einen Kupferkomplex zu entwickeln, der gezielt die Cuproptose auslöst. Er ist etwa 100-mal wirksamer als etablierte Platin-Derivate, die derzeit klinisch eingesetzt werden. „Allerdings war die Substanz zunächst nicht selektiv und wirkte auch auf gesunde Zellen tödlich“, berichtet Johannes Karges. „Dieses Problem konnten wir nun durch die Integration des Wirkstoffs in lichtaktivierbare Nanopartikel lösen.“

Verpackung mit zweifachem Nutzen

Der eigentliche Wirkstoffkomplex wird in polymere Nanopartikel eingebettet. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels von Krebszellen reichern sich diese Partikel in Tumoren an. So wird der Wirkstoff gezielt dorthin transportiert, wo er auch wirken soll. Zudem verhindert die Polymerummantelung, dass der Kupferkomplex vorzeitig unkontrolliert freigesetzt wird.

Erst auf einen Lichtimpuls hin wird der Wirkstoff an Ort und Stelle freigesetzt. „Das Freisetzungsprinzip basiert auf einer photoresponsiven Bindung innerhalb des polymeren Grundgerüsts“, erklärt Johannes Karges. „Bei Lichtbestrahlung wird diese spezifische Bindung selektiv gespalten, woraufhin die Nanopartikel sich auflösen und der Kupferkomplex lokal freigesetzt wird.“ Dadurch lässt sich eine hochpräzise und selektive Behandlung von Krebszellen erreichen. „Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass dieser Ansatz auch in therapieresistenten Krebszellen wirksam ist – also gerade dort, wo konventionelle Chemotherapien an ihre Grenzen stoßen“, sagt der Forscher.

Bis zu einem klinischen Einsatz ist allerdings noch viel Forschungsarbeit zu leisten: „Wir haben das Prinzip bislang an resistenten Krebszellen im Labor gezeigt, nicht am Menschen“, unterstreicht Karges. „Bis zu einer echten Behandlung sind noch viele Schritte nötig.“

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt durch den Fonds der chemischen Industrie des Verbandes der Chemischen Industrie e. V. im Rahmen eines Liebig-Stipendiums, den Life Sciences Bridge Award der Aventis-Stiftung sowie den Paul-Ehrlich-&-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis 2024 – eine Auszeichnung der Paul-Ehrlicj Stiftung

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Prof. Dr. Johannes Karges
Medizinische Anorganische Chemie
Fakultät für Chemie und Biochemie und Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 32 24187‬
E-Mail: johannes.karges@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Light Activated Induction of Cuproptosis in Resistant Cancer Cells Using Polymeric BODIPY Nanoparticles for Photoactivated Chemotherapy, in: Advanced Functional Materials, 2026, DOI: 10.1002/adfm.‪202531605‬http://dx.doi.org/10.1002/adfm.202531605

Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Induction of Cuproptosis with a Highly Cytotoxic Tripodal Cu(II) Complex for Anticancer Therapy in Journal of Medicinal Chemistry, 2025, DOI: 10.1021/acs.jmedchem.5c01124, http://dx.doi.org/10.1021/acs.jmedchem.5c01124

Palliativmedizin bei Herz - Kreislauferkrankungen

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Internationale Autorengruppe fordert Umdenken in der kardiovaskulären Versorgung - Palliativmedizin wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit der letzten Lebensphase gleichgesetzt. Tatsächlich ist sie jedoch weit mehr als Sterbebegleitung. Moderne Palliativmedizin setzt nicht erst dann ein, wenn eine Erkrankung als unheilbar gilt und der Tod unmittelbar bevorsteht. Vielmehr zielt sie darauf ab, Leiden frühzeitig zu lindern, Symptome zu kontrollieren und Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen über einen oft langen Krankheitsverlauf hinweg zu begleiten. Häufig ist dies ein Prozess, der sich über Wochen und Monate erstrecken kann.

Eine internationale Autorengruppe unter der Leitung von Medizinerinnen und Medizinern des Universitätsklinikums Bonn (UKB) zeigt nun in einer umfassenden Übersichtsarbeit, dass dieses Verständnis insbesondere in der Herz-Kreislauf-Medizin noch nicht ausreichend verankert ist. Die Studie wurde im renommierten European Heart Journal veröffentlicht und basiert auf der Auswertung von über 1.000 wissenschaftlichen Publikationen und Datensätzen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache, mit einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit als viele Krebserkrankungen. Gleichzeitig hat sich ihre Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Moderne Medikamente, interventionelle Verfahren, implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Herzunterstützungssysteme ermöglichen heute eine deutlich längere Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dennoch leiden viele Betroffene über Jahre hinweg unter einer hohen Symptomlast, wiederholten Krankenhausaufenthalten sowie komplexen und belastenden Therapieentscheidungen.

Palliativmedizin verbessert Lebensqualität

Hier setzt die Palliativmedizin an. Sie versteht sich nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur kardiologischen Therapie. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome wie Atemnot, Schmerzen, Erschöpfung oder Angst zu lindern und gemeinsam mit den Betroffenen tragfähige Therapieentscheidungen zu treffen. „Viele Menschen verbinden Palliativmedizin noch immer ausschließlich mit der allerletzten Lebensphase“, erklären die Erstautoren Endrit Cekaj, Frederik Sand und David H. V. Vogel. „Unsere Arbeit zeigt jedoch, dass palliativmedizinische Prinzipien bereits deutlich früher eingesetzt werden sollten, damit Patientinnen und Patienten über einen langen Zeitraum davon profitieren können.“

Ein zentrales Problem sieht die Autorengruppe im fehlenden Bewusstsein sowohl auf Seiten der Betroffenen als auch im klinischen Alltag. Während viele Menschen die Schwere und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterschätzen, wird das Potenzial palliativmedizinischer Unterstützung in der medizinischen Praxis häufig nicht ausgeschöpft. Dabei kann eine frühzeitige Integration nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch Ärztinnen und Ärzte entlasten, indem sie komplexe Entscheidungsprozesse strukturiert begleitet.

Im Fokus stehen interdisziplinäre Zusammenarbeit und ethische Fragen

Die Übersichtsarbeit hebt insbesondere die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit hervor. Gerade bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, bei wiederholten Krankenhausaufenthalten oder bei der Entscheidung über invasive Therapien ist eine enge Abstimmung zwischen Kardiologie, Herzchirurgie, Palliativmedizin sowie psychosozialen und psychiatrischen Fachbereichen entscheidend. Neben der medizinischen Behandlung spielen auch Kommunikation, psychosoziale Unterstützung und die Einbindung von Angehörigen eine zentrale Rolle.

Zugleich werfen moderne Therapien neue ethische Fragen auf. Lebensverlängernde Maßnahmen wie implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Unterstützungssysteme können für Patientinnen und Patienten mit erheblichen Belastungen verbunden sein. In solchen Situationen hilft palliativmedizinische Expertise dabei, zwischen lebensverlängernden Maßnahmen und der Lebensqualität der Betroffenen abzuwägen und Behandlungsziele individuell auszurichten.

Palliativmedizin wird meist zu spät eingebunden

Internationale Studien zeigen bereits, dass eine frühzeitige palliativmedizinische Begleitung zu einer besseren Symptomkontrolle, höherer Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten und Angehörigen sowie zu weniger belastenden Krankenhausaufenthalten führen kann. Dennoch erfolgt die Einbindung palliativmedizinischer Angebote in der Kardiologie bislang häufig zu spät. „Eine moderne kardiovaskuläre Medizin muss nicht nur das Überleben verlängern, sondern auch die Lebensqualität konsequent in den Mittelpunkt stellen“, betonen die Letztautoren Prof. Lukas Radbruch, Prof. Alexandra Philipsen, und Prof. Enzo Lüsebrink. Prof. Radbruch und Prof. Philipsen sind beide Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn. „Die frühzeitige Integration palliativmedizinischer Expertise kann Betroffenen sowie ihre Familien in schwierigen Krankheitsphasen erheblich unterstützen.“

Für die klinische Praxis empfiehlt die Autorengruppe daher eine stärkere strukturelle Verankerung palliativmedizinischer Inhalte in der Herzmedizin. Dazu gehören interdisziplinäre Versorgungsteams, gemeinsame Behandlungsmodelle sowie eine intensivere Ausbildung in Kommunikation und Symptomkontrolle. Auch in der medizinischen Ausbildung sollte Palliativmedizin stärker berücksichtigt werden.

Die Botschaft ist für den Letztautor der Studie, Prof. Lüsebrink, sowie den Direktor der Klinik für Kardiologie des UKB, Prof. Georg Nickenig, klar: Palliativmedizin sollte in der Kardiologie Standard und nicht Ausnahme sein. Denn eine zukunftsfähige Herzmedizin wird sich nicht allein daran messen lassen, wie lange Menschen leben, sondern vor allem daran, wie gut sie leben können.

Publikation: Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag219

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Felix Heyder
Pressesprecher des Herzzentrums am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Telefon: 0228 / ‪287 11904‬
E-Mail: felix.heyder@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn:
Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

Prof. Dr. Dr. Enzo Lüsebrink
Kardiologe am Herzzentrum
Universitätsklinikum Bonn
E-Mail: Enzo.Luesebrink@gmx.de

Prof. Dr. Lukas Radbruch
Direktor der Klinik für Palliativmedizin
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Lukas.Radbruch@ukbonn.de

Prof. Dr. Alexandra Philipsen
Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Alexandra.Philipsen@ukbonn.de

Originalpublikation:
Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI:10.1093/eurheartj/ehag219
Weitere Informationen finden Sie unter
Publikation

Papillomavirus (HPV)

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Eine aktuelle Studie der Universität Zürich zeigt: Rund jede vierte erwachsene Person in der Schweiz ist gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft. Entscheidend sind dabei neben Alter und Geschlecht vor allem Wissen, Einstellungen sowie Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten.

Das humane Papillomavirus (HPV) ist die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektion und kann verschiedene Krebserkrankungen auslösen. Eine vorbeugende HPV-Impfung ist sehr wirksam und wird in der Schweiz seit 2007 für Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 26 Jahren empfohlen – seit 2015 auch für Jungen und junge Männer. Für Frauen ist zudem eine Nachholimpfung bis zum Alter von 45 Jahren möglich.

Während die nationale Impfquote bei Jugendlichen gut dokumentiert ist und zwischen 2020 und 2022 bei 71 Prozent für Mädchen bzw. 49 Prozent für Jungen lag, gibt es bisher nur begrenzt Daten zur HPV-Impfung bei Erwachsenen sowie zu den Faktoren, die deren Impfverhalten beeinflussen. Eine landesweite Befragung des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Präventionsmedizin der Universität Zürich mit überprüften Impfdaten schliesst nun diese Lücke.

Grosse Unterschiede bei Alter und Geschlecht
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Von den rund 3’850 befragten Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren haben gut 27 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten. Während bei den 18- bis 26-Jährigen knapp 59 Prozent geimpft sind, liegt die Quote bei den 27- bis 45-Jährigen nur bei rund 16 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Knapp 43 Prozent der Frauen sind geimpft, aber nur rund 12 Prozent der Männer. «Die Unterschiede lassen sich auf die vergleichsweise späte Einführung der HPV-Impfung und die anfängliche Empfehlung nur für jugendliche Mädchen zurückführen. Gleichzeitig zeigen sie, wo die Impfangebote noch verbessert werden können», sagt Erstautorin Kyra Zens.

Die Befragten lassen sich zudem grob in drei Profile einteilen – je nachdem, wie gut sie über HPV informiert sind und wie sie zur Impfung stehen. In der gut informierten Gruppe sind rund 41 Prozent geimpft. In der skeptischen Gruppe sinkt die Quote auf knapp 14 Prozent, und in der Gruppe mit wenig Wissen sogar auf nur noch 8 Prozent. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Impfentscheidungen stark danach unterscheiden, was Menschen wissen und wie sie das Risiko einschätzen», hält Kyra Zens fest.»

Zu wenige Empfehlungen durch Ärzteschaft
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gespräch in der Arztpraxis. Viele Geimpfte nennen die Empfehlung durch Ärztinnen und Ärzte als ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Gleichzeitig geben mehr als die Hälfte der ungeimpften Personen an, dass sie keine solche Empfehlung erhalten haben.

Die Gründe für eine fehlende Impfung unterscheiden sich zwischen den Gruppen. Personen mit wenig Wissen sind oft unsicher über die Bedeutung von HPV und die Vorteile der Impfung. Gut informierte Personen verzichten hingegen häufig auf eine Impfung, weil sie davon ausgehen, nicht mehr zur empfohlenen Altersgruppe zu gehören, oder weil sie keine klare ärztliche Empfehlung erhalten haben.

Gezielte Information und Ansprache
Gleichzeitig zeigt sich ein grosses Potenzial: In der gut informierten Gruppe würden rund 60 Prozent der ungeimpften Personen eine Impfung noch in Betracht ziehen. Selbst in der Gruppe mit wenig Wissen ist etwa jede zweite Person offen dafür. «Die Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Information und persönliche Ansprache entscheidend sind. Besonders Gespräche im medizinischen Alltag bieten eine wichtige Gelegenheit, offene Fragen zu klären und Vertrauen zu schaffen», sagt Kyra Zens.

Literatur
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780

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Kyra Denise Zens, PhD, MPH

Melanie Huber


Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Universität Zürich
Tel. ‪+41 44 634 46 72‬
E-Mail: zens@immunology.uzh.ch

Originalpublikation:
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780

Nebenwirkungen in der Onkologie

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Patient-Reported Outcomes (PROs) – von Patient:innen selbst berichtete Angaben zu Nebenwirkungen und Lebensqualität – sind in der Onkologie seit Jahren Bestandteil von klinischen Studien. Eine neue internationale Studie unter der Leitung des klinischen Psychologen Bernhard Holzner zeigt nun, dass der systematische Einsatz elektronisch erhobener PRO‑Daten die Zuverlässigkeit der Nebenwirkungsbeurteilung für viele Symptome verbessert.

Die systematische Erfassung von Nebenwirkungen ist entscheidend, um in klinischen Studien das Nebenwirkungsprofil von Behandlungen zu charakterisieren und ihre Sicherheit und Verträglichkeit zuverlässig zu bewerten. In der Onkologie werden Nebenwirkungen standardmäßig nach festgelegten CTCAE Kriterien* von Behandler:innen und Prüfärzt:innen bewertet. „Es ist allerdings zu beobachten, dass diese Bewertungen zwischen Behandler:innen stark variieren können“, beschreibt Bernhard Holzner die Ausgangslage seiner im Journal The Lancet Oncology publizierten Studie. Der Psycho-Onkologe und Digitalisierungsexperte ist Leiter der Health Outcomes Research Unit an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Psychiatrie II (Direktorin: Katharina Hüfner) der Medizinischen Universität Innsbruck.

Zusammen mit internationalen Kolleg:innen von elf Zentren in zehn Ländern führten Bernhard Holzner, Lisa Wintner und Johannes Giesinger eine multinationale Studie durch, an der zwischen Februar 2020 und Dezember 2024 über 1.000 Krebspatient:innen unter Chemotherapie, Immuntherapie oder Strahlentherapie teilgenommen hatten. Die Patient:innen wurden randomisiert der Interventionsgruppe (Behandler:innen mit Zugang zu PRO-Daten) oder der Kontrollgruppe (Behandler:innen hatten keinen Zugang zu PRO-Daten) zugeordnet. Die Angaben der Patient:innen wurden dabei als strukturierte, grafisch aufbereitete Symptombeschreibungen – von Fatigue, Schmerzen, Übelkeit über Durchfall und Hautveränderungen bis hin zu Angst und Depression – den Behandler:innen zur Verfügung gestellt. Die Nebenwirkungen wurden in der Interventionsgruppe für die meisten untersuchten Symptome von den Behandler:innen deutlich konsistenter eingeschätzt. Zwar gibt es keinen ‚Goldstandard‘ für die Einstufung, doch die höhere Übereinstimmung zwischen den Beurteilenden deutet darauf hin, dass die Einschätzungen präziser werden, wenn PRO-Informationen systematisch einfließen. „Das bedeutet: Mit der Ergänzung der Beurteilungen durch PRO-Daten kann eine bessere Inter-Rater-Reliabilität, das heißt eine größere Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beurteilenden, erreicht werden. Davon profitieren insbesondere die Qualität und Vergleichbarkeit der Studienergebnisse und damit die Grundlage für patient:innenorientierte Therapieentscheidungen“, beschreibt Lisa Wintner, klinische Psychologin und Co-Leiterin der Studie, die zentralen Ergebnisse.

PROs: Elektronische Erhebung und Darstellung als Zielvorgabe
PRO-Daten werden mittels strukturierter Fragebögen erhoben, um eine Vergleichbarkeit der erfassten Daten zu gewährleisten. Dabei kommen gedruckte Fragebögen, zunehmend aber auch elektronische Eingabeprogramme (ePROs) zum Einsatz. „Aus unseren Ergebnissen lassen sich konkrete Empfehlungen für die Gestaltung künftiger onkologischer Studien ableiten: PRO‑Daten sollten nicht nur routinemäßig elektronisch erfasst, sondern auch bei klinischen Beurteilungen berücksichtigt werden, um die Qualität der Nebenwirkungserfassung zu verbessern“, so Studienautor Johannes Giesinger.
Auch aus Sicht der Patient:innen spricht vieles für die ergänzende Nutzung von PRO-Daten. „Zulassungsbehörden verlangen seit Jahren Daten zur Lebensqualität und Symptombelastung aus Patient:innensicht, die zeigen sollen, wie es Betroffenen unter einer Therapie tatsächlich geht – nicht nur, wie lange sie überleben“, betont Bernhard Holzner. „Durch die verbesserte Konsistenz in der Erfassung von Symptomen wird diese Perspektive stärker und verlässlicher in die Bewertung neuer Krebstherapien einbezogen.“

In einem nächsten Schritt sollen die Ergebnisse mit Fachleuten aus der klinischen Krebsforschung diskutiert werden, um praktikable Standards für die Integration von PRO-Daten in die Nebenwirkungsbeurteilung zu entwickeln. Dafür wäre vor allem auch die technische Aktualisierung von Softwarelösungen zur übersichtlichen Visualisierung notwendig.
Die Relevanz der Studienergebnisse wurde im Journal The Lancet Oncology von einem begleitenden Kommentar internationaler Expert:innen hervorgehoben. Die Forschungsarbeit wurde durch die European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und die Medizinische Universität Innsbruck unterstützt.

Originalpublikation:
Inter-rater reliability of CTCAE assessments with or without EORTC patient-reported outcome data in a mixed cancer population: a multinational, open-label, randomised controlled trial. Wintner, Lisa M et al. The Lancet Oncology, February 2026
https://doi.org/10.1016/S1470-2045(25)00679-5

Umgang mit Schilddrüsenknoten

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Ein fast schon klassisches Beispiel für Überdiagnostik ist der Umgang mit Schilddrüsenknoten. Um hier mehr Orientierung und Sicherheit zu vermitteln, hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) eine neue S3-Leitlinie vorgestellt.

Schilddrüsenknoten treten zwar häufig auf, sind in den meisten Fällen jedoch harmlos. Trotzdem führen sie oft zu einer erweiterten Diagnostik, die viel Zeit, Geld und Ressourcen bindet. Dass es auch anders geht, zeigt die DEGAM mit ihrer neuen S3-Leitlinie „Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen“. Die Leitlinie wurde unter Federführung der DEGAM in Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen wie Innere Medizin, Endokrinologie, Radiologie und Nuklearmedizin erarbeitet. Auch Patienteninitiativen waren beteiligt.

Die Zahl der entdeckten asymptomatischen Schilddrüsenknoten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Es handelt sich dabei meist um Zufallsbefunde, die aufgrund von routinemäßigen und immer genaueren Ultraschalluntersuchungen entdeckt werden. „Wir haben uns in der Medizin angewöhnt, alles an Diagnostik zu machen, was möglich ist. Dabei ist es längst überfällig, dass wir stärker über den tatsächlichen Nutzen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen nachdenken“, erläutert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.

Leitlinie schafft Orientierung und Sicherheit

Das Ziel der Leitlinie ist es, im Praxisalltag eine klare Orientierung zu geben, um wichtige von überflüssiger Diagnostik zu unterscheiden. Zudem möchte die Leitlinie dazu beitragen, Knoten in der Schilddrüse als etwas eher Normales zu betrachten. Das kann für alle Beteiligten sehr entlastend sein. Es wird ausführlich dargestellt, dass nicht alles, was technisch geht, immer auch medizinisch sinnvoll ist. Ultraschalluntersuchungen sollten zum Beispiel nie ohne Anlass gemacht werden. Denn damit wird nur in den allerseltensten Fällen ein behandlungsbedürftiger Knoten entdeckt, während es in der Regel eine hohe Zahl an teilweise schädlichen Folgeuntersuchungen und -behandlungen gibt.

Wird ein Knoten entdeckt, zeigt die Leitlinie auf Basis der aktuellen Evidenz auf, welches Vorgehen empfehlenswert ist und hilft den Hausärztinnen und Hausärzten damit, das weitere Procedere festzulegen. Natürlich werden in der Leitlinie auch alle Red Flags (Warnanzeichen) vorgestellt: Bei Beschwerden wie Luftnot, Heiserkeit, Drücken im Hals braucht es weiterführende Diagnostik. Als Therapie bei Schilddrüsenknoten hält die Leitlinie fest, dass meist keine Aktivitäten nötig sind. Nur bei Schilddrüsenknoten, die Beschwerden verursachen oder verdächtig sind, muss eine Behandlung (chirurgisch oder nuklearmedizinisch) veranlasst werden.

Anspruchsvolle Arzt-Patienten-Kommunikation

„Um es kurz zu machen: Folgeschäden sind sehr viel häufiger als das Aufdecken eines gefährlichen Knotens. Um dieses Spannungsfeld in der Kommunikation gut darzustellen, gibt die Leitlinie Ärztinnen und Ärzten entsprechende Argumente an die Hand“, kommentiert Prof. Jeannine Schübel, federführende Autorin der Leitlinie. Ihre Kollegin Dr. Karen Voigt, koordinierende Autorin der Leitlinie, ergänzt: „Es ist verständlich, dass Patientinnen und Patienten möchten, dass ihre Sorgen bei einem Knoten ernst genommen werden. Es verlangt feinfühlige Gespräche, in denen diese Ängste besprochen werden und gleichzeitig darüber informiert wird, dass die weitere Abklärung ebenfalls mit großen Ängsten und viel Stress verbunden sein kann.“

Das dieser Veröffentlichung zugrundliegende Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF22009 gefördert.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen im Team VOR ORT
Natascha Hövener
Telefon: 030 – ‪20 966 98 16‬
E-Mail: hoevener@degam.de

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
http://www.degam.de

Über die DEGAM

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung werden überwiegend von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) realisiert.

Prof. Dr. Jeannine Schübel
E-Mail: j.schuebel@mul-ct.de

Dr. Karen Voigt
E-Mail: Karen.Voigt@ukdd.de
Weitere Informationen finden Sie unter
- S3 Leitlinie "Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen. Empfehlungen zu Prävention, Diagnostik und Therapie in der hausärztlichen Versorgung"

Traumatische Hirnverletzungen

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Traumatische Hirnverletzungen führen oft zu Komplikationen mit dauerhaften Folgen für Gedächtnis, Konzentration und Bewegungssteuerung. Mitverantwortlich dafür sind häufig fehlgeleitete Entzündungsreaktionen im verletzten Gewebe. Forschende aus Ulm haben nun in einer Nature Communications-Studie gezeigt, dass der Transkriptionsfaktor NF-κB bei posttraumatischen Reaktionen auf ein Schädel-Hirn-Trauma eine Schlüsselrolle spielen könnte. Wird dieser Genschalter in Astrozyten aktiviert, also in bestimmten Stützzellen des Gehirns, kommt es zu einer starken Neuroimmunantwort, die Entzündungen auslöst.

Ein Sturz auf den Kopf, ein Schlag auf den Schädel oder ein Verkehrsunfall – die Ursachen eines Schädel-Hirn-Traumas sind vielfältig, doch die schweren Formen haben eines gemeinsam: Zu den eigentlichen Verletzungen an Knochen, Haut und Hirngewebe kommen Immunreaktionen und Entzündungsprozesse hinzu. Solche posttraumatischen Effekte können den Organismus erheblich schädigen. Ein Forschungsteam der Ulmer Universitätsmedizin hat nun untersucht, welche Rolle der Transkriptionsfaktor NF-κB bei derartigen Immunreaktionen spielt. Dieser Genschalter kommt in nahezu allen Zelltypen des Menschen vor und aktiviert eine Vielzahl unterschiedlicher Gene. „NF-κB beeinflusst die Immunantwort, steuert Entzündungsreaktionen und kann den programmierten Zelltod stoppen“, erklärt PD Dr. Bernd Baumann, korrespondierender Autor der Studie. Der Gruppenleiter am Institut für Physiologische Chemie der Universität Ulm forscht seit vielen Jahren zu diesem Transkriptionsfaktor, der auch an Krebsentstehungsprozessen und Autoimmunerkrankungen beteiligt ist.

Welche Rolle spielt dieser Genschalter nun nach einem Schädel-Hirn-Trauma? „Eine frühere Studie unserer Arbeitsgruppe hat gezeigt, dass die Aktivierung von NF-κB in Neuronen die Regeneration und Heilung fördert“, sagt Professor Thomas Wirth. Der Direktor des Instituts für Physiologische Chemie und Dekan der Medizinischen Fakultät hat die Studie gemeinsam mit Baumann koordiniert. Neuronen sind die „eigentlichen“ Nervenzellen des Gehirns; sie leiten Signale weiter und verarbeiten sie. Die neue Studie, die im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt jedoch ein anderes Bild für Astrozyten. Diese sternförmigen Zellen schützen, stützen und versorgen die Neuronen. Sie gehören zu den Gliazellen des zentralen Nervensystems und bilden unter anderem die Grenzmembranen zu den Blutgefäßen – also einen wichtigen Teil der Blut-Hirn-Schranke.

Die sternförmigen Gliazellen spielen außerdem eine Schlüsselrolle bei der Vernarbung von verletztem Hirngewebe. „An der geschädigten Stelle umschließen Astrozyten den Wundkern. So begrenzen sie weitere neurodegenerative Prozesse und unterstützen die Heilung“, erläutert Professorin Leda Dimou. Die Leiterin der Abteilung Molekulare und Translationale Neurowissenschaften an der Klinik für Neurologie war an der Studie federführend mitbeteiligt. In unmittelbarer Nähe der Verletzung fanden die Forschenden eine auffällige Genexpressionssignatur – ein Hinweis auf eine besonders hohe Aktivität von NF-κB in Astrozyten. Um den Einfluss dieses Genschalters genauer zu untersuchen, arbeiteten die Forschenden mit Mausmodellen. In diesen war NF-κB in Astrozyten entweder dauerhaft aktiviert oder stark gehemmt. Das Team wollte wissen: Verbessert oder verschlechtert sich dadurch die Heilung nach einer traumatischen Hirnverletzung?

Gestörte Narbenbildung hemmt Heilungsprozesse

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: War NF-κB dauerhaft aktiv, reagierte das Immunsystem schneller und stärker auf die Verletzung. Diese überschießende Neuroimmunantwort löste Entzündungsprozesse aus und störte sowohl Wundheilung als auch Narbenbildung.
„In den Wundbereich wanderten plötzlich auch bestimmte Immunzellen wie dendritische Zellen ein. Dadurch konnte sich kein stabiles Narbengewebe bilden, was schließlich zu neurologischen Defiziten führte“, berichten die Erstautorinnen der Studie, Tabea M. Hein und Ester Nespoli. Erstaunlich: Ganz ähnliche Prozesse zeigen sich im alternden Gehirn. Wurde NF-κB in Astrozyten dagegen gehemmt, waren einzelne positive Effekte zu beobachten: So verbesserten sich die antioxidative Abwehr und die Funktion der Mitochondrien. „Diese Veränderungen reichten jedoch nicht aus, um den Heilungsprozess insgesamt deutlich zu verbessern“, erklären die Forschenden.

Auch wenn noch Fragen offen sind, liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise für neue Therapieansätze. Besonders auffällig ist die Rolle bestimmter Glykoproteine im Knochenstoffwechsel. So wird das für Gewebebildung und Wundheilung wichtige Osteopontin (OPN) bei übermäßiger NF-κB-Aktivierung im Verletzungsbereich nur unzureichend gebildet, was die Heilung beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu wird verstärkt Lipocalin-2 (LCN2) produziert. Dieses Protein kann schädliche neuroentzündliche Prozesse fördern und etwa die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen. „Hier könnten sich neue Therapieansätze ergeben, indem die Spiegel dieser beiden Faktoren gezielt reguliert werden“, sagt Bernd Baumann.

Gefördert wurde das Forschungsprojekt im Rahmen zweier an der Uni Ulm angesiedelten Sonderforschungsbereiche, dazu gehört der SFB 1149 „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potential nach akutem Trauma“ sowie der SFB 1506 „Aging at Interfaces“.

WissensMaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT Team

Andrea Weber-Tuckermann

PD Dr. Bernd Baumann, Institut für Physiologische Chemie an der Universität Ulm, E-Mail: bernd.baumann@uni-ulm.de

Originalpublikation:
T. M. Hein, E. Nespoli, M. Hakani, H. Wendt, S. Nadine May, J. Jorzik, D. Yagdiran, J. S. Schlett, K. Tsesmelis, M. Tsesmelis, V. Prex, M. Mettang, A. Abaei, V. Rasche, M. Lattke, F. Oswald, M. Huber-Lang, L. Dimou, Th. Wirth & B. Baumann. NF-κB activation in astrocytes impairs wound healing after traumatic brain injury in male mice. Nature Communications 17, 2323 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-70304-7

Intensivpatient*innen mit ECMO

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1,7 Millionen Euro für bundesweite Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg / Untersucht wird, ob Intensivpatient*innen mit ECMO von Bauchlagerung profitieren / 20 Zentren beteiligt

Eine neue bundesweite klinische Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg soll die Behandlung dieser Patient*innen mit besonders schwerem Lungenversagen verbessern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit insgesamt 1,7 Millionen Euro. Denn viele Patient*innen mit schwerem Lungenversagen kämpfen auf der Intensivstation um ihr Leben. Bei besonders schwerem Verlauf kann eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingesetzt werden – ein Verfahren, bei dem eine Maschine außerhalb des Körpers vorübergehend den Gasaustausch der Lunge übernimmt. Trotz dieser aufwändigen Therapie überlebt derzeit nur etwa die Hälfte der betroffenen Patient*innen.

In der Studie unter Leitung von PD Dr. Alexander Supady, Oberarzt an der Interdisziplinären Internistischen Intensivmedizin (IMIT) des Universitätsklinikums Freiburg wird untersucht, ob sich die Überlebenschancen dieser schwerkranken Menschen verbessern lassen, wenn sie frühzeitig nach Beginn der ECMO-Therapie auf dem Bauch gelagert werden.

„Die Förderung durch die DFG ermöglicht uns, eine klinisch hochrelevante Frage systematisch und auf höchstem wissenschaftlichem Niveau zu untersuchen“, sagt Studienleiter Supady. „Unser Ziel ist es, die Überlebenschancen dieser schwerkranken Patient*innen weiter zu verbessern.“

Studie untersucht Therapie für besonders schweres Lungenversagen

Das akute Atemnotsyndrom (ARDS) ist eine lebensbedrohliche Form des Lungenversagens. Es kann unter anderem im Verlauf schwerer Lungeninfektionen auftreten, etwa bei COVID-19 oder Influenza, aber auch nach schweren Verletzungen oder großen Operationen.

Bei ARDS-Patient*innen ohne ECMO gehört die Bauchlagerung seit Jahren zur Standardtherapie und senkt nachweislich die Sterblichkeit. Ob dieser Effekt auch während einer ECMO-Therapie besteht, ist bislang jedoch nicht eindeutig geklärt. Frühere Analysen von Behandlungsdaten deuten teilweise auf einen Vorteil hin, während andere Studien keinen zusätzlichen Nutzen zeigen.

Die nun geplante multizentrische Studie soll diese Frage systematisch untersuchen. Insgesamt sollen rund 260 Patient*innen in 20 erfahrenen ECMO-Zentren in ganz Deutschland eingeschlossen werden. Die Durchführung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Klinische Studien (ZKS) des Universitätsklinikums Freiburg.
„In dieser Studie werden wir gemeinsam mit anderen erfahrenen ECMO-Zentren wichtige prospektive Daten erheben“, sagt Prof. Dr. Tobias Wengenmayer, Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Internistischen Intensivmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. „Auf dieser Grundlage wollen wir die Behandlung von Patient*innen mit besonders schwerem Lungenversagen weiter verbessern.“

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Johannes Faber
PD Dr. Alexander Supady, MPH
Oberarzt | Senior Physician
Interdisziplinäre Medizinische Intensivtherapie (IMIT)
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: ‪+49 761 270-73790‬
alexander.supady@uniklinik-freiburg.de