Selbst mit viel Training gelingt es dem menschlichen Gehirn nicht wirklich, zwei Aufgaben parallel durchzuführen. Zudem können bereits kleinste Abweichungen von der erlernten Routine starke Folgen darauf haben, wie schnell und erfolgreich Menschen Aufgaben gleichzeitig erledigen. Das zeigt eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der FernUniversität in Hagen und der Hamburg Medical School. Sie erschien kürzlich im „Quarterly Journal of Experimental Psychology“. In drei Experimenten untersuchten die Forscher, wie Menschen zwei Aufgaben gleichzeitig bewältigen, die unterschiedliche Sinne ansprechen: Zum einen sollten sie mit der rechten Hand die Größe eines kurz eingeblendeten Kreises anzeigen und zum anderen sagen, ob ein gleichzeitig eingespielter Ton hoch, mittel oder tief ist. Dabei wurde gemessen, wie schnell die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Aufgaben absolvierten und wie viele Fehler sie dabei machten. Die Aufgaben wurden bis zu zwölf Tage lang wiederholt. Dabei zeigte sich: Je häufiger die Versuchspersonen den Test absolvierten, desto schneller gelang es ihnen, beide Aufgaben fehlerfrei zu lösen. Frühere Studien mit ähnlichen Befunden hatten deshalb nahegelegt, dass sogenannte Doppelaufgaben-Kosten, also Leistungseinbußen beim gleichzeitigen Bearbeiten zweier Aufgaben, mit viel Übung fast vollständig verschwinden könnten. „Dieses als Virtually Perfect Time Sharing bekannte Phänomen galt lange als Hinweis auf echte Parallelverarbeitung im Gehirn und als Nachweis dafür, dass unser Gehirn grenzenlos multitaskingfähig ist. Die Ergebnisse unserer Studie widersprechen dieser Annahme deutlich“, sagt der Psychologe Prof. Dr. Torsten Schubert von der MLU. |
MaAB - Medizin am Abend Berlin ...interdisziplinär...ganzheitliche Betreuung
Pro Bono - CHEFÄRZTLICHE - OA- FACHÄRZTLICHE SPRECHSTUNDEN / VISITEN / UNTERSUCHER/KGP STUDIEN KOLLEG / Frühe Fallfindung - : Advence Care Planning // Patientenzentriert denken, organisieren und handeln Patienten + Mediziner + Medizinische Einsatz-Team (MET): Behandlungsvertrag mit Veränderbarkeit: "Fit for the Aged": Ändern–Verändern– Medizinisches Wissenziel 2026: Wissen teilen, Gesundheit stärken MaAB/DGK/NAKO/BAGPH/ASB/VDK/Ver.di/ www.KORRESPONDENTEN.com + www.DIPLO.NEWS
PICS Ambulanz
BG Klinken - Post-COVID-Programm
medpoint - Fortbildungskalendar
Was hab ich?
SCD Deutschland
discharge
Anamnese- und Untersuchungsbogen
Diagnostische Pfade
Multitasking
Vergleichbarkeit moderner Glukosemesssysteme
Neue Studie verdeutlicht Grenzen der Vergleichbarkeit moderner Glukosemesssysteme
Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) sind ein zentrales Instrument der modernen Diabetestherapie. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Selbst moderne CGM-Systeme liefern bei derselben Person teils deutlich unterschiedliche, therapieentscheidende Kennzahlen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht darin einen wichtigen Hinweis, CGM-Daten differenziert zu bewerten und die Standardisierung von Mess- und Auswertungsverfahren voranzubringen – auch mit Blick auf das digitale Disease-Management-Programm (dDMP).
In der neu veröffentlichten Vergleichsstudie in der Fachzeitschrift Diabetes Care trugen Erwachsene mit Typ-1-Diabetes drei moderne CGM-Systeme parallel über einen Zeitraum von 14 Tagen. Ziel war es ausdrücklich nicht, einzelne Geräte zu bewerten, sondern zu analysieren, wie stark sich zentrale CGM-Kennzahlen bei identischen Stoffwechselsituationen unterscheiden. Untersucht wurden unter anderem die Zeit im Zielbereich (Time in Range), Zeiten mit Unter- und Überzuckerungen sowie der aus CGM-Daten „errechnete HbA1c-Wert“ (Glucose Management Indicator, GMI).
Unterschiede mit direkter Bedeutung für Therapieentscheidungen
Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese CGM basierten Kennzahlen teils deutlich unterscheiden können – mit direkten Konsequenzen für die Therapie. „Unsere Daten zeigen, dass Glukoseverläufe je nach verwendetem CGM-System unterschiedlich gemessen und bewertet werden können“, erklärt Dr. med. Guido Freckmann, Studienautor und Vorstandsmitglied der DDG-Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie. „Das kann dazu führen, dass abhängig vom verwendeten CGM-System Therapieziele als erreicht oder nicht erreicht gelten – und damit Therapieanpassungen unterschiedlich ausfallen, insbesondere im Hinblick auf Unterzuckerungen.“ Da CGM-Daten heute sowohl von Ärztinnen und Ärzten als auch von Menschen mit Diabetes selbst genutzt werden – etwa zur Therapieanpassung oder zur Steuerung automatisierter Insulinsysteme (AID) –, haben diese Unterschiede eine hohe praktische Relevanz für den Versorgungsalltag.
Ursache liegt in der Kalibration der Systeme– nicht bei den Betroffenen
Nach Einschätzung der DDG sind die beobachteten Unterschiede nicht auf das Verhalten der Patientinnen und Patienten zurückzuführen, sondern auf technische Unterschiede zwischen den Systemen. „Jede Firma nutzt eigene Messverfahren, sowie eigene Algorithmen um die CGM-Messwerte zu ermitteln“, so Freckmann. „Dass diese Unterschiede einen Einfluss auf die angezeigten Kennzahlen haben, ist vielen bislang nicht bewusst.“ Hinzu kommt, dass Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker im Alltag überwiegend kapillär messen – also mithilfe von herkömmlichen Blutzuckermessgeräten, während CGM-Systeme auf unterschiedlichen Referenzen basieren können. Daher liegen Werte von CGM-Systemen entweder näher an den von in der Diabetestherapie genutzten kapillären oder den für die Diagnose verwendeten venösen Werten. Da ein systematischer Unterschied zwischen den Kompartimenten besteht, erschwert dies eine systemübergreifende Vergleichbarkeit der Daten.
DDG setzt auf Standardisierung statt gerätespezifischer Zielwerte
Vor diesem Hintergrund spricht sich die DDG klar für eine weitergehende Standardisierung von CGM-Messung und -Auswertung aus. „Die zentrale Frage ist nicht, ob wir für jedes CGM-System eigene Zielwerte brauchen“, betont Freckmann. „Vielmehr müssen wir die Systeme so weiterentwickeln, dass sie vergleichbare Messergebnisse und Kennzahlen liefern.“ Die DDG arbeitet daher derzeit an einem Positionspapier, das Empfehlungen zur besseren Vergleichbarkeit und Einordnung von CGM-Daten formulieren soll. Ziel ist es, die Grundlage für fundierte Therapieentscheidungen weiter zu stärken – sowohl in der klinischen Praxis als auch für Menschen mit Diabetes.
Bedeutung für digitale Disease-Management-Programme (dDMP)
Die Forderung nach einer besseren Vergleichbarkeit von CGM-Daten gewinnt auch im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung der Diabetesversorgung an Bedeutung. Die DDG hat sich bereits in früheren Stellungnahmen zur Digitalisierung der Disease-Management-Programme (DMP) grundsätzlich positiv geäußert, zugleich jedoch betont, dass digitale Versorgungsangebote nur dann wirksam sein können, wenn sie auf verlässlichen und transparenten Daten basieren. Digitale DMP sollen strukturierte Versorgung, ärztliche Betreuung und patientenseitiges Selbstmanagement enger miteinander verzahnen. Voraussetzung dafür ist eine systemübergreifend verständliche Datengrundlage – insbesondere bei CGM-Kennzahlen, die künftig stärker in digitale Auswertungen, Verlaufsbeobachtungen und Entscheidungsprozesse eingebunden werden. „Digitale DMP können ein wichtiger Baustein für eine moderne, vernetzte Diabetesversorgung sein“, sagt Dr. med. Tobias Wiesner, Vizepräsident der DDG und niedergelassener Diabetologe aus Leipzig. „Damit diese Programme ihr Potenzial entfalten können, brauchen wir CGM-Daten, die unabhängig vom verwendeten System vergleichbar und nachvollziehbar sind. Die aktuellen Studiendaten zeigen sehr deutlich, warum Standardisierung hier kein technisches Detail ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für digitale Versorgungskonzepte.“
CGM-Daten richtig einordnen
Für die aktuelle Versorgung bedeutet das: CGM-Systeme sind ein großer Fortschritt und aus der Diabetestherapie nicht wegzudenken. Ihre Daten sollten jedoch stets im Kontext des verwendeten Systems interpretiert werden – insbesondere bei Therapieanpassungen oder beim Wechsel des CGM-Systems. Wenn ein optional kalibrierbares System mit seiner Werkskalibration Werte zeigt, die systematisch unter den kapillären Werten liegen, kann man durch die Kalibration mit einem verlässlichen Blutzuckermessgerät den Unterschied beseitigen. „CGM liefert wertvolle Informationen“, so Freckmann. „Damit diese ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen wir Transparenz, fachliche Einordnung und langfristig einheitlichere Standards.“
*****
Über die Studie
Freckmann et al. A Comparative Analysis of Glycemic Metrics Derived From Three Continuous Glucose Monitoring Systems. Diabetes Care 20 June 2025; 48 (7): 1213–1217. https://doi.org/10.2337/dc25-0129
Psychische Erkrankungen
Psychische Erkrankungen in den ersten Jahren nach der Geburt ihres Kindes betreffen etwa 15 bis 20 Prozent aller Mütter und können die frühe Bindung zum Kind stark belasten. Wie wirksam eine spezialisierte Therapieform für Eltern und Kind ist, untersuchte das von der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin federführend koordinierte, multizentrische Projekt SKKIPPI. Die im Fachjournal Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health veröffentlichten Ergebnisse einer Interventionsstudie liefern wichtige Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Versorgung. Psychische Erkrankungen in den ersten Jahren nach der Geburt ihres Kindes betreffen etwa 15 bis 20 Prozent aller Mütter und können die frühe Bindung zum Kind stark belasten. Wie wirksam eine spezialisierte Therapieform für Eltern und Kind ist, untersuchte das von der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin federführend koordinierte, multizentrische Projekt SKKIPPI. Die im Fachjournal Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health veröffentlichten Ergebnisse einer Interventionsstudie liefern wichtige Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Versorgung. Originalpublikation: |
Physische Störungen im Gesundheitsbild
Menschen mit verschiedenen psychischen Störungen ist häufig gemeinsam, dass sie sich nur schwer zu alltäglichen Aktivitäten motivieren können. Welche kognitiven Mechanismen dies bewirken und was das für psychotherapeutische Therapien bedeutet, erforscht Dr. Matthias Pillny, von der Universität Hamburg. Seine Metastudie wurde in der Fachzeitschrift „Psychological Bulletin“ veröffentlicht. Ob Kino- oder Familienbesuch, Einkauf oder Spaziergang – Menschen mit psychischen Störungen erscheinen solche Aktivitäten häufig als unfassbar anstrengend. Können sie selbst lebensnotwenige Besorgungen kaum noch erledigen, treibt dies den Aufwand und die Kosten für ihre Betreuung in die Höhe und macht die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nahezu unmöglich. Aber welche kognitiven Mechanismen stecken hinter diesem Phänomen? Und sind diese Mechanismen bei verschiedenen Störungen ähnlich – oder unterscheiden sie sich? Diese Fragen hat Dr. Matthias Pillny, Hauptautor der nun veröffentlichten Metastudie, untersucht. MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT |
Herz-Kreislaufstillstand
Bei einem simulierten Herz-Kreislaufstillstand führten Ersthelfer:innen Wiederbelebungsmaßnahmen an einer weiblichen Puppe schlechter durch als an einer männlichen. Das zeigt eine aktuell an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführte Studie. Diese bestätigt die Ergebnisse internationaler Studien, die zudem zeigen, dass Frauen in der Öffentlichkeit seltener reanimiert werden und u.a. deshalb geringere Überlebenschancen haben. Die Med Uni Innsbruck, das Rote Kreuz Tirol, das Land Tirol und die Stadt Innsbruck setzen jetzt auf weibliche Übungspuppen in der Ausbildung. Das „Geschlecht“ der Übungspuppe beeinflusst die Qualität einer simulierten Reanimation deutlich. Bei einer Herzdruckmassage erzielten Ersthelfer:innen bei der männlichen Puppe im Durchschnitt 80,4 Punkte, bei der weiblichen nur 70,5 von 100 möglichen Punkten. Das sind Ergebnisse der Studie „Basic Life Support – Durchführung von kardiopulmonalen Wiederbelebungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Diversitätsaspekten“, die mit 164 Teilnehmenden unter der Leitung des Instituts für Diversität in der Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt wurde. Drei Diplomanden haben die Studie unterstützt und begleitet: Jakob Stähr, David Ortner und Fabio Rützler. „Die Studienteilnehmenden sollten alleine eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen“, erklärt Medizinstudent Stähr. „Dabei fanden sie einmal die herkömmliche männliche Simulationspuppe vor und einmal eine Puppe, die wir mit Perücke, BH und Silikonbrüsten präpariert haben.“ |
COPD Leitlinie - neu!
Die aktualisierte S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 2026 ist publiziert! Federführend durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erstellt, waren mehr als 30 Expert:innen und eine große Zahl an Fachgesellschaften in die mehr als zweijährige Aktualisierungsarbeit eingebunden. „Diese Leitlinie ergänzt die Nationale Versorgungsleitlinie COPD und integriert die neuesten evidenzbasierten Erkenntnisse, um eine frühere und effektivere Behandlung zu ermöglichen“, betont DGP-Präsident Professor Christian Taube.
|
Strassenlärm und das Herz
Schon eine einzige Nacht mit mäßigem Straßenverkehrslärm bei vergleichsweise niedriger Belastung erhöht die Herzfrequenz, geht mit Veränderungen in Proteinen einher, die an Immun- und Stresssignalwegen beteiligt sind, und kann die Gefäßfunktion sowie die Schlafqualität beeinträchtigen. Das haben Forschende der Universitätsmedizin Mainz in einer kontrollierten Humanstudie anhand von Herz-Kreislauf-Messungen und Blutanalysen herausgefunden. Damit liefern sie experimentelle Hinweise auf biologische Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Straßenverkehrslärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären könnten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Cardiovascular Research veröffentlicht worden. Verkehrslärm gehört zu den häufigsten Umweltbelastungen in Europa. Langjährige Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass dauerhafte Lärmbelastung mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Bislang war jedoch noch wenig untersucht, wie der Körper unmittelbar auf Straßenverkehrslärm, der häufigsten Lärmquelle in Europa, in der Nacht reagiert. Dieser Forschungsfrage hat sich ein Forschungsteam um Dr. Omar Hahad, Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel und Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz gewidmet. Dr. rer. Physiol. Omar Hahad |
Flexible Schulstartzeiten
An Schultagen schlafen Jugendliche chronisch zu wenig – mit negativen Folgen für Wohlbefinden und Lernfähigkeit.
Eine neue Studie der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals Zürich zeigt:
Ein flexibler Start des Unterrichts am Morgen kann Schlaf, Gesundheit und schulische Leistungen verbessern.
Schülerinnen und Schüler haben Mühe, abends zeitig einzuschlafen – was schlecht zum frühmorgendlichen Schulstart passt.
Denn die Schlafbiologie von Jugendlichen ist auf ein spätes Einschlafen ausgerichtet, weil sich über die Jugend hinweg der biologische Rhythmus immer weiter in die Nacht hinein verschiebt. Die Folge: Die meisten schlafen an Schultagen zu wenig und bauen über die Woche ein Schlafdefizit auf.
«Das ist bedenklich, denn chronischer Schlafmangel betrifft nicht nur das Wohlbefinden, er hat auch messbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, körperliche Entwicklung und Lernfähigkeit», sagt Oskar Jenni von der Universität Zürich (UZH). Da gemäss dem Entwicklungspädiater ein früheres Einschlafen biologisch nur eingeschränkt möglich sei, könne ein späterer Schulbeginn am Morgen einiges bewirken. International ist der zeitlich versetzte Unterrichtsstart zwar gut untersucht, allerdings fehlen bislang Forschungen zu flexiblen Modellen, bei denen die Jugendlichen zwischen frühem und späterem Schulbeginn wählen können.
Neues Schulmodell mit flexiblen Randzeiten
Ein solches Projekt haben Joëlle Albrecht, Reto Huber und Oskar Jenni von der UZH und dem Universitäts-Kinderspital Zürich nun wissenschaftlich begleitet. Die Oberstufe Gossau im Kanton St. Gallen führte vor drei Jahren flexible Randzeiten ein. Vor dem regulären Unterrichtsbeginn morgens, mittags und am Nachmittag stehen seither individuelle Module zur Wahl. Die Schülerinnen und Schüler können so den Start in den Schultag am Morgen selbst bestimmen: entweder beginnen sie freiwillig um 07:30 Uhr oder erst ab 8:30 Uhr, wenn der offizielle Stundenplan startet.
Im Rahmen dieses Modells untersuchte das Forschungsteam das Schlafverhalten der Jugendlichen sowie die Auswirkungen von Schlafmangel auf Gesundheit und schulische Leistungen. Dazu wurden die durchschnittlich 14-Jährigen im alten Modus mit Schulstart um 07:20 Uhr einmal befragt und ein zweites Mal ein Jahr später im neuen Schulmodell. Insgesamt wertete das Forschungsteam 754 Rückmeldungen aus.
Flexible Randzeiten ermöglichen mehr Schlaf
Die Ergebnisse sind eindeutig:
95 Prozent der Schülerinnen und Schüler nutzten die Möglichkeit eines späteren Schulbeginns – im Durchschnittlich war dies 38 Minuten später als im alten Modus. Entsprechend standen die Jugendlichen am Morgen auch 40 Minuten später auf als früher. Da sich die Bettzeiten kaum verändert haben, hat sich die Schlafdauer erhöht: Die Jugendlichen schliefen an Schultagen im Schnitt 45 Minuten länger.
Es zeigten sich noch weitere Vorteile: «Die Schülerinnen und Schüler berichteten weniger häufig von Einschlafproblemen und hatten seltener tiefe Werte bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität», fasst Erstautorin Joëlle Albrecht zusammen. Im Vergleich zu den kantonal geeichten Testergebnissen ergaben sich im neuen Schulmodell zudem bessere objektive Lernleistungen in Englisch und Mathematik.
Bessere Gesundheit und schulische Leistungen
Die in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of Adolescent Health publizierte Studie zeigt damit:
Flexible Schulstartzeiten können ein wirksamer und praktikabler Ansatz sein, um chronischen Schlafmangel zu reduzieren sowie die psychische Gesundheit und die schulischen Leistungen von Jugendlichen zu verbessern. «Ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen kann also ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Mental-Health-Krise bei Schülerinnen und Schülern sein», ergänzt Co-Letztautor Reto Huber. Eine vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) herausgegebene Studie hat nämlich ergeben, dass der Anteil der 11- bis 15-Jährigen mit multiplen wiederkehrenden oder chronischen psychoaffektiven Beschwerden (z. B. Traurigkeit, Müdigkeit, Ängstlichkeit, schlechte Laune, Nervosität, Gereiztheit, Verärgerung und Einschlafschwierigkeiten) im Jahr 2022 bei 47 Prozent lag.
MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Dr. phil. Joëlle Albrecht
Entwicklungspädiatrie, Universitäts-Kinderspital Zürich
joelle.albrecht@kispi.uzh.ch
+41 79 657 15 85
Prof. Dr. sc. nat. Reto Huber
Entwicklungspädiatrie, Universitäts-Kinderspital Zürich
Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik, Universität Zürich
reto.huber@kispi.uzh.ch
+41 44 266 81 60
Prof. Dr. med. Oskar Jenni
Entwicklungspädiatrie, Universitäts-Kinderspital Zürich
oskar.jenni@kispi.uzh.ch
+ 41 44 249 75 36
Originalpublikation:
Literatur
Albrecht, J. N., Risch, A., Huber, R., & Jenni, O. G. (2026). The power of flexible school start times: Longitudinal associations with sleep, health, and academic performance. Journal of Adolescent Health, 17 February 2026. DOI: 10.1016/j.jadohealth.2026.01.011
COPD
Marburger Team identifiziert Botenstoff als Auslöser für Schleimüberproduktion und geschwächte Virusabwehr
Prof. Dr. Mareike Lehmann |
Entzündungsreaktionen
Interleukin-1 alpha ist ein Botenstoff, der vor allem für die Steuerung von Entzündungsreaktionen in unserem Körper verantwortlich ist. Ein Forschungsverbund der Universität des Saarlandes und der TU Dresden möchte herausfinden, was genau an der Innenwand von Blutgefäßen vonstattengeht, wo IL-1 alpha eine Rolle bei Entzündungen der Blutgefäße spielt, die bislang nur wenig erforscht wurde. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt ab dem Herbst 2026 mit rund 500.000 Euro. Entzündungen sind Reaktionen des Körpers auf Krankheitserreger oder entartete Zellen, die, wenn sie die Oberhand gewinnen, zu lebensgefährlichen Tumorerkrankungen führen können. Reguliert werden solche Entzündungsreaktionen, die den Körper grundsätzlich also gesund halten sollen, unter anderem durch einen wichtigen Botenstoff unseres Immunsystems, dem Interleukin-1 alpha (IL-1α). Wie so oft im Leben gilt aber auch für dieses IL-1 α: Die Dosis macht das Gift. Übertreibt es der Körper mit der Ausschüttung des Proteins, können in der Folge chronisch-entzündliche Krankheiten wie Rheuma oder chronische Herzmuskelentzündung (Perikarditis) entstehen. Es ist also von großer Bedeutung, genau zu verstehen, wie IL-1α in Balance gehalten wird. mit rund 500.000 Euro MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
|
