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Blutstrominfektion

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Internationale SNAP-Studie vergleicht erstmals gängige Medikamente direkt und liefert wichtige Erkenntnisse für neue Standardtherapie bei lebensbedrohlichen Blutstrominfektionen durch Staphylokokken.

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universitätsmedizin Magdeburg zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Penicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher gängige Standardpräparat Flucloxacillin – verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden in den führenden medizinischen Fachjournalen New England Journal of Medicine und The Lancet veröffentlicht. In Deutschland ist die Universitätsmedizin Magdeburg der Koordinator für 19 deutsche Studienzentren innerhalb der SNAP-Studie (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform Studie) – die weltweit bislang größte Studie dieser Art.

Staphylococcus aureus (S. aureus) zählt zu den gefährlichsten bakteriellen Krankheitserregern. Gelangt es in die Blutbahn, entstehen schwere Infektionen, die weltweit jährlich etwa ‪300.000‬ Todesfälle verursachen. Auch in Deutschland sterben – trotz bestmöglicher Versorgung – jährlich ca. 3.300 Patientinnen und Patienten an den Folgen einer solchen Infektion.

1.341 Patientinnen und Patienten in acht Ländern

Bei der Untersuchung von Cefazolin wurden 1.341 Patientinnen und Patienten aus acht Ländern per Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugewiesen: Die eine erhielt Cefazolin, die andere Flucloxacillin. Diese zufällige Zuteilung ist wichtig, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.

Das Ergebnis nach 90 Tagen: In der Cefazolin-Gruppe verstarben 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, in der Flucloxacillin-Gruppe 17 Prozent. Damit zeigte sich kein Nachteil für Cefazolin in der Wirksamkeit. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch bei den Nebenwirkungen. Unter der Behandlung mit Cefazolin traten deutlich weniger Fälle von akutem Nierenversagen als unter Flucloxacillin auf. Dabei handelt es sich um eine schwere Komplikation, bei der die Nieren plötzlich ihre Funktion verlieren und das Blut nicht mehr ausreichend reinigen können.

Bei Penicillin-empfindlichen Erregern wurde in einer zweiten Studie Penicillin gegeben und ebenfalls mit Flucloxacillin verglichen. Auch hier gab es weniger Nierenversagen als bei Flucloxacillin und daher wurde die Studie frühzeitig beendet.

Ein Meilenstein für die Infektionsmedizin

Bislang fehlten belastbare Vergleichsstudien zu diesen seit Jahrzehnten verwendeten Antibiotika. In Deutschland wird bisher meist Flucloxacillin verwendet, während in anderen Ländern wie den USA häufiger Cefazolin eingesetzt wird. Penicillin wird seltener verwendet. Die SNAP-Studie schließt diese Wissenslücke.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Cefazolin für die Patientinnen und Patienten mindestens genauso wirksam wie Flucloxacillin, aber besser verträglich ist“, sagt Studienärztin Jana Butzmann von der Universitätsmedizin Magdeburg.

Prof. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leiter der SNAP-Studie in Deutschland und Mitglied im globalen Lenkungsausschuss, ergänzt: „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein. Sie werden dazu führen, dass Cefazolin die neue Standardbehandlung für die meisten Erwachsenen mit dieser Infektion wird. Die SNAP-Studie ist auch in puncto globaler Zusammenarbeit richtungsweisend, da Studien dieser Größenordnung bei Blutstrominfektionen bislang nicht durchgeführt wurden.“

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Armin Willingmann betont: „Die exzellente globale Zusammenarbeit zum Wohle von Patientinnen und Patienten ist bemerkenswert. Wir sind stolz darauf, dass die Universitätsmedizin Magdeburg an dieser richtungsweisenden Studie maßgeblich mitwirkt und wir sie dabei unterstützen können. Hier zeigt sich, wie wichtig Internationalität und Vernetzung für die medizinische Forschung sind: Sachsen-Anhalt setzt jedenfalls weiterhin darauf – im Interesse der Menschen und der Wissenschaft!“

Große Studie mit vielen Beteiligten

Diese Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse der laufenden SNAP-Studie. Das Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit S. aureus-Infektionen weltweit zu verbessern. Da es sich um eine sogenannte „Plattform“-Studie handelt, ist es möglich, verschiedene Behandlungen gleichzeitig zu untersuchen. Bislang nahmen insgesamt mehr als 6.000 Patientinnen und Patienten an der Studie teil. Sie wird in mehr als 150 Krankenhäusern in Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Singapur, Südafrika, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich durchgeführt.

Initiiert wurde die Studie von Forscherinnen und Forschern der University of Melbourne und der University of Newcastle (Australien). Die europäische Koordination übernimmt das Universitair Medisch Centrum Utrecht und Ecraid. International wird die Studie durch eine Vielzahl von nationalen Institutionen unterstützt. Mehr Informationen unter www.snap.com.au

In Deutschland wird die SNAP-Studie durch das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt sowie durch das Netzwerk Universitätsmedizin (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) gefördert.

Originalpublikationen:

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

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Prof. Dr. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391-67-13392, E-Mail: achim.kaasch@med.ovgu.de

Originalpublikation:
The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden

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Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich hat sich im Jahre 2025 stabilisiert. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt lang kontinuierlich gestiegen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden lag bei 9,59 Millionen und blieb damit gegenüber den 9,58 Millionen des Vorjahres nahezu unverändert. Dies stellt eine deutliche Wende gegenüber den rasanten Zuwächsen dar, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zu verzeichnen waren. Dem ging jetzt ein weiterer Rückgang der Asylanträge voraus: Ihre Zahl sank im Jahr 2025 auf ‪770.000‬, nach 1,01 Millionen im Jahr 2024 und 1,1 Millionen im Jahr 2023.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse eines neuen Berichts des Centre for the Research and Analysis of Migration bei der ROCKWOOL Foundation Berlin (CReAM@RFBerlin).
„Der Rückgang in Deutschland lässt sich weitgehend durch Einbürgerung und Integration erklären, während sich die Zahlen in Polen aufgrund eines Stillstands bei der Zuwanderung stabilisiert haben. Diese Beispiele zeigen, dass Veränderungen bei den Flüchtlingszahlen nicht einfach als Veränderungen bei den Ein- oder Ausreisen interpretiert werden können“, sagt Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London.

„Viele Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, leben weiterhin hier. Sie erscheinen jedoch nicht mehr in der Flüchtlingsstatistik, weil sie inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben.“ Im Jahre 2025 wurden in Deutschland mehr als 65.000 Syrerinnen und Syrer sowie fast 14.000 Irakerinnen und Iraker eingebürgert. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer war dagegen vergleichsweise gering. Daneben spielte auch ein deutlicher Rückgang neuer Asylanträge eine wichtige Rolle, insbesondere bei Syrern.

„Die Phase des raschen Wachstums der Flüchtlingsbevölkerung in Europa scheint zu Ende gegangen zu sein“, sagte Tommaso Frattini, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand und stellvertretender Direktor von CReAM@RFBerlin. „Die Flüchtlingszahlen sind zwar nach wie vor historisch hoch, aber die Kräfte, die sie beeinflussen, verändern sich.“

„Besonders auffällig ist, dass sich hinter der allgemeinen Stabilität der Flüchtlingsbevölkerung in Europa sehr unterschiedliche nationale Entwicklungen verbergen“, fügt Dustmann hinzu. Hinter der stabilen Gesamtzahl verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Auch Italien verzeichnete einen Rückgang bei den Flüchtlingen, um 17,9 Prozent. Gleichzeitig war in Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich weiterhin ein Anstieg zu beobachten.

Europaweit gingen die neuen Asylanträge im Jahre 2025 um fast 18 Prozent zurück, wobei der stärkste Rückgang bei den Syrern zu verzeichnen war, die nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes Ende 2024 über 70 Prozent weniger Asylanträge stellten. Die Zahl der Anträge sank zudem um 15 Prozent bei Afghanen, um 46 Prozent bei Türken, um 60 Prozent bei Kolumbianern und um 15 Prozent bei Bangladeschern. Unter den wichtigsten Herkunftsländern bildet Venezuela eine Ausnahme: Die Anträge von venezolanischen Staatsangehörigen stiegen um 24 Prozent auf 91.000. Sie gingen vor allem nach Spanien. Generell wird die Flüchtlingsbevölkerung zunehmend durch Einbürgerungen, Statusänderungen, Rückführungen und Verwaltungsprozesse geprägt und weniger durch große neue Zuströme.

Mit Blick auf die Zukunft werden die Entwicklungen in der Ukraine entscheidend sein. Die Ukrainer machen fast die Hälfte aller Flüchtlinge und Asylsuchenden in der EU und im Vereinigten Königreich aus, sodass groß angelegte Rückführungen oder Änderungen an den Regelungen zum vorübergehenden Schutz die Flüchtlingsbevölkerung in Europa erheblich verringern könnten. Gleichzeitig dürfte der EU-Pakt über Migration und Asyl, der 2026 in Kraft treten soll, die Grenzverfahren und Rückführungen verstärken. Die größte Unsicherheit bleibt jedoch geopolitischer Natur: Ein neuer großer Konflikt in der Nähe Europas könnte die derzeitige Stabilisierung schnell umkehren.

Die Analyse basiert auf Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) und von Eurostat.

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Prof. Christian Dustmann; cd@rfberlin.com; Tel.: ‪0044 7818 048 380‬
Prof. Tommaso Frattini; tf@rfberlin.com; Tel.: ‪0039 347 640 38 45‬

Originalpublikation:
“The Refugee Population in Europe in 2025: A Decade of Growth Comes to a Halt”, CReAM-Bericht 05/2026, von Christian Dustmann, Tommaso Frattini, Camilla Piovesan und Giuseppe Pulito. https://www.rfberlin.com/cream-report/05-2026/

Die Tauben und das Eisen im Blut

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Tauben besitzen Immunzellen in der Leber, die mit Eisen angereichert sind. Diese helfen den Vögeln, sich im Erdmagnetfeld zu orientieren.

Wie Tauben Hunderte von Kilometern fliegen und dennoch den Weg nach Hause finden, fasziniert die Menschen seit langem. Nun sagen Forscher, dass eine überraschende Antwort möglicherweise nicht im Gehirn oder in den Augen der Vögel, sondern in der Leber verborgen liegt. Eine in Fachjournal 'Science' veröffentlichte Studie legt nahe, dass spezielle Zellen in der Leber von Tauben das Erdmagnetfeld wahrnehmen können und den Vögeln so einen inneren Kompass geben.

Diese speziellen Zellen, sogenannte „Makrophagen“, sind Immunzellen, die alte rote Blutkörperchen abbauen. Dabei reichern sie Eisen an, die es ihnen möglicherweise ermöglichen, auf Magnetfelder zu reagieren. Ohne diese intakten Zellen können Tauben nicht nach Hause navigieren. „Wir hatten überhaupt nicht erwartet, dass Immunzellen wie Sensoren für Magnetfelder wirken“, sagt Christian Kurts, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des Universitätsklinikums Bonn und einer der Co-Seniorautoren der Studie. „Unsere Ergebnisse enthüllen einen bisher unbekannten Mechanismus der magnetischen Wahrnehmung bei Tieren.“ „Was bei der Navigation von Vögeln wie ein ‚Bauchgefühl‘ aussieht, könnte tatsächlich eine physikalische Grundlage haben“, fügt Martin Wikelski hinzu, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und der andere Co-Seniorautor der Studie.

Seit Jahrzehnten wissen Forschende, dass Zugvögel und Brieftauben sich bei der Navigation teilweise auf das Erdmagnetfeld stützen. Doch wie genau sie dieses wahrnehmen, bleibt eines der ungelösten Rätsel der Biologie. Konkurrierende Theorien gehen davon aus, dass Vögel Magnetfelder durch lichtempfindliche Moleküle im Auge „sehen“ oder sie mithilfe winziger magnetischer Partikel im Schnabel wahrnehmen könnten. Keine dieser Theorien konnte bisher überzeugende experimentelle Belege liefern.

Die neue Studie schlägt einen anderen Mechanismus für die magnetische Wahrnehmung vor, gestützt durch eine Kombination aus Labortests und Verhaltensexperimenten. Ein Team aus Immunologen der Universität Bonn und Physikern der Universität Duisburg-Essen arbeitete mit Ornithologen des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie zusammen.

Ort der Magnetwahrnehmung

Um festzustellen, wo sich bei Tauben magnetische Zellen befinden, nutzten die Forscher Techniken wie die „Vibrating-Sample-Magnetometrie“ und die „magnetische Zellseparation“, um Organe zu untersuchen, von denen angenommen wird, dass sie an der Magnetwahrnehmung beteiligt sind, darunter Augen, Schnabel und Gehirn. Sie untersuchten auch Leber und Milz. „Wir hatten einige Hinweise darauf, dass Leber und Milz magnetische Eigenschaften besitzen, da sie rote Blutkörperchen abbauen und somit viel Eisen im Körper speichern“, sagt Erstautorin Clivia Lisowski von der Universität Bonn und dem Universitätsklinikum Bonn, die die immunologischen Untersuchungen leitete.

Die Ergebnisse stützten diese Annahme. Von allen untersuchten Geweben wies die Leber die höchste Eisenkonzentration auf. „Eisen ist in Oxid-Nanopartikeln kristallisiert, was die Zellen superparamagnetisch macht und sie auf Magnetfelder reagieren lässt. Die mit Abstand stärkste magnetische Reaktion haben wir in der Leber gemessen“, fügt Ulf Wiedwald von der Universität Duisburg-Essen hinzu. Weitere Analysen identifizierten Makrophagen in der Leber als die verantwortlichen Zellen.

Von der Wahrnehmung bis zur Navigation

Um zu testen, ob Lebermakrophagen eine Rolle bei der Navigation spielen, führte das ornithologische Team Experimente an Tauben durch, die darauf trainiert waren, aus Entfernungen von über zwanzig Kilometern zu ihrem Taubenschlag am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz zurückzukehren. Ohne die Makrophagen verloren die Tauben an bewölkten Tagen, an denen die Sonne verdeckt war, ihren Orientierungssinn. Wenn die Sonne jedoch sichtbar war, navigierten die Tauben erfolgreich nach Hause. Wahrscheinlich orientierten sie sich am Stand der Sonne. Die Ergebnisse demonstrieren, wie Vögel neben der Sonnenausrichtung auch die magnetische Wahrnehmung zur Navigation nutzen.

Die Forschenden untersuchten zudem, wie Signale aus der Leber weitergeleitet werden könnten. Elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigten, dass die eisenreichen Makrophagen in der Nähe von Nervenfasern sitzen, was auf einen Weg hindeutet, über den magnetische Informationen das Gehirn erreichen.

Neues Verständnis von Navigation

Die Studie verbindet bekannte biologische Prozesse, darunter den Eisenstoffwechsel und die Kommunikation zwischen Immun- und Nervensystem, zu einer klaren Antwort auf die grundlegende Frage, wie Tiere navigieren. „Diese Ergebnisse liefern den ersten Beweis dafür, wie das Erdmagnetfeld im Körper wahrgenommen und an das Gehirn weitergeleitet werden kann, um die Bewegung zu steuern“, erklärt Lisowski. „Die Navigation von Tieren ist eines der faszinierendsten Phänomene in der Natur“, sagt Wikelski. „Wenn Immunzellen Teil der Richtungswahrnehmung von Vögeln sind, würde dies unser Verständnis von Navigation grundlegend verändern.“

Viele Fragen bleiben offen, insbesondere wie Signale dieser Zellen im Gehirn verarbeitet werden. Über Vögel hinaus könnten diese Erkenntnisse Auswirkungen auf Tiere wie Haie haben, die ohne Licht navigieren. Es ist möglich, dass andere Tiere und vielleicht sogar Menschen auf Magnetfelder auf bisher noch nicht verstandene Weise reagieren.

Auf den Punkt gebracht

* Bisher unbekannter Navigationsmechanismus: Tauben könnten das Erdmagnetfeld
mithilfe eisenreicher Immunzellen in ihrer Leber wahrnehmen.

* Navigationsexperimente: Ohne eisenhaltige Immunzellen in der Leber ist der
Orientierungssinn der Tauben bei bewölktem Himmel beeinträchtigt.

* Wahrnehmung über das Immunsystem: Die Ergebnisse deuten auf einen neuen
Zusammenhang zwischen Immunität und Sinneswahrnehmung bei Vögeln und
möglicherweise auch anderen Tierarten hin.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR  ORT
Clivia Lisowski, Institut für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des UKB cliso@uni-bonn.de
Christian Kurts, Institut für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des UKB Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) Life and Health der Universität Bonn ckurts@uni-bonn.de
Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Radolfzell / Konstanz wikelski@ab.mpg.de

Originalpublikation:7
Clivia Lisowski et al.: Homing pigeon navigation relies on superparamagnetic macrophages under overcast conditions. Science, 28. Mai, 2026, DOI: https://www.science.org/doi/10.1126/science.ady2486

Hitze Prognose für Land Berlinvon heute, Montag, den 15.06.2026, bis Montag, den 22.06.2026

Hitze Prognose für Land Berlin
von heute, Montag, den 15.06.2026, bis Montag, den 22.06.2026

Aktuelle Hitzewarnungen:

HEUTE:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung
MORGEN:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Prognostizierter Wochentrend der Wärmebelastung:

Mi 17.06.26:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Do 18.06.26:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Fr 19.06.26:
❗ Eine Warnung vor starker Wärmebelastung (Stufe 1) ist wahrscheinlich.

Sa 20.06.26:
❗ Eine Warnung vor starker Wärmebelastung (Stufe 1) ist wahrscheinlich.

So 21.06.26:
✅ Keine warnwürdige Wärmebelastung

Mo 22.06.26:
✅ Keine warnwürdige Wärmebelastung

Aktuelle Informationen zur Entwicklung in den kommenden Tagen finden Sie auch auf

     https://www.hitzewarnungen.de

Verhaltensempfehlungen zum Umgang mit Hitze finden Sie unter

     https://hitzewarnungen.de/handlungsempfehlungen.jsp

Diese Prognose basiert auf aktuellen Vorhersagen. Im Verlauf des Vorhersagezeitraums
kann sich die Prognose durch aktuellere Modellberechnungen noch ändern.

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 15.06.2026 um 12:05 Uhr.
====================================================
Ihr Ansprechpartner beim Deutschen Wetterdienst:

DWD - Medizin-Meteorologie
Email: gesundheit@dwd.de
Tel: +49(69)8062-9630

Weitere Informationen zum Deutschen Wetterdienst
finden Sie im Internet unter www.dwd.de


Deine Augen - Deine Augenlieder

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Gersten- und Hagelkörner zählen zu den häufigsten Augenleiden überhaupt, die bei vielen Menschen mindestens einmal im Leben auftreten. Meist sind die korngroßen Schwellungen an Ober- oder Unterlid zwar lästig und schmerzhaft, aber harmlos, und sie heilen von allein ab. Doch bei Menschen unter anderem mit Hauterkrankungen, allergischer Neigung, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem können sich die Lider immer wieder neu entzünden. In seltenen Fällen kann eine hartnäckige Schwellung auch auf eine erste Tumorerkrankung hinweisen. Wie Betroffene mit Gersten- und Hagelkörnern am besten umgehen, erklärt eine Expertin der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG).


Wer hat sie nicht schon mal gesehen, diese auffälligen roten Knötchen an den Augenlidern? Hordeolum und Chalazion, wie Gersten- und Hagelkörner in der Fachsprache heißen, entstehen in den Drüsen, die am Lidrand sitzen. „Es handelt sich in beiden Fällen um Entzündungen“, sagt Dr. med. Philomena Alice Wawer Matos Reimer vom Zentrum für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln. Doch es gibt einen Unterschied, erläutert die DOG-Expertin: „Das Gerstenkorn entsteht aufgrund einer bakteriellen Infektion, eitert oft ähnlich wie ein Pickel und schmerzt.“ Das Hagelkorn ist dagegen meist die Folge eines Sekret-Staus in einer Meibomdrüse. „Es eitert nicht, ist abgekapselt, entwickelt sich eher langsam und ist in der Regel deutlich weniger schmerzhaft“, so Wawer Matos Reimer.

Antibiotische Augensalben nur beim Gerstenkorn
Gerstenkörner klingen meist innerhalb weniger Tage ab, Hagelkörner dagegen erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten. „Beim Gerstenkorn kann bei ausgeprägter bakterieller Entzündung eine antibiotische Augensalbe sinnvoll sein, die der Augenarzt oder die Augenärztin verschreibt, beim Hagelkorn helfen Antibiotika in der Regel nur im akuten Entzündungsintervall“, erläutert Wawer Matos Reimer. In beiden Fällen unterstützen desinfizierende und entzündungshemmende, meist kortisonhaltige Salben.

Wirksames Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee
Besonders hilfreich sind warme Kompressen kombiniert mit Lidkantenpflege: Zunächst die geschlossenen Augenlider für fünf bis zehn Minuten durchgehend warm behandeln, am besten mit einem warmen Kirschkernkissen oder einer Wärmemaske; dann mit einem Wattepad das Lid sanft zum Rand hin massieren und mit einem Wattestäbchen die Lidränder reinigen. „Womit wir sehr gute Erfahrungen machen, ist ein altes Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee“, so Wawer Matos Reimer. „Dafür einen schwarzen Tee zubereiten, abkühlen lassen, einen Lappen mit lauwarmem Teewasser tränken und auf das Auge legen.“ Fertige Tücher mit Schwarztee-Extrakt oder Teebaumöl gibt es in Apotheken. Heilt das Hagelkorn partout nicht ab, kommt ein kleiner Eingriff in Betracht. „Wir machen unter lokaler Betäubung je nach Lokalisation der Läsion von der Innen- bzw. Außenseite des Lides aus einen winzigen Schnitt und entfernen das entzündliche Gewebe samt Kapsel“, erklärt die Kölner Augenärztin.

Hormonelle Umstellungsphasen triggern Hagelkörner
Täglich einige Minuten Lidkantenpflege ist auch die beste Vorbeugung, sollten Hagel- oder Gerstenkörner immer wieder auftreten. „Wir wissen, dass dies bei Menschen mit Hauterkrankungen wie seborrhoischem Ekzem, Rosazea, Neurodermitis, allergischer Neigung oder auch Diabetes, Lidrandentzündungen, chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Immunsuppression häufiger der Fall ist“, berichtet die DOG-Expertin. Auch bei Frauen, die sich in hormonellen Umstellungsphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre befinden, kann sich die Funktion der Meibomdrüsen verändern und die Neigung zu Hagelkörnern steigen.

Tipp: Tägliche Lidkantenpflege unter der warmen Dusche
„Unser Tipp ist, die Lidkantenpflege konsequent durchzuführen und in die tägliche Routine einzubauen, beispielsweise unter der warmen Dusche“, rät die Augenärztin. Hilfreich sind zudem Gelmasken aus Apotheke oder Drogerie, die man erwärmen kann – oder auch Doxycyclin, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das die Sekrete verflüssigt und insbesondere bei Rosazea oder in hartnäckigeren Fällen notwendig werden kann. Auch eine professionelle Ausreinigung von Meibomdrüsen kann bei spezialisierten Augenärztinnen und Augenärzten erfolgen.

Faktoren meiden, die Entzündungen begünstigen
Darüber hinaus sollten Dauergeplagte unbedingt Faktoren vermeiden, die Entzündungen begünstigen und das Immunsystem weiter schwächen. „Dazu gehören aktives und passives Rauchen, chronischer Stress und Schlafmangel“, so Wawer Matos Reimer. Wichtig sind außerdem konsequente Hygiene an Händen und Lidrändern, sorgfältige Kontaktlinsenpflege, gründliches Abschminken an den Augen und das Vermeiden von Augenreiben.

Warnzeichen für tumoröse Veränderungen
In seltenen Fällen kann es sich bei hartnäckigen Schwellungen auch um einen Tumor handeln, meist um ein langsam wachsendes Basalzellkarzinom – oder um ein sehr seltenes Talgdrüsen- oder Merkelzellkarzinom, die zwar nur in zwei bzw. 0,5 Prozent aller Fälle vorkommen, aber äußerst bösartig und aggressiv sind. „Warnzeichen sind ein Verlust von Wimpern, ein nachgewiesenes Wachstum der Schwellung oder eine nicht heilende Wunde, die auch mit Blutungen einhergehen kann“, so die DOG-Expertin. Auch Veränderungen wie ein Konturverlust der Lidkante sollten unbedingt augenärztlich untersucht werden. „In solchen Situationen nicht lange warten und umgehend einen Termin vereinbaren“, betont Wawer Matos Reimer.

Literatur:

Adamski WZ, Maciejewski J, Adamska K, Marszałek A, Rospond-Kubiak I. The prevalence of various eyelid skin lesions in a single-centre observation study. Postepy Dermatol Alergol. 2021 Oct;38(5):804-807. doi: 10.5114/ada.‪2020.95652‬. Epub 2020 Jun 8. PMID: ‪34849127‬; PMCID: PMC8610049.

Loth, C., Miller, C.V., Haritoglou, C. et al. Hordeolum und Chalazion. Ophthalmologe 119, 97–108 (2022). https://doi.org/10.1007/s00347-021-01436-y

Schaller UC. Hordeolum und Chalazion: Diagnose und Therapie [Hordeolum and Chalazion: Diagnosis and Therapy]. MMW Fortschr Med. 2026 Feb;168(3):37-41. German. doi: 10.1007/s15006-026-5637-0. PMID: ‪41714497‬.

Eckstein A, Heindl L M, Hintschich C. Tumoren der Augenlider und der Orbita – aktuelle Aspekte in Diagnostik und Therapie (https://eref.thieme.de/ejournals/1439-3999_2023_01?context=ejournal&contextI...). Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2023; 240(01): ‪11 - 12‬. doi:10.1055/a-1972-9841

Hoerster, R., Schlaak, M., Koch, K.R. et al. Merkel-Zell-Karzinom des Augenlids – eine häufig verkannte Diagnose. Ophthalmologe 114, 134–139 (2017). https://doi.org/10.1007/s00347-016-0355-0

Steinberg FT, Matos PAW, Rokohl AC, Heindl LM. Infections and Autoimmune Disorders of the Eyelids - Difficult Differential Diagnoses and Therapeutic Challenges. Klin Monbl Augenheilkd. 2025 Dec;242(12):1191-1199. English, German. doi: 10.1055/a-2689-6204. Epub 2025 Aug 25. PMID: ‪40854533‬.

Zwingelberg, S.B. (2024). Hordeolum und Chalazion: (Differenzial-)Diagnose und Therapie. In: Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F.G., Lagrèze, W.A. (eds) Die Augenheilkunde. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-65929-8_150-1

Alfaar AS, Suckert CN, Rehak M, Girbardt C. The epidemiology of adults' eyelid malignancies in Germany between 2009 and 2015; An analysis of 42,710 patients' data. Eur J Ophthalmol. 2022 Nov 4;33(2):‪11206721221125018‬. doi: 10.1177/‪11206721221125018‬. Epub ahead of print. PMID: ‪36330713‬; PMCID: PMC9999282.

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 8.400 Mitglieder, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscherinnen und Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

Aufsichtsratssitzung

Am Abend vor der Aufsichtsratssitzung sitzt der Geschäftsführer noch im Büro. Der Rücktritt der Pflegedirektorin wird Thema sein. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, die Stimmung im Haus fragil bis schlecht. Erwartet wird ein klares Signal: Stabilität, Führung, Kontrolle.

Auf dem Notizblock steht: „Steuerung intensivieren. Berichtswesen nachschärfen.“ Er hält inne und beginnt ein inneres Gespräch:

  • „Warum will ich die Steuerung verschärfen? – Weil ich zeigen muss, dass die Situation im Griff ist.
  • Warum ist mir dieses Signal so wichtig? – Weil der Aufsichtsrat Sicherheit erwartet.
  • Warum trifft mich diese Erwartung so? – Weil Vertrauen schnell kippen kann und ich dafür verantwortlich bin.
  • Und warum reagiere ich darauf mit engerer Kontrolle? – Weil Kontrolle sich nach Handlungsfähigkeit anfühlt.“ Hier wird es persönlich. Es geht nicht mehr nur um Organisation, sondern um das eigene Sicherheitsbedürfnis in unsicheren Zeiten.
  • Er fragt weiter: „Dient zusätzliche Steuerung tatsächlich der Stabilität des Hauses? Oder vor allem meinem Bedürfnis, Stärke zu demonstrieren?“

Die Technik ist schlicht und wirkungsvoll: dieselbe Frage wiederholen – Warum? – und sich mit der ersten vernünftigen Antwort nicht zufriedengeben. So lange, bis sich der Fokus vom operativen Argument zum eigentlichen Motiv verschiebt.

Am Ende steht auf seinem Block etwas anderes: „Prioritäten klären. Belastung prüfen. Mandat der neuen Pflegedirektion stärken.“

Gerade bei Entscheidungsträgern entscheidet diese innere Selbstbefragung manchmal über die Qualität von Führung. Wer sie überspringt, reagiert auf Druck mit mehr Druck, wer sie zulässt, gewinnt Handlungsspielraum.

Wöchentliche und Lebensarbeitszeit

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Soziale Unterschiede in der Arbeitsmarktbeteiligung werden oft nur einseitig entweder über den Anteil der Erwerbstätigen oder über die wöchentliche Arbeitszeit in Stunden erfasst. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) hat nun erstmals mit dem Indikator „Lebensarbeitszeit“ beide Aspekte zusammen betrachtet. Das Ergebnis: Personen mit hoher Bildung, wie etwa einem Hochschulabschluss, verzeichnen in Deutschland durchschnittlich die längste Lebenszeit in Erwerbsarbeit, gefolgt von Personen mit mittleren und niedrigen Bildungsabschlüssen.

Aktuelle Zahlen für 2025 zeigen, dass die Lebensarbeitszeit bei Männern mit hoher Bildung bei 40,6 Jahren liegt. Damit ist sie mehr als neun Jahre länger als bei Männern mit niedriger Bildung (31,3 Jahre). Bei Frauen beträgt der Unterschied zwischen Personen mit hoher und niedriger Bildung sogar 14 Jahre (31,9 im Vergleich zu 17,9 Jahren). Insgesamt verzeichnen Männer eine Lebensarbeitszeit von 38,8 Jahren, während Frauen auf einen Wert von 28,8 Jahren kommen.

Bei der Betrachtung der Entwicklung seit 1991 wird deutlich, dass die Lebensarbeitszeit in Deutschland nach der Wiedervereinigung zunächst zurückging. Um das Jahr 2005 erreichte sie einen Tiefpunkt, bevor sie anschließend wieder relativ stetig anstieg. Dabei zeigen sich im Gesamtverlauf deutliche Unterschiede zwischen den betrachteten Gruppen. Frauen mit niedriger Bildung kamen im Jahr 2025 auf eine Lebensarbeitszeit von 17,9 Jahren und lagen damit rund zwei Jahre unter dem Niveau von 1991 (20,2 Jahre). Hoch gebildete Frauen legten dagegen zu und erreichten zuletzt 31,9 Jahre (1991: 30,8 Jahre).

Die höchsten Anstiege aller Gruppen verzeichneten Frauen mit mittlerer Bildung mit einer Zunahme von 25,7 auf 29,7 Jahre. Bei Männern mit hoher Bildung lag der Wert 2025 mit 40,6 Jahren leicht über dem von 1991 (40,4 Jahre), während niedrig gebildete Männer mit 31,3 Jahren deutlich darunterblieben (1991: 36,0 Jahre). Insgesamt sind niedrig gebildete Personen bei der Lebensarbeitszeit in den letzten Jahrzehnten gegenüber Personen mit hoher und mittlerer Bildung zurückgefallen.

„Die vergleichsweise hohe Lebensarbeitszeit von Personen mit hoher Bildung lässt sich vor allem auf ihre durchgehend höheren Erwerbstätigenquote zurückführen“, analysiert der BiB-Wissenschaftler und Mitautor der Studie, Harun Sulak. „Diese gleichen zusammen mit der höheren Wochenarbeitszeit den im Durchschnitt späteren Eintritt in das Erwerbsleben durch längere Ausbildungszeiten mehr als aus. Ein Studium führt also nicht zwangsläufig zu einer verkürzten Lebensarbeitszeit.“ Die Erwerbstätigkeit von Personen mit niedriger Bildung ist dagegen stärker von der konjunkturellen Entwicklung und der Lage auf dem Arbeitsmarkt abhängig, weshalb ihre Erwerbsbiografien öfter unterbrochen sind.

Allgemein ist die Lebensarbeitszeit heute mit 33,8 Jahren mehr als anderthalb Jahre länger als Anfang der 1990er Jahre (1991: 32,1 Jahre). Damit werden die Beschäftigungspotenziale pro Person in einem höheren Maße ausgeschöpft, was sich fördernd auf die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme in einer alternden Bevölkerung auswirkt. Verbleibendes Potenzial sehen die Forschenden vor allem bei Frauen, bei älteren Personen und bei jüngeren und mittleren Altersgruppen mit niedriger Bildung. „Dabei ist bei Frauen und auch bei Männern weiterhin die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Thema“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Klüsener vom BiB, Mitautor der Studie. „Bei älteren Personen sind gesundheitlicher Arbeitsschutz und lebenslanges Lernen von hoher Bedeutung.“ Die BiB-Direktorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass es weiterhin einen hohen Anteil von Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss gibt: „Wenn es uns gelingt, diesen Anteil zu reduzieren, könnten weitere Arbeitsmarktpotenziale erschlossen werden.“

Zur Methodik: Die Auswertungen basieren auf repräsentativen Daten des Mikrozensus. Bei diesen wurden alle Personen in Deutschland im Alter zwischen 15 und 74 Jahren und ihre Erwerbsbeteiligung in dieser Altersspanne berücksichtigt. Die obere Altersgrenze von 74 Jahren wurde gewählt, da ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung auch über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig ist. Dies ist bei Personen mit hoher Bildung besonders ausgeprägt. Die geleisteten Wochenarbeitszeiten wurden auf Basis einer 40-Stunden-Woche gewichtet, wodurch Tätigkeiten in Teilzeit anteilig berücksichtigt wurden (dies wird auch als „Vollzeitäquivalent“ bezeichnet). Zeiten der Erwerbslosigkeit wurden nicht zur Lebensarbeitszeit gerechnet. Ein konkretes Berechnungsbeispiel: Wenn etwa von sämtlichen Personen in einem bestimmten Alter 80 Prozent erwerbstätig sind und durchschnittlich 40 Stunden pro Woche arbeiten, fließen für dieses Alter 0,8 Jahre an Lebenszeit in Erwerbsarbeit in die Berechnungen ein. Der Bildungsabschluss wurde nach der ISCED-Klassifikation (ISCED 2011) abgegrenzt, wobei ISCED 0 bis 2 einem niedrigen (kein beruflicher Abschluss und kein Abitur), 3 bis 4 einem mittleren (Abitur oder Lehre oder vergleichbarer Abschluss) und 5 bis 8 einem hohen Bildungsabschluss ((Fach-)Hochschul- oder Meisterabschluss) entsprechen. Bei den Qualifikationsniveaus ist zu berücksichtigen: Erwerbstätigkeiten vor dem Erreichen eines bestimmten Bildungsabschlusses fließen jeweils in die Lebensarbeitszeit der nächstniedrigeren Bildungsgruppe ein, wodurch u. a. Erwerbstätigkeiten während der Ausbildung oder des Studiums nicht in die Lebensarbeitszeit der Personen mit mittlerem bzw. hohem Bildungsabschluss einfließen. Dies führt tendenziell zu einer leichten Unterschätzung der Lebensarbeitszeit von Personen mit mittlerem Bildungsabschluss.


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Prof. Dr. Sebastian Klüsener Sebastian.Kluesener@bib.bund.de
Harun Sulak Harun.Sulak@bib.bund.de

Originalpublikation:
Sulak, Harun; Dudel, Christian; Loichinger, Elke; Klüsener, Sebastian (2026): Trends in working life expectancy and untapped employment potential in an ageing population: The case of Germany. European Journal of Population, 42/14.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10680-026-09773-x

Rauchende Kinder- und Jugendliche

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Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Vor allem der Konsum neuartiger Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel nimmt deutlich zu und das obwohl sie extrem ungesund sind und schnell nikotinabhängig machen können. Das zeigen repräsentative Daten der Drogenaffinitätsstudie aus dem Jahr 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2026 erstmals veröffentlicht.

Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Vor allem der Konsum neuartiger Nikotinprodukte wie Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel nimmt deutlich zu und das obwohl sie extrem ungesund sind und schnell nikotinabhängig machen. Das zeigen repräsentative Daten der Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) anlässlich des Weltnichtrauchertags 2026 (31. Mai) erstmals veröffentlicht.
Demnach rauchte 2025 fast jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen (9,6 %). 2021 waren es noch 6,1 Prozent. Damit zeigt sich bei Jugendlichen eine gegenläufige Entwicklung zum langfristigen Rückgang des Rauchens bei jungen Erwachsenen. Besonders auffällig: Vor allem Mädchen rauchen deutlich mehr als noch vor fünf Jahren.
In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen sank der Anteil Rauchender von 29,8 Prozent im Jahr 2021 auf 26,3 Prozent im Jahr 2025.

Weiter auf dem Vormarsch ist bei jungen Menschen das Vapen: Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten nimmt deutlich zu. Bei Jugendlichen stieg der Anteil der Konsumierenden seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent bei männlichen Jugendlichen und von 1,8 auf 7,8 Prozent bei weiblichen Jugendlichen. Auch bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hat sich der Konsum erhöht. Bei den jungen Männern nahm der Anteil der Konsumenten von 6,9 Prozent (2021) auf 13,3 Prozent (2025) zu. Bei den jungen Frauen stieg er von 4,7 auf 11,9 Prozent.
Neun von zehn Konsumierenden nutzen in den Mehrweg-E-Zigaretten nikotinhaltige Liquids, die oft mit süßen Aromen und jugendaffinem Design vermarktet werden.

Auch Nikotinbeutel gewinnen an Bedeutung und das, obwohl der Verkauf in Deutschland untersagt ist. 2025 gaben 5,5 Prozent der Jugendlichen und 18,9 Prozent der jungen Erwachsenen an, diese Produkte bereits ausprobiert zu haben. 2023 waren es noch 4,1 Prozent der Jugendlichen und 14,8 Prozent der jungen Erwachsenen.

Die Daten zeigen insgesamt eine Verschiebung im Konsumverhalten junger Menschen: Während der Konsum von Wasserpfeifen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist und auch der von Einweg-E-Zigaretten, gewinnen andere neue Nikotinprodukte an Bedeutung. Vor allem Mehrweg-E-Zigaretten, aromatisierte Liquids und Nikotinbeutel können für junge Menschen attraktiv wirken, obwohl sie gesundheitliche Risiken bergen und Nikotinabhängigkeit fördern können.

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: „Die Drogenaffinitätsstudie ist ein klares Warnsignal. Jugendliche rauchen und vapen wieder häufiger, und Nikotinprodukte sind für junge Menschen heute leichter sichtbar, leichter verfügbar und oft gezielt attraktiv gemacht. Hier dürfen wir nicht einfach nur zusehen. E-Zigaretten und Nikotinbeutel sind nicht harmlos. Nikotin macht abhängig, belastet Herz und Kreislauf und kann junge Menschen früh an dauerhaften Konsum binden. Bei E-Zigaretten werden zusätzliche Stoffe inhaliert, die in Mund, Rachen und Lunge gelangen. Bei Nikotinbeuteln wird Nikotin direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Das ist kein Lifestyleprodukt, sondern ein Gesundheitsrisiko. Besonders verantwortungslos ist die Aufmachung vieler Produkte. Wenn Nikotin nach Cola, Kiwi, Kaugummi oder Menthol schmeckt und in bunten Verpackungen daherkommt, dann ist das keine zufällige Produktgestaltung. Das senkt die Hemmschwelle und macht Nikotin für junge Menschen attraktiv. Zum Teil sind diese Zusatzstoffe gesundheitsschädlich oder krebserregend und gehören nicht in die Lungen – erst recht nicht in die Lunge von Jugendlichen. Deshalb brauchen wir klare Regeln für Inhaltsstoffe, Aromen, Werbung und Verpackung. Gesundheitsschädliche und jugendaffine Aromen gehören verboten. Nikotin darf nicht über Geschmack und Design bei jungen Menschen landen. Nikotinbeutel dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Zigaretten und E-Zigaretten gehören nicht in Jugendhände – an unter 18-Jährige dürfen sie nicht verkauft werden, aber das muss auch durchgesetzt werden.“

Dr. Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: „Die meisten Jugendlichen leben rauchfrei, das ist erst einmal eine gute Nachricht. Gleichzeitig rauchen wieder mehr Jugendliche und auch Mehrweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel werden häufiger konsumiert. Das bereitet uns Sorge, denn Nikotin macht schnell abhängig und kann den Einstieg ins Rauchen erleichtern. Deshalb klären wir früh auf, unterstützen beim Ausstieg und setzen uns für klare Regeln ein, die junge Menschen schützen.“

Ein Faktenblatt mit ausgewählten Grafiken und weiteren Ergebnissen der Repräsentativbefragung steht hier zum Download bereit: https://www.bioeg.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Der Teilband „Tabak und andere nikotinhaltige Produkte“ der Drogenaffinitätsstudie 2025 findet sich hier: https://www.bioeg.de/forschung/studien/abgeschlossene-studien/studien-ab-1997/su...

Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2025“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit:
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit untersucht regelmäßig mit wiederholt durchgeführten Repräsentativbefragungen den Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Für die Drogenaffinitätsstudie 2025 wurden 7.001 junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum April bis Juni 2025 befragt.

Übersicht der Unterstützungsangebote des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit für den Rauchstopp:
• Kostenfreie Informationsmaterialien, u.a. zu neuartigen Nikotinprodukten: https://shop.bioeg.de/themen/suchtvorbeugung/foerderung-des-nichtrauchens/
• Online-Ausstiegsprogramm: Infos und Tipps rund um die Themen Rauchen und Nichtrauchen mit Forum und persönlichen rauchfrei-Lotsinnen und Lotsen unter: https://www.rauchfrei-info.de/mein-rauchstopp/
• rauchfrei-Chat: Unter Leitung einer Fachperson tauschen sich Gleichgesinnte über ihre Erfahrungen mit dem Rauchstopp aus, an jedem Dienstag zwischen 20:00 und 22:00 Uhr
• Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung: Kostenlose Rufnummer ‪0 800 8 31 31 31‬ – erreichbar montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
• Kostenfrei bestellbare Informationsbroschüren: „Ja, ich werde rauchfrei“ und „Rauchfrei in der Schwangerschaft und nach der Geburt“. Die Broschüren können bestellt oder direkt heruntergeladen werden im Shop unter: https://shop.bioeg.de/
• rauchfrei-Kanäle auf Instagram und TikTok:
https://www.instagram.com/rauchfrei_info
https://www.tiktok.com/@rauchfrei_crew


Bestellung der kostenlosen Materialien des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit unter:
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bioeg.de/
E-Mail: bestellung@bioeg.de

Das Kaufverhalten

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Eye-Tracking-Studie untersucht Aufmerksamkeit und Kaufverhalten von Menschen

Wer im Supermarkt zu gesunden Produkten greifen möchte, braucht klare Signale. Nährwertkennzeichnungen wie das Nutri-Score-Label sollen dabei helfen. Es wird üblicherweise in Ampelfarben auf Verpackungen abgebildet. In dieser Form lenkt es die Blicke laut einer aktuellen Studie häufiger und länger auf sich, als wäre es in Graustufen gestaltet. Einige Supermärkte drucken zusätzlich eine graue Version des Labels auf die Preisschilder – dabei bekäme auch hier die bunte mehr Beachtung.


Das fanden Forschende der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück, dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik und der Universität Gießen heraus. Sie untersuchten in einer nachgestellten Einkaufssituation, wohin die Teilnehmenden schauten und welches Produkt sie letztlich kaufen würden. Besonders häufige und lange Blicke auf das dunkelgrüne A oder das gelbe C gingen dabei meist mit der Wahl des jeweiligen Produkts einher. Das rote E zeigte hingegen nicht die erhoffte warnende Wirkung: Auch bei häufiger Betrachtung dieser ungünstigen Bewertung landeten die Produkte weiterhin im Einkaufskorb. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Food Quality and Preference veröffentlicht.

Anhand von Eye-Tracking-Daten analysierten die Forschenden das Verhalten von 199 Teilnehmenden. Diese befanden sich in einer simulierten, realitätsnahen Einkaufssituation und konnten dort jeweils ein Produkt auswählen. Dabei verglichen die Forschenden vier Gruppen, denen sie je eine Variante der Kennzeichnung präsentierten: mehrfarbige oder graustufige Nutri-Score-Labels auf Verpackung und Preisschild, kein Label sowie den aktuellen Standard im Supermarkt: ein einziges mehrfarbiges Label auf der Vorderseite der Verpackung.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Nutri-Score-Label in Ampelfarben auch auf Preisschildern deutlich besser wahrgenommen wird als in Graustufen“, sagt Erstautorin Isabelle Weiß, Doktorandin an der Universität Göttingen. „Die höhere Sichtbarkeit der Labels kann dabei den Produktvergleich erleichtern und dadurch gesundheitsbewusstere Entscheidungen unterstützen. Je mehr Unternehmen den Nutri-Score auf ihren Produkten abbilden, desto fundierter kann verglichen werden.“ Studienleiterin Dr. Clara Mehlhose ergänzt: „Der Nutri-Score soll eine einfache Orientierung im Supermarkt bieten. Entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Informationen auf einen Blick erkennen und verstehen können. Ein mehrfarbiges Label kann dabei hilfreich sein.“

Die Studie verdeutlicht, wie entscheidend die Farbgestaltung und Platzierung von Nährwertkennzeichnungen für die visuelle Aufmerksamkeit und damit für Kaufentscheidungen sind. Politik und Handel sollten daher Nutri-Score-Labels in Ampelfarben auch auf dem Preisschild bevorzugen, um die Wirksamkeit im Alltag zu erhöhen.

Die Studie wurde von der LI Food - Landesinitiative Ernährungswirtschaft des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Bauen gefördert.

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Isabelle Weiß


Thomas Richter
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
E-Mail: isabelle.weiss@uni-goettingen.de

Originalpublikation:
Weiß, I., Teuber, R., Enneking, U., Kircher, C., Mehlhose, C. Polychrome versus monochrome Nutri-Score shelf labels: An eye-tracking study of consumer attention and choice. Food Quality and Preference (2026). https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2026.105933

Das Sporthormon

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Sport ist bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Er kann Symptome wie Fatigue oder Spastik lindern und könnte dazu beitragen, Nervenzellen vor Schäden oder Absterben zu schützen. Nun haben Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Mass General Brigham (USA) einen möglichen dahintersteckenden Mechanismus erforscht. Sie haben mithilfe eines Mausmodells herausgefunden, dass der durch Sport freigesetzte hormonähnliche Botenstoff Irisin den durch die MS ausgelösten Neuronen- und Synapsenverlust reduzieren könnte. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden im Fachmagazin Nature Metabolism veröffentlicht.


Bei der Multiplen Sklerose spielen sowohl Entzündung als auch Neurodegeneration, also der fortschreitende, unumkehrbare Verlust von Struktur und Funktion von Nervenzellen, eine zentrale Rolle. Aktuelle Therapien behandeln vor allem die entzündlichen Prozesse wirksam. Davon bleibt aber die Neurodegeneration weitgehend unbeeinflusst. „Unsere Studie liefert einen neuen, vielversprechenden therapeutischen Ansatz, wie Sport dem Neuronen- und Synapsenverlust bei einer MS entgegenwirken könnte“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Sina Rosenkranz, Erstautorin und Leiterin der Arbeitsgruppe Behaviorale Interventionen am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS) des UKE. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Studie die Weiterentwicklung von Irisin als Therapeutikum insbesondere für die progrediente MS vorantreiben wird“, ergänzt Prof. Dr. Christiane Wrann, Letztautorin und Leiterin des Programms zur Neuroprotektion durch Bewegung am Mass General Brigham Neuroscience Institute (Boston, USA).

In der Arbeit konnten die Wissenschaftler:innen zeigen, dass sowohl Mäuse, die acht Wochen lang über den Tag (24 Stunden) verteilt durchschnittlich acht Kilometer in einem Laufrad gelaufen sind, als auch Mäuse, in denen die Wissenschaftler:innen das durch Sport aus dem Muskel abgegebene Hormon Irisin künstlich vermehrt haben, einen geringeren Nervenzellverlust des zentralen Nervensystems aufwiesen. Im Vergleich dazu, konnte Sport bei Mäusen, bei denen das Vorläufergen des Irisins ausgeschaltet war (Knockout), nicht vor dem neuronalen Verlust schützen. Mittels Sequenzierung konnte gezeigt werden, dass vor allem synaptische und mitochondriale Gene in Nervenzellen durch das Sporthormon induziert werden, was in einer höheren synaptischen Dichte und erhöhten Mitochondrien-Aktivität im Rückenmark führte.


MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Priv.-Doz. Dr. Sina Cathérine Rosenkranz
Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-51729
s.rosenkranz@uke.de

Originalpublikation:
Publikation: Rosenkranz et al. The exercise hormone irisin has neuroprotective effects in a mouse model of multiple sclerosis. Nature Metabolism. 2026.
DOI: https://doi.org/10.1038/s42255-026-01527-7