Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) sieht in dem Massenansturm wie zuletzt in Ceuta eine Ausnahmesituation, die zu diesem Zeitpunkt niemand vorhergesehen hat und die sich nicht wiederholen sollte. Am 30. Juli waren rund 60.000 Menschen aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta angekommen, überwiegend schwimmend. Laut Angaben spanischer Behörden sind dabei mehr als 70 Personen gestorben. Ein Großteil der Menschen ist inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Was bedeutet das Geschehen für die europäische Migrationspolitik und worauf muss geachtet werden? Der SVR gibt eine kurze Einordnung. „Die Ankunft von Tausenden Menschen in Ceuta war eine Ausnahmesituation, die niemand vorhergesehen hat. Einseitige Schuldzuweisungen helfen hier nicht weiter. Es braucht nun eine sorgfältige Aufarbeitung der Hintergründe der Ereignisse. Es ist auch zu prüfen, ob die vorgesehenen neuen Kriseninstrumente umgesetzt und genutzt wurden“, sagt Prof. Winfried Kluth, der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration. „Neben der Frage, was die Auslöser für den Massenansturm waren und wie die vielen Toten hätten verhindert werden können, ist auch zu klären, wie die EU in einer ähnlichen Situation künftig agieren sollte. „Trotz der unerwartet hohen Zahl an ankommenden Menschen haben die Behörden vor Ort die Situation vergleichsweise schnell in den Griff bekommen. Für die Akzeptanz der Flüchtlingsaufnahme sollten sich aber solche Szenen nicht zu oft wiederholen.“ Das erst im Juni in Kraft getretene reformierte GEAS – das Gemeinsame Europäische Asylsystem – halte ja durchaus Instrumente für Krisenlagen bereit. „Neben den Kriseninstrumenten in der regulären Verfahrensordnung gibt es jetzt auch eine neue Krisenverordnung, die zusätzliche Instrumente vorsieht. Dafür ist aber eine Aktivierung der Krisenverordnung erforderlich“, so Kluth. „Man muss aber auch überprüfen, ob im Rahmen der ebenfalls neu vorgesehenen Planungsmechanismen die Aufnahmekapazitäten an den neuralgischen Punkten der EU-Außengrenzen wie den Exklaven anzupassen sind.“ Dass inzwischen die meisten Personen, die nicht über den offiziellen Grenzübergang angekommen sind, die Exklave Ceuta bereits wieder verlassen haben, bedeute nicht, dass nicht mit einem neuen Ansturm gerechnet werden müsse. |
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Ceuta - der Massenansturm
Hörsturz Therapie
Wer einen Hörsturz erleidet, erhält meistens eine Behandlung mit sogenannten Glukokortikoiden, umgangssprachlich auch Kortison genannt. Das ist weltweit Standard, obwohl die Wirksamkeit bislang nicht eindeutig geklärt ist. Eine neue, groß angelegte Studie der Universitätsmedizin Halle untersucht nun die Effektivität dieser Therapie genauer und prüft, inwieweit damit unerwünschte Wirkungen einhergehen. Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Hörverlust ohne erkennbare Ursache, der sich innerhalb von 72 Stunden entwickelt und meist auf einem Ohr auftritt. Mögliche Begleiterscheinungen wie Tinnitus und Schwindel können stark variieren. Zur Behandlung kommen seit fast 50 Jahren entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der Glukokortikoide zum Einsatz – in Tablettenform, aber auch per Infusion oder als Spritze ins Mittelohr. Diese Anwendung ist „off-label“, denn speziell dafür zugelassene medikamentöse Therapien gibt es bislang nicht. Die bisherigen Daten dazu sind widersprüchlich“, sagt Prof. Dr. Stefan Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Halle. „Die Teilnehmenden erhalten zehn Tage lang entweder die gängige Standardtherapie mit Prednisolon oder ein Placebo. Einen Monat nach Behandlungsbeginn wird gemessen, wie sich der Hörverlust in den besonders betroffenen Tonhöhen verändert hat. Auch das Sprachverständnis und die Lebensqualität der Betroffenen sind Gegenstand der Auswertung. Die Nachsorge im Rahmen der CORTEBO-Studie erfolgt für weitere fünf Monate“, erklärt Studienleiter Prof. Plontke.
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Teure Tickets garantieren keine Siege
Eine neue Studie der SRH University beleuchtet Dauerkartenpreise im Verhältnis zum sportlichen Ertrag. Verglichen wurden die Fußball-Bundesliga und die Deutsche Eishockey Liga. Die Studie zeigt, dass hohe Dauerkartenpreise in der Fußball-Bundesliga kaum etwas über den sportlichen Erfolg eines Vereins aussagen. Eishockey-Fans erhalten trotz höherer Dauerkartenpreise mehr Tore für ihr Geld. Wenn am 28. August die Bundesliga-Saison 2026/27 startet, strömen wieder zehntausende Fans pro Spiel in die Stadien, viele davon mit einer Dauerkarte. So fielen in der Saison 2024/25 laut offiziellem Zuschauerbericht über 6,6 Millionen von rund 11,6 Millionen verkauften Tickets auf Dauerkarten – also fast 60 Prozent aller Stadionbesuche. Doch was zahlen Fans im Durchschnitt für eine Dauerkarte bei einem der 18 Bundesliga-Clubs? Und wo bekommt man für sein Geld die meisten Tore? Prof. Dr. Markus Breuer |
Kardiomyopathien
Forschende aus Würzburg und Heidelberg haben entschlüsselt, warum kleinste Veränderungen im Herzprotein RBM20 zu unterschiedlichen erblichen Herzkrankheiten führen können. Mithilfe von patientenspezifischen Stammzellen, künstlichen Herzgeweben und Genom-Editierung konnten sie zeigen, wie einzelne Mutationen den Kalziumhaushalt der Herzzellen stören und damit verschiedene Krankheitsbilder auslösen. Die Ergebnisse liefern neue Ansatzpunkte für individuell zugeschnittene Therapien bei seltenen Kardiomyopathien.
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Herzinfarkt
Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) ist es gelungen, einen neuen, körpereigenen Mechanismus zur Vorbeugung von Schlaganfällen nachzuweisen. Sie konnten zeigen, dass der Botenstoff S1P als biologischer Schutzschild vor Schlaganfällen fungieren kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forschenden rund um Erstautor Dr. Marcel Benkhoff (Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, UKD) in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Behandlung und Vorbeugung basieren heute maßgeblich auf sogenannten Thrombozytenaggregationshemmern und Gerinnungshemmern. Das sind Medikamente, die umgangssprachlich als Blutverdünner bezeichnet werden. Diese hemmen oder verhindern die Blutgerinnung und vermeiden so die Bildung von Blutgerinnseln und damit auch lebensgefährliche Akutereignisse wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Sie bringen aber auch das Problem mit sich, dass durch den direkten Eingriff in die Blutstillung das Risiko für gefährliche Blutungen erhöht sein kann. |
Psychologische Behandlungen
Warum psychologische Behandlung bei schweren Herzerkrankungen den Heilungsverlauf unterstützen kann In vielen herzchirurgischen und kardiologischen Kliniken gibt es keinen eigenen psychotherapeutischen Dienst, vor allem nicht im Rahmen der intensivmedizinischen Patientenversorgung. Dabei zeigen hier begleitende psychologische Interventionen, zum Beispiel bei koronarer Herzerkrankung oder Herzinsuffizienz, nachweislich gute Ergebnisse. Sie können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen - etwa durch Entspannungsverfahren, Stressbewältigung oder Gespräche zur Krankheitsakzeptanz.
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Antibabypille
Die Frage, ob die Einnahme oraler Kontrazeptiva (Antibabypille) die Wirksamkeit von Impfungen beeinflusst, wird seit einigen Jahren wissenschaftlich diskutiert und mehrere ältere kleinere Studien kommen zu heterogenen Ergebnissen. Eine jetzt in npj Vaccines veröffentlichte Studie liefert hierzu neue Daten: In einer großen Kohorte von Beschäftigten im Gesundheitswesen konnte kein Effekt der Einnahme oraler Kontrazeptiva auf die humoralen oder zellulären Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen nachgewiesen werden. Beeinflusst die Antibabypille die Wirksamkeit von Impfungen? Diese Frage wird seit einigen Jahren wissenschaftlich diskutiert. Mehrere ältere, kleinere Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die neueste Auswertung einer großen Kohortenstudie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), die im Fachjournal npj Vaccines veröffentlicht wurde, liefert nun eine neue Evidenz: Bei mehr als 1.000 Frauen fanden die Forschenden auch Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren keinen Hinweis darauf, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach Boosterimpfungen gegen SARS-CoV-2 relevant verändert. Kirstin Linkamp |
Zuhause
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Asthma
Ein Team der Universität Bonn und des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) hat einen bislang unbekannten Wirkmechanismus eines synthetischen Peptids entdeckt, der die überschießende Entzündungsreaktionen bei allergischem Asthma abschwächt. Dabei wird ein zentraler Entzündungsschalter des Immunsystems gezielt gehemmt und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Advanced Science veröffentlicht. Chronische Entzündungen der Atemwege, wie beispielsweise das allergische Asthma, entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Das angeborene Immunsystem gerät dabei aus dem Gleichgewicht und reagiert übermäßig auf eigentlich harmlose Umweltreize. Eine zentrale Rolle bei dieser Fehlregulation spielt das sogenannte NLRP3-Inflammasom. Dieser Proteinkomplex ist eine Art molekularer Entzündungsschalter, der auf Gefahrensignale reagiert und Immunreaktionen auslöst. Bei einer Überaktivierung trägt dieser Mechanismus zur Entstehung chronischer, also dauerhafter, Entzündungsprozesse bei. Das Inflammasom gilt daher als wichtiges therapeutisches Ziel, um chronische Entzündungserkrankungen in Zukunft besser behandeln zu können.
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STEPP (Strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson
Mit dem Forschungsprojekt STEPP (Strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson) startete an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) Anfang Juli erstmals ein gemeinsames Forschungsprojekt der Studienrichtungen Ergotherapie und Physiotherapie. In enger Zusammenarbeit mit ambulanten Therapiepraxen aus der Region entwickelt und untersucht das Forschungsteam ein innovatives Versorgungskonzept, das Präsenz- und Teletherapie miteinander verbindet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung von Menschen mit Parkinson wissenschaftlich weiterzuentwickeln und den Zugang zu therapeutischen Leistungen langfristig zu verbessern. Die Parkinson-Erkrankung zählt weltweit zu den am stärksten zunehmenden neurologischen Erkrankungen. Mit steigender Lebenserwartung nimmt auch in Deutschland die Zahl der Betroffenen kontinuierlich zu. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, lange Anfahrtswege und der demografische Wandel die Versorgungssituation – insbesondere in ländlichen Regionen. „Für Menschen mit Parkinson wird es aufgrund zunehmender Mobilitätseinschränkungen schwieriger, regelmäßige Therapieangebote wahrzunehmen. Gleichzeitig eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten, therapeutische Leistungen flexibel in den Alltag der Betroffenen zu integrieren. Genau hier setzt STEPP an“, erklärt Projektleiter Dr. Norbert Lichtenauer vom Campus Bad Kötzting der THD. |

