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Hörsturz Therapie

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Wer einen Hörsturz erleidet, erhält meistens eine Behandlung mit sogenannten Glukokortikoiden, umgangssprachlich auch Kortison genannt. Das ist weltweit Standard, obwohl die Wirksamkeit bislang nicht eindeutig geklärt ist. Eine neue, groß angelegte Studie der Universitätsmedizin Halle untersucht nun die Effektivität dieser Therapie genauer und prüft, inwieweit damit unerwünschte Wirkungen einhergehen.

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Hörverlust ohne erkennbare Ursache, der sich innerhalb von 72 Stunden entwickelt und meist auf einem Ohr auftritt. Mögliche Begleiterscheinungen wie Tinnitus und Schwindel können stark variieren. Zur Behandlung kommen seit fast 50 Jahren entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der Glukokortikoide zum Einsatz – in Tablettenform, aber auch per Infusion oder als Spritze ins Mittelohr. Diese Anwendung ist „off-label“, denn speziell dafür zugelassene medikamentöse Therapien gibt es bislang nicht.

„Es ist nach wie vor unklar, ob die gängige Standardtherapie bei Hörsturz tatsächlich effektiv ist. 

Die bisherigen Daten dazu sind widersprüchlich“, sagt Prof. Dr. Stefan Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Halle.

CORTEBO-Studie soll Klarheit schaffen

Unter Leitung der Universitätsmedizin Halle und in Kooperation mit dem Deutschen Studienzentrum für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DSZ-HNO) startet nun die neue, groß angelegte CORTEBO-Studie in zahlreichen Zentren in ganz Deutschland. Insgesamt sollen 218 Patient:innen in die Analyse aufgenommen werden. 

„Die Teilnehmenden erhalten zehn Tage lang entweder die gängige Standardtherapie mit Prednisolon oder ein Placebo. Einen Monat nach Behandlungsbeginn wird gemessen, wie sich der Hörverlust in den besonders betroffenen Tonhöhen verändert hat. Auch das Sprachverständnis und die Lebensqualität der Betroffenen sind Gegenstand der Auswertung. Die Nachsorge im Rahmen der CORTEBO-Studie erfolgt für weitere fünf Monate“, erklärt Studienleiter Prof. Plontke.

Die Studie wird voraussichtlich Anfang 2027 starten. Teilnehmen können Erwachsene im Alter von 18 bis 80 Jahren, die erstmals einen einseitigen Hörsturz erlitten haben, der binnen 24 Stunden plötzlich eingetreten ist. Die Aufnahme in die Studie und die Behandlung müssen innerhalb von sieben Tagen erfolgen. Nicht teilnehmen können Personen, die wiederholt betroffen sind oder bei denen der Hörsturz bereits mit Glukokortikoiden oder einer hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt wurde.

Um eine objektive Durchführung zu gewährleisten, ist die Studie dreifach verblindet konzipiert: Weder die Patient:innen noch das ärztliche Personal oder die Personen, die die Daten auswerten, wissen, wer welche Behandlung erhalten hat. Die Zuordnung der Gruppen wird erst nach Abschluss der Datenanalyse aufgedeckt.

Hohe Dosierungen eher nachteilig: Überraschender Befund lieferte Grundlage für neue Studie

Zeitweise nahm man an, dass eine hohe Dosis Glukokortikoide über einen kurzen Zeitraum hinweg als Infusion insgesamt besser wirken könnte als eine gängige Therapie mit Tabletten. Diese Vermutung wurde jüngst durch die HODOKORT-Studie der Universitätsmedizin Halle und dem DSZ-HNO widerlegt. Dabei zeigte sich, dass eine hochdosierte Therapie keine besseren Behandlungsergebnisse erzielte, dafür aber mit mehr Nebenwirkungen verbunden war und somit eher nachteilig ist. Daher stellt sich erneut die Frage nach der Wirksamkeit niedrigerer Dosierungen, wie sie der bisherige Behandlungsstandard vorsieht.

„Da bislang ausschließlich die Therapie mit Glukokortikoiden zur Verfügung stand, galt es als ethisch nicht vertretbar, Patientinnen und Patienten im Rahmen einer Studie ein Placebo zu verabreichen und ihnen damit eine Behandlung vorzuenthalten. Erst neue Hinweise auf einen fehlenden Zusatznutzen und relevante Nebenwirkungen rechtfertigen nun eine placebokontrollierte Prüfung“, fasst Prof. Plontke zusammen.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt bis Anfang 2031 mit mehr als zwei Millionen Euro. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (www.tinnitus-liga.de) begleitet die CORTEBO-Studie als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation und wichtige Partnerin aus Patient:innensicht. Sie war an der Benennung des Forschungsbedarfs beteiligt, informiert ihre Mitglieder über die Studie und unterstützt die spätere Verbreitung der Ergebnisse.

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Hinweis: Kliniken und Praxen, die Interesse an einer Teilnahme als Studienzentrum haben, können sich an die Studienleitung wenden. Für sonstige Interessierte wird künftig eine Kontaktadresse bereitgestellt.

Originalpublikation:
Ergebnisse der vorangegangenen HODOKORT-Studie:
https://idw-online.de/de/news826469
https://evidence.nejm.org/doi/full/10.1056/EVIDoa2300172
Weitere Informationen finden Sie unter
Website der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie

Teure Tickets garantieren keine Siege

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Eine neue Studie der SRH University beleuchtet Dauerkartenpreise im Verhältnis zum sportlichen Ertrag. Verglichen wurden die Fußball-Bundesliga und die Deutsche Eishockey Liga. Die Studie zeigt, dass hohe Dauerkartenpreise in der Fußball-Bundesliga kaum etwas über den sportlichen Erfolg eines Vereins aussagen. Eishockey-Fans erhalten trotz höherer Dauerkartenpreise mehr Tore für ihr Geld.

Wenn am 28. August die Bundesliga-Saison 2026/27 startet, strömen wieder zehntausende Fans pro Spiel in die Stadien, viele davon mit einer Dauerkarte. So fielen in der Saison 2024/25 laut offiziellem Zuschauerbericht über 6,6 Millionen von rund 11,6 Millionen verkauften Tickets auf Dauerkarten – also fast 60 Prozent aller Stadionbesuche. Doch was zahlen Fans im Durchschnitt für eine Dauerkarte bei einem der 18 Bundesliga-Clubs? Und wo bekommt man für sein Geld die meisten Tore?

Diese Fragen hat die SRH University in einer neuen Studie beleuchtet und die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga mit der Deutschen Eishockey Liga (PENNY DEL) verglichen.

Teure Tickets garantieren keine Siege

In der Bundesliga-Saison 2025/26 lag der Preis für eine Stehplatz-Dauerkarte (günstigste Kategorie) im Schnitt bei 215 Euro. Eine Sitzplatz-Dauerkarte (teuerste Kategorie) lag hingegen im Schnitt bei 791 Euro. Aber was kostet nun ein Heimtor? Das beste Preis-Tor-Verhältnis bot hier der FC Bayern München mit 68 Heimtoren bei nur 175 Euro für die Stehplatz-Dauerkarte. Das ergibt 2,57 Euro pro Tor, wohingegen der FC St. Pauli mit 12,53 Euro die teuersten Tore verzeichnete.

Und auch bei den Heimsiegen konnte der FC Bayern München punkten: Mit 12,50 Euro pro Heimsieg mussten die Fans deutlich weniger zahlen als etwa beim VfL Wolfsburg, wo der Preis pro Heimsieg bei 80 Euro lag und damit das schlechteste Preis-Erfolgs-Verhältnis der Liga bildete.

„Unsere Studie hat gezeigt, dass hohe Dauerkartenpreise kaum etwas über den sportlichen Erfolg eines Clubs aussagen. Stattdessen werden die Preise vor allem von der Stadionauslastung und regionalen Marktbedingungen bestimmt“, erläutert Prof. Dr. Markus Breuer, Professor für Sportmanagement an der SRH University.

Mehr Tore fürs Geld: Bundesliga vs. PENNY DEL

Im Eishockey kostete die Dauerkarte in der günstigsten Kategorie im Durchschnitt 410 Euro und lag damit deutlich über der Fußball-Bundesliga. Dennoch war der durchschnittliche Preis für ein Heimtor hier mit 4,79 Euro um einiges günstiger als 7,86 Euro in der Bundesliga. DEL-Fans zahlen also knapp 40 Prozent weniger pro Heimtor.

Marco Mühlfeld, Sportmanager und SRH-Alumnus, ergänzt: „Trotz fast doppelt so hoher Kartenpreise bekommen Eishockey-Fans mehr Tore fürs Geld – dank mehr Heimspielen und höherer Torquote.“

Moderate Preisanstiege in der Saison 2026/27

Für die Saison 2026/27 steigen die Ticketpreise meist nur moderat. So liegt der Durchschnitt für eine Stehplatz-Dauerkarte in der günstigsten Kategorie mit 224 Euro nur knapp über dem Vorjahr. Eine Sitzplatz-Dauerkarte (teuerste Kategorie) kostet in dieser Saison durchschnittlich 846 Euro.

Dabei bleiben die Einstiegspreise für die günstigste Stehplatz-Dauerkarte bei 6 Clubs (Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, SC Freiburg, Hamburger SV, RB Leipzig und 1. FC Union Berlin) konstant. Die einzige Senkung gibt es beim 1. FC Köln mit 4,4 Prozent, während die Preise weiterer Clubs moderat um 2 bis 5,3 Prozent steigen.

Den größten Sprung bei den Ticketpreisen legt Bayer 04 Leverkusen hin: Hier steigt die teuerste Sitzplatz-Dauerkarte um fast 25 Prozent von 550 auf 685 Euro.

„Obwohl es bei den Vereinen zum Teil große Unterschiede bei den teuersten Sitzplatz-Dauerkarten gibt, fallen die Trikotpreise mit 80 bis 100 Euro überraschend ähnlich aus. Hier werden die Preise vor allem von Ausrüster-Deals bestimmt“, sagt Marco Mühlfeld abschließend.

Weiterführende Informationen

SRH University

Die SRH University ist eine private Hochschule mit bundesweit 18 Standorten, knapp 11.000 Studierenden aus über 140 Ländern und einem Angebot von rund 120 Studiengängen. Sie gehört zum gemeinnützigen Stiftungskonzern SRH, einem der größten Bildungs- und Gesundheitsanbieter Deutschlands.

Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Hochschulbildung strebt die SRH University an, den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen und Fachkräfte von morgen auszubilden. Die SRH University legt großen Wert auf Offenheit, Vielfalt und zeitgemäße Bildungskonzepte, die Präsenz- und Online-Lehre miteinander kombinieren. Gemeinsam mit der SRH Fernhochschule – The Mobile University und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht studieren aktuell über 20.000 Studierende an den Hochschulen der SRH.

SRH | Gemeinsam für Bildung und Gesundheit

Als Stiftung mit führenden Angeboten in den Bereichen Bildung und Gesundheit begleiten wir Menschen auf ihren individuellen Lebenswegen. Unserer Leidenschaft fürs Leben folgend, helfen wir ihnen aktiv bei der Gestaltung ihrer Zukunft, hin zu einem selbstbestimmten Leben. Mit rund 17.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mehr als 1,2 Mio. Kunden erwirtschaften wir einen Umsatz von über 1,5 Mrd. Euro (2025).

Die 1966 gegründete SRH ist heute Deutschlands größte gemeinnützige Stiftung in den Bereichen Bildung und Gesundheit mit bundesweit rund 90 Standorten. Hauptsitz der SRH ist Heidelberg.

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Prof. Dr. Markus Breuer
markus.breuer@srh.de

Kardiomyopathien

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Forschende aus Würzburg und Heidelberg haben entschlüsselt, warum kleinste Veränderungen im Herzprotein RBM20 zu unterschiedlichen erblichen Herzkrankheiten führen können. Mithilfe von patientenspezifischen Stammzellen, künstlichen Herzgeweben und Genom-Editierung konnten sie zeigen, wie einzelne Mutationen den Kalziumhaushalt der Herzzellen stören und damit verschiedene Krankheitsbilder auslösen. Die Ergebnisse liefern neue Ansatzpunkte für individuell zugeschnittene Therapien bei seltenen Kardiomyopathien.


Kardiomyopathien sind eine Gruppe von meist erblichen, seltenen Herzkrankheiten, bei denen die Struktur des Herzmuskelgewebes gestört ist. Das schränkt die Pumpkraft des Herzens ein; es kommt zu Atemnot, geringerer körperlicher Leistungsfähigkeit und weiteren typischen Beschwerden einer Herzschwäche.

Bei manchen Betroffenen ist das RBM20-Protein mutiert; sie werden derzeit genauso behandelt wie Menschen mit Herzinsuffizienz. Doch bei dieser speziellen Gruppe könnte künftig eine spezifischere Therapie sinnvoll sein. Das zeigt eine neue Studie, die maßgeblich von Forschenden aus Würzburg und Heidelbergstammt. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Signal Transduction and Targeted Therapy veröffentlicht.

Kleiner Unterschied mit großen Folgen

Das Studienteam hat zwei Familien analysiert, in denen je eine spezielle Kardiomyopathie mit einer spezifischen Mutation im RBM20 auftritt. In einer Familie ist es die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der sich die Herzkammern stark vergrößern und das Herz nicht mehr effektiv pumpt. In der anderen Familie ist es die linksventrikuläre Non-Compaction-Kardiomyopathie (LVNC), eine Unterform der DCM, bei der das Herzgewebe schwammartig durchlöchert ist.

Medizinisch betreut und genetisch untersucht werden beide Familien von Professor Benjamin Meder am Universitätsklinikum Heidelberg. Analysen zeigten, dass es zwischen den mutierten RBM20-Proteinen der Familien nur einen klitzekleinen Unterschied gibt: In der DCM-Familie ist an einer definierten Stelle des RBM20-Proteins ein einziger Aminosäure-Baustein durch einen anderen ersetzt, und zwar ein Arginin durch ein Tryptophan. In der zweiten Familie ist genau das gleiche Arginin durch Leucin ersetzt.

„Wir haben uns gefragt, wie ein so kleiner Unterschied zu zwei derart verschiedenen Krankheitsbildern führen kann“, sagt Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke von der Universität Würzburg, Letztautorin der Publikation. Die Pharmakologin und Expertin für humane Kardiomyopathie-Modelle arbeitet auf diesem Feld seit Jahren mit ihrem Heidelberger Kollegen Meder zusammen.

Gravierende Folgen für den Kalziumhaushalt festgestellt

Mit Hilfe von Haut- und Blutproben der Familien stellte das Würzburger Team fest, dass der Austausch eines einzelnen Proteinbausteins gravierende Folgen für den Kalziumhaushalt hat. Der lebenswichtige Mineralstoff Kalzium wirkt in Herzzellen wie ein Taktgeber: Er sorgt dafür, dass sich der Herzmuskel im richtigen Rhythmus zusammenzieht und wieder entspannt.

Die Forschenden entdeckten, dass bei der Krankheit mit dem schwammartig veränderten Herzgewebe die Zellen besonders empfindlich für das Kalzium-Signal sind: Sie haben einen stark aktivierten Kalziumzyklus und verbrauchen extrem viel Energie. Bei DCM-Herzzellen dagegen kommt es zu einem Speicherproblem: Bei ihnen läuft das Kalzium aus dem internen Speicher, als hätte der ein Leck.

Künstliche Herzgewebe und Genschere verwendet

Um die beschriebenen Prozesse verstehen zu können, baute das Team die Situation der Erkrankten im Labor nach. Für die Studie wurden aus den Blut- und Hautzellen der betroffenen Familien pluripotente Stammzellen (iPS) erzeugt. Diese Zellen sind Alleskönner und lassen sich in jede beliebige Zellart verwandeln – in diesem Fall in schlagende Herzmuskelzellen.

Drei Modelle kamen bei den Untersuchungen zum Einsatz: einzelne Herzzellen, kugelförmige Organoide und kleine künstliche Herzmuskelgewebe. Letztere wurden im Tissue-Engineering-Team von Dr. Malte Tiburcy an der Universitätsmedizin Göttingen hergestellt.

Die Forschenden nutzten auch die Genschere CRISPR/Cas9. Mit dieser Technik konnten sie die Fehler im Erbgut der erkrankten Zellen punktgenau reparieren. In derart „geheilte“ LVNC-Zellen fügten sie dann die DCM-Variante ein. So erkannten sie, dass tatsächlich nur die eine kleine Mutation an derselben Stelle des RBM20-Proteins für die sehr unterschiedlichen Krankheitsbilder verantwortlich ist.

Ansatzpunkte für patientenspezifische Therapien gefunden

Bei diesen Analysen identifizierte das Team einige „molekulare Spieler“, die bei den beiden erblichen Herzkrankheiten spezifische Rollen übernehmen. „Damit haben wir neue molekulare Ansatzpunkte gefunden, an denen Medikamente angreifen könnten“, sagt Dr. Sabine Rebs, Erstautorin der Studie und Mitglied des Teams von Katrin Streckfuß-Bömeke.

Auch erste Hinweise auf mögliche neue Wirkstoffe können die Forschenden liefern. Ein Hoffnungsträger könnte zum Beispiel das Medikament Verapamil sein, das die Wirkung von Kalzium abschwächt und für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen zugelassen ist: In den Laborversuchen an Zellen und Geweben konnte der Arzneistoff die Kraft der geschädigten Herzzellen teilweise verbessern.

Doch bevor neue Therapiestrategien reif für den Einsatz am Menschen sein könnten, sind noch viele weitere Studien nötig. Doch schon jetzt zeigt das Forschungsteam Wege auf, auf denen sich verschiedene Kardiomyopathien mit RBM20-Mutation in der Zukunft individueller behandeln lassen. Genetische Analysen werden dann helfen, die jeweils bestmögliche Therapie maßgeschneidert für jeden einzelnen Betroffenen festzulegen.

Projektbeteiligte

In dieser Studie hat das Team von Professorin Katrin Streckfuß-Bömeke eng mit den Gruppen von Professor Christoph Maack vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg und Professor Markus Sauer vom JMU-Lehrstuhl für Biotechnologie und Biophysik zusammengearbeitet.

Beteiligt waren außerdem Gruppen von den Universitätsklinika Freiburg, Göttingen, Hamburg-Eppendorf und Heidelberg sowie von der Technischen Universität Dresden, der Universität Gießen und der Stanford University (USA).

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Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg, katrin.streckfuss-boemeke@uni-wuerzburg.de

Originalpublikation:
RBM20 variants disrupt Ca2+ handling and metabolism in dilated and non-compaction cardiomyopathy stem cell models. Signal Transduction and Targeted Therapy, 14. Juli 2026. Open Access, DOI: https://doi.org/10.1038/s41392-026-02838-7

Herzinfarkt

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Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) ist es gelungen, einen neuen, körpereigenen Mechanismus zur Vorbeugung von Schlaganfällen nachzuweisen. Sie konnten zeigen, dass der Botenstoff S1P als biologischer Schutzschild vor Schlaganfällen fungieren kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forschenden rund um Erstautor Dr. Marcel Benkhoff (Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, UKD) in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die Behandlung und Vorbeugung basieren heute maßgeblich auf sogenannten Thrombozytenaggregationshemmern und Gerinnungshemmern. Das sind Medikamente, die umgangssprachlich als Blutverdünner bezeichnet werden. Diese hemmen oder verhindern die Blutgerinnung und vermeiden so die Bildung von Blutgerinnseln und damit auch lebensgefährliche Akutereignisse wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Sie bringen aber auch das Problem mit sich, dass durch den direkten Eingriff in die Blutstillung das Risiko für gefährliche Blutungen erhöht sein kann.

Den Forschenden rund um Dr. Marcel Benkhoff (Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, UKD) gelang es im Rahmen einer nun in der renommierten Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichten Studie, einen neuartigen Therapieansatz abzubilden, bei dem körpereigene Mechanismen zum Tragen kommen. Im Zentrum der Studie standen die beiden körpereigenen Stoffe Sphingosin-1-phosphat (S1P) und Thrombomodulin (TM). Im Zell- und im Mausmodell konnten die Forschenden nachweisen, dass S1P direkt im Gefäß einen Mechanismus aktiviert, der die Bildung von Blutgerinnseln verhindert. Das geschieht, indem der Botenstoff in der Gefäßinnenwand ein Signal aktiviert, dass zu einer erhöhten Produktion von TM führt. Dieses TM verhindert nun die Bildung von Blutgerinnseln. So wurde die Entstehung von arteriellen Thrombosen und Gefäßverschlüssen im Mausmodell deutlich verringert ohne dabei das Risiko für Blutungen zu erhöhen.

Weitere Untersuchungen zeigten außerdem, dass das Risiko für Blutgerinnsel und Gefäßverschlüsse erneut massiv ansteigt, wenn die Produktion von TM durch ein Fehlen von S1P wieder abnimmt. Ein Effekt, der sich durch eine Gabe von S1P wieder umkehren lässt. S1P kann im Gefäß also wie ein Schalter agieren, der das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte auf Basis körpereigener Vorgänge verringern kann.

Nachdem die Versuche im Labor diese vielversprechenden Ergebnisse zeigten, haben die Forschenden im nächsten Schritt untersucht, ob sich die Ergebnisse auch im klinischen Alltag reproduzieren lassen. Dazu wurden insgesamt 74 Patientinnen und Patienten, die von einer Herz-Kreislauferkrankung betroffen sind, in die Studie einbezogen. Auch bei ihnen zeigte sich, dass ein höherer S1P-Spiegel im Blut zu einer niedrigeren Gerinnungsaktivität führte, die für ein verringertes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko spricht.

In der Patientenversorgung könnten diese Studienergebnisse künftig einen einzigartigen neuen Therapieansatz möglich machen. „Wir können hier auf einen körpereigenen Mechanismus zurückgreifen, der direkt in den Blutgefäßen wirkt, nicht im ganzen Körper“, erläutert Erstautor Marcel Benkhoff. „Wir schützen also vor Schlaganfällen und Herzinfarkten, ohne dabei das Blutungsrisiko zu erhöhen, welches die gängigen Blutverdünner mit sich bringen.“ Besonders für Risikopatientinnen und -Patienten, für die Blutverdünner aufgrund des hohen Blutungsrisikos nicht in Frage kommen, könnte dadurch künftig eine präventive Therapie möglich werden, wie die Forschenden einordnen.

Prof. Dr. Amin Polzin, korrespondierender Autor der Studie, betont außerdem den möglichen Therapienutzen bei einem akuten Herzinfarkt. „Wir wissen aus früheren Studien, dass S1P das Herzgewebe auch bei einem akuten Infarkt direkt vor Zellschäden schützt“, ordnet er ein. „Damit erweist der Botenstoff sich als ein spannender Ansatz zur Entwicklung neuer, zielgerichteter Medikamente.“

Neben der HHU und dem UKD waren auch die Universität Wien, die Universität Oldenburg und das Imperial College London beteiligt.

Dr. Marcel Benkhoff
Prof. Dr. Amin Polzin
Dr. Philipp Mourikis

Originalpublikation:
S1P-receptor 1 signaling reduces arterial thrombosis via upregulation of endothelial thrombomodulin espression
M. Benkhoff, P. Mourikis, B. Knoop, M. Barcik, T. Huckenbeck, G. Al-Kassis, L. Schönfelder, J. Seel, F. Kreuz, M. Hering, K. Trojovsky, P. Wollnitzke, J. Kielb, J. Weber, T. Ulrych, B. H. Rauch, S. Pfeiler, L. Dannenberg, N. Gerdes, T. Zeus, M. Kelm, B. Levkau, A. Polzin. Science Advances 2026.

DOI: 10.1126/sciadv.aea9826

Psychologische Behandlungen

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Warum psychologische Behandlung bei schweren Herzerkrankungen den Heilungsverlauf unterstützen kann

In vielen herzchirurgischen und kardiologischen Kliniken gibt es keinen eigenen psychotherapeutischen Dienst, vor allem nicht im Rahmen der intensivmedizinischen Patientenversorgung. Dabei zeigen hier begleitende psychologische Interventionen, zum Beispiel bei koronarer Herzerkrankung oder Herzinsuffizienz, nachweislich gute Ergebnisse. Sie können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen - etwa durch Entspannungsverfahren, Stressbewältigung oder Gespräche zur Krankheitsakzeptanz.

„Patientinnen und Patienten, die auf eine intensivmedizinische Versorgung angewiesen sind, befinden sich immer in einer Ausnahmesituation“, sagt Dr. Katharina Tigges-Limmer, Leiterin der Medizinischen Psychologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Das gelte ganz besonders, wenn der Motor des Lebens, das eigene Herz, betroffen ist.

„Patienten mit lebensbedrohlichen Herzerkrankungen nehmen die Intensivstation aufgrund ihrer Hochleistungs- und Apparatemedizin zum einen als Ort der maximalen medizinischen Versorgung und zum anderen als Erlebnis der außergewöhnlichen persönlichen Hilflosigkeit wahr.“ Dieses besondere Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Bedrohung kann der Nährboden für eine psychische Belastungsreaktion sein. Eine psychotherapeutische Versorgung ist am HDZ NRW daher seit Jahren etabliert und maßgeblich am Behandlungserfolg beteiligt.

Vertrauensverlust und Angst

Dr. Tigges-Limmer und ihr Team befassen sich auch auf wissenschaftlicher Basis mit den häufigsten psychischen Belastungen auf der kardiologischen und kardiochirurgischen Intensivstation mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten die bestmöglichen Strategien zu vermitteln, um diese schwierige Zeit zu bewältigen. Die Behandlung wird dabei stets an die individuelle körperliche Verfassung angepasst. Sie beinhaltet eine Validierung der Emotionen, Durchführung von Entspannungsverfahren, Aktivierung von Ressourcen, Erarbeitung eines persönlichen Genesungsziels und den Aufbau von Stressbewältigungsstrategien. Dabei muss gut auf den Bewusstseinszustand des Patienten und dessen Aufnahme- und Verarbeitungsvermögen geachtet werden. Psychologische Kontakte auf der Intensivstation sind deswegen in der Regel kürzer und häufiger.

Psychologische Mitversorgung so früh wie möglich

Einschneidende Erlebnisse wie Herzinfarkt, schwere Rhythmusstörungen oder Reanimationen können Ängste, Schuldgefühle und langfristige psychische Beschwerden auslösen. Bei etwa zwölf Prozent der Patienten treten Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auf. Als besonders bedrohlich beschreiben Patienten die höchst unangenehmen und mehrfachen Auslösungen ihres implantierten Defibrillators. „Einen Vertrauensverlust in das eigene Herz und dessen Genesungsfähigkeit erleben Betroffene oft auch nach einem herzchirurgischen Eingriff. Zudem können sich psychische Vorerkrankungen negativ auf den herzchirurgischen Genesungsverlauf auswirken.“ Auch deshalb sei eine frühzeitige Intervention, insbesondere bei depressiven Symptomen, durch geschulte Psychologen wichtig.

Bei Herztransplantationen und dem Einsatz künstlicher Herzunterstützungssysteme (VAD) erfolge die psychologische Mitversorgung ebenfalls so früh wie möglich innerhalb eines interdisziplinären Teams. Hier können die Wartezeit auf ein Spenderherz und die große Operation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu erheblichen psychischen Belastungen führen.

„VAD-Patienten erleben eine dauerhafte Abhängigkeit von der Technik.“ Deswegen wird schon auf der Intensivstation damit begonnen, auch einen persönlichen Kontakt zur Maschine im Herzen zu bekommen, sie in das eigene Körperbild zu integrieren. Und auch die Zeit nach einer erfolgreich verlaufenen Herztransplantation könne kritische Phasen mit sich bringen. Tigges-Limmer: „Dann geht es verstärkt darum, eine gute Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge zu unterstützen, zumal die dauerhafte und pünktliche Einnahme von Medikamenten unerlässlich ist und eine gewisse Disziplin erfordert.“ Darum erfolgt schon auf der Intensivstation die Anleitung zur Organintegration. Der Prozess des „aus dem Fremden wird das Eigene“ beginnt hier, damit im weiteren Verlauf ein Leben „in Freundschaft mit dem neuen Herzen“ geführt werden kann.

Die Medizinische Psychologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, ist derzeit mit neun Mitarbeitenden zuständig für alle stationär aufgenommenen, erwachsenen Patientinnen und Patienten. Darunter sind ausgebildete Psychologinnen und Psychologen, Psychologische Psychotherapeutinnen, eine Neuropsychologin, eine psychologisch technische Assistentin und ein Transplantationsberater.

Neben den unterschiedlichen Qualifikationen ist die moderne Hypnotherapie ein gemeinsamer therapeutischer Schwerpunkt. Die Integration ihres Teams in die stationäre Herz-Intensiv-Behandlung sei nicht zuletzt ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Klinikums, sagt Dr. Katharina Tigges-Limmer. „Gerade bei Herzerkrankungen können psychische Störungen den Therapieerfolg erheblich beeinflussen. Deshalb sind frühe Behandlung, gute Erreichbarkeit und ein vertrauensvolles Miteinander besonders wichtig.“

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Hintergrundinformation:

Jede Patientin und jeder Patient des HDZ NRW kann das Angebot einer psychologischen Behandlung in Anspruch nehmen, die stets mit Einverständnis und auf freiwilliger Basis erfolgt. Auch Angehörige können dieses Angebot nutzen, da diese häufig ebenso wie die Erkrankten selbst einer starken Belastung ausgesetzt sind.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen weist die Universitätsklinik Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, aktuell 95 Intensivbetten für die Schwerpunktversorgung der Inneren Medizin/Kardiologie, Kinderkardiologie sowie Herzchirurgie/Intensivmedizin aus. Mit 43.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr, davon 14.800 in stationärer Behandlung sowie 1.300 ambulanten Operationen zählt das HDZ NRW zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät OWL (Universität Bielefeld)
Unternehmenskommunikation
Leitung: Anna Reiss, Pressesprecherin
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

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Dr. phil. Dipl.-Psych. Katharina Tigges-Limmer
Medizinische Psychologie (Leitung)
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen

Originalpublikation:
Dr. phil, Dipl.-Psych. Katharina Tigges-Limmer: Psychologische Aspekte bei Patienten mit Herzerkrankungen in der intensivmedizinischen Versorgung. In: T. Deffner, U. Janssens, B. Strauß (Hsg.): Praxisbuch Psychologe in der Intensiv- und Notfallmedizin. Berlin 2022.

Sadlonova M, Tigges-Limmer K, Deffner T: Zwischen Überleben und Verarbeitung: Psychosomatische Aspekte der Intensivmedizin. Psychother Psychosom Med Psychol 2026, in press.

Antibabypille

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Die Frage, ob die Einnahme oraler Kontrazeptiva (Antibabypille) die Wirksamkeit von Impfungen beeinflusst, wird seit einigen Jahren wissenschaftlich diskutiert und mehrere ältere kleinere Studien kommen zu heterogenen Ergebnissen. Eine jetzt in npj Vaccines veröffentlichte Studie liefert hierzu neue Daten: In einer großen Kohorte von Beschäftigten im Gesundheitswesen konnte kein Effekt der Einnahme oraler Kontrazeptiva auf die humoralen oder zellulären Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen nachgewiesen werden.

Beeinflusst die Antibabypille die Wirksamkeit von Impfungen? Diese Frage wird seit einigen Jahren wissenschaftlich diskutiert. Mehrere ältere, kleinere Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die neueste Auswertung einer großen Kohortenstudie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), die im Fachjournal npj Vaccines veröffentlicht wurde, liefert nun eine neue Evidenz: Bei mehr als 1.000 Frauen fanden die Forschenden auch Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren keinen Hinweis darauf, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach Boosterimpfungen gegen SARS-CoV-2 relevant verändert.

Grundlage der Analyse war die prospektive CoVacSer-Studie des UKW, in der über 1.800 Mitarbeitende des Gesundheitswesens mehrere Jahre lang durch die Pandemie immunologisch begleitet wurden. Für die aktuelle Auswertung wurden 1.061 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren untersucht. Rund 20 Prozent von ihnen gaben an, orale Kontrazeptiva einzunehmen. Die Forschenden analysierten sowohl die Antikörperantwort als auch die T-Zell-Immunität vor und nach der dritten beziehungsweise vierten COVID-19-Impfung. Für keinen dieser Parameter zeigte sich ein statistisch signifikanter Einfluss der Einnahme oraler Kontrazeptiva.

Relevanz für Impfstrategien

„Weltweit nehmen Millionen von Frauen orale Kontrazeptiva ein. Gleichzeitig spielen Impfungen eine zentrale Rolle in der Prävention von Infektionskrankheiten. Entsprechend wichtig ist die Frage, ob sie die Wirksamkeit von Impfungen beeinflussen können“ sagt Dr. Isabell Wagenhäuser, Erstautorin der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen keinen relevanten Einfluss oraler Kontrazeptiva auf die Immunantwort nach COVID-19-Boosterimpfungen. Die Daten können dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten wissenschaftlich einzuordnen und schaffen zugleich eine Grundlage für weitere Untersuchungen möglicher Wechselwirkungen zwischen häufig eingesetzten Medikamenten und Impfantworten auch bei zukünftigen Impfstoffen.“

Methodischer Fortschritt in einem schwer untersuchbaren Forschungsfeld

Warum ist diese Studie besonders aussagekräftig? „Die Fragestellung ist wissenschaftlich anspruchsvoll“, sagt der Biostatistiker Dr. Alexander Gabel vom Centre for Integrative Infectious Disease Research (CIID) der Universität Heidelberg. „Randomisierte kontrollierte Studien zur Einnahme oraler Kontrazeptiva sind aus ethischen Gründen kaum möglich. Deshalb sind große, gut charakterisierte Kohorten und robuste statistische Verfahren entscheidend, um mögliche Zusammenhänge verlässlich zu untersuchen."

Frühere Untersuchungen beschrieben teilweise Zusammenhänge zwischen hormoneller Kontrazeption und einzelnen immunologischen Parametern. Mögliche Störfaktoren konnten dabei jedoch häufig nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Die aktuelle Studie nutzte deshalb statistische Modelle, die Alter, Body-Mass-Index, Impfstoff, frühere SARS-CoV-2-Infektionen, Beruf und weitere potenzielle Einflussgrößen in die Auswertung einbezogen.
„Gerade bei Fragestellungen, die sich nicht ethisch akzeptabel randomisiert untersuchen lassen können große prospektive Kohortenstudien in Kombination mit geeigneten statistischen Verfahren wichtige Evidenz liefern. Unsere Ergebnisse zeigen, wie aussagekräftig solche Datensätze sei können“, fasst PD Dr. Manuel Krone, Letztautor und Leiter der CoVacSer-Studie, zusammen.

Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass die Studie auch Grenzen habe. So lagen beispielsweise keine Informationen über die genaue Zusammensetzung der verwendeten Kontrazeptiva oder den Zeitpunkt innerhalb des Menstruationszyklus vor. Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten oder zyklusabhängige Effekte können deshalb nicht abschließend beurteilt werden. Diese Aspekte sollen in weiteren Studien künftig genauer untersucht werden.

Die CoVacSer-Studie
Die CoVacSer-Studie wurde als prospektive Langzeitstudie am Universitätsklinikum Würzburg zur Untersuchung der Immunantwort nach COVID-19-Impfungen und SARS-CoV-2-Infektionen durchgeführt. Von September 2021 bis Dezember 2023 wurden über 1.800 Beschäftigte des Gesundheitswesens begleitet. Ziel war es, Faktoren zu identifizieren, die die humorale und zelluläre COVID-19-Immunität nach Impfung und Infektion beeinflussen, sowie Erkenntnisse zur Impfstoffwirksamkeit, zu Auffrischungsimpfungen und zum Einfluss von SARS-CoV-2 Impfungen und Infektion auf Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit zu gewinnen. Seit April 2024 werden in der Fortsetzungsstudie ARIPro im Zentrallabor des Universitätsklinikums in modifiziertem Studiendesign prospektiv akute Atemwegsinfektionen durch Influenza, RSV und SARS-CoV-2 bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen untersucht. Ziel ist es, die Impfprävention, Immunantwort und Langzeitfolgen bei diesen respiratorischen Infektionen besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen und Impfstrategien für respiratorische Infektionserkrankungen weiterzuentwickeln.

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Kirstin Linkamp
Dr. Isabell Wagenhäuser Wagenhaeu_I@ukw.de
PD Dr. Manuel Krone Krone_M@ukw.de

Originalpublikation:
Isabell Wagenhäuser, Julia Reusch, Juliane Mees, Lukas B. Krone, Isabella Eiter, Thiên-Trí Lâm, Alexandra Schubert-Unkmeir, Carolin Curtaz, Anna Frey, Oliver Kurzai, Stefan Frantz, Sabine Wicker, Achim Wöckel, Nils Petri, Alexander Gabel & Manuel Krone. Oral contraceptive usage among healthcare workers and its impact on COVID-19 booster vaccination immunogenicity. npj Vaccines 11, 134 (2026). https://doi.org/10.1038/s41541-026-01510-z

Zuhause


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Uniklinikum Dresden bringt psychiatrische Behandlung nach Hause

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Stationsäquivalente Behandlung (StäB) schließt Versorgungslücke und soll erneute stationäre Aufenthalte verhindern. Konzept steht für moderne Patientenversorgung in der Psychiatrie und Psychotherapie. 60 Patientinnen und Patienten aus Dresden haben Behandlungsangebot bereits wahrgenommen.


Schwere psychische Erkrankungen erfordern häufig eine Behandlung im Krankenhaus. Für manche Betroffene ist eine stationäre Aufnahme jedoch gerade aufgrund ihrer Erkrankung oder ihrer Lebenssituation kaum möglich oder unvorstellbar. Mit der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB) bietet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden diesen Patientinnen und Patienten nun eine Alternative: Sie werden in ihrem Zuhause behandelt und engmaschig besucht. Damit bietet das Universitätsklinikum ein wichtiges Konzept moderner, patientenorientierter Psychiatrie, das bisher in der Region kaum vorgehalten wird. 60 Patientinnen und Patienten haben bisher von der Stationsäquivalenten Behandlung (StäB) profitiert. „Die Stationsäquivalente Behandlung zeigt, wie eine sonst stationäre Behandlung auch in den eigenen vier Wänden funktionieren kann. Als Universitätsklinikum sehen wir uns in der Verantwortung neue Wege zu gehen und entsprechend zu etablieren. Das ist hier großartig gelungen“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.

StäB steht für Stationsäquivalente Behandlung. Dieses Angebot wurde Ende 2025 am Universitätsklinikum Dresden etabliert. Im Gegensatz zu einer ambulanten Behandlung handelt es sich bei der stationsäquivalenten Behandlung um eine gesetzlich geregelte vollstationäre Krankenhausleistung. Die Patientinnen und Patienten werden täglich durch ein multiprofessionelles Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden, Psychologinnen und Psychologen, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Mitarbeitenden des Sozialdienstes betreut. Mindestens einmal am Tag findet ein persönliches Treffen mit dem Patienten oder der Patientin statt. Das Team ist an sieben Tagen in der Woche für die Patientinnen und Patienten erreichbar und übernimmt während der gesamten Behandlungsdauer die vollständige medizinische Verantwortung. Voraussetzung ist, dass grundsätzlich eine stationäre Aufnahme erforderlich wäre.

Bisher hat das StäB-Team bereits rund 60 Patientinnen und Patienten in Dresden behandelt. Das Angebot richtet sich an Erwachsene mit schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen, bipolaren Erkrankungen oder Angststörungen, bei denen grundsätzlich eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich wäre. „Die Behandlung in der gewohnten Umgebung eröffnet therapeutische Möglichkeiten, die im Krankenhaus oft nicht sichtbar werden. Wir erleben die Lebensrealität unserer Patientinnen und Patienten unmittelbar und können Therapie und Unterstützung genau dort ansetzen, wo Belastungen und Krisen entstehen. Dadurch lassen sich häufig Eskalationen verhindern und nachhaltige Behandlungserfolge erzielen“, sagt Prof. Vjera Holthoff-Detto, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Studien belegen, dass bei Patientinnen und Patienten, die eine StäB erhalten haben, die Wiederaufnahmeraten geringer sind als bei Betroffenen in einer vollstationären Therapie. Von dem Angebot profitieren insbesondere Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung unter ausgeprägten Ängsten leiden, familiäre Verpflichtungen übernehmen oder negative Erfahrungen mit früheren Krankenhausaufenthalten gemacht haben.

Haus 46 ermöglicht moderne Behandlungskonzepte
Die stationsäquivalente Behandlung ist zugleich ein wichtiger Baustein für die zukünftige Ausrichtung der psychiatrischen Versorgung am Universitätsklinikum. Mit Haus 46, das Ende 2026 in Betrieb geht, entsteht eine moderne Klinikstruktur, die stationäre, tagesklinische, ambulante und aufsuchende Behandlungsangebote eng miteinander verzahnt und moderne Behandlungskonzepte ermöglicht, erläutert Robert Zappe, Pflegefachexperte Psychiatrie und Stationsleitung der StäB. Das StäB-Team wird ebenfalls in Haus 46 seinen Standort beziehen. „Psychiatrische Versorgung muss sich an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren. Die stationsäquivalente Behandlung steht beispielhaft für diesen Wandel. Sie ergänzt unsere stationären Angebote sinnvoll und stärkt eine moderne, sektorenübergreifende Versorgung. Damit schaffen wir Strukturen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und zugleich den Weg der Ambulantisierung konsequent weitergehen“, sagt Prof. Jörn Conell, ärztlicher Leiter der StäB und der psychiatrischen Ambulanz am Uniklinikum.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Bereich Kommunikation
Annechristin Bonß
Tel. 0351 / ‪458 4162‬
E-Mail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.uniklinikum-dresden.de/psy

Asthma

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Ein Team der Universität Bonn und des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) hat einen bislang unbekannten Wirkmechanismus eines synthetischen Peptids entdeckt, der die überschießende Entzündungsreaktionen bei allergischem Asthma abschwächt. Dabei wird ein zentraler Entzündungsschalter des Immunsystems gezielt gehemmt und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Advanced Science veröffentlicht.

Chronische Entzündungen der Atemwege, wie beispielsweise das allergische Asthma, entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Das angeborene Immunsystem gerät dabei aus dem Gleichgewicht und reagiert übermäßig auf eigentlich harmlose Umweltreize. Eine zentrale Rolle bei dieser Fehlregulation spielt das sogenannte NLRP3-Inflammasom. Dieser Proteinkomplex ist eine Art molekularer Entzündungsschalter, der auf Gefahrensignale reagiert und Immunreaktionen auslöst. Bei einer Überaktivierung trägt dieser Mechanismus zur Entstehung chronischer, also dauerhafter, Entzündungsprozesse bei. Das Inflammasom gilt daher als wichtiges therapeutisches Ziel, um chronische Entzündungserkrankungen in Zukunft besser behandeln zu können.

Ein Forschungsteam des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) und der Universität Bonn hat in Zusammenarbeit mit Gruppen des Universitätsklinikums Bonn, der Universität Graz und der Queen’s University Belfast einen neuen Ansatzpunkt entdeckt, um diese überschießenden Entzündungsreaktionen im menschlichen Körper gezielt zu reduzieren. Im Fokus steht dabei das synthetische Peptid Pep19-2.5. Es gehört zur Klasse der membranaktiven Peptide, die sich gezielt an bakterielle Zellmembranen anlagern können. Die Forschenden zeigen, dass Pep19-2.5 auch an Membranen von menschlichen Immunzellen binden kann. Diese Eigenschaft macht das Peptid besonders interessant für die Kontrolle einer überschießenden natürlichen Immunantwort, da ein entscheidender Schritt der Inflammasom-Aktivierung an inneren Membranen der Immunzellen stattfindet.

Im Rahmen der Studie wurde die Wirkung des Peptids zunächst in vitro an Zelllinien und primären menschlichen Immunzellen untersucht. Dabei standen insbesondere Monozyten und Makrophagen im Fokus, die als Zellen des angeborenen Immunsystems sowohl im Blut als auch in Organen wie der Lunge eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen.

Die Forschenden lösten mit einem Wirkstoff, der wie ein Zündschlüssel die Aktivierung des Inflammasoms in der Zelle startet, gezielt Entzündungsreaktionen aus. Der komplexe Mechanismus der Aktivierung des NLRP3 Inflammasoms wurde dabei Schritt für Schritt auf Angriffspunkte des Peptids abgeklopft. Mit hochempfindlichen biophysikalischen Methoden konnten sie an Modellen der Immunzellmembran und an lebenden Zellen jetzt die Zielstruktur des Peptids Pep19-2.5 in der Immunzelle identifizieren und damit aufklären, wie die Wirkung des Peptids auf die Fettstrukturen in der Zellmembran die Inflammasomaktivierung abbremsen kann. Das dies nicht nur mit der Modellsubstanz als Auslöser funktioniert, zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Experimenten mit Hausstaubmilbenextrakt, der in Immunzellen starke Entzündungsreaktionen des NLRP3-Inflammasoms auslöst, die bei Hausstaubmilben-Allergikern Atemwegsentzündungen und Asthma auslösen können.

Im zweiten Schritt überprüfte das Team die Wirkung in einem Mausmodell für Hausstaubmilben-Asthma. Dabei wurde das Peptid als Nasenspray über die Atemwege verabreicht. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass das Peptid die Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms hemmt und das über einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus. Pep19-2.5 dockt in der Zelle gezielt an ein Markerlipid an, verändert die Eigenschaften der umgebenden Membranlipide und beeinflusst so die Weiterleitung entzündlicher Signale, bevor es zur Aktivierung des Inflammasoms kommt. Dies führte sowohl in menschlichen Immunzellen als auch im Tiermodell zu einer deutlich reduzierten Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. Im Tiermodell zeigte sich zudem eine deutlich abgeschwächte Entzündungsreaktion in den Atemwegen sowie eine verbesserte Lungenfunktion.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich zentrale Entzündungsprozesse über die Zellmembran der Immunzellen gezielt beeinflussen lassen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Therapien bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Atemwege“, so Prof. Andra Schromm, Leiterin der Forschungsgruppe Immunbiophysik am Forschungszentrum Borstel, die Mitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ und im Forschungsschwerpunkt „Kiel Nano, Surface and Interface Science“ ist.

Die Befunde der Studie haben weit über die Wirkung auf durch Hausstaubmilben ausgelöstes Asthma Bedeutung. „Das NLRP3-Inflammasom spielt bei einer ganzen Reihe von altersbedingten chronischen Entzündungserkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Neuroinflammation und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine Rolle. Der Einsatz eines Peptids zur Kontrolle des Inflammasoms ist ein pharmakologisch völlig neuer Ansatz“, erklärt Prof. Günther Weindl vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn, der Mitglied in den Transdisziplinären Forschungsbereichen „Life & Health“ und „Sustainable Futures“ ist. Der Bedarf nach geeigneten Wirkstoffen ist groß. Bisher konzentriert sich die Suche nach geeigneten Wirkstoffen auf kleine synthetische Moleküle nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip. Die Befunde dieser Studie eröffnen mit dem biologienahen Peptid eine interessante neue Alternative.

Über Pep19-2.5

Pep19-2.5, auch bekannt unter dem Namen Aspidasept, wurde am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum entwickelt, um bei der Therapie systemischer Infektionen, wie einer Sepsis und bei Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt zu werden. Die nun entdeckte Wirkung als Hemmstoff des NLRP3-Inflammasoms eröffnet dem bereits gut erforschten Peptid ein völlig neues therapeutisches Anwendungsfeld. Für diese neu entdeckte Funktion als Inflammasom-Inhibitor wurde nun ebenfalls eine Patentanmeldung eingereicht.

Förderung

Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Graduiertenkollegs GRK2873, den Europäischen Forschungsrat (ERC) sowie die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder im Exzellenzcluster ImmunoSensation gefördert. Zusätzliche Unterstützung kam von der Leibniz-Forschungsallianz „Leibniz Health Technologies" und der Studienstiftung des deutschen Volkes.

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Prof. Dr. Günther Weindl
Pharmazeutisches Institut
Universität Bonn
E-Mail: guenther.weindl@uni-bonn.de

Prof. Dr. Andra Schromm
Forschungsgruppe Immunbiophysik
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
E-Mail: aschromm@fz-borstel.de

Originalpublikation:
J. Engelhardt, N. Kirsch, A. Kerfin, et al. “ Membrane-Active Peptide Protects Against Inflammation by Targeting NLRP3 Activation at the Trans-Golgi Network.” Advanced Science (2026): e76587. https://doi.org/10.1002/advs.76587

STEPP (Strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson

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Mit dem Forschungsprojekt STEPP (Strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson) startete an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) Anfang Juli erstmals ein gemeinsames Forschungsprojekt der Studienrichtungen Ergotherapie und Physiotherapie. In enger Zusammenarbeit mit ambulanten Therapiepraxen aus der Region entwickelt und untersucht das Forschungsteam ein innovatives Versorgungskonzept, das Präsenz- und Teletherapie miteinander verbindet. Ziel ist es, die ambulante Versorgung von Menschen mit Parkinson wissenschaftlich weiterzuentwickeln und den Zugang zu therapeutischen Leistungen langfristig zu verbessern.

Die Parkinson-Erkrankung zählt weltweit zu den am stärksten zunehmenden neurologischen Erkrankungen. Mit steigender Lebenserwartung nimmt auch in Deutschland die Zahl der Betroffenen kontinuierlich zu. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, lange Anfahrtswege und der demografische Wandel die Versorgungssituation – insbesondere in ländlichen Regionen. „Für Menschen mit Parkinson wird es aufgrund zunehmender Mobilitätseinschränkungen schwieriger, regelmäßige Therapieangebote wahrzunehmen. Gleichzeitig eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten, therapeutische Leistungen flexibel in den Alltag der Betroffenen zu integrieren. Genau hier setzt STEPP an“, erklärt Projektleiter Dr. Norbert Lichtenauer vom Campus Bad Kötzting der THD.

Kombination von Präsenz- und Teletherapie

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts steht die Entwicklung eines strukturierten hybriden Therapiekonzepts, das bewährte Präsenztherapie gezielt durch teletherapeutische Einheiten ergänzt. Wissenschaftliche Studien zeigen bereits, dass digitale Angebote die Therapiefrequenz erhöhen, den Transfer therapeutischer Inhalte in den häuslichen Alltag erleichtern und Selbstmanagement sowie Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten fördern können. Bislang fehlen jedoch wissenschaftlich evaluierte Konzepte, die diese Potenziale unter den Rahmenbedingungen der deutschen Heilmittelversorgung systematisch nutzen.

STEPP schließt diese Forschungslücke. Gemeinsam mit erfahrenen Ergo- sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten werden digitale Inhalte entwickelt, die sich unmittelbar in bestehende Behandlungen integrieren lassen. Die teilnehmenden Praxen erhalten hierfür kostenfrei Zugang zu einer nach der Heilmittel-Richtlinie zugelassenen Videoplattform und können die Teletherapie ohne zusätzliche technische Hürden in ihre laufende Behandlung einbinden.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation untersucht das Forschungsteam, ob die ergänzende Teletherapie die Therapiefrequenz erhöht, therapeutische Ziele und Bewegungsübungen erfolgreicher in den häuslichen Alltag übertragen werden können und wie sich die Kombination aus Präsenz- und Teletherapie auf Selbstmanagement, Patientenzufriedenheit sowie die Zufriedenheit der behandelnden Therapeutinnen und Therapeuten auswirkt. Darüber hinaus verfolgt STEPP einen konsequent patientenzentrierten Ansatz. Durch Coaching- und Empowerment-Strategien sollen Menschen mit Parkinson befähigt werden, ihre Erkrankung aktiver zu bewältigen und therapeutische Inhalte selbstständig in ihre täglichen Abläufe zu integrieren. Im Fokus stehen dabei alltagsrelevante Betätigungen, körperliche Aktivität und die langfristige Förderung von Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.

Enge Kooperation zwischen Hochschule und ambulanten Therapieeinrichtungen

Die regionalen Therapiepraxen sind von Beginn an aktiv an der Entwicklung und Erprobung der Inhalte beteiligt. Dadurch entstehen Versorgungslösungen, die wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig unmittelbar an den Anforderungen des therapeutischen Alltags ausgerichtet sind. „Die Zusammenarbeit mit den ambulanten Ergo- und Physiotherapiepraxen ist außergewöhnlich engagiert und konstruktiv. Dieses gemeinsame Verständnis, Versorgung aktiv weiterzuentwickeln, bildet die Grundlage für ein Forschungsprojekt mit hoher Praxisrelevanz“, betont Dr. Lichtenauer.

Mit STEPP setzt die THD zudem ein wichtiges Zeichen für interprofessionelle Gesundheitsforschung. Erstmals arbeiten die Studienrichtungen Ergotherapie und Physiotherapie gemeinsam in einem Forschungsprojekt zusammen und verbinden wissenschaftliche Expertise mit der Erfahrung regionaler Versorgungspartner. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen einen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung hybrider Therapieformen leisten und Perspektiven für eine zukunftsfähige, wohnortnahe und patientenzentrierte Heilmittelversorgung schaffen.

Gefördert wird STEPP durch die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen.

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Dr. Norbert Lichtenauer
norbert.lichtenauer@th-deg.de

Herzinfarkt

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Menschen, die im Großraum Tirol einen Herzinfarkt erleiden, haben Glück im Unglück: Im grenzüberschreitenden Herzinfarktnetzwerk, das auch Patient:innen aus dem Außerfern über das Herzzentrum Füssen (Deutschland) versorgt, funktioniert die Akutversorgung hervorragend. Im Jahr nach dem Herzinfarkt gelingt es jedoch vielen Betroffenen nicht, die wichtigsten Risikofaktoren dauerhaft und optimal einzustellen. Genau hier setzt ein gemeinsames Interreg-Forschungsprojekt der Univ.-Klinik für Kardiologie an der Med Uni Innsbruck, der Klinik Füssen und dem Universitätsklinikum Augsburg an: Es nutzt digitale Begleitung, um die langfristige Nachsorge spürbar zu verbessern. 

In Tirol wurde vor rund 20 Jahren ein grenzüberschreitendes Herzinfarkt-Netzwerk mit der Klinik Füssen aufgebaut. Es ermöglicht bis heute eine rasche, moderne und flächendeckende Akutversorgung entsprechend der Leitlinien und hat die Heilungschancen nach einem Herzinfarkt deutlich verbessert. Diese erfreuliche Bilanz lässt sich bislang jedoch nicht auf die langfristige Nachsorge übertragen. „Mehr als die Hälfte der Herzinfarktpatientinnen und -patienten erreicht ein Jahr nach dem überstandenen Infarkt die empfohlenen Zielwerte für Blutdruck, Cholesterin oder Blutzucker nicht“, weiß Kardiologe Sebastian Reinstadler von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin III (Direktor: Axel Bauer). Die Gründe dafür sind vielfältig und auch international zu beobachten: Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten fällt im Alltag oft schwer, die Therapie wird nicht immer rechtzeitig angepasst und der Kontakt zur medizinischen Betreuung geht mit der Zeit verloren. Besonders in Grenzregionen ergeben sich zusätzliche Herausforderungen durch das nicht immer reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Gesundheitssysteme. Hinzu kommt die geringere Fachärzt:innendichte im ländlichen Raum. Das verbleibende Risiko durch eine suboptimale Nachsorge erhöht die Gefahr für neuerliche Herzinfarkte und Komplikationen. Dass sich der Optimierungsaufwand lohnt, zeigt eine zentrale Botschaft des Projektes: „Wer nach einem Herzinfarkt alle wesentlichen Risikofaktoren optimal einstellt, kann eine normale Lebenserwartung erreichen – vergleichbar mit der von Menschen, die nie einen Herzinfarkt hatten“, betont der Kardiologe.


Personalisierte App soll Herzinfarkt-Nachsorge optimieren

Im Rahmen des vom Herzzentrum Füssen koordinierten EU-Interreg-Projekts Tele Alpine steht nun die Entwicklung einer personalisierten Gesundheits-App im Fokus, die von Sebastian Reinstadler und seinem Innsbrucker Team verantwortet und umgesetzt wird. An der Medizinischen Universität Innsbruck liegt ein besonderer Schwerpunkt im Bereich der digitalen Kardiologie, wodurch auch die Etablierung der digitalen Infrastruktur und der dazugehörigen Serverstrukturen abgedeckt ist. „Die App erfasst bis zu zehn Risikofaktoren – darunter Cholesterin, Blutdruck, Lebensstil, Impfstatus, Lebensstilfaktoren – und ermöglicht auf diesem Weg eine individuelle Nachsorge. Schon während des stationären Aufenthalts nach dem Herzinfarkt wird die App individuell konfiguriert. Das heißt, für jede Patientin und jeden Patienten werden die jeweils relevanten Risikofaktoren erhoben. Das Ergebnis ist ein schlankes, auf die persönliche Situation zugeschnittenes digitales Werkzeug“, berichtet Reinstadler. Damit können Patient:innen Werte eintragen, Laborbefunde hochladen und ihren Fortschritt verfolgen. Auch Lebensstilfaktoren wie sportliche Aktivität, Rehabilitationsmaßnahmen und Impfungen – die nachweislich wichtige Influenza-Impfung reduziert das Sterblichkeitsrisiko nach Herzinfarkt um etwa 30 Prozent – werden erfasst.

Im Rahmen einer klinischen Studie, die spätestens 2027 starten soll, wird das Projekt wissenschaftlich evaluiert. Die Rekrutierung erfolgt an allen drei Standorten. „Als Universitätsklinik ist es unser Ziel, die Wirksamkeit der App systematisch zu untersuchen“, erklärt Reinstadler. Dazu werden Teilnehmende in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste erhält die Standardversorgung ohne digitale Unterstützung, die zweite nutzt allein die App, und die dritte kombiniert die App mit telemedizinischer Betreuung – also Selbstdokumentationen plus Arztgespräche und Beratung zu drei Zeitpunkten.
Die Forschenden nehmen an, dass eine ausschließliche App-Lösung noch zu wenig Effekt auf die Optimierung der Nachsorge hätte und erst die Kombination mit einer menschlichen, medizinisch fundierten Interaktion zu konkreten Verhaltensänderungen führt. Umgekehrt hilft der personalisierte Ansatz auch, Ressourcen einzusparen: Wer alle zehn Punkte erreicht, muss nicht quartalsweise zur Kontrolle. Weil die permanente digitale Selbstüberwachung Betroffene aber auch belasten kann, steht das Wohlbefinden der Studienteilnehmenden ebenso im Fokus. Mit zwei etablierten Fragebögen zur Lebensqualität soll der Mental-Health-Aspekt in der Studie systematisch erfasst werden.

„Unser Ziel ist es außerdem“, so Reinstadler, „das Projekt an die ELGA (Elektronische Gesundheitsakte Österreich) bzw. das entsprechende deutsche System anzubinden – im Sinne einer echten Integration in die bestehende öffentliche Gesundheitsinfrastruktur beider Länder.“