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Kasuistik: Management des Gewicht von Patienten

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Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim zum Gewichtsmanagement bei Menschen mit Übergewicht offenbart eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Versorgung und dem, was die Betroffenen angeben.

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas. Sie leben damit mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Um Gewicht erfolgreich zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Behandlungsangebote: Die aktuellen Leitlinien für die Behandlung von Adipositas empfehlen im ersten Schritt strukturierte, multimodale Verhaltensprogramme, die sich aus den Bausteinen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen zusammensetzen. Als zusätzliche Optionen können Medikamente in Betracht kommen und bei starkem Übergewicht auch eine (bariatrische) Operation, durch die die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird.

Der Zugang zu diesen Behandlungen scheint jedoch in der Praxis nicht ganz einfach. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist uneinheitlich. Und offenbar wissen viele Menschen auch gar nicht, welche Arten von Unterstützung ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. So die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Leitung: Prof. Dr. Falko Sniehotta) durchgeführt haben.

Um zu erfahren, wie Gewichtsmanagement in Deutschland tatsächlich umgesetzt wird und wo mögliche Versorgungslücken bestehen, führten sie eine Online-Befragung von mehr als 2.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas durch. Dabei zeigte sich eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Behandlung von Übergewicht und der Inanspruchnahme dieser Leistungen durch die Betroffenen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie wurden gefragt, welche Angebote zur Unterstützung beim Gewichtsmanagement sie kennen, welche sie bereits genutzt haben, welche sie künftig ausprobieren würden und welche Hindernisse einer Nutzung entgegenstehen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwar haben rund 85 Prozent der Befragten bereits versucht, ihr Gewicht zu reduzieren – davon allerdings drei von vier ohne professionelle Unterstützung. Trotz deutlichen Übergewichts hatte weniger als die Hälfte der Befragten ein Gespräch mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin über Optionen des Gewichtsmanagements. Und nur 7,8 Prozent der Befragten hatten bereits an einem verhaltensbasierten Programm, einschließlich digitaler Gesundheitsanwendungen („DiGAs“), teilgenommen. Lediglich 6,2 Prozent der Befragten hatten Medikamente zur Behandlung von Adipositas genutzt.

Bei der Befragung zeigte sich, dass Bekanntheit und Interesse sich deutlich zwischen den verschiedenen Behandlungsoptionen unterscheiden. Besonders auffällig war dies bei digitalen Gesundheitsanwendungen („DiGAs“). Obwohl sie die einzige Behandlungsoption sind, deren Kosten von den Krankenkassen regelmäßig übernommen werden, kannten nur 19 Prozent der Teilnehmenden diese Angebote. Aber mehr als doppelt so viele (39,1 Prozent) zeigten bei der Befragung Interesse daran, eine solche Anwendung auszuprobieren.

Zu den am häufigsten genannten Hindernissen für die Nutzung der verschiedenen Behandlungsangebote gehörten mangelnde Kenntnis der verfügbaren Optionen, Zweifel an deren langfristiger Wirksamkeit sowie die Einschätzung, Unterstützung noch nicht dringend genug zu benötigen.

„Um den wachsenden Adipositasraten wirksam zu begegnen, müssen künftig sowohl die Verfügbarkeit als auch der Zugang zu evidenzbasierten Behandlungsangeboten verbessert und die Vermittlung der Betroffenen in entsprechende Programme gestärkt werden“, so das Fazit der Erstautorin der Studie, Dr. Laura Kudlek.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Laura Kudlek
Universitätsmedizin Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Röntgenstr. 7, 68167 Mannheim
laura.kudlek@medma.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Laura Kudlek; Hannah Z. Hennig; Hannah Haumann; Falko F. Sniehotta
Weight Management and Healthcare Utilization among Adults with Overweight and Obesity in Germany: A Representative Survey of General Practitioner Consultations and Digital and Pharmacological Treatment
Obesity Facts (2026)
https://doi.org/10.1159/000552226

Therapie von Rückenschmerzen

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Internationale Studie zeigt Grenzen konservativer Behandlungen auf.

Eine großangelegte Analyse eines internationalen Forscherteams geführt von der Hochschule Bochum zeigt: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Bewegungstherapie oder Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen können Beschwerden zwar lindern – allerdings meist nur für wenige Wochen. Langfristig bleiben für Patient*innen relevante Verbesserungen aus.
Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Belavy (Hochschule Bochum) gemeinsam mit Partnern unter anderem aus Australien, Großbritannien und China durchgeführt und am 30. Juni 2026 im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht.
Kurzfristige Effekte – aber keine nachhaltige Wirkung
Die Forschenden werteten Daten aus 551 randomisierten Studien mit über 71.000 Patientinnen und Patienten aus. Untersucht wurden zahlreiche konservative Therapien, darunter Bewegungstraining, manuelle Therapie, Akupunktur, psychologische Ansätze und medikamentöse Behandlungen.
Das zentrale Ergebnis: Viele dieser Behandlungen führen zu einer spürbaren Verbesserung von Schmerzen und Funktion – allerdings vor allem kurzfristig, in einem Zeitraum von etwa 10 bis 12 Wochen. „Wir sehen, dass verschiedene Therapieformen durchaus wirken – aber dieser Effekt hält in der Regel nicht lange an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Bochum. Nach etwa einem Jahr zeigten sich keine klinisch relevanten Vorteile mehr, auch wenn einzelne Effekte statistisch noch nachweisbar waren.
Aktiv oder passiv? Unterschied geringer als gedacht
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Aktive Therapien wie beispielsweise Bewegungstherapie und passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Massage sind in ihrer Wirkung ähnlich. Das widerspricht teilweise verbreiteten Annahmen in der Versorgung. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavy. „Stattdessen brauchen wir im deutschen Gesundheitssystem Strategien, die Menschen dazu befähigen, ihre Schmerzen langfristig selbst zu bewältigen.“
„Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine Ursache, sondern mehrere, weiß der Rückenschmerzexperte. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden, so Belavy. „Wir wissen aus anderer Forschung, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund brauchen wir Ansätze, die Patient*innen mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei helfen, sich selbst besser zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching.“
Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt solche Ansätze bisher noch nicht ausreichend“, so Belavy. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“
Herausforderungen der bestehenden Studien
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die untersuchten Studien zeigten deutliche Unterschiede in der Durchführung der einzelnen Behandlungsformen und wie sehr Patient*innen davon profitierten. „Dies spiegelt jedoch auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis - und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen,“ kommentierte Prof. Belavy. Zukünftige Studien sollten stärker auf langfristige Wirksamkeit, Selbstmanagement, Patientenbeteiligung und Lebensstilveränderungen ausgerichtet sein, so die Forschenden.

Betroffene gesucht
Begleitend zur aktuellen Forschung untersucht die Hochschule Bochum in einer randomisierten Pilotstudie, wie viel Bewegungstraining tatsächlich notwendig ist, um chronische unspezifische Rückenschmerzen wirksam zu lindern. Für die laufende Studie werden aktuell noch Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen gesucht. Interessierte können durch ihre Teilnahme dazu beitragen, zukünftige Therapieangebote gezielter, individueller und wirksamer zu gestalten. Im Rahmen der Studie absolvieren die Teilnehmenden ein sechs­wöchiges betreutes Bewegungstraining.

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Prof. Dr. Daniel Belavy daniel.belavy@hs-bochum.de, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften

Originalpublikation:
https://bmjmedicine.bmj.com/content/5/1/e001908

Klima und Wetter

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Pilotstudie PULS! startet an der Medizinischen Fakultät Mannheim und will genau das herausfinden.

Temperaturen von über 35 Grad, tropische Nächte und Warnungen vor gesundheitlichen Belastungen: Aktuell stellen die hohen Temperaturen viele Menschen im Alltag und am Arbeitsplatz nicht nur vor besondere Herausforderungen, sondern können sich auch auf ihre körperliche, mentale und soziale Gesundheit auswirken.

Wie erleben Menschen solche und andere Krisen? PULS! ist eine Pilotstudie in Baden-Württemberg, die erstmals in Echtzeit untersucht, wie es Menschen in Krisensituationen wie Hitzewellen, Naturkatastrophen oder Pandemien geht, was die Krise für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen bedeutet und was sie benötigen, um diese gut zu bewältigen.

“Angesichts der Vielzahl potenzieller Krisenereignisse, die die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung beeinflussen können, besteht ein wichtiger Bedarf, die gesundheitlichen Auswirkungen und die Erfahrungen der Bevölkerung zeitnah zu erfassen”, sagt Professor Dr. Falko Sniehotta, Leiter der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

Um diese Lücke zu adressieren und die Vorbereitung auf zukünftige Krisensituationen zu verbessern, wurde die PULS! Studie initiiert.

Mit PULS! möchten wir erfassen, wie Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten Krisen, beispielsweise Hitzewellen, erleben und von welchen körperlichen, mentalen und sozialen Auswirkungen sie kurz- und langfristig betroffen sind.

Der Kooperationspartner bei dieser Studie, Data4Life, entwickelt Open-Science Lösungen für Gesundheitsdaten und unterstützt damit die Wissenschaft, die pharmazeutische Forschung sowie globale Gesundheitsbehörden bei Forschungsprojekten. Die Befragung der Studienteilnehmenden erfolgt ausschließlich über die von Data4Life entwickelte D4L Collect App.

Über das Smartphone werden bei Krisenereignissen kurzfristig Fragebögen an die Teilnehmenden versendet und erstmals Daten zu gesundheitlichen Auswirkungen und zum Wohlergehen der Bevölkerung in Echtzeit erhoben. Ergänzend erfassen vierteljährliche Befragungen über zwei Jahre auch längerfristige Entwicklungen.

Mit diesem Design nimmt die PULS! Studie eine Vorreiterrolle ein. Sie trägt damit zur Verbesserung der Datengrundlage für gezielte Interventionsmöglichkeiten im Krisenfall und die Planung frühzeitiger Präventionsmaßnahmen bei.

“Mit PULS! schaffen wir eine Plattform, die es uns ermöglicht, mit den Menschen im Land im Austausch zu bleiben. Wenn wir die gesundheitlichen Auswirkungen von Krisen und die Bedarfe in der Bevölkerung besser verstehen, können wir Wege finden, um zukünftig besser durch Krisen zu kommen”, so Professor Sniehotta.

Die PULS! Studie startet nun in Baden-Württemberg. Einige Personen, die sich zuvor zur Teilnahme an Gesundheitsstudien bereiterklärt hatten, erhalten eine Einladung per E-Mail. Zudem sind Bürgerinnen und Bürger, die Interesse an einer Teilnahme haben, herzlich eingeladen, sich per E-Mail an das Studienteam zu wenden. Jede Teilnahme trägt dazu bei, die Bedürfnisse, Sorgen und Herausforderungen der Bevölkerung frühzeitig sichtbar zu machen. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, Krisen und gesellschaftliche Herausforderungen in Baden-Württemberg besser zu verstehen und wirksamer zu bewältigen.

Kontakt für Rückfragen zur Studie: puls@medma.uni-heidelberg.de
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Kontakt für Rückfragen zur Studie
Dr. Anna Kaiser
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
puls@medma.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen finden Sie unter
weitere Informationen zur Studie

Herzschlag

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Unser Herz muss nach jedem Schlag blitzschnell in seine Form zurückkehren. Doch was passiert, wenn die elastischen „Federn“ im Herzen versagen? Ein Forschungsteam der Uni Münster hat herausgefunden, dass das Herz dabei auf das Strukturprotein Titin angewiesen ist. Werden diese Fasern beschädigt, kann das Herz nicht mehr nach jedem Schlag in seine Ausgangsform zurückkehren, was zu gestörter Herzfüllung, Herzschwäche und einer raschen Gewebevernarbung führt. Die Studie erschien nun in der Fachzeitschrift „Nature Cardiovascular Research“.

Das Herz ist ein richtiger „Workaholic“: Rund ‪100.000‬ Mal schlägt es am Tag und muss sich nach jeder Kontraktion wieder vollständig mit Blut füllen – dafür benötigt es nicht nur Kraft, sondern auch Elastizität. Ein Forschungsteam der Universität Münster konnte nun zeigen, dass das Herz dabei entscheidend auf das Strukturprotein Titin angewiesen ist: Werden die elastischen Titin-Fasern beschädigt oder gespalten, kann das Herz nicht mehr nach jedem Schlag in seine Ausgangsform zurückkehren. Die Folgen sind eine gestörte Herzfüllung, Herzschwäche und eine rasch einsetzende Vernarbung des Herzgewebes. Die Studie erschien nun in der Fachzeitschrift „Nature Cardiovascular Research“.

Titin ist das größte bekannte Protein des menschlichen Körpers. Im Herzen wirkt es wie eine molekulare Sprungfeder, indem es die Muskelfasern sowohl beim Erschlaffen als auch bei der Kontraktion zusammenhält. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Titin zur passiven Steifigkeit des Herzmuskels beiträgt – diese Eigenschaft ist entscheidend, damit das Herz in seine Ausgangsform zurückkehren kann, nachdem es Blut in den Körperkreislauf gepumpt hat. Bei verschiedenen Herzerkrankungen wird das Protein jedoch teilweise durch Enzyme gespalten. „Bislang war unklar, welche Folgen diese Fragmentierung tatsächlich für die Herzfunktion hat“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Wolfgang Linke vom Institut für Physiologie II. „Lange Zeit wurde angenommen, dass die Spaltung von Titin vor allem ein Zeichen für Gewebeschädigung ist. Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass die Spaltung selbst aktiv zur Krankheitsentstehung beitragen kann.“

Für die Studie entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Mausmodell, in dem Titin gezielt an einer Stelle gespalten werden kann, die auch bei menschlichen Herzerkrankungen häufig betroffen ist. Erwartet wurde, dass der Herzmuskel dadurch weicher wird und sich die Herzkammern erweitern – doch das Gegenteil trat ein: Die linke Herzkammer wurde kleiner und konnte sich nach jedem Herzschlag nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. Obwohl die Pumpkraft zunächst weitgehend erhalten blieb, entwickelte sich eine Form der Herzschwäche mit vermindertem Herzzeitvolumen.

Den Grund hierfür zeigten Messungen einzelner Herzmuskelzellen: Nach der Kontraktion konnten die verkürzten Muskelfasern nicht mehr vollständig in ihre Ausgangslänge zurückkehren. Das Herz verlor also einen wesentlichen Teil seiner elastischen Rückstellkraft. Die Forschenden beobachteten außerdem, dass die Titin-Spaltung die mechanische Vernetzung innerhalb des Herzmuskels beeinträchtigt: Verbindungen zwischen den für die Kontraktion verantwortlichen Strukturen der Herzmuskelzellen, den Zellkontakten und der umgebenden Gewebematrix wurden gestört.

„Die Ergebnisse verändern das Verständnis der Herzmechanik grundlegend“, resümiert Wolfgang Linke. „Titin begrenzt nicht nur die Dehnung des Herzmuskels, sondern sorgt aktiv dafür, dass das Herz nach jeder Kontraktion elastisch in seinen Ausgangszustand zurückkehrt. Der Verlust von Titin-Elastizität hat demnach weitreichende Folgen für die mechanische Homöostase, also das Zusammenspiel der verschiedenen Mechanismen des Herzens.“ Künftig will das Team untersuchen, ob ähnliche Mechanismen auch bei menschlichen Herzerkrankungen eine Rolle spielen und wie sich die daraus resultierende Vernarbung therapeutisch verhindern lässt.



MaAB -Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Kathrin Kottke
Prof. Dr. Wolfgang Linke
Institut für Physiologie II / Universität Münster
Telefon: 0251 / 83-55328
E-Mail: wlinke@uni-muenster.de

Originalpublikation:
Freundt, J.K., Hartmann, P., Loescher, C.M. et al. Selective titin cleavage disrupts cardiac mechanical homeostasis to drive heart failure and fibrosis. Nat Cardiovasc Res 5, 572–587 (2026). https://doi.org/10.1038/s44161-026-00829-z

Die Dissertation „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016 – 2021

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Dr. Marlene Sattler hat den Diskurs über tödliche Verkehrskollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin untersucht

Wie wird über Menschen gesprochen, die im Berliner Straßenverkehr beim Radfahren getötet wurden? Und welche Rolle spielt Sprache dabei, ob solche Todesfälle als tragische Einzelfälle erscheinen oder als vermeidbare Folgen von Infrastruktur, Verkehrsplanung und politischen Entscheidungen? Diesen Fragen ist Dr. Marlene Sattler in ihrer Dissertation am Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden der TU Berlin nachgegangen. Über ihre Forschung spricht sie in einem Interview.

Unter dem Titel „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016–2021“ analysierte Sattler Polizeimeldungen, Pressemitteilungen von Changing Cities e.V. sowie Artikel Berliner Tageszeitungen. Im Mittelpunkt standen 61 Todesfälle von Radfahrer*innen in Berlin. Ihre Forschung zeigt: Die Art, wie über tödliche Kollisionen gesprochen und geschrieben wird, prägt maßgeblich, ob sie als schicksalhafte Einzelereignisse oder als vermeidbare Folgen politischer und planerischer Entscheidungen verstanden werden.

Zwei Deutungsmuster: Schicksal oder Verantwortung

Sattler unterscheidet zwei zentrale Deutungsmuster: eine „Schicksals-Diskurskoalition“, in der tödliche Kollisionen vor allem als Unfälle oder Unglücke erscheinen, und eine „Verantwortlichkeits-Diskurskoalition“, die Infrastruktur, Verkehrsplanung, politische Prioritäten und die Vision Zero in den Blick nimmt. Gerade Polizeimeldungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie häufig die Grundlage journalistischer Berichterstattung bilden.

„Sprache ist nicht neutral“, sagt Dr. Marlene Sattler. „Wenn unklar bleibt, wer gehandelt hat, welche Infrastruktur vorhanden war oder welche politischen Entscheidungen eine Situation ermöglicht haben, verschwinden Verantwortlichkeiten aus dem Blick.“ Ihre Forschung macht deutlich: Wer Verkehrssicherheit ernst nimmt, muss tödliche Kollisionen nicht nur anders verhindern, sondern auch anders erzählen.

Im Interview spricht Dr. Marlene Sattler über ihre Dissertation, über problematische Begriffe wie „Unfall“, die Rolle von Polizei, Medien und Changing Cities sowie darüber, warum die Vision Zero konsequent umgesetzt werden muss.

Das vollständige Interview „Es geht um Leben und Tod“ mit Dr. Marlene Sattler ist online abrufbar.

Die Dissertation „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016 – 2021“ ist ebenfalls online abrufbar.

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Stefanie Terb 
Dr. Marlene Sattler
Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden
Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften
E-Mail: marlene.sattler@tu-berlin.de

Änderungen des Arbeitszeitgesetzes

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Stellungnahme der Initiative Arbeits- und Organisationspsychologie Gesundheit und Arbeitssicherheit (AOP-GA) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), und des Fachverbandes Psychologie für Arbeitssicherheit und Gesundheit (PASiG) zur aktuellen Debatte um die geplanten Änderungen beim Arbeitszeitgesetz.

In der politischen und medialen Debatte zu Lösungsansätzen im Zusammenhang mit den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland hat die Bundesregierung eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) ins Spiel gebracht. Eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten soll einer vermeintlich sinkenden Arbeitsmoral sowie kontinuierlich steigenden Krankheitstagen und damit einer sinkenden Leistungsfähigkeit und einer weiteren Zuspitzung des Fachkräftemangels entgegenwirken. Konkret geht es um längere tägliche Arbeitszeiten sowie eine Abkehr vom Achtstundentag zugunsten einer reinen Wochenhöchstarbeitszeit.
Die Initiative AOP-GA beobachtet diese Entwicklung mit großer Irritation und zunehmender Sorge. Die von der Politik herangezogenen Begründungen für etwaige gesetzliche Regelungen stehen nicht im Einklang mit der aktuellen Forschung sowie konsolidierten Leitlinien, die den langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit im Blick haben.
Gesetzesvorschläge entsprechender politsicher Akteure schwächen nicht einfach nur den Arbeitsschutz, sie verschärfen vor allem genau die Probleme, die sie eigentlich lösen sollen.

„Empirische Forschung liefert wichtige Kriterien, um die Folgen politischer Entscheidungen abschätzen zu können“, betont DGPs-Vizepräsidentin Prof. Dr. Annette Kluge. „Deshalb sollte auch die politische Debatte über Arbeitszeiten konsequent Erkenntnisse aus der arbeits- und organisationspsychologischen Forschung einbeziehen.“

Aus Sicht der Initiative AOP-GA stellt das Arbeitszeitgesetz einen notwendigen arbeitsschutzrechtlichen Mindeststandard dar und fördert die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Eine Absenkung bestehender arbeitszeitrechtlicher Schutzstandards birgt das Risiko, gesundheitliche Beanspruchungen zu erhöhen und damit Folgen wie psychische Erkrankungen, Fehlzeiten, Fluktuation und Frühverrentung weiter zu verstärken.

Für die Motivation und Leistungsbereitschaft sowie auch langfristige Leistungsfähigkeit von Arbeitenden braucht es ein gut gestaltetes Arbeitsumfeld. Die geplanten Änderungen beim Arbeitszeitgesetz bedeuten hingegen das genaue Gegenteil – eine klare Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

Wirksamer und wirtschaftlich nachhaltiger – also auch im Sinne der ursprünglichen Zielsetzung der Debatte um Änderungen beim Arbeitszeitgesetz – wären präventive Maßnahmen, menschgerechte Arbeitsbedingungen mit positiv gestalteten Belastungsfaktoren sowie eine entsprechend motivierende und unterstützende Führung von Mitarbeitenden.
Die Initiative AOP-GA spricht sich daher klar für eine evidenzbasierte politische Debatte, unter Berücksichtigung aktueller psychologischer und arbeitswissenschaftlicher Forschung sowie für den Erhalt bestehender arbeitszeitrechtlicher Schutzstandards auch bei Arbeitszeiten aus.

Stellungnahme:
Die ausführliche Stellungnahme steht hier als pdf-Datei zum Download bereit: 

https://www.dgps.de/schwerpunkte/stellungnahmen-und-empfehlungen/stellungnahmen/...

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Prof. Dr. Annette Kluge
Vizepräsidentin der DGPs
Lehrstuhl Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: vize1-praesidentin@dgps.de

Pressekontakt:
Dr. Anne Klostermann
Pressestelle DGPs
Tel.: ‪030 28047718‬
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die rund 6000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag. Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen und stellt eine Expertendatenbank für Presseanfragen zur Verfügung. Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Psychosen und Sucht

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Eine neue S3-Leitlinie soll die Versorgung von Menschen mit Psychosen und einer zusätzlichen Suchterkrankung deutlich verbessern. Die Leitlinie „Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung“ wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) herausgegeben. Sie gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Behandlung dieser besonders belasteten Patientengruppe.

Psychosen zählen zu den besonders schweren psychischen Erkrankungen. Sie können im Rahmen einer Schizophrenie, einer schizoaffektiven Störung oder einer bipolaren Erkrankung auftreten oder durch Drogen ausgelöst werden. Wenn Betroffene zusätzlich an einer Abhängigkeitserkrankung leiden – etwa von Cannabis, Alkohol oder Stimulanzien – verschlechtert sich der Krankheitsverlauf erheblich. Therapien werden häufiger abgebrochen, Rückfälle treten öfter auf, stationäre Aufenthalte sind wahrscheinlicher. Etwa die Hälfte aller Menschen mit Psychosen erkrankt im Laufe ihres Lebens auch an einer substanzbezogenen Störung.

Integriert behandeln
Eine zentrale Empfehlung der neuen Leitlinie ist, dass die Behandlung bei der Erkrankung idealerweise integriert erfolgen sollte. „Menschen mit Psychose und Suchterkrankung profitieren besonders von einer gemeinsamen Behandlung durch ein multiprofessionelles Team“, erläutert Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Koordinatorin der Leitlinie und Präsidentin der DGPPN. „Eine solche integrierte Versorgung senkt die Abbruchraten und reduziert die Zahl stationärer Behandlungen.“
Ist eine integrierte Behandlung nicht verfügbar, sollten Psychose- und Suchttherapie zumindest eng miteinander abgestimmt und koordiniert werden, etwa durch ein strukturiertes Case Management. Wichtig ist dabei, beide Erkrankungen konsequent zusammenzudenken und ihren Zusammenhang offen zu thematisieren.

Spezialisiert behandeln
Im Vergleich zu den Behandlungsempfehlungen für die jeweiligen Einzelerkrankungen gibt es bei den Empfehlungen für Betroffene mit der Doppeldiagnose durchaus Besonderheiten. So empfiehlt die neue Leitlinie beispielsweise, Psychosen medikamentös mit atypischen Antipsychotika zu behandeln, da diese nicht nur psychotische Symptome lindern, sondern auch das Risiko für weiteren Substanzkonsum senken können.
Für die Suchtbehandlung rät die Leitlinie, Abstinenz oder zumindest eine deutliche Reduktion des Konsums anzustreben. Prof. Dr. Falk Kiefer, der die mit-herausgebende DG-Sucht in der Steuerungsgruppe der Leitlinie vertritt, erläutert: „Gerade im stationären Bereich sollte eine integrierte Behandlung von Psychose und Sucht erfolgen. Abstinenz ist dabei nicht die Voraussetzung für die Behandlung, sondern eines der Therapieziele.“

Gewalt vorbeugen, Versorgung stärken
Eine leitliniengerechte Behandlung kann nicht nur das individuelle Leid der Betroffenen verringern, sondern auch dazu beitragen, Risiken für andere zu senken. Ohne Therapie ist das Risiko für fremdgefährdendes Verhalten bei dieser Patientengruppe erhöht. Eine konsequente, fachgerechte Behandlung ist daher auch ein wichtiger Beitrag zur Gewaltprävention.
Um Betroffene zu erreichen, müssen Versorgungsangebote niedrigschwellig gestaltet sein. Dazu kann es gehören, Hilfen aktiv anzubieten, statt abzuwarten, bis Erkrankte selbst Unterstützung suchen – etwa durch aufsuchende Angebote im Sinne eines „Assertive Community Treatment“.

Erfolgreiche Behandlung ist möglich
Noch immer gehen manche Behandelnde davon aus, dass Menschen mit der Komorbidität Psychose und Sucht kaum von Therapien profitieren. Die Leitlinie widerspricht dieser Annahme ausdrücklich. „Die Behandlung ist anspruchsvoll, aber sie lohnt sich“, ermutigt DGPPN-Präsidentin Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank. „Mit einer integrierten, leitliniengerechten Versorgung lassen sich Krankheitslast und Rückfallrisiken senken und die Lebensqualität der Betroffenen spürbar verbessern. Der Einbezug von Angehörigen kann die Behandlung zusätzlich unterstützen und auch deren Leidensdruck reduzieren.“

Der Leitlinienprozess
Die S3-Leitlinie „Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung“ umfasst 44 Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung. 27 Empfehlungen basieren auf wissenschaftlicher Evidenz, 17 wurden im strukturierten Expertenkonsens erarbeitet. Der Leitlinienprozess war trialogisch angelegt. Insgesamt wirkten 32 Fachgesellschaften, Verbände sowie Betroffenen- und Angehörigenorganisationen mit. Die Leitlinie ist seit heute im Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter der Registernummer 038-027 veröffentlicht.

Originalpublikation:
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-027 S3-Leitlinie Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung (LL-KoPsS) im Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Weitere Informationen finden Sie unter
Alle Leitlinien der DGPPN
Über die DGPPN
Über die DG-Sucht

Herzschlag

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Universitätsklinikum Freiburg macht Herzbewegung mit 3D-Animation verständlich / Bisherige Darstellungen zeigen grundlegende Fehler / Neue Animation hilft Lehre und Forschung

Das Universitätsklinikum Freiburg hat eine neue Miniatur-Animation des schlagenden Herzens erstellt. Nach Kenntnis des Universitätsklinikums Freiburg ist es die erste schematische 3D-Animation, die Aufbau und Bewegung des Herzens anatomisch und zeitlich richtig zusammenführt. Sie zeigt: Das Herz drückt Blut in den Körper und saugt zugleich Blut aus den Venen an, ohne seine Gesamtgröße wesentlich zu verändern. Das kann Ärzt*innen, Forschenden und Studierenden helfen, Herzfunktion und Herzerkrankungen besser zu verstehen und zu erklären.

„Die Vorstellung, die viele vom schlagenden Herzen haben, ist falsch. Das Herz als Ganzes dehnt sich beim Herzschlag nicht aus. Auch springt die Herzspitze unten nicht frei auf und ab“, sagt Prof. Dr. Peter Kohl, Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin am Universitätsklinikum Freiburg. „Das Herz ist keine einfache Pumpe, die Blut erst ansaugt und anschließend wieder auswirft. Es ist eine Druck-Saug-Pumpe, bei der beides gleichzeitig passiert. Dabei verändert das Herz seine innere Form und bleibt von außen fast gleich groß.“

Warum diese Animation anders ist

Viele der stark vereinfachten Herz-Animationen zur Darstellung der Herzbewegung, die man im Internet findet, wirken hochpräzise und anschaulich. Sie zeigen aber oft Bewegungen, die so im Körper nicht passieren. Manchmal sehen Herzkammern nach einem Schlag leer oder luftgefüllt aus. Manchmal biegen sich Wände nach innen. Solche Bilder können ein falsches Verständnis der Herzbewegung vermitteln.

Die neue schematische Animation des Universitätsklinikums Freiburg vermeidet diese Fehler. Sie zeigt, wie sich die vier Herzkammern bei jedem Schlag in Form und Wanddicke verändern, ohne dass das äußere Herzvolumen insgesamt deutlich größer oder kleiner wird. Damit erklärt sie den Herzschlag einfacher und genauer als bisherige schematische Darstellungen. „Die Grafik sieht vielleicht unspektakulärer aus als andere Animationen, aber dafür ist sie dichter an der Realität“, so Kohl. Die Animation ist für Lehre und Forschung gedacht.

Lob von internationalen Fachleuten

Die bisherigen Darstellungen waren für Expert*innen weltweit problematisch. Umso erfreuter haben sie jetzt auf die Freiburger Animation reagiert: „Endlich!“, „Sehr gut“ oder „Man spürt förmlich den Herzschlag!“ waren einige der Reaktionen.

Die Animation steht allen Nutzer*innen weltweit kostenlos zur Verfügung.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Prof. Dr. Peter Kohl
Direktor
Institut für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin
Universitätsklinikum Freiburg
peter.kohl@uniklinik-freiburg.de
Weitere Informationen finden Sie unter
Animation downloaden
https://www.uniklinik-freiburg.de/experimentelle-kardiovaskulaere-medizin.html

Blutstrominfektion

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Internationale SNAP-Studie vergleicht erstmals gängige Medikamente direkt und liefert wichtige Erkenntnisse für neue Standardtherapie bei lebensbedrohlichen Blutstrominfektionen durch Staphylokokken.

Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universitätsmedizin Magdeburg zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Penicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher gängige Standardpräparat Flucloxacillin – verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden in den führenden medizinischen Fachjournalen New England Journal of Medicine und The Lancet veröffentlicht. In Deutschland ist die Universitätsmedizin Magdeburg der Koordinator für 19 deutsche Studienzentren innerhalb der SNAP-Studie (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform Studie) – die weltweit bislang größte Studie dieser Art.

Staphylococcus aureus (S. aureus) zählt zu den gefährlichsten bakteriellen Krankheitserregern. Gelangt es in die Blutbahn, entstehen schwere Infektionen, die weltweit jährlich etwa ‪300.000‬ Todesfälle verursachen. Auch in Deutschland sterben – trotz bestmöglicher Versorgung – jährlich ca. 3.300 Patientinnen und Patienten an den Folgen einer solchen Infektion.

1.341 Patientinnen und Patienten in acht Ländern

Bei der Untersuchung von Cefazolin wurden 1.341 Patientinnen und Patienten aus acht Ländern per Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugewiesen: Die eine erhielt Cefazolin, die andere Flucloxacillin. Diese zufällige Zuteilung ist wichtig, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.

Das Ergebnis nach 90 Tagen: In der Cefazolin-Gruppe verstarben 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, in der Flucloxacillin-Gruppe 17 Prozent. Damit zeigte sich kein Nachteil für Cefazolin in der Wirksamkeit. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch bei den Nebenwirkungen. Unter der Behandlung mit Cefazolin traten deutlich weniger Fälle von akutem Nierenversagen als unter Flucloxacillin auf. Dabei handelt es sich um eine schwere Komplikation, bei der die Nieren plötzlich ihre Funktion verlieren und das Blut nicht mehr ausreichend reinigen können.

Bei Penicillin-empfindlichen Erregern wurde in einer zweiten Studie Penicillin gegeben und ebenfalls mit Flucloxacillin verglichen. Auch hier gab es weniger Nierenversagen als bei Flucloxacillin und daher wurde die Studie frühzeitig beendet.

Ein Meilenstein für die Infektionsmedizin

Bislang fehlten belastbare Vergleichsstudien zu diesen seit Jahrzehnten verwendeten Antibiotika. In Deutschland wird bisher meist Flucloxacillin verwendet, während in anderen Ländern wie den USA häufiger Cefazolin eingesetzt wird. Penicillin wird seltener verwendet. Die SNAP-Studie schließt diese Wissenslücke.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Cefazolin für die Patientinnen und Patienten mindestens genauso wirksam wie Flucloxacillin, aber besser verträglich ist“, sagt Studienärztin Jana Butzmann von der Universitätsmedizin Magdeburg.

Prof. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leiter der SNAP-Studie in Deutschland und Mitglied im globalen Lenkungsausschuss, ergänzt: „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein. Sie werden dazu führen, dass Cefazolin die neue Standardbehandlung für die meisten Erwachsenen mit dieser Infektion wird. Die SNAP-Studie ist auch in puncto globaler Zusammenarbeit richtungsweisend, da Studien dieser Größenordnung bei Blutstrominfektionen bislang nicht durchgeführt wurden.“

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Armin Willingmann betont: „Die exzellente globale Zusammenarbeit zum Wohle von Patientinnen und Patienten ist bemerkenswert. Wir sind stolz darauf, dass die Universitätsmedizin Magdeburg an dieser richtungsweisenden Studie maßgeblich mitwirkt und wir sie dabei unterstützen können. Hier zeigt sich, wie wichtig Internationalität und Vernetzung für die medizinische Forschung sind: Sachsen-Anhalt setzt jedenfalls weiterhin darauf – im Interesse der Menschen und der Wissenschaft!“

Große Studie mit vielen Beteiligten

Diese Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse der laufenden SNAP-Studie. Das Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit S. aureus-Infektionen weltweit zu verbessern. Da es sich um eine sogenannte „Plattform“-Studie handelt, ist es möglich, verschiedene Behandlungen gleichzeitig zu untersuchen. Bislang nahmen insgesamt mehr als 6.000 Patientinnen und Patienten an der Studie teil. Sie wird in mehr als 150 Krankenhäusern in Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Singapur, Südafrika, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich durchgeführt.

Initiiert wurde die Studie von Forscherinnen und Forschern der University of Melbourne und der University of Newcastle (Australien). Die europäische Koordination übernimmt das Universitair Medisch Centrum Utrecht und Ecraid. International wird die Studie durch eine Vielzahl von nationalen Institutionen unterstützt. Mehr Informationen unter www.snap.com.au

In Deutschland wird die SNAP-Studie durch das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt sowie durch das Netzwerk Universitätsmedizin (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) gefördert.

Originalpublikationen:

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

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Prof. Dr. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391-67-13392, E-Mail: achim.kaasch@med.ovgu.de

Originalpublikation:
The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible Staphylococcus aureus bacteremia. The New England Journal of Medicine (NEJM) (2026). DOI: http://doi.org/10.1056/NEJMoa2506905

The Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial. The Lancet 2026. DOI: http://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00761-0

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden

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Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich hat sich im Jahre 2025 stabilisiert. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt lang kontinuierlich gestiegen. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden lag bei 9,59 Millionen und blieb damit gegenüber den 9,58 Millionen des Vorjahres nahezu unverändert. Dies stellt eine deutliche Wende gegenüber den rasanten Zuwächsen dar, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zu verzeichnen waren. Dem ging jetzt ein weiterer Rückgang der Asylanträge voraus: Ihre Zahl sank im Jahr 2025 auf ‪770.000‬, nach 1,01 Millionen im Jahr 2024 und 1,1 Millionen im Jahr 2023.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse eines neuen Berichts des Centre for the Research and Analysis of Migration bei der ROCKWOOL Foundation Berlin (CReAM@RFBerlin).
„Der Rückgang in Deutschland lässt sich weitgehend durch Einbürgerung und Integration erklären, während sich die Zahlen in Polen aufgrund eines Stillstands bei der Zuwanderung stabilisiert haben. Diese Beispiele zeigen, dass Veränderungen bei den Flüchtlingszahlen nicht einfach als Veränderungen bei den Ein- oder Ausreisen interpretiert werden können“, sagt Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London.

„Viele Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, leben weiterhin hier. Sie erscheinen jedoch nicht mehr in der Flüchtlingsstatistik, weil sie inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben.“ Im Jahre 2025 wurden in Deutschland mehr als 65.000 Syrerinnen und Syrer sowie fast 14.000 Irakerinnen und Iraker eingebürgert. Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer war dagegen vergleichsweise gering. Daneben spielte auch ein deutlicher Rückgang neuer Asylanträge eine wichtige Rolle, insbesondere bei Syrern.

„Die Phase des raschen Wachstums der Flüchtlingsbevölkerung in Europa scheint zu Ende gegangen zu sein“, sagte Tommaso Frattini, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand und stellvertretender Direktor von CReAM@RFBerlin. „Die Flüchtlingszahlen sind zwar nach wie vor historisch hoch, aber die Kräfte, die sie beeinflussen, verändern sich.“

„Besonders auffällig ist, dass sich hinter der allgemeinen Stabilität der Flüchtlingsbevölkerung in Europa sehr unterschiedliche nationale Entwicklungen verbergen“, fügt Dustmann hinzu. Hinter der stabilen Gesamtzahl verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Auch Italien verzeichnete einen Rückgang bei den Flüchtlingen, um 17,9 Prozent. Gleichzeitig war in Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich weiterhin ein Anstieg zu beobachten.

Europaweit gingen die neuen Asylanträge im Jahre 2025 um fast 18 Prozent zurück, wobei der stärkste Rückgang bei den Syrern zu verzeichnen war, die nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes Ende 2024 über 70 Prozent weniger Asylanträge stellten. Die Zahl der Anträge sank zudem um 15 Prozent bei Afghanen, um 46 Prozent bei Türken, um 60 Prozent bei Kolumbianern und um 15 Prozent bei Bangladeschern. Unter den wichtigsten Herkunftsländern bildet Venezuela eine Ausnahme: Die Anträge von venezolanischen Staatsangehörigen stiegen um 24 Prozent auf 91.000. Sie gingen vor allem nach Spanien. Generell wird die Flüchtlingsbevölkerung zunehmend durch Einbürgerungen, Statusänderungen, Rückführungen und Verwaltungsprozesse geprägt und weniger durch große neue Zuströme.

Mit Blick auf die Zukunft werden die Entwicklungen in der Ukraine entscheidend sein. Die Ukrainer machen fast die Hälfte aller Flüchtlinge und Asylsuchenden in der EU und im Vereinigten Königreich aus, sodass groß angelegte Rückführungen oder Änderungen an den Regelungen zum vorübergehenden Schutz die Flüchtlingsbevölkerung in Europa erheblich verringern könnten. Gleichzeitig dürfte der EU-Pakt über Migration und Asyl, der 2026 in Kraft treten soll, die Grenzverfahren und Rückführungen verstärken. Die größte Unsicherheit bleibt jedoch geopolitischer Natur: Ein neuer großer Konflikt in der Nähe Europas könnte die derzeitige Stabilisierung schnell umkehren.

Die Analyse basiert auf Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) und von Eurostat.

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Prof. Christian Dustmann; cd@rfberlin.com; Tel.: ‪0044 7818 048 380‬
Prof. Tommaso Frattini; tf@rfberlin.com; Tel.: ‪0039 347 640 38 45‬

Originalpublikation:
“The Refugee Population in Europe in 2025: A Decade of Growth Comes to a Halt”, CReAM-Bericht 05/2026, von Christian Dustmann, Tommaso Frattini, Camilla Piovesan und Giuseppe Pulito. https://www.rfberlin.com/cream-report/05-2026/