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Gute und schnelle Entscheidungen

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Bei komplexen strategischen Entscheidungen geht eine kürzere Überlegensdauer mit einer höheren Qualität der Entscheidung einher. Das zeigt Ökonom Uwe Sunde in einer Studie am Beispiel des Schachspiels.

Im Schachspiel sind schnellere Entscheidungen von einer höheren Qualität. Das ist das Ergebnis einer Studie, die aktuell in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PNAS erschienen ist. Das Forschungsteam, dem neben Professor Uwe Sunde von der LMU Wissenschaftler der Erasmus-Universität Rotterdam und der FernUni Schweiz angehören, analysierte Daten aus professionellen Schachpartien. Ihr Ziel war es, zu untersuchen, wie die Zeit, die für eine Entscheidung benötigt wird, mit deren Qualität zusammenhängt. Sunde und seine Kollegen sehen in dem Ergebnis einen Hinweis darauf, dass die Entscheidungsdauer die subjektiv empfundene Schwierigkeit des Problems widerspiegelt, die sich je nach Situation verändern kann.

Zusammenhang zwischen Schnelligkeit und Qualität

Als Verhaltensökonom interessiert sich Uwe Sunde dafür, wie Menschen Entscheidungen treffen. „Bisher haben die meisten Studien zu Entscheidungsdauer und Qualität relativ einfache Entscheidungen analysiert, häufig in standardisierten Laborsettings mit Studierenden“, sagt Sunde. „Oft müssen wir uns in der Forschung bei der Untersuchung tatsächlicher Entscheidungen außerhalb des Labors auf Beobachtungen beziehen, die nicht streng vergleichbar sind.“

Gemeinsam mit seinem Team fand der Ökonom einen alternativen Weg, um komplexe strategische Entscheidungen zu untersuchen: Sie analysierten einzelne Züge von Spielern in professionellen Schachturnieren. Dabei maßen sie die Zeit, die die Spieler für ihre Entscheidung brauchten, und glichen das Ergebnis mit den Benchmarks von Schachcomputern ab, um die Qualität objektiv zu bestimmen. Die Forschenden verglichen dabei Entscheidungen, die ein Spieler in unterschiedlichen Konfigurationen auf dem Schachbrett gegen denselben Gegner traf.

Die Bedeutung der Intuition

Die Ergebnisse zeigen, dass schnellere Entscheidungen mit höherer Entscheidungsqualität einhergehen – selbst unter Berücksichtigung der rechnerischen Komplexität der Entscheidung, der Unterscheidbarkeit der Entscheidungsalternativen und des Zeitdrucks. „A priori ist der Zusammenhang zwischen der Schnelligkeit, mit der komplexe strategische Entscheidungen getroffen werden, und der Qualität dieser Entscheidungen unklar“, sagt Sunde. Sich mehr Zeit zu nehmen, um eine Entscheidung zu treffen, kann zu einer besser durchdachten Entscheidung führen, kann aber auch Ausdruck dafür sein, dass die zu entscheidende Frage als schwieriger empfunden wird, was mit geringerer Entscheidungsqualität einhergehen kann.

„Mit der Studie konnten wir zeigen: Wenn man die objektiv messbare Schwierigkeit der Entscheidung konstant hält, trifft jemand, der länger nachdenkt, offenbar schlechtere Entscheidungen“, so der Forscher. Wer länger grübelt, empfindet möglicherweise die Komplexität subjektiv höher. Eine kürzere Entscheidungsdauer könnte umgekehrt darauf hinweisen, dass der Spieler eine starke Intuition hat, also ein Gefühl dafür, was der beste Zug ist. „Das unterscheidet den Menschen von Maschinen: Der Mensch kann oft situativ erkennen, was gut ist oder was nicht gut ist. Wenn der Mensch das jedoch nicht schnell erfasst, tut er sich schwer, das Problem rational weiter zu berechnen“, sagt Uwe Sunde.

Der LMU-Forscher hält es für möglich, dass das Ergebnis auch auf Situationen außerhalb des Schachspiels übertragbar ist, in denen komplexe Entscheidungen gefällt werden müssen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Prof. Dr. Uwe Sunde
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Volkswirtschaftslehre
Telefon: ‪+49 89 2180 1280‬
E-Mail: uwe.sunde@lmu.de

Das Herz und die Herzmedizin bei einer Frau

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Warum Herzmedizin Frauen anders in den Blick nehmen muss

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – dennoch orientieren sich viele diagnostische und therapeutische Standards bis heute überwiegend am männlichen Patienten. Gleichzeitig zeigen Studien seit Jahren: Frauen erkranken oft anders, entwickeln andere Symptome und haben andere Risikofaktoren als Männer. Das kann schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu schlechteren Überlebenschancen bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Anlässlich des Internationalen Tags der Frauengesundheit am 28. Mai startet das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) deshalb die Initiative „Klartext Frauenherzen“. Ziel ist es, über geschlechterspezifische Unterschiede in der Herzmedizin aufzuklären und das interdisziplinäre Behandlungsangebot für Patientinnen sichtbarer zu machen.

Am DHZC und an der Charité bestehen dafür spezialisierte interdisziplinäre Angebote – unter anderem für Frauen mit Risikoschwangerschaften, Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, geschlechterspezifischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nach überstandenen Krebserkrankungen.

Drei Beispiele für die Relevanz dieses Themas:
• Das Risiko für Frauen unter 60 Jahren, an einem schweren Herzinfarkt zu versterben, ist höher als für Männer derselben Altersgruppe. Der Hintergrund: Frauen haben bei Herzinfarkten häufig andere Beschwerden als Männer. Dennoch gelten die bei Männern häufiger auftretenden Symptome oft weiterhin als „typisch“, während Beschwerden bei Frauen eher als „atypisch“ beschrieben werden. So verlieren viele Patientinnen wertvolle Zeit bis zur Diagnose und Behandlung.

• Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer – oft aufgrund von Unsicherheiten, falschen Annahmen oder weil Symptome falsch gedeutet werden.

• Viele Frauen überleben Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs oder andere gynäkologische Tumorerkrankungen heute über viele Jahre. Gleichzeitig können bestimmte Krebstherapien – ebenso wie gemeinsame Risikofaktoren von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das spätere Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

„Frauen sind keine weiblichen Männer: Sie erkranken anders, zeigen andere Symptome, haben andere Risikoprofile und durchlaufen mit Schwangerschaft und Menopause Lebensphasen, die sich besonders auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können“, sagt Dr. Julia Lueg, Fachärztin für Kardiologie an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte.

Geschlechterspezifische Herzmedizin soll deshalb stärker interdisziplinär gedacht werden: Die DHZC-Kardiolog:innen arbeiten mit der Gynäkologie, Geburtsmedizin, Onkologie, Nephrologie und weiteren Fachbereichen der Charité eng zusammen, um Risiken früher zu erkennen und Patientinnen individueller zu behandeln.

Schwangerschaft und Menopause können das Herz fordern
Bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft wie Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes oder -bluthochdruck gelten heute als wichtige Hinweise auf ein dauerhaft erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die aktuellen Leitlinien empfehlen deswegen eine langfristige Versorgung der Patientinnen, für die jedoch häufig die notwendige Infrastruktur fehlt.

Patientinnen mit erhöhtem Risiko werden am DHZC und an der Charité daher interdisziplinär vor, während und nach der Geburt betreut. „Unser Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden und die Herzgesundheit der Patientinnen langfristig zu schützen“, erklärt PD Dr. Kun Zhang, Oberärztin und Leitung der Ambulanz an der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum.

Auch die Menopause verändert das kardiovaskuläre Risikoprofil deutlich. Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen Gefäße, Stoffwechsel und Blutdruck und erhöhen so ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehr als jede zweite Frau entwickelt beispielsweise in den ersten Jahren nach der Menopause einen Bluthochdruck.

Kardioonkologie: Herzgesundheit nach Krebs mitdenken
Wie wichtig eine interdisziplinäre Betreuung ist, zeigt sich besonders in der Kardioonkologie: Viele Frauen überleben Brustkrebs oder andere gynäkologische Tumorerkrankungen heute über viele Jahre. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei diesen Patientinnen langfristig zu einer entscheidenden Gesundheitsgefahr werden können – teilweise mit gravierenderen Folgen als die ursprüngliche Krebserkrankung selbst. „Kardiovaskuläre Langzeitfolgen sind kein isoliertes Problem einzelner Tumorentitäten, sondern betreffen Frauen mit nahezu allen Krebserkrankungen“, erklärt PD Dr. Hannah Woopen, Leiterin der Arbeitsgruppe Cancer Survivorship der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie an der Charité, Campus Virchow-Klinikum.

Herzgesundheit endet deshalb nicht mit einer erfolgreichen Tumorbehandlung. Vielmehr benötigen viele Patientinnen eine langfristige kardiologische Begleitung und Prävention. „Die Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Onkologie, Kardiologie und weiteren Fachbereichen ist entscheidend, um Patientinnen ganzheitlich zu begleiten und gezielt zu behandeln. Nur ein Organ isoliert zu betrachten, reicht dafür nicht aus“, betont Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie an der Charité, Campus Virchow-Klinikum.

Das interdisziplinäre Angebot des DHZC und der Charité umfasst spezialisierte Beratung, moderne Diagnostik und individuell abgestimmte Therapiekonzepte. Darüber hinaus forschen Wissenschaftler:innen des DHZC und der Charité zu geschlechterspezifischen Unterschieden in der Herzmedizin.

„Geschlechterspezifische Herzmedizin ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präzisionsmedizin. Unser Ziel ist eine Versorgung, die individuell, wissenschaftlich fundiert und interdisziplinär gedacht ist – für jede Patientin und jeden Patienten“, sagt Prof. Dr. Ingo Hilgendorf, Direktor der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum.

Mit der Kommunikationsinitiative „Klartext Frauenherzen“ möchten DHZC und Charité wissenschaftlich fundierte Informationen verständlich aufbereiten und für mehr Aufmerksamkeit für das Thema sorgen.

Weitere Informationen, Hintergrundmaterialien und Ansprechpartner:innen gibt es unter:
www.dhzc.charite.de/frauenherzmedizin

Patientengeschichte: Schwangerschaft trotz schwerer Diagnose
Wie wichtig eine spezialisierte Versorgung von Frauen mit Herz- und Gefäßerkrankungen sein kann, zeigt auch der Fall von Vivien F. aus Hennigsdorf. Die heute 33-jährige Theologin war früher gesund und sportlich. Anfang 2021 bemerkte sie erstmals, dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit langsam nachließ. Zunächst vermutete sie ein vorübergehendes „Trainingstief“, später wurden die Beschwerden als mögliche Folge einer Covid-Erkrankung eingeordnet. Erst Anfang 2023 erhielt sie die Diagnose „idiopathische pulmonale Hypertonie“.

Bei dieser seltenen Erkrankung handelt es sich um einen krankhaft erhöhten Blutdruck in den Gefäßen der Lunge. Das Herz muss dadurch dauerhaft gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen, was insbesondere die rechte Herzhälfte stark belasten kann. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

Trotz der Risiken entschieden sich Vivien F. und ihr Partner Benedikt, getragen von ihrem Glauben, bewusst für ein gemeinsames Kind. Die Schwangerschaft galt aus medizinischer Sicht als Hochrisikoschwangerschaft. Deshalb wurde die Patientin von den behandelnden Kardiolog:innen an die Frauenherzmedizin des Deutschen Herzzentrums der Charité überwiesen.

In der 28. Schwangerschaftswoche verschlechterte sich der Zustand der Patientin deutlich, sodass ein fachübergreifendes Team aus Kardiologie, Geburtshilfe, Anästhesie, Intensivmedizin und Neonatologie gemeinsam die Entbindung plante. Ende April wurde schließlich Sohn Juda Michael geboren und unmittelbar durch das Team der Charité-Geburtshilfe versorgt. Mutter und Kind haben sich bereits sehr gut erholt.

Reproduktionsmedizin

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Wir möchten gerne auf die heute erschienene wissenschaftliche Publikation des Deutschen IVF-Registers (D·I·R) sowie auf das begleitende Editorial im Deutschen Ärzteblatt aufmerksam machen, die sich einem unserer und einem der zentralen Themen der modernen Reproduktionsmedizin widmen: dem Single Embryo Transfer (SET). Kernfrage: Sollte ein Double Embryo Transfer (DET) im Frischzyklus einem SET im Frischzyklus mit einem sich ggf. anschließenden SET im Auftauzyklus bevorzugt werden?


Die Entwicklung in Deutschland ist bemerkenswert. Während die Mehrlingsrate nach assistierter Reproduktion vor einigen Jahren noch bei über 20 % lag, wird sie nach ersten Blicken in das kommende D·I·R® Jahrbuch 2025 für das Jahr 2024 nur noch rund 6 % betragen!

Damit verbunden stellen sich wichtige Fragen und unsere Publikation gibt umfangreiche und wissenschaftlich fundierte Antworten:

Führt die konsequentere Anwendung des Single Embryo Transfers zu sinkenden Schwangerschafts- und Geburtenraten?

Werden dadurch tatsächlich deutlich weniger Kinder geboren?

Oder gelingt es, Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten zu reduzieren, ohne die Erfolgsaussichten wesentlich zu beeinträchtigen?

Die vorliegende Publikation sowie das zugehörige Editorial geben hierzu fundierte und differenzierte Antworten und unterstreichen die große Bedeutung des Single Embryo Transfers für Patientensicherheit, Qualitätssicherung und eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung der Kinderwunschmedizin.

Publikation mit Dank für die Federführung durch Herrn Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/einzelner-oder-doppelter-embryonentransfer-bei...

Editorial zur Publikation von Herrn Prof. Dr. med. Heribert Kentenich:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/weniger-fruehgeburten-nach-assistierter-reprod...

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Düsseldorf

Originalpublikation:
Publikation mit Dank für die Federführung durch Herrn Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Düsseldorf:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/einzelner-oder-doppelter-embryonentransfer-bei...
Weitere Informationen finden Sie unter
zur Publikation von Herrn Prof. Dr. med. Heribert Kentenich, Berlin:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/weniger-fruehgeburten-nach-assistierter-reproduktion-ac39b41f-02a2-43a5-a083-dfc8f8c216d0

Schwangerschaft Bluthochdruck

Deutsche Hochdruckliga und BVF informieren zum „Welt-Präeklampsie-Tag“ am 22. Mai: 

Wie der Körper einer Frau auf eine Schwangerschaft reagiert, kann ein Hinweis auf ihre spätere Herzgesundheit sein. 

Verläuft dieser natürliche Belastungstest ohne größere Komplikationen, stehen die Chancen gut, auch langfristig ein gesundes Herz-Kreislauf-System zu behalten. Treten dagegen während der Schwangerschaft Bluthochdruck oder sogar eine Präeklampsie auf, gilt dies als wichtiges Warnsignal – und als Anlass, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und den eigenen Lebensstil anzupassen.

Anlässlich des Welt-Präeklampsie-Tages am 22. Mai 2026 rücken die Deutsche Hochdruckliga (DHL) und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF) hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft in den Fokus. Ihre gemeinsame Botschaft: Schwangere mit Bluthochdruck sollten konsequent behandelt und engmaschig betreut werden.

Für den Körper einer Frau ist eine Schwangerschaft mit einer dauerhaften Ausdauerbelastung vergleichbar: Sie wirkt wie ein natürlicher Belastungstest für das Herz-Kreislauf-System. Bluthochdruck in dieser Phase ist daher ein wichtiges Warnsignal. Liegen die Blutdruckwerte dauerhaft über 140/90 mmHg, empfehlen aktuelle Leitlinien eine medikamentöse Behandlung. Frauen mit dieser Vorgeschichte haben später im Leben ein zwei- bis siebenfach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzschwäche, verengte Herzkranzgefäße oder Schlaganfälle. Die Erkenntnisse aus der Schwangerschaft liefern damit einen wichtigen Baustein für die langfristige Gesundheitsvorsorge.

„Bluthochdruck betrifft etwa fünf bis zehn Prozent aller Schwangeren und erhöht das Risiko für eine Präeklampsie deutlich“, sagt Prof. Dr. med. Markus van der Giet, Internist, Nephrologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. Präeklampsie ist eine Erkrankung der Schwangerschaft, bei der die Mutter hohen Blutdruck entwickelt und Organe wie Nieren oder Leber belastet werden. Sie tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und kann für Mutter und Kind gefährlich werden. „Wird der Blutdruck frühzeitig erkannt und konsequent behandelt, lassen sich Komplikationen deutlich reduzieren“, so van der Giet.

Auch Dr. Jochen Frenzel, niedergelassener Frauenarzt, Pränataldiagnostiker und Vorstandsmitglied des BVF, betont die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose: „Präeklampsie ist eine ernstzunehmende Multiorganerkrankung. Wird sie zu spät erkannt, kann sie schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben.“ Häufig entwickle sich die Erkrankung zunächst unauffällig. Erste Symptome würden nicht selten mit normalen Schwangerschaftsbeschwerden verwechselt. „Umso wichtiger sind die Vorsorgeuntersuchungen im ersten Schwangerschaftsdrittel und eine kontinuierliche Betreuung während der gesamten Schwangerschaft.“

Die Deutsche Hochdruckliga und der BVF empfehlen Frauen nach einer Präeklampsie die Nutzung eines speziellen „Nachsorgepasses“ (Link siehe "Quellen und weitere Informationen"). Darin werden kardiovaskuläre Risikofaktoren erläutert und Hinweise zur langfristigen Risikoreduktion gegeben – etwa zu gesundem Körpergewicht, Stilldauer oder regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Ergänzt wird der Pass durch einen Zeitplan für empfohlene Gesundheits- und Blutuntersuchungen.

Grundsätzlich raten die Deutsche Hochdruckliga und der BVF Schwangeren mit erhöhten Blutdruckwerten zu regelmäßigen Kontrollen in der gynäkologischen Praxis. 

Eine kontinuierliche Betreuung sei entscheidend, da sich mögliche Folgeschäden häufig schleichend entwickeln.

Zum „Welt-Präeklampsie-Tag “
Der Welt-Präeklampsie-Tag wird jedes Jahr am 22. Mai begangen und soll weltweit auf die Risiken dieser Schwangerschaftserkrankung aufmerksam machen. Ziel des Aktionstags ist es, das Bewusstsein für Früherkennung, Vorsorge und eine rechtzeitige Behandlung zu stärken, um Komplikationen für Mutter und Kind zu vermeiden. Gleichzeitig macht der Tag darauf aufmerksam, wie wichtig Aufklärung, Forschung und eine gute medizinische Betreuung während der Schwangerschaft sind.

Die in den USA ansässige Preeclampsia Foundation nutzt den gesamten Monat Mai als Präeklampsie-Aufklärungsmonat, um über die Erkrankung zu informieren: https://www.preeclampsia.org/AwarenessMonth.

Quellen und weitere Informationen
• S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018
• Pre-eclampsia and risk of cardiovascular disease and cancer in later life: systematic review and meta-analysis | The BMJ: https://www.bmj.com/content/335/7627/974
• Podcast HyperTon (Folge 4): Bluthochdruck in der Schwangerschaft: https://www.youtube.com/watch?v=cb1DFAzKxbs
• Patientenblatt: Nachsorgepass für Mütter nach Präeklampsie: https://register.awmf.org/assets/guidelines/015_D_Ges_fuer_Gynaekologie_und_Gebu...

Die Deutsche Hochdruckliga bietet auf Ihrer Website einen Überblick zum Thema Bluthochdruck in der Schwangerschaft und Stillzeit: https://www.hochdruckliga.de/betroffene/bluthochdruck/bluthochdruck-in-der-schwa...

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) informiert im Rahmen seiner Kampagne „Schwanger mit dir“ rund um das Thema Schwangerschaft: https://schwanger-mit-dir.de/.

Über uns
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL)® I Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention ist eine gemeinnützige, unabhängige medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie setzt sich seit 1974 für die Förderung der Wissenschaft und eine wissenschaftlich fundierte Aufklärung der Öffentlichkeit auf dem Gebiet der Hypertonie ein. Sie bündelt die Expertise aus allen relevanten Fachgruppen und stellt diese allen Beteiligten zur Verfügung. Wissenschaftliche Sektionen und der jährliche wissenschaftliche Kongress sichern aktuelles Fachwissen und den fachlichen Austausch. Stipendien und Wissenschaftspreise fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs. Durch die Zertifizierung von Fachärztinnen und -ärzten sowie interdisziplinären Hypertonie-Zentren sichert die Deutsche Hochdruckliga eine qualitativ hochwertige, umfassende Versorgung von Hypertonikerinnen und Hypertonikern im deutschsprachigen Raum. https://www.hochdruckliga.de/

Über den Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF)
Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. ist mit rund 14.000 Mitgliedern einer der größten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland. Er vertritt mit seinen 17 Landesverbänden seit 75 Jahren die wirtschaftlichen und standespolitischen Interessen seiner Mitglieder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Bundesärztekammer, den Landesärztekammern, den Kostenträgern sowie in Politik und Wirtschaft, internationalen Organisationen und der Öffentlichkeit. Der BVF verfolgt hierfür gesundheitspolitisch relevante Vorgänge auf deutscher sowie auch auf europäischer Ebene und setzt sich für die standespolitischen Anliegen, Forderungen und Belange seiner Mitglieder ein.
https://www.bvf.de/

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Agnes Tzortzis

Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.
Arnulfstraße 58
80335 München
tzortzis@bvf.de
Telefon: +49 89 244466-129
Webseite: https://www.bvf.de/

Yvonne Kaul
Deutsche Hochdruckliga e.V.
Berliner Straße 46, 69120 Heidelberg
presse@hochdruckliga.de
Telefon: +49 (0)62 21 5 88 55-42
Mobil: ‪+49 (0)170-329 293 7‬
Webseite: https://www.hochdruckliga.de/

Kostenerstattung leitliniengerechter MS-Therapien in der privaten Krankenversicherung

Die Task Force Versorgungsstrukturen und Therapeutika des krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS e.V.) nimmt Stellung zu den Verzögerungen bei der Kostenerstattung leitliniengerechter MS-Therapien in der privaten Krankenversicherung und den Konsequenzen für betroffene Patientinnen und Patienten.

Einleitung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu bleibenden neurologischen Schäden und langfristiger Behinderung führen kann. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die therapeutischen Möglichkeiten erheblich verbessert. Moderne verlaufsmodifizierende Therapien (Disease Modifying Therapies, DMT) ermöglichen es heute, Krankheitsaktivität wirksam zu kontrollieren, Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten von Behinderung deutlich zu verlangsamen. Der therapeutische Nutzen dieser Behandlungen hängt jedoch entscheidend davon ab, dass sie frühzeitig begonnen werden. Die moderne MS-Therapie basiert auf dem Konzept eines „window of opportunity“ zu Beginn der Erkrankung. In dieser frühen Phase kann eine konsequente Behandlung entzündliche Krankheitsaktivität kontrollieren und irreversible neuronale Schäden begrenzen. Vor diesem Hintergrund ist der zeitnahe Zugang zu wirksamen Therapien ein zentraler Bestandteil einer leitliniengerechten Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose.

Probleme bei der Kostenerstattung durch private Krankenversicherungen

In der neurologischen Versorgungspraxis beobachten wir jedoch Verzögerungen bei der Kostenerstattung von MS-Therapien durch private Krankenversicherungen (PKV). Besonders betroffen sind kostenintensive moderne hochwirksame Therapien:
Bei den betroffenen Medikamenten handelt es sich in der Regel um Therapien,
• die für die jeweilige Indikation zugelassen sind
• deren Anwendung vollständig der Fachinformation entspricht und
• deren Einsatz durch nationale und internationale Leitlinien empfohlen wird.
Trotz dieser klaren medizinischen Grundlage kommt es zunehmend zu umfang-reichen Rückfragen seitens der Versicherungen, zur wiederholten Anforderung zusätzlicher medizinischer Unterlagen oder zur Einschaltung externer Gutachter. Diese Prüfverfahren können sich über mehrere Wochen hinziehen, und der Beginn einer ärztlich empfohlenen Therapie wird erheblich verzögert.
Darüber hinaus führt diese Praxis bei Patientinnen und Patienten zu einer erheblichen Verunsicherung und zu Zweifeln an der ärztlichen Therapieempfehlung, während gleichzeitig unklar bleibt, ob und wann eine Kostenerstattung erfolgen wird.
In einzelnen Fällen werden Kostenübernahmen zudem nur befristet ausgesprochen. Solche Befristungen können dazu führen, dass Patientinnen und Patienten wiederholt mit Unsicherheit über die Fortführung einer medizinisch notwendigen Therapie konfrontiert sind.
Aus Sicht der behandelnden Fachärztinnen und Fachärzte entsteht dadurch eine Versorgungssituation, in der leitliniengerechte und zugelassene Therapien faktisch durch administrative Prüfverfahren verzögert werden, obwohl die medizinische Indikationsstellung bereits erfolgt ist.

Medizinische Konsequenzen von Therapieverzögerungen

Verzögerungen beim Beginn einer verlaufsmodifizierenden Therapie sind bei Multipler Sklerose medizinisch nicht neutral und aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht auch nicht akzeptabel. Während der Zeiträume administrativer Prüfverfahren können neue entzündliche Läsionen im zentralen Nervensystem entstehen oder Krankheitsschübe auftreten. Diese Ereignisse können zu dauerhaften neurologischen Defiziten führen. Ein einmal eingetretener axonaler Schaden ist nicht mehr reversibel und kann mit schweren Behinderungen einhergehen.
Aus neurologischer Sicht gilt daher ein klarer Grundsatz: Zeitverlust in der MS-Therapie kann langfristige neurologische Schäden bedeuten. Administrative Verzögerungen bei der Einleitung einer notwendigen Therapie können somit die langfristige Krankheitsprognose der Betroffenen negativ beeinflussen - zum Nachteil der Patientinnen und Patienten, aber auch der Versicherungen.

Benachteiligung privatversicherter Patientinnen und Patienten

Die Praxis einiger privater Krankenversicherungen bedeutet für privatversicherte Patientinnen und Patienten faktisch einen schlechteren Zugang zu zeitkritischen Therapien als für gesetzlich Versicherte. Dies müsste eigentlich eklatant dem Selbstverständnis privater Krankenversicherungsunternehmen widersprechen.
Im System der gesetzlichen Krankenversicherung existieren gesetzliche Fristen für Leistungsentscheidungen, die sicherstellen sollen, dass medizinisch not-wendige Leistungen innerhalb eines definierten Zeitraums bewilligt werden. Für private Krankenversicherungen bestehen vergleichbare verbindliche Entscheidungsfristen bislang nicht. Eine solche Situation widerspricht dem Grundsatz einer gleichwertigen medizinischen Versorgung unabhängig vom Versicherungsstatus. Privatversicherte Patientinnen und Patienten dürfen durch administrative Prüfverfahren nicht benachteiligt werden.

Juristische Einordnung und mögliche Haftungsrisiken

Versicherte haben Anspruch auf Erstattung der Kosten einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung gemäß den Bedingungen ihres Versicherungsvertrags. Die PKV ist verpflichtet, die Leistung unverzüglich (ohne schuldhaftes Zögern) zu prüfen. Dabei darf eine solche Prüfung nicht zu Verzögerungen führen, durch die die versicherte Person gesundheitliche Nachteile erleiden kann.
Die medizinische Indikationsstellung erfolgt durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Wenn eine Therapie zugelassen ist und entsprechend der Fachinformation sowie der geltenden Leitlinien eingesetzt wird, spricht dies regelmäßig für das Vorliegen einer medizinisch notwendigen Behandlung.
Private Krankenversicherungen sind zwar grundsätzlich berechtigt, Leistungsansprüche zu prüfen. Diese Prüfungen dürfen jedoch nicht dazu führen, dass medizinisch notwendige Therapien verzögert werden oder Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum im Unklaren über die Kostenerstattung bleiben.
Bei Erkrankungen mit potenziell irreversiblen Schäden – wie der Multiplen Sklerose – kann eine verzögerte Therapieeinleitung erhebliche gesundheitliche Konsequenzen haben. Wenn eine medizinisch notwendige und leitliniengerechte Behandlung durch administrative Prüfverfahren verzögert wird und hierdurch ein gesundheitlicher Schaden entsteht, können sich haftungsrechtliche Konsequenzen ergeben, etwa im Rahmen von Schadensersatzansprüchen wegen Pflichtverletzung aus dem Versicherungsvertrag.
Vor diesem Hintergrund kommt einer zügigen und transparenten Bearbeitung von Leistungsanträgen bei zeitkritischen Erkrankungen besondere Bedeutung zu.

Forderungen

Die neurologische Fachgemeinschaft hält es für erforderlich, dass Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose zeitnah Zugang zu leitliniengerechter und evidenzbasierter Therapie erhalten, ohne durch administrative Verfahren verunsichert oder verzögert zu werden.
Insbesondere sollte sichergestellt werden,
• dass Versicherungsprüfungen den Beginn medizinisch notwendiger Therapien nicht verzögern
• dass Versicherte zeitnah Klarheit über die Kostenerstattung erhalten und
• dass Befristungen von Kostenübernahmen nicht zu einer wiederholten Verunsicherung über die Fortführung medizinisch notwendiger Therapien führen.

Schlussfolgerung

Die Fortschritte in der Behandlung der Multiplen Sklerose eröffnen heute reale Chancen, Krankheitsaktivität zu kontrollieren und langfristige Behinderung zu verhindern. Voraussetzung hierfür ist ein früher und konsequenter Therapiebeginn. Verzögerungen bei der Kostenerstattung können dieses Ziel gefährden und stellen aus medizinischer Sicht ein vermeidbares Risiko für Patientinnen und Patienten dar.
Die KKNMS weist auf dieses Risiko hin und fordert, dass Menschen mit Multipler Sklerose – unabhängig von ihrem Versicherungsstatus – zeitnah Zugang zu evidenzbasierter und leitliniengerechter Therapie erhalten. Bei einer Erkrankung wie der Multiplen Sklerose ist Zeit ein entscheidender Faktor. Wertvolle Behandlungszeit darf nicht durch vermeidbare administrative Prozesse verloren gehen.

MaAB-  Ansprechpartner:
Task Force Versorgungsstrukturen und Therapeutika des krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS e.V.)

Das biologische Alter

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Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht an MMA-Kämpfern biologische Alterungsprozesse. 

Ziel der Studie ist es, die epigenetische Uhr des Alterns genauer zu entschlüsseln.

Manche Menschen altern schneller als andere. Doch wie kann man das biologische Alter zuverlässig messen? Dieser Frage geht ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Studie zu den biologischen Altersuhren von Kampfsportlern nach, die die Vollkontakt-Kampfsportart Mixed Martial Arts (MMA) betreiben. Das biologische Alter kann sich vom tatsächlichen Lebensalter deutlich unterscheiden. Faktoren wie Lebensstil, Ernährung, Bewegung und Stress beeinflussen, wie schnell der Körper altert. Ziel der Studie ist es, zuverlässige Marker zu identifizieren, mit denen sich das biologische Alter bestimmen lässt.

„Bislang gibt es keinen eindeutigen Messwert für das biologische Alter“, erklärt Studienleiterin Dr. Kirsten Jahn, PhD, aus der Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften in der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. „In unserer Studie möchten wir biologische Altersuhren identifizieren, die den Gesundheitszustand eines Menschen präzise abbilden können.“ Solche Marker könnten präventive Diagnosen und Behandlungen ermöglichen.

Epigenetische Muster als Maß für das Alter

Noch fehlt ein wissenschaftlicher Konsens darüber, wie das biologische Alter genau bestimmt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz ist die sogenannte DNA-Methylierung. Dieser biochemische Prozess beeinflusst, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Dafür heften Zellen kleine chemische Markierungen – sogenannte Methylgruppen – an die DNA, die wie feine Regler wirken. Sie verändern nicht den genetischen Code selbst, sondern dessen Nutzbarkeit. Diese epigenetischen Muster verändern sich im Lauf des Lebens. Forschende nutzen diese Veränderungen, um Rückschlüsse auf das biologische Alter eines Menschen zu ziehen.

Das MHH-Team setzt auf eine neue Technologie, die alle relevanten DNA-Abschnitte gleichzeitig analysiert, die durch Methylierung die Aktivität von Genen steuern können – etwa 28 Millionen sogenannte CpG-Stellen. „Damit können wir das Methylierungsmuster erstmals umfassend bewerten und die epigenetische Uhr des Alterns genauer entschlüsseln“, erklärt Dr. Jahn.

MMA-Kämpfer als außergewöhnliches Studienmodell

Ein ungewöhnliches, aber sehr gut geeignetes Modell für die Forschung zum biologischen Alter liefern MMA-Kämpfer. Sie durchlaufen Phasen mit stark wechselnden körperlichen und psychischen Belastungen – von moderatem Training über intensive Wettkampfvorbereitung bis hin zu extremem Stress vor und während eines Kampfes. „MMA-Kämpfer sind gesunde Menschen, die zeitweise sehr starken Einflüssen ausgesetzt sind, die sich epigenetisch auf das biologische Alter auswirken könnten“, so Dr. Jahn.

Während der Erholungsphase wirken eher alterungshemmende Faktoren wie leichtes Training und normale Ernährung. In der Wettkampfphase dominieren alterungsfördernde Faktoren wie intensive Trainingsbelastungen und Diäten. In den Tagen vor dem Wettkampf verzichten die Kämpfer sogar auf Flüssigkeit, um die ideale Gewichtsklasse zu erreichen. Die Forschenden vermuten, dass sich die wechselnden Belastungen direkt auf biologische Altersuhren auswirken: In der Erholungsphase könnten sie langsamer, in der Wettkampfphase schneller ticken – und in wiederholten Blutanalysen sichtbar werden.

Forschung zwischen Ringarztpraxis und Laboranalyse

„Als Ringarzt begleite ich seit vielen Jahren MMA- und andere Kampfsportler unter sehr unterschiedlichen körperlichen und psychischen Belastungen“, sagt der in der deutschen und europäischen MMA-Szene bekannte Facharzt für Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Panagiotis Karachalios. „Die Studie bietet die Chance, besser zu verstehen, wie sich diese Belastungen langfristig auf Gesundheit und Regeneration auswirken, welche Rückschlüsse daraus gezogen und wie wir die medizinische Betreuung von Athleten künftig weiter verbessern können.“

Die Studienteilnehmer können vor und nach Kämpfen MRT-Aufnahmen ihres Kopfes anfertigen lassen. Damit wollen die Forschenden mögliche Verletzungen und Veränderungen der Hirnalterung untersuchen. Zusätzlich erhoben werden Daten zu Wohlbefinden, Proteinen und Stoffwechselprodukten. Diese Ergebnisse vergleicht das Forschungsteam mit Daten von Hobby-MMA-Sportlern ohne Wettkampfteilnahme sowie von gesunden älteren Menschen. Dabei fließen auch bisherige Altersmarker in die Analyse ein, darunter einige, weniger umfassende „Age Clocks“ sowie die Telomerlängen, also die Länge der Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Das Team untersucht außerdem, ob der Kampfsport die psychische Widerstandskraft (Resilienz) stärkt.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung VOR ORT


Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Kirsten Jahn, PhD, Labor für Molekulare Neurowissenschaften in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Telefon 0511 532-7275, Jahn.Kirsten@mh-hannover.de.

Oxytocin Kuschelhormon

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Das «Kuschelhormon» Oxytocin spielt nicht nur in Momenten der Nähe eine Rolle, sondern auch beim Kräftemessen: Forschende der Universität Zürich zeigen, dass es besonders dann ausgeschüttet wird, wenn Rivalität oder klare Gruppengrenzen im Spiel sind – und zwar vor allem bei Männern.

Oxytocin – häufig als Kuschelhormon bezeichnet – ist auch bei Gruppenwettbewerben von Bedeutung. Das verdeutlicht eine neue Studie unter der Leitung von Charlotte Debras und Adrian Jaeggi vom Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich. «Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass die Verabreichung von Oxytocin in Form eines Nasensprays gruppenorientiertes Verhalten fördern kann», sagt Debras, die die zugrundeliegende Studie im Rahmen ihrer Dissertation durchgeführt hat. «Es war jedoch unklar, ob Oxytocin in Wettbewerbssituationen auch auf natürliche Weise ansteigt.»
Oxytocin reagiert auf sozialen Kontext
Um Wettbewerb gezielt zu untersuchen, organisierten die Forschenden gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung der Tsimane im bolivianischen Amazonasgebiet Fussballturniere. «Die Lebensbedingungen der Tsimane beeinflussen hormonelle Prozesse», sagt Jaeggi, der seit 2011 vor Ort forscht. So sind Fortpflanzungshormone wie Testosteron oder Progesteron bei Kalorienmangel niedriger. Gleichzeitig dürften soziale Faktoren – und damit Oxytocin – in diesen eng verflochtenen Gemeinschaften besonders wichtig sein. Zur Überprüfung ihrer Hypothese bestimmten die Forschenden den Oxytocin-Spiegel im Urin von Fussballspielern vor und nach den Spielen.


Nach Spielen gegen bekannte Rivalen stieg der Oxytocin-Spiegel am stärksten an. Bei Begegnungen zwischen Teams aus verschiedenen Gemeinschaften war der Anstieg geringer und bei Spielen gegen Nicht-Tsimane hingegen wieder deutlich höher. «Das deutet darauf hin, dass Oxytocin sensibel auf die soziale Bedeutung des Gegners reagiert – sowohl bei vertrauten Rivalen als auch gegenüber klar abgegrenzten Fremdgruppen», hält Jaeggi fest.
 
Höherer Oxytocin-Spiegel bei Männern
Ein zentrales Ergebnis: Der Anstieg der Oxytocinwerte war nur bei Männern zu beobachten, bei Frauen nicht. Debras nennt mehrere mögliche Gründe: Frauen könnten aufgrund höherer Ausgangswerte – viele stillten – niedrigere, schwer messbare Veränderungen zeigen. Zudem hat Fussball für sie möglicherweise eine geringere Bedeutung. Eine weitere Erklärung liefert die «Male-Warrior-Hypothese», wonach Männer evolutionär stärker in Gruppenwettbewerbe eingebunden sind. «Für Tsimane-Frauen findet Konkurrenz eher in sozialen Kontexten statt – etwa über Reputation oder Unterstützung – und weniger in körperlichen Wettkämpfen», so Debras.

Für Kooperation und Abgrenzung relevant

Die Studie lässt offen, ob der Oxytocinanstieg primär den Zusammenhalt im Team stärkt oder die Abgrenzung gegenüber Gegnern fördert. In Mannschaftssportarten sind beide Aspekte eng verknüpft. «Kooperation kann eine erfolgreiche Strategie im Wettbewerb sein – und Oxytocin scheint dabei zentral», sagt Jaeggi. «Oxytocin wurde bereits bei zahlreichen Tierarten mit Gruppenkonflikten in Verbindung gebracht – von Fischen bis zu Schimpansen. Die Ergebnisse legen nahe, dass ähnliche Mechanismen auch beim Menschen wirken.»
 
Literatur 

Charlotte C. Debras et al. Us against Them: Oxytocin Response to Competition in a Small-Scale Human Society. Proceedings of the Royal Society B. 6 May, 2026. DOI: https://doi.org/10.17605/OSF.IO/UK8PA

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Prof. Adrian V. Jäggi
Institut für Evolutionäre Medizin
Universität Zürich
Tel. ‪+41 44 635 05 40‬
E-Mail: adrian.jaeggi@iem.uzh.ch

Originalpublikation:
Charlotte C. Debras et al. Us against Them: Oxytocin Response to Competition in a Small-Scale Human Society. Proceedings of the Royal Society B. 6 May, 2026. DOI: https://doi.org/10.17605/OSF.IO/UK8PA

Aorta

Ein internationales Konsortium aus zehn akademischen Organisationen innerhalb des Global Cardiovascular Research Funders Forum (GCRFF) startet eine neue internationale Studie. Erstmals wird darin die optimale Plättchenhemmung bei der spontanen Koronararteriendissektion (SCAD) untersucht – einer besonderen Form des Herzinfarkts, die vor allem Frauen betrifft. Die Initiative wird vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geleitet und vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) koordiniert.


Die spontane Koronararteriendissektion (spontaneous coronary artery dissection, SCAD) ist eine seltene Ursache des akuten Koronarsyndroms, bei der der Herzmuskel nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Sie betrifft überwiegend Frauen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren und tritt in der Regel ohne Arterienverkalkung auf.

Lange blieb SCAD unterdiagnostiziert und wird erst seit wenigen Jahren systematischer erkannt. Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung des DZHK startet nun die SCAD-ALIGN-Studie, bei welcher erstmals Therapiestrategien der Plättchenhemmung in einer randomisierten Studie systematisch verglichen werden.

Herzinfarkt ohne Gefäßverkalkungen

Einer SCAD liegen meist weder relevante Gefäßverkalkungen noch ein klassischer, durch ein Blutgerinnsel verursachter Gefäßverschluss zugrunde. Stattdessen kommt es zu einer Einblutung in die Wand einer Herzkranzarterie, wodurch sich die Gefäßwandschichten voneinander trennen und der Blutfluss beeinträchtigt oder vollständig unterbrochen wird. Die Betroffenen entwickeln Symptome eines akuten Herzinfarkts wie Brustschmerzen, Atemnot oder Übelkeit. Charakteristisch ist, dass diese Beschwerden häufig bei Menschen auftreten, die zuvor herzgesund waren und keine bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, können sich aber auch in Gefäßen anlagern und so den Blutfluss behindern. Plättchenhemmende Medikamente sollen dies verhindern. In der aktuellen klinischen Praxis werden Patient:innen mit SCAD häufig nach den allgemeinen Leitlinien für das akute Koronarsyndrom behandelt, die typischerweise zwei unterschiedliche plättchenhemmende Medikamente vorsehen – eine Strategie, die ursprünglich für ältere Patient:innen mit nachgewiesener Atherosklerose entwickelt und getestet wurde.

Wie intensiv sollte die Plättchenhemmung sein?

Der Ansatz der SCAD-ALIGN-Studie beruht auf einem grundlegenden Unterschied zwischen SCAD und dem klassischen Herzinfarkt. Bei typischen Herzinfarkten verschließt meist ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß, und nach der Implantation eines Stents wird eine intensive Plättchenhemmung eingesetzt, um die Bildung weiterer Gerinnsel zu verhindern. Bei SCAD hingegen liegt ein Einriss oder eine Einblutung innerhalb der Gefäßwand vor. In dieser Situation könnte eine intensive Plättchenhemmung das Abklingen der Blutung verzögern oder sie sogar verschlimmern und damit den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen. Die Studie untersucht daher, ob eine weniger intensive Therapie für diese Patient:innen vorteilhafter sein könnte.

In der SCAD-ALIGN-Studie werden zwei Behandlungsstrategien miteinander verglichen: eine moderate Plättchenhemmung mit einem einzelnen Medikament über drei Monate sowie eine intensivere Therapie mit zwei Wirkstoffen über drei Monate, gefolgt von einer neunmonatigen Behandlung mit einem einzelnen Medikament. Der primäre Endpunkt umfasst eine Kombination aus erneuter myokardialer Ischämie, wiederkehrender SCAD, Herzinfarkt, der Notwendigkeit einer Revaskularisation sowie Tod.

„Bei SCAD behandeln wir Patient:innen bisher nach Standards, die für andere Krankheitsbilder entwickelt wurden“, sagt Prof. Peter Clemmensen, nationaler Studienleiter für Deutschland. „Mit der SCAD-ALIGN-Studie wollen wir klären, welche Form der Plättchenhemmung tatsächlich nützt und welche eher schadet. Ziel ist eine belastbare Grundlage für künftige Therapieempfehlungen“.

Internationales Zusammengehen für bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen

Die SCAD-ALIGN-Studie ist Teil der Multinational Clinical Trials Initiative des Global Cardiovascular Research Funders Forum (GCRFF). „Die Studie adressiert eine Fragestellung, die überwiegend Frauen betrifft und für die es bislang kaum belastbare Evidenz und kein nennenswertes industrielles Entwicklungsinteresse gibt“, betont Prof. Christina Magnussen, nationale Co-Studienleitung für Deutschland und Mitglied des globalen Executive Board.

Erstmals arbeiten dabei mehrere internationale Förderorganisationen auf Basis eines gemeinsamen Studienprotokolls zusammen. Die wissenschaftliche Idee der Studie stammt von Mitgliedern des DZHK.

„Unabhängig von der medizinischen Fragestellung zeigt die Studie, dass ein Zusammenschluss internationaler Förderorganisationen und Forschender gemeinsam tragfähige Strukturen schaffen kann, um medizinische Fragestellungen zum Wohl der Patient:innen zu bearbeiten“ sagt Prof. Stefan Blankenberg vom Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg, wissenschaftlicher Leiter und Initiator der Studie.

Er betont: „Ein gemeinsames Vorgehen der Förderorganisationen aus demokratischen Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Spanien, Australien, Neuseeland, Kanada ergänzt durch die Förderung der Kühne Stiftung mit konsekutiver Teilnahme von Brasilien, Argentinien und Chile schafft eine globale akademische Struktur. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen zeigt dieses gemeinsam legitimierte Vorgehen seine besondere Stärke.“

Die Studie ist als internationale, multizentrische, randomisierte und offene klinische Prüfung angelegt. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist eine enge Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg notwendig. Die Ergebnisse sollen künftig maßgeblich dazu beitragen, evidenzbasierte Therapieempfehlungen für die Behandlung von SCAD zu entwickeln und die Versorgung und Lebensqualität betroffener Patient:innen weltweit zu verbessern.

Beteiligte Förderorganisationen des GCRFF:

British Heart Foundation (BHF), United Kingdom
Canadian Institutes of Health Research (CIHR) - Institute of Circulatory and Respiratory Health, Kanada
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Deutschland
Dutch Heart Foundation (Hartstichting), Niederlande
National Heart Foundation of New Zealand, Neuseeland
National Heart Foundation of Australia, Australien - Der Bewerbungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.
National Institutes of Health - National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH/NHLBI), USA - Der Bewerbungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

Beteiligte nationale und institutionelle Förderorganisationen:

Danish Heart Foundation (Hjerteforeningen), Dänemark
Swedish Heart-Lung Foundation, Schweden
Swiss Heart Foundation, Schweiz- Der Bewerbungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.
Institutionelle Mittel der Victor Chang Cardiac Research Institute, Sydney, Australien
Institutionelle Mittel der Westmead Applied Research Centre, University of Sydney and NSW Health Cardiovascular Research Grant, Australien
Institutionelle Mittel des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland
Institutionelle Mittel der teilnehmenden spanischen Zentren (u.a. Hospital Universitario de La Princesa, Madrid, Spain)

Beteiligte private Stiftungen:

Kühne Stiftung

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Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE),

 s.blankenberg@uke.de

Herzrhythmusstörungen i.a. Short-QT-Syndrom

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Das Short-QT-Syndrom ist eine angeborene Erkrankung, die zum plötzlichen Herztod im jungen Alter führt. Als mögliche Ursache wurden vor Kurzem Mutationen im Gen SLC4A3 beschrieben, welches den Bicarbonat-Chlorid-Austausch reguliert. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung einer Forschungsgruppe der Ruhr-Universität Bochum ist diesem Verdacht nachgegangen. Die Forschenden konnten herausfinden, was verschiedene Varianten des Gens in Herzmuskelzellen bewirken. So war der intrazelluläre pH-Wert erhöht und der Ionenstrom veränderte sich. Diese Erkenntnisse könnten helfen, Betroffene besser personalisiert zu behandeln.


Die Studie ist im European Heart Journal vom 5. März 2026 veröffentlicht.

Gestörter Herzrhythmus

Um den Blutfluss in Gang zu halten, müssen sich die Muskelzellen des Herzens konzertiert zusammenziehen und entspannen. Diese An- und Entspannung wird elektrisch gesteuert, indem verschiedene Ionen geregelt durch Kanäle in der Zellwand in die Zellen ein- und ausströmen. Beim Short-QT-Syndrom, kurz SQTS, ist diese Steuerung gestört. Das hat unter anderem zur Folge, dass die Zeit zwischen Anspannung und Entspannung der Herzmuskelzellen, das sogenannte QT-Intervall oder Repolarisationszeit, verkürzt und somit der Herzrhythmus gestört ist.

„Der Mechanismus einer Aktionspotenzialdauerverkürzung, der Verkürzung des QT-Intervalls und der Herzrhythmusstörungen bei den Trägern von Mutationen im Gen SLC4A3 war bisher nicht verstanden“, sagt Dr. Ibrahim El-Battrawy von der Kardiologie und Arbeitsgruppenleiter der Abteilung zelluläre und translationale Physiologie der Ruhr-Universität Bochum. Um mehr Erkenntnisse zu gewinnen, untersuchte das Forschungsteam zwei Varianten im SCL4A3-Gen, die für familiäre SQTS ursächlich sind.

Im Mittelpunkt standen die beiden bisher nicht beschriebenen Varianten im SLC4A3 Gen p.Arg370Cys und p.Lys531Thr. Das Forschungsteam generierte menschliche Herzmuskelzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen von den betroffenen Familien. Die Mutationen wurden mittels CRISPR/Cas 9 korrigiert, um genetisch identische Zelllinien herzustellen. Des Weiteren wurden die beschriebenen Mutationen in humane embryonale Nierenzellen, kurz HEK-Zellen, inseriert. Mittels verschiedenster Testverfahren untersuchte das Forschungsteam, was durch die Mutationen in den Zellen verändert war. Zum Einsatz kamen Patch Clamp, Ca2+-Transient-Imaging, Einzelzell-Kontraktion, intrazellulärer pH-Messung, Proteinstrukturanalyse, Immunfärbung und Optical-Mapping-Analysen in dem Organoid-Modell.

Alles beginnt mit verändertem pH-Wert

Die Zellen mit mutiertem Gen wiesen eine signifikant verkürzte Aktionspotentialdauer und eine hohe Rate an Arrhythmie-Ereignissen auf. Der Ein- und Ausstrom von Ionen war verändert: Die Zellen zeigten eine Reduktion des L-typ-Kalzium-Stroms (ICa-L), und eine signifikante Erhöhung des Natrium-Calcium-Austauscher-Stroms (INCX). Der intrazelluläre pH-Wert war signifikant erhöht. Um eine solche Erhöhung des pH-Werts zum Vergleich in Wildtyp-Herzzellen zu erzeugen, nutzte das Forschungsteam Ammoniumchlorid (NH4Cl). Diese Behandlung hatte auch bei Wildtyp-Zellen eine Verkürzung der Aktionspotentialdauer, eine Erhöhung des INCX und eine Reduktion des ICa-L zur Folge. „Wir gehen davon aus, dass das Ganze mit einer Erhöhung des intrazellulären pH-Wertes beginnt“, so Ibrahim El-Battrawy.

Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen – Quinidin und Sotalol – verlängerten die Aktionspotentialdauer und reduzierten die Häufigkeit von Rhythmusstörungen in den mutierten Zellen. „Diese Erkenntnisse sind für eine personalisierte Therapie bei SQTS-Patienten mit SLC4A3-Mutationen entscheidend“, sagt Ibrahim El-Battrawy.

Kooperationspartner

An dem Projekt sind verschiedene Forschungsstandorte national und international (Bochum, Mannheim, Göttingen, Heidelberg, Zürich, Valencia und Toronto) beteiligt.

Förderung

Die Arbeiten wurden gefördert durch das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, die Hector-Stiftung, die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung und die Deutsche Herzstiftung.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Ibrahim El-Battrawy
Kardiologie, Rhythmologe und translationale Physiologie
Abteilung für zelluläre und translationale Physiologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel: ‪+49 234 32 29201‬
E-Mail: ibrahim.el-battrawy@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Zenghui Meng et al.: SLC4A3-related Short QT Syndrome Assessed in Human Induced Pluripotent Stem Cell-Derived Cardiomyocytes: Mechanisms of Ventricular Arrhythmia and Sudden Cardiac Death, in: European Heart Journal, 2026, DOI: 10.1093/eurheartj/ehag068, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41780556/

Hantavirus - Infektion

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Wie durch die aktuelle Medienberichterstattung bekannt wurde, kam es zuletzt im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ zu mehreren Hantavirus-Infektionen und Todesfällen. Eine Kontaktperson wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Deutschland gebracht und wird vorsorglich medizinisch untersucht. Nach den derzeit öffentlich verfügbaren Informationen schätzen internationale Gesundheitsbehörden das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in Europa als sehr gering ein. Zwei Forschende der Medizinischen Fakultät ordnen die aktuellen Hantavirus-Fälle ein.


„Wichtig ist, den aktuellen Fall sachlich einzuordnen und zwischen verschiedenen Hantaviren zu unterscheiden“, sagt Dr. Roland Schwarzer, Virologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. „Hantaviren sind keine Coronaviren und verbreiten sich grundsätzlich anders als SARS-CoV-2. Die meisten Hantaviren werden nicht effizient von Mensch zu Mensch übertragen, sondern gelangen typischerweise über infizierte Nagetiere auf den Menschen.“

So kann man sich infizieren
Hantaviren sind zoonotische Viren, deren natürliche Reservoirwirte Nagetiere und andere kleine Säugetiere sind. Menschen infizieren sich meist durch Kontakt mit virushaltigen Ausscheidungen infizierter Tiere, insbesondere wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird. Solche Situationen können zum Beispiel beim Reinigen von Kellern, Schuppen, Garagen, Gartenhäusern oder anderen schlecht belüfteten Räumen mit Nagetierbefall entstehen.

Andes-Typ im aktuellen Fall
Eine Sonderstellung nimmt das Andesvirus ein, das nach derzeitigen Angaben im aktuellen Ausbruch nachgewiesen wurde. Für dieses Hantavirus sind seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragungen nach engem Kontakt beschrieben. „Das bedeutet aber nicht, dass Hantaviren generell wie SARS-CoV-2 übertragen werden“, betont Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber, ebenfalls Hantavirusforscherin an der Medizinischen Fakultät. „Für die allgemeine Bevölkerung ist das Risiko nach Einschätzung von WHO und ECDC derzeit sehr gering. Für enge Kontaktpersonen gelten hingegen die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden.“

Hantaviren in Deutschland
Auch in Deutschland kommen Hantaviren vor, vor allem Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren. Diese können Erkrankungen verursachen, häufig mit Fieber, Kopf-, Rücken-, Muskel- oder Bauchschmerzen und teilweise mit Nierenbeteiligung. Ein großer Teil der Infektionen verläuft jedoch symptomlos oder mit unspezifischen Beschwerden. Für die in Deutschland vorkommenden Hantaviren ist keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung bekannt.

Diese Symptome können auftreten
Die Symptome hängen vom jeweiligen Hantavirus ab. In Deutschland stehen meist fieberhafte Erkrankungen mit Kopf-, Muskel-, Rücken- oder Bauchschmerzen im Vordergrund; auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können auftreten. In manchen Fällen kommt es zu einer Beteiligung der Nieren. Bei bestimmten amerikanischen Hantaviren können sich schwere Lungenerkrankungen entwickeln. Die Beschwerden sind anfangs oft unspezifisch, weshalb die Vorgeschichte wichtig ist: Gab es Kontakt zu Nagetieren, deren Ausscheidungen oder Aufenthalt in Räumen mit möglichem Mäusebefall?

Die Inkubationszeit beträgt meist etwa zwei bis vier Wochen, kann aber in Einzelfällen auch kürzer oder deutlich länger sein. Eine Diagnose wird nicht allein anhand der Symptome gestellt, sondern durch ärztliche Einschätzung und Labordiagnostik.

Diese Behandlungsmöglichkeiten gibt es
„Eine spezifische, allgemein etablierte antivirale Standardtherapie gegen Hantavirus-Infektionen steht derzeit nicht zur Verfügung“, erklärt Dr. Schwarzer. „Die Behandlung ist vor allem unterstützend und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Dazu gehören engmaschige Überwachung, Flüssigkeits- und Kreislaufmanagement, Behandlung von Nieren- oder Lungenkomplikationen und bei schweren Verläufen intensivmedizinische Versorgung.“

So kann man sich schützen
In Deutschland zielen Schutzmaßnahmen vor allem darauf ab, Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden. „Räume mit möglichem Mäusebefall sollten nicht trocken ausgefegt oder abgesaugt werden, weil dadurch kontaminierter Staub aufgewirbelt werden kann. Stattdessen sollte man gut lüften, betroffene Bereiche anfeuchten, Handschuhe tragen, Staubentwicklung vermeiden und Ausscheidungen oder tote Nagetiere sicher entfernen,“ rät Dr. Schwarzer-Sperber. Lebensmittel sollten nagetiersicher gelagert und mögliche Zugänge für Nagetiere verschlossen werden.

Beim Andesvirus, bei dem seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragungen beschrieben wurden, gelten in einem konkreten Kontakt- oder Ausbruchskontext zusätzlich die üblichen infektionshygienischen Vorsichtsmaßnahmen: engen ungeschützten Kontakt zu Erkrankten vermeiden, gute Händehygiene einhalten, Kontakt zu Körperflüssigkeiten vermeiden und bei möglicher enger Exposition die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden befolgen.

Hantavirus-Forschung in Essen
Am universitätsmedizinischen Standort Essen untersuchen die Arbeitsgruppen von Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber und Dr. Roland Schwarzer, wie Hantaviren menschliche Zellen infizieren und welche Veränderungen sie dort auslösen. In zwei aktuellen Arbeiten konnten die Forschenden zeigen, wie das in Europa relevante Puumala-Virus zelluläre Strukturen wie RNA-verarbeitende P-Bodies und das Zytoskelett verändert. Zugleich konnten sie standardisierte Verfahren für die Herstellung, den Nachweis und die Testung antiviraler Wirkstoffe gegen Orthohantaviren etablieren.

Diese Forschung entsteht in enger Zusammenarbeit mit weiteren Arbeitsgruppen, darunter die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kathrin Sutter an der Medizinischen Fakultät. Ziel ist es, die Biologie dieser Viren besser zu verstehen und langfristig Grundlagen für verbesserte Diagnostik, Risikobewertung und antivirale Strategien zu schaffen.

Zusammenfassende Experteneinschätzung
Hantaviren können schwere Erkrankungen verursachen, sind aber nicht mit SARS-CoV-2 gleichzusetzen. Für die in Deutschland vorkommenden Hantaviren steht der Kontakt zu infizierten Nagetieren und deren Ausscheidungen im Vordergrund; eine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist hier nicht bekannt. Das Andesvirus ist eine wichtige Ausnahme, bei der seltene Übertragungen nach engem Kontakt beschrieben wurden. Nach Einschätzung internationaler Gesundheitsbehörden ist das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in Europa im aktuellen Zusammenhang sehr gering.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT 
Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber, Leitung Arbeitsgruppe Schwarzer, Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen, Tel: 0201 723-82863, hannah.schwarzer-Sperber@uk-essen.de

Dr. Roland Schwarzer, Leitung Arbeitsgruppe Schwarzer, Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen, Tel. 0201 723-4343, roland.schwarzer@uk-essen.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.uni-due.de/med