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Herz-Kreislauf-Stillstände

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Herz-Kreislauf-Stillstände werden häufig mit Notfällen außerhalb des Krankenhauses in Verbindung gebracht. Doch auch innerhalb von Kliniken stellen sie eine besondere Herausforderung dar. Im Rahmen der Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche 2026 haben Fachleute den Blick erstmals auf diesen sensiblen Bereich gelenkt – und klares Verbesserungspotenzial erkannt.

Nach aktuellen Hochrechnungen des Deutschen Reanimationsregisters, die im Rahmen der Gespräche vorgestellt wurden, kommt es jährlich zu rund 28.000 bis 38.000 Herz-Kreislauf-Stillständen im Krankenhaus. Gemeint sind dabei vor allem Ereignisse außerhalb hochüberwachter Bereiche wie Operationssaal oder Intensivstation. Besonders häufig treten sie auf Normalstationen oder in öffentlich zugänglichen Bereichen auf – also dort, wo Patientinnen und Patienten nicht kontinuierlich überwacht werden.

Trotz schneller Erstmaßnahmen sind die Prognosen oft ungünstig: In rund 91 Prozent der Fälle wird unmittelbar mit Reanimationsmaßnahmen begonnen. Dennoch überleben nur etwa 20 Prozent der Betroffenen. Das entspricht bis zu 30.000 Todesfällen pro Jahr. Gleichzeitig zeigen die Daten deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken, etwa bei der Wiederherstellung des spontanen Kreislaufs (ROSC), die zwischen 31 und 73 Prozent variieren kann.

Ausgangssituation im Krankenhaus ist besonders

Vor diesem Hintergrund standen die Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche 2026 erstmals im Zeichen der innerklinischen Reanimation. Zu der jährlichen Expertenrunde laden die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI), der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e. V. (BDA) sowie das Deutsche Reanimationsregister ein. „Die Stärke der Gespräche in Bad Boll liegt darin, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Gute Lösungen entstehen nur, wenn alle Beteiligten gemeinsam auf das Problem schauen“, sagt DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx. „Aus Bad Boll sind bereits wichtige Impulse für die außerklinische Reanimationsversorgung hervorgegangen“, ergänzt Prof. Dr. Grietje Beck, Präsidentin des BDA. „Daran knüpfen wir nun auch für die innerklinische Versorgung an.“

Dabei wurde deutlich, dass die Ausgangssituation im Krankenhaus eine besondere ist: „Wir dürfen nicht vergessen, dass hier viele Patientinnen und Patienten behandelt werden, deren Gesundheitszustand bereits kritisch ist“, erklärt Prof. Dr. Matthias Fischer, der die Daten für das Reanimationsregister ausgewertet hat. „Ein Teil der Herz-Kreislauf-Stillstände lässt sich deshalb trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht vermeiden.“

Gleichzeitig sieht er in den Zahlen einen klaren Handlungsauftrag: „Sie zeigen, dass wir die innerklinische Versorgung in diesen hochkritischen Situationen weiter verbessern müssen. Genau das fordern auch die aktuellen internationalen Reanimationsleitlinien – und es lohnt sich auch für die Kliniken, denn eine frühzeitige Stabilisierung kann aufwendige Intensivbehandlungen vermeiden.“

Ziel der Bad Boller Expertenrunde war daher herauszufinden, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse, um vermeidbare Herz-Kreislauf-Stillstände zu verhindern – und um diejenigen, die sich nicht vermeiden lassen, möglichst optimal zu versorgen.

Flächendeckende Daten machen Versorgungsqualität vergleichbar

Dabei sind zentrale Maßnahmen längst bekannt. Frühwarnsysteme, klar strukturierte Notfallteams, regelmäßiges Training und eine systematische Datennutzung können die Versorgung nachweislich verbessern – und Herz-Kreislauf-Stillstände im Krankenhaus teilweise verhindern. Ein Blick ins Ausland zeigt das Potenzial: In Schweden werden Daten zur innerklinischen Reanimation systematisch genutzt, um flächendeckend in allen Kliniken regelmäßig Rückmeldung zu geben und Versorgungsqualität vergleichbar zu machen. In Deutschland nehmen lediglich 20 Prozent der Kliniken am Deutschen Reanimationsregister teil.

„Wir wissen heute sehr genau, an welchen Stellen wir ansetzen können und haben auch in Deutschland Kliniken, die diesen Weg schon gegangen sind und von deren Beispielen wir lernen können“, erklärt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. Entscheidend sei, diese Maßnahmen flächendeckend und konsequent umzusetzen.

Aus Sicht der Expertinnen und Experten gibt es mehrere Ansatzpunkte, die teilweise kurzfristig umsetzbar sind und mit denen sie sich direkt an die Kliniken wenden.

Diese sind:

• Früherkennung kritischer Zustände durch standardisierte Frühwarnsysteme (Early Warning Score Systeme), um Herz-Kreislauf-Stillstände möglichst zu vermeiden
• niedrigschwellige Alarmierungswege, etwa einheitliche Notfallrufnummern innerhalb von Kliniken (z. B. 2222, die international bekannt ist, in Deutschland aber nur vereinzelt genutzt wird)
• strukturierte Notfallteams (Medical Emergency Teams), die frühzeitig hinzugezogen werden
• regelmäßiges Training (BLS/ALS) für alle beteiligten Berufsgruppen als Grundlage für eine sichere Erstversorgung
• konsequente Nutzung von Register- und Routinedaten, um Qualität transparent zu machen und gezielt zu verbessern
• klare Festlegung und Dokumentation des Patientenwillens (Advanced Care Planning), um zu klären, ob und in welchem Umfang Reanimationsmaßnahmen gewünscht sind

„Viele dieser Maßnahmen sind bekannt und erprobt. Es geht jetzt darum, sie flächendeckend umzusetzen und stärker in den klinischen Alltag zu integrieren“, erklärt Prof. Dr. Gräsner. „Genau hier setzen wir mit der innerklinischen Resuscitation Academy Deutschland (iRAD) an“, so Gräsner, der auch Programmdirektor der iRAD ist.

Weltweit erstmals wurde ein strukturiertes Programm für Krankenhäuser entwickelt, das zentrale Maßnahmen zur Verbesserung der Reanimationsversorgung systematisch in den Klinikalltag überträgt. Auf Basis internationaler Empfehlungen unterstützt es unter dem Dach der DGAI Kliniken dabei, Strukturen, Abläufe und Trainingskonzepte gezielt weiterzuentwickeln und nachhaltig zu verankern. Zum Start im April dieses Jahres beteiligen sich zwölf Kliniken an dem zweijährigen Programm.

Lebensbedrohlichen peripartalen Herzschwäche (PPCM)

MHH-Forschende haben den Signalweg entschlüsselt, der die Fortbewegung der Mitochondrien in den Zellen während der Herzentwicklung steuert.

Unser Herz schlägt etwa ‪100.000‬-mal am Tag – und das ein Leben lang. Die Energie für diese Leistung zieht es aus den Mitochondrien. Als „Kraftwerke der Zellen“ produzieren sie 95 Prozent des Adenosintriphosphats (ATP), der wichtigsten Energiewährung im Körper. 

Sind die Mitochondrien beeinträchtigt und können nicht richtig arbeiten, fehlt den Herzmuskelzellen die Kraft, um genügend Blut, Sauerstoff und Nährstoffe in den Körper zu pumpen. Aufgrund seines hohen Energiebedarfs besitzt das Herz die höchste Mitochondriendichte aller Organe, etwa ein Drittel des Zellvolumens. Während der Herzentwicklung wandern die Mitochondrien zu den sogenannten Sarkomeren. Diese kleinsten Bauteile der Muskelzelle ermöglichen Anspannung und benötigen hierfür Energie.

Wie die Mitochondrien den Weg zu den Sarkomeren finden, haben Forschende um Privatdozent (PD) Dr. Christian Riehle, Leiter der Arbeitsgruppe Myokardiale Energetik an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und Klinikdirektor Prof. Dr. Johann Bauersachs jetzt herausgefunden. 

Sie haben nachgewiesen, dass die Fortbewegung der Mitochondrien innerhalb der Herzmuskelzellen durch sogenannte RHOT-Proteine gesteuert wird. 

Dieser Vorgang spielt eine Schlüsselrolle, wenn das Herz wächst und besonders belastet ist. 

Das geschieht möglicherweise ebenso beim Leistungssport, aber auch bei krankheitsbedingten Umbauvorgängen im Herzmuskel, etwa nach einem Herzinfarkt. 

Daher sind RHOT-Proteine ein vielversprechender neuer Ansatz für die Behandlung einer Herzschwäche. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Circulation Research“ veröffentlicht worden.

Ohne RHOT kann sich das Herz nicht entwickeln

Auf die Proteine ist das Wissenschaftsteam über eine bioinformatische Genanalyse gestoßen. „Wir haben gesehen, dass sehr viel RHOT1 und RHOT2 im Herzen gebildet wird“, sagt PD Dr. Riehle. Die Funktion der Proteine war im Herzen bis dahin weitestgehend unbekannt. „Ihre große Menge war für uns jedoch ein klarer Hinweis, dass sie für einen Schlüsselmechanismus verantwortlich sein müssen.“ Den biologischen Signalweg haben die Forschenden dann im Mausmodell untersucht. „Wir haben die beiden Proteine RHOT1 und RHOT2 in den Herzmuskelzellen während der Embryonalentwicklung ausgeschaltet“, erklärt Dr. Natali Froese, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe und Erstautorin der Studie. „In der Folge sind die Mitochondrien nicht zu den Sarkomeren gewandert, sondern haben sich um den Zellkern herum zusammengeklumpt.“ Weil die Mitochondrien sich nun nicht mehr mit den Muskelfaserproteinen verbinden konnten, fehlte den Sarkomeren die Energie für ihre Weiterentwicklung und es kam zu Herzschwäche mit Herzversagen.

Auch bei gesteigerter Arbeitslast wichtig

Auch in erwachsenen Mäusen schalteten die Forschenden RHOT1 und RHOT2 aus. Hier hatte der Ausfall der molekularen Schalter jedoch nicht dieselbe tödliche Auswirkung. Obwohl die Beweglichkeit der Mitochondrien ebenso eingeschränkt war, blieb die ATP-Produktion an den Sarkomeren erhalten. „Das bedeutet, dass die Mitochondrien in reifen Herzmuskelzellen bereits am Ort ihrer Bestimmung sind“, erklärt PD Dr. Riehle. Die Wanderung hin zu den Sarkomeren findet also schon während der Embryonalentwicklung statt. Die zweite Erkenntnis aus der Studie lautet: Die RHOT-Proteine spielen möglicherweise auch eine wichtige Rolle bei gesteigerter Arbeitslast des Herzens – etwa nach einem Herzinfarkt, wenn das abgestorbene Herzmuskelgewebe durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt wird und die verbleibenden Herzmuskelzellen den Ausfall ausgleichen müssen. 

„In diesem Zusammenhang stellen RHOT-Proteine einen attraktiven therapeutischen Ansatzpunkt dar“, erklärt PD Dr. Riehle. Eine Möglichkeit wäre, die Aktivität der RHOT-Proteine zu steigern, damit der Herzmuskelzelle mehr Energie zur Verfügung steht. Denkbar sei hierbei ein gentherapeutischer Ansatz.

Möglicher Therapieansatz bei PPCM

Eine höhere Belastung der Herzmuskelzellen entsteht auch während der Schwangerschaft. Der Herzmuskel vergrößert sich dann um bis zu 30 Prozent. 

Das ist völlig normal, kann aber in Ausnahmefällen zu einer lebensbedrohlichen peripartalen Herzschwäche (PPCM) führen. 

Diese Erkrankung kann bei zuvor herzgesunden Frauen wenige Wochen vor oder nach der Geburt eines Kindes auftreten und binnen kurzer Zeit zu schwerem Herzversagen und sogar zum Tode führen

 „Unsere Klinik ist das europaweit führende PPCM-Zentrum mit einer Spezialambulanz, die Patientinnen in einem multiprofessionellen Team betreut“, betont Professor Bauersachs. 

Die Erkrankung wird in der Klinik nicht nur behandelt, sondern ist auch einer ihrer Forschungsschwerpunkte. „Die RHOT-Proteine könnten auch hier einen Therapieansatz bieten, um die Herzmuskelzellen von Schwangeren zu entlasten und das Herz schützen“, hofft der Klinikdirektor.

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Privatdozent Dr. Christian Riehle, 

riehle.christian@mh-hannover.de

Originalpublikation:
Die Originalarbeit „RHOT Proteins Link Mitochondrial Motility to Cardiomyocyte Sarcomere Maturation“ finden Sie unter: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCRESAHA.125.327297

Immunmechanismen zwischen allergischen Erkrankungen und krebsrelevanten Immunwegen

Eine aktuelle europäische Studie unter Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte mögliche gemeinsame Immunmechanismen zwischen allergischen Erkrankungen und krebsrelevanten Immunwegen. Während Monozyten und Makrophagen im Zusammenhang mit Krebs bereits umfassend erforscht wurden, ist ihre Rolle bei allergischen Erkrankungen bislang noch wenig verstanden. 


Die Studie trägt zusammen mit der neu entwickelten Forschungsplattform ALO•HA dazu bei, diese seit langem bestehende Lücke in der Allergieforschung zu adressieren.

Die Forschungsarbeit liefert eine strukturierte Charakterisierung der molekularen Signaturen und funktionellen Signalwege humaner Monozyten und Makrophagen in allergischen Immunantworten und stützt sich dabei ausschließlich auf Evidenz aus Humanstudien und nicht auf Tiermodelle oder Zelllinien. Die genauere Charakterisierung dieser zentralen Immunzellen beim Menschen schafft eine solidere Grundlage für den Vergleich mit Immunantworten bei Tieren und liefert neue Erkenntnisse für eine One-Health-orientierte Immunologie.

ALO•HA – neue Plattform zur interaktiven Erforschung molekularer Zusammenhänge

Konkret hilft die Identifizierung gemeinsamer molekularer Signaturen und immunbezogener Signalwege über wesentliche menschliche allergische Erkrankungen hinweg, besser zu verstehen, wie Monozyten und Makrophagen zu allergischen Entzündungen beitragen. „Um diese Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen, haben wir im Rahmen der Studie zudem ALO•HA (Allergy Linking Oncology Human Analyses) entwickelt – eine interaktive Webplattform, die es Forschenden ermöglicht, Moleküle, Erkrankungen, Probenquellen und Trends zu untersuchen und neue molekulare Zusammenhänge aufzudecken“, erklärt Studienerstautor Rodolfo Bianchini vom Klinischen Zentrum für Pferde der Vetmeduni.

Makrophagen als möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Krebstherapien

Die Studie liefert zudem eine Grundlage, um zu untersuchen, wie allergieassoziierte Monozyten- und Makrophagensignaturen mit für Krebs relevanten Immunwegen zusammenhängen könnten. Daraus ergeben sich laut Bianchini neue Forschungsansätze, die langfristig zu zukünftigen therapeutischen Strategien beitragen könnten: „Unsere Arbeit rückt Makrophagen als potenzielle Instrumente der Immunmodulation in den Fokus und eröffnet weitere Chancen für die translationale Forschung und letztlich für die Versorgung von Patient:innen.“

Studie destilliert tausende wissenschaftliche Arbeiten

Die breit angelegte Review-Studie wurde in mehreren Schritten durchgeführt. Eine automatisierte Suche in den Datenbanken PubMed und Web of Science identifizierte zunächst 4.668 Artikel. Diese wurden anschließend anhand vordefinierter Ein- und Ausschlusskriterien manuell kuratiert, woraus sich 138 geeignete Studien ergaben. „Daraus identifizierten wir 451 Moleküle, die mit Monozyten- und Makrophagenreaktionen bei allergischen Erkrankungen assoziiert sind. Unsere Analysen zeigten zudem eine Forschungsverzerrung hin zu aus dem Blut stammenden Monozyten, eine Unterrepräsentation gewebsresidenter Makrophagen sowie eine begrenzte Einbeziehung von MicroRNAs“, so Bianchini.

Die Studie wurde von der MacTooL Task Force (Macrophage Role in Allergy and Cancer: Novel Therapeutic Opportunities Task Force) der EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology) innerhalb der AllergoOncology Working Group durchgeführt. Die EAACI ist Europas führender Fachverband für Allergologie und klinische Immunologie. Sie vereint Kliniker:innen, Veterinärmediziner:innen, Forschende sowie Angehörige der Gesundheitsberufe, die sich der Verbesserung der Diagnose und Behandlung allergischer und klinisch-immunologischer Erkrankungen bei Menschen und Tieren widmen – mit mehr als 18.430 Mitgliedern aus 142 Ländern und über 54 nationalen Allergiegesellschaften.

Zur Plattform: 

https://rebollidorioslab.shinyapps.io/aloha/

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Rodolfo Bianchini, PhD
Klinisches Zentrum für Pferde
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
rodolfo.bianchini@vetmeduni.ac.at

Originalpublikation:
Der Artikel „Molecular Signatures and Functional Pathways of Human Monocytes and Macrophages in Allergy: An EAACI AllergoOncology Scoping Review“ von Rodolfo Bianchini et al. ist in Allergy erschienen. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/

StudienHelfer-Programm

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Ehemalige Patientinnen und Patienten können ihre Erfahrung in die Krebsforschung einbringen, Kursanmeldung bis zum 10. April möglich.


Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen neu an Krebs. Klinische Studien sind ein zentraler Bestandteil der modernen Krebsmedizin: Sie ermöglichen die Entwicklung neuer Therapien sowie die Verbesserung bestehender Behandlungen. Dennoch nehmen bislang nur vergleichsweise wenige Patientinnen und Patienten an klinischen Studien teil, häufig aufgrund fehlender Informationen oder Unsicherheiten zu Ablauf, Nutzen und Risiken. Hier setzt das neue Programm StudienHelfer des Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) an.

Kursablauf und Anmeldung

Das StudienHelfer-Programm richtet sich an ehemalige Krebspatientinnen und Krebspatienten, Angehörige und Interessierte und verfolgt das Ziel, Betroffene stärker in die klinische Forschung einzubinden und ihre Erfahrungen aktiv zu nutzen. Der Kurs erstreckt sich über etwa zwei Monate und findet überwiegend online statt, ergänzt durch zwei Präsenztermine in Hannover und Göttingen. Vorausgesetzt werden die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme sowie das Interesse an einer aktiven Mitwirkung nach Kursende mit Betroffenen oder in der Studienplanung. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung bis zum 10. April 2026 ist erforderlich. Alle Informationen unter: http://www.ccc-niedersachsen.eu/studienhelfer

Die Teilnehmenden erwerben grundlegendes Wissen zu klinischen Studien und lernen, andere Betroffene bei Fragen zu unterstützen sowie ihre Perspektive in die Planung neuer Studien einzubringen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer stärker patientenorientierten Krebsforschung. Das modular aufgebaute Programm vermittelt unter anderem Grundlagen zu klinischen Studien, Studiendesigns und Therapieformen, zu Patientensicherheit sowie zu ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ergänzt wird das Angebot durch Einblicke in Entscheidungsprozesse von Studienteilnehmenden, Patientenbeteiligung in der Forschung sowie praktische Aspekte der Studienentwicklung.

Das CCC-N vereint die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und gehört zu den 14 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren in Deutschland.

SERVICE

Weitere Informationen finden Sie unter:

 https://www.ccc-niedersachsen.eu/studienhelfer

Weitere Informationen erhalten Sie 

bei Inka Burow

bei Dr. Sarah Knippenberg, 

Knippenberg.Sarah@mh-hannover.de

Gestörte Blutbildungen

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Seltene Erkrankungen mit einem Tropfen Blut erkennen

Gestörte Blutstillung, große blaue Flecken ohne erkennbaren Grund seit dem Kindesalter: Hierfür kann eine angeborene Thrombozytenstörung verantwortlich sein. Mehr als 70 dieser erblichen Erkrankungen sind bekannt - aber sie sind schwer zu diagnostizieren. Betroffene Patienten haben oft einen Jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.


Greifswalder Forscher haben jetzt eine vielversprechende Methode am Mikroskop entwickelt, bei der bereits Neugeborene mit nur einem Tropfen Blut getestet werden können. Um die Methode international auszutesten, haben die Greifswalder ein weltweites Netzwerk mit sieben Zentren gebildet. Das Projekt entstand unter der Schirmherrschaft der weltweit führenden internationalen Fachgesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH), in deren Fachzeitschrift die Greifswalder Studie nun erschien.

„Wir bringen die Thrombozyten unter dem Mikroskop zum Leuchten“, sagt Carlo Zaninetti vom Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald. Thrombozyten werden auch Blutplättchen genannt und spielen eine entscheidende Rolle bei der Blutstillung und Blutgerinnung. Um Störungen der Thrombozyten zu erkennen, nutzen die Greifswalder Forscher die Immunfluoreszenzmikroskopie. Hierzu werden spezifische Strukturen der Blutplättchen unter dem Mikroskop mit Hilfe leuchtender, fluoreszierender Antikörper sichtbar gemacht. „Wir brauchen dafür nicht mehr als einen Tropfen Blut.“, erklärt Zaninetti. „Für eine erste Untersuchung im Screening eignet sich das hervorragend, um in der weiteren Diagnostik die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Auch logistisch ergeben sich daraus Vorteile. „Die weltweit sieben Spezial-Zentren mit ihrer Erfahrung können die Probe von überall per Post erhalten“, berichtet Zaninetti. So kann auch Patienten geholfen werden, die weit entfernt von einem Spezialzentrum wohnen.
„Die Methode ist äußerst vielversprechend“, sagt Prof. Andreas Greinacher, Seniorprofessor am Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald. „Wir haben sie in Greifswald entwickelt, damit Patienten aus Europa nicht den weiten Weg nach Greifswald auf sich nehmen müssen. Jetzt können Patienten weltweit damit untersucht werden.“
„Unser Verfahren spart erhebliche Kosten“ ergänzt Dr. Zaninetti. „Es gibt einen Hinweis, bei welchen Patientinnen und Patienten eine tiefergehende genetische Analyse sinnvoll eingesetzt werden sollte.“
Für die Universitätsmedizin ist die Gesamtkonzeption dieser Studie von herausragender Bedeutung. „Die Universitätsmedizin Greifswald stärkt ihren Ruf als weltweites Referenzzentrum für Erkrankungen der Blutgerinnung und der Thrombozyten“, sagt Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin. „Das ist ein wahres Gütesiegel für uns und ganz besonders für unser Personal am Institut für Transfusionsmedizin.“

Weitere Informationen:
Website mit ergänzendem Hintergrund-Video:
https://www.unimedizin-greifswald.de/?id=auke Meier


Hauke Meier
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Dr. med. Carlo Zaninetti

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Gesunde Thymusdrüse

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Wer eine gesunde Thymusdrüse hat, lebt länger und wird seltener krank. Außerdem sind Immuntherapien bei Patient*innen mit gesundem Thymus häufiger erfolgreich. Dies zeigen zwei internationale Studien unter Beteiligung der Universitätsmedizin Frankfurt. Aus den Ergebnissen, die jetzt in der Fachzeitschrift Nature erschienen sind, ergeben sich neue Ansätze für den Erhalt der Gesundheit im Alterungsprozess.


Der Thymus ist ein kleines Organ im oberen Brustraum, das eine zentrale Rolle für das Immunsystem spielt: Er bildet T-Zellen aus – spezialisierte Immunzellen, die Krankheitserreger erkennen und bekämpfen. Lange galt der Thymus als „Kinderorgan“, das im Erwachsenenalter kaum noch Bedeutung hat, da es sich im Laufe des Lebens zurückbildet bzw. verfettet. Neue Studien stellen diese Annahme grundlegend infrage.

„Die Veröffentlichungen in Nature unterstreichen die außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Relevanz dieser Arbeiten. Sie zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag moderne Bildgebung leisten kann, um bislang unterschätzte biologische Zusammenhänge sichtbar zu machen“, sagt Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Universitätsmedizin Frankfurt. „Wenn es gelingt, die Thymusgesundheit rechtzeitig und zuverlässig zu analysieren, lassen sich individuelle Krankheitsrisiken deutlich früher erkennen und gezielt gegensteuern – lange bevor klinische Symptome auftreten.“ Die Thymusgesundheit, bestimmt anhand routinemäßig erhobener computertomographischer Bilddaten, könnte damit einen neuen Ansatz bieten, Krankheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt präventive Maßnahmen einzuleiten. In der Bildgebung lässt sich die Thymusgesundheit über den Grad der Verfettung beurteilen. Weniger Verfettung spricht dabei tendenziell für eine bessere Immunfunktion.

Bahnbrechende Erkenntnisse aus Langzeitstudien
Zwei internationale Studien unter Federführung der Harvard University (Boston) und weiterer Forschungspartner in Maastricht, Aarhus, London und Frankfurt stützen diese These. Dr. Simon Bernatz, Erstautor der Publikation, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Frankfurt, erklärt: „Unsere Analysen zeigen erstmals, dass die Thymusgesundheit ein unabhängiger Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken ist. Besonders bemerkenswert ist, dass wir diese Informationen aus routinemäßigen computertomographischen (CT) Aufnahmen gewinnen konnten.“

Die Forschenden entwickelten ein Deep-Learning-Framework, eine künstliche Intelligenz, um CT-Aufnahmen zu quantifizieren. Sie analysierten mehr als 27.000 CT-Scans, die im Rahmen zweier großer US-amerikanischer Langzeitstudien angefertigt wurden: das National Lung Screening Trial (NLST), das sich über zwölf Jahre lang mit der Lungengesundheit bei aktuellen oder ehemaligen Raucherinnen und Rauchern beschäftigt hat, und die Framingham Heart Study (FHS), eine der bekanntesten und beständigsten medizinischen Studien zur Herz-Kreislauf-Gesundheit.

In beiden unabhängigen Kohorten war eine gute Thymusgesundheit eng mit besseren gesundheitlichen Ergebnissen verknüpft. In der NLST-Studie ging sie mit niedrigerer Gesamtsterblichkeit (50 Prozent), geringerer Lungenkrebsinzidenz (36 Prozent) und reduzierter kardiovaskulärer Mortalität (63 bis 92 Prozent) einher. Die FHS-Kohorte bestätigte den Zusammenhang niedrigerer Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Rauchen.

Neue Perspektiven in der Krebsmedizin: Thymus als Biomarker
Eine zweite aktuelle Studie derselben Autorinnen und Autoren erweitert diese Erkenntnisse entscheidend und legt nahe, dass die Gesundheit des Thymus auch den Erfolg moderner Immuntherapien bei Krebs vorhersagen kann. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 3.400 Krebspatientinnen und -patienten analysiert, die mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten mit einer hohen Thymusgesundheit deutlich bessere Behandlungsergebnisse aufwiesen. Dies galt insbesondere für Lungenkrebs und Melanome, aber auch für Brust- und Nierenkrebs.

Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang unabhängig von etablierten tumorbasierten Biomarkern wie PD-L1 oder der Tumormutationslast (TMB) bestand. Die Thymusgesundheit liefert somit zusätzliche Informationen, da sie nicht den Tumor selbst, sondern die Leistungsfähigkeit des Immunsystems widerspiegelt. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass eine gute Thymusfunktion mit einer höheren Vielfalt von T-Zell-Rezeptoren und einer insgesamt stärkeren Immunantwort verbunden ist.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Thymusgesundheit auch ein entscheidender, bislang unterschätzter Faktor für den Erfolg von Immuntherapien ist. Sie könnte künftig helfen, Therapien gezielter auszuwählen und individueller auf Patientinnen und Patienten abzustimmen“, so Dr. Simon Bernatz.

Thymus als Schlüsselorgan für gesundes Altern
Die Ergebnisse belegen erstmals umfassend, dass der Thymus auch im Erwachsenenalter eine aktive und entscheidende Rolle spielt. Ein gesunder Thymus scheint dazu beizutragen, dass das Immunsystem langfristig stabil bleibt, Entzündungsprozesse besser kontrolliert werden und der Körper wirksamer vor altersbedingten Erkrankungen geschützt ist. Damit rückt der Thymus in den Fokus als zentraler Regulator des immunvermittelten Alterns und der allgemeinen Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter.

Eine weitere Erkenntnis: Thymusgesundheit hängt eng mit beeinflussbaren Lebensstilfaktoren zusammen. Negative Einflüsse ergeben sich insbesondere durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch durch chronische Entzündungsprozesse, wie sie etwa durch ungesunde Ernährung oder anhaltenden Stress begünstigt werden. Umgekehrt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil die Funktion des Thymus positiv beeinflussen kann und damit sowohl die allgemeine Gesundheit als auch möglicherweise den Erfolg medizinischer Behandlungen verbessert.

Bedeutung für Forschung und Therapie
Die Ergebnisse verschieben das Bild des Thymus grundlegend: von einem vernachlässigten Organ der Kindheit zu einem zentralen Regulator von Immunalterung und Krankheitsanfälligkeit im Erwachsenenalter. Als Biomarker könnte er künftig die Früherkennung von Risikopatientinnen und -patienten verbessern, die Auswahl geeigneter Immuntherapien steuern und den Behandlungszeitpunkt optimieren. Darüber hinaus rücken gezielte Strategien zur Stärkung oder Regeneration des Thymus in den Fokus der Forschung. Die Gesundheit dieses kleinen Organs kann entscheidenden Einfluss auf Lebensqualität, Lebenserwartung und Therapieerfolg

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Dr. Markus Bernards
Dr. Simon Bernatz
Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter
Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
Universitätsmedizin Frankfurt
Tel. ‪+49 (0)69 6301‬ – 85306
simon.bernatz@unimedizin-ffm.de
https://radiologie-uni-frankfurt.de/clinic/our_team/index_eng.html

Originalpublikation:
(1) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Yumeng Cao, Jiachen Chen, Asya Lyass, Borek Foldyna, Leonard Nürnberg, Keno Bressem, Christopher Abbosh, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Michael T. Lu, Joanne M. Murabito, Kathryn L. Lunetta, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health consequences in adults. Nature (2026) https://doi.org/10.1038/s41586-026-10242-y

(2) Simon Bernatz, Vasco Prudente, Suraj Pai, Asbjørn K. Attermann, Alessandro Di Federico, Andrew Rowan, Selvaraju Veeriah, Lars Dyrskjøt, Leonard Nürnberg, Joao V. Alessi, Patrick A. Ott, Elad Sharon, Allan Hackshaw, Nicholas McGranahan, Christopher Abbosh, Raymond H. Mak, Danielle Bitterman, Mark Awad, Biagio Ricciuti, Charles Swanton, Mariam Jamal-Hanjani, Nicolai J. Birkbak, Hugo J. W. L. Aerts. Thymic health and immunotherapy outcomes in patients with cancer. Nature (2026) https://www.nature.com/articles/s41586-026-10243-

Adjuvanten Chemotherapie

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Die Ergänzung der standardmäßigen adjuvanten Chemotherapie durch die Immuntherapie mit Atezolizumab verbessert deutlich die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit bestimmten Formen von Darmkrebs nach einer Operation. Das ist das Ergebnis der ATOMIC-Studie (Alliance A021502/AIO-KRK-0317), die in Deutschland von Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick vom St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, koordiniert wurde. Die Studie zeigte eine 50-prozentige Verringerung des Risikos für ein Wiederauftreten der Erkrankung oder den Tod im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie. Damit ist ein neuer Behandlungsstandard für diese biologisch unterscheidbare Untergruppe etabliert.

Die Studie ist im „New England Journal of Medicine“ vom 26. März 2026 veröffentlicht.

Ablauf der Studie

Zwischen September 2017 und Januar 2023 wurden 712 Patient*innen mit sogenanntem dMMR-Darmkrebs im Stadium III nach einer Operation in die Studie aufgenommen. DMMR steht für „deficient DNA mismatch repair“ und charakterisiert die Art des Tumors, bei der besonders viele Mutationen auftreten. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt sechs Monate lang eine Standard-Chemotherapie allein. Die andere Gruppe erhielt die Chemotherapie in Kombination mit Atezolizumab, gefolgt von weiteren sechs Monaten Atezolizumab als Monotherapie.

Nach drei Jahren waren 86,3 Prozent der Patient*innen, die mit Atezolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie behandelt wurden, weiterhin krankheitsfrei. In der Gruppe, die nur eine Chemotherapie erhielten, waren es nur 76,2 Prozent.
Klarer und bedeutsamer Nutzen der Immuntherapie

„Die ATOMIC-Studie stellt einen entscheidenden Fortschritt in der adjuvanten Behandlung von dMMR-Darmkrebs im Stadium III dar“, sagt Anke Reinacher-Schick. „Zum ersten Mal hat die Immuntherapie einen klaren und klinisch bedeutsamen Nutzen bei diesen Erkrankungen im Frühstadium gezeigt und damit einen neuen therapeutischen Standard etabliert.“

Die klinische Relevanz der Studie spiegelt sich in der Aufnahme der Studienergebnisse in die neuesten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network wider, was die Rolle immuntherapiebasierter adjuvanter Behandlungsstrategien bei Hochrisikopatientengruppen untermauert.

Bedeutende akademische Partnerschaft

„Die Studie zeigt, wie internationale akademische Zusammenarbeit biomarkergestützte Forschung in klinische Ergebnisse umsetzen kann, die die Praxis verändern“, sagte Prof. Dr. Dirk Arnold (Asklepios Tumorzentrum Hamburg und Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie, AIO). „Die enge Partnerschaft zwischen deutschen und US-amerikanischen Forschenden unterstreicht die Stärke akademischer Forschungsnetzwerke bei der Weiterentwicklung der Präzisionsonkologie.“

Deutsche Beteiligung

Die deutsche Beteiligung an der Studie wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Alliance und der AIO der Deutschen Krebsgesellschaft unter der nationalen Leitung von Anke Reinacher-Schick ermöglicht. AIO-angeschlossene Studienzentren nahmen in der späteren Rekrutierungsphase Patienten auf und sicherten so den Zugang für geeignete Patienten in Deutschland.

In Deutschland wurde die schnelle Identifizierung geeigneter Patienten deutlich durch das COLOPREDICT-Register (CPP-Register) der AIO erleichtert, das eine Schlüsselrolle beim Screening und der zeitnahen Rekrutierung spielte. „Dieser Erfolg unterstreicht die Bedeutung akademisch orientierter Forschungspartnerschaften und exzellenter transsektoraler Netzwerkstudien“, fügte Prof. Dr. Andrea Tannapfel, Direktorin des Instituts für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum und federführende Partnerin beim CPP-Register, hinzu.

Förderung

Die weltweite Studie in den USA wurde vom US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI), das zu den National Institutes of Health gehört, gefördert und von der Alliance for Clinical Trials in Oncology unter Beteiligung weiterer vom NCI finanzierter Gruppen des National Clinical Trials Network geleitet. Genentech, ein Mitglied der Roche-Gruppe, unterstützte die Studie im Rahmen einer Vereinbarung über kooperative Forschung und Entwicklung zwischen dem NCI und Genentech. Die Studie wurde weltweit von Dr. Frank A. Sinicrope, Professor für Onkologie an der Mayo Clinic und US-Hauptprüfer innerhalb der Alliance, geleitet.

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Meike Drießen
Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick
Klinik für Hämatologie und Onkologie mit Palliativmedizin
St. Josef Hospital
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 509 3591‬
E-Mail: onkologie@klinikum-bochum.de

Webseite des Klinikums: https://www.klinikum-bochum.de/fachbereiche/haematologie-onkologie-und-palliativ...

Originalpublikation:
Frank A. Sinicrope et al.: Atezolizumab plus FOLFOX for Stage III Mismatch Repair–Deficient Colon Cancer, in: New England Journal of Medicine, 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2507874, https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2507874

Die Cuproptose

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Erst 2022 wurde die sogenannte Cuproptose entdeckt: Eine zuvor unbekannte Art des Zelltods durch einen Überschuss an Kupfer. Diesen Mechanismus machte sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Karges an der Ruhr-Universität Bochum zunutze, um einen neuen Wirkstoffkomplex auf Kupferbasis zu entwickeln, der Zellen 100-mal effektiver tötet als im Einsatz befindliche Chemotherapeutika. Der Kupferkomplex ist eingebettet in Polymernanopartikel, die sich gezielt im Tumorgewebe anlagern. Erst durch eine Aktivierung mit Licht lösen sich die Partikel auf und geben den Wirkstoff frei. So tötet er gezielt Tumorzellen und verschont gesundes Gewebe.


Das Team berichtet in der Zeitschrift „Advanced Functional Materials“ vom 25. März 2026.

Krebszellen nehmen mehr Kupfer auf als gesunde Zellen

Die Cuproptose unterscheidet sich grundlegend von allen bisher bekannten Mechanismen des Zelltods: 

Der entscheidende Auslöser ist ein Überschuss an Kupfer in der Zelle. Es bindet an bestimmte Proteine in den Mitochondrien, die normalerweise für die Energiegewinnung zuständig sind. Diese Proteine verklumpen dadurch, die Zelle gerät in schweren Stress und stirbt schließlich ab. „Was diese Form des Zelltods so besonders macht, ist ihre Spezifität gegenüber der Energieproduktion der Zelle“, erklärt Johannes Karges. „Krebszellen haben häufig einen veränderten, besonders intensiven Stoffwechsel und nehmen mehr Kupfer auf als gesundes Gewebe.“

Dem Team um Johannes Karges ist es gelungen, einen Kupferkomplex zu entwickeln, der gezielt die Cuproptose auslöst. Er ist etwa 100-mal wirksamer als etablierte Platin-Derivate, die derzeit klinisch eingesetzt werden. „Allerdings war die Substanz zunächst nicht selektiv und wirkte auch auf gesunde Zellen tödlich“, berichtet Johannes Karges. „Dieses Problem konnten wir nun durch die Integration des Wirkstoffs in lichtaktivierbare Nanopartikel lösen.“

Verpackung mit zweifachem Nutzen

Der eigentliche Wirkstoffkomplex wird in polymere Nanopartikel eingebettet. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels von Krebszellen reichern sich diese Partikel in Tumoren an. So wird der Wirkstoff gezielt dorthin transportiert, wo er auch wirken soll. Zudem verhindert die Polymerummantelung, dass der Kupferkomplex vorzeitig unkontrolliert freigesetzt wird.

Erst auf einen Lichtimpuls hin wird der Wirkstoff an Ort und Stelle freigesetzt. „Das Freisetzungsprinzip basiert auf einer photoresponsiven Bindung innerhalb des polymeren Grundgerüsts“, erklärt Johannes Karges. „Bei Lichtbestrahlung wird diese spezifische Bindung selektiv gespalten, woraufhin die Nanopartikel sich auflösen und der Kupferkomplex lokal freigesetzt wird.“ Dadurch lässt sich eine hochpräzise und selektive Behandlung von Krebszellen erreichen. „Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass dieser Ansatz auch in therapieresistenten Krebszellen wirksam ist – also gerade dort, wo konventionelle Chemotherapien an ihre Grenzen stoßen“, sagt der Forscher.

Bis zu einem klinischen Einsatz ist allerdings noch viel Forschungsarbeit zu leisten: „Wir haben das Prinzip bislang an resistenten Krebszellen im Labor gezeigt, nicht am Menschen“, unterstreicht Karges. „Bis zu einer echten Behandlung sind noch viele Schritte nötig.“

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt durch den Fonds der chemischen Industrie des Verbandes der Chemischen Industrie e. V. im Rahmen eines Liebig-Stipendiums, den Life Sciences Bridge Award der Aventis-Stiftung sowie den Paul-Ehrlich-&-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis 2024 – eine Auszeichnung der Paul-Ehrlicj Stiftung

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Prof. Dr. Johannes Karges
Medizinische Anorganische Chemie
Fakultät für Chemie und Biochemie und Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 32 24187‬
E-Mail: johannes.karges@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Light Activated Induction of Cuproptosis in Resistant Cancer Cells Using Polymeric BODIPY Nanoparticles for Photoactivated Chemotherapy, in: Advanced Functional Materials, 2026, DOI: 10.1002/adfm.‪202531605‬http://dx.doi.org/10.1002/adfm.202531605

Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Induction of Cuproptosis with a Highly Cytotoxic Tripodal Cu(II) Complex for Anticancer Therapy in Journal of Medicinal Chemistry, 2025, DOI: 10.1021/acs.jmedchem.5c01124, http://dx.doi.org/10.1021/acs.jmedchem.5c01124

Palliativmedizin bei Herz - Kreislauferkrankungen

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Internationale Autorengruppe fordert Umdenken in der kardiovaskulären Versorgung - Palliativmedizin wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit der letzten Lebensphase gleichgesetzt. Tatsächlich ist sie jedoch weit mehr als Sterbebegleitung. Moderne Palliativmedizin setzt nicht erst dann ein, wenn eine Erkrankung als unheilbar gilt und der Tod unmittelbar bevorsteht. Vielmehr zielt sie darauf ab, Leiden frühzeitig zu lindern, Symptome zu kontrollieren und Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen über einen oft langen Krankheitsverlauf hinweg zu begleiten. Häufig ist dies ein Prozess, der sich über Wochen und Monate erstrecken kann.

Eine internationale Autorengruppe unter der Leitung von Medizinerinnen und Medizinern des Universitätsklinikums Bonn (UKB) zeigt nun in einer umfassenden Übersichtsarbeit, dass dieses Verständnis insbesondere in der Herz-Kreislauf-Medizin noch nicht ausreichend verankert ist. Die Studie wurde im renommierten European Heart Journal veröffentlicht und basiert auf der Auswertung von über 1.000 wissenschaftlichen Publikationen und Datensätzen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache, mit einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit als viele Krebserkrankungen. Gleichzeitig hat sich ihre Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Moderne Medikamente, interventionelle Verfahren, implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Herzunterstützungssysteme ermöglichen heute eine deutlich längere Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dennoch leiden viele Betroffene über Jahre hinweg unter einer hohen Symptomlast, wiederholten Krankenhausaufenthalten sowie komplexen und belastenden Therapieentscheidungen.

Palliativmedizin verbessert Lebensqualität

Hier setzt die Palliativmedizin an. Sie versteht sich nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur kardiologischen Therapie. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome wie Atemnot, Schmerzen, Erschöpfung oder Angst zu lindern und gemeinsam mit den Betroffenen tragfähige Therapieentscheidungen zu treffen. „Viele Menschen verbinden Palliativmedizin noch immer ausschließlich mit der allerletzten Lebensphase“, erklären die Erstautoren Endrit Cekaj, Frederik Sand und David H. V. Vogel. „Unsere Arbeit zeigt jedoch, dass palliativmedizinische Prinzipien bereits deutlich früher eingesetzt werden sollten, damit Patientinnen und Patienten über einen langen Zeitraum davon profitieren können.“

Ein zentrales Problem sieht die Autorengruppe im fehlenden Bewusstsein sowohl auf Seiten der Betroffenen als auch im klinischen Alltag. Während viele Menschen die Schwere und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterschätzen, wird das Potenzial palliativmedizinischer Unterstützung in der medizinischen Praxis häufig nicht ausgeschöpft. Dabei kann eine frühzeitige Integration nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch Ärztinnen und Ärzte entlasten, indem sie komplexe Entscheidungsprozesse strukturiert begleitet.

Im Fokus stehen interdisziplinäre Zusammenarbeit und ethische Fragen

Die Übersichtsarbeit hebt insbesondere die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit hervor. Gerade bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, bei wiederholten Krankenhausaufenthalten oder bei der Entscheidung über invasive Therapien ist eine enge Abstimmung zwischen Kardiologie, Herzchirurgie, Palliativmedizin sowie psychosozialen und psychiatrischen Fachbereichen entscheidend. Neben der medizinischen Behandlung spielen auch Kommunikation, psychosoziale Unterstützung und die Einbindung von Angehörigen eine zentrale Rolle.

Zugleich werfen moderne Therapien neue ethische Fragen auf. Lebensverlängernde Maßnahmen wie implantierbare Defibrillatoren oder mechanische Unterstützungssysteme können für Patientinnen und Patienten mit erheblichen Belastungen verbunden sein. In solchen Situationen hilft palliativmedizinische Expertise dabei, zwischen lebensverlängernden Maßnahmen und der Lebensqualität der Betroffenen abzuwägen und Behandlungsziele individuell auszurichten.

Palliativmedizin wird meist zu spät eingebunden

Internationale Studien zeigen bereits, dass eine frühzeitige palliativmedizinische Begleitung zu einer besseren Symptomkontrolle, höherer Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten und Angehörigen sowie zu weniger belastenden Krankenhausaufenthalten führen kann. Dennoch erfolgt die Einbindung palliativmedizinischer Angebote in der Kardiologie bislang häufig zu spät. „Eine moderne kardiovaskuläre Medizin muss nicht nur das Überleben verlängern, sondern auch die Lebensqualität konsequent in den Mittelpunkt stellen“, betonen die Letztautoren Prof. Lukas Radbruch, Prof. Alexandra Philipsen, und Prof. Enzo Lüsebrink. Prof. Radbruch und Prof. Philipsen sind beide Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) „Life & Health“ der Universität Bonn. „Die frühzeitige Integration palliativmedizinischer Expertise kann Betroffenen sowie ihre Familien in schwierigen Krankheitsphasen erheblich unterstützen.“

Für die klinische Praxis empfiehlt die Autorengruppe daher eine stärkere strukturelle Verankerung palliativmedizinischer Inhalte in der Herzmedizin. Dazu gehören interdisziplinäre Versorgungsteams, gemeinsame Behandlungsmodelle sowie eine intensivere Ausbildung in Kommunikation und Symptomkontrolle. Auch in der medizinischen Ausbildung sollte Palliativmedizin stärker berücksichtigt werden.

Die Botschaft ist für den Letztautor der Studie, Prof. Lüsebrink, sowie den Direktor der Klinik für Kardiologie des UKB, Prof. Georg Nickenig, klar: Palliativmedizin sollte in der Kardiologie Standard und nicht Ausnahme sein. Denn eine zukunftsfähige Herzmedizin wird sich nicht allein daran messen lassen, wie lange Menschen leben, sondern vor allem daran, wie gut sie leben können.

Publikation: Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag219

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Felix Heyder
Pressesprecher des Herzzentrums am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Telefon: 0228 / ‪287 11904‬
E-Mail: felix.heyder@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn:
Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

Prof. Dr. Dr. Enzo Lüsebrink
Kardiologe am Herzzentrum
Universitätsklinikum Bonn
E-Mail: Enzo.Luesebrink@gmx.de

Prof. Dr. Lukas Radbruch
Direktor der Klinik für Palliativmedizin
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Lukas.Radbruch@ukbonn.de

Prof. Dr. Alexandra Philipsen
Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Alexandra.Philipsen@ukbonn.de

Originalpublikation:
Endrit Cekaj,, Frederik Sand, David H.V. Vogel: Palliative Care in Cardiovascular Medicine; European Heart Journal; DOI:10.1093/eurheartj/ehag219
Weitere Informationen finden Sie unter
Publikation

Papillomavirus (HPV)

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Eine aktuelle Studie der Universität Zürich zeigt: Rund jede vierte erwachsene Person in der Schweiz ist gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft. Entscheidend sind dabei neben Alter und Geschlecht vor allem Wissen, Einstellungen sowie Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten.

Das humane Papillomavirus (HPV) ist die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektion und kann verschiedene Krebserkrankungen auslösen. Eine vorbeugende HPV-Impfung ist sehr wirksam und wird in der Schweiz seit 2007 für Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 26 Jahren empfohlen – seit 2015 auch für Jungen und junge Männer. Für Frauen ist zudem eine Nachholimpfung bis zum Alter von 45 Jahren möglich.

Während die nationale Impfquote bei Jugendlichen gut dokumentiert ist und zwischen 2020 und 2022 bei 71 Prozent für Mädchen bzw. 49 Prozent für Jungen lag, gibt es bisher nur begrenzt Daten zur HPV-Impfung bei Erwachsenen sowie zu den Faktoren, die deren Impfverhalten beeinflussen. Eine landesweite Befragung des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Präventionsmedizin der Universität Zürich mit überprüften Impfdaten schliesst nun diese Lücke.

Grosse Unterschiede bei Alter und Geschlecht
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Von den rund 3’850 befragten Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren haben gut 27 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten. Während bei den 18- bis 26-Jährigen knapp 59 Prozent geimpft sind, liegt die Quote bei den 27- bis 45-Jährigen nur bei rund 16 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Knapp 43 Prozent der Frauen sind geimpft, aber nur rund 12 Prozent der Männer. «Die Unterschiede lassen sich auf die vergleichsweise späte Einführung der HPV-Impfung und die anfängliche Empfehlung nur für jugendliche Mädchen zurückführen. Gleichzeitig zeigen sie, wo die Impfangebote noch verbessert werden können», sagt Erstautorin Kyra Zens.

Die Befragten lassen sich zudem grob in drei Profile einteilen – je nachdem, wie gut sie über HPV informiert sind und wie sie zur Impfung stehen. In der gut informierten Gruppe sind rund 41 Prozent geimpft. In der skeptischen Gruppe sinkt die Quote auf knapp 14 Prozent, und in der Gruppe mit wenig Wissen sogar auf nur noch 8 Prozent. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Impfentscheidungen stark danach unterscheiden, was Menschen wissen und wie sie das Risiko einschätzen», hält Kyra Zens fest.»

Zu wenige Empfehlungen durch Ärzteschaft
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gespräch in der Arztpraxis. Viele Geimpfte nennen die Empfehlung durch Ärztinnen und Ärzte als ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Gleichzeitig geben mehr als die Hälfte der ungeimpften Personen an, dass sie keine solche Empfehlung erhalten haben.

Die Gründe für eine fehlende Impfung unterscheiden sich zwischen den Gruppen. Personen mit wenig Wissen sind oft unsicher über die Bedeutung von HPV und die Vorteile der Impfung. Gut informierte Personen verzichten hingegen häufig auf eine Impfung, weil sie davon ausgehen, nicht mehr zur empfohlenen Altersgruppe zu gehören, oder weil sie keine klare ärztliche Empfehlung erhalten haben.

Gezielte Information und Ansprache
Gleichzeitig zeigt sich ein grosses Potenzial: In der gut informierten Gruppe würden rund 60 Prozent der ungeimpften Personen eine Impfung noch in Betracht ziehen. Selbst in der Gruppe mit wenig Wissen ist etwa jede zweite Person offen dafür. «Die Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Information und persönliche Ansprache entscheidend sind. Besonders Gespräche im medizinischen Alltag bieten eine wichtige Gelegenheit, offene Fragen zu klären und Vertrauen zu schaffen», sagt Kyra Zens.

Literatur
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780

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Kyra Denise Zens, PhD, MPH

Melanie Huber


Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention
Universität Zürich
Tel. ‪+41 44 634 46 72‬
E-Mail: zens@immunology.uzh.ch

Originalpublikation:
Kyra Zens, Nora Baer, Phung Lang. Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. Jama Network Open. 23 March 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780