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Die Sepsis

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Eine Sepsis zählt zu den schwersten medizinischen Notfällen. Doch selbst wenn die akute Erkrankung überstanden ist, bleibt für viele Betroffene ein hohes Risiko bestehen: Sie entwickeln leicht weitere Infektionen. Forschende Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen haben nun einen wichtigen Mechanismus identifiziert, der diese Immunschwäche erklären könnte.

Im Fokus der Studie stehen die sogenannten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), spezialisierte Immunzellen, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Krankheitserregern spielen. Diese Zellen waren nach einer Sepsis über Wochen hinweg in ihrer Funktion erheblich eingeschränkt. Dieser Funktionsverlust war besonders stark bei Patient:innen zu beobachten, die im weiteren Verlauf der Behandlung zusätzlich eine Krankenhausinfektion entwickelten.

NK-Zellen verlieren ihre Fähigkeit zur wirksamen Immunabwehr
Das Forschungsteam um Prof. Stefanie Flohé hat Blutproben von Patient:innen aus der Klinik für Anästhesiolgie und Intensivmedizin und der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Labor untersucht und konnte so nachweisen, dass die Ursache in einer gestörten Anpassung des Zellstoffwechsels der NK-Zellen liegt. „Für eine wirksame Immunantwort benötigen NK-Zellen große Mengen an Energie und Nährstoffen“, erklärt André van der Wurff, der im Rahmen des ELAN-Promotionskollegs seine medizinische Doktorarbeit in der AG Immunologie/Sepsis angefertigt hat. Aber eine zentrale Stoffwechselschaltstelle – das Protein mTORC1 – wird bei Sepsis nicht ausreichend aktiviert. Die NK-Zellen produzieren deshalb deutlich weniger Interferon-gamma, das aber dringend benötigt wird, um bakterielle Infektionen zu bekämpfen.

Die Ursache liegt im Stoffwechsel der Immunzellen
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Regulation des Stoffwechsels von NK-Zellen bei Sepsis nachhaltig gestört ist. Dadurch können sie nicht mehr den Anforderungen einer effektiven Immunantwort gerecht werden“, erläutert Prof. Dr. Stefanie Flohé, Leiterin der AG Immunologie Sepsis/Trauma in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

Neue Perspektiven für zukünftige Therapien
Die Forschenden untersuchten außerdem, ob sich die gestörte Funktion der NK-Zellen wieder verbessern lässt. Durch Hemmung eines weiten Stoffwechselregulators (AMPK) wurde mTORC1 wieder aktiv und die Abwehrfunktion der NK-Zellen verbesserte sich.
Auch wenn diese Ergebnisse zunächst experimenteller Natur sind und noch keine neue Therapie darstellen, eröffnen sie einen vielversprechenden Ansatz für zukünftige Behandlungsstrategien, so die Autor:innen. Ein Ziel könnte es sein, die Stoffwechselaktivität der NK-Zellen gezielt wiederherzustellen und so das Risiko gefährlicher Folgeinfektionen nach einer Sepsis zu senken.

MaAB-Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Prof. Dr. Stefanie Flohé

Dr. Milena Hänisch

Originalpublikation:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352396426002288
Disturbed metabolic adaptation drives natural killer cell dysfunction in association with nosocomial infection during human sepsis

Parlamentarische Patientenkontakt Möglichkeiten in Berlin

Sprechstunden der Abgeordneten

Abg. Danny Freymark (CDU)

06.07.2026 10:00 Uhr - 17:00 Uhr
Bürgerbüro, Warnitzer Straße 16, 13057 Berlin, um vorherige Anmeldung per E-Mail unter buergerbuero@danny-freymark.de oder telefonisch ‪030 54832604‬ wird gebeten

Abg. Orkan Özdemir (SPD)

06.07.2026 10:30 Uhr - 15:00 Uhr
Stadtteilbüro, Schmiljanstraße 17, 12161 Berlin, Anmeldung ist erforderlich unter mail@orkan-oezdemir.de

Abg. Catrin Wahlen (GRÜNE)

06.07.2026 16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Bürgerbüro, Karl-Kunger-Straße 68, 12435 Berlin, um vorherige Anmeldung unter catrin.wahlen@gruene-fraktion.berlin, gerne mit Hinweis auf das Anliegen, wird gebeten

Abg. Daniela Billig (GRÜNE)

06.07.2026 16:30 Uhr - 18:00 Uhr
Kiezbüro, Prenzlauer Allee 22, 10405 Berlin, Anmeldung unter buero5.billig@gruene-fraktion.berlin

Abg. Orkan Özdemir (SPD)

07.07.2026 10:30 Uhr - 15:00 Uhr
Stadtteilbüro, Schmiljanstraße 17, 12161 Berlin, Anmeldung ist erforderlich unter mail@orkan-oezdemir.de

Abg. Dr. Hugh Bronson (AfD)

07.07.2026 12:00 Uhr - 14:00 Uhr
Abgeordnetenhaus, Raum 536, Margot-Friedländer-Platz, 10117 Berlin

Abg. Dr. Martin Sattelkau (CDU)

09.07.2026 15:00 Uhr - 16:00 Uhr
Wahlkreisbüro, Grünstraße 4, 12555 Berlin, nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter ‪030 46777767‬ oder per Mail an buero@martin-sattelkau.de

Die Stillkommission

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Die Nationale Stillkommission (NSK) am Max Rubner-Institut hat eine umfassende Aktualisierung der Definitionen zum Stillen und zur Ernährung mit Mutter- und Frauenmilch vorgelegt. Die Stellungnahme wurde von einem Expertenteam der Kommission erarbeitet. Ziel ist es, aktuelle internationale Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) präzise im deutschen Gesundheitssystem abzubilden und eine einheitliche Verwendung zu ermöglichen.


Präzise Differenzierung für Wissenschaft und Praxis
Die Neufassung berücksichtigt sowohl etablierte Definitionen wissenschaftlicher Studien als auch die WHO-Vorgaben.

Die Kern-Kategorien im Überblick:
• Ausschließliches Stillen: Ernährung ausschließlich mit Mutter- oder Frauenmilch.

Ausgenommen sind
nur Medikamente und Supplemente. Es wird nicht zwischen Brust und Flasche unterschieden.

• Ausschließliche Muttermilchernährung: Das Kind erhält ausschließlich Milch der eigenen Mutter (an der Brust oder gefüttert).

• Frauenmilchernährung: Die Ernährung mit Milch von anderen Frauen (Spendermilch).

• Überwiegendes Stillen: Die Hauptnahrungsquelle ist Mutter- oder Frauenmilch. Wasser oder Tee werden nur gelegentlich gegeben. Beikost oder Muttermilchersatznahrung sind ausgeschlossen.

• Volles Stillen: Wissenschaftliche Sammelbezeichnung für ausschließlich und vorwiegend gestillte Kinder.

• Teilstillen: Das Kind erhält Mutter- oder Frauenmilch und zusätzlich Säuglingsanfangsnahrung (Formula) oder Beikost.

Bedeutung für das Gesundheitssystem
Mit dieser Standardisierung schafft die Nationale Stillkommission eine verlässliche Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten im Bereich der Stillforschung sowie die pädiatrische Praxis und Stillberatung. Die prä-zisen Begrifflichkeiten ermöglichen eine bessere Vergleichbarkeit von Daten und unterstützen eine gezielte
Förderung der Säuglingsgesundheit in Deutschland.

Die Nationale Stillkommission ist ein unabhängiges, interdisziplinäres Expertengremium, das wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Stillen und Muttermilchernährung zusammenführt und bewertet. Sie berät Politik, Fachkreise und Institutionen mit evidenzbasierten Stellungnahmen. Die Kommission analysiert Rahmenbedingungen des Stillens und entwickelt fachliche Stellungnahmen und praxisnahe Empfehlungen. So trägt sie dazu bei, Wissen und Forschungsergebnisse wirksam umzusetzen und die Gesundheit von Müttern und Säuglingen zu fördern. Sitz der Nationalen Stillkommission ist am Max Rubner-Institut

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Iris Lehmann
Prof. Dr. Regina Ensenauer
Telefon: ‪+49 721 6625‬ – 617
stillkommission@mri.bund.de
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.mri.bund.de/de/nationale-stillkommission

Depressionen

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- Neue Studie zeigt wachsende psychische Belastungen bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte -

Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter in Deutschland sind gegenüber gesellschaftlichen Krisen nicht dauerhaft widerstandsfähig. Eine neue Studie auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigt: Während frühere Krisen nur vorübergehende oder geringe Spuren im psychosozialen Wohlbefinden hinterließen, haben sich zentrale Wohlbefindensindikatoren seit 2021 deutlich verschlechtert.


Untersucht wurden depressive Symptome, Lebenszufriedenheit und Einsamkeit bei Menschen ab 40 Jahren in Deutschland. Zwischen 2014 und 2017 blieben diese Indikatoren weitgehend stabil. Auch nach der ersten Phase der COVID-19-Pandemie zeigten sich Hinweise auf eine Erholung: Einsamkeit und depressive Symptome stiegen zunächst an, näherten sich 2021 aber wieder dem Ausgangsniveau an.

Seit 2021 zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Lebenszufriedenheit sank, Einsamkeit nahm wieder zu, und depressive Symptome stiegen deutlich an. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Jahr 2024: Der Anstieg depressiver Symptome fiel hier stärker aus als in den Jahren zuvor.

Die Studie ordnet diese Entwicklung in den Kontext der sogenannten Polykrise ein. Anders als bei zeitlich begrenzten Einzelkrisen geht es dabei um die anhaltende Überlagerung mehrerer gesellschaftlicher Belastungen: der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Energieunsicherheit, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und politische Polarisierung. Solche Belastungen bleiben nicht auf Politik und Wirtschaft beschränkt. Sie können den Alltag vieler Menschen prägen, Zukunftssorgen verstärken und psychische wie soziale Bewältigungsressourcen beanspruchen.

„Die Polykrise ist nicht nur eine Abfolge politischer und wirtschaftlicher Probleme. Sie kann zu einer dauerhaften Belastung des Alltags werden“, sagt Erstautor Oliver Huxhold. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Dauerbelastung inzwischen auch im psychosozialen Wohlbefinden sichtbar wird. Das ist gesellschaftlich bedeutsam: Wenn depressive Symptome zunehmen, Lebenszufriedenheit sinkt und Einsamkeit wächst, betrifft das nicht nur einzelne Personen. Es kann auch soziale Teilhabe, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen.“

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Dr. Oliver Huxhold: https://www.dza.de/ueber-uns/mitarbeiterinnen/profilseite/huxhold-oliver

Originalpublikation:
Huxhold, O., Klasen, L. J., Bünning, M., Gerstorf, D., Kelle, N. (2026). Psychosocial Trajectories in Germany Across a Decade of Societal Crises. The Journals of Gerontology, Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, https://doi.org/10.1093/geronb/gbag125

Die Paartherapie

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Ein dichtes Beratungsnetz und messbare Erfolge – und doch bleibt die Paartherapie in der Realität hinter den Idealwerten klinischer Studien zurück. Eine neue Studienreihe aus Deutschland und der Schweiz untersucht das Phänomen der Wirksamkeitslücke.

Die Hilfe wäre da. Wer in Deutschland oder der Schweiz an seiner Beziehung verzweifelt, fällt in ein dichtes, oft sogar kostenloses Netz aus kirchlichen Beratungsstellen und Privatpraxen. Im internationalen Vergleich ist diese Infrastruktur Luxus.

Was genau hinter den verschlossenen Türen der Therapieräume passiert, war hierzulande trotzdem lange eine Blackbox. Der Psychologe und Psychotherapeut Prof. Christian Roesler von der Katholischen Hochschule Freiburg hat sie mit einer Reihe von vier unabhängigen Praxisstudien geöffnet.

Seine Bilanz rüttelt an einem Dogma der Therapiewelt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Paartherapie im realen Versorgungssystem wirksam ist, aber ihre Wirkung im Alltag durch die Lebensrealität der Paare begrenzt wird.“

Magerkost: 15 Stunden für die Liebe
Das Problem beginnt lange vor dem ersten Termin. Eigentlich ist die Sehnsucht groß: Eine langfristige, feste Partnerschaft gilt der jüngeren Generation nach wie vor als eines der wichtigsten Lebensziele überhaupt. Doch die Heiratsquoten sinken rasant – oft aus der diffusen Befürchtung heraus, den gigantischen Ansprüchen einer modernen Ehe ohnehin nicht gerecht werden zu können.

Viele Paare jagen einem unreflektierten, hochromantischen Ideal hinterher und landen unvorbereitet in der ersten harten Krise. Dazu kommt ein banales, aber erdrückendes Zeitproblem: Die Paare in den Studien verbrachten im Schnitt gerade einmal 15 bis 17 Stunden Freizeit pro Woche miteinander.
Zum Vergleich: In der glücklichen Allgemeinbevölkerung liegt dieser Wert mit über 32 Stunden exakt doppelt so hoch.

Man verliert sich schlicht zwischen Job und Alltag.
„Besonders entscheidend ist, dass viele Paare erst sehr spät in die Beratung kommen, wenn sich Konflikte bereits über Jahre verfestigt haben und die Beziehung stark belastet ist“, erklärt Roesler.
Genau an dieser entscheidenden Schnittstelle hat der Freiburger Forscher praxisnahe Konsequenzen aus seinen Erkenntnissen gezogen: Um Paare zu erreichen, bevor das Fundament Risse bekommt, hat Roesler wissenschaftlich an der Entwicklung des Lotsenportals (www.lotsenportal.de) mitgewirkt.
Die Plattform bietet einen fundierten, kostenfreien Fragebogen, mit dem Paare ihre Beziehungsqualität frühzeitig und anonym selbst einschätzen können, um bei Bedarf gezielt zu passenden Unterstützungsangeboten gelotst zu werden. Denn wer zu lange wartet, macht den zerrütteten Küchentisch irgendwann zum Fall für das Gesundheitssystem.
Das Risiko, nach einer Trennung an einer Depression zu erkranken, schnellt statistisch um 188 Prozent in die Höhe. Der geschätzte volkswirtschaftliche Schaden allein für Deutschland: rund 28 Milliarden Euro jährlich.

Das Labor versus die Realität
Wer es endlich in den Therapieraum schafft, bringt meist eine Partnerschaft im Endstadium mit. Die Messungen bei Therapiebeginn zeigen eine Beziehungsunzufriedenheit weit jenseits der Norm.
Bisher sonnte sich die Zunft vor allem im Glanz kontrollierter, randomisierter Studien (RCTs). Unter diesen künstlich optimierten Laborbedingungen, mit handverlesenen Klienten und strengen Manualen, erzielt Paartherapie hervorragende Effektstärken von d = 0,8.
Doch Roeslers Auswertung der realen Praxislandschaft (von Tiefenpsychologie über Systemische Therapie bis hin zu emotionsfokussierten Ansätzen) holt die Theorie auf den Boden der Tatsachen zurück. Im echten Leben bewegen sich die Effektstärken bei d = 0,36 bis 0,44. Die Therapie hilft, aber eben unter anderen Bedingungen als im Labor.

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass weniger als 40 Prozent der Paare eine deutlich verbesserte Beziehungssituation erreichen. „Wir sehen über alle Studien hinweg, dass etwa die Hälfte der Paare die Therapie vorzeitig beendet. Das beeinflusst die Ergebnisse erheblich und gehört zur Realität der Versorgung“, so Roesler.
In der Praxis muss ein vorzeitiger Abbruch zwar nicht immer ein Scheitern sein – oft gehen die Paare einfach nach Hause, weil das akuteste Problem gelöst ist, für die langfristige Erfolgsstatistik der Forscher ist es dennoch ein Dämpfer.

Der Grund für die Zahlen liegt in der Härte des Alltags. Im Gegensatz zu den glatten Teilnehmerlisten der Laborstudien bringen reale Klienten handfeste Krisen, tiefe Trennungsambivalenzen und chronisch unsichere Bindungsmuster mit. Fast die Hälfte der deutschen Klienten hat zudem bereits eine eigene, individuelle Paartherapie hinter sich.

Neue Wege in der Praxis
Versagen die etablierten Angebote also? Nein. Die Studien belegen, dass Paartherapie über alle vier Settings hinweg signifikant wirkt. Sie stößt lediglich an eine empirische Obergrenze, die man ganz ähnlich auch aus der Einzeltherapie kennt. Bemerkenswert ist dabei ein Nebeneffekt der Daten: Fast die Hälfte der Menschen, die Hilfe bei den kirchlichen Beratungsstellen suchten, sind konfessionslos. Das Vertrauen in die Professionalität der Institutionen ist vom Glauben entkoppelt.

Um die Wirksamkeit im Alltag weiter zu stärken, lenkt die Studienreihe den Blick auf die Emotionsfokussierte Paartherapie (EFT). Weil diese Methode im internationalen Vergleich stabilere Raten erzielt, indem sie an den tiefen Bindungsängsten statt an reinen Kommunikationstipps ansetzt, soll sie im deutschsprachigen Raum intensiver genutzt und erforscht werden. Mehr Sitzungsstunden oder Ratschläge vom Reißbrett helfen nicht weiter.

„Entscheidend ist am Ende weniger die Frage, ob Paartherapie wirkt, sondern unter welchen Bedingungen sie wirkt – und wie wir Paare früher erreichen können“, fasst Roesler zusammen.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Roesler
‪+49 761 200-1575‬
christian.roesler@kh-freiburg.de

Kasuistik: Management des Gewicht von Patienten

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Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim zum Gewichtsmanagement bei Menschen mit Übergewicht offenbart eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Versorgung und dem, was die Betroffenen angeben.

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas. Sie leben damit mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen. Um Gewicht erfolgreich zu reduzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Behandlungsangebote: Die aktuellen Leitlinien für die Behandlung von Adipositas empfehlen im ersten Schritt strukturierte, multimodale Verhaltensprogramme, die sich aus den Bausteinen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen zusammensetzen. Als zusätzliche Optionen können Medikamente in Betracht kommen und bei starkem Übergewicht auch eine (bariatrische) Operation, durch die die Nahrungsaufnahme eingeschränkt wird.

Der Zugang zu diesen Behandlungen scheint jedoch in der Praxis nicht ganz einfach. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist uneinheitlich. Und offenbar wissen viele Menschen auch gar nicht, welche Arten von Unterstützung ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. So die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Leitung: Prof. Dr. Falko Sniehotta) durchgeführt haben.

Um zu erfahren, wie Gewichtsmanagement in Deutschland tatsächlich umgesetzt wird und wo mögliche Versorgungslücken bestehen, führten sie eine Online-Befragung von mehr als 2.000 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas durch. Dabei zeigte sich eine deutliche Lücke zwischen der empfohlenen Behandlung von Übergewicht und der Inanspruchnahme dieser Leistungen durch die Betroffenen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie wurden gefragt, welche Angebote zur Unterstützung beim Gewichtsmanagement sie kennen, welche sie bereits genutzt haben, welche sie künftig ausprobieren würden und welche Hindernisse einer Nutzung entgegenstehen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zwar haben rund 85 Prozent der Befragten bereits versucht, ihr Gewicht zu reduzieren – davon allerdings drei von vier ohne professionelle Unterstützung. Trotz deutlichen Übergewichts hatte weniger als die Hälfte der Befragten ein Gespräch mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin über Optionen des Gewichtsmanagements. Und nur 7,8 Prozent der Befragten hatten bereits an einem verhaltensbasierten Programm, einschließlich digitaler Gesundheitsanwendungen („DiGAs“), teilgenommen. Lediglich 6,2 Prozent der Befragten hatten Medikamente zur Behandlung von Adipositas genutzt.

Bei der Befragung zeigte sich, dass Bekanntheit und Interesse sich deutlich zwischen den verschiedenen Behandlungsoptionen unterscheiden. Besonders auffällig war dies bei digitalen Gesundheitsanwendungen („DiGAs“). Obwohl sie die einzige Behandlungsoption sind, deren Kosten von den Krankenkassen regelmäßig übernommen werden, kannten nur 19 Prozent der Teilnehmenden diese Angebote. Aber mehr als doppelt so viele (39,1 Prozent) zeigten bei der Befragung Interesse daran, eine solche Anwendung auszuprobieren.

Zu den am häufigsten genannten Hindernissen für die Nutzung der verschiedenen Behandlungsangebote gehörten mangelnde Kenntnis der verfügbaren Optionen, Zweifel an deren langfristiger Wirksamkeit sowie die Einschätzung, Unterstützung noch nicht dringend genug zu benötigen.

„Um den wachsenden Adipositasraten wirksam zu begegnen, müssen künftig sowohl die Verfügbarkeit als auch der Zugang zu evidenzbasierten Behandlungsangeboten verbessert und die Vermittlung der Betroffenen in entsprechende Programme gestärkt werden“, so das Fazit der Erstautorin der Studie, Dr. Laura Kudlek.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Laura Kudlek
Universitätsmedizin Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Röntgenstr. 7, 68167 Mannheim
laura.kudlek@medma.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:
Laura Kudlek; Hannah Z. Hennig; Hannah Haumann; Falko F. Sniehotta
Weight Management and Healthcare Utilization among Adults with Overweight and Obesity in Germany: A Representative Survey of General Practitioner Consultations and Digital and Pharmacological Treatment
Obesity Facts (2026)
https://doi.org/10.1159/000552226

Therapie von Rückenschmerzen

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Internationale Studie zeigt Grenzen konservativer Behandlungen auf.

Eine großangelegte Analyse eines internationalen Forscherteams geführt von der Hochschule Bochum zeigt: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Bewegungstherapie oder Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen können Beschwerden zwar lindern – allerdings meist nur für wenige Wochen. Langfristig bleiben für Patient*innen relevante Verbesserungen aus.
Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Belavy (Hochschule Bochum) gemeinsam mit Partnern unter anderem aus Australien, Großbritannien und China durchgeführt und am 30. Juni 2026 im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht.
Kurzfristige Effekte – aber keine nachhaltige Wirkung
Die Forschenden werteten Daten aus 551 randomisierten Studien mit über 71.000 Patientinnen und Patienten aus. Untersucht wurden zahlreiche konservative Therapien, darunter Bewegungstraining, manuelle Therapie, Akupunktur, psychologische Ansätze und medikamentöse Behandlungen.
Das zentrale Ergebnis: Viele dieser Behandlungen führen zu einer spürbaren Verbesserung von Schmerzen und Funktion – allerdings vor allem kurzfristig, in einem Zeitraum von etwa 10 bis 12 Wochen. „Wir sehen, dass verschiedene Therapieformen durchaus wirken – aber dieser Effekt hält in der Regel nicht lange an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Bochum. Nach etwa einem Jahr zeigten sich keine klinisch relevanten Vorteile mehr, auch wenn einzelne Effekte statistisch noch nachweisbar waren.
Aktiv oder passiv? Unterschied geringer als gedacht
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Aktive Therapien wie beispielsweise Bewegungstherapie und passive Behandlungen wie manuelle Therapie oder Massage sind in ihrer Wirkung ähnlich. Das widerspricht teilweise verbreiteten Annahmen in der Versorgung. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavy. „Stattdessen brauchen wir im deutschen Gesundheitssystem Strategien, die Menschen dazu befähigen, ihre Schmerzen langfristig selbst zu bewältigen.“
„Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine Ursache, sondern mehrere, weiß der Rückenschmerzexperte. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden, so Belavy. „Wir wissen aus anderer Forschung, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund brauchen wir Ansätze, die Patient*innen mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei helfen, sich selbst besser zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching.“
Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt solche Ansätze bisher noch nicht ausreichend“, so Belavy. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“
Herausforderungen der bestehenden Studien
Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die untersuchten Studien zeigten deutliche Unterschiede in der Durchführung der einzelnen Behandlungsformen und wie sehr Patient*innen davon profitierten. „Dies spiegelt jedoch auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis - und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen,“ kommentierte Prof. Belavy. Zukünftige Studien sollten stärker auf langfristige Wirksamkeit, Selbstmanagement, Patientenbeteiligung und Lebensstilveränderungen ausgerichtet sein, so die Forschenden.

Betroffene gesucht
Begleitend zur aktuellen Forschung untersucht die Hochschule Bochum in einer randomisierten Pilotstudie, wie viel Bewegungstraining tatsächlich notwendig ist, um chronische unspezifische Rückenschmerzen wirksam zu lindern. Für die laufende Studie werden aktuell noch Patient*innen mit chronischen Rückenschmerzen gesucht. Interessierte können durch ihre Teilnahme dazu beitragen, zukünftige Therapieangebote gezielter, individueller und wirksamer zu gestalten. Im Rahmen der Studie absolvieren die Teilnehmenden ein sechs­wöchiges betreutes Bewegungstraining.

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Prof. Dr. Daniel Belavy daniel.belavy@hs-bochum.de, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften

Originalpublikation:
https://bmjmedicine.bmj.com/content/5/1/e001908

Klima und Wetter

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Pilotstudie PULS! startet an der Medizinischen Fakultät Mannheim und will genau das herausfinden.

Temperaturen von über 35 Grad, tropische Nächte und Warnungen vor gesundheitlichen Belastungen: Aktuell stellen die hohen Temperaturen viele Menschen im Alltag und am Arbeitsplatz nicht nur vor besondere Herausforderungen, sondern können sich auch auf ihre körperliche, mentale und soziale Gesundheit auswirken.

Wie erleben Menschen solche und andere Krisen? PULS! ist eine Pilotstudie in Baden-Württemberg, die erstmals in Echtzeit untersucht, wie es Menschen in Krisensituationen wie Hitzewellen, Naturkatastrophen oder Pandemien geht, was die Krise für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen bedeutet und was sie benötigen, um diese gut zu bewältigen.

“Angesichts der Vielzahl potenzieller Krisenereignisse, die die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung beeinflussen können, besteht ein wichtiger Bedarf, die gesundheitlichen Auswirkungen und die Erfahrungen der Bevölkerung zeitnah zu erfassen”, sagt Professor Dr. Falko Sniehotta, Leiter der Abteilung Public Health, Sozial- und Präventivmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

Um diese Lücke zu adressieren und die Vorbereitung auf zukünftige Krisensituationen zu verbessern, wurde die PULS! Studie initiiert.

Mit PULS! möchten wir erfassen, wie Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten Krisen, beispielsweise Hitzewellen, erleben und von welchen körperlichen, mentalen und sozialen Auswirkungen sie kurz- und langfristig betroffen sind.

Der Kooperationspartner bei dieser Studie, Data4Life, entwickelt Open-Science Lösungen für Gesundheitsdaten und unterstützt damit die Wissenschaft, die pharmazeutische Forschung sowie globale Gesundheitsbehörden bei Forschungsprojekten. Die Befragung der Studienteilnehmenden erfolgt ausschließlich über die von Data4Life entwickelte D4L Collect App.

Über das Smartphone werden bei Krisenereignissen kurzfristig Fragebögen an die Teilnehmenden versendet und erstmals Daten zu gesundheitlichen Auswirkungen und zum Wohlergehen der Bevölkerung in Echtzeit erhoben. Ergänzend erfassen vierteljährliche Befragungen über zwei Jahre auch längerfristige Entwicklungen.

Mit diesem Design nimmt die PULS! Studie eine Vorreiterrolle ein. Sie trägt damit zur Verbesserung der Datengrundlage für gezielte Interventionsmöglichkeiten im Krisenfall und die Planung frühzeitiger Präventionsmaßnahmen bei.

“Mit PULS! schaffen wir eine Plattform, die es uns ermöglicht, mit den Menschen im Land im Austausch zu bleiben. Wenn wir die gesundheitlichen Auswirkungen von Krisen und die Bedarfe in der Bevölkerung besser verstehen, können wir Wege finden, um zukünftig besser durch Krisen zu kommen”, so Professor Sniehotta.

Die PULS! Studie startet nun in Baden-Württemberg. Einige Personen, die sich zuvor zur Teilnahme an Gesundheitsstudien bereiterklärt hatten, erhalten eine Einladung per E-Mail. Zudem sind Bürgerinnen und Bürger, die Interesse an einer Teilnahme haben, herzlich eingeladen, sich per E-Mail an das Studienteam zu wenden. Jede Teilnahme trägt dazu bei, die Bedürfnisse, Sorgen und Herausforderungen der Bevölkerung frühzeitig sichtbar zu machen. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, Krisen und gesellschaftliche Herausforderungen in Baden-Württemberg besser zu verstehen und wirksamer zu bewältigen.

Kontakt für Rückfragen zur Studie: puls@medma.uni-heidelberg.de
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Kontakt für Rückfragen zur Studie
Dr. Anna Kaiser
Public Health, Sozial- und Präventivmedizin
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
puls@medma.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen finden Sie unter
weitere Informationen zur Studie

Herzschlag

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Unser Herz muss nach jedem Schlag blitzschnell in seine Form zurückkehren. Doch was passiert, wenn die elastischen „Federn“ im Herzen versagen? Ein Forschungsteam der Uni Münster hat herausgefunden, dass das Herz dabei auf das Strukturprotein Titin angewiesen ist. Werden diese Fasern beschädigt, kann das Herz nicht mehr nach jedem Schlag in seine Ausgangsform zurückkehren, was zu gestörter Herzfüllung, Herzschwäche und einer raschen Gewebevernarbung führt. Die Studie erschien nun in der Fachzeitschrift „Nature Cardiovascular Research“.

Das Herz ist ein richtiger „Workaholic“: Rund ‪100.000‬ Mal schlägt es am Tag und muss sich nach jeder Kontraktion wieder vollständig mit Blut füllen – dafür benötigt es nicht nur Kraft, sondern auch Elastizität. Ein Forschungsteam der Universität Münster konnte nun zeigen, dass das Herz dabei entscheidend auf das Strukturprotein Titin angewiesen ist: Werden die elastischen Titin-Fasern beschädigt oder gespalten, kann das Herz nicht mehr nach jedem Schlag in seine Ausgangsform zurückkehren. Die Folgen sind eine gestörte Herzfüllung, Herzschwäche und eine rasch einsetzende Vernarbung des Herzgewebes. Die Studie erschien nun in der Fachzeitschrift „Nature Cardiovascular Research“.

Titin ist das größte bekannte Protein des menschlichen Körpers. Im Herzen wirkt es wie eine molekulare Sprungfeder, indem es die Muskelfasern sowohl beim Erschlaffen als auch bei der Kontraktion zusammenhält. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Titin zur passiven Steifigkeit des Herzmuskels beiträgt – diese Eigenschaft ist entscheidend, damit das Herz in seine Ausgangsform zurückkehren kann, nachdem es Blut in den Körperkreislauf gepumpt hat. Bei verschiedenen Herzerkrankungen wird das Protein jedoch teilweise durch Enzyme gespalten. „Bislang war unklar, welche Folgen diese Fragmentierung tatsächlich für die Herzfunktion hat“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Wolfgang Linke vom Institut für Physiologie II. „Lange Zeit wurde angenommen, dass die Spaltung von Titin vor allem ein Zeichen für Gewebeschädigung ist. Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass die Spaltung selbst aktiv zur Krankheitsentstehung beitragen kann.“

Für die Studie entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Mausmodell, in dem Titin gezielt an einer Stelle gespalten werden kann, die auch bei menschlichen Herzerkrankungen häufig betroffen ist. Erwartet wurde, dass der Herzmuskel dadurch weicher wird und sich die Herzkammern erweitern – doch das Gegenteil trat ein: Die linke Herzkammer wurde kleiner und konnte sich nach jedem Herzschlag nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. Obwohl die Pumpkraft zunächst weitgehend erhalten blieb, entwickelte sich eine Form der Herzschwäche mit vermindertem Herzzeitvolumen.

Den Grund hierfür zeigten Messungen einzelner Herzmuskelzellen: Nach der Kontraktion konnten die verkürzten Muskelfasern nicht mehr vollständig in ihre Ausgangslänge zurückkehren. Das Herz verlor also einen wesentlichen Teil seiner elastischen Rückstellkraft. Die Forschenden beobachteten außerdem, dass die Titin-Spaltung die mechanische Vernetzung innerhalb des Herzmuskels beeinträchtigt: Verbindungen zwischen den für die Kontraktion verantwortlichen Strukturen der Herzmuskelzellen, den Zellkontakten und der umgebenden Gewebematrix wurden gestört.

„Die Ergebnisse verändern das Verständnis der Herzmechanik grundlegend“, resümiert Wolfgang Linke. „Titin begrenzt nicht nur die Dehnung des Herzmuskels, sondern sorgt aktiv dafür, dass das Herz nach jeder Kontraktion elastisch in seinen Ausgangszustand zurückkehrt. Der Verlust von Titin-Elastizität hat demnach weitreichende Folgen für die mechanische Homöostase, also das Zusammenspiel der verschiedenen Mechanismen des Herzens.“ Künftig will das Team untersuchen, ob ähnliche Mechanismen auch bei menschlichen Herzerkrankungen eine Rolle spielen und wie sich die daraus resultierende Vernarbung therapeutisch verhindern lässt.



MaAB -Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT

Dr. Kathrin Kottke
Prof. Dr. Wolfgang Linke
Institut für Physiologie II / Universität Münster
Telefon: 0251 / 83-55328
E-Mail: wlinke@uni-muenster.de

Originalpublikation:
Freundt, J.K., Hartmann, P., Loescher, C.M. et al. Selective titin cleavage disrupts cardiac mechanical homeostasis to drive heart failure and fibrosis. Nat Cardiovasc Res 5, 572–587 (2026). https://doi.org/10.1038/s44161-026-00829-z

Die Dissertation „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016 – 2021

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Dr. Marlene Sattler hat den Diskurs über tödliche Verkehrskollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin untersucht

Wie wird über Menschen gesprochen, die im Berliner Straßenverkehr beim Radfahren getötet wurden? Und welche Rolle spielt Sprache dabei, ob solche Todesfälle als tragische Einzelfälle erscheinen oder als vermeidbare Folgen von Infrastruktur, Verkehrsplanung und politischen Entscheidungen? Diesen Fragen ist Dr. Marlene Sattler in ihrer Dissertation am Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden der TU Berlin nachgegangen. Über ihre Forschung spricht sie in einem Interview.

Unter dem Titel „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016–2021“ analysierte Sattler Polizeimeldungen, Pressemitteilungen von Changing Cities e.V. sowie Artikel Berliner Tageszeitungen. Im Mittelpunkt standen 61 Todesfälle von Radfahrer*innen in Berlin. Ihre Forschung zeigt: Die Art, wie über tödliche Kollisionen gesprochen und geschrieben wird, prägt maßgeblich, ob sie als schicksalhafte Einzelereignisse oder als vermeidbare Folgen politischer und planerischer Entscheidungen verstanden werden.

Zwei Deutungsmuster: Schicksal oder Verantwortung

Sattler unterscheidet zwei zentrale Deutungsmuster: eine „Schicksals-Diskurskoalition“, in der tödliche Kollisionen vor allem als Unfälle oder Unglücke erscheinen, und eine „Verantwortlichkeits-Diskurskoalition“, die Infrastruktur, Verkehrsplanung, politische Prioritäten und die Vision Zero in den Blick nimmt. Gerade Polizeimeldungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie häufig die Grundlage journalistischer Berichterstattung bilden.

„Sprache ist nicht neutral“, sagt Dr. Marlene Sattler. „Wenn unklar bleibt, wer gehandelt hat, welche Infrastruktur vorhanden war oder welche politischen Entscheidungen eine Situation ermöglicht haben, verschwinden Verantwortlichkeiten aus dem Blick.“ Ihre Forschung macht deutlich: Wer Verkehrssicherheit ernst nimmt, muss tödliche Kollisionen nicht nur anders verhindern, sondern auch anders erzählen.

Im Interview spricht Dr. Marlene Sattler über ihre Dissertation, über problematische Begriffe wie „Unfall“, die Rolle von Polizei, Medien und Changing Cities sowie darüber, warum die Vision Zero konsequent umgesetzt werden muss.

Das vollständige Interview „Es geht um Leben und Tod“ mit Dr. Marlene Sattler ist online abrufbar.

Die Dissertation „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016 – 2021“ ist ebenfalls online abrufbar.

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Stefanie Terb 
Dr. Marlene Sattler
Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden
Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften
E-Mail: marlene.sattler@tu-berlin.de