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Prostatakarzinom: Möglichkeit, das Therapieregime umzustellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Strahlentherapie zu Zeiten von Corona? Empfohlen wird eine individuelle Risikoabwägung

Krebspatienten sind vermutlich anfälliger für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung und haben daher Angst vor einer Ansteckung während einer onkologischen Behandlung. 

Demgegenüber steht das Risiko, die Chance auf Heilung zu verspielen, wenn man onkologische Behandlungen über Wochen oder gar Monate hinausschiebt. 

Grundsätzlich sollte nach Ansicht der DEGRO die Versorgung von Krebspatienten mit notwendigen, unter Umständen lebensrettenden Therapien aufrechterhalten werden. 

In einigen Fällen kann aber überlegt werden, durch Änderung der Fraktionierung oder Verkürzung der Therapie die Zahl der Sitzungen zu reduzieren

Wichtig ist, eine individuelle Risikobewertung vorzunehmen. 
 
Viele Krebspatienten sind in Zeiten der Corona-Krise stark verunsichert. Zu Recht hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appeliert, nicht notwendige medizinische Eingriffe und elektive Therapien nach Möglichkeit zu verschieben. Aber Patienten, die eine onkologische Behandlung wie z.B. eine Operation, medikamentöse Tumortherapie oder Strahlentherapie erhalten, können dies nicht ohne Weiteres tun:

Eine Krebstherapie abzubrechen oder aufzuschieben, kann u.U. bedeuten, einen Rückfall der Tumorerkrankung zu riskieren. Auch sind die Sorgen der Patienten im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie und eine mögliche Infektion durchaus berechtigt.  

Das Virus löst die Erkrankung Covid-19 aus, die bei Menschen mit Vorerkrankungen, also auch Krebspatienten, häufiger einen schweren Verlauf nimmt.

„Dennoch dürfen Patientinnen und Patienten nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Bei allem Verständnis für die Sorge vor Ansteckung muss eine kühle Risikoabwägung zusammen mit dem behandelnden Radioonkologen erfolgen. Die onkologische Versorgung hat eine hohe Priorität und zählt prinzipiell nicht zu den elektiven Eingriffen. Eine auf Heilung ausgerichtete onkologische Therapie lässt sich bis auf wenige Ausnahmen nicht um mehrere Wochen oder gar Monate verschieben“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).
  • Manchmal gäbe es aber die Möglichkeit, das Therapieregime umzustellen. 
  • Beispielsweise sei es bei Patienten mit Prostatakarzinom möglich, eine medikamentöse Hormontherapie vorzuschalten und den Tumor dann erst später zu bestrahlen. 

Die veränderte Therapiereihenfolge führe nicht zu Überlebenseinbußen und könne in der jetzigen Situation sinnvoll sein, damit die Patienten seltener zur Behandlung gehen müssen. 

Eine zweite Möglichkeit ist, das sogenannte Fraktionierungsschema zu ändern: 

Statt häufiger mit geringeren Dosen zu bestrahlen, könne die Strahlentherapie auch mit weniger Sitzungen, aber höheren Dosen erfolgen.
„Bei der Tumorbekämpfung kommt es am Ende auf die verabreichte Gesamtdosis an“, so die Expertin.

Gibt es die Möglichkeit einer Therapieumstellung oder veränderten Fraktionierung nicht, rät die DEGRO dazu, die Strahlentherapie zwar weiter fortzusetzen, aber erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. 

  „Die Strahlentherapie selbst ist nicht mit einem Ansteckungsrisiko behaftet, das Material und die Liegen werden desinfiziert und das medizinische Fachpersonal arbeitet nach höchsten Hygienestandards.“


Wichtig sei, dass die Empfehlungen des RKI und der lokalen Hygienekommissionen befolgt werden, z.B. dass die Patienten den notwendigen Abstand von 1,5-2 m zu anderen Menschen einhalten, die Händehygiene ernst genommen wird. Desinfektionsspender befinden sich in fast allen Wartebereichen und Fluren onkologischer Einwichtungen. Auch kann es unter Umständen sinnvoll sein, dass die Patienten Schutzmasken tragen. Selbstredend sei, dass gerade Krebspatienten physische Kontakte mit anderen Personen möglichst ganz meiden und auch außerhalb der onkologischen Praxis oder Klinik keinerlei Risiken eingehen sollten, um sich selbst zu schützen. Bei Fieber, Husten grippeähnlichen Symptomen oder Kontakt mit einem Covid-19-Patienten sollte unbedingt telefonisch Kontakt mit dem betreuenden Arzt aufgenommen werden, damit dieser mit dem Patienten das weitere Vorgehen besprechen kann. Dabei steht der Schutz des Patienten, aber auch der Mitarbeiter im Vordergrund.

Selbst wenn ein Patienten positiv auf das Coronavirus getestet wurde, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Therapie sofort abgebrochen werden muss. Risiko und Nutzen müssten dann patientenindividuell abgewogen werden. Fragen, die in die Risikobewertung eingehen, sind, ob der Patient Covid-19-Symptome hat, wie lange er schon infiziert ist oder ob er am Anfang oder Ende der Strahlentherapie steht – oder ob die Krebstherapie das Ziel der Heilung oder Symptomlinderung verfolgt. Individuell muss dann über Veränderungen des Therapiekonzeptes (z.B. der Fraktionierung) nachgedacht werden, um eine Therapieverkürzung zu erreichen.

„Die notwendige Behandlung von Tumorpatienten sollte auch in den schweren Zeiten der Covid-19-Pandemie solange wie möglich aufrechterhalten werden.

Dabei stehen der Schutz des Patienten sowie der Mitarbeiter vor Ansteckung im Vordergrund; ressourcensparendes Vorgehen ist angezeigt, damit die freigesetzten Kräfte zur Behandlung von Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen.

Die lebensnotwendige Behandlung von Covid- und Tumorpatienten sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärt DEGRO-Präsident Prof. Rainer Fietkau, Erlangen. 

„Daher ist es wichtig, mit den Tumorpatienten über das Risiko einer Coronavirusinfektion zu sprechen, gemeinsam die bestmögliche Behandlung mit dem gleichzeitig geringsten Risiko auszuwählen und die Patienten umfassend über Hygienemaßnahmen und andere Sicherheitsvorkehrungen zu beraten.“

Radioonkologen stehen zur einer telefonischen Beratung bereit, aber auch persönliche Gespräche sollten weiter möglich sein.


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Radiochirurgie-Zentren: Präzisionsbestrahlung von Prostatakrebs - Prostatakarzinom

Medizin am Abend Berlin Fazit: Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet

Die aktuell von den Universitätskliniken Schleswig-Holstein (UKSH), Frankfurt (KGU), Rostock (UMR) und Greifswald (UMG) sowie den Saphir Radiochirurgie Zentren durchgeführte HYPOSTAT-Studie befasst sich als erste und bisher einzige Studie in Deutschland mit einer neuen Form der kurzzeitigen hochdosierten Strahlenchirurgie mithilfe eines seinen robotergestützten Linearbeschleunigers zur Radiochirurgie für die Behandlung von Prostatakarzinomen, dem sogenannten „CyberKnife“. 

Nun gibt es neue Ergebnisse, eine neue Förderung, neue Zentren und neue Einschlusskriterien mit jüngeren Patienten. 

 Das "Cyberknife" ist ein robotergestütztes Linearbeschleuniger-System zur Radiochirurgie.
Das "Cyberknife" ist ein robotergestütztes Linearbeschleuniger-System zur Radiochirurgie.
UKSH

Übersicht HYPOSTAT-Studie

 Übersicht HYPOSTAT-Studie UKSH


Im Rahmen der HYPOSTAT-Studie wird die Prostata mit dem CyberKnife mit besonderer Präzision bestrahlt und die Gesamtzahl der Einzelbestrahlungen auf fünf Sitzungen innerhalb ein bis zwei Wochen reduziert. 

Dabei ist die extrem hypofraktionierte Strahlenchirurgie beim Prostatakrebs kein neues Behandlungskonzept.

Bereits seit über 15 Jahren wird in den USA aktiv diese Behandlungstechnik geprüft, die auf der Annahme basiert, dass eine hochdosierte kurzzeitige Strahlentherapie für die Prostata biologisch vorteilhafter ist, als eine konventionelle fraktionierte Strahlentherapie. Diese Annahmen beruhen auch auf den guten Ergebnissen der Hochdosis-Brachytherapie aus dem UKSH, Campus Kiel, seit den 1990er-Jahren. Die Daten aus den USA werden regelmäßig publiziert und sind ebenfalls Grundlage der HYPOSTAT-Studie, besonders die Daten von Dr. Alan Katz aus New York, der als Berater der HYPOSTAT-Studie im November vergangenen Jahres zu Gast in Kiel und Frankfurt war.

Jüngst wurden nun zum ersten Mal auch direkte Vergleichsstudien zwischen CyberKnife-Strahlenchirurgie und konventionell fraktionierter Strahlentherapie publiziert. Die Daten aus Polen zeigten für die Strahlenchirurgie eine deutlich geringere Grad-2-Nebenwirkungsrate von 3-12 Prozent gegenüber 18-42 Prozent für die konventionelle Strahlentherapie.

Die Auswertung der Tumorkontrolle steht noch an, aber die biologische Strahlendosis in der Prostata war deutlich höher bei den strahlenchirurgischen Behandlungen. Die dadurch resultierenden höheren Tumorkontrollraten bestätigten sich bereits bei den ersten Auswertungen von 400 behandelten Patienten am CyberKnife in Polen. Die mediane Nachsorgezeit war mit 15 Monaten zwar noch kurz, aber die Tumorkontrollrate lag bei 97,75 Prozent mit nur einem Prozent lokaler Rezidiv-Rate in der Prostata.

  • Zudem konnte nachgewiesen werden, dass der PSA Verlauf nach Strahlenchirurgie mit zusätzlicher Hormontherapie sich nicht von dem ohne Hormontherapie unterscheidet, so dass auf eine zusätzliche Hormontherapie nach Strahlenchirurgie verzichtet werden kann.

„Die Daten aus Polen bestätigen unsere Annahmen und befürworten die HYPOSTAT-Studie umso mehr“, sagt Prof. Dr. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH und HYPOSTAT-Studienleiter. „Bislang waren alle Patienten sehr zufrieden und die Nebenwirkungen erwartungsgemäß gering, aber wir stehen im Vergleich zu anderen Ländern leider erst am Anfang“, so Prof. Dunst weiter. Die Studie wurde anfänglich durch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und die Saphir Radiochirurgie Zentren alleinig finanziert, jedoch konnte nun eine Förderung der Dr. Ruranski-Stiftung dazugewonnen werden. „Wir sind besonders froh über die Förderung, da wir dadurch mehr Möglichkeiten haben, die Studie weiter auszubauen. Erfreulich ist auch, dass die neue S3-Leitlinie für die Behandlung von Prostatatumoren die Erprobung der Strahlenchirurgie in klinischen Studien ausdrücklich empfiehlt“, erklärt Prof. Dunst.

Bislang war die HYPOSTAT-Studie nur für Patienten über 70 Jahre zugänglich, jedoch soll nun aufgrund der neuen Daten und dem Ende der großen PREFERE-Studie die Altersgrenze auf 60 Jahre reduziert werden. „Die Änderung der Einschlusskriterien wurde vor kurzem vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt“, so Dr. Oliver Blanck, Studienkoordination der HYPOSTAT-Studie. 

„Zudem haben wir die Studie für weitere Radiochirurgie-Zentren in München, Berlin und Köln geöffnet, um so die Prostata-Strahlenchirurgie in Deutschland flächendecken zu evaluieren“, so Dr. Blanck weiter.

Literatur:
Jiang P, Krockenberger K, Vonthein R, Tereszczuk J, Schreiber A, Liebau S, Huttenlocher S, Imhoff D, Balermpas P, Keller C, Dellas K, Baumann R, Rödel C, Hildebrandt G, Jünemann KP, Merseburger AS, Katz A, Ziegler A, Blanck O, Dunst J. Hypo-fractionated SBRT for localized prostate cancer: a German bi-center single treatment group feasibility trial. Radiat Oncol. 2017 Aug 18;12(1):138.

Miszczyk L, Namysł Kaletka A, Napieralska A, Woźniak G, Stąpór Fudzińska MA, Głowacki G, Tukiendorf A. Cyberknife Radioablation of Prostate Cancer – Preliminary Results for 400 Patients Asian Pac J Cancer Prev. 2017 Apr 1;18(4):1007-1013.

Głowacki G, Majewski W, Wojcieszek P, Grabinska K, Wozniak G, Miszczyk L. Ultrahypofractionated CyberKnifeTM based stereotactic radiotherapy versus conventional radiotherapy in patients with prostate cancer - acute toxicity evaluation in two phase II prospective studies. Neoplasma. 2017;64(4):599-604.


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Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Klinik für Strahlentherapie, Prof. Dr. Jürgen Dunst
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Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Mobil: 0173 4055 000,
E-Mail: oliver.grieve@uksh.de
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CAVE - Deine Mutti: Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hormontherapie doch besser als ihr Ruf? 

Trendwende in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden

Frauen mit Wechseljahresbeschwerden sollten häufiger eine maßgeschneiderte Hormontherapie erhalten. 

Experten räumen ein, dass eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko nicht generell erhöht. 

Lebensalter, Dauer und Dosierung, Gewicht und genetische Faktoren spielen eine wichtigere Rolle. 

Studienerkenntnisse, die das nahelegten, sind neu interpretiert worden. 

Lange hatten Frauen deshalb Angst vor einer Hormontherapie. 

Ärzte verordneten stattdessen Antidepressiva, Schlafmittel und „alternative Substanzen“, deren Wirksamkeit nicht durch Studien gesichert ist. 

Dies erklären Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologen (DGE) im Vorfeld des 2. Deutschen Hormontages. 
 
  • Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind nach der Pubertät die zweite hormonbewegte Phase im Leben einer Frau. 

„Häufig berichten Frauen von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen. 

 Noch viel gravierender sind jedoch Depressionen, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Muskel- und Gelenkschmerzen und eine insgesamt nachlassende Leistungsfähigkeit“, erklärt Dr. med. Cornelia Jaursch-Hancke, leitende Ärztin des Fachbereichs Endokrinologie/Diabetologie an der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden.

Diese Symptome ließen sich oft sehr gut mit einer Hormontherapie behandeln, so die Expertin. Bei Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen würden häufig Psychopharmaka verschrieben. „Anstatt die Ursache, also den Östrogenmangel, auszugleichen, bleibt die Behandlung auf der Symptomebene“, so Jaursch-Hancke.

  • Bei vielen Frauen gibt es Ängste bezüglich der Hormontherapie. 

Zurückzuführen sind diese auf Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2002 der Women's Health Initiative (WHI). Untersucht wurde damals, welche gesundheitlichen Auswirkungen eine Hormontherapie auf die Gesundheit der Frauen habe. Es nahmen insgesamt 16000 Frauen teil. Eine Hälfte erhielt eine Hormontherapie, die andere nicht. Nach fünf Jahren wurde die Studie abgebrochen wegen einer erhöhten Rate an Brustkrebs, Thrombosen, Schlaganfall und Herzinfarkten in der Studiengruppe, die Hormone erhalten hatte. 

 „Nicht bedacht wurde bei der Interpretation der Daten, dass das Durchschnittsalter der Frauen in dieser Studie mit 63 Jahren sehr viel höher lag, als bei Frauen im üblichen menopausalen Alter, also um die 50.

Zudem waren die Teilnehmerinnen im Durchschnitt fettleibig und hatten Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und erhöhten Blutdruck: Sie waren nicht gesund“, betont Jaursch-Hancke. Die bereits früh geäußerte Kritik am Studiendesign und den Ergebnissen ging allerdings unter. Medienberichte griffen die Daten auf und verbreiteten die Botschaft: Hormontherapie in den Wechseljahren sei gefährlich.

Die Verordnung von Hormonen ging nach Publikation der Studie um 80 Prozent zurück. „Dafür schnellte der Verbrauch von Antidepressiva, Schlafmitteln sowie einer Fülle nicht zugelassener alternativer Substanzen in die Höhe. Millionen von Frauen wurden eine sinnvolle und höchst effektive Behandlung von menopausalen Beschwerden vorenthalten“, bedauert Jaursch-Hancke. Neuere Studiendaten aus Dänemark und eine Re-Evaluation der jüngeren Frauen der WHI-Studie im Alter von 50 bis 60 Jahren zeigten nun, dass eine frühe Hormontherapie in der Menopause die Symptome nicht nur effektiv behandelt, sondern sich sogar günstig auf das Herz-Kreislauf-System und die Todesrate auswirkt.

Daneben scheint eine alleinige Östrogentherapie, die in der Regel aber nur Frauen erhalten, die keine Gebärmutter mehr haben, das Brustkrebsrisiko zu senken.

  • Bei Wechseljahresbeschwerden können manche Frauen auch von alternativen Methoden wie Qigong, Yoga oder Tai-Chi profitieren. Wenn der Leidensdruck jedoch hoch ist und die Lebensqualität in Mitleidenschaft gerät, sollten Frauen mit ihrem behandelnden Arzt über eine Hormontherapie sprechen, empfiehlt Jaursch-Hancke.

„Grundsätzlich hat eine Hormontherapie in der Menopause auch gut belegte positive Effekte auf den Knochen. 

Ob eine Frau aber von einer im 6. Lebensjahrzehnt durchgeführten Hormontherapie hinsichtlich der Erkrankung Osteoporose profitiert, die meist erst im Alter über 70 Bedeutung beginnt, ist nicht belegt und eher fraglich. 

Deshalb sollte man trotz all dieser gut belegten neuen Daten diese Therapie nicht wieder generell jeder Frau anbieten und beachten, dass viele Frauen auch ohne eine Hormontherapie gut und zufrieden diese Lebensphase erleben dürfen. 

Ca. 20 – 30 Prozent der Frauen haben aber tatsächlich stark den Tagesablauf beeinträchtigende Beschwerden. 

Diesen Frauen können wir jetzt wieder mit gutem Gewissen mit einer Hormontherapie helfen“, ergänzt Professor Dr. med. Sven Diederich, Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland und Vizepräsident der DGE aus Berlin. 

Risiken der Hormontherapie sollten nicht ignoriert werden, so gebe es beispielsweise ein gering erhöhtes Thromboserisiko unter der Hormontherapie, die sich durch eine geeignete Applikationsform zum Beispiel über die Haut minimieren lasse. 

Wichtig sei es, mit dem Arzt über die Dauer der Therapie zu sprechen. 

  • „Fünf Jahre Hormontherapie ist mit Blick auf mögliche Risiken die richtige Zeitspanne. 
  • Wichtig ist auch, dass man diese Therapie dann ausschleicht und die Patientin begleitet. 

Sonst sind die unangenehmen Beschwerden gleich wieder da, was dann zu einer dauerhaften Fortführung motivieren kann, was wir aber aufgrund der negativeren Datenlage bei längerer Therapie und über 60-jährigen Frauen vermeiden sollten “, erklärt Diederich. 

Das Risiko für Brustkrebs habe neben einer erblichen Veranlagung sehr viel mit Übergewicht und Bewegungsmangel zu tun. 

  • Darauf sollten Frauen achten und zudem die regelmäßigen Brustkrebsfrüherkennungs-Untersuchungen wahrnehmen.

Über die Trendwende im Umgang mit der Hormontherapie und weitere Themen diskutieren DGE-Experten auf der Konferenz der DGE am Mittwoch, den 13. September 2017 in Berlin.

Literatur:
Women's Health Initiative (WHI): https://www.whi.org/about/SitePages/About%20WHI.aspx
Schierbeck LL. et al.: Effect of hormone replacement therapy on cardiovascular events in recently postmenopausal women: randomized trial. In: BMJ 2012;345:e6409. doi: 10.1136/bmj.e6409
http://www.bmj.com/content/bmj/345/bmj.e6409.full.pdf
Manson, JE, Kaunitz, PH und Kaunitz, AM.: Menopause Management — Getting Clinical Care Back on Track. N Engl J Med 2016; 374:803-806. DOI: 10.1056/NEJMp1514242
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp1514242

Terminhinweise:
anlässlich des 2. Deutschen Hormontages am 16. September 2017 der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, 13.09.2017, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Haus der Bundespressekonferenz, Berlin, Raum: 4
Anschrift: Schiffbauerdamm40/Ecke Reinhardtstr. 55, 10117 Berlin

2. Deutscher Hormontag
am 16. September 2017
Weitere Informationen mit Hinweisen auf Veranstaltungen auf der Webseite der DGE: http://www.endokrinologie.net/hormontag-2017.php


Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. 

Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. 

Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.






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DGE Medienpreis 2017/2018:
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) schreibt zum zweiten Mal den DGE-Medienpreis für journalistische Beiträge zu Erkrankungen des Hormonsystems und Störungen des Stoffwechsels aus. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2018. Das Preisgeld beträgt 2.000 Euro. Der Medienpreis würdigt herausragende journalistische Arbeiten zu endokrinologischen Themen, die sorgfältig recherchiert, allgemeinverständlich formuliert sind und den Kriterien medizin-journalistischer Qualität entsprechen. Teilnehmen können Journalistinnen und Journalisten aus den Bereichen Text (Zeitungen, Zeitschriften, Internettexte), Fernsehen und Hörfunk. Die Beiträge werden bei der DGE-Pressestelle eingereicht. Nähere Informationen unter http://www.endokrinologie.net/medienpreis.php oder telefonisch unter 0711 8931-380.

Frauen und ihre Fernbeziehung - werden sie schwanger?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schwangerwerden trotz Fernbeziehung: Kinderwunsch durch hormonelle Steuerung erfüllen

Frauen, die in einer Fernbeziehung leben, haben es oft besonders schwer, schwanger zu werden. Denn fällt ihre kurze fruchtbare Phase mit dem monatlichen Eisprung nicht auf die mit dem Partner verbrachte Zeit – etwa das Wochenende –, sinkt ihre Aussicht, schwanger zu werden auf unter fünf Prozent. Mit welchen Möglichkeiten Endokrinologen Paaren heute helfen können, dennoch schwanger zu werden, diskutieren Experten auf der  der DACH-Tagung am 26. Mai 2016 in München. 
 
Bei jedem fünften Paar in Deutschland klappt es nicht mit dem Schwangerwerden.

  • Dies liegt zum einen an organischen Ursachen wie geringer Spermienqualität beim Mann, seltenen bis ausbleibenden Eisprüngen bei der Frau oder Krankheiten wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. 
Aber auch Lebensstilfaktoren können dazu führen, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

„Dazu gehören Über- oder Untergewicht, Stress oder Rauchen, aber auch schlicht Terminprobleme“, weiß PD Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss, leitende Oberärztin an der Poliklinik/Endokrinologie, Frauenklinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar in München.

So kommen in die Hormonsprechstunde der Münchener Hormonexpertin immer häufiger Paare, bei denen ihre Fernbeziehung mit ein Grund ist, dass die Frau nicht schwanger wird.

Fernbeziehungen sind heute für viele Menschen Alltag, oft aus beruflichen Gründen. Jeder Achte lebt unter der Woche getrennt vom Lebenspartner. Wünschen sich Paare ein Kind, kann die Fernbeziehung plötzlich zu einem großen Hindernis werden. „Für Paare, die weitgehend zusammenleben, können wir von einer 25-prozentigen Schwangerschaftschance pro Monat ausgehen“, berichtet Dr. Seifert-Klauss. Sehe man sich hingegen nur selten, könne das kurze fruchtbare Zeitfenster rund um den weiblichen Eisprung oft nicht genutzt werden. „Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur 12 bis 24 Stunden bereit, befruchtet zu werden“, so die Hormonexpertin.

In diesen Fällen könne eine Hormontherapie helfen, den Eisprung gezielt etwa auf das Wochenende zu verschieben.
  • Haben Frauen keinen oder nur selten einen Eisprung, helfen andere Hormontherapien, um die Möglichkeit einer Schwangerschaft zu verbessern. 
Dr. Seifert-Klauss erläutert:

„Viele Frauen haben direkt nach Absetzen der Pille vorübergehend eine Erhöhung ihres Follikelstimulierenden Hormons (FSH), das das Wachsen des Eibläschens anregt. Man nennt dieses Absetzphänomen auch „Rebound-Effekt“. Den so ausgelösten FSH-Schub auf die Eierstöcke können Patientinnen gezielt nutzen, um im ersten Zyklus nach dem Absetzen der Pille in vielen Fällen einen Eisprung hervorzurufen.“
Etwa fünf bis acht Prozent der Frauen leiden an einem Polyzystischen Ovar-Syndrom (PCOS). 
  • Es hat zur Folge, dass der Eisprung nur selten stattfindet. Hier kann eine zweiwöchige Gestagen-Gabe in der zweiten Zyklushälfte die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs im nächsten Zyklus der Patientin mit einem milden PCOS erhöhen.
  • Um die gezielt hervorgerufenen Eisprünge bestmöglich für eine Befruchtung zu nutzen, empfiehlt die Expertin, bereits einige Tage im Vorfeld Verkehr zu haben. Da Spermien im Körper der Frau drei bis zu fünf Tage befruchtungsfähig blieben, bestünde so die Chance, dass sie auf eine Eizelle treffen würden.
Professor Dr. med. Günter Stalla, Tagungspräsident und Leiter der Inneren Medizin, Endokrinologie und Klinischen Chemie, Neuroendokrinologische Ambulanz und Andrologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München ergänzt:

„Die hormonellen Regelkreise sind sehr kompliziert. Daher gehört diese Behandlung unbedingt in die Hände von gynäkologisch-endokrinologisch versierten Expertinnen und Experten.“

Für wen genau welche Therapie in Frage kommt und welche Vor- und Nachteile es dabei zu bedenken gilt, ist eines der Themen auf der der DACH-Tagung am 26. Mai 2016 in München.

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Studie: Wächter-Lymphknoten - Brustkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Studie: Müssen Lymphknoten bei Brustkrebs raus?

Eine wegweisende Studie zum Brustkrebs ist mit der ersten Patientin an den Start gegangen. Für die INSEMA-Studie (INSEMA steht für „Intergroup-Sentinel-Mamma“) arbeiten mehrere Studiengruppen unter der Leitung der Universität Rostock zusammen. Beteiligt sein werden am Ende fast 6000 Patientinnen mit frühem Brustkrebs und einer geplanten brusterhaltenden Operation aus Deutschland an etwa 130 Studienzentren sowie etwa 800 Patientinnen in Österreich. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachthema hier:  

 
Die Forscher untersuchen, ob bei der Operation künftig auf eine bisher übliche Maßnahme verzichtet werden kann.

  • Bislang wird bei dem Eingriff der sogenannte Wächter-Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt.

 "Wir ergründen, ob der Verzicht auf diese Maßnahme onkologisch sicher ist und die Komplikationen bei der Operation verringert werden können", sagt Studienleiter Prof. Toralf Reimer, Leitender Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik in Rostock.

  • Dass Brustkrebs-Patientinnen, bei denen zum Zeitpunkt der Diagnose per Tastbefund und Ultraschall ein unauffälliger Befund der Achselhöhle festgestellt wurde, den Lymphknoten einbüßen müssen, hat für einige der Frauen oftmals langanhaltende negative Folgen. 

  • So können Lymphödeme, Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl im Arm entstehen; die Lebensqualität verschlechtert sich. 

  • "Außerdem scheint bei Verzicht auf die Lymphknoten-OP das Risiko für ein erneutes Auftreten eines Tumors in der Achselhöhle der betroffenen Seite sehr gering zu sein. 

Das zeigen frühere, kleinere Studien mit mehreren Jahren Nachbeobachtung", sagt Reimer und hat dafür eine gute Erklärung:

"Die Tumorzellen der Lymphknoten werden durch die mittlerweile sehr effektive Therapie nach der Operation, also Chemo-, Hormontherapie und die Bestrahlung der Restbrust, mitbehandelt." 


Kann also bei einem bis zu fünf Zentimeter großen Brustkarzinom bei unauffälligem Befund der Achselhöhle und geplanter brusterhaltender Therapie auf die Entnahme der Lymphknoten verzichtet werden? 

Eine der zentralen Fragen, die die Studie beantworten soll. "Am Ende wird das Überleben ohne Krankheit ausgewertet", so der Studienleiter.

Die aktuelle Datenlage legt nahe, dass kein relevanter Unterschied zwischen beiden Behandlungsarmen auftreten werde: "Momentan können wir bei einer Patientin, die vor der Operation einen unauffälligen Befund in der Achselhöhle aufweist, in mindestens 70 Prozent der Fälle keinen Tumorzellbefall der Wächter-Lymphknoten nachweisen."

Dieser hohe Prozentsatz von Patientinnen benötige den chirurgischen Eingriff in der Achselhöhle ohnehin nicht.

  • "Außerdem konnte bisher keine Studie zeigen, dass eine Lymphknotenentfernung bei unauffälligem Tastbefund vor der OP für die Patientinnen einen Vorteil hinsichtlich des Überlebens der Brustkrebserkrankung erbrachte“, sagt Reimer.

Die INSEMA-Studie ist mit einem Gesamt-Förderrahmen von 4,588 Millionen Euro eines der größten von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Studienprojekte. Die Verantwortung zur Durchführung der Studie liegt bei der Universitätsmedizin Rostock.

Um die Vielzahl der zu erwartenden Daten erfassen und auswerten zu können, wird das Datenmanagement in Kooperation mit der GBG Forschungs GmbH in Neu-Isenburg bewältigt. Die German Breast Group (GBG) ist eine seit 2003 aktive akademische Forschungsgruppe zur Durchführung von Brustkrebs-Studien national und international. Durch die Expertise der GBG ist eine kontinuierliche Datensammlung über die geplante Studiendauer von insgesamt neun Jahren gewährleistet.

"Womöglich können wir einem Teil unserer Brustkrebs-Patientinnen die Operation der Achselhöhle und Entnahme von Lymphknoten bei gleichbleibender Prognose ersparen", hofft Prof. Bernd Gerber, stellvertretender Studienleiter in Rostock.

  • Bei der Studie werden außerdem Faktoren erfasst wie die Lebensqualität, chirurgische Komplikationen und Metastasenbildung. Zusätzlich wird die tatsächliche Strahlendosis im Rahmen der Ganzbrust-Nachbestrahlung ausgewertet. 

So ist die Kooperation mit den Strahlentherapeuten in den jeweiligen Brustzentren eine wichtige Schnittstelle für die Datenqualität.


Medizin am Abend BerlinKontakt:

Studienleitung in Rostock: Prof. Toralf Reimer
Leitender Oberarzt
Universitäts-Frauenklinik Rostock
Tel.: 0381 4401 8452
insema@kliniksued-rostock.de

Kerstin Beckmann
Universitätsmedizin Rostock
Tel.: 0381 494 50 90
Kerstin.beckmann@med.uni-rostock.de
Ingrid Rieck Universität Rostock

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.gbg.de/studien/operative-studien/insema

360° TOP-Hinweis: Gebärmuttererkrankungen - Mehr Lebensqualität dank neuer Leitlinie

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Patientinnen mit Gebärmuttererkrankungen - Mehr Lebensqualität dank neuer Leitlinie


Starke Blutungsstörungen, Krämpfe während der Menstruation, Myome und Endometriose können zu extremen Beschwerden führen, die Frauen in ihrem Alltag einschränken und belasten. Welche Therapie ist die passende?

Handlungsempfehlungen gibt die neue S3-Leitlinie „Indikation und Methodik der Hysterektomie bei benignen Erkrankungen“ (AWMF-Nr. 015-070), die federführend von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) veröffentlicht wurde.

Hier zur Indikation, Methodik der Hysterektomie

„Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen erhalten erstmals einen systematischen Überblick für Anamnese und Diagnostik zur Indikationsstellung und zu wählender Behandlungsmethode bei gutartigen (benignen) Erkrankungen der Gebärmutter“, erläutert Professor Diethelm Wallwiener, Präsident der DGGG.

  • Die Leitlinie ordnet neben Methoden zur Gebärmutterentfernung (Hysterektomien) auch organerhaltende Alternativen ein, die minimalinvasiv, mit der so genannten Schlüssellochchirurgie, erfolgen und besonders schonend sind. Wichtig sind eine umfassende Diagnose und die detaillierte ärztliche Aufklärung über Therapiemöglichkeiten, damit verbundene Chancen sowie etwaige Nebenwirkungen und Risiken. 
  • Das Mittel der Wahl kann den Frauen zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verhelfen.

„Mit dieser Leitlinie ist es uns gelungen, anhand von Transparenz und Evidenz sowohl die Ärztinnen und Ärzte als auch die Patientinnen in die Lage zu versetzen, gemeinsam die beste Behandlung herauszufinden, wobei der aktuellen Lebenssituation der Frauen und ihren Präferenzen ein hoher Stellenwert zukommt.

So kann für eine Frau entscheidend sein, die Gebärmutter zu behalten und für eine andere, möglichst keinen weiteren Eingriff vornehmen lassen zu müssen", verdeutlicht Professor Klaus-Joachim Neis, wissenschaftlicher Koordinator dieser S3-Leitlinie. Im Aufklärungsgespräch sollten Frauenärztinnen und Frauenärzte über die Behandlungsoptionen, Nebenwirkungen und Erfolgsaussichten informieren und sorgfältig mit der Patientin abwägen, welche Therapie im individuellen Fall die optimale ist.

Systematische Flussdiagramme sind Orientierungshilfen und zeigen Wege, die bei Myomen, Blutungsstörungen, Endometriose und Gebärmuttersenkungen indikationsbezogen sinnvoll sind. Gibt es mehrere gleichwertige therapeutische Alternativen, sollte die Frau durch eine detaillierte Beratung in die Lage versetzt werden zu entscheiden, welche der zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten am besten zu ihr passt.

  • Wann ist eine Gebärmutterentfernung notwendig?
  • Prinzipiell gilt, dass über eine Hysterektomie nachgedacht werden kann, wenn ein Kinderwunsch, auch wenn er noch so latent ist, nicht mehr besteht. „Wenn Myome deutlich wachsen, angrenzende Organe betroffen sind und starke Blutungen auslösen, die nicht anders zu stoppen sind, ist die Entscheidung für eine Gebärmutterentfernung und das Vorgehen in Abhängigkeit von der Lebenssituation gemeinsam mit der Patientin abzuwägen“, so Neis. Ebenso sei bei einer Vielzahl kleiner Myome und bei sehr starken Symptomen von Gebärmuttererkrankungen wie einer Endometriose eine Hysterektomie notwendig.

Bei Patientinnen mit extremen Blutungsstörungen ist zunächst zu klären, welche Veränderungen in der Gebärmutter vorliegen. In jedem Falle sollten zur Sicherung der Diagnose zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch und eine Ultraschalluntersuchung stattfinden. Wenn der Verdacht einer Ausweitung der Endometriose auf benachbarte Organe besteht, sollte zusätzlich eine Bauchspiegelung erfolgen, empfehlen die Experten.

Bei Versagen einer Hormontherapie und bei abgeschlossener Familienplanung kommen eine Entfernung oder Zerstörung der Gebärmutterschleimhaut bei Blutungsstörungen (Endometriumablation) und eine Hysterektomie als Behandlungsmöglichkeiten in Betracht.

Operationsmethoden im Vergleich

„Frauen mit starken Blutungsstörungen und Krämpfen, deren Kinderwunsch abgeschlossen ist, profitieren im Hinblick auf die gemessene Lebensqualität sowohl von organerhaltenden Verfahren als auch von der operativen Entfernung der Gebärmutter.

Organerhaltende Verfahren zeigen in den Studien weniger Komplikationen, allerdings sind in nicht wenigen Fällen erneute Eingriffe erforderlich, d.h. die Beschwerden werden nicht komplett beseitigt oder treten wieder auf“, schildert Dr. Monika Nothacker von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und stellvertretende Leiterin des Institutes für Medizinisches Wissensmanagement.

Sie hat den Evidenzbericht erstellt, d.h. die Empfehlungen zu allen Verfahren auf Basis der internationalen Literaturlage überprüft und bewertet.

„Wenn eine Entscheidung zur Entfernung der Gebärmutter gefallen ist, sollte anhand eines systematischen Methodenvergleichs das individuell passende Verfahren gefunden werden“, schließt Nothacker.

  • Vor- und Nachteile der häufigsten Operationstechniken zur Gebärmutterentfernung über die Scheide, per Bauchspiegelung oder über einen Bauchschnitt wurden bewertet.

Bei der Entwicklung der Leitlinie stellte sich heraus, dass trotz der bisherigen Erfolge weiterer Forschungsbedarf besteht und insbesondere das Monitoring der Hysterektomie, welches vor zwei Jahren in Deutschland ausgesetzt wurde, wieder eingesetzt werden muss.

Dies ist eine Chance alternative organerhaltende Behandlungsverfahren, welche vorwiegend im ambulanten Bereich vorgenommen werden, mit einzubinden.

Information und Aufklärung ist das A und O: 

„Diese Leitlinie unterstützt Ärzte in der Kommunikation mit Patientinnen. Mithilfe einer leitlinienkonformen Behandlung können wir Frauen mit Blutungsstörungen ein Mehr an Versorgungs- und Lebensqualität bieten“, resümiert Professor Wallwiener. 


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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
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http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-070l_S3_Indikation_und_Methodik_...

Bei Brustkrebs auch die Lymphknoten behandeln http://www.degro.org

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Erweiterte Strahlentherapie senkt Rückfallrisiko

Etwa 72 000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Die Bestrahlung oder Radiotherapie ist seit langem fester Bestandteil der Brustkrebsbehandlung. Zwei aktuelle Studien zeigen nun, dass viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium von einer erweiterten Strahlentherapie profitieren, bei der die Ärzte auch die benachbarten Lymphknoten in das Strahlenfeld einbeziehen. Dies verringert nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) langfristig die Risiken für eine spätere Wiedererkrankung. 
 
Ein Brustkrebs im Frühstadium wird heute meist brusterhaltend behandelt. Dabei beschränkt sich die Operation auf die Entfernung des Tumors und des umgebenden Gewebes.

Wenn ein oder mehrere Lymphknoten betroffen sind, erhalten die Brustkrebspatientinnen neben der Bestrahlung fast immer eine unterstützende Chemotherapie, manchmal auch eine Hormontherapie oder eine Kombination aus beidem.

Eine Bestrahlung der Brustdrüse nach der Operation soll verhindern, dass es später erneut zum Krebswachstum kommt. „Die Radiotherapie hat die brusterhaltende Operation erst möglich gemacht“, sagt Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Sind keine Lymphknoten befallen, kann die Bestrahlung auf die Brustdrüse beschränkt werden“, erläutert der DEGRO-Vize-Präsident.

Finden die Ärzte jedoch Krebszellen in den Lymphknoten oder besteht ein hohes Risiko hierfür, können sie die Strahlentherapie auf die Bereiche der Lymphknoten erweitern. „Zwei Studien haben nun gezeigt, dass die erweiterte Strahlentherapie oftmals richtig und wichtig ist“, so Budach.

An den beiden Studien haben in Nordamerika und Europa mehr als 5000 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium teilgenommen, die zum größten Teil brusterhaltend operiert werden konnten. In der europäischen Studie bekam nur ein Teil der Frauen eine adjuvante, also unterstützende Chemotherapie; in der nordamerikanischen Studie jedoch alle Frauen. Ein Teil der Frauen erhielt dann eine konventionelle Radiotherapie, die sich auf die Bestrahlung der Brustdrüse beschränkte. In der anderen Gruppe wurden zusätzlich die Lymphabflusswege bestrahlt.

Neben einer Zone in unmittelbarer Umgebung der Brust am Übergang zur Achselhöhle und hinter dem Brustbein gehört auch die Region oberhalb des Schlüsselbeins dazu. An beiden Orten befinden sich Lymphknoten, die zum Ausgangspunkt von erneuten Tumorbildungen werden können.

Die Behandlungen fanden bereits in den 1990er und den 2000er Jahren statt. Nach zehn Jahren zeigten sich klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie: In beiden Studien stieg hierdurch der Anteil der Patientinnen, die ohne Tumorrückfall und am Leben blieben, um mehrere Prozentpunkte.

In beiden Studien zeichnete sich durch die erweiterte Radiotherapie ein Trend zum besseren Überleben ab.

„Von der erweiterten Bestrahlung profitieren auch Frauen, deren Lymphknoten zwar frei von Krebszellen sind, die aber besonders aggressive oder größere Tumoren haben“, erläutert DEGRO-Sprecher Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim.

Diese Patientinnen haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Metastasen. 

Wenz betont:

„Die Bestrahlungsgeräte sind in den letzten beiden Jahrzehnten weiterentwickelt worden, die Bestrahlungen sind zielgenauer und schonender. Zudem werden heute effektivere Medikamente eingesetzt.“ Insgesamt verbessere sich die Situation für Brustkrebspatientinnen kontinuierlich. „Die Überlebenschancen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium lagen in beiden Studien bei über 80 Prozent“, so Wenz. „Bei den Frauen, die wir heute behandeln, dürfte sich die Quote der Langzeitüberlebenden noch einmal deutlich erhöhen.“

Literatur:
EORTC Radiation Oncology and Breast Cancer Groups. Internal Mammary and Medial Supraclavicular Irradiation in Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):317-27.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1415369#t=article

MA.20 Study Investigators. Regional Nodal Irradiation in Early-Stage Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):307-16.
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1415340#t=articleTop

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen.

Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.


Medizin am Aben DirektKontakt:

Dagmar Arnold
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E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
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